Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 58

Willkommen zur aktu­el­len Folge von „Pimp My Stock!“, der Serie, wo ich Stockfotos auf ihre Verkäuflichkeit hin bewer­te. Diesmal mel­det sich Herbert bei mir, der sei­ne Fotos bei EyeEm anbie­tet. Er schreibt mir:

Hallo Robert,

Mein Name ist Herbert. Vor zwei Jahren hab ich zum ers­ten Mal Fotos bei Shutterstock, Fotolia, iStock und Alamy hoch­ge­la­den. Die Gnade der frü­hen Geburt und der siche­ren Rente hat aber den Nachteil, dass mein Schulenglisch nur ein Wahl- bzw. Nebenfach war. Die letz­ten 40 Jahre habe ich das sel­ten benö­tigt und es völ­lig ist ver­küm­mert. Da aber bei allen Agenturen eng­lisch Voraussetzung ist, ist mein Stockfotobetrieb aus Zeitgründen wie­der in den Hintergrund getre­ten.

Zurzeit bie­te ich mei­ne Fotografien unter dem Namen Herbb nur auf EeEym an. Dort sind ca. 1200 Fotos hin­ge­legt. 820 haben es in den Markt geschafft, 350 sind bei Partneragenturen unter­ge­kom­men. Damit hab ich einen sagen­haf­ten Gewinn von 9.50 Dollar erwirt­schaf­tet.

Die Ablehnung der ca. 400 Fotos ent­zieht sich aller­dings oft­mals mei­nem Verständnis. Der intel­li­gen­te Algorithmus, der die Bilder scannt, bringt immer wie­der son­der­ba­ren Ausschuss, bzw. for­dert Genehmigungen, die ein­fach nicht erfor­der­lich oder nicht zu bekom­men sind.

Zurzeit bear­bei­te ich die Fotos mit ACDsee10Pro. Hier schär­fe ich nach und ände­re meis­tens den Kontrast, die Sättigung und die Helligkeit. Ich hab mit dem Programm vor ca. 20 Jahren ange­fan­gen und bin immer noch zufrie­den. Natürlich kann es dem Platzhirsch Adobe nicht das Wasser rei­chen. Mein Ziel mit dem Stockfotoverkauf wären die jähr­li­chen Abo-​Kosten von Adobe zu ver­die­nen.

Die aus­ge­wähl­ten Bilder wur­den von EyeEm abge­lehnt, weil sie nicht ihren Anforderungen ent­spre­chen. Mich wür­de inter­es­sie­ren, wie das der Experte sieht.

Foto Nr 1 – 7 wur­den wegen Qualitätsmängel abge­lehnt. Die Bilder 8- 10 wegen feh­len­der Eigentümerbescheinigung.

Ein klei­ner foto­gra­fi­scher Lebenslauf:

Nach 45 Jahr ein­zah­len in die Rentenkasse, bin ich jetzt in der Phase, in der ein Bruchteil wie­der zurück­kommt. Ich bin Rentner, der Garten ist inzwi­schen poliert, in mei­ner Hobby- Werkstatt sind alle Schrauben gezählt. Nur zum Fenster raus­schau­en ist zu lang­wei­lig. Nach den Schrauben wur­den die Fotos sor­tiert und bei EeEym hoch­ge­la­den.

Ich foto­gra­fie­re seit den 70er Jahren. Meine ers­te Knipse, Kamera wäre zu ver­we­gen, war eine Agfa Pocket. Danach hab ich eine Gedächtnislücke bis zur Minolta X700. Um die zu erwer­ben muss­te ich meh­re­re Wochen zusätz­lich nach Feierabend und am Wochenende einen Nebenjob anneh­men. Leider wur­de sie mir nach ein paar Jahren im Urlaub in Italien aus dem Auto geklaut Die fol­gen­de Kindererziehung und der Hausbau erfor­der­ten eine klei­ne schöp­fe­ri­sche Pause. Geknipst wur­de da mit einer klei­nen Canon. Typ unbe­kannt.

