Rezension: „Posen!“ von Mehmet Eygi (mit Verlosung)

Manchmal ist es mit Büchern wie mit einem guten Käse oder Rotwein: Sie reifen mit der Zeit. Beim „Posen!„-Buch* von Mehmet Eygi ist das definitiv der Fall.

posen-mehmet-eygiSeit sechs Jahren veröffentlicht er im Abstand von zwei Jahren eine visuelle Orientierung für Modelposen. Das erste Buch von 2012 hieß noch „Posebook„, das zweite „Posen, Posen, Posen„, das neue von 2016 heißt jetzt schlicht „Posen!“.

Es ist mit 333 Seiten noch mal um einige dutzend Seiten dicker geworden, vom Gewicht mit ca. zwei Kilo mal ganz abgesehen.

Dafür sind die Posen wirklich umfangreich. Der Hauptteil liegt natürlich auf Posen für Frauen, gefolgt von Männerposen. Danach gibt es Paarposen, sowie Posen für Schwangere und Familien.

Diese Posen sind jeweils noch mal detailliert in Themenbereiche untergliedert, zum Beispiel gibt es die Frauenposen für Portrait, Beauty, Fashion, Dessous, Implied Nude, Curvy, Curvy Boudoir, Sport, Business und Wall. Bei den Männern gibt es noch sechs Themenbereiche (Portrait, Fashion, Nude, Sport, Business, Wall), bei den Paarposen vier Themen. Für Schwangere gibt es Einzelposen sowie solche mit Partner. Familienfotos gibt es entweder mit einem Elternteil und Baby, mit beiden Eltern und Baby oder ein Kind allein.

posen-buch-01In den einzelnen Themen finden sich wiederum ganz unterschiedliche Posen, zum Beispiel stehend, sitzend oder liegend. Insgesamt sind im Buch 267 Posen aufgeführt, wobei es für jede „Hauptpose“ noch drei Varianten gibt, insgesamt also über 1000 verschiedene Posen zur Auswahl.

Bei der Hauptpose wird jeweils mit einem kurzen Text erklärt, wie diese am besten umgesetzt werden kann, auf welche Körperteile der Fotograf besondere Aufmerksamkeit richten sollte (Ellenbogen nach außen, Rücken gerade, Bein anwinkeln, …) und kleine Icons geben an, ob die Pose aus verschiedenen Perspektiven fotografiert werden kann, universell für verschiedene Modeltypen geeignet ist oder auch für kurvige Models geeignet ist.

An den passenden Stellen sind im Buch 22 Seiten mit „Key Lessons“ verteilt, welche dabei helfen, das „System“ hinter einer guten Pose zu erkennen, um selbst weitere gute Posen hinzubekommen, Fehlerquellen zu vermeiden und sonstige Tipps geben, die bei der Umsetzung helfen.

posen-buch-02Obwohl das Buch naheliegenderweise sehr bildlastig ist, tragen die kurzen Texte doch sehr dazu bei, denn „Sinn“ hinter den Posen besser zu verstehen und sie damit leichter umsetzen zu können und im Anschluss eigene Experimente zu wagen.

Einziges Manko ist weiterhin, dass (noch?) Posen für Gruppenaufnahmen (Familienfeiern, Mannschaftsfotos, Teams, Bandfotos, etc.) fehlen

In der gedruckten Form ist das Buch mittlerweile auch auf eine Größe und ein Gewicht angewachsen, dass es quasi kaum noch transportabel ist und eigentlich auf dem Studiotisch liegen bleiben muss. Wer es also unterwegs dabei haben will, sollte sich vielleicht für die Ebook-Variante entscheiden. Die Printversion gibt es hier für 39,90 Euro, das Ebook für 35,90 Euro.

Klare Kaufempfehlung von mir für Leute, die regelmäßig Menschen fotografieren!

Verlosung

Mo Eygi war so freundlich, mir 1x das „Posen!“-Ebook für eine Verlosung zur Verfügung zu stellen.

Was müsst ihr dafür tun?
Hinterlasst einfach einen Kommentar unter diesem Artikel, in dem ihr den Satz „Am meisten interessieren mich folgende Model-Posen: …“ vervollständigt.

Der Teilnahmeschluss ist der 18.12.2016, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Den Gewinner werde ich per Zufallsprinzip auslosen und danach per Email benachrichtigen.

Viel Glück…

10 (und noch viel mehr) Geschenkideen für Fotografen zu Weihnachten

Wie jedes Jahr stellt sich die Frage: Was schenke ich einem Fotografen?

