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Das erfolgreiche „Zwischendurch-Stock-Portfolio“ (Gastartikel)

Während ich haupt­be­ruf­li­ch an mei­nem Stock-Portfolio arbei­te, gibt es auch vie­le Anbieter, wel­che nur „neben­bei“ eini­ge Fotos hoch­la­den, vor allem Urlaubsbilder und manch­mal auch exklu­siv sind, weil ihnen die Zeit fehlt, nach ihrem Hauptberuf mehr Zeit in die Stockfotografie zu ste­cken.

Einer die­ser Leute, Tim David Müller-Zitzke aus Bremerhaven, ist einer davon und sogar sehr erfolg­reich.  Deshalb habe ich ihn gebe­ten, mal zu schrei­ben, wie er an die Sache her­an­geht. Hier sein Artikel:

Der 01. Mai 2012 ist der Tag, an dem mein Account bei Fotolia akti­viert wor­den ist. Von dort an hat sich für mich aus einer Freizeitbeschäftigung eine Tätigkeit ent­wi­ckelt, die mein Dasein als Fotograf, Filmproduzent und Digital Artist um ein wei­te­res finan­zi­el­les Standbein ergänzt hat.

Dieses Bild ist auf dem Rückweg von einem Segeltörn auf der Nordsee entstanden
Dieses Bild ist auf dem Rückweg von einem Segeltörn auf der Nordsee ent­stan­den.

Was beim Betrachten mei­nes Portfolios ver­mut­li­ch auf­fällt, ist, dass es sehr bunt gemischt ist und es äußer­st weni­ge Fotos von Personen beinhal­tet. Es ist so gemischt, dass es sich fast anneh­men lässt, dass zumin­dest eini­ge mei­ner Fotos, „zwi­schen­durch“ ent­stan­den sein müs­sen. Diese Annahme ist zutref­fend und gilt sogar für eini­ge mei­ner Bestseller. Dennoch konn­te ich schon eini­ge tau­send Lizenzverkäufe mit mei­nem Fotolia-Account errei­chen. Robert bat mir an, ein wenig über die­se „etwas ande­re“ Art der Stockfotografie zu berich­ten und das mache ich natür­li­ch ger­ne.

Vor kur­zem erst habe ich mit einer Gestalterin gespro­chen, die eine kom­plet­te Webseite aus­schließ­li­ch mit Bildern aus mei­nem Portfolio illus­triert hat­te. Zu unter­schied­lichs­ten Themen war sie bei mir fün­dig gewor­den – mal mit reprä­sen­ta­ti­ven Darstellungen, mal mit kon­zep­tio­nel­len Symbolbildern. Dies war wohl mög­li­ch, weil ich mei­ne Stockfotografie bis­her weder vom foto­gra­fi­schen Stil her noch the­ma­ti­sch einer bestimm­ten Richtung ver­pflich­tet habe. Darüber hin­aus bie­te ich fast nur Einzelbilder und somit wenig Serien an. Das kann aber durch­aus auch ein Nachteil sein, wenn ein Kunde Motiv-Variationen braucht oder meh­re­re ähn­li­che Themen im glei­chen Stil abde­cken möch­te. Dass ich kaum Serien pro­du­zie­re, liegt auch dar­an, dass ich mei­ne ein­zel­nen Fotos rela­tiv lan­ge und auf­wän­dig bear­bei­te, teil­wei­se inklu­si­ve Compositing, und somit auch aus Effizienzgründen ein­fach weni­ger auf „Serienproduktionen“ set­ze.

Am Tag meines Umzugs habe ich dieses Foto aufgenommen, bevor ich den Raum später mit Kisten und Einrichtungsgegenständen vollgestellt habe.
Am Tag mei­nes Umzugs habe ich die­ses Foto auf­ge­nom­men, bevor ich den Raum spä­ter mit Kisten und Einrichtungsgegenständen voll­ge­stellt habe.

Zu Anfang mei­ner Zeit bei Fotolia habe ich häu­fig Urlaubsfotos hoch­ge­la­den. Doch auch jetzt noch zei­gen vie­le mei­ner ange­bo­te­nen Fotos Städte und Landschaften, ande­re zei­gen Gegenstände, die ich im Studio oder anders­wo foto­gra­fiert habe, z.B. auf Jahrmärkten. Personen hin­ge­gen sind kaum zu fin­den. Ich bin bis­her eher sel­ten wirk­li­ch los gezo­gen, um direkt für mein Stock-Portfolio zu pro­du­zie­ren – was ein ziem­li­ches Alleinstellungsmerkmal zu mei­nen haupt­be­ruf­li­chen Stock-Kollegen dar­stel­len dürf­te.

Dafür aber habe ich im Laufe der Zeit ein Gefühl dafür ent­wi­ckelt, wel­che Motive in Stockagenturen gefragt sind und behal­te das im Hinterkopf, wann immer ich die Kamera irgend­wo hin ein­pa­cke.
Die meis­ten mei­ner bis­he­ri­gen Stockfotos sind auf Städtetouren, in Urlauben oder aber am Rande von Aufträgen ent­stan­den. Viele mei­ner Fotos neh­me ich für Tourismus-Unternehmen, Hotelerie oder ande­re Business-Kunden auf. Andere bie­te ich spä­ter erst zum Direktkauf an und neh­me nach dem Shoot Kontakt mit poten­ti­el­len Abnehmern, z.B. Postkarten-Verlagen auf. Man kann also bei eini­gen mei­ner Fotolia-Motive durch­aus auch von einer Zweitverwendung spre­chen.

Ein Städtetrip nach Hamburg geht immer! Ebenso gut ver­kauft sich die­ses Motiv.

Im Vergleich zu einem „typi­schen“ Stock-Shooting – zum Beispiel von Robert – mit aus­ge­such­ten Models, Locations und viel, viel Vorbereitung, hält sich mein Aufwand für Fotolia bis­her eher in Grenzen. Auch finan­zi­ell. Da ich für mei­ne Motive sowie­so an Ort und Stelle bin, muss ich oft­mals kei­ne grö­ße­ren Investitionen täti­gen als bei­spiels­wei­se den Eintrittspreis zu einer Aussichtsplattform. Entsprechend mini­miert sich somit auch mein Risiko für den Fall, dass ich spä­ter auf den Bildern „sit­zen blei­be“.

