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Fünf Jahre Footage für Video-Agenturen – Meine Einnahmen und Erfahrungen

Nach fünf Jahren ist es wieder Zeit für einen Rückblick: Wie lief der Verkauf meiner Videos und welche Umsätze habe ich damit erzielt?

Ich lade meine Videos momentan aktiv bei sieben Agenturen hoch: Pond5*, Fotolia*, Shutterstock*, Revostock*, ClipCanvas*, Clipdealer* und 123rf*. Bei iStock habe ich noch einige “Altlasten”, aber da trotzdem ab und zu Verkäufe kommen, lasse ich die Agentur in der Statistik.

Für meine Auswertung berücksichtige ich die 12 Monate vom Juni 2013 bis einschließlich Mai 2014. Hier könnt ihr auch meine Zahlen für das vierte, das dritte und die ersten beiden Jahre nachlesen.

Portfolio-Größe

Bei den meisten Agenturen habe ich aktuell rund 795 Videos online. Letztes Jahr waren es ca. 530 Videos, das bedeutet einen Zuwachs von 265 Videos oder anders formuliert: Ziemlich genau 50% mehr!

Motive

Wie bisher waren die meisten Videos als Outtakes nach oder zwischen einem Fotoshooting entstanden, nur zwei Video-Sessions habe ich extra als solche geplant und aufwändiger aufgezogen. Von den Ergebnissen, was Menge, Qualität und Umsatz angeht, bin ich im Vergleich zu reinen Fotoshootings jedoch noch nicht überzeugt, aber dazu später mehr. Mein aufwändigstes Shooting war dieses hier, was auch ungefähr den jetzigen Stand meiner Fähigkeiten zeigt:

Technik

Wie das oft so ist: Einige der “coolen Zubehörteile”, die ich letztes Jahr vollmundig angekündigt habe, sind angekommen, aber ich bin bisher noch kein einziges Mal dazu gekommen, sie auszuprobieren. Dazu gehört eine Steadycam, ein Timelapse-Tool und andere kleine Spielereien. Doch auch dazu gleich mehr.

Verkäufe und Umsätze

Während meine Uploads um 50% gestiegen sind, kann ich das von den Einnahmen leider nicht behaupten. Mit Videos habe ich in dem gezählten Jahr 9624 US-Dollar eingenommen, das sind ca. 28% mehr als im Vorjahreszeitraum.

Der Revenue per Download (RPD) ist um einen knappen Dollar gestiegen, was angesichts der neu aufkommenden “Full-HD-Videos für 5 Dollar”-Agenturen ein beruhigendes Zeichen ist. Leider ist dafür der Return per Image (RPI) etwas gesunken.

Die genauen Werte könnt ihr in der Tabelle unten sehen. Grün markiert die Agentur mit dem besten Wert in der Spalte, rot die mit dem schlechtesten. Änderungen gibt es wenige, neu 123rf, die erst seit letzten Jahr dabei sind, haben trotz weniger Videos in meinem Portfolio vom Umsatz schnell aufgeholt und sich an den vierten Platz gesetzt. Ich sollte da endlich den Rest meiner Videos hochladen.

Pro Monat habe ich mit den Videos demnach knapp über 800 US-Dollar, also ca. 593 Euro Umsatz gemacht. Meine Faustregel von einem Dollar pro Video und Monat bleibt damit weiterhin gültig.

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Wie sich meine Umsätze mit den Videos im monatlichen Durchschnitt pro Jahr entwickelt haben, seht ihr in dieser Grafik. Ein erfreulicher Trend, eigentlich…

Umsätze mit meinen Videos im monatlichen Durchschnitt

Umsätze mit meinen Videos im monatlichen Durchschnitt

Ziele

Mein selbstgesetztes Ziel, 1000 Dollar pro Monat mit Videos zu verdienen, habe ich leider klar verfehlt. Auch die 350 neuen Videos pro Jahr habe ich nicht erreichen können, auch wenn ich deutlich mehr produziert hatte als im Jahr davor. Deshalb bleiben die Vorjahresziele gültig und ich werde versuchen, diese Marken im nächsten Jahr zu knacken.

