Einige der Probleme mit der neuen Urheberrechtsreform

In Kürze muss die Bundesregierung die euro­päi­schen Richtlinien zur Urheberrechtsreform in natio­na­les Recht umset­zen. Dabei wer­den unter ande­rem so sinn­vol­le Dinge wie eine Plattformabgabe for­mu­liert, damit Seitenbetreiber wie Facebook, YouTube oder Pinterest end­lich Urhebern die ihr zuste­hen­den Tantiemen zah­len müssen.

Aus irgend­ei­nem Grund muss­te die Bundesregierung jedoch wie­der eine Extrawurst bra­ten und hat sich gedacht: „Was wäre eine Regelung ohne Ausnahmen?“ Also plant die Regierung nun, eini­ge Ausnahmen in die Urheberrechtsreform ein­zu­brin­gen, über wel­che sich alle, die sich mit dem Thema aus­ken­nen, die Haare rau­fen. Zu Recht.

Als Ausnahmen sind unter ande­rem geplant:

Audio-​Aufnahmen (Musik, etc.) bis 15 Sekunden, Texte bis 160 Zeichen oder Fotos bzw. Grafiken bis 125 Kilobyte sol­len bei nicht­kom­mer­zi­el­ler Nutzung auf Online-​Plattformen ent­gelt­frei sein.

Kilobyte? Da fra­ge ich mich doch: Warum nicht auch gleich die Audio-​Aufnahmen oder Texte in Kilobyte mes­sen? Wäre digi­tal ja kein Problem. Wäre zwar bei­des bescheu­ert, aber dann immer­hin kon­sis­tent. Oder noch bes­ser: Bilder ein­fach in Pixeln messen.

Denn seit wann sind über­haupt Kilobyte ein rele­van­te Maßeinheit für Bilder? Eine Beschränkung der Pixelgröße wäre hier deut­lich sinn­vol­ler gewe­sen, denn je nach Stärke der Bildkompression kön­nen 125 Kilobyte schon ziem­lich gro­ße Bilder sein. Das 800x450 Pixel gro­ße Artikelbild ist wie hier abge­bil­det kom­pri­miert zum Beispiel nur 103 KB groß.

Auch der Passus der „nicht-​kommerziellen“ Nutzung ist pro­ble­ma­tisch. Vor allem Influencer oder Meme-​Webseiten sind geübt und fin­dig dar­an, sich als nicht-​kommerzielle Seite zu prä­sen­tie­ren, die­se dann aber durch geziel­te Links, mehr oder weni­ger unauf­fäl­li­ge Produktplatzierungen, durch Workshops oder ande­re Produkte doch zu monetarisieren.

Auch die Plattformabgabe selbst ist pro­ble­ma­tisch und zu fra­gen bleibt, wie viel Geld davon wirk­lich bei wel­chen Künstlern ankom­men wird. Wer zum Beispiel schon mal Formulare der VG Bild-​Kunst aus­fül­len muss­te, weiß, wie kom­plex und manch­mal nahe­zu uner­füll­bar deren Vorgaben sind.

Alamy führt neue Kommissionsstruktur ein und kürzt Fotografenhonorare

Vor gut zwei Jahren hat­te die Bildagentur Alamy das letz­te Mal die Fotografenhonorare gekürzt. Nun gibt es wie­der eine Änderung, wel­che erneut für die meis­ten Fotografen zu einer Kürzung von deren Anteil füh­ren wird.

Die Kürzungen tre­ten 17 Monate in Kraft, nach­dem Alamy von der PA Media Group gekauft wur­de und es groß­spu­rig hier im Alamy-​Forum hieß:

Does this acqui­si­ti­on chan­ge anything for me? In terms of com­mis­si­on rates/​contracts/​processes, etc?

No, it doesn’t. Alamy con­ti­nues to ope­ra­te as usu­al. Alamy pri­des its­elf on offe­ring a bet­ter com­mis­si­on rate than most other agencies.

