Photocase: Schuldenschnitt, neues Beteiligungssystem und neue Preise

Vor eini­gen Wochen kün­dig­te Photocase weit­rei­chen­de Änderungen an, dar­un­ter eine Umstellung des Honorarsystems.

Heute wur­den nun die Details per Email an die Fotografen bekannt­ge­ge­ben:
Kai Schneider gibt die Geschäftsführung von Photocase an Dittmar Frohmann und Christopher Kraft ab. Dittmar Frohmann war vor­her bei iStock, Fotolia, Getty Images, 500px und Eyeem beschäf­tigt. Nun soll er die Agentur auf Vordermann brin­gen. Wie und war­um? Dittmar Frohmann erklärt es in der Mail:

Ich hei­ße Dittmar Frohmann und habe schon vie­le Bildagenturen gese­hen. Doch hier bei Photocase fin­de ich das ers­te Mal ein fast per­fek­tes und vor allem sehr sym­pa­thi­sches Set‐Up vor: pri­ma Website, tol­le Künstlerportfolios, eine star­ke Community! Manche Korrekturen sind zwar schon erfor­der­lich, aber das meis­te wird hin­ter den Kulissen statt­fin­den und des­halb kaum auf­fal­len.

Eine Sache lässt sich aller­dings weder ver­ber­gen noch schön schmin­ken, daher nen­nen wir das Kind doch gleich beim Namen: Die finan­zi­el­le Schieflage der Firma macht dras­ti­sche Maßnahmen erfor­der­lich:

Schuldenschnitt
Für alle bis heu­te nicht aus­ge­zahl­ten Einnahmen bie­ten wir 50% an. Diese Maßnahme ist Grundvoraussetzung für das Überleben der Agentur. Ja, alle ver­lie­ren 50% der nicht abge­ru­fe­nen Einnahmen, aber bedenkt bit­te auch, wie viel Ihr bis­lang mit Photocase ver­dient habt und auch noch ver­die­nen wer­det. Das aktu­el­le Guthaben wird hier ange­zeigt.

Neues Beteiligungssystem
Bislang zah­len wir bis zu 60 % Beteiligung aus. Das ist nicht nur weit über dem Industriedurchschnitt,  son­dern ange­sichts der hohen Kosten für den Betrieb einer Agentur sowie der geplan­ten Marketingausgaben lei­der auch nicht rea­lis­tisch. Es wird statt­des­sen zukünf­tig ein erfolgs­ori­en­tier­tes Royalty‐System geben, in dem neue Künstler bei 20 % anfan­gen und dann suk­zes­si­ve über meh­re­re Stufen bis zu 50 % Umsatzbeteiligung erhal­ten. 

Neues Ranking‐System bei Photocase

Für Bestandskünstler wer­den die Aktivitäten der letz­ten bei­den Jahre nach einem Punktesystem ange­rech­net, das auf den Verkäufen und der Anzahl der in den letz­ten zwölf Monaten ange­nom­me­nen Bildern basiert. Das System beinhal­tet neun Stufen, die jeweils einem höhe­ren Anteil ent­spre­chen. Das aktu­el­le Ranking und der Punktestand wer­den im Account ange­zeigt. 

Neue Preise
Gleichzeitig sen­ken wir die Rabatte und erhö­hen in einem Monat auch noch die Bildpreise – teil­wei­se sogar dras­tisch, was dann wie­der euch, den Urhebern zugu­te kommt. Niedrigere Beteiligung, aber an einem höhe­ren Preis ergibt in vie­len Konstellationen eine attrak­ti­ve­re Ausschüttung pro Bildverkauf.