Im Austausch mit ande­ren Stockfotografen hat sich die the­ma­ti­sche Streuung auch im Verkauf immer wie­der als vor­teil­haft her­aus gestellt. Ich bin sowohl von aktu­el­len Themen-Trends als auch von den Jahreszeiten sehr viel weni­ger abhän­gig als mei­ne Kollegen. Und dann wäre da noch der künst­le­ri­sche Faktor: Ich nut­ze bei der Aufnahme mei­ner Bilder ger­ne erwei­ter­te Fotografe-Techniken, wie zum Beispiel die Langzeitbelichtung oder ich erstel­le Compositings in Photoshop. Diese Bilder ver­kau­fen sich erfah­rungs­ge­mäß beson­ders gut. Wohl aber abhän­gig bin ich natür­li­ch von der all­ge­mei­nen Kauflaune der Bildkäufer, die zum Beispiel im Sommer deut­li­ch gerin­ger aus­fällt.

Einer meiner Bestseller: Dieses Motiv entstand im Winterurlaub in Davos, Schweiz bei einer Wanderung.
Einer mei­ner Bestseller: Dieses Motiv ent­stand im Winterurlaub in Davos, Schweiz bei einer Wanderung.

Ebenso deut­li­ch macht sich bemerk­bar, wenn Fotolia Änderungen an den Preismodellen oder der Verkaufsstrategie vor­nimmt, die uns Anbieter logi­scher­wei­se immer direkt mit betref­fen. Dazu zählt auch das Abo-Modell, das immer ver­brei­te­ter ist – was bei vie­len Stockfotografen für erheb­li­che Umsatzeinbrüche sorgt.

Eine wei­te­re Schwierigkeit für mich stellt die Selektion der Bildagentur dar: Landschaftsbilder haben es erfah­rungs­ge­mäß schwe­rer, ange­nom­men zu wer­den. Doch wenn sie es dann durch die Selektion schaf­fen, wer­den sie meist sehr gut ange­nom­men.
Man muss jedoch auch fest­hal­ten, dass mein aktu­el­les Portfolio bei Fotolia bis­her nur 851 Aufnahmen beträgt und die Stockfotografie wie gesagt immer noch eine Nebeneinnahme für mich dar­stellt.

Ein extra für Fotolia erstelltes Compositing: Mein Kumpel Matthieu mit Virtual Reality Brille, im Hintergrund die Skyline von Los Angeles.
Ein extra für Fotolia erstell­tes Compositing: Mein Kumpel Matthieu mit Virtual Reality Brille, im Hintergrund die Skyline von Los Angeles.

Ich bin Student der Digitalen Medienproduktion im 6. Semester und arbei­te, wie schon erwähnt, par­al­lel im Bereich Fotografie und Film. Dennoch ste­he ich kurz vor dem Fotolia Status „Gold“ (10.000 ver­kauf­te Lizenzen) und bin voll exklu­siv. Falls das jeman­den inter­es­sie­ren soll­te: Die Exklusivität ist schlicht­weg der Einfachheit geschul­det – bis­lang fehl­ten mir die zeit­li­chen Ressourcen, um mich um meh­re­re Agenturen küm­mern zu kön­nen.

Über mei­nen Verdienst kann ich mich, obwohl ich ja nur ein „klei­ner Fisch“ bin, nicht beschwe­ren. Mit 11,4 Verkäufen pro Bild lie­ge ich leicht über dem Durchschnitt. Mit den Einnahmen von Fotolia konn­te ich zum Beispiel schon seit Anfang des Studiums mei­ne Miete bezah­len – also nur 1,5 Jahre nach mei­nem Debüt in der Stockfotografie. Dadurch blieb mir ein „Themen-entfernter“ Nebenjob erspart und ich konn­te mich trotz Uni wei­ter auf die Fotografie und somit auch wie­der auf Stockfotografie kon­zen­trie­ren.

Mein bisheriger Bestseller. Inzwischen schon ein paar Jahre alt doch noch immer vielseitig einsetzbar zum Thema Fotografie.
Mein bis­he­ri­ger Bestseller. Inzwischen schon ein paar Jahre alt doch noch immer viel­sei­tig ein­setz­bar zum Thema Fotografie.

Momentan berei­te ich mich dar­auf vor, mein Stock Portfolio wei­ter aus­zu­bau­en und das Modell dann auch im grö­ße­ren Rahmen zu tes­ten. Da ich in den ver­gan­ge­nen vier Jahren ein Gefühl dafür ent­wi­ckeln konn­te, wel­che Motive sich im Stockbereich ver­kau­fen, wer­de Ich wohl in Zukunft auch direk­ter für mein Portfolio pro­du­zie­ren. Doch den Anfang macht die Postproduktion: Auf mei­nen Festplatten war­tet ein rie­si­ges Foto-Archiv mit unan­ge­tas­te­ten Rohdateien aus den 2 letz­ten Jahren, für deren Bearbeitung ich auf­grund ande­rer Projekte zuletzt kei­ne Zeit mehr hat­te. Außerdem habe ich durch mei­ne Arbeit mit Film und Bewegtbild ein wei­te­res Verkaufsfeld für mein Portfolio ent­deckt. Gerne berich­te ich in Zukunft ein­mal, wie es damit wei­ter geht.

Hier noch der Link zu mei­nem Fotolia-Portfolio und der Link zu mei­ner Website und mei­ner Facebook-Seite.

Für iStock-Exklusives: DeepMeta-Export mit dem Stock Photo Manager

In letz­ter Zeit gab es vie­le Gründe für exklu­si­ve iSto­ck-Fotografen, über ein Ende der Exklusivität nach­zu­den­ken.

Im April wur­de ein neu­es Abo-Modell ein­ge­führt und im September wur­de die kom­plet­te Preisstruktur über den Haufen gewor­fen.

Ich ken­ne eini­ge Fotografen, die in den letz­ten Monaten den Schritt in die Nicht-Exklusivität gewagt haben. Die Fotografen Michael Zwahlen und Sean Locke haben ihre Erfahrungen gut zusam­men­ge­fasst.

In Gesprächen mit exklu­si­ven iSto­ckern tauch­ten immer wie­der zwei Hürden auf, um zu ande­ren Agenturen zu wech­seln.

Zum einen dach­ten vie­le Fotografen, dass alle Agenturen genauso kom­pli­zier­te und kom­ple­xe Upload-Systeme wie iSto­ck haben, was das Beliefern von vier bis acht Agenturen zu einem zeit­rau­ben­den Alptraum machen wür­de. Das Gegenteil ist der Fall: iSto­ck hat mit Abstand das umständ­lichs­te System und ehe­mals exklu­si­ve iStock-Fotografen wer­den in der Regel posi­tiv über­rascht sein, wie leicht das Hochladen von Bildern woan­ders ist.

