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Emanzipation durch Bildagenturen?

Lange gal­ten Bildagenturen als reak­tio­nä­rer Hort ver­al­te­ter Bildklischees, die nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben. Wir spa­ren uns jetzt mal den Link auf den Haufen Tumblr-Blogs, die nichts ande­res machen, als „awk­ward stock pho­tos“ oder „Stock Photo Clichés“ zu sam­meln.

Der klas­si­sche Handschlag. Geht immer.

In letz­ter Zeit jedoch ver­su­chen Bildagenturen ver­mehrt, ihr Image als Hüter ver­al­te­ter Bildsprache abzu­strei­fen. Das geschieht auf zwei Arten.

Einerseits gibt es Bestrebungen, zu reak­tio­nä­re oder offen­si­ve Bildsprache nicht neu in das Agentur-Portfolio auf­zu­neh­men, ande­rer­seits wer­den Kampagnen gestar­tet, mit denen Bilder kre­iert wer­den sol­len, die näher an der Lebenswirklichkeit sind. Authentisch halt.

Als Beispiele für den ers­ten Trend kann zum Beispiel der Vorstoß von Shutterstock gel­ten, kei­ne Affenbilder in unna­tür­li­chen Posen mehr anzu­neh­men. Dazu zählt zum Beispiel das Tragen von Kleidung, Hüten oder Sonnenbrillen durch Menschenaffen, Aufnahmen die­ser Tiere in Studioumgebung oder aus dem Zirkus, das Zeigen unna­tür­li­cher Verhaltensweisen wie Tanzen oder das Händchenhalten mit Menschen.

Getty Images und iStock leh­nen seit einer Weile Nacktbilder ab, wenn sie zu kli­schee­haft, obszön, ste­reo­ty­pisch oder sexis­tisch sind. Der vol­le Wortlaut der Ablehnungen lau­tet:

Getty Images and iStock by Getty Images does accept artis­tic par­ti­al and full nudi­ty in pho­to­gra­phy. However, we reser­ve the right to reject/deactivate any image, inclu­ding images that we feel are cli­chéd, overtly ste­reo­ty­pi­cal, too expli­cit, ver­ge on the por­no­gra­phic, obs­ce­ne or rep­res­ents gen­der roles in a sexist man­ner. We may also reject/deactivate images in the­se cate­go­ries that we feel are not com­mer­ci­al­ly via­ble.“

Aus den Forumsberichten von Fotografen lässt sich schlie­ßen, dass damit zum Beispiel Bilder gemeint sind, auf denen Frauen unter­wür­fig dar­ge­stellt sind oder wo die Nacktheit nichts mit dem sons­ti­gen Bildinhalt zu tun hat. Beispielhaft sei hier das „Sexy Santa“-Klischee genannt, wo halb­nack­te Frauen mit Weihnachtsmütze auf dem Kopf einen Weihnachtsmann oder Weihnachtsengel dar­stel­len sol­len.

Um Bilder mit moder­ne­rer Bildsprache und dis­kri­mi­nie­rungs­frei­en Inhalten zu erhal­ten, gibt oder gab es eini­ge Kampagnen sei­tens der Bildagenturen. Getty Images star­te­te das Projekt „Repicturing Homelessness“, bei der Obdachlose als Models for Stockfotos her­hal­ten und die Verkaufserlöse gespen­det wer­den. Dem Branchenmagazin Horizont gegen­über sag­te Paul Foster, Senior Director Creative Content bei Getty Images:

Wir wis­sen, wie sehr Bilder zur Schaffung, aber auch zum Abbau von Stereotypen bei­tra­gen kön­nen und sehen die­se Zusammenarbeit als Chance, die der­zei­ti­ge Wahrnehmung zu hin­ter­fra­gen und das Bewusstsein für Obdachlose zu stär­ken.“

Außerdem arbei­te­te Getty Images 2017 mit der Campaign Against Living Miserably (CALM) zusam­men, um die Bildwelten rund um „men­ta­le Krankheiten“ neu zu den­ken.

