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Testbericht: Loupedeck+ Mischpult für Bildbearbeitung (z.B. in Lightroom oder Capture One)

Ende Dezember 2016 gab es die­se erfolg­rei­che Crowdfunding‐Kampagne für ein neu­es Eingabegerät namens Loupedeck.

Das Loupedeck ist eine Art Mischpult, mit der ver­schie­de­ne Software‐Programme, allen vor­an Adobe Lightroom, statt mit der Maus und Tastatur mit Drehknöpfen und ande­ren Reglern bedient wer­den kön­nen. Das soll schnel­ler und intui­ti­ver gehen als mit den genann­ten Alternativen.

Ich bekam schon vor über einem Jahr die Anfrage, ob ich das Gerät tes­ten möch­te. Ich war damals inter­es­siert, muss­te aber absa­gen, da ich mei­ne Bilder nicht mit Lightroom, son­dern mit Capture One (und die­sem Workflow) ent­wick­le.

Nun schrieb mir die Marketingfirma von Loupedeck erneut, aus zwei Gründen. Erstens ist seit eini­gen Monaten eine ver­bes­ser­te Variante des Loupedeck, das Loupedeck+ auf dem Markt, bei der die Regler und Knöpfe eine bes­se­re Haptik bie­ten sol­len und die Funktionsbelegung indi­vi­du­el­ler anpass­bar ist.

Außerdem wird seit kur­zem auch Capture One in einer Beta‐Version unter­stützt und des­halb schick­te mir die Firma ein kos­ten­lo­ses Testgerät zum Ausprobieren.

Hardware

Das Gerät kos­tet 239 Euro inklu­si­ve Versand* und ist ca. 39,5 cm breit und 15 cm lang und hat einen USB 2.0-Anschluss. Zum Vergleich hier auf mei­nem Schreibtisch zwi­schen mei­ner
CODE MX Tastatur und dem alten Grafiktablett „Wacom Intuos Pro M“*.

Je nach Arbeitsschritt kann ich ent­we­der das Loupedeck+ (RAW‐Entwicklung), das Grafiktablett (Retusche) oder die Tastatur (Textverarbeitung) nach vor­ne holen. Es braucht aber schon etwas Platz auf dem Schreibtisch und wer die­sen nicht hat, muss Lightroom oder Capture One schon sehr häu­fig nut­zen, um das in Kauf zu neh­men.

Paradoxerweise bie­tet sich das Loupedeck trotz der Maße vor allem für Reisen mit einem Laptop an, da die Bedienung etli­cher Programme mit Drehknöpfen statt dem Trackpad deut­lich beque­mer ist.

Software

Die Installation ging ein­fach und schnell, anste­cken, Treiber laden und fer­tig. Unterstützt wer­den Windows 10 oder Mac OS 10.12 und höher. Im Loupedeck‐Setup kann ein­ge­stellt wer­den, für wel­ches Programm das Mischpult ein­ge­setzt wer­den soll, ein Wechsel ist mög­lich. Unterstützt wer­den Lightroom, Photoshop, Première Pro, After Effects, Skylum Aurora HDR, Audition, Final Cut Pro X und Capture One (Beta).

Das Loupdeck‐Setup (umran­de­te Regler kön­nen indi­vi­du­ell belegt wer­den, vari­iert je nach Programm)

Außerdem kön­nen vie­le Tasten indi­vi­du­ell kon­fi­gu­riert wer­den, es besteht auch die Möglichkeit, das Programmwechseln auf eine Taste zu legen oder mit einer Funktion Loupedeck auto­ma­tisch auf das zuletzt akti­ve Programm umzu­stel­len.

Kleine Auswahl der vor­han­de­nen Belegungsmöglichkeiten

Ich habe mir zum Beispiel das Kopieren und Einfügen von CO‐Entwicklungseinstellungen auf L1/L3 gelegt und die Belichtungswarnung auf C1, weil ich dann vie­le mei­ner häu­fig genutz­ten Funktionen bes­ser in Fingernähe (Daumen auf C1, Zeigefinger auf L3, ggf. L1) habe.

Die unschar­fen wei­ßen Kästchen habe ich mir selbst als Beschriftung dazu geklebt.

Hier gab es die ers­te Hürde, dass Loupedeck bei Capture One stän­dig in einen ande­ren Reiter gesprun­gen ist, wenn ich an einem Regler gedreht habe, weil Loupedeck nor­ma­ler­wei­se zu dem Reiter springt, der stan­dard­mä­ßig die­se Funktion anzeigt. Aber auch das kann im Setup ein­ge­stellt wer­den.

