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Aus welchen Ländern kommen die Bilder von Shutterstock?

Vor eini­gen Wochen hat­te die bör­sen­no­tier­te Bildagentur Shutterstock ihre Geschäftszahlen des zwei­ten Quartals 2018 ver­öf­fent­licht.

Unter die­sen Zahlen gab es auch die bemer­kens­wer­te Zahl von 204,2 Millionen Bildern, wel­che Shutterstock aktu­ell anbie­tet. 41% davon sind allein im letz­ten Jahr hin­zu­ge­kom­men.

Auf mei­ner Facebook‐Seite gab es danach eine ange­reg­te Diskussion, wo genau die­se vie­len Millionen Bilder her­kom­men.
Es gibt eini­ge inof­fi­zi­el­le (und oft lei­der nur kurz­le­bi­ge) Webseiten wie microstock.club oder M‐Rank, wel­che etli­che Portfolio‐Daten von Shutterstock aus­le­sen.

Ich habe mir die Daten (Stand: 11. August 2018) mit einem Fokus auf die Länder ana­ly­siert, aus denen die größ­ten Portfolios kom­men.

Hier das Ergebnis (Klicken zum Vergrößern):
Die zwan­zig Länder, aus denen zusam­men­ge­rech­net die größ­ten Portfolios kom­men, sind dem­nach:

Anzahl von Portfolios Summe der Portfolios
1. Russian Federation 2117 16130814
2. Ukraine 1843 16038288
3. Thailand 2551 13159110
4. United States 805 6356750
5. Poland 347 3016993
6. United Kingdom 344 2801905
7. Germany 458 2767168
8. Belarus 348 2707467
9. Spain 302 2581656
10. Italy 360 2299261
11. Andorra 168 2212945
12. Romania 205 2130330
13. Czech Republic 257 1706167
14. Canada 193 1486789
15. Japan 199 1388036
16. Serbia 225 1381814
17. Latvia 114 1347495
18. Turkey 131 1345765
19. Indonesia 169 1260572
20. France 132 1068509
Gesamtergebnis 11268 83187834

Von den 200 Mio. Bildern wer­den auf der genann­ten Webseite ca. 140 Mio. Bilder erfasst. Davon nen­nen 4130 Portfolios mit ins­ge­samt ca. 39 Mio. Bildern lei­der kein Herkunftsland. In der obi­gen Tabelle sind also ca. 101 Bilder erfasst, immer­hin noch ca. die Hälfte des gesam­ten Shutterstock‐Portfolios.

Ganz klar domi­nie­ren mit Abstand Russland und die Ukraine das Portfolio von Shutterstock.

In mei­ner Grafik oben habe ich die Portfolios ins Verhältnis zur Einwohnerzahl (geteilt durch 25 wegen bes­se­rer Lesbarkeit) gesetzt, um zu erken­nen, wel­che Länder pro­por­tio­nal dazu mehr oder weni­ger Bilder lie­fern.

Demnach sind vor allem in der Ukraine, Belarus, Andorra, Tschechei, Serbien und Litauen über­pro­por­tio­nal Shutterstock‐Lieferanten aktiv.

Unterrepräsentiert im Verhältnis zur Bevölkerungszahl sind zum Beispiel China und Indien, die bei­den bevöl­ke­rungs­reichs­ten Länder der Welt, sowie Brasilien oder Pakistan.

Wenn wir uns nur die Durchschnittsgröße der Portfolios der jewei­li­gen Länder anschau­en, sieht die Sortierung etwas anders aus und Pakistan ist dies­mal weit oben mit dabei:

Anzahl von Portfolios Summe der Portfolios Mittelwert der Portfolios
1. Pakistan 22 365565 16617
2. Bosnia and Herz. 26 410111 15774
3. Andorra 168 2212945 13172
4. Latvia 114 1347495 11820
5. Estonia 68 798485 11742
6. Azerbaijan 78 871916 11178
7. Hong Kong 31 340685 10990
8. Kazakhstan 66 710504 10765
9. Romania 205 2130330 10392
10. Portugal 56 575848 10283
11. Turkey 131 1345765 10273
12. Korea 37 355758 9615
13. (unbe­kannt) 4130 39186418 9497
14. India 100 877551 8776
15. Ukraine 1843 16038288 8702
16. Poland 347 3016993 8695
17. Spain 302 2581656 8549
18. Belgium 35 289038 8258
19. United Kingdom 344 2801905 8145
20. France 132 1068509 8095

Gezählt habe ich nur Länder, die 20 oder mehr Portfolios auf­wie­sen, um die Werte nicht durch ein­zel­ne Ausreißer zu ver­fäl­schen.

Deutschland ist in der Tabelle schon nicht mehr drin, das „durch­schnitt­li­che“ deut­sche Portfolio bei Shutterstock ent­hält 6042 Bilder.

Wenn ich mir anschaue, aus wel­chen Ländern die meis­ten neu­en Portfolios im Jahr 2017 hin­zu­ge­kom­men sind, ändert sich an der ers­ten Rangliste kaum etwas. Aus Thailand kamen 80 neue Portfolios, aus Russland 55, 42 aus der Ukraine, 24 aus Indonesien und 22 aus den USA und 17 aus Deutschland.

Auffällig ist hin­ge­gen, dass es 2015–2016 eine deut­li­che Steigerung neu ange­leg­ter Portfolios gab. Den gerin­gen Wert bei 2017 wür­de ich jedoch skep­tisch sehen und der inof­fi­zi­el­len Art der Datenerhebung ankrei­den.

Wenn ich mir die Länder anschaue, in denen die aktivs­ten Uploader sit­zen, ist das Ergebnis logi­scher­wei­se sehr ähn­lich wie beim Gesamtportfolio, nur Andorra, Kanada und Großbritannien lie­ger deut­lich höher als ihre Position.

Warum Andorra bei vie­len Punkten so gut abschnei­det, weiß ich nicht, ver­mu­te aber, dass der Firmensitz dort steu­er­li­che Vorteile haben könn­te.

Insgesamt bestä­tigt sich mir das Gefühl: Aus dem Osten Europas kom­men mit Abstand die meis­ten Microstock‐Bilder.

Gibt es wei­te­re Fragestellungen, die ich anhand der vor­han­de­nen Daten ver­su­chen könn­te zu ana­lyisie­ren?

Platzsparende Archivierung von Belegexemplaren und Referenzen

Seit über 10 Jahren ver­kau­fe ich Stockfotos. Im Laufe der Zeit haben sich meh­re­re Regalmeter Belegexemplare mei­ner Fotos in Zeitungen, Zeitschriften, auf Flyern, Kalender, in Werbeanzeigen und Produktverpackungen ange­sam­melt.