Der letz­te Workshop von Adobe Stock in Berlin im November 2017 stand unter dem Motto „Frauen/Bilder“. Dort wur­den meh­re­re Plus Size-Models für das Shooting gebucht, um der „Body Positivy“ Rechnung zu tra­gen.

Eins der fer­ti­gen Bilder  aus dem Frauen|Bilder-Workshop von Adobe Stock (Foto: Fabio/Adobe Stock)

Auch Shutterstock hat den Kampf um Frauenrechte und fri­sche Bilder dazu als einen der „Creative Trends“ für 2018 aus­ge­macht. Passend dazu ist „Masculinity Undone“ einer der visu­el­len Trends 2018 laut Getty Images.

Die Münchner Bildagentur Westend61 fei­ert für die­ses Jahr die Rückkehr der „Lohas“ (Lifestyles of Health and Sustainability) mit sau­be­rer Technik und ethi­schem Konsum in ihrem Trendreport.

Die Zeiten, in denen ein Motiv als „out“ galt, sobald es sich in den Bildagenturen durch­ge­setzt hat, sind vor­bei. Die Agenturen ach­ten dar­auf, den Anschluss an moder­ne Bildsprachen nicht zu ver­lie­ren oder die­se sogar gleich selbst mit­zu­prä­gen. Ob das gelingt, wird sich zei­gen.

Irgendwas mit Blockchain: Kodak, Photochain und der Hype

Hauptsache irgend­was mit Blockchain: Spätestens seit­dem der Kurs der digi­ta­len Kryptowährung Bitcoin im Jahr 2017 um über 1300% gestie­gen ist und zig ähn­li­che Digitalwährungen um die Gunst der Investoren buh­len, sind die Entwickler dazu über­ge­gan­gen, dass hin­ter der Bitcoin ste­hen­de Konzept der Blockchain auch auf ande­re Wirtschaftsbereiche zu über­tra­gen.

So gibt es schon Versuche, die Blockchain für ein­ver­nehm­li­chen Sex zu nut­zen und eben auch Versuche, die Blockchain als Methode ein­zu­set­zen, um den Bildermarkt (wie­der mal) zu revo­lu­tio­nie­ren, indem die Verkäufe in einer Blockchain ein­ge­schrie­ben wer­den.

Besonderes Aufsehen erreg­te hier vor paar Tagen die alte Filmfirma Kodak, die ihre Felle wegen der Digitalfotografie längst davon­schwim­men sah und nun laut „Blockchain“ schrie, damit ihr Aktienkurs am Tag der Ankündigung um mehr als 119 Prozent stieg.

Etwas weni­ger beach­tet wur­de die Ankündigung der Firma Photochain, die qua­si fast das Gleiche wie Kodak vor­hat: Einfach mal eine digi­ta­le Währung aus dem Boden stamp­fen, mit der Fotografen dann ihre Bilder ver­kau­fen sol­len. Hier noch kom­bi­niert mit ande­ren Technik-Buzzwords wie KI (Künstliche Intelligenz).

Grundsätzlich hal­te ich es für eine gute Idee, wenn ver­sucht wird, das typi­sche Microstock-Problem zu lösen: Wie kann ange­sichts der vie­len hun­dert­tau­send Lizenzierungen erkannt wer­den, ob ein Microstock-Bild (vor allem im Internet) legal genutzt wird oder nicht?

Doch sowohl der Ansatz von Kodak als auch der von Photochain offen­ba­ren tief­lie­gen­de Verständnismängel der Bilderbranche. Das fängt bei Kleinigkeiten an wie fal­schen Berechnungen der Fotografen-Kommissionen im Whitepaper bis hin zu gro­ßen Löchern in der Erklärung, war­um Fotografen es erstre­bens­wert hal­ten soll­ten, noch nied­ri­ge­re Kundenpreise als ohne­hin schon mit durch­zu­set­zen, wie es Photochain ver­spricht.

