Ein Tag mit Microstock-Fotograf Yuri Arcurs

Helle, schar­fe Fotos mit glück­li­chen Menschen, die sich vor allem blen­dend ver­kau­fen. So sehen Bilder des Microstock-Fotografen Yuri Arcurs aus. Wie macht er das nur? Diese Frage beka­men 16 Fotografen der Microstock-Bildagentur Fotolia von Yuri selbst beant­wor­tet.

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Damit auch ande­re Fotografen eine Vorstellung davon bekom­men, wie ein auf­wän­di­ges, pro­fes­sio­nel­les Fotoshooting mit Yuri Arcurs abläuft, durf­te ich als Autor des Blogs „Alltag eines Fotoproduzenten“ mit­ma­chen und kann nun Euch, lie­be Leser zei­gen, wor­auf es bei gut gemach­ten Stockfotos ankommt.

Im gro­ßen 600qm-Studio der Delight Rental Studios in Berlin sam­mel­ten sich am Samstagmorgen die Fotografen, alle­samt Gewinner eines foto­lia-Preisausschreibens, sie­ben Models und Yuri Arcurs mit sei­nem Assistenten (Second Shooter), Art Director und der Stylistin. Zusätzlich wusel­ten Mitarbeiter von Fotolia, des Mietstudios, der Catering-Firma und ein DJ umher.

Vor dem Shooting

In die­ser arbeit­sa­men Atmosphäre erklär­te Yuri zu Anfang, auf wel­che klei­nen Details geach­tet wer­den soll­te, damit wirk­li­ch schar­fe Bilder ent­ste­hen. Diese Tricks ver­ra­te ich jedoch erst im nächs­ten Blog-Beitrag „Scharfe Bilder mit Yuri Arcurs“.

Dann wur­de ein kol­lek­ti­ver Weißabgleich gemacht bzw. der Kamera 5000 Kelvin als Farbtemperatur vor­ge­ge­ben. Ein kon­stan­ter Weißabgleich auf allen Fotos einer Serie erleich­tert es spä­ter, die RAW-Entwicklungseinstellungen auf alle ande­ren Fotos zu über­tra­gen. Dass die Fotos als RAW-Dateien auf­ge­nom­men wer­den, ver­steht sich von selbst.

Yuri emp­fiehlt, so klei­ne Blendenwerte wie mög­li­ch zu nut­zen. Bei ca. 80% sei­ner Fotos kommt die Blende 1.8 zum Einsatz und sorgt so für einen ange­nehm unschar­fen Hintergrund. Bei der Wahl der Objektive gibt es trotz­dem genug Auswahl, auch wenn Brennweiten über 200mm für Stockfotos nicht benö­tigt wer­den.

In sei­ner Kameratasche hat Yuri neben Kamera und Objektiven immer ein Reinigungsset (für Objektive, Sensoren und auch die Kameragehäuse), einen falt­ba­ren Weißbalance-Reflektor, eini­ge Ersatz-Deckel für Objektive und Kameras, ein Allzweck-Werkzeug und ein Maßband. Letzteres ist hilf­reich, um sich bei auf­wän­di­ge­ren Lichtaufbauten Notizen zum Abstand der ein­zel­nen Lichtquellen, der Models und dem Fotografen zu machen.

Bei einem Model und vier Stunden Shooting schafft es Yuri Arcurs, ca. 50–100 ver­käuf­li­che Fotos (eher am unte­ren Ende der Skala) zu pro­du­zie­ren. Bei Microstock-Bildern ist die Ausbeute etwas grö­ßer, da RM-Bilder einem noch stär­ke­ren Selektionsprozess unter­lie­gen.

Fotografiert wer­den soll­te in AdobeRGB. Fotos für Microstock-Agenturen soll­ten immer in sRGB umge­wan­delt wer­den, um sat­te, leuch­ten­de Farben zu erhal­ten. Bei Macrostock-Agenturen wird aber oft der AdobeRGB–Farbraum bevor­zugt oder gar gefor­dert.

