Archiv der Kategorie: Bildagenturen

Die Shutterstock-​Quartalszahlen sind da: Überblick über die Entwicklung der letzten Jahre

Es ist schon fast vier Jahre her, seit ich das letz­te Mal die Quartalszahlen der bör­sen­no­tier­ten Bildagentur Shutterstock hier im Blog ver­öf­fent­licht und kom­men­tiert habe.

Daher ist es an der Zeit, erneut einen Blick auf die Zahlen zu Downloads, Umsatz, Gewinn und so wei­ter zu wer­den und aus Anbieterperspektive zu schau­en, was wir viel­leicht aus die­sen Zahlen ent­neh­men können.

Schauen wir uns zuerst die bezahl­ten Downloads an:

Die bezahl­ten Downloads erreich­ten im ers­ten Quartal 2024 bei 35 Mio.
Zum Vergleich: Den höchs­ten Wert erziel­te Shutterstock im vier­ten Quartal 2019 mit 47,7 Mio Pay-​Downloads. Das ist ein Rückgang um mehr als ein Viertel (genau­er: 26,62 %).

Die größ­te Absenkung der Download-​Zahlen gab es vom ers­ten zum zwei­ten Quartal 2023, mit ca. 4,2 Mio. Downloads weniger.

Wie ihr in der nächs­ten Grafik sehen könnt, ist der Rückgang beim Download-​Umsatz nicht so gra­vie­rend. Dieser lag im ers­ten Quartal 2024 bei knapp 174 Mio. Das ist ein Rückgang von ca. 10,1% im Vergleich zum bes­ten Wert mit 193,5 Mio. im zwei­ten Quartal 2022.

Das mag unter ande­rem an dem ver­än­der­ten Vergütungsmodell für die Anbieter lie­gen, wel­ches Shutterstock im Mai 2020 ein­ge­führt hat­te. Damit erhal­ten Anbieter eine pro­zen­tua­le Beteiligung basie­rend auf ihren Verkaufszahlen pro Jahr. Sind die­se nied­rig, muss Shutterstock den Fotograf*innen weni­ger Prozente zah­len.
Das mag den Anstieg des Download-​Umsatzes ab dem 3. Quartal 2020 erklä­ren und auch die Tatsache, dass der Download-​Umsatz lang­sa­mer zurück geht als die Downloads selbst. Denn je weni­ger Downloads ins­ge­samt, des­to weni­ger Prozente schüt­tet Shutterstock an die Anbieter aus und behält mehr für sich.

Das Portfolio von Shutterstock wächst jedoch trotz­dem unge­bremst wei­ter. Vom zwei­ten Quartal 2022 bis zum ers­ten Quartal 2024 hat sich das Portfolio mehr als ver­dop­pelt von 441 Mio. Dateien auf 888 Mio. Dateien.

Die Videos im Portfolio haben dar­an nur einen gerin­gen Anteil. Zwar gab es im vier­ten Quartal 2022 einen sprung­haf­ten Anstieg von 27 auf 45 Mio. Videos, der ver­mut­lich durch die Übernahme der Videoagentur Pond5 im Mai 2022 zustan­de kam, ansons­ten aber ver­läuft die Zunahme sehr line­ar und gleichmäßig.

Ganz anders hin­ge­gen sieht das bei den Bildern aus:

Nach der Änderung der oben erwähn­ten Honorarstruktur hal­bier­te sich die Zunahme der Bilder fast von ca. 20 Mio. Bildern pro Quartal auf 10 Mio. neu­er Bilder. Erst im vier­ten Quartal 2022 gab es einen kome­ten­haf­ten Anstieg mit plötz­lich 176 Mio. neu­en Bildern, von denen ver­mut­lich ein gro­ßer Teil KI-​generiert war. Aber auch hier könn­te die Übernahme von Pond5 einen Teil dazu bei­getra­gen haben.

Im dar­auf fol­gen­den Quartal ver­bot Shutterstock das Hochladen von KI-​generierten Bildern und die Anzahl neu­er Bilder sank mit 15 Mio. neu­en Bildern fast wie­der auf „Normalniveau“.

