Alle Beiträge von Robert Kneschke

Meine 12 beliebtesten Blogartikel von 2020

Das Jahr 2020 ist end­lich vor­bei, der Corona-​Impfstoff ist da und es ist Zeit für einen kur­zen Rückblick auf die Blogaktivitäten. Im letz­ten Jahr habe ich 38 Blogartikel ver­öf­fent­licht, man­che län­ger recher­chiert, ande­re wur­den mir qua­si durch die Änderungen bei Bildagenturen aufgedrückt.

Falls ihr eini­ge News aus der Bilderbranche ver­passt haben soll­tet, eig­net sich die Liste sehr gut für einen ers­ten Überblick.

Hier die Liste der zwölf beliebts­ten Blogartikel aus dem Jahr 2020:

  1. Shutterstock ändert Vergütungsstruktur: Honorarkürzungen durch die Hintertür?
  2. Die bes­ten Bildagenturen 2019 (Auswertung mei­ner Umfrage)
  3. Stockfotografie: Sich rein­knien oder Zurücktreten? (Gastartikel)
  4. 24 Tipps und Quellen für Model-Posen
  5. Adobe Stock ver­öf­fent­licht gro­ße kos­ten­lo­se Kollektion mit Fotos, Vektoren und Videos
  6. Pixabay ver­teilt wis­sent­lich und kos­ten­los geklau­te Bilder
  7. Getty Images löscht EyeEm-​Accounts von Fotografen mit iStock-Accounts
  8. Facebook blo­ckiert Beitrag über Protest gegen Shutterstock
  9. Covid-​19 und Coronavirus: Die Stockfotografie in der Krise
  10. Shutterstock ver­steckt Änderungen in neu­en Nutzungsbedingungen
  11. Adobe Stock erklärt sei­nen Suchalgorithmus: Erste Lehren
  12. Das neue „Market Freeze“-Feature von Getty Images: Teure Kundenverarschung?

Interessant ist auch zu sehen, über wel­che Suchanfragen die Leser_​innen zum Blog kamen. Leider hat das Feature in den Jahren an Aussagekraft ver­lo­ren, weil immer mehr Browser Privatsphäre-​Einstellungen aktiv haben, wel­che die Suchbegriffe nicht mehr mit übergeben.

Trotzdem sind die Ergebnisse einen Blick wert: Die 10 häu­figs­ten Suchanfragen*, die zu mei­nem Blog führ­ten, sowie der mei­ner Ansicht nach dazu pas­sends­te Artikel:

  1. Fotoshooting Ideen mol­lig (Artikelvorschlag)
  2. redak­tio­nel­le Nutzung (Artikelvorschlag)
  3. Stockfotografie (Artikelvorschlag)
  4. Stockfotografie gefrag­te Motive (Artikelvorschlag)
  5. Pornart (Artikelvorschlag)
  6. wel­che Bilder ver­kau­fen sich am bes­ten (Artikelvorschlag)
  7. Wolkenbilder hoch­auf­lö­send (Artikelvorschlag)
  8. Fotos ver­kau­fen App (Artikelvorschlag)
  9. Fotograf Künstlersozialkasse (Artikelvorschlag)
  10. Tropfenfotografie (Artikelvorschlag)

* aus­ge­nom­men habe ich hier mei­nen Namen sowie den Blogtitel, die natur­ge­mäß sonst die ers­ten bei­den Plätze belegt hätten

Viele mei­ner Artikel leben auch vom fach­li­chen und/​oder kri­ti­schen Input mei­ner Leser_​innen, die im Blog oder auf mei­nen Social Media Kanälen wie mei­ner Facebook-​Seite kom­men­tie­ren. Dafür mal Danke!

