Rafael Classen, Abmahnungen, fehlende IPTC-​Daten und Wirestock: Der aktuelle Stand

Einer mei­ner meist­ge­le­se­nen Artikel im Blog die­ses Jahr ist „Rafael Classen ver­schickt „Abmahnungen“ an Bildkäufer wegen Social Media Nutzung“ sowie der Folgeartikel „Zwickmühlen-​Falle: Neue „Abmahnungen“ durch Rafael Classen (RC Photostock) gegen Bildkäufer“.

Da mich wei­ter­hin regel­mä­ßig Kontaktanfragen betrof­fe­ner Bildkäufer errei­chen und sich bei dem Thema eini­ges getan hat, gibt es heu­te ein kur­zes Update.

Fehlende oder gelöschte IPTC-Metadaten

Betrafen die ers­ten „Abmahnungen“ von Rafael Classen haupt­säch­lich angeb­li­che unpas­sen­de Social-​Media-​Nutzungen, ist er nun umge­schwenkt auf angeb­lich gelösch­te IPTC-Metadaten.

Als Nachweis für die angeb­lich gelösch­ten IPTC-​Metadaten führt er zwei Links bei Spiegel Online und dem Bundesumweltministerium an, die Bilder von Herr Classen nut­zen. Diese Bilder ent­hal­ten zwar tat­säch­lich Urhebernachweise in den IPTC-​Daten, jedoch sind die­se laut IPTC-​Daten bei EyemEm/​Getty Images bzw. iStock gekauft wor­den. Daraus lässt sich nicht ablei­ten, dass sei­ne Bilder bei Adobe Stock oder Fotolia Urhebernachweise enthielten.

Classen ver­weist in sei­nen Emails ger­ne aus­führ­lich dar­auf, dass Adobe Stock in deren Lizenzbestimmungen „eine Entfernung der urhe­ber­recht­lich geschütz­ten Schutzrechtshinweise in den IPTC-​Metadaten in kei­ner Lizenz erlaubt“.

Er ver­gisst jedoch zu erwäh­nen, dass die Anbieter bei Adobe Stock spä­tes­tens seit Juli 2016 beim Upload von Bildern den Nutzungsbedingungen zuge­stimmt haben, in denen unter ande­rem steht:

4. […] Desweiteren dür­fen Metadaten ohne Haftung durch uns, unse­re Vertriebshändler oder unse­re Benutzer geän­dert, ent­fernt oder erwei­tert werden.“

Am 1. März 2022 gab es eine Aktualisierung die­ser Nutzungsbedingungen, in denen nun kon­kre­ter steht:

7.1. […] Sie sind ins­be­son­de­re damit ein­ver­stan­den, dass Unternehmen der Adobe-​Gruppe Urheberangaben, die in Metadaten ent­hal­ten sind, ent­fer­nen oder modi­fi­zie­ren und dies auch ihren Nutzern gestat­ten. Diese Befugnis ist beschränkt auf sol­che Fälle, in denen Metadaten infol­ge einer ver­trags­ge­mä­ßen Wahrnehmung von Nutzungs- und Bearbeitungsrechten durch Unternehmen der Adobe-​Gruppe oder sei­ne Nutzer (etwa bei Bearbeitung, Übertragung, Ergänzung, Kürzung, Kompilierung, Werkverbindung und Collagierung), z.B. infol­ge der Verwendung markt­üb­li­cher Bearbeitungssoftware, auto­ma­ti­siert ent­fernt werden.“

Ich ver­mu­te, dass die Aktivitäten von Herr Classen ein Grund für die Konkretisierung der Nutzungsbedingungen waren.

Die „markt­üb­li­che Bearbeitungssoftware“ agiert aktu­ell näm­lich lei­der nicht so kon­sis­tent, wie nor­ma­le Benutzer anneh­men könn­ten. Werden Bilder im CMS WordPress für Webseiten mit­tels einem dort inte­grier­ten Bildgrößen-​Preset ver­klei­nert, blei­ben die IPTC-​Metadaten ent­hal­ten. Wird ein Bild dort jedoch mit einem manu­ell ver­ge­be­nen Wert ver­klei­nert, ver­schwin­den die Metadaten. Da muss mensch erst mal drauf kommen…

Das ist rele­vant, weil der §95c UrhG eine wis­sent­li­che Handlung vor­aus­setzt, die ver­mut­lich nicht gege­ben ist, wenn das CMS-​Verhalten sich undo­ku­men­tiert je nach Detaileinstellung unterscheidet.

Rückkehr zu Adobe Stock durch die Hintertür Wirestock

In sei­nen wir­ren Emails erklärt Herr Classen lang und breit, dass Adobe Stock ihm die Zusammenarbeit gekün­digt habe. Darüber hin­aus schreibt er:

Es besteht kei­ner­lei ver­trag­li­che Verbindung mehr zwi­schen mir und Adobe Stock/​ Fotolia, die Firma Adobe Stock/​ Fotolia ist hier auch nicht zustän­dig. Der guten Ordnung hal­ber wei­se ich noch­mals dar­auf hin, dass die Firma Adobe Stock/​ Fotolia seit gerau­mer Zeit nicht mehr berech­tigt ist, Nutzungsrechte an mei­nen Werken zu gewähren.“

Da muss ich mich aber kurz am Kopf krat­zen, denn seit eini­gen Monaten lädt Rafael Classen sei­ne Bilder flei­ßig bei Wirestock hoch. Wirestock ist ein Dienstleister, der es Fotografen erlaubt, die dort hoch­ge­la­de­nen Bilder im Namen von Wirestock an meh­re­re Microstock-​Agenturen gleich­zei­tig zu ver­tei­len; dar­un­ter auch Adobe Stock.

Da die Fotografen die­se Auswahl selbst tref­fen müs­sen, ist es komisch, dass er wei­ter­hin behaup­tet, dass Adobe kei­ne Nutzungsrechte an sei­nen Werken ver­ge­ben dürfe.

Foto von Rafael Classen via Wirestock bei Adobe Stock

Da Rafael Classen bei Adobe Stock wegen sei­ner Aktivitäten zah­len­der Kunden gegen­über nicht gern gese­hen ist, ist es sehr nütz­lich, dass die neu­en Bilder von Rafael Classen nun nicht mehr unter sei­nem Namen dort ange­bo­ten wer­den, son­dern im Namen von Wirestock (sie­he Screenshot oben).