Um eure Suche zu erleichtern, habe ich wie die vergangenen Jahre einige Geschenkideen für Fotografen zusammengestellt, damit ihr Weihnachten tolle Geschenke überreichen könnt.

  1. Plätzchen-Ausstecher in Kameraform*
    camera-cookie-cuttersDiese süßen Keksformen könnt ihr entweder direkt verschenken oder euch selbst kaufen, um damit formschöne essbare Kameras zu backen, die ihr dann wiederum verschenken könnt.
    Knapp 23 Euro kostet der Knabberspaß hier*. Wem das zu teuer ist, findet hier* für ca. 7 Euro eine minimalistischere Alternative.
  2. Stoff in Kamera-Optik*
    camera-canvasZum direkt Verschenken sicher weniger geeignet, aber dafür ist dieser Stoff umso besser um selbst kreativ zu werden und dem Fotografen zum Beispiel einen Jutelbeutel mit Kameramotiven oder ein Shirt, eine Kameratasche o.ä. zu nähen. Für weniger als 15 Euro pro laufender Meter z.B. hier erhältlich*.
  3. Reiningungsset für Kameras und Objektive*
    camera-cleaningMal etwas Praktisches zwischendurch. Mit diesem Reinigungsset von Zeiss gehören Staubkörnchen oder Fettflecken auf dem Objektiv der Vergangenheit an. Das Set gibt es ca. 23 Euro hier*.
  4. Toilettenpapierhalter im Polaroid-Look*
    toilet-cameraFür die Fanatiker, die ihre Kamera am liebsten mit aufs Klo nehmen würden, gibt es ebenfalls etwas im Programm: Den lustigen Klopapierhalter im Look einer Polaroid-Kamera. Bei der Qualität scheiden sich die Geister, aber ein Hingucker ist das Ding hier* für ca. 15 Euro allemal. Das dazu perfekt passende Klopapier gibt es übrigens hier* für 5 Euro.
  5. Fußmatte mit KameraBild*
    camera-doormatWenn man schon vor dem Öffnen der Tür sehen soll, dass hier ein waschechter Fotograf wohnt, kann sich diese schicke Fußmatte vor die Tür legen. Gesehen hier* für ca. 26 Euro.
  6. Mobiles Fotozelt (und Scanzelt)
    scanlioWelcher Fotograf freut sich nicht über ein kleines, handliches Lichtzelt, um einige kleine Produkte besser ablichten zu können? Auch wer wie ich seine Papier-Modelverträge nicht mehr scannt, sondern mit dem iPhone und einer App wie Scanbot abfotografiert, wird damit glücklich werden. Gibt es hier* für ca. 25 Euro. Wer das Ganze übrigens auch noch beleuchtet haben will, findet hier* eine deutlich professionellere Variante, die dann aber auch mit knapp 130 Euro zu Buche schlägt.
  7. Spardose in Objektiv-Form*
    camera-spardoseDie meisten Fotografen wünschen sich doch insgeheim ein neues Objektiv. Hier* gibt es eins für ca. 9 Euro, wenn auch als Spardose gedacht. Aber damit kann man ja für das richtige Objektiv sparen.
  8. Eeneloop-Akkus in bunten Farben*
    eeneloop-tropicalIch schwöre auf diese Akkus! Der Batterierverbrauch von Fotografen ist chronisch hoch und Akkus sind da einfach besser für die Umwelt. Diese Akkus entladen sich fast nicht selbst und halten dadurch merklich länger. Es gibt einige verschiedene Varianten, als Geschenk finde ich diese bunten hier* am besten für ca. 20 Euro. Extra-Tipp: Am besten ist es, zwei Packungen davon zu verschenken, weil man dann gleich je zwei farblich passende Batterie-Sets hat und besser erkennen kann, welche zusammengehören.
  9. Fotobücher*
    peter-lindbergh-bookFotobücher gehen immer als Geschenk. Je nach Fotograf entweder als Sachbuch zum Fotografieren lernen oder als Bildband zum Inspirieren und Träumen.
    Für Fans von spontaner Analog-Fotografie vielleicht interessant: Mein Kollege Ben Hammer sammelt gerade hier per Crowdfunding für sein erstes Fotobuch, wird aber erst nach Weihnachten fertig. Wer besser in Photoshop werden will (oder soll), kann in „Die Bildlooks der Profis„* reinschauen, wer oft mit Models arbeitet, dem kann ich nur zum neusten „Posen!„-Buch raten (ausführliche Rezension kommt bald hier im Blog). Inspiration liefert zuverlässig der Fashion-Fotograf Peter Lindbergh in seinem neuen Buch „A Different Vision on Fashion Photography„* (siehe Cover oben).
    Wer Geld mit Fotos verdienen will, kann sich auch die neuste Auflage meines Standardwerks „Stockfotografie. Geld verdienen mit Fotos“ kaufen oder verschenken.
  10. Grafiktablett für Fotografen*
    wacom-tablett-intuos-proKennt ihr einen Fotografen, der noch ohne Grafiktablett retuschiert? Dann ist das „Wacom Intuos Pro, Größe S„* (für ca. 180 Euro) genau das richtige Geschenk. Ich selbst nutze es seit Jahren in der Größe M und möchte es nie mehr missen. Wem das zu teuer ist, kann sich die „normale“ Version für ca. 70 Euro hier anschauen*.