Aber schon im zwei­ten Quartal 2023 lag der Anteil neu­er Bilder wie­der bei 119 Mio. und ich bezweif­le stark, dass die Übernahme von GIPHY im Mai 2023 hier einen rele­van­ten Anteil hat­te. Vermutlich haben nur genug Anbieter Mittel und Wege gefun­den, ihre KI-​Bilder auch ohne Kennzeichnung durch die Bildredaktion zu schleu­sen. Aber das ist natür­lich nur eine Spekulation. Auffällig ist der Anstieg allemal.

Ebenfalls auf­fäl­lig, aber bes­ser erklär­bar ist der ste­ti­ge Anstieg des Umsatzes pro Download (Revenue per Download, RPD). Shutterstock hat es geschafft, den Umsatz pro ver­kauf­tem Bild (oder Video) von ca. 2 USD pro Verkauf im zwei­ten Quartal 2011 auf fast 5 USD im letz­ten Quartal zu steigern.

Klar erkenn­bar ist, dass der Trend ab der Änderung der Honorarstruktur im zwei­ten Quartal 2020 nach eini­gen Jahren der Stagnation deut­lich ansteigt. Oder anders for­mu­liert: Die geän­der­te Vergütungsstruktur ging ein­deu­tig zu Lasten der Fotograf*innen und Shutterstock pro­fi­tier­te davon. 

Diese Grafik ist lei­der etwas des­il­lu­sio­nie­rend für die Bildlieferanten von Shutterstock. Da die Gesamtmenge des Portfolios deut­lich schnel­ler wächst als die Downloadzahlen, ist es nahe­lie­gend, dass die Verkäufe – und damit auch der Umsatz – pro Bild dras­tisch sin­ken. Konnte jemand vor zehn Jahren im Schnitt noch knapp 2 USD pro Bild im Portfolio ver­die­nen pro Quartal, ist die­ser Wert zuletzt auf 0,20 USD gesun­ken. Das ist nur Zehntel davon.

Dazu passt, dass „Contributoren“ von Shutterstock in die­sem lang­fris­ti­gen Finanzplan 2027 nur ein­mal Erwähnung fin­den, und zwar als „Community zur Bereitstellung maß­ge­schnei­der­ter Daten-​Trainingssätze“ (Seite 5).

Die abso­lut gesun­ke­nen Umsätze durch Medienverkäufe sind für Shutterstock aber gar nicht so schlimm, weil sie in den letz­ten drei Jahren ver­stärkt auch Umsätze aus ande­ren Bereichen haben mit der omi­nö­sen Bezeichnung „Data, Distribution and Services“. Darunter fal­len zum Beispiel die Lizenzierung von KI-​Trainingsdaten oder ande­re Dienstleistungen, meist Bereiche, in denen Shutterstock Anbietern noch weni­ger abge­ben muss.

Der Umsatz aus dem rei­nen Bildlizenzierungsgeschäft ist in den letz­ten vier Jahren von 99,32% (2020) auf 82,08% (2024 TTM) gesunken.

Bei die­ser Grafik bin ich mir ehr­lich gesagt nicht ganz sicher, ob ich rich­tig gerech­net habe. Ich habe die Werte aus der „2024 First Quarter Financial Information“-Excel-Tabelle von Shutterstock genom­men. Die oran­ge­nen Balken sind die Zahlen aus der Zeile 223 „Content Revenues“ und die grü­nen Balken aus der Zeile 179 „Contributor royal­ties paya­ble“. Damit soll­te sich, mei­ner nai­ven Ansicht nach, erken­nen las­sen, wie viel Prozent der Bildverkaufsumsätze an die Anbieter aus­ge­zahlt wer­den. Das Ergebnis wäre die blaue Linie, die aber ernüch­tern­der­wei­se von 4 auf 9% gestie­gen wäre. Das kommt mir immer noch viel zu wenig vor.