Will PA Media Group con­ti­nue to offer the same com­mis­si­on rates to Alamy’s exis­ting contributors?

There are no plans to chan­ge that.

Schauen wir uns das alte Modell und das neue Modell im Vergleich an. Bisher galt die­se Tabelle: 

Für nicht-​exklusive Bilder im Direktverkauf gab es 40% für den Fotografen, bis 2012 waren es 50%, davor sogar 60%.

Ab Juli 2021 gilt die­se Tabelle:

Wie mitt­ler­wei­le schon üblich, machen es einem die Bildagenturen – ver­mut­lich absicht­lich – lei­der nicht leicht, die alten und neu­en Zahlen direkt mit­ein­an­der zu vergleichen.

Nehmen wir zum Beispiel die Kommission der Partnerverkäufe, also wenn Alamy ein Bild nicht selbst ver­kauft, son­dern eine Partneragentur den Verkauf ein­ge­fä­delt hat. 

Bisher war die Verteilung: 30% Partner, 30% Alamy, 40% Fotograf.
Nach der neu­en Struktur sähe es im mitt­le­ren Gold-​Ranking so aus: 30% Partner, 42% Alamy, 28% Fotograf, wenn wir die bis­he­ri­gen 30% Partner-​Kommission als gesetzt anneh­men. Aber das ergibt sich eben nicht aus der obi­gen Tabelle und wird nun nicht mehr öffent­lich kom­mu­ni­ziert, wie viel die Partneragenturen erhal­ten. Denn neh­men wir mal an, Alamy wür­de die Partner-​Kommission auf 40% erhö­hen: Dann sähe die Verteilung so aus: 40% Partner, 36% Alamy, 24% Fotograf. Alamy könn­te also bis zu 50% Partner-​Kommissionen anbie­ten, ohne selbst Kommissionen zu ver­lie­ren, die Differenz wür­de allei­ne von den Fotografen getra­gen werden.

Ähnlich sieht es bei der Affiliate-​Kommission aus:
Bisher galt: 52,5% für Alamy, 13% für Affiliates, 34,5% für die Fotografen. Nun gilt, wie­der gleich­blei­ben­de Affiliate-​Kommissionen vor­aus­ge­setzt, im Gold-​Ranking: 66% für Alamy (von denen Alamy auch die Affiliates bezahlt) und 34% für die Fotografen, also ein hal­ber Prozentpunkt weni­ger. Laut den neu­en Nutzungsbedingungen (sie­he Punkt 12.15) gibt Alamy den Affiliates 15% von ihren 66% ab, im Gold-​Ranking wären das also: 56,1% Alamy, 9,9% Affiliate, 34% Fotografen. Also auch hier zusam­men­ge­fasst: Alamy bekommt mehr, zulas­ten der Affiliates und der Fotografen. (Hinweis: Im Alamy-Blogpost steht, dass Fotografen bis­her 40% von Affiliate-​Einnahmen erhal­ten hät­ten, die obi­ge Tabelle sagt jedoch etwas ande­res aus.)

Um die Sache noch etwas kom­ple­xer zu machen, hat sich Alamy eben­falls aus dem Baukasten der Profitmaximierung bedient und teilt die Fotografen nun in drei Klassen ein: Silber, Gold und Platinum (mit Bronze anzu­fan­gen, hät­te wohl zu schä­big geklungen).

Gold bedeu­tet: Alle bis­he­ri­gen Fotografen star­ten bei Gold oder höher, wenn sie die Voraussetzung erfüllt haben. Wer mehr als 250 USD Umsatz in zwölf Monaten bei Alamy erzielt, bleibt Gold.

Platinum bedeu­tet: Wer mehr als 25.000 USD Umsatz inner­halb von 12 Monaten bei Alamy hat und sei­ne Bilder exklu­siv bei Alamy hat, wird Platinum. Bisher trenn­te Alamy nach exklu­si­ven und nicht-​exklusivem Material. Ersteres bekam bis­her 10% mehr Kommission, auch das fällt in Zukunft weg, sofern die Exklusivfotografen weni­ger als 25.000 USD Umsatz gene­rie­ren. Verständlicherweise ist vor allem deren Frust im Alamy-​Forum groß.

