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Einnahmen von Bildagenturen beim Finanzamt melden

In ziem­li­ch regel­mä­ßi­gen Abständen erhal­te ich Emails wie die­se bei­den hier:

Mein Steuerberater, mit dem ich im ers­ten Jahr bin, schreibt mir fol­gen­des: „Haben Sie zur Auszahlung der .….…. € von Fotolia eine Rechnung bzw. haben Sie die Möglichkeit, eine ord­nungs­ge­mä­ße Rechnung zu erhal­ten?“ Ich habe mir die Quittung über Credit Auszahlung von Fotolia aus­ge­druckt. Reicht mir die­se ein­fa­che Quittung aus zur Vorlage beim Finanzamt?“

Oder eine ande­re Agentur betref­fend:

Guten Tag Herr Kneschke,

vor­er­st vie­len Dank für die vie­len nütz­li­chen Informationen auf Ihrem Blog. Ich habe durch Sie sehr viel über das Stockgeschäft gelernt.

Leider konn­te ich zur fol­gen­den Frage kei­ne Antwort fin­den (Eine Suchmaschine hat mir auch nicht wei­ter gehol­fen):
Wie gebe ich mei­ne Einnahmen von Shutterstock beim Steuerberater an?
Bei Fotolia kann man sich einen Beleg her­un­ter­la­den, damit gab es bis­her kei­ne Probleme beim Finanzamt.

Shutterstock hat mir geant­wor­tet, dass sie kei­ne Quittungen oder ähn­li­ches aus­stel­len.
Das hilft mir natür­li­ch auch nicht wei­ter. Die ein­zi­ge Möglichkeit besteht dar­in, dass ich mir bei Shutterstock die Auszahlungsübersicht oder eine Tabellenkalkulation her­un­ter­la­de.

Welche Informationen geben Sie an? Würden Sie mir bit­te wei­ter­hel­fen? Ich wür­de mich sehr über Ihre Antwort freu­en.“

Der Kern der Frage bei die­sen Mails ist immer: Wie wei­se ich dem Finanzamt mei­ne Einkünfte aus Bildagenturen nach?

In den Mails ist es schon ange­klun­gen, dass zumin­dest bei Fotolia der Download einer ein­fa­chen Quittung mög­li­ch ist. Diese fin­det ihr unter „Credits“, wenn ihr beim Filter nur das Häkchen bei „Ausgezahlt“ setzt und beim Ergebnis-Treffer auf den Link „Quittung“ klickt. Die Seite könnt ihr dann abspei­chern, aus­dru­cken und beim Finanzamt ein­rei­chen.

Bei Shutterstock und eini­gen ande­ren Bildagenturen gibt es die­se Möglichkeit lei­der nicht.

Ich dru­cke mir dafür ein­fach die Bestätigung des Zahlungseingangs von mei­nem Paypal-Konto aus, auch für alle ande­ren Bildagenturen.

Mein Steuerberater mein­te mal zu mir, dass das Finanzamt vor allem bei Ausgaben sehr kri­ti­sch ist und Belege sehen will. Dass jemand fälsch­li­cher­wei­se nicht erziel­te Einnahmen mel­den wür­de, sei hin­ge­gen eher sel­ten, wes­halb Einnahmen nicht so streng pro­to­kol­liert wer­den müs­sen. Mehr Einnahmen bedeu­ten ja in der Regel auch mehr Geld für das Finanzamt.

Zur Sicherheit noch der obli­ga­to­ri­sche Hinweis: Alle Hinweise ohne Gewähr, da ich weder Rechtsanwalt oder Steuerberater bin und kei­ne Haftung für die hier genann­ten Tipps geben kann.

Wie gen­au macht ihr das?

Steuerformulare bei Bildagenturen neu ausfüllen

Bei vie­len wird ver­mut­li­ch das Steuerformular bei den Bildagenturen abge­lau­fen sein, weil es nur jeweils vier Jahre gül­tig ist und nach der gro­ßen Einführungswelle 2009 meist 2013 erneu­ert wur­de.