Einer mei­ner prall­ge­füll­ten Sammelmappen mit Belegexemplaren

Vor allem am Anfang mei­ner Tätigkeit habe ich mich wie ein klei­nes Kind über jeden Fotofund unglaub­lich gefreut und ihn sorg­fäl­tig archi­viert.

Das wur­de ein­fach zuviel und des­halb habe ich kon­se­quent aus­ge­mis­tet. Ich will kurz tei­len, nach wel­chen Kriterien ich ent­schie­den habe, was bleibt und was nicht, falls eure eige­ne Sammlung hof­fent­lich bald an Umfang zunimmt.

Früher habe ich ein­fach jede Zeitung, Zeitschrift oder was auch immer mit einem Post‐It auf der Seite ver­se­hen, wo mein Bild zu fin­den war und in einen Sammelordner getan (sie­he Foto oben).

Zusätzlich hat­te ich ein­zel­ne Seiten, die ich von Freunden, Verwandten oder Models erhal­ten habe, in eine Sammelmappe abge­legt:

Über 10 Zentimeter lose Blätter als Belegexemplare

Nun habe ich kon­se­quent aus­ge­mis­tet und Veröffentlichungen nur nach bestimm­ten Kriterien auf­ge­ho­ben.

Als ein­zel­ne Seiten wer­den auf­ge­ho­ben:

  • Mein Bild auf einer Titelseite
  • Doppelseiten (Foto über mehr als eine Seite)
  • bekann­te Magazine (FAZ, Spiegel, BRAVO, Focus, Freundin, …)
  • die ers­te Veröffentlichung
  • Interessante Varianten (Fotomontagen mit mei­nen Bildern als Ausgangsmaterial, unge­wöhn­li­che Text‐Bild‐Schere, o.ä.)
  • Bilder mit engen Freunden oder Verwandten als Motiv

Komplette Hefte habe ich nur auf­ge­ho­ben, wenn mehr als fünf Bilder von mir im Innenteil waren.

Tipps zur korrekten Archivierung:

  • Doppelseiten immer mit Klebeband kle­ben (sonst tren­nen sich irgend­wann bei­de Seiten im Laufe der Zeit und kön­nen nicht mehr zuge­ord­net wer­den)

    Mit Klebeband gekleb­te Doppelseite
  • Die Quelle muss immer ersicht­lich sein, dazu gehört Medienname, Ausgabe (ggf. Datum) und Seitenzahl. Bei eini­gen Medien ste­hen alle Informationen am Seitenrand, z.B. „Süddeutsche Zeitung, 09.06.2017, S. 17“, bei ande­ren muss alles oder nur ein Teil der Angaben nach­ge­tra­gen wer­den:
    Beispiel für das Nachtragen der kom­plet­ten Quellenangabe

    Beispiel für das Nachtragen eines Teils der Quellenangaben
  • Um spä­ter den Kontext einer Veröffentlichung zu ver­ste­hen, soll­te immer die gan­ze Seite auf­ge­ho­ben wer­den. Gegenbeispiel: Manchmal haben mir Models oder Freunde mei­ne Bilder gege­ben, bei denen nur das Foto aus­ge­schnit­ten war, ohne den Artikel drum­her­um, ohne Angabe, in wel­cher Zeitschrift es ver­öf­fent­licht wur­de usw. Das hat lei­der kei­nen archi­va­ri­schen Wert.
  • Die Aufbewahrung soll­te dun­kel ohne Sonnenlicht und flach erfol­gen, damit die Seiten nicht ver­blei­chen oder kni­cken.
  • Digitale Archivierung: Statt der ana­lo­gen Archivierung kön­nen die Veröffentlichungen als gescannt oder foto­gra­fiert und als PDF archi­viert wer­den, was deut­lich platz­spa­ren­der ist.

Warum ist die Aufbewahrung von Belegexemplaren relevant?

Zum einen kön­nen Veröffentlichungen bei der Verwertungsgesellschaft Bild‐Kunst ein­ge­reicht wer­den für eine Geldauszahlung.

Zum ande­ren kön­nen sie als Nachweis für das eige­ne Können gegen­über poten­ti­el­len Kunden die­nen, denn immer­hin wur­de das eige­ne Foto aus einem Pool von tau­sen­den oder gar Millionen Bildern gewählt, weil es nach Ansicht der Bildredaktion am pas­sends­ten war.

Die Belegexemplare kön­nen auch zur Motivation und zur Inspiration die­nen, denn die Artikel zu den Fotos ent­hal­ten nütz­li­che Keywords für die Verschlagwortung oder rele­van­te Themen, die eben­falls foto­gra­fiert wer­den könn­ten. Manchmal ver­su­che ich auch, gefun­de­ne Fotomontagen mei­ner Bilder selbst nach­zu­stel­len, weil ja offen­sicht­lich ein Bedarf nach die­ser Variante bestand, die ich nicht voll­stän­dig abde­cken konn­te. So sind schon eini­ge Bestseller in mei­nem Portfolio gelan­det.

Auch die auf den Bildern abge­bil­de­ten Models freu­en sich in der Regel, ihr Gesicht auf einer Veröffentlichung zu sehen, weil die­se Sichtbarkeit für eini­ge Models ein Teil des Grundes ist, über­haupt als Model aktiv zu sein.

Wie finde ich Belegexemplare meiner Bilder?

Schon vor fast 10 Jahren habe ich die­sen Artikel ver­öf­fent­licht mit 10 Tipps zum Finden der eige­nen Bilder, von denen die meis­ten immer noch aktu­ell sind. Während damals noch eini­ge Bildagenturen wie Waldhäusl oder Bildmaschine die kon­kre­ten Veröffentlichungen nann­ten oder sogar regel­mä­ßig Belegexemplare schick­ten, gibt es heu­te lei­der noch weni­ge Agenturen mit die­sem Service.

Es gibt sicher noch vie­le ande­re Möglichkeiten, sei­ne Belegexemplare auf­zu­he­ben oder bestimmt auch Gründe, es nicht mehr zu tun.

Wie macht ihr das?

Welche Faktoren beeinflußen das Relevanz‐Ranking der Bildagenturen? 18 Kriterien unter der Lupe

Was beein­flusst das Ranking von Bildern bei Bildagenturen?

Auf den ers­ten Blick ist es ganz ein­fach: Der Kunde tippt einen Begriff in die Suchmaske einer Agentur ein und erhält etli­che Treffer. Nun gibt es dort meist deut­lich mehr Bilder als auf einer Seite ange­zeigt wer­den kön­nen (Fotolia warb da mal sinn­ge­mäß mit „Suchen sie nicht nach ‚Frau‘ bei uns, wir haben da über eine Million Treffer“). Nach wel­chen Kriterien ent­schei­den die Agenturen, wel­che Bilder ganz vor­ne lan­den?