Als dann die ers­ten digi­ta­le Kameras in den Medien auf­tauch­ten war ich wie­der Feuer und Flamme. Für unse­ren ers­ten Südafrika-​Urlaub im Jahr 2002 erwarb ich nach lan­gem abwä­gen eine Nikon Coolpix 775 mit dem dama­li­gen Spitzenwert 2,1 Megapix für 700DM. Damals eine stol­ze Summe. Die Einschaltzeit betrug so um die 7 Sekunden. Ein Dilemma, wenn man im Nationalpark Tiere foto­gra­fie­ren woll­te. Bis Kamera betriebs­be­reit war, war im schlimms­ten Fall das Zebra vom Löwen nicht nur erlegt, son­dern mit Haut und Haaren gefres­sen. 😊. Ein zwei­ter Akku war damals ein­fach zu teu­er. Es gab nur zwei Möglichkeiten. Die Kamera ein­ge­schal­tet zu las­sen, dann war am Nachmitag Schicht im Schacht. Die zwei­te Variante war zu hof­fen, dass besag­ter Löwe fotogeil war und war­te­te, bis ich mei­ne Kamera schuss­be­reit hat­te. Auch dies Kamera hat­te eine kur­ze Halbwertszeit. Kurz vor Ende der Reise rutsch­te ich bei einem Spaziergang am Meer auf einem glit­schi­gen Felsen aus und fiel ins Wasser. Obwohl die Kamera nur für max. eine Sekunde mit dem Wasser in Berührung gekom­men war, bedeu­te­te das das Todesurteil für sie.

Jetzt folg­te eine Sanyo AZ3. Damals eine unbe­kann­te und völ­lig unter­schätz­te Kamera. Alle höher­prei­si­ge Canons und Sonys von Bekannten waren ihr unter­le­gen. Leider hat­te Sanyo gegen die aggres­si­ve Werbepolitik der bei­den ers­te­ren kei­ne Chance und ver­schwand nach ein paar Jahren wie­der vom Markt.

Nachdem ich viel auf Reisen war, soll­te auch der Nachfolger bei guter Qualität in die Hosentasche pas­sen. Es war Zeit für eine Panasonic Lumix TZ 3. Diesem Typ blieb ich dann, hoch bis zur Tz 10 treu. Einmal in den Einstellungen und den Menüs eines Herstellers gewohnt, woll­te ich die Marke nicht wech­seln und foto­gra­fie­re bis jetzt mit der Lumix FZ1000. Der Abschied von der Hosentaschengröße fiel mir nicht leicht. Inzwischen bin ich das aber so gewohnt, dass ich mir nicht mehr anders vor­stel­len kann. Ob der nächs­te Schritt noch­mals eine Brigdekamera wird oder ich dann doch mal zum Vollformat wechs­le, weiß ich noch nicht.

Danke und schö­nen Gruß, Herbert“

Bevor wir uns nach die­ser aus­führ­li­chen Einleitung sei­nen Fotos wid­men, vor­weg zwei Hinweise zu sei­ner Mail.

Erstens sind Ablehnungen, vor allem bei EyeEm ger­ne will­kür­lich begrün­det und soll­ten nicht als Maßstab für das eige­ne Fotografieren genom­men wer­den. Andere Agenturen mögen die Bilder ganz anders beur­tei­len. Viel wich­ti­ger ist mei­nes Erachtens, dass man selbst rea­lis­tisch ein­schät­zen kann, ob die ein­ge­reich­ten Motive kom­mer­zi­ell genug sind, um Käufer zu fin­den.

Zweitens gibt es eine wei­te­re gute Möglichkeit, in den Genuss von Adobe Photoshop zu kom­men: In den letz­ten zwei Jahren bekom­men alle Fotografen, die bei Adobe Stock mehr als 300 Bilder online gestellt haben und dabei weni­ger als 50% Ablehnungen erziel­ten, das Adobe Foto-​Abo (Photoshop + Lightroom) kos­ten­los für ein Jahr. Die Chance ist hoch, dass Adobe auch 2020 die­ses Angebot wie­der ankün­di­gen wird, erfah­rungs­ge­mäß eher in der zwei­ten Jahreshälfe. Wer mit­ma­chen will, ein­fach hier kli­cken* und oben rechts auf „Verkaufen“ gehen.

