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Adobe Stock stellt neue Funktionen vor auf der Adobe MAX

Vor eini­gen Tagen hat Adobe auf der fir­men­ei­ge­nen Veranstaltung „Adobe Max“ neben etli­chen Software-​Updates auch eini­ge neue Funktionen für Adobe Stock vor­ge­stellt.

Neu sind haupt­säch­lich eini­ge Suchfilter für Audio- und Video-​Dateien. Außerdem fin­det sich in der „Creative Cloud Desktop“-App nun ein Reiter „Stock und Marketplace“, von dem aus nun direkt auf das Stock-​Portfolio zuge­grif­fen wer­den kann. Wirkt zumin­dest auf den ers­ten Blick so, aber schnell lan­det man doch wie­der per Weiterleitung auf der „nor­ma­len“ Adobe Stock-Webseite.

Stock in der Creative Cloud Desktop App

Stolz ist Adobe auf die neue „Find simi­lar Audio“-Funktion, bei der ähn­lich wie bei der Bildsuche eine vor­han­de­ne Audiodatei hoch­ge­la­den wer­den kann, um ähn­li­che lizen­zier­ba­re Titel aus der Audio-​Bibliothek von Adobe Stock zu fin­den.
Zusätzlich gibt es über 10.000 neue Audio-​Tracks von drei neu­en Partnern: Music Revolution aus Trumbull, FineTune Music und Keyframe Audio, bei­de aus Los Angeles.

Die „find simi­lar Audio“-Funktion ver­birgt sich ganz rechts in der Suchleiste

Auch für den Video-​Bereich gibt es zwei neue Filter: „Aufnahmegröße“ und „Aufnahmewinkel“.

Somit haben die Video-​Suchenden noch mehr Möglichkeiten, bei ihren Suchpräferenzen ins Detail zu gehen, wenn sie bestimm­te Motive im Kopf haben.

Bei einem wei­te­ren Ankündigungspunkt habe ich als Bildproduzent etwas Bauchschmerzen. Adobe Stock ver­kün­det stolz:

Auf der MAX 2020 haben wir das Adobe Stock Advocates-​Programm gestar­tet, eine Initiative von Adobe Stock, die sich auf die Förderung von Künstler:innen und Inhalten aus unter­re­prä­sen­tier­ten Gemeinschaften kon­zen­triert. Im Rahmen des Programms haben wir 500.000 USD in den Artist Development Fund inves­tiert. Diese Mittel hel­fen den Künstler:innen, Kosten aus­zu­glei­chen, die oft zu einem Hindernis wer­den. So kön­nen auf die­se Weise Modelle bezahlt, Räumen ange­mie­tet und Ausrüstungskosten gedeckt werden.“

Im Rahmen des Artist Development Fund ent­stan­de­ne Bilder gibt es u.a. gleich kos­ten­los hier bei Adobe Stock. Auch für die Adobe Max 2021 wur­de eigens eine kos­ten­lo­se Sammlung kura­tiert.

Auch wenn Adobe bis­her Künstler im Gegensatz zu eini­gen ande­ren Plattformen für kos­ten­lo­se Bilder mit einer Einmalzahlung ent­lohnt hat, bleibt doch der bit­te­re Beigeschmack, dass Adobe sei­nen Kunden Bilder hin­ter­her­wirft, damit die­se kei­ne mehr kau­fen müs­sen. Beim Spagat zwi­schen den Interessen der Bildproduzenten und der Bildnutzer scheint sich Adobe wie die meis­ten ande­ren Agenturen auch auf der Seite der Bildnutzer zu bewegen.

Panthermedia startet kostenlose Bilderplattform Smarterpix: Analyse der Werbeversprechen

Vor weni­gen Tagen hat die deut­sche Bildagentur Panthermedia die Webseite Smarterpix.com vor­ge­stellt. Das ist deren neue Plattform für kos­ten­lo­se Bilder. Davon sind ca. 100.000 Bilder kom­plett kos­ten­frei erhält­lich, wei­te­re ca. 20 Mio. Bilder sind „kos­ten­los“ im Rahmen eines monat­li­chen Abonnements von aktu­ell 9,90 Euro (Einführungspreis).