Die wie­der­hol­ten Vergleiche von Yuri Arcurs zwi­schen Microstock-Bildagenturen und den tra­di­tio­nel­len Bildagenturen zeigt, dass auch er sei­ne Bilder (unter Pseudonymen) in ver­schie­de­nen Preiskategorien streut.

Ein Fehler, den vie­le ambi­tio­nier­te Fotografen machen, ist nach Yuri, dass sie zuviel in die Kamera inves­tie­ren. „It’s around the came­ra“, sagt er und betont, dass die Investition in Licht, Reflektoren, Models, Locations und Bildbearbeitung viel loh­nen­der ist.

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Das Shooting beginnt

Nach die­ser Einleitung ging es los. Die Models kamen geschminkt und gestylt aus der Maske. Als ers­tes Set wur­de die hel­le, wei­ße Küche des Studios als Hintergrund genutzt. Wie auf vie­len sei­ner Bilder posi­tio­nier­te Yuri die Models schräf hin­ter­ein­an­der, um ein Models scharf im Fokus zu haben, wäh­rend die ande­ren unscharf den Hintergrund mit Leben fül­len.

Hier kommt ein wei­te­rer hilf­rei­cher Trick von Yuri: Er lässt die Models beim Blick auf den Laptop „Aahhh“ sagen. Das sieht auf den Fotos aus als wür­den sie spre­chen, aber ver­hin­dert die teil­wei­se ver­zehr­ten Mundbewegungen, die beim ech­ten Sprechen ent­ste­hen.

Die Ausleuchtung der gro­ßen Küche erfolgt über dop­pel­te Reflektion. Zwei star­ke Blitze wer­den an der gegen­über­lie­gen­den wei­ßen Wand in Richtung der Models in gro­ße Silberschirme aus­ge­rich­tet. Dadurch wird das Blitzlicht in die Schirme ver­teilt, die wie­der­um auf die Wand strah­len und dadurch den Effekt einer rie­si­gen Softbox erzie­len.

Danach wur­den Funkauslöser für die Studio-Blitze ver­teilt und die teil­neh­men­den Fotografen durf­ten selbst am Set foto­gra­fie­ren. Damit der Andrang nicht zu groß ist, wur­den par­al­lel noch zwei wei­te­re klei­ne Sets ein­ge­rich­tet.

Eins der Models gibt mir in einer Pause noch einen Tipp. Visine-Augentropfen sor­gen dafür, dass die Lederhaut der Augen etwas hel­ler wird.

Für die Party-Fotos mit Geschenken, Konfetti, bun­ten Luftballons, Sekt, Luftschlangen und Partyhüten wur­den dann alle Models wie­der zusam­men­ge­ru­fen. Hier zeig­te sich auch, dass Gruppenfotos die größ­te Herausforderung sind, weil der Gesichtsausdruck bei jedem Model stim­men soll­te.

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Nach dem Shooting

Falls das mal nicht der Fall ist, zeigt Yuri dana­ch am Computer eine Abhilfe: Von einem Foto, was kurz vor oder nach dem gewünsch­ten Bild gemacht wur­de, wird ein­fach das Gesicht aus­ge­schnit­ten und in das Foto über die miss­lun­ge­ne Mimik des Models gelegt.

Üblicherweise hat Yuri Arcurs sei­ne Retuschearbeiten an 10 Leuten in Indien aus­ge­la­gert, die nichts ande­res tun, als stän­dig sei­ne Fotos zu bear­bei­ten. Bei die­sem Workshop setzt er sich aber noch mal selbst an den Rechner und zeigt die Bearbeitungsschritte, die sei­nen hel­len Stil erge­ben.

Als ers­tes emp­fiehlt er, die RAW-Dateien mit Phase One statt, wie vie­le ande­re, mit CameraRAW von Adobe zu ent­wi­ckeln. CameraRAW erzeu­ge zu vie­le Artefakte, wegen denen Fotos von Bildredakteuren abge­lehnt wer­den könn­ten. Außerdem füh­re eine star­ke Farbsättigung, wie sie Microstock-Bilder benö­ti­gen, dort schnel­ler zu oran­gen Hauttönen, die nicht mehr natür­li­ch aus­se­hen.

