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Lohnt sich Kickstarter für Fotografen?

In den letzten zwei Jahren habe ich insgesamt elf Kickstarter-Projekte finanziert.

Bevor ich weitermache, sollte ich einigen vielleicht kurz erklären, was “Kickstarter” überhaupt ist.

Kickstarter ist der Name einer Webseite, welche “Crowdfunding” betreibt. Das heißt, Unternehmer, Gründer oder Kreative können auf der Kickstarter-Plattform ihre Idee vorstellen und das Publikum um Geld für die Finanzierung und Realisierung ihrer Idee zu bitten. Als Gegenleistung erhalten die “Backer”, wie die Investoren auf der Seite genannt werden, meist das fertige Produkt zu einem vergünstigten Preis und/oder andere Gimmicks. Ausführlicher wird das Prinzip hier erklärt.

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Was  hat das mit Fotografie zu tun?

Von den elf unterstützten Projekten hatten zehn im weiteren Sinne und acht im engeren Sinne mit meiner Arbeit zu tun. Da war zum Beispiel Zubehör zur besseren Erstellung von Timelapse-Aufnahmen dabei über ein Mini-Stativ für Smartphones bis hin zu einem Lichtmesser für das iPhone und andere Spielereien.

Zehn der elf unterstützten Projekte haben die Finanzierungsphase abgeschlossen. Das heißt, der Unternehmer hat die geforderte Summe (meist sogar mehr) erhalten und kann sich daran machen, die Idee in die Realität umzusetzen.

Meine Erfahrungen mit Kickstarter

Trotz der guten Quote sind meine Erlebnisse mit Kickstarter ernüchternd. Auch wenn die Finanzierung für ein Projekt steht, heißt das noch lange nicht, dass auch das Endprodukt je das Licht der Welt erblicken wird. Oft unterschätzen Kreative den Aufwand und auch die Kosten, der hinter der Erstellung eines Prototypen stehen oder berücksichtigen bestimmte Materialeigenschaften nicht. Wenn das Produkt nicht fertig wird, ist in der Regel das investierte Geld weg. Damit unterscheidet sich Kickstarter aber nicht von anderen Business-Investitionen, wo der Investor ebenfalls ein Risiko bis zum Totalverlust trägt.

Von den zehn finanzierten Projekten haben bisher zwei nicht liefern können, das wäre eine Ausfallquote von 20%. Glücklicherweise waren es beide Male nur Beträge unter 20 Euro.

Fast die Regel hingegen ist es, dass die versprochene Dauer bis zur Umsetzung immer überschritten wird. Manchmal sind es “nur” zwei bis drei Monate Verzögerung, aber manchmal dauert es ein halbes Jahr länger als geplant oder mehr. Beispielsweise habe ich eine Hülle für das iPhone 5 finanziert, die auch jetzt, wo ich schon das nächste Modell habe, noch nicht fertiggestellt ist.

Ein weiterer Punkt ist, dass sich die Wunschvorstellung manchmal doch stark von der Praxis unterscheidet. So habe ich einige Gadgets hier, die sich doch komplizierter bedienen lassen als ich mir das vorgestellt habe oder ich einfach nicht so oft den Bedarf habe, damit arbeiten zu müssen oder zu wollen. Sprich: Sie liegen bei mir im Regal und stauben voll. Vier der zehn Produkte habe ich noch nicht ein einziges Mal benutzen können, zwei davon liegen sogar unangetastet in der Originalverpackung rum.

Da habe ich mich manchmal durch die enthusiastischen Beispielvideos blenden lassen. Kombiniert mit dem “Countdown”, bis wann ein Projekt finanziert werden muss, löste das manchmal eine Torschlusspanik bei mir aus.

Wenn ein Produkt dann auf dem Versandweg ist, fangen die nächsten Probleme an. In der Regel haben die Unternehmer keine Ahnung von internationaler Logistik und erst recht nicht von den komplizierten zollrechtlichen Bestimmungen in Deutschland. Das führt so gut wie immer dazu, dass die fertigen Produkte ohne Rechnung außen am Paket geliefert werden. Aus deren Sicht auch verständlich, weil es ja keine Bestellung ist, sondern ein “Geschenk” für eine erfolgreiche Finanzierung.

Solche Details interessieren den deutschen Zoll aber nicht. Der Zoll fischt sich das Paket einfach raus und schickt stattdessen eine Aufforderung, sich beim zuständigen Zollamt einzufinden, um zu erklären, was für einen Schnickschnack man da importieren will. Da werden dann dicke Listen gewälzt, um herauszufinden, was genau das exotische Teil da ist. Oft ergebnislos, weil es ja eine neue Erfindung ist, die es nicht überall zu kaufen gibt. Im Zweifel einigen wir uns dann auf “sonstiges Fotozubehör” und ich werde noch mal ordentlich zur Kasse gebeten, denn der Zoll will Einfuhrumsatzsteuer.

Ein typisches Kickstarter-Paket, nachdem der deutsche Zoll damit fertig ist.

Ein typisches Kickstarter-Paket, nachdem der deutsche Zoll damit fertig ist.

Auf der Plus-Seite meiner Kickstarter-Erfahrungen steht, dass ich spannende Einblicke in die Entwicklung von Prototypen und die Schwierigkeiten beim Produktdesign und der Umsetzung einer technischen Skizze in ein fertiges Produkt erhalten habe.

Das wiegt aber den oben genannten Ärger für mich nicht auf, weswegen ich seit mindestens einem halben Jahr keine Kickstarter-Projekte finanziert habe. Sehe ich ein neues Kickstarter-Projekt, was mich wirklich reizt, füge ich es stattdessen zu meinen Internet-Lesezeichen hinzu, um alle paar Monate mal nachzuschauen, ob das Projekt realisiert werden konnte. Denn wenn das Projekt die Serienreife erreicht, kann es fast immer direkt über die Webseite oder einen Online-Shop gekauft werden. Zwar etwas teurer als bei Kickstarter, aber dafür sofort.