Silber heißt: Wer län­ger als ein Jahr bei Alamy ist und weni­ger als 250 USD Umsatz erwirt­schaf­tet hat, wird auf Silber runtergestuft.

Mit Umsatz ist hier der Gesamtpreis der Bildverkäufe gemeint, ohne die Abzüge der Alamy- und ggf. ande­rer Kommissionen. Zur bes­se­ren Einordnung: Ich habe fast 50.000 Bilder bei Alamy online und kom­me nicht mal ansatz­wei­se in die Nähe der Platinum-Klasse.

Wer also Bilder für weni­ger als 250 USD im Jahr bei Alamy ver­kauft, wird zukünf­tig noch viel schlech­te­re Konditionen erhal­ten: Nur 20% auf Direktverkäufe, nur 17% auf Affiliate-Verkäufe.

Alamy traut sich auch wirk­lich noch, das Wort „fair“ in den Mund zu neh­men, um die Kommissionsänderungen zu begründen:

We’ve moved to a tie­red sys­tem so we can ensu­re that we remain fair to tho­se con­tri­bu­tors who sell well with us“

aus dem Alamy-Blogpost

Es ist des­halb an der Zeit, zwei Regeln aufzustellen:

  1. Glaube kei­ner Aussage einer Bildagentur über die Zukunft von deren Fotografenkommissionen.
  2. Die Frage ist nicht, ob eine Bildagentur die Kommissionen kür­zen wird, son­dern nur, wann.

Die aktuellen Besteller bei Adobe Stock der letzten zwei Jahre

Welche Bilder bei Adobe Stock sind am belieb­tes­ten?
Im Oktober 2018 hat Adobe Stock zur Beantwortung die­ser Frage den Bereich „Anbieter der Woche“ ein­ge­führt, der nach einer Weile in das zutref­fen­de­re „Aktuelle Bestseller“ umbe­nannt wurde.

Anonymisierter Screenshot der „Aktuelle Bestseller“-Funktion bei Adobe Stock

Dort wer­den in den drei Kategorien Fotos, Illustrationen und Vektoren die jeweils zehn Portfolios auf­ge­führt, die am bes­ten ver­kauft haben. 

Dazu wer­den nach Medientyp sor­tiert die 400 Anbieter her­aus­ge­sucht, die in der jewei­li­gen Vorwoche am meis­ten Verkäufe von Bildern hat­ten, wel­che jün­ger als sechs Monate waren. Anschließend wer­den die Anbieter nach dem Verhältnis von Uploads zu Verkäufen sor­tiert. Die zehn füh­ren­den Anbieter dann als „Aktuelle Bestseller“ vor­ge­stellt. Ein Anbieter kann maxi­mal alle 5 Wochen je Kategorie auftauchen.

Leider geht die Liste immer nur 5 Wochen zurück, wes­halb ich mir die Mühe mache, die Liste manu­ell zu protokollieren.

Nun habe ich für die letz­ten zwei Jahre (19. Woche 2019 bis 18. Woche 2021) geschaut, wel­che Anbieter in den ein­zel­nen Kategorien und ins­ge­samt am häu­figs­ten auf­ge­taucht sind.

Rein rech­ne­risch wäre eine maxi­ma­le Anzahl von ca. 62 Erwähnungen (104/5*3) mög­lich. Ich habe der Bequemlichkeit hal­ber die Links zu den Portfolios klick­bar gemacht (mit einem Affiliate-​Link) und das Herkunftsland der Portfolios ergänzt.

