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Die 15 Bildertrends-Bestseller von Westend61 in 2016

Anfang letz­ten Jahres hat­te die Bildagentur Westend61 (Platz 8 mei­ner Bildagentur-Auswertung) fünf zukünf­ti­ge Trends vor­ge­stellt, wel­che in den nächs­ten Monaten visu­ell nach­ge­fragt wür­den: Nonkonformität, Science-Reality, Achtsamkeit, Mobilität und YOUNIVERSE.

Eine genaue Umschreibung die­ser visu­el­len Trends könnt ihr hier im Bilderheimat-Blog der Agentur nach­le­sen.

Jetzt nach Ablauf des Jahres möch­te ich die jeweils drei Topseller der Bereiche vor­stel­len, damit ihr eine Vorstellung davon bekommt, wel­che Themen und Bildsprachen aktu­ell gefragt sind:

  1. Nonkonformität:
    © Rainer Holz / Westend61
    © TeKa / Westend61
    © Team-Up / Westend61

    Individuelle Typen, unge­wöhn­li­che Perspektiven oder Abkehr vom Mainstream-Konsum: Alles dabei.

  2. Science-Reality
    © Mareen Fischinger / Westend61
    © zero­crea­ti­ves / Westend61
    © Florian Küttler / Westend61

    Wie sind Tablet-PCs und ande­re Bildschirme in der Praxis ange­kom­men? Die bes­ten Beispiele ver­kau­fen sich gut.

  3. Achtsamkeit
    © Reiner Berg / Westend61
    © Uwe Umstätter / Westend61
    © Mareen Fischinger / Westend61

    Rückbesinnung auf das, was einem selbst gut tut: Gesundheit, Zeit für die Familie oder den Partner: Solche Bilder sind gefragt.

  4. Mobilität
    © Rainer Berg / Westend61
    © Uwe Umstätter / Westend61
    © Rik Rey / Westend61

    Ob Auto, Fahrrad oder Umzugswagen: In Bewegung blei­ben, fle­xi­bel sein und sich wohl füh­len dabei, dar­auf kommt es an.

  5. YOUNIVERSE
    © Rainer Berg / Westend61
    © Uwe Umstätter / Westend61
    © Jo Kirchherr / Westend61

    Das trau­te Familienglück hat­te schon in den 1950er Jahren einen hohen Stellenwert und dabei ist es immer geblie­ben: Familie und Eltern mit ihren Kindern ste­hen bei Bildkäufern nach wie vor hoch im Kurs.

Auffällig ist, dass sich bei vie­len die­ser Bestseller sogar zwei oder mehr der genann­ten Trends im Bild wie­der­fin­den: Das letz­te Bild zum Beispiel könn­te neben dem YOUNIVERSE auch in den Kategorien Achtsamkeit oder Science-Reality lan­den.

Bei vie­len Bildern ist auch der Freiraum groß­zü­gig bemes­sen, sodaß Kunden noch Platz für Logos, Text oder ande­re Gestaltungselemente haben. Gegenlicht wird ger­ne genom­men und meist schau­en die Models auch nicht in die Kamera.

Fallen euch son­st noch Gemeinsamkeiten der Bestseller auf?

Warum gute Stockfotos immer auch Klischees sind

Es ist so leicht, sich über Stockfotos lus­tig zu machen: Der Handschlag zwi­schen zwei dyna­mi­schen Geschäftsleuten, die glück­li­chen Eltern mit ihren bei­den lachen­den Kindern auf dem Rücken oder der klei­ne Goldfisch, der aus dem einen run­den Aquarium in das ande­re springt.

2014_tanja_ralf_business_054_0175_kleinJeder kennt die­se Bilder, bun­te Farben, weich belich­tet, schö­ne Models, kei­ne Sorgen. Die Frage, die sich vie­len anschei­nend unwei­ger­li­ch stellt, ist, war­um es immer gen­au die­se Fotos sein müs­sen, um wirk­li­ch alles Mögliche zu bebil­dern?

Könnten die Fotografen nicht etwas krea­ti­ver sein und sich ande­re Konzepte, Zeichen und Symbole aus­den­ken, damit dana­ch auch die Grafiker und Werber abwechs­lungs­rei­che­res Bildmaterial zur Auswahl haben? Stattdessen gibt es den immer glei­chen Einheitsbrei aus gebleich­ten Zähnen, rei­ner Haut und Wohlfühlwelten.