Auch wenn ich eini­ge Ansätze im Prinzip nach­voll­zie­hen kann, haben weder Kodak noch Photochain ansatz­wei­se Antworten auch wich­ti­ge Fragen:

  • Welche Vorteile soll­ten Kunden vom Blockchain-Modell haben?
  • Wieso soll­te es ein­fa­cher sein, Bilder mit­hil­fe einer digi­ta­len Kunstwährung zu kau­fen, die erst kon­ver­tiert wer­den muss und stark im Wert schwan­ken kann?
  • Was nützt es einem Fotografen zu wis­sen, dass eine Bildnutzung unrecht­mä­ßig ist, wenn er sie (zum Beispiel in asia­ti­schen oder ost­eu­ro­päi­schen Ländern) nicht ver­fol­gen las­sen kann?
  • Welche Anreize haben Fotografen, ihre Bilder über ein Blockchain-Modell anzu­bie­ten?
  • Wie soll das tech­nisch funk­tio­nie­ren? Wo lan­den die Bilder, wie sol­len deren enor­men Datenmengen gehand­habt wer­den?
  • Selbst wenn ein Verkauf in der Blockchain regis­triert ist, woher soll ein Fotograf erken­nen, ob eine bestimm­te Webseite das Foto lizen­ziert hat oder es nicht von einer ande­ren Webseite kopiert ist, wenn Käufer anonym blei­ben?
  • Wieso wird davon gere­det, die „Mittelsmänner“ unnö­tig zu machen, wenn doch wie­der die „Blockchain“-Firma als Mittelsmann agie­ren (und Prozente neh­men) will?

Ich könn­te noch ewig so wei­ter­ma­chen, aber es zeigt, dass aktu­ell die Ankündigungen, mit einer Blockchain die Fotografiewelt revo­lu­tio­nie­ren zu wol­len, vor allem eins sind: Der Versuch, mit einem gehyp­ten Buzzword das Geld unwis­sen­der Investoren zu schef­feln, bevor die Idee an den Widrigkeiten der Praxis schei­tert.

Nachtrag 13.01.2018:
Zwei wei­te­re Firmen, die ger­ne „irgend­was mit Blockchain und Bildrechten“ machen wol­len und dafür per ICO Geld sam­meln, sind Copytrack und IPStock.

Die 15 Bildertrends-Bestseller von Westend61 in 2016

Anfang letz­ten Jahres hat­te die Bildagentur Westend61 (Platz 8 mei­ner Bildagentur-Auswertung) fünf zukünf­ti­ge Trends vor­ge­stellt, wel­che in den nächs­ten Monaten visu­ell nach­ge­fragt wür­den: Nonkonformität, Science-Reality, Achtsamkeit, Mobilität und YOUNIVERSE.

Eine genaue Umschreibung die­ser visu­el­len Trends könnt ihr hier im Bilderheimat-Blog der Agentur nach­le­sen.

Jetzt nach Ablauf des Jahres möch­te ich die jeweils drei Topseller der Bereiche vor­stel­len, damit ihr eine Vorstellung davon bekommt, wel­che Themen und Bildsprachen aktu­ell gefragt sind:

  1. Nonkonformität:
    © Rainer Holz / Westend61
    © TeKa / Westend61
    © Team-Up / Westend61

    Individuelle Typen, unge­wöhn­li­che Perspektiven oder Abkehr vom Mainstream-Konsum: Alles dabei.

  2. Science-Reality
    © Mareen Fischinger / Westend61
    © zero­crea­ti­ves / Westend61
    © Florian Küttler / Westend61

    Wie sind Tablet-PCs und ande­re Bildschirme in der Praxis ange­kom­men? Die bes­ten Beispiele ver­kau­fen sich gut.