Die kos­ten­lo­sen Fotos kom­men aus einer eige­nen Kollektion an Fotos, die Bilder der kos­ten­pflich­ti­gen Mitgliedschaft bestehen aus PantherMedia-​Fotos und Fotos eines Partners, ver­mut­lich „Glow Images“, so häu­fig, wie die­se in den Suchergebnissen auftauchen:

© smar­ter­pix.com /​ GlowAsia (Der über zehn Jahre alte iPod in der Hand der Dame lässt das Aufnahmedatum vom Bild erahnen)

Die Bilder sol­len alle­samt rech­te­ge­klärt sein, also mit Model- und Property Release ver­se­hen und auf poten­ti­el­le Markenrechte etc. geprüft.

Warum macht Panthermedia das?

Wie schon Adobe Stock bei der Einführung von deren kos­ten­lo­ser Kollektion begrün­det auch Panthermedia das Verschenken von Bildern mit dem gro­ßen Angebot ande­rer Kostenlosplattformen:

Kostenlose Bilderplattformen (z.B. unsplash, pixabay, pexels) haben in den letz­ten Jahren ein enor­mes Wachstum hin­ge­legt und eine gro­ße Bedeutung gewon­nen. Letztes zeigt auch, das Getty Images kürz­lich unsplash erwor­ben hat.“

Das Problem ana­ly­siert Panthermedia – ver­mut­lich eher unbe­wusst – auch gleich in deren Mail an die eige­nen Fotografen mit. Sie schrei­ben u.a. über die Nutzer der Gratis-Plattformen:

Die Zahlungsbereitschaft ist bei die­sen Kundengruppen, trotz der eh schon sehr gerin­gen Preise bei Bildagenturen, kaum oder gar nicht vor­han­den und im bes­ten Fall sehr gering. Der Nachteil bei die­sen Plattformen ist jedoch das recht­lich unsi­che­re Umfeld und die damit ver­bun­de­nen Risiken für Kund*innen.

PantherMedia hat sich also ent­schie­den die­se neu­en Kundengruppen anzu­spre­chen und den Bestandskund*innen mit gerin­ge­ren Lizenzanforderungen eine Alternative zu bie­ten, anstatt die­se gänz­lich zu ver­lie­ren. Ziel von smarterpix.com ist das „Upselling“ von smarterpix.com auf PantherMedia für Projekte mit höhe­ren Lizenzanforderungen und die Erschließung neu­er Einnahmequellen durch Mitgliedschaftsgebühren, Werbeeinnahmen, Sponsoring-​Einnahmen, API-​Gebühren und weitere.“

Seht ihr die bei­den Probleme?

Erstens: Die Nutzung von Gratis-​Bilddatenbanken war bis­her mit recht­li­chen Risiken ver­bun­den. Warum soll­ten also Microstock-​Agenturen, die ihr Geld mit der Bildlizenzierung ver­die­nen, für die leid­ge­plag­ten Gratis-​Nutzer in die Bresche sprin­gen und denen zusätz­lich wei­te­re Gratis-​Bilder anbie­ten, dies­mal sogar recht­lich geprüft?
Diesen Gedankengang fand ich schon bei der Einführung der kos­ten­lo­sen Adobe Stock-​Kollektion frag­wür­dig und blei­be wei­ter­hin dabei.

Zweitens: Panthermedia gibt klar zu, dass die aktu­el­len Nutzer von Gratis-​Plattformen kein Geld zah­len wol­len und falls doch, nur sehr wenig. Die „Erschließung neu­er Einnahmequellen“, von denen die Panthermedia-​Geschäftsführer Robert Walters und Tomas Speight reden, wird so zusätz­lich erschwert. Doch dazu gleich mehr.

Interessanter fin­de ich, mit wel­chen Argumenten Panthermedia den Fotografen es schmack­haft machen will, eben­falls kos­ten­lo­se Bilder anzu­bie­ten. Adobe Stock war da ja ziem­lich ehr­lich und mein­te: „5 Euro für jedes Foto, wel­ches wir ein Jahr ver­schen­ken dür­fen“. Panthermedia meint:

