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Welchen Einfluss wird künstliche Intelligenz auf die Produktion von Stock-​Videos haben?

Künstliche Intelligenz (KI) ist die Simulation mensch­li­cher Intelligenz in pro­gram­mier­ten Maschinen, die wie Menschen den­ken und ihre Handlungen imi­tie­ren. KI umfasst auch Geräte, die mensch­li­che Züge wie Problemlösung, Lernen, Spracherkennung und Planung auf­wei­sen. KI ist zwei­fel­los eine genia­le tech­ni­sche Erfindung, die die Welt im Sturm erobert hat. Wenn wir an KI und ihre Anwendungen den­ken, brin­gen wir sie fast immer mit Technik und Wissenschaft in Verbindung. Aber das ist nicht alles – KI wur­de nähm­lich auch in der krea­ti­ven Sphäre effek­tiv eingesetzt!

Die Frage ist: Kann KI ler­nen, krea­tiv zu sein? Nun, ja. Es gibt vie­le Beispiele, die die gro­ßen Fortschritte der KI in der Welt der Kreativität bele­gen. Auf dem Sonar-​Musikfestival in Barcelona im letz­ten Herbst begann der Künstler Mat Dryhurst auf der Bühne zu sin­gen, und das Publikum war fas­sungs­los, als es statt­des­sen die Stimme sei­ner Frau hör­te! Dryhursts Auftritt war Teil eines KI-​Experiments, bei dem er sei­ne Stimme aus­tausch­te – und es war natür­lich ein gro­ßer Erfolg!

Nicht nur in der Musik, auch in der Verlagswelt ver­än­dern KI-​Tools die Welt. Um die Erstellung von Inhalten auf­recht­zu­er­hal­ten, ist es wich­tig, stän­dig neue Inhalte und Ideen zu pro­du­zie­ren. Irgendwann gehen uns Menschen viel­leicht die Ideen aus. Aber dank der KI haben wir jetzt einen end­lo­sen Vorrat an Ideen, die uns hel­fen, wei­ter­zu­ma­chen! Wir haben nicht nur KI-​Schreibwerkzeuge, um Ideen zu gene­rie­ren, son­dern auch KI-​unterstütztes Schreiben. Die KI-​Schreibassistenten ler­nen, wie Profis zu schrei­ben und ent­wi­ckeln auch inter­es­san­te Inhalte!

Auch in der Filmindustrie ist KI mitt­ler­wei­le ein fes­ter Bestandteil. Das liegt dar­an, dass sie in ver­schie­de­ne Aspekte des Filmprozesses inte­griert wur­de und den sonst so müh­sa­men Prozess weni­ger kom­pli­ziert und naht­los macht. Werfen wir einen Blick dar­auf, wie KI das Filmemachen im Detail revo­lu­tio­niert hat:

Wie wird KI beim Filmemachen und bei der Erstellung von Videos eingesetzt?

Der kom­ple­xe Prozess des Filmemachens umfasst vie­le krea­ti­ve Köpfe – vom Schreiben des Drehbuchs bis zur Promotion des Films. Wir sind uns sicher, dass es noch viel mehr Feinheiten gibt, aber weißt du was? KI kann bei all die­sen ver­schie­de­nen Aspekten ein­ge­setzt werden!

Es ist nicht ein­fach, ein ein­zig­ar­ti­ges, beein­dru­cken­des Drehbuch zu schrei­ben, das die Zuschauer fes­selt. Aber mit KI ist es für Filmemacher jetzt ein­fa­cher gewor­den, Drehbücher zu erstel­len. Wenn sie mit rie­si­gen Datenmengen von Drehbüchern gefüt­tert wer­den, kön­nen maschi­nel­le Lernalgorithmen völ­lig neue Drehbücher erstel­len. Filmemacher ver­wen­den die KI-​generierten Drehbücher als Entwürfe und ver­bes­sern sie dann, um ein end­gül­ti­ges Drehbuch zu erstel­len. Der gesam­te Prozess der Drehbucherstellung ist jetzt mühe­los und weni­ger zeit­auf­wän­dig, dank der KI-Drehbuch-Tools!