Euch reicht das noch nicht?

Kein Problem. Schaut euch meine Geschenkideen der vergangenen Jahre hier an:

* Affiliate-Link

Frag den Anwalt – Folge 03: Rakotzbrücke fotografieren?

Schon die dritte Folge gibt es aus der jetzt schon beliebten Serie „Frag den Anwalt“. Diesmal widmen wir uns einer Frage, die von uns Thomas per Mail erreichte:

Foto: Alexey Testov
Foto: Alexey Testov

„Ich habe vor zwei Jahren die Rakotzbrücke in Kromlau fotografiert und bei Fotolia eingesetzt.

Ab November 2016 ist die Brücke nun markenrechtlich geschützt und darf nicht mehr ohne Genehmigung verbreitet werden. Laut Artikel der heutigen Zeitung (16.11.2016) suchen sie auch einen Abmahnanwalt, der gezielt nach Fotos suchen soll.

Meine Frage: Wissen sie, ob ich das Bild bei Fotolia löschen muss, obwohl es ja vor dem Termin veröffentlicht worden war?

Das Bild wurde auch dreimal als Sonderlizenz verkauft. Könnte der Anwalt diesen Kunden nun verbieten das Bild zu benutzen?“

Diese Frage untergliedert sich in zwei Themengebiete. Einerseits spielt der Markenschutz eine Rolle, dem ich aber keine all zu große Bedeutung beimessen möchte. Schauen wir uns dazu mal die Marke an, die mit Wirkung zum 02.11.2016 (Widerspruchsfrist läuft noch) beim DPMA eingetragen wurde.

dpma-meldung-bruecke
Klicken zum Vergrößern

Dies ist die einzige Eintragung, die ich finden konnte und diese schützt keineswegs die Brücke markenrechtlich, sondern die dort ersichtliche Wort-Bildmarke. Als Bildbestandteil ist daher nicht die Brücke generell geschützt, sondern die beim DPMA hinterlegte Grafik. Sicherlich enthält diese auch die Brücke als grafisch aufbereitetes Element. Hieraus aber ein Verbot herzuleiten, die Brücke fortan nicht mehr ungefragt fotografieren zu dürfen, halte ich für falsch, da das Markenrecht zunächst einmal nur verbietet, die beim DPMA hinterlegte Wort-Bild-Kombination markenmäßig zu verwenden. Eine solche markenmäßige Beeinträchtigung erkenne ich aber bei der Verwertung eines Fotos der Brücke gerade nicht.

Zudem ist die Marke auch nur auf die Klassen

Klasse(n) Nizza 33: alkoholische Getränke, ausgenommen Biere
Klasse(n) Nizza 35: Werbung; Geschäftsführung; Unternehmensverwaltung; Büroarbeiten
Klasse(n) Nizza 43: Dienstleistungen zur Verpflegung und Beherbergung von Gästen

eingetragen, was eine weitere Beschränkung darstellt, da der Markenschutz nicht grenzenlos besteht, sondern auf die Verwendung der Marke in den eingetragenen Produkt- und Dienstleistungsklassen beschränkt ist. Fotografische Produkte sind hiervon nicht umfasst, was ebenfalls dagegen spricht, dass das Fotografieren der Brücke und die Verwertung der Bilder generell unterbunden werden kann.

Neben dem Markenrecht spielt aber hier ein anderes rechtliches Thema eine Rolle und wie ich finde, eine deutlich wichtigere. Dieses haben wir in unserem letzten Artikel schon behandelt.