2017 ist also das Jahr, in dem ihr spä­tes­tens bei euren wich­tigs­ten Bildagenturen kon­trol­lie­ren soll­tet, ob euer Steuerformular noch aktu­ell ist und es ggf. neu aus­fül­len.

Hier eine gro­be Anleitung, wo das Formular bei den Agenturen zu fin­den ist und was ihr aus­fül­len müsst.

Wichtiger Hinweis:
Die Ausfüllhilfe gilt nur für Leute, die als „Individual“ bei den Bildagenturen hoch­la­den und ihren Sitz in Deutschland haben. Wer zum Beispiel eine GmbH oder GbR hat, in deren Namen er Bilder hoch­lädt, muss ggf. ein ande­res Formular aus­fül­len. Rechtlich ver­bind­li­ch kann euch da nur euer Steuerberater wei­ter­hel­fen. Deshalb alle Hinweise hier ohne Gewähr.

Fotolia / Adobe Stock

Die Steuerbibliothek von Fotolia fin­det ihr unter dem die­sem Link bzw. in eurem Anbieter-Dashboard unten rechts unter Tools. Dort dann oben rechts auf „Meine Steuerformulare“ kli­cken und ihr seht, wie lan­ge euer Formular noch gül­tig ist.

Sollte es abge­lau­fen sein, müs­sen Einzelpersonen aus Deutschland das W8BEN-Formular aus der Steuerbibliothek online aus­fül­len. Das Formular kann und soll­te online mit­tels Adobe Sign aus­ge­füllt wer­den und sieht unge­fähr so aus wie der Screenshot. Die Felder mit roten Sternchen sind die Pflichtfelder:

Was muss in die Felder?

  1. Euer Vor- und Nachname
  2. Euer Land (Deutschland)
  3. Eure Meldeadresse (Erste Zeile Straße und Hausnummer, ggf. Adresszusatz, zwei­te Zeile links der Ort und rechts noch mal das Land)
  4. Postanschrift, falls die von der Meldeadresse abweicht
  5. Wer eine US-Steuernummer (ITIN) oder US-Sozialversicherungsnummer (SSN) hat, kann die­se hier ein­tra­gen, ist aber frei­wil­lig
  6. Wer eine deut­sche „Steuer-ID-Nummer“ hat, kann die­se hier ein­tra­gen. Ist eben­falls frei­wil­lig. Ich tra­ge hier immer mei­ne Umsatzsteuer-ID ein.
  7. frei­las­sen
  8. Geburtsdatum (ach­tet auf das Format Monat-Tag-Jahr)
  9. Deutschland ein­tra­gen als deut­scher Einwohner
  10. 0“ bei % rate ein­tra­gen und bei Type of inco­me „Royalty Income – Images/Other“. Wer zusätz­li­ch Videos anbie­tet, noch „Royalty Income – Motion Picture/Television“. Bei Reason noch mal „Royalty Income – Images/Other at 0% (und ggf. „Royalty Income – Motion Picture/Television at 0%“) ein­tra­gen
  11. Dann unten noch mal „bei Sign here“ euren Namen ein­tip­pen, dar­un­ter noch mal euren Namen (muss gen­au iden­ti­sch sein mit Feld 1.
  12. Dann auf „Abschicke“ bzw. „Submit“ kli­cken.

Shutterstock

Bei Shutterstock ist das Ausfüllen deut­li­ch ein­fa­cher, weil das meis­te schon vor­ge­druckt ist. Ihr müsst nur dar­auf ach­ten, dass eure Adresse kor­rekt ist bzw. die­se ggf. in eurem Profil aktua­li­sie­ren.

Das „Tax Center“ fin­det ihr hier bzw. unten rechts bei „Legal“ in der Linkleiste.

Das meis­te ist schon vor­aus­ge­füllt, die roten Sternchen zei­gen wie­der Pflichtfelder an, die nicht vor­han­de­nen Daten sind wie oben bei Fotolia aus­zu­fül­len.

Dreamstime

Bei Dreamstime fin­det ihr das „Tax Center“ hier oder wenn ihr oben rechts auf „My Account“ klickt und dann unten auf „Tax Center“.

