Archiv der Kategorie: Frag den Fotograf

Einnahmen von Bildagenturen beim Finanzamt melden

In ziem­li­ch regel­mä­ßi­gen Abständen erhal­te ich Emails wie die­se bei­den hier:

Mein Steuerberater, mit dem ich im ers­ten Jahr bin, schreibt mir fol­gen­des: „Haben Sie zur Auszahlung der .….…. € von Fotolia eine Rechnung bzw. haben Sie die Möglichkeit, eine ord­nungs­ge­mä­ße Rechnung zu erhal­ten?“ Ich habe mir die Quittung über Credit Auszahlung von Fotolia aus­ge­druckt. Reicht mir die­se ein­fa­che Quittung aus zur Vorlage beim Finanzamt?“

Oder eine ande­re Agentur betref­fend:

Guten Tag Herr Kneschke,

vor­er­st vie­len Dank für die vie­len nütz­li­chen Informationen auf Ihrem Blog. Ich habe durch Sie sehr viel über das Stockgeschäft gelernt.

Leider konn­te ich zur fol­gen­den Frage kei­ne Antwort fin­den (Eine Suchmaschine hat mir auch nicht wei­ter gehol­fen):
Wie gebe ich mei­ne Einnahmen von Shutterstock beim Steuerberater an?
Bei Fotolia kann man sich einen Beleg her­un­ter­la­den, damit gab es bis­her kei­ne Probleme beim Finanzamt.

Shutterstock hat mir geant­wor­tet, dass sie kei­ne Quittungen oder ähn­li­ches aus­stel­len.
Das hilft mir natür­li­ch auch nicht wei­ter. Die ein­zi­ge Möglichkeit besteht dar­in, dass ich mir bei Shutterstock die Auszahlungsübersicht oder eine Tabellenkalkulation her­un­ter­la­de.

Welche Informationen geben Sie an? Würden Sie mir bit­te wei­ter­hel­fen? Ich wür­de mich sehr über Ihre Antwort freu­en.“

Der Kern der Frage bei die­sen Mails ist immer: Wie wei­se ich dem Finanzamt mei­ne Einkünfte aus Bildagenturen nach?

In den Mails ist es schon ange­klun­gen, dass zumin­dest bei Fotolia der Download einer ein­fa­chen Quittung mög­li­ch ist. Diese fin­det ihr unter „Credits“, wenn ihr beim Filter nur das Häkchen bei „Ausgezahlt“ setzt und beim Ergebnis-Treffer auf den Link „Quittung“ klickt. Die Seite könnt ihr dann abspei­chern, aus­dru­cken und beim Finanzamt ein­rei­chen.

Bei Shutterstock und eini­gen ande­ren Bildagenturen gibt es die­se Möglichkeit lei­der nicht.

Ich dru­cke mir dafür ein­fach die Bestätigung des Zahlungseingangs von mei­nem Paypal-Konto aus, auch für alle ande­ren Bildagenturen.

Mein Steuerberater mein­te mal zu mir, dass das Finanzamt vor allem bei Ausgaben sehr kri­ti­sch ist und Belege sehen will. Dass jemand fälsch­li­cher­wei­se nicht erziel­te Einnahmen mel­den wür­de, sei hin­ge­gen eher sel­ten, wes­halb Einnahmen nicht so streng pro­to­kol­liert wer­den müs­sen. Mehr Einnahmen bedeu­ten ja in der Regel auch mehr Geld für das Finanzamt.

Zur Sicherheit noch der obli­ga­to­ri­sche Hinweis: Alle Hinweise ohne Gewähr, da ich weder Rechtsanwalt oder Steuerberater bin und kei­ne Haftung für die hier genann­ten Tipps geben kann.

Wie gen­au macht ihr das?

