Alle Beiträge von Robert Kneschke

Muss Mieter oder Eigentümer PR unterschreiben, wenn Fotografen in Wohnung fotografieren?

Neben den Model Releases gehö­ren Eigentumsfreigaben, auch Property Release (PR) genannt, zu den zweit­häu­figs­ten Verträgen, mit denen Stockfotografen han­tie­ren müs­sen.

Wenn ein Fotograf eine Wohnung für ein Fotoshooting mie­tet oder nut­zen darf, stellt sich in der Praxis die Frage: Wer muss den Property Release unter­schrei­ben? Der Mieter oder der Eigentümer?

Wenn man den Zugang zur Wohnung und die Erlaubnis zum Fotografieren von einem Mieter erhält, der dort dau­er­haft wohnt, also auch das Hausrecht inne­hat, soll­te die­ser den Property Release unter­schrei­ben.

Wenn es jedoch in einer Wohnung nur Kurzzeit-Mieter gibt, zum Beispiel in etli­chen „AirBnB“-Wohnungen, muss der Eigentümer unter­schrei­ben, weil der Kurzzeitmieter nicht der Verfügungsberechtigte wäre, des­sen Interessen bei der Veröffentlichung des Bildes beein­träch­tigt wären.

Erkennbar wer­den die meis­ten Räume ja auch vor allem durch die indi­vi­du­el­le Einrichtung, die bei Dauermietern eben meist die­ser selbst zusam­men­stellt und erkennt, wäh­rend das bei jeman­den, der sich für paar Tage via AirBnB (oder ähn­li­chen Portalen) ein­mie­tet, nicht der Fall ist.

Als gene­rel­le Faustregel ist: Wer hat das Hausrecht, also darf ent­schei­den, wer sich in der Wohnung auf­hal­ten darf? Derjenige soll­te auch den Property Release unter­schrei­ben.

Der Fotograf gilt bei einem Mieter auch nicht als „Untermieter“, was eini­ge Mietverträge aus­schlie­ßen, son­dern als Gast des Mieters.

Bei schlich­ten Wohnungen (recht­ecki­ge Räume ohne beson­de­re Erkennungsmerkmale), die eh größ­ten­teils in gnä­di­ger Unschärfe ver­schwin­den, wäre meist gar kein Property Release erfor­der­lich, aber allein um Rechtssicherheit her­zu­stel­len, bemü­he ich mich in der Regel, immer einen Property Release zu erhal­ten.

Wie hand­habt ihr das in der Praxis?

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 54

Schon vor einer Weile hat­te Tanja in einer Gruppe einen Facebook-Post ver­öf­fent­licht, weil sie nicht ver­stan­den hat, war­um ihre Bilder bei Shutterstock wegen „pos­si­ble Trademark vio­la­ti­on“ abge­lehnt wur­den.

Ich habe ihr ange­bo­ten, mir die Bilder anzu­se­hen und hier in einer „Pimp My Stock!“-Folge zu bespre­chen.

Beim ers­ten Bild wird Shutterstock ver­mut­lich unten links das beleuch­te­te Ladengeschäft mit dem Schriftzug des Laden-Namens gestört haben. Dazu kom­men die beleuch­te­ten Häuser, die man bei sehr stren­ger Auslegung (wel­che Shutterstock nutzt), als „tem­po­rä­re Lichtinstallation“ sehen könn­te, wel­che urhe­ber­recht­lich geschützt sein könn­te. Das berühm­tes­te Beispiel ist der Eiffelturm in Paris bei Nacht. Bilder vom Turm am Tag dür­fen kom­mer­zi­ell ange­bo­ten wer­den, Bilder bei Nacht nicht, eben wegen der Lichtinstallation, selbst wenn strit­tig ist, ob sie wirk­lich noch als „vor­über­ge­hend“ anzu­se­hen ist.

Hier wie­der das glei­che Problem: „Lichtinstallation“ an den Häusern und hin­ten rechts ist in der 100%-Ansicht ein Werbeschild les­bar und unten links in der Ecke könn­te bei vol­ler Auflösung auch etwas mar­ken­recht­lich Geschütztes erkenn­bar sein. Auch die Flagge könn­te die Ablehnung aus­ge­löst haben, wenn sie von einem unwis­sen­den Bildredakteur nicht kor­rekt erkannt wur­de.

