Archiv der Kategorie: Bildagenturen

Pixabay verteilt wissentlich und kostenlos geklaute Bilder

Warum Fotografen ihre Bilder bei Plattformen wie Pixabay ver­schen­ken, bleibt mir auch nach die­sem Artikel meist unverständlich.

Manchmal wis­sen aber die Urheber gar nichts davon, dass jemand ande­res ihre Bilder uner­laub­ter­wei­se gra­tis anbietet.

So bin ich heu­te auf die­ses Profil bei der Gratis-​Bilderplattform Pixabay gesto­ßen. Der Nutzer mit der Nummer „18371568“ bie­tet dort 47 Bilder an, meist Illustrationen und Vektoren, aber auch eini­ge Fotos, die bis­her laut Pixabay über 159.000 Mal her­un­ter­ge­la­den wur­den, obwohl alle Bilder erst zwi­schen dem 7. und 18. Oktober 2020 hoch­ge­la­den wurden.

Wie man an dem Icon oben links bei den Bildern sehen kann, wur­den 43 der 47 Bilder durch Pixabay sogar „gefea­turet“, also pro­mi­nent auf der Startseite usw. bewor­ben und bevor­zugt bei Suchen angezeigt.

Das Blöde ist nur: Dieser Account kann unmög­lich der Urheber sein, weil die Bilder ver­schie­de­nen Künstlern gehö­ren, die ihre Werke übli­cher­wei­se alle­samt auf Microstock-​Agenturen gegen Bezahlung anbieten.

Ich habe nur mal von den ers­ten 12 Bildern die jewei­li­gen Urheber mit­tels einer fünf­mi­nü­ti­gen Google-​Images-​Suche raus­ge­fun­den und als Name über die Bilder gelegt (sie­he oben).

Hier noch die Links zu den Originalen in den ers­ten drei Reihen von oben links begonnen:

Die Vermutung liegt nahe, dass Pixabay bewusst ist, dass hier etwas nicht mit rech­ten Dingen zugeht, denn der Uploader ist als „Inactive account“ mar­kiert. Das scheint Pixabay jedoch nicht dar­an zu hin­dern, die Bilder uner­laub­ter­wei­se gra­tis anzu­bie­ten und somit mehr als 159.000 Mal zu verbreiten.

(Was genau ein „inak­ti­ver Account“ bedeu­ten soll, wenn die Bilder dann trotz­dem frei ver­füg­bar sind, habe ich Pixabay per Email gefragt. Bisher liegt kei­ne Antwort vor, soll­te eine ein­tref­fen, wer­de ich die­se hier nach­rei­chen.)

[UPDATE 4.11.2020: Pixabay ant­wor­te­te mir auf mei­ne Frage: „Hello Robert,  Most of their images were copied from other sources. Hence, we had the account de-​activated. Regards„

Damit ist offi­zi­ell, dass Pixabay bewusst Bilder zum Download anbie­tet, die sie so nicht anbie­ten dürf­ten. Die Überschrift habe ich des­we­gen von einer Frage zu einer Aussage geändert])

Allein das belieb­tes­te Bild oben links wur­de schon knapp 10.000x run­ter­ge­la­den. Die Werbung für iStock, die iro­ni­scher­wei­se unter dem Bild zur Finanzierung von Pixabay erscheint, wirkt da schon wie Hohn.

Wenn man ein Bild tat­säch­lich her­un­ter­lädt, kommt übri­gens der Hinweis, dass man als Quellenangabe frei­wil­lig den Namen „B Ban“ benut­zen könne:

Wikipedia weiß in deren Pixabay-​Artikel auch schon, wie sol­che Bilddiebstähle pas­sie­ren können:

Risiken
Der Upload der Bilder erfolgt durch anony­me Nutzer. Es besteht somit die Gefahr, dass der Hochladende gar nicht das Urheberrecht besitzt. Pixabay über­nimmt kei­ne Garantie, dass die hoch­ge­la­de­nen Bilder frei von Rechten Dritter sind. Da der Upload anonym erfolgt, kön­nen abge­mahn­te Nutzer auch kei­nen Rückgriff auf die­se Person vor­neh­men und blei­ben somit auf den Kosten der Abmahnung sitzen“.