Vielleicht könnt ihr die Zahlen selbst nach­prü­fen. Habe ich einen Denkfehler oder liegt der durch­schnitt­li­che Fotografenanteil beim Bildverkauf tat­säch­lich nur bei 4–9%?

Wer selbst in den Quartalszahlen von Shutterstock stö­bern möch­te, wo sich auch noch vie­le ande­re Informationen ver­ste­cken, fin­det die Übersicht der gesam­mel­ten Berichte hier auf der Investor-​Seite von Shutterstock.

Kürzlich hat Shutterstock übri­gens Envato über­nom­men, ich bin gespannt, wie sich das auf die zukünf­ti­gen Zahlen aus­wir­ken wird.

Was sagt ihr zu der Entwicklung?

Adobe Stock: Neue kostenlose „select all“-Funktion (mit Skript)

Ich habe bei der Bildagentur Adobe Stock über 85.000 Bilder online und alle die­ser Bilder sind – nach Shootings o.ä. sor­tiert – in „Collections“ ein­sor­tiert, damit ich die­se mit dem Analysetool Stock Performer sepa­rat aus­le­sen und mei­ne Statistiken nach Collection getrennt ana­ly­sie­ren kann.

Leider ist es oft sehr müh­sam, alle Bilder auf einer Seite ein­zeln ankli­cken zu müs­sen, nur um die­se 100 Bilder einer Collection zuzuweisen.

Mit der Hilfe von Jörg Stöber (sie­he „Podcast eines Fotoproduzenten“-Folge 21) gibt es nun aber end­lich eine Abhilfe. Mit der Installation eines klei­nen und kos­ten­lo­sen Greasemonkey/​Tampermonkey-​Skripts namens „Adobe Stock Portfolio Select All Images“ erscheint nach dem Neu-​Laden der Adobe Stock-​Portfolio-​Seite der Button „sel­ect all“.

Damit las­sen sich mit einem Knopfdruck gleich alle 100 Bilder auf der jewei­li­gen Seite mar­kie­ren. Das spart also bei Bedarf 99 Mausklicks!

Wie installiere ich das Skript?

  1. Installiere die kos­ten­lo­se Erweiterung „Tampermonkey“ oder „Greasemonkey“ für Firefox, bzw. die kos­ten­lo­se Erweiterung „Tampermonkey“ oder „Violentmonkey“ für Google Chrome.
    Für macOS (Safari), Opera und MS Edge gibt es sicher ähn­li­che Erweiterungen.
  2. Lade zuerst die kos­ten­lo­se UserScript-​Datei „Adobe Stock Portfolio Select All Images“ hier her­un­ter (ggf. „Speichern unter“ mit Rechtsklick). 
  3. Installiere das UserScript mit TamperMonkey bzw. den genann­ten Alternativen. Fertig.
  4. Alternativ kannst Du auch direkt auf den Link kli­cken, wenn obi­ge Erweiterung schon akti­viert ist, dann erkennt Tampermonkey das Skript und fragt, ob Du es benut­zen möch­test. Das sieht dann unge­fähr so aus:

Wie nutze ich das „select all“-Skript?

Wenn sowohl die Erweiterung als auch das UserScript akti­viert sind, kannst Du auf die Portfolio-​Seite von Adobe Stock gehen und Du soll­test wie im Screenshot oben den Text „Select All“ sehen. Wenn der nicht sicht­bar ist, hilft in der Regel ein Refresh der Webseite. Durch das Klicken auf den Text wer­den alle 100 Bilder auf der Seite gleich­zei­tig selektiert.

Ich wün­sche euch viel Zeitersparnis mit dem Skript.

Danke an Jörg für sei­ne Mühen.

Die besten Bildagenturen 2023 (Auswertung meiner Umfrage)

Dies ist jetzt schon die ach­te Auswertung mei­ner jähr­li­chen Umfrage unter mei­nen Leser*innen, wel­che Agenturen ihnen im Vorjahr, also dies­mal 2023, den meis­ten Umsatz gebracht haben.
Die Agenturen soll­ten sie nach Umsatz abstei­gend sor­tiert als Kommentar hin­ter­las­sen. Zusammen mit mir haben sich 38 Fotograf*innen betei­ligt. Leider weni­ger als in den Vorjahren, aber trotz­dem vie­len Dank dafür!