Ui, Jahrmärkte. Selbst in der ver­klei­ner­ten Ansicht erken­ne ich schon eini­ge Namen von Schausteller-Buden, wel­che Probleme berei­ten könn­ten. Auch die Bilder auf den Buden (z.B: unten links) könn­ten pro­ble­ma­tisch sein, weil der Urheber der Bilder dar­an Rechte hal­ten könn­te. Generell gilt aber zusätz­lich auch hier wie­der das Thema „Lichtinstallation“.

Auch hier wie­der: Lichtinstallation und unten links gut les­bar der Name der Weinstube.

Lichtinstallation und rechts der Name vom Hofbräu-Zelt.

Ich wie­der­ho­le mich etwas: Lichtinstallation und hin­ten an den Häusern die Firmen- sowie Restaurant-Namen sind pro­ble­ma­tisch.

Und ein wei­te­res Mal: Lichtinstallation und links der Name des Geschäfts an der Markise. Je nach Auflösung der Kamera könn­te selbst das Logo auf dem Regenschirm rechts sowie das Logo vom Rucksack (ggf. auch etwas Geschütztes am Kinderwagen) erkenn­bar sein.

Hier dies­mal „nur“ die Lichtinstallation, dies­mal auch recht ein­deu­tig, wenn eine künst­le­ri­sche Leistung deut­lich erkenn­bar ist, wel­che bei den gera­den Lichterketten an den Hausdächern ggf. nach strit­tig gewe­sen wäre.

Wie ihr seht, sind es oft Kleinigkeiten und Dinge, die auf den ers­ten Blick nicht jedem ersicht­lich sind, wel­che zu Ablehnungen bei Bildagenturen füh­ren kön­nen.

Wenn ihr mir eben­falls eini­ge Bilder schi­cken wollt für eine „Pimp My Stock!“-Folge , fin­det ihr hier alle not­wen­di­gen Informationen.
Was war eure kurio­ses­te (aber gerecht­fer­tig­te) Ablehnung?

Bildagentur Westend61 startet Direktverkauf

Die Münchner Bildagentur Westend61 ist seit 15 Jahren als Zulieferer für gro­ße Vertriebspartner wie Getty Images, AGE Fotostock und ande­re Bildagenturen tätig.

Woman taking bath © Westend61/Rainer Berg

Nun star­tet Westend61 den Versuch, auch im Direktgeschäft Fuß zu fas­sen und mit­tels des eige­nen Online-Shops selbst Bilder an Kunden zu ver­kau­fen, statt die­se nur an ande­re Agenturen zu lie­fern.

Zum Start sind ca. 13.000 hand­s­e­lek­tier­te und exklu­si­ve People- und Lifestyle-Bilder im Portfolio, wel­ches ste­tig wächst.

Happy Couple © Westend61/Jo Kirchherr

Einer der bei­den Inhaber von Westend61, Stephan Bock, erklärt: „Wenn du im Markt neben all den Großen exis­tie­ren willst, musst du irgend­was anders machen. Gerade weil wir klein sind, kön­nen wir das Angebot sehr scharf umrei­ßen und uns auf People und Lifestyle kon­zen­trie­ren. Unser Herzstück ist die Kreativabteilung, die das Bilderportfolio extrem auf­wen­dig kura­tiert und stän­dig auf der Suche nach neu­en Trends ist.“

Die Bildsprache soll sich von den übli­chen Stock-Angeboten abhe­ben mit einem Fokus auf einer euro­päi­schen, sehr authen­ti­schen Bildsprache und einem fri­schen Look.

Happy Family © Westend61/Mareen Fischinger

Martine Präßl, Creative Director, erklärt, was dahin­ter­steht: „Wir den­ken kon­se­quent von Kundenseite und neh­men nur Bilder ins Programm, die kam­pag­n­en­taug­lich sind und im werb­li­chen Umfeld funk­tio­nie­ren kön­nen.“

Mit Eröffnung des eige­nen Webshops nimmt Westend61 auch Bildproduktionen ande­rer Partner ins Programm auf: Bisher wur­den zum Beispiel Verträge mit Caia Images aus London, Cavan Images aus New York und Maskot aus Stockholm abge­schlos­sen.

Podcast eines Fotoproduzenten Folge 10 – Interview mit Illustrator Alexander Limbach

In der zehn­ten Folge mei­nes „Podcast eines Fotoproduzenten“ rede ich mit einem Finanzberater. Na ja, das war Alexander Limbach zumin­dest frü­her mal, bevor er sich als Illustrator und 3D-Grafiker ein neu­es Standbein auf­ge­baut und mitt­ler­wei­le über 14.000 Bilder bei Bildagenturen im Angebot hat.