Zum ande­ren haben damals vie­le exklu­si­ve iStock-Fotografen nicht das IPTC-Metadaten-System für ihre Suchbegriffe, Bildbeschreibungen und Titel genutzt, son­dern statt­des­sen direkt bei iSto­ck oder dem Tool DeepMeta ver­schlag­wor­tet. Das rächt sich, wenn man ande­re Agenturen belie­fern will, weil die Daten alle neu ein­ge­ge­ben wer­den müs­sen.

Der Programmierer und Fotograf Frank Merfort hat jedoch lan­ge gear­bei­tet, um end­li­ch eine Lösung für das zwei­te Problem zu fin­den.

Seine Stockfoto-Verwaltung-Software Stock Photo Manager kann jetzt seit der neus­ten Version (1.5.0) alle wich­ti­gen Informationen aus DeepMeta aus­le­sen und auch in den IPTC-Daten abspei­chern. Der Stock Photo Manager läuft auf Windows, Mac und Linux.

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Auch wer bis­her direkt auf der Webseite von iSto­ck ver­schlag­wor­tet hat, kann sei­ne Metadaten expor­tie­ren. Dafür muss DeepMeta instal­liert wer­den, die Daten von iSto­ck zu DeepMeta impor­tiert wer­den und von da dann zum Stock Photo Manager.

Der Stock Photo Manager kann aber noch viel mehr: Sie erlaubt den Upload an vie­le ver­schie­de­ne Agenturen, viel­fäl­ti­ge Verschlagwortungsmöglichkeiten (unter ande­rem mehr­spra­chig), Model-Release-Verwaltung, Statistiken und vie­les mehr. Für bis zu 200 Bilder und bis zu 3 Agenturen ist das Tool kos­ten­los, dar­über hin­aus muss eine Lizenz erwor­ben wer­den, die sich für pro­fes­sio­nel­le Fotografen allein durch die Zeitersparnis leicht rech­nen soll­te.

Frank hat mir zusagt, dass er in Kürze eine detail­lier­te Anleitung ver­öf­fent­li­chen wird, wie der Import von DeepMeta funk­tio­niert, das wer­de ich dann nach­rei­chen.

Kann ich nicht-exklusiv gleich viel Geld verdienen wie ein exklusiver iStock-Fotograf? (Gastartikel)

Vor paar Wochen hat der Hobby-Fotograf Michael Zwahlen in sei­nem Blog die­sen eng­li­schen Artikel über die Exklusivität bei iSto­ck ver­öf­fent­licht. Auf mei­nen Wunsch war Michael so freund­li­ch, den Text etwas aus­zu­bau­en und ins Deutsche zu über­set­zen. Los geht’s, ab jetzt schreibt Michael:

Ich habe vor 15 Monaten den für mich gros­sen Schritt gewagt, nach sechs Jahren mei­ne Exklusivität bei iStock­pho­to zu kün­di­gen. Da ich stets akti­ves Mitglied der Community bei iSto­ck war, wer­de ich seit­dem regel­mä­ßig gefragt, wel­che Erfahrungen ich seit­dem gemacht habe.

Michael Zwahlen - Selbstportrait zum Verkauf über Stocksy
Michael Zwahlen – Selbstportrait zum Verkauf über Stocksy

Eine der häu­figs­ten Fragen ist natür­li­ch: Kann ich als Nicht-Exklusiver ähn­li­ch viel Geld ver­die­nen wie als Exklusiver?

Meine ein­fa­che Antwort: Ja. Zumindest ist mir das sehr schnell gelun­gen. Die etwas kom­pli­zier­te­re Antwort: Es kommt dar­auf an.

Meine persönliche Vorgeschichte

Als ehe­ma­li­ger Software-Entwickler und Projektleiter habe ich die Fotografie für mich Ende der 1990er Jahre eher aus dem Interesse an Kameras als „Gadgets“ ent­deckt: Meine ers­te Digitalkamera war eine Olympus mit VGA-Auflösung, als 640x480 Pixel (0,3 Megapixel!). Die Bildqualität war im wahrs­ten Sinne be„rauschend“. Ende 2001 habe ich mir eine Sony F505V zuge­legt, die mit einem fest ein­ge­bau­ten Zeiss-Objektiv und 2,6 Megapixel schon brauch­ba­re Bilder pro­du­zier­te.

Gleichzeitig ent­stan­den die ers­ten Online-Dienste, über die „jeder­mann“ sei­ne Fotos zur Lizenzierung anbie­ten konn­te. Da ich damals in der Schweiz wohn­te, las ich über die Gründung von ImagePoint, bewarb mich und wur­de akzep­tiert. Ich wuss­te jedoch wenig über Fotografie, bekam wenig Bilder akzep­tiert, freu­te mich aber über zwei oder drei Verkäufe pro Jahr.

Der erste Bildverkauf 2002 von Michael Zwahlen bei ImagePoint
Der ers­te Bildverkauf 2002 von Michael Zwahlen bei ImagePoint

Bis Anfang 2007 wur­de Fotografie dann zu mei­nem Lieblings-Hobby, und ich begann zu recher­chie­ren, ob ich damit nicht zumin­dest genug Geld ver­die­nen könn­te, um ab und zu eine neue Kamera oder eine Reise zu finan­zie­ren. Ich ent­deck­te Microstock, wur­de bei iStock­pho­to im 2. Versuch akzep­tiert und bei Shutterstock abge­lehnt. Ich kon­zen­trier­te mich also zunächst auf iSto­ck und lern­te schnell und viel aus der damals sehr akti­ven und unter­stüt­zen­den Community.

Die nächs­ten sechs Jahre habe ich mich dann für die Exklusivität ent­schie­den und hal­te die Entscheidung auch bis heu­te für rich­tig. Als Hobby-Fotograf habe ich dort mit rela­tiv wenig Bildern und wenig admi­nis­tra­ti­vem Aufwand gutes Geld ver­dient. Bis im Herbst 2011. Damals hat iSto­ck sei­ne Suche umge­stellt, als Ergebnis bra­chen die Umsätze mei­ner Bestseller und damit mein gan­zer Umsatz inner­halb von drei Monaten um über 50% ein.

Ende 2012 habe ich mich zur Kündigung mei­ner Exklusivität ent­schie­den. Damals habe ich noch mit einer Partnerin zusam­men gear­bei­tet, und wir haben mein (klei­ne­res) Portfolio als Testprojekt für die Nicht-Exklusivität genutzt. Seit Mitte 2013 arbei­te ich Vollzeit dar­an, mein Portfolio aus­zu­bau­en und von der Stock-Fotografie zu leben.

