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123rf ernennt Mutterfirma zur “Partneragentur”

Ich dachte eine Weile, das Geschäft mit Bildern über Partneragenturen wäre ein Ding der Vergangenheit oder vor allem noch betrieben von Macrostock-Agenturen.

Früher hatte es ja ganz praktische Gründe: Als Bilder noch als Dias verkauft wurden, war es sehr aufwändig, Kunden in anderen Ländern zu beliefern: Versand, Rechnungsstellung, Sprachbarrieren und so weiter.

Also kamen die Bildagenturen auf die Idee, ihr Material von “Partneragenturen” vor Ort verkaufen zu lassen, die dafür in der Regel ca. 50% der Erlöse behalten durften. Das Perfide war, dass diese Partneragenturen ihr Material, inklusive der der anderen Partneragenturen wiederum an Partner weitergaben und den Erlös teilen mussten.

Das führte dann teilweise dazu, dass der Kunde das Bild für 100 Euro kaufte, die Agentur bekam davon 50 Euro, gab die restlichen 50 Euro der zweiten Agentur, die sich die Hälfte nahm, es der dritten Agentur gab, die wiederum ihren Anteil nahm und der Fotograf erhielt dann 12,50 Euro, also 12,5%, obwohl in seinem Vertrag 50% vereinbart waren. In der Praxis kann es auch dazu führen, dass die Verwertungskette einen Bruch hat und gar nichts beim Fotografen ankommt.

Wenn Leute mich gefragt haben, was für mich einer der Unterschiede zwischen Macrostock- und Microstock-Bildagenturen ist, habe ich – neben dem Preis – oft gesagt, dass es diese Partneragenturen sind, weil sich bei den geringen Kommissionen das Teilen der Honorare kaum noch lohnen würde. Vielleicht muss ich das überdenken.

Ein Mitglied des Stockfotografie-Forums wies mich vor paar Wochen auf etwas Interessantes hin.
Seine Bilder, die er bei der Microstockagentur 123royaltyfree (besser bekannt als 123rf) anbietet, sind auch bei der Bildagentur Inmagine zu finden.

Nun ist Inmagine nicht irgendeine Macrostock-Agentur, sondern die Mutterfirma von 123rf. Sprich: Inmagine hat im Juni 2005 die Agentur 123rf gegründet. Somit gehören beide Agenturen der selben Firma.

Die spannende Frage für uns Fotografen ist nun:
Wie werden die Honorare abgerechnet?

Ich habe in Absprache mit dem betroffenen Fotografen einen Testkauf gemacht.

inmagine-testkauf-anonymWie ihr im Screenshot sehen könnt, habe ich für die kleinste Größe (die sich ironischerweise “High” nennt) 10 Euro bezahlt.

Beim Fotografen kam ein Verkauf als “XXL” für 2,10 US-Dollar (also ca. 1,66 Euro) an:

123RF-sale

Klicken zum Vergrößern

Das wären aufgerundet nur ca. 17% Kommission für den Fotografen. Das ist ungefähr die Hälfte, die der Fotograf (er hat das “Contributor Level 2″ erreicht) laut der Kommissionstabelle erhalten müsste.

123rf-royalty-structure-october-2014123rf zieht also bei Verkäufen über Inmagine, welche der gleichen Firma gehört, 50% des Honorars für Inmagine ab. Auch eine kreative Art, die Kommissionen zu senken.

Interessant ist auch, dass es nicht hilft, die “API-Partneragenturen” im Dashboard von 123rf zu deaktivieren, denn ich habe ebenfalls alle meine 123rf-Bilder bei Inmagine gefunden, obwohl ich ausdrücklich die “API-Partneragenturen” deaktiviert hatte.123rf-api

Wenn ihr selbst schauen wollt, ob eure 123rf-Fotos bei Inmagine auftauchen: Einfach von euch häufig benutzte Suchbegriffe im Suchfenster von Inmagine eingeben und dann – ganz wichtig – bei den Ergebnissen auf den Reiter “Value” klicken, sonst seht ihr nur die Premium-Bilder als Ergebnis.