Einige mögen einwenden, dass ohne eine erfolgreiche Kickstarter-Finanzierung das Produkt vielleicht nie erschaffen würde. Das mag sein. Aber in der Praxis waren alle meine von mir finanzierten Projekte überfinanziert, hätten also das notwendige Geld auch ohne meinen Anteil eingesammelt.

Manchmal habe ich Kickstarter sicher zu sehr mit einer Einkaufsplattform verwechselt. Das ist sie nicht. Kickstarter ist eine Plattform zur Anschubfinanzierung. Wenn wir sie aber als solche betrachten, fällt die Dividende bei einer erfolgreichen Investition relativ gering aus: Eine einmalige Ersparnis beim Produktkauf, das sind vielleicht 20% Rabatt, maximal 50%, aber immer mit langer Wartezeit, Stress mit dem Zoll und zusätzlicher Einfuhrumsatzsteuer. Klassische Investoren hingegen sichern sich Prozente an der Firma und verdienen damit langfristiger deutlich mehr, haben aber durch hohen Kapiteleinsatz mehr Risiko.

Was sind eure Erfahrungen mit Kickstarter? Habt ihr coole Fotografie-Produkte gefunden, die ihr empfehlen könnt?

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 37

Wie angekündigt, möchte ich den „Pimp My Stock!“-Stau etwas auflösen, deshalb kommt hier gleich die nächste Folge die bei mir schon im Juni 2013 eintrudelte.

Ich freue mich, nach den teilweise leider sehr verbesserungswürdigen Bildern in einigen letzten Folgen heute ein deutlich höheres fotografisches Level präsentieren zu dürfen.

Sinan Muslu stellt sich am besten selbst vor in seiner Mail:

„Hey,

auf Grund eines „Pimp My Stock“ Eintrages habe ich mich entschieden, auch mal mitzumachen. Damit du nicht in alten Emails kramen musst, stell ich mich sogar noch mal vor ;)

Ich bin 29 Jahre alt, habe Industrie- und Werbefotograf in einem Werbefotostudio gelernt, und bin seit 8 Jahren im Beruf. Nach der Ausbildung habe ich noch eine Ausbildung zum Mediengestalter dran gehangen, und seit drei Jahren arbeite ich selbstständig als Fotograf in unserer eigenen Werbeagentur.

Ich fotografiere mit Canon und Hensel Technik, und mein erstes verkauftes Stockfoto ist glaube ich aus dem Jahr 2003, als ich mich bei photocase angemeldet habe.

Interesse für die Stockfotografie besteht schon immer, und nun ist es endlich so weit, dass ich auch was reißen will. Nicht 100% des Umsatzes mit Stock verdienen, aber wenn ich es schaffe, kleine stetige zusätzliche Einkünfte damit zu generieren, dann wäre ich zufrieden. Denn der Rest ist und wird auch primär die bezahlten Aufträge der Kunden bleiben.

Infos zu mir gibt es auch auf meinem Blog und meiner Tumblr-Seite.

Fotos zur Meinungsbildung findest du im Anhang. Querbeet. Sollten die ungeeignet sein, dann gib kurz Bescheid, aber eigens für Stock produziert sind bislang leider nur die Heidelbeeren, der Rest sind sonstige Arbeiten die mal zwischendurch entstanden sind…

Vielen Dank und viele Grüße,
Sinan“

Fangen wir an:

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Die junge Frau im Winter ist ein tolles Stockfoto. Das Portrait ist technisch perfekt umgesetzt und zusätzlich ist als Konzept auch das Thema „Winter“ enthalten und farblich ist alles gut abgestimmt. Kleine Verbesserungsvorschläge habe ich dennoch. Mir ist das Gesicht zu mittig angeordnet. Etwas weiter links wäre deutlich mehr Platz für Textfreiraum vorhanden. Wer ganz perfektionistisch ist, würde vor allem rechts die einzelnen abstehenden Haar retuschieren.

Noch ein Hinweis auf kaum sichtbare Stolperstellen, die man kennen muss, weil man sie sonst garantiert übersieht. Seht ihr die Metallknöpfe auf der linken Seite der Jacke? Dort steht oft noch mal der Markenname des Herstellers drauf. Je nachdem, ob dieser lesbar ist, ist das ein Ablehnungsgrund bei Bildagenturen. Deshalb auf jeden Fall in der 100% Ansicht betrachten und gegebenenfalls kurz mit dem Wischfinger-Werkzeug drüber.

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Agenturen sind mit guten Fotos von Wiesen und Landschaften gesättigt und da braucht es schon ein sehr perfektes Bild, um damit überhaupt in die Agentur reinzukommen, geschweige denn Verkäufe zu erzielen. Hier stehen die Chancen tatsächlich sehr gut, denn durch den geschwungenen Verlauf der Wiese, die Wolken mit dem Zoomeffekt und der leichten Überstrahlung rechts erhält das Bild eine Dynamik, die Bewegung und Leben ins Bild bringt. Ich finde, das ist das ein sehr gutes Stockfoto und mir fallen auch keine Verbesserungsvorschläge ein.

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Bei diesem Foto eines Cadillacs muss sehr darauf geachtet werden, ob Logos und Markennamen am Auto zu sehen sind. Ist das nicht der Fall, muss der Fotograf recherchieren oder hoffen, dass das Design selbst nicht (mehr) markenrechtlich geschützt ist, das kann ich konkret nicht einschätzen.

Wenn das geklärt ist, können wir uns dem Motiv zuwenden. Technisch wieder einwandfrei fotografiert, brauche ich nur zur Komposition etwas zu sagen. In den meisten Kulturen ist die Leserichtung von links nach rechts, was sich auf de Betrachtung von Fotos auswirkt. Unsere Augen scannen ein Bild von links nach rechts, aber die Ausrichtung des Autos nach links zieht unsere Augen immer wieder zurück.