Wir reden über sei­ne Zeit vor den Illustrationen und was ihm sein alter Job für Vorteile gebracht hat, über sei­ne Lernkurve sowie das lei­di­ge Thema Bilderklau und Abmahnungen:

Wenn euch die Folge gefal­len hat, bewer­tet bit­te den Podcast bei iTunes, Ihr könnt den Podcast auch abon­nie­ren, um kei­ne neue Folge zu ver­pas­sen!

Hier ist der RSS-Feed zum Abonnieren.
Über iTunes könnt ihr hier den Podcast abon­nie­ren.

Hier ein Querschnitt der Arbeiten von Alexander Limbach:

Hare ears and eas­ter eggs with beech twigs on the bokeh back­ground. Eps 10 vec­tor file.
Stainless steel kni­fe, spoon and fork with pla­te on the white back­ground. Eps 10 vec­tor file.
Red paper star with fro­zen twigs, red bau­bles and sno­w­fall in the back. Eps 10 vec­tor file.
Colored tiles with micro­chip on the gray back­ground. Eps 10 vec­tor file.
Purple pin deck with white bow­ling pins and blue ball. Eps 10 vec­tor file.
A witch with magic fire and spi­rits in a hal­lo­ween forest.
Orange car­toon with a big ciga­ret­te, iso­la­ted on white.
Illustration, 3d ren­de­ring, nano­tec bot with dna in blood,

SHOWNOTES:
Webseite von Alexander Limbach
Portfolio von Alexander Limbach bei Shutterstock
Instagram-Portfolio von Alexander Limbach
Keywordme-Webseite

Rezension: „Agenten der Bilder“ von Annette Vowinckel

Es gibt etli­che Bücher über Fotografen und die Fotografie, deren Theorie, Geschichte und die ver­schie­de­nen Genres.

Über die wirt­schaft­li­che Seite der Fotografie und die Vertriebswege wird jedoch deut­lich weni­ger geschrie­ben. Die zwei­te Reihe hin­ter den Fotografen, die Bildredakteure und Bildagenturen, gera­ten da sehr sel­ten in den Blick. Dabei ent­schei­den sie fast mehr als die Fotografen selbst, wel­che Bilder zu Ikonen und wel­che ver­ges­sen wer­den, indem sie bestim­men, wel­che Motive auf die Titelbilder gro­ßer Zeitungen und Zeitschriften kom­men.

Deshalb war ich sehr gespannt, als die Historikerin Annette Vowinckel (Leiterin der Abteilung für Mediengeschicke am Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam) vor einer Weile ihr Buch „Agenten der Bilder. Fotografisches Handeln im 20. Jahrhundert“* im Wallenstein Verlag (ISBN 978–3-8353–1926-4) ver­öf­fent­lich­te.

Auf 480 Seiten geht sie der Frage nach, „wer die Fotografien wo, wann und in wel­cher Erwartung plat­ziert und nach wel­chen Kriterien bestimm­te Bilder aus­ge­wählt und ande­re ver­ges­sen oder ver­hin­dert wer­den“ (S. 8).

Statt wie so oft eine Motivanalyse zu ver­su­chen, geht Vowinckel anders vor: „Ich kon­zen­trie­re mich dabei auf das, was ich als ‚Bildhandeln‘ bezeich­ne, gehe also nicht von den Bildern aus, son­dern von den Handlungen, deren Ziel und Inhalt die Produktion und Zirkulation von Bildern ist“ (S. 15).

Das Buch ist neben den Pflichtteilen wie Einleitung, Schluss und diver­sen (Quellen-)Verzeichnissen in fünf Abschnitte geteilt.

Im ers­ten Teil, „Die Entstehung einer glo­ba­len visu­el­len Öffentlichkeit“ genannt, beschreibt sie his­to­risch den Aufbau der ers­ten (Nachrichten-)Bildagenturen und wel­che Rolle dabei der Zweite Weltkrieg gespielt hat. Der zwei­te Teil ist den „Berufsgruppen“ gewid­met, nament­lich den Fotojournalisten und Bildredakteuren: Deren Herkunft, Motivation, Werdegang und Selbstverständnis wer­den nach­ge­zeich­net.
Der drit­te Teil betrach­tet die „Fotografie im Staatsdienst“, vor allem in der Armee und zivi­len staat­li­chen Organisationen.
Teil vier nennt sich „Bildsteuerung und Bildverwendung“ und beschäf­tigt sich mit Zensur, foto­gra­fi­scher Ethik und Evidenz.
Der fünf­te Teil geht sechs Fallbeispiele durch, nament­lich Fotojournalismus in Afrika, Fotografische Subversion in der DDR, Faschismus und Antifaschismus, der Kalte Krieg, der Bilderkrieg in Vietnam und Politiker.