Nun aber zu den Fotos:

Bei die­sen bei­den Oldtimern ist zwar schon ein Teil des Nummernschildes retu­schiert wor­den, ich emp­feh­le jedoch, auch den rest­li­chen Teil zu ent­fer­nen. Außerdem wür­de ich das Bild oben enger beschnei­den bis kurz über die rot-​weiß gestreif­te Markise, damit die­ser Bereich weni­ger ablenkt. Ansonsten hal­te ich das Bild für stock-​geeignet, wenn es mit den rich­ti­gen Begriffen wie „Vintage, Retro, etc.“ ver­schlag­wor­tet ist.

Dieses Bild zeigt ein Heiligenhäuschen an einem Feld. Diese Häuschen sind an sich schon nicht der Renner bei Bildkäufern und hier hel­fen die ange­schnit­te­nen Bäume an den Rändern und die wil­den Gräser im Vordergrund nicht, die Verkäuflichkeit zu ver­bes­sern. Ich sehe da wenig Verkaufschancen.

Das nächs­te Bild zeigt ein ähn­li­ches Motiv, ein Wegkreuz an einer Bank. Auch wenn das Motiv gene­rell ähn­lich gerin­ge Verkaufschancen hat, ist hier die Komposition zumin­dest deut­lich anspre­chen­der mit Textfreiraum, wel­che das Bild zumin­dest für reli­giö­se Kunden attrak­ti­ver macht.

Das Foto zeigt einen ver­schnei­ten Weg im Winter. Hier stört mich, dass der Weg links etwas abge­schnit­ten ist und ins­ge­samt wirkt es, als wäre bei der Bildbearbeitung zuviel HDR ange­wen­det wor­den. Diese Jahreszeitenmotive sind prin­zi­pi­ell belieb­te Kalendermotive, die­ses ist hier aber nicht pla­ka­tiv genug, um in die enge­re Auswahl zu kom­men.

Weiter mit den Jahreszeiten geht es bei die­sem Herbstbild mit Herbstlaub. Auch hier gilt lei­der, dass das Laub nicht pla­ka­tiv genug in Szene gesetzt wur­de, um genü­gend Anklang bei Käufern zu fin­den.

Weingläser vor einem Ozean: Dieses Urlaubsmotiv ist von der Aussage sicher gefragt bei Käufern, in der Umsetzung hier jedoch ver­bes­se­rungs­wür­dig. Der Fokus muss mehr auf den Gläsern lie­gen, die sau­be­rer aus­se­hen müss­ten und der Hintergrund hät­te mehr in der Unschärfe ver­schwin­den müs­sen. Hier zum Vergleich ein Bestseller bei Adobe Stock*, der genau die erwähn­ten Unterschiede auf­weist.

Ein altes ver­wit­ter­tes Fenster: Solche Motive gehö­ren zu den Lieblingsmotiven von Hobby-​Fotografen, inso­fern ist das Angebot ent­spre­chend hoch. Um da über­haupt Chancen zu haben, wür­de ich bei die­sem Motiv den Anschnitt rechts bes­ser retu­schie­ren und die per­spek­ti­vi­sche Verzerrung ent­fer­nen.

Bei die­sem Bild einer Kuh im Stall fehlt die Eigentumsfreigabe, da die­se anhand der Marke links im Ohr iden­ti­fi­zier­bar ist. Aber selbst wenn die Marke retu­schiert wür­de, blie­be die Frage offen, ob ein Landwirt mit so einem Foto für sei­nen Betrieb wer­ben wür­de? Ich bezweif­le es.

Bei die­sem Vogelfoto, ver­mut­lich mit einer Alpendohle, kann ich nicht genau sagen, war­um ein Property Release ver­langt wird. Vermutlich wegen der teils les­ba­ren Schautafel. Diese lenkt auch etwas vom eigent­li­chen Motiv, dem Vogelfüttern ab.