Beispielrechnung 1AltNeu
Standard‐Größe                                  15€25€
Künstleranteil in %50%30%
Künstleranteil in €7,50 €7,50 €
Beispielrechnung 2AltNeu
Standard‐Größe15€25€
Nutzung ohne Bildnachweis50€100€
Bildpreis65€125€
Künstleranteil in %50%30%
Künstleranteil in €33€38€

Das Zusammenspiel der neu­en Bildpreise mit den neu­en Royalties

Keine Frage, ich hät­te gern als ers­tes eine posi­ti­ve­re Botschaft über­bracht. Der Schuldenschnitt ist dras­tisch und wird sicher­lich vie­len weh­tun, doch er ist not­wen­dig. Nur so lässt sich lang­fris­tig der Bestand der Agentur sichern. Die ange­kün­dig­ten Maßnahmen erfor­dern auch einer Änderung der Upload‐Bedingungen. Wer nicht mehr dabei sein will, kann das per E‐Mail mit­tei­len. Alle Änderungen grei­fen in vier Wochen, also am 16. Juli 2019. Die Upload‐Bedingungen, der Schuldenschnitt und die ande­ren Änderungen gel­ten als ange­nom­men, wenn vom Widerspruch kei­nen Gebrauch gemacht wird.
Ich bit­te alle Künstler*innen, uns trotz oder viel­leicht sogar wegen obi­ger Maßnahmen wei­ter die Treue zu hal­ten. 

Photocase bleibt grund­sätz­lich wie es ist und wird sich zukünf­tig sogar noch mehr in Richtung Qualität und Premium‐Markt bewe­gen. Wir wer­den uns inter­na­tio­na­ler und auch pro­fes­sio­nel­ler auf­stel­len, akti­ver in der Vermarktung und noch anspruchs­vol­ler im Repertoire wer­den. Die Community wird wie­der gestärkt, u.a. mit Forumsmoderator*innen, einer Event-Koordinator*in und mehr Teilhabe an der Bildauswahl.

Neue Selektionsstrategie
Nicht zu früh freu­en. Die Tür bleibt hart, aber wir wer­den weni­ger nach ein­zel­nen Bildern im Heuhaufen suchen, son­dern nach Künstler*innen, die dem Photocase‐Gedanken und -Anspruch ent­spre­chen. Unsere Vision ist es, ein plau­si­bles und attrak­ti­ves Gegenmodell zu all den belie­bi­gen Stock‐Sites zu wer­den, indem wir ohne Tamtam die gesell­schaft­li­che Vielfalt und ein dif­fe­ren­zier­tes Bild die­ser Erde dar­stel­len.“

Das ist eine sel­ten ehr­li­che Mail mit viel Klartext, der trotz allem für Fotografen eines bedeu­tet: Weniger Umsatzbeteiligung (bei mir 33%-Kürzung von 45 auf 30%) und eine Halbierung der nicht abge­ru­fe­nen Einnahmen. Ob die­se Maßnahmen, kom­bi­niert mit höhe­ren Bildpreisen den Umsatz der Fotografen und der Agentur sichern wer­den, bleibt abzu­war­ten. Ähnliches haben in der Vergangenheit auch Alamy, Pond5, 123rf, Imagebroker und Clipcanvas ver­sucht.

Die Meinungen hier im Forum von Photocase sind durch­aus gespal­ten.

Analyse der Portfolios bei Fotolia und Adobe Stock

Vor eini­gen Monaten hat­te ich hier aus­ge­wer­tet, aus wel­chen Ländern die meis­ten Shutterstock‐Anbieter kom­men.

Heute soll es eini­ge ähn­li­che Analyse der Daten von Adobe Stock geben, bzw. von Fotolia, denn obwohl die Portfolios auf bei­den Webseiten iden­tisch sind, wer­den bei Adobe Stock lei­der weni­ger Informationen dazu ange­zeigt.

Insgesamt wur­den Daten von über 462.000 Anbietern mit ins­ge­samt über 137 Mio. Dateien im Portfolio ana­ly­siert. Als Anbieter zählt jeder, der min­des­tens eine Datei online hat.

Als ers­tes wol­len wir uns der Frage wid­men, wie groß die meis­ten Portfolios sind. Dazu habe ich die Portfolios in Gruppen von Zehner‐Potenzen geglie­dert.