Dieses Beispiel zeigt ein­mal mehr, war­um Gratis-​Bildern mit mehr als einer deut­li­chen Portion Skepsis begeg­net wer­den muss.

Wie hat Covid-​19 die Verkäufe bei Bildagenturen verändert?

Die Covid-​19-​Pandemie ist das domi­nie­ren­de Thema welt­weit seit über einem hal­ben Jahr. Das wirkt sich auch auf die Bildsprache der Bildagenturen aus.

Wie genau die­se Veränderungen aus­se­hen, wol­len wir uns heu­te ansehen.

Schon am 1. April (ohne Scherz) habe ich in die­sem Artikel von mir eini­ge Prognosen auf­ge­stellt: Der Bildbedarf wer­de sin­ken und es wür­den haupt­säch­lich Motive mit direk­tem oder indi­rek­tem Coronavirus-​Bezug verkauft.

Ersteres wür­de ich nicht mehr behaup­ten, denn zumin­dest in mei­nem Portfolio konn­te ich kei­nen Rückgang der Downloadzahlen bemer­ken, im Gegenteil: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stie­gen mei­ne Downloads um 8% an.

Die zwei­te Vorhersage ist aber ein­ge­tre­ten, und wie. Schon Anfang September hat­te ich hier bei Facebook gepos­tet, dass sich 18 Bilder mei­ner Top-​20-​Bestseller des letz­ten Halbjahres rund um Covid-​19 drehen:

Seien es Medizin-​Bilder, Videokonferenzen oder 3D-​Renderings, immer war der Corona-​Bezug deut­lich bemerkbar.

Das betraf nicht nur mein Portfolio, son­dern gan­ze Agenturen.
Adobe Stock hat kürz­lich die­sen „Creativity Insights“-Report ver­öf­fent­licht mit vie­len span­nen­den Zahlen (aus den USA).

Die Bildsuchen nach dem Begriff „vir­tu­al“ sind nach dem 14. März 2020 im Vergleich zum Zeitraum seit Jahresbeginn um das 5,7fache gestie­gen. Virtuelle Welten sind dem­nach deut­lich belieb­ter gewor­den als per­sön­li­che Treffen.

Wandel bei den Bestsellern

Sichtbar wird die­ser Corona-​Wandel sehr gut im Vergleich der monat­li­chen Adobe-​Stock-Bestseller von 2019 und 2020 in der Kategorie „People“:

Bestseller der Kategorie „People“ bei Adobe Stock nach Monaten sortiert

Wie ihr seht, sind seit März fast aus­schließ­lich Videokonferenzen bzw. Leute mit Mundschutz als Bildthema der Bestseller im Vergleich zu den glück­li­chen Gruppen oder gesta­pel­ten Händen.

Ein Ausreißer ist der Juni, wo die „Black Lives Matter“-Bewegung stark im Fokus der Nachrichten war.

Ähnlich sieht es in der Kategorie „Business“ aus: 

Bestseller der Kategorie „Business“ bei Adobe Stock nach Monaten sortiert

Seit März gibt es fast nur „Home Office“-Bilder in den Bestsellern, ger­ne kom­bi­niert mit der Videokonferenz, wäh­rend vor­her der Handschlag das belieb­tes­te Motiv war.

Auch in der „Wissenschaft“-Kategorie gab es im März 2020 nur Corona-​bezogene Bilder in den Top 10 Bestsellern, was sich aktu­ell auf „nur“ 6 von 10 Bildern der Top 10 abge­senkt hat.

Im Rahmen der „Black Lives Matter“-Proteste konn­te Adobe auch einen sehr deut­li­chen Anstieg der Suchbegriffe „diver­si­ty“„African American“, “Black Lives Matter“ und „pro­test“ verzeichnen.

Vor weni­gen Tagen ver­öf­fent­lich­te auch die Bildagentur EyeEm ihren „Visual Trends 2021“-Report und kommt zu ähn­li­chen Erkenntnissen wie Adobe.