Die Ergebnisse will ich euch hier ger­ne vor­stel­len. Zuerst die ein­deu­ti­ge Grafik (Klick zum Vergrößern):

Die besten Bildagenturen 2023

  1. Adobe Stock* (368) (-)
  2. Shutterstock* (238) (-)
  3. iStock (140) (-)
  4. Dreamstime* (111) (-)
  5. Alamy (107) (-)
  6. Depositphotos (77) (+1)
  7. Pond5* (52) (+8)
  8. 123rf* (42) (-)
  9. Photocase (28) (+2)
  10. Wirestock (24) (+2)
  11. Zoonar* (23) (+2)
  12. EyeEm (22) (-6)
  13. Westend61 (17) (-4)
  14. Getty Images (17) (-4)
  15. Canva (17) (-1)

Meine Vorgehensweise:
Ich habe in einer Excel-​Tabelle eine Liste gemacht und in die ers­te Spalte jede Agentur ein­ge­tra­gen, die genannt wur­de. In den nächs­ten Spalten habe ich dann für jede Teilnehmer*in und jede Agentur Punkte ver­ge­ben, basie­rend auf der Sortierung der genann­ten Agenturen. Die ers­te Agentur, also die mit dem meis­ten Umsatz, bekam 10 Punkte, die als zwei­tes genann­te Agentur bekam 9 Punkte und so wei­ter.
Die Werte habe ich pro Agentur sum­miert und die Liste dann nach den Punkten sor­tiert. Das Ergebnis seht ihr oben, die Zahl in Klammern ist also die Gesamtpunktzahl der jewei­li­gen Agentur.
Insgesamt wur­den 33 ver­schie­de­ne Agenturen benannt, ich habe die Liste jedoch auf die ers­ten 15 Agenturen beschränkt, weil das sta­tis­ti­sche Rauschen zum Ende hin mit meist nur einer Nennung sehr viel grö­ßer ist.

Hinweise:
Bei der Umfrage wur­de nicht unter­schie­den, ob die Leute Videos oder Fotos oder bei­des ver­kau­fen, wie vie­le Dateien sie online haben oder seit wann sie dort hoch­la­den. In der letz­ten Klammer sehr ihr die Veränderung zum Vorjahr.

In der Liste oben sind iStock und Getty zwar getrennt auf­ge­führt, ganz trenn­scharf las­sen sich die­se jedoch nicht aus­ein­an­der­hal­ten, da iStock ja auch über Getty Images ver­kauft und bei­de Agenturen zusam­men­ge­hö­ren. Aber selbst wenn ich Getty zu iStock addiert hät­te, hät­te sich an der Platzierung von iStock auf dem drit­ten Platz nicht geän­dert, dafür wäre hin­ten nur Vecteezy als Neueinsteiger auf Platz 15 auf­ge­taucht, wenn Getty ent­fal­len wäre.

Meine bes­ten Agenturen 2023
Wer die obi­ge Liste nach­rech­nen oder anders aus­wer­ten will, kann das eben­falls machen, mei­ne Datenbasis ist frei ein­seh­bar, nur ein Teilnehmer hat mir sei­ne Daten per Direktnachricht geschickt.

Was jedoch noch fehlt, sind die Agenturen, bei denen ich selbst 2023 am meis­ten Umsatz erzielt habe und die ich eben­falls in obi­ge Rechnung habe ein­flie­ßen las­sen. In Klammern wie­der die Veränderung zum Vorjahr:

  1. Adobe Stock (-)
  2. Shutterstock (-)
  3. Canva (-)
  4. 123rf (-)
  5. Zoonar (-)
  6. Dreamstime (+1)
  7. Alamy (+1)
  8. EyeEm (-2)
  9. Pond5 (-)
  10. Westend61 (-)

Was sagt uns diese Auswertung?