Woher ich dann weiß, dass obi­ges Foto tat­säch­lich von Herr Classen ist?
Das glei­che Bild ist auch in sei­nem eige­nen Webshop RC-​Photo-​Stock mit der Urheberangabe „rclas­sen“ erhältlich:

Das glei­che Bild auf RC Photo Stock

Das ist kein Einzelfall, denn es betrifft etli­che Bilder, hier ein zwei­tes Beispiel, dies­mal aus dem „Wirestock Creators“-Account bei Adobe Stock:

Foto von Rafael Classen via Wirestock bei Adobe Stock

Als Nachweis wie­der das glei­che Bild in sei­nem eige­nen Bildershop:

Das glei­che Bild auf RC Photo Stock

Ironischerweise ent­hal­ten die Bilder von Rafael Classen, wel­che via Wirestock bei Adobe Stock ange­bo­ten wer­den, nur den Urheberhinweis „Wirestock – stock.adobe.com“ in den IPTC-​Metadaten. So wich­tig kann ihm die­ser Nachweis also nicht sein, wenn er aktiv Bilder via Wirestock an Adobe Stock schickt, im vol­len Bewusstsein, dass die­se nicht sei­nen Namen enthalten.

Wer als zah­len­der Kunde Streit mit Rafael Classen ver­mei­den möch­te, soll­te also auch bei Bildern von Wirestock (und Wirestock Creators) sehr auf­pas­sen, ob das Bild even­tu­ell von Herr Classen sein könn­te und Metadaten enthält.

Wie Herr Classen ange­sichts sei­ner akti­ven Bilder bei Adobe Stock zu der Annahme kommt, dass die Bildagentur kei­ne Nutzungsrechte an sei­nen Werken ein­räu­men dür­fe, ist mir lei­der schlei­er­haft. Eine dies­be­züg­li­che Anfrage an Herr Classen beant­wor­te die­ser lei­der nur mit einem Verweis auf sei­ne Anwaltskanzlei. Diese schrieb dann:

Wie Ihrer Presseanfrage inhalt­lich zu ent­neh­men ist, sind Sie mit den Anforderungen der Rechtsprechung an die Gewährung einer hin­rei­chend sub­stan­ti­ier­ten Gelegenheit zur Stellungnahme nicht ver­traut. Insofern kann eine Stellungnahme unse­res Mandanten nicht erfolgen.“

Am bes­ten wäre es aus Sicht von Herr Classens Anwälten jedoch, wenn ich die­se Berichterstattung ganz unter­las­sen würde:

„Wir mah­nen inso­fern drin­gend zur Zurückhaltung und zur Einhaltung der erfor­der­li­chen Sorgfalt, bes­ser zur Abstandnahme von dem geplan­ten Vorhaben, des­sen Intention zuvör­derst unlau­te­re Ziele zum Gegenstand zu haben scheint.“

Abmahnung wegen fehlender Abmahnung

Die Allianz deut­scher Designer AGD hat­te letz­tes Jahr den Artikel „Abmahnung wegen der Löschung von Metadaten“ ver­öf­fent­licht, um deren Mitglieder vor den Praktiken von Herr Classen zu war­nen. Daraufhin mahn­te Herr Classen den AGD ab, weil er angeb­lich kei­ne Abmahnungen, son­dern nur „Berechtigungsanfragen“ ver­sen­den wür­de. Blöd ist nur, dass Herr Classen doch rich­ti­ge Abmahnungen ver­schickt hat­te. Der Fall ende­te in einem Vergleich, der unter ande­rem ent­hielt, dass Herr Classen auf der Webseite vom AGD die Möglichkeit bekam, sei­ne Sicht der Dinge darzulegen.

Das mach­te Herr Classen dann im Artikel „Rechteverfolgung wegen der Löschung von Foto-​Metadaten“.

Disclaimer/​Full Disclosure: Ich habe aktu­ell mit Herrn Classen eben­falls eine juris­ti­sche Auseinandersetzung in einer ande­ren Sache.

Update 5.8.2022:
Die Direktorin Kirsten Harris von Adobe Stock Content bat mich, fol­gen­des zu aktua­li­sie­ren: „Ich […] muss rich­tig­stel­len, dass Wirestock Content von Classen aus ihrem Adobe Stock Account ent­fernt hat. Die bei­den Fotos, die Du als Beispiele ange­zeigt hast, gibt es nicht mehr auf Adobe Stock. Ich bit­te Dich, Deinen Beitrag ent­spre­chen upzudaten.“

123rf führt neues Billig-​Abo „PLUS“ ein (mit automatischem Opt-​In der Anbieter)

Die Bildagentur 123 führt zum 18. August 2022 ein neu­es Abonnement-​Modell namens „PLUS“ ein. Das neue Plus-​Modell soll als Bindeglied zwi­schen Gratis-​Downloads und den „nor­ma­len“ Abos die­nen, also güns­ti­ger sein als die bis­he­ri­gen Abonnements. Dafür soll aber kei­ne Print-​Nutzung erlaubt und die Bildgröße auf „M“ beschränkt sein.

Nicht feh­len darf natür­lich das unsäg­li­che Marketing-Geschwurbel an die Anbieter, um sie vom neu­en Angebot zu über­zeu­gen. Die Rede ist da von „more port­fo­lio expo­sure“ und „opens up poten­ti­al for addi­tio­nal ear­nings“. Das heißt über­setzt lei­der nur: Es gibt weni­ger Geld als bisher.

In die PLUS-​Collections sol­len angeb­lich nur Bilder kom­men, die älter als zwei Jahre sind und bis­her kei­ne Downloads hat­ten, aber ich habe von min­des­tens einem Fotografen erfah­ren, dass auch sei­ne aktu­el­len Downloads aus­ge­wählt waren. Das passt ganz gut zur Ansage von 123rf, dass sie sich vor­be­hal­ten, die genann­te Zeitspanne von zwei Jahren jeder­zeit zu ändern.

Um es den Fotografen „so bequem wie mög­lich“ zu machen, sind alle Anbieter auto­ma­tisch für das Opt-​In mar­kiert. Das heißt: Alle Fotografen sind auto­ma­tisch beim neu­en Billig-​Angebot dabei, bis sie aktiv widersprechen!

Wie deaktivere ich mein Portfolio für das PLUS-Angebot?

In eurem Anbieter-​Account müss­tet ihr hier ein Hinweis sehen, der unge­fähr so aussieht:

Dort könnt ihr dann auf „No, Thank You.“ kli­cken, um euer Portfolio für das PLUS-​Abo zu deaktivieren.