Deshalb hier noch die 10 Blogartikel aus dem Jahr 2020 mit den meis­ten Kommentaren:

  1. Shutterstock ändert Vergütungsstruktur: Honorarkürzungen durch die Hintertür?
  2. Praxis-​Test: Fixel Recolor Plugin Panel für Photoshop (mit Verlosung)
  3. Der „Instant Pay Program“ Deal: Wirestock ver­scher­belt Bilder mit Einmalzahlung an Freepik
  4. Datensicherung und Online-​Backups: Mein Erfahrungsbericht
  5. Getty Images löscht EyeEm-​Accounts von Fotografen mit iStock-Accounts
  6. Adobe Stock ver­öf­fent­licht gro­ße kos­ten­lo­se Kollektion mit Fotos, Vektoren und Videos
  7. Das neue „Market Freeze“-Feature von Getty Images: Teure Kundenverarschung?
  8. Wer steckt hin­ter Wirestock.io? Gründer, Finanzierung und Orte
  9. Adobe Stock erklärt sei­nen Suchalgorithmus: Erste Lehren
  10. Stockfotografie: Sich rein­knien oder Zurücktreten?

In weni­gen Tagen star­te ich übri­gens wie­der mei­ne gro­ße Bildagentur-​Umfrage (sie­he zwei­ter Platz der belieb­tes­ten Blogartikel) auf mei­ner Facebook-​Seite. Ich freue mich auf eure rege Teilnahme.

EyeEm kürzt Fotografenhonorare

Es ver­geht anschei­nend kaum ein Quartal, ohne dass eine Bildagentur auf die Idee kommt, die Fotografenhonorare zu kür­zen. Diesmal ist EyeEm an der Reihe.

Gestern ver­schick­ten sie Emails an ihre Fotografen und pos­te­ten das hier in der „EyeEm Market Worldwide“-Facebookgruppe:

Hi ever­yo­ne, this is Matthias from the EyeEm team! We wan­ted to let you know that we just infor­med our users that we will be updating our Terms of Service for Photographers in February 2021 and intro­du­ce a new payout struc­tu­re desi­gned to reward our top-​selling pho­to­graph­ers.

We reco­gni­ze this chan­ge means a reduc­tion in the licen­se reve­nue share for some of our pho­to­graph­ers and we hope that you can under­stand why we have had to reluc­tant­ly, make the­se chan­ges. Our team has put years of hard work into buil­ding EyeEm to beco­me a finan­cial­ly sus­tainab­le orga­niz­a­ti­on that will ser­ve our com­mu­ni­ty for the long term. However, des­pi­te our efforts and some tough decisi­ons, we are not the­re yet.

To make the switch to the new payout struc­tu­re as smooth as pos­si­ble, our team is working hard to make sure every com­mu­ni­ty mem­ber is well infor­med and can find out which payout level and licen­se reve­nue share they will recei­ve for images sold after February 1st, 2021.

We have star­ted by emai­ling tho­se of you that have sold an image licen­se on our plat­form in the pre­vious 12 mon­ths and have updated FAQs to exp­lain the new payout struc­tu­re → https://eyeem.zendesk.com/…/115000520145-Managing-Your…

Please reach out to terms@eyeem.com if you have any ques­ti­on spe­ci­fic to your account and we will make sure to ans­wer as soon as pos­si­ble.

Please also bear with us if we can­not ans­wer every of your comments in this group directly.“

Bisher zahl­te EyeEm 50% der Einnahmen, wel­che sie selbst oder von Partneragenturen erziel­ten. Ab dem 1.2.2021 gibt dann fol­gen­des System:

Es gibt dann vier Auszahlungsstufen, die nach Umsatz gestaf­felt sind.
Wer bis zu 299 USD Umsatz in den letz­ten 12 Monaten mit sei­nen Bildern erzielt, erhält dann nur 25% statt der 50% Umsatzbeteiligung.
Wer es schafft, mehr als 7.000 USD Umsatz in die­sem Zeitraum zu gene­rie­ren, erhält mit 55% dann etwas mehr als bisher.

Der Umsatz bezieht sich auf den Verkaufspreis der Bilder bzw. auf den Anteil, den EyeEm von der Partneragentur erhält.

