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Die Shutterstock-​Quartalszahlen sind da: Überblick über die Entwicklung der letzten Jahre

Es ist schon fast vier Jahre her, seit ich das letz­te Mal die Quartalszahlen der bör­sen­no­tier­ten Bildagentur Shutterstock hier im Blog ver­öf­fent­licht und kom­men­tiert habe.

Daher ist es an der Zeit, erneut einen Blick auf die Zahlen zu Downloads, Umsatz, Gewinn und so wei­ter zu wer­den und aus Anbieterperspektive zu schau­en, was wir viel­leicht aus die­sen Zahlen ent­neh­men können.

Schauen wir uns zuerst die bezahl­ten Downloads an:

Die bezahl­ten Downloads erreich­ten im ers­ten Quartal 2024 bei 35 Mio.
Zum Vergleich: Den höchs­ten Wert erziel­te Shutterstock im vier­ten Quartal 2019 mit 47,7 Mio Pay-​Downloads. Das ist ein Rückgang um mehr als ein Viertel (genau­er: 26,62 %).

Die größ­te Absenkung der Download-​Zahlen gab es vom ers­ten zum zwei­ten Quartal 2023, mit ca. 4,2 Mio. Downloads weniger.

Wie ihr in der nächs­ten Grafik sehen könnt, ist der Rückgang beim Download-​Umsatz nicht so gra­vie­rend. Dieser lag im ers­ten Quartal 2024 bei knapp 174 Mio. Das ist ein Rückgang von ca. 10,1% im Vergleich zum bes­ten Wert mit 193,5 Mio. im zwei­ten Quartal 2022.

Das mag unter ande­rem an dem ver­än­der­ten Vergütungsmodell für die Anbieter lie­gen, wel­ches Shutterstock im Mai 2020 ein­ge­führt hat­te. Damit erhal­ten Anbieter eine pro­zen­tua­le Beteiligung basie­rend auf ihren Verkaufszahlen pro Jahr. Sind die­se nied­rig, muss Shutterstock den Fotograf*innen weni­ger Prozente zah­len.
Das mag den Anstieg des Download-​Umsatzes ab dem 3. Quartal 2020 erklä­ren und auch die Tatsache, dass der Download-​Umsatz lang­sa­mer zurück geht als die Downloads selbst. Denn je weni­ger Downloads ins­ge­samt, des­to weni­ger Prozente schüt­tet Shutterstock an die Anbieter aus und behält mehr für sich.

Das Portfolio von Shutterstock wächst jedoch trotz­dem unge­bremst wei­ter. Vom zwei­ten Quartal 2022 bis zum ers­ten Quartal 2024 hat sich das Portfolio mehr als ver­dop­pelt von 441 Mio. Dateien auf 888 Mio. Dateien.

Die Videos im Portfolio haben dar­an nur einen gerin­gen Anteil. Zwar gab es im vier­ten Quartal 2022 einen sprung­haf­ten Anstieg von 27 auf 45 Mio. Videos, der ver­mut­lich durch die Übernahme der Videoagentur Pond5 im Mai 2022 zustan­de kam, ansons­ten aber ver­läuft die Zunahme sehr line­ar und gleichmäßig.

Ganz anders hin­ge­gen sieht das bei den Bildern aus:

Nach der Änderung der oben erwähn­ten Honorarstruktur hal­bier­te sich die Zunahme der Bilder fast von ca. 20 Mio. Bildern pro Quartal auf 10 Mio. neu­er Bilder. Erst im vier­ten Quartal 2022 gab es einen kome­ten­haf­ten Anstieg mit plötz­lich 176 Mio. neu­en Bildern, von denen ver­mut­lich ein gro­ßer Teil KI-​generiert war. Aber auch hier könn­te die Übernahme von Pond5 einen Teil dazu bei­getra­gen haben.

Im dar­auf fol­gen­den Quartal ver­bot Shutterstock das Hochladen von KI-​generierten Bildern und die Anzahl neu­er Bilder sank mit 15 Mio. neu­en Bildern fast wie­der auf „Normalniveau“.