Kleiderverkauf am Strand: Die Farben sind har­mo­nisch im Bild und Einzelhandel-​Themen sind gene­rell gute Stockmotive. In der 100%-Ansicht ist viel­leicht noch irgend­wo ein Logo oder Label an der Kleidung erkenn­bar, was dazu geführt hat, dass die Agentur einen Property Release ver­langt. Oder sie ist ein­fach nur streng und will einen wegen der even­tu­ell geschütz­ten Stoffmuster.

Allgemein kann ich die Entscheidungen von EyeEm in den vor­lie­gen­den Fällen schon nach­voll­zie­hen. Bei eini­gen Motiven lässt sich mit etwas mehr Bildbearbeitung viel­leicht das Foto durch die Bildredaktion schum­meln, aber wirk­li­che Bestseller-​Chancen haben die Motive lei­der alle nicht.

Falls ihr wis­sen wollt, wie sich eure Fotos schla­gen, könnt ihr ger­ne eben­falls kos­ten­los in einer „Pimp My Stock“-Folge mit­ma­chen. Alle Details fin­det ihr hier.

* Affiliate-​Link

Die Entwicklung von Unsplash in einem Jahr (Downloads und Kosten)

Vor drei­zehn Monaten habe ich mei­nen Artikel „Das Geschäftsmodell hin­ter kos­ten­lo­sen Bildern am Beispiel Unsplash“ hier im Blog ver­öf­fent­licht.

Nachdem nun auch die neus­ten Shutterstock-​Quartalszahlen ver­öf­fent­licht wur­den, möch­te ich heu­te schau­en, wie sich die Zahlen bei Unsplash – auch im Vergleich – ent­wi­ckelt haben.

Im letz­ten Artikel hat­te ich die­se Statistik-​Übersicht von Unsplash gepos­tet, die ich am 14.1.2019 doku­men­tiert hat­te:

Unsplash-​Zahlen vom 14.01.2019

Hier seht ihr im Vergleich die Zahlen ein jahr spä­ter, also vom 14.1.2020:

Unsplash-​Zahlen vom 14.01.2020

Der Vollständigkeit hal­ber hier noch die neus­ten Zahlen vom 14.02.2020:

Unsplash-​Zahlen vom 14.02.2020

Demnach hat Unsplash in den zwölf Monaten von 2019 648.776.476 kos­ten­lo­se Downloads ver­schenkt. Pro Monat sind das über 54 Mio. Downloads, Tendenz stei­gend aku­ell zu fast 72 Mio. Downloads.

Shutterstock hin­ge­gen konn­te 2019 „nur“ 187,8 Mio. Downloads vor­wei­sen, also 15,65 Mio. Downloads pro Monat. Das heißt Unsplash ver­schenkt pro Monat mehr als 3,4x soviel Bilder wie Shutterstock ver­kauft. Vor einem Jahr waren es „nur“ 3,15x sovie­le, die Kluft wird also grö­ßer.

Der Gesamtbildbestand bei Unsplash ist inner­halb eines Jahres von ca. 0,8 Millionen auf knapp 1,5 Millionen fast ver­dop­pelt! Shutterstock kam nur auf eine Steigerung von 30% (von 242 auf 314 Mio.) mehr Bildern.

Immerhin scheint sich das Fotografenwachstum zu ver­lang­sa­men: Waren es 2018 noch ca. 3200 neue Fotografen im Monat, sind es aktu­ell „nur“ ca. 2800.

Vor weni­gen Tagen erst pos­te­te der Unsplash Co-​Founder Mikael Cho per Twitter und gibt an, mehr Downloads pro Monat als Shutterstock, Getty und Adobe Stock zusam­men zu erzie­len:

Woher Unsplash die Zahlen hat, ist unklar. Vermutlich basie­ren sie auf die­sen Schätzungen, die paar Tage vor­her ver­öf­fent­licht wur­den.