Wieso kos­ten­lo­se Fotos anbie­ten? Nun, ers­tens betei­li­gen wir auch die Fotograf*innen kos­ten­lo­ser Fotos an allen Einnahmen (Werbung, Sponsoring, API-​Gebühren, etc.). Zweitens ist für die Nutzung der kos­ten­lo­sen Fotos die Urhebernennung ver­pflich­tend. Somit wer­den Links gene­riert und auch der Urhebername wird kom­mu­ni­ziert. Zukünftig wer­den wir also das Eigenmarketing von Fotograf*innen damit unter­stüt­zen kön­nen. Sollten kos­ten­lo­se Fotos ohne Urhebernennung genutzt wer­den, so liegt ein Urheberrechtsverstoß vor, den wir recht­lich ver­fol­gen kön­nen. An mög­li­chen Strafzahlungen wird der*die Urheber*in selbst­ver­ständ­lich beteiligt.“

Gehen wir die Argumente nach­ein­an­der durch. Werbeeinnahmen sind ein Witz. Welches Unternehmen hat Interesse dar­an, in einem Umfeld zu wer­ben, in dem sich vor allem Leute tum­meln, die sich dadurch defi­nie­ren, dass sie kein Geld aus­ge­ben wol­len. Früher haben sich Gratis-​Plattformen wie Pixabay etc. durch Affiliate-​Einnahmen der Microstock-​Agenturen finan­ziert, aber je mehr Bildagenturen eige­ne kos­ten­lo­se Kollektionen anbie­ten, des­to weni­ger wird hier in Zukunft zu holen sein. Gleiches gilt für das Sponsoring. Auch hier kon­kur­rie­ren mitt­ler­wei­le vie­le Gratis-​Plattformen um die glei­chen „Sponsoren“.

API-​Gebühren wären inter­es­sant, wenn sie denn umsetz­bar wären. Ich hat­te ja schon bei Unsplash-​Übernahme durch Getty Images spe­ku­liert, dass deren API-​Zugang der span­nends­te Teil des Deals gewe­sen sein dürf­te. Aber solan­ge Getty kei­ne Bezahlung für die API-​Nutzung bei Unsplash ver­langt, dürf­te es für Panthermedia unmög­lich sein, das Gleiche erfolg­reich bei Smarterpix zu tun.

Die Mitgliedgebühren für das Abo-​Modell hal­te ich für die fast ein­zi­ge rea­lis­ti­sche Option in der Aufzählung. Mit zwei klei­nen Haken: Fotografen kön­nen anhand der Formel, mit der das Geld ver­teilt wird, im Voraus kaum kal­ku­lie­ren, wie viel so für einen Verkauf bekämen:

Summe aller Mitgliedschaftsgebühren eines Monats /​ Summe aller Downloads eines Monats) * Anzahl der Downloads des jewei­li­gen Fotografen * 50% = Guthaben des Fotografen im jewei­li­gen Monat.“

Als Rechenbeispiel: Würde jeder Abo-​Nutzer, der die 9,90 Euro pro Monat zahlt, im Monat 100 Bilder run­ter­la­den, erhiel­te jeder Fotograf pro Download 5 Cent. Würde jeder Nutzer nur 10 Bilder run­ter­la­den, wären es 50 Cent, wären es jedoch 1000 Downloads, wäre es nur ein hal­ber Euro-​Cent pro Download. Zwei zwei­te Haken ist ersicht­lich: Den Preis bestimmt nicht mehr der Fotograf oder die Bildagentur, son­dern der Bildnutzer selbst durch sein Download-Verhalten.

Als wei­te­ren Vorteil ver­sucht Panthermedia die not­wen­di­ge Namensnennung bei den kos­ten­lo­sen Bildern zu ver­kau­fen als „Eigenmarketing für die Fotografen“. Juhuu, dann sind die­se Fotografen bald den Geizkragen von Gratis-​Bildsuchern bekannt als die Leute, die ihre Bilder ver­schen­ken. Da höre ich ja schon die hoch­prei­si­gen Aufträge rein­rau­schen (/​ironieoff). Mal ganz abge­se­hen davon, dass die Namensnennung bei allen Agenturen zumin­dest für die redak­tio­nel­le Nutzung vor­ge­schrie­ben ist.