Die Suche nach "Frau" bei Fotolia liefert knapp 10 Millionen Ergebnisse. Welche Faktoren sorgen dafür, welche Bilder jeweils ganz oben erscheinen?
Die Suche nach „Frau“ bei Fotolia lie­fert knapp 10 Millionen Ergebnisse. Welche Faktoren sor­gen dafür, wel­che Bilder jeweils ganz oben erschei­nen?

Ähnlich wie bei Google sind die­se Suchalgorithmen das gro­ße Betriebsgeheimnis jeder Bildagentur und an der „Relevanz‐Sortierung“ wird regel­mä­ßig geschraubt. Basierend auf per­sön­li­chen Erfahrungen, Gesprächen mit Agentur‐Mitarbeitern und ande­ren Stockfotografen haben sich im Laufe der Jahre jedoch etli­che Faktoren die­ser kom­ple­xen Mischung her­aus­ge­schält, die – oft unter­schied­lich gewich­tet – eine Rolle für das Ranking eines Bildes spie­len.

Das Bilderranking ent­schei­det, in wel­cher Reihenfolge Bilder ange­zeigt wer­den, wenn alle die Suchbegriffe ent­hal­ten, die ein Kunde bei der Suche ein­ge­ben hat. An unter­schied­li­chen Stellen der Webseiten wer­den manch­mal auch nur eini­ge der Ranking‐Faktoren her­an­ge­zo­gen, um bei­spiels­wei­se die Sortierung der „ähn­li­chen Bilder“ oder im per­sön­li­chen Portfolio eines Fotografen fest­zu­le­gen.

Welche Faktoren ent­schei­den über das Ranking eines Bildes? Diese Faktoren kön­nen gene­rell für einen Fotografen oder für ein­zel­ne Bilder gel­ten. Ich wei­se dar­auf hin, dass die fol­gen­den Angaben meist nur begrün­de­te oder nicht nach­weis­ba­re Vermutungen sind. Nur ganz sel­ten las­sen sich Bildagenturen dazu hin­rei­ßen, offi­zi­ell Einflussfaktoren für das Ranking zu nen­nen. Schauen wir uns in loser Folge eini­ge bekann­te oder ver­mu­te­te Faktoren an.

Alter des Bildes:
Neue Bilder erhal­ten oft einen Bonus. Je älter hin­ge­gen ein Bild wird, des­to mehr fällt es im Ranking. Damit wol­len die Bildagenturen ver­mei­den, dass die Stammkunden, vor allem die mit gro­ßen Bilder‐Abos, stän­dig die glei­chen Bilder sehen, wel­che sie even­tu­ell in der Vergangenheit sowie­so schon gekauft haben. Auch steigt die tech­ni­sche Qualität neu­er Bilder meis­tens (mehr Megapixel) und so wei­ter, was eben­falls ein Grund sein könn­te.

Dieser Effekt war beson­ders deut­lich der der Abo‐Agentur Shutterstock zu sehen, wo sich Bilder ca. drei Monate stark ver­kauft haben und die Verkäufe danach rapi­de abfie­len. Irgendwann 2011 wur­de der Algorithmus jedoch umge­stellt und seit­dem haben auch älte­re Bilder wie­der mehr Chancen.

Die Tatsache, dass fast alle Agenturen zusätz­lich zur Standard‐Sortierung auch eine Sortierung nach den „neus­ten Bildern“ anbie­ten, betont die Wichtigkeit die­ses Faktors.

Exklusivität des Bildes oder Fotografen:
Wenn es zu einem Thema mehr Bilder als Plätze bei den Suchergebnissen gab, wur­den oft exklu­si­ve Bilder oder die Bilder exklu­si­ver Fotografen bevor­zugt. Das beka­men vor allem die nicht‐exklusiven Fotografen bei iStock zu spü­ren, die bei den belieb­tes­ten Themen wenig Chancen auf die vor­de­ren Plätze hat­ten. Auch der gene­rel­le Anteil von Exklusivbildern in einem Portfolio könn­te rele­vant für das Ranking sein, wenn man sich wie bei Fotolia zum Beispiel nicht für eine kom­plet­te Exklusivität ent­schei­den muss.

Ich glau­be jedoch, dass die­ser Faktor wei­ter abneh­men wird, weil die Agenturen immer weni­ger Wert auf Exklusivität legen. Der Erfolg von Shutterstock, wel­che Exklusivität kon­se­quent ableh­nen, scheint dabei eine Rolle zu spie­len.

Ablehnungsquote:
Irgendwie logisch: je mehr Bilder eines Fotografen abge­lehnt wer­den, des­to „schlech­ter“ scheint sein foto­gra­fi­sches Können oder zumin­dest sein Gespür für ver­käuf­li­che Themen zu sein. Da liegt es nahe, ihn im Ranking her­ab­zu­stu­fen, bis sei­ne Ablehnungsquote sinkt. Gerade für Anfänger ist die­ser Faktor kri­tisch, weil Neulinge oft eine Ablehnungsquote von 50% oder mehr haben und sie damit gleich am Anfang „bestraft“ wer­den.

Anfänger‐Bonus:
Vielleicht als Ausgleich zum vori­gen Punkt ver­mu­ten eini­ge Fotografen, dass neue Portfolios am Anfang einen Schub ver­passt bekom­men, der eine bes­se­re Platzierung bei den Suchergebnissen erwirkt. Das kann zum einen dar­an lie­gen, um neue Fotografen zu moti­vie­ren und bei der Stange zu hal­ten, um mehr und bes­se­re Bilder zu lie­fern. Es könn­te aber auch nur dazu die­nen, nach­tei­li­ge Faktoren wie die Ablehnungsquote oder schlech­ter Verschlagwortung aus­zu­glei­chen, bei denen sich der Fotograf nach eini­ger Zeit von selbst ver­bes­sern soll­te.

Lokalität:
In Ermangelung eines bes­se­ren Wortes nen­ne ich die­sen Faktor „Lokalität“, der beschreibt, dass Käufer eines bestimm­ten Landes bevor­zugt Bilder von Fotografen des glei­chen Landes ange­zeigt bekom­men. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Bilder bei den dar­ge­stell­ten Ethnien der Models, den loka­len Besonderheiten wie Architektur, Kleidung, Schrift und ande­ren Details wie Steckdosen oder Baumarten im Hintergrund bes­ser zu den Vorstellungen der Bildsucher pas­sen als bei aus­län­di­schen Fotografen.