Die ersten Erfahrungen

Der Schritt in die Nicht-Exklusivität bedeu­tet zunächst, dass man sein gesam­tes bestehen­des Portfolio zunächst „wie­der­fin­den“, zusam­men­stel­len und even­tu­ell über­ar­bei­ten muss. Als iStock-Exklusiver ist die Motivation nicht sehr groß, die Metadaten bereits in Lightroom oder Photoshop zu ver­wal­ten, da man anschlie­ßend sowie­so die Arbeit erneut mit Hilfe des „Kontrollierten Vokabulars“ von iSto­ck machen muss. Zwar hat­te ich bereits in knapp der Hälfte mei­ner Bilder die Metadaten ein­ge­tra­gen, bei mehr als 500 Bildern mus­s­te ich das jedoch noch nach­ho­len.

Zudem mus­s­te ich von teil­wei­se vier oder fünf Jahre alten Bildern die Model Releases zusam­men­su­chen. Zum Glück war ich in die­ser Hinsicht auch gut genug orga­ni­siert, dass mir dies in kur­zer Zeit gelang. Ich stell­te jedoch fest, dass ich einen Teil mei­nes Portofolios nicht ander­wei­tig ver­wen­den konn­te: Bilder, die ich auf „Minilypses“ oder „iStocka­lyp­ses“ geschos­sen habe, den von iSto­ck orga­ni­sier­ten und mit­fi­nan­zier­ten Gruppen-Shootings. Diese Bilder sind auch für Nicht-Exklusive ver­trag­li­ch an iSto­ck gebun­den. Da ich die­se Events ger­ne besuch­te, habe ich nach wie vor eini­ge hun­dert Fotos exklu­siv bei iSto­ck, erhal­te jedoch die nicht-exklusive Bezahlung hier­für. Auch hat­te ich für eini­ge Shootings Model Releases mit dem deutsch­spra­chi­gen Vordruck von iSto­ck ver­wen­det. Als iStock-Exklusiver natür­li­ch kein Problem, aber so man­che Agentur will einen nicht-englischen Vertrag mit einem frem­den Firmenlogo ein­fach nicht akzep­tie­ren.

Da man nach der Kündigung der Exklusivität noch 30 Tage war­ten muss, hat­te ich jedoch aus­rei­chend Zeit, um etwa 500 mei­ner 1.800 Bilder vor­zu­be­rei­ten und hat­te die­se prak­ti­sch sofort nach Auslaufen die­ser Wartezeit bei Shutterstock, Fotolia, Depositphotos, 123RF, CanStockphotos und GL Stock online. Innerhalb von drei Monaten waren es dann über 1.000 Bilder bei neun Agenturen.

Wie sich die Einnahmen entwickelten

Wer die Exklusivität bei iSto­ck auf­gibt, sieht sich unmit­tel­bar mit zwei Faktoren kon­fron­tiert: Erstens sinkt der pro­zen­tua­le Anteil an den Einnahmen, in mei­nem Fall von 30% auf 17%. Hinzu kommt jedoch auch, dass die Bilder güns­ti­ger ange­bo­ten wer­den. Ich hat­te nur weni­ge Bilder in Vetta, aber mei­ne Exklusive+ Bilder haben regel­mä­ßig Erträge von $10 bis $20 erzielt. Als exklu­si­ver iStock-Fotograf ist man eigent­li­ch kein ech­ter Microstocker mehr, denn vie­le Bilder wer­den eher zu Midstock-Preisen von $50 oder $200 ange­bo­ten.
Anfang 2013 hat­te ich hier in der Regel nur noch halb so hohe Preise, inzwi­schen wer­den nach einer Preissenkung Mitte 2013 sogar für nur noch 1–7 Credits ange­bo­ten. Der Einbruch bei den Einnahmen bei iSto­ck betrug ins­ge­samt also etwa 75–80%.

Übliche Verkaufspreise bei iStock als exklusiver Fotograf...
Übliche Verkaufspreise bei iSto­ck als exklu­si­ver Fotograf…

Trotzdem hat es in mei­nem Fall nur weni­ge Monate gedau­ert, bis ich wie­der unge­fähr gleich hohe Einnahmen erziel­te wie in mei­nem letz­ten Jahr als exklu­si­ver iSto­cker: Shutterstock hat hier den größ­ten Teil über­nom­men, aber auch bei Fotolia konn­te ich schnell auf regel­mä­ßi­ge Einnahmen zäh­len. Überraschend schnell und gut sind auch mei­ne Einnahmen aus dem Partner-Programm von iSto­ck gestie­gen. Als Exklusiver hat­te ich noch die Option, den Großteil mei­nes Portfolios aus dem Vertrieb über Thinkstock und photos.com aus­zu­schlies­sen, als Nicht-Exklusiver kom­men heu­te etwa die Hälfte mei­ner iStock-Einnahmen aus dem Partner-Programm.

...und hier danach als nichtexklusiver Fotograf.
…und hier dana­ch als nicht­ex­klu­si­ver Fotograf.

Im April 2013 – also nach nur drei Monaten – konn­te ich wie­der ähn­li­che Einnahmen erzie­len wie im Vorjahresmonat. Seit Juni 2013 habe ich bis auf eine Ausnahme jeden Monat im Jahresvergleich mehr Lizenzeinnahmen erzielt. Im Jahr 2014 habe ich bis­her jeweils rund 50% mehr Umsatz erzielt als in mei­nem letz­ten Jahr als iStock-Exklusiver. Für mich per­sön­li­ch ist die Entscheidung zur Unabhängigkeit also voll auf­ge­gan­gen, und zwar schnel­ler als erwar­tet.

Übliche Verkaufserlöse bei Shutterstock
Übliche Verkaufserlöse bei Shutterstock

Lassen sich diese Erfahrungen auf andere übertragen?

Hier kann man Zweifel anmel­den: Zum einen bin ich kein über­ra­gen­der Fotograf. Ich habe kei­ner­lei for­ma­le Ausbildung, kei­ne ande­ren Erfahrungen im gra­fi­schen Bereich. Etablierte und erfah­re­ne Fotografen haben mög­li­cher­wei­se eine deut­li­ch höhe­re Qualität. Mir sind die gerin­ge­ren Qualitätsanforderungen (vor allem in Bezug auf die Bildästhetik) der Microstock-Agenturen also ent­ge­gen gekom­men. In Bezug auf Bildrauschen oder Artefakte zah­len sich die Erfahrungen mit den (frü­he­ren) har­ten Inspektionen bei iSto­ck aus: Meine Akzeptanzquote liegt bei den meis­ten Agenturen bei deut­li­ch über 90%.