Auch hier ist das meis­te vor­aus­ge­füllt, die rest­li­chen Daten wie­der wie oben über­neh­men. Einen wich­ti­gen Unterschied gibt es bei Dreamstime: Sie wol­len eine ID, also einen Identitätsnachweis als JPG-Datei, der nicht grö­ßer als 500 KB sein darf. Ich habe z.B. die Vorderseite mei­nes aktu­el­len Personalausweises geschickt. Es gin­ge auch der Reisepass oder Führerschein zum Beispiel.

123rf

Das „Tax Center“ von 123rf fin­det ihr hier. Auch hier ist das meis­te vor­aus­ge­füllt, der Rest sie­he oben. Hilfreich ist das Baumdiagramm, durch das man sich han­geln kann, falls man nicht weiß, wel­ches Formular das Richtige ist:

Habt ihr eure Steuerformulare über­prüft? Sind sie auf dem neus­ten Stand?

Frage von Photography Q & A – Selbstvermarktung für Fotografen

Vor über zwei Jahren habe ich hier im Blog das Buch „Photography Q&A“ von Zach Arias vor­ge­stellt und mei­ne Leser auf­ge­for­dert, mir eben­falls Fragen in den Kommentaren zu stel­len. Zwei die­ser Fragen woll­te ich dann im Blog beant­wor­ten.

Die ers­te Frage, wel­che Blitze ich benut­ze, habe ich vor lan­ger Zeit hier beant­wor­tet.

Kompass-V04-wide-selbstvermarktung_kleinHeute ist nun die zwei­te Frage an der Reihe, die sich rund um das Thema „Selbstvermarktung“ dreht. Genau genom­men haben meh­re­re Leser ähn­li­che Fragen gestellt, wel­che das Thema „Selbstvermarktung“ mit unter­schied­li­chen Schwerpunkten auf­grei­fen.

Hier die Fragen:

Vorweg erst­mal: inter­es­san­ter Blog, ich bin gera­de “drü­ber­ge­stol­pert”.
Daraus ergibt sich auch mei­ne Frage:
Wie wich­tig sind die­se Standbeine für Fotografen? Ich ken­ne kaum einen Fotografen, der “nur” Bilder anbie­tet. Es wer­den Blogs betrie­ben, Workshops oder Coachings ange­bo­ten, Bücher geschrie­ben. Alles sehr zeit­auf­wän­di­ge Tätigkeiten. Sind die­se Aspekte über­le­bens­wich­tig gewor­den als Fotograf? Oder stel­len die­se Bereiche ein­fach einen net­ten Nebenverdienst dar, der auch noch Spaß macht? Gruß, Johannes“

Meine Frage: Wie wich­tig ist Facebook-Marketing für dich und akqui­rier­st du auch grö­ße­re Kunden über dei­ne Facebookseite? Vielen Dank! Justus“

Womit lässt sich dei­ner Meinung nach besser/eher Geld ver­die­nen? Mit einem erfolg­rei­chen Blog oder mit Stockfotos?“

Hallo Robert,
mei­ne Frage bezieht sich auf das eige­ne “Branding”, also wie stellt man es an, sei­ne eige­ne “Marke” als Fotograf bekann­ter zu machen. Und wel­che Methoden/Mittel bie­ten sich an? Als Einzelkämpfer (ohne Angestellte) ist das ein Faktor, der neben der eigent­li­chen Arbeit oft zu kurz kommt. Wie machst du dir einen Namen bzw. wir hast du es geschafft, den “Robert Kneschke” bekannt zu machen? Spielt in der Stockfotografie bei­spiels­wei­se die Menge der Fotos, die man in Agenturen plat­ziert hat, eine ent­schei­den­de Rolle? Sprich: ab wann sucht jemand in der Agentur oder einer Suchmaschine gezielt nach dei­nem Namen, um Fotos von dir ange­zeigt zu bekom­men? Und einen eige­nen “Bildstil” zu ent­wi­ckeln, um sich von der Masse abzu­he­ben, wird nach mei­ner Einschätzung immer schwie­ri­ger. Ist es vor allem und zuer­st ein Blog, das Aufmerksamkeit erregt? Ist es das Kommentieren bei ande­ren, sind es Facebook & Co? Viele Grüße, Nora“

Damit ihr mei­ne Antwort rich­tig ein­ord­nen könn­te, möch­te ich beto­nen, dass ich nur von der Stockfotografie lebe und kei­ne Aufträge anneh­me. Das heißt, vie­le der Marketing-Maßnahmen, die ich für unnö­tig hal­te, mögen für einen Auftragsfotografen über­le­bens­wich­tig sein und anders­rum.