Der Anteil an den Lizenzeinnahmen kann sich ändern. Die Auszahlungsstufe wird 1x im Quartal neu berech­net. Wer eine höhe­re Auszahlungsstufe erreicht hat, ver­bleibt in die­ser min­des­tens für die nächs­ten 12 Monate und kann erst nach einem Jahr in eine nied­ri­ge­re Auszahlungsstufe ver­setzt werden.

Die Begründung für die Kürzung

Der EyeEm-​Mitarbeiter Matthias Schäfer schrieb in der oben ver­link­ten Facebook-​Gruppe, dass die Honorarkürzungen erfol­gen müs­sen, damit EyeEm end­lich „finan­zi­ell nach­hal­tig“ werde:

Das ist ange­sichts der jah­re­lan­gen wis­sent­li­chen Subventionierung der Bilderverkäufe sowie des feh­len­den Gehaltsverzichts der EyeEm-​Mitarbeiter blan­ker Hohn.

Was bedeuten diese Änderungen in der Praxis?

Immer mehr Bildagenturen wech­seln auf die­se fle­xi­blen Auszahlungssysteme, die sich im Detail jedoch etwas unterscheiden.

Angefangen hat damit vor ca. 10 Jahren iStock, es folg­ten unter ande­rem 123rf, Photocase, Shutterstock und so weiter.

Für die Agenturen hat das System meh­re­re Vorteile:

  1. Sie ver­die­nen unter dem Strich mehr Geld.
  2. Innerhalb der Fotografen wird das Geld aber auch etwas umver­teilt weg von den Hobby-​Fotografen, die weni­ge und weni­ger ver­käuf­li­che Bilder lie­fern hin zu den Profi-​Fotografen, wel­che für einen Großteil vom Umsatz ver­ant­wort­lich sind. Das hat den Vorteil, dass die weni­gen Profi-​Fotografen teil­wei­se gar nicht von den Honorarkürzungen betrof­fen sind und sich sel­te­ner an Protesten gegen die Bildagenturen betei­li­gen, wäh­rend sich die von den Kürzungen betrof­fe­nen Fotografen mehr über die ande­ren Fotografen als über die Bildagentur auf­re­gen. Das ist im Grunde eine Spielart der Jahrhunderte alten „Teile und Herrsche“-Taktik.
  3. Bei so einem fle­xi­blen System las­sen sich (für den Fotografen nach­tei­li­ge) Änderungen leich­ter und unauf­fäl­li­ger ein­füh­ren, weil dann nicht mehr die Prozentpunkte redu­ziert wer­den müs­sen, son­dern ein­fach die Zielvorgaben erhöht wer­den. So zum Beispiel bei 123rf oder iStock gesche­hen.

Besonders ärger­lich ist die Änderung der Vergütungsstruktur für die Fotografen, wel­che vor einem hal­ben Jahr ihre EyeEm-​Portfolios bei Getty Images gelöscht bekamen.

Exit-​Strategie des EyeEm-CEO?

Wie schon beim kürz­li­chen Wirestock-​Deal mit Freepik liegt die Vermutung nahe, dass hier die Bilanzen für eine Übernahme oder einen Verkauf des Start-​Ups auf­ge­hübscht wer­den sollen.

Erst im Oktober 2020 wur­de Simon Cox als neu­er EyeEm-​CEO ernannt. Simon Cox war 2001 bis 2004 CEO der Bildagentur image.net, wel­che 2004 für 14 Mio. Euro an Getty Images ver­kauft wur­de. Bei LinkedIn rühmt er sich damit, dass der Verkauf den Investoren das zwei­fa­che an Gewinn einbrachte:


Danach arbei­te­te er knapp zwei Jahre bei Getty Images, bevor er CEO der Video-​Firma Peach (damals noch Group IMD) wur­de, die in sei­ner Amtszeit eben­falls ver­kauft wur­de (Simon Cox bei LinkedIn: „Successful take pri­va­te and secon­da­ry PE sale (3x mom).“).