Falls ihr das weg­ge­klickt habt oder nicht fin­det, fin­det ihr eine wei­te­re Einstellungsmöglichkeit, indem ihr links auf „Konto-​Einstellungen“ und dann in der Menü-​Leiste rechts auf „Preference Settings“ geht.

Das sieht dann so aus:

Dort habt ihr zusätz­lich auch die Option, euer Portfolio gra­tis zu ver­schen­ken (dum­me Idee) oder auch als „Premium“ anzubieten.

Wenn ihr auf das Fragezeichen hin­ter PLUS klickt, lan­det ihr übri­gens auf der FAQ zum PLUS-​Abo, in dem eini­ge wei­te­re Fragen erläu­tert werden.

Wie viel verdiene ich im PLUS-Abonnement?

Das weiß selbst das FAQ nicht so genau, dort steht nur sinn­ge­mäß: „Wir berech­nen die Download-​Einnahmen nach die­ser Formel: Ihr Verdienst = 50% der Nettoeinnahmen divi­diert durch die gesam­ten PLUS-​Downloads mul­ti­pli­ziert mit der Anzahl der PLUS-​Downloads von ihrem Inhalt.

Diese cle­ve­re Formel kommt auch bei ande­ren Bildagenturen zum Einsatz, die bil­li­ge Abos mit gro­ßem Volumen anbie­ten, denn sie hat den Vorteil, dass sie maxi­mal intrans­pa­rent ist und es den Agenturen erlaubt, jeder­zeit die Abo-​Preise zu ver­än­dern, ohne die Fotografen dar­über infor­mie­ren zu müssen.

Da das PLUS-​Angebot das nor­ma­le Abo unter­bie­ten soll, könnt ihr aber getrost davon aus­ge­hen, dass ihr pro Download weni­ger als bis­her erhal­ten wür­det. Das auto­ma­ti­sche Opt-​In ist ein wei­te­res Indiz für die­se Annahme.

Im Bereich „Inhalte ver­wal­ten“ soll es jeder­zeit mög­lich sein, statt des gesam­ten Portfolios auch ein­zel­ne Bilder aus­zu­schlie­ßen oder freizugeben.

Ich hal­te das PLUS-​Abo für einen wei­te­ren Schritt zur Entwertung unse­rer Bilder und habe daher mein Portfolio erst mal akti­viert.
Wie hand­habt ihr das?

Warum du nie mit Wirestock arbeiten solltest (Gastartikel)

[Der fol­gen­de Gastartikel ist eine Übersetzung des eng­lisch­spra­chi­gen Blog-​Artikels „Why you should never ever work with Wirestock“ von dem xpiks-Gründer Taras Kushnir durch mich. Da sich die Funktionsweise von xpiks als Multi-​Upload-​Tool sowie von Wirestock etwas über­schnei­den, mag Taras Haltung vor­ein­ge­nom­men sein, aber den­noch greift er eini­ge nen­nens­wer­te Punkte auf.]

Wirestock ist ein Online-​Dienst, der über ein „Dachkonto“ bei Microstocks die Werke ande­rer Anbieter ver­kauft. Sie bie­ten bestimm­te Vorteile wie auto­ma­ti­sche Verschlagwortung und Hochladen von Inhalten gegen eine Gebühr aus Ihren Verkäufen.

Überraschenderweise ist es aber für vie­le, wenn nicht sogar für alle, Anbieter kei­ne Win-​Win-​Situation. Tatsächlich haben wir fest­ge­stellt, dass es für Autoren mit zwei und mehr Jahren Erfahrung viel siche­rer ist, eige­ne Konten zu verwenden.

Sehen wir uns an, wie die Verwendung von Wirestock Ihrer Microstock-​Karriere scha­den kann.

Was ist ein Wirestock?

Wirestock ist ein arme­ni­sches Venture-​Startup, das 2018 in San-​Jose, Kalifornien, regis­triert wur­de. Es erhielt laut Crunchbase ein Seed-​Investment in Höhe von 2,3 Millionen US-​Dollar und hat die Startup-​Schule YCombinator unter den Investoren.

Nutzenversprechen von Wirestock

Was Wirestock Ihnen ver­kauft, kann in zwei Bereiche unter­teilt werden:

  1. Ihr „macht nur Fotos“ und sie erle­di­gen den Rest, ein­schließ­lich des Hochladens in Microstock-​Agenturen und der Verschlagwortung.
  2. Da ihr „Dach“-Konto grö­ße­re Mengen ver­kauft als ein Einzelkonto, stei­gen sie schnel­ler in höhe­re Stufen der pro­gres­si­ven Lizenzgebühren auf.

Für die­se Privilegien kas­sie­ren sie die 15 % des Gewinns, die Sie von den Microstocks erhalten.

Klingt ein­fach? Sehen wir uns an, wie gut das für sie und schlecht für Sie ist.

Gründe, Wirestock zu meiden

Ewige Gebühr für eine einmalige Dienstleistung

Wirestock behaup­tet, dass Sie „beru­higt sein“ kön­nen, weil sie die Dateien für Sie ver­schlag­wor­ten und hochladen.

Da die Verschlagwortung und das Hochladen nur ein­mal erfolgt, ist es leicht ein­zu­se­hen, dass Wirestock Ihnen ewig 15 % für etwas berech­net, das sie nur ein­mal tun! Dies ist ein sehr lukra­ti­ves Geschäftsmodell – natür­lich für das Unternehmen.

Das Verschlagworten und Hochladen kann ein­tö­nig und manch­mal sogar lang­wei­lig sein, aber es gibt vie­le Möglichkeiten, es schnel­ler zu machen. Verwenden Sie bes­se­re Tools oder bezah­len Sie sogar ande­re (ein­mal!) dafür, dass sie es für Sie tun.

Steuern

Beachten Sie auch, dass die 15 % eine Gebühr für Ihren Verdienst vor Steuern sind, was bedeu­tet, dass Ihr Gewinn nach Steuern noch gerin­ger aus­fällt, je nach Ihrem Steuersatz. Wenn Sie z. B. 100 $ mit Mikrostock ver­dient haben und der Steuersatz in Ihrem Land 20 % beträgt, beläuft sich Ihr tat­säch­li­cher Gewinn auf 80 $ (100 $ * 0,8). Nach Wirestock beträgt Ihr tat­säch­li­cher Verdienst nur $68 ($100 * 0,85 * 0,8).

Höhere Lizenzgebühren kaum sinnvoll

Wirestock behaup­tet, Sie bekä­men mehr Geld, weil ihr Konto in der höhe­ren Tarifstufe liegt.