Im Gegensatz zu eini­gen mei­ner Fotografie-Kollegen sind mei­ne Aktivitäten neben der Kamera eher gering. Ich betrei­be zwar seit ca. acht Jahren ger­ne die­sen Blog „Alltag eines Fotoproduzenten“ und im Laufe der Jahre sind mei­ne bei­den Sachbücher „Stockfotografie“* und „Die Arbeit mit Models“* hin­zu­ge­kom­men. Vorträge und Seminare gebe ich jedoch nur sel­ten, viel­leicht zwei bis vier Mal im Jahr (das nächs­te Mal übri­gens wie­der auf der Photokina 2016).

Aber ganz nüch­tern betrach­tet: Ich könn­te locker auf die weni­gen Einnahmen der Bücher, vom Blog und den Vorträgen ver­zich­ten und damit viel­leicht sogar mehr ver­die­nen, weil ich in der frei­en Zeit mehr Stockfotos pro­du­zie­ren wür­de.

Andere Kollegen haben hin­ge­gen ber­ge­wei­se Workshops, DVDs und Seminare im Angebot, ver­öf­fent­li­chen deut­li­ch mehr Artikel in ihren Blogs und ihren Social-Media-Kanälen und so wei­ter. Der Unterschied ist jedoch: Diese Leute leben eben haupt­säch­li­ch davon, die­se Produkte sind ein wich­ti­ger, wenn nicht der größ­te, Teil ihrer Einnahmequellen. Vielleicht könn­te man die­se Leute kor­rek­ter als „Foto-Trainer“ statt als „Fotografen“ bezeich­nen. Das mag sei­ne Berechtigung haben, ist aber als Unterscheidung wich­tig, weil die Zielgruppe eine ande­re ist. Wer sich als Fotograf selbst ver­mark­ten will, muss „Kunden“ für Aufträge errei­chen. Wer als „Foto-Trainer“ unter­wegs sein will, sucht ande­re Fotografen als Kunden. Ein gutes Beispiel ist Calvin Hollywood, der sich öffent­li­ch immer öfter als Foto-Coach statt als Bildbearbeiter dar­stellt.

In die­se „Falle“ bin ich selbst anfangs getappt: Die ursprüng­li­che Idee zu mei­nem Blog war, mich bei mehr Bildkäufern bekannt zu machen. Da ich aber von Foto-Themen mehr Ahnung habe als vom Verkauf, inter­es­sie­ren sich vor allem ande­re Fotografen, aber nicht so sehr Bildkäufer für die­se Themen im Blog.

Damit ist mein Blog nicht so sehr ein Marketing-Instrument, wel­ches mehr Bildkäufe bringt, son­dern ein Hilfsmittel, um mich bei Kollegen und Agenturmitarbeitern bekann­ter zu machen, wel­che dann mit mir Informationen und ähn­li­ches aus­tau­schen. Das ist nütz­li­ch, aber schwer in „mehr „Umsatz“ zu mes­sen.

Ein Blog von einem Fotografen, den ich ger­ne ver­fol­ge, und der sich kon­se­quent an poten­ti­el­le Kunden rich­tet, ist der vom Kollegen Till Erdmenger.