Über 60% aller akti­ven Portfolios haben nur zehn oder weni­ger Bilder. Am ande­ren Ende des Spektrums gibt es nur ein Portfolio mit mehr als einer Mio. Bildern, und zwar das von Africa Studio* mit über 1,3 Mio. Bildern. Immerhin 64 Anbieter schaf­fen es noch auf Portfolios mit mehr als hun­dert­tau­send Dateien.

Nicht berück­sich­tigt wird lei­der auch, dass eini­ge gro­ße Anbieter sogar mehr als nur ein Portfolio haben. Africa Studio hat zum Beispiel neben dem oben ver­link­ten Portfolio ein wei­te­res namens „New Africa“* mit über 175.000 Bildern und die iri­sche Produktionsfirma Wavebreak Media hat gleich min­des­tens sechs Portfolios (1, 2, 3, 4, 5, 6)* mit zusam­men mehr als 800.000 Bildern, wobei die bei­den größ­ten Portfolios jeweils „nur“ über 310.000 Bilder ent­hal­ten.

Portfolio‐GrößeAnzahl Portfolios% Gesamtsumme
19808821,20%
2–1018326839,61%
11–10011172724,15%
101‑10004764710,30%
1001–10000198824,30%
10001–100.00020060,43%
100.001–1.000.000640,01%
1.000.001-10,00%
Gesamtergebnis462683100,00%

Widmen wir uns nun dem Ranking. Dazu als Erinnerung hier die Liste, wie viel Verkäufe ein Anbieter erzie­len muss, um ein bestimm­tes Ranking zu errei­chen:

Download‐Voraussetzungen für das Erreichen von Ranking‐Stufen bei Fotolia

Schauen wir uns mal an, wie vie­le Anbieter es gibt, die wel­ches Ranking erreicht haben:

RankingAnzahlMittelwert PortfolioPortfolio‐Summe% Gesamtergebnis
Diamant35755271.726.5801,26%
Rubin401174054.696.1863,42%
Saphir218364957.955.9365,80%
Smaragd13881404819.498.21014,22%
Gold2522762619.232.39714,03%
Silber10486404042.365.05730,90%
Bronze7687227817.507.89012,77%
Weiß321614144.562.8163,33%
Infinite8411754987.3400,72%
leer11863515718.586.81413,56%
Gesamtergebnis462677296137.119.226100,00%

Wer auf­merk­sam ist, wird die Spalte „leer“ fest­stel­len. Diese Anbieter haben Portfolios zwi­schen ca. 20–940 Bildern und konn­ten aus Kapazitätsgründen noch nicht zuge­ord­net wer­den. Erfahrungsgemäß müss­ten sich die­se Portfolios auf­grund von Kriterien wie Portfoliogröße, Alter des Portfolios etc. halb­wegs gleich­mä­ßig auf die Rankings SIlber, Bronze und Weiß ver­tei­len mit eini­gen Infinite‐Ausreißern dazwi­schen.

Die Mittelwerte für Silber und Bronze in der Liste könn­ten real als etwas unter den dar­ge­stell­ten Werten lie­gen, für Weiß etwas dar­über.

Mit 261 Anbietern, die mehr als 100.000 Downloads erzielt haben, ist die Gruppe derer, die viel Umsatz erzie­len, recht über­schau­bar. Selbst wenn wir das Smaragd‐Ranking mit mehr als 25.000 Downloads dazu neh­men, haben wir erst 1649 Anbieter. Der gro­ße Anteil der Verkäufe geht also auf das Konto rela­tiv weni­ger Anbieter.

Logischerweise gibt es eine Korrelation zwi­schen Portfoliogröße und Downloads. Deshalb seht ihr in der obe­ren Tabelle auch, wie groß ein typi­schen Portfolio inner­halb eines Rankings ist. Das zeigt auch, dass mein Portfolio mit knapp 39.000 Bildern und Rubin‐Status über­durch­schnitt­lich gut ver­kauft hat in den letz­ten Jahren, denn sta­tis­tisch gese­hen müss­te ich mehr als 117.000 Bilder online haben, um die­sen Status zu haben.