Portfolio-Zuwachs bei den verschiedenen Bildagenturen
Portfolio-Zuwachs bei den ver­schie­de­nen Bildagenturen

Ich habe jedoch stets gesagt, dass mei­ne Bilder sich ver­mut­li­ch eher im bil­li­gen Bereich ver­kau­fen. Mit den stän­di­gen Preiserhöhungen bei iStock­pho­to wur­de es zwar vie­len pro­fes­sio­nel­len Fotografen ermög­licht, auf­wän­di­ge­re Shootings zu finan­zie­ren, mei­ne Bilder konn­ten sich bei den höhe­ren Preisen aber nicht gut behaup­ten. Ich war von weni­gen Ausnahmebildern abhän­gig.

Zudem hat­te ich nur weni­ge Bilder in den Top-Kollektionen Vetta und The Agency Collection, mit denen sich hohe Lizenzeinnahmen sowohl bei iSto­ck selbst als auch über die Getty-Seite erzie­len lie­ßen. Meine Einnahmen aus der Partnerschaft mit Getty betru­gen weni­ger als 5%, daher habe ich hier prak­ti­sch kei­ne Verluste gehabt. Andere iStock-Fotografen erzie­len teil­wei­se bis zu 20% ihrer Lizenzeinnahmen über die Getty-Seite und wei­te­re 20% aus den höher­prei­si­gen Kollektionen. Diese Bilder wer­den bei einer Vermarktung über Shutterstock & Co ziem­li­ch sicher kei­ne ähn­li­chen Umsätze erzie­len.

Auch hat­te ich das Glück, als einer der Gründungs-Fotografen bei Stocksy United bereits von Anfang an auch eine Agentur zu haben, bei der ich „künst­le­ri­sch höher­wer­ti­ge“ Bilder plat­zie­ren konn­te, die sich zah­len­mä­ßig eher sel­ten ver­kau­fen, bei denen der Kunde aber zumeist auch kein Problem damit hat, $50 oder $100 für eine Lizenz zu bezah­len. Mit Westend61 habe ich außer­dem eine Macrostock-Agentur gefun­den, die einen Teil mei­ner Bilder über ihre Vertriebskanäle ver­mark­tet. Schließlich habe ich eini­ge Bilder über die (inzwi­schen nicht mehr exis­tie­ren­de) Getty-Flickr-Kollektion ver­trie­ben.

Natürlich gibt es einen wei­te­ren Faktor: Das Arbeitsvolumen. Ich kann heu­te nicht aus­schlie­ßen, dass ich mit ver­gleich­bar viel Arbeit auch als iStock-Exklusiver wie­der deut­li­ch mehr ver­die­nen wür­de als zuletzt in 2012. Hatte ich zum Ende mei­ner Exklusivität rund 1.800 Bilder in mei­nem Portfolio, sind es heu­te bereits deut­li­ch über 3.000.

Meine persönlichen Schlussfolgerungen

Ich glau­be, mit dem wach­sen­den Volumen an Bildern in Microstock wird es schwie­ri­ger, sich aus­schließ­li­ch und mit allen Bildern in die­sem Markt zu posi­tio­nie­ren. Ausgewählte Bilder soll­ten zu höhe­ren Preisen ange­bo­ten wer­den. Für 2014 erwar­te ich, dass ich in die­sem Bereich rund 10% mei­ner Lizenzeinnahmen erzie­le. Mittelfristig ist es mein Ziel, rund 20% mei­ner Bilder über höher­prei­si­ge Agenturen anzu­bie­ten und ent­spre­chend hohe Einnahmen in die­sem Bereich zu gene­rie­ren.

All dies muss man sich jedoch erar­bei­ten, wenn man die Exklusivität bei iStock­pho­to auf­gibt. Die Idee, alle Bilder ein­fach bei Shutterstock und Fotolia hoch­zu­la­den, hal­te ich für zu ris­kant. Hier gehen vie­le – auch gute – Bilder ein­fach in der Masse unter. Die Nicht-Exklusivität soll­te ja gera­de den Vorteil bie­ten, dass man für sich und sei­ne Bilder alle Kanäle und alle Marktsegmente belie­fern kann. Diesen Vorteil muss man nut­zen.

Für mich der wesent­li­che Vorteil nach der Exklusvität war jedoch einer­seits ein gro­ßer Motivationsschub und ande­rer­seits die uner­war­te­ten Möglichkeiten: Als Exklusiver ist man den Änderungen bei einer ein­zi­gen Agentur aus­ge­lie­fert. Zwar kann man iSto­ck und Getty nicht für alle Entwicklungen des Marktes ver­ant­wort­li­ch machen, aber eini­ge Probleme waren und sind haus­ge­macht. Das kann stark belas­ten, wenn man von den Einnahmen dort abhän­gig ist. Wie bei mir gese­hen, kann eine Änderung im Suchalgorithmus sehr kurz­fris­tig zu einem Einbruch der Einnahmen füh­ren.

Verteilung der Einnahmen auf die verschiedenen Bildagenturen
Verteilung der Einnahmen auf die ver­schie­de­nen Bildagenturen

Zwar lese ich heu­te auch noch auf­merk­sam alle Änderungen bei den ver­schie­de­nen Agenturen. Aber ich bin nicht mehr abhän­gig davon, bei jeder Änderung auf der Seite der Gewinner zu sein. Falls eine Agentur heu­te ihre Suchergebnisse ändert, betrifft dies immer nur einen Teil mei­ner Einnahmen. Ich kann mich all­ge­mei­nen Markttrends zwar nicht ent­zie­hen, aber zumin­dest glei­chen sich Schwankungen leich­ter aus.

Schließlich eröff­nen sich teil­wei­se Möglichkeiten, die man als iStock-Exklusiver nie auch nur in Erwägung gezo­gen hät­te. Rund 20% mei­ner Einnahmen heu­te erzie­le ich aus­ser­halb der Stock-Fotografie. Das hät­te ich zwar auch als iStock-Exklusiver machen kön­nen, jedoch hat man dort ver­ständ­li­cher­wei­se einen sehr ein­ge­schränk­ten Blick.