Ähnliches gilt für die Facebook-Präsenz: Während Kollegen wie Matthias Schwaighofer min­des­tens meh­re­re Postings täg­li­ch abset­zen, sind es bei mir alle paar Tage einer. Auch hier gilt wie­der: Ich muss kei­ne Aufträge an Land zie­hen, weil ich das sowie­so nicht anbie­te. Natürlich kann es pas­sie­ren, dass ein Fotograf, der mei­nem Blog oder mei­ner Facebook-Seite folgt, eben­falls Grafikdesign für ande­re Kunden macht und dabei mal eini­ge mei­ner Stockfotos kauft, weil er mich durch mei­ne Veröffentlichungen immer im Hinterkopf hat. Ich ver­mu­te jedoch dass die­ser Effekt zu ver­nach­läs­si­gen ist. Die meis­ten Kunden bei Bildagenturen brau­chen ein bestimm­tes Motiv und suchen die­ses, indem sie Suchbegriffe bei den Agenturen ein­tip­pen.

Je spe­zi­el­ler jedoch die Nische, die ein Fotograf bedient, desto eher kön­nen sich Social-Media-Kanäle oder Blogs loh­nen, um sich als Experte für die­ses Gebiet pro­fi­lie­ren zu kön­nen.

Natürlich ist es mög­li­ch, mit einem Blog mehr Geld zu ver­die­nen als mi Stockfotos, sei es durch Werbung, Ebooks, Affiliate-Marketing oder ande­re Methoden, aber das erfor­dert grund­sätz­li­ch ande­re Fähigkeiten als wel­che, die nötig sind, um mit Stockfotos erfolg­reich zu sein.

Ein „Branding“ ist im Bereich der Stockfotografie deut­li­ch weni­ger nötig als in ande­ren Bereichen. Ich weiß, dass eini­ge Branchengrößen sehr erfolg­reich bei Bildagenturen sind, über die in der Öffentlichkeit fast nichts bekannt ist. „Africa Studio“*, „Ioannis Kounadeas“* oder „Gina Sanders“* sind nur eini­ge Beispiele. Während Auftragsfotografen ger­ne wegen ihres „eige­nen Stils“ gebucht wer­den, sind Stockfotografen Lieferanten für Mainstream-Looks, die sich natur­ge­mäß weni­ger stark von­ein­an­der abhe­ben oder teil­wei­se sogar kopie­ren.

Viele Tipps für erfolg­rei­ches Fotografen-Marketing bie­tet übri­gens mein Kollege Michael Omori Kirchner an.

Wie wich­tig ist das Selbstmarketing für euch?
Was funk­tio­niert am bes­ten für euren Bereich?

* Affiliate

iStock kürzt Fotografenhonorare (mal wieder)

Ich hät­te nicht gedacht, dass ich die­sen Artikel (schon wie­der) schrei­ben müss­te, aber anschei­nend doch. Schon vor eini­gen Wochen wur­de gemut­maßt, dass die Verhinderung von Bildlöschungen dazu dient, eine Honorarsenkung anzu­kün­den.

Gestern gab es die­se Rundmail von Getty Images an die iSto­ck-Kontributoren mit – ich zitie­re – „posi­ti­ven Neuigkeiten“.

2014_luisa_012_0671Ich will an die­ser Stelle nicht so ins Detail gehen, dass könnt ihr selbst in der Rundmail nach­le­sen. Fakt ist: Bisher beka­men nicht-exklusive Fotografen 15–19% Kommission, nun sind es nur noch 15%.

Ja, rich­tig gele­sen. Eine Honorarkürzung von bis zu 20% (wenn man zum Beispiel von 19 auf 15% Umsatzbeteiligung fällt), gilt anschei­nend als gute Sache.

Freuen kön­nen sich even­tu­ell Videografen und Illustratoren, die nun 20% erhal­ten. Damit es nach alter iStock-Manie schön kom­pli­ziert bleibt, gibt obi­ges nur für Credit-Sales und für Abo-Verkäufe gel­ten ande­re Regeln. Neue Regel: Schöpft ein Käufer sein Abo voll aus, bekommt der Fotograf 2 Cent. In Worten: Zwei US-Cent!

Schöpft der Kunde sein Abo nur zu 20% aus, erhält der Fotograf zum Beispiel 17 Cent (laut die­ser Rechnung von Michael Zwahlen). Zum Vergleich: Selbst wenn ein Käufer bei Shutterstock sein Abo voll aus­schöp­fen wür­de, erhält der Fotograf dort min­des­tens 25 Cent bis zu 38 Cent.