Schauen wir uns nun die Länder an, aus denen die erfolg­reichs­ten Anbieter kom­men. Dafür habe ich nur die 1649 Anbieter mit je mehr als 25.000 Downloads berück­sich­tigt.

Hier seht ihr die Verteilung der Länder sowie deren pro­zen­tua­le Gewichtung inner­halb die­ses Kriteriums (Smaragd‐Status auf­wärts).

LandAnzahl Ranking
(Smaragd bis Diamant)
Prozent
Deutschland24014,55%
Russische Föderation21312,92%
Ukraine1408,49%
USA1388,37%
Frankreich895,40%
Japan744,49%
Italien684,12%
Polen573,46%
Thailand523,15%
Großbritannien482,91%
Spanien442,67%
Serbien422,55%
Weissrussland392,37%
Tschechische Republik362,18%
Rumänien311,88%
Kanada241,46%
Lettland211,27%
Österreich160,97%
Türkei150,91%
China150,91%
Moldavien150,91%
Slowakei110,67%
Estland100,61%
Niederlande100,61%
Bulgarien100,61%
[rest­li­che 51 Länder]19111,58%
Gesamtergebnis1649100,00%

Hier wird der euro­päi­sche Ursprung der Bildagentur Fotolia deut­lich, vor allem im Vergleich zu die­ser Shutterstock‐Liste.

Die mit Abstand meis­ten Topseller kom­men aus Deutschland, das Gründungsland Frankreich liegt auf Platz 5 (statt Platz 20 wie bei Shutterstock). Danach ist der gro­ße Anteil öst­li­cher Länder zu bemer­ken, allen vor­an Russland und Ukraine, gefolgt von Serbien, Weißrussland, Tschechien und Rumänien. Die gerin­ge­ren Lohn‐ und Produktionskosten machen es für Fotografen die­ser Länder beson­ders attrak­tiv, ihre Bilder welt­weit in Euro oder US‐Dollar zu ver­kau­fen.

Der gro­ße Anteil euro­päi­scher Länder – sechs der häu­figs­ten Länder sind euro­pä­isch – bei den gut ver­kau­fen­den Anbietern erklärt sich auch his­to­risch: Fotolia hat­te damals sehr gro­ßen Wert auf Lokalisierung gelegt. Fast jedes euro­päi­sche Land hat­te früh ein eige­nes Länderbüro erhal­ten, die Webseite wur­de schnell in vie­le Landessprachen über­setzt und die Fotografen wur­den ermu­tigt, in der Landessprache zu ver­schlag­wor­ten.

Die Region und die Sprache der Verschlagwortung waren auch bei der Anzeige der Suchtreffer sehr rele­vant. Einem deut­schen Kunden wur­den zum Beispiel eher Bilder deut­scher Fotografen und mit deut­schen Suchbegriffen ange­zeigt. Mit der Übernahme durch Adobe hat sich der regio­na­le Fokus bei Adobe Stock deut­lich ver­rin­gert, wes­halb nun die euro­päi­schen Fotografen, allen vor­an die deut­schen, ver­mehrt über Umsatzrückgänge kla­gen.

Spaßeshalber habe ich mir die Daten der deut­schen Fotografen genau­er ange­schaut, weil dies ein deut­scher Blog ist. Demnach sind deut­sche Fotografen für ca. 3 Mio. Bilder ver­ant­wort­lich und das durch­schnitt­li­che deut­sche erfolg­rei­che Portfolio hat ca. 10.000 Bilder online. Obige Einschränkungen sie­he „leer“ gel­ten auch hier, wenn wir die 14,55% jedoch als Richtwert neh­men, wären es ins­ge­samt ca. 5,7 Mio. Bilder deut­scher Fotografen ins­ge­samt.

Was sagen euch die Daten?
Habt ihr wei­te­re Fragen, die man even­tu­ell ana­ly­sie­ren könn­te?

* Affiliate‐Link

Wohin bewegt sich die Stockfotografie 2019?