Aber schon im zwei­ten Quartal 2023 lag der Anteil neu­er Bilder wie­der bei 119 Mio. und ich bezweif­le stark, dass die Übernahme von GIPHY im Mai 2023 hier einen rele­van­ten Anteil hat­te. Vermutlich haben nur genug Anbieter Mittel und Wege gefun­den, ihre KI-​Bilder auch ohne Kennzeichnung durch die Bildredaktion zu schleu­sen. Aber das ist natür­lich nur eine Spekulation. Auffällig ist der Anstieg allemal.

Ebenfalls auf­fäl­lig, aber bes­ser erklär­bar ist der ste­ti­ge Anstieg des Umsatzes pro Download (Revenue per Download, RPD). Shutterstock hat es geschafft, den Umsatz pro ver­kauf­tem Bild (oder Video) von ca. 2 USD pro Verkauf im zwei­ten Quartal 2011 auf fast 5 USD im letz­ten Quartal zu steigern.

Klar erkenn­bar ist, dass der Trend ab der Änderung der Honorarstruktur im zwei­ten Quartal 2020 nach eini­gen Jahren der Stagnation deut­lich ansteigt. Oder anders for­mu­liert: Die geän­der­te Vergütungsstruktur ging ein­deu­tig zu Lasten der Fotograf*innen und Shutterstock pro­fi­tier­te davon. 

Diese Grafik ist lei­der etwas des­il­lu­sio­nie­rend für die Bildlieferanten von Shutterstock. Da die Gesamtmenge des Portfolios deut­lich schnel­ler wächst als die Downloadzahlen, ist es nahe­lie­gend, dass die Verkäufe – und damit auch der Umsatz – pro Bild dras­tisch sin­ken. Konnte jemand vor zehn Jahren im Schnitt noch knapp 2 USD pro Bild im Portfolio ver­die­nen pro Quartal, ist die­ser Wert zuletzt auf 0,20 USD gesun­ken. Das ist nur Zehntel davon.

Dazu passt, dass „Contributoren“ von Shutterstock in die­sem lang­fris­ti­gen Finanzplan 2027 nur ein­mal Erwähnung fin­den, und zwar als „Community zur Bereitstellung maß­ge­schnei­der­ter Daten-​Trainingssätze“ (Seite 5).

Die abso­lut gesun­ke­nen Umsätze durch Medienverkäufe sind für Shutterstock aber gar nicht so schlimm, weil sie in den letz­ten drei Jahren ver­stärkt auch Umsätze aus ande­ren Bereichen haben mit der omi­nö­sen Bezeichnung „Data, Distribution and Services“. Darunter fal­len zum Beispiel die Lizenzierung von KI-​Trainingsdaten oder ande­re Dienstleistungen, meist Bereiche, in denen Shutterstock Anbietern noch weni­ger abge­ben muss.

Der Umsatz aus dem rei­nen Bildlizenzierungsgeschäft ist in den letz­ten vier Jahren von 99,32% (2020) auf 82,08% (2024 TTM) gesunken.

Bei die­ser Grafik bin ich mir ehr­lich gesagt nicht ganz sicher, ob ich rich­tig gerech­net habe. Ich habe die Werte aus der „2024 First Quarter Financial Information“-Excel-Tabelle von Shutterstock genom­men. Die oran­ge­nen Balken sind die Zahlen aus der Zeile 223 „Content Revenues“ und die grü­nen Balken aus der Zeile 179 „Contributor royal­ties paya­ble“. Damit soll­te sich, mei­ner nai­ven Ansicht nach, erken­nen las­sen, wie viel Prozent der Bildverkaufsumsätze an die Anbieter aus­ge­zahlt wer­den. Das Ergebnis wäre die blaue Linie, die aber ernüch­tern­der­wei­se von 4 auf 9% gestie­gen wäre. Das kommt mir immer noch viel zu wenig vor.

Vielleicht könnt ihr die Zahlen selbst nach­prü­fen. Habe ich einen Denkfehler oder liegt der durch­schnitt­li­che Fotografenanteil beim Bildverkauf tat­säch­lich nur bei 4–9%?