Mit sei­nen Kontakten zu Getty Images steht hier viel­leicht die Hoffnung im Raum, dass die Geldgeber erneut mit einer hohen Rendite rech­nen kön­nen. Bezahlt von den Fotografenkommissionen…

Wer steckt hinter Wirestock.io? Gründer, Finanzierung und Orte

Nach mei­nem Artikel über den frag­wür­di­gen Deal von Wirestock mit Freepik vor eini­gen Tagen habe ich eini­ge Kommentare und Hinweise bekom­men, die ich hier zusam­men­fas­sen will.

Wer genau steht hinter der Webseite wirestock.io?

Die Informationen dazu sind rar und wider­sprüch­lich. Auf der Webseite wirestock.io selbst wer­den weder Anschrift noch Namen von Verantwortlichen genannt.

Es fin­det sich ledig­lich der Firmenname „Wirestock Inc.“ im Copyright-​Hinweis am Ende jeder Seite und der Firmenname „Wirestock LLC“ in den Datenschutzbestimmungen. Da es zwi­schen einer Inc. und einer LLC Unterschiede zu geben scheint und eine Firma nicht gleich­zei­tig bei­des sein kann, wur­den hier ent­we­der zwei Firmen gegrün­det oder die Eigentümer sche­ren sich nicht um die Unterschiede.

Spannender wird es in den „Terms Of Use“. Dort steht zum Beispiel unter „Wirestock Trademarks“:

All rights in and to Wirestock’s Trademarks not express­ly gran­ted to you here­un­der are reser­ved by Shutterstock“

Auch an min­des­tens sechs ande­ren Stellen ist von Shutterstock die Rede. Das kann meh­re­re Gründe haben. Der nahe­lie­gends­te Grund: Die fau­len Eigentümer haben sich ein­fach beim Erstellen der Webseite beim Vertragstext von Shutterstock bedient und ver­ges­sen, den Agenturnamen über­all auszutauschen.
Einige Shutterstock-​Erwähnungen in den „Terms Of Use“ von Wirestock.io (Hervorhebung durch mich)

Eine zwei­te – unwahr­schein­li­che­re – Möglichkeit wäre, dass Shutterstock erkannt hat, dass eh kaum jemand bei ihnen exklu­siv hoch­lädt und sie auf die­se Weise 15% an den Verkäufen bei ande­ren Bildagenturen mit­ver­die­nen wollen.

Wo ist Wirestock.io angesiedelt?

Auch hier gibt es wider­sprüch­li­che Informationen. Laut einer Who-​Is-​Abfrage wur­de die Webseite im November 2018 in Dubai registriert.

Laut der Webseite tracxn.com soll die Firma seit 2017 exis­tie­ren und in Kalkara, Malta ansäs­sig sein.

Laut Linkedin sei Wirestock.io unter einer Adresse in Newark, Delaware, USA, zu errei­chen. Unter der ange­ge­be­nen Adresse wird Google jedoch nur bei einer ande­ren Firma mit aus­schließ­lich arme­ni­schen Mitarbeitern fün­dig. Die Vermutung liegt also nah, dass es sich hier um eine Art Briefkasten han­delt, um die für Unternehmen güns­ti­ge Steuerpolitik in Delaware aus­nut­zen zu kön­nen.
Laut die­ser Webseite arbei­tet der Co-​Gründer und CEO von Wirestock, Mikhayel Khachatryan, von einem Büro in Malta aus, eben­falls als Steuerparadies bekannt.

Wer steckt hinter Wirestock.io?

Laut Linkedin und eini­gen Interviews wur­de die Firma von meh­re­ren Personen gegrün­det. Bei Linkedin wer­den Mikayel Khachatryan (CEO), Vladimir Khoetsyan (CTO) und Seb Kiureghian, alle drei aus Armenien, sowie Ashot Mnatsakanyan aus den Vereinigen Arabischen Emiraten (dazu passt die Registrierung der Webseite in Dubai) als Co-​Gründer genannt.

Wie finanziert sich Wirestock.io?