Die Zukunft

Die Zukunft sehe ich – zumindest für mich – im Videobereich leider nicht so rosig.

Meine Überlegung bei dem oben gezeigten Uni-Shooting war: Ich nehme ein gut verkäufliches Thema, was ich schon mal als reines Foto-Shooting konzipiert hatte und mache es als Video-Shooting. Weil ich ein Angsthase bin, konnte ich es aber nicht lassen, und habe am Ende der Video-Session noch einige Fotos zur Sicherheit gemacht, unter schlechteren Bedingungen, weil die Beleuchtung auf Dauerlicht ausgelegt war.  Am Ende hatte ich 50 Video-Clips und 18 Fotos. Sowohl bei Shutterstock als auch bei Fotolia ist der Bestseller dieser Session jedoch ein Foto und selbst unter den Top 10 der Dateien mit den meisten Einnahmen befinden sich jeweils 7 Fotos bei beiden Agenturen. Mit anderen Worten: Ich hätte deutlich mehr verdient, wenn ich mich nur auf die Fotos konzentriert hätte.

Diesen Effekt konnte ich nicht nur bei dieser Video-Session, sondern auch bei zwei anderen Sessions beobachten, wo ich eher nebenbei einige Fotos gemacht hatte. Kombiniert mit dem Fakt, dass ich für Videos deutlich teurere Ausrüstung benötige und die Arbeitszeiten bei der Aufnahme, der Bearbeitung und dem Hochladen deutlich länger sind, stimmt mich das Ergebnis sehr nachdenklich.

Dazu kommt, dass die technische Entwicklung im Video-Markt deutlich schneller voranschreitet, als meine Ausrüstung mithalten kann. Sowohl 123rf als auch Pond5 bieten seit diesem Jahr schon 4K-Videos an und die Kameras dafür werden zum Beispiel mit der Blackmagic Production 4K* für unter 3000 Euro erschwinglich. Pond5 bietet zusätzlich schon Videos im Redcode RAW Format (R3D) an, welches das Raw-Format der RED Videokameras ist und 3D-Videos halten in Kinos Einzug. Angesichts dessen, dass sich Videos bei mir deutlich weniger gut amortisieren als Fotos, scheue ich mich dafür, diese Kosten in vierstelliger Höhe zusätzlich auszugeben. Der Kompromiss, FullHD-Videos mit meiner Foto-Kamera Canon 5D Mark III* zu machen, erscheint mir das noch als passable Notlösung.

Der dritte Punkt zeigt die Abhängigkeit von Google auch im Videomarkt. Zwei meiner sieben Agenturen, namentlich Revostock und Clipcanvas haben durch Änderungen der Such-Algorithmen bei Google im Jahr 2012 viel Traffic verloren, was sich in deutlich weniger Verkäufen niederschlug. Das geht soweit, dass die Zukunft der beiden Agenturen am seidenen Faden hing und wahrscheinlich immer noch hängt.

Wie seht ihr die Zukunft im Videomarkt und wie entwickeln sich eure Video-Verkäufe?

* Affiliate

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 34

Um meinen Rückstand aufzuarbeiten, gibt es nach kurzer Wartepause eine weitere Folge “Pimp My Stock!” zu lesen. Wer daran arbeiten will, diese wieder zu verlängern, findet hier alle Infos. Wer die Serie noch nicht kennt: Bei “Pimp My Stock!” können Leserinnen und Leser mit Fotos einschicken für eine Bildbesprechung. Ich sage jedoch nicht, ob ein Bild “hübsch” oder “interessant” ist, sondern lege meinen Fokus darauf, ob und warum es sich als Stockfoto verkaufen könnte bzw. warum eben nicht. Wenn es passt, gebe ich auch Tipps zur Verbesserung der Bilder.

Nach Michael und Michaela ist heute ist Mischa an der Reihe. Ich verspreche, danach kommt mal ein anderer Vorname.