  3. Achtsamkeit
    © Reiner Berg / Westend61
    © Uwe Umstätter / Westend61
    © Mareen Fischinger / Westend61

    Rückbesinnung auf das, was einem selbst gut tut: Gesundheit, Zeit für die Familie oder den Partner: Solche Bilder sind gefragt.

  4. Mobilität
    © Rainer Berg / Westend61
    © Uwe Umstätter / Westend61
    © Rik Rey / Westend61

    Ob Auto, Fahrrad oder Umzugswagen: In Bewegung blei­ben, fle­xi­bel sein und sich wohl füh­len dabei, dar­auf kommt es an.

  5. YOUNIVERSE
    © Rainer Berg / Westend61
    © Uwe Umstätter / Westend61
    © Jo Kirchherr / Westend61

    Das trau­te Familienglück hat­te schon in den 1950er Jahren einen hohen Stellenwert und dabei ist es immer geblie­ben: Familie und Eltern mit ihren Kindern ste­hen bei Bildkäufern nach wie vor hoch im Kurs.

Auffällig ist, dass sich bei vie­len die­ser Bestseller sogar zwei oder mehr der genann­ten Trends im Bild wie­der­fin­den: Das letz­te Bild zum Beispiel könn­te neben dem YOUNIVERSE auch in den Kategorien Achtsamkeit oder Science-Reality lan­den.

Bei vie­len Bildern ist auch der Freiraum groß­zü­gig bemes­sen, sodaß Kunden noch Platz für Logos, Text oder ande­re Gestaltungselemente haben. Gegenlicht wird ger­ne genom­men und meist schau­en die Models auch nicht in die Kamera.

Fallen euch sonst noch Gemeinsamkeiten der Bestseller auf?

Warum gute Stockfotos immer auch Klischees sind

Es ist so leicht, sich über Stockfotos lus­tig zu machen: Der Handschlag zwi­schen zwei dyna­mi­schen Geschäftsleuten, die glück­li­chen Eltern mit ihren bei­den lachen­den Kindern auf dem Rücken oder der klei­ne Goldfisch, der aus dem einen run­den Aquarium in das ande­re springt.

2014_tanja_ralf_business_054_0175_kleinJeder kennt die­se Bilder, bun­te Farben, weich belich­tet, schö­ne Models, kei­ne Sorgen. Die Frage, die sich vie­len anschei­nend unwei­ger­lich stellt, ist, war­um es immer genau die­se Fotos sein müs­sen, um wirk­lich alles Mögliche zu bebil­dern?

Könnten die Fotografen nicht etwas krea­ti­ver sein und sich ande­re Konzepte, Zeichen und Symbole aus­den­ken, damit danach auch die Grafiker und Werber abwechs­lungs­rei­che­res Bildmaterial zur Auswahl haben? Stattdessen gibt es den immer glei­chen Einheitsbrei aus gebleich­ten Zähnen, rei­ner Haut und Wohlfühlwelten.

Dabei ist die Frage ganz falsch gestellt. Zumindest aus Sicht eines erfolg­rei­chen Stockfotografen.

Machen wir uns doch nichts vor: Bei über 100 Millionen bil­li­gen Stockfotos zur Auswahl gibt es genug Motive abseits des Mainstream, mit denen Grafiker auch abge­fah­re­ne­re Ideen illus­trie­ren könn­ten.

Ich behaup­te: Die meis­ten sind nur zu faul zum Suchen. Oder zu gei­zig. Denn neben den bil­li­gen Microstockagenturen gibt es ja immer noch die Macrostockagenturen mit ganz ande­ren Bildsprachen und deut­lich weni­ger häu­fig ver­wen­de­ten Bildern. Selbst die Microstock-Agenturen haben mit Kollektionen wie Offset oder Adobe Premium vie­le Edel-Bilder mit einem ganz ande­ren Look im Angebot. Nur kos­ten die­se eben auch mehr.