Laut Tracxn.com hat Wirestock am 4. Juli 2018 eine Seed-​Finanzierungsrunde von ca. 40.000 USD erhal­ten haben, u.a. von einer Venture Capital Firma. Dieser Quelle nach soll es Ende 2019 eine wei­te­re Finanzierungsrunde gege­ben haben, u.a. durch die Firma HIVE Ventures, laut die­sem Bericht über 25.000 USD.

Das Risiko von Fotografen bei Wirestock

Wie oben gezeigt haben wir mit Wirestock eine Firma, wel­che ihre AGB ver­mut­lich bei Shutterstock geklaut hat und in meh­re­ren Steueroasen welt­weit aktiv ist. Die vier Gründer von Wirestock kom­men alle eher aus dem Finanz- und Technikbereich und hat­ten kei­ne Firmenbeteiligung mehr als weni­ge Jahre.

Die Vermutung liegt des­halb nahe, dass hier ein hip­pes Internet Start-​Up auf­ge­baut wer­den soll, was in weni­gen Jahren mit Gewinn ver­kauft wer­den soll. In die­se Strategie passt es gut, dass Wirestock nicht an einer lang­fris­ti­gen Entwicklung des Bildermarktes inter­es­siert ist, son­dern gegen Einmalzahlungen Bilder ver­schenkt, um so kurz­fris­tig die Bilanzen zu ver­schö­nern, um für poten­ti­el­le Käufer attrak­ti­ver auszusehen.

Dazu passt, dass Fotografen, wel­che ihre Bilder bei Wirestock hoch­la­den, weder sehen kön­nen, wel­che Agentur wel­che Bilder von ihnen ange­nom­men haben. Die Fotografen agie­ren so in einer Blackbox, bei der sie dar­auf ver­trau­en müs­sen, dass die Inhaber in ihrem Interesse handeln.

Wer jedoch schon bei der Firmengründung bei ande­ren Bildagenturen so stüm­per­haft deren AGB klaut und kei­ner­lei Firmeninformationen auf der eige­nen Webseite nen­nen will, dem wür­de ich kei­nen Zentimeter weit trauen.

Update 18.12.2020: Kurz nach der Gründung von Wirestock woll­te die Firma eigent­lich die Blockchain und Smart Contracts nut­zen, um den Bildermarkt zu revo­lu­tio­nie­ren, davon ist jedoch nichts mehr übrig geblieben.

Edit 18.12.2020: In der Erstfassung wur­de erwähnt, dass Fotografen kei­nen Zugriff auf die Keywords hät­ten, das stimmt nicht, des­halb wur­de der Teil entfernt.

Der „Instant Pay Program“ Deal: Wirestock verscherbelt Bilder mit Einmalzahlung an Freepik

Seit weni­gen Monaten sind ver­mehrt Bilder von Wirestock bei Freepik zu sehen. Für alle, die nicht so tief in der Materie ste­cken, kurz zur Erklärung, was Wirestock und Freepik machen:

Wirestock ist eine Art „Upload-​Helfer“, wo Leute ihre Bilder hoch­la­den kön­nen, und die­se dort ver­schlag­wor­tet und zu ver­schie­de­nen Microstock-​Agenturen ver­teilt wer­den. Dafür nimmt die Plattform 15% Kommission auf den Fotografenanteil.

Freepik ist eine Seite, die kos­ten­lo­se Bilder „für den per­sön­li­chen und kom­mer­zi­el­len Gebrauch mit Namensnennung“ anbie­tet. Wer die Namensnennung umge­hen will, muss einen Premium-​Account für ca. 5–10 USD pro Monat buchen.

Seit eini­ger Zeit sind ver­mehrt Wirestock-​Bilder kos­ten­los bei Freepik zu fin­den, die natur­ge­mäß wegen Wirestocks Rolle als Distributionsplattform auch bei den zah­lungs­pflich­ti­gen Microstock-​Agenturen zu fin­den sind.