Aber nicht alle Microstocks haben das System der pro­gres­si­ven Lizenzgebühren über­nom­men. Und von den­je­ni­gen, die es über­nom­men haben, setzt nur Shutterstock sie jedes Jahr zurück. Zum Zeitpunkt der Erstellung die­ses Artikels hat Adobe Stock zum Beispiel eine pau­scha­le Lizenzgebühr von 33 %. Adobe hat zwar eine Mindesttarifstufe von $0,33, $0,36 und $0,38, abhän­gig von der Anzahl der Verkäufe, aber das macht kaum kei­nen Unterschied ($3/​Monat für jede 100 Verkäufe zwi­schen den Stufen). Ganz zu schwei­gen davon, dass Sie kos­ten­lo­sen Zugang zur Adobe Creative Cloud erhal­ten, wenn Sie einen eige­nen Anbieter-​Account mit mehr als 150 Downloads haben. Depositphotos hin­ge­gen kumu­liert Ihren Fortschritt über Jahre hin­weg, so dass der Effekt des anfäng­li­chen grö­ße­ren Verkaufsvolumens nicht so groß ist. Ungefähr nach ein bis zwei Jahren errei­chen die meis­ten Fotografen, die kon­stant Bilder hoch­la­den, anstän­di­ge Lizenzgebühren für die Microstocks mit Akkumulationsschema.

Wenn Sie Neuling sind, macht es kei­nen gro­ßen Unterschied für die abso­lu­te Höhe Ihrer Einnahmen, wenn Sie in der höhe­ren Stufe sind. Wenn Sie ohne Wirestock in der 20 %-Stufe 1 $ erhal­ten und mit Wirestock 45 % bekom­men, bringt Ihnen das nur 2,5 $. Personen, die gera­de erst ange­fan­gen haben, haben klei­ne­re Portfolios, so dass der abso­lu­te Verdienst für sie kei­nen Unterschied macht. Wenn Sie jedoch Hunderte von Dateien in Ihrem Portfolio haben, wer­den Sie auch ohne Wirestock gut ver­die­nen! Mehr noch, es ist ziem­lich unsi­cher, an die­sem Punkt bei Wirestock zu blei­ben, wie Sie wei­ter unten erfah­ren werden.

Sie werden nur einige Ihrer Dateien verkaufen

Wirestock ver­spricht nicht, dass sie alle Ihre Uploads auf ihr Konto akzep­tie­ren, was bedeu­tet, dass Sie den Rest ohne­hin auf die „alte Art“ erle­di­gen müs­sen. Ja, auch Wirestock hat ein Moderationsteam für Inhalte, genau wie die Microstock-​Agenturen selbst.

Und ja, es kann sein, dass sie eini­ge Dateien ableh­nen, die Microstock-​Agenturen eigent­lich akzep­tiert hät­ten. Es besteht kei­ne Chance, dass sie den Auswahlprozess aller Microstock-​Agenturen, mit denen sie zusam­men­ar­bei­ten, nach­ah­men kön­nen. Da sie auf vie­len Microstock-​Agenturen ver­tre­ten sind, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass eini­ge den Inhalt akzep­tie­ren, wäh­rend ande­re ihn ableh­nen, so dass Sie auf hal­bem Weg ste­hen bleiben.

Für Sie bedeu­tet das nur, dass Sie für den abge­lehn­ten Teil Ihrer Dateien alles noch ein­mal machen müs­sen. Andernfalls wer­den Sie nicht alle Ihre Werke in vol­lem Umfang nut­zen können.

Sie sind nicht Eigentümer der Metadaten Ihrer Dateien

Wirestock wird Ihre Fotos, Videos und Vektoren ver­schlag­wor­ten, aber die­se Metadaten sind deren geis­ti­ges Eigentum. Sie kön­nen sie nicht ein­mal auf ver­nünf­ti­ge Weise in Ihre Dateien zurück­ho­len, ohne dafür zu bezah­len! Ganz zu schwei­gen davon, dass Sie, wenn Sie die Zusammenarbeit mit Wirestock been­den, alles noch ein­mal von vor­ne begin­nen müssen.

Es ist jedoch mög­lich, die Metadaten zurück­zu­be­kom­men, wenn Sie ein Premium-​Abonnement für $13/​Monat abge­schlos­sen haben, was Sie wahr­schein­lich nicht stan­dard­mä­ßig tun wer­den. Sie wol­len also, dass Sie mehr für die Verschlagwortung bezahlen.

Was passiert, wenn sie das Geschäft aufgeben?

Eine wei­te­re Frage, die Sie sich stel­len soll­ten: Wird es Wirestock in ein paar Jahren noch geben? Covid-​19 und der rus­si­sche Krieg in der Ukraine haben allen außer den viel­ver­spre­chends­ten Start-​Ups den Zugang zu künf­ti­gen Risikokapitalgebern weit­ge­hend ver­wehrt. Wirestock ist sicher­lich nicht das „nächs­te Facebook“, und sind Sie über­haupt sicher, dass Wirestock noch am Leben ist?

Da es sich um ein pri­va­tes Unternehmen han­delt, ver­öf­fent­li­chen sie ihre Bilanzen nicht, und es ist unmög­lich zu wis­sen, wie es um ihre Finanzen bestellt ist. Und ich wet­te, dass es wäh­rend des der­zei­ti­gen wirt­schaft­li­chen Abschwungs nicht die bes­ten sind. Auch wegen des rus­si­schen Krieges in der Ukraine ist die Aktivität sowohl der rus­si­schen als auch der ukrai­ni­schen Microstock-​Anbieter deut­lich zurück­ge­gan­gen. Dies wird Wirestock weit­aus weni­ger Gewinn brin­gen, da dies immer die Top-​2-​Microstock-​Communities nach Größe waren. Es gab Beispiele für ähn­li­che Microstock-​Dienste, die unter güns­ti­ge­ren wirt­schaft­li­chen Bedingungen in Konkurs gin­gen, wie z. B. IPStock.

Wenn Sie sich nur auf die­se Dienste ver­las­sen und sie aus irgend­ei­nem Grund das Geschäft auf­ge­ben, ver­lie­ren Sie viel Zeit. Ihr Konto mit Ihren Werken wird schließ­lich aus Microstock-​Agenturen gelöscht wer­den. Es besteht eine sehr gerin­ge Chance, dass das erneu­te Hochladen der­sel­ben Werke durch Sie rei­bungs­los verläuft.

Sie können Ihre Dateien noch jahrelang verkaufen, nachdem Sie sie verlassen haben.