Indirekt spielt hier auch die Sprache eine Rolle, denn die Übersetzungsprogramme der Bildagenturen arbei­ten nicht immer kor­rekt. Wenn der Fotograf die glei­che Sprache wie der Bildkäufer benutzt, kommt es zu weni­ger Missverständnissen und etwai­ge Übersetzungsfehler sind aus­ge­schlos­sen. Lange hat Fotolia zum Beispiel „Team“ mit „Gespann“ über­setzt oder „boy“ mit „Bengel“.

Initialranking durch den Reviewer:
Über die­sen Punkt spricht kei­ne Agentur ger­ne, weil er zeigt, wel­che Macht die Bildredaktion hat und wie will­kür­lich und unkon­trol­liert Bildredakteure den Erfolg neu­er Bilder beein­flus­sen kön­nen. Es gibt etli­che Agenturen bei denen die Bilder nicht nur ent­we­der abge­lehnt oder ange­nom­men wer­den. Die ange­nom­me­nen Bilder wer­den dann zusätz­lich dem Bildredakteur ent­we­der zum Beispiel noch auf einer Skala von 1–10 bewer­tet oder es kön­nen bis zu fünf Sterne oder was auch immer ver­ge­ben wer­den. Je bes­ser die Bewertung, des­to bes­ser das Ranking. Nur sel­ten machen Agenturen das inter­ne Ranking sicht­bar durch Zeichen wie „Empfehlung“ oder „Hot Pick“.

Regelmäßigkeit der Uploads:
Ein Punkt, den vie­le Fotografen unter­schät­zen, ist die gleich­mä­ßi­ge Verteilung der hoch­ge­la­de­nen Bilder. Statt unre­gel­mä­ßig vie­le Bilder auf ein­mal an eine Agentur zu schi­cken, soll­ten lie­ber weni­ger, aber dafür regel­mä­ßi­ger Bilder gelie­fert wer­den. Regelmäßige Uploads ver­bes­sern das Ranking, ver­mut­lich, weil die Agenturen dadurch mer­ken, dass der Fotograf noch aktiv ist. Das gilt vor allem auch, wenn Fotografen zusätz­lich eine neue Agentur belie­fern wol­len. Statt 5.000 Bilder auf ein­mal hoch­zu­la­den, soll­ten statt­des­sen eher – je nach Menge – meh­re­re Monate lang ein bis zwei Mal die Woche klei­ne­re Tranchen hoch­ge­la­den wer­den.

Portfolio‐Größe:
Nur teil­wei­se im Gegensatz zum vori­gen Faktor spielt die Portfolio‐Größe eine Rolle für das Ranking. Je mehr Bilder im Portfolio, des­to bes­ser oft das Ranking eines Fotografen. Das ist lei­der auch einer der Gründe für die unsäg­li­chen Portfolios mit vie­len Bildern, die mit mini­ma­len Unterschieden mehr­fach hoch­ge­la­den wer­den. Besonders nach­tei­lig betrof­fen sind hier Videografen, die es natur­ge­mäß deut­lich schwe­rer als Fotografen oder auch Illustratoren haben, ein grö­ße­res Portfolio auf­zu­bau­en.

Past Performance:
Wie gut hat der Fotograf in der Vergangenheit Bilder ver­kauft? Wie viel haben wir durch den Fotografen ver­dient? Was ist er also wert? Solche Fragen spie­len eine Rolle bei der Beurteilung des Erfolgs eines Fotografen und sind ein wich­ti­ger Faktor für das Ranking. Im Detail kann es hier gro­ße Unterschiede geben: Wird die abso­lu­te Zahl der Verkäufe ver­wen­det oder die rela­ti­ve Zahl in Abhängigkeit von Portfolio‐Größe und/oder der Dauer der Mitgliedschaft? Werden die Verkäufe oder die Umsätze betrach­tet oder bei­des? Das macht einen Unterschied, weil die Aboquoten stark schwan­ken kön­nen und in Deutschland deut­lich nied­ri­ger als bei­spiels­wei­se in Russland sind.

Die Performance kann zum einen für das gesam­te Portfolio eines Fotografen betrach­tet wer­den, aber auch für jedes Bild ein­zeln. Sprich: Die Anzahl der Verkäufe und/oder Einnahmen eines Bildes spielt eben­falls eine Rolle für das Ranking in den Suchergebnissen. Bei der Sortierung nach „Downloads“ ist s sogar das ein­zi­ge Kriterium. Allein die Tatsache, dass die­se Sortierung von fast allen Agenturen ange­bo­ten wird, zeigt wie beim Bildalter die Relevanz die­ses Faktors.

Verkäufe pro Zeit:
Dieser Wert wird meist für jedes Bild indi­vi­du­ell bestimmt. „Zeit pro Verkauf“ besagt, wie oft sich ein Bild sagen wir inner­halb einer Woche im Vergleich zu ande­ren Bildern ver­kauft hat. Mit die­ser Methode kön­nen unter­schied­lich alte Bilder etwas bes­ser ver­gli­chen wer­den, weil ein drei Jahre altes Bild natür­lich viel mehr Zeit hat­te, abso­lut gese­hen mehr Verkäufe anzu­sam­meln als ein zwei Wochen altes Bild. Wenn ers­te­res mit 100 Verkäufen zwar beein­dru­cken­der wirkt, wäre das zwei­te Bild mit nur 7 Verkäufen rela­tiv betrach­tet ver­käuf­li­cher. Je mehr Verkäufe in ver­gleich­ba­rer Zeit, des­to bes­ser für das Ranking.

Verkäufe pro Views:
Wie hoch ist das Verhältnis von Verkäufen pro View? Ein Bild, was nach je vier Views ver­kauft wird, ist bes­ser als eins, was zehn Mal ange­se­hen wer­den muss, bevor es ver­kauft wird. Mit die­sem Wert kann die Agentur erken­nen, wie gut die Suchbegriffe zu Bild pas­sen. Je mehr unpas­sen­de Begriffe dabei sind, des­to mehr wer­den die Views, die aber nicht zu Verkäufen füh­ren. Das signa­li­siert der Agentur, dass das Bild für bestimm­te Begriffe weni­ger pas­send ist und stuft es im Ranking her­un­ter. Einige Agenturen bre­chen die­sen Wert auf jedes ein­zel­ne Keyword her­un­ter, ande­re neh­men den gesam­ten Wert. Auch ein schwer zu fas­sen­des Konzept wie die gestal­te­ri­sche Qualität eines Fotos kann so not­dürf­tig ope­ra­tio­na­li­siert wer­den. Je mehr Leute ein Bild kau­fen, wenn sie es ange­zeigt bekom­men, des­to gelun­ge­ner muss es auf die Kunden wir­ken.