Dabei ist die Frage ganz fal­sch gestellt. Zumindest aus Sicht eines erfolg­rei­chen Stockfotografen.

Machen wir uns doch nichts vor: Bei über 100 Millionen bil­li­gen Stockfotos zur Auswahl gibt es genug Motive abseits des Mainstream, mit denen Grafiker auch abge­fah­re­ne­re Ideen illus­trie­ren könn­ten.

Ich behaup­te: Die meis­ten sind nur zu faul zum Suchen. Oder zu gei­zig. Denn neben den bil­li­gen Microstockagenturen gibt es ja immer noch die Macrostockagenturen mit ganz ande­ren Bildsprachen und deut­li­ch weni­ger häu­fig ver­wen­de­ten Bildern. Selbst die Microstock-Agenturen haben mit Kollektionen wie Offset oder Adobe Premium vie­le Edel-Bilder mit einem ganz ande­ren Look im Angebot. Nur kos­ten die­se eben auch mehr.

Das Geld ist hier der sprin­gen­de Punkt. Für Fotografen loh­nen sich Stockfotos umso mehr, je häu­fi­ger sich die Bilder eines Shootings ver­kau­fen. Damit die Voraussetzungen dafür gege­ben sind, ver­su­chen sie, die Bilder so uni­ver­sell wie mög­li­ch zu hal­ten, damit sie unab­hän­gig von Sprachbarrieren, Ländergrenzen oder Kulturen funk­tio­nie­ren.

Die Stockfotografie-Klischees, über die sich Leute ger­ne lus­tig machen, funk­tio­nie­ren eben nur, weil die Stockfotografen ihre Arbeit gut gemacht haben. Nur uni­ver­sel­le Verwendungsmöglichkeiten brin­gen höchst­mög­li­che Verkäufe, die wie­der­um als Nebeneffekt eine gewis­se Sättigung ein­tre­ten las­sen, sodass Designer irgend­wann genervt sind, das nächs­te „Frau mit Headset im Callcenter“, Rebecca Ariane  Givens oder „Frau isst Salat“-Motiv zu sehen.

Das glei­che gilt übri­gens für das Argument der „Langeweile“. Erfolgreiche Stockfotos sind oft lang­wei­lig, weil „auf­re­gend“ oder „span­nend“ pola­ri­sie­ren kann, was wie­der­um bedeu­tet: Kunden abschre­cken kann.

Das eine geht nicht ohne das ande­re. Wenn ein Motiv oder eine bestimm­te Bildsprache so über­zeugt, dass sich ganz vie­le Kunden dar­auf stür­zen, wird die­ses Motiv oder die­ser Look irgend­wann zum Klischee wer­den. Bis dahin wird sich das Motiv blen­dend ver­kau­fen und die Stockfotografen von ihrer Arbeit leben kön­nen.

Wenn ein Grafiker par­tout etwas „ganz Anderes“ oder im wört­li­chen Sinne „noch nie Dagewesenes“ ver­wen­den will, muss er eben in den sau­ren Apfel bei­ßen und etwas mehr Geld aus­ge­ben, zum Beispiel, indem er einen krea­ti­ven Fotografen beauf­tragt.

Über zehn Jahre Microstock haben bei Designern die Erwartungshaltung geweckt, dass sich tech­ni­sch per­fek­te Motive mit tol­len Models und pas­sen­den Requisiten schnell für weni­ge Euro fin­den las­sen. Dieses System funk­tio­niert aber nur, wenn die Designer gleich­zei­tig ver­ste­hen, dass der Preis für die­se Schnäppchen eben eine wei­te­re Verbreitung der immer glei­chen kli­schee­haf­ten Motive ist. Denn es liegt auf der Hand: Ein auf­wän­di­ges Shooting kos­tet deut­li­ch mehr als die 2–3 Euro, die ein Bild in Webauflösung kos­tet. Da müs­sen schon vie­le Verkäufe zusam­men­kom­men, um die Kosten wie­der rein­zu­ho­len.