Probiert es aus: Spiegelt das Bild vertikal, dadurch wird die Betrachtung deutlich harmonischer. Noch besser wäre es jedoch gewesen, den Wagen andersrum zu parken, weil dann der Blick automatisch auf die große graue Fläche gelenkt worden wäre, die einen perfekten Textfreiraum abgibt. Auch unten am Bild hätte man durch eine leichte Anhebung der Perspektive das Unkraut aus dem Bild verbannen können.

Abgesehen von den Punkten ist das Foto trotzdem ein gutes Stockfoto, weil es das Thema Luxus mit den Konzepten „Business“ und „Industrie“ verbindet.

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Bei diesem Portrait werden die meisten Bildagenturen sofort bemängeln, dass die Augen der Frau nicht scharf abgebildet sind. Dazu kommt, dass der enge Beschnitt die Beschneidungsmöglichkeiten für Grafiker einschränkt, was sich nachteilig auf Verkäufe auswirken kann. Der Spruch „Werbeträger“ über der Brust lenkt einerseits vom Gesicht ab und die deutsche Sprache ist zugleich eine regionale Beschränkung. Zwar suchen Designer gerne Shirts, auf die sie ihre Templates applizieren können, aber hier müssten sie zusätzlich erst den vorhandenen Text entfernen.

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Kirschblüten. Schön. Das ist ein Thema, an dem sich genug Hobbyfotografen – auch erfolgreich – abgearbeitet haben sodass die bestehende Konkurrenz sehr groß ist. Außerdem ist der Himmel überstrahlt, was einigen Agenturen nicht gefallen wird. Im Vergleich zu den anderen Bildern der Einsendung sind hier deshalb die Verkaufschancen deshalb vermutlich am geringsten.

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Mann mit Pelz: Mir gefällt der skurrile Stil, aber auch hier gilt, dass der Beschnitt am Kopf die Einsatzmöglichkeiten einschränkt. Die Wangen könnten leicht überstrahlt sein, dass könnte man vielleicht mit der RAW-Datei retten. Ansonsten: Cool. Charaktertypen abseits der 08/15-Modelgesichter werden von Bildagenturen händeringend gesucht.

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Leserinnen und Leser, die fleißig meinen Blog oder auch nur die „Pimp My Stock!“-Rubrik lesen, werden sicher sofort erkennen, was ich an dem Foto mit dem Schinkenbrot bemängeln werde? Genau, die Schrift und das Logo. Jeder halbwegs kompetente Designer könnte das Logo bei Bedarf selbst auf das Brettchen montieren, aber umgekehrt gibt es genug Leute, welche das Bild deshalb nicht kaufen werden. Für einen Kundenauftrag wäre das Foto super, als Stockfoto sollte es so universell wie möglich sein, deshalb ohne Logo und Text. Wenn wir uns das Logo (und den winzigen Fussel unten rechts) wegdenken, wüsste ich aber nichts, was ich noch zu bemängeln hätte.

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Kommen wir zu den Fotos, die Sinan explizit für Bildagenturen gemacht hat. Das Foto der Heidelbeeren ist sehr gut aus Stockfoto geeignet: Es ist reduziert auf das Wesentliche, hat viel Textfreiraum und der Baumstamm unterstützt das „Natürliche“. Ich hätte noch 2-3 Varianten mit verschiedenen Stoffservietten oder Unterlagen unter der Schale fotografiert.

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Bei den Heidelbeeren von oben nimmt der Baumstamm meines Erachtens zu viel Raum ein. Hier bietet sich ein quadratisches Format an. Ansonsten: Top. Mir gefällt auch, dass der Hintergrund ebenfalls einen dezenten Blauton hat.

Wenn wir uns die Fotos von Sinan im Vergleich zu einigen früheren Einsendungen anschauen, wird deutlich, dass eine gute Ausbildung und vor allem Praxiserfahrung auch in der Stockfotografie helfen können.

Ich bin mir sicher, dass Sinan es schafft, in Zukunft ein lukratives Portfolio bei Bildagenturen aufzubauen.

Was sagt ihr? Teilt ihr meine Einschätzung?

Für iStock-Exklusives: DeepMeta-Export mit dem Stock Photo Manager

In letzter Zeit gab es viele Gründe für exklusive iStock-Fotografen, über ein Ende der Exklusivität nachzudenken.

Im April wurde ein neues Abo-Modell eingeführt und im September wurde die komplette Preisstruktur über den Haufen geworfen.

Ich kenne einige Fotografen, die in den letzten Monaten den Schritt in die Nicht-Exklusivität gewagt haben. Die Fotografen Michael Zwahlen und Sean Locke haben ihre Erfahrungen gut zusammengefasst.

In Gesprächen mit exklusiven iStockern tauchten immer wieder zwei Hürden auf, um zu anderen Agenturen zu wechseln.

Zum einen dachten viele Fotografen, dass alle Agenturen genauso komplizierte und komplexe Upload-Systeme wie iStock haben, was das Beliefern von vier bis acht Agenturen zu einem zeitraubenden Alptraum machen würde. Das Gegenteil ist der Fall: iStock hat mit Abstand das umständlichste System und ehemals exklusive iStock-Fotografen werden in der Regel positiv überrascht sein, wie leicht das Hochladen von Bildern woanders ist.

Zum anderen haben damals viele exklusive iStock-Fotografen nicht das IPTC-Metadaten-System für ihre Suchbegriffe, Bildbeschreibungen und Titel genutzt, sondern stattdessen direkt bei iStock oder dem Tool DeepMeta verschlagwortet. Das rächt sich, wenn man andere Agenturen beliefern will, weil die Daten alle neu eingegeben werden müssen.

Der Programmierer und Fotograf Frank Merfort hat jedoch lange gearbeitet, um endlich eine Lösung für das zweite Problem zu finden.