Sie pro­gnos­ti­zie­ren einen Zuwachs bei den Themen „Social Rebellion“ und „Environmental Urgency“ und erwar­ten eine erhöh­te Nachfrage nach Natur- und Reise-​Bildern. Hier zäh­len jedoch nicht Massentourismus am Ballermann, son­dern ein­sa­me Orte, aus­ge­tre­te­ne Wanderwege und bei Personen im Bild natür­lich Abstand und ggf. Gesichtsmaske.

Adobe Stock veröffentlicht große kostenlose Kollektion mit Fotos, Vektoren und Videos

Kostenlose Bilddatenbanken wie Unsplash ent­wi­ckeln sich immer mehr zur Gefahr für Bildagenturen. Konnte Unsplash noch im Februar ca. 24 Downloads pro Sekunde ver­zeich­nen, sind es jetzt Mitte Oktober schon 42.

Die gro­ßen Microstock-​Agenturen wie Shutterstock oder Adobe Stock beob­ach­ten die­sen Trend natür­lich genau, lan­ge blieb jedoch unklar, wie genau sie dar­auf reagie­ren wollen.

Für Adobe Stock ist nun die Antwort bekannt, denn Adobe hat eben den Start einer kos­ten­lo­sen Bild-​Kollektion bekannt gege­ben.

Screenshot der Startseite der free collec­tion bei Adobe Stock

Diese Kollektion soll anfangs ca. 70.000 Dateien (Fotos, Vektoren, Illustrationen und Videos) umfas­sen und auf bis zu ca. 100.000 Bilder anwach­sen. Diese Bilder sind bis­her von weni­ger als 50 aus­ge­wähl­ten Top-​Fotografen gelie­fert wor­den, wel­che ihr Einverständnis dafür gege­ben haben, der Großteil kommt von Anbietern wie RAWpixel und Wavebreakmedia.

Der Senior Product Manager bei Adobe Stock, Morgan David de Lossy, war so freund­lich, mir mehr Auskünfte über die Ziele und Hintergründe der Gratis-​Kollektion zu geben.

Drei sich widersprechende Ziele der Gratis-Kollektion

Der Aufbau der kos­ten­lo­sen Bildersammlung dau­er­te mehr als ein Jahr, weil meh­re­re sich wider­spre­chen­de Werte und Ansichten von Adobe ver­ei­nen las­sen mussten:

  • den Adobe-​Nutzern die bes­te Nutzererfahrung (UX) bieten
  • die Interessen der Urheber zu berück­sich­ti­gen, auch in Zukunft neue Werke pro­du­zie­ren zu können
  • die Gratis-​Kollektion pro­fi­ta­bel zu machen

Die Nutzererfahrung soll ähn­lich wie bei der Suche nach bezahl­ten Inhalten funk­tio­nie­ren, die tie­fe­re Einbettung in die Creative Cloud wird noch überlegt.

Bei der Bildauswahl wur­de auf „Breite, nicht Tiefe“, wert gelegt, das heißt, so mög­lichst vie­len belieb­ten Themen sol­len Bilder ver­füg­bar sein, aber nicht zu vie­le unter­schied­li­che Varianten, damit Nutzer mit spe­zi­el­le­ren Bildwünschen wei­ter­hin Geld bei Adobe Stock ausgeben.

Ob das anfangs so gut funk­tio­niert, ist frag­lich, da zum Beispiel die Suche nach „Business Team“ fast 1.900 Treffer lie­fert, „Kinder“ sogar schon über 6.100 Treffer und „Hintergrund“ fast 20.000 Ergebnisse.

Morgan gibt auch zu, dass die­ser „Breite, nicht Tiefe“-Teil sehr schwer zu errei­chen ist und dass täg­lich beob­ach­tet wer­den soll, wie sich die Zahlen ent­wi­ckeln, um ggf. schnell gegen­steu­ern zu können.