Ich habe kein Problem, dass ich mei­ne Bilder unter dem Herstellungspreis ver­kau­fe, solan­ge sich genug Verkäufe sum­mie­ren. Dann soll­ten sich Designer jedoch mit Spot über die häu­fi­ge Verbreitung der Bestseller-Motive zurück­hal­ten. Oder ein­fach mehr bezah­len.

Was meint ihr?

Neues von der Photokina 2016: VR, 3D, 360° und mehr

Nachdem ich für euch stun­den­lang auf­merk­sam durch die Hallen der Photokina geti­gert bin, um span­nen­de Produktneuheiten zu ent­de­cken, möch­te ich euch mei­ne Funde vor­stel­len, damit ihr noch vor dem Ende der Messe gege­be­nen­falls selbst bei den Ständen vor­bei­schau­en könnt, die euch inter­es­sie­ren.

Auffällig vie­le Neuheiten gab es bei den Themenbereichen Virtual Reality und 360°-Fotos und -Videos. Es gab auch eini­ge Drohnen-Anbieter etc., aber da ich davon kei­ne Ahnung habe, kann ich dazu lei­der wenig sagen.

photokina_2016_img_5265Als die „Kamera mit der höchs­ten Auflösung“ für 360°-Fotos (108 MP) wur­de die Panono-Kamera (Halle 9, A023) bewor­ben, die wie ein run­d­er Ball mit vie­len Löchern aus­sieht und für knapp 1500 Euro erhält­li­ch ist. Die Berechnung der Panoramen erfolgt cloud­ba­siert über den Server der Firma, genaue­re Angaben zum Datenschutz konn­te der Stand-Mitarbeiter außer „die Bilder sieht kei­ner“ lei­der nicht machen.

Sogar 360°-Videos (und -Fotos) hin­ge­gen kann die Vuze-Kamera, (Halle 9, B014) wel­che damit wirbt, beson­ders klein und bedie­nungs­freund­li­ch zu sein. Macht auf jeden Fall einen guten Eindruck.

Besonders für das 360°-Live-Streaming geeig­net sein soll die Orah-Kamera 4i (Halle 9, B033), wel­che ab Ende des Jahres für ca. 3600 USD ver­füg­bar sein soll.

Als 360°-Action-Cam ver­mark­tet sich die Aleta-Kamera (Halle 9, C037a).

Einen ande­ren Weg geht die Firma Freedom360 (Halle 9, A050), wel­che ver­schie­de­ne Mounts und Stative anbie­tet, mit denen ent­we­der 6 GoPro-Kameras für 360°-Aufnahmen pas­send ange­ord­net wer­den kön­nen und damit bis zu 8K-Videos mög­li­ch sind. Oder es gibt Mounts mit modi­fi­zier­ten GoPro-Kameras mit offe­nen Ports, die für Live-Streaming gedacht sind. Für die neue GoPro Hero 5 wer­den die Gehäuse bald ange­passt.

Neue GoPro? Ja, die GoPro Hero 5 (Halle 9, A020) ist eben­falls ohne extra Gehäuse bis zu 10 Metern was­ser­dicht, kann RAW-Fotos, sowie Wide-Dynamic-Range-Videos auf­neh­men, hat eine ein­ge­bau­te Bildstabilisierung und kann Sprachkommandos in sie­ben Sprachen ver­ste­hen.

Um die gan­zen 360°-Aufnahmen sinn­voll nut­zen zu kön­nen, bie­tet Pano2VR (Halle 9, A050) die Möglichkeit, aus dem Material inter­ak­ti­ve 360°-Touren zu machen.

sharea­li­ke (Halle 9, Stand B050) ver­spricht hin­ge­gen, aus nor­ma­len 2d-Fotos, eine 3D-Slideshow zu erstel­len für Virtual Reality-Geräte, indem die Bilder über ein VR-Video mon­tiert wer­den.

Für Unterwasseraufnahmen ist die Marina Grade X2 Action-Kamera von Intova (Halle 9, B032) gedacht, wel­che ein was­ser­dich­tes Gehäuse und im Gegensatz zur GoPro zusätz­li­ch ein 150 Lumen-Licht gleich mit ein­ge­baut hat. Kostenpunkt ca. 349 USD.

