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Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 50

Wow! 50 Folgen schon mei­ner Serie „Pimp My Stock!“ Das hät­te ich nicht erwar­tet, als ich sie vor knapp neun Jahren ins Leben geru­fen habe. (Was, neun Jahre ist das schon her?)

Was ist „Pimp My Stock“?
Vor zehn Jahren habe ich mich auf eini­gen Fotocommunitys rum­ge­trie­ben, die alle ein ähn­li­ches Schema hat­ten: Fotos wur­den ent­we­der mit „Toll, wow, groß­ar­tig“ kom­men­tiert oder gar nicht. Falls mal ernst­haf­te Vorschläge zur Verbesserung kamen, wur­den die­se vom Fotografen meist abge­bü­gelt mit „Das soll so, ist Absicht!“.

Selbst wer als Fotograf wirk­li­ch wis­sen woll­te, wel­chen kom­mer­zi­el­len Wert sei­ne Aufnahmen haben, bekam in die­sen Fotocommunitys sel­ten Hilfe, weil vie­le der Leser Hobbyfotografen waren, die wenig Erfahrung mit dem Bilderverkauf hat­ten.

So kam mir die Idee zu „Pimp My Stock!“. Leser kön­nen mir hier ihre Fotos schi­cken, wel­che ich öffent­li­ch mit Blick auf ihre Verkaufschancen beur­tei­le und Tipps gebe, wie sie sich even­tu­ell ver­bes­sern las­sen. Hier geht es nicht um Lob, son­dern um nütz­li­che Kritik, wel­che die Annahmechancen bei Bildagenturen ver­bes­sern soll. Da ich seit mitt­ler­wei­le 12 Jahren nichts ande­res mache als Bilder über Agenturen zu ver­kau­fen, gibt es bei mir Tipps aus der Praxis.

Wer eben­falls kos­ten­los mit­ma­chen will, fin­det hier alle not­wen­di­gen Informationen.

Wie der Zufall so spielt, gibt es pas­send zum Jubiläum ein beson­de­res Schmankerl.
Stefan hat mir sei­ne Fotos geschickt, die auf den ers­ten Blick alle sehr stockt­aug­li­ch aus­se­hen. Aber las­sen wir ihn vor­her zu Wort kom­men:

Hallo Robert,

ich hei­ße Stefan und bin gelern­ter Fotograf. Mitte 2015 habe ich beschlos­sen, ein biss­chen Stockfotografie zu machen und habe dann erst mal neben­bei 6 Shootings dafür gemacht. Mitte 2016 habe ich beschlos­sen das Ganze noch stär­ker zu betrei­ben. Also habe ich noch mehr Stockfoto-Shootings gemacht. Mittlerweile habe ich ein Portfolio von ca. 1200 Fotos bei Shutterstock und Fotolia.

Von eini­gen Bildserien habe ich bis­her aller­dings fast kei­ne Verkäufe, obwohl ich mir von den Motiven mehr erhofft hat­te. Die Bildserien, von denen ich dir je 1–2 Beispielfotos schi­cke, bestehen meist aus ca. 50 Fotos, haben aber über meh­re­re Monate ins­ge­samt unter 10 Downloads. Vor allem von den Downloadzahlen bei der Serie mit der Weihnachtsfamilie, den Sportfotos und den 4 Mädels bin ich ent­täuscht.

Vielleicht kann­st du ent­de­cken, was ich fal­sch gemacht habe? Liegt es am Motiv? Haben die­se ein zu unspe­zi­fi­sches Thema? Oder liegts am Bildaufbau? Oder viel­leicht an der Verschlagwortung (die Schlagworte fin­dest du in den Metadaten der Fotos)?
Oder hab ich irgend­was ganz ande­res ver­mas­selt?

Ich fän­de es super, wenn du dich dem Thema in dei­ner Pimp My Stock Reihe wid­men könn­test. Dass du Stock-Einsteigern so den Einstieg erleich­t­erst, find ich toll 🙂

Liebe Grüße
Stefan“

Schauen wir uns mal die Bilder von Stefan an.