Das Geld ist hier der sprin­gen­de Punkt. Für Fotografen loh­nen sich Stockfotos umso mehr, je häu­fi­ger sich die Bilder eines Shootings ver­kau­fen. Damit die Voraussetzungen dafür gege­ben sind, ver­su­chen sie, die Bilder so uni­ver­sell wie mög­lich zu hal­ten, damit sie unab­hän­gig von Sprachbarrieren, Ländergrenzen oder Kulturen funk­tio­nie­ren.

Die Stockfotografie-Klischees, über die sich Leute ger­ne lus­tig machen, funk­tio­nie­ren eben nur, weil die Stockfotografen ihre Arbeit gut gemacht haben. Nur uni­ver­sel­le Verwendungsmöglichkeiten brin­gen höchst­mög­li­che Verkäufe, die wie­der­um als Nebeneffekt eine gewis­se Sättigung ein­tre­ten las­sen, sodass Designer irgend­wann genervt sind, das nächs­te „Frau mit Headset im Callcenter“, Rebecca Ariane  Givens oder „Frau isst Salat“-Motiv zu sehen.

Das glei­che gilt übri­gens für das Argument der „Langeweile“. Erfolgreiche Stockfotos sind oft lang­wei­lig, weil „auf­re­gend“ oder „span­nend“ pola­ri­sie­ren kann, was wie­der­um bedeu­tet: Kunden abschre­cken kann.

Das eine geht nicht ohne das ande­re. Wenn ein Motiv oder eine bestimm­te Bildsprache so über­zeugt, dass sich ganz vie­le Kunden dar­auf stür­zen, wird die­ses Motiv oder die­ser Look irgend­wann zum Klischee wer­den. Bis dahin wird sich das Motiv blen­dend ver­kau­fen und die Stockfotografen von ihrer Arbeit leben kön­nen.

Wenn ein Grafiker par­tout etwas „ganz Anderes“ oder im wört­li­chen Sinne „noch nie Dagewesenes“ ver­wen­den will, muss er eben in den sau­ren Apfel bei­ßen und etwas mehr Geld aus­ge­ben, zum Beispiel, indem er einen krea­ti­ven Fotografen beauf­tragt.

Über zehn Jahre Microstock haben bei Designern die Erwartungshaltung geweckt, dass sich tech­nisch per­fek­te Motive mit tol­len Models und pas­sen­den Requisiten schnell für weni­ge Euro fin­den las­sen. Dieses System funk­tio­niert aber nur, wenn die Designer gleich­zei­tig ver­ste­hen, dass der Preis für die­se Schnäppchen eben eine wei­te­re Verbreitung der immer glei­chen kli­schee­haf­ten Motive ist. Denn es liegt auf der Hand: Ein auf­wän­di­ges Shooting kos­tet deut­lich mehr als die 2–3 Euro, die ein Bild in Webauflösung kos­tet. Da müs­sen schon vie­le Verkäufe zusam­men­kom­men, um die Kosten wie­der rein­zu­ho­len.

Ich habe kein Problem, dass ich mei­ne Bilder unter dem Herstellungspreis ver­kau­fe, solan­ge sich genug Verkäufe sum­mie­ren. Dann soll­ten sich Designer jedoch mit Spot über die häu­fi­ge Verbreitung der Bestseller-Motive zurück­hal­ten. Oder ein­fach mehr bezah­len.

Was meint ihr?

Neues von der Photokina 2016: VR, 3D, 360° und mehr

Nachdem ich für euch stun­den­lang auf­merk­sam durch die Hallen der Photokina geti­gert bin, um span­nen­de Produktneuheiten zu ent­de­cken, möch­te ich euch mei­ne Funde vor­stel­len, damit ihr noch vor dem Ende der Messe gege­be­nen­falls selbst bei den Ständen vor­bei­schau­en könnt, die euch inter­es­sie­ren.