Vor kur­zem wur­de ich nach mei­nen Vorhersagen gefragt, wohin sich die Fotoindustrie im Jahr 2019 ent­wi­ckeln wird.

Die Anzahl der Bilder, die zu den wich­tigs­ten Bildersammlungen hin­zu­ge­fügt wer­den, wird wei­ter­hin mas­siv zuneh­men. Ein zuneh­men­der Prozentsatz wird von Amateuren pro­du­ziert, nicht von Profis, die ver­su­chen, einen Teil ihres Lebensunterhalts mit den von ihnen pro­du­zier­ten Bildern zu ver­die­nen.
(In den letz­ten zwei Jahren wuch­sen die zur Getty Creative‐Sammlung hin­zu­ge­füg­ten Bilder von EyeEm/Moment/foap um 189%, wäh­rend das Wachstum der Bilder von den 139 Fachagenturen nur 2,5% betrug, die der­zeit 25% der Sammlung von Getty bereit­stel­len. Diese Agenturen stell­ten frü­her 50% der Sammlung bereit.)

Darüber hin­aus wer­den immer mehr Bilder auf „kos­ten­lo­sen Stockfoto‐Webseiten“ hoch­ge­la­den, was es ein­fa­cher für die Benutzer ein­fa­cher macht, pas­sen­de Bilder kos­ten­los zu fin­den. In unse­rer Social Media‐Wirtschaft erwar­ten immer mehr Menschen, alle Informationen und Bilder, die sie benö­ti­gen, kos­ten­los zu erhal­ten. Sie glau­ben, dass es ihr Recht ist.

Insgesamt wird erwar­tet, dass die Anzahl der lizen­zier­ten Bilder nicht zunimmt und sich vor­aus­sicht­lich auf das Niveau von 2018 beläuft. Leser müs­sen ledig­lich die Umsätze von Shutterstock in den letz­ten 2 ½ Jahren über­prü­fen, um fest­zu­stel­len, dass die Anzahl der Downloads pro Quartal rela­tiv gleich geblie­ben ist bei rund 43 Millionen für den gesam­ten Zeitraum. Die jüngs­ten Zahlen von Alamy zei­gen eine Abflachung des Umsatzes im Jahr 2018 nach einem deut­li­chen Anstieg zwi­schen 2015 und 2017. Es wird erwar­tet, dass die­ses Umsatzplateau bis 2019 bestehen bleibt.

Getty hat 2018 mög­li­cher­wei­se eine grö­ße­re Anzahl von Bildern lizen­ziert als 2017, jedoch zu erheb­lich nied­ri­ge­ren Preisen. Die von Getty erwirt­schaf­te­ten Bruttoerlöse für „Creative Content“ waren und sind daher vor­aus­sicht­lich in etwa gleich hoch oder nied­ri­ger als in den letz­ten Jahren. Es gibt Anzeichen dafür, dass die Anzahl der lizen­zier­ten Bilder in Adobe Stock leicht zunimmt. Aber jedes Wachstum, das Adobe rea­li­siert, resul­tiert wahr­schein­lich dar­aus, dass es den ande­ren gro­ßen Anbietern Marktanteile abnimmt.

Aufgrund der Verwendung von Videoclips ist mög­li­cher­wei­se ein gering­fü­gi­ges Umsatzwachstum zu ver­zeich­nen. Dies dürf­te jedoch durch einen Rückgang der Verwendung von Bildern und Illustrationen aus­ge­gli­chen wer­den.

Die Nutzungsgebühren dürf­ten ihren lan­gen, lang­sa­men, aber ste­ti­gen Rückgang fort­set­zen, da die gro­ßen Agenturen um Marktanteile kon­kur­rie­ren. Agenturen der zwei­ten Reihe wer­den es häu­fig für not­wen­dig hal­ten, die­se nied­ri­ge­ren Preise zu zu unter­bie­ten, um über­haupt viel Umsatz zu erzie­len.