Vorab:
Alle Bilder von Stefan sind auf den ers­ten Blick gut ver­käuf­li­ch. Es sind People-Lifestyle-Bilder, also gen­au das, was Bildagenturen am meis­ten ver­kau­fen, ein Thema oder Konzept ist immer leicht erkenn­bar und die Umsetzung ist tech­ni­sch sau­ber. Dennoch haben die Bilder alle kaum Verkäufe. Da müs­sen wir uns mal gen­au anschau­en, was der Grund sein könn­te.

fami­ly unbo­xing christ­mas pres­ents in front of christ­mas tree

Die Titel las­se ich mal drin, weil sie auch ein Merkmal sein könn­ten, was eine Rolle spielt. Aber auch hier scheint auf den ers­ten Blick sau­ber gear­bei­tet wor­den zu sein. Einziger Vorschlag von mir wäre, „christ­mas gift“ (32 Mio. Treffer bei Google) statt „christ­mas pre­sent“ (nur 19 Mio. Treffer) zu ver­wen­den, weil es gebräuch­li­cher ist.

Zum Motiv:
Lachende Familie packt Weihnachtsgeschenke aus? Sollte laut mei­ner Keyword-Analyse weg­ge­hen wie war­me Semmeln. Die Tücken lie­gen wie immer im Detail: Zuerst die Eltern: Der Mann schaut starr ins Leere anstatt sich am Glück sei­ner Kinder zu erfreu­en, die Mutter ist etwas zu sehr hin­ter der Tochter ver­steckt. Die Spitze vom Weihnachtsbaum ist abge­schnit­ten und durch die gan­zen dunk­len Blau- und Schwarztöne der Kleidung ver­schwimmt die Familie im Thumbnail zu einem dunk­len Haufen.

Viel stö­ren­der ist jedoch die feh­len­de Weihnachtsatmosphäre beim Licht. Die Beleuchtung wirkt rela­tiv kühl und wie in einem Möbelhaus, nicht die fest­li­che Heiligabendstimmung, mit der Firmen im Romantiktopf rüh­ren wol­len.

Ich habe mal in einer Minute die Farben etwas wär­mer gemacht, eine Vignette drü­ber­ge­legt und einen Lens Flare, dann bekommt das Bild schon eine ganz ande­re Stimmung:
Als Keywords ent­hält das Bild die­se 14 Begriffe:
„christ­mas; fami­ly; gifts; laugh; child­ren; hap­py; christ­mas tree; advent; home; cele­bra­te; unpack; holi­day; boy; girl“.

Auffällig ist, dass Englisch ver­wen­det wur­de. Meiner Erfahrung nach lohnt es sich wei­ter­hin, für Fotolia in deut­scher Sprache zu ver­schlag­wor­ten und für Shutterstock dann ins Englische zu über­set­zen. Die 14 Begriffe sind alle sehr akku­rat und zutref­fend, wobei ich mehr gewählt hät­te. Es feh­len noch Begriffe wie „peop­le, cele­bra­ti­on, pre­sent, mother, deco­ra­ti­on, hap­pi­ness, daugh­ter, smi­ling, woman, sur­pri­se, fun, xmas, childhood, toge­ther, father, love, joy, son, giving“.  Damit wären wir bei 33 Begriffen, was eine super Menge ist für sol­che Bilder.

fami­ly deco­ra­tes christ­mas coo­kies

Auch beim zwei­ten Bild der Serie sind mei­ne Kritikpunkte ähn­li­ch. Der Mann schaut eher zu als mit­zu­hel­fen, sein wei­ßes Hemd lässt ihn mit der Kleidung des Jungen ver­schwim­men, die Mutter ver­deckt den Weihnachtsbaum, bei­de Kinder schau­en etwas zu ern­st und die brau­ne Dose vor­ne im Bild lenkt etwas ab. Dazu kommt wie­der der küh­le Lichtaufbau.

Zu den 15 Keywords „bake; christ­mas coo­kies; deco­ra­te; fami­ly; child­ren; christ­mas; gifts; hap­py; christ­mas tree; advent; home; cele­bra­te; holi­day; boy; girl“ wür­de ich die­se 16 Begriffe ergän­zen: „coo­kie, food, coo­king, kit­chen, baking, home­ma­de, peop­le, pre­pa­ra­ti­on, woman, deco­ra­ti­on, toge­ther, win­ter, sea­son, child, childhood, gin­ger­bre­ad“.

group sel­fieAuch die­ses Gruppenfoto zum Thema „Selfie“ wirkt ober­fläch­li­ch super. Viele attrak­ti­ve Leute, moder­nes Thema, tech­ni­sch gut umge­setzt. Aber wie­der die Details: Die Haare der brü­net­ten Frau lie­gen etwas unge­ord­net, die Hot Pants sind vor allem dem prü­den us-amerikanischen Markt ver­mut­li­ch schon etwas zu kurz, der voll­stän­di­ge täto­wier­te Arm der Frau links mag kon­ser­va­ti­ve­re Kunden abschre­cken, die Oberteile hät­ten statt den „Unfarben“ schwarz und weiß etwas abwechs­lungs­rei­cher sein kön­nen und so wei­ter. Das Licht ist auch wie­der etwas „stim­mungs­los“ und kühl.