Das Casting ist ein wei­te­rer wich­ti­ger Aspekt eines Films – ein tol­les Drehbuch kann ein Reinfall sein, wenn die Besetzung nicht stimmt. Das Casting ist ein lang­wie­ri­ger Prozess, der viel Zeit und Mühe erfor­dert, um die Schauspieler in meh­re­ren Castings zu prü­fen und die per­fek­te Besetzung für einen Film zu fin­den. KI-​Tools kön­nen mit Daten gefüt­tert wer­den, die Merkmale von Schauspielern in ver­schie­de­nen Emotionen beschrei­ben, und die­se Tools kön­nen dann nach den rich­ti­gen Schauspielern suchen. Die Tools kön­nen auch das digi­ta­le Gesicht eines Schauspielers/​einer Schauspielerin über ein Körperdouble legen, wenn dies in bestimm­ten Szenen erfor­der­lich ist. KI kann auch ein­ge­setzt wer­den, um Schauspieler in Filmen digi­tal hin­zu­zu­fü­gen oder sogar ihre Gesichtszüge zu ver­än­dern, um sie jün­ger dar­zu­stel­len, als sie sind.  Außerdem kann sie Greenscreen-​Videos auto­ma­tisch durch die beab­sich­tig­ten Aufnahmen erset­zen und müh­sa­mes Chromakeying auto­ma­tisch erledigen.

Abgesehen davon hel­fen KI-​Tools auch dabei, den Erfolg eines Films vor­her­zu­sa­gen und die Einnahmen abzu­schät­zen, die er ein­spie­len kann. Top-​Filmemacher wie Warner Bros. nut­zen zum Beispiel die KI-​basierte Plattform Cinelytic, um den Erfolg ihrer Filme an der Kinokasse vorherzusagen.

Einfluss der KI auf die Produktion von Stock-Videos 

KI hat vie­le müh­sa­me, sich wie­der­ho­len­de Aufgaben ein­fa­cher gemacht – und die Produktion von Stockvideos ist da kei­ne Ausnahme! Genau wie bei den genann­ten krea­ti­ven Beispielen muss die KI auch bei der Erstellung von Stock-​Videos mit gro­ßen Datenmengen gefüt­tert wer­den (rele­van­tes Filmmaterial, Vorlagen, Übergangseffekte, Überblendungen usw.). Nach der Verarbeitung die­ser Daten kön­nen die KI-​Tools ein ein­zig­ar­ti­ges, völ­lig ande­res Stockvideo erstel­len, das es so noch nie gege­ben hat.

Wie kann dir das hel­fen? Erstens sparst du dir die Zeit, den Aufwand und das Geld, die du sonst für den Dreh eines neu­en Videos auf­wen­den müss­test. Auch wenn die künst­li­che Intelligenz ein Standardvideo für dich erstellt, hast du die Möglichkeit, es zu bear­bei­ten und krea­ti­ve Elemente hin­zu­zu­fü­gen, um es noch bes­ser zu machen. Außerdem „weiß“ KI, wel­che Funktionen zu einem Stockvideo hin­zu­ge­fügt wer­den müs­sen, um es nicht nur ein­zig­ar­tig, son­dern auch optisch anspre­chend zu machen.

Resümee

Auch wenn die Erstellung von Stock-​Videos und ande­ren krea­ti­ven Elementen mit­hil­fe von Künstlicher Intelligenz ein­fach ist, kön­nen wir nicht leug­nen, dass algo­rith­mi­sche Verzerrungen ein erheb­li­ches Problem dar­stel­len. Wenn die KI nur mit unvoll­stän­di­gen oder schlech­ten Daten gefüt­tert wird, führt das zu ver­zerr­ten Ergebnissen. Aus die­sem Grund müs­sen wir auch in der Stock-​Video-​Branche mit ras­sis­ti­schen oder geschlechts­spe­zi­fi­schen Verzerrungen rech­nen. Schließlich wird die KI von Menschen ent­wi­ckelt, und Menschen sind in Bezug auf Geschlecht und Rasse voreingenommen.

Die Automatisierung und die Erleichterung der Durchführung sich wie­der­ho­len­der, zeit­auf­wän­di­ger Tests durch KI haben auch die Arbeitswelt erfasst. Obwohl sie Zeit und Mühe spart, kön­nen wir nicht leug­nen, dass die KI den Wert der mensch­li­chen Kreativität nega­tiv beein­flusst hat. Eine Regulierung der KI und ihre ethi­sche Umsetzung kön­nen hel­fen, die­se Probleme zu bewäl­ti­gen; bis dahin müs­sen wir uns auf die­se Probleme ein­stel­len und ent­spre­chen­de Lösungen finden.