Wenn man vie­le Tasten indi­vi­du­ell belegt, kann man leicht den Überblick ver­lie­ren, wel­cher Regler was macht. Da hät­te ich mir eine Art Bildschirm‐Overlay wie beim Wacom‐Tablett gewünscht oder anpass­ba­re LED‐Displays an den Reglern, indi­vi­dua­li­sier­ba­re Tasten‐Aufkleber oder irgend­so­was.

Meine Erfahrungen

In den letz­ten drei Wochen habe ich damit drei kom­plet­te Fotosessions von ca. 200–400 Fotos pro Fotoshooting in Capture One 10 ent­wi­ckelt. Bei der letz­ten Session habe ich auf die Uhr geschaut und für 360 Bilder ziem­lich genau eine Stunde gebraucht, das sind 10 Sekunden pro Bild. (Dieser Wert kann natür­lich je nach per­sön­li­chem Workflow stark schwan­ken.)

Für mich ist das etwas schnel­ler als mit Maus und Tastatur, aber vor allem fühl­te es sich deut­lich spie­le­ri­scher an. Die Arbeit ver­ging viel schnel­ler, ohne davon genervt zu sein, wie­der mit der Maus mehr­mals die win­zi­gen Regler tref­fen zu müs­sen, um einen Wert um 2–3 Punkte zu ändern. Kurz: Die Aufgabe, vie­le Bilder ent­wi­ckeln zu müs­sen, macht mit dem Loupedeck mehr Spaß.

Vor allem beim Einstellen des Weißabgleichs fand ich das Loupedeck+ ange­neh­mer, weil ich die­sen Wert
wegen wech­seln­den Lichtverhältnissen bei der Copy/Paste‐Zuweisung von vor­he­ri­gen Entwicklungseinstellungen nicht berück­sich­ti­ge und ihn nun durch kur­zes Drehen am pas­sen­den Rädchen kor­ri­gie­ren kann.

Angenehm ist auch, dass das Loupedeck eine natür­li­che­re Handhaltung erlaubt und so die geplag­te rech­te Maushand mit stra­pa­zier­ten Sehnen eine Weile ent­las­tet.

Die Drehknöpfe fin­det man nach einer Weile auch ohne Hinschauen, weil sie so ange­ord­net sind, dass man sie auch „erfüh­len“ kann. Verbesserungswürdig fand ich die Haptik der Drehtasten, da die­se sehr leicht­gän­gig und ohne hap­ti­sches Feedback sind, sodass man schnell mal wei­ter gedreht hat als man eigent­lich woll­te.

Die Pfeiltasten unten rechts nutz­te ich im Test zum Blättern durch die Bilder. Das funk­tio­nier­te prin­zi­pi­ell gut, aber aus mir uner­find­li­chen Gründen wech­sel­ten die­se ihre Funktion manch­mal zum Weißabgleich‐Modus und erst wenn ich mit der Maus das nächs­te Bild aus­wähl­te, war die übli­che Funktion wie­der­her­ge­stellt. Das mag an der Beta‐Version der Capture One‐Unterstützung lie­gen und wird hof­fent­lich bald ver­bes­sert.

Preislich liegt das Loupedeck+ im Vergleich zu DIY‐Varianten, wie sie hier im Blog vor fünf Jahren vor­ge­stellt wur­den, ganz gut, zumal eben die zeit­rau­ben­de Einrichtung und der Zusammenbau ent­fällt. Auch im Vergleich zu Alternativen wie dem „Palette Gear Professional Kit“ ist es güns­ti­ger. Das Loupedeck+ kann zum Beispiel hier bei Amazon für 239 Euro* bestellt wer­den.

Meine Schreibtisch‐Anordnung, wenn das Loupedeck nicht benutzt wird

Disclaimer: Testgerät wur­de von der Firma kos­ten­los zur Verfügung gestellt, auf den Inhalt des Testberichts hat­te die­se kei­nen Einfluss.
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Rezension: „Agenten der Bilder“ von Annette Vowinckel

Es gibt etli­che Bücher über Fotografen und die Fotografie, deren Theorie, Geschichte und die ver­schie­de­nen Genres.