Betrachten wir zuerst die ein­zel­nen Kategorien:

Kategorie: Fotos

RankUsernameLandErwähnungen
1.REDPIXELPolen21
2.Romolo TavaniItalien21
3.RidoItalien20
4.ipop­baThailand20
5.oata­waThailand19
6.Alexander RathsDeutschland17
7.sew­creamAustralien17
8.meta­mor­worksJapan16
9.AA+WDeutschland15
10.Jacob LundDänemark15
11.candy1812Estland14
12.JenkoAtamanRussische Föderation14
13.TryfonovUkraine13
14.Chaay_​teeThailand13
15.MaridavUSA13
16.insta_​photosWeißrussland12
17.RymdenSpanien12
18.Proxima StudioPolen12
19.Philip SteuryUSA12
20.Laura PashkevichWeißrussland11

Kategorie: Illustrationen

RankUsernameLandErwähnungen
1.mtlap­ce­vicSerbien21
2.art­ja­fa­raNorwegen21
3.aan­bet­taThailand21
4.Arlenta ApostropheUSA21
5.onzonThailand20
6.kor­kengThailand16
7.Yuri‑UUkraine15
8.J.ZhukUkraine15
9.Veris StudioWeißrussland14
10.niko­la­ra­kicSerbien13
11.your123Thailand13
12.Max KrasnovDeutschland13
13.8_​visualThailand13
14.marina_​dikhRussische Föderation13
15.Vadim AndrushchenkoUkraine12
16.peterschreiber.mediaDeutschland12
17.Maksym YemelyanovUkraine12
18.Photocreo BednarekItalien11
19.best­pi­xelsRussische Föderation11
20.Attitude1USA11

Kategorie: Vektoren

RankUsernameLandErwähnungen
1.Julien EichingerFrankreich20
2.j‑melDeutschland20
3.ComauthorUkraine19
4.warm­worldUkraine17
5.KatyaKatyaRussische Föderation16
6.geen­gra­phyThailand16
7.d1skRussische Föderation15
8.api­n­anThailand15
9.fens­keyRussische Föderation14
10.SergeyBitosWeißrussland14
11.123levitUkraine14
12.iiierlok_​xolmsUkraine14
13.venimoRussische Föderation13
14.ZinetroNWeißrussland13
15.pixel­lie­beDeutschland13
16.strichfiguren.deDeutschland13
17.YevheniiUkraine13
18.FourLeafLoverItalien12
19.dly­as­to­kivUkraine12
20.Ron DaleRussische Föderation11

Da ein Anbieter in mehr als einer Kategorie aktiv sein kann, schau­en wir uns noch das kom­bi­nier­te Gesamt-​Ranking an, bei der ich die Erwähnungen der ein­zel­nen Anbieter über alle Kategorien hin­weg gezählt habe.

Kombiniertes Gesamt-​Ranking

RankUsernameLandErwähnungen
1.meta­mor­worksJapan25
2.Photocreo BednarekItalien21
3.REDPIXELPolen21
4.Romolo TavaniItalien21
5.oata­waThailand21
6.kor­kengThailand21
7.mtlap­ce­vicSerbien21
8.aan­bet­taThailand21
9.art­ja­fa­raNorwegen21
10.Arlenta ApostropheUSA21
11.RidoItalien20
12.ipop­baThailand20
13.j‑melDeutschland20
14.Julien EichingerFrankreich20
15.onzonThailand20
16.ComauthorUkraine19
17.AA+WDeutschland19
18.warm­worldUkraine17
19.sew­creamAustralien17
20.James ThewGroßbritannien17
21.Alexander RathsDeutschland17
22.Yuri‑UUkraine16
23.KatyaKatyaRussische Föderation16
24.d1skRussische Föderation16
25.geen­gra­phyThailand16
26.peterschreiber.mediaDeutschland15
27.Jacob LundDänemark15
28.J.ZhukUkraine15
29.fens­keyRussische Föderation15
30.api­n­anThailand15

Interessant zu sehen ist, dass die Liste der Vektor-​Bestseller stark von ost­eu­ro­päi­schen Anbietern domi­niert wird, wäh­rend bei Illustrationen Thailand über­durch­schnitt­lich häu­fig ver­tre­ten ist und bei den Fotos Europa gene­rell. Die Länderhäufigkeit deckt sich gut mit die­ser Länderanalyse von Shutterstock-​Portfolios.