“Hallo Robert,

ich bin 27 Jahre alt, ich habe vor etwa 5 Jahren angefangen mit der Fotografie und mir damals eine 450D gekauft. Zwischendurch hatte ich dann komplett wegen Krankheit mit dem Fotografieren aufgehört, bis Februar 2013 als ich mir eine Canon 7D zulegte und 2 Objektive. Ich weiß, es gibt viele, die von den Tamronobjektiven nichts halten, jedoch habe ich mich nach längerem Durchlesen von Foren und Testberichten dazu entscheiden, mir diese zu kaufen.

Meine Ausrüstung besteht aus:
Canon 7D
Tamron 90mm f/2.8 DI VC
Tamron 70-200 f/2.8 DI VC
Canon Speedlight 430 EX II

Vor ein paar Wochen bin ich durch Zufall auf Stockfoto-Seiten und auf deine Seite gestoßen, was mich nach Lesen und Informieren dazu brachte, mir dein Buch zu kaufen.  Ich habe auch damit angefangen, bei 1-2 Agenturen Bilder hochzuladen und diese sind auch angenommen worden.

Doch ich frage mich, warum ich z.B. bei Fotolia so wenige Views habe, habe ich beschissen verschlagwortet oder einfach nur schlechte Motive?

Deswegen wollte ich dir für deinen Blog zur Bewertung einige Fotos zukommen lassen, um von deinen Lesern und natürlich auch Dir mal kritisiert zu werden.

Nachtrag:
Ich habe eben gesehen, dass ich bei Fotolia ein Bild verkauft habe und bei 123rf gleich 4 :)

Ich würde mich sehr freuen, wenn du mich bei Pimp my Stock aufnehmen würdest, damit ich bewertet werde und auch Kritik bekomme, die ich natürlich positiv verwerten werde.

Die Bilder die ich dir zukommen lasse sind alle bei den Agenturen aktiv.

Bei Fotolia wurde das Bild “folder 10″ einmal verkauft, bei 123rf wurde “folder 17″ 2 mal verkauft, “ahorn” 1 mal und “raindrops_leaf” 1 mal.

Würde mich über eine positive Rückmeldung freuen.

Mit freundlichen Grüßen,
Mischa”

Dann legen wir los:ahornDas erste Bild zeigt einen Bonsai-Ahorn. Perfekt freigestellt gibt es sicher einige Designer, welche damit etwas anfangen können. Ich bin kein Experte auf dem Gebiet, das können andere Leute besser, aber auf den ersten Blick wirkt für mich der Wachstum der Pflanze nicht harmonisch und das Gefäß gefällt mir nicht. Das Bild wird somit kein Bestseller werden, aber es ist solide genug, um die Chance auf einige Verkäufe zu haben.

Candy
Dieses Foto zeigt bunte Fruchtgummis. Jedoch sind diese weder liebevoll arrangiert noch spannend beleuchtet. Auch bei der Auswahl selbst hätte sorgfältiger gearbeitet werden müssen: Rechts unten ist am grünen Fruchtgummi zu erkennen, wie die Oberfläche aussehen sollte, bei den anderen grünen rechts ist das aber nicht der Fall. So wirkt das Foto mehr wie ein Schnappschuss als ein gutes Stockfoto. Liebevoll arrangierte Süßigkeiten sehen so oder so aus.

folder10
Die Ecke eines blauen Aktenordners: Kann man mal machen, ist technisch okay, aber was sich hier eindeutig besser verkaufen würde, wäre eine Serie, wo statt “Ordner” verschiedene Konzepte wie “Finanzen”, “Versicherung”, “Vorsorge” oder “Kredit” auf den Ordnerrücken geschrieben worden wären. Warum das Foto eher “so lala” ist, erkläre ich am Ende des Artikels.

folder17
Ein gutes Symbolfoto zum Thema Chaos, Bürokratie und Überarbeitung: Viele volle Aktenordner auf einem Haufen. Kann sich verkaufen, die Einschränkung wie schon erwähnt kommt gleich.