Die Kosten und Einnahmen von Unsplash

Bei den Mio. Bildern und Downloads im Monat fal­len allein tech­nisch gese­hen vie­le Kosten an. Laut die­ser Rechnung von Unsplash selbst waren das am Beispiel vom Februar 2019:

  • Webserver: $29,763
  • Monitoring: $7,679
  • Datenverarbeitung: $15,223
  • Image Hosting: $42,408
  • Andere Ausgaben: $3,580
    Total (USD): $98,653

Ich wage mal zu behaup­ten, dass sich Unsplash mit Absicht den kür­zes­ten Monat des Jahres aus­ge­sucht hat, um die Ausgaben klei­ner erschei­nen zu las­sen.

2016 lagen die monat­li­chen Kosten für Unsplash noch bei ca. 17.500 USD, also deut­lich nied­ri­ger.

Dazu kom­men noch min­des­tens die Kosten für Mitarbeiter:
Bei 22 bekann­ten Mitarbeitern (von 15 vor einem Jahr) und einem sehr gering geschätz­ten Einkommen lägen die monat­li­chen Kosten pro Mitarbeiter bei ca. 3500 USD, also ca. 77.000 USD.

Die 22 Unsplash-​Mitarbeiter

Dazu kom­men die Kosten für das Unsplash-​Büro im Herzen von Montréal, Kanada. Wenn wir hier auch ganz kon­ser­va­tiv nur 200qm Bürofläche schät­zen, kos­tet das in die­ser Lage min­des­tens 3.000 USD pro Monat.

Zusammen sind das Ausgaben von ca. 180.000 USD im Monat, also mehr als 2 Mio. im Jahr. Das deckt sich mit den Zahlen von 2016, wo mehr als 1,75 Mio USD pro Jahr an Ausgaben ent­stan­den.

2018 gab es eine Investitionsrunde von ca. 10 Mio USD durch 9 Investoren. Davon dürf­ten aktu­ell nur noch ca. 6 Mio USD übrig sein, die in den nächs­ten zwei Jahren ver­mut­lich eben­falls ver­braucht sein wer­den, wenn kei­ne neu­en Investitionen kom­men oder Unsplash deut­lich mehr Gewinn erwirt­schaf­tet.

Analyse der neusten Quartalszahlen von Shutterstock und CEO-​Wechsel

Jedes vier­tel Jahr muss eine bör­sen­no­tier­te Firma ihre Quartalszahlen offen­le­gen, so auch die Bildagentur Shutterstock.

Heute wur­den die Geschäftszahlen für das vier­te Quartal 2019 ver­öf­fent­licht. Auf den ers­ten Blick sehen sie ganz gut aus, weil es bei drei rele­van­ten Kennzahlen leich­te Steigerungen zu ver­mel­den gibt:

Die bezahl­ten Downloads stie­gen um 2% auf 47,7 Mio. Downloads.
Der Erlös pro Download wuchs um 1% auf 3,44 USD.
Der Umsatz stieg um 3% auf 166,4 Mio. USD.

Bei der vier­ten Kennzahl, dem Netto-​Einkommen ist jedoch ein Abstieg um 71% auf 4,4 Millionen USD zu ver­zeich­nen.

Klingt erst mal okay?
Klar, aber wenn wir uns die Diagramme mal lang­fris­tig anschau­en, sind die­se win­zi­gen Prozentpunktzuwächse eher trau­rig:

So sehen die Downloads pro Quartal für die letz­ten neun Jahre aus:

Hier sehen wir den Download-​Umsatz der letz­ten neun Jahre, wie­der in Quartalschritten:

Die Stagnation im letz­ten Jahr ist trotz mar­gi­na­ler Prozenzzuwächse gut sicht­bar. Noch auf­fäl­li­ger wird es, wenn wir das im Vergleich zum Portfolio neh­men:

Das Bild-​Portfolio bei Shutterstock ist expo­nen­ti­ell gewach­sen, allein im Vergleich zum 4. Quartal 2018 von 242 Mio. um 30% auf ins­ge­samt 314 Mio. Bilder.

Bei den Videos mel­det Shutterstock zwar eben­falls ein 30%-Wachstum auf 17 Mio. Videos, aber ein expo­nen­ti­el­les Wachstum ist hier nicht in Sicht:

Seit 2016 wächst das Video-​Portfolio lang­sam, aber ste­tig mit ca. 1 Mio. neu­er Videos pro Quartal, also ca. 4 Mio. neu­en Videos pro Jahr.