Panthermedia stellt erste Kollektion computergenerierter Personenbilder vor

Vor weni­gen Tagen prä­sen­tier­te die deut­sche Bildagentur Panthermedia in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen vAIsual die „syn­the­ti­sche Portrait Kollektion“, das heißt, eine Sammlung von Portraitbildern, wel­che durch einen Computer erzeugt wurden.

Über die dahin­ter lie­gen­de Technik hat­te ich im September 2019 etwas aus­führ­li­cher in dem Artikel „100.000 kos­ten­lo­se com­pu­ter­ge­ne­rier­te Portraits: Das Ende der Model-​Fotografie?“ berich­tet. Gut zwei Jahre spä­ter schei­nen also eini­ge mei­ner dama­li­gen Gedankenspiele Realität zu werden.

Aktuell umfasst die Kollektion ca. 400 Bilder, es sol­len aber bei 1000 Bilder sein. Die Auswahl der durch eine KI (Künstliche Intelligenz) erzeug­ten Bilder muss noch manu­ell vor­ge­nom­men wer­den, „da nicht alle gene­rier­ten Bilder markt­fä­hig sind“, wie Panthermedia-​Geschäftsführer Tomas Speight sagt. Wer durch die Kollektion stö­bern will, kann auf der Panthermedia-​Webseite in der Kopfzeile auf „Synths“ kli­cken.

Drei Beispiele der syn­the­tisch erstell­ten Portraits bei Panthermedia

Die Portraits wer­den wahl­wei­se vor einem wei­ßen oder einem grü­nen Hintergrund ange­bo­ten. Später sol­len auch Bilder aus ande­ren Themenbereichen fol­gen. Mit aktiv in der KI-​Firma vAIsual sind übri­gens die Stock-​Veteranen und Branchenkenner Mark Milstein und Lee Torrens.

Die Bilder sind aktu­ell nicht in Abonnements oder Bildpaketen erhält­lich. Sie sind in zwei Größen erhält­lich, die Web-​Größe kos­tet zur Zeit 29,90 Euro, die Größe XXL 69,90 Euro, wobei XXL hier auch nur gut 2 Megapixel bedeu­tet, was die Nutzungen im Print-​Bereich noch etwas einschränkt.

Das Hauptkriterium für die Entscheidung, ein künst­li­ches Bild zu nut­zen, soll laut Panthermedia der nicht mehr not­wen­di­ge Modelvertrag sein:

Neben dem fas­zi­nie­ren­den Kunstaspekt ist der Hauptvorteil von KI-​generierten Bilder, dass kei­ne Model-​Releases erfor­der­lich sind. Die gezeig­ten Personen exis­tie­ren in der Realität gar nicht. Die Fotos haben somit kei­ne der Einschränkungen wie sie in Bezug auf die Abbildung von rea­len mensch­li­chen Modellen bestehen. Dies eröff­net ganz neue Möglichkeiten für eine siche­re Nutzung bei sen­si­blen Inhalten, bei­spiels­wei­se aus den Bereichen Pharma, Medizin und ande­re sen­si­ti­ven Themen, die tra­di­tio­nell nicht von Model-​Release-​Bildern abge­deckt wer­den.
Auch bei redak­tio­nel­len Themen ist dies ein gro­ßer Vorteil im Hinblick auf die Rechte abge­bil­de­ten Personen nach der DSGVO. Ein wei­te­rer wich­ti­ger Punkt in die­sem Zusammenhang ist, dass die­se KI-​generierten Bilder als Set für das Training ande­rer KI-​Anwendungen lizen­ziert wer­den können.“

Daher gel­ten für die Bildnutzung auch die aktu­el­len Panthermedia-​Nutzungsbedingungen mit der Ausnahme, dass eine Bandbreite an „Sensitive Issues“ zuge­las­sen ist.

Offene Fragen

Mit die­sem Quantensprung tau­chen nun auch neue recht­li­che und mora­li­sche Fragen auf, die sich ver­mut­lich erst nach einer Weile klä­ren las­sen werden.

Wie schon in mei­nem Artikel von vor zwei Jahren erwähnt, sind hier vor allem das Persönlichkeitsrecht und das Missbrauchspotential zu erwäh­nen.