Der Titel ist super knapp, schon ein „girl group smart­pho­ne sel­fie“ wür­de das Bild dop­pelt so auf­find­bar machen. Als Keywords wer­den wie­der 14 Wörter ver­wen­det:
„sel­fie; group; women; girls; sum­mer; city; fri­en­ds; hap­py; fun; life­sty­le; urban; fri­en­dship; beau­ti­ful; young“.

Ich hät­te noch Begriffe wie „peop­le, taking, pho­to, vaca­ti­on, hap­pi­ness, smart­pho­ne, self, por­trait, teen­ager, pho­ne, came­ra, tech­no­lo­gy, toge­ther, mobi­le, tra­vel, pic­tu­re, tou­rism, tou­rists, stu­dents“, also auch wie­der 19 Wörter mehr.

shop­ping sale

Bei die­sem Bild gilt zum Thema Hotpants und Oberteile das Gleiche wie beim letz­ten Motiv. Außerdem hät­te hier eine gerin­ge­re Schärfentiefe die Gruppe bes­ser vom etwas unru­hi­gen Hintergrund getrennt.

Es wur­den dies­mal 15 Keywords ver­wen­det: „shop­ping; sale; women; city; girls; sum­mer; fri­en­ds; group; hap­py; fun; life­sty­le; urban; fri­en­dship; beau­ti­ful; young“.

Mir feh­len da noch zum Beispiel noch 15 Begriffe wie „peop­le, fashion, retail, hap­pi­ness, cust­o­m­er, sho­pa­ho­lic, bags, out­doors, hol­ding, clot­hing, buy, shop­per, street, cen­ter, con­su­me­rism“.

stret­ching run­ning legs

Was ist euch (hof­fent­li­ch) sofort bei der Betrachtung auf­ge­fal­len? Die Jogger oder das Haus? Oder bei­des?  Der Punkt ist: Es ist unklar, ob es ein Architekturfoto oder ein Sportbild sein soll. Weniger Schärfentiefe hät­te auch hier das Problem leicht gelöst.

Als Suchbegriffe wur­den dies­mal schon 18 Wörter bemüht: „stret­ch; legs; run­ning; sport; city; fit­ness; health; trai­ning; jog­ging; work­out; life­sty­le; ath­le­te; exer­cise; peop­le; sports­wear; sports­man; sports­wo­man; cou­ple“.

Da fehlt mir noch min­des­tens „run­ner, woman, man, healthy, urban, ath­le­tic, jog­ger, fit, active, street, out­doors, spor­ty, exer­cising, activi­ty, road“, also 15 Keywords.

hap­py cou­ple in park with copy space at sky

Glückliches Pärchen im Park: Mir fällt auf, dass die Haltung der bei­den Personen nicht so ein­deu­tig erkenn­bar ist. Trägt er sie hucke­pack, steht sie hin­ter ihm, springt sie hoch? Das kann von der Komposition bes­ser gelöst wer­den. Außerdem wür­de dem Bild etwas mehr Photoshop gut tun.

Wieder ein super­kur­zes Beispiel von mir: Ein Blauverlauf im Modus „Multiplizieren“ und ein Flare im Modus „Negativ mul­ti­pli­zie­ren“, schon hat das Bild eine viel som­mer­li­che­re Stimmung.

Als Keywords kamen die­se 15 Wörter zum Einsatz: „cou­ple; sky; park; love; copy space; sum­mer; life­sty­le; rela­ti­ons­hip; hap­py; young; out­doors; roman­ce; date; boy­fri­end; girl­fri­end“.

Ich ergän­ze die­se 14 Begriffe: „woman, man, peop­le, toge­ther, natu­re, smi­ling, hap­pi­ness, roman­tic, fun, lei­su­re, joy, autumn, vaca­ti­on, out­door“.

hap­py smi­ling busi­ness woman in down­town city cros­sing a street with mobi­le pho­ne

Auch die­ses Bild funk­tio­niert grund­sätz­li­ch. Die dunk­len, nicht sehr ein­la­dend wir­ken­den Ladenzeilen unten rechts wir­ken jedoch etwas abschre­ckend. Unklar ist auch, ob die Frau „Business“ sein soll oder „Freizeit“. Bei Business wäre die Tasche zu leger, bei Freizeit das Outfit zu streng.