Insgesamt bin ich mit mei­ner per­sön­li­chen Entwicklung sehr zufrie­den, auch wenn ich ins­ge­samt noch zu wenig Geld ver­die­ne. Neben der finan­zi­el­len Situation hat sich vor allem auch mei­ne Perspektive auf die Fotografie geän­dert: Wenn man aus­schließ­li­ch für iSto­ck pro­du­ziert, schränkt man sich foto­gra­fi­sch oft­mals stark ein – man macht ein­fach das, wovon man bereits weiß, dass es akzep­tiert wird und sich ver­kauft. Heute kann ich viel mehr Risiken ein­ge­hen, auch mal unge­wöhn­li­che Motive oder eine neue Bearbeitungstechnik aus­zu­pro­bie­ren. Zwar erhal­te ich dann auch öfter Ablehnungen bei einer Agentur, kann es dann aber auch bei einer zwei­ten oder drit­ten pro­bie­ren.

Meine Zahlen deu­ten dar­auf hin, dass ich im Herbst an mei­ne bes­ten Monate aus den Jahren 2010 und 2011 anknüp­fen kann. Und ich bin über­zeugt, dass ich 2015 neue Rekordeinnahmen ver­mel­den kann. Daher kann ich vol­ler Überzeugung sagen, dass ich den Schritt in die Nicht-Exklusivität in den letz­ten 15 Monaten nicht ein ein­zi­ges Mal bereut habe.

Was für Erfahrungen habt ihr gemacht?

Exklusivität – Eine aussterbende Praxis im Microstock-Bereich

Ich gebe zu, die Überschrift ist gewagt. Gibt es doch eini­ge Fotografen, die zum Beispiel exklu­siv bei iSto­ck oder Fotolia sind, aber trotz­dem gutes Geld ver­die­nen.

Trotzdem glau­be ich, dass die­se Art der Geschäftsbeziehung zwi­schen Fotografen und Microstock-Bildagenturen auf dem abstei­gen­den Ast ist. Vor ca. zwei Jahren hat­te ich hier im Blog die Vorteile und die Nachteile von Exklusivität auf­ge­lis­tet. Mittlerweile hat sich der Markt geän­dert und ich wür­de die Gewichtung anders ver­tei­len. Zugunsten der Nachteile. Warum?

Machen wir einen Schritt zurück: Wir reden hier von „Fotografenexklusivität“, nicht von „Bildexklusivität“. Bei der Fotografenexklusivität ver­pflich­tet sich der Fotograf in der Regel, sein gesam­tes RF-Bildmaterial nur der einen Bildagentur zukom­men zu las­sen. Bei der Bildexklusivität kann der Fotograf die­se Entscheidung pro Bild tref­fen.

Logischerweise lohnt sich eine Exklusivität nur bei Agenturen, die genug Umsätze erzie­len. In der Praxis sind das haupt­säch­li­ch iSto­ck und Fotolia, unter Umständen viel­leicht noch Dreamstime.

Aber sowohl iSto­ck als auch Fotolia haben im letz­ten Jahr eini­ge Änderungen auf der Webseite gemacht, die sich nega­tiv für deren exklu­si­ve Fotografen aus­ge­wirkt haben. Was haben die Agenturen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – getan? iSto­ck hat zum Beispiel einer­seits die klei­nen Icons an den Bildern ent­fernt, mit denen Käufer auf den ers­ten Blick erken­nen konn­ten, dass ein Foto exklu­siv war. Jetzt steht nur noch auf der Detailseite, dass ein Foto dort exklu­siv erhält­li­ch ist, was de fac­to jedoch nicht immer stimmt, wie das Beispiel Yuri Arcurs auch nach über sechs Monaten „Exklusivität“ zeigt. Sein Bild „Geschäftsleute mit Fragezeichen“, was bei iSto­ck als „Only from iSto­ck“ mar­kiert ist, wird wei­ter hier oder hier oder hier güns­ti­ger ange­bo­ten.

Darüber hin­aus schwäch­te iSto­ck ihre Definition von Exklusivität, indem sie von „Fotografen“ auf „Bilder“ umstell­ten: Früher bedeu­te­te die Krone bei iSto­ck: „Images from this pho­to­gra­pher are only avail­able on iStock­pho­to“, heu­te heißt es nur „These icons high­light files crea­ted by iSto­ck exclu­si­ve artists. This means they can only be found on iSto­ck and select Getty Images part­ner sites.“

Außerdem hob iSto­ck das Upload-Limit für nicht-exklusive Fotografen auf, was einen der bis­he­ri­gen Vorteile für Exklusivität – die Möglichkeit, deut­li­ch mehr Bilder pro Woche hoch­la­den zu dür­fen – nich­tig macht. Diese und ande­re Faktoren schei­nen dazu zu füh­ren, dass exklu­si­ve iStock-Fotografen teil­wei­se star­ke Umsatzeinbußen haben. Michael Zwahlen hat nach dem Ende sei­ner iStock-Exklusivität vor zehn Monaten im Oktober erst­mals sogar mehr ver­dient als in einem Monat der letz­ten zwei Jahre.

Doch las­sen wir mal iSto­ck in Ruhe und schau­en uns Fotolia an.

Dort gab es mei­nes Wissens noch nie ein Abzeichen, Symbol oder gar einen Suchfilter, mit dem exklu­si­ve Dateien vom Käufer erkannt wer­den konn­ten. Eine der Legitimationen für höhe­re Preise, die exklu­si­ve Fotografen dort ver­lan­gen dür­fen, wird dem Käufer dem­nach nicht ver­mit­telt. Zudem wur­den im Juli die Möglichkeiten der auto­ma­ti­schen Preisreduzierung erhöht, was bedeu­tet, dass exklu­si­ve Fotografen pro­zen­tual stär­ker von nied­ri­ge­ren Preisen betrof­fen sind als nicht­ex­klu­si­ve Fotografen. Auch wur­de im September den Fotografen die Möglichkeit genom­men, exklu­si­ve Fotos aus dem Abo-Programm aus­zu­schlie­ßen. Auch schei­nen exklu­si­ve Fotografen bei Fotolia von der Suchumstellung im April 2013 stär­ker betrof­fen zu sein als nicht­ex­klu­si­ve Fotografen, wenn man den Kommentaren hier im Blog Glauben schenkt.

Da sich die Agenturen bei sol­chen Entscheidungen nur ungern in die Karten schau­en las­sen, kann nur ver­mu­tet wer­den, aus wel­chen Gründen die oben genann­ten Änderungen umge­setzt wur­den.

Wenn wir uns aber die Nachteile der Exklusivität aus Sicht der Bildagenturen und Käufer anschau­en, wird klar, war­um Exklusivität nicht mehr so stark pro­pa­giert wird wie noch vor fünf, sechs Jahren.