Über die wirt­schaft­li­che Seite der Fotografie und die Vertriebswege wird jedoch deut­lich weni­ger geschrie­ben. Die zwei­te Reihe hin­ter den Fotografen, die Bildredakteure und Bildagenturen, gera­ten da sehr sel­ten in den Blick. Dabei ent­schei­den sie fast mehr als die Fotografen selbst, wel­che Bilder zu Ikonen und wel­che ver­ges­sen wer­den, indem sie bestim­men, wel­che Motive auf die Titelbilder gro­ßer Zeitungen und Zeitschriften kom­men.

Deshalb war ich sehr gespannt, als die Historikerin Annette Vowinckel (Leiterin der Abteilung für Mediengeschicke am Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam) vor einer Weile ihr Buch „Agenten der Bilder. Fotografisches Handeln im 20. Jahrhundert“* im Wallenstein Verlag (ISBN 978–3-8353–1926-4) ver­öf­fent­lich­te.

Auf 480 Seiten geht sie der Frage nach, „wer die Fotografien wo, wann und in wel­cher Erwartung plat­ziert und nach wel­chen Kriterien bestimm­te Bilder aus­ge­wählt und ande­re ver­ges­sen oder ver­hin­dert wer­den“ (S. 8).

Statt wie so oft eine Motivanalyse zu ver­su­chen, geht Vowinckel anders vor: „Ich kon­zen­trie­re mich dabei auf das, was ich als ‚Bildhandeln‘ bezeich­ne, gehe also nicht von den Bildern aus, son­dern von den Handlungen, deren Ziel und Inhalt die Produktion und Zirkulation von Bildern ist“ (S. 15).

Das Buch ist neben den Pflichtteilen wie Einleitung, Schluss und diver­sen (Quellen-)Verzeichnissen in fünf Abschnitte geteilt.

Im ers­ten Teil, „Die Entstehung einer glo­ba­len visu­el­len Öffentlichkeit“ genannt, beschreibt sie his­to­risch den Aufbau der ers­ten (Nachrichten-)Bildagenturen und wel­che Rolle dabei der Zweite Weltkrieg gespielt hat. Der zwei­te Teil ist den „Berufsgruppen“ gewid­met, nament­lich den Fotojournalisten und Bildredakteuren: Deren Herkunft, Motivation, Werdegang und Selbstverständnis wer­den nach­ge­zeich­net.
Der drit­te Teil betrach­tet die „Fotografie im Staatsdienst“, vor allem in der Armee und zivi­len staat­li­chen Organisationen.
Teil vier nennt sich „Bildsteuerung und Bildverwendung“ und beschäf­tigt sich mit Zensur, foto­gra­fi­scher Ethik und Evidenz.
Der fünf­te Teil geht sechs Fallbeispiele durch, nament­lich Fotojournalismus in Afrika, Fotografische Subversion in der DDR, Faschismus und Antifaschismus, der Kalte Krieg, der Bilderkrieg in Vietnam und Politiker.

Im Buch sind etli­che span­nen­de Themenfelder ver­steckt, zu denen ich noch kom­men wer­de. Unbefriedigend ist jedoch, dass sich beim Lesen manch­mal das Gefühl ein­stellt, die Autorin wür­de über ihre eige­ne Ansprüche stol­pern.

Das fängt gleich in der Einleitung an, wo sie das „Bildhandeln“ als zen­tra­les Element ihrer Arbeit aus­macht und Fragen auf­wirft wie „Was unter­schei­det eine Bildhandlung von einer Sprachhandlung?“, „Welche Formen des Bildhandelns hat die Moderne im Schatten der Massenproduktion […] ver­vor­ge­bracht?“ und „Wie ver­än­dert sich das Politische unter dem Ansturm der Bilder, der das 20. Jahrhundert präg­te […]?“ (alle S. 15), obwohl es im Folgenden dann „nur“, dafür aber mate­ri­al­ge­sät­tigt, um die Herstellung und den Vertrieb von Bildern geht.

Theoretisch ganz span­nend führt sie fünf Kategorien ein, nach denen „Bilder als Argumente“ (S. 19) die­nen: Erstens zur Herstellung einer visu­el­len Öffentlichkeit, zwei­tens zur Agitation, Propaganda und Public Relations, drit­tens zur Solidarisierung mit den Opfern von Krieg und Gewalt sowie zur huma­ni­tä­ren Anklage, vier­tens zur foto­gra­fi­schen Subversion und fünf­tens zum Erbringen von Evidenz.

Mal ganz abge­se­hen davon, dass sie die­se ohne jeg­li­che Erwähnung des „Geldverdienens“ immer als hand­lungs­lei­tend ansieht, erklärt sie gleich dar­auf, sich nicht an die­se Struktur im Buch hal­ten zu wol­len.