Screenshot vom 13.12.2020 um 19:30 Uhr

Aktuell sind ca. 25.000 Wirestock-​Bilder bei Freepik, wel­che ins­ge­samt ca. 2 Millionen Mal her­un­ter­ge­la­den wur­den. Das macht im Schnitt ca. 80 Downloads pro Bild (sie­he Screenshot oben).
Nachdem ich übri­gens knapp andert­halb Stunden am Sonntag, den 13.12.2020 an die­sem Artikel geschrie­ben habe, stiegt die Zahl der Wirestock-​Bilder bei Freepik um ca. 70 Bilder auf 25.070 Bilder und die Zahl der Downloads um 130.000 auf 2,13 Mio. Downloads. Das heißt also, dass auch an einem Sonntag im Schnitt jedes der Gratis-​Bilder ca. 3,5x pro Stunde her­un­ter­ge­la­den wird.

Screenshot vom 13.12.2020 um 20:52 Uhr

Doch wo kom­men die­se Bilder her? Wirestock wirbt auf deren Webseite nur damit, Bilder an sie­ben Bildagenturen zu lie­fern: Shutterstock, Adobe Stock, Depositphotos, Alamy, Dreamstime, 123RF und Pond5.

Die Antwort: Das „Instant Pay Program“.

Wirestock fragt seit eini­gen Wochen auto­ma­ti­siert Fotografen mit Mails wie die­ser an, ob sie ihre Fotos gegen eine gerin­ge Einmalzahlung fort­an ver­schen­ken wollen:

Dear _​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​_​,

We are hap­py to inform you that your port­fo­lio has been selec­ted for the Instant Pay Program.

You have 12 pho­tos that have been lis­ted for more than 2 mon­ths and have not gene­ra­ted any ear­nings. We would like to impro­ve this and inclu­de the­se pho­tos in our Instant Pay Program. The pro­gram allows con­tri­bu­tors to recei­ve advan­ce pay­ments from our new part­ners – Freepik, as well as other Instant Pay part­ner marketplaces.

You will recei­ve a one-​time advan­ce pay­ment of $4–5/image from each agen­cy that selects your images. This means that you can poten­ti­al­ly earn $40.8 (12*$3.40) and even more if mul­ti­ple agen­ci­es select your images. Please note that the images may be lis­ted for free down­load on the agen­ci­es that select them. Periodically, we will review your port­fo­lio and send more pho­tos with low sales for Instant Pay.

If you wish to opt out of the Instant Pay Program, plea­se email us by /​19 December 2020/.

Regards,
Wirestock Team“

(Hinweis: in ande­ren Emails sind 4 statt 2 Monate angegeben)

Der „Instant Pay Program“-Deal in Kurzform: Gegen die ein­ma­li­ge Zahlung von 4–5 USD pro Bild darf Wirestock das Bild ande­ren Bildagenturen anbie­ten, die dafür kei­ne Lizenzgebühren zah­len müs­sen und die Bilder auch gra­tis anbie­ten dür­fen. Namentlich genannt wird bis­her nur Freepik, in Aussicht wer­den aber auch ande­re Plattformen gestellt. Die Zahlung wird pro Agentur fäl­lig, wel­che das Bild akzeptiert.

Zur Auswahl stellt Wirestock die Bilder, wel­che min­des­tens zwei Monate online sind und bis­her noch kei­ne Verkäufe hat­ten. Außerdem müs­sen Fotografen sich aktiv dage­gen ent­schei­den, falls sie ihre Bilder nicht ver­schenkt sehen wollen.