Auffällig vie­le Neuheiten gab es bei den Themenbereichen Virtual Reality und 360°-Fotos und -Videos. Es gab auch eini­ge Drohnen-Anbieter etc., aber da ich davon kei­ne Ahnung habe, kann ich dazu lei­der wenig sagen.

photokina_2016_img_5265Als die „Kamera mit der höchs­ten Auflösung“ für 360°-Fotos (108 MP) wur­de die Panono-Kamera (Halle 9, A023) bewor­ben, die wie ein run­der Ball mit vie­len Löchern aus­sieht und für knapp 1500 Euro erhält­lich ist. Die Berechnung der Panoramen erfolgt cloud­ba­siert über den Server der Firma, genaue­re Angaben zum Datenschutz konn­te der Stand-Mitarbeiter außer „die Bilder sieht kei­ner“ lei­der nicht machen.

Sogar 360°-Videos (und -Fotos) hin­ge­gen kann die Vuze-Kamera, (Halle 9, B014) wel­che damit wirbt, beson­ders klein und bedie­nungs­freund­lich zu sein. Macht auf jeden Fall einen guten Eindruck.

Besonders für das 360°-Live-Streaming geeig­net sein soll die Orah-Kamera 4i (Halle 9, B033), wel­che ab Ende des Jahres für ca. 3600 USD ver­füg­bar sein soll.

Als 360°-Action-Cam ver­mark­tet sich die Aleta-Kamera (Halle 9, C037a).

Einen ande­ren Weg geht die Firma Freedom360 (Halle 9, A050), wel­che ver­schie­de­ne Mounts und Stative anbie­tet, mit denen ent­we­der 6 GoPro-Kameras für 360°-Aufnahmen pas­send ange­ord­net wer­den kön­nen und damit bis zu 8K-Videos mög­lich sind. Oder es gibt Mounts mit modi­fi­zier­ten GoPro-Kameras mit offe­nen Ports, die für Live-Streaming gedacht sind. Für die neue GoPro Hero 5 wer­den die Gehäuse bald ange­passt.

Neue GoPro? Ja, die GoPro Hero 5 (Halle 9, A020) ist eben­falls ohne extra Gehäuse bis zu 10 Metern was­ser­dicht, kann RAW-Fotos, sowie Wide-Dynamic-Range-Videos auf­neh­men, hat eine ein­ge­bau­te Bildstabilisierung und kann Sprachkommandos in sie­ben Sprachen ver­ste­hen.

Um die gan­zen 360°-Aufnahmen sinn­voll nut­zen zu kön­nen, bie­tet Pano2VR (Halle 9, A050) die Möglichkeit, aus dem Material inter­ak­ti­ve 360°-Touren zu machen.

sharea­li­ke (Halle 9, Stand B050) ver­spricht hin­ge­gen, aus nor­ma­len 2d-Fotos, eine 3D-Slideshow zu erstel­len für Virtual Reality-Geräte, indem die Bilder über ein VR-Video mon­tiert wer­den.

Für Unterwasseraufnahmen ist die Marina Grade X2 Action-Kamera von Intova (Halle 9, B032) gedacht, wel­che ein was­ser­dich­tes Gehäuse und im Gegensatz zur GoPro zusätz­lich ein 150 Lumen-Licht gleich mit ein­ge­baut hat. Kostenpunkt ca. 349 USD.

Eine simp­le, mecha­ni­sche 3-Achsen-Stabilisierung bie­tet der solidLUUV (Halle 9, B050) Stabilisator für 249 Euro, zusätz­lich gibt es mit dem Action Gimbal für 299 Euro noch den leich­tes­ten Gimbal auf dem Markt. Zusammen kön­nen bei­de zum „ultraLUUV ACTION“ kom­bi­niert wer­den.

Etwas spie­le­ri­scher ist der Adapter Kúla (Halle 5.2, F020), wel­cher bei einer DSLR vor das Objektiv gehal­ten wird, um ste­reo­sko­pi­sche Bilder zu erzeu­gen. Kostenpunk ca. 179 USD. Ein Adapter für Smartphones ist in Arbeit.

