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Mein Rückblick auf die Photokina 2018 – Neuigkeiten und Trends

Mittlerweile war ich fast drei kom­plet­te Tage auf dem Messegelände unter­wegs (laut Schrittzähler ca. 15 km), um für euch die span­nends­ten, kurio­ses­ten oder ander­wei­tig inter­es­san­ten Messe‐Funde der pho­to­ki­na zu prä­sen­tie­ren.

Dabei kon­zen­trie­re ich mich auf die vie­len klei­ne­ren Anbieter, denn die Neuheiten von Firmen wie Canon (spie­gel­lo­ses EOS‐R‐System), Nikon (spie­gel­lo­se Z‐Serie) oder Leica (L‐Mount Alliance) könnt ihr auch aus­führ­lich woan­ders lesen.

Fangen wir mit einer lus­ti­gen Neuheit an: Heizdecken für Hunde gibt es schon län­ger, nun aber auch für Objektive. Der „Lens Heater 360 II“ von Vixen soll das Objektiv wär­men, um stö­ren­de Kondensation zu ver­hin­dern, wel­che zum Beispiel Langzeitaufnahmen oder Naturfotos beein­träch­ti­gen könn­ten.

Ein coo­les LED‐Panel namens „Magic Lights“ stellt die Firma Misonics vor. Das ist stan­dard­mä­ßig ein qua­dra­ti­sches Dauerlicht‐Panel, aber mit einem Loch in der Mitte für die Kamera, um eine schat­ten­freie Ausleuchtung zu erhal­ten. Zusätzlich kön­nen „Augenreflex‐Platten“ in ver­schie­de­nen Formen wie Herz, Schneeflocke oder Stern ein­ge­setzt wer­den (sie­he Foto), um die­se Reflexionen im Auge bei Portraits zu erhal­ten. Wer will, kann auch eine kreis­för­mi­ge Platte nut­zen, um den klas­si­schen Ringlicht‐Effekt zu erzie­len.

Netbooks, Ultrabooks und ande­re neue Geräte wer­den immer klei­ner und leich­ter, was lei­der auf Kosten der vor­han­de­nen Anschlüsse geht. Von Icy Box gibt es eini­ge neue Docking‐Stationen*, mit denen die Geräte wie­der mehr USB‐, Monitor‐, LAN‐ und ande­re Anschlüsse bekom­men.

Von der chi­ne­si­schen Firma AFI gibt es eini­ge klei­ne, kom­pak­te Helferlein, zum Beispiel den 360°-Panoramakopf MRP01*, mit dem ein­fach Panoramafotos oder -vide­os mit dem Handy mög­lich sind. Zeitraffer sind damit ent­ge­gen Eigenaussage jedoch nicht mög­lich, dafür wäre nur der MRA01* geeig­net, der wahl­wei­se 90°, 180° oder 360° in 15, 30 oder 60 Minuten rotie­ren kann. Von der glei­chem Firma gibt es auch einen sehr klei­nen moto­ri­sier­ten Dolly PPL‐06s*, der bis zu vier Kilo fah­ren kön­nen soll und sich in 5 Geschwindigkeiten bewe­gen kann, wahl­wei­se gera­de­aus oder in Kurven.

Von eini­gen asia­ti­schen Firmen habe ich soge­nann­te „Nina Reflektoren“ gese­hen, die sehr nütz­lich sind, um beim Fotografieren auf oder durch Glas Reflexionen zu ver­mei­den. Ein Anbieter ist zum Beispiel Yoshimi Camera, die den falt­ba­ren „Ninja reflec­tor“ mit einem Durchmesser von 50cm anbie­ten. Wird nicht die schwar­ze, son­dern wei­ße Seite benutzt, eig­net er sich als pas­si­ver Aufheller von vor­ne, ähn­lich wie der Round Flash, nur noch kom­pak­ter und ohne akti­ves Licht. Für Vielflieger soll es den Reflektor in weni­gen Monaten auch recht­eckig geben, um bei Fotos aus dem Flugzeugfenster nicht sicht­bar zu sein.Kodak stellt eine neue „PixPro 360 Pivot“-Kamera vor, die wahl­wei­se 360°-Videos oder auf­ge­klappt 180°-3D-Videos auf­neh­men kann.

Drohnen‐Fans auf­ge­passt: Für die 360°-Kamera Insta360One gibt es eine Halterung für die Mavic Pro, die über oder unter der Drohne befes­tigt wer­den kann, um flie­gen­de 360°-Aufnahmen machen zu kön­nen.

Eine güns­ti­ge Alternative zu den Systemblitzen bie­tet der Pixel X900Pro* (hier gleich zwei mit Funkauslöser) mit der Leitzahl 60, der auch ein inte­grier­tes LED‐Einstelllicht mit­bringt.

 

Beim „Removu K1″ der Firma Removu hin­ge­gen ist die 4K‐Kamera im Gimbal gleich mit ein­ge­baut, was die Kombination klei­ner und leich­ter macht.

Wer Foto‐Hintergründe auf Stoff dru­cken las­sen will, kann sich bei Achte dis­play sys­tem sei­ne eige­nen Motive auf bis zu 5x3m dru­cken las­sen.

Wer eine Methode zum schnel­len Befestigen und Wechseln sei­ne Hintergründe sucht, könn­te das „Magna‐fix“-System der Firma Click Props span­nend fin­den. Dieses besteht aus acht Metallplatten zum Befestigen an der Wand und 4 star­ken Industrie‐Magneten, wel­che dann Stoff, Papier oder ande­re Hintergründe dar­auf fixie­ren kön­nen.

Moza stellt das Gimbal „Mini‐MI“* zur Stabilisierung von Handy‐Aufnahmen vor, mit dem Clou, dass kabel­lo­ses Laden des Smartphones mög­lich ist, sofern das Handy das unter­stützt. Da die Live‐Previews ganz schön Akku sau­gen, eine nütz­li­che Funktion.

Wo wir gera­de über Gimbals reden, darf die Erwähnung der neu­en Version des DJI-Gimbals, dem „Osmo Mobile 2″* nicht feh­len. Der kann nun unter ande­rem Instagram‐Story‐kompatibel auch im Hochformat fil­men und hat eine deut­lich län­ge­re Akkulaufzeit als die ers­te Version und ist kom­pak­ter zusam­men­klapp­bar. Das Gimbal selbst soll auch als Akku‐Powerbank für das Smartphone die­nen kön­nen, lei­der aber nicht wäh­rend der Aufnahme.

Wer viel Akku‐Power braucht, fin­det ver­mut­lich die neu­en Ladegeräte von Omnicharge span­nend. Das „Omni 20″* bzw. die klei­ne­re Version „Omni 13″* bie­ten eine sehr leis­tungs­star­ke Powerbank mit Steckdosen‐Eingang für das Laden von Laptops oder ande­ren Stecker‐Geräten sowie 2 USB‐Ports. Das zeit­glei­che Aufladen der Powerbank und ange­schlos­se­nen Geräten ist mög­lich. Die „Omni 20 USB‐C“-Variante* kann je nach Laptop sogar das exter­ne Netzteil erset­zen und fun­giert zusätz­lich als USB‐C‐Hub zur Datenübertragung zwi­schen zwei ange­schlos­se­nen Geräten.

Die deut­sche Firma ewa‐marine bie­tet eine gro­ße Auswahl an Unterwassergehäusen* für Kameras, vom Smartphone, über DSLR bis hin zu Video‐Camcordern.

Der Stativ‐Hersteller Novoflex hat sei­nen Qleg‐Wanderstock ver­bes­sert. Die neue Version „Qleg III“ ist nun falt­bar und kann wie gewohnt sowohl als Wanderstock als auch als Einbeinstativ oder in Kombination mit wei­te­ren Wanderstöcken/Stativbeinen als Dreibeinstativ ver­wen­det wer­den.

Von Hoodman gibt es jetzt auch ein knal­l­oran­ge­nes Absperrband, mit dem mar­kiert wer­den kann, dass Drohnen im Bereich unter­wegs sind.

Zum Schluss wie­der ein lus­ti­ges Gimmick: Der ori­gi­na­len Lensball* von Rollei gibt es nun auch mit 110mm Durchmesser. Damit las­sen sich krea­ti­ve Aufnahmen machen, bei der die Welt Kopf steht und je nach Inspiration sicher eini­ges mehr.

Wie wirkte die Photokina abseits der konkreten Produktneuheiten?

 

Das „klas­si­sche Fotografieren“ ist auf der Photokina schon lan­ge ins Hintertreffen gera­ten: Action‐Cams, 360°, VR und Video domi­nie­ren die Messe. Mit der „Digility“ ist zeit­gleich als Parallelmesse erst­mals eine extra‐Messe nur für VR‐ und AR‐Anwendungen ins Leben geru­fen wor­den.

Waren letz­tes Mal noch LEDs das beherr­schen­de neue Element, so waren es die­ses Jahr far­bi­ge LEDs, die einem in allen Farben und Formen, vor allem aber als Dauerlicht‐Softboxen, ins Auge spran­gen.

Bildstabilisierung war im Gegensatz zur letz­ten Messe kei­ne Nachricht mehr, son­dern wur­de ein­fach über­all ein­ge­baut, wo es nur ging.

Auf etli­chen Bühnen gab es, lei­der manch­mal zeit­gleich, hoch­ka­rä­ti­ge Vorträge, die in den lau­ten Hallen mit wenig Sitzgelegenheiten manch­mal etwas schwer zu ver­fol­gen, oft aber ihre Zeit wert waren.

Vier Besucher der Photokina 2018 spie­len mit VR‐Brillen vir­tu­ell Tischfußball.

Insgesamt hat sich die Photokina etwas ver­klei­nert. Mit 812 Ausstellern waren ca. 17% weni­ger als 2016 dabei, die Besucherzahl sank um ca. 5% auf unge­fähr 180.000 Besucher.

Die nächs­te Photokina wird schon in ca. einem hal­ben Jahr vom 8.–11.5.2019 in Köln statt­fin­den.

 

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Emanzipation durch Bildagenturen?

Lange gal­ten Bildagenturen als reak­tio­nä­rer Hort ver­al­te­ter Bildklischees, die nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben. Wir spa­ren uns jetzt mal den Link auf den Haufen Tumblr‐Blogs, die nichts ande­res machen, als „awk­ward stock pho­tos“ oder „Stock Photo Clichés“ zu sam­meln.

Der klas­si­sche Handschlag. Geht immer.

In letz­ter Zeit jedoch ver­su­chen Bildagenturen ver­mehrt, ihr Image als Hüter ver­al­te­ter Bildsprache abzu­strei­fen. Das geschieht auf zwei Arten.

Einerseits gibt es Bestrebungen, zu reak­tio­nä­re oder offen­si­ve Bildsprache nicht neu in das Agentur‐Portfolio auf­zu­neh­men, ande­rer­seits wer­den Kampagnen gestar­tet, mit denen Bilder kre­iert wer­den sol­len, die näher an der Lebenswirklichkeit sind. Authentisch halt.

Als Beispiele für den ers­ten Trend kann zum Beispiel der Vorstoß von Shutterstock gel­ten, kei­ne Affenbilder in unna­tür­li­chen Posen mehr anzu­neh­men. Dazu zählt zum Beispiel das Tragen von Kleidung, Hüten oder Sonnenbrillen durch Menschenaffen, Aufnahmen die­ser Tiere in Studioumgebung oder aus dem Zirkus, das Zeigen unna­tür­li­cher Verhaltensweisen wie Tanzen oder das Händchenhalten mit Menschen.

Getty Images und iStock leh­nen seit einer Weile Nacktbilder ab, wenn sie zu kli­schee­haft, obszön, ste­reo­ty­pisch oder sexis­tisch sind. Der vol­le Wortlaut der Ablehnungen lau­tet:

Getty Images and iStock by Getty Images does accept artis­tic par­ti­al and full nudi­ty in pho­to­gra­phy. However, we reser­ve the right to reject/deactivate any image, inclu­ding images that we feel are cli­chéd, overtly ste­reo­ty­pi­cal, too expli­cit, ver­ge on the por­no­gra­phic, obs­ce­ne or rep­res­ents gen­der roles in a sexist man­ner. We may also reject/deactivate images in the­se cate­go­ries that we feel are not com­mer­ci­al­ly via­ble.“

Aus den Forumsberichten von Fotografen lässt sich schlie­ßen, dass damit zum Beispiel Bilder gemeint sind, auf denen Frauen unter­wür­fig dar­ge­stellt sind oder wo die Nacktheit nichts mit dem sons­ti­gen Bildinhalt zu tun hat. Beispielhaft sei hier das „Sexy Santa“-Klischee genannt, wo halb­nack­te Frauen mit Weihnachtsmütze auf dem Kopf einen Weihnachtsmann oder Weihnachtsengel dar­stel­len sol­len.

Um Bilder mit moder­ne­rer Bildsprache und dis­kri­mi­nie­rungs­frei­en Inhalten zu erhal­ten, gibt oder gab es eini­ge Kampagnen sei­tens der Bildagenturen. Getty Images star­te­te das Projekt „Repicturing Homelessness“, bei der Obdachlose als Models for Stockfotos her­hal­ten und die Verkaufserlöse gespen­det wer­den. Dem Branchenmagazin Horizont gegen­über sag­te Paul Foster, Senior Director Creative Content bei Getty Images:

Wir wis­sen, wie sehr Bilder zur Schaffung, aber auch zum Abbau von Stereotypen bei­tra­gen kön­nen und sehen die­se Zusammenarbeit als Chance, die der­zei­ti­ge Wahrnehmung zu hin­ter­fra­gen und das Bewusstsein für Obdachlose zu stär­ken.“

Außerdem arbei­te­te Getty Images 2017 mit der Campaign Against Living Miserably (CALM) zusam­men, um die Bildwelten rund um „men­ta­le Krankheiten“ neu zu den­ken.

Der letz­te Workshop von Adobe Stock in Berlin im November 2017 stand unter dem Motto „Frauen/Bilder“. Dort wur­den meh­re­re Plus Size‐Models für das Shooting gebucht, um der „Body Positivy“ Rechnung zu tra­gen.

Eins der fer­ti­gen Bilder  aus dem Frauen|Bilder-Workshop von Adobe Stock (Foto: Fabio/Adobe Stock)

Auch Shutterstock hat den Kampf um Frauenrechte und fri­sche Bilder dazu als einen der „Creative Trends“ für 2018 aus­ge­macht. Passend dazu ist „Masculinity Undone“ einer der visu­el­len Trends 2018 laut Getty Images.

Die Münchner Bildagentur Westend61 fei­ert für die­ses Jahr die Rückkehr der „Lohas“ (Lifestyles of Health and Sustainability) mit sau­be­rer Technik und ethi­schem Konsum in ihrem Trendreport.

Die Zeiten, in denen ein Motiv als „out“ galt, sobald es sich in den Bildagenturen durch­ge­setzt hat, sind vor­bei. Die Agenturen ach­ten dar­auf, den Anschluss an moder­ne Bildsprachen nicht zu ver­lie­ren oder die­se sogar gleich selbst mit­zu­prä­gen. Ob das gelingt, wird sich zei­gen.

Irgendwas mit Blockchain: Kodak, Photochain und der Hype

Hauptsache irgend­was mit Blockchain: Spätestens seit­dem der Kurs der digi­ta­len Kryptowährung Bitcoin im Jahr 2017 um über 1300% gestie­gen ist und zig ähn­li­che Digitalwährungen um die Gunst der Investoren buh­len, sind die Entwickler dazu über­ge­gan­gen, dass hin­ter der Bitcoin ste­hen­de Konzept der Blockchain auch auf ande­re Wirtschaftsbereiche zu über­tra­gen.

So gibt es schon Versuche, die Blockchain für ein­ver­nehm­li­chen Sex zu nut­zen und eben auch Versuche, die Blockchain als Methode ein­zu­set­zen, um den Bildermarkt (wie­der mal) zu revo­lu­tio­nie­ren, indem die Verkäufe in einer Blockchain ein­ge­schrie­ben wer­den.

Besonderes Aufsehen erreg­te hier vor paar Tagen die alte Filmfirma Kodak, die ihre Felle wegen der Digitalfotografie längst davon­schwim­men sah und nun laut „Blockchain“ schrie, damit ihr Aktienkurs am Tag der Ankündigung um mehr als 119 Prozent stieg.

Etwas weni­ger beach­tet wur­de die Ankündigung der Firma Photochain, die qua­si fast das Gleiche wie Kodak vor­hat: Einfach mal eine digi­ta­le Währung aus dem Boden stamp­fen, mit der Fotografen dann ihre Bilder ver­kau­fen sol­len. Hier noch kom­bi­niert mit ande­ren Technik‐Buzzwords wie KI (Künstliche Intelligenz).

Grundsätzlich hal­te ich es für eine gute Idee, wenn ver­sucht wird, das typi­sche Microstock‐Problem zu lösen: Wie kann ange­sichts der vie­len hun­dert­tau­send Lizenzierungen erkannt wer­den, ob ein Microstock‐Bild (vor allem im Internet) legal genutzt wird oder nicht?

Doch sowohl der Ansatz von Kodak als auch der von Photochain offen­ba­ren tief­lie­gen­de Verständnismängel der Bilderbranche. Das fängt bei Kleinigkeiten an wie fal­schen Berechnungen der Fotografen‐Kommissionen im Whitepaper bis hin zu gro­ßen Löchern in der Erklärung, war­um Fotografen es erstre­bens­wert hal­ten soll­ten, noch nied­ri­ge­re Kundenpreise als ohne­hin schon mit durch­zu­set­zen, wie es Photochain ver­spricht.

Auch wenn ich eini­ge Ansätze im Prinzip nach­voll­zie­hen kann, haben weder Kodak noch Photochain ansatz­wei­se Antworten auch wich­ti­ge Fragen:

  • Welche Vorteile soll­ten Kunden vom Blockchain‐Modell haben?
  • Wieso soll­te es ein­fa­cher sein, Bilder mit­hil­fe einer digi­ta­len Kunstwährung zu kau­fen, die erst kon­ver­tiert wer­den muss und stark im Wert schwan­ken kann?
  • Was nützt es einem Fotografen zu wis­sen, dass eine Bildnutzung unrecht­mä­ßig ist, wenn er sie (zum Beispiel in asia­ti­schen oder ost­eu­ro­päi­schen Ländern) nicht ver­fol­gen las­sen kann?
  • Welche Anreize haben Fotografen, ihre Bilder über ein Blockchain‐Modell anzu­bie­ten?
  • Wie soll das tech­nisch funk­tio­nie­ren? Wo lan­den die Bilder, wie sol­len deren enor­men Datenmengen gehand­habt wer­den?
  • Selbst wenn ein Verkauf in der Blockchain regis­triert ist, woher soll ein Fotograf erken­nen, ob eine bestimm­te Webseite das Foto lizen­ziert hat oder es nicht von einer ande­ren Webseite kopiert ist, wenn Käufer anonym blei­ben?
  • Wieso wird davon gere­det, die „Mittelsmänner“ unnö­tig zu machen, wenn doch wie­der die „Blockchain“-Firma als Mittelsmann agie­ren (und Prozente neh­men) will?

Ich könn­te noch ewig so wei­ter­ma­chen, aber es zeigt, dass aktu­ell die Ankündigungen, mit einer Blockchain die Fotografiewelt revo­lu­tio­nie­ren zu wol­len, vor allem eins sind: Der Versuch, mit einem gehyp­ten Buzzword das Geld unwis­sen­der Investoren zu schef­feln, bevor die Idee an den Widrigkeiten der Praxis schei­tert.

Nachtrag 13.01.2018:
Zwei wei­te­re Firmen, die ger­ne „irgend­was mit Blockchain und Bildrechten“ machen wol­len und dafür per ICO Geld sam­meln, sind Copytrack und IPStock.

Die 15 Bildertrends‐Bestseller von Westend61 in 2016

Anfang letz­ten Jahres hat­te die Bildagentur Westend61 (Platz 8 mei­ner Bildagentur‐Auswertung) fünf zukünf­ti­ge Trends vor­ge­stellt, wel­che in den nächs­ten Monaten visu­ell nach­ge­fragt wür­den: Nonkonformität, Science‐Reality, Achtsamkeit, Mobilität und YOUNIVERSE.

Eine genaue Umschreibung die­ser visu­el­len Trends könnt ihr hier im Bilderheimat‐Blog der Agentur nach­le­sen.

Jetzt nach Ablauf des Jahres möch­te ich die jeweils drei Topseller der Bereiche vor­stel­len, damit ihr eine Vorstellung davon bekommt, wel­che Themen und Bildsprachen aktu­ell gefragt sind:

  1. Nonkonformität:
    © Rainer Holz / Westend61
    © TeKa / Westend61
    © Team‐Up / Westend61

    Individuelle Typen, unge­wöhn­li­che Perspektiven oder Abkehr vom Mainstream‐Konsum: Alles dabei.

  2. Science‐Reality
    © Mareen Fischinger / Westend61
    © zero­crea­ti­ves / Westend61
    © Florian Küttler / Westend61

    Wie sind Tablet‐PCs und ande­re Bildschirme in der Praxis ange­kom­men? Die bes­ten Beispiele ver­kau­fen sich gut.

  3. Achtsamkeit
    © Reiner Berg / Westend61
    © Uwe Umstätter / Westend61
    © Mareen Fischinger / Westend61

    Rückbesinnung auf das, was einem selbst gut tut: Gesundheit, Zeit für die Familie oder den Partner: Solche Bilder sind gefragt.

  4. Mobilität
    © Rainer Berg / Westend61
    © Uwe Umstätter / Westend61
    © Rik Rey / Westend61

    Ob Auto, Fahrrad oder Umzugswagen: In Bewegung blei­ben, fle­xi­bel sein und sich wohl füh­len dabei, dar­auf kommt es an.

  5. YOUNIVERSE
    © Rainer Berg / Westend61
    © Uwe Umstätter / Westend61
    © Jo Kirchherr / Westend61

    Das trau­te Familienglück hat­te schon in den 1950er Jahren einen hohen Stellenwert und dabei ist es immer geblie­ben: Familie und Eltern mit ihren Kindern ste­hen bei Bildkäufern nach wie vor hoch im Kurs.

Auffällig ist, dass sich bei vie­len die­ser Bestseller sogar zwei oder mehr der genann­ten Trends im Bild wie­der­fin­den: Das letz­te Bild zum Beispiel könn­te neben dem YOUNIVERSE auch in den Kategorien Achtsamkeit oder Science‐Reality lan­den.

Bei vie­len Bildern ist auch der Freiraum groß­zü­gig bemes­sen, sodaß Kunden noch Platz für Logos, Text oder ande­re Gestaltungselemente haben. Gegenlicht wird ger­ne genom­men und meist schau­en die Models auch nicht in die Kamera.

Fallen euch sonst noch Gemeinsamkeiten der Bestseller auf?

Warum gute Stockfotos immer auch Klischees sind

Es ist so leicht, sich über Stockfotos lus­tig zu machen: Der Handschlag zwi­schen zwei dyna­mi­schen Geschäftsleuten, die glück­li­chen Eltern mit ihren bei­den lachen­den Kindern auf dem Rücken oder der klei­ne Goldfisch, der aus dem einen run­den Aquarium in das ande­re springt.

2014_tanja_ralf_business_054_0175_kleinJeder kennt die­se Bilder, bun­te Farben, weich belich­tet, schö­ne Models, kei­ne Sorgen. Die Frage, die sich vie­len anschei­nend unwei­ger­lich stellt, ist, war­um es immer genau die­se Fotos sein müs­sen, um wirk­lich alles Mögliche zu bebil­dern?

Könnten die Fotografen nicht etwas krea­ti­ver sein und sich ande­re Konzepte, Zeichen und Symbole aus­den­ken, damit danach auch die Grafiker und Werber abwechs­lungs­rei­che­res Bildmaterial zur Auswahl haben? Stattdessen gibt es den immer glei­chen Einheitsbrei aus gebleich­ten Zähnen, rei­ner Haut und Wohlfühlwelten.

Dabei ist die Frage ganz falsch gestellt. Zumindest aus Sicht eines erfolg­rei­chen Stockfotografen.

Machen wir uns doch nichts vor: Bei über 100 Millionen bil­li­gen Stockfotos zur Auswahl gibt es genug Motive abseits des Mainstream, mit denen Grafiker auch abge­fah­re­ne­re Ideen illus­trie­ren könn­ten.

Ich behaup­te: Die meis­ten sind nur zu faul zum Suchen. Oder zu gei­zig. Denn neben den bil­li­gen Microstockagenturen gibt es ja immer noch die Macrostockagenturen mit ganz ande­ren Bildsprachen und deut­lich weni­ger häu­fig ver­wen­de­ten Bildern. Selbst die Microstock‐Agenturen haben mit Kollektionen wie Offset oder Adobe Premium vie­le Edel‐Bilder mit einem ganz ande­ren Look im Angebot. Nur kos­ten die­se eben auch mehr.

Das Geld ist hier der sprin­gen­de Punkt. Für Fotografen loh­nen sich Stockfotos umso mehr, je häu­fi­ger sich die Bilder eines Shootings ver­kau­fen. Damit die Voraussetzungen dafür gege­ben sind, ver­su­chen sie, die Bilder so uni­ver­sell wie mög­lich zu hal­ten, damit sie unab­hän­gig von Sprachbarrieren, Ländergrenzen oder Kulturen funk­tio­nie­ren.

Die Stockfotografie‐Klischees, über die sich Leute ger­ne lus­tig machen, funk­tio­nie­ren eben nur, weil die Stockfotografen ihre Arbeit gut gemacht haben. Nur uni­ver­sel­le Verwendungsmöglichkeiten brin­gen höchst­mög­li­che Verkäufe, die wie­der­um als Nebeneffekt eine gewis­se Sättigung ein­tre­ten las­sen, sodass Designer irgend­wann genervt sind, das nächs­te „Frau mit Headset im Callcenter“, Rebecca Ariane  Givens oder „Frau isst Salat“-Motiv zu sehen.

Das glei­che gilt übri­gens für das Argument der „Langeweile“. Erfolgreiche Stockfotos sind oft lang­wei­lig, weil „auf­re­gend“ oder „span­nend“ pola­ri­sie­ren kann, was wie­der­um bedeu­tet: Kunden abschre­cken kann.

Das eine geht nicht ohne das ande­re. Wenn ein Motiv oder eine bestimm­te Bildsprache so über­zeugt, dass sich ganz vie­le Kunden dar­auf stür­zen, wird die­ses Motiv oder die­ser Look irgend­wann zum Klischee wer­den. Bis dahin wird sich das Motiv blen­dend ver­kau­fen und die Stockfotografen von ihrer Arbeit leben kön­nen.

Wenn ein Grafiker par­tout etwas „ganz Anderes“ oder im wört­li­chen Sinne „noch nie Dagewesenes“ ver­wen­den will, muss er eben in den sau­ren Apfel bei­ßen und etwas mehr Geld aus­ge­ben, zum Beispiel, indem er einen krea­ti­ven Fotografen beauf­tragt.

Über zehn Jahre Microstock haben bei Designern die Erwartungshaltung geweckt, dass sich tech­nisch per­fek­te Motive mit tol­len Models und pas­sen­den Requisiten schnell für weni­ge Euro fin­den las­sen. Dieses System funk­tio­niert aber nur, wenn die Designer gleich­zei­tig ver­ste­hen, dass der Preis für die­se Schnäppchen eben eine wei­te­re Verbreitung der immer glei­chen kli­schee­haf­ten Motive ist. Denn es liegt auf der Hand: Ein auf­wän­di­ges Shooting kos­tet deut­lich mehr als die 2–3 Euro, die ein Bild in Webauflösung kos­tet. Da müs­sen schon vie­le Verkäufe zusam­men­kom­men, um die Kosten wie­der rein­zu­ho­len.

Ich habe kein Problem, dass ich mei­ne Bilder unter dem Herstellungspreis ver­kau­fe, solan­ge sich genug Verkäufe sum­mie­ren. Dann soll­ten sich Designer jedoch mit Spot über die häu­fi­ge Verbreitung der Bestseller‐Motive zurück­hal­ten. Oder ein­fach mehr bezah­len.

Was meint ihr?