Selbst wenn die Portraits digi­tal erstellt wur­den, kön­nen sie trotz­dem Bilder gene­rie­ren, die ech­ten, real exis­tie­ren­den Personen sehr ähn­lich sehen. Auch wird es mit sol­chen Bildern für Betrüger und Scammer leich­ter, sich einen per­sön­li­chen Anstrich zu geben, aber trotz­dem anonym zu bleiben.

Und wer hat das Urheberrecht, wenn die Bilder digi­tal von einer Maschine erzeugt wur­den? Was pas­siert also, wenn jemand die­se Bilder ohne Bezahlung benut­zen wür­de? Kann die Agentur Nutzungshonorare einklagen?

Gefahr für Fotografen?

Vor zwei Jahren war ich ent­spannt, dass der aktu­el­le Stand der Technik Stockfotografen nicht gefähr­lich wäre. Das gilt mitt­ler­wei­le nur noch mit Einschränkungen. Zum einen hat sich die Bildauflösung von 1 auf 2 Megapixel ver­dop­pelt. Das ist abso­lut gese­hen zwar immer noch recht wenig, aber schon eine deut­li­che Steigerung.

Weggefallen ist nun jedoch offen­sicht­lich die Einschränkung, dass die gene­rier­ten Portraits nicht kom­mer­zi­ell genutzt wer­den dür­fen, was die Bedrohung für Portraitfotografen mas­siv steigert.

Für Stockfotografen blei­ben auch im Portraitbereich zwar noch sehr vie­le Bereiche, wel­che die KI aktu­ell nicht abde­cken kann, aber ich ver­mu­te, dass die­se Bereiche im Laufe der Zeit wei­ter schrump­fen werden.

Ein klei­ner Hoffnungsschimmer ist aktu­ell, dass die Verschlagwortung momen­tan mehr als dürf­tig ist: So ent­hält das obi­ge Bild nur die neun Suchbegriffe:

adult, fema­le, girl, half length, model, release, requi­red, woman, young“

Diese wider­spre­chen sich einer­seits (girl/​adult) und sind auch nicht sehr akku­rat (young) und wich­ti­ge ande­re Schlagwörter wie die Ethnie, der Gefühlsausdruck und so wei­ter feh­len völ­lig. Das kann sich mit etwas Motivation sei­tens der Bildagentur jedoch schnell ändern.

Was sagt ihr zu der neu­en Kollektion?

100.000 kostenlose computergenerierte Portraits: Das Ende der Model-Fotografie?

Die Firma icons8 hat gera­de etwas Bahnbrechendes gemacht: Sie hat 100.000 durch künst­li­che Intelligenz erstell­te Portraits kos­ten­frei zur Nutzung bereit gestellt.

Die künst­li­che Intelligenz brauch­te etwas zum „Trainieren“, um zu erken­nen, wann ein Ergebnis mensch­lich genug aus­sah und wann nicht. Dafür hat die Firma nach eige­nen Angaben inner­halb von drei Jahren 29.000 Portraits von 69 Models aufgenommen.

Die fer­ti­gen com­pu­ter­ge­ne­rier­ten Fotos wer­den auf der Webseite https://generated.photos/ kos­ten­frei zum Download und zur Nutzung ange­bo­ten im Format 1024x1024 Pixel, also 1 Megapixel. Bei den 100.000 Bildern sind eini­ge dabei, die erkenn­bar „fake“ sind, weil der Computer selt­sa­me Artefakte an komi­schen Stellen gene­riert hat und oft sind bei lan­gen Haaren die Enden falsch, wie wenn man wild in Photoshop mit dem Klonstempel Amok gelau­fen wäre oder das Verflüssigen-​Tool nicht rich­tig beherrscht.

Alles AI-​basierte künst­li­che Gesichter von generated.photos

Das soll aber nicht dar­über hin­weg täu­schen, dass vie­le der Bilder nicht mehr von einem ech­ten Foto zu unter­schei­den sind. Geplant ist in Zukunft sogar eine Art Tool, mit der Nutzer (ver­mut­lich gegen Gebühr) auf Knopfdruck sich selbst Portraits gene­rie­ren und dabei Kriterien wie Geschlecht, Alter, Stimmung, Blickwinkel etc. selbst beein­flus­sen können.