Eine sim­ple, mecha­ni­sche 3-Achsen-Stabilisierung bie­tet der solidLUUV (Halle 9, B050) Stabilisator für 249 Euro, zusätz­li­ch gibt es mit dem Action Gimbal für 299 Euro noch den leich­tes­ten Gimbal auf dem Markt. Zusammen kön­nen bei­de zum „ultra­LUUV ACTION“ kom­bi­niert wer­den.

Etwas spie­le­ri­scher ist der Adapter Kúla (Halle 5.2, F020), wel­cher bei einer DSLR vor das Objektiv gehal­ten wird, um ste­reo­sko­pi­sche Bilder zu erzeu­gen. Kostenpunk ca. 179 USD. Ein Adapter für Smartphones ist in Arbeit.

Produktfotografen inter­es­siert viel­leicht das foldio360 (Halle 9, B050), ein klei­ner Drehtisch mit inte­grier­tem Licht für ca. 139 USD, wel­cher in Kombination mit einem Smartphone 360°-Bilder auf­neh­men kann. Die per­fek­te Ergänzung ist das Foldio2 für ca. 75 USD, ein klei­nes, leich­tes falt­ba­res Studio mit eben­falls inte­grier­tem Licht.

Wer ger­ne „Tethered Shooting“ macht, also sei­ne Kamera kabel­ge­bun­den fern­aus­löst, soll­te sich das Programm „Kuuvik Capture 2″ mal anschau­en, wel­ches zahl­rei­che Einstellungsmöglichkeiten von Schärfekontrolle, Focus Pulling, Hilfslinien und Live-View für meh­re­re Kameras gleich­zei­tig. Aktuell ist die Software lei­der nur für den Mac ab OS X 10.10 oder höher erhält­li­ch.

Wer hin­ge­gen sei­ne Kamera lie­ber mit dem Smartphone steu­ert, fin­det viel­leicht Unleashed von foo­lo­gra­phy (Halle 4.1, G039) span­nend. Das ist eine DSLR-Fernsteuerung für Smartphones mit vie­len Einstellungsmöglichkeiten.

Beeindruckt hat mich auch das LensTrue-System (Halle 2.1, B031) von Jobo. Damit ist eine auto­ma­ti­sche Perspektivkorrektur mög­li­ch, ohne beson­de­re Objektive und sogar ein vir­tu­el­ler Perspektivwechsel. Die Bildqualität soll bes­ser als mit Tilt-Shift-Objektiven sein und im Gegensatz zur auto­ma­ti­schen Entzerrung mit­tels Software kei­ne senk­rech­ten Linien ent­hal­ten.

Eine Möglichkeit, ein Bild über meh­re­re Leinwände hin­weg („Multi Canvas“) bequem online zu bestel­len, bie­tet Sunpics von Adigitalbook (Halle 9, Stand C040). Leider ist das System noch nicht für Endkunden zugäng­li­ch.

Die meis­ten Fotografen wer­den zwei Kameras zu Hause haben und even­tu­ell einen Beamer zu Hause haben. 3Digify (Halle 9, Stand B050) macht dar­auf einen 3D-Scanner, wel­cher OBJ-Dateien inklu­si­ve Maps (Normal, Textur, Displacement) erzeugt. Kostenpunkt sind 10 Euro pro expor­tier­tem Modell oder eine Jahreslizenz von 5000 Euro für unbe­grenz­te Exporte.

Kennt ihr von frü­her die­se „Wackelbilder“, zum Beispiel auf Linealen? Diese Technik nennt sich Lenticular und auf der Photokina fin­det ihr in Halle 9, Stand E036 die Firma Zenith, wel­che euch mit den nöti­gen Materialen, Geräten und der Software ver­sorgt, um selbst sol­che Bilder mit 3D-Effekt zu erstel­len.

Wer oft Probleme mit Bilderklau hat, kann bei den bei­den Firmen PhotoClaim oder LaPixa (bei­de Halle 9, B050) vor­bei­schau­en, wel­che ver­spre­chen, Urheberrechtsverletzungen im Auftrag von Fotografen zu ahn­den. Leider wackeln die Versprechen schnell, wenn es kon­kret wird, zum Beispiel bei Ländern wie Italien oder Microstock-Motiven.

Viele ver­schie­de­ne Retusche-Services bie­tet die Firma Purple Key (Halle 4.1, C019) aus London an. Das Auslagern eini­ger sol­cher Arbeiten kann vor allem für Stockfotografen ganz inter­es­sant sein.