Fast schon Augenwischerei ist das letz­te Argument, dass Fotograf*innen an mög­li­chen Schadensersatzzahlungen betei­ligt wür­den, wenn die kos­ten­lo­sen Bilder ohne Urhebernennung genutzt wer­den. Da scheint Panthermedia ent­we­der die aktu­el­le Rechtsprechung nicht zu ken­nen oder ver­schweigt sie mut­wil­lig den umwor­be­nen Fotograf*innen. Denn: Es gab in den letz­ten Jahren eini­ge Gerichtsurteile (z.B. hier oder hier), wonach – ver­kürzt gespro­chen – Fotos, die kos­ten­los ange­bo­ten wur­den, kei­nen wirt­schaft­li­chen Wert hät­ten, der Schadensersatz begrün­den wür­de. Abgesehen davon sehe ich prak­tisch nicht, wie Panthermedia in grö­ße­rem Umfang wegen feh­len­der Urhebernennung gegen Bildnutzer von smar­ter­pix vor­ge­hen könn­te, ohne die ande­ren Einnahmeformen wie z.B. das Abo-​Modell zu gefähr­den, wel­ches ja davon lebt, dass die Bilder „rechts­si­cher“ seien.

Ist die Selbst-​Kannibalisierung erfolgreich?

Im Artikel zur Einführung der kos­ten­lo­sen Adobe-​Stock-​Kollektion schrieb ich im Anfang Juni: „Im Oktober 2020 noch hat­te Unsplash 42 Downloads pro Sekunde, aktu­ell sind es „nur“ noch 37 Downloads/​Sekunde.“ Mittlerweile sind es sogar nur noch 35 Downloads/​Sekunde. Auch die Upload bei Unsplash sind im Vergleich zum Oktober 2020 um ca. 10% run­ter­ge­gan­gen von ca. 90.000 Uploads im Monat auf ca. 81.000 Uploads. Ob da nun die neu­en kos­ten­lo­sen Angebote für ver­ant­wort­lich sind, oder ande­re Gründe eine Rolle spie­len, kann ich nicht beurteilen.

Während Panthermedia als Vorteil zu Unsplash die Rechtssicherheit bewirbt, wird der Nachteil von Smarterpix erst bei der Bildsuche deut­lich: Bildsucher bekom­men einen Mix von kos­ten­lo­sen und kos­ten­pflich­ten Bildern ange­zeigt. Das „P“ oben rechts bei jedem Bild zeigt an, dass für die­sen Download das kos­ten­pflich­ti­ge Abo not­wen­dig ist. Wer also bequem gra­tis Bilder suchen will, fin­det die­se auf ande­ren Webseiten schnel­ler, zumal bei spe­zi­el­le­ren Suchbegriffen schnell gar kei­ne Bilder ohne das „P“ auf­find­bar sind.

Ob wei­te­re kos­ten­lo­se Bilder wirk­lich geeig­net sind, um den Vormarsch kos­ten­lo­ser Bilder auf­zu­hal­ten, wage ich wei­ter­hin zu bezwei­feln. Bessere Vorschläge habe ich spon­tan lei­der auch nicht.

Ihr viel­leicht?

Adobe Stock bietet Nominierung for kostenlose Sammlung an

Im Oktober 2020 ver­öf­fent­lich­te Adobe Stock eine Sammlung von über 70.000 kos­ten­lo­sen Bildern und Videos, als Versuch, dem Vormarsch kos­ten­lo­ser Plattformen wie Unsplash und Pixabay Einhalt zu gebieten.

Hat das geklappt? Vielleicht etwas. Im Oktober 2020 noch hat­te Unsplash 42 Downloads pro Sekunde, aktu­ell sind es „nur“ noch 37 Downloads/​Sekunde.

Gestern Abend habe ich dann fast zeit­gleich von zwei ver­schie­de­nen Fotografen die Nachricht bekom­men, dass sie von Adobe ein­ge­la­den wur­den, eini­ge ihrer Bilder für die kos­ten­lo­se Sammlung bei Adobe Stock zu nomi­nie­ren.

Auch ich habe seit heu­te die Anzeige (sie­he Screenshot oben) in mei­nem Benutzeraccount, mit der ich ein­stel­len kann, ob und wel­che Bilder ich nomi­nie­ren will.

Da von den Fotografen gleich eini­ge Fragen auf­ka­men, will ich den Prozess etwas erklären.