Kunden

Die Kunden wer­den wei­ter­hin unzu­frie­de­ner sein mit der Zeit, die sie brau­chen, sich durch die zuneh­men­de Anzahl von Suchergebnissen zu kli­cken. Dies mag eini­gen der klei­ne­ren, gut kura­tier­ten Spezialsammlungen zugu­te kom­men.

Eine zuneh­men­de Anzahl von Grafikdesignern wird sich der Erstellung von Grafiken selbst wid­men, anstatt Zeit mit der Suche nach Bildern zu ver­schwen­den. Darüber hin­aus laden mehr Designer bil­li­ge oder kos­ten­lo­se Fotos her­un­ter, die Elemente ent­hal­ten, die sie als Teil ihrer eige­nen Kreationen ver­wen­den kön­nen. An die­sem Punkt kön­nen sie ver­schie­de­ne Elemente von ver­schie­de­nen Fotos neh­men und ein völ­lig neu­es Bild ihrer eige­nen Vision erzeu­gen.

Fotografen

Eine zuneh­men­de Anzahl von Fotografen, die ver­sucht haben, einen Teil ihres Lebensunterhalts durch Lizenzierung der von ihnen pro­du­zier­ten Bilder zu ver­die­nen, wird vom Markt ver­schwin­den. Die meis­ten der neu­en Bilder wer­den von Amateuren gelie­fert, die mehr dar­an inter­es­siert sind, ihre Arbeit ande­ren zu zei­gen und „Likes“ zu erhal­ten, als genug zu ver­die­nen, um ihre Zeit und Kosten für die Herstellung der Bilder zu decken.

Für Bildproduzenten wird die Wirtschaftlichkeit des Geschäfts immer schwie­ri­ger. Angesichts der Zeit, der Kosten und des Aufwands für die Produktion und Vermarktung neu­er Bilder kön­nen die meis­ten Fotografen mehr ver­die­nen, wenn sie etwas ande­res tun.

Über den Autor:
Jim Pickerell ist seit über 50 Jahren als Stockfotograf und Macrostock‐Agentur‐Betreiber aktiv und betreibt seit über 20 Jahren den Stockfotografie‐Newsletter selling-stock.com.
Dieser Artikel ist eine Übersetzung die­ses Artikels mit freund­li­cher Genehmigung des Autors.

Podcast eines Fotoproduzenten Folge 25 – Interview mit Stockproduzent Lev Dolgachov (Syda Productions)

Zur Jubiläumsfolge gibt es wie­der einen pro­mi­nen­ten Gast: Lev Dolgachov hat mehr als eine Million Bilder bei Fotolia bzw. Adobe Stock ver­kauft und damit als einer von drei Fotografen welt­weit das Diamant‐Ranking erreicht. Auch bei Shutterstock dürf­te er mit sei­nen knapp 300.000 Dateien (Fotos und Videos) zu den Top 30 gehö­ren.

Lev hat (nicht nur wegen mir) den wei­ten Weg aus Tallinn in Estland auf sich genom­men, um mit mir im Podcast über den Aufbau sei­ner Produktionsfirma Syda Productions und sei­ne Erfahrungen in den 14 Jahren sei­ner Zeit in der Stockfotografie‐Branche zu reden.

Bitte bewer­tet den Podcast bei iTunes, wenn euch die Folge gefal­len hat. Ihr könnt den Podcast auch abon­nie­ren, damit ihr kei­ne Folge ver­passt:

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Der Podcast bei Spotify.

Portfolio‐Beispiele von Syda Productions:

SHOWNOTES:
Portfolio von Syda Productions bei Adobe Stock
Facebook‐Seite von Syda Productions
Instagram‐Feed von Syda Productions

Bildagentur EyeEm beendet Subventionierung von Bildverkäufen bei Getty Images

Gestern war wie­der Zahltag bei der Bildagentur EyeEm. Die Freude dar­über war jedoch getrübt, weil etli­che Fotografen über nied­ri­ge Centbeträge in ihren Abrechnungen erstaunt waren.

Das waren Fotografen bei EyeEm nicht gewohnt, denn in der Vergangenheit gab es fes­te Mindestvergütungen für Verkäufe über die Partneragentur Getty Images.