Auf der Hand liegt, dass Agenturen exklu­si­ven Fotografen mehr Prozente zah­len müs­sen als nicht­ex­klu­si­ven Fotografen. Da exklu­si­ve Fotografen nicht nach Qualität aus­ge­sucht wer­den, bedeu­tet das auch, dass die exklu­si­ven Fotos nicht auto­ma­ti­sch bes­ser sind. Und selbst wenn exklu­si­ve Fotos super sind, gibt es genü­gend nicht­ex­klu­si­ve Fotografen, wel­che die glei­chen oder sehr ähn­li­chen Motive woan­ders anbie­ten. Einem grü­nen Apfel vor wei­ßem Hintergrund sieht man nicht an, ob er exklu­siv ist oder nicht. Dafür dann je nach Agentur als Kunde dop­pelt so viel bezah­len zu müs­sen, sehen weni­ge Käufer ein.

Agenturen wie Shutterstock, die aus­schließ­li­ch nicht­ex­klu­siv arbei­ten, schei­nen trotz­dem – oder gera­de des­we­gen – stei­gen­de Umsätze zu erzie­len. In die­sem Blogpost erklärt der Shutterstock-CEO Jon Oringer auch, war­um aus sei­ner Sicht Exklusivität für RF-Fotos nichts bringt: „Exklusivität bedeu­tet nicht, dass ein Bild weni­ger genutzt wur­de, es bringt dem Käufer also kei­nen Vorteil.“

Die meis­ten pro­fes­sio­nel­len Fotografen, also die, wel­che regel­mä­ßig vie­le gute, ver­käuf­li­che Bilder lie­fern, sind in der Regel nicht­ex­klu­siv, weil sie nicht von einer Agentur mit stark schwan­ken­den Algorithmen abhän­gig sein wol­len. Eine Ausnahme bil­det da iSto­ck, wobei sie in der Vergangenheit auch eini­ge ihrer Top-Exklusiven ver­lo­ren oder gefeu­ert haben (sie­he Sean Locke). Notfalls bedie­nen sich exklu­si­ve Fotografen ger­ne eines – eigent­li­ch nicht erlaub­ten – Tricks: Wer exklu­siv bei einer Agentur ist, lässt ein­fach sei­ne Frau, sein Kind, sei­ne Oma oder ein ande­res Familienmitglied unter des­sen Namen Konten bei ande­ren Bildagenturen eröff­nen und kommt so in den Genuss der Vorteile bei­der Welten.

Wie passt aber mei­ne pes­si­mis­ti­sche Analyse zur Exklusivität mit der Entscheidung des Top-Fotografen Yuri Arcurs zusam­men, exklu­siv zu iSto­ck zu gehen? Auch vom kaum min­der guten Fotografen Andres Rodriguez wur­de erst kürz­li­ch ein neu­es exklu­si­ves Portfolio bei iSto­ck gesich­tet. Spricht das nicht für Exklusivität? Im Gegenteil. Yuri Arcurs hat sich mit sei­nem eige­nen Bildershop peopleimages.com die Möglichkeit offen behal­ten, sei­ne Fotos auch „woan­ders“ zu ver­kau­fen (oder zumin­dest iSto­ck dazu gebracht, die Definition von „Partnerseiten“ sehr stark zu deh­nen).

Auch Andres Rodriguez scheint einen Deal zu haben, der es ihm erlaubt, par­al­lel auch nicht-exklusiv sei­ne Bilder hier und bei ande­ren Bildagenturen zu ver­kau­fen. Solche „Deals“ benach­tei­li­gen logi­scher­wei­se die exklu­si­ven Fotografen, wel­che nicht die Verhandlungsmacht haben, sich sol­che Vorteile zu sichern. Ein Grund mehr gegen die Exklusivität.

Wie seht ihr das? Was sind eure Erfahrungen?

Der Fluch des Sean – Oder: Microstock-Hass und Häme

Von eini­gen Lesern wur­de ich gefragt, war­um ich bis­her nichts über die Kündigung von Sean Locke geschrie­ben habe. Ganz ehr­li­ch? Es ist schwer, mei­ne Ansichten dazu in Worte zu fas­sen.

Sean Locke ist exklu­si­ver Fotograf bei iStock­pho­to mit aktu­ell ca. 12.700 Bildern online und fast einer Million Verkäufen seit sei­ner Anmeldung Ende 2004. Das ergibt durch­schnitt­li­ch ca. 10.000 Verkäufe pro Monat und damit gehör­te er zu den Top-5-Fotografen bei der Bildagentur iStock­pho­to. Und das ohne ein gro­ßes Team, wie es eini­ge ande­re Fotografen in die­sen Sphären haben.

Screenshot des Profils von Sean Locke bei iStock­pho­to

Mitte Februar schrieb Sean Locke in sei­nem Blog, dass er von iStock­pho­to die Mitteilung erhal­ten habe, dass sein Benutzerkonto nach 30 Tagen geschlos­sen wer­de. Der kon­kre­te Anlass ist unklar, aber die Vermutung liegt nahe, dass iStock­pho­to sowie deren Mutteragentur Getty Images einer­seits unglück­li­ch dar­über waren, dass Sean Locke den „Google Drive“-Skandal öffent­li­ch gemacht hat­te und ande­rer­seits es mit sei­nem Greasemonkey-Skript erleich­tert hat­te, dass Leute ihre Bilder deak­ti­vie­ren kön­nen. Als Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brach­te, half Sean im Hintergrund mit, eine neue Bildagentur zu tes­ten, die jedoch noch nicht online ist. Es wird ver­mu­tet, dass die­se Agentur, wel­che er auch in sei­nem Blogbeitrag andeu­tet, die Agentur „Stocksy“ ist, wel­che der iStock-Gründer Bruce Livingstone in weni­gen Wochen star­ten will.

Aber reicht das aus, um einen sei­ner Top-Fotografen zu feu­ern? Für iSto­ck schon.

Was sagt uns das? Fotografen sind nichts mehr wert.

Selbst die gro­ßen Fotografen mit rie­si­gen Portfolios und tol­len Bildern wer­den in der Summe von den vie­len rest­li­chen Fotografen ersetzt wer­den kön­nen. Auch der Verlust der monat­li­chen Einnahmen (eine rea­lis­ti­sche Schätzung ist eine mitt­le­re fünf­stel­li­ge Summe für iSto­ck monat­li­ch) scheint die Agentur finan­zi­ell zu ver­kraf­ten. Ein Gast hat­te kürz­li­ch im Blog kom­men­tiert, dass die Bildagenturen ohne unse­re Fotos „nichts“ wären. Das mag logi­sch klin­gen, bringt den Fotografen aber kon­kret nichts, denn auch sie brau­chen die Agenturen, um tau­sen­de Lizenzen im Monat ver­kau­fen zu kön­nen.