In die­sem Video stellt sich das Projekt kurz selbst vor:

Hier als Beispiel eini­ge Bilder von https://generated.photos, die tat­säch­lich so rea­lis­tisch sind, dass kaum vor­stell­bar ist, dass sie kei­ne Fotos sind (Klicken zum Vergrößern):

Wer eben­falls mal stö­bern will, kann die Webseite https://100k-faces.glitch.me/ auf­ru­fen. Bei jedem neu­en Laden der Seite wird zufäl­lig eins der 100.000 Gesichter gezeigt.

Wie dürfen die Bilder genutzt werden?

Laut der Webseite dür­fen die Bilder für jeg­li­che („wha­te­ver“) Nutzung ver­wen­det wer­den, zum Beispiel für Präsentationen, Projekte, Mock-​Ups, Avatare auf Webseiten, Newsletter, Arbeitsblätter etc., vor­aus­ge­setzt, es wird ein Link auf deren Webseite gesetzt. Konkreter erklärt es der Chefdesigner bei icons8, Konstantin Zhabinskiy hier:

If you plan to use pho­to on your web­site, set a link to Generated Photos on all pages whe­re you use our con­tent. If you use it on most pages, a link in your foo­ter is fine. Desktop and Mobile apps should have a link in the About dia­log or Settings. Also, plea­se credit our work in your App Store or Google Play descrip­ti­on (some­thing like „Photos by Generated Photos“ is fine).“

In den klein­ge­druck­ten Nutzungsbedingungen auf der Seite steht unter Punkt 3.2 jedoch, dass kei­ne „kom­mer­zi­el­le Nutzung“ erlaubt sei und gene­rell vie­le Einschränkungen gel­ten, wie zum Beispiel dass die Lizenz sei­tens der Betreiber jeder­zeit ent­zo­gen wer­den kann und dann jedes Material, egal ob digi­tal oder gedruckt, zer­stört wer­den muss:

Das wider­spricht sich jedoch mit den öffent­li­chen Äußerungen der Firma, wes­halb ich per Email um eine Stellungnahme gebe­ten habe, auf die ich lei­der noch kei­ne Antwort habe.

In deren FAQ wird dar­auf hin­ge­wie­sen, dass das Verfassen von Nutzungsrechten für Produkte künst­li­cher Intelligenz eine Neuheit ist, wes­halb sie sich das Ändern die­ser Nutzungsbedingungen jeder­zeit vor­be­hal­ten. Wenn man kurz dar­über nach­denkt, ist es logisch: Mit wel­chem Recht soll­te jemand das Urheberrecht an Werken bean­spru­chen, die er nicht selbst geschaf­fen hat? Das wird noch Stoff für juris­ti­sche Auseinandersetzungen liefern.

Andere Projekte mit künstlichen Personenbildern

Die Webseite generated.photo ist weder die ein­zi­ge noch die ers­te Seite, die künst­lich erzeug­te Gesichter prä­sen­tiert. So gibt es seit einer Weile die Seite www.thispersondoesnotexist.com, wel­che das glei­che GAN („Generative Adversarial Network“)-Modell als Grundlage wie generated.photo nutzt. Hier eine sehr aus­führ­li­che Erklärung, wie die­se GAN funktionieren.

Eine ande­re Webseite ist www.artificialtalent.co, bei der Modefotos gegen Bezahlung mit künst­lich erzeug­ten Gesichtern „auf­ge­hübscht“ wer­den kön­nen, um mehr Kleidung zu verkaufen.

Eine gro­ße Sammlung sol­cher AI-​basierten Webseiten, nicht nur für Personenbilder, lie­fert die­se Webseite.

Was bedeuten diese Projekt für die Stockfotografie?

Kurzfristig sind sie noch kei­ne Bedrohung für Stockfotografen. Erstens funk­tio­niert die­se Technik aktu­ell nur bei Portraits und die Auflösung ist mit 1 MP etwas beschränkt. Der Ausschuss ist, wie man beim Durchblättern der 100.000 Bilder sehen kann, noch ziem­lich groß, auch wenn erstaun­li­che Ergebnisse dar­un­ter sind. Außerdem ist nur eine pri­va­te Nutzung erlaubt, wes­halb Werbetreibende wei­ter­hin auf Stockmaterial zurück­grei­fen müssen.

Mittelfristig sehe ich jedoch durch­aus die Möglichkeit, dass ein Teil der Nutzung zu den com­pu­ter­ge­ne­rier­ten Bildern abwan­dert. Erstens sind die­se künst­li­chen Intelligenzen schnell lern­fä­hig, was zu expo­nen­ti­ell bes­ser wer­den­den Ergebnissen und stei­gen­den Bildauflösungen füh­ren soll­te. Die Technik wur­de immer­hin erst 2014 vor­ge­stellt und kann nun schon glaub­wür­di­ge Gesichter generieren.