Der „Instant Pay“-Deal in vol­ler Länge fin­det sich mit weni­ger Details, aber einer pikan­ten Fußnote in den Nutzungsbedingungen von Wirestock:

Instant Pay Program

Certain con­tent mar­ket­pla­ces pay an advan­ced fix rate per image rather than paying per down­load (“Advanced Rate”). Wirestock refers to this as “Instant Pay” or the “Instant Pay Program.” Wirestock nego­tia­tes the Advanced Rate with each con­tent mar­ket­place that par­ti­ci­pa­tes in the Instant Pay Program. When you agree to upload your Content for Instant Pay, none of your rights chan­ge – you still own your Content and it is still dis­tri­bu­t­ed through the con­tent mar­ket­pla­ces. For each of your Content for which Wirestock recei­ves pay­ment from con­tent mar­ket­pla­ces that pay an Advanced Rate (the “Advanced Rate Payout”), you agree that Wirestock will pay you 85% of the Advanced Rate Payout, but will keep 15% of the Advanced Rate Payout.“

Das pikan­te Detail? Von den oben erwähn­ten 4–5 USD wer­den noch mal 15% abge­zo­gen, bevor das Geld beim Fotografen lan­det. Bleiben also ca. 3,60–4,25 USD. 

Die möglichen Folgen der Wirestock-Freepik-Allianz

Zuerst ein­mal: Wer sich als Stockfotograf auf so einen Deal ein­lässt, ist aus meh­re­ren Gründen blöd.

  1. Zwei Monate sind kei­ne Zeitspanne, in der sich eine rea­lis­ti­sche Einschätzung bil­den lässt, ob ein Bild ver­käuf­lich ist. Man den­ke nur an die sai­so­na­len Themenbilder zu Weihnachten, Ostern oder Halloween, wel­che sich erfah­rungs­ge­mäß nur weni­ge Wochen im Jahr verkaufen.
  2. Rechnen wir die oben ermit­tel­ten Downloadzahlen von Freepik um auf den erziel­ten Gesamterlös eines Bildes von 3,60–4,25 USD, wären das aktu­ell schon nur 4,5 bis 5,31 Cent pro Download. Je län­ger die Bilder online, des­to wei­ter wird die­ser fik­ti­ve Betrag sin­ken, weil der Erlös eine Einmalzahlung ist. Das ist noch deut­lich weni­ger als die bis­her schon gerin­gen Microstock-Honorare.
  3. Das Mißbrauchspotenzial ist sehr hoch, denn oft lan­den Bilder von den lega­len Gratis-​Plattformen schnell bei ille­ga­len Gratis-​Plattformen, wo sich selbst an die mini­ma­len EInschränkungen nie­mand hält. Und selbst die vor­han­de­nen Einschränkungen wer­den auf Gratis-​Plattformen weni­ger ernst genom­men, weil die Bilder ohne nament­li­che Registrierung für jeder­mann ver­füg­bar sind. Wer also Bilder mit Personen im Portfolio hat, soll­te beson­ders aufpassen.
  4. Die Gefahr ist groß, dass die Microstock-​Platzhirsche Adobe Stock und Shutterstock nicht lan­ge mit anse­hen wol­len, wie Freepik zig­tau­sen­de Bilder ver­schenkt, die sie ver­kau­fen wol­len. Für Fotografen steht also die reel­le Gefahr im Raum, bei den Bezahl-​Agenturen gesperrt zu wer­den, wenn man gleich­zei­tig kos­ten­lo­se Agenturen beliefert.
  5. Die 3–4 Euro pro Bild sind Beträge, die im lan­gen Leben eines Stockfotos in der Regel mehr­fach wie­der rein­kom­men. Ich hat­te schon Bilder, die jah­re­lang unver­kauft im digi­ta­len Regal von vie­len Bildagenturen lagen, bis plötz­lich ein zwei­stel­li­ger Verkauf reinkam.
  6. Die Rechenbeispiele in der Wirestock-​Email bezie­hen sich nur auf den Idealfall, dass Freepik alle der ange­bo­te­nen Bilder akzep­tiert. Aber ers­tens wird den Fotografen vor­ab gar nicht gesagt, um wel­che Bilder genau es sich han­delt und zwei­tens wird sich auch Freepik nur die Rosinen rauspicken.