Sollte ich nämlich beim Fotografieren der Brücke nicht auf öffentlichem Grund und Boden stehen, kann mir der Grundeigentümer grundsätzlich aus seinem Hausrecht heraus das Fotografieren verbieten. Eine erste Recherche im Netz legt nahe, dass es weder Öffnungszeiten noch Eintrittsgelder für den Landschaftspark gibt, in dem die Brücke steht. Daher spricht einiges dafür, dass die Brücke von öffentlichem Grund aus und damit erlaubnisfrei fotografiert werden kann. Letzte Sicherheit gibt es hier allerdings nicht.

Urheberrechte an der Brücke dürften übrigens aufgrund der Tatsache, dass die Brücke um 1860 erbaut wurde, ebenfalls schon abgelaufen sein. § 64 UrhG regelt hierzu:

㤠64 Allgemeines
Das Urheberrecht erlischt siebzig Jahre nach dem Tode des Urhebers.“

Alles in allem scheint mir die Möglichkeit, sowohl bestehende Bilder sowie auch die Erstellung und die Verwertung neuer Bilder zu unterbinden, reichlich wackelig.

Müsste ich die Frage in einem Satz beantworten:
Ich würde aufgrund meiner rechtlichen Einschätzung dankend ablehnen, würde diese Gemeinde sich bei mir mit der Frage melden, ob ich der Anwalt sein möchte, der gegen die Erstellung und den Vertrieb von Fotos der Brücke vorgehen möchte.

Über den Autor:
Sebastian Deubelli ist Anwalt spezialisiert auf Medien- und Urheberrecht in der Nähe von München.

Hast Du ebenfalls eine Frage an den Anwalt?
Hier findest Du mehr Infos.

Frage von Photography Q & A – Selbstvermarktung für Fotografen

Vor über zwei Jahren habe ich hier im Blog das Buch „Photography Q&A“ von Zach Arias vorgestellt und meine Leser aufgefordert, mir ebenfalls Fragen in den Kommentaren zu stellen. Zwei dieser Fragen wollte ich dann im Blog beantworten.

Die erste Frage, welche Blitze ich benutze, habe ich vor langer Zeit hier beantwortet.

Kompass-V04-wide-selbstvermarktung_kleinHeute ist nun die zweite Frage an der Reihe, die sich rund um das Thema „Selbstvermarktung“ dreht. Genau genommen haben mehrere Leser ähnliche Fragen gestellt, welche das Thema „Selbstvermarktung“ mit unterschiedlichen Schwerpunkten aufgreifen.

Hier die Fragen:

„Vorweg erstmal: interessanter Blog, ich bin gerade “drübergestolpert”.
Daraus ergibt sich auch meine Frage:
Wie wichtig sind diese Standbeine für Fotografen? Ich kenne kaum einen Fotografen, der “nur” Bilder anbietet. Es werden Blogs betrieben, Workshops oder Coachings angeboten, Bücher geschrieben. Alles sehr zeitaufwändige Tätigkeiten. Sind diese Aspekte überlebenswichtig geworden als Fotograf? Oder stellen diese Bereiche einfach einen netten Nebenverdienst dar, der auch noch Spaß macht? Gruß, Johannes“

„Meine Frage: Wie wichtig ist Facebook-Marketing für dich und akquirierst du auch größere Kunden über deine Facebookseite? Vielen Dank! Justus“

„Womit lässt sich deiner Meinung nach besser/eher Geld verdienen? Mit einem erfolgreichen Blog oder mit Stockfotos?“

„Hallo Robert,
meine Frage bezieht sich auf das eigene “Branding”, also wie stellt man es an, seine eigene “Marke” als Fotograf bekannter zu machen. Und welche Methoden/Mittel bieten sich an? Als Einzelkämpfer (ohne Angestellte) ist das ein Faktor, der neben der eigentlichen Arbeit oft zu kurz kommt. Wie machst du dir einen Namen bzw. wir hast du es geschafft, den “Robert Kneschke” bekannt zu machen? Spielt in der Stockfotografie beispielsweise die Menge der Fotos, die man in Agenturen platziert hat, eine entscheidende Rolle? Sprich: ab wann sucht jemand in der Agentur oder einer Suchmaschine gezielt nach deinem Namen, um Fotos von dir angezeigt zu bekommen? Und einen eigenen “Bildstil” zu entwickeln, um sich von der Masse abzuheben, wird nach meiner Einschätzung immer schwieriger. Ist es vor allem und zuerst ein Blog, das Aufmerksamkeit erregt? Ist es das Kommentieren bei anderen, sind es Facebook & Co? Viele Grüße, Nora“

Damit ihr meine Antwort richtig einordnen könnte, möchte ich betonen, dass ich nur von der Stockfotografie lebe und keine Aufträge annehme. Das heißt, viele der Marketing-Maßnahmen, die ich für unnötig halte, mögen für einen Auftragsfotografen überlebenswichtig sein und andersrum.