Wer selbst in den Quartalszahlen von Shutterstock stö­bern möch­te, wo sich auch noch vie­le ande­re Informationen ver­ste­cken, fin­det die Übersicht der gesam­mel­ten Berichte hier auf der Investor-​Seite von Shutterstock.

Kürzlich hat Shutterstock übri­gens Envato über­nom­men, ich bin gespannt, wie sich das auf die zukünf­ti­gen Zahlen aus­wir­ken wird.

Was sagt ihr zu der Entwicklung?

Rezension: „Stockfotografie“ von Thomas Nolte (Verlag Klaus Wagenbach)

Im Verlag Klaus Wagenbach gibt es seit 2019 mit „Digitale Bildkulturen“ die ers­te Buchreihe, wel­che sich sys­te­ma­tisch mit digi­ta­len Bildphänomenen beschäftigt.

Das reicht von „Cat Content“ über „TikToK“ und „Videokunst“ bis zur Stockfotografie* . Letzteres Buch mit Thomas Nolte als Autor ist vor einer Woche erschie­nen (ISBN ‎ 978–3803137418). Ich habe es mir für euch angeschaut.

Das Buch ist wie alle Ausgaben der Reihe recht klein (ich habe zum Vergleich mal mei­ne Hand im Bild gelas­sen) und mit 80 Seiten auch recht dünn.

Wenn da noch die Anmerkungen und das Abbildungsverzeichnis weg­ge­las­sen wer­den, blei­ben net­to ca. 55 Seiten, in denen Thomas Nolte zei­gen will, „dass sich aus dem Geschäftsmodell der Stockfotografie eine eige­ne unver­wech­sel­ba­re Ästhetik ergibt“ (S. 10–11).

Gedanklich teilt sich das Buch grob in drei Abschnitte.
Erstens die Entstehung der Stockfotografie, wel­che sich mit der Kapitelüberschrift „Stockfotografie als Adoptivkind des Neoliberalismus“ gut zusam­men­fas­sen lässt.

Zweitens dem Einfluss der Stockfotografie in der Meme-​Kultur, im Buch exem­pla­risch vor allem am „Distracted Boyfriend“- und „Hide the Pain Harold“-Meme dar­ge­stellt.

Drittens der Zuarbeit der Stockfotografie-​Branche für die auf­kom­men­den KI-Unternehmen:

Der Eintritt der Stockfotografie in die digi­ta­le Sphäre geht dabei nicht spur­los an ihr vor­über. Vielmehr wird sie von der Dynamik des Internets erfasst: So trei­ben die Sozialen Medien mit den kli­schee­haf­ten Darstellungen der Stockfotografie ihren Schabernack, und Unternehmen machen sich die digi­ta­li­sier­ten Bilddatenbanken der Stockfotografie zunut­ze, um ihre künst­li­chen Intelligenzen (KI) zu trai­nie­ren. Damit neh­men Stockfotos in der digi­ta­len Bildkultur eine Scharnierfunktion ein: Sie die­nen als Grundlage für eine gera­de erst anbre­chen­de Ära von KI-​generierten Bildern, in denen sich die Ästhetik der Stockfotografie fort­setzt, ja viel­leicht sogar prä­gend wird.“ (S. 11)

Solche prä­gnan­ten Zusammenfassungen der Stockfotografie-​Entwicklung gibt es eini­ge im Buch. Zur Kommerzialisierung heißt es zum Beispiel:

Die Einbindung der Microstockfotografie führ­te zu den schon häu­fi­ger beschrie­be­nen Effekten des Plattformkapitalismus: Die Produktionskosten wer­den auf die Produzent*innen abge­wälzt, wodurch sich die Preise für die Kund*innen sen­ken las­sen. Den Hauptteil der Gewinne strei­chen die Plattformbetreiber ein, wäh­rend die Produzent*innen nur noch in Ausnahmefällen von ihrer Arbeit leben kön­nen.“ (S. 18)

Interessant ist mei­ner Ansicht nach auch die Erwiderung im Buch auf den häu­fi­gen Vorwurf, Stockfotos wür­den die mit ihrer Darstellung die Gesellschaft beein­flus­sen. Laut Nolte bie­ten Stockfotos viel­mehr eine Vielzahl an mög­li­chen Gesellschaftsentwürfen an, aus denen sich die Käufer dann ihre bevor­zug­te Version aussuchen:

Dadurch machen Stockfotos sicht­bar, was eine Gesellschaft als „nor­mal“ betrach­tet.“ (S. 42)

Die Diskussionen um den nega­ti­ven Einfluss der KI auf die Stockfotobranche sind im Buch kurz und kna­ckig zusam­men­ge­fasst und mit etwas Mühe kann trotz­dem sogar ein klei­ner Hoffnungsschimmer her­aus­ge­le­sen werden:

Ein Alleinstellungsmerkmal der Stockfotografie ist, dass sie immer wie­der neue Bildformeln ent­wi­ckelt, mit denen sie auf gegen­wär­ti­ge Ereignisse ver­weist. Zwar lässt sich ein Bild wie das des auf dem Heizkörper ste­hen­den Sparschweins ohne Probleme mit einem Bildgenerator erstel­len, die kon­zep­tio­nel­le Idee hier­für bedarf aber wei­ter­hin der mensch­li­chen Erfindung. Eine Überlebenschance der Stockfotografie liegt also in ihrer kon­zep­tio­nel­len Arbeit.“ (S. 61)

Hier unter­schätzt der Autor jedoch viel­leicht die Entwicklungen auf dem Gebiet der gene­ra­ti­ven Text-​KIs. Als Beispiel habe ich ein­fach mal ChatGPT gefragt, wie das im Buch auf­ge­grif­fe­ne Thema „Energiekrise“ visu­ell kon­zep­tio­nell umge­setzt wer­den könnte.

Abgesehen davon lie­fert das Buch einen kur­zen Überblick über den geschicht­li­chen Werdegang der Stockfotografie mit­samt einer gesell­schaft­li­chen, wirt­schaft­li­chen und tech­no­lo­gi­schen Einordnung.

Stockfotograf*innen wer­den im Buch sicher kei­ne kon­kre­ten Handlungsempfehlungen fin­den, aber in der Lage sein, über ihre beruf­li­che Position etwas zu reflektieren.

Die besten Bildagenturen 2023 (Auswertung meiner Umfrage)

Dies ist jetzt schon die ach­te Auswertung mei­ner jähr­li­chen Umfrage unter mei­nen Leser*innen, wel­che Agenturen ihnen im Vorjahr, also dies­mal 2023, den meis­ten Umsatz gebracht haben.
Die Agenturen soll­ten sie nach Umsatz abstei­gend sor­tiert als Kommentar hin­ter­las­sen. Zusammen mit mir haben sich 38 Fotograf*innen betei­ligt. Leider weni­ger als in den Vorjahren, aber trotz­dem vie­len Dank dafür!

Die Ergebnisse will ich euch hier ger­ne vor­stel­len. Zuerst die ein­deu­ti­ge Grafik (Klick zum Vergrößern):

Die besten Bildagenturen 2023

  1. Adobe Stock* (368) (-)
  2. Shutterstock* (238) (-)
  3. iStock (140) (-)
  4. Dreamstime* (111) (-)
  5. Alamy (107) (-)
  6. Depositphotos (77) (+1)
  7. Pond5* (52) (+8)
  8. 123rf* (42) (-)
  9. Photocase (28) (+2)
  10. Wirestock (24) (+2)
  11. Zoonar* (23) (+2)
  12. EyeEm (22) (-6)
  13. Westend61 (17) (-4)
  14. Getty Images (17) (-4)
  15. Canva (17) (-1)

Meine Vorgehensweise:
Ich habe in einer Excel-​Tabelle eine Liste gemacht und in die ers­te Spalte jede Agentur ein­ge­tra­gen, die genannt wur­de. In den nächs­ten Spalten habe ich dann für jede Teilnehmer*in und jede Agentur Punkte ver­ge­ben, basie­rend auf der Sortierung der genann­ten Agenturen. Die ers­te Agentur, also die mit dem meis­ten Umsatz, bekam 10 Punkte, die als zwei­tes genann­te Agentur bekam 9 Punkte und so wei­ter.
Die Werte habe ich pro Agentur sum­miert und die Liste dann nach den Punkten sor­tiert. Das Ergebnis seht ihr oben, die Zahl in Klammern ist also die Gesamtpunktzahl der jewei­li­gen Agentur.
Insgesamt wur­den 33 ver­schie­de­ne Agenturen benannt, ich habe die Liste jedoch auf die ers­ten 15 Agenturen beschränkt, weil das sta­tis­ti­sche Rauschen zum Ende hin mit meist nur einer Nennung sehr viel grö­ßer ist.