Ich will nicht wei­ter auf Details der Rundmail ein­ge­hen, son­dern einen ande­ren Aspekt beto­nen.

Gestern gab es tat­säch­li­ch eini­ge Fotografen, die iSto­ck ver­tei­digt haben, mit der Begründung, dass sie vom Umsatz her an drit­ter Stelle (nach Shutterstock und Fotolia) ste­hen wür­den.

Vor fünf Jahren jedoch stand iSto­ck bei den meis­ten Fotografen noch unan­ge­foch­ten auf dem ers­ten Platz. Außerdem setzt iSto­ck damit wie­der mal eine Signalwirkung: „Seht her, die Fotografen geben sich auch mit 15% zufrie­den“.

Wieso soll­ten ande­re Agenturen teil­wei­se mehr als das Doppelte an Fotografen aus­zah­len, wenn die­se Deppen (sor­ry) mit der Hälfte zufrie­den sind?

Und jetzt kommt die gro­ße Rechnung:
Schaut euch mal eure eige­nen Umsätze an und pro­biert fol­gen­des aus. Wenn Shutterstock und Fotolia eure Umsätze eigen­mäch­tig um 20% kür­zen wür­den, wäre das der Betrag, den euch iSto­ck im glei­chen Monat aus­zah­len wür­de (ggf. mit der obi­gen Reduzierung ein­ge­rech­net)?

Ich ken­ne etli­che Fotografen, bei denen das der Fall wäre (zum Beispiel hier bei Bernd). Muss ich aus­spre­chen, was das bedeu­ten wür­de? Kannibalisierung.

Dann denkt noch kurz dar­an, wie viel Arbeitszeit ihr braucht, um Bilder zu Shutterstock oder Fotolia hoch­zu­la­den und wie lan­ge es bei iSto­ck dau­ert.

Was mir schwer in den Kopf geht: Warum? Entweder ist iSto­ck nicht in der Lage, mit mehr als 80% Umsatzanteil der Credit-Sales pro­fi­ta­bel zu arbei­ten (wäh­rend Agenturen wie Zoonar das mit 20–30% schaf­fen).

Oder…
Ach, sol­che unfei­nen Gedanken mag ich gar nicht nie­der­schrei­ben.

Übrigens: Wer als iStock-Exklusivfotograf mit dem Gedanken spielt, die­se Exklusivität zu been­den, aber Probleme mit dem Export sei­ner Keywords hat, fin­det hier Abhilfe.

Was sagt ihr zur gest­ri­gen iStock-Rundmail?

Warum gute Stockfotos immer auch Klischees sind

Es ist so leicht, sich über Stockfotos lus­tig zu machen: Der Handschlag zwi­schen zwei dyna­mi­schen Geschäftsleuten, die glück­li­chen Eltern mit ihren bei­den lachen­den Kindern auf dem Rücken oder der klei­ne Goldfisch, der aus dem einen run­den Aquarium in das ande­re springt.

2014_tanja_ralf_business_054_0175_kleinJeder kennt die­se Bilder, bun­te Farben, weich belich­tet, schö­ne Models, kei­ne Sorgen. Die Frage, die sich vie­len anschei­nend unwei­ger­li­ch stellt, ist, war­um es immer gen­au die­se Fotos sein müs­sen, um wirk­li­ch alles Mögliche zu bebil­dern?

Könnten die Fotografen nicht etwas krea­ti­ver sein und sich ande­re Konzepte, Zeichen und Symbole aus­den­ken, damit dana­ch auch die Grafiker und Werber abwechs­lungs­rei­che­res Bildmaterial zur Auswahl haben? Stattdessen gibt es den immer glei­chen Einheitsbrei aus gebleich­ten Zähnen, rei­ner Haut und Wohlfühlwelten.

Dabei ist die Frage ganz fal­sch gestellt. Zumindest aus Sicht eines erfolg­rei­chen Stockfotografen.