Im Gegensatz zu einigen meiner Fotografie-Kollegen sind meine Aktivitäten neben der Kamera eher gering. Ich betreibe zwar seit ca. acht Jahren gerne diesen Blog „Alltag eines Fotoproduzenten“ und im Laufe der Jahre sind meine beiden Sachbücher „Stockfotografie“* und „Die Arbeit mit Models“* hinzugekommen. Vorträge und Seminare gebe ich jedoch nur selten, vielleicht zwei bis vier Mal im Jahr (das nächste Mal übrigens wieder auf der Photokina 2016).

Aber ganz nüchtern betrachtet: Ich könnte locker auf die wenigen Einnahmen der Bücher, vom Blog und den Vorträgen verzichten und damit vielleicht sogar mehr verdienen, weil ich in der freien Zeit mehr Stockfotos produzieren würde.

Andere Kollegen haben hingegen bergeweise Workshops, DVDs und Seminare im Angebot, veröffentlichen deutlich mehr Artikel in ihren Blogs und ihren Social-Media-Kanälen und so weiter. Der Unterschied ist jedoch: Diese Leute leben eben hauptsächlich davon, diese Produkte sind ein wichtiger, wenn nicht der größte, Teil ihrer Einnahmequellen. Vielleicht könnte man diese Leute korrekter als „Foto-Trainer“ statt als „Fotografen“ bezeichnen. Das mag seine Berechtigung haben, ist aber als Unterscheidung wichtig, weil die Zielgruppe eine andere ist. Wer sich als Fotograf selbst vermarkten will, muss „Kunden“ für Aufträge erreichen. Wer als „Foto-Trainer“ unterwegs sein will, sucht andere Fotografen als Kunden. Ein gutes Beispiel ist Calvin Hollywood, der sich öffentlich immer öfter als Foto-Coach statt als Bildbearbeiter darstellt.

In diese „Falle“ bin ich selbst anfangs getappt: Die ursprüngliche Idee zu meinem Blog war, mich bei mehr Bildkäufern bekannt zu machen. Da ich aber von Foto-Themen mehr Ahnung habe als vom Verkauf, interessieren sich vor allem andere Fotografen, aber nicht so sehr Bildkäufer für diese Themen im Blog.

Damit ist mein Blog nicht so sehr ein Marketing-Instrument, welches mehr Bildkäufe bringt, sondern ein Hilfsmittel, um mich bei Kollegen und Agenturmitarbeitern bekannter zu machen, welche dann mit mir Informationen und ähnliches austauschen. Das ist nützlich, aber schwer in „mehr „Umsatz“ zu messen.

Ein Blog von einem Fotografen, den ich gerne verfolge, und der sich konsequent an potentielle Kunden richtet, ist der vom Kollegen Till Erdmenger.

Ähnliches gilt für die Facebook-Präsenz: Während Kollegen wie Matthias Schwaighofer mindestens mehrere Postings täglich absetzen, sind es bei mir alle paar Tage einer. Auch hier gilt wieder: Ich muss keine Aufträge an Land ziehen, weil ich das sowieso nicht anbiete. Natürlich kann es passieren, dass ein Fotograf, der meinem Blog oder meiner Facebook-Seite folgt, ebenfalls Grafikdesign für andere Kunden macht und dabei mal einige meiner Stockfotos kauft, weil er mich durch meine Veröffentlichungen immer im Hinterkopf hat. Ich vermute jedoch dass dieser Effekt zu vernachlässigen ist. Die meisten Kunden bei Bildagenturen brauchen ein bestimmtes Motiv und suchen dieses, indem sie Suchbegriffe bei den Agenturen eintippen.

Je spezieller jedoch die Nische, die ein Fotograf bedient, desto eher können sich Social-Media-Kanäle oder Blogs lohnen, um sich als Experte für dieses Gebiet profilieren zu können.

Natürlich ist es möglich, mit einem Blog mehr Geld zu verdienen als mi Stockfotos, sei es durch Werbung, Ebooks, Affiliate-Marketing oder andere Methoden, aber das erfordert grundsätzlich andere Fähigkeiten als welche, die nötig sind, um mit Stockfotos erfolgreich zu sein.