Seine Stockfoto-Verwaltung-Software Stock Photo Manager kann jetzt seit der neusten Version (1.5.0) alle wichtigen Informationen aus DeepMeta auslesen und auch in den IPTC-Daten abspeichern. Der Stock Photo Manager läuft auf Windows, Mac und Linux.

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Auch wer bisher direkt auf der Webseite von iStock verschlagwortet hat, kann seine Metadaten exportieren. Dafür muss DeepMeta installiert werden, die Daten von iStock zu DeepMeta importiert werden und von da dann zum Stock Photo Manager.

Der Stock Photo Manager kann aber noch viel mehr: Sie erlaubt den Upload an viele verschiedene Agenturen, vielfältige Verschlagwortungsmöglichkeiten (unter anderem mehrsprachig), Model-Release-Verwaltung, Statistiken und vieles mehr. Für bis zu 200 Bilder und bis zu 3 Agenturen ist das Tool kostenlos, darüber hinaus muss eine Lizenz erworben werden, die sich für professionelle Fotografen allein durch die Zeitersparnis leicht rechnen sollte.

Frank hat mir zusagt, dass er in Kürze eine detaillierte Anleitung veröffentlichen wird, wie der Import von DeepMeta funktioniert, das werde ich dann nachreichen.

Das Microstock Geschäft: Wie viel lässt sich damit verdienen?

Kürzlich postete der Fotograf Luis Alvarez (und Stock Performer Gründer) einige Rechenbeispiele auf seiner Facebook-Seite, wo er vorrechnete, wie viel man mit Stockfotos verdienen könnte. Ich fragte ihn, ob er das nicht ausführlicher als Gastbeitrag für diesen Blog erklären will. Zusammen mit seinem Kollegen Oliver Rivo hat er für euch diesen Artikel geschrieben:

Vor kurzem unterhielt ich mich mit einem Freund, der in das Microstock Geschäft einsteigen wollte. “Hast du das wirklich vor?”, fragte ich ihn. “Warum nicht?”, antwortete er.

Seine Frage war durchaus berechtigt: Warum sollte er nicht in die Microstock-Welt einsteigen? Viele von uns haben miterlebt, wie es in dieser Industrie enger und die Konkurrenz härter geworden ist. Aber bedeutet das gleichzeitig, dass Newcomer keine Chance mehr haben?

Als wir uns mit dieser Frage beschäftigten, entstand die Idee eines einfachen Business Plan Rechners, der uns helfen kann, unsere Ziele zu definieren sowie Strategien zu entwickeln, sie zu erreichen. Im Spiel mit dem Rechner wurde uns bewusst, dass es tatsächlich möglich ist, als Neuling in das Microstock-Business einzusteigen. Und je nach Zielsetzung gibt es verschiedene Wege, das zu tun.

stock-photography-business-plan-rechnerZur Verdeutlichung schauen wir uns ein paar beispielhafte Strategien an.

Dein Business-Plan

Bevor du dich auf dein Microstock-Abenteuer begibst, müssen vier wichtige Entscheidungen getroffen werden:

  • Wie viele Bilder kannst du monatlich produzieren?
  • Wie viel kostet dich die Produktion eines Bildes?
  • Was sind deine monatlichen Fixkosten?
  • Wie viele Monate lang willst du deinen Produktionsplan durchziehen?

Die Antworten auf diese Fragen definieren deine Strategie. Ob du mit einem Team zusammenarbeitest, ob du Menschen oder Stillleben fotografierst oder ob du ein Studio mietest oder nicht – all diese Fragen müssen beantwortet werden.

Dein monatlicher Umsatz pro Bild (RPI/m)

Der zweitwichtigste Einflussfaktor ist der zu erwartende durchschnittliche Monatsumsatz für jedes Bild, das du produzierst. Es mag zwar unmöglich erscheinen, diesen Wert zu bestimmen, aber ob du’s glaubst oder nicht, man hat einen Einfluss auf den monatlichen Umsatz pro Bild, auch RPI/m (englisch für “Revenue per Image per Month”) genannt.

Der RPI/m definiert den Betrag, den du im Durchschnitt monatlich mit all deinen Bildern verdienst. Wenn zum Beispiel 500 deiner Bilder online sind und sie monatlich EUR 1.000 einbringen, dann liegt dein RPI/m bei EUR 2. Es geht immer um einen durchschnittlichen Wert, das heißt dass wenn du in einem Monat EUR 1.200 einnimmst und im nächsten Monat EUR 800, bleibt der RPI/m immer noch bei EUR 2.

Wenn du in großen Mengen Bilder minderwertiger Qualität produzierst, von denen sich viele ähneln, wirst du mit Sicherheit einen niedrigen RPI/m haben. Eine Ausrichtung auf Nischenthemen mit hoher Nachfrage und einer hohen Qualität dagegen wird zu hohen Umsätzen pro Bild führen.

Und natürlich gibt es jede Menge Varianten zwischen diesen zwei Extremen.

Der Business Plan Rechner

Um an diesen Geschäftsmodellen zu arbeiten, haben wir einen Business Plan Rechner entwickelt, der uns auf einen Blick zeigt, wie sich verschiedene Strategien entwickeln. Öffne ihn in deinem Browser und finde heraus, wie gut dein Business für dich funktioniert: https://www.stockperformer.com/calculator

Drei Beispielstrategien für den Einstieg in die Microstock-Welt

Der Business Plan Rechner hilft uns dabei, Strategien zum Einstieg in das Geschäft  mit Microstock zu untersuchen. Wir haben drei unterschiedliche Beispiele gewählt, alle bezogen auf die Produktion von Lifestyle Fotografie:

  • Die Microstock-Produktionsfirma
  • Der Vollzeit Solo-Fotograf
  • Der Freizeit Amateur-Fotograf

Strategie 1: Die Microstock-Produktionsfirma

Der Aufbau einer Microstock Produktionsfirma ist zeitintensiv und teuer, aber er erlaubt die Produktion einer großen Menge an Bildern. Wie würde so etwas aussehen?