Diesmal kamen die­se 24 Kewords zum Einsatz: „busi­ness­wo­man; city; busi­ness; woman; mobi­le pho­ne; down­town; skirt; smi­le; por­trait; pho­ne; young; street; hap­py; out­door; job; laugh; fac­ca­de; buil­dings; beau­ti­ful; blond; clerk; casual; blou­se; employee“.

Diese las­sen erah­nen, dass das Thema eher „Business“ sein soll. Zuviel sind auf jeden Fall die Wörter „fac­ca­de und buil­dings“. Wer nach Häusern oder einer Fassade sucht, wird ande­re Bilder im Kopf haben, die er sucht. Ähnliches gilt für „skirt“.

Ich wür­de noch die­se 12 Keywords ergän­zen: „mobi­le, urban, smart­pho­ne, com­mu­ni­ca­ti­on, tech­no­lo­gy, modern, out­doors, call, cell pho­ne, tal­king, tra­vel“.

short hai­red woman with hand on glas­ses

Im Thumbnail wür­den wir hier ein Portrait einer lächeln­den jun­gen Frau erken­nen. In der grö­ße­ren Ansicht sind jedoch das Lippenpiercing, der Nasenring und die Tunnel in den Ohren erkenn­bar. Auch die graue Haarfarbe bei der jun­gen Frau irri­tiert. Insgesamt sind das zusam­men mit der Vintagebrille alles Details, die Hipness und Coolness dar­stel­len sol­len. Der Hintergrund ver­mit­telt dies jedoch über­haupt nicht. Ein Freisteller vor weiß wäre hier sicher die bes­se­re Wahl gewe­sen.

Auch die Keywords spie­geln das lei­der nicht wie­der: „glas­ses; woman; fema­le; peop­le; por­trait; girl; tren­dy; short; hair; young; short hair­sty­le; gray; per­son; hap­py; beau­ti­ful; pret­ty; face“.

screa­m­ing girl with shop­ping bags

Gleiches Modell, glei­ches Problem. Die Piercings sind für etli­che Kunden ein­fach zu extrem, als vier­tes kommt das Zungenpiercing noch hin­zu. Das dunkle Gebäude im Hintergrund wirkt auch eher wie ein lang­wei­li­ger Bürokomplex als wie ein auf­re­gen­des Shoppingzentrum. Bei den Keywords gel­ten die glei­chen Tipps wie beim Shoppingbild oben.

young busi­ness woman hol­ding hands in focus

Viele mei­ner obi­gen Kritikpunkte wur­den hier schon beher­zigt. Der Hintergrund ist unschär­fer, Lichtlecks brin­gen Atmosphäre ins Bild und die Haare lie­gen bes­ser. Mit 43 Wörtern wur­de hier auch nicht an den Keywords gespart. Sicher könn­te man hier und da über die Notwendigkeit eines der Begriffe dis­ku­tie­ren oder 2–3 wei­te­re erset­zen, aber ins­ge­samt ist auch die Verschlagwortung gelun­gen.

Insofern ist das ein sehr gelun­ge­nes Stockfoto. Wenn sich die Käufer da jetzt nicht wie wild drauf stür­zen, blei­ben lei­der trotz­dem noch meh­re­re mög­li­che Ursachen: Hohe Konkurrenz bei den Business-Themen oder das Ranking bei den Bildagenturen.

Erkenntnis zum Schluss

Ich hat­te in der Folge 37 von „Pimp My Stock!“ schon mal einen gelern­ten Fotograf dabei und wie auch Stefan die­ses Mal wird deut­li­ch, dass die Leute dana­ch wirk­li­ch gut foto­gra­fie­ren kön­nen. Eine Ausbildung in die­sem Bereich bringt also etwas.

Die Beispiele zei­gen aller­dings auch, dass damit nicht auto­ma­ti­sch „Stockfotografie-Tauglichkeit“ gege­ben ist, dann die gol­de­nen Regeln der Stockfotografie wer­den ange­hen­den Fotografen nicht immer mit­ge­ge­ben. (Kurzer Werbeblock: Dafür kön­nen sie in mei­nem Buch „Stockfotografie“* nach­ge­le­sen wer­den.)

Damit wir uns nicht fal­sch ver­ste­hen:
Hätte Stefan sei­ne Bilder vor 10 bis 5 Jahren ein­ge­reicht, wären sie alle­samt Bestseller gewor­den. Garantiert. Bei der heu­ti­gen Konkurrenz haben selbst so hoch­wer­ti­ge Bilder wie die von Stefan es deut­li­ch schwe­rer, sich einen Platz in den Verkaufsrängen zu erkämp­fen. Deshalb muss jedes noch so klei­ne Detail sit­zen. Dazu gehö­ren lei­der auch die Keywords, die vie­len Fotografen schwer fal­len. Aber es hilft nichts. Wer hier schlu­dert, ver­schenkt kost­ba­res Potential.