Nicht vie­le Menschen lesen gern die Allgemeinen Geschäftsbedingungen, aber es lohnt sich, sich damit zu befas­sen, wenn es um Ihren Verdienst geht. In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Wirestock wird im Abschnitt „Kündigung“ erwähnt, dass sie das Recht haben, Ihre Dateien 3 Monate lang zu ver­kau­fen, plus 1 Monat für jeweils 100 hoch­ge­la­de­ne Dateien.

Allerdings dür­fen Sie die­se Dateien in der Zwischenzeit natür­lich nicht ver­kau­fen! Wenn Sie sich, aus wel­chen Gründen auch immer, dazu ent­schlie­ßen, den Dienstleistungsvertrag mit ihnen zu been­den, wer­den Sie aus­ge­sperrt. Und sie wer­den ein­fach eine Zeit lang mehr Gewinn aus Ihren Dateien ziehen.

Um Ihnen eine Vorstellung zu geben: Wenn Sie 900 Dateien bei Wirestock haben, haben sie das Recht, Ihre Dateien bis zu einem Jahr nach Ihrer Kündigung zu ver­kau­fen. Wenn Sie 2000 Dateien haben, sind es 2 Jahre usw.


Kostenpflichtige Tarife und mehr: Holen Sie das Beste aus sich heraus

Möchten Sie mehr bezahlen?

Wirestock ist ein in den USA ansäs­si­ges Risikokapitalunternehmen, das der­zeit nur Startinvestitionen (seed invest­ments) erhält. Per Definition wur­de es nicht gegrün­det, um Anbietern zu hel­fen, son­dern um die Rendite der Investoren zu erhö­hen. Wirestock kann die Interaktion mit den Käufern nicht ändern, da dies die Aufgabe der Agenturen selbst ist. Die ein­zi­ge Einnahmequelle, die sie haben, sind die Verkäufer.

Offensichtlich rei­chen 15 % Gebühr nicht aus, um sie zu hal­ten (oder um die Anleger zufrie­den zu stel­len). Später führ­te Wirestock Premium-​Konten mit kür­ze­ren Prüfzeiten, Support und der Möglichkeit, Ihre Metadaten her­un­ter­zu­la­den, ein. Der Preis liegt zum Zeitpunkt der Erstellung die­ses Artikels bei 13 $/​Monat.

In der Startphase eines Unternehmens mit Risikokapital ist eines der Hauptziele, das die Investoren vor­ge­ben, das Wachstum. Daher gibt es das Empfehlungsprogramm, wel­ches 10% Einnahmen bis zu einem Jahr lang aus­zahlt. Angesichts des jüngs­ten wirt­schaft­li­chen Abschwungs stre­ben die Investoren jedoch eher nach Gewinn als nach Expansion. Dies könn­te bedeu­ten, dass die Gebühren für die Teilnehmer in irgend­ei­ner Weise erhöht werden.

Was tun, wenn Sie es selbst tun?

Die Frage ist also, ob Sie das Verschlagworten und Hochladen selbst über­neh­men können?

Der offen­sicht­li­che Nachteil ist, dass Sie etwas mehr arbei­ten müs­sen und anfangs weni­ger ver­die­nen wer­den. Mikrostock ist jedoch kein Spiel, bei dem man schnel­les Geld ver­dient (und war es auch nie). Wenn Sie sich selbst um die Verschlagwortung und das Hochladen küm­mern, kön­nen Sie sich dar­auf ver­las­sen, dass Sie auf lan­ge Sicht gute Einnahmen erzielen.

Für die Verschlagwortung gibt es eine Fülle kos­ten­lo­ser Tools (sogar für die Microstock-​Agenturen selbst!). Sowohl die Verschlagwortung als auch das Hochladen müs­sen nur ein­mal vor­ge­nom­men wer­den. Eine rela­tiv gerin­ge Investition Ihrer Zeit im Vergleich zu der Gebühr, die Sie dafür an Wirestock zahlen.

Fazit: Nehmen Sie den Zwischenhändler heraus

Der Verkauf direkt an die Käufer wäre der vor­teil­haf­tes­te, aber auch der müh­sams­te Prozess. Aus die­sem Grund gibt es immer mehr Marktplätze, die Käufer und Verkäufer zusam­men­brin­gen. Die Marktplätze ändern die Gebühren und Preise, um auf Kosten von Käufern und Verkäufern mit­ein­an­der zu konkurrieren.

Jetzt gibt es immer mehr Zwischenhändler zwi­schen Verkäufern und Käufern wie Wirestock. Sie wol­len Ihnen für eine ein­ma­li­ge Dienstleistung, die Sie mit dem rich­ti­gen Werkzeug selbst durch­füh­ren kön­nen, oder für eine ein­ma­li­ge Gebühr ewig etwas berech­nen. Und das Schlimmste ist, dass ihre Gebühr zusam­men mit Ihren Lizenzgebühren wächst. Die Nutzung von Wirestock kann sehr ris­kant sein, wenn Sie lang­fris­tig im Bereich Microstock arbei­ten wollen.

Ist Wirestock für Sie als Microstock-​Anbieter finan­zi­ell von Vorteil? Vielleicht, anfangs. Ist es das damit ver­bun­de­ne Risiko wert? Eindeutig nein.

Welchen Einfluss wird künstliche Intelligenz auf die Produktion von Stock-​Videos haben?

Künstliche Intelligenz (KI) ist die Simulation mensch­li­cher Intelligenz in pro­gram­mier­ten Maschinen, die wie Menschen den­ken und ihre Handlungen imi­tie­ren. KI umfasst auch Geräte, die mensch­li­che Züge wie Problemlösung, Lernen, Spracherkennung und Planung auf­wei­sen. KI ist zwei­fel­los eine genia­le tech­ni­sche Erfindung, die die Welt im Sturm erobert hat. Wenn wir an KI und ihre Anwendungen den­ken, brin­gen wir sie fast immer mit Technik und Wissenschaft in Verbindung. Aber das ist nicht alles – KI wur­de nähm­lich auch in der krea­ti­ven Sphäre effek­tiv eingesetzt!

Die Frage ist: Kann KI ler­nen, krea­tiv zu sein? Nun, ja. Es gibt vie­le Beispiele, die die gro­ßen Fortschritte der KI in der Welt der Kreativität bele­gen. Auf dem Sonar-​Musikfestival in Barcelona im letz­ten Herbst begann der Künstler Mat Dryhurst auf der Bühne zu sin­gen, und das Publikum war fas­sungs­los, als es statt­des­sen die Stimme sei­ner Frau hör­te! Dryhursts Auftritt war Teil eines KI-​Experiments, bei dem er sei­ne Stimme aus­tausch­te – und es war natür­lich ein gro­ßer Erfolg!