Vergleichen wir damit die neu­en Bilder-​Uploads, gibt es sogar einen Rückgang zu ver­zeich­nen:

Es ist nach­voll­zieh­bar, dass weni­ger Bilder hoch­ge­la­den wer­den, wenn der Umsatz nicht so schnell steigt wie das Portfolio, denn das führt zwangs­läu­fig zu einem gerin­ge­ren Umsatz pro Bild. Dieser sinkt seit Jahren kon­ti­nu­ier­lich:

Dieser hat sich in den letz­ten sechs Jahren zwei Mal hal­biert: Von ca. 2 USD pro Bild und Quartal auf 1 USD von 2014 bis 207 und dann von 1 USD auf 0,50 USD bis Ende 2019. Auch der pro­zen­tua­le Anzahl der lizen­zier­ten Bilder sinkt kon­ti­nu­ier­lich.

Jon Oringer tritt als CEO zurück

Diese beschei­de­nen Zuwächse mögen ein Grund dafür sein, dass der Shutterstock-​Gründer Jon Oringer nach Bekanntgabe der Zahlen sei­nen Rücktritt als CEO für den 1. April 2020 ange­kün­digt hat.

Sein Nachfolger wird der bis­he­ri­ge Shutterstock-​COO Stan Pavlovsky.

Außerdem ver­teilt Shutterstock erst­ma­lig eine Dividende von 0,17 USD pro Aktie, was wohl ange­sichts der nied­ri­gen Wachstumswerte als Beruhigung für die Aktionäre gese­hen wer­den kann.

Die bis­he­ri­gen Quartalszahlen von Shutterstock könnt ihr hier nach­schla­gen.

Shutterstock versteckt Änderungen in neuen Nutzungsbedingungen

Heute beim Einloggen in mei­nen Shutterstock-Account muss­te ich die­sen neu­en Nutzungsbedingungen („Terms Of Service“) zustim­men.

Da ich immer sofort miss­trau­isch wer­de, wenn die erfolg­ten Änderungen nicht offen kom­mu­ni­ziert wer­den, habe ich mir die Änderungen zu die­ser vor­he­ri­gen Version mal genau­er ange­schaut.
Alle bis­he­ri­gen Nutzungsbedingungen von Shutterstock fin­det ihr übri­gens hier.

Den kom­plet­ten Vergleichsbericht könnt ihr hier run­ter­la­den, die aus mei­ner Sicht wich­tigs­ten Änderungen stel­le ich hier kurz vor, ohne Gewähr oder Anspruch auf Vollständigkeit.

