Die sieben Vorteile von Exklusivität für Fotografen in Bildagenturen

Warum bin ich nicht exklusiv bei einer Bildagentur? Manchmal werde ich von Lesern meines Buches „Stockfotografie“* gefragt, warum ich meine Fotos nicht exklusiv über eine Agentur verkaufen lasse. Im Buch liste ich einen Teil meiner Umsätze pro Agentur auf. Mit Abstand am meisten verdiene ich zur Zeit bei Fotolia*. Deshalb bekomme ich ab und zu Mails wie diese von Lukas:

„Ich bin neu bei der Stockfotografie seit November 2010 und habe mir jetzt ihr Buch Stockfotografie gekauft und bin fleissig am Lesen und lernen. Ich habe vorhin gerade die Verkaufszahlen der einzelnen Fotografen, wie auch Ihnen kurz überflogen und ich stelle mir jetzt eine kurze Frage: Sie verdienen bei Fotolia deutlich mehr als bei allen anderen, warum bieten Sie dort ihre Bilder nicht gleich voll-exklusiv an? Der Aufwand wäre doch viel geringer und der Verdienst etwa gleich hoch?“

Meine Antwort in Kurzform ist immer: Es hat seine Gründe. Heute will ich diese Gründe aber ausführlich beleuchten und erklären, wann es auch sinnvoll sein kann, sich exklusiv an eine Agentur zu binden.

Vorher jedoch eine Begriffsbestimmung: Es gibt verschiedene Arten von Exklusivität, zum Beispiel Bildexklusivität, Preisexklusivität oder Fotografenexklusivität. Die Unterschiede erläutere ich in meinen Buch genauer, kurz nur: In diesem Text geht es um die Fotografenexklusivität, bei der sich der Fotograf verpflichtet, alle seine Fotos nur über die eine Agentur anzubieten. Einige der Punkte lassen sich aber auch auf eine Bildexklusivität beziehen, bei der der Fotograf sich bereit erklärt, nur bestimmte Bilder exklusiv über eine Agentur zu vertreiben.


Konkret gibt es bei den einzelnen Verträgen Ausnahmen und Unterschiede, deswegen vor der Entscheidung für oder gegen Exklusivität bei einer Agentur den Exklusivvertrag aufmerksam mit Hinblick auf die unten aufgezählten Punkte lesen.

Was sind die Vorteile von Exklusivität bei einer Bildagentur?

  1. Zeitersparnis
    Dieser Punkt liegt auf der Hand. Wer nur eine Agentur, statt – wie ich – mehr als 15 beliefert, spart dadurch viel Zeit. Durch eine Optimierung des Workflows und Verwendung von IPTC und FTP lässt sich zwar viel Zeit sparen, aber es ist immer schneller und einfacher, seine Fotos nur an eine Agentur zu senden.
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  3. Optimierung von Verschlagwortung und Bildqualität
    Jede Agentur achtet auf andere Details bei der Bewertung von Bildern: Schärfe, Bildrauschen, chromatische Aberration usw. Wer nur eine Agentur hat, kann sich bei der Retusche ganz darauf konzentrieren, wo seine Agentur am kritischsten ist und diese Bildfehler bevorzugt korrigieren. Auch das spart Zeit, führt manchmal aber dazu, dass man mit der Zeit betriebsblind wird und andere Bildfehler nicht mehr als so störend wahrgenommen werden. 

    Auch die Verschlagwortung kann der exklusiv belieferten Agentur angepasst werden. Das betrifft sowohl die Menge der Suchbegriffe, die Sprache (deutsch, englisch, französisch, andere Sprachen?) und viele Details, die sich ansonsten bei vielen Agenturen unterscheiden: Soll nur Einzahl oder auch Mehrzahl verwendet werden? Werden Verben gebeugt oder nur im Infinitiv gebraucht? Sind Markennamen oder Redewendungen erlaubt?

    Viele exklusive Fotografen können diesen Vorteil zu ihren Gunsten noch weiter ausbauen, wenn sie ihre Kenntnisse über die Funktionsweise der agenturinternen Suchfunktion vertiefen. Die meisten Bildagenturen schützen ihren Suchalgorhythmus wie einen geheimen Schatz, aber durch eigene Tests oder Erfahrungsberichte in Foren (agenturintern oder externe Foren wie microstockgroup oder Foto-Talk) lässt sich viel rausfinden: Wie geht die Suche mit Bindestrichen, Umlauten oder Sonderzeichen um? Nach welchen Prinzipien übersetzt die Suche? Gibt es ein kontrolliertes Vokabular?