Eine wei­te­re Angabe, wel­che Adobe Stock bei den „Aktuelle Bestseller“-Portfolios macht, ist die unge­fäh­re Anzahl der gesam­ten Downloads, wel­che das Portfolio bis­her erreicht hat. Hier noch der Vollständigkeit hal­ber die Anzahl der Portfolios je „Lifetime Downloads“-Kategorie, Mehrfachnennungen sind hier mit drin:

Adobe und Shutterstock führen Abo-​Modelle ohne Mengenbeschränkung ein

Gesten bzw. vor­ges­tern kün­dig­ten sowohl Adobe Stock als auch Shutterstock neue Abo-​Modelle an, bei denen Bildkäufer unter ande­rem unbe­schränk­te Downloads erhal­ten sollen.

Adobe Stock: Pro Edition for Creative Cloud for Teams and Enterprises Pro Edition (CCE/​CCT Pro Edition)

Bei Adobe nennt sich das Programm „Pro Edition“ für Creative Cloud für Teams bzw. Enterprises, abge­kürzt CCE bzw. CCT Pro Edition.

Screenshot der Adobe-​Webseite mit der neu­en „Creative Cloud Pro Edition“

Das Programm erlaubt unbe­grenz­te Downloads von Fotos, Illustrationen und Vektoren aus der Standard Collection (Videos und Premium-​Inhalte sind also davon aus­ge­nom­men). Die Lieferanten erhal­ten 33% der Einnahmen vom Umsatz von Adobe Stock, wel­che pro­por­tio­nal zu den Downloads der Lieferanten ver­teilt wer­den sollen. 

Das ers­te Jahr der Pro Edition soll für Kunden kos­ten­los sein, die Lieferanten wer­den jedoch wie oben ver­gü­tet. „Normale“ Creative-​Cloud-​Kunden ohne „Teams/​Enterprise“ kön­nen die Pro Edition aktu­ell nicht nutzen.

Im Gegensatz zu bis­her gibt es jedoch kei­ne Mindestvergütung, auch eine Opt-​Out-​Möglichkeit gibt es für die Lieferanten nicht.

Die „Pro Edition“ Downloads wer­den wie Enterprise-​Downloads in der Abrechnung von Adobe Stock als „Custom“ gekennzeichnet.

Downloads in der Pro Edition der CCT fin­den unter der „Enhanced License“ von Adobe Stock statt, Downloads in der Pro Edition der CCE unter der „Extendes License“.

Shutterstock: Flex Plans

Bei der Bildagentur Shutterstock heißt das neue Programm „Flex Subscriptions“ und hat ein etwas anders Konzept.

Hier bekommt die Zielgruppe, klei­ne Teams mit bis zu zehn Benutzern, ein Gutschriftsystem, ohne sich vor­her auf eine bestimm­te Menge Bilder oder Medientypen fest­le­gen zu müs­sen. Die monat­li­chen Kontingente der Gutschriften wer­den nicht auf den kom­men­den Monat über­tra­gen und ver­fal­len, wenn sie nicht genutzt werden.

Viel mehr Details sind da lei­der noch nicht bekannt.

Im Februar 2021 schon hat­te Shutterstock eben­falls ein „Unlimited“-Programm ein­ge­führt.

Einschätzung

Wie so oft schrei­ben sowohl Adobe als auch Shutterstock, dass mit die­sen neu­en Abo-​Modellen „neue Käuferschichten“ erschlos­sen wer­den sol­len. Daran glau­be ich unge­fähr 0%. Wer bis­her Bedarf an „unbe­grenz­ten“ Bilderdownloads hat­te, wird die­sen Bedarf auch gedeckt haben. Nun gibt es eine bil­li­ge­re Lösung für eini­ge die­ser Kunden, was ver­mut­lich dazu füh­ren wird, dass Adobe-​Lieferanten deut­lich häu­fi­ger Beträge unter dem bis­he­ri­gen Mindestbetrag von 33 US-​Cent sehen werden.