Sehr erhel­lend ist das Kapitel über die Bildredakteure, weil die­ser Aspekt der kom­mer­zi­el­len Fotografie meist zu kurz kommt. Vowinckel schreibt bei­spiels­wei­se, dass etli­che Fotografen ein­fach ihre vol­len Filme in der Redaktion ablie­fer­ten und sich nicht wei­ter dar­um scher­ten, was die Bedeutung der Bildredaktion für die Entstehung iko­ni­scher Motive her­vor­hebt.

Auch die Details im ers­ten Teil über die Entstehung von Bildagenturen wie Associated Press (AP) und mit wel­chen tech­ni­schen Kniffen sie sich gegen­über der Konkurrenz durch­set­zen konn­ten, habe ich noch nir­gend­wo anders gele­sen.

Ähnliches gilt für das Kapitel über die Fotografie im Staatsdienst. Es lie­fert einen span­nen­den Einblick in die ver­schie­de­nen Überlegungen, wie Fotografien sei­tens der Armee für ihre Zwecke genutzt wer­den könn­ten und wie die­se Ideen prak­tisch umge­setzt wur­den.

Aber oft ging es mir im Buch dann doch sehr häu­fig wie­der um die, teils sehr bekann­ten, (Kriegs-)Fotografen wie Robert Capa, W. Eugene Smith, Dorothea Lange oder James Nachtwey und was sie im Einsatz erdul­den muss­ten. Dabei wäre selbst inner­halb der gewähl­ten Fallbeispiele inter­es­sant gewe­sen, wie bei­spiels­wei­se Bildredaktionen in der DDR arbei­te­ten oder zu Zeiten des Kalten Krieges oder wie sich der Vertrieb der Bilder auch nach dem Zweiten Weltkrieg mit den wach­sen­den tech­ni­schen Möglichkeiten gewan­delt hat.

Nichtsdestotrotz ist das Buch eine fak­ten­rei­che Sammlung zur Fotogeschichte. Vor allem wer sich für die Kriegsfotografie und Dokumentarfotografie inter­es­siert, wird beim Lesen auf sei­ne Kosten kom­men.

Es ist hier im Buchhandel* für 34,90 Euro als Hardcover mit Schutzumschlag erhält­lich.

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Rezension: „Portrait Lighting for Photo, TV and Cinema“ von Achim Dunker

Waren die ers­ten bei­den Bücher des Kameramanns und Diplom‐Filmingenieurs Achim Dunker eher theo­rie­be­zo­gen, ist sein drit­tes Buch „Portrait Lighting for Photo, TV and Cinema“* kom­plett für die Praxis.

Im Buch geht es wie im ers­ten Buch um die Beleuchtung von Personen, vor allem von Portraits, für Foto‐ oder Filmaufnahmen.

Ähnliche Bücher gibt es eini­ge, der Unterschied hier ist jedoch der star­ke Praxisbezug. Das fängt beim Format an: Mit DIN A6 ist das Buch mini­mal klei­ner als eine Postkarte und passt damit in jede Kameratasche.

Ohne viel Gerede wer­den die Lichtaufbauten (natur­ge­mäß mit Dauerlicht) ein­mal als gra­fi­sche Skizze gezeigt und dazu das fer­ti­ge Ergebnis. Meist gibt es auch noch ein Foto des Beleuchtungsaufbaus mit Hintergrund dazu:

Beispielseite aus dem Buch „Portrait Lighting“

Der Text beschränkt sich auf das Wesentlichste und kommt in sie­ben Sprachen daher. Neben deutsch wer­den auch eng­lisch, spa­nisch, fran­zö­sisch, ita­lie­nisch, rus­sisch und chi­ne­sisch abge­deckt. Damit soll­te auch die Kommunikation im multi‐lingualsten Filmteam mög­lich sein. Hier taucht auch der ein­zi­ge Kritikpunkt auf, denn unter den vie­len ver­schie­de­nen Sprachen lei­det etwas die Übersichtlichkeit.

Insgesamt sind 100 Lichtaufbauten im Buch abge­deckt, vom ein­fa­chen „10‐Euro‐Studio“ bis hin zur kom­ple­xen Ausleuchtung von Gruppen. Bei einem Preis von knapp 12 Euro* ist der Kauf für Kameraleute oder Beleuchter (und Fotografen) ein No‐Brainer.