Daraufhin habe ich direkt bei 123rf nachgefragt, wie es kommt, dass meine Bilder bei Inmagine zu finden seien, obwohl ich die Partneragenturen deaktiviert habe.

Als Antwort erhielt ich:

“Kindly note that Inmagine is our sister company therefore it was not considered a Partner site. If you would like to have your portfolio removed from Inmagine, do let us know.

As for commissions received from sales via Partner sites, kindly note that after our Partner has taken their percentage of the earnings, your commission will be shared with 123RF.
We hope this clarifies. Please do not hesitate to contact us if you need any further assistance.”

Diese Antwort ist insofern auffällig, weil sie sich je nach Position widerspricht. Einerseits sei Inmage keine Partneragentur, deswegen gelte die Checkbox für die “API Partner” nicht. Andererseits sei Inmagine eben doch eine Partneragentur, wenn es um das Teilen der Honorare geht.

Das gab ich in einer Antwort zu bedenken und bat um Auskunft, wie viel Prozent Inmagine tatsächlich einbehält.

Nach knapp zwei Wochen (!) kam als Antwort:

“Dear Robert,
We apologize for the delay.

Kindly note that the percentage is 40% from the price stated. After having a discussion with my team, we agreed that your portfolio should not appear in Inmagine thus we have removed your portfolio from the search engine and will not appear in the search results.

We hope this helps. Please do not hesitate to contact us if you need any further assistance.”

Spannend ist es, dass oben geschätzten 50% nicht bestätigt werden, sondern stattdessen nur 40% Anteil für Inmagine genannt werden. Deshalb habe ich einen zweiten Testkauf mit einem Bild von mir gemacht. 10 Euro bezahlt (aktuell ca. 12,65 USD), ich erhielt mit meinem Contributor Level 6 (52%) 3,12 USD ausgezahlt. Da kann ich rechnen wie ich will, das passt nur, wenn ich ebenfalls von einem 50% Anteil für Inmagine ausgehe.

Es sei denn: Wer sich nicht die Mühe macht und die erhaltenen Euro in US-Dollar umrechnet, kommt genauer auf die 3,12 USD: 10 USD (statt Euro), davon 40% weg, bleiben 6 USD. Davon 52% Anteil sind genau 3,12 USD. Der Währungswechselkurs wird von Inmagine dann einfach eingestrichen. Ich habe Inmagine am 27.10.2014 eine Mail mit der Bitte um Erklärung geschickt, bisher habe ich keine Antwort erhalten. Sobald ich die Antwort habe, werde ich sie nachreichen.

Interessant ist auch, dass meine Bilder aus der Inmagine-Suchmachine entfernt wurden, obwohl ich das nicht gefordert hatte. Das ist jedoch ein richtiger Schritt aus meiner Sicht und deshalb habe ich auch im die komplette Entfernung meiner Bilder bei Inmagine gebeten, denn aktuell sind sie nur aus der Suchmaschine entfernt worden, die Detailseiten sind noch vorhanden. Hier ein Link, wenn er nicht mehr geht, wurden die Bilder endlich entfernt. So sieht das aus:

inmagine-apotheken-foto
Ärgerlich ist auch, dass auf den Detailseiten nirgends der Name des Fotografen noch ein anderer Hinweis auf die Quelle des Bildes zu finden ist und auch der bei den meisten Agenturen obligatorische Link auf weitere Bilder des Fotografen fehlt.

Nicht nur 123rf/Inmagine arbeiten so

Unabhängig vom Fall Inmagine hat mich ein anderer Fotograf fast zeitgleich darauf aufmerksam gemacht, dass bei der deutschen Bildagentur F1 Online auch viele Fotos der Agentur doc stock angeboten werden.

doc-stock-f1-online
Hier liegt der Fall etwas anders, weil doc stock ursprünglich eine eigenständige Agentur war, welche jedoch von F1 Online aufgekauft wurde. Aktuell ist der Eigentümer jedoch ebenfalls der selbe.