Vermutlich ist Adobes Plan eine Reaktion auf den Unlimited-​Plan von Shutterstock. Daher ist es zu ver­mu­ten, dass auch bei Adobe Premium-​Inhalte sowie Videos in abseh­ba­rer Zeit im unbe­grenz­ten Abo ent­hal­ten sein werden.

Langfristig bin ich des­halb eher pes­si­mis­tisch, was die Verdienstmöglichkeiten für Fotografen und ande­re Content-​Produzenten im Bereich der Stockfotografie angeht.

Wie seht ihr das?

Getty Images kauft Unsplash: Was bedeutet das für die Zukunft?

Gestern hat die größ­te Bildagentur der Welt, Getty Images, die Plattform Unsplash zu einem nicht näher benann­ten Betrag gekauft.

Unsplash ist eine Webseite, wel­che ca. 2,7 Mio kos­ten­lo­se Bilder zum Download anbie­tet und damit über 100 Mio. Gratis-​Downloads im Monat generiert.

Laut dem offi­zi­el­len FAQ und dem Blogpost zur Übernahme soll sich sowohl für Bildnutzer als auch für Fotografen erst mal nichts ändern:

This is not one of tho­se tech acqui­si­ti­ons whe­re the com­pa­ny is bought to be shut down. Unsplash will con­ti­nue to ope­ra­te as a stan­da­lo­ne brand and divi­si­on of Getty Images. The ent­i­re Unsplash team will be stay­ing and buil­ding Unsplash in the direc­tion we have been. The main dif­fe­rence now is we have access to the resour­ces and expe­ri­ence of Getty Images to help acce­le­ra­te our plans to crea­te the world’s most use­ful visu­al asset library.“

Mit ande­ren Worten: Getty Images soll Unsplash hel­fen, mehr Gratis-​Bilder zu ver­tei­len? Wer’s glaubt, wird selig. Aber hal­ten wir uns an bekann­te Fakten.

Zu welchem Zeitpunkt kam die Übernahme?

Wie in die­sem Artikel vor­ge­rech­net ver­brennt Unsplash seit Jahren regel­mä­ßig Geld und wird haupt­säch­lich durch Finanzinvestoren am Leben gehal­ten. Diese sind nach der Übernahme ver­mut­lich mit Gewinn aus der Sache rausgekommen.

Während bis­her die monat­li­chen Downloads bei Unsplash stie­gen und stie­gen, haben die­se seit ca. einem hal­ben Jahr ein Plateau erreicht und sin­ken wie­der: Von ca. 113 Mio. Gratis-​Downloads im November 2020 auf ca. 105 Mio. Downloads im März 2021. Das sind immer noch wahn­sin­nig hohe Zahlen, ver­gli­chen zum Beispiel mit den ca. 15 Mio. monat­li­chen bezahl­ten Downloads von Shutterstock im Jahr 2020.
Trotzdem hat Unsplash einen Rückgang der Downloads um ca. 7% vor­zu­wei­sen, und damit eine nega­ti­ve Kennzahl, die Finanzinvestoren gar nicht mögen.

Positionierung von Getty Images durch die Unsplash-Übernahme

Die bei­den größ­ten Konkurrenten von Getty Images, Adobe Stock und Shutterstock, haben eini­ge Vorteile, wel­che Getty bis­her nicht gut aus­glei­chen konnte.

Bei Adobe Stock wäre das eine pro­fes­sio­nel­le Kollektion von Gratis-​Bildern, Shutterstock hat eine gut funk­tio­nie­ren­de und finan­zi­ell lukra­ti­ve API (Datenbankanbindung an das Portfolio).

Mit der Unsplash-​Übernahme hat Getty Images nun plötz­lich ein deut­lich grö­ße­res Angebot an Gratis-​Bildern, mit denen Getty nun ver­su­chen kann, durch Upselling neue Käuferschichten zu erschlie­ßen. Die Motivvielfalt ist zwar deut­lich gerin­ger als bei der kos­ten­lo­sen Adobe Stock Kollektion, dafür muss Getty die Fotografen im Gegensatz zu Adobe auch nicht bezah­len. (Ironischerweise wur­de sogar das ImageGrid Layout von Getty Images mit Unsplash-​Bildern getestet.)