Außerdem funk­tio­niert die Technik nicht nur bei Menschen, auch Landschaften las­sen sich so digi­tal erzeu­gen, wie die­se inter­ak­ti­ve Demo von Nvidia zeigt. Selbst für Inneneinrichtungen gibt es schon eine Webseite, bei der Leute ein Foto ihrer Wohnung hoch­la­den kön­nen und die AI rich­tet die­se vir­tu­ell neu ein.

Die Gefahr für Stockfotografen besteht dar­in, dass ihre Bilder oft sehr gene­risch und aus­tausch­bar sind, bei­des also Attribute, wel­che per­fekt für com­pu­ter­ge­ne­rier­te Ansätze sind.

No Model Release, no problem?

Wie bei etli­chen neu­en Technologien zei­gen sich Gefahren lei­der erst, wenn die­se eine Weile im Einsatz sind. Deshalb beto­nen eini­ge Forscher aus die­sem Gebiet, dass die ethi­sche Komponente nicht unter­schätzt wer­den darf. Das heißt im Klartext: Die erzeug­ten Bilder basie­ren auf ech­ten Fotos: Wird die AI nur mit schö­nen, kau­ka­si­schen jun­gen Gesichtern trai­niert, wer­den auch die Ergebnisse schön, jung und weiß sein. Nur wer genü­gend Diversität im Ausgangsmaterial hat, kann die­se auch vom Computer erzeu­gen lassen.

Eine wei­te­re, bis­her nicht erwähn­te Gefahr, sehe ich in den Persönlichkeitsrechten. Klar, die abge­bil­de­ten Personen haben kei­ne Persönlichkeitsrechte. Wer sich eine Weile durch die Beispiele klickt, wird jedoch mer­ken, dass ihm etli­che Gesichter irgend­wie bekannt und ver­traut vor­kom­men. Es kann ja sein, dass der Computer Gesichter gene­riert, die in echt leben­den Menschen wie aus dem Gesicht geschnit­ten aus­se­hen. Sollten die­se Menschen dann nicht das Persönlichkeitsrecht an den AI-​Bildern haben, wenn sie mit denen ver­wech­selt wer­den kön­nen?
Man könn­te den Vergleich zu ein­ei­igen Zwillingen zie­hen: Hat der eine das Recht, dem ande­ren abzu­spre­chen, für bestimm­te Produkte oder Meinungen zu werben?

Generell ist das Missbrauchspotential die­ser Technik sehr hoch, man den­ke nur an aus­ge­dach­te Testimonials, gefälsch­te Social Media Accounts und so wei­ter. Vor allem in Kombination mit ande­ren Techniken wie „Deep Fakes“, bei der Videos Gesichter ande­rer Personen erhal­ten oder Adobe #VoCo, wo Stimmen ande­rer Personen mani­pu­liert wer­den kön­nen, erge­ben sich vie­le Möglichkeiten, die sehr dazu geeig­net sind, das Vertrauen von Menschen in digi­ta­le Inhalte zu unter­gra­ben. Wie so oft sind Pornos Vorreiter die­ser neu­en Technologie: Schon heu­te gibt es eini­ge Webseiten, auf der Gesichter von Berühmtheiten in Pornofilme mon­tiert werden.

Was sagt ihr zu die­ser Entwicklung?

Panthermedia startet Image Streaming

Die Münchener Bildagentur Panthermedia hinkt ja dem Trend immer etwas hinterher.

So will sie jetzt auch in den Bereich des „Bilder Streaming“ ein­stei­gen, bei dem Bildnutzer (Bildkäufer kann man ja gar nicht mehr sagen) Bilder kos­ten­los nut­zen dür­fen, wenn sie die­se zusam­men mit Werbung auf ihrer Webseite ein­blen­den. Panthermedia erklärt das Ganze in einem Newsletter so:

Ein Verlagskunde, Blogger oder Websitebetreiber „streamt“ Bilder (kein Download) von PantherMedia in sei­ne Website. Dazu kopiert er ein Code-​Snippet in sei­ne Website und gewährt PantherMedia dadurch Zugriff auf das Foto und blen­det dar­in von uns geschal­te­te Werbung ein. Für jede Page Impression (Aufruf einer Website bzw. Anzeige eines Fotos) zahlt ein Advertiser eine Gebühr. Diese Gebühr wird auf alle Parteien in der Kette ver­teilt: dem Fotografen, dem Verlag und dem Vermittler des Fotos und der Werbung.