Im RAW-Konverter wer­den die Bilder schon auf­ge­hellt und ein Ausschnitt gewählt, der das Bild mög­lichst span­nend macht. „Vor allem das qua­dra­ti­sche Format ist sehr beliebt bei Bildkäufern“, meint Yuri.

Nach der übli­chen Retusche von Pickeln, Augen, Zähnen, Markenlogos und stö­ren­den Details, zeich­net Yuri das Foto mit dem Gaußschen Weißzeichner weich. Nur ganz gering mit einem ca. 0,4 Pixel-Radius, damit auch die letz­ten Artefakte ver­schwin­den. Die wich­ti­gen Stellen wie Gesichter und Haare wer­den dana­ch wie­der durch eine Ebenenmaske wie­der­her­ge­stellt, um die Schärfe dort zu behal­ten.

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Das Ende des Workshops

Während es drau­ßen längst dun­kel gewor­den ist, arbei­ten die Studioblitze auf vol­ler Leistung wei­ter, so daß kurz vor dem Ende die Augen zu flim­mern begin­nen. Trotzdem ist es moti­vie­rend zu sehen, wie ein sehr auf­wän­di­ges Shooting zu bewäl­ti­gen ist, wenn die ein­zel­nen Schritte bekannt sind. Zwischendurch kann immer wie­der Yuri gefragt wer­den und so erfah­ren wir bei­spiels­wei­se, dass Yuri mit einem Shooting ca. 25–50.000 Euro ein­nimmt oder vor allem Griechenland, Norwegen und Deutschland sei­ne Fotos ger­ne kau­fen, wegen der „super-blonde models“, wie Yuri sie nennt.

Ebenfalls macht es Mut zu wis­sen, dass auch ein Profi wie Yuri nicht vor Fehlern gefeit ist. So sind auf eini­gen Fotos die Kanten des Sunbounce-Reflektors zu sehen und er erzählt, dass er drei vol­le Speicherkarten wegen Staub ver­lo­ren hat, die nicht abge­deckt trans­por­tiert wur­den.

Zum Abschluss ver­tei­len Fotolia-Mitarbeiter T-Shirts mit der Aufschrift „I know how to shoot that sells!“ Nach dem Workshop mit Yuri Arcurs kön­nen die Teilnehmer die­se T-Shirt zurecht tra­gen.

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Mehr Videos und Berichte zum Workshop

20 Gedanken zu „Ein Tag mit Microstock-Fotograf Yuri Arcurs“

  1. Das nen­ne ich doch mal einen aus­führ­li­chen Bericht! Sehr inter­es­sant auch, was er (als Profi) finan­ziel aus einem Shooting in etwa raus­ho­len kann…

  2. Ein sehr guter Bericht. Es ist immer inter­es­sant zu sehen, wie ande­re arbei­ten. Vorallem die recht offe­ne Blende über­rascht mich. Ich hät­te nicht gedacht, dass das bei Stockfotos geschätzt wird. Immerhin dür­ten da ja auch Teile des Models schon unscharf sein…
    Bin schon mal auf den nächs­ten Teil gespannt!

  3. Interessanter Bericht, dan­ke. Wie ver­kau­fen sich den dei­ne Bilder bei Fotolia so. Macht Microstock Sinn, für Otto Normalverbraucher, oder ist das nur was für die Superstars.

  4. Interessanter Artikel, dan­ke! Wo gibt’s denn den Film bei FotoTV? Kann ihn dort lei­der (noch nicht?) fin­den, wür­de ihn sehr gern anse­hen. Danke und wei­ter so! LG, Alex

  5. Gaußschen Weißzeichner weich. Nur ganz gering mit einem ca. 0,4 Pixel-Radius, “

    Das ist für mich Blödsinn. Er arbei­tet eh mit fla­chem DOF.

  6. Danke für den Einblick. Ist inter­es­sant mal mit­schau­en zu dür­fen, gera­de wenn es son­st einer eher klei­nen Gruppe vor­be­hal­ten bleibt

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