Frage von Photography Q & A – Selbstvermarktung für Fotografen

Vor über zwei Jahren habe ich hier im Blog das Buch „Photography Q&A“ von Zach Arias vor­ge­stellt und mei­ne Leser auf­ge­for­dert, mir eben­falls Fragen in den Kommentaren zu stel­len. Zwei die­ser Fragen woll­te ich dann im Blog beant­wor­ten.

Die ers­te Frage, wel­che Blitze ich benut­ze, habe ich vor lan­ger Zeit hier beant­wor­tet.

Kompass-V04-wide-selbstvermarktung_kleinHeute ist nun die zwei­te Frage an der Reihe, die sich rund um das Thema „Selbstvermarktung“ dreht. Genau genom­men haben meh­re­re Leser ähn­li­che Fragen gestellt, wel­che das Thema „Selbstvermarktung“ mit unter­schied­li­chen Schwerpunkten auf­grei­fen.

Hier die Fragen:

Vorweg erst­mal: inter­es­san­ter Blog, ich bin gera­de “drü­ber­ge­stol­pert”.
Daraus ergibt sich auch mei­ne Frage:
Wie wich­tig sind die­se Standbeine für Fotografen? Ich ken­ne kaum einen Fotografen, der “nur” Bilder anbie­tet. Es wer­den Blogs betrie­ben, Workshops oder Coachings ange­bo­ten, Bücher geschrie­ben. Alles sehr zeit­auf­wän­di­ge Tätigkeiten. Sind die­se Aspekte über­le­bens­wich­tig gewor­den als Fotograf? Oder stel­len die­se Bereiche ein­fach einen net­ten Nebenverdienst dar, der auch noch Spaß macht? Gruß, Johannes“

Meine Frage: Wie wich­tig ist Facebook-Marketing für dich und akqui­rier­st du auch grö­ße­re Kunden über dei­ne Facebookseite? Vielen Dank! Justus“

Womit lässt sich dei­ner Meinung nach besser/eher Geld ver­die­nen? Mit einem erfolg­rei­chen Blog oder mit Stockfotos?“

Hallo Robert,
mei­ne Frage bezieht sich auf das eige­ne “Branding”, also wie stellt man es an, sei­ne eige­ne “Marke” als Fotograf bekann­ter zu machen. Und wel­che Methoden/Mittel bie­ten sich an? Als Einzelkämpfer (ohne Angestellte) ist das ein Faktor, der neben der eigent­li­chen Arbeit oft zu kurz kommt. Wie machst du dir einen Namen bzw. wir hast du es geschafft, den “Robert Kneschke” bekannt zu machen? Spielt in der Stockfotografie bei­spiels­wei­se die Menge der Fotos, die man in Agenturen plat­ziert hat, eine ent­schei­den­de Rolle? Sprich: ab wann sucht jemand in der Agentur oder einer Suchmaschine gezielt nach dei­nem Namen, um Fotos von dir ange­zeigt zu bekom­men? Und einen eige­nen “Bildstil” zu ent­wi­ckeln, um sich von der Masse abzu­he­ben, wird nach mei­ner Einschätzung immer schwie­ri­ger. Ist es vor allem und zuer­st ein Blog, das Aufmerksamkeit erregt? Ist es das Kommentieren bei ande­ren, sind es Facebook & Co? Viele Grüße, Nora“

Damit ihr mei­ne Antwort rich­tig ein­ord­nen könn­te, möch­te ich beto­nen, dass ich nur von der Stockfotografie lebe und kei­ne Aufträge anneh­me. Das heißt, vie­le der Marketing-Maßnahmen, die ich für unnö­tig hal­te, mögen für einen Auftragsfotografen über­le­bens­wich­tig sein und anders­rum.