Hinweise:
Bei der Umfrage wur­de nicht unter­schie­den, ob die Leute Videos oder Fotos oder bei­des ver­kau­fen, wie vie­le Dateien sie online haben oder seit wann sie dort hoch­la­den. In der letz­ten Klammer sehr ihr die Veränderung zum Vorjahr.

In der Liste oben sind iStock und Getty zwar getrennt auf­ge­führt, ganz trenn­scharf las­sen sich die­se jedoch nicht aus­ein­an­der­hal­ten, da iStock ja auch über Getty Images ver­kauft und bei­de Agenturen zusam­men­ge­hö­ren. Aber selbst wenn ich Getty zu iStock addiert hät­te, hät­te sich an der Platzierung von iStock auf dem drit­ten Platz nicht geän­dert, dafür wäre hin­ten nur Vecteezy als Neueinsteiger auf Platz 15 auf­ge­taucht, wenn Getty ent­fal­len wäre.

Meine bes­ten Agenturen 2023
Wer die obi­ge Liste nach­rech­nen oder anders aus­wer­ten will, kann das eben­falls machen, mei­ne Datenbasis ist frei ein­seh­bar, nur ein Teilnehmer hat mir sei­ne Daten per Direktnachricht geschickt.

Was jedoch noch fehlt, sind die Agenturen, bei denen ich selbst 2023 am meis­ten Umsatz erzielt habe und die ich eben­falls in obi­ge Rechnung habe ein­flie­ßen las­sen. In Klammern wie­der die Veränderung zum Vorjahr:

  1. Adobe Stock (-)
  2. Shutterstock (-)
  3. Canva (-)
  4. 123rf (-)
  5. Zoonar (-)
  6. Dreamstime (+1)
  7. Alamy (+1)
  8. EyeEm (-2)
  9. Pond5 (-)
  10. Westend61 (-)

Was sagt uns diese Auswertung?

Adobe Stock hat sei­ne Spitzenposition im Vergleich zu den Vorjahren noch wei­ter aus­ge­baut, Shutterstock bleibt jedoch – mit gebüh­ren­dem Abstand – wei­ter­hin sta­bil auf dem zwei­ten Platz.

iStock führt das Mittelfeld an, in dem sich noch Dreamstime, Alamy und Depositphotos tum­meln. Die rest­li­chen Agenturen sind kaum noch der Rede wert. Diese Formulierung fand sich auch häu­fig in den Kommentaren der Teilnehmer.

Hier könnt die auch die Auswertungen aus den Jahren 2023, 2022, 2021, 2020, 2019, 2018 und 2017 nachlesen.

Interessante Auffälligkeiten

Den größ­ten Abstieg muss­te EyeEm erlei­den, was sehr wahr­schein­lich direkt mit deren Insolvenz letz­tes Jahr zusam­men­hängt. Am stärks­ten auf­ge­stie­gen ist Pond5, wobei ich hier nicht erken­nen kann, wor­an das lie­gen könnte.

Die Beteiligung die­ses Jahr war lei­der auch deut­lich gerin­ger, was die Datenqualität natür­lich etwas lei­den lässt.

Habt ihr die Ergebnisse erwar­tet? Oder sind Überraschungen für euch dabei?

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Adobe Stock gibt Richtlinien für das Hochladen von KI-​generierten Bildern bekannt

Nach Getty Images und Shutterstock gab nun Adobe Stock als drit­te gro­ße Bildagentur ihre neu­en Richtlinien über den Umgang mit KI-​Bildern heraus.