  1. Adobe wählt aus eini­gen Portfolios Bilder aus, die sie prin­zi­pi­ell für geeig­net für die kos­ten­lo­se Kollektion hal­ten. Bei mir sind es knapp ein Drittel, bei ande­ren Fotografen mehr als ein Viertel des Portfolios. Laut die­ser Aussage des Adobe-​Mitarbeiters Mat Hayward wur­den nur Bilder berück­sich­tigt, wel­che weni­ger als vier Downloads in den letz­ten zwölf Monaten hatten.
  2. Die Fotografen kön­nen nun im Portfolio die Erstauswahl von Adobe Stock ent­we­der kom­plett bestä­ti­gen (mit dem Schieberegler „Alle geeig­ne­ten Stockmedien nomi­nie­ren“ im blau­en Feld oder ein­zeln. Als Übersichtshilfe gibt es neu in der Menüleiste den Filter „Nur für die kos­ten­lo­se Sammlung geeig­net“, wo man sich die betref­fen­den Bilder ent­we­der nach Downloads oder Datum sor­tiert anzei­gen las­sen kann.
  3. Entscheidet sich ein Fotograf, eins der Bilder oder alle zu nomi­nie­ren, erscheint als Pop-​Up ein Nachtrag zum Anbietervertrag, der die Details regelt:

Die Details in Kürze: Für jedes akzep­tier­te Foto erhält der Fotograf 5 Credits (also je nach Währung 5 Euro oder 5 USD o.ä.), aber Adobe ent­schei­det, wel­che der nomi­nier­ten Bilder sie letzt­end­lich aus­wäh­len.
Die kos­ten­lo­sen Bilder ver­blei­ben für 12 Monate in der kos­ten­lo­sen Sammlung und die Fotografen erhal­ten für die­se Downloads kei­ne zusätz­li­che Vergütung. Diese Downloads zäh­len auch nicht für das Creative Cloud Bonus-​Programm. Die Bilder dür­fen nicht vor­zei­tig gelöscht wer­den, bei ande­ren Agenturen dür­fen sie aber wei­ter­hin ange­bo­ten wer­den. Mehr Fragen beant­wor­tet die­se FAQ von Adobe.

Lohnt sich das?

Die bren­nen­de Frage, wel­che Fotografen sicher am meis­ten inter­es­siert: Lohnt sich das Angebot von Adobe, 5 Euro je Bild zu erhal­ten, wel­ches Adobe ein Jahr kos­ten­los anbie­ten darf?

Dafür müs­sen wir das Angebot im gesam­ten Marktumfeld betrach­ten. Zum einen gibt es wie schon erwähnt die Plattformen, wel­che prin­zi­pi­ell kos­ten­los Bilder anbie­ten. Im Vergleich dazu ist Adobes Angebot ein tol­ler Deal.

Auch im Vergleich zum „Instant Pay“-Deal von Wirestock, wel­che nur 4–5 USD pro Bild für zeit­lich unbe­grenz­te kos­ten­lo­se Nutzung zah­len, ist das Angebot recht attraktiv.

Es gibt jedoch auch ande­re Agenturen, wel­che deut­lich mehr für sol­che „Buy-​Outs“ zah­len, die jedoch indi­vi­du­ell mit ein­zel­nen Fotografen aus­ge­han­delt wer­den und nicht für alle zugäng­lich sind.

Die langfristige Wirkung

Prinzipiell habe ich gro­ße Bauchschmerzen, dass Bildagenturen in letz­ter Zeit ver­mehrt dazu über­ge­gan­gen sind, Bilder ein­zu­kau­fen, um sie dann ohne Fotografenkommission ver­schen­ken oder ver­kau­fen zu können.

Das aus meh­re­ren Gründen:
Zum einen ist Stockfotografie schon immer ein lang­fris­ti­ges Massengeschäft gewe­sen. Was zählt, ist ein gro­ßes, attrak­ti­ves Portfolio, wel­ches auch im „Long Tail“ noch Rendite ein­brin­gen kann. Dazu ein Beispiel aus mei­nem Portfolio:

Diese Stock Performer-​Analyse zeigt ein Shooting, wel­ches ich 2010, also vor elf Jahren gemacht habe. Der Großteil der Verkäufe fand zwar in den ers­ten bei­den Jahren statt, aber trotz­dem brach­te das Shooting auch im zehn­ten Jahr noch über 300 USD Umsatz. Der RPI/​m, also der Erlös pro Bild und Monat aus die­sem Shooting beträgt aktu­ell übri­gens 1,05 USD. Über jedes Jahr gerech­net hat also jedes der Bilder aus dem Shooting über 12 USD ein­ge­bracht statt nur 5 Euro, also nicht nur in der Anfangsphase und nicht nur die Bestseller.

