Archiv der Kategorie: Frag den Fotograf

Frag den Fotograf: Drei Wege, sich Anzahl der Keywords anzeigen zu lassen

Kürzlich schrieb mir der Leser Frank:

…bis­her habe ich noch kein Programm gefun­den, dass die Schlagworte zählt… Adobe Bridge kann sowas lei­der nicht. Da eini­ge Agenturen die Schlagworte z.B. auf 50 begren­zen, muss da spä­ter müh­se­lig von Hand gekürzt wer­den.
Habe schon eini­ge Zeit im Netz ver­bracht, ohne ein wirk­lich tref­fen­des Ergebnis …wobei ich da bestimmt etwas über­se­hen habe!?“

Angesichts der Wörterbeschränkungen eini­ger Agenturen ist es wirk­lich sinn­voll, schon vor dem Abschicken der Bilder zu wis­sen, wie vie­le Stichwörte man einem Bild beim Verschlagworten zuge­ord­net hat.

Es gibt meh­re­re Möglichkeiten, das zu kon­trol­lie­ren. Einige Wege möch­te ich hier vor­stel­len:

1. Methode: Das kostenlose Tool „Keyword Compare

Dieses Tool zählt nicht nur die Keywords (oben hin­ter „Keyword List One/Two“, son­dern ver­gleicht auch zwei Sets von Keywords mit­ein­an­der und lis­tet die Wörter auf, die im jeweils ande­ren Set feh­len, die iden­tisch sind und fasst bei­de Listen zusam­men.

Profi-Tipp 1: Wenn man nur eine Liste ver­wen­det, kann das Tool auch benutzt wer­den, um zu kon­trol­lie­ren, ob Keywords dop­pelt in einem Set vor­kom­men: Ist die Wörteranzahl bei „Keyword List One“ und „Keywords Only In List One“ unter­schied­lich, ist die Differenz die Menge der dop­pel­ten Keywords:

Profi-Tipp 2: Das Tool funk­tio­niert sogar off­line, wenn man sich die HTML-Datei kom­plett off­line abspei­chert. Dafür im Browser auf „Datei/Seite spei­chern unter…“ gehen und dann bei Dateityp „Webseite, kom­plett“ aus­wäh­len.

2. Methode: Die „Wörter zählen“-Funktion in MS Word oder OpenOffice

Da ich mei­ne Stichwörter ger­ne im Texteditor bear­bei­te, ver­wen­de ich haupt­säch­lich die­se Methode. Sowohl in Microsoft Word als auch in OpenOffice gibt es die Funktion „Wörter zäh­len“.

Auch unten in der Statusleiste wird die aktu­ell ver­wen­de­te (sowie nur die mar­kier­te) Wortanzahl ange­zeigt.

Profi-Tipp: Da ich manch­mal nicht nur die Wörterzahl, son­dern auch die Zeichenzahl sehen muss, zum Beispiel für die VG Wort, nut­ze ich doch lie­ber die „Wörter zählen“-Funktion. Um nicht jedes Mal im Menü rumkli­cken zu müs­sen, habe ich mir die Funktion als Tastaturkürzel ein­ge­rich­tet. Das könnt ihr (in Office 2016) unter „Datei/Optionen/Menüband anpassen/Registerkarte Überprüfen/Befehle: ExtrasWörterZählen/Neue Tastenkombination“ ein­stel­len.

Ich habe die Tastenkombination „STRG+Leertaste“ gewählt, weil ich wegen Copy&Paste sowie­so mei­nen klei­nen Finger stän­dig auf der STRG-Taste habe und dann bequem mit dem Daumen auf die Leertaste hau­en kann.

3. Methode: „Keyword Count“-Skript für Adobe Bridge

Ich habe hier schon dar­auf hin­ge­wie­sen, dass ich ein Freund von Skripten für Adobe Bridge bin, mit denen die Funktionalität der Bridge erwei­tert wer­den kann.

Es gibt eini­ge Anlaufstellen für sol­che Skripte bzw. kann man sich die­se mit etwas JavaScript-Erfahrung auch selbst pro­gram­mie­ren.
An die­ser Stelle wird auf ein Skript ver­wie­sen, wel­ches beim Hovern über ein Bild in Adobe Bridge die Keyword-Anzahl anzeigt.

Leider stürz­te dadurch Bridge immer ab, wenn ich über einen Ordner hover­te. Nach einem kur­zen Foren-Eintrag kam gleich die Hilfe einen ande­ren Foren-Users, der einen Fix anbot. Hier noch mal die fer­ti­ge JS-Datei als Rar-Datei gepackt zum Download, weil die Github-Links manch­mal ver­schwin­den. Installiert wird die .js-Datei, indem man in Bridge auf „Bearbeiten/Voreinstellungen/Startskripte/Eigene Startskripte anzei­gen“ geht. Dann öff­net sich ein Ordner, wo die Datei hin­ko­piert wer­den muss. Nun Bridge neu star­ten, die Sicherheitswarnung bestä­ti­gen und der Keyword-Zähler funk­tio­niert.

Und nur, um euch zu zei­gen, wie cool die­se Skripte (und die Adobe-Foren) sein kön­nen: Frank woll­te noch eine Möglichkeit, um die Bilder eines Ordners in Bridge nach der Keyword-Anzahl sor­tie­ren zu kön­nen. Er frag­te hier im Forum und erhielt bald eine Antwort, wo im jemand das Gewünschte pro­gram­mier­te:

Kennt ihr noch wei­te­re Wege, um bequem Keywords zu zäh­len?

Frag den Fotograf: Sind kleine Sticker und Designs in Fotos okay?

Heute fas­se ich mich mal kurz und las­se die Anfrage für sich spre­chen:

Lieber Robert,

ich hät­te da was für die Serie „Frag‚ den Anwalt“.

Anbei zwei Aufnahmen, die ich von der Qualitätskontrolle einer deut­schen Stock-Agentur zur Überarbeitung zurück bekom­men habe.
Strittig ist die Frage, ob die Aufkleber auf der Gitarrenbox, auf dem Laden-Türrahmen, dem Schaufenster und dem Abfallbehälter retu­sche­pflich­tig sind. Ebenso die gel­be Vintage-Verpackung aus den 50ern im Schaufenster.
Das von dem Geschäft „Hot Dogs“ ein Property vor­liegt ist selbst­ver­ständ­lich.
Nach mei­ner Rechtsauffassung ist kein Logo wirk­lich erkenn­bar und ähn­lich wie bei Graffiti tau­chen die Sticker qua­si unge­fragt im öffent­li­chen Raum auf. Schwer vor­stell­bar, dass nach Veröffentlichung einer sol­chen Aufnahme jemand auf Copyright-Verstoß klagt, zumal die Sticker von der Größe her nicht im Fokus der Aufnahmen ste­hen. Aufkleber mit ein­deu­ti­gen Logos hät­te ich natür­lich weg retu­schiert.

Viele Grüße,
Roger“

Eigentlich war die­se Frage für den Anwalt gedacht gewe­sen, aber da ich das Thema schon mehr­mals gegen­über Agenturen hat­te, ken­ne ich die unge­fäh­re Antwort dar­auf.

ich möch­te jedoch mei­ne Ausführungen mit einer Gegenfrage begin­nen:

Wenn ihr eine die­ser Grafiken allei­ne für Werbezwecke sehen wür­det, denkt ihr, dass der Grafiker der betref­fen­den Illustration dazu sei­ne Einwilligung geben müss­te?

Und wenn ich das Foto rechts kom­mer­zi­ell nut­zen wür­de, bräuch­te ich die Einwilligung des Fotografen und der abge­bil­de­ten Personen?

Die Wahrscheinlichkeit ist recht hoch, dass ihr „ja“ ant­wor­tet, wenn ihr etwas bewan­dert im Urheberrecht seid. Nun habe ich die gezeig­ten Bilder alle aus den Originalfotos extra­hiert, die mir der Fotograf Roger Richter freund­li­cher­wei­se für die­sen Artikel zur Verfügung gestellt hat.

Erahnt ihr schon das Problem?

Wenn die­se Fotos über Bildagenturen ange­bo­ten wer­den, darf der Kunde die­se Bilder in der Regel beschnei­den und ver­än­dern. Genau das habe ich auch gemacht und dar­aus urhe­ber­recht­lich pro­ble­ma­ti­sche Fallbeispiele gewon­nen. Natürlich ist es sehr unwahr­schein­lich, dass ein Kunde die­se brief­mar­ken­gro­ßen Illustrationen kom­mer­zi­ell ein­setzt. Es ist aber nicht aus­ge­schlos­sen und des­halb gehen eini­ge Bildagenturen lie­ber auf Nummer Sicher als hin­ter­her vor Gericht um ihr Recht kämp­fen zu müs­sen.

Dazu kom­men noch ande­re Faktoren: Die von mir extra­hier­ten Grafiken sind nur eini­ge der vie­len Aufkleber und Street-Designs im Bild, wer weiß also schon genau, wel­che recht­li­chen Stolperfallen in den ande­ren Motiven lie­gen.

Einige Aufkleber haben Text wie „Geile Scheiße“ oder „Elvis was just a fat pig“. Auch dar­über wür­de nicht jeder Kunde erfreut sein.

Die Datumsangaben auf eini­gen Aufklebern und Postern gren­zen das Aufnahmedatum ganz gut ein und limi­tie­ren somit die Nutzung über einen län­ge­ren Zeitraum hin­weg, wenn das Bild eine aktu­el­le Situation illus­trie­ren soll.

Das alles ist sehr klein­lich und pen­dan­tisch und ich gebe zu, dass ich mich schon selbst öfter über sol­che Pingeligkeiten sei­tens der Bildagenturen geär­gert habe. Nichtsdestotrotz sit­zen die Agenturen hier am län­ge­ren Hebel und wenn sie den Weg des gerings­ten Widerstands gehen wol­len, müs­sen die Fotografen lei­der oft mit­ge­hen.

Es ist lei­der gene­rell schwer, juris­tisch gegen Ablehnungen (oder Überarbeitungswünsche) von Bildagenturen argu­men­tie­ren zu wol­len, weil Rechtssicherheit nur einer der Aspekte ist, den Agenturen berück­sich­ti­gen. Wenn eine Agentur ein Bild nicht anneh­men will, könn­te sie immer noch ande­re Ablehnungsgründe wie Komposition, tech­ni­sche Qualität, kom­mer­zi­el­le Verwertbarkeit und so wei­ter anbrin­gen oder vor­schie­ben.

Wie seht ihr die Sache?

P. S.: Coole Fotos übri­gens.

Frag den Fotograf: Darf man als vollexklusiver Fotograf seine Bilder bei Instagram und Co. zeigen?

Vor paar Tagen bekam ich wie­der eine Mail mit einer span­nen­den Frage:

Lieber Robert,

bei Fotolia mögen weder Support noch Moderatoren die­se Frage zufrie­den­stel­lend beant­wor­ten:

Darf ich als Voll-EX mei­ne Bilder bei Instagram oder Facebook hoch­la­den, um damit mein Portfolio bei Fotolia zu bewer­ben?“

Auf die­se Frage haben sowohl Support als auch Moderator geant­wor­tet, dass es einem Voll-Ex nicht gestat­tet sei, die Bilder außer­halb von Fotolia /anzubieten/. Dies gel­te auch für alle Fotos, die von Fotolia abge­lehnt wur­den sowie alle wei­te­ren Werke des Anbieters usw.

Ich ste­he auf dem Standpunkt, dass ich Bilder auf Instagram oder FB gar­nicht anbie­ten kann, da bei­des kei­ne Konkurrenten von FT sind,  es kei­ne Möglichkeit zum Lizenzerwerb gibt usw. Auf Deinem Blog hat­te ich spon­tan nichts gefun­den. Hattest Du Dich hier­mit schon­mal befasst?

Die Diskussion im Forum fin­dest Du hier.

Herzlichen Dank und vie­le Grüße, Daniel“

Bevor ich ant­wor­te, eine Begriffsklärung, falls jemand nicht weiß, was mit „Voll-Ex“ gemeint ist. Das ist die Abkürzung für Voll-Exklusivität, bei der sich ein Fotograf ver­pflich­tet, sei­ne (Royalty Free) Bilder exklu­siv über eine Agentur anzu­bie­ten. Dafür erhält er in der Regel Vorteile gegen­über Fotografen, wel­che die iden­ti­schen Bilder über ver­schie­de­ne Agenturen anbie­ten kön­nen. Wer mehr zum Thema „Exklusivität“ lesen will, fin­det hier eini­ge Blogartikel von mir.

Nun zu mei­ner Antwort in Kürze:
Nein, ich per­sön­lich sehe da kein Problem.

Meine Antwort etwas aus­führ­li­cher:
Auf die­ser Webseite von Fotolia wer­den die Bedingungen für eine Voll-Exklusivität erläu­tert. Dort steht, dass Fotolia die ein­zi­ge Agentur sein will, die die Werke „lizenz­frei“ anbie­tet. Deshalb habe ich bei der Voll-Ex-Erklärung oben auch den eng­li­schen Begriff „royal­ty free“ in Klammern gesetzt. Wen die­se Begriffe ver­wir­ren, fin­det hier mei­ne aus­führ­li­che Erklärung.

Voll-Exklusivität-Ausnahmen bei Fotolia

Das bedeu­tet, dass es als Ausnahme unter ande­rem gestat­tet ist, sei­ne Bilder selbst „rights mana­ged“, also nicht lizenz­frei anzu­bie­ten und zu ver­kau­fen. Dazu muss man die Bilder ja eben­so irgend­wo zei­gen, genau­so wie es bei Facebook und Instagram der Fall wäre.

Ganz streng genom­men räu­men sich zwar Facebook, Instagram und Co. weit­rei­chen­de Rechte an hoch­ge­la­de­nen Bildern ein, wes­halb die­ses im Bild erwähn­te „nicht kos­ten­los zum Download zur Verfügung stel­len“ eine juris­ti­sche Grauzone ist.

Aber: Im Kern geht es der Bildagentur dar­um, dass ein Voll-Exklusiver Fotolia nir­gends Konkurrenz macht. Diese Gefahr sehe ich weder bei Instagram noch bei Facebook für gege­ben.

Wer ganz auf Nummer Sicher gehen will, lädt die betrof­fe­nen exklu­si­ven Bilder nur mit einem sicht­ba­ren Wasserzeichen woan­ders hoch, damit wird die Gefahr mini­miert, dass Bilderdiebe sich bei Facebook kos­ten­los bedie­nen.

Wie seht ihr das?

Einnahmen von Bildagenturen beim Finanzamt melden

In ziem­lich regel­mä­ßi­gen Abständen erhal­te ich Emails wie die­se bei­den hier:

Mein Steuerberater, mit dem ich im ers­ten Jahr bin, schreibt mir fol­gen­des: „Haben Sie zur Auszahlung der .….…. € von Fotolia eine Rechnung bzw. haben Sie die Möglichkeit, eine ord­nungs­ge­mä­ße Rechnung zu erhal­ten?“ Ich habe mir die Quittung über Credit Auszahlung von Fotolia aus­ge­druckt. Reicht mir die­se ein­fa­che Quittung aus zur Vorlage beim Finanzamt?“

Oder eine ande­re Agentur betref­fend:

Guten Tag Herr Kneschke,

vor­erst vie­len Dank für die vie­len nütz­li­chen Informationen auf Ihrem Blog. Ich habe durch Sie sehr viel über das Stockgeschäft gelernt.

Leider konn­te ich zur fol­gen­den Frage kei­ne Antwort fin­den (Eine Suchmaschine hat mir auch nicht wei­ter gehol­fen):
Wie gebe ich mei­ne Einnahmen von Shutterstock beim Steuerberater an?
Bei Fotolia kann man sich einen Beleg her­un­ter­la­den, damit gab es bis­her kei­ne Probleme beim Finanzamt.

Shutterstock hat mir geant­wor­tet, dass sie kei­ne Quittungen oder ähn­li­ches aus­stel­len.
Das hilft mir natür­lich auch nicht wei­ter. Die ein­zi­ge Möglichkeit besteht dar­in, dass ich mir bei Shutterstock die Auszahlungsübersicht oder eine Tabellenkalkulation her­un­ter­la­de.

Welche Informationen geben Sie an? Würden Sie mir bit­te wei­ter­hel­fen? Ich wür­de mich sehr über Ihre Antwort freu­en.“

Der Kern der Frage bei die­sen Mails ist immer: Wie wei­se ich dem Finanzamt mei­ne Einkünfte aus Bildagenturen nach?

In den Mails ist es schon ange­klun­gen, dass zumin­dest bei Fotolia der Download einer ein­fa­chen Quittung mög­lich ist. Diese fin­det ihr unter „Credits“, wenn ihr beim Filter nur das Häkchen bei „Ausgezahlt“ setzt und beim Ergebnis-Treffer auf den Link „Quittung“ klickt. Die Seite könnt ihr dann abspei­chern, aus­dru­cken und beim Finanzamt ein­rei­chen.

Bei Shutterstock und eini­gen ande­ren Bildagenturen gibt es die­se Möglichkeit lei­der nicht.

Ich dru­cke mir dafür ein­fach die Bestätigung des Zahlungseingangs von mei­nem Paypal-Konto aus, auch für alle ande­ren Bildagenturen.

Mein Steuerberater mein­te mal zu mir, dass das Finanzamt vor allem bei Ausgaben sehr kri­tisch ist und Belege sehen will. Dass jemand fälsch­li­cher­wei­se nicht erziel­te Einnahmen mel­den wür­de, sei hin­ge­gen eher sel­ten, wes­halb Einnahmen nicht so streng pro­to­kol­liert wer­den müs­sen. Mehr Einnahmen bedeu­ten ja in der Regel auch mehr Geld für das Finanzamt.

Zur Sicherheit noch der obli­ga­to­ri­sche Hinweis: Alle Hinweise ohne Gewähr, da ich weder Rechtsanwalt oder Steuerberater bin und kei­ne Haftung für die hier genann­ten Tipps geben kann.

Wie genau macht ihr das?

Frage von Photography Q & A – Selbstvermarktung für Fotografen

Vor über zwei Jahren habe ich hier im Blog das Buch „Photography Q&A“ von Zach Arias vor­ge­stellt und mei­ne Leser auf­ge­for­dert, mir eben­falls Fragen in den Kommentaren zu stel­len. Zwei die­ser Fragen woll­te ich dann im Blog beant­wor­ten.

Die ers­te Frage, wel­che Blitze ich benut­ze, habe ich vor lan­ger Zeit hier beant­wor­tet.

Kompass-V04-wide-selbstvermarktung_kleinHeute ist nun die zwei­te Frage an der Reihe, die sich rund um das Thema „Selbstvermarktung“ dreht. Genau genom­men haben meh­re­re Leser ähn­li­che Fragen gestellt, wel­che das Thema „Selbstvermarktung“ mit unter­schied­li­chen Schwerpunkten auf­grei­fen.

Hier die Fragen:

Vorweg erst­mal: inter­es­san­ter Blog, ich bin gera­de “drü­ber­ge­stol­pert”.
Daraus ergibt sich auch mei­ne Frage:
Wie wich­tig sind die­se Standbeine für Fotografen? Ich ken­ne kaum einen Fotografen, der “nur” Bilder anbie­tet. Es wer­den Blogs betrie­ben, Workshops oder Coachings ange­bo­ten, Bücher geschrie­ben. Alles sehr zeit­auf­wän­di­ge Tätigkeiten. Sind die­se Aspekte über­le­bens­wich­tig gewor­den als Fotograf? Oder stel­len die­se Bereiche ein­fach einen net­ten Nebenverdienst dar, der auch noch Spaß macht? Gruß, Johannes“

Meine Frage: Wie wich­tig ist Facebook-Marketing für dich und akqui­rierst du auch grö­ße­re Kunden über dei­ne Facebookseite? Vielen Dank! Justus“

Womit lässt sich dei­ner Meinung nach besser/eher Geld ver­die­nen? Mit einem erfolg­rei­chen Blog oder mit Stockfotos?“

Hallo Robert,
mei­ne Frage bezieht sich auf das eige­ne “Branding”, also wie stellt man es an, sei­ne eige­ne “Marke” als Fotograf bekann­ter zu machen. Und wel­che Methoden/Mittel bie­ten sich an? Als Einzelkämpfer (ohne Angestellte) ist das ein Faktor, der neben der eigent­li­chen Arbeit oft zu kurz kommt. Wie machst du dir einen Namen bzw. wir hast du es geschafft, den “Robert Kneschke” bekannt zu machen? Spielt in der Stockfotografie bei­spiels­wei­se die Menge der Fotos, die man in Agenturen plat­ziert hat, eine ent­schei­den­de Rolle? Sprich: ab wann sucht jemand in der Agentur oder einer Suchmaschine gezielt nach dei­nem Namen, um Fotos von dir ange­zeigt zu bekom­men? Und einen eige­nen “Bildstil” zu ent­wi­ckeln, um sich von der Masse abzu­he­ben, wird nach mei­ner Einschätzung immer schwie­ri­ger. Ist es vor allem und zuerst ein Blog, das Aufmerksamkeit erregt? Ist es das Kommentieren bei ande­ren, sind es Facebook & Co? Viele Grüße, Nora“

Damit ihr mei­ne Antwort rich­tig ein­ord­nen könn­te, möch­te ich beto­nen, dass ich nur von der Stockfotografie lebe und kei­ne Aufträge anneh­me. Das heißt, vie­le der Marketing-Maßnahmen, die ich für unnö­tig hal­te, mögen für einen Auftragsfotografen über­le­bens­wich­tig sein und anders­rum.

Im Gegensatz zu eini­gen mei­ner Fotografie-Kollegen sind mei­ne Aktivitäten neben der Kamera eher gering. Ich betrei­be zwar seit ca. acht Jahren ger­ne die­sen Blog „Alltag eines Fotoproduzenten“ und im Laufe der Jahre sind mei­ne bei­den Sachbücher „Stockfotografie“* und „Die Arbeit mit Models“* hin­zu­ge­kom­men. Vorträge und Seminare gebe ich jedoch nur sel­ten, viel­leicht zwei bis vier Mal im Jahr (das nächs­te Mal übri­gens wie­der auf der Photokina 2016).

Aber ganz nüch­tern betrach­tet: Ich könn­te locker auf die weni­gen Einnahmen der Bücher, vom Blog und den Vorträgen ver­zich­ten und damit viel­leicht sogar mehr ver­die­nen, weil ich in der frei­en Zeit mehr Stockfotos pro­du­zie­ren wür­de.

Andere Kollegen haben hin­ge­gen ber­ge­wei­se Workshops, DVDs und Seminare im Angebot, ver­öf­fent­li­chen deut­lich mehr Artikel in ihren Blogs und ihren Social-Media-Kanälen und so wei­ter. Der Unterschied ist jedoch: Diese Leute leben eben haupt­säch­lich davon, die­se Produkte sind ein wich­ti­ger, wenn nicht der größ­te, Teil ihrer Einnahmequellen. Vielleicht könn­te man die­se Leute kor­rek­ter als „Foto-Trainer“ statt als „Fotografen“ bezeich­nen. Das mag sei­ne Berechtigung haben, ist aber als Unterscheidung wich­tig, weil die Zielgruppe eine ande­re ist. Wer sich als Fotograf selbst ver­mark­ten will, muss „Kunden“ für Aufträge errei­chen. Wer als „Foto-Trainer“ unter­wegs sein will, sucht ande­re Fotografen als Kunden. Ein gutes Beispiel ist Calvin Hollywood, der sich öffent­lich immer öfter als Foto-Coach statt als Bildbearbeiter dar­stellt.

In die­se „Falle“ bin ich selbst anfangs getappt: Die ursprüng­li­che Idee zu mei­nem Blog war, mich bei mehr Bildkäufern bekannt zu machen. Da ich aber von Foto-Themen mehr Ahnung habe als vom Verkauf, inter­es­sie­ren sich vor allem ande­re Fotografen, aber nicht so sehr Bildkäufer für die­se Themen im Blog.

Damit ist mein Blog nicht so sehr ein Marketing-Instrument, wel­ches mehr Bildkäufe bringt, son­dern ein Hilfsmittel, um mich bei Kollegen und Agenturmitarbeitern bekann­ter zu machen, wel­che dann mit mir Informationen und ähn­li­ches aus­tau­schen. Das ist nütz­lich, aber schwer in „mehr „Umsatz“ zu mes­sen.

Ein Blog von einem Fotografen, den ich ger­ne ver­fol­ge, und der sich kon­se­quent an poten­ti­el­le Kunden rich­tet, ist der vom Kollegen Till Erdmenger.

Ähnliches gilt für die Facebook-Präsenz: Während Kollegen wie Matthias Schwaighofer min­des­tens meh­re­re Postings täg­lich abset­zen, sind es bei mir alle paar Tage einer. Auch hier gilt wie­der: Ich muss kei­ne Aufträge an Land zie­hen, weil ich das sowie­so nicht anbie­te. Natürlich kann es pas­sie­ren, dass ein Fotograf, der mei­nem Blog oder mei­ner Facebook-Seite folgt, eben­falls Grafikdesign für ande­re Kunden macht und dabei mal eini­ge mei­ner Stockfotos kauft, weil er mich durch mei­ne Veröffentlichungen immer im Hinterkopf hat. Ich ver­mu­te jedoch dass die­ser Effekt zu ver­nach­läs­si­gen ist. Die meis­ten Kunden bei Bildagenturen brau­chen ein bestimm­tes Motiv und suchen die­ses, indem sie Suchbegriffe bei den Agenturen ein­tip­pen.

Je spe­zi­el­ler jedoch die Nische, die ein Fotograf bedient, des­to eher kön­nen sich Social-Media-Kanäle oder Blogs loh­nen, um sich als Experte für die­ses Gebiet pro­fi­lie­ren zu kön­nen.

Natürlich ist es mög­lich, mit einem Blog mehr Geld zu ver­die­nen als mi Stockfotos, sei es durch Werbung, Ebooks, Affiliate-Marketing oder ande­re Methoden, aber das erfor­dert grund­sätz­lich ande­re Fähigkeiten als wel­che, die nötig sind, um mit Stockfotos erfolg­reich zu sein.

Ein „Branding“ ist im Bereich der Stockfotografie deut­lich weni­ger nötig als in ande­ren Bereichen. Ich weiß, dass eini­ge Branchengrößen sehr erfolg­reich bei Bildagenturen sind, über die in der Öffentlichkeit fast nichts bekannt ist. „Africa Studio“*, „Ioannis Kounadeas“* oder „Gina Sanders“* sind nur eini­ge Beispiele. Während Auftragsfotografen ger­ne wegen ihres „eige­nen Stils“ gebucht wer­den, sind Stockfotografen Lieferanten für Mainstream-Looks, die sich natur­ge­mäß weni­ger stark von­ein­an­der abhe­ben oder teil­wei­se sogar kopie­ren.

Viele Tipps für erfolg­rei­ches Fotografen-Marketing bie­tet übri­gens mein Kollege Michael Omori Kirchner an.

Wie wich­tig ist das Selbstmarketing für euch?
Was funk­tio­niert am bes­ten für euren Bereich?

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