Im Gegensatz zu eini­gen mei­ner Fotografie-Kollegen sind mei­ne Aktivitäten neben der Kamera eher gering. Ich betrei­be zwar seit ca. acht Jahren ger­ne die­sen Blog „Alltag eines Fotoproduzenten“ und im Laufe der Jahre sind mei­ne bei­den Sachbücher „Stockfotografie“* und „Die Arbeit mit Models“* hin­zu­ge­kom­men. Vorträge und Seminare gebe ich jedoch nur sel­ten, viel­leicht zwei bis vier Mal im Jahr (das nächs­te Mal übri­gens wie­der auf der Photokina 2016).

Aber ganz nüch­tern betrach­tet: Ich könn­te locker auf die weni­gen Einnahmen der Bücher, vom Blog und den Vorträgen ver­zich­ten und damit viel­leicht sogar mehr ver­die­nen, weil ich in der frei­en Zeit mehr Stockfotos pro­du­zie­ren wür­de.

Andere Kollegen haben hin­ge­gen ber­ge­wei­se Workshops, DVDs und Seminare im Angebot, ver­öf­fent­li­chen deut­li­ch mehr Artikel in ihren Blogs und ihren Social-Media-Kanälen und so wei­ter. Der Unterschied ist jedoch: Diese Leute leben eben haupt­säch­li­ch davon, die­se Produkte sind ein wich­ti­ger, wenn nicht der größ­te, Teil ihrer Einnahmequellen. Vielleicht könn­te man die­se Leute kor­rek­ter als „Foto-Trainer“ statt als „Fotografen“ bezeich­nen. Das mag sei­ne Berechtigung haben, ist aber als Unterscheidung wich­tig, weil die Zielgruppe eine ande­re ist. Wer sich als Fotograf selbst ver­mark­ten will, muss „Kunden“ für Aufträge errei­chen. Wer als „Foto-Trainer“ unter­wegs sein will, sucht ande­re Fotografen als Kunden. Ein gutes Beispiel ist Calvin Hollywood, der sich öffent­li­ch immer öfter als Foto-Coach statt als Bildbearbeiter dar­stellt.

In die­se „Falle“ bin ich selbst anfangs getappt: Die ursprüng­li­che Idee zu mei­nem Blog war, mich bei mehr Bildkäufern bekannt zu machen. Da ich aber von Foto-Themen mehr Ahnung habe als vom Verkauf, inter­es­sie­ren sich vor allem ande­re Fotografen, aber nicht so sehr Bildkäufer für die­se Themen im Blog.

Damit ist mein Blog nicht so sehr ein Marketing-Instrument, wel­ches mehr Bildkäufe bringt, son­dern ein Hilfsmittel, um mich bei Kollegen und Agenturmitarbeitern bekann­ter zu machen, wel­che dann mit mir Informationen und ähn­li­ches aus­tau­schen. Das ist nütz­li­ch, aber schwer in „mehr „Umsatz“ zu mes­sen.

Ein Blog von einem Fotografen, den ich ger­ne ver­fol­ge, und der sich kon­se­quent an poten­ti­el­le Kunden rich­tet, ist der vom Kollegen Till Erdmenger.

Ähnliches gilt für die Facebook-Präsenz: Während Kollegen wie Matthias Schwaighofer min­des­tens meh­re­re Postings täg­li­ch abset­zen, sind es bei mir alle paar Tage einer. Auch hier gilt wie­der: Ich muss kei­ne Aufträge an Land zie­hen, weil ich das sowie­so nicht anbie­te. Natürlich kann es pas­sie­ren, dass ein Fotograf, der mei­nem Blog oder mei­ner Facebook-Seite folgt, eben­falls Grafikdesign für ande­re Kunden macht und dabei mal eini­ge mei­ner Stockfotos kauft, weil er mich durch mei­ne Veröffentlichungen immer im Hinterkopf hat. Ich ver­mu­te jedoch dass die­ser Effekt zu ver­nach­läs­si­gen ist. Die meis­ten Kunden bei Bildagenturen brau­chen ein bestimm­tes Motiv und suchen die­ses, indem sie Suchbegriffe bei den Agenturen ein­tip­pen.