Die Interessen der Urheber will Adobe haupt­säch­lich durch zwei Anreize berück­sich­ti­gen. Zum einen zahlt Adobe den Fotografen der Gratis-​Kollektion tat­säch­lich Geld für ihre Zustimmung an dem Projekt. Als gro­ber Richtwert wur­de hier der dop­pel­te RPI (Revenue per Image) pro Jahr und Bild genannt, wobei die Werte ein­zeln ver­han­delt wur­den, weil vor allem die gro­ßen Portfolios in der Regel nied­ri­ge­re RPIs haben.

Außerdem sol­len unter den Gratis-​Bilder wei­te­re Bilder der glei­chen Serie vom Fotografen aus der bezahl­ten Kollektion ange­zeigt wer­den, um mög­lichst oft „Upselling“-Effekte zu erzielen.

Das Ziel ist, die „free“ Kollektion haupt­säch­lich für neue Kunden attrak­tiv zu machen, die sich sonst bei Gratis-​Plattformen bedient hät­ten und ihnen zu zei­gen, dass sie bei Adobe auf der siche­ren Seite sind, weil Adobe Model Releases, Property Releases und ande­re Schutzrechte (Markenrecht, Designschutz) prüft. So sol­len die Nutzer erfah­ren, wel­chen Vorteil die Agentur tat­säch­lich hat, um sie spä­ter bei Bedarf zu zah­len­den Kunden kon­ver­tie­ren zu können.

Adobe Stock bewirbt die kos­ten­lo­se Kollektion mit Rechtssicherheit (Screenshot)

Die Gratis-​Bilder ent­hal­ten die glei­che Standard- bzw. Enhanced-​Lizenz wie die Bilder aus der bezahl­ten Kollektion.

Die Zukunft der Gratis-Kollektion

Geplant ist auch, mehr Fotografen die Teilnahme an der Gratis-​Kollektion zu ermög­li­chen, was aber mit meh­re­ren Herausforderungen ver­bun­den ist: Die Größe der Kollektion soll nicht unend­lich wach­sen und bei ca. 100.000 Bildern sta­gnie­ren und eine gleich­mä­ßi­ge Verteilung nach Themen und Kategorieren gewähr­leis­tet blei­ben. Die Bildauswahl soll auch regel­mä­ßig wechseln.

Außerdem soll die Kollektion einen Mehrwert für die Nutzer bie­ten, ohne die Verkäufe von Adobe und den Fotografen zu schaden.

Im Grund geht Adobe mit die­sem Experiment eine Wette ein: Führt ein Gratis-​Angebot zu mehr Käufern und mehr (bezahl­ten) Downloads?

Bisher nut­zen auch Adobe-​Projekte wie „Spark Post“ Unsplash-​Bilder, was idea­ler­wei­se durch die eige­ne Gratis-​Kollektion ersetzt oder zumin­dest ergänzt wer­den soll.

Gratis-​Bilder mit Ethik?

Laut Morgan David de Lossy soll die kos­ten­lo­se Kollektion der Versuch sein, einen „ethi­schen Weg bei kos­ten­lo­sen Bildern ein­zu­schla­gen, bei dem sich der Produktionskreislauf schließt und die Urheber Geld erhal­ten, um mehr Bilder pro­du­zie­ren zu können“.

Er betont auch:

Die Künstler sind der Hauptfokus bei Adobe und wir bau­en die kos­ten­lo­se Kollektion mit Rücksicht zuerst auf die Künstler. Um Stock als nach­hal­ti­ges Geschäftsmodell zu erhal­ten, wer­den wir stark jeden Einfluss ana­ly­sie­ren, den die Kollektion auf die Künstler-​Community hat, denn unser Ziel ist es, den Künstlern mehr Geld zu bringen“.

Riskante Wette

Die Wette, die Adobe ein­geht, ist in der Tat ris­kant. Dem Wildwuchs an kos­ten­lo­sen Bildern mit noch mehr kos­ten­lo­sen Bildern zu ent­geg­nen, ist mei­ner Meinung nach gewagt. Der Vorteil für Kunden durch die geklär­ten Rechte Dritter soll­te leicht nach­voll­zieh­bar sein, der Vorteil für die teil­neh­men­den Fotografen (im Vergleich zu Unsplash-​Fotografen) eben­falls durch die Bezahlung aus Adobes Taschen.