Verkaufsmeldung von EyeEm über Getty Images für 0,06 USD

Diese wur­den nie irgend­wo öffent­lich bekannt­ge­ge­ben, aber mit genug Verkäufen kann man die Zeitpunkte leicht her­aus­fin­den, wann die­se Mindestvergütungen gesenkt wur­den:

Mindestvergütungen an die Fotografen von Verkäufen aus der EyeEm‐Kollektion auf Getty Images:
bis ein­schließ­lich April 2016: 5 USD
ab Mai 2016: 3,50 USD
ab Juni 2016: 3 USD
ab November 2016: 2 USD
ab Juni 2018: 1 USD
ab Mai 2019: kei­ne Mindestvergütung

Das heißt, dass sich nun auch EyeEm‐Fotografen über die absurd nied­ri­gen Verkaufspreise bei Getty ärgern dür­fen. Mein neu­es Rekordtief liegt bei 0,06 USD pro Verkauf, ande­re Fotografen berich­te­ten gar von 0,03 USD‐Verkäufen.

Das ist für Fotografen, die via iStock oder auf über ande­re Kanäle bei Getty Images ver­kau­fen, nichts Neues. Fotografen von Macrostock‐Verteilern wie Westend61 oder Imagebroker ärgern sich schon deut­lich län­ger über teils ein­stel­li­ge Centbeträge in den Abrechnungen von Getty Images.

Bemerkenswerter war bis­her viel­mehr, dass EyeEm als eine der weni­gen Agenturen in der Lage war, trotz die­ser Preispolitik Mindestvergütungen zu garan­tie­ren. Wie sie das schaff­ten, wuss­te kei­ner, aber es war in der Bilderbranche ein offe­nes Geheimnis, dass das nur über Zuzahlungen aus eige­ner Tasche gehen könn­te.

So war es dann auch, wie EyeEm ges­tern in der inof­fi­zi­el­len Facebook‐Gruppe „EyeEm Market Worldwide“ durch deren CTO und Co‐Gründer Ramzi Rizk hier bekannt gab:

[…] Since the start, we made the decisi­on to sub­si­di­ze any pho­tos that were sold through third‐party part­ners for less than $2. We did this from our belief that your work should be com­pen­sa­ted fair­ly. Starting this month, we will no lon­ger sub­si­di­ze part­ner sales (sales of images on part­ne­ring pho­to plat­forms). This means that some of you will see sales under $1. As our sales through Getty and other part­ners increa­se, stop­ping sub­si­dies is the only sustainab­le way to con­ti­nue licen­sing through third par­ties.

Just as we did at the start of our jour­ney, we con­ti­nue to see this as an equal part­nership and are com­mit­ted to always pay you 50% of all reve­nues from your image sales. Our team’s main focus has been to impro­ve your oppor­tu­nities on EyeEm Market, whe­re we are able to con­trol the pri­ces and gua­ran­tee fair com­pen­sa­ti­on. Our Market is gro­wing at a very healt­hy pace, and as it grows, so will your sales. Many of you have alrea­dy seen royal­ties from tho­se sales gro­wing over the past mon­ths. […]“

Screenshot der infor­mel­len EyeEm‐Mitteilung

Warum hat EyeEm die Subventionierung beendet?

Wie im obi­gen Zitat tref­fend erwähnt wird, ist es natür­lich nicht nach­hal­tig und lang­fris­tig öko­no­mi­scher Selbstmord, wenn man mehr Geld an die Fotografen wei­ter­reicht, als ein­ge­nom­men wur­de. Je mehr Bilder von EyeEm bei Getty Images online sind, des­to grö­ßer wird das Problem.

Die Partnerschaft mit Getty Images wur­de im März 2014 kurz nach Bekanntgabe des eige­nen „EyeEm Market“ unter ande­rem hier ange­kün­digt, eben­so der Fotografenanteil von 50%. Dass vor die­sen Einnahmen jedoch noch der Getty‐Anteil abge­zo­gen wur­de, war vie­len Hobby‐Fotografen jedoch sehr lan­ge nicht bewusst. Der Getty‐Anteil ist nicht bekannt, wird bran­chen­in­tern jedoch auf 60–80% geschätzt.