garlic
Drei Knoblauchknollen vor einem grauen Hintergrund. Alle Fotos wurden mir von Mischa sehr komprimiert geliefert, deswegen gehe ich davon aus, dass die Treppcheneffekte im Originalbild nicht vorhanden sind. Denn insgesamt gefällt mir der Bildaufbau und das Licht. Für ein gutes Stockfoto jedoch hat das Bild vielleicht schon etwas zuviel vom Vanitas-Gedanken, sprich: Man sieht dem Knoblauch seine irdische Vergänglichkeit an. Üblicher bei solchen Fotos ist es, zusätzlich eine einzelne Knoblauchzehe aus der Knolle zu lösen, weil es den Aufbau der Gewürzpflanze besser illustriert.

grinderEine Schleifmaschine bei der Arbeit: Das Motiv ist ein gutes Stockfoto, weil es für Handwerk und Industrie steht, aber die Umsetzung hier kann noch verbessert werden. Zum einen wäre es nicht nötig gewesen, die Hand abzuschneiden und zweitens ist leider auch nicht so gut erkennbar, was genau geschliffen wird. Außerdem bin ich mir auch nicht sicher, ob der Arbeitsschutz hier keine Handschuhe verlangt hätte. Am linken Rand hätte ich die Maschine digital vom Schmutz befreit, aber bei einer redaktionellen Nutzung kann dieser sogar erwünscht sein, weil das Bild dann “echter” aussieht. Im kommerziellen Bereich wird der saubere Look bevorzugt.

raindrops_leaf
Wassertropfen auf einem grünen Blatt: Ganz nett, aber weder spektakulär noch gut verkäuflich. Solche ähnlichen Motive gibt es bei kostenlosen Bilddatenbanken wie Flickr oder Pixelio zuhauf, weil sich gerne Hobbyfotografen daran versuchen.

roses
Rose mit Wassertropfen? Bitte nicht. Und wenn, dann bitte wenigstens die braunen Stellen an den Blüten retuschieren.

tools
Das Wort “Tools” aus Werkzeugen auf einer USA-Fahne: Das Bild gefällt mir ausgesprochen gut, es kann sicher zu Themen wie “Made in the USA”, “Do It Yourself” und so weiter eingesetzt werden. Von diesem Motiv bieten sich auch verschiedene Varianten an, wo die Werkzeuge andere Wörter wie “USA”, “DIY”, “Work” etc. bilden. Mich stört im Detail nur, dass beim zweiten “O” oben und unten die Schraubenschlüssel so klein sind, dass der Buchstabe nicht so gut erkennbar ist.

Bis auf dieses Bild und das mit der Hand wirken alle Bilder auf mich so, als hätte jemand nur in seiner unmittelbaren Umgebung paar Schnappschüsse gemacht, um seine neue Kamera zu testen. Das ist ein sehr übliches Vorgehen, führt aber logischerweise dazu, dass genau diese Motive, die viele Leute in greifbarer Reichweite haben (Ordner, Rose, Süßigkeiten, Gewürze) im Überfluss vorhanden sind, meist auch in sehr guter Qualität.

Um sich davon abzugrenzen, muss sich ein Stockfotograf etwas mehr Mühe geben, zum Beispiel, indem – wie schon erwähnt – bei dem Ordner die Konzepte auf den Rücken geschrieben werden oder die Süßigkeiten aufwändiger und sorgfältiger zusammengestellt werden.

Wie findet ihr die Fotos? Welche Tipps könnt ihr Mischa geben?

Frage von Photography Q & A – Welche Blitze nutzt Du?

Im Rahmen meiner Rezension des Buchs “Photography Q & A” hatte ich euch Leserinnen und Leser zu Fragen in den Kommentaren ermuntert.

Einige dieser Fragen will ich in loser Folge beantworten. Fangen wir mit Manne an, der fragte:

“Nutzt du eher natürliches vorhandenes Licht oder Blitze?
Wenn Blitze, was ist dein Lieblingslichtformer?”

Klare, einfache Fragen.

Früher hatte ich Angst vor Blitzen. In meinen Augen waren sie unberechenbar. Ich fotografierte lieber Blumen und Landschaften.