     

  4. Bessere Rechtekontrolle
    Ein Fotograf findet eins seiner Fotos auf einer dubiosen Internetseite. Die Art der Nutzung gefällt ihm nicht. Womöglich wurde das Foto sogar gestohlen. Ein nicht-exklusiver Fotograf müsste jetzt bei allen Bildgenturen, bei denen er das Foto anbietet, herausfinden, ob es ordnungsgemäß lizenziert wurde. Wenn es nicht gekauft, sondern gestohlen wurde, muss der Fotograf meist selbst tätig werden, weil jede Agentur sagen kann: „Ach, das Bild kam nicht von uns, das bieten sie doch auch bei der Konkurrenz an“.Ein exklusiver Fotograf hat es deutlich einfacher: Das Foto wird nur bei einer Agentur angeboten, demnach muss der potenzielle Dieb es dort gefunden haben. Die Agentur kann dann die eigene Rechtsabteilung, welche Routine besitzt, auf den Fall ansetzen.
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  6. Keine Preiskonkurrenz und höhere Preise
    Wer seine Fotos nur bei einer Agentur anbietet, kann klar sagen, wie viel die Bilder kosten. Bei einer Belieferung von vielen Agenturen können Käufer überlegen: Das Bild in Web-Auflösung kostet bei Agentur X am wenigsten, bei Agentur Y habe ich sowieso ein Abo, bei Agentur Z kostet die Merchandising-Lizenz weniger. Gefällt dem Kunden ein Bild so gut, dass er unbedingt genau dieses, kein ähnliches, will, ist er bei exklusiven Fotos eher bereit, einen höheren Preis zu zahlen, weil er die Bildagenturen nicht „gegeneinander ausspielen“ kann. 

    Das wissen auch die Bildagenturen und verkaufen deswegen ihre exklusiven Fotos oft auch teurer. Bei istockphoto kosten exklusive Fotos 50-100% mehr, bei Fotolia können exklusive Fotografen selbst entscheiden, ob sie ihre Preise höher setzen wollen, bis zu einer Verdreifachung der normalen Preise ist möglich.

     

  7. Bessere Positionierung in den Suchergebnissen
    Vor kurzem hat die Firma Lookstat ein Experiment gemacht: Wie stark werden die Fotos von Exklusivfotografen bei den Suchergebnissen von istockphoto bevorzugt? Das Ergebnis ist erhellend: Die Bilder von exklusiven Fotografen werden ca. vier Mal häufiger als die von nicht-exklusiven Fotografen angezeigt. Das führt zu mehr Verkäufen und mehr Einnahmen der Exklusivfotografen.Dieser Vorteil ist umso stärker ausgeprägt, je mehr Motive die Bildagentur zur Suchanfrage im Archiv hat, zum Beispiel bei Exklusivfotografen, die viele Business-, Lifestyle- oder Wellness-Fotos anbieten. Logisch: Sind bei einem Thema nur wenige Fotos vorhanden, muss häufiger auf das Material der nicht-exklusiven Fotografen zurückgegriffen werden. 

    Bei anderen Agenturen ist das Missverhältnis nicht so krass, aber dennoch bemerkbar. So verdienen zum Beispiel Fotografen, die sich exklusiv bei Fotolia verpflichten, ungefähr doppelt so viel pro Bild wie nicht-exklusive Fotografen. Bei Dreamstime können Fotografen sich sogar ausrechnen lassen, welche Mehreinnahmen sie durch eine Exklusivität dort generieren könnten. Bei mir wären das ca. 20% mehr pro Abo-Verkauf, 86% mehr pro Credit-Verkauf und unter dem Strich ca. doppelt so hohe Einnahmen wie bisher. Auch hier wieder die Formel „Exklusivität-Einnahmen = Nichtexklusivität-Einnahmen x 2“.

     

  8. Bessere Honorarbeteiligung
    Die erwähnten Mehreinnahmen sind nicht nur ein Ergebnis besserer Positionierung bei den Suchergebnissen, sondern auch durch eine besserer Honorarbeteiligung. In der Regel zahlt jede Bildagentur, welche beide Modelle (exklusiv/nicht-exklusiv) anbietet, den exklusiven Fotografen mehr Prozente des Umsatzes aus. Bei istockphoto erhalten Fotografen dann statt 15-20% sagenhafte 20-45% der Einnahmen. Bei Fotolia sind es 42-63% für Exklusivfotografen statt 25-46%. Dreamstime schüttet 60% statt 25-50% aus. Einige Macrostock-Agenturen akzeptieren nur exklusive Fotografen oder Bilder und haben deswegen keine unterschiedlichen Honorare.Die Honorarbeteiligung muss jedoch relativ gesehen werden. Es hilft wenig, wenn eine Agentur 90% dem Fotografen der Einnahmen verspricht, jedoch kaum Verkäufe generiert. Deswegen lohnt sich ein Exklusivvertrag nur mit großen Bildagenturen, die regelmäßig viele Umsätze erzielen.
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  10. Mehr Anreize
    Zusätzlich zu den genannten Vorteilen bietet jede Bildagenturen weitere Anreize für die Exklusivität. Diese können ganz unterschiedlich ausfallen. Dreamstime bietet für Exklusivfotografen 20 Cent pro hochgeladenem akzeptierten Foto an – auch nachträglich – und eine um 50% höhere Upload-Quote. Auch istockphoto erlaubt seinen „Exklusives“, mehr Bilder hochzuladen und schenkt den Fotografen Visitenkarten mit ihren Motiven. Auch die Teilnahme an den sogenannten „istockalypse“-Workshops ist nur exklusiv möglich. Fotolia bietet exklusiven Fotografen die Möglichkeit, ihre Bilder von den billigen Abonnements auszuschließen.