Nicht nur in der Musik, auch in der Verlagswelt ver­än­dern KI-​Tools die Welt. Um die Erstellung von Inhalten auf­recht­zu­er­hal­ten, ist es wich­tig, stän­dig neue Inhalte und Ideen zu pro­du­zie­ren. Irgendwann gehen uns Menschen viel­leicht die Ideen aus. Aber dank der KI haben wir jetzt einen end­lo­sen Vorrat an Ideen, die uns hel­fen, wei­ter­zu­ma­chen! Wir haben nicht nur KI-​Schreibwerkzeuge, um Ideen zu gene­rie­ren, son­dern auch KI-​unterstütztes Schreiben. Die KI-​Schreibassistenten ler­nen, wie Profis zu schrei­ben und ent­wi­ckeln auch inter­es­san­te Inhalte!

Auch in der Filmindustrie ist KI mitt­ler­wei­le ein fes­ter Bestandteil. Das liegt dar­an, dass sie in ver­schie­de­ne Aspekte des Filmprozesses inte­griert wur­de und den sonst so müh­sa­men Prozess weni­ger kom­pli­ziert und naht­los macht. Werfen wir einen Blick dar­auf, wie KI das Filmemachen im Detail revo­lu­tio­niert hat:

Wie wird KI beim Filmemachen und bei der Erstellung von Videos eingesetzt?

Der kom­ple­xe Prozess des Filmemachens umfasst vie­le krea­ti­ve Köpfe – vom Schreiben des Drehbuchs bis zur Promotion des Films. Wir sind uns sicher, dass es noch viel mehr Feinheiten gibt, aber weißt du was? KI kann bei all die­sen ver­schie­de­nen Aspekten ein­ge­setzt werden!

Es ist nicht ein­fach, ein ein­zig­ar­ti­ges, beein­dru­cken­des Drehbuch zu schrei­ben, das die Zuschauer fes­selt. Aber mit KI ist es für Filmemacher jetzt ein­fa­cher gewor­den, Drehbücher zu erstel­len. Wenn sie mit rie­si­gen Datenmengen von Drehbüchern gefüt­tert wer­den, kön­nen maschi­nel­le Lernalgorithmen völ­lig neue Drehbücher erstel­len. Filmemacher ver­wen­den die KI-​generierten Drehbücher als Entwürfe und ver­bes­sern sie dann, um ein end­gül­ti­ges Drehbuch zu erstel­len. Der gesam­te Prozess der Drehbucherstellung ist jetzt mühe­los und weni­ger zeit­auf­wän­dig, dank der KI-Drehbuch-Tools!

Das Casting ist ein wei­te­rer wich­ti­ger Aspekt eines Films – ein tol­les Drehbuch kann ein Reinfall sein, wenn die Besetzung nicht stimmt. Das Casting ist ein lang­wie­ri­ger Prozess, der viel Zeit und Mühe erfor­dert, um die Schauspieler in meh­re­ren Castings zu prü­fen und die per­fek­te Besetzung für einen Film zu fin­den. KI-​Tools kön­nen mit Daten gefüt­tert wer­den, die Merkmale von Schauspielern in ver­schie­de­nen Emotionen beschrei­ben, und die­se Tools kön­nen dann nach den rich­ti­gen Schauspielern suchen. Die Tools kön­nen auch das digi­ta­le Gesicht eines Schauspielers/​einer Schauspielerin über ein Körperdouble legen, wenn dies in bestimm­ten Szenen erfor­der­lich ist. KI kann auch ein­ge­setzt wer­den, um Schauspieler in Filmen digi­tal hin­zu­zu­fü­gen oder sogar ihre Gesichtszüge zu ver­än­dern, um sie jün­ger dar­zu­stel­len, als sie sind.  Außerdem kann sie Greenscreen-​Videos auto­ma­tisch durch die beab­sich­tig­ten Aufnahmen erset­zen und müh­sa­mes Chromakeying auto­ma­tisch erledigen.

Abgesehen davon hel­fen KI-​Tools auch dabei, den Erfolg eines Films vor­her­zu­sa­gen und die Einnahmen abzu­schät­zen, die er ein­spie­len kann. Top-​Filmemacher wie Warner Bros. nut­zen zum Beispiel die KI-​basierte Plattform Cinelytic, um den Erfolg ihrer Filme an der Kinokasse vorherzusagen.

Einfluss der KI auf die Produktion von Stock-Videos 

KI hat vie­le müh­sa­me, sich wie­der­ho­len­de Aufgaben ein­fa­cher gemacht – und die Produktion von Stockvideos ist da kei­ne Ausnahme! Genau wie bei den genann­ten krea­ti­ven Beispielen muss die KI auch bei der Erstellung von Stock-​Videos mit gro­ßen Datenmengen gefüt­tert wer­den (rele­van­tes Filmmaterial, Vorlagen, Übergangseffekte, Überblendungen usw.). Nach der Verarbeitung die­ser Daten kön­nen die KI-​Tools ein ein­zig­ar­ti­ges, völ­lig ande­res Stockvideo erstel­len, das es so noch nie gege­ben hat.

Wie kann dir das hel­fen? Erstens sparst du dir die Zeit, den Aufwand und das Geld, die du sonst für den Dreh eines neu­en Videos auf­wen­den müss­test. Auch wenn die künst­li­che Intelligenz ein Standardvideo für dich erstellt, hast du die Möglichkeit, es zu bear­bei­ten und krea­ti­ve Elemente hin­zu­zu­fü­gen, um es noch bes­ser zu machen. Außerdem „weiß“ KI, wel­che Funktionen zu einem Stockvideo hin­zu­ge­fügt wer­den müs­sen, um es nicht nur ein­zig­ar­tig, son­dern auch optisch anspre­chend zu machen.

Resümee

Auch wenn die Erstellung von Stock-​Videos und ande­ren krea­ti­ven Elementen mit­hil­fe von Künstlicher Intelligenz ein­fach ist, kön­nen wir nicht leug­nen, dass algo­rith­mi­sche Verzerrungen ein erheb­li­ches Problem dar­stel­len. Wenn die KI nur mit unvoll­stän­di­gen oder schlech­ten Daten gefüt­tert wird, führt das zu ver­zerr­ten Ergebnissen. Aus die­sem Grund müs­sen wir auch in der Stock-​Video-​Branche mit ras­sis­ti­schen oder geschlechts­spe­zi­fi­schen Verzerrungen rech­nen. Schließlich wird die KI von Menschen ent­wi­ckelt, und Menschen sind in Bezug auf Geschlecht und Rasse voreingenommen.