Je spe­zi­el­ler jedoch die Nische, die ein Fotograf bedient, desto eher kön­nen sich Social-Media-Kanäle oder Blogs loh­nen, um sich als Experte für die­ses Gebiet pro­fi­lie­ren zu kön­nen.

Natürlich ist es mög­li­ch, mit einem Blog mehr Geld zu ver­die­nen als mi Stockfotos, sei es durch Werbung, Ebooks, Affiliate-Marketing oder ande­re Methoden, aber das erfor­dert grund­sätz­li­ch ande­re Fähigkeiten als wel­che, die nötig sind, um mit Stockfotos erfolg­reich zu sein.

Ein „Branding“ ist im Bereich der Stockfotografie deut­li­ch weni­ger nötig als in ande­ren Bereichen. Ich weiß, dass eini­ge Branchengrößen sehr erfolg­reich bei Bildagenturen sind, über die in der Öffentlichkeit fast nichts bekannt ist. „Africa Studio“*, „Ioannis Kounadeas“* oder „Gina Sanders“* sind nur eini­ge Beispiele. Während Auftragsfotografen ger­ne wegen ihres „eige­nen Stils“ gebucht wer­den, sind Stockfotografen Lieferanten für Mainstream-Looks, die sich natur­ge­mäß weni­ger stark von­ein­an­der abhe­ben oder teil­wei­se sogar kopie­ren.

Viele Tipps für erfolg­rei­ches Fotografen-Marketing bie­tet übri­gens mein Kollege Michael Omori Kirchner an.

Wie wich­tig ist das Selbstmarketing für euch?
Was funk­tio­niert am bes­ten für euren Bereich?

* Affiliate

Frag den Fotograf: Maximaler ISO-Wert für Stockfotos?

Kürzlich habe ich wie­der eine Frage bekom­men, die viel­leicht auch eini­ge ande­re Leserinnen und Leser inter­es­sie­ren könn­te.

Stefan schrieb mir:

Hallo Robert,

lese wei­ter­hin sehr inter­es­siert dei­nen Blog.
Habe Dich damals bei der Übersetzung dei­nes Fotolia-Ranking-Rechners ins Spanische unter­stützt.

Stelle mir schon län­ger die Frage, bis zu wel­chem maxi­ma­len ISO-Wert die Agenturen unse­re Bilder noch anneh­men?
Manchmal hat man in grö­ße­ren Räumen nicht genü­gend Licht und der Hintergrund wird zu fins­ter bei ISO 100–200. Bei sehr offe­ner Blende bekommt man evtl. die Schärfe nicht exakt genug auf die Augen der Models. Arbeite meis­tens mit 2 Systemblitzen und Durchlichtschirm.

Der Wert ist natür­li­ch abhän­gig von der Kamera. Da aber laut einer Deiner letz­ten Veröffentlichungen sehr vie­le mit der 5D arbei­ten wäre die­se Info even­tu­ell auch für einen grö­ße­ren Kreis inter­es­sant. Ich sel­ber habe seit kur­zem eine 6D, also auch Vollformat. (Vorher habe ich 4 Jahre Bilder von einer 600D hoch­ge­la­den. ISO 400 hat­ten aber vie­le Agenturen schon nicht mehr ange­nom­men. Natürlich auch mehr Rauschen bei APSC).

Würde mich über eine Antwort sehr freu­en. Falls inter­es­sant, kann­s­te die Frage auch ger­ne in „Frag den Fotograf“ auf­neh­men.

Schöne Grüße! Stefan“

Wie Stefan schon rich­tig erkannt hat, gibt es kei­ne pau­scha­le Aussage, weil die Bildqualität auch bei einem iden­ti­schen ISO-Wert stark von der Sensorgröße beein­flusst wird. Kameras mit einem klei­ne­ren Sensor fan­gen bei höhe­ren ISO-Werten schnel­ler an zu rau­schen als Kameras mit einem gro­ßen Bildsensor.