Machen wir uns doch nichts vor: Bei über 100 Millionen bil­li­gen Stockfotos zur Auswahl gibt es genug Motive abseits des Mainstream, mit denen Grafiker auch abge­fah­re­ne­re Ideen illus­trie­ren könn­ten.

Ich behaup­te: Die meis­ten sind nur zu faul zum Suchen. Oder zu gei­zig. Denn neben den bil­li­gen Microstockagenturen gibt es ja immer noch die Macrostockagenturen mit ganz ande­ren Bildsprachen und deut­li­ch weni­ger häu­fig ver­wen­de­ten Bildern. Selbst die Microstock-Agenturen haben mit Kollektionen wie Offset oder Adobe Premium vie­le Edel-Bilder mit einem ganz ande­ren Look im Angebot. Nur kos­ten die­se eben auch mehr.

Das Geld ist hier der sprin­gen­de Punkt. Für Fotografen loh­nen sich Stockfotos umso mehr, je häu­fi­ger sich die Bilder eines Shootings ver­kau­fen. Damit die Voraussetzungen dafür gege­ben sind, ver­su­chen sie, die Bilder so uni­ver­sell wie mög­li­ch zu hal­ten, damit sie unab­hän­gig von Sprachbarrieren, Ländergrenzen oder Kulturen funk­tio­nie­ren.

Die Stockfotografie-Klischees, über die sich Leute ger­ne lus­tig machen, funk­tio­nie­ren eben nur, weil die Stockfotografen ihre Arbeit gut gemacht haben. Nur uni­ver­sel­le Verwendungsmöglichkeiten brin­gen höchst­mög­li­che Verkäufe, die wie­der­um als Nebeneffekt eine gewis­se Sättigung ein­tre­ten las­sen, sodass Designer irgend­wann genervt sind, das nächs­te „Frau mit Headset im Callcenter“, Rebecca Ariane  Givens oder „Frau isst Salat“-Motiv zu sehen.

Das glei­che gilt übri­gens für das Argument der „Langeweile“. Erfolgreiche Stockfotos sind oft lang­wei­lig, weil „auf­re­gend“ oder „span­nend“ pola­ri­sie­ren kann, was wie­der­um bedeu­tet: Kunden abschre­cken kann.

Das eine geht nicht ohne das ande­re. Wenn ein Motiv oder eine bestimm­te Bildsprache so über­zeugt, dass sich ganz vie­le Kunden dar­auf stür­zen, wird die­ses Motiv oder die­ser Look irgend­wann zum Klischee wer­den. Bis dahin wird sich das Motiv blen­dend ver­kau­fen und die Stockfotografen von ihrer Arbeit leben kön­nen.

Wenn ein Grafiker par­tout etwas „ganz Anderes“ oder im wört­li­chen Sinne „noch nie Dagewesenes“ ver­wen­den will, muss er eben in den sau­ren Apfel bei­ßen und etwas mehr Geld aus­ge­ben, zum Beispiel, indem er einen krea­ti­ven Fotografen beauf­tragt.

Über zehn Jahre Microstock haben bei Designern die Erwartungshaltung geweckt, dass sich tech­ni­sch per­fek­te Motive mit tol­len Models und pas­sen­den Requisiten schnell für weni­ge Euro fin­den las­sen. Dieses System funk­tio­niert aber nur, wenn die Designer gleich­zei­tig ver­ste­hen, dass der Preis für die­se Schnäppchen eben eine wei­te­re Verbreitung der immer glei­chen kli­schee­haf­ten Motive ist. Denn es liegt auf der Hand: Ein auf­wän­di­ges Shooting kos­tet deut­li­ch mehr als die 2–3 Euro, die ein Bild in Webauflösung kos­tet. Da müs­sen schon vie­le Verkäufe zusam­men­kom­men, um die Kosten wie­der rein­zu­ho­len.

Ich habe kein Problem, dass ich mei­ne Bilder unter dem Herstellungspreis ver­kau­fe, solan­ge sich genug Verkäufe sum­mie­ren. Dann soll­ten sich Designer jedoch mit Spot über die häu­fi­ge Verbreitung der Bestseller-Motive zurück­hal­ten. Oder ein­fach mehr bezah­len.

Was meint ihr?