Wer nun anfängt, ein­zel­ne, ver­meint­lich schlech­ter lau­fen­de Motive gegen eine Einmalzahlung aus dem Portfolio zu neh­men, und sei es nur für 12 Monate, piekst damit Löcher in sein Geschäftsmodell.

Außerdem ent­steht durch die Einmalzahlungen eine Trennung im Agentur-​Portfolio: Es gibt plötz­lich vie­le Bilder, bei denen die Bildagentur Kommissionen für einen Download an die Fotografen zah­len müss­te und Bilder, wel­che die Agentur ohne wei­te­re Verpflichtungen ver­kau­fen oder ver­schen­ken kann. Somit ent­steht ein Ungleichgewicht, wel­ches Agenturen leicht in Versuchung füh­ren könn­te, die Bildnutzer hin zu dem Material zu len­ken, was sowie­so schon im Voraus bezahlt wurde.

Beim zeit­lich begrenz­ten Angebot von Adobe kommt noch die Frage hin­zu, wie die Gratis-​Downloads nach den 12 Monaten bewer­tet wer­den, wenn die Bilder wie­der in der bezahl­ten Kollektion sind: Werden sie igno­riert oder ver­zer­ren die Bilder mit den deut­lich höhe­ren Downloads die Suchergebnisse?

Trotzdem glau­be ich, dass die­se bezahl­ten Angebote, sei es von Adobe oder Wirestock, geeig­net sein könn­ten, den Gratis-​Plattformen das Leben schwe­rer zu machen. Aber wenn schon der Kampf gegen Gratis-​Downloads geführt wird mit noch mehr Gratis-​Downloads, anstatt das Stockfotografie-​Business lang­fris­tig für alle Akteure nach­hal­ti­ger zu gestal­ten, ist das ein Rückzugsgefecht, wel­ches dem Markt als sol­ches trotz­dem lang­fris­tig scha­den wird.

Die aktuellen Besteller bei Adobe Stock der letzten zwei Jahre

Welche Bilder bei Adobe Stock sind am belieb­tes­ten?
Im Oktober 2018 hat Adobe Stock zur Beantwortung die­ser Frage den Bereich „Anbieter der Woche“ ein­ge­führt, der nach einer Weile in das zutref­fen­de­re „Aktuelle Bestseller“ umbe­nannt wurde.

Anonymisierter Screenshot der „Aktuelle Bestseller“-Funktion bei Adobe Stock

Dort wer­den in den drei Kategorien Fotos, Illustrationen und Vektoren die jeweils zehn Portfolios auf­ge­führt, die am bes­ten ver­kauft haben. 

Dazu wer­den nach Medientyp sor­tiert die 400 Anbieter her­aus­ge­sucht, die in der jewei­li­gen Vorwoche am meis­ten Verkäufe von Bildern hat­ten, wel­che jün­ger als sechs Monate waren. Anschließend wer­den die Anbieter nach dem Verhältnis von Uploads zu Verkäufen sor­tiert. Die zehn füh­ren­den Anbieter dann als „Aktuelle Bestseller“ vor­ge­stellt. Ein Anbieter kann maxi­mal alle 5 Wochen je Kategorie auftauchen.

Leider geht die Liste immer nur 5 Wochen zurück, wes­halb ich mir die Mühe mache, die Liste manu­ell zu protokollieren.

Nun habe ich für die letz­ten zwei Jahre (19. Woche 2019 bis 18. Woche 2021) geschaut, wel­che Anbieter in den ein­zel­nen Kategorien und ins­ge­samt am häu­figs­ten auf­ge­taucht sind.

Rein rech­ne­risch wäre eine maxi­ma­le Anzahl von ca. 62 Erwähnungen (104/5*3) mög­lich. Ich habe der Bequemlichkeit hal­ber die Links zu den Portfolios klick­bar gemacht (mit einem Affiliate-​Link) und das Herkunftsland der Portfolios ergänzt.