Welche Neuigkeiten haben euch auf der pho­to­ki­na am meis­ten fas­zi­niert?

Ist die neue Foto-App Prisma sicher und stocktauglich?

In letz­ter Zeit hat eine neue Foto-App den vor­ders­ten Platz in den App-Stores belegt (zumin­dest in der Kategorie „Foto und Video“).

Die Rede ist von der App Prisma, wel­che über 30 künst­le­ri­sche Effekte bzw. Filter im Stil klas­si­scher Kunstwerke zur Verfügung stellt, die über ein Foto gelegt wer­den kön­nen. Sie gibt es für iOs und für Android.

Beispiel der Prisma-Filter: Oben links mein Original-Foto, daneben 5 Kunst-Filter der App.
Beispiel der Prisma-Filter: Oben links mein Original-Foto, dane­ben 5 Kunst-Filter der App.

In den letz­ten Tagen häuf­ten sich die Meldungen über pro­ble­ma­ti­sche Nutzungsbedingungen der App, des­halb habe ich sie mir im Detail durch­ge­le­sen.

Besonders bit­ter ist mir fol­gen­der Satz auf­ge­sto­ßen:

[„,] you her­e­by grant to Prisma a non-exclusive, ful­ly paid and
royalty-free, trans­fe­ra­ble, sub-licensable, world­wi­de licen­se to use the Content that you sty­li­ze on or through the Service […]“

Das heißt sinn­ge­mäß über­setzt:
Jedes Bild, was ein Nutzer in die Prisma-App rein­lädt, darf Prisma ohne jeg­li­che Einschränkung ver­kau­fen! Punkt.

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Prisma auf Platz eins der iOS-Download-Charts im Bereich kos­ten­lo­se „Foto und Video“-Apps

Das ist umso gefähr­li­cher, weil die App nur mit akti­ver Internetverbindung funk­tio­niert und alle Bilder, wel­che von der App bear­bei­tet wer­den soll, auf die Server der rus­si­schen App gespei­chert wer­den. Probiert es aus: Im Flugmodus ver­wei­gert die App ihren Dienst.

In der Vergangenheit war es aber oft so, dass neue Apps oder Unternehmen sich die­se Art von sehr weit­rei­chen­den Nutzungsbedingungen gege­ben haben und erst nach Protesten zurück­ge­ru­dert sind.

Deshalb habe ich dem Prisa-Gründer und Chef Alexey Moiseenkov eine Email auf eng­li­sch geschickt mit zwei Fragen:

1. Ist es erlaubt, die fer­ti­gen Ergebnisse aus der Prisma-App für kom­mer­zi­el­le Zwecke zu nut­zen?

2. Wie ist der [oben zitier­te] Satz zu ver­ste­hen: Darf Prisma die Ergebnisse selbst ver­kau­fen?“

Auf den ers­ten Satz habe ich am 11. Juli 2016 fol­gen­de Antwort erhal­ten:

You can use it how you deci­de but men­ti­on our app.“

Das heißt sinn­ge­mäß: Mach, was Du will­st, aber nen­ne dabei die App. Was wie­der­um so von mir nicht in den ursprüng­li­chen Nutzungsbedingungen zu fin­den war. Das hat sich aber eh erle­digt, weil seit dem Update 2.2 der App jetzt unten rechts der Name der App ein­ge­blen­det ist (sie­he Beispiele oben) und die­ser auch nicht ent­fernt wer­den darf, wenn ich die „Terms of Use“ (Stand 22.072016) rich­tig lese:

You will not remo­ve, alter or con­ce­al any copy­right, trade­mark, ser­vice mark or other pro­prieta­ry rights noti­ces incor­po­ra­ted in or accom­pany­ing the Prisma Content and you will not repro­du­ce, modi­fy, adapt, pre­pa­re deri­va­ti­ve works based on, per­form, dis­play, publish, dis­tri­bu­te, trans­mit, broad­cast, sell, licen­se or other­wi­se exploit the Prisma Content.“

Die Antwort auf die zwei­te Frage blieb mir der Entwickler jedoch lei­der schul­dig. Auch auf eine Nachfrage mei­ner­seits habe ich seit zehn Tagen kei­ne wei­te­re Antwort erhal­ten.