Vor allem die­ser Faktor ist ein Grund, war­um „Keyword‐Spamming“, also das Vollstopfen eines Bildes mit unpas­sen­den, aber häu­fig gesuch­ten Begriffen, einem Fotografen mitt­ler­wei­le eher scha­det als nützt. Andersrum könn­te die­ser Punkt auch „Qualität der Suchbegriffe“ genannt wer­den, denn je pas­sen­der die Suchbegriffe ver­ge­ben wer­den, des­to höher ist die­ser Wert.

Sortierung der Suchbegriffe:
Bei eini­gen Bildagenturen wie Fotolia, 123rf oder Alamy wer­den die Suchbegriffe nicht alpha­be­tisch sor­tiert, son­dern nach Relevanz. Fotolia sagt zum Beispiel, dass die ers­ten sie­ben Begriffe stär­ker bei der Suche berück­sich­tigt wer­den als die fol­gen­den Keywords. Das heißt, dass zwei Bilder mit den iden­ti­schen Suchbegriffen unter­schied­lich ange­zeigt wer­den kön­nen, je nach­dem, an wel­cher Stelle das Keyword in den Metadaten auf­taucht. Je wei­ter vor­ne das Wort steht, des­to höher ist die Relevanz für die Suche.

Ranking‐Boost durch Ranking‐Elemente:
Das ist etwas spe­ku­la­tiv, aber eini­ge Fotografen berich­ten immer wie­der von Einkommenssprüngen, wenn sie eine neue Rankingstufe bei bestimm­ten Bildagenturen geschafft haben. Bei Fotolia reicht die­ses Ranking bei­spiels­wei­se von Weiß über Bronze, Silber und Gold bis hin zu Diamant, aber auch Agenturen wie 123rf und ande­re haben unter­schied­lich aus­ge­stal­te­te Belohnungssysteme. Ich ver­mu­te jedoch, dass die­ser Faktor, wenn vor­han­den, eher gering ist und die beob­ach­te­ten Einkommenssteigerungen durch mehr Prozentpunkte bei den Umsätzen sowie klei­ne Verbesserungen bei ande­ren Faktoren wie der Ablehnungsquote, der Portfoliogröße, der Past Performance etc. erklär­bar sind.

Bildgröße:
Ebenfalls spe­ku­la­tiv ist die­ser Faktor, der besagt, dass Bilder mit mehr Megapixeln in der Suche bevor­zugt wer­den. Falls vor­han­den, hat die­ser Faktor sicher eben­falls nur einen mini­ma­len Einfluss, aber es wäre logisch, den Kunden die grö­ße­ren Bilder zuerst anzu­zei­gen, wenn genug Suchtreffer zur Auswahl ste­hen, weil er sich ärgern wür­de, wenn er ein gro­ßes Plakat dru­cken will, aber anfangs nur Bilder in gerin­ger Auflösung fän­de.

Bild‐Kollektion:
Neben der „nor­ma­len“ Bildkollektion haben vie­le Bildagenturen noch zusätz­li­che ande­re Kollektionen, zum Beispiel eine Premium‐Kollektion („Infinite“ bei Fotolia, „Offset“ bei Shutterstock“, „Signature“ bei iStock usw.) oder eine Smartphone‐Collection wie „Fotolia Instant“. Für die­se Bilder sind meist eine bestimm­te Anzahl an Slots reser­viert, die zwi­schen die nor­ma­len Suchergebnisse gestreut wer­den. Als fik­ti­ves Beispiel: Wenn pro Suchergebnis‐Seite 50 Bilder ange­zeigt wer­den, sind davon nur 40 Bilder für die nor­ma­le Kollektion reser­viert und 5 für die Premium‐Kollektion und 5 für die Smartphone‐Kollektion.

Lightbox‐Menge:
Es könn­te sein, dass Bilder, die häu­fi­ger in Kunden‐Lightboxen zur spä­te­ren Verwendung gespei­chert wur­den, als rele­van­ter ange­se­hen wer­den als ande­re Bilder, auch wenn sie noch nicht gekauft wur­den.

Bildpreis:
Um sowohl für die preis­emp­find­li­chen Kunden als auch die­je­ni­gen, die ger­ne mehr Geld für ein gutes Motiv aus­ge­ben, zufrie­den­zu­stel­len, könn­ten die Suchtreffer auch so gemischt wer­den, dass bei unter­schied­li­chen Bildpreisen von jeder Preiskategorie eine Auswahl dabei ist. Das wür­de ähn­lich wie bei den „Bild‐Kollektionen“ funk­tio­nie­ren, wo der Effekt meist sicht­ba­rer ist.

Freigabe für Abonnements und ande­re Vertriebskanäle:
Neben „nor­ma­len“ Lizenzen ver­kau­fen Agenturen immer mehr Bilder also Abos, ver­kau­fen sie wei­ter über „Vertriebspartner“ oder mit „sen­si­ti­ven Lizenzen“. Als Vermutung liegt nahe, dass Bilder von Fotografen, die bei allem mit­spie­len, ein bes­se­res Ranking erhal­ten, als Bilder , die nur beschränkt ver­kauft oder ver­trie­ben wer­den kön­nen.

Was genau drin ist und wie das Mischungsverhältnis ist, das ist natür­lich ein Geschäftsgeheimnis. Auch je nach Bildagentur kann sich die Auswahl die­ser Faktoren und deren Gewichtung stark unter­schei­den. Auch inner­halb einer Agentur wird oft häu­fig an den Algorithmen geschraubt.

Was sagt ihr? Kennt ihr wei­te­re Faktoren, wel­che das Relevanz‐Ranking beein­flu­ßen (könn­ten)?

Das erfolgreiche „Zwischendurch‐Stock‐Portfolio“ (Gastartikel)

Während ich haupt­be­ruf­lich an mei­nem Stock‐Portfolio arbei­te, gibt es auch vie­le Anbieter, wel­che nur „neben­bei“ eini­ge Fotos hoch­la­den, vor allem Urlaubsbilder und manch­mal auch exklu­siv sind, weil ihnen die Zeit fehlt, nach ihrem Hauptberuf mehr Zeit in die Stockfotografie zu ste­cken.

Einer die­ser Leute, Tim David Müller‐Zitzke aus Bremerhaven, ist einer davon und sogar sehr erfolg­reich.  Deshalb habe ich ihn gebe­ten, mal zu schrei­ben, wie er an die Sache her­an­geht. Hier sein Artikel:

Der 01. Mai 2012 ist der Tag, an dem mein Account bei Fotolia akti­viert wor­den ist. Von dort an hat sich für mich aus einer Freizeitbeschäftigung eine Tätigkeit ent­wi­ckelt, die mein Dasein als Fotograf, Filmproduzent und Digital Artist um ein wei­te­res finan­zi­el­les Standbein ergänzt hat.

Dieses Bild ist auf dem Rückweg von einem Segeltörn auf der Nordsee entstanden
Dieses Bild ist auf dem Rückweg von einem Segeltörn auf der Nordsee ent­stan­den.