Betrachten wir zuerst die ein­zel­nen Kategorien:

Kategorie: Fotos

RankUsernameLandErwähnungen
1.REDPIXELPolen21
2.Romolo TavaniItalien21
3.RidoItalien20
4.ipop­baThailand20
5.oata­waThailand19
6.Alexander RathsDeutschland17
7.sew­creamAustralien17
8.meta­mor­worksJapan16
9.AA+WDeutschland15
10.Jacob LundDänemark15
11.candy1812Estland14
12.JenkoAtamanRussische Föderation14
13.TryfonovUkraine13
14.Chaay_​teeThailand13
15.MaridavUSA13
16.insta_​photosWeißrussland12
17.RymdenSpanien12
18.Proxima StudioPolen12
19.Philip SteuryUSA12
20.Laura PashkevichWeißrussland11

Kategorie: Illustrationen

RankUsernameLandErwähnungen
1.mtlap­ce­vicSerbien21
2.art­ja­fa­raNorwegen21
3.aan­bet­taThailand21
4.Arlenta ApostropheUSA21
5.onzonThailand20
6.kor­kengThailand16
7.Yuri‑UUkraine15
8.J.ZhukUkraine15
9.Veris StudioWeißrussland14
10.niko­la­ra­kicSerbien13
11.your123Thailand13
12.Max KrasnovDeutschland13
13.8_​visualThailand13
14.marina_​dikhRussische Föderation13
15.Vadim AndrushchenkoUkraine12
16.peterschreiber.mediaDeutschland12
17.Maksym YemelyanovUkraine12
18.Photocreo BednarekItalien11
19.best­pi­xelsRussische Föderation11
20.Attitude1USA11

Kategorie: Vektoren

RankUsernameLandErwähnungen
1.Julien EichingerFrankreich20
2.j‑melDeutschland20
3.ComauthorUkraine19
4.warm­worldUkraine17
5.KatyaKatyaRussische Föderation16
6.geen­gra­phyThailand16
7.d1skRussische Föderation15
8.api­n­anThailand15
9.fens­keyRussische Föderation14
10.SergeyBitosWeißrussland14
11.123levitUkraine14
12.iiierlok_​xolmsUkraine14
13.venimoRussische Föderation13
14.ZinetroNWeißrussland13
15.pixel­lie­beDeutschland13
16.strichfiguren.deDeutschland13
17.YevheniiUkraine13
18.FourLeafLoverItalien12
19.dly­as­to­kivUkraine12
20.Ron DaleRussische Föderation11

Da ein Anbieter in mehr als einer Kategorie aktiv sein kann, schau­en wir uns noch das kom­bi­nier­te Gesamt-​Ranking an, bei der ich die Erwähnungen der ein­zel­nen Anbieter über alle Kategorien hin­weg gezählt habe.

Kombiniertes Gesamt-​Ranking

RankUsernameLandErwähnungen
1.meta­mor­worksJapan25
2.Photocreo BednarekItalien21
3.REDPIXELPolen21
4.Romolo TavaniItalien21
5.oata­waThailand21
6.kor­kengThailand21
7.mtlap­ce­vicSerbien21
8.aan­bet­taThailand21
9.art­ja­fa­raNorwegen21
10.Arlenta ApostropheUSA21
11.RidoItalien20
12.ipop­baThailand20
13.j‑melDeutschland20
14.Julien EichingerFrankreich20
15.onzonThailand20
16.ComauthorUkraine19
17.AA+WDeutschland19
18.warm­worldUkraine17
19.sew­creamAustralien17
20.James ThewGroßbritannien17
21.Alexander RathsDeutschland17
22.Yuri‑UUkraine16
23.KatyaKatyaRussische Föderation16
24.d1skRussische Föderation16
25.geen­gra­phyThailand16
26.peterschreiber.mediaDeutschland15
27.Jacob LundDänemark15
28.J.ZhukUkraine15
29.fens­keyRussische Föderation15
30.api­n­anThailand15

Interessant zu sehen ist, dass die Liste der Vektor-​Bestseller stark von ost­eu­ro­päi­schen Anbietern domi­niert wird, wäh­rend bei Illustrationen Thailand über­durch­schnitt­lich häu­fig ver­tre­ten ist und bei den Fotos Europa gene­rell. Die Länderhäufigkeit deckt sich gut mit die­ser Länderanalyse von Shutterstock-​Portfolios.