Als ich dann jedoch Ende 2005 das erste Mal begann, Menschen für Bildagenturen zu fotografieren, nahm ich als Lichtquellen zuerst auch keine Blitze, sondern erst weißes Papier als Aufheller für das Tageslicht, dann baute ich mir abenteuerliche Konstruktionen aus billigen Baustrahlern mit weißen Bettlacken als Diffusor. Im Nachhinein betrachtet sehr gefährliche, aber unschlagbar billige Aufbauten. Trotzdem hatten sie den Vorteil, dass es Dauerlicht war und ich mich nicht um Blitze kümmern musste. Schnell merkte ich aber, dass Halogenlicht von der Farbtemperatur und Lichtleistung ungeeignet für schöne Portraits ist.

Ich kaufte mir also ein paar Studioblitze und arbeitete mich langsam in das richtige Blitzen ein. Für das Verständnis sehr geholfen hat mir neben Tutorials im Internet auch das Buch “Heute schon geblitzt?“, was sich vor allem mit den kleinen Systemblitzen beschäftigt und einem gut die Angst für diesen heimtückischen Lichtwerfern nehmen kann.

Outdoor-Foto
Heute bin ich zwar sicher immer noch kein perfekter Blitzfotograf, weil die Lichtanforderungen der Stockfotografie (helles, weiches Licht) relativ einfach sind und mich nicht aus meiner “Komfortzone” zwingen. Trotzdem merke ich, dass ich mich ein Shooting ohne künstliche Lichtquellen kaum noch zu planen traue.

Im Studio arbeite ich immer mit einer großen Octobox* an einem Studioblitz (500W), meist mit 90 cm Durchmesser, manchmal auch mit 150 cm.

On location, also in anderen Räumlichkeiten als meinem Studio nehme ich immer diesen Blitzaufbau für entfesseltes Blitzen. Von diesem Aufbau habe ich meist zwei Versionen gleichzeitig im Einsatz, mit eine 60x60cm und eine mit 38x38cm-Softbox. Beim Shooting sieht das dann so aus wie hier. Dieser Aufbau hat den großen Vorteil, dass ich nicht nach Steckdosen suchen muss, niemand über Kabel stolpert und alles so leicht und kompakt ist, dass es auch ohne Auto im Koffer transportieren kann. So sieht das dann aus.

Ich liebe die Lastolite-Softboxen*, sowohl was die weiche Lichtwirkung als auch den unschlagbar einfachen und schnellen Auf- und Abbau angeht. Da bin ich richtiggehend verwöhnt und ärgere mich jedes Mal, wenn ich die widerspenstigen Stäbe in mein Studio-Softbox frimmeln muss.

Wenn ich komplett draußen fotografiere, kommt entweder der obige Blitzaufbau mit nur einem Blitz zum Einsatz oder noch öfter einfach nur dieser Ringblitz auf Aufheller und zur Kontrastkontrolle. Gegenüber dem entfesselten Blitzen hat der Ringblitz den Vorteil, dass er bei Wind nicht einfach umkippt, dass ich nicht immer bei einem Ortswechsel von einigen Metern den Blitz umstellen oder mitnehmen muss und er ist auch zusammengepackt noch mal viel kompakter.

Wenn ich die Ausgangsfrage gestellt würde: Wie würdet ihr sie beantworten?

* Affiliate

Gefahren des Weiterverkaufs digitaler Daten für die Stockfotografie

Seit paar Jahren geht ein Gespenst um: Es heißt “Wiederverkauf digitaler Daten” und erschreckte zuerst große Software-Konzerne wie Microsoft.

Schon 2008 versuchte Microsoft, den Wiederverkauf seiner Software durch andere Händler zu unterbinden und bekam zuerst Recht, weil der Konzerne keine digitalen “Waren” verkaufte, sondern nur “Lizenzen“. Schon 2012 kippelte diese Notlösung jedoch durch ein EU-Gerichtsurteil.

Auch in den USA treibt das Gespenst sein Unwesen. Am 2. Juni 2014 gab es im US-Repräsentantenhaus vom “Justiz-Unterausschuss für geistiges Eigentum und dem Internet” eine Anhörung zum Thema “Digitaler Wiederverkauf“, in den USA auch als “First Sale Doktrin” bekannt.