Adobe Stock hat sei­ne Spitzenposition im Vergleich zu den Vorjahren noch wei­ter aus­ge­baut, Shutterstock bleibt jedoch – mit gebüh­ren­dem Abstand – wei­ter­hin sta­bil auf dem zwei­ten Platz.

iStock führt das Mittelfeld an, in dem sich noch Dreamstime, Alamy und Depositphotos tum­meln. Die rest­li­chen Agenturen sind kaum noch der Rede wert. Diese Formulierung fand sich auch häu­fig in den Kommentaren der Teilnehmer.

Hier könnt die auch die Auswertungen aus den Jahren 2023, 2022, 2021, 2020, 2019, 2018 und 2017 nachlesen.

Interessante Auffälligkeiten

Den größ­ten Abstieg muss­te EyeEm erlei­den, was sehr wahr­schein­lich direkt mit deren Insolvenz letz­tes Jahr zusam­men­hängt. Am stärks­ten auf­ge­stie­gen ist Pond5, wobei ich hier nicht erken­nen kann, wor­an das lie­gen könnte.

Die Beteiligung die­ses Jahr war lei­der auch deut­lich gerin­ger, was die Datenqualität natür­lich etwas lei­den lässt.

Habt ihr die Ergebnisse erwar­tet? Oder sind Überraschungen für euch dabei?

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Fotografen mahnen ab: Der Gerichtsvollzieher bei der Bildagentur Clipdealer

_​_​english ver­si­on below__

Schon vor über sechs Jahren habe ich hier im Blog über „Auszahlungsschwierigkeiten bei der Bildagentur Clipdealer“ berich­tet. Über ein Jahr spä­ter hat­te ich eine Anleitung ver­öf­fent­licht, wie Fotograf*innen ihre offe­nen Agenturrechnungen per Mahnbescheid ein­for­dern können.

Nach der Veröffentlichung die­ser bei­den Artikel haben sich wie­der­holt Fotograf*innen bei mir gemel­det, wel­che eben­falls Probleme hat­ten, sich von der Bildagentur Clipdealer ihre offe­nen Honorare aus­zah­len zu las­sen. Vor allem für Fotograf*innen aus dem Ausland ist auch der ver­gleichs­wei­se ein­fa­che Weg über ein Mahnverfahren oft zu kom­plex, um die Ansprüche durchzusetzen.

Auch im Microstock-​Forum microstockgroup.com gibt es vie­le Erfahrungsberichte von ver­zwei­fel­ten Fotograf*innen, wel­che ihre Clipdealer-​Honorare nicht aus­ge­zahlt bekom­men. Einfach mal den Agenturnamen in das Suchfeld dort eintippen.

Das Vorgehen von Clipdealer, auf Auszahlungsanforderungen nicht zu reagie­ren, scheint dem­nach lei­der weder ein Einzelfall noch kurz­fris­ti­ger Natur gewe­sen zu sein.

Ich habe dar­auf­hin zwei die­ser Fotograf*innen mei­ne Hilfe ange­bo­ten:
Sie haben mir ihre Honoraransprüche abge­tre­ten, wel­che ich selbst dann in deren Namen mit Hilfe mei­nes Rechtsanwalts Sebastian Deubelli von SLD IP LAW auf eige­ne Kosten ein­ge­for­dert habe.

Clipdealer hat bei­de Mahnbescheide zwar igno­riert, aber nach­dem wir dadurch einen Vollstreckungsbescheid erwir­ken konn­ten und der Gerichtsvollzieher zwei Mal bei Clipdealer für eine Zwangsvollstreckung vor­stel­lig wur­de, hat die Bildagentur die offe­nen Honorare sowie die Verfahrenskosten an uns ausgezahlt.

Für die bei­den Fotograf*innen sind kei­ne Kosten ent­stan­den, aber das gesam­te Verfahren hat jeweils etwas über ein Jahr gedauert.