Wie schätzt ihr Stefans Bilder ein?
War ich zu hart? Hättet ihr ande­re Tipps gege­ben?

* Affiliate

Frag den Fotograf: Darf man als vollexklusiver Fotograf seine Bilder bei Instagram und Co. zeigen?

Vor paar Tagen bekam ich wie­der eine Mail mit einer span­nen­den Frage:

Lieber Robert,

bei Fotolia mögen weder Support noch Moderatoren die­se Frage zufrie­den­stel­lend beant­wor­ten:

Darf ich als Voll-EX mei­ne Bilder bei Instagram oder Facebook hoch­la­den, um damit mein Portfolio bei Fotolia zu bewer­ben?“

Auf die­se Frage haben sowohl Support als auch Moderator geant­wor­tet, dass es einem Voll-Ex nicht gestat­tet sei, die Bilder außer­halb von Fotolia /anzubieten/. Dies gel­te auch für alle Fotos, die von Fotolia abge­lehnt wur­den sowie alle wei­te­ren Werke des Anbieters usw.

Ich ste­he auf dem Standpunkt, dass ich Bilder auf Instagram oder FB gar­nicht anbie­ten kann, da bei­des kei­ne Konkurrenten von FT sind,  es kei­ne Möglichkeit zum Lizenzerwerb gibt usw. Auf Deinem Blog hat­te ich spon­tan nichts gefun­den. Hattest Du Dich hier­mit schon­mal befasst?

Die Diskussion im Forum fin­dest Du hier.

Herzlichen Dank und vie­le Grüße, Daniel“

Bevor ich ant­wor­te, eine Begriffsklärung, falls jemand nicht weiß, was mit „Voll-Ex“ gemeint ist. Das ist die Abkürzung für Voll-Exklusivität, bei der sich ein Fotograf ver­pflich­tet, sei­ne (Royalty Free) Bilder exklu­siv über eine Agentur anzu­bie­ten. Dafür erhält er in der Regel Vorteile gegen­über Fotografen, wel­che die iden­ti­schen Bilder über ver­schie­de­ne Agenturen anbie­ten kön­nen. Wer mehr zum Thema „Exklusivität“ lesen will, fin­det hier eini­ge Blogartikel von mir.

Nun zu mei­ner Antwort in Kürze:
Nein, ich per­sön­li­ch sehe da kein Problem.

Meine Antwort etwas aus­führ­li­cher:
Auf die­ser Webseite von Fotolia wer­den die Bedingungen für eine Voll-Exklusivität erläu­tert. Dort steht, dass Fotolia die ein­zi­ge Agentur sein will, die die Werke „lizenz­frei“ anbie­tet. Deshalb habe ich bei der Voll-Ex-Erklärung oben auch den eng­li­schen Begriff „royal­ty free“ in Klammern gesetzt. Wen die­se Begriffe ver­wir­ren, fin­det hier mei­ne aus­führ­li­che Erklärung.

Voll-Exklusivität-Ausnahmen bei Fotolia

Das bedeu­tet, dass es als Ausnahme unter ande­rem gestat­tet ist, sei­ne Bilder selbst „rights mana­ged“, also nicht lizenz­frei anzu­bie­ten und zu ver­kau­fen. Dazu muss man die Bilder ja eben­so irgend­wo zei­gen, genauso wie es bei Facebook und Instagram der Fall wäre.

Ganz streng genom­men räu­men sich zwar Facebook, Instagram und Co. weit­rei­chen­de Rechte an hoch­ge­la­de­nen Bildern ein, wes­halb die­ses im Bild erwähn­te „nicht kos­ten­los zum Download zur Verfügung stel­len“ eine juris­ti­sche Grauzone ist.

Aber: Im Kern geht es der Bildagentur dar­um, dass ein Voll-Exklusiver Fotolia nir­gends Konkurrenz macht. Diese Gefahr sehe ich weder bei Instagram noch bei Facebook für gege­ben.

Wer ganz auf Nummer Sicher gehen will, lädt die betrof­fe­nen exklu­si­ven Bilder nur mit einem sicht­ba­ren Wasserzeichen woan­ders hoch, damit wird die Gefahr mini­miert, dass Bilderdiebe sich bei Facebook kos­ten­los bedie­nen.

Wie seht ihr das?