Quelle: Offizielle Facebook-Webseite des

Die Anhörung über den digitalen Wiederverkauf des US-Justiz-Unterausschusses (Quelle)

Die schriftlichen Stellungnahmen verschiedener Interessengruppen können unter dem oben genannten Link selbst nachgelesen werden, darunter finden sich die Software-Firma ReDigi, die New York Public Library, ein Verlagshaus, ein Hollywood-Manager und auch der Grafikdesigner Ed Shems, der im Auftrag der Graphic Artists Guild spricht, welche wiederum Mitglied der Copyright Alliance ist. Seine Stellungnahme ist hier nachlesbar. Ich erwähne das so ausführlich, weil Es Shems derjenige ist, der den Interessen von Stockfotografen und Bildagenturen am nächsten steht.

Die meisten Stellungnahmen vor dem US-Repräsentantenhaus plädierten eher für eine Beibehaltung der bisherigen Regelungen, nur John Jossenmacher von der Firma ReDigi sprach sich für eine Änderung aus, was naheliegend ist, weil seine Firma mit der digitalen Rechteverfolgung ihr Geld verdient und daran der Bedarf bei erlaubten Weiterverkäufen digitaler Medien deutlich steigen würde.

Aber weil die Stockfotografie ein sich sehr schnell wandelnder Markt ist, wollen wir uns anschauen, was in der Praxis passieren könnte, wenn der Weiterverkauf digitaler Daten erlaubt sein würde.

Konkret: Was würde passieren, wenn jemand die Lizenz für eine Stockfoto-Nutzung kauft und diese weiterverkaufen kann, wenn er diese nicht mehr benötigt?

Im Grunde würde das entweder den Microstock-Markt zusammenbrechen lassen oder die Preise würden derart steigen, dass man nicht mehr von “Microstock” reden könnte, sondern wieder zurück bei den alten “Macrostock”-Preisen und Lizenzmodellen wäre.

Microstock ist nur finanziell lohnend, wenn viele Verkäufe generiert werden können. Wenn jedoch jemand ein Microstock-Foto kaufen könnte und dieses dann weiterverkaufen dürfte, sobald er es nicht mehr braucht, würde das weitere Verkäufe kannibalisieren. Außerdem hätte dann auch der zweite Käufer wiederum das Recht, das Bild einem Dritten zu verkaufen und so weiter. So wäre es problemlos möglich, dass ein Bestseller hundert Mal verkauft wird, der Fotograf aber nur ein Mal entlohnt wird.

Spannend ist auch die Frage, ob es dann erlaubt wäre, mit einem Abo sozusagen als “Wiederverkäufer” für andere Leute Bilder brauchen, welche sonst diese mit teureren Credits bezahlt hätten. Solche Angebote gibt es sogar schon, sind derzeit aber illegal und werden von den Agenturen aus gutem Grund streng verfolgt, weil diese bei voller Ausnutzung eines Abos jetzt meist schon draufzahlen.

Vielleicht würde dann der Verkauf von Abonnements von den Agenturen eingestellt werden. Vielleicht haben die Agenturen aber auch die Hoffnung, dass die Preise so niedrig sind, dass der logistische Aufwand eines Weiterverkaufs sich nicht lohnen würde. Letzteres glaube ich jedoch leider nicht, weil es vielen Leuten schon immer egal war, ob es sich finanziell lohnt, für einige Cent Ersparnisse eine halbe Stunde länger mit dem Auto zu einem anderen Supermarkt zu fahren und durch den höheren Spritverbrauch im Endeffekt doch mehr zu bezahlen. Dazu kommt, dass Amazon sich schon ein Patent auf einen “Second-Hand-Markt” für digitale Dateien gesichert hat und Apple sich ebenfalls um ein Patent in dieser Richtung bemüht.

Ein weiterer logistischer Alptraum wäre es, die Gültigkeit einer Nutzungslizenz zu überprüfen. Wenn die Wiederverkaufskette theoretisch endlos sein könnte, würde der Aufwand ins Unermessliche steigen, um zu kontrollieren, ob die Kette wirklich lückenlos ist. In der Praxis hieße es: Es wäre nicht mehr nachvollziehbar, ob ein Stockfoto legal genutzt würde.