Produktfotografen inter­es­siert viel­leicht das foldio360 (Halle 9, B050), ein klei­ner Drehtisch mit inte­grier­tem Licht für ca. 139 USD, wel­cher in Kombination mit einem Smartphone 360°-Bilder auf­neh­men kann. Die per­fek­te Ergänzung ist das Foldio2 für ca. 75 USD, ein klei­nes, leich­tes falt­ba­res Studio mit eben­falls inte­grier­tem Licht.

Wer ger­ne „Tethered Shooting“ macht, also sei­ne Kamera kabel­ge­bun­den fern­aus­löst, soll­te sich das Programm „Kuuvik Capture 2″ mal anschau­en, wel­ches zahl­rei­che Einstellungsmöglichkeiten von Schärfekontrolle, Focus Pulling, Hilfslinien und Live-View für meh­re­re Kameras gleich­zei­tig. Aktuell ist die Software lei­der nur für den Mac ab OS X 10.10 oder höher erhält­lich.

Wer hin­ge­gen sei­ne Kamera lie­ber mit dem Smartphone steu­ert, fin­det viel­leicht Unleashed von foo­lo­gra­phy (Halle 4.1, G039) span­nend. Das ist eine DSLR-Fernsteuerung für Smartphones mit vie­len Einstellungsmöglichkeiten.

Beeindruckt hat mich auch das LensTrue-System (Halle 2.1, B031) von Jobo. Damit ist eine auto­ma­ti­sche Perspektivkorrektur mög­lich, ohne beson­de­re Objektive und sogar ein vir­tu­el­ler Perspektivwechsel. Die Bildqualität soll bes­ser als mit Tilt-Shift-Objektiven sein und im Gegensatz zur auto­ma­ti­schen Entzerrung mit­tels Software kei­ne senk­rech­ten Linien ent­hal­ten.

Eine Möglichkeit, ein Bild über meh­re­re Leinwände hin­weg („Multi Canvas“) bequem online zu bestel­len, bie­tet Sunpics von Adigitalbook (Halle 9, Stand C040). Leider ist das System noch nicht für Endkunden zugäng­lich.

Die meis­ten Fotografen wer­den zwei Kameras zu Hause haben und even­tu­ell einen Beamer zu Hause haben. 3Digify (Halle 9, Stand B050) macht dar­auf einen 3D-Scanner, wel­cher OBJ-Dateien inklu­si­ve Maps (Normal, Textur, Displacement) erzeugt. Kostenpunkt sind 10 Euro pro expor­tier­tem Modell oder eine Jahreslizenz von 5000 Euro für unbe­grenz­te Exporte.

Kennt ihr von frü­her die­se „Wackelbilder“, zum Beispiel auf Linealen? Diese Technik nennt sich Lenticular und auf der Photokina fin­det ihr in Halle 9, Stand E036 die Firma Zenith, wel­che euch mit den nöti­gen Materialen, Geräten und der Software ver­sorgt, um selbst sol­che Bilder mit 3D-Effekt zu erstel­len.

Wer oft Probleme mit Bilderklau hat, kann bei den bei­den Firmen PhotoClaim oder LaPixa (bei­de Halle 9, B050) vor­bei­schau­en, wel­che ver­spre­chen, Urheberrechtsverletzungen im Auftrag von Fotografen zu ahn­den. Leider wackeln die Versprechen schnell, wenn es kon­kret wird, zum Beispiel bei Ländern wie Italien oder Microstock-Motiven.

Viele ver­schie­de­ne Retusche-Services bie­tet die Firma Purple Key (Halle 4.1, C019) aus London an. Das Auslagern eini­ger sol­cher Arbeiten kann vor allem für Stockfotografen ganz inter­es­sant sein.

Welche Neuigkeiten haben euch auf der pho­to­ki­na am meis­ten fas­zi­niert?