Sales Report von iStock übersichtlich darstellen lassen

Vor eini­gen Wochen hat iSto­ck die gesam­te Buchhaltung rüber zur Mutterfirma Getty Images trans­fe­riert.

Wie lei­der fast schon übli­ch, ging das nicht ohne Probleme, Bugs und Verzögerungen über die Bühne.

Es ist auch nicht über­trie­ben zu behaup­ten, dass die Änderung kei­ne Verbesserung, son­dern defi­ni­tiv eine Verschlechterung ist. So las­sen sich bei­spiels­wei­se Verkaufsdaten nicht mehr in Echtzeit betrach­ten, son­dern nur gebün­delt nach jedem Monat.

Und selbst das wird den Fotografen nicht leicht gemacht. Auf der offi­zi­el­len „Account Management“-Seite von Getty Images gibt es nur eini­ge Balken- und Tortendiagramme im 1990er-Jahre-Look.

Wer eine Aufschlüsselung der ein­zel­nen Verkäufe haben will, muss tief in die Trickkiste grei­fen.

Ich ver­ra­te euch heu­te drei Wege, wie ihr mehr nütz­li­che Informationen aus den „Sales Reports“ extra­hie­ren könnt.

Für eini­ge der genann­ten Methoden ist es erfor­der­li­ch, eine Textdatei mit allen not­wen­di­gen (und vie­len unnö­ti­gen) Informationen her­un­ter­zu­la­den.

Dazu loggt ihr euch auf der ESP-Getty Webseite mit euren Login-Daten ein. Klickt auf „My Performance -> Royalties“. Dann in der Spalte links auf „Export“ kli­cken und in der Mitte den gewünsch­ten Monate und das Jahr aus­wäh­len. Als „File Type“ wählt ihr die mitt­le­re Text-Variante (im Screenshot ist die drit­te Connect-Variante mar­kiert, dazu spä­ter mehr).

  1. Todayis20
    Todayis20 ist eine kos­ten­lo­se Webseite, die von eini­gen Getty-Fotografen ins Leben geru­fen wur­de, die eben­so genervt wie etli­che ande­re von den unüber­sicht­li­chen Spreadsheets waren, die Getty zum Download bereit stellt.
    Der Name rührt daher, dass am 20. Tag eines Monats meist die Daten des Vormonats von Getty bereit gestellt wer­den soll­ten.
    Auf der Webseite könnt ihr die Textdateien hoch­la­den und visu­ell aus­wer­ten las­sen, unge­fähr so, wie man es von der alten iStock-Seite gewohnt war und sogar mit eini­gen Features mehr:
  2. Stock Performer*
    Über Stock Performer habe ich im Blog schon mehr­mals geschrie­ben, weil es DAS (kos­ten­pflich­ti­ge) Analysetool mei­ner Wahl für alle mei­ne Microstock-Verkäufe ist.
    Neben ganz vie­len ande­ren sta­tis­ti­schen Auswertungen erlaubt Stock Performer ähn­li­ch wie Todayis20 die Darstellung der ein­zel­nen Verkäufe sowie sehr viel mehr Analysen:
  3. Selbst Spreadsheets aus­wer­ten
    Es ist weni­ger bequem und erfor­dert mehr Arbeit, aber es ist mög­li­ch. Die unle­ser­li­che Textdatei kann in ein etwas hand­li­che­res Format gebracht wer­den.
    Dazu öff­net ihr zum Beispiel Microsoft Excel (oder die kos­ten­lo­se Variante von OpenOffice) und es öff­net sich bei Excel der „Textkonvertierungs-Assistent“:
    Dort klickt ihr wie im Screenshot zu sehen auf „Getrennt“, weil die Daten per Semikolon von­ein­an­der getrennt sind und auf „Die Daten haben Überschriften“, dann auf „Fertig stel­len“.
    Nun erhal­tet ihr vie­le Spalten mit den Infos, von denen jedoch vie­le Infos irrele­vant sind. Am span­nends­ten sind die Zeilen P (Bildnummer), R (Bildtitel) und AB (Umsatz pro Verkauf). Wenn ihr die Umsätze der Verkäufe addie­ren wollt, müsst ihr die Punkte in der Spalte durch Kommata erset­zen sowie die Zeile for­ma­tie­ren als „Währung“ mit 5 Dezimalstellen.
    Im Blog von Michael Zwahlen fin­det ihr auch hier eine Anleitung, wie ihr die Textdatei mit Google Docs aus­wer­ten könnt und eine Art Übersicht erstellt.