Wer eben­falls Probleme hat, sei­ne offe­nen Fotografenhonorare von der Bildagentur Clipdealer ein­zu­for­dern, kann sich ger­ne bei mir mel­den. Ich schaue dann, ob ich eben­falls unter­stüt­zend tätig wer­den kann.



ENGLISH:
Photographers issue legal warnings: The bailiff at the picture agency Clipdealer

More than six years ago, I repor­ted here on the blog about „Payment dif­fi­cul­ties at the stock agen­cy Clipdealer“. Over a year later, I published ins­truc­tions on how pho­to­graph­ers can cla­im their out­stan­ding agen­cy invoices by means of a legal remin­der.

After the publi­ca­ti­on of the­se two artic­les, I was repea­ted­ly cont­ac­ted by pho­to­graph­ers who also had pro­blems get­ting their out­stan­ding fees paid by the stock agen­cy Clipdealer. Especially for pho­to­graph­ers from abroad, the com­pa­ra­tively simp­le rou­te via a dun­ning pro­ce­du­re is often too com­plex to enforce their claims.

In the micros­tock forum microstockgroup.com the­re are also many tes­ti­mo­ni­als from despe­ra­te pho­to­graph­ers who have not been paid their Clipdealer ear­nings. Just type the agen­cy name into the search field there.

Unfortunately, Clipdealer’s prac­ti­ce of not respon­ding to pay­ment requests does not appear to have been an iso­la­ted case or of a short-​term nature.

I then offe­red my help to two of the­se pho­to­graph­ers:
They assi­gned their royal­ty claims to me, which I then clai­med mys­elf on their behalf with the help of my lawy­er Sebastian Deubelli from SLD IP LAW at my own expense.

Clipdealer igno­red both remin­der noti­ces, but after we were able to obtain a writ of exe­cu­ti­on and the bai­liff made two visits to Clipdealer for enforce­ment, the stock agen­cy paid us the out­stan­ding fees and the cos­ts of the proceedings.

The two pho­to­graph­ers did not incur any cos­ts, but the enti­re pro­cess took a litt­le over a year in each case.

Anyone who also has pro­blems clai­ming their out­stan­ding photographer’s fees from the stock agen­cy Clipdealer is wel­co­me to cont­act me. I will then see if I can also pro­vi­de support.

Freepik übernimmt die insolvente Bildagentur EyeEm

Wer mei­ner Facebook-​Seite folgt, ist halb­wegs über den aktu­el­len Stand des Insolvenzverfahrens gegen die Bildagentur EyeEm infor­miert gewesen.

Für den Rest hier eine kur­ze Zusammenfassung:
Die Bildagentur EyeEm hat Anfang April 2023 Insolvenz ange­mel­det und auch deren Mutterfirma Talenthouse geht es alles ande­re als rosig. Einige Wochen spä­ter gab es dann vom Insolvenzverwalter die Mitteilung, dass nach Investoren gesucht wür­de, wel­che die Firma über­neh­men würden.

Am Dienstag wur­de dann vor dem Amtsgericht Berlin-​Charlottenburg über den Insolvenzplan abge­stimmt. Im Rahmen des Gerichtsverfahren wur­de auch klar, dass das wert­volls­te Kapitel von EyeEm die Kontakte zu den gan­zen Fotografen seien.

Im Verfahren wur­de beschlos­sen, dass Freepik die Firma EyeEm Mobile GmbH auf­kauft und 2 Mio. Euro in die Insolvenzmasse ein­bringt. Damit sol­len laut Insolvenzverwalter die Forderungen der auf der EyeEm-​Plattform hoch­la­den­den Fotograf*innen zu 100% befrie­digt wer­den können.

Andere Gläubiger (z.B. Vermieter etc.) erhal­ten deut­lich weni­ger, die Rede war von 40% im Verfahren, aber die­se Zahl kann sich noch ändern. Auf Nachfrage wur­de gesagt, dass auch die Mission-​Gewinner anschei­nend nicht ihre vol­len Honorare erhal­ten würden.