Um zu klären, wie hier die Honorarverteilung ist, wenn ein Bild von doc stock über F1 Online verkauft wird, obwohl beide Agenturen derselben Firma gehören, habe ich einfach bei F1 Online angerufen und die Geschäftsführerin von F1 Online, Sabine Pallaske, um Auskunft für diesen Blog gebeten. Sie erklärte mir bereitwillig, wie die Prozentverteilung aussieht und andere Details, verbot mir aber wenige Minuten nach dem Telefonat, diese Informationen zu veröffentlichen. Stattdessen sollte ich meine Anfrage noch mal schriftlich einreichen, worauf ich leider nur diese – weniger detailreiche – Auskunft erhielt:

“Hallo Herr Kneschke,

Sie haben Ihr Anliegen durchaus am Telefon darlegen können. Auf der anderen Seite geht es Ihnen ja um eine verbindliche Aussage, die zitatfähig ist.

Grundsätzlich haben wir mit unseren Vertriebspartnern und unseren Fotografen feste Splittings.

Doc-Stock ist in unserem Fall eine Sonderregelung:
Doc-Stock ist ein eigenständiges Portfolio, das wir erst seit 3 Jahren vertreten und das auch gutem Grund unter einer eigenen Marke angeboten wird. Hier haben wir wie bei uns üblich feste, transparente Verträge.

F1online fungiert als Partner von doc-stock und übernimmt nicht alle Bilder des sehr spezialisierten Angebots von doc-stock in sein Portfolio.

Den Anbieter / Fotografen wurden kommuniziert: wer auch über F1online anbieten möchte, kann dem zustimmen (oder auch nicht – ohne dass für die Präsenz bei doc-stock Nachteile entstehen). Im Fall der Zustimmung wird eine Handling-Fee abgezogen ( Umlegung Verwaltungskosten, Verschlagwortung neu, Bereitstellung auf Website F1online.de, Picturemaxx, Fotofinder usw ), wenn das Bild nicht über die Website / Online-Präsenz doc-stock, sondern über F1 Online lizenziert wird.
Dies hat mit unseren allgemeinen Verträgen betreffend Vertriebspartner / Fotografen nichts zu tun.

Unsere Verträge mit Vertriebspartnern beschreiben eindeutig unseren Anteil, den wir an die zu zahlen haben. Der Verteilungsschlüssel Vertriebspartner zu deren Fotografen liegt nicht in unserer Hand. Im umgekehrten Fall ist dies eindeutig über unsere Verträge mit dem Fotografen / Lieferanten geregelt. Bei Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung,

herzliche Grüsse , Sabine Pallaske”

Auch hier wieder die Formulierung von “Partnern”, wobei beide Agenturen faktisch dem selben Eigentümer gehören. Fairerweise möchte ich ergänzen, dass die “Handling-Fee” deutlich geringer ist als die 40% von Inmagine.

Ich bin mir nicht sicher, wie die Vorgehensweise, vor allem im Fall von 123rf juristisch zu bewerten ist, moralisch ist es aber unschön: Die Agenturinhaber kassieren beim selben Verkauf 2x, der Fotograf erhält jedoch nur 1x Geld.

Wie schätzt ihr die Sache ein? Kennt ihr andere Agenturen mit gleichem Inhaber?

Rezension: “Farbräume & Farbmanagement” von Sam Jost (mit Verlosung)

Sam Jost ist einer der wenigen (Hobby-)Fotografen, die schon ganz lange in meinem Feedreader stehen und dessen Blog ich gerne und aufmerksam lese, weil er keine Pressemitteilungen wiederkäut oder nur selbstverliebt eigene Fotos zeigt, sondern seine Erfahrungen teilt und Dinge einfach ausprobiert.

So ist auch sein mittlerweile drittes Buch “Farbräume & Farbmanagement“* entstanden. Sam macht sehr gerne FineArt-Prints seiner Fotos und wunderte sich, warum die Bilder trotz Farbprofilen manchmal ganz anders aussahen als gewünscht. Das liegt nicht immer am Fotografen, der keine Ahnung vom Farbmanagement hat, sondern kann auch an der Druckerei oder anderen Faktoren lesen.