Die Automatisierung und die Erleichterung der Durchführung sich wie­der­ho­len­der, zeit­auf­wän­di­ger Tests durch KI haben auch die Arbeitswelt erfasst. Obwohl sie Zeit und Mühe spart, kön­nen wir nicht leug­nen, dass die KI den Wert der mensch­li­chen Kreativität nega­tiv beein­flusst hat. Eine Regulierung der KI und ihre ethi­sche Umsetzung kön­nen hel­fen, die­se Probleme zu bewäl­ti­gen; bis dahin müs­sen wir uns auf die­se Probleme ein­stel­len und ent­spre­chen­de Lösungen finden.

Einblick in das Ranking-​System von Indivstock

Das Ranking-​System der meis­ten Bildagenturen wird wie ein hei­li­ger Schatz gehü­tet, da er für einen sehr wich­ti­gen Verkaufsfaktor ver­ant­wort­lich ist: Wie pro­mi­nent wird ein Bild bei einer Suche angezeigt?

Für die Entscheidung spie­len meh­re­re Kriterien eine Rolle, eini­ge davon hat­te ich ver­sucht in die­sem Artikel zusam­men­zu­tra­gen.

Frau zeigt auf Keywords

Es gibt aber noch unzäh­li­ge ande­re Möglichkeiten, das Ranking-​System auf­zu­bau­en und die gro­ßen Bildagenturen ver­än­dern qua­si stän­dig den Mechanismus, um ihn mög­lichst opti­mal zu gestalten.

Die rela­tiv klei­ne deut­sche Bildagentur Indivstock (Server-​Standort Dresden) hat nun am 22. Mai 2022 hier unter „Ranking“ eine sehr kon­kre­te Auflistung ver­öf­fent­licht, wie sie ihr Ranking-​System gestal­tet haben.

Das Ranking der ein­zel­nen Bilder wird wie folgt ermit­telt. Die fol­gen­den Werte wur­den in unge­fäh­re Prozentsätze umge­rech­net. Die fol­gen­den Beschreibungen sind ver­ein­fach­te Umformulierungen.

Positive Ranking-​Faktoren:

  • + 0,02 % Aufrufe in ca. 1 Woche Zeitraum. 
  • +- 0,2% Views und Downloads im Verhältnis.
  • +- 2 % Bei der Auswahl als „her­aus­ra­gend“ markiert.
  • + 3 % Keywords ent­hal­ten aktu­el­le Themen, z. B.: Klimawandel, Ukraine, Weihnachten, Neujahr, …
  • + 5 % neu­es Image und „über­ra­gend“.
  • + 5 % Personenfotografie.
  • + 2 % Bei der Auswahl als „her­aus­ra­gend“ mar­kiert und ent­hält aktu­el­le Themen.
  • +- 2 % Bild ist kos­ten­los und ent­hält Stichwörter zu aktu­el­len Themen.
  • + 3 % Bild ist kos­ten­los und Keywords ent­hal­ten wich­ti­ge Langzeitthemen, z. B.: Bitcoin.
  • + 2 % Keywords ent­hal­ten aktu­el­le Themen, Mehrfachübereinstimmung.
  • + 2 % Titel ent­hält aktu­el­le Themen.
  • + 2 % Titel ent­hält aktu­el­le Themen, Mehrfachübereinstimmung.
  • + 3 % Künstlerbonus all­ge­mein sowie Verschlagwortung und Bildtitel über­wie­gend ohne „Spam“-Verschlagwortung, auch Titel.
  • + 2 % Künstlerbonus all­ge­mein sowie Portfolio meistbeliebt.
  • + 2 % Künstlerbonus all­ge­mein sowie Portfolio über­wie­gend „her­aus­ra­gend“.
  • + 2 % Keywords ent­hal­ten aktu­el­le Themen, Mehrfachtreffer in Kombination z. B.: „Preis“ + „Benzin“.
  • + 2 % Keywords ent­hal­ten aktu­el­le Themen, meh­re­re Treffer in einer Kombination z. B.: „Preis“ + „Gas“ und als „her­aus­ra­gend“ gekennzeichnet.
  • + 1 % Keywords ent­hal­ten wich­ti­ge Langzeitthemen z. B.: Technik.
  • + 1 % Keywords ent­hal­ten aktu­el­le Themen und Bild ist nicht kos­ten­los, aber „her­aus­ra­gend“.
  • + 1 % Bild wur­de kürz­lich gekauft und ist nicht „redak­tio­nell“.
  • + 2 % Bild wur­de mehr­fach gekauft und ist nicht „nur redaktionell“.
  • + 7 % ers­te 500 aus der Top-​Platzierung der vor­he­ri­gen Zyklen, aktu­el­les Jahr.
  • + 3 % ers­te 500 aus Top-​Ranking frü­he­rer Zyklen, älter als aktu­el­les Jahr.
  • + 10 % Bild wur­de gera­de her­un­ter­ge­la­den und ist nicht kostenlos.
  • + 2 % Bild wur­de gera­de her­un­ter­ge­la­den und ist kostenlos.

Negative Ranking-​Faktoren:

  • - 10 % Bild wur­de als „Nur für Erwachsene“ gekennzeichnet.
  • - 5 % Bild wur­de als „redak­tio­nell“ gekennzeichnet.
  • - 5 % Bild wur­de als „kos­ten­los“ gekennzeichnet.
  • -20 % Bild ist kos­ten­los, ent­hält aber kein Stichwort zu aktu­el­len Themen.
  • - 20 % Bild wur­de als „redak­tio­nell“ mar­kiert und älter als der aktu­el­le Monat.
  • - 10 % Das Bild wur­de als „redak­tio­nell“ mar­kiert und älter als das aktu­el­le und letz­te Jahr.
  • - 10 % Bild wur­de als „redak­tio­nell“ mar­kiert und älter als das aktu­el­le Jahr.
  • - 3 % unnö­ti­ge Keywords, mehr Keywords als nötig.
  • - 5 % Titel und Keywords stim­men nicht überein.
  • - 1 % Keywords wider­spre­chen sich z. B.: „Hintergrund“ und „iso­liert“.
  • - 5 % Keywords wider­spre­chen sich sehr stark z.B.: Foto einer Frau aber Keyword „Männer“.
  • - 100 % Vergütung mit mas­si­vem Anstieg der Aufrufe durch Google im Verhältnis.
  • - 100 % Vergütung, mit mas­si­vem Anstieg der Aufrufe, aber kein Download, im Verhältnis, ohne Google.
  • -40 % Keyword älter als aktu­el­les Jahr. Bsp.: 2021 in 2022.