Nachdem EyeEm zwi­schen­zeit­lich füh­rungs­los war, konn­te der Insolvenzverwalter den ehe­ma­li­gen VP of Engineering bei EyeEm, Peter Willert, als neu­en Geschäftsführer und CTO gewinnen.

Email von Freepik

Heute kam die ers­te Rundmail vom neu­en Eigentümer Freepik an die Fotografen, wel­cher die Wogen der besorg­ten Fotograf*innen glät­ten soll:

Diese Nachricht ent­hält zwei wich­ti­ge Aussagen: Erstens wur­de angeb­lich mit der Auszahlung der aus­ste­hen­den Honorare begon­nen. Der gesam­te Auszahlungsprozess sol­le angeb­lich Ende Oktober 2023 abge­schlos­sen wer­den sein. Meine seit November 2022 aus­ste­hen­de Auszahlungsanforderung hat zwar heu­te immer noch den Status „Requested“, aber viel­leicht bin ich nur zu unge­dul­dig (Update 12.10.2023: Beide Beträge wur­den gera­de von PayPal als bezahlt gemeldet):

Außerdem feh­len ja auch noch eini­ge Monate, bei denen Partneragenturen Verkäufe an EyeEm gemel­det haben, die aber bis­her nicht in der Verkaufshistorie der Fotograf*innen auf­ge­taucht sind.

Bilderverkauf über Freepik

Die zwei­te Aussage in der Email ist der Hinweis, dass die EyeEm-​Bilder nun auch über FreePik ver­trie­ben wer­den sol­len, was die Möglichkeit gebe, „mehr Geld mit Ihrer krea­ti­ven Arbeit zu ver­die­nen“. Da läu­ten bei mir eini­ge Alarmglocken.

Laut den in obi­ger Email erwähn­ten FAQ wer­den die EyeEm-​Bilder bei Freepik als „Premium“ mar­kiert. Das heißt, nur zah­len­de Kunden kön­nen EyeEm-​Bilder run­ter­la­den. Das aktu­el­le Preismodell von Freepik fin­det ihr hier:

Für nur 9 Euro pro Monat kön­nen Premium-​Kunden mit Jahresabo unbe­grenzt* Bilder run­ter­la­den. Tatsächlich gibt es im Kleingedruckten aber doch ein Limit, und zwar 100 Bilder pro Tag für Premium-Kunden.

Im schlimms­ten Fall heißt das also, dass ein Premium-​Kunde für 9 Euro 3100 Bilder erhal­ten kann, was einem Lizenzpreis von weni­ger als einem drit­tel Euro-​Cent entspricht.

Okay, mal eine rea­lis­ti­sche­re Annahme: Ein Grafikdesigner lädt jeden Montag bis Freitag im Monatsdurchschnitt ca. 20 Bilder täg­lich her­un­ter. Das wären pro Monat dann „nur“ 400 Bilder, bei einem Einzelpreis von ca. 2,2 Cent pro Bild.

Davon bekom­men die Contributoren dann 50% ab? Natürlich nicht, da Freepik ja eben­falls etwas ver­die­nen will, erhal­ten die Contributoren nicht die gesam­te Summe durch­ge­reicht. Wer es genau wis­sen will, fin­det hier die absicht­lich kom­pli­zier­te Formel zur Honorarberechnung.

Also bekom­men die EyeEm-​Lieferanten die Hälfte von den 50%?
Vielleicht, aber so genau ist das noch nicht klar. Meine Anfrage an den Freepik-​Support ist raus.
Update 12.10.2023: Mein Stockfoto-​Kollege Antonio Gravante hat in einem Kommentar erwähnt, dass in der Vergangenheit die Freepik-​Kommissionen pro Bildverkauf bei ca. 6–12 Cent gele­gen haben.

Vermutlich ist das der Grund, war­um Freepik zwar von „extra Einnahmen“ spricht, aber den EyeEm-​Fotografen bis­her kei­ne Details offen gelegt hat.

Was sagt ihr zu den neu­en Entwicklungen?