Aktuell sind über 6,2 Mio. EyeEm‐Bilder bei Getty Images online (von aktu­ell ca. 25 Mio. Creative‐Bildern bei Getty Images ins­ge­samt), das sind schon 25% des gesam­ten Creative‐Bildbestands bei Getty und mit Abstand die größ­te Kollektion. Allein im letz­ten Jahr ist sie um fast zwei Mio. Bilder gewach­sen. Klar, dass da nicht mehr jeder Verkauf sub­ven­tio­niert wer­den kann. Viel span­nen­der ist jedoch die Frage:

Warum hat EyeEm überhaupt Verkäufe subventioniert?

EyeEm hat sich seit der Gründung Mitte 2011 haupt­säch­lich als „Foto‐Community“ gese­hen und ver­gli­chen sich eher mit Plattformen wie Flickr, Instagram oder 500px statt mit Shutterstock oder Fotolia. Der Verkaufsaspekt kam erst spä­ter und wur­de (und wird immer noch) eher stief­müt­ter­lich behan­delt.

Verkäufe waren für EyeEm vor allem ein wei­te­res Mittel, mehr Benutzer auf die Plattform zu locken, denn in der Tech‐Start‐Up‐Ökonomie sind die Kennzahlen vor allem Nutzer(-Zuwachs), Uploads und „Engagement“. Das Hashtag dafür war #EyeEmPaid, was sich jah­re­lang gut bei Twitter und Konsorten mach­te, solan­ge der Verkaufspreis nie nied­ri­ger als 5 (bzw. spä­ter 2) US‐Dollar war.

Man könn­te fast zynisch sagen, die Subventionierung der Verkäufe mit den dar­aus resul­tie­ren­den Jubelmeldungen war nichts ande­res als cle­ve­res Marketing.

Auch Artikel wie „How I made $10,000 on Eyeem Market“ oder „I made $1,254.93 in four mon­ths with #EyeEmPaid, do you want to know how?“, wel­che so oder ähn­lich jah­re­lang in der EyeEm App pro­mi­nent plat­ziert wur­den, lesen sich ange­sichts der Subventionierung gleich mit ganz ande­ren Augen.

Im April 2015 erhielt EyeEm von Finanzinvestoren ins­ge­samt 18 Mio. USD, was das groß­zü­gi­ge Aufrunden von Mini‐Beträgen natür­lich erleich­tert, aber auch so eine Summe ist irgend­wann auf­ge­braucht.

Übrigens: Auch die sehr umständ­li­che Handhabung der Modelverträge erscheint so in einem neu­en Licht: Beim Verschicken von Links an die Models wur­den die­se eben­falls moti­viert, sich bei EyeEm anzu­mel­den, um so das Wachstum zu näh­ren.

(Anynomisierte) auto­ma­ti­sche Email an ein Model nach Unterzeichnen des Modelvertrags (Pfeil von mir ein­ge­fügt)

Wie geht es weiter?

Die EyeEm‐Fotografen wur­den jetzt aus ihrer Traumblase geholt und lan­den auf dem har­ten Boden der Stock‐Realität. Sie sehen jetzt, für wie viel (bzw. genau­er gesagt: für wie wenig) Geld Getty Images ihre Bilder wirk­lich ver­kauft, trotz Listenpreisen von bis zu 475 Euro pro Bild.

Wenn wir die nied­rigs­te gemel­de­te Kommission von 0,03 USD als Rechenbeispiel neh­men, wäre das bei geschätz­ten 60–80% Getty‐Anteil ein Verkaufspreis von 15–30 US‐Cent pro Verkauf! Da fragt man sich schon, was für „maß­ge­schnei­der­te“ Abo‐Pakete Getty Images da den Großkunden als „Premium Access“ anbie­tet.

Was sagt ihr zu dem Ganzen?

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