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© Foto: Luis Alvarez

  • Wie viele Bilder kannst du monatlich produzieren?
    800 pro Monat.
  • Wie viel kostet dich die Produktion eines Bildes?
    Shootings können teuer sein. Geliehenes Equipment, Kleidung und Requisiten, Location-Miete, gute Models, all das kostet Geld. Dank eines großen Teams und guter Vorbereitung sollte es jedoch möglich sein, pro Shooting viele Bilder zu produzieren. Wir setzen die Kosten pro Bild bei EUR 25 an.
  • Was sind deine monatlichen Fixkosten?
    Eine Microstock-Produktionsfirma hat Angestellte, z.B. einen Produktionsleiter, der alles organisiert, einen Produktionsassistenten und eine Vollzeitkraft für die Retusche. Wir mieten außerdem ein Studio. Das kann EUR 6.000 kosten.
  • Wie viele Monate lang willst du deinen Produktionsplan durchziehen?
    Da die Startkosten sehr hoch sind, wollen wir mindestens 5 Jahre dabei bleiben. Wir setzen die Länge des Business Plans auf 60 Monate.

Welchen monatlichen Umsatz pro Bild können wir erwarten? Unser Produktionsbüro investiert hohe Summen in die Shootings, um die bestmögliche Qualität zu erzielen. Gute Vorbereitung erlaubt uns die Auswahl gefragter Themen. Für diese Strategie setzen wir als Beispiel einen RPI/m von EUR 1,50 an. Der Business Plan Rechner liefert folgende Ergebnisse:

  • Wir müssen EUR 268.800 investieren, bevor wir zum ersten Mal Geld verdienen!
  • Erst im vierten Jahr bekommen wir unsere Investition wieder herein und sind unterm Strich im grünen Bereich.
  • Nach fünf Jahren beträgt der Gesamtgewinn EUR 636.000. Das ist ein Return on Investment von 237%.

Der Aufbau einer Microstock-Produktionsfirma ist teuer und bedeutet harte Arbeit. Aber wenn man es richtig macht, kann man doch immer noch gutes Geld verdienen.

Strategie 2: Der Vollzeit Solo-Fotograf

Für unser zweites Strategie-Beispiel stellen wir uns vor, du bist ein einzelner Fotograf, der alles selbst organisiert und Vollzeit arbeitet. Hin und wieder gibst du Verschlagwortung und Photoshop-Arbeit an andere weiter.

© Foto: Luis Alvarez

© Foto: Luis Alvarez

  • Wie viele Bilder kannst du monatlich produzieren?
    200 pro Monat.
  • Wie viel kostet dich die Produktion eines Bildes?
    Shootings werden zwar so günstig wie möglich produziert, aber dennoch mit einem Fokus auf Qualität. Für einige deiner Bilder bezahlst du externe Dienstleister für die Verschlagwortung und Retusche. Wir setzen die Kosten bei EUR 10 an.
  • Was sind deine monatlichen Fixkosten?
    Wir gehen davon aus, dass du weitestgehend alleine arbeitest und kein Studio mietest. Da du Vollzeit arbeitest, musst du von Microstock leben. Gehen wir davon aus, dass du mit einem einfachen Leben zufrieden bist und EUR 1.800 brauchst, um all deine Rechnungen zu bezahlen.
  • Wie viele Monate lang willst du deinen Produktionsplan durchziehen?
    Als ein Solo-Fotograf kannst du nur 3 Jahre für dieses Business riskieren.

Angenommen du bist talentiert und kannst mit deinen begrenzten Möglichkeiten einen RPI/m von EUR 1,20 erzielen. Unser Business Plan Rechner kommt dann zu folgendem Ergebnis:

  • Du musst EUR 28.200 investieren, bevor du zum ersten Mal Geld verdienst!
  • Erst in der Mitte des dritten Jahres bekommst du deine Investition wieder herein und bist unterm Strich im grünen Bereich.
  • Nach drei Jahren beträgt der Gesamtgewinn EUR 23.040 und beziehst ein monatliches Gehalt von EUR 4.840.

Mit dieser Strategie wirst du ein paar Jahre lang kämpfen müssen, aber wenn du durchhältst, kannst du dich auf ein Monatsgehalt von knapp EUR 5.000 einstellen!

Strategie 3: Der Freizeit Amateur-Fotograf

Jeder von uns kennt einen Fotografen, der seine Urlaubs- und Hochzeitsbilder bei ein paar Agenturen hochlädt. Ist das eine sinnvolle Strategie oder nur Zeitverschwendung? Das können wir mit dem Rechner leicht überprüfen:

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© Foto: Luis Alvarez

  • Wie viele Bilder kannst du monatlich produzieren?
    100 pro Monat. Einfach die gesamte Karte hochladen.
  • Wie viel kostet dich die Produktion eines Bildes?
    Unser Amateur-Fotograf macht nur Urlaubs-, Familien- und Haustierbilder, so dass die Kosten pro Bild sehr niedrig sind. Wir wählen EUR 0.
  • Was sind deine monatlichen Fixkosten?
    Unser Amateur-Fotograf lebt hauptberuflich von etwas anderem, so dass von Microstock keine regelmäßigen Rechnungen bezahlt werden müssen. Fixkosten EUR 0.
  • Wie viele Monate lang willst du deinen Produktionsplan durchziehen?
    Um diese Strategie mit dem zweiten Szenario vergleichen zu können, wählen wir auch hier 36 Monate.

Bilder von Amateuren verkaufen sich auf dem heutigen Microstock-Markt nur schlecht. Mit Glück kann man einen RPI/m von 15 Euro-Cent erzielen.

Mit dieser Strategie kommt unser Business Plan Rechner zu folgendem Ergebnis:

  • Unser Amateur-Fotograf muss kein Geld investieren und macht von Beginn an Gewinn.
  • Nach drei Jahren konstanter Produktion hat unser Amateur-Fotograf insgesamt knapp EUR 10.000 eingenommen und verdient monatlich EUR 540.