Verschlagwortung und Auffindbarkeit. 

Titel und Schlagworte wer­den ein­zeln ent­fernt, kom­plett ent­fernt oder durch den Titel ersetzt. In den meis­ten Fällen hat dies auch Einfluss auf das Ranking. Kurzer Auszug:

  • Spam wie meh­re­re Kommas in der Beschreibung oder Wiederholungen. 
  • Wenn redak­tio­nell, aber kein Erstellungsdatum.
  • Sich gegen­sei­tig aus­schlie­ßen­de Bezeichnungen, z. B.: Winter und Sommer.
  • Unklare Beschreibung des­sen, was gilt, Frühling und Sommer und Herbst. 
  • Entfernen Sie typi­sche nicht aus­sa­ge­kräf­ti­ge Wörter wie „hohe Auflösung, Nahaufnahme, naht­los“, wenn sie unan­ge­mes­sen sind.
  • Entfernen Sie unwah­re Wörter wie „naht­los“, wenn nicht nahtlos.
  • Wenn „jung“, aber nicht zutreffend.
  • Wenn „Touristen“, aber kei­ne Person.
  • Ist „Tourismus“ aber kein typi­sches Touristenbild.
  • Ist „Wolken“ aber nicht relevant.
  • Wenn „Umwelt“, „Business“, „Konzept“ aber nicht relevant. 
  • Wenn „iso­liert“, dann nicht „Hintergrund“.
  • Wenn „künst­lich“ für Pflanzen, aber nicht als Titel.
  • Falls Plural, aber 1.
  • Ist „Garten“ aber nur Einzelpflanze.
  • Wenn Einzelpflanze ohne Namen.
  • Konvertieren Sie Symbole wie Absatz, Fragezeichen in Wörter.
  • Entfernen Sie „‚und, die, mit, in, bei, von, …“.
  • Wenn „Europa“, aber nicht relevant.
  • Ist „Fotografie“ aber nicht relevant.
  • Wenn „Architektur“, aber nicht thematisch.
  • Wenn „Dekoration, deko­ra­tiv, Antik, Malerei“ aber nicht zutreffend. 
  • Ist „erstaun­lich, ästhe­tisch, …“, aber nicht beschreibend.
  • Wenn „Schönheit, schön, …“ aber weder Frau, Frauen, Mann, Männer, Person usw..
  • Wenn „Schönheit, schön, …“ aber Tier oder Pflanze.
  • Wenn „Close-​Up von…“.
  • Wenn „Detailliert, gezeigt wird…“.
  • Wenn „Vektor“, aber kein Vektor.
  • Wenn „Template“, aber kei­ne Template.
  • Wenn „wäh­rend, gese­hen, Blick von…“ aber nicht übereinstimmend. 
  • Wenn „Gruppe“, aber nicht mensch­lich oder ein­deu­tig „Gruppe“.
  • Ist „Natur“ aber Spam.

Ebenfalls am 22. Mai 2022 ver­öf­fent­li­che Indivstock hier unter „News“ eine Statistik zu ihren Käufer-​/​Verkäufer- und Umsatzzahlen, wel­che ich mal über­setzt habe:

  • Zusätzliche Kundenkonten im Jahr 2022: 650
  • Herkunft Europa: <65%
  • Herkunft Deutschland: <5%
  • Regelmäßig aktiv: 35 %
  • Durchschnittliche Gebühren des Zahlungsanbieters: 0,39 EUR + 2,99 %
  • Von Kunden mit >70% favo­ri­sier­tes Downloadpaket: Einzelkauf, zwi­schen 1 und 10 Bilddownloads
  • Verkäuferkonten: 800
  • davon durch Künstler deak­ti­viert oder gelöscht: >10% (35% im Jahresdurchschnitt bis 2020. 2% im Jahr 2021. Nur noch 0,5% im Jahr 2022.)
  • davon hat­ten 90 % ein Portfolio von mehr als 1000 Bildern (alle Jahre). 
  • Dadurch schaf­fen es von 100.000 Uploads nur etwa 20.000 Bilder dau­er­haft in den Katalog (Uploads – Ablehnungsquote – vor­zei­ti­ge Löschung durch den Künstler = Angebot für den Kunden).
  • Regelmäßig aktiv (Hochladen): nur 5 % der regel­mä­ßig ein­ge­logg­ten Nutzer (alle Jahre und 2022)
  • 30 % mit weni­ger als 50 Bildern im Portfolio
  • 2022: Durchschnittlicher Verkaufspreis: 6,41 EUR
  • Durchschnittliche Künstlerprovision: >3,47 EUR /​ +12% seit 2020 (ande­re Preisstruktur) (ca. 6,80 EUR Einzelverkauf und 0,36 USD Abo-Provision)
  • Durchschnittliches Trinkgeld: 1 €
  • 50/​50 kos­ten­lo­se oder kos­ten­pflich­ti­ge Bilder
  • Wo Transaktionskosten des Zahlungsanbieters: >40% /​ >0,40 EUR
  • 2022: Verkäuferkonten wegen Identitätsdiebstahl vor Aktivierung gesperrt: 18 (mit Portfolio-Upload)
  • 2020 – 2022: Beschwerden von Verkäufern: 70
  • Hauptgrund: gerin­ge Fluktuation, abge­lehn­te Bilder
  • Beschwerden von Kunden: <0,5 %
  • Hauptgrund: Bild kos­ten­los über Drittanbieter-​Angebot gefun­den, benö­tig­te Hilfe für Ort des Download-​Buttons (kei­ne Weiterleitung zum Download nach Kauf)
  • Rückerstattungen: 0

Erkenntnisse der genannten Faktoren?

Auch wenn jede Agentur ihr Ranking-​System unter­schied­lich gestal­ten wird, so hel­fen die obi­gen Angaben doch, um die Denkweise einer Bildagentur bes­ser ver­ste­hen zu kön­nen. Die Faktoren, wel­che Fotografen am ein­fachs­ten kon­trol­lie­ren kön­nen, sind sehr aku­ra­te Suchbegriffe: Sind die genutz­ten Wörter wirk­lich als Beschreibung rele­vant oder erfor­dert es zuviel Fantasie, um die­se mit dem Motiv in Verbindung zu bringen?

Welche Überraschungen habt ihr in obi­ger Liste entdeckt?

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