Was beim Betrachten mei­nes Portfolios ver­mut­lich auf­fällt, ist, dass es sehr bunt gemischt ist und es äußerst weni­ge Fotos von Personen beinhal­tet. Es ist so gemischt, dass es sich fast anneh­men lässt, dass zumin­dest eini­ge mei­ner Fotos, „zwi­schen­durch“ ent­stan­den sein müs­sen. Diese Annahme ist zutref­fend und gilt sogar für eini­ge mei­ner Bestseller. Dennoch konn­te ich schon eini­ge tau­send Lizenzverkäufe mit mei­nem Fotolia‐Account errei­chen. Robert bat mir an, ein wenig über die­se „etwas ande­re“ Art der Stockfotografie zu berich­ten und das mache ich natür­lich ger­ne.

Vor kur­zem erst habe ich mit einer Gestalterin gespro­chen, die eine kom­plet­te Webseite aus­schließ­lich mit Bildern aus mei­nem Portfolio illus­triert hat­te. Zu unter­schied­lichs­ten Themen war sie bei mir fün­dig gewor­den – mal mit reprä­sen­ta­ti­ven Darstellungen, mal mit kon­zep­tio­nel­len Symbolbildern. Dies war wohl mög­lich, weil ich mei­ne Stockfotografie bis­her weder vom foto­gra­fi­schen Stil her noch the­ma­tisch einer bestimm­ten Richtung ver­pflich­tet habe. Darüber hin­aus bie­te ich fast nur Einzelbilder und somit wenig Serien an. Das kann aber durch­aus auch ein Nachteil sein, wenn ein Kunde Motiv‐Variationen braucht oder meh­re­re ähn­li­che Themen im glei­chen Stil abde­cken möch­te. Dass ich kaum Serien pro­du­zie­re, liegt auch dar­an, dass ich mei­ne ein­zel­nen Fotos rela­tiv lan­ge und auf­wän­dig bear­bei­te, teil­wei­se inklu­si­ve Compositing, und somit auch aus Effizienzgründen ein­fach weni­ger auf „Serienproduktionen“ set­ze.

Am Tag meines Umzugs habe ich dieses Foto aufgenommen, bevor ich den Raum später mit Kisten und Einrichtungsgegenständen vollgestellt habe.
Am Tag mei­nes Umzugs habe ich die­ses Foto auf­ge­nom­men, bevor ich den Raum spä­ter mit Kisten und Einrichtungsgegenständen voll­ge­stellt habe.

Zu Anfang mei­ner Zeit bei Fotolia habe ich häu­fig Urlaubsfotos hoch­ge­la­den. Doch auch jetzt noch zei­gen vie­le mei­ner ange­bo­te­nen Fotos Städte und Landschaften, ande­re zei­gen Gegenstände, die ich im Studio oder anders­wo foto­gra­fiert habe, z.B. auf Jahrmärkten. Personen hin­ge­gen sind kaum zu fin­den. Ich bin bis­her eher sel­ten wirk­lich los gezo­gen, um direkt für mein Stock‐Portfolio zu pro­du­zie­ren – was ein ziem­li­ches Alleinstellungsmerkmal zu mei­nen haupt­be­ruf­li­chen Stock‐Kollegen dar­stel­len dürf­te.

Dafür aber habe ich im Laufe der Zeit ein Gefühl dafür ent­wi­ckelt, wel­che Motive in Stockagenturen gefragt sind und behal­te das im Hinterkopf, wann immer ich die Kamera irgend­wo hin ein­pa­cke.
Die meis­ten mei­ner bis­he­ri­gen Stockfotos sind auf Städtetouren, in Urlauben oder aber am Rande von Aufträgen ent­stan­den. Viele mei­ner Fotos neh­me ich für Tourismus‐Unternehmen, Hotelerie oder ande­re Business‐Kunden auf. Andere bie­te ich spä­ter erst zum Direktkauf an und neh­me nach dem Shoot Kontakt mit poten­ti­el­len Abnehmern, z.B. Postkarten‐Verlagen auf. Man kann also bei eini­gen mei­ner Fotolia‐Motive durch­aus auch von einer Zweitverwendung spre­chen.

Ein Städtetrip nach Hamburg geht immer! Ebenso gut ver­kauft sich die­ses Motiv.

Im Vergleich zu einem „typi­schen“ Stock‐Shooting – zum Beispiel von Robert – mit aus­ge­such­ten Models, Locations und viel, viel Vorbereitung, hält sich mein Aufwand für Fotolia bis­her eher in Grenzen. Auch finan­zi­ell. Da ich für mei­ne Motive sowie­so an Ort und Stelle bin, muss ich oft­mals kei­ne grö­ße­ren Investitionen täti­gen als bei­spiels­wei­se den Eintrittspreis zu einer Aussichtsplattform. Entsprechend mini­miert sich somit auch mein Risiko für den Fall, dass ich spä­ter auf den Bildern „sit­zen blei­be“.

Im Austausch mit ande­ren Stockfotografen hat sich die the­ma­ti­sche Streuung auch im Verkauf immer wie­der als vor­teil­haft her­aus gestellt. Ich bin sowohl von aktu­el­len Themen‐Trends als auch von den Jahreszeiten sehr viel weni­ger abhän­gig als mei­ne Kollegen. Und dann wäre da noch der künst­le­ri­sche Faktor: Ich nut­ze bei der Aufnahme mei­ner Bilder ger­ne erwei­ter­te Fotografe‐Techniken, wie zum Beispiel die Langzeitbelichtung oder ich erstel­le Compositings in Photoshop. Diese Bilder ver­kau­fen sich erfah­rungs­ge­mäß beson­ders gut. Wohl aber abhän­gig bin ich natür­lich von der all­ge­mei­nen Kauflaune der Bildkäufer, die zum Beispiel im Sommer deut­lich gerin­ger aus­fällt.

Einer meiner Bestseller: Dieses Motiv entstand im Winterurlaub in Davos, Schweiz bei einer Wanderung.
Einer mei­ner Bestseller: Dieses Motiv ent­stand im Winterurlaub in Davos, Schweiz bei einer Wanderung.

Ebenso deut­lich macht sich bemerk­bar, wenn Fotolia Änderungen an den Preismodellen oder der Verkaufsstrategie vor­nimmt, die uns Anbieter logi­scher­wei­se immer direkt mit betref­fen. Dazu zählt auch das Abo‐Modell, das immer ver­brei­te­ter ist – was bei vie­len Stockfotografen für erheb­li­che Umsatzeinbrüche sorgt.