Wenn deine Erwartungen nicht zu hoch gesteckt sind und du etwas Zeit hast und extra Taschengeld verdienen möchtest, kann die Arbeit als Amateur Microstocker durchaus ein nettes Nebeneinkommen bieten.

Unsere Tipps für deinen Erfolg

Alle drei Strategien zeigen, dass man mit Geduld und harter Arbeit im Microstock-Business auch heute noch ein gutes monatliches Einkommen erzielen kann. Der Business Plan Rechner verdeutlicht die verschiedenen Variablen, die deinen Erfolg beeinflussen.

Vor allem aber zeigt er, dass eine Variable den höchsten Einfluss auf deinen Gewinn hat: der monatliche Umsatz pro Bild (RPI/m). Du kannst noch so viele Bilder mehr produzieren oder deine Kosten pro Bild noch so senken: Ein schlechter RPI/m wird diese Anstrengungen immer zunichte machen. Andererseits, wenn du dich darauf konzentrierst, deinen RPI/m zu erhöhen, kann deine Microstock-Karriere sehr lukrativ sein. Finde es heraus! Spiele mit dem Business Plan Rechner selbst herum!

Wir bei Stock Performer haben es uns zum Ziel gesetzt, unseren Kunden zu helfen ihre Umsätze pro Bild zu erhöhen und damit ihren Gewinn zu maximieren. Ein paar wichtige Tipps, die wir unseren Kunden geben:

  • Konzentriere dich auf Agenturen, die gut darin sind, den Content zu verkaufen, den du produzierst.
  • Nutze Analytics Tools wie Stock Performer, um den Erfolg deiner Bilder zu messen und mehr von den Gewinnbringern zu produzieren. Verschwende keine Zeit an Bildern, die sich nicht verkaufen.
  • Nutze solche Analytics Tools, um herauszufinden, welcher Content auf welchen Agenturen gut läuft. Biete Bilder an der richtigen Stelle exklusiv an, um deinen Umsatz zu erhöhen.
  • Identifiziere Nischen, auf die du Zugriff hast.
  • Verfolge den Markt und welche Themen und Stile gefragt sind. Stock Performer hilft dir dabei, die kommenden und gehenden Trends zu erkennen, bevor die anderen Fotografen sie entdecken.

Wenn du mehr darüber lernen willst, wie Stock Performer dir helfen kann, deine Einnahmen zu maximieren, melde dich zu unserem Free Trial an oder schicke uns einfach eine Email: info@stockperformer.com.

Kriterien zur Auswahl von Imagebildern (Gastartikel)

Zwei Mal schon habe ich vom Buch “Grafik und Gestaltung” des Grafikers Markus Wäger geschwärmt. Damit ihr euch selbst vom Inhalt überzugen könnt, hat mir Markus erlaubt, eine Leseprobe zu veröffentlichen und ich habe mir die Kapitel 5.3.5 und 5.3.6 rausgesucht, die meiner Meinung nach für uns Stockfotografen direkt hilfreich sind. Ich habe aber nicht alle Bilder übernommen, weil das zuviel gewesen wäre. Los geht’s, ab hier schreibt Markus:

Kriterien zur Auswahl von Imagebildern

Ich kann keine verbindlichen Rezepte für die Auswahl perfekt funktionierender Imagebilder liefern. Gerade wenn Menschen im Bild sind, sind die Emotionen, die sie auslösen, von Betrachter zu Betrachter verschieden. Genau wie jeder andere Mensch reagiere auch ich subjektiv auf die abgebildeten Personen und es ist nicht unwahrscheinlich, dass Sie hier Bilder von Personen finden, die ich als besonders ansprechend empfinde, die Ihnen unsympathisch sind. Ich kann aber ein paar Kriterien nennen, die ich zur Auswahl von Bildern heranziehe und die Sie als Basis für Ihre Bildbeurteilungen nutzen können. Wie so oft gilt : Schon die bewusste Auseinandersetzung mit einem Gestaltungsaspekt wird Sie zu besseren Resultaten führen.

Authentizität der Darsteller | Sind die Typen glaubwürdige Charaktere ? Nehmen Sie Ihnen ihre Rollen ab ? Kann sich Otto Normalverbraucher beziehungsweise die anvisierte Zielgruppe mit ihnen identifizieren? Auch wenn das Gesicht eines eingekauften Imagebildes für die Mitarbeiter des Unternehmens steht, sollte der Typ glaubwürdig sein und nicht zu sehr wie ein geschniegeltes Modell daher kommen. Nichts gegen gestylte Modelle, doch nicht jede Kommunikationsaufgabe lässt sich mit Ihnen authentisch illustrieren. Die Professionalität der Modelle hingegen ist Um und Auf. Nur Profis spielen ihre Rollen glaubwürdig ; mit Laien ist Authentizität schwer zu erreichen. Es geht vor allem darum, wie natürlich eine Szene inszeniert ist und das gelingt mit professionellen Modellen oft glaubwürdiger als mit echten Personen.

Abb. 5.98: Für die Betriebe meiner Region ein glaubwürdiges Imagebild (© Goodluz/Shutterstock)

Abb. 5.98: Für die Betriebe meiner Region ein glaubwürdiges Imagebild (© Goodluz/Shutterstock)

Passend zu Region und Branche | Als Bewohner einer etwas ländlicheren Region mit Auftraggebern aus kleinen und mittleren Betrieben gestaltet sich für mich die Suche nach passenden Imagebildern bei Agenturen oft schwierig. Es dominieren Business People mit Anzug und Krawatte. Für London, Mailand oder Frankfurt wohl passend, doch hier im Vorarlberger Rheintal tragen nur Banker Anzug und Krawatte beziehungsweise Leute die einen Termin bei der Bank haben. Ansonsten ist die Geschäftswelt hier hemdsärmeliger und die Leute sind meist leger gekleidet. 90 % der Businessbilder sind für meine Gestaltungsaufgaben deshalb unbrauchbar – ein Problem, das wohl die meisten Gestalter teilen, die abseits von Ballungszentren arbeiten oder aber auch städtische Kunden abseits vom Big Business betreuen.