Das Risiko ist jedoch sehr hoch, dass vor allem die klei­nen Kunden, wel­che nur sehr sel­ten Bilder brau­chen, auf das neue kos­ten­lo­se Angebot aus­wei­chen. Diese Kunden kau­fen kein Abo und haben bis­her das im Verhältnis deut­lich teu­re­re Credit-​Paket gekauft. Meine Vermutung ist, dass die­se Kunden sich nun lie­ber mit Gratis-​Bildern zufrie­den geben, auch wenn die­se viel­leicht im Detail nicht ganz so gut pas­sen wie die käuf­li­chen Alternativen.

Auch die ohne­hin schon stark ver­wäs­ser­te Lizenzsprache mit Begriffen wie „lizenz­frei“, wel­ches vie­le Bildsucher mit „kos­ten­los“ ver­wech­seln wird nicht trenn­schär­fer, wenn Adobe die­se Wörter nun wild durch­ein­an­der mixt.

Mehr als unglück­lich gewählt ist die Formulierung am Ende der Seite.
Deshalb sicher­heits­hal­ber schon vor­ab die Klarstellung: Lizenzfrei bedeu­tet nicht auto­ma­tisch „kos­ten­los“ und nicht alle Dateien auf Adobe Stock sind kos­ten­los erhältlich!

Meine Hoffnung hin­ge­gen ist, dass Adobe so stark in der Datenanalyse ist, dass sie tat­säch­lich schnell erken­nen, falls die Gratis-​Kollektion in die fal­sche Richtung läuft und ent­spre­chen­de Gegenmaßnahmen einführen.

Mehr Informationen zur „free collec­tion“ fin­det ihr in die­sem FAQ.

Wie schätzt ihr das ein?

Das neue „Market Freeze“-Feature von Getty Images: Teure Kundenverarschung?

Man kann von Getty Images hal­ten, was man will, aber eins trau­en sie sich: Entscheidungen zu tref­fen. Auch wenn die­se nicht immer so rich­tig durch­dacht wirken.

Im November 2019 been­de­te Getty Images das „right managed“-Lizenzmodell, mit dem Bildkäufer sich unter ande­rem exklu­si­ve Bildrechte für bestimm­te Regionen, Branchen etc. kau­fen konn­ten, was sie als Feature „Market Freeze“ nann­ten.

Paul Banwell (Senior Director, Contributor Relations von Getty Images) pries noch im März 2019 „Market Freeze“ so an:

We will soon begin inclu­ding a base level of Exclusivity into RM licen­ses cal­led Market Freeze, which will allow cus­to­mers exclu­si­ve use of an image for the com­bi­na­ti­on of use, indus­try, geo­gra­phy, and dura­ti­on of any com­mer­cial use licen­se. This is some­ti­mes known as “spot” Exclusivity but we’re cal­ling it Market Freeze sin­ce this term is well unders­tood in the indus­try. Market Freeze would not app­ly to edi­to­ri­al use licenses.“

Nun gibt es kei­ne RM-​Bilder bei Getty Images mehr, aber den saf­ti­gen Aufpreis für die Möglichkeit, Bilder vom Verkauf zu sper­ren, woll­te sich Getty nicht ent­ge­hen las­sen und führt des­halb „Market Freeze“ auch für „royal­ty free“-Bilder (RF) ein:

Wer das Feature akti­viert, bekommt einen gro­ßen lila­far­be­nen „Mehr erfahren“-Button zu sehen und wer da draufklickt, kann fol­gen­des lesen:

Wer sich in der Bilderbranche aus­kennt, beginnt das Problem zu ahnen: Wie kann Getty Images „Exklusivität“ für RF-​Bilder garan­tie­ren, die gar nicht exklu­siv sind? Bestes Beispiel sind die mehr als 7 Mio. Bilder aus der EyeEm-​Collection, wie im Screenshot oben zu sehen. Getty Images hat ja anscheind schon Probleme, Duplikate auf ihrer eige­nen Webseite zu filtern.