Eine wei­te­re Schwierigkeit für mich stellt die Selektion der Bildagentur dar: Landschaftsbilder haben es erfah­rungs­ge­mäß schwe­rer, ange­nom­men zu wer­den. Doch wenn sie es dann durch die Selektion schaf­fen, wer­den sie meist sehr gut ange­nom­men.
Man muss jedoch auch fest­hal­ten, dass mein aktu­el­les Portfolio bei Fotolia bis­her nur 851 Aufnahmen beträgt und die Stockfotografie wie gesagt immer noch eine Nebeneinnahme für mich dar­stellt.

Ein extra für Fotolia erstelltes Compositing: Mein Kumpel Matthieu mit Virtual Reality Brille, im Hintergrund die Skyline von Los Angeles.
Ein extra für Fotolia erstell­tes Compositing: Mein Kumpel Matthieu mit Virtual Reality Brille, im Hintergrund die Skyline von Los Angeles.

Ich bin Student der Digitalen Medienproduktion im 6. Semester und arbei­te, wie schon erwähnt, par­al­lel im Bereich Fotografie und Film. Dennoch ste­he ich kurz vor dem Fotolia Status „Gold“ (10.000 ver­kauf­te Lizenzen) und bin voll exklu­siv. Falls das jeman­den inter­es­sie­ren soll­te: Die Exklusivität ist schlicht­weg der Einfachheit geschul­det – bis­lang fehl­ten mir die zeit­li­chen Ressourcen, um mich um meh­re­re Agenturen küm­mern zu kön­nen.

Über mei­nen Verdienst kann ich mich, obwohl ich ja nur ein „klei­ner Fisch“ bin, nicht beschwe­ren. Mit 11,4 Verkäufen pro Bild lie­ge ich leicht über dem Durchschnitt. Mit den Einnahmen von Fotolia konn­te ich zum Beispiel schon seit Anfang des Studiums mei­ne Miete bezah­len – also nur 1,5 Jahre nach mei­nem Debüt in der Stockfotografie. Dadurch blieb mir ein „Themen‐entfernter“ Nebenjob erspart und ich konn­te mich trotz Uni wei­ter auf die Fotografie und somit auch wie­der auf Stockfotografie kon­zen­trie­ren.

Mein bisheriger Bestseller. Inzwischen schon ein paar Jahre alt doch noch immer vielseitig einsetzbar zum Thema Fotografie.
Mein bis­he­ri­ger Bestseller. Inzwischen schon ein paar Jahre alt doch noch immer viel­sei­tig ein­setz­bar zum Thema Fotografie.

Momentan berei­te ich mich dar­auf vor, mein Stock Portfolio wei­ter aus­zu­bau­en und das Modell dann auch im grö­ße­ren Rahmen zu tes­ten. Da ich in den ver­gan­ge­nen vier Jahren ein Gefühl dafür ent­wi­ckeln konn­te, wel­che Motive sich im Stockbereich ver­kau­fen, wer­de Ich wohl in Zukunft auch direk­ter für mein Portfolio pro­du­zie­ren. Doch den Anfang macht die Postproduktion: Auf mei­nen Festplatten war­tet ein rie­si­ges Foto‐Archiv mit unan­ge­tas­te­ten Rohdateien aus den 2 letz­ten Jahren, für deren Bearbeitung ich auf­grund ande­rer Projekte zuletzt kei­ne Zeit mehr hat­te. Außerdem habe ich durch mei­ne Arbeit mit Film und Bewegtbild ein wei­te­res Verkaufsfeld für mein Portfolio ent­deckt. Gerne berich­te ich in Zukunft ein­mal, wie es damit wei­ter geht.

Hier noch der Link zu mei­nem Fotolia‐Portfolio und der Link zu mei­ner Website und mei­ner Facebook‐Seite.

Sechs Jahre Microstock – Meine Zahlen und Erfahrungen

Die letz­ten Monate wur­de ich gefragt, ob ich auch die­ses Jahr wie­der mei­ne Zahlen aus dem Microstock‐Business ver­öf­fent­li­chen wer­de. Ich habe damit eini­ge Monate gezö­gert, aber dazu spä­ter.

Dabei geben die Zahlen kei­nen Anlass zur Sorge.

Auch die­ses Jahr wer­te ich nur die fünf bes­ten mei­ner Microstock‐Agenturen aus. Das sind Fotolia*, Shutterstock*, 123rf*, Dreamstime* und Bigstock*, die zu Shutterstock gehö­ren.

iStock* wer­te ich die­ses Mal nicht mehr aus, weil deren Umsätze kon­ti­nu­ier­lich gesun­ken sind und nun auf Platz 8 mei­ner ein­nah­me­stärks­ten Agenturen gelan­det sind. Dafür, dass ich dort jedoch seit ca. drei Jahren nichts mehr hoch­la­de und 40% mei­ner Bilder gelöscht habe, hal­te ich das aber ehr­lich gesagt für eine beein­dru­cken­de Leistung.

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Aktiv belie­fe­re ich momen­tan 16 Agenturen halb­wegs regel­mä­ßig. Es sind fünf Agenturen weg­ge­fal­len, bei denen sich der Ertrag im Verhältnis zum Aufwand nicht mehr gelohnt hat oder wo es ande­re Gründe gab, die­se nicht mehr zu belie­fern. Dazugekommen sind in der glei­chen Zeit nur zwei Agenturen. Die berück­sich­tig­ten 5 Agenturen erwirt­schaf­ten aber über 85% mei­nes Gesamtumsatzes.

Die hier im Artikel genann­ten Zahlen bezie­hen sich auf die Zeit vom Juli 2013 bis Juni 2014 und schlie­ßen wie­der naht­los an die Auswertung vom Vorjahr an. Wer die kom­plet­te Entwicklung nach­le­sen will, fin­det hier die Ergebnisse nach dem ers­ten, zwei­ten, drit­ten, vier­ten und fünf­ten Jahr Microstock.

Portfolio‐Größe

Die Anzahl mei­ner Bilder bei den Agenturen steigt wei­ter­hin ziem­lich gleich­mä­ßig. Die Zahlen in Klammern zei­gen die Veränderung zum Vorjahr auf. Bei Fotolia hat­te ich Ende Juni 13304 Bilder online (+2815), bei Shutterstock sind es 10056 gewe­sen (+1975), 123rf kam auf 10145 Bilder (+2193), das Portfolio bei Dreamstime ent­hält 9716 Bilder (+1898) und Bigstock hat 9958 Bilder von mir (+1896).

Im Schnitt habe ich ca. 165 neue Bilder pro Monat hoch­ge­la­den, wobei Fotolia zusätz­lich ca. 20% exklu­si­ves Material von mir erhält. 200 Bilder pro Monat, wie in die­ser Rechnung, sind also mach­bar.