ISO-Werte eines Shootings on Location
ISO-Werte eines Shootings on Location

Erschwerend kommt hin­zu, dass der ISO-Wert frü­her bei den ana­lo­gen Filmen genormt war, aber jetzt, wo der „ISO-Wert“ die „digi­ta­le Lichtempfindlichkeit“ benen­nen soll, die Hersteller sich nicht mehr der Norm ver­pflich­tet füh­len. Das heißt: Verschiedene Digitalkameras wür­den bei der Aufnahme des iden­ti­schen Motivs mit dem glei­chen ISO-Wert unter­schied­li­ch hel­le Bilddateien erzeu­gen. Leider fin­de ich die Quelle nicht mehr, der Test, den ich gese­hen habe, ist schon eini­ge Jahre alt.

In der Praxis arbei­te ich mit der Vollformatkamera Canon EOS 5D Mark III*, mei­ne Aussagen bezie­hen sich also auf einen Vollformat-CMOS-Sensor.

Im Studio, wo ich vol­le Kontrolle über die Lichtverhältnisse habe, bleibt die Kamera stur auf ISO 100 gestellt, nur in Ausnahmefällen neh­me ich ISO 50, wenn ich zum Beispiel für bestimm­te Nahaufnahmen eine gerin­ge­re Schärfentiefe errei­chen möch­te, ohne die Helligkeit des Blitzlichts regu­lie­ren zu müs­sen.

On loca­ti­on fan­ge ich meist auch mit ISO 100 an, mer­ke aber oft, dass ich damit nicht fle­xi­bel genug bin, um an den Variablen Belichtungszeit und Blende dre­hen zu kön­nen, wes­halb ich schnell zu ISO 200 wechs­le. Dort blei­be ich auch lan­ge, nur in Ausnahmefällen schal­te ich auf ISO 400. Ich hat­te auch schon Shootings, bei denen Bilder mit ISO 640 akzep­tiert wur­den, aber spä­tes­tens bei ISO 800 nimmt die Bildqualität doch soweit ab, dass ich die Bilder nicht mehr ohne Rauschreduzierung raus­schi­cken wür­de.

Ich arbei­te unter­wegs in der Regel mit Kompaktblitzen, wie ich hier oder hier genau­er gezeigt habe, da kom­me ich bei ISO 200 übli­cher­wei­se auf eine Belichtungszeit zwi­schen 1/100 und 1/160 Sekunde bei einer Blende von f2 bis f4. Das ist ganz schön knapp kal­ku­liert, aber es bringt mir ja nichts, wenn ich den Blendenwert ver­grö­ße­re oder die Belichtungszeit ver­kür­ze, um schär­fe­re Fotos zu erhal­ten, das aber wie­der von einem höhe­ren ISO-Wert, der rau­schi­ger ist und damit eben­falls Unschärfe ins Bild bringt, zunich­te gemacht wird.

Die Hauptfrage kann ich jedoch lei­der nicht beant­wor­ten. Klar neh­men Agenturen auch mal Bilder mit ISO 800 an, aber das kommt natür­li­ch auch auf das Motiv an, auf die Qualität der Bearbeitung, wie sorg­fäl­tig „ent­rauscht“ wur­de und eini­ge ande­re Faktoren.

Was war euer höchs­ter ISO-Wert, mit dem ein Bild bei einer Bildagentur ange­nom­men wur­de?

* Affiliate

Frag den Fotograf: Keywords alphabetisch sortieren mit Adobe Lightroom?

In letz­ter Zeit bin ich unbe­merkt dazu über­ge­gan­gen, Fragen an mich per Email eben­falls per Email zu beant­wor­ten.

Da das aber wie­der dazu führt, dass ich die glei­chen Fragen mehr­mals beant­wor­te, will ich die Rubrik „Frag den Fotograf“ wie­der ver­stärkt befül­len, um bei sich wie­der­ho­len­den Fragen auf die­ses „FAQ“ ver­lin­ken zu kön­nen.