FarbraumCover800

Damit wir als Fotografen aber zumindest die erste Fehlerquelle – uns selbst – ausschalten können, gibt Sam auf ca. 80 Seiten eine Einführung: Was sind Farbräume? Was unterscheidet einen Farbraum von einem Farbmodell? Worin unterscheiden sich die verschiedenen RGB-Farbräume? Wie kalibriere ich meine Geräte richtig? Wie mache ich ein Softproofing?

Das sind alles keine sexy Fragen, aber notwendig, um als Fotograf mit fester Stimme sagen zu können: Ja, meine Bilder zeigen die richtigen Farben! Vor allem, wenn die Kunden anrufen und über einen Rotstich meckern oder sich beschweren, dass die Farben so flau seien.

Gerade bei dem Thema “Farbmanagement” gibt es sehr komplizierte und abstrakte Werke, die einen eher verwirren als helfen, aber Sam schafft es, den Leser vom Wissensstand Null bis zum korrekten Umgang mit Softproofs in nur ca. 50 Seiten zu führen. Sam schreibt umgangssprachlich und verständlich (und hat wohl das erste Fachbuch geschrieben, in dem das Wort “rödeln” verwendet wird) und die Beispielbilder erklären das Geschriebene noch mal visuell.

Das Buch ist eine Pflichtlektüre für Leute, die öfters Fotos in bester FineArt Print-Qualität ausdrucken wollen, sei es für Galerien, als Geschenk oder für Kunden.

Für Stockfotografen ist das Buch insofern wichtig, weil ein Grundverständnis von Farbräumen und Farbmanagement dazu gehört, um farblich korrekte Bilder abzuliefern.

Ich werde im Buch kurz zitiert an der Stelle, wo es um den besten Farbraum für die Lieferung von Fotos an Bildagenturen geht. Einige Macrostockagenturen bestehen auf Fotos im AdobeRGB-Format, aber für Microstock-Agenturen empfehle ich immer sRGB. Das mag Farb-Puristen aufheulen lassen, weil damit Farben im Bild “verschenkt” werden, aber nach der Lektüre von Sams Buch sollte endgültig klar sein, warum das aus mehreren Gründen sinnvoll ist.

Einerseits ignorieren einige Bildagenturen schon die Farbraum und zeigen Bilder standardmäßig im sRGB-Farbraum an, auch wenn es beispielsweise mit einem AdobeRGB-Profil geliefert wurde. Das führt zu flauen Farben im Bild, bei denen das Foto schon als Thumbnail nicht gegen die knallbunten Konkurrenz-Fotos mithalten kann. Wenn diese Hürde umschifft wurde, kauft vielleicht eine Kommunikationsagentur das Bild, welche es an eine Grafikagentur gibt, die es einige Male mit dem Kunden hin- und her schickt, bis es schließlich in der Druckerei landet. Die Wahrscheinlichkeit, dass an einer der Stellen Mist gebaut wird, ist so hoch, dass es für alle Seiten sicherer ist, auf einige Farben zu verzichten, dafür aber die höchste Wahrscheinlichkeit zu erhalten, dass die Farben bis zum Druck halbwegs realistisch wiedergegeben werden.

Das Buch deckt somit ein für Fotografen unverzichtbares Grundlagenwissen ab, dass es wie die Bedienungsanleitung einer Kamera jeder gelesen haben sollte.

Die Verlosung

Sam war so freundlich, mir zwei Exemplare der Druckversion für eine Verlosung zur Verfügung zu stellen. Um eines zu gewinnen, hinterlasst einen Kommentar unter diesem Artikel, in dem ihr erklärt, was für euch die wichtigsten Fragen oder Probleme beim Thema “Farbraum & Farbmanagement” sind. Vielleicht kann Sam diese dann in einer Neuauflage berücksichtigen.