Eine wei­te­re Angabe, wel­che Adobe Stock bei den „Aktuelle Bestseller“-Portfolios macht, ist die unge­fäh­re Anzahl der gesam­ten Downloads, wel­che das Portfolio bis­her erreicht hat. Hier noch der Vollständigkeit hal­ber die Anzahl der Portfolios je „Lifetime Downloads“-Kategorie, Mehrfachnennungen sind hier mit drin:

Adobe und Shutterstock führen Abo-​Modelle ohne Mengenbeschränkung ein

Gesten bzw. vor­ges­tern kün­dig­ten sowohl Adobe Stock als auch Shutterstock neue Abo-​Modelle an, bei denen Bildkäufer unter ande­rem unbe­schränk­te Downloads erhal­ten sollen.

Adobe Stock: Pro Edition for Creative Cloud for Teams and Enterprises Pro Edition (CCE/​CCT Pro Edition)

Bei Adobe nennt sich das Programm „Pro Edition“ für Creative Cloud für Teams bzw. Enterprises, abge­kürzt CCE bzw. CCT Pro Edition.

Screenshot der Adobe-​Webseite mit der neu­en „Creative Cloud Pro Edition“

Das Programm erlaubt unbe­grenz­te Downloads von Fotos, Illustrationen und Vektoren aus der Standard Collection (Videos und Premium-​Inhalte sind also davon aus­ge­nom­men). Die Lieferanten erhal­ten 33% der Einnahmen vom Umsatz von Adobe Stock, wel­che pro­por­tio­nal zu den Downloads der Lieferanten ver­teilt wer­den sollen. 

Das ers­te Jahr der Pro Edition soll für Kunden kos­ten­los sein, die Lieferanten wer­den jedoch wie oben ver­gü­tet. „Normale“ Creative-​Cloud-​Kunden ohne „Teams/​Enterprise“ kön­nen die Pro Edition aktu­ell nicht nutzen.

Im Gegensatz zu bis­her gibt es jedoch kei­ne Mindestvergütung, auch eine Opt-​Out-​Möglichkeit gibt es für die Lieferanten nicht.

Die „Pro Edition“ Downloads wer­den wie Enterprise-​Downloads in der Abrechnung von Adobe Stock als „Custom“ gekennzeichnet.

Downloads in der Pro Edition der CCT fin­den unter der „Enhanced License“ von Adobe Stock statt, Downloads in der Pro Edition der CCE unter der „Extendes License“.

Shutterstock: Flex Plans

Bei der Bildagentur Shutterstock heißt das neue Programm „Flex Subscriptions“ und hat ein etwas anders Konzept.

Hier bekommt die Zielgruppe, klei­ne Teams mit bis zu zehn Benutzern, ein Gutschriftsystem, ohne sich vor­her auf eine bestimm­te Menge Bilder oder Medientypen fest­le­gen zu müs­sen. Die monat­li­chen Kontingente der Gutschriften wer­den nicht auf den kom­men­den Monat über­tra­gen und ver­fal­len, wenn sie nicht genutzt werden.

Viel mehr Details sind da lei­der noch nicht bekannt.

Im Februar 2021 schon hat­te Shutterstock eben­falls ein „Unlimited“-Programm ein­ge­führt.

Einschätzung

Wie so oft schrei­ben sowohl Adobe als auch Shutterstock, dass mit die­sen neu­en Abo-​Modellen „neue Käuferschichten“ erschlos­sen wer­den sol­len. Daran glau­be ich unge­fähr 0%. Wer bis­her Bedarf an „unbe­grenz­ten“ Bilderdownloads hat­te, wird die­sen Bedarf auch gedeckt haben. Nun gibt es eine bil­li­ge­re Lösung für eini­ge die­ser Kunden, was ver­mut­lich dazu füh­ren wird, dass Adobe-​Lieferanten deut­lich häu­fi­ger Beträge unter dem bis­he­ri­gen Mindestbetrag von 33 US-​Cent sehen werden.

Vermutlich ist Adobes Plan eine Reaktion auf den Unlimited-​Plan von Shutterstock. Daher ist es zu ver­mu­ten, dass auch bei Adobe Premium-​Inhalte sowie Videos in abseh­ba­rer Zeit im unbe­grenz­ten Abo ent­hal­ten sein werden.

Langfristig bin ich des­halb eher pes­si­mis­tisch, was die Verdienstmöglichkeiten für Fotografen und ande­re Content-​Produzenten im Bereich der Stockfotografie angeht.

Wie seht ihr das?