Ein Fotograf schrieb mir heu­te:

Hallo Robert,

ich hät­te 2 Fragen zur Fotolia Verschlagwortung.

Fotolia for­dert ja eine Gewichtung der Suchbegriffe. (Die ers­ten 7 Wörter wären wohl die wich­tigs­ten.)

Beim Importieren oder auch spä­ter in Lightroom ver­ge­be­ne Stichwörter wer­den von die­sem – unab­hän­gig von der Reihenfolge ihrer Eingabe – pene­trant in eine alpha­be­ti­sche Reihenfolge sor­tiert und so in die IPTC-Daten geschrie­ben. Ich bin nicht in der Lage, die­se Sortierwut von LR aus­zu­schal­ten. Wie gehst Du mit die­sem Problem um?

Kann ich bei Fotolia mit ruhi­gem Gewissen mit Umlauten und „ß“ ver­schlag­wor­ten und spielt Groß-Klein-Schreibung eine Rolle?

Danke und vie­le Grüße
Frank“

Die ers­te Frage kann ich leicht, wenn auch für vie­le lei­der nicht zufrie­den­stel­lend, beant­wor­ten:

Beispiel (m)einer Verschlagwortung mit Adobe Bridge
Beispiel (m)einer Verschlagwortung mit Adobe Bridge

Adobe Lightroom erlaubt der­zeit lei­der kei­ne manu­el­le Sortierung der Suchbegriffe!
Diese wer­den immer alpha­be­ti­sch sor­tiert.
Das ist einer der Hauptgründe, wes­halb ich Lightroom nicht nut­ze, son­dern statt­des­sen das alt­be­währ­te Adobe Bridge benut­ze, um mei­ne Suchbegriffe den IPTC-Daten hin­zu­zu­fü­gen.

Im Rahmen der Vorstellung von Adobe Stock konn­te ich mich mit eini­gen Produktentwicklern von Adobe unter­hal­ten und habe zusam­men mit ande­ren Stockfotografen noch mal betont, wie wich­ti­ge die Sortiermöglichkeit von Suchbegriffen in Adobe Lightroom wäre. Vielleicht tut sich ja was.

Wer eben­falls dazu bei­tra­gen möch­te, kann in die­sem Feedback-Thread von Adobe eine Nachricht hin­ter­las­sen. Eine wei­te­re Möglichkeit wäre, die­sen Wunsch hier bei „Dear Adobe“ zu hin­ter­las­sen.

Die zwei­te Frage ist eben­falls leicht zu beant­wor­ten:
Wenn als Sprache „deut­sch“ ein­ge­stellt ist, kommt die Bildagentur Fotolia* mit deut­schen Umlauten und dem „ß“ pro­blem­los klar, eher im Gegenteil füh­ren aus­ge­schrie­be­ne Umlaute wie „oe“ statt „ö“ zu weni­ger Suchergebnissen. Ich habe es mit „Störche“ vs. „Stoerche“ pro­biert, sowohl auf der deut­schen als auch us-amerikanischen Webseite von Fotolia.

Groß- und Kleinschreibung hin­ge­gen spielt mei­ner Erfahrung nach kei­ne Rolle, das könnt ihr eben­falls ein­fach selbst tes­ten, indem ihr Begriffe auf der Seite in bei­den Varianten ein­gebt.

Welches Programm nutzt ihr zum Eintragen eurer Metadaten?

* Affiliate

Frag den Fotograf: Lieber wenige Keywords oder viele?