Spezialfall Connect-Sales:

Vor ca. vier Jahren hat Getty Images eine soge­nann­te „Getty Connect“-Schnittstelle ein­ge­rich­tet, mit der Webseiten wie Pinterest o.ä. legal Getty-Bilder oder deren Metadaten anzei­gen dür­fen und dafür eine mini­ma­le Gebühr bezah­len.

Wie gen­au die­se Gebühren aus­se­hen und wel­che Bilder ver­wen­det wur­den, seht ihr im Detail, wenn ihr im Export-Bereich der ESP-Seite von Getty Images die drit­te statt die zwei­te Datei run­ter­la­det (sie­he ers­ter Screenshot).

Diese Textdatei könnt ihr zum Beispiel mit Todayis20 aus­le­sen. Stock Performer bie­tet das nicht an, weil „Connect Sales nur ein paar Cent pro Monat aus­ma­chen“. Wenn ihr wie in Punkt 3 beschrie­ben selbst die Excel-Tabelle anse­hen wollt, braucht ihr eben auch die fünf Stellen hin­ter dem Komma (Klicken zum Vergrößern):
Wie kor­rekt über­haupt die Abrechnungen sind, wird im Netz wild dis­ku­tiert, weil da eini­ge Daten nicht zu pas­sen schei­nen. Bei mir steht zum Beispiel in Spalte J mehr als die Hälfte der Verkäufe als „exklu­siv“ mar­kiert, obwohl ich kein ein­zi­ges Bild exklu­siv über iSto­ck anbie­te.

Was sagt ihr zum neu­en Abrechnungsformat von iSto­ck?

* Affiliate-Link

Frag den Anwalt – Folge 06: Urheberrecht bei Auftragsfotos

In der sechs­ten Folge von „Frag den Anwalt“ wid­met sich unser Anwalt dies­mal einer Frage, die uns Melanie per Email geschickt hat:

Foto: Alexey Testov

Wenn ich Fotos in Auftrag gebe:
Ich der­je­ni­ge bin, der alles bezahlt und ich die Modelle bezah­le.

Wer ist dann Urheber des Fotos? Spielt mei­ne Anwesenheit beim Shooting eine Rolle? Was ist, wenn ich qua­si einen Lieferanten für Fotos habe? Oder ist das eben­falls mit einer Lizenz ver­bun­den?

Die zwei­te Frage ist: Wie sieht es einem fes­ten Arbeitsverhältnis aus?“

Grundsätzlich gilt zumin­dest in Deutschland, wer auf den Auslöser drückt, ist der Urheber der Aufnahme. Das ergibt sich aus § 7 UrhG, der die Urheberstellung an die Handlung des Schaffens eines Werkes knüpft.

§ 7 Urheber

Urheber ist der Schöpfer des Werkes.“

Anders läuft dies übri­gens im Land der unbe­grenz­ten Möglichkeiten (USA). In den USA gibt es das soge­nann­te „work for hire“ Prinzip, bei dem ver­trag­li­ch fest­ge­legt wer­den kann, dass der Auftraggeber von Fotoaufnahmen und ande­ren urhe­ber­recht­li­ch rele­van­ten Inhalten selbst der Urheber der Bilder wird. Dieses Prinzip ist dem deut­schen Urheberrecht aller­dings fremd.

Das bedeu­tet im Gegenzug, dass jeder, der nicht Urheber ist, ein Nutzungsrecht an den Aufnahmen benö­tigt, wenn er sie wirt­schaft­li­ch ver­wer­ten will. Darauf hat es zunächst auch erst ein­mal kei­ne Auswirkung, ob Du alles (auch den  Fotografen) bezahl­st oder ob Du beim Shooting anwe­send bist. Grundsätzlich gilt also auch hier, dass es zu emp­feh­len ist, eine Vereinbarung über die Einräumung von Nutzungsrechten mit dem Fotografen zu schlie­ßen.

Dass dies mit­un­ter ein wenig umständ­li­ch ist, hat auch der Gesetzgeber erkannt und im § 43 UrhG gere­gelt:

Die Vorschriften die­ses Unterabschnitts sind auch anzu­wen­den, wenn der Urheber das Werk in Erfüllung sei­ner Verpflichtungen aus einem Arbeits- oder Dienstverhältnis geschaf­fen hat, soweit sich aus dem Inhalt oder dem Wesen des Arbeits- oder Dienstverhältnisses nichts ande­res ergibt.“

Aber auch die­se Vorschrift bedeu­tet kei­nes­wegs, dass sämt­li­che im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses (also eines Anstellungsverhältnisses und nicht der frei­en Mitarbeit) erstell­ten Aufnahmen auto­ma­ti­sch hin­sicht­li­ch aller Nutzungsrechte an den Arbeitgeber über­ge­hen. Vielmehr ist dies nur der Fall, wenn die Erstellung von Fotos eine arbeits­ver­trag­li­che Pflicht des Arbeitnehmers dar­stellt, was etwa bei ange­stell­ten Fotografen der Fall sein kann. Ist dies nicht der Fall, wird auch hier in der Regel die Übertragung von Nutzungsrechten aus­drück­li­ch erfol­gen müs­sen.