Die kor­rek­te Antwort ist des­halb:
Getty kann KEINE Exklusivität für alle Bilder garantieren!

Deswegen wird auch tun­lichst das Wort „Exklusivität“ ver­mie­den, son­dern nur davon gespro­chen, dass das Bild auf DEREN (also der Getty-)Webseite nicht mehr erhält­lich ist. Das trös­tet Bildnutzer aber nur wenig, wenn die Konkurrenz das glei­che Material wei­ter­hin auf etli­chen ande­ren Webseiten erhält. Besonders weh tut das beim Preis, den Getty Images für den „Market Freeze“ aufruft:

Ein „Buyout“ soll 25.000 Euro kos­ten, die Sperrung für ein gan­zes Jahr immer­hin 9.000 Euro. Auch für Bilder wohl­ge­merkt, die wei­ter­hin über ande­re Bildagenturen käuf­lich erhält­lich sind.

Natürlich könn­te Getty Images das Problem ganz ein­fach lösen, indem sie das „Market Freeze“-Feature nur für Material anbie­ten, wel­ches sie exklu­siv anbie­ten. Dass sie dar­auf ver­zich­ten, zeigt, für wie klug sie ihre Kunden halten.

Immerhin behal­ten sie den Namen eines Features bei, wel­ches bei RM-​Material damals von Paul Banwell noch so bewor­ben wurde:

By embed­ding exclu­si­vi­ty into RM, we are taking advan­ta­ge of usa­ge his­to­ries and limi­ted licen­sing volu­mes to pro­vi­de dis­tinct rea­sons why cer­tain cus­to­mers would choo­se rights-​managed over royalty-​free and com­mis­sio­ned shoots.

Market Freeze will show­ca­se con­tent which is rea­dy for exclu­si­ve, com­mer­cial licen­sing. Creative con­tent whe­re we are unab­le to offer Market Freeze will con­ti­nue to be avail­ab­le, but only to cus­to­mers with Premium Access agreements.“

Während bei RM-​Material noch offen­siv von Exklusivität gere­det wur­de, wird nun bei RF-​Material dar­auf ver­zich­tet, nur der Name „Market Freeze“ bleibt.

Für die Kunden bleibt unter dem Strich: Sie kau­fen mit dem Feature für viel Geld eine wert­lo­se Garantie, wenn sie nicht selbst aktiv kon­trol­lie­ren, ob ihr gewünsch­tes Bild wirk­lich exklu­siv bei Getty Images ange­bo­ten wird.

Wie Getty Images einen „Buyout“, also eigent­lich den Komplettverkauf eines Bildes, wel­ches es nicht exklu­siv anbie­tet, durch­set­zen will, bleibt das gro­ße Geheimnis von Getty Images.

UPDATE 11.08.2020:
Getty Images äußert sich hier auf die eng­li­sche Version mei­nes Artikels mit eini­gen wei­ter­füh­ren­den Erklärungen.

Die neuen Shutterstock-​Quartalszahlen sind da: Welche Auswirkungen hat die Honoraränderung?

Vor weni­gen Tagen hat die Bildagentur Shutterstock ihre Quartalszahlen für das zwei­te Quartal 2020 vorgelegt.

Wie schon im letz­ten Bericht ist die Stagnation durch­aus erkenn­bar:
Die bezahl­ten Downloads san­ken um 6% auf 44 Mio. Downloads.
Der Erlös pro Download wuchs um 0,17 USD auf 3,61 USD.
Der Umsatz sank um 2% auf 159,2 Mio. USD.

Eine wei­te­re inter­es­san­te Zahl ist, dass der durch­schnitt­li­che Shutterstock-​Kunde ca. 326 USD aus­gibt, ca. 0,2% mehr als im Vorjahreszeitraum. Das ist auch grob der Preis des kleins­ten Bilder-​Abos mit 10 Bildern im Monat.