Das macht mich vor­sich­tig und ich rate jedem, der die App für mehr als Schnappschüsse von Blumen oder Sonnenuntergängen nut­zen will, sehr vor­sich­tig zu sein.

Seid euch bewußt: Alle Bilder, die ihr mit der App bear­bei­tet lan­den auf einem Server und laut den Nutzungsbedingungen über­tragt ihr Prisma alle Rechte an den Bildern, die Prisma braucht, um sie ver­kau­fen, wei­ter­zu­li­zen­zie­ren oder ander­wei­tig nut­zen zu kön­nen.

Wie sieht ihr die Nutzungsbedingungen und die Effekte der Prisma-App?

Die 10 Editorial-Topseller von Rex Features 2014

Nach den meist­ver­kauf­ten Smartphone-Fotos und Vektoren, wird es heu­te Zeit, einen Blick auf die Editorial-Fotos zu wer­fen, wel­che sich 2014 am bes­ten ver­kauft haben. Dafür habe ich die Agentur Rex Features gefragt, wel­che erst kürz­li­ch von Shutterstock auf­ge­kauft wur­de. Obwohl Rex Features eine „News-Agentur“ ist, wel­che alle Arten von Nachrichtenfotos – sei es Politik, Sport, Unterhaltung oder Königshäuser – anbie­tet, bestehen die Top 10 nur aus Entertainment-Stars oder Mitgliedern der eng­li­schen Königsfamilie.

Schauen wir uns die Sieger im Detail an:

  1. Amal Alamuddin
    © Rex
    © Rex

    Die britisch-libanesische Juristin mit Spezialisierung auf Menschenrechte und Internationale Politik ver­trat unter ande­rem den Wikileaks-Gründer Julian Assange und die ehe­ma­li­ge Ministerpräsidentin der Ukraine Julija Tymoschenko. Vermutlich deut­li­ch bekann­ter wur­de sie jedoch durch ihre Heirat im September 2014 mit dem Schauspieler George Clooney.

  2. Katie Price
    © Newspix/Rex
    © Newspix/Rex

    Okay, kei­ne Ahnung. Ehrlich. Ich mus­s­te goo­g­len, um über­haupt zu ler­nen, wer Katie Price ist. Anscheinend ein Fotomodell, wel­ches vie­le Brust-OPs und drei Ehemänner hat­te und mitt­ler­wei­le fünf Kinder hat. Die „wich­tigs­te“ Meldung 2014 war anschei­nend, dass sie sich im Mai 2014 von ihrem drit­ten Mann, einem ehe­ma­li­gen Stripper, getrennt hat­te, nach­dem die­ser eine mona­te­lan­ge Affäre mit ihrer bes­ten Freundin hat­te. Wie die Frau ange­sichts der Konkurrenz auf Platz Zwei lan­den konn­te, ist mir jedoch immer noch schlei­er­haft.

  3. Catherine Herzogin von Cambridge und Prinz George and Prinz William
    © Rex
    © Rex

    Auf dem drit­ten Platz liegt der eng­li­sche Prinz William mit sei­ner Frau und deren Sohn an des­sen ers­tem Geburtstag beim Besuch einer Schmetterlingsausstellung im Naturkundemuseum. Interessiert mich nicht die Bohne, aber ich kann den drit­ten Platz ange­sichts der vie­len Regenbogenhefte (Yellow Press) nach­voll­zie­hen.

  4. Harry Styles
    © Can Nguyen/Rex
    © Can Nguyen/Rex

     

    Der Popsänger Harry Styles der Band „One Direction“ auf einer Party von Warner Music and GQ im Shoreditch House in London im Juli 2014. Newswert? Habe ich wie­der kei­ne Ahnung. Ich wer­de ver­mut­li­ch alt.

  5. Chris Martin
    © Theo Kingma/Rex
    © Theo Kingma/Rex

    Der bri­ti­sche Musiker Chris Martin spielt in der Band Coldplay. Anderweitige Aufmerksamkeit erziel­te er 2014 durch eine Beziehung mit der Schauspielerin Jennifer Lawrence, die unter ande­rem bei „Die Tribute von Panem – The Hunger Games“ mit­spielt. Im Rahmen der Filmbewerbung ist auch das obi­ge Foto ent­stan­den.