  • Der größ­te neu ein­ge­füg­te Textblock beschäf­tigt sich mit der Forderung, dass Streitigkeiten nun in einem Schlichtungsverfahren statt vor Gericht gelöst wer­den soll­ten.
  • Der größ­te ent­fern­te Textblock beschäf­tig­te sich mit Nutzungseinschränkungen. Die „Opt-Out“-Klausel für Erweiterte Lizenzen oder „sen­si­ble Nutzungen“ wur­de ent­fernt, es scheint mir also, dass die Anbieter sol­chen Verwendungen nicht mehr wider­spre­chen kön­nen.
  • Gleich am Anfang räumt sich Shutterstock nun das Recht ein, die hoch­ge­la­de­nen Werke zum Zwecke der Verbesserung von Shutterstock zu inde­xie­ren, ana­ly­sie­ren, kate­go­ri­sie­ren und archi­vie­ren. Ich ver­mu­te, damit sol­len bes­se­re „Big Data“-Analysen oder KI-​Szenarien erlaubt wer­den, die über das rei­ne Lizenzieren von Bildern hin­aus­ge­hen.
  • Neu ist die Formulierung, dass Shutterstock nun auch nach dem Löschen von Bildern die­se für einen „ange­mes­se­nen Zeitraum“ lizen­zie­ren darf. Wie lan­ge die­ser Zeitraum ist, steht da lei­der nicht.
  • Weg fällt hin­ge­gen die Formulierung, dass man inner­halb eines Zeitraums von 90 Tagen nur ent­we­der 100 Dateien oder 10% sei­ner Dateien löschen darf, je nach­dem, wel­ches mehr wären.
  • Die Auszahlung per Scheck scheint weg­ge­fal­len zu sein.
  • Unklar ist mir der zwei­te Teil des Passus 18.e, in dem neu steht:
    Shutterstock haf­tet nicht für Schäden, ein­schließ­lich unmit­tel­ba­rer, indi­rek­ter, kon­kre­ter oder Folgeschäden, die aus der Einreichung oder Verwendung Ihrer Inhalte, ent­we­der durch Shutterstock oder einen sei­ner Sublizenznehmer, oder aus der Kündigung Ihres Anbieter-​Accounts ent­stan­den sind. Sie stim­men jeder mög­li­chen Nutzung Ihres hier ent­hal­te­nen Inhalts aus­drück­lich zu und sind nicht dazu berech­tigt, eine beson­de­re Vergütung für die ein­zel­ne oder gesam­mel­te Nutzung zu ver­lan­gen.„
    Kann mir das jemand erklä­ren, was Shutterstock damit meint, dass ich kei­ne Vergütung für Nutzung mei­ner Werke ver­lan­gen kann?

Bildagentur EyeEm ändert die Vertragsbedingungen für Fotografen

Vor eini­gen Tagen hat die Bildagentur EyeEm die Vertragsbedingungen („Terms of Service“) für die Fotografen geän­dert.

Die neu­en Bedingungen kön­nen hier auf deutsch nach­ge­le­sen oder hier als PDF run­ter­ge­la­den wer­den.

Laut EyeEm wer­den in der Ankündigungs-​Email die­se fünf Änderungen erwähnt:

  1. Die Vertragsbedingungen für Fotografen und für Bildkäufer wur­den sepa­riert.
  2. Es wird bei Vertragspunkt 9 (ehe­mals 10) deut­lich gemacht, dass die­se Bedingungen nur für den Marketplace gel­ten, wo Fotos zum Verkauf ange­bo­ten wer­den.
  3. Unter Punkt 9.7 wird nun eine Mindestauszahlungssumme von 10 US-​Dollar ein­ge­führt, zusätz­lich wird aber eine davon unab­hän­gi­ge Auszahlung ein­mal jähr­lich erlaubt.
  4. Als „Inhalte“ zäh­len jetzt nicht nur Fotos, son­dern auch Videos, ein Zeichen dar­auf, dass der sich seit vie­len Jahren andeu­ten­de Video-​Bereich bald kom­men könn­te.
  5. Als letz­tes wird in der EyeEm-​Mail nur etwas ver­schämt erwähnt, dass sich die Zeitspanne zur Entfernung von Inhalten geän­dert habe. Bei genaue­rem Hingucken steht in den Vertragsbedingungen nun, dass Inhalte nach der Löschung, die über Partner-​Plattformen (z.B. Getty Images, Alamy oder Adobe) ver­trie­ben wer­den, bis zu 180 Tagen (statt wie bis­her 90 Tagen) online blei­ben kön­nen.

Wer die bis­he­ri­gen Vertragsbedingungen vom April 2016 mit denen vom Januar 2020 ver­glei­chen will, für denn habe ich die­se prak­ti­sche Gegenüberstellung bereit gestellt, wo ihr jede ein­zel­ne Änderung selbst nach­voll­zie­hen könnt.

Bis auf Punkt 5 hal­te ich die meis­ten Punkten für nach­voll­zieh­bar und akzep­ta­bel.

Ob sich im Video-​Bereich wirk­lich was abspie­len wird, erwar­te ich gespannt, weil sich EyeEm durch deren Aktionen in den letz­ten Jahren (Uploads ins Nirvana, kei­ne Übersichtsseiten für Videografen, etc., rou­tie­ren­des Personalkarussel) viel Vertrauensvorschuss ver­spielt hat.

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