Ein „Branding“ ist im Bereich der Stockfotografie deutlich weniger nötig als in anderen Bereichen. Ich weiß, dass einige Branchengrößen sehr erfolgreich bei Bildagenturen sind, über die in der Öffentlichkeit fast nichts bekannt ist. „Africa Studio“*, „Ioannis Kounadeas“* oder „Gina Sanders“* sind nur einige Beispiele. Während Auftragsfotografen gerne wegen ihres „eigenen Stils“ gebucht werden, sind Stockfotografen Lieferanten für Mainstream-Looks, die sich naturgemäß weniger stark voneinander abheben oder teilweise sogar kopieren.

Viele Tipps für erfolgreiches Fotografen-Marketing bietet übrigens mein Kollege Michael Omori Kirchner an.

Wie wichtig ist das Selbstmarketing für euch?
Was funktioniert am besten für euren Bereich?

* Affiliate

Frag den Anwalt – Folge 02: Panoramafreiheit vs. Schlösserverwaltung?

In der zweiten Folge von „Frag den Anwalt“ widmen wir uns dieser Frage unseres Lesers Axel:

Foto: Alexey Testov
Foto: Alexey Testov

„Die bayrische Schlösserverwaltung verlangt eine kostenpflichtige Fotogenehmigung auch für Aussenaufnahmen ihrer Schlösser und selbst für redaktionelle Verwendungen. Wird die in Deutschland geltende Panoramafreiheit (also das Fotografieren von öffentlichem Grund aus) damit ausser Kraft gesetzt?“

Diese Frage gehört zu den absoluten Klassikern und beruht auf der Vermischung von zwei recht ähnlichen Themenkreisen: der Panoramafreiheit und dem Hausrecht des Grundstückseigentümers.

Zunächst ist völlig richtig, dass die in § 59 Urheberrechtsgesetz (UrhG) geregelte Panoramafreiheit das Fotografieren von urheberrechtlich geschützten (insbesondere Bau-) Werken ohne Genehmigung des jeweiligen Urhebers zulässt und damit die Fotografie im öffentlichen Raum erleichtern soll. Doch sehen wir uns die Vorschrift mal genauer an:

„§ 59 Werke an öffentlichen Plätzen

(1) Zulässig ist, Werke, die sich bleibend an öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen befinden, mit Mitteln der Malerei oder Graphik, durch Lichtbild oder durch Film zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich wiederzugeben. Bei Bauwerken erstrecken sich diese Befugnisse nur auf die äußere Ansicht.“

Der Knackpunkt ist das „öffentlich„.

Die Panoramafreiheit greift nur beim Fotografieren von öffentlichem Grund aus. Hiervon sind private Grundstücke ausgenommen, sodass dies bei der Fotografie in Parkanlagen bereits das Killer-Gegenargument ist und die Panoramafreiheit hier überhaupt nicht anwendbar ist.

Öffentlich“ bedeutet nicht „frei zugänglich„. Es reicht vielmehr aus, dass der Grundstückseigentümer frei darüber entscheiden kann, wer wann auf sein Grundstück darf und ob hierfür gegebenenfalls Eintritt zu zahlen ist. Das ist bei derartigen Parkanlagen regelmäßig der Fall, auch wenn sie von einer Stiftung betrieben wird.

Das hat auch der Bundesgerichtshof (BGH) in drei stark gescholtenen Entscheidungen aus 2010 bestätigt, in denen er der Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten Recht gab, die sich gegen die Verwertung von Bildern gewehrt hatte, die auf ihrem Grund und Boden entstanden sind.

Der BGH ist der Auffassung, dass schon das Eigentumsrecht am Grund und Boden ausreichend ist, um die Fotografie von dort aus zu verbieten. Im Wesentlichen kommt es daher überhaupt nicht darauf an, was man fotografiert, sondern wo man steht, sodass es bei der Diskussion auf die Panoramafreiheit nicht entscheidend ankommt, da schon nicht von öffentlichem Grund aus fotografiert wird.

Ob die Verwendung redaktionell oder kommerziell ist, ist insofern egal, da es regelmäßig ausreicht, dass die Fotos zumindest nicht privat gemacht werden.

Müsste ich die Frage mit einem Wort beantworten, würde dieses daher „Nein“ lauten.

Über den Autor:
Sebastian Deubelli ist Anwalt spezialisiert auf Medien- und Urheberrecht in der Nähe von München.

Hast Du ebenfalls eine Frage an den Anwalt?
Hier findest Du mehr Infos.