Als Kommentar zu mei­nem Artikel über die belieb­tes­ten Smartphone-Fotos schrieb einer mei­ner Leser fol­gen­des:

Hallo Robert,

erst ein­mal dan­ke für die inter­es­san­te Analyse. Einen Punkt kann ich aller­dings nicht so ganz nach­voll­zie­hen bzw. viel­leicht miss­ver­ste­he ich das Argument auch nur. Du äußer­st die Vermutung, dass eine Beschränkung der Keywords auf weni­ge tref­fen­de Wörter den Bildern einen Verkaufsvorteil ver­schafft (weil unter den ers­ten zehn Fotos sechs mit sehr weni­gen Keywords sind). Das wür­de ja bedeu­ten, dass der Such/Anzeige-Algorithmus von Fotolia sol­che Bilder ganz gezielt nach vor­ne spült, weißt du dazu genaue­res? Ich bin eigent­li­ch immer davon aus­ge­gan­gen, dass mehr (zutref­fen­de) Keywords eigent­li­ch immer bes­ser sind (oder zumin­dest nicht scha­den kön­nen), da das Bild so von mehr Menschen und für unter­schied­li­che Konzepte gefun­den wer­den kann. Ich könn­te mir eher vor­stel­len, dass ins­ge­samt vie­le Bilder der Instant-Kollektion weni­ger Keywords haben, da es doch etwas ner­vi­ger ist auf dem Smartphone zu ver­schlag­wor­ten. Dass nun unter den zehn am bes­ten ver­kauf­ten auch sechs mit weni­gen Keywords sind, wäre dann ein­fach Zufall bzw. eine nor­ma­le Stichprobe der Instant-Kollektion. Sie sind dann nicht wegen der weni­gen Keywords so oft ver­kauft wor­den, son­dern trotz die­ser gerin­gen Anzahl (und auf­grund des guten Bildinhaltes natür­li­ch).

Beste Grüße,
Franz“

Da die­se Frage ver­mut­li­ch mehr Leute inter­es­siert, möch­te ich ver­su­chen, sie öffent­li­ch zu beant­wor­ten.

Junge Frau mit Kopfhörer nutzt Smartphone
Ein Hinweis vor­weg: Über die Funktionsweise des Suchalgorithmus von Fotolia* stel­le ich hier nur begrün­de­te Vermutungen basie­rend auf mei­ner Erfahrung an, ich kei­ner lei­der nicht garan­tie­ren, dass er ers­tens wirk­li­ch so funk­tio­niert und zwei­tens so blei­ben wird.

In einem Punkt hat Franz auf jeden Fall Recht: Die Verschlagwortung auf einem Smartphone ist ner­vig und müh­sam, was sehr wahr­schein­li­ch der Grund dafür ist, dass die Bilder aus der Instant-Kollektion im Durchschnitt weni­ger Keywords ent­hal­ten als ein „nor­ma­les“ Stockfoto.

Aber: Weniger Keywords kön­nen trotz­dem einen Verkaufsvorteil bedeu­ten. Lassen wir erst mal außer Acht, dass Fotolia die ers­ten sie­ben Keywords stär­ker gewich­tet, dazu kom­men wir spä­ter.

Machen wir ein Rechenbeispiel: Wir neh­men zwei iden­ti­sche Bilder. Das ers­te bekommt von uns zehn Suchbegriffe, das ande­re fünf­zig Wörter, aktu­ell das maxi­ma­le Limit bei Fotolia. Wenn jetzt ein Kunde nach einem Wort sucht, was in den zehn Suchbegriffen ent­hal­ten ist, hat die­ses Wort beim ers­ten Bild ein Gewicht von „10%“, weil das Wort zehn Prozent der gesam­ten Verschlagwortung aus­macht. Beim zwei­ten Bild wiegt das Wort nur „2%“. Es ist also ca. fünf Mal so wahr­schein­li­ch, dass das Bild mit den weni­ger Suchbegriffen bes­ser oder wei­ter vor­ne ange­zeigt wird und damit mehr Verkäufe erzie­len kann.