Das wiederum könnte zwei Entwicklungen zur Folge haben: Unter diesem Druck könnten erstens vielleicht endlich nutzbare digitale Wasserzeichen oder andere Methoden sich etablieren, welche die Gültigkeit einer Bildlizenz autmatisiert kontrollieren und anzeigen. Zweitens würde sich vielleicht noch weiter das Streaming von Bildern verbreiten, wo ein Weiterverkauf nicht möglich ist oder nicht notwendig, weil die Bildanzeige sowieso kostenlos wäre und zum Beispil über Werbung gegenfinanziert.

Zweitens könnte das ein Ansteigen von Auftragsarbeiten an Fotografen bedeuten, wenn viele Motive als Stockfoto so teuer würden, dass es keinen finanziellen Vorteil gegenüber einer Auftragsproduktion gäbe. Das wäre vielleicht das einzig Positive, wo diese doch seit Jahren über wegbrechende Aufträge wegen Stockfotos jammern.

Wie seht ihr die Entwicklung?

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 33

Schnapszahl! Nie hätte ich gedacht, dass wir auf so viele Folgen kommen würden, als ich vor sechs Jahren die erste “Pimp My Stock!”-Folge geschrieben habe.

Dieses Mal ist Michaela an der Reihe und sie hat sogar – vielleicht zur Feier des Tages – einige sehr schöne Fotos mitgebracht. Sie schreibt:

“Hallo Robert,

mein Name ist Michaela Brandl. Ich fotografiere seit 8 Jahren und seid geraumer Zeit stelle ich meine Bilder bei diversen Microstockagenturen ein (iStock, Fotolia, Shutterstock, usw.). Ich verwende eine Canon EOS 60D. Ich würde gerne einmal eine Fachmeinung zu meinen Bildern hören und würde mich freuen, wenn du sie in deine Pimp my Stock Serie aufnehmen würdest.

Vielen Dank schonmal vorab und mit freundlichen Grüßen,
Michaela Brandl”

Fangen wir mit dem ersten Bild an:

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Einige Tulpen mit gezacktem Rand: Generell sind Blümchenbilder ein schwieriges Stockmotiv, weil das Angebot die Nachfrage deutlich überwiegt, aber durch den Kniff mit der kleinen Tafel im Bild erleichtert das Foto den Designern das Einfügen von Text und somit räume ich dem Foto trotzdem einige Verkaufschancen ein.

Die Tafel hätte im Bild sogar noch größer sein können und andere Fotografen haben auch finanziellen Erfolg damit, den Designern auf den Tafeln gleich Textvorschläge mitzuliefern wie “Am 11. Mai ist Muttertag”, “Frohe Ostern” oder “Alles Liebe!”. Damit vergrößert man das Portfolio und erreicht auch Kunden, welche den Text nicht selbst einfügen können oder aus Zeitgründen nicht wollen.

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Die leuchtende Straßenlaterne ist ein schwierigeres Motiv. Der Bildaufbau passt und links ist genug Textfreiraum. Irgendwie werde ich aber den Eindruck nicht los, dass das Foto leicht nach rechts kippt. Der Hintergrund ist mir auch schon etwas zu dunkel und durch den starken Kontrast zwischen der strahlenden Lampe und dem dunklen Hintergrund kann es leicht zu Bildfehlern kommen, welche die Bildredakteure gerne als Vorwand nehmen, um so ein Foto abzulehnen.

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Dieser Waldbeeren-Joghurt ergibt ein sehr schönes Stockfoto. In meinen Augen ist er fast perfekt: Spannender Bildaufbau, dezentes Licht und moderne Food-Bildsprache. Spontan sehe ich nur zwei kleine Details, die verbessert werden könnten. Die Gabel links unten in der Ecke ist als solche nicht zu erkennen und lenkt dadurch etwas ab und das Metall ist sowieso überstrahlt. Auch bei der Auswahl des Minzblattes hätte Manuela etwas mehr Vorsicht walten lassen können, weil sich das linke Blatt unschön rollt.