Aus allen gültigen Einsendungen werde ich mittels random.org die beiden Gewinner ziehen und per Email benachrichten. Der Teilnahmeschluss ist am Montag, den 3.11.2014, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Viel Glück…

* Affiliate

Die Gewinner des Buchs “Grafik und Gestaltung” stehen fest

Sowas mache ich nie wieder! Damit meine ich nicht die Verlosung an sich, sondern die Art, wie ich die Gewinner auswählen wollte.

Was habe ich mir dabei gedacht, die Gewinner nach ihrer Begründung zu wählen? Als ich die Verlosung geplant habe, schien es eine schöne Idee zu sein.

Jetzt im Nachhinein stellte sich heraus, dass ich locker zehn oder mehr Exemplare vom Buch “Grafik und Gestaltung” an Teilnehmer mit gelungenen Begründungenn hätte verschenken können.

Das Limit war aber zwei, weshalb ich mich für diese beiden entschieden habe:

Nadine mit ihrem Gedicht:

“Dein Buch über Stockfotografie
hat mich motiviert wie nie.
Gute Weiterbildung wäre das Wäger-Buch,
weshalb ich hier mein Glück versuch’.

Fotos berühren und öffnen die Herzen weit,
darum mache ich mich für diesen Job bereit!
Ich möchte mich bilden und weiter lernen,
damit alle von meinen Fotos schwärmen!

Ein Foto spricht mehr als tausend Bände,
darum wünsche ich mir das Wäger-Buch in meine Hände!
Nach dem Lesen verschenke ich es hier gerne weiter,
damit wir alle erklimmen die Erfolgsleiter!”

und Heiko mit der witzigsten Begründung:

“Ich interessiere mich für Grafik und Gestaltung, weil mein Briefträger so untrainiert aussieht und ich ihm dieses 2,25-Kilo-Workout zur Figurverbesserung schenken möchte!”

Die Gewinner wurden per Email benachrichtigt.

Herzlichen Glückwunsch!

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 36

Die heutige Folge von „Pimp My Stock!“ ist etwas kürzer.

Ich bekomme auch seit langem mehr Einsendungen als ich Folgen veröffentliche, was zu einem ordentlichen Stau führt. Deshalb werde ich die nächsten Wochen etwas öfter eine Folge veröffentlichen, um meinen Rückstand aufzuholen.

Tristan schrieb mir im Mai 2013 schon folgendes:

„Hallo Robert,

ich würde gerne an Deiner Pimp My Stock Reihe teilnehmen.

Ich fotografiere seit ca. 2003, habe das Hobby dann etwas schleifen lassen und bin dann 2008 auf eine gebrauchte Spiegelreflex umgestiegen. Vorher hatte ich eine Fuji S602Zoom Bridge-Kamera.

Am Anfang habe ich mich auf familiäre Motive beschränkt, aber nach einiger Arbeit mit der Kamera und den Objektiven, sowie Präsentationen im Internet habe ich mich über weitere Techniken (Panorama, HDR, Strobist) weiter entwickelt.

Und mit steigenden Kosten für das Hobby bin ich dann auch auf Deine Seite gestoßen und hab mir zu Weihnachten dann Dein Buch gekauft.

Inzwischen habe ich bei drei Agenturen Bilder hochgeladen: Fotolia, Pitopia und 123rf.

Wie man aber aus meinem kleinen Blogartikel heraus lesen kann, klappts aber nicht so wirklich. Klar hab ich es etwas schleifen lassen, nachdem die Verkäufe nicht so wirklich gezogen haben. Auch die ersten Verkäufe haben mich nicht weiter motiviert (quasi geklauter Einkauf).

Ich wollte mir nun noch einmal eine Chance geben und Dich fragen, ob ich vielleicht den Sprung in die Peoplefotografie wagen sollte. Ein paar Beispiele findest Du hier.

Ich hab mich bei einer Modelagentur (www.stylished.de) angemeldet, um dort ein paar Modelle zu engagieren. Allerdings bin ich dort erst einmal abgelehnt worden. Wie komm ich denn zu einem initialen Portfolio für Modelshoots, die ich dann auch auf einer eigenen Website präsentieren kann?

Ok, ich weiß, das zielt etwas an Pimp My Stock vorbei, aber vielleicht kriegt dadurch Deine Artikelreihe eine neue Richtung ;-)

Vielen Dank für Deine Mühe.

Und hier noch ein paar Bilder, die noch nicht bei den Agenturen gelandet sind…

Liebe Grüße aus Franken,
Tristan“

Schauen wir uns die Bilder an:

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Zur Paprika ein klares und kurzes Nein. Das ist kein gutes Stockfoto. Die übliche Regel bei Foodfotos lautet, dass das Essen appetitlich aussehen sollte, wenn das Konzept nicht explizit was anderes verlangt. Foodfotografen verbringen deshalb manchmal mehr Zeit mit der Auswahl der richtigen, sprich: gut aussehenden, Zutaten als dem Fotografieren. Hier wurde einfach die erstbeste Paprika halbiert und vor einem weißen Hintergrund fotografiert. Mitsamt der Kerne und komisch gewachsenem Innenleben. Das stößt eher ab als das es appetitfördernd wäre. Dass der Hintergrund dann nicht sauber freigestellt wurde und die „Ratschen“ am Stiel der Paprika nicht retuschiert wurden, spielt dann schon keine Rolle mehr. Der letzte Punkt ist, an freigestellten roten Paprika in Bildagenturen wahrlich kein Mangel herrscht.

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Dier verblühte Tulpenstrauß sieht schon besser aus. Das Unperfekte ist hier Teil des Konzepts und damit erlaubt. Die Einsatzmöglichkeiten sind jedoch begrenzt und damit die Verkaufschancen gering. Gefühlsmäßig würde ich das Bild mehr als RM bei einer Macrostockagentur sehen als bei einer Microstockagentur.

_IMG_3256_20130324 _IMG_3258_20130324

Ähnliches gilt für die verstreuten Blüten. Hier fällt schon etwas mehr negativ auf, dass der Hintergrund oben überstrahlt ist. Auch die Anordnung der Blüten wirkt lieblos. Hier hätte der Fotograf mehr Sorgfalt walten lassen müssen. Den Kundennutzen sehe ich noch weniger als beim ganzen Blumenstrauß, weshalb ich beide Fotos als Agentur ablehnen würde.

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Bei diesem Bild kann ich ehrlich gesagt nicht erkennen, was überhaupt zu sehen sein soll. Der Mond? Ein Blitzlicht? Spinnenweben? Unklar. Den Kunden wird es genauso gehen und sie werden das Bild deshalb nicht kaufen.

Wenden wir uns deshalb der zweiten Frage der Mail zu.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich bei der Model-Kartei deutlich mehr Models finden lassen als bei Stylished. Wie man anfangs zu passenden People-Fotos zum Vorzeigen kommt, erkläre ich ausführlich in meinem Buch „Die Arbeit mit Models“*, deshalb hier nur kurz: Wer Probleme hat, Models zu finden, sollte mit Selbstportraits anfangen, dann die Familie und Freunde fragen, bis fremde Leute genug ansehnliches Material sehen können, um sich ebenfalls auf ein Fotoshooting einzulassen.

Im Buch habe ich auch ein Kapitel über Seriosität und die damit verbundene Namenswahl. „fotonbengel“ erscheint mir hier sowohl von der Schreibweise als auch der implizierten Flapsigkeit ungeeignet, um Vertrauen bei potentiellen Models zu wecken.

Wie habt ihr eure ersten Models von Fotos überzeugen können?

* Affiliate

Der Abschied vom Stockfotografie-Forum

Nach zweieinhalb Jahren habe ich mich schwerzen Herzens entschieden, das Stockfotografie-Forum zu schließen.

Das hat mehrere Gründe, die miteinander zusammenhängen.