  6. Justin Bieber
    © Miami-dade Corrections/Rex
    © Miami-dade Corrections/Rex

    Oh, wie muss die­ser Gegensatz die Boulevardmedien befeu­ert haben: Der (ehe­ma­li­ge?) Teenie-Schwarm und Pop-Sänger wur­de als 19-Jähriger im Januar 2014 von der Polizei in Miami inhaf­tiert, weil er unter dem Einfluss von Alkohol, Marihuana und ver­schrei­bungs­pflich­ti­gen Drogen mut­maß­li­ch an einem ille­ga­len Autorennen in einem gel­ben Lamborghini teil­ge­nom­men haben soll. Zusätzlich soll er sich der Festnahme wider­setzt haben und ohne Führerschein unter­wegs gewe­sen sein. Das ist aber auch eine zu coo­le Story, zumal wenn das Ganze noch mit dem offi­zi­el­len Polizeifoto gar­niert wer­den kann.

  7. Victoria Beckham
    © Richard Young/Rex
    © Richard Young/Rex

    Bei der Verleihung des „Harpers Bazaar Women of the Year Awards“ im November 2014 wur­de die­ses Foto auf­ge­nom­men. Gewonnen hat das ehe­ma­li­ge Spice Girl dort nichts, auf­ge­tre­ten ist sie dort eher als Mode-Designerin ihrer eige­nen Modelinie. Warum die Medien das Foto so inter­es­sant fan­den, dass es unter den Top 10 lan­de­te, kann ich lei­der nicht nach­voll­zie­hen. Hilfreiche Kommentare bit­te unten ergän­zen.

  8. Kim Kardashian und Kanye West mit Tochter North West
    © Startraks Photo/Rex
    © Startraks Photo/Rex

    Zwei Prominente bekom­men zusam­men ein Kind: Da steht die Boulevardpresse natür­li­ch Kopf und so ist auch das Foto der frisch­ge­ba­cke­nen Familie ein gefun­de­nes Fressen. Zumal die klei­ne Tochter „North West“ auf dem Bild auf den Tag gen­au ein Jahr alt ist.

  9. Kate Bush
    © Ken McKay/Rex
    © Ken McKay/Rex

    Wow, was für eine Ausnahme: Hier hat sich tat­säch­li­ch ein Foto einer Prominenten in die Top 10 geschli­chen, wel­ches die Person bei der Ausübung ihres Jobs zeigt. In die­sem Fall ist der Nachrichtenwert, dass das die ers­te Tournee von Kate Bush seit 1979, also seit 35 Jahren, war.

  10. Cressida Bonas und Prinz Harry
    © Ray Tang/Rex
    © Ray Tang/Rex

    Als Stockfotograf krin­geln sich mir hier bei der tech­ni­schen Qualität des Bildes die Fußnägel auf, aber wenn da ein eng­li­scher Prinz sowie des­sen Freundin (zumin­dest zum Zeitpunkt der Aufnahme noch) zu sehen ist, drü­cken sowohl Bildagenturen als auch die Medien ger­ne bei­de Augen zu.

Ich muss zuge­ben: Selten habe ich so oft und lan­ge goo­g­len müs­sen für einen Artikel wie bei die­sem Text: Wer ist noch mal die Person? Warum gen­au ist sie berühmt? Was haben die Leute 2014 gemacht, was einen Platz in der Top 10 recht­fer­ti­gen könn­te?

Aber gen­au das ist alles, was zählt, wenn es um Editorial-Fotos geht: Prominenz. Teilweise insze­nie­ren die Stars die Bedingungen ihrer Aufnahmen halb­wegs selbst, sei es bei Presseterminen oder im Rahmen von Fototerminen bei Veranstaltungen, manch­mal hel­fen auch Paparazzi nach. Ein Anlass für die Veröffentlichung der Bilder fin­det sich immer. Und wenn nicht, wird ein­fach einer erfun­den. Sehr deut­li­ch nach­zu­le­sen ist das zum Beispiel im emp­feh­lens­wer­ten Regenbogenpresse-Watch-Blog „Topf voll Gold“.

Welche Erkenntnis zieht ihr aus den Fotos?