Zwar brüs­tet sich Shutterstock mit einem 21%-Wachstum im Bilder-​Bereich und einem 27%-Wachstum bei den Videos, aber die Proteste der Shutterstock-​Lieferanten wegen der geän­der­ten Honorarstruktur haben trotz­dem ihre Wirkung gezeigt:
Das abso­lu­te Wachstum des Portfolios betrug nur ca. 10 Mio. Bilder, das ist der schlech­tes­te Wert seit dem ers­ten Quartal 2016:

Dem Börsenkurs schei­nen sol­che Details egal zu sein, die Shutterstock-​Aktie stieg in der letz­ten Woche um beacht­li­che 30%.

Das mag dar­an lie­gen, dass Shutterstock seit eini­gen Monaten eine Dividende zahlt und dass die Einkünfte aus dem ope­ra­ti­ven Geschäft von Shutterstock um beacht­li­che 19,5 Mio. USD auf 22,5 Mio USD gestie­gen sind. Grund für die­sen star­ken Anstieg sind laut Shutterstock deren „Initiativen zur Margenausweitung“, die die im zwei­ten Quartal 2020 zu „nied­ri­ge­ren Betriebsausgaben“ geführt haben. Oder salopp über­setzt: „Wir müs­sen den Fotografen jetzt weni­ger zah­len“? Da die­se Änderungen erst im Juni 2020 begon­nen haben, ist eine wei­te­re Steigerung im nächs­ten Quartal nicht abwegig.

Der Investment-​Vertreter der Deutschen Bank sprach das Thema der Honoraränderungen auch expli­zit beim „Earnings Call“ an, erhielt aber nur eine sehr aus­wei­chen­de Antwort vom Shutterstock-CEO:

Lloyd Walmsley (Deutsche Bank):

Thanks. I have a cou­p­le. I guess, first­ly, can you talk about chan­ges to the royal­ty payouts to con­tri­bu­tors? And did you have a full quar­ter bene­fit from that in gross mar­gin? Or should we expect gross mar­gins to incre­a­se in the second half around that? And I guess rela­ted to that, are the­re going to be sea­so­nal vari­an­ces in gross mar­gin to account for kind of rising payouts over the cour­se of the year to con­tri­bu­tors? And then the second one on the Enterprise side. I know you guys have been doing some go-​to-​market chan­ges on how you kind of source new cus­to­mers. Can you talk about how that’s going and how cri­ti­cal is that to kind of get­ting the broa­der Enterprise seg­ment back to growth? Thanks.“

Stan Pavlovsky (CEO Shutterstock)

Yes, abso­lute­ly. So first on the gross mar­gins and the con­tri­bu­tor royal­ty chan­ge – one of the things that I real­ly want to make sure is clear is that the­re are several things that are impac­ting gross mar­gins inclu­ding hos­ting cos­ts of our data cen­ters, con­tent injec­tion cos­ts, credit card fees, royal­ties. A big part of a bene­fit that we expe­ri­en­ced this quar­ter is actual­ly due to lower down­load acti­vi­ty as well as the auto­ma­ti­on of the con­tent ingesti­on pro­cess as com­pa­red to sort of doing it manu­al­ly. So when we look at – the­re are several varia­bles that are impac­ting gross mar­gins some of which we expect will con­ti­nue and others will vary based on what’s hap­pe­ning in the busi­ness the pro­duct mix et cete­ra. I’ll let Jarrod talk about kind of – I’ll let Jarrod talk about, sort of, the longer-​term and the rest of the year and then I’ll take the Enterprise question.“

Zu erwäh­nen bleibt noch, dass der ehe­ma­li­ge Shutterstock-​CEO und Firmengründer Jonathan Oringer wenig Vertrauen in die Zukunft sei­nes auf­ge­bau­ten Unternehmens zu haben scheint. Seit dem 1. Juni 2020, also dem Tag, an dem die Honoaränderungen in Kraft tra­ten, hat Jon Oringer Aktienanteile im Wert von über 4,2 Mio. USD ver­kauft: