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Rafael Classen verliert Einstweilige Verfügung gegen mich wegen meiner Blogartikel zu 75%

Der Versuch des Fotografen Rafael Classen, mich wegen mei­ner Berichterstattung über sei­ne Aktivitäten „mund­tot“ zu machen, ist glück­li­cher­wei­se größ­ten­teils gescheitert.

Teil des Deckblatts des Urteils vom LG Berlin

Sein Antrag auf Erlass einer Einstweiligen Verfügung gegen mich vor dem Landgericht Berlin wur­de über­wie­gend zurück­ge­wie­sen (Aktenzeichen 15 O 342/​22).

Der Kern des Urteils ist wohl die­ser Satz:

Das Gericht hat kei­nen Zweifel dar­an, dass dem Blogeintrag des Antragsgegners in der Gesamtschau die ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Aussagen zu ent­neh­men sind. Der Hauptantrag zu 1 schei­tert – wie soeben aus­ge­führt – viel­mehr dar­an, dass die­se Aussagen als wahr anzu­se­hen sind.“

Ich über­set­ze mal salopp: Es stimmt halt, was ich in die­sem Blogartikel geschrie­ben hat­te, daher darf ich es schreiben.

Konkreter schreibt das Gericht:

Die Aussage, „der Antragssteller behaup­te, Adobe habe kei­ne Berechtigung zur Vergabe von Nutzungsrechten des Antragsstellers, obwohl er über Wirestock Adobe die Berechtigung mit­tel­bar ein­räu­me und obwohl sei­ne Bilder bei Adobe online sei­en“, kann der Antragssteller dem Antragsgegner unter kei­nem recht­li­chen Gesichtspunkt verbieten.“

Antragsteller ist hier übri­gens Herr Classen, Antragsgegner bin ich.

Weiter heißt es:

Der Antragsstellerin [sic] hat zwar in Abrede gestellt, die Aussage, Adobe habe kei­ne Berechtigung zur Vergabe von Nutzungsrechten des Antragsstellers, getä­tigt zu haben. Damit hat er aber kei­nen Erfolg. Die Aussage ent­stammt sei­ner E‑Mail vom 14. Juli 2022, und der Antragssteller hat die­sen Inhalt auch nicht in Abrede gestellt. Weshalb es an der recht­li­chen Beurteilung etwas ändern soll­te, dass es sich um eine „Individualkommunikation“ han­delt (was zutrifft), sagt der Antragssteller nicht und ist auch nicht ersicht­lich. Er beruft sich vor allem dar­auf, dass sich sei­ne Aussage ledig­lich auf ein Bild bezo­gen habe, wel­ches er nicht über Wirestock zur Verfügung gestellt habe, also dass es sich nicht um eine gene­rel­le Aussage han­de­le. Eine sol­che Einschränkung ist sei­ner Mail vom 14. Juli 2022 aber nicht zu ent­neh­men; viel­mehr ver­hält sich die­se eben all­ge­mein zur Berechtigung von Adobe. Dies ist auch kei­nes­wegs unwe­sent­lich: Schon dann, wenn sich die Empfängerin der Mail an die Lizenzierung wei­te­rer Bilder des Antragsstellers den­ken soll­te, wäre sie durch die Aussage des Antragsstellerin [sic] unzu­tref­fend infor­miert. Und Gleiches gäl­te für Dritte, an die sie die Mail wei­ter­ge­lei­tet oder davon berich­tet haben könnte.“

Dem Gericht war es auch nicht ersicht­lich, war­um ich nicht iden­ti­fi­zie­rend über Herrn Classen berich­ten kön­nen sol­le. Weiterhin habe ich sei­ne Namensrechte nicht durch die blo­ße Nennung ver­letzt und auch eine „Prangerwirkung“ sieht das Gericht nicht:

Auch unter dem Gesichtspunkt einer „Prangerwirkung“ liegt inso­weit kei­ne Rechtsverletzung vor. Zwar stellt die Verbreitung einer ruf­schä­di­gen­den, aber wah­ren Tatsache einen rechts­wid­ri­gen Eingriff in das Recht am Gewerbebetrieb (§ 823 Abs. 1 BGB) dar, wenn sie zu einer Wettbewerbsverzerrung führt, weil aus einer Mehrzahl von Unternehmen, die sämt­lich Anlass zu der frag­li­chen Kritik geben, eines her­aus­ge­grif­fen und an den Pranger gestellt wird (MüKoBGB/​Wagner, 8. Aufl. 2020, BGB § 823 Rn. 392 mwN). Dass meh­re­re Fotografen unzu­tref­fen­de Angaben über die Berechtigung von Unternehmen wie Adobe gemacht hät­ten, behaup­tet der Antragssteller aber nicht ein­mal. Gerade damit beschäf­tigt sich der Blogbeitrag aber und nicht nur, wie der Antragssteller meint, all­ge­mein mit der Durchsetzung von Rechten in der Branche der Fotografen.“

Weiter schreibt das Landgericht Berlin im Urteil:

Im Übrigen gilt, dass selbst über­zo­ge­ne, her­ab­set­zen­de, unge­rech­te und aus­fäl­li­ge Äußerungen hin­zu­neh­men sind, solan­ge die Auseinandersetzung in der Sache im Vordergrund steht (MüKoBGB/​Wagner, 8. Aufl. 2020, BGB § 823 Rn. 390). Dies muss nach Auffassung des Gerichts auch für die Form gel­ten. Vor die­sem Hintergrund unter­liegt es kei­nen Bedenken, dass der Name des Antragstellers an den Beginn der Überschrift gestellt ist und im Text 26 mal erscheint sowie dass der Antragsgegner noch in wei­te­ren Beiträgen über den Antragssteller berich­tet („fort­wäh­ren­de Berichterstattung“) und die­se Beiträge unter einen sog. „Tag“ mit dem Namen des Antragsstellers in einem Archiv vereint.“

Warum nur 75% gewonnen?

Jetzt wird es span­nend. Der Antrag wur­de nicht kom­plett abge­wie­sen, weil Herr Classen neben etli­chen von mir nach­weis­ba­ren Tatsachen auch zwei Punkte bemän­gel­te, wel­che ich tat­säch­lich nicht bewei­sen konnte.

Ich darf jetzt nicht mehr schrei­ben, dass Herr Classen flei­ßig bei Wirestock hoch­la­den wür­de, weil im Laufe des Verfahren klar wur­de, dass Herr Classen schon seit dem 11. Februar 2022 bei Wirestock gesperrt und seit dem 5. Juli 2022 dort gekün­digt wor­den war.

Der zwei­te Punkt ist mei­ne Aussage, dass ich behaup­tet hat­te, Herr Classen wüss­te, dass sein Name nicht in den Metadaten ent­hal­ten sei, wenn Bilder bei Wirestock zu Adobe Stock geschickt würden.

Da ich nicht in sei­nen Kopf gucken kann, kann ich das nicht bewei­sen. Ich zitie­re hier mal den Anwalt von Herr Classen:

Richtig ist wei­ter, dass dem Antragsteller nicht bewusst war, dass bei der Unterlizenziening [sic] durch Wirestock sein Name aus den Metadaten gelöscht wer­den würde.“

Wie glaub­wür­dig das ist, muss jeder selbst ent­schei­den.
Aber dann hat selbst er als erfah­re­ner, pro­fes­sio­nel­ler Fotograf immer­hin was durch mei­nen Blogartikel gelernt. Ist ja auch was Schönes.

Wo wir gera­de dabei sind: Seine Bilder, die er – meist ohne sicht­ba­re Wasserzeichen – auf sei­nen Account „rcfo­to­s­tock“ bei Pinterest hoch­lädt, ent­hal­ten nur teil­wei­se sei­nen Namen in den Metadaten. Auch die Bilder, die er bei der Plattform pexels.com im Account „rcpho­to­s­tock“ gra­tis anbie­tet, sind aktu­ell nach dem Runterladen nicht mit Metadaten versehen.

Vielleicht über­prüft ihr das mal, damit ich ein paar Zeugen habe, falls die Bilder zufäl­lig plötz­lich ver­schwin­den sollten?

Jedenfalls: Da das Gericht in den bei­den Punkten Herr Classen recht geben muss­te, soll ich von den Verfahrenskosten 25% tra­gen, die rest­li­chen 75% muss Herr Classen bezah­len. Das Urteil ist aktu­ell noch vor­läu­fig, es kann also noch Berufung ein­ge­legt werden.

Ich möch­te an die­ser Stelle noch mal allen Beteiligten dan­ken, die mir hin­ter den Kulissen dabei gehol­fen haben, mich gegen die Abmahnung und Einstweilige Verfügung zu ver­tei­di­gen. Vielen Dank euch allen!

Rafael Classen, Abmahnungen, fehlende IPTC-​Daten und Wirestock: Der aktuelle Stand

Einer mei­ner meist­ge­le­se­nen Artikel im Blog die­ses Jahr ist „Rafael Classen ver­schickt „Abmahnungen“ an Bildkäufer wegen Social Media Nutzung“ sowie der Folgeartikel „Zwickmühlen-​Falle: Neue „Abmahnungen“ durch Rafael Classen (RC Photostock) gegen Bildkäufer“.

Da mich wei­ter­hin regel­mä­ßig Kontaktanfragen betrof­fe­ner Bildkäufer errei­chen und sich bei dem Thema eini­ges getan hat, gibt es heu­te ein kur­zes Update.

Fehlende oder gelöschte IPTC-Metadaten

Betrafen die ers­ten „Abmahnungen“ von Rafael Classen haupt­säch­lich angeb­li­che unpas­sen­de Social-​Media-​Nutzungen, ist er nun umge­schwenkt auf angeb­lich gelösch­te IPTC-Metadaten.

Als Nachweis für die angeb­lich gelösch­ten IPTC-​Metadaten führt er zwei Links bei Spiegel Online und dem Bundesumweltministerium an, die Bilder von Herr Classen nut­zen. Diese Bilder ent­hal­ten zwar tat­säch­lich Urhebernachweise in den IPTC-​Daten, jedoch sind die­se laut IPTC-​Daten bei EyemEm/​Getty Images bzw. iStock gekauft wor­den. Daraus lässt sich nicht ablei­ten, dass sei­ne Bilder bei Adobe Stock oder Fotolia Urhebernachweise enthielten.

Classen ver­weist in sei­nen Emails ger­ne aus­führ­lich dar­auf, dass Adobe Stock in deren Lizenzbestimmungen „eine Entfernung der urhe­ber­recht­lich geschütz­ten Schutzrechtshinweise in den IPTC-​Metadaten in kei­ner Lizenz erlaubt“.

Er ver­gisst jedoch zu erwäh­nen, dass die Anbieter bei Adobe Stock spä­tes­tens seit Juli 2016 beim Upload von Bildern den Nutzungsbedingungen zuge­stimmt haben, in denen unter ande­rem steht:

5.2 […] Des Weiteren dür­fen Metadaten ohne Haftung durch uns, unse­re Vertriebshändler oder unse­re Benutzer geän­dert, ent­fernt oder erwei­tert werden.“

Am 1. März 2022 gab es eine Aktualisierung die­ser Nutzungsbedingungen, in denen nun kon­kre­ter steht:

7.1. […] Sie sind ins­be­son­de­re damit ein­ver­stan­den, dass Unternehmen der Adobe-​Gruppe Urheberangaben, die in Metadaten ent­hal­ten sind, ent­fer­nen oder modi­fi­zie­ren und dies auch ihren Nutzern gestat­ten. Diese Befugnis ist beschränkt auf sol­che Fälle, in denen Metadaten infol­ge einer ver­trags­ge­mä­ßen Wahrnehmung von Nutzungs- und Bearbeitungsrechten durch Unternehmen der Adobe-​Gruppe oder sei­ne Nutzer (etwa bei Bearbeitung, Übertragung, Ergänzung, Kürzung, Kompilierung, Werkverbindung und Collagierung), z.B. infol­ge der Verwendung markt­üb­li­cher Bearbeitungssoftware, auto­ma­ti­siert ent­fernt werden.“

Ich ver­mu­te, dass die Aktivitäten von Herr Classen ein Grund für die Konkretisierung der Nutzungsbedingungen waren.

Die „markt­üb­li­che Bearbeitungssoftware“ agiert aktu­ell näm­lich lei­der nicht so kon­sis­tent, wie nor­ma­le Benutzer anneh­men könn­ten. Werden Bilder im CMS WordPress für Webseiten mit­tels einem dort inte­grier­ten Bildgrößen-​Preset ver­klei­nert, blei­ben die IPTC-​Metadaten ent­hal­ten. Wird ein Bild dort jedoch mit einem manu­ell ver­ge­be­nen Wert ver­klei­nert, ver­schwin­den die Metadaten. Da muss mensch erst mal drauf kommen…

Das ist rele­vant, weil der §95c UrhG eine wis­sent­li­che Handlung vor­aus­setzt, die ver­mut­lich nicht gege­ben ist, wenn das CMS-​Verhalten sich undo­ku­men­tiert je nach Detaileinstellung unterscheidet.

Rückkehr zu Adobe Stock durch die Hintertür Wirestock

In sei­nen wir­ren Emails erklärt Herr Classen lang und breit, dass Adobe Stock ihm die Zusammenarbeit gekün­digt habe. Darüber hin­aus schreibt er:

Es besteht kei­ner­lei ver­trag­li­che Verbindung mehr zwi­schen mir und Adobe Stock/​ Fotolia, die Firma Adobe Stock/​ Fotolia ist hier auch nicht zustän­dig. Der guten Ordnung hal­ber wei­se ich noch­mals dar­auf hin, dass die Firma Adobe Stock/​ Fotolia seit gerau­mer Zeit nicht mehr berech­tigt ist, Nutzungsrechte an mei­nen Werken zu gewähren.“

[Update 10.11.2022: Satz auf­grund einer Einstweiligen Verfügung ent­fernt.] Wirestock ist ein Dienstleister, der es Fotografen erlaubt, die dort hoch­ge­la­de­nen Bilder im Namen von Wirestock an meh­re­re Microstock-​Agenturen gleich­zei­tig zu ver­tei­len; dar­un­ter auch Adobe Stock.

Da die Fotografen die­se Auswahl selbst tref­fen müs­sen, ist es komisch, dass er wei­ter­hin behaup­tet, dass Adobe kei­ne Nutzungsrechte an sei­nen Werken ver­ge­ben dürfe.

Foto von Rafael Classen via Wirestock bei Adobe Stock

Da Rafael Classen bei Adobe Stock wegen sei­ner Aktivitäten zah­len­der Kunden gegen­über nicht gern gese­hen ist, ist es sehr nütz­lich, dass die neu­en Bilder von Rafael Classen nun nicht mehr unter sei­nem Namen dort ange­bo­ten wer­den, son­dern im Namen von Wirestock (sie­he Screenshot oben).

Woher ich dann weiß, dass obi­ges Foto tat­säch­lich von Herr Classen ist?
Das glei­che Bild ist auch in sei­nem eige­nen Webshop RC-​Photo-​Stock mit der Urheberangabe „rclas­sen“ erhältlich:

Das glei­che Bild auf RC Photo Stock

Das ist kein Einzelfall, denn es betrifft etli­che Bilder, hier ein zwei­tes Beispiel, dies­mal aus dem „Wirestock Creators“-Account bei Adobe Stock:

Foto von Rafael Classen via Wirestock bei Adobe Stock

Als Nachweis wie­der das glei­che Bild in sei­nem eige­nen Bildershop:

Das glei­che Bild auf RC Photo Stock

Ironischerweise ent­hal­ten die Bilder von Rafael Classen, wel­che via Wirestock bei Adobe Stock ange­bo­ten wer­den, nur den Urheberhinweis „Wirestock – stock.adobe.com“ in den IPTC-​Metadaten. [Update 10.11.2022: Satz auf­grund einer Einstweiligen Verfügung entfernt.]

Wer als zah­len­der Kunde Streit mit Rafael Classen ver­mei­den möch­te, soll­te also auch bei Bildern von Wirestock (und Wirestock Creators) sehr auf­pas­sen, ob das Bild even­tu­ell von Herr Classen sein könn­te und Metadaten enthält.

Wie Herr Classen ange­sichts sei­ner akti­ven Bilder bei Adobe Stock zu der Annahme kommt, dass die Bildagentur kei­ne Nutzungsrechte an sei­nen Werken ein­räu­men dür­fe, ist mir lei­der schlei­er­haft. Eine dies­be­züg­li­che Anfrage an Herr Classen beant­wor­te die­ser lei­der nur mit einem Verweis auf sei­ne Anwaltskanzlei. Diese schrieb dann:

Wie Ihrer Presseanfrage inhalt­lich zu ent­neh­men ist, sind Sie mit den Anforderungen der Rechtsprechung an die Gewährung einer hin­rei­chend sub­stan­ti­ier­ten Gelegenheit zur Stellungnahme nicht ver­traut. Insofern kann eine Stellungnahme unse­res Mandanten nicht erfolgen.“

Am bes­ten wäre es aus Sicht von Herr Classens Anwälten jedoch, wenn ich die­se Berichterstattung ganz unter­las­sen würde:

„Wir mah­nen inso­fern drin­gend zur Zurückhaltung und zur Einhaltung der erfor­der­li­chen Sorgfalt, bes­ser zur Abstandnahme von dem geplan­ten Vorhaben, des­sen Intention zuvör­derst unlau­te­re Ziele zum Gegenstand zu haben scheint.“

Abmahnung wegen fehlender Abmahnung

Die Allianz deut­scher Designer AGD hat­te letz­tes Jahr den Artikel „Abmahnung wegen der Löschung von Metadaten“ ver­öf­fent­licht, um deren Mitglieder vor den Praktiken von Herr Classen zu war­nen. Unter ande­rem wegen der berich­te­ten Abmahnungen mahn­te Herr Classen die AGD ab, weil er angeb­lich kei­ne Abmahnungen, son­dern nur „Berechtigungsanfragen“ ver­sen­den wür­de. Blöd ist nur, dass Herr Classen doch rich­ti­ge Abmahnungen ver­schickt hat­te. Der Fall ende­te in einem Vergleich, der unter ande­rem ent­hielt, dass Herr Classen auf der Webseite der AGD die Möglichkeit bekam, sei­ne Sicht der Dinge darzulegen.

Das mach­te Herr Classen dann im Artikel „Rechteverfolgung wegen der Löschung von Foto-​Metadaten“.

Disclaimer/​Full Disclosure: Ich habe aktu­ell mit Herrn Classen eben­falls eine juris­ti­sche Auseinandersetzung in einer ande­ren Sache.

Update 5.8.2022:
Die Direktorin Kirsten Harris von Adobe Stock Content bat mich, fol­gen­des zu aktua­li­sie­ren: „Ich […] muss rich­tig­stel­len, dass Wirestock Content von Classen aus ihrem Adobe Stock Account ent­fernt hat. Die bei­den Fotos, die Du als Beispiele ange­zeigt hast, gibt es nicht mehr auf Adobe Stock. Ich bit­te Dich, Deinen Beitrag ent­spre­chen upzudaten.“

Update 10.11.2022:
Aufgrund einer Einstweiligen Verfügung, wel­che Herr Rafael Classen gegen mich erwirkt hat, darf ich zwei Sätze in die­sem Artikel nicht mehr ver­öf­fent­li­chen. Der Behauptung der Gegenseite, dass die­ser Artikel eine „unwah­re Gesamtaussage“ ent­hal­te, konn­te das Gericht aber nicht folgen.

Warum du nie mit Wirestock arbeiten solltest (Gastartikel)

[Der fol­gen­de Gastartikel ist eine Übersetzung des eng­lisch­spra­chi­gen Blog-​Artikels „Why you should never ever work with Wirestock“ von dem xpiks-Gründer Taras Kushnir durch mich. Da sich die Funktionsweise von xpiks als Multi-​Upload-​Tool sowie von Wirestock etwas über­schnei­den, mag Taras Haltung vor­ein­ge­nom­men sein, aber den­noch greift er eini­ge nen­nens­wer­te Punkte auf.]

Wirestock ist ein Online-​Dienst, der über ein „Dachkonto“ bei Microstocks die Werke ande­rer Anbieter ver­kauft. Sie bie­ten bestimm­te Vorteile wie auto­ma­ti­sche Verschlagwortung und Hochladen von Inhalten gegen eine Gebühr aus Ihren Verkäufen.

Überraschenderweise ist es aber für vie­le, wenn nicht sogar für alle, Anbieter kei­ne Win-​Win-​Situation. Tatsächlich haben wir fest­ge­stellt, dass es für Autoren mit zwei und mehr Jahren Erfahrung viel siche­rer ist, eige­ne Konten zu verwenden.

Sehen wir uns an, wie die Verwendung von Wirestock Ihrer Microstock-​Karriere scha­den kann.

Was ist ein Wirestock?

Wirestock ist ein arme­ni­sches Venture-​Startup, das 2018 in San-​Jose, Kalifornien, regis­triert wur­de. Es erhielt laut Crunchbase ein Seed-​Investment in Höhe von 2,3 Millionen US-​Dollar und hat die Startup-​Schule YCombinator unter den Investoren.

Nutzenversprechen von Wirestock

Was Wirestock Ihnen ver­kauft, kann in zwei Bereiche unter­teilt werden:

  1. Ihr „macht nur Fotos“ und sie erle­di­gen den Rest, ein­schließ­lich des Hochladens in Microstock-​Agenturen und der Verschlagwortung.
  2. Da ihr „Dach“-Konto grö­ße­re Mengen ver­kauft als ein Einzelkonto, stei­gen sie schnel­ler in höhe­re Stufen der pro­gres­si­ven Lizenzgebühren auf.

Für die­se Privilegien kas­sie­ren sie die 15 % des Gewinns, die Sie von den Microstocks erhalten.

Klingt ein­fach? Sehen wir uns an, wie gut das für sie und schlecht für Sie ist.

Gründe, Wirestock zu meiden

Ewige Gebühr für eine einmalige Dienstleistung

Wirestock behaup­tet, dass Sie „beru­higt sein“ kön­nen, weil sie die Dateien für Sie ver­schlag­wor­ten und hochladen.

Da die Verschlagwortung und das Hochladen nur ein­mal erfolgt, ist es leicht ein­zu­se­hen, dass Wirestock Ihnen ewig 15 % für etwas berech­net, das sie nur ein­mal tun! Dies ist ein sehr lukra­ti­ves Geschäftsmodell – natür­lich für das Unternehmen.

Das Verschlagworten und Hochladen kann ein­tö­nig und manch­mal sogar lang­wei­lig sein, aber es gibt vie­le Möglichkeiten, es schnel­ler zu machen. Verwenden Sie bes­se­re Tools oder bezah­len Sie sogar ande­re (ein­mal!) dafür, dass sie es für Sie tun.

Steuern

Beachten Sie auch, dass die 15 % eine Gebühr für Ihren Verdienst vor Steuern sind, was bedeu­tet, dass Ihr Gewinn nach Steuern noch gerin­ger aus­fällt, je nach Ihrem Steuersatz. Wenn Sie z. B. 100 $ mit Mikrostock ver­dient haben und der Steuersatz in Ihrem Land 20 % beträgt, beläuft sich Ihr tat­säch­li­cher Gewinn auf 80 $ (100 $ * 0,8). Nach Wirestock beträgt Ihr tat­säch­li­cher Verdienst nur $68 ($100 * 0,85 * 0,8).

Höhere Lizenzgebühren kaum sinnvoll

Wirestock behaup­tet, Sie bekä­men mehr Geld, weil ihr Konto in der höhe­ren Tarifstufe liegt.

Aber nicht alle Microstocks haben das System der pro­gres­si­ven Lizenzgebühren über­nom­men. Und von den­je­ni­gen, die es über­nom­men haben, setzt nur Shutterstock sie jedes Jahr zurück. Zum Zeitpunkt der Erstellung die­ses Artikels hat Adobe Stock zum Beispiel eine pau­scha­le Lizenzgebühr von 33 %. Adobe hat zwar eine Mindesttarifstufe von $0,33, $0,36 und $0,38, abhän­gig von der Anzahl der Verkäufe, aber das macht kaum kei­nen Unterschied ($3/​Monat für jede 100 Verkäufe zwi­schen den Stufen). Ganz zu schwei­gen davon, dass Sie kos­ten­lo­sen Zugang zur Adobe Creative Cloud erhal­ten, wenn Sie einen eige­nen Anbieter-​Account mit mehr als 150 Downloads haben. Depositphotos hin­ge­gen kumu­liert Ihren Fortschritt über Jahre hin­weg, so dass der Effekt des anfäng­li­chen grö­ße­ren Verkaufsvolumens nicht so groß ist. Ungefähr nach ein bis zwei Jahren errei­chen die meis­ten Fotografen, die kon­stant Bilder hoch­la­den, anstän­di­ge Lizenzgebühren für die Microstocks mit Akkumulationsschema.

Wenn Sie Neuling sind, macht es kei­nen gro­ßen Unterschied für die abso­lu­te Höhe Ihrer Einnahmen, wenn Sie in der höhe­ren Stufe sind. Wenn Sie ohne Wirestock in der 20 %-Stufe 1 $ erhal­ten und mit Wirestock 45 % bekom­men, bringt Ihnen das nur 2,5 $. Personen, die gera­de erst ange­fan­gen haben, haben klei­ne­re Portfolios, so dass der abso­lu­te Verdienst für sie kei­nen Unterschied macht. Wenn Sie jedoch Hunderte von Dateien in Ihrem Portfolio haben, wer­den Sie auch ohne Wirestock gut ver­die­nen! Mehr noch, es ist ziem­lich unsi­cher, an die­sem Punkt bei Wirestock zu blei­ben, wie Sie wei­ter unten erfah­ren werden.

Sie werden nur einige Ihrer Dateien verkaufen

Wirestock ver­spricht nicht, dass sie alle Ihre Uploads auf ihr Konto akzep­tie­ren, was bedeu­tet, dass Sie den Rest ohne­hin auf die „alte Art“ erle­di­gen müs­sen. Ja, auch Wirestock hat ein Moderationsteam für Inhalte, genau wie die Microstock-​Agenturen selbst.

Und ja, es kann sein, dass sie eini­ge Dateien ableh­nen, die Microstock-​Agenturen eigent­lich akzep­tiert hät­ten. Es besteht kei­ne Chance, dass sie den Auswahlprozess aller Microstock-​Agenturen, mit denen sie zusam­men­ar­bei­ten, nach­ah­men kön­nen. Da sie auf vie­len Microstock-​Agenturen ver­tre­ten sind, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass eini­ge den Inhalt akzep­tie­ren, wäh­rend ande­re ihn ableh­nen, so dass Sie auf hal­bem Weg ste­hen bleiben.

Für Sie bedeu­tet das nur, dass Sie für den abge­lehn­ten Teil Ihrer Dateien alles noch ein­mal machen müs­sen. Andernfalls wer­den Sie nicht alle Ihre Werke in vol­lem Umfang nut­zen können.

Sie sind nicht Eigentümer der Metadaten Ihrer Dateien

Wirestock wird Ihre Fotos, Videos und Vektoren ver­schlag­wor­ten, aber die­se Metadaten sind deren geis­ti­ges Eigentum. Sie kön­nen sie nicht ein­mal auf ver­nünf­ti­ge Weise in Ihre Dateien zurück­ho­len, ohne dafür zu bezah­len! Ganz zu schwei­gen davon, dass Sie, wenn Sie die Zusammenarbeit mit Wirestock been­den, alles noch ein­mal von vor­ne begin­nen müssen.

Es ist jedoch mög­lich, die Metadaten zurück­zu­be­kom­men, wenn Sie ein Premium-​Abonnement für $13/​Monat abge­schlos­sen haben, was Sie wahr­schein­lich nicht stan­dard­mä­ßig tun wer­den. Sie wol­len also, dass Sie mehr für die Verschlagwortung bezahlen.

Was passiert, wenn sie das Geschäft aufgeben?

Eine wei­te­re Frage, die Sie sich stel­len soll­ten: Wird es Wirestock in ein paar Jahren noch geben? Covid-​19 und der rus­si­sche Krieg in der Ukraine haben allen außer den viel­ver­spre­chends­ten Start-​Ups den Zugang zu künf­ti­gen Risikokapitalgebern weit­ge­hend ver­wehrt. Wirestock ist sicher­lich nicht das „nächs­te Facebook“, und sind Sie über­haupt sicher, dass Wirestock noch am Leben ist?

Da es sich um ein pri­va­tes Unternehmen han­delt, ver­öf­fent­li­chen sie ihre Bilanzen nicht, und es ist unmög­lich zu wis­sen, wie es um ihre Finanzen bestellt ist. Und ich wet­te, dass es wäh­rend des der­zei­ti­gen wirt­schaft­li­chen Abschwungs nicht die bes­ten sind. Auch wegen des rus­si­schen Krieges in der Ukraine ist die Aktivität sowohl der rus­si­schen als auch der ukrai­ni­schen Microstock-​Anbieter deut­lich zurück­ge­gan­gen. Dies wird Wirestock weit­aus weni­ger Gewinn brin­gen, da dies immer die Top-​2-​Microstock-​Communities nach Größe waren. Es gab Beispiele für ähn­li­che Microstock-​Dienste, die unter güns­ti­ge­ren wirt­schaft­li­chen Bedingungen in Konkurs gin­gen, wie z. B. IPStock.

Wenn Sie sich nur auf die­se Dienste ver­las­sen und sie aus irgend­ei­nem Grund das Geschäft auf­ge­ben, ver­lie­ren Sie viel Zeit. Ihr Konto mit Ihren Werken wird schließ­lich aus Microstock-​Agenturen gelöscht wer­den. Es besteht eine sehr gerin­ge Chance, dass das erneu­te Hochladen der­sel­ben Werke durch Sie rei­bungs­los verläuft.

Sie können Ihre Dateien noch jahrelang verkaufen, nachdem Sie sie verlassen haben.

Nicht vie­le Menschen lesen gern die Allgemeinen Geschäftsbedingungen, aber es lohnt sich, sich damit zu befas­sen, wenn es um Ihren Verdienst geht. In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Wirestock wird im Abschnitt „Kündigung“ erwähnt, dass sie das Recht haben, Ihre Dateien 3 Monate lang zu ver­kau­fen, plus 1 Monat für jeweils 100 hoch­ge­la­de­ne Dateien.

Allerdings dür­fen Sie die­se Dateien in der Zwischenzeit natür­lich nicht ver­kau­fen! Wenn Sie sich, aus wel­chen Gründen auch immer, dazu ent­schlie­ßen, den Dienstleistungsvertrag mit ihnen zu been­den, wer­den Sie aus­ge­sperrt. Und sie wer­den ein­fach eine Zeit lang mehr Gewinn aus Ihren Dateien ziehen.

Um Ihnen eine Vorstellung zu geben: Wenn Sie 900 Dateien bei Wirestock haben, haben sie das Recht, Ihre Dateien bis zu einem Jahr nach Ihrer Kündigung zu ver­kau­fen. Wenn Sie 2000 Dateien haben, sind es 2 Jahre usw.


Kostenpflichtige Tarife und mehr: Holen Sie das Beste aus sich heraus

Möchten Sie mehr bezahlen?

Wirestock ist ein in den USA ansäs­si­ges Risikokapitalunternehmen, das der­zeit nur Startinvestitionen (seed invest­ments) erhält. Per Definition wur­de es nicht gegrün­det, um Anbietern zu hel­fen, son­dern um die Rendite der Investoren zu erhö­hen. Wirestock kann die Interaktion mit den Käufern nicht ändern, da dies die Aufgabe der Agenturen selbst ist. Die ein­zi­ge Einnahmequelle, die sie haben, sind die Verkäufer.

Offensichtlich rei­chen 15 % Gebühr nicht aus, um sie zu hal­ten (oder um die Anleger zufrie­den zu stel­len). Später führ­te Wirestock Premium-​Konten mit kür­ze­ren Prüfzeiten, Support und der Möglichkeit, Ihre Metadaten her­un­ter­zu­la­den, ein. Der Preis liegt zum Zeitpunkt der Erstellung die­ses Artikels bei 13 $/​Monat.

In der Startphase eines Unternehmens mit Risikokapital ist eines der Hauptziele, das die Investoren vor­ge­ben, das Wachstum. Daher gibt es das Empfehlungsprogramm, wel­ches 10% Einnahmen bis zu einem Jahr lang aus­zahlt. Angesichts des jüngs­ten wirt­schaft­li­chen Abschwungs stre­ben die Investoren jedoch eher nach Gewinn als nach Expansion. Dies könn­te bedeu­ten, dass die Gebühren für die Teilnehmer in irgend­ei­ner Weise erhöht werden.

Was tun, wenn Sie es selbst tun?

Die Frage ist also, ob Sie das Verschlagworten und Hochladen selbst über­neh­men können?

Der offen­sicht­li­che Nachteil ist, dass Sie etwas mehr arbei­ten müs­sen und anfangs weni­ger ver­die­nen wer­den. Mikrostock ist jedoch kein Spiel, bei dem man schnel­les Geld ver­dient (und war es auch nie). Wenn Sie sich selbst um die Verschlagwortung und das Hochladen küm­mern, kön­nen Sie sich dar­auf ver­las­sen, dass Sie auf lan­ge Sicht gute Einnahmen erzielen.

Für die Verschlagwortung gibt es eine Fülle kos­ten­lo­ser Tools (sogar für die Microstock-​Agenturen selbst!). Sowohl die Verschlagwortung als auch das Hochladen müs­sen nur ein­mal vor­ge­nom­men wer­den. Eine rela­tiv gerin­ge Investition Ihrer Zeit im Vergleich zu der Gebühr, die Sie dafür an Wirestock zahlen.

Fazit: Nehmen Sie den Zwischenhändler heraus

Der Verkauf direkt an die Käufer wäre der vor­teil­haf­tes­te, aber auch der müh­sams­te Prozess. Aus die­sem Grund gibt es immer mehr Marktplätze, die Käufer und Verkäufer zusam­men­brin­gen. Die Marktplätze ändern die Gebühren und Preise, um auf Kosten von Käufern und Verkäufern mit­ein­an­der zu konkurrieren.

Jetzt gibt es immer mehr Zwischenhändler zwi­schen Verkäufern und Käufern wie Wirestock. Sie wol­len Ihnen für eine ein­ma­li­ge Dienstleistung, die Sie mit dem rich­ti­gen Werkzeug selbst durch­füh­ren kön­nen, oder für eine ein­ma­li­ge Gebühr ewig etwas berech­nen. Und das Schlimmste ist, dass ihre Gebühr zusam­men mit Ihren Lizenzgebühren wächst. Die Nutzung von Wirestock kann sehr ris­kant sein, wenn Sie lang­fris­tig im Bereich Microstock arbei­ten wollen.

Ist Wirestock für Sie als Microstock-​Anbieter finan­zi­ell von Vorteil? Vielleicht, anfangs. Ist es das damit ver­bun­de­ne Risiko wert? Eindeutig nein.

Die besten Bildagenturen 2021 (Auswertung meiner Umfrage)

Dies ist nun schon die sechs­te Auswertung mei­ner jähr­li­chen Umfrage unter mei­nen Leser:innen, wel­che Agenturen ihnen im Vorjahr, also dies­mal 2021, den meis­ten Umsatz gebracht haben.
Die Agenturen soll­ten sie nach Umsatz abstei­gend sor­tiert als Kommentar hin­ter­las­sen. Zusammen mit mir haben sich 54 Fotograf:innen betei­ligt. Vielen Dank dafür!

Die Ergebnisse will ich euch hier ger­ne vor­stel­len. Zuerst die ein­deu­ti­ge Grafik (Klick zum Vergrößern):

Die besten Bildagenturen 2021

  1. Adobe Stock* (478) (-)
  2. Shutterstock* (389) (-)
  3. iStock (225) (-)
  4. Dreamstime* (156) (-)
  5. Alamy (151) (+2)
  6. 123rf* (139) (-)
  7. Depositphotos (110) (-2)
  8. EyeEm (105) (-)
  9. Wirestock (53) (neu)
  10. Westend61 (42) (-1)
  11. Getty Images (37) (+2)
  12. Pond5* (36) (-1)
  13. Photocase (31) (-1)
  14. Panthermedia (28) (neu)
  15. Zoonar* (25 (neu)

Meine Vorgehensweise:
Ich habe in einer Excel-​Tabelle eine Liste gemacht und in die ers­te Spalte jede Agentur ein­ge­tra­gen, die genannt wur­de. In den nächs­ten Spalten habe ich dann für jeden Teilnehmer und jede Agentur Punkte ver­ge­ben, basie­rend auf der Sortierung der genann­ten Agenturen. Die ers­te Agentur, also die mit dem meis­ten Umsatz, bekam 10 Punkte, die als zwei­tes genann­te Agentur bekam 9 Punkte und so wei­ter.
Die Werte habe ich pro Agentur sum­miert und die Liste dann nach den Punkten sor­tiert. Das Ergebnis seht ihr oben, die Zahl in Klammern ist also die Gesamtpunktzahl der jewei­li­gen Agentur.
Insgesamt wur­den 34 ver­schie­de­ne Agenturen benannt, ich habe die Liste jedoch auf die ers­ten 15 Agenturen beschränkt, weil das sta­tis­ti­sche Rauschen zum Ende hin mit meist nur einer Nennung sehr viel grö­ßer ist.

Hinweise:
Bei der Umfrage wur­de nicht unter­schie­den, ob die Leute Videos oder Fotos oder bei­des ver­kau­fen, wie vie­le Dateien sie online haben oder seit wann sie dort hoch­la­den. Die Platzierung von Pond5 ergibt sich zum Beispiel aus deren Videoverkäufen, jedoch ver­mut­lich nicht aus deren Fotoverkäufen. In der letz­ten Klammer sehr ihr die Veränderung zum Vorjahr.

In der Liste oben sind iStock und Getty zwar getrennt auf­ge­führt, ganz trenn­scharf las­sen sich die­se jedoch nicht aus­ein­an­der­hal­ten, da iStock ja auch über Getty Images ver­kauft und bei­de Agenturen zusam­men­ge­hö­ren. Aber selbst wenn ich Getty zu iStock addiert hät­te, hät­te sich an der Platzierung von iStock auf dem drit­ten Platz nicht geän­dert, dafür wäre hin­ten nur Bigstock auf Platz 15 auf­ge­taucht, wenn Getty ent­fal­len wäre.

Meine bes­ten Agenturen 2021
Wer die obi­ge Liste nach­rech­nen oder anders aus­wer­ten will, kann das eben­falls machen, mei­ne Datenbasis ist frei ein­seh­bar. Was jedoch noch fehlt, sind die Agenturen, bei denen ich selbst 2021 am meis­ten Umsatz erzielt habe und die ich eben­falls in obi­ge Rechnung habe ein­flie­ßen las­sen. In Klammern wie­der die Veränderung zum Vorjahr:

  1. Adobe Stock (-)
  2. Shutterstock (-)
  3. Canva (-)
  4. 123rf (-)
  5. Zoonar (+3)
  6. EyeEm (+1)
  7. Dreamstime (-2)
  8. Alamy (+1)
  9. Pond5 (neu)
  10. Westend61 (neu)

Was sagt uns diese Auswertung?

Adobe Stock hat sei­ne Spitzenposition im Vergleich zum Vorjahr noch wei­ter aus­ge­baut, Shutterstock bleibt wei­ter­hin auf dem zwei­ten Platz.

Mit deut­li­chem Abstand führt iStock das Mittelfeld an, in dem sich noch Dreamstime, Alamy, 123rf, Depositphotos und EyeEm tum­meln. Die rest­li­chen Agenturen sind kaum noch der Rede wert. Diese Formulierung fand sich auch deut­lich häu­fi­ger in den Kommentaren der Teilnehmer.

Wie im letz­ten Jahr pro­phe­zeit, hat Depositphotos, ver­mut­lich wegen deren Honorarkürzung, eini­ge Plätze verloren.

Hier könnt die auch die Ergebnisse von 2021, 2020, 2019, 2018 und 2017 nachlesen.

Interessante Auffälligkeit

Auffällig ist der höchs­te Neueinstieg auf Platz 9 von Wirestock, wel­che kei­ne Bildagentur im klas­si­schen Sinne ist, son­dern nur ein Verteiler, über den Fotograf:innen ihre Bilder gleich­zei­tig an ver­schie­de­ne Bildagenturen streu­en kön­nen, ohne sich dar­um extra küm­mern zu müs­sen. Dafür ver­langt Wirestock natür­lich einen Anteil an der ohne­hin schon küm­mer­li­chen Provision.

Ich bin mir sicher, dass auch die Umsatzverteilung von Wirestock selbst der in der obi­gen Liste ähneln wür­de. Der Blogleser Dennis hat­te noch ergänzt, dass die Umsätze bei Wirestock vor allem auf deren „Instant Pay“-Programm zurück­zu­füh­ren sei­en, was lang­fris­tig aber sicher kei­ne gute Idee ist.

Spaßeshalber hier noch eine Zusammenfassung der Bildagentur-​Ergebnisse der letz­ten fünf Jahre (Klicken zum Vergrößern), bei der die obi­ge Zählweise mit den Platzierungen der jewei­li­gen Jahre addiert wur­de. Die best­mög­li­che Platzierung (5 Jahre x 15 Punkte) wäre dem­nach 90 Punkte:

Habt ihr die Ergebnisse erwar­tet? Oder sind Überraschungen für euch dabei?

* Affiliate-​Link

Wer steckt hinter Wirestock.io? Gründer, Finanzierung und Orte

Nach mei­nem Artikel über den frag­wür­di­gen Deal von Wirestock mit Freepik vor eini­gen Tagen habe ich eini­ge Kommentare und Hinweise bekom­men, die ich hier zusam­men­fas­sen will.

Wer genau steht hinter der Webseite wirestock.io?

Die Informationen dazu sind rar und wider­sprüch­lich. Auf der Webseite wirestock.io selbst wer­den weder Anschrift noch Namen von Verantwortlichen genannt.

Es fin­det sich ledig­lich der Firmenname „Wirestock Inc.“ im Copyright-​Hinweis am Ende jeder Seite und der Firmenname „Wirestock LLC“ in den Datenschutzbestimmungen. Da es zwi­schen einer Inc. und einer LLC Unterschiede zu geben scheint und eine Firma nicht gleich­zei­tig bei­des sein kann, wur­den hier ent­we­der zwei Firmen gegrün­det oder die Eigentümer sche­ren sich nicht um die Unterschiede.

Spannender wird es in den „Terms Of Use“. Dort steht zum Beispiel unter „Wirestock Trademarks“:

All rights in and to Wirestock’s Trademarks not express­ly gran­ted to you here­un­der are reser­ved by Shutterstock“

Auch an min­des­tens sechs ande­ren Stellen ist von Shutterstock die Rede. Das kann meh­re­re Gründe haben. Der nahe­lie­gends­te Grund: Die fau­len Eigentümer haben sich ein­fach beim Erstellen der Webseite beim Vertragstext von Shutterstock bedient und ver­ges­sen, den Agenturnamen über­all auszutauschen.
Einige Shutterstock-​Erwähnungen in den „Terms Of Use“ von Wirestock.io (Hervorhebung durch mich)

Eine zwei­te – unwahr­schein­li­che­re – Möglichkeit wäre, dass Shutterstock erkannt hat, dass eh kaum jemand bei ihnen exklu­siv hoch­lädt und sie auf die­se Weise 15% an den Verkäufen bei ande­ren Bildagenturen mit­ver­die­nen wollen.

Wo ist Wirestock.io angesiedelt?

Auch hier gibt es wider­sprüch­li­che Informationen. Laut einer Who-​Is-​Abfrage wur­de die Webseite im November 2018 in Dubai registriert.

Laut der Webseite tracxn.com soll die Firma seit 2017 exis­tie­ren und in Kalkara, Malta ansäs­sig sein.

Laut Linkedin sei Wirestock.io unter einer Adresse in Newark, Delaware, USA, zu errei­chen. Unter der ange­ge­be­nen Adresse wird Google jedoch nur bei einer ande­ren Firma mit aus­schließ­lich arme­ni­schen Mitarbeitern fün­dig. Die Vermutung liegt also nah, dass es sich hier um eine Art Briefkasten han­delt, um die für Unternehmen güns­ti­ge Steuerpolitik in Delaware aus­nut­zen zu kön­nen.
Laut die­ser Webseite arbei­tet der Co-​Gründer und CEO von Wirestock, Mikhayel Khachatryan, von einem Büro in Malta aus, eben­falls als Steuerparadies bekannt.

Wer steckt hinter Wirestock.io?

Laut Linkedin und eini­gen Interviews wur­de die Firma von meh­re­ren Personen gegrün­det. Bei Linkedin wer­den Mikayel Khachatryan (CEO), Vladimir Khoetsyan (CTO) und Seb Kiureghian, alle drei aus Armenien, sowie Ashot Mnatsakanyan aus den Vereinigen Arabischen Emiraten (dazu passt die Registrierung der Webseite in Dubai) als Co-​Gründer genannt.

Wie finanziert sich Wirestock.io?

Laut Tracxn.com hat Wirestock am 4. Juli 2018 eine Seed-​Finanzierungsrunde von ca. 40.000 USD erhal­ten haben, u.a. von einer Venture Capital Firma. Dieser Quelle nach soll es Ende 2019 eine wei­te­re Finanzierungsrunde gege­ben haben, u.a. durch die Firma HIVE Ventures, laut die­sem Bericht über 25.000 USD.

Das Risiko von Fotografen bei Wirestock

Wie oben gezeigt haben wir mit Wirestock eine Firma, wel­che ihre AGB ver­mut­lich bei Shutterstock geklaut hat und in meh­re­ren Steueroasen welt­weit aktiv ist. Die vier Gründer von Wirestock kom­men alle eher aus dem Finanz- und Technikbereich und hat­ten kei­ne Firmenbeteiligung mehr als weni­ge Jahre.

Die Vermutung liegt des­halb nahe, dass hier ein hip­pes Internet Start-​Up auf­ge­baut wer­den soll, was in weni­gen Jahren mit Gewinn ver­kauft wer­den soll. In die­se Strategie passt es gut, dass Wirestock nicht an einer lang­fris­ti­gen Entwicklung des Bildermarktes inter­es­siert ist, son­dern gegen Einmalzahlungen Bilder ver­schenkt, um so kurz­fris­tig die Bilanzen zu ver­schö­nern, um für poten­ti­el­le Käufer attrak­ti­ver auszusehen.

Dazu passt, dass Fotografen, wel­che ihre Bilder bei Wirestock hoch­la­den, weder sehen kön­nen, wel­che Agentur wel­che Bilder von ihnen ange­nom­men haben. Die Fotografen agie­ren so in einer Blackbox, bei der sie dar­auf ver­trau­en müs­sen, dass die Inhaber in ihrem Interesse handeln.

Wer jedoch schon bei der Firmengründung bei ande­ren Bildagenturen so stüm­per­haft deren AGB klaut und kei­ner­lei Firmeninformationen auf der eige­nen Webseite nen­nen will, dem wür­de ich kei­nen Zentimeter weit trauen.

Update 18.12.2020: Kurz nach der Gründung von Wirestock woll­te die Firma eigent­lich die Blockchain und Smart Contracts nut­zen, um den Bildermarkt zu revo­lu­tio­nie­ren, davon ist jedoch nichts mehr übrig geblieben.

Edit 18.12.2020: In der Erstfassung wur­de erwähnt, dass Fotografen kei­nen Zugriff auf die Keywords hät­ten, das stimmt nicht, des­halb wur­de der Teil entfernt.