Der Standpunkt von Adobe Stock ist dabei deut­lich libe­ra­ler als der der ande­ren Agenturen: Adobe akzep­tiert ab sofort offi­zi­ell Illustrationen, die mit gene­ra­ti­ven KI-​Modellen erstellt wur­den – oder ein­fa­cher: KI-​generierte Bilder. 

Eins mei­ner KI-​Bilder bei Adobe Stock

Die neu­en Einreichungsrichtlinien sol­len sicher­stel­len, dass die Nutzer KI-​Inhalte kor­rekt und ver­ant­wor­tungs­voll ver­wen­den. Diese Richtlinien kön­nen voll­stän­dig hier nach­ge­le­sen werden. 

Hier eini­ge der wich­tigs­ten Punkte:
Dabei gehört zuerst die Markierung des betrof­fe­nen Materials. Neue KI-​Bilder sol­len von den Anbietern im Titel und in den Schlagworten mit „Generative AI“ gekenn­zeich­net wer­den, damit Kunden die­se als sol­che erken­nen können.

Alle KI-​Bilder, auch wenn sie foto­rea­lis­tisch aus­se­hen, sol­len als „Illustration“ ein­ge­reicht wer­den. Die Nutzungsbedingungen der ver­wen­de­ten KI-​Engine müs­sen natür­lich die vol­len kom­mer­zi­el­len Rechte gewäh­ren. Hier gilt es das Kleingedruckte zu lesen und auf even­tu­el­le Änderungen zu achten.

Weiterhin sind – wie schon bis­her – Einreichungen nicht zuläs­sig, die Inhalte von Dritten ent­hal­ten, wie z. B. erkenn­ba­re Gesichter oder Warenzeichen (wie Marken oder Logos) oder sogar Stile ande­rer Künstler.

Vor allem letz­te­res ist ver­mut­lich in der Praxis schwer abgrenz­bar, aber immer­hin wird der Versuch unternommen.

Wenn erkenn­ba­re Personen (z.B. Prominente) in den KI-​Bildern ent­hal­ten sind oder geschütz­te Plätze oder Orte, wird dafür ein Model Release bzw. Property Release ver­langt oder die Bilder kön­nen eben nicht ein­ge­reicht wer­den (auch nicht als „redak­tio­nel­les Material“). Eine lan­ge Liste der bekann­ten Einschränkungen gibt es hier als Übersicht.

Für alt­ge­dien­te Stock-​Lieferanten ist das nichts Neues, aber da durch die neu­en KI-​Tools noch mal eine ganz ande­re Nutzergruppe plötz­lich auf dem Stock-​Markt mit­macht, ist es sicher sinn­voll, dar­auf noch mal aus­drück­lich hinzuweisen.

Weitere Pläne von Adobe in Richtung KI-Bilderstellung

Auf der „Adobe Max 2022“ Konferenz vor eini­gen Wochen hat­te eini­ge wei­te­re KI-​bezogene Ankündigungen gemacht. Zum einen arbei­tet Adobe an einer neu­en digi­ta­len Provenance-​Technologie, die alle rele­van­ten Details über die Quelle einer Mediendatei direkt in die Datei ein­be­zieht. Diese Technologie wur­de von der Content Authenticity Initiative (CAI) ent­wi­ckelt, die das Unternehmen eben­falls gegrün­det hat und von der es hofft, dass sie zu einem Branchenstandard wird. 

Zum ande­ren gab Adobe bekannt, an einer eige­nen KI-​Software zu arbei­ten, die bald in die Creative-​Cloud-​Apps wie Adobe Express und Photoshop inte­griert wer­den soll. Einige beein­dru­cken­de Demos gibt es in die­sem Video (ab Minute 1:30 geht es los, für die ganz Ungeduldigen):

Viele der Features, z.B. das In-​Painting oder Out-​Painting gibt es auch bei den frei ver­füg­ba­ren KI-​Tools wie Stable Diffusion, aber die Einbettung direkt in Photoshop macht die Bedienung noch mal deut­lich kom­for­ta­bler und intuitiver.

Was sagt ihr zu den neu­en Richtlinien?
Gibt es etwas, was euch im Bereich „Bilderstellung durch Künstliche Intelligenz“ beson­ders inter­es­siert? Welche Fragen bren­nen auch unter den Nägeln?