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Rezension: „Selbständigkeit als Fotograf(in)“ von Ralf und Nicole Obermann

Bücher mit Anleitungen für bes­se­re Bilder gibt es wie Sand am Meer.
Bücher über die Business‐Aspekte der Fotografie sind deut­lich rarer, wes­halb ich mir mit Interesse das neue Buch „Selbständigkeit als Fotograf(in)“* von Ralf und Nicole Obermann (erschie­nen im dpunkt.verlag) ange­se­hen habe.

Der Untertitel ver­spricht, „ein Ratgeber für den Einstieg in Teil‐ und Vollzeit“ zu sein. Auf ca. 240 Seiten bespricht das erfah­re­ne Hochzeitsfotografie‐Paar Themen wie unter­schied­li­che Rechtsformen, Zielgruppen‐Analyse, Kundengespräche, not­wen­di­ge Versicherugen, den Businessplan, Preisgestaltung und mehr.

Das Buch geht still­schwei­gend davon aus, dass ihr schon foto­gra­fie­ren könnt, was aus mei­ner Sicht voll­kom­men okay ist. Das Buch ist auch kein Motivationsbuch im Sinne von „Du schaffst das, wenn Du nur fest an Dich glaubst!“, auch wenn auf den ers­ten Seiten lei­der eini­ge Plattitüden wie „lebe Deinen Traum“ oder „Vertrau Dir, dann ver­trau­en dir auch ande­re“ zu lesen sind.

Ich wünsch­te, ich hät­te zum Start mei­ner eige­nen Selbständigkeit ein Buch wie die­ses gele­sen, dann wären mir eini­ge Kopfschmerzen erspart geblie­ben. Themen wie „Was gehört auf eine rich­ti­ge Rechnung“ oder „Welche Versicherungen brau­che ich“ muss­te ich mir noch im Internet zusam­men­su­chen, hier gibt es sie sor­tiert zwi­schen zwei Buchdeckeln gebün­delt. Selbst wenn ich kei­ne eige­nen Kunden bedie­ne, fand ich das Kapitel 10 über den Umgang mit Kunden sehr nach­voll­zieh­bar und für Anfänger sicher lehr­reich.

An vie­len Stellen im Buch fin­den sich lan­ge Listen mit Fragen, wel­che sich der Einsteiger stel­len soll­te, um her­aus­zu­fin­den, wie und wo er sich posi­tio­nie­ren soll. Das sind Fragen wie „Wie foto­gra­fie­re ich?“, „Verdiene ich Respekt?“, „Hat mei­ne Dienstleistung einen Mehrwert?“, „Ist euer Foto‐Look zeit­ge­mäß?“ oder „Seid ihr men­tal fit für die Selbständigkeit?“. Es ist legi­tim und auch hilf­reich, sol­che Fragen zu stel­len, aber gera­de bei kom­ple­xe­ren Fragen hät­te ich mir oft eini­ge mög­li­che Antwortbeispiele gewünscht, um zu sehen, was­für Antwortarten mög­lich sind und wie die­se genau die eige­ne Tätigkeit beein­flu­ßen.

Besonders deut­lich wird das im Kapitel „Zielgruppe fin­den“. Hier soll man sei­ne „Wunschkunden“ nach Alter, Geschlecht, Einkommen, Bildung, Werten und Persönlichkeit defi­nie­ren. Welche Schlußfolgerungen dar­aus fol­gen, blei­ben für den Leser jedoch – bis auf Gemeinplätze wie „wer Kunden mit Niveau sucht, muss niveau­voll sein“ – unklar.

Hier hät­ten Ralf und Nicole Obermann mehr Beispiele aus ihrer Praxis ein­brin­gen kön­nen. An einer Stelle (Seite 46) im Buch erwäh­nen sie zum Beispiel, dass es selbst inner­halb der Ausrichtung „Hochzeitsfotografie“ fünf ver­schie­de­ne Gruppen gäbe. Wie die­se hei­ßen, bleibt jedoch uner­wähnt, obwohl genau das die rich­ti­ge Stelle gewe­sen wäre, um anhand ver­schie­de­ner Zielgruppe pra­xis­na­he Unterschiedungen für das eige­ne Fotografie‐Business zu geben.