Schon vor über vier Jahren hat genau das der Marktführer Getty Images mit „Getty Embed“ ver­sucht. Sonderlich erfolg­reich scheint die­ses Modell jedoch nicht zu sein. Bisher habe ich das noch NIE in der Praxis irgend­wo auf einer Webseite im Einsatz gese­hen. Warum soll­te auch ein Webseitenbetreiber die Kontrolle über sei­ne Werbeeinnahmen aus der Hand geben, nur um paar Euro für die Bildnutzung spa­ren zu können?

Natürlich behaup­tet Panthermedia wie auch bei der Einführung ihres Abomodells, dass die­se Sonderlizenz“ für „mehr Einnahmen“ würde:

In die­sem Modell hat jeder Teilnehmer Vorteile: Der Verlagskunde nutzt wei­ter­hin recht­lich kon­trol­lier­te Bilder mit ech­ter Lizenz und gro­ßer Auswahl, der Fotograf erhält erfolgs­ab­hän­gi­ge Lizenzeinnahmen auf Basis der Seitenaufrufe, die Bildagentur erhält wie bis­her einen Anteil für die Bildlizensierung und die Advertising-​Agentur für die Werbedienstleistung. Sogar der Advertiser gewinnt in die­sem Modell, denn er erhält einen beson­ders auf­merk­sam­keits­star­ken und kon­t­ext­re­le­van­ten Werbeplatz.

Dabei bedeu­tet das anders for­mu­liert nur: Der Fotograf trägt jetzt das Risiko, ob eine Werbekampagne oder eine Webseite gut läuft, vor­her wird er nicht bezahlt. Dabei hat er auf die Qualität der Werbung oder der Webseite über­haupt kei­nen Einfluss.

Außerdem: Lohnende Werbung erhal­ten vor allem Webseiten mit viel Traffic. Genau die­se Seiten wer­den aber nicht hr lukra­ti­ves Werbegeschäft außer Haus geben und mit Fotografen, einer Bildagentur und einem Werbe-​Publisher tei­len, nur um (je nach Panthermedia-​Abomodell) 32 bis 190 Cent pro Bild spa­ren zu können.

Meiner Ansicht nach führt das „Image Streaming“, soweit über­haupt von den Kunden ange­nom­men, nicht zu einer Umsatzsteigerung, son­dern zu einer Kannibalisierung. Wurde frü­her der Fotoerlös von zwei Parteien geteilt, also Fotograf und Bildagentur, wol­len beim Image Streaming nun vier Parteien ihren Anteil haben: Fotograf, Bildagentur, Verlag und dem Werbevermittler. Keine Ahnung, wo Panthermedia den Verlag in ihrer Aufzählung her hat, aber den Werbevermittler haben sie mit Adpressi prak­ti­scher­wei­se gleich selbst gegrün­det: So bleibt mehr Geld in der eige­nen Tasche.

Immerhin bie­tet Panthermedia an, die neue Option bis zum 29.11.2018 hier in der Rechteverwaltung im Anbieterbereich deak­ti­vie­ren zu kön­nen, falls man kein Interesse an die­ser Kannibalisierung „zukunfts­wei­sen­den Gelegenheit“ hat. Auch danach ist ein Opt-​Out wei­ter­hin möglich.

Künstliche Intelligenz“ als Buzzword darf aktu­ell natür­lich nicht fehlen:

Was wir nun sehr ober­fläch­lich mit „Werbung“ beschrei­ben, ist jedoch eine sehr kom­ple­xe Entwicklung auf Basis künst­li­cher Intelligenz.

Mich wun­dert es fast, dass sie nicht alles auf „Blockchain“-Basis auf­ge­baut haben, um es in der „Cloud“ zu lagern.

Da sich ein Trend nicht alle bil­det, gibt es auch schon eini­ge Mitbewerber, wel­che eben­falls den Markt des „Image Streaming“ beackern wol­len: SmartFrame aus Großbritannien sowie image­pro­tect aus den USA.

Was hal­tet ihr vom „Image Streaming“?