Bildagenturen wie Shutterstock und Getty Images verbannen KI-​Bilder aus ihrem Portfolio

Kurz hin­ter­ein­an­der haben sowohl Shutterstock als auch Getty Images mit deren Tochter-​Agentur iStock ange­kün­digt, kei­ne KI-​Bilder mehr anneh­men zu wollen.

Ki-​Bild (Dall‑E 2) von einem Roboter, der ein Bild malt

Angesichts der stei­gen­den Popularität von KI-​Software zur Bild-​Generierung wie Dall‑E 2, Stable Diffusion, Midjourney und Konsorten sowie der ver­bes­ser­ten Bildqualität die­ser Tools gab es in den letz­ten Monaten einen star­ken Anstieg von KI-​Bildern im Portfolio von Bildagenturen.

Email, die an iStock/​Getty-​Fotografen ging

Nun haben zumin­dest die bei­den gro­ßen Platzhirsche Shutterstock und Getty Images die Reißleine gezo­gen und ange­kün­digt, kei­ne KI-​Bilder mehr anneh­men zu wollen.

Als Grund wer­den in einer Email von Getty Images „unadres­sier­te recht­li­che Fragen mit Hinblick auf die zugrun­de lie­gen­den Bilder und Metadaten, die zum Training der KI genutzt wor­den sind“ ange­ge­ben.

Auch Shutterstock for­mu­liert in einer Email an aus­ge­wähl­te Kontributoren ähn­li­che Bedenken:

Email von Shutterstock an eini­ge Kontributoren

Hier wer­den „recht­li­che Implikationen“ als Grund dafür genannt, dass etli­che KI-​Bilder der ange­schrie­be­nen Personen gelöscht wur­den und es wird geschrie­ben, dass Shutterstock „kei­ne maschi­nen­ge­ne­rier­ten Inhalte akzep­tie­ren“ wür­de gemäß Sektion 13.d/f ihrer Nutzungsbedingungen.

Ich bin mir zwar nicht ganz sicher, ob sie da wirk­lich die rich­ti­gen Absätze raus­ge­sucht haben, aber grund­sätz­lich steht es Shutterstock natür­lich frei, sol­che Regeln auf­zu­stel­len, wenn sie der Meinung sind, dass sie hilf­reich seien.

Zeitgleich expe­ri­men­tiert Shutterstock aber selbst schon mit künst­li­cher Intelligenz. So bie­tet deren neu­es Projekt „Predict“ Kunden die Möglichkeit, mit­tels KI erken­nen zu kön­nen, wel­che Bilder für wel­che Zwecke am pas­sends­ten sein sol­len. Shutterstock schreibt:

Was per­formt bes­ser?
Diese wie­der­keh­ren­de Frage ist mit Predict viel ein­fa­cher zu beant­wor­ten. Die App nutzt KI, um die Stärken und Schwächen indi­vi­du­el­ler Assets spe­zi­ell für Ihre Anforderungen zu ana­ly­sie­ren. Predict sagt Ihnen, WARUM ein emp­foh­le­ner Inhalt vor­aus­sicht­lich gut per­formt, damit Sie selbst­be­wusst krea­tiv wer­den können.“

Nach einer kos­ten­lo­sen Testphase wol­len sie sich die­se Informationen natür­lich bezah­len lassen.

Getty Images ver­sucht eben­falls seit Januar 2022, die Vorteile der KI für sich auf eine ande­re Weise zu nut­zen. So ver­öf­fent­lich­te die Agentur einen neu­en Modelvertrag, der jetzt unter ande­rem einen neu­en Passus ent­hält, mit dem sich das Model bereit erklärt, dass die Bilder zum Trainieren von Künstlicher Intelligenz genutzt wer­den dürfen:

Ich erklä­re mich fer­ner damit ein­ver­stan­den, dass der Inhalt mit ande­ren Bildern, Texten, Grafiken, Filmen, Audio- und audio­vi­su­el­len Werken kom­bi­niert und zur Entwicklung und Verbesserung von maschi­nel­len Lernalgorithmen, künst­li­cher Intelligenz und ande­ren Technologien bear­bei­tet und genutzt wer­den darf.“

Auch bei der deut­schen Bildagentur Westend61 wer­den die KI-​Bilder als hoch pro­ble­ma­tisch ange­se­hen und aus recht­li­chen Gründen soll­ten die­se momen­tan nicht akzep­tiert wer­den. Mehr Informationen dazu sol­len folgen.