Abb. 5.99: Weniger authentisch, wo ich lebe und arbeite (© michaeljung/Shutterstock)

Abb. 5.99: Weniger authentisch, wo ich lebe und arbeite (© michaeljung/Shutterstock)

Abb. 5.100: Blicken die Personen zur Kamera, ist Lächeln glaubhaft. ( (© Pressmaster/Shutterstock)

Abb. 5.100: Blicken die Personen zur Kamera, ist Lächeln glaubhaft. ( (© Pressmaster/Shutterstock)

Ausdruck | Ein zweites Problem neben omnipräsenten Business-Uniformen stellt das unvermeidlich breite Lächeln der -Modelle dar. Wirklich gute Models schaffen es zwar auf Kommando das natürlichste Lächeln der Welt ins Gesicht zu zaubern und bei Motiven die ganz offensichtlich im Stile eines Porträt- oder Gruppenfotos inszeniert sind (Abb. 5.100) geht das wohl auch in Ordnung. Doch wenn vier Personen vor einem iPad sitzen und grinsen (Abb. 5.101), dann sind sie nicht an der Arbeit, sondern schauen sich ein Filmchen auf Youtube oder die Urlaubsfotos des Mannes mit dem Tablett in der Hand an. Was würden Sie von Leuten denken, die mit Ihnen am Besprechungstisch sitzen und pausenlos grundlos vor sich hin grinsten ? Genau ! Deshalb suche ich in den Gesichtern der Modelle zur Situation passende Gesichtsausdrücke – freundlich : meistens ja ; breit grinsend : das muss zur Szene passen.

Abb. 5.101: Ist das eine authentische Projektbesprechung? (© Edyta Pawlowska/Shutterstock)

Abb. 5.101: Ist das eine authentische Projektbesprechung? (© Edyta Pawlowska/Shutterstock)

Abb. 5.102: Direkter Blick (inklusive eines Lächelns) (© Mila Atkovska/Shutterstock)

Abb. 5.102: Direkter Blick (inklusive eines Lächelns) (© Mila Atkovska/Shutterstock)

Blickrichtung | Über die Wirkung direkten Blickkontakts und wie man von der Kamera abgewandte Blicke nutzen kann haben wir uns bereits unterhalten. Abbildung 5.102 zeigt dazu noch einmal ein starkes Motiv, nämlich ein niedliches Tierkind. Verstärkt wird die Bildwirkung durch den Eindruck der Hund lächle, was ihm menschliche Züge verleiht, ohne seine Niedlichkeit zu untergraben. Abbildung 5.103 zeigt wie viel Kraft das Bild einbüßt, wenn derselbe Hund nicht mehr in die Kamera blickt.

Abb. 5.103: Der Blick zur Seite schwächt die Wirkung (© Mila Atkovska/Shutterstock)

Abb. 5.103: Der Blick zur Seite schwächt die Wirkung (© Mila Atkovska/Shutterstock)

Kindchenschema | Noch mehr Kraft als niedliche Tierkinder haben natürlich knuddlige Menschenkinder. Das Gesicht eines Babys ist ein Schlüsselreiz dem wir uns nicht entziehen können : Große Augen, Pausbäckchen, Stupsnase, kleines Kinn, großer Oberkopf. Vor allem Tiere die mehr oder weniger deutlich diesem Schema entsprechen empfinden wir als niedlich. Dem folgend sind auch Comic Figuren gezeichnet indem diese typischen Merkmale betont werden, jedenfalls so lange es um die guten Charaktere geht. Bei Bösewichten kann man das schon einmal umkehren.
Abbildung 5.105 und 5.106 demonstrieren ein weiteres mal den Unterschied der Bildwirkung ob das Subjekt – das Kleinkind – in die Kamera sieht und damit dem Betrachter in die Augen, oder ob der Blick zur Seite gerichtet ist.

Es gibt natürlich immer Gründe sich für Aufnahmen zu entscheiden, bei denen das Modell nicht zur Kamera blickt. Neben des Potenzials die Blickrichtung des Protagonisten zu nutzen, um Botschaften markant zu platzieren, vermitteln Bilder, auf denen der Blick und damit das Interesse nicht der Kamera gilt, eher den Eindruck, eine reale Szene zu beobachten und nicht eine gestellt – Aufnahmen können so also an Authentizität gewinnen. Blickt das Modell zu Kamera ist klar, dass es die Kamera gesehen hat und für das Foto posiert – wahrscheinlich sagte der Fotograf : »Hier ist das Vögelchen.« Und : »Say Cheese.«

Abb. 5.107: Visionärer Blick (© PT Images/Shutterstock)

Abb. 5.107: Visionärer Blick (© PT Images/Shutterstock)

Der in die Ferne gewandte Blick (Abb. 5.107) kann etwas Visionäres vermitteln – den Blick in die Zukunft oder Weisheit. Doch auch hier kommt es auf den Charakter des Blicks und der Aufnahme an. Bei Abbildung 5.108 scheint mir das Modell eher durch irgendetwas im Garten von der eigentlichen Aufnahme abgelenkt zu sein.

Abb. 5.108: Der Blick wirkt hier vor allem abgelenkt. (© Natalia Hirshfeld/Shutterstock)

Abb. 5.108: Der Blick wirkt hier vor allem abgelenkt. (© Natalia Hirshfeld/Shutterstock)

Üblicherweise sollte man die Leserichtung berücksichtigen, wenn der Blick in die Ferne den visionären Blick in die Zukunft vermitteln soll – Blickrichtung nach links wird eher rückwärtsgewandt empfunden (Abb. 5.109), während der Blick nach rechts nach vorne geht und somit als in die Zukunft gerichtet assoziiert wird (Abb. 5.10).