Auch für Wirestock als Verteilungsplattform besteht das Risiko, dass ande­re Agenturen nicht mehr mit Bildern belie­fert wer­den wol­len, die in weni­gen Wochen woan­ders gra­tis zur Verfügung ste­hen. Sobald sich nur eine von den bei­den gro­ßen Microstock-​Agenturen wie Shutterstock oder Adobe Stock gegen die Zusammenarbeit sperrt, sieht die Zukunft für Wirestock mehr als düs­ter aus.

Auch für die Stockfotografie-​Branche ins­ge­samt wirkt es desta­bi­li­sie­rend, wenn iden­ti­sche Bilder sowohl kos­ten­los als auch gegen Bezahlung ange­bo­ten werden.

Meine kla­re Empfehlung des­halb an alle Wirestock-​Fotografen:
Macht unbe­dingt von der kur­zen Opt-​Out-​Frist (19.12.2020!) Gebrauch und wider­sprecht dem „Instant-Pay“-Programm, wenn ihr euch nicht lang­fris­tig von eurer Einkommensquelle abschnei­den wollt.

Was sagt ihr zu dem Deal?

Rezension: „Erfolg im Foto-​Business“ von Silke Güldner

Ich hin­ke etwas hin­ter­her: Schon vor einem Jahr erschien das Buch Erfolg im Foto-​Business: Wertvolles Know-​how für Fotografen von der Akquise bis zum Portfolio*  von Silke Güldner im mitp-Verlag.

Silke Güldner war jah­re­lang Art Direktorin, Repräsentantin und betrieb eine Agentur für Fotografenmanagement, bis sie sich als Beraterin für Fotografen und ande­re Kreative selb­stän­dig machte.

So kann sie aus einem rei­chen Erfahrungsschatz von ver­schie­de­nen Seiten schöp­fen, um Fotografen zu unter­stüt­zen. Seit Jahren hat sie eine regel­mä­ßi­ge Kolumne in der Zeitschrift „ProfiFoto“ und das vor­lie­gen­de Buch prä­sen­tiert die 84 bes­ten Kolumnen in über­ar­bei­te­ter, aktua­li­sier­ter Form.

Das Buch ist farb­lich in die drei Bereiche „Wer bin ich?“, „Was kann ich?“ und „Wie ver­kau­fe ich mein Können?“ geglie­dert. Im ers­ten Bereich geht es um das eige­ne Profil und die Selbstorganisation, im zwei­ten Teil um die Motivation und Präsentation und im letz­ten Abschnitt um die Aquisition, Kommunikation, Honorargestaltung und das Marketing.

Jede Kolumne ist ca. eine Doppelseite lang und so eig­net sich das Buch sehr gut, um in kur­zen Happen gele­sen zu wer­den. Am Ende jeden Bereichs gibt es noch mal eine Seite mit Fragen zur Selbstreflexion, um etwas Anstoß für Verbesserungen zu liefern.

Wer das Buch am Stück durch­liest, wird eini­ge Wiederholungen bemer­ken, weil die Kolumnen the­ma­tisch arran­giert sind. Angelegt ist es eher zum Stöbern, Blättern oder geziel­ten Nachschlagen. Für letz­te­res wäre noch ein über­sicht­li­cher Index wün­schens­wert gewesen.

Dann aber bie­tet das Buch etli­che Denkanstöße und neue Blickwinkel in gut les­ba­rer Form und auch für alte Hasen in der Branche sind noch eini­ge pra­xis­na­he Tipps dabei. Nur beim Hinweis, für eine gute Webseite müs­se man min­des­tens drei Leute beauf­tra­gen (Seite 111), muss­te ich etwas schmunzeln.

Das hand­werk­li­che Können wird von Silke Güldner vor­aus­ge­setzt, ihre Handreichungen kon­zen­trie­ren sich auf den Business-​Teil, also wie das foto­gra­fi­sche Können erfolg­reich bekannt und finan­zi­ell nutz­bar gemacht wer­den kann.

Eine kla­re Kaufempfehlung* !

Disclaimer: Meine bei­den Bücher „Stockfotografie. Geld ver­die­nen mit Stockfotos“* und „Die Arbeit mit Models“* erschei­nen im glei­chen Verlag.

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