Einige Online-​Kunst-​Communities wie Newgrounds, Inkblot Art und Fur Affinity haben eben­falls das Hochladen von KI-​Werken unter­sagt oder ein­ge­schränkt.

Währenddessen arbei­tet die bri­ti­sche Gesetzgebung schon an Änderungen, um den neu­en KI-​Entwicklungen Rechnung zu tragen.

Diese Bildlöschungen fol­gen eini­ge Wochen nach der Veröffentlichung eines Teils des KI-​Trainings-​Datensatzes mit rund 12 Mio. Bildern von den ins­ge­samt über 2,3 Milliarden Trainingsbildern. Dieser Trainingsdatensatz der Organisation LAION wur­de zum Beispiel für das Anlernen der KI von NightCafe, Midjourney und Stable Diffusion genutzt.

In der Veröffentlichung wur­de unter ande­rem deut­lich, dass zum Lernen auch gro­ße Bildbestände der Bildagenturen benutzt wur­den. So waren von den aus­ge­wer­te­ten 12 Mio. Bildern min­des­tens 497.000 von 123rf, 171.000 von Adobe Stock/​Fotolia, 117.000 von PhotoShelter, 35.000 von Dreamstime, 23.000 von iStock, 22.000 von Unsplash, 15.000 von Getty Images, 10.000 von VectorStock, 10.000 von Shutterstock und so wei­ter. Die Dunkelziffer dürf­te hier weit höher sein, da vie­le dort gekauf­te Bilder auf Kundenwebseiten nicht immer als von einer Agentur kom­mend erkenn­bar sind.

Ich bin unsi­cher, ob die­se Entscheidung so klug ist. Denn sol­che Verbote könn­ten dazu füh­ren, dass sich die KI-​Szene ande­re „Ökosysteme“ auf­baut. So gibt es bei­spiels­wei­se mit PromptBase schon eine Webseite, wo Anbieter auf einem Marktplatz „Prompts“ für KI-​Systeme ver­kau­fen kön­nen. Prompts sind die Texteingaben, die zur Bilderstellung (noch) nötig sind und die Anbieter garan­tie­ren mit ihren Prompts ähn­li­che Ergebnisse wie die, die sie im Marktplatz vor­zei­gen. Im Kern ist das schon eine Art neu­er Bildagentur, bei der die Leute nicht die Bilder direkt kau­fen, son­dern die Option, sich sehr ähn­li­che Bilder selbst gra­tis gene­rie­ren zu können.

Außerdem erhö­hen sol­che Einschränkungen wie das Verbot von KI-​Bildern in den bestehen­den Bildagenturen nur die Wahrscheinlichkeit, dass ein neu­es Start-​Up eine neue Bildagentur auf­macht, wel­che offen­siv ein­fach nur noch KI-​generiertes Material verkauft.

Mit der Webseite Lexica gibt es auch schon eine Art „Open Source“-Community für KI-​Bilder, wo Nutzer sich meh­re­re Millionen mit Stable Diffusion erstell­te Bilder anschau­en, durch­su­chen und sehen kön­nen, wel­che Prompts zur Erstellung genutzt wur­den. Von der Möglichkeit, die­se Bilder direkt zur Lizenzierung anzu­bie­ten, ist es dann nur noch ein klei­ner Schritt.

Während die gro­ßen Bildagenturen einen Abwehrkampf gegen die KI-​Bilder begin­nen, fan­gen ande­re Start-​Ups längst an, mit­tels KI aus Text-​Prompts gan­ze Video-​Sequenzen zu erstel­len.

Was die­se KI-​Entwicklung für die (Stock-)Fotografen selbst bedeu­tet, wer­de ich hof­fent­lich bald in einem eige­nen Artikel beleuchten.

Wie seht ihr das?
Bringen Verbote von KI-​Bildern etwas?