Das Betreiben eines Forums kostet Zeit, Geld und Nerven. Ich wollte ein Forum betreiben, was frei ist von Werbung und den Zwängen, sich Sponsoren und Investoren unterwerfen zu müssen. Wohin das führt, könnt ihr zu Genüge in anderen “Foto-Magazinen” sehen, die vor bunter Werbung nur so leuchten und jede Bildagentur oder jeden Fotobuchanbieter toll und fantastisch finden, wenn die Firma nur genug zahlt.

Finanziell war es eine überschaubare Summe, die ich gerne ausgegeben habe, weil ich im Vorgänger-Forum Relota viel gelernt habe und auch in meinem Stockfotografie-Forum hilfreiche Informationen aufpicken konnte. Auch einige Skandale wie der Depositphotos-Shotshop-Deal wurden dort aufgedeckt und aktuell recherchiere ich an einem weiteren Fall, auf den ein Forumsnutzer mich aufmerksam gemacht hatte.

Auch die Zeit habe ich gerne investiert, weil ich eben auch gelernt habe und einige nette Menschen kennenlernen durfte. Zum Schluss hatten sich über 700 Leute im Forum angemeldet, von denen ca. 50-100 regelmäßig geschrieben haben.

Was sich langsam als Belastung erwies, war jedoch mein fehlendes technisches Wissen. So eine Forumsoftware erfordert eine regelmäßige Pflege und Wartung, alle paar Monate kommen Updates raus, welche Sicherheitslücken schließen sollten, die vorige Updates erst ermöglicht hatten. Ich habe eine Weile sogar mit dem Risiko gelebt, eine “angreifbare” Webseite zu betreiben, weil bei jedem Update wieder irgendwelche Plugins, Themes oder Tools nicht funktioniert haben, die ich in mühevoller Kleinstarbeit wieder zum Laufen bringen musste. Kombiniert mit meinem fehlenden Programmier-Wissen kostete das mehr Zeit, als mir lieb gewesen wäre.

Konkret hatten zwei Nutzer innerhalb kurzer Zeit hintereinander eine Sicherheitslücke im Forum gefunden, welche es erlaubte, die privaten Nachrichten anderer Nutzer zu lesen. Das musste ich sofort abstellen. In der Hoffnung, dass das neuste Update (ich hinkte mittlerweile zwei Major-Updates hinterher) diese Lücke vielleicht beheben würde, machte ich ein Backup des Forums und der Datenbank und begann mit dem Update. Wie üblich klappte es wieder nicht und diesmal gelang mir leider auch nicht die Wiederherstellung meines Backups. Damit war das Forum nicht mehr erreichbar.

Das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte und ich habe mich entschieden, es gut sein zu lassen.

danke-thanks
Ich bedanke mich recht herzlich bei meinem Co-Moderator Ralf Nöhmer (aka Teatime), der mitgeholfen hat, dass sich – mehr oder weniger – alle Nutzer an einen freundlich Umgangston gehalten haben.
Ich bedanke mich auch bei allen Forumsteilnehmern, welche bereit waren, mit ihrer Zeit und ihrem Wissen anderen Leserinnen und Lesern auszuhelfen, namentlich vor allem stphotography, Corinna, roede_orm, Walter, tmax, Bernd und vielen anderen.

Wie geht es weiter?

Die Daten habe ich von den Servern gelöscht. Das Backup habe ich noch auf der Festplatte und werde sie zwei Wochen aufheben, falls sich noch wider Erwarten eine Lösung finden sollte. Persönliche Daten werde ich keinesfalls an jemanden herausgeben.

Aktuelle Informationen zum Bildermarkt werdet ihr weiterhin hier in meinem Blog finden oder auch auf meiner Facebook-Seite.

Wer mit anderen diskutieren will, kann das zum Beispiel im englischen Forum Microstock Group machen oder in einer deutschsprachigen Facebook-Gruppe wie “Stock” (deutsch) oder “Stock Photographers & Illustrators” (englisch). Eine weitere deutsche Alternative ist das Stockfotoforum.

Danke noch mal an euch alle.

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