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Der Flammkuchen mit Lachs hat ebenfalls gute Verkaufschancen. Auch hier sind Licht, Bildkomposition und Dekoration so, wie es in den aktuellen Food-Zeitschriften der Trend ist. Links stört mich wieder das überstrahlte Licht im Wasserglas, da hätte das Licht bzw. der Aufbau vielleicht etwas verrückt werden können.

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Die beiden Weingläser auf der Küchenzeile fallen wieder etwas ab. Das Bild ist – bis auf einen leichten Rotstich – technisch okay, was vor allem bei dem spiegelnden Glas nicht so einfach ist. Aber es fehlt die eindeutige Bildaussage, weil es weder für Catering, den gemütlichen Abend zu zweit, Alkoholismus oder den Abwasch richtig passt.

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Für den Erdbeer-Himbeer-Joghurt gilt das gleiche wie oben: Sehr zeitgenössisch fotografiert und damit sehr verkäuflich.

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Bei der Forelle mit Zitrone und Zwiebeln bin ich nicht ganz so enthusiastisch. Vom Bildaufbau gefällt es mir und sieht nach einem ansprechenden Food-Foto aus, aber irgendwie will mir das Licht nicht zusagen. Es ist weder dieses helle, sonnendurchflutete Bild, noch das dunkle, rustikale Licht, was bei diesen klassischen Gerichten gut passen würde.

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Die beiden Freundinnen im Café überzeugen mich nicht, aber da bin ich auch besonders kritisch durch meine eigenen Erfahrungen in der People-Fotografie. Zuerst fällt auch, dass das Lächeln der beiden Frauen gekünstelt wirkt, wie dieses “Schaut mal her, ich will ein Foto machen”. Hier ist es Aufgabe der Fotografin, Witze zu erzählen, sich selbst zum Affen zu machen oder einfach eine so heitere Stimmung zu erzeugen, dass das Lachen echt wirkt.

Bei der Kleidung lenken die Schals zu sehr vom Gesicht ab und die Verteilung passt nicht: Die blonde Person hätte das dunklere Oberteil und andersrum anhaben sollen, damit es nicht so ein starkes Hell-Dunkel-Gefälle im Bild gibt. Bei der blonden Frau lenkt auch der Schmuck im Haar, Ohr und am Hals ab. Die Haare sind ebenfalls nicht optimal: Bei der Brünetten fallen sie ungünstig auf die Schulter, bei der Blondine sind unschöne dunkle Ansätze am Ende zu erkennen. Hier ein Beispiel* von einer meiner Fotoshootings.

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Bei diesem Glamour-Foto einer Brünetten wirkt das Lachen auf jeden Fall besser. Aber weil es eben Glamour sein soll, stimmt dann doch einiges nicht: Der Hintergrund wirkt zu platt und unprätentiös, ist aber auch nicht hell genug für einen Freisteller mit den sichtbaren Schatten Für ein Lifestyle-Foto hingegen stört der gezackte Schmuck zu sehr und schwarz passt das nicht so gut, weil das zu viel Licht und Konturen schluckt. Also weder Fisch noch Fleisch.

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Das letzte Mädchen hat ebenfalls ein leicht gezwungenes Lächeln auf dem Gesicht. Hände und Haare gefallen mir ganz gut, aber ich hätte die Kamera 1-2 Zentimeter nach unten bewegt, um die Ellenbogen komplett aufs Bild zu bekommen. Auch fehlt mir etwas die Aussage. Im Hintergrund scheint ein Küche zu sein, aber weder das Thema “Essen” noch “Essen zubereiten”, “Einkauf auspacken” oder ähnliches werden angeschnitten.

An dieser Stelle kurz Werbung in eigener Sache: Viele Tipps zur Arbeit mit Models, damit die Fotos authentischer und überzeugender wirken, finden sich in meinem gleichnamigen Buch “Die Arbeit mit Models“*.

Vor allem die Food-Bilder gefallen mir schon ausgesprochen gut und kann mir diese auch gut in einer spezialisierten Macrostock-Agentur wie Stockfood vorstellen.

Was sagt ihr zu den Fotos?

* Affiliate

Beschleunigung für die Foto-Entwicklung durch PFixer.Lr (Gastartikel)

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Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 32

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