Insgesamt ist das Buch für Leute, die sich mit ihrer Fotografie selb­stän­dig machen wol­len, jedoch hilf­reich genug, um zu eine Kauf zu raten. Leser dür­fen aber nicht erwar­ten, kom­plet­te Praxisanleitungen „nach­bau­en“ zu kön­nen, son­dern müs­sen damit rech­nen, sich gedank­lich vie­le Fragen zu beant­wor­ten. Wer sich die Zeit nimmt und dar­auf ein­lässt, sieht sei­nen Weg ins Fotografie‐Business danach wahr­schein­lich kla­rer.

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Rezension: Fotobücher über New York City

Auch – oder weil – mei­ne Fotos weit davon ent­fernt sind, gro­ße Kunst zu sein, schaue ihr mir ger­ne Bilder ande­rer Fotografen an, von denen ich hier oder hier schon mehr­mals wel­che vor­ge­stellt habe.

Heute soll es jedoch um die Metropole New York gehen, die mit ihren Wolkenkratzern und der Halbinsel‐Lage einen ganz eige­nen Charme hat, dem ich regel­mä­ßig, auch foto­gra­fisch, erlie­ge.

Eines der ers­ten Fotobücher über New York, was mich wirk­lich in den Bann gezo­gen hat, war „Above New York“* von Robert Cameron, wel­ches 1988 erschien und die Großstadt in beein­dru­cken­den Luftaufnahmen zeig­te. Selbst wenn heut­zu­ta­ge Dronen zu einer Inflation der Draufsicht‐Perspektive geführt haben, sind die New Yorker Aufnahmen immer noch beein­dru­ckend, weil sie jetzt eine Art archi­va­ri­schen Charakter haben. Breitformatig lie­fern sie als Wimmelbilder mit his­to­ri­schem Bezug stun­den­lan­ge Suchspiele und geben aus der Ferne einen Blick auf die Stadt frei, den man als Tourist höchs­tens annä­hernd im Landeanflug erhält.Nahezu das Gegenteil der opu­len­ten Luftaufnahmen ist im Bildband „Drive‐By Shootings“* von David Bradford zu sehen. Hier hat der Taxifahrer Bradford – oft wäh­rend der Fahrt – Street‐Aufnahmen der Stadt in schwarz‐weiß und von unten gemacht. Diese sind oft düs­ter, zei­gen Menschen, die sich meist unbe­ob­ach­tet füh­len, weil ein Taxi in New York kaum Aufsehen erregt und dadurch sind die Bilder auch dicht am Geschehen und füh­ren uns in Ecken, die ich zu Fuß als Tourist nicht immer betre­ten wol­len wür­de.

Den gro­ßen Rundumschlag lie­fert jedoch das opu­len­te Buch „New York. Portrait of a City“* (TASCHEN) des Herausgebers Reuel Golden, wel­cher unter ande­rem Chefredakteur beim British Journal of Photography war. Auf knapp 600 Seiten lie­fert es die geball­te Kompetenz von über 150 berühm­ten Fotografen, die New York von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis 2009 doku­men­tiert haben. So lässt sich in ein­drucks­voll groß­for­ma­ti­gen Aufnahmen die Architektur, Mode, Arbeit und Kultur der Stadt zeit­lich nach­ver­fol­gen. Genau wie beim ers­ten ech­ten Besuch der Großstadt erleb­te ich beim Blättern durch das Buch immer wie­der Déjà‐vus, weil vie­le der Bilder längst zu Ikonen gewor­den sind, die mir schon mehr­fach in Museen, Fotoausstellungen oder in Zeitschriften begeg­net sind.

Einer der Fotografen aus dem obi­gen Buch erhielt kürz­lich erst sei­ne ers­te gro­ße Monografie im Verlag TASCHEN: „Marvin E. Newman“*. Reuen Golden ist hier eben­falls Herausgeber und kura­tiert ca. 170 Bilder des gebür­ti­gen New Yorkers Marvin E. Newman, der als einer der Ersten einen Master of Science in Fotografie vom Institute of Design in Chicago erhielt. Vor allem in den 1950er bis 1970er Jahren fing Newman des Leben in New York City ein und mach­te dabei als einer der ers­ten groß­zü­gig von den Möglichkeiten des damals noch neu­en Farbfilms Gebrauch. Neben der Großstadt sind im Buch auch noch eini­ge sei­ner Sportfotos und Aufnahmen aus ande­ren Teilen der USA zu sehen. Die „Collector’s Edition“ ist gera­de in limi­tier­ter und signier­ter Auflage erschie­nen, die unli­mi­tier­te Auflage wird nächs­tes Jahr erschei­nen.

Coney Island, 1953 (aus dem Buch „Martin E. Newman“)

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