Bildstil | Neben diesen inhaltlichen Fragen zu Authentizität, Ausdruck und Blickrichtung ist auch der Bildstil relevant. Für mich eine weitere Hürde Aufnahmen zu finden, mit denen ich rundum glücklich bin. Die Masse der Aufnahmen sind sehr clean inszeniert, fotografisch umgesetzt und nachbearbeitet. Dafür gibt es natürlich gute Argumente, denn wie ich weiter vorne bereits bemerkte ist professionelle Fotografie notwendig wenn dem Betrachter eines Folders, Inserats oder Internetauftritts ein professionell arbeitendes Unternehmen näher gebracht werden soll. Das Ganze hat allerdings den Nachteil, dass die Aufnahmen dann auch in Bezug auf den fotografischen Charakter austauschbar wirken.
Bereits in den 1970er Jahren entwickelten Fotografen Teils sehr natürliche Aufnahmestile. Ein Trend, der in den 80er Jahren zurück ging und durch einen sehr klinischen Bildstil ersetzt wurde. Seit den 1990er Jahren gibt es einen zunehmenden Trend zurück zu natürlich wirkenden Aufnahmen.

Abb. 5.112: Nicht nur die Aufnahme durch das Glas lässt das Bild so spontan erscheinen - auch der geringe Kontrast und die kühle Farbtönung (© vita khorzhevska/Shutterstock)

Abb. 5.112: Nicht nur die Aufnahme durch das Glas lässt das Bild so spontan erscheinen – auch der geringe Kontrast und die kühle Farbtönung (© vita khorzhevska/Shutterstock)

Viele vor allem junge Fotografen arbeiten bewusst mit farblichen Verfremdungen und fotografischen sowie digitalen Effekten, die an sich nach den Regeln der Kunst Fehler wären. Doch genau diese scheinbaren Fehler und Abweichungen von fotografischer Perfektion machen die Aufnahmen authentischer, weil sie ein bisschen wirken, als hätte sie Otto Normalverbraucher mit seiner -Kamera geknippst. Trotzdem sieht man den Bildern die professionelle Hand an – sie wirken wie exzellente Glückstreffer eines Schnappschussfotografen und vermitteln so den Eindruck ganz nahe am eigenen Leben aufgenommen worden zu sein.

Neben diesen Stilmitteln die Bildern eine spontane und natürliche Wirkung verleihen, gibt es auch eine Tendenz Schattierungen durch überbetonte Dynamik herauszuarbeiten was zu einem eher unnatürlich anmutenden Bildcharakter führt (Abb. 5.113) und manchmal beinahe wie gemalt wirkt. Dieser Trend folgt einer neuen Technologie der digitalen Fotografie, die sich High Dynamic Range (HDR) nennt. Nach der ersten Euphorie über den neuen Bildstil und die damit verbundenen Möglichkeiten kehrte bei professionellen Fotografen bald Ernüchterung ein, was meiner Ansicht nach vor allem an Unmengen laienhafter HDR-Aufnahmen lag, die soziale Netzwerke und Bilder-Communitys überfluteten. Mittlerweile gewinnt der Stil auch in der professionellen Fotografie wieder an Fahrt und ich habe den Eindruck, dass wir gerade eine Veränderung unseres Empfindens wie Fotos auszusehen haben, erleben.

Abb. 5.113: Das Bild erinnert an den Charakter sogennanter HDR-Bilder - ein Stil, der sehr stark im Kommen ist. (© BestPhotosStudio/Shutterstock)

Abb. 5.113: Das Bild erinnert an den Charakter sogennanter HDR-Bilder – ein Stil, der sehr stark im Kommen ist. (© BestPhotosStudio/Shutterstock)

Sowohl der HDR- als auch der natürliche Bildstil findet sich im Moment jedoch vor allem bei bestimmten Themenbereichen. Gerade der betont natürliche Bildstil mit seinen Teils verschobenen, verblassten und verwaschenen Farben, mit Blendenflecken, über- und unterbelichteten Bildbereichen und Unschärfen auch da, wo sie an sich nicht sein sollten, findet sich vor allem im Bereich jugendlichen Lifestyles. In vielen Bereichen jedoch tut man sich schwer Bildstile abseits eines cleanen Norm-Looks zu finden.

Maßgeschneiderte Lösungen 
vom Auftragsfotografen

Klar im Vorteil ist wer sich nicht im Angebot von Bildagenturen nach Aufnahmen von der Stange umsehen muss, sondern einen Profifotografen beauftragen kann. Ihm können Sie Vorlagen zeigen, die den Charakter, das Aussehen und die Stimmung der Aufnahme die sie wünschen zeigen. Mit ihm können Sie Modelle aussuchen die Ihren Vorstellungen entsprechen und Sie können bei der Aufnahme dabei sein, um Regieanweisungen zu geben. Ihm können Sie auch sagen, wie weit er bei der Retusche gehen soll.

Schön wäre natürlich man könnte für jedes Bild einen Profi engagieren der das gewünschte Bild nach Maß schneidert. Die Realität liefert aber oft Situationen, in denen das nicht möglich ist, sei es aus Zeit- oder Budgetmangel. Ich habe für dieses Buch hunderte Bilder benötigt um die Erklärungen zu illustrieren und das Layout lebendig zu gestalten. Nicht jedes Foto sieht genau so aus, wie ich es mir wünschte. Doch jede Aufnahme mit Modellen und Fotografen gesondert zu inszenieren, wäre weder zeitlich noch wirtschaftlich realistisch. Aus diesem Grund schätze ich das Angebot von Shutterstock, Fotolia, iStockphoto & Co als wertvolle Bereicherung für den Gestaltungsalltag, auch wenn die Arbeit damit Kompromisse fordert – Kompromisse die man bei der Arbeit mit einem Fotografen nicht eingehen muss.

(Leseprobe aus dem Buch “Grafik und Gestaltung“*, 2. Auflage von Markus Wäger, Galileo Verlag, 2014)

* Affiliate

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