Wer mit­ge­dacht hat, mag jetzt ein­wen­den, dass das ande­re Bild durch die 40 wei­te­ren Wörter, die beim ers­ten Bild nicht ent­hal­ten sind, dadurch jedoch ins­ge­samt die glei­chen Chancen hät­te, weil jedes Wort zwar nur ein Fünftel Gewicht hat, dafür aber 5x so vie­le Wörter ent­hal­ten sind.

Dazu sage ich: Ja, aber.
Denn nicht jedes Wort wird gleich häu­fig gesucht. Wenn wir die klas­si­sche 80/20-Regel anwen­den, könn­ten wir ver­mu­ten, dass das Bild mit weni­ger Keywords 60% mehr Verkaufskraft hat als das Bild mit vie­len Kewords. Zumindest im Idealfall, wenn der Fotograf es schafft, wirk­li­ch die 10 meist­ge­such­ten Wörter aus dem Pool der 50 Wörter zu fischen.

(Mein Rechenweg: 80 Prozent der Pareto-Regel * 10 Bilder * 10 Prozent Gewicht macht 8000 im Vergleich zu 80 Prozent der Pareto-Regel * 10 Bilder * 2 Prozent Gewicht plus 20 Prozent der Pareto-Regel * 40 Bilder * 2 Prozent Gewicht ergibt 3200.)

Zusätzlich belohnt Fotolia sogar die ers­ten sie­ben Wörter und sie erhal­ten ver­mut­li­ch etwas mehr Gewicht als der Rest. Damit wür­de sich die Waage noch stär­ker zu Vorteil der Bilder mit weni­gen Keywords nei­gen.

Noch stär­ker neigt sich die Waage, wenn wir noch das Verhältnis von Klicks und Verkäufen berück­sich­ti­gen wür­den. Ich ver­mu­te, dass Bilder, die mehr Verkäufe bei der glei­chen Anzahl von Klicks erzie­len, bes­ser bewer­tet wer­den als Bilder mit weni­ger Verkäufen pro Klick. Es liegt auf der Hand, dass Bilder mit 10 pas­sen­den Keywords leich­ter einen guten Ratio in die­ser Hinsicht erzie­len kön­nen. Hier dazu ein Praxisbeispiel von mir.

Warum ver­wen­den dann die meis­ten Fotografen doch mehr als zehn Suchbegriffe?

Wenn jeder Fotograf nur das Minimum an Suchbegriffen ver­wen­den wür­de, wäre das für den Käufer zwar schön, weil die Treffer sehr gen­au wären, aber der „Long Tail“ wür­de ver­lo­ren gehen. Die guten Suchtreffer wür­den sich auf die Top-Suchbegriffe kon­zen­trie­ren und exo­ti­sche­re Suchbegriffe wür­den kaum zu Treffern füh­ren.

Deswegen kön­nen sich eini­ge Fotografen gut in „Nischen“ ein­rich­ten, wenn sie – am bes­ten zusätz­li­ch zu den Top-10-Suchbegriffen – noch eini­ge Wörter ver­wen­den, wel­che zwar nicht so häu­fig gesucht wer­den, dafür aber auch viel weni­ger Konkurrenz haben.

Meine Empfehlung ist des­halb gen­au die, wel­che jede Bildagentur ihren Fotografen mit­gibt: Verschlagworte so gen­au wie es geht mit so viel Suchbegriffen wie nötig, aber so wenig Keywords wie mög­li­ch.

Bei mei­nen People-Gruppenaufnahmen pen­delt sich das aktu­ell zwi­schen 40–50 Begriffen ein, bei Paaraufnahmen bei ca. 30–40, bei Einzelaufnahmen bei ca. 20–30 und bei Freistellern von Food oder Objekten kön­nen es auch mal nur 10–20 Begriffe sein.

Etliche nütz­li­che Tools und Links zur bes­se­ren Verschlagwortung fin­det ihr auch hier in die­ser Artikel-Aufwahl von mir.

Wie ver­schlag­wor­tet ihr? Nutzt ihr vie­le oder weni­ge Begriffe und war­um?

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