Im Buch sind etli­che span­nen­de Themenfelder ver­steckt, zu denen ich noch kom­men wer­de. Unbefriedigend ist jedoch, dass sich beim Lesen manch­mal das Gefühl ein­stellt, die Autorin wür­de über ihre eige­ne Ansprüche stol­pern.

Das fängt gleich in der Einleitung an, wo sie das „Bildhandeln“ als zen­tra­les Element ihrer Arbeit aus­macht und Fragen auf­wirft wie „Was unter­schei­det eine Bildhandlung von einer Sprachhandlung?“, „Welche Formen des Bildhandelns hat die Moderne im Schatten der Massenproduktion […] ver­vor­ge­bracht?“ und „Wie ver­än­dert sich das Politische unter dem Ansturm der Bilder, der das 20. Jahrhundert präg­te […]?“ (alle S. 15), obwohl es im Folgenden dann „nur“, dafür aber mate­ri­al­ge­sät­tigt, um die Herstellung und den Vertrieb von Bildern geht.

Theoretisch ganz span­nend führt sie fünf Kategorien ein, nach denen „Bilder als Argumente“ (S. 19) die­nen: Erstens zur Herstellung einer visu­el­len Öffentlichkeit, zwei­tens zur Agitation, Propaganda und Public Relations, drit­tens zur Solidarisierung mit den Opfern von Krieg und Gewalt sowie zur huma­ni­tä­ren Anklage, vier­tens zur foto­gra­fi­schen Subversion und fünf­tens zum Erbringen von Evidenz.

Mal ganz abge­se­hen davon, dass sie die­se ohne jeg­li­che Erwähnung des „Geldverdienens“ immer als hand­lungs­lei­tend ansieht, erklärt sie gleich dar­auf, sich nicht an die­se Struktur im Buch hal­ten zu wol­len.

Sehr erhel­lend ist das Kapitel über die Bildredakteure, weil die­ser Aspekt der kom­mer­zi­el­len Fotografie meist zu kurz kommt. Vowinckel schreibt bei­spiels­wei­se, dass etli­che Fotografen ein­fach ihre vol­len Filme in der Redaktion ablie­fer­ten und sich nicht wei­ter dar­um scher­ten, was die Bedeutung der Bildredaktion für die Entstehung iko­ni­scher Motive her­vor­hebt.

Auch die Details im ers­ten Teil über die Entstehung von Bildagenturen wie Associated Press (AP) und mit wel­chen tech­ni­schen Kniffen sie sich gegen­über der Konkurrenz durch­set­zen konn­ten, habe ich noch nir­gend­wo anders gele­sen.

Ähnliches gilt für das Kapitel über die Fotografie im Staatsdienst. Es lie­fert einen span­nen­den Einblick in die ver­schie­de­nen Überlegungen, wie Fotografien sei­tens der Armee für ihre Zwecke genutzt wer­den könn­ten und wie die­se Ideen prak­tisch umge­setzt wur­den.

Aber oft ging es mir im Buch dann doch sehr häu­fig wie­der um die, teils sehr bekann­ten, (Kriegs-)Fotografen wie Robert Capa, W. Eugene Smith, Dorothea Lange oder James Nachtwey und was sie im Einsatz erdul­den muss­ten. Dabei wäre selbst inner­halb der gewähl­ten Fallbeispiele inter­es­sant gewe­sen, wie bei­spiels­wei­se Bildredaktionen in der DDR arbei­te­ten oder zu Zeiten des Kalten Krieges oder wie sich der Vertrieb der Bilder auch nach dem Zweiten Weltkrieg mit den wach­sen­den tech­ni­schen Möglichkeiten gewan­delt hat.

Nichtsdestotrotz ist das Buch eine fak­ten­rei­che Sammlung zur Fotogeschichte. Vor allem wer sich für die Kriegsfotografie und Dokumentarfotografie inter­es­siert, wird beim Lesen auf sei­ne Kosten kom­men.

Es ist hier im Buchhandel* für 34,90 Euro als Hardcover mit Schutzumschlag erhält­lich.

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