Solche Reaktionen sind für mich der Grund, war­um ich kei­nem Fotografen eine exklu­si­ve Bindung an eine Bildagentur emp­feh­le, wenn er von sei­ner Arbeit leben will. Ich bin mir sicher, dass Sean mit sei­nem Können und sei­ner Erfahrung auch in ande­ren Bildagenturen erfolg­reich sein wird und wer weiß, viel­leicht ver­dient er dann unter dem Strich sogar mehr als bis­her. Ich wün­sche ihm dafür viel Erfolg.

Was mich aber fast noch mehr scho­ckiert hat als der Rauswurf von Sean Locke, waren die Reaktionen auf die Meldung bei Webseiten, wel­che nicht unbe­dingt bekannt dafür sind, microstock-freundlich ein­ge­stellt zu sein. So schrieb der Blog PetaPixel eine neu­tral gehal­te­ne Meldung, wel­che im Kommentarteil jedoch fast in einer vir­tu­el­len Geißelung ende­te.

So schrieb Felipe Carlos:

no pity here for pho­to­gra­pher he deser­ves for he gets, by choo­sing to work with micros­to­ck. Hopefully Getty cau­se him as much trou­ble as pos­si­ble, every pho­to­gra­pher who cont­ri­bu­tes to micros­to­ck should be punis­hed. It they who rui­ned this mar­ket.“

Der Fotograf Adam Gasson schrieb:

Have to say I agree with Mike – Microstock pho­to­graph­ers have done more than anyo­ne else over the last deca­de to com­mo­di­fy pho­to­gra­phy and now are rea­li­sing that they are just com­mo­di­ties them­sel­ves. The stam­pe­de to the bot­tom has drop­ped pri­ces and qua­li­ty to such a level that it is almost impos­si­ble for pro­fes­sio­nal pho­to­graph­ers to sur­vi­ve, so we have an indus­try based upon ama­teurs and moon­ligh­ters. Then the­se peop­le won­der why the agen­ci­es no lon­ger see the need to treat them, or value them as pro­fes­sio­nals. You have crea­ted the beast – again­st the advice of many peop­le who have worked in the indus­try for years – now you com­plain that it has bit­ten you and expect us all to sym­pa­thise?“

Ein anony­mer Kommentator schrieb:

As a pro­fes­sio­nal pho­to­gra­pher, it’s hard to think of anyo­ne as ano­ther “pro” who has 12,000 photo’s on file and one mil­lion licen­ses; he’s a fac­to­ry worker man­ning a pho­to­gra­phic drill press, not the next Avedon. All tho­se on here that say he’s part of the pro­blem, not part of the solu­ti­on is right on the beam. It’s going to be hard to rai­se any kind of sym­pa­thy for someo­ne who’s been invol­ved in wre­cking the busi­ness and is now try­ing to moti­va­te peop­le to back his level of “wre­cking” vs. the new level of “wre­cking”.“

Beim Lesen der Kommentare scheint es, als wäre Sean Locke per­sön­li­ch ver­ant­wort­li­ch für den Untergang des Macrostock-Geschäftsmodells. Dabei ist die Geschichte doch etwas anders: Es waren kei­nes­wegs pro­fes­sio­nel­le Fotografen, die beschlos­sen haben, ihre Fotos plötz­li­ch für ein Hundertstel des ursprüng­li­chen Preises zu ver­kau­fen.

Im Gegenteil: Es waren doch Grafikdesigner wie Bruce Livingston, die es im Jahr 2000 satt hat­ten, die hohen Bildpreise zu bezah­len und beschlos­sen, lie­ber ihre eige­nen – als Notlösung selb­ge­mach­ten – Fotos unter­ein­an­der auf iStock­pho­to zu tau­schen statt bei den zu teu­ren Bildagenturen zu kau­fen. In den ers­ten zwei Monaten gab es nach eige­nen Angaben schon mehr als 3500 Nutzer und mehr als zwei Millionen Downloads. Je mehr Designer und irgend­wann auch Hobbyfotografen mit­mach­ten, desto stär­ker wur­de die Konkurrenz zu Macrostock. Profi-Fotografen muss­ten zuse­hen, wie ihre Einnahmen san­ken und konn­ten ent­we­der im Internet laut­hals jam­mern oder sich dem geän­der­ten Markt anpas­sen, indem sie ihre Bilder eben­falls bil­lig ver­kauf­ten.

Wer will, kann sogar noch vor­her anset­zen und der Erfindung der Digitalkameras die Schuld geben, wel­che das Fotografieren stark ver­ein­fach­te oder der Erfindung des Internets, mit dem der digi­ta­le Datenaustausch auf ein­mal schnell und bil­lig funk­tio­nier­te. Ohne die­se bei­den Voraussetzungen hät­te sich Microstock nie oder nicht so schnell ent­wi­ckelt.

Eine ganz ande­re Vorgeschichte wird eben­falls ger­ne über­se­hen: Anfang der 1990er Jahre wur­den sowohl Getty Images als auch Corbis von rei­chen Unternehmern gegrün­det, wel­che im Gegensatz zu den tra­di­tio­nel­len klei­nen inha­ber­ge­führ­ten Bildagenturen kei­nen Bezug zur Fotografie hat­ten, son­dern Fotos nur als eine Ware sahen, mit der Geld ver­dient wer­den konn­te. Diese bei­den Agenturen kau­fen in den nächs­ten zehn Jahren so vie­le klei­ne Bildagenturen auf, dass sich der Bildermarkt prak­ti­sch inner­halb von einem Jahrzehnt einem Duopol aus Getty und Corbis gegen­über sah, wel­ches so über­mäch­tig war, dass es Preise, Lizenz- und Nutzungsbedingungen dik­tie­ren konn­te. Weil das eben auch Bildnutzern sau­er auf­stieg, such­ten die­se nach Alternativen und… sie­he oben.

Worauf ich hin­aus will:
Es ist nicht leicht, weder als Macrostock- noch als Microstock-Fotograf. Evolution gehört auf jeden Fall zu einem erfolg­rei­chen Unternehmer. Auch Sean Locke weiß das und wird sicher bald zu neu­en Ufern auf­bre­chen.