So ist es wohl auch kein Zufall, dass nur zwei Wochen vor der Übernahme durch Getty Images kei­ne Unsplash-​Fotos mehr via API in der Adobe App „Spark Post“ genutzt wer­den können.

Die API ist ja auch der deut­lich span­nen­de­re Teil des Einkaufs: Mit einem Schlag hat Getty Images Zugriff auf über 11.000 API-​Apps mit über 8,5 Milliarden (!) API-​Zugriffen pro Monat.

Unter den Unsplash API-​Nutzern sind so bekann­te und finanz­star­ke Firmen wie Dropbox, BuzzFeed, Wix, WeTransfer, Zoom, Mailchimp und vie­le ande­re. Diese könn­ten sich durch­aus auch einen bezahl­ten API-​Zugriff leisten.

Dazu ein span­nen­des Rechenbeispiel: Würde Getty Images die API-​Zugriffe mone­ta­ri­sie­ren und dabei 1) die Hälfte der API-​Zugriffe ver­lie­ren (blei­ben ca. 4,35 Mrd. Zugriffe) und nur ein Zehntel des güns­tigs­ten Shutterstock-​Preises pro API-​Abruf (0,182 USD statt 1,82 USD) ver­lan­gen, blie­ben pro Monat immer noch ca. 791 Mio. USD Umsatz.

Selbst wenn wir anders rech­nen wür­den, und Getty für jeden API-​Zugriff nur 1 US-​Cent berech­nen wür­de, wären das auch noch über 8,7 Mio. USD Umsatz pro Monat. Zum Vergleich: Shutterstock erzielt knapp 24 Mio. USD Umsatz pro Monat.

Welche Änderungen werden kommen?

Offiziell soll sich bei Unsplash nichts ändern, aber wer das glaubt, muss schon sehr naiv sein. Immerhin gab es schon mal die Übernahme einer Gratis-​Bilderplattform durch Getty Images. 2009 über­nahm Getty die HAAP Media Ltd. mit der Bildagentur Stockxpert sowie der Gratis-​Plattoform Stock xchng, wel­che dar­auf­hin schnell zu iStock wei­ter­ge­lei­tet wur­de. 2014 wur­de Stockxchng zu freeimages.com umbe­nannt und fun­giert als spär­lich gepfleg­tes Lockmittel für neue Kunden.

Wer Unsplash bis­her als Bildnutzer besucht hat, soll­te sich eini­ge wich­ti­ge Fragen stel­len, wel­che die Bildbeschaffer hier auf­ge­führt haben.

Auch unter den Fotografen, wel­che Unsplash bis­her belie­fert haben, gibt es nicht nur Glückwünsche zur Übernahme, son­dern auch kri­ti­sche Stimmen, die mit ihren kos­ten­lo­sen Fotos kei­ne Firma wie Getty sub­ven­tio­nie­ren wollen:

Unsplash selbst betont stän­dig, dass durch die Übernahme Bereiche wie „Unsplash Hire“, also eine Auftragsvermittlung für Fotografen, gestärkt wer­den könn­ten. Übersetzt wird das aber ver­mut­lich nur hei­ßen: Die bes­ten Unsplash-​Fotografen dür­fen auch für Getty fotografieren.

Ich sehe das Engagement von Getty Images zwie­ge­spal­ten: Einerseits hat Getty Images kei­nen gute Erfolgsbilanz, wenn es um die Umsätze von Fotografen geht. Andererseits hat­te Unsplash das noch viel weni­ger, inso­fern fin­de ich die­ses Zitat eines Getty-​Fotografen sehr passend:

Getty knows how to des­troy things. Now they will des­troy a bad thing.“

Wie seht ihr das?

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