Verkäufe

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Wie vie­le Verkäufe konn­te eine Agentur letz­tes Jahr mit mei­nen Bildern pro Monat im Durchschnitt erzie­len? Die Zahlen in Klammern zei­gen die Veränderung zum Vorjahr an. Wie zu erwar­ten liegt Shutterstock als Abo‐Agentur bei der Anzahl der Verkäufe mit 7539 weit vor­ne (+2087). Danach folgt Fotolia mit 5803 Verkäufen (+973). Auf Platz drei liegt 123rf mit 1059 Sales (+339), dicht gefolgt von Bigstock mit 705 Verkäufen (+483). Auf dem fünf­ten Platz liegt dies­mal Dreamstime mit 658 Sales (+176). Zusammen wur­den also im letz­ten Jahr über 15.000 Bilder von mir pro Monat ver­kauft. Eine Summe, die ich mir zu Beginn nicht zu erträu­men gewagt hät­te.

Umsätze

Im letz­ten Bericht hat­te ich die Befürchtung geäu­ßert, dass das Ende der Fahnenstange bei mei­nen Umsatzsteigerungen erreicht sein könn­te. Diese Befürchtung hat sich glück­li­cher­wei­se nicht bewahr­hei­tet. Meine Umsätze stei­gen regel­mä­ßig wei­ter, aber ich habe mich nach lan­gem Zögern ent­schie­den, kei­ne kon­kre­ten Umsatzzahlen mehr zu ver­öf­fent­li­chen.

Viele in mei­nem Freundes‐ und Bekanntenkreis fan­den es schon seit Jahren befremd­lich, dass ich so offen über mei­ne Einnahmen schrei­be. Ich habe es trotz­dem gemacht, weil es für mich ein Experiment war, ob sich mit der Microstock‐Fotografie wirk­lich Geld ver­die­nen lässt. An die­sem Experiment woll­te ich euch als Leser teil­ha­ben las­sen. Ich den­ke, den Erfolg des Experiments habe ich spä­tes­tens im obi­gen Bericht bewie­sen.

Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brach­te, war der rei­ße­risch beti­tel­te Artikel „So ver­dient man 10.000 Euro monat­lich mit Stockfotos“ von Online Marketing Rockstars, der text­gleich auch in der t3n und der Gründerszene ver­öf­fent­licht wur­de. Ich habe der Autorin aus­drück­lich erklärt, dass ich das Interview nur geben möch­te, wenn mei­ne Einnahmen nicht im Vordergrund stün­den. Solche Überschriften sind dann das Ergebnis.

Ich möch­te nicht auf mei­ne Umsätze redu­ziert wer­den, denn damit könn­te der Eindruck erweckt wer­den, Microstock sei eine die­ser Methoden zum „Geld ver­die­nen im Schlaf“. Das stimmt nicht. Es ist immer noch mög­lich, ins Microstock‐Business ein­zu­stei­gen, aber die Konkurrenz ist im Vergleich zu mei­nem Beginn vor sechs Jahren här­ter gewor­den. Wer Erfolg haben will, braucht Durchhaltevermögen und Disziplin. Zwei Jahre min­des­tens, eher drei bis vier Jahre, bevor sich die Investition lohnt. Das schaf­fen nur weni­ge.

Außerdem sah die Journalistin – auch auf kon­kre­te Hinweise von mir – nicht ein, den Unterschied zwi­schen Umsatz und Gewinn ver­ste­hen zu wol­len und die Überschrift dahin­ge­hend abzu­än­dern. Damit wer­den unnö­tig fal­sche Hoffnungen geweckt, denn um sol­che Umsätze zu erzie­len, gehö­ren auch hohe Investitionen dazu. Es ist bestimmt kein Zufall, dass die Shootings, mit denen ich am meis­ten Geld ver­die­ne, gleich­zei­tig die sind, wel­che mich am meis­ten gekos­tet haben. Bevor ich jetzt aber detail­liert öffent­lich mei­ne Ausgaben gegen­rech­ne, um die Umsätze in den pas­sen­den Kontext zu stel­len, las­se ich es ganz blei­ben.

Anreize

Die Bildagenturen haben ver­schie­de­ne Mechanismen, um ihre Fotografen zu moti­vie­ren und zu beloh­nen.

Fotolia hat ein Ranking, in dem man höher steigt, je mehr Bilder man ver­kauft. In jedem Level erhält man mehr Prozente pro Verkauf. Mitte letz­ten Jahres habe ich das Saphir‐Level erreicht, was dem fünf­ten von acht mög­li­chen Leveln ent­spricht. Meinem Ranking‐Rechner zufol­ge wird es aber bestimmt noch ca. ein Jahr dau­ern, bis ich das sechs­te Level Rubin erreicht habe. Da gibt es welt­weit aber auch nur fünf Fotografen, die das schon geschafft haben.

Shutterstock hat ein ande­res System. Anfangs bringt jedes ver­kauf­te Foto dem Fotografen 0,25 US‐Dollar. Wer mehr als 500 US‐Dollar ein­ge­nom­men hat, bekommt danach pro Verkauf 0,33 USD, bei mehr als 3000 USD Umsatz dann 0,36 USD pro Verkauf. Nach ins­ge­samt 10.000 USD Verkaufserlösen bekommt man 0,38 USD pro Verkauf. Diese Hürde habe ich schon vor vier Jahren genom­men und sta­gnie­re auf hohem Niveau.

Dreamstime hat wie­der eine ande­re Struktur. Je häu­fi­ger ein Foto ver­kauft wur­de, des­to teu­rer wird es. Hier haben 84 mei­ner Fotos das höchs­te Level 5 erreicht.

123rf hat erst im Januar 2013 ein Ranking‐System ein­ge­führt. Hier zäh­len die Verkäufe der letz­ten 12 Monate. Je mehr Verkäufe, des­to höher das Level und damit ver­bun­den die Prozente, die man pro Verkauf erhält. Dort bin ich 2013 ins Level 5 (von inge­samt 10) ein­ge­stie­gen und habe aktu­ell das Level 6 inne. Das Level 7 wer­de ich aber vor­aus­sicht­lich eine Weile nicht errei­chen.

Bigstock hat mei­nes Wissens kein Ranking‐System.

Mitmachen

Wer jetzt Lust bekom­men hat, sein eige­nes Experiment zu wagen, kann sich über fol­gen­de Affiliate‐Links bei den Bildagenturen anmel­den:

Übrigens: Wer selbst aus­rech­nen will, wie viel er im nächs­ten Jahr mit sei­nen Fotos ver­die­nen könn­te, kann mei­nen kos­ten­lo­sen “Stock Photography Income Calculator” benut­zen.

Wie lief euer letz­tes Microstock‐Jahr? Wie schätzt ihr die Zukunft ein?

* Affiliate