Zusammengefasst kann man die Frage daher so beant­wor­ten, dass es bei bei­den Alternativen der Frage in jedem Fall sinn­voll ist, sich aus­drück­li­ch Nutzungsrechte an den Fotos ein­räu­men zu las­sen.

Über den Autor:
Sebastian Deubelli ist Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht in der Nähe von München.

Hast Du eben­falls eine Frage an den Anwalt?
Hier fin­dest Du mehr Infos.

Einnahmen von Bildagenturen beim Finanzamt melden

In ziem­li­ch regel­mä­ßi­gen Abständen erhal­te ich Emails wie die­se bei­den hier:

Mein Steuerberater, mit dem ich im ers­ten Jahr bin, schreibt mir fol­gen­des: „Haben Sie zur Auszahlung der .….…. € von Fotolia eine Rechnung bzw. haben Sie die Möglichkeit, eine ord­nungs­ge­mä­ße Rechnung zu erhal­ten?“ Ich habe mir die Quittung über Credit Auszahlung von Fotolia aus­ge­druckt. Reicht mir die­se ein­fa­che Quittung aus zur Vorlage beim Finanzamt?“

Oder eine ande­re Agentur betref­fend:

Guten Tag Herr Kneschke,

vor­er­st vie­len Dank für die vie­len nütz­li­chen Informationen auf Ihrem Blog. Ich habe durch Sie sehr viel über das Stockgeschäft gelernt.

Leider konn­te ich zur fol­gen­den Frage kei­ne Antwort fin­den (Eine Suchmaschine hat mir auch nicht wei­ter gehol­fen):
Wie gebe ich mei­ne Einnahmen von Shutterstock beim Steuerberater an?
Bei Fotolia kann man sich einen Beleg her­un­ter­la­den, damit gab es bis­her kei­ne Probleme beim Finanzamt.

Shutterstock hat mir geant­wor­tet, dass sie kei­ne Quittungen oder ähn­li­ches aus­stel­len.
Das hilft mir natür­li­ch auch nicht wei­ter. Die ein­zi­ge Möglichkeit besteht dar­in, dass ich mir bei Shutterstock die Auszahlungsübersicht oder eine Tabellenkalkulation her­un­ter­la­de.

Welche Informationen geben Sie an? Würden Sie mir bit­te wei­ter­hel­fen? Ich wür­de mich sehr über Ihre Antwort freu­en.“

Der Kern der Frage bei die­sen Mails ist immer: Wie wei­se ich dem Finanzamt mei­ne Einkünfte aus Bildagenturen nach?

In den Mails ist es schon ange­klun­gen, dass zumin­dest bei Fotolia der Download einer ein­fa­chen Quittung mög­li­ch ist. Diese fin­det ihr unter „Credits“, wenn ihr beim Filter nur das Häkchen bei „Ausgezahlt“ setzt und beim Ergebnis-Treffer auf den Link „Quittung“ klickt. Die Seite könnt ihr dann abspei­chern, aus­dru­cken und beim Finanzamt ein­rei­chen.

Bei Shutterstock und eini­gen ande­ren Bildagenturen gibt es die­se Möglichkeit lei­der nicht.

Ich dru­cke mir dafür ein­fach die Bestätigung des Zahlungseingangs von mei­nem Paypal-Konto aus, auch für alle ande­ren Bildagenturen.

Mein Steuerberater mein­te mal zu mir, dass das Finanzamt vor allem bei Ausgaben sehr kri­ti­sch ist und Belege sehen will. Dass jemand fälsch­li­cher­wei­se nicht erziel­te Einnahmen mel­den wür­de, sei hin­ge­gen eher sel­ten, wes­halb Einnahmen nicht so streng pro­to­kol­liert wer­den müs­sen. Mehr Einnahmen bedeu­ten ja in der Regel auch mehr Geld für das Finanzamt.

Zur Sicherheit noch der obli­ga­to­ri­sche Hinweis: Alle Hinweise ohne Gewähr, da ich weder Rechtsanwalt oder Steuerberater bin und kei­ne Haftung für die hier genann­ten Tipps geben kann.

Wie gen­au macht ihr das?