Wow, sieben Vorteile für Exklusivität bei Bildagenturen? Wo ist da der Haken? Geduld. Im nächsten Artikel am Montag zähle ich die sechs Nachteile der Exklusivität auf, die meines Erachtens nach mindestens genauso schwer wiegen wie die Vorteile.

Bis dahin berichtet doch in den Kommentaren, welche Vorteile ihr für Euch seht? Bitte vermeidet die Nachteile, die können wir im nächsten Artikel diskutieren.

6 Gedanken zu „Die sieben Vorteile von Exklusivität für Fotografen in Bildagenturen“

  1. Hi,

    eine sehr schöner Einstieg in ein Thema das mich momentan auch extrem beschäftigt. Ich bin exklusiv bei Fotolia. Ich habe mich sehr frühzeitig nur auf Fotolia konzentriert und dann im Herbst 2009, die Fotografenexklusivität aktiviert.

    Für mich bedeutet es eine enorme Zeitersparnis, da ich „hauptberuflich“ Unternehmer in einem ganz anderem Feld bin. Im Prinzip kann ich die gesamten genannten Vorteile nur unterstreichen: ich konzentriere mich auf eine gute deutsche Verschlagwortung, meine Motive bewegen sich zur Hälfte im People-Bereich, was von der Agentur zu 99% angenommen wird. Daneben versuche ich auch konzeptionelle Bilder und Produktfotos zu platzieren, wo ich mittlerweile gut weiß, was die Agentur annimmt und was nicht. Hier könnte ich jetzt aber ganz groß mit Nachteilen ansetzen. Aber das werd ich wohl am Montag nachholen 🙂

    Nur so viel vorab: ich hadere mit mir selber ob ich die Exklsuivität nicht aufgeben sollte. Die Entscheidung hab ich vorerst auf Ende des Monats vertagt und ich warte jetzt mit Spannung auf Roberts Artikel am Montag und die Kommentare.

  2. Bei den Nachteilen der Exklusivität sind
    – Währungsschwankungen, derzeit $ im Abwärtstrend (negativ bei istock; Dreamstime)
    – Umstellungen in der Bildersuche,Beststeller können plötzlich weit zurück rutschen.
    – Geringerer Umsatz, mit nur einer Agentur ist der Umsatz meist schwächer als mit mehreren. Robert hat in seiner Statistik ja nur die Micros erwähnt, aber er bietet ja auch Makroagenturen im Budgetbereich an. Wenn das schon Agenturen wie AGE, Mauritius,etc machen, kann man erwarten, das noch einige aufspringen werden. Dieser Trend wird sich fortsetzen.

    Wenn man von den Einnahmen abhängig ist, dann ist die Exklusivität ein Nachteil. Wenn man von der Stockfotografie lebt, ist Exklusivität sogar ein großes Risiko.
    Dazu ist der Pool an Mikrostockagenturen eigentlich ein recht kleiner.
    Dazu sperrt man sich im Makrostock zum teil sogar selbst aus. Im RM Bereich gibt es auch nach Mikrostock noch gute Verkäufe. Nicht mehr so oft und so hoch wie früher. Aber trotzdem noch lukrativ.
    Der Pool an Agenturen im Makrobereich, die auch Umsatz machen ist wesentlich größer als bei den Mikros. Der Aufwand ist geringer, einfach eine HD mit den Veschlagworteten Bildern hinsenden. Keine nächtelangen Fingerübungen mir der Maus , um die Bilder einzustellen.
    Das man sich den durchaus auch lukrativen RF Bereich bei Makroagenturen mit einer Fotografen Exklusivität selbst sperrt ist sicher ein Thema. Bei vielen Makros kommt man ohne RF in den RM Bereich gar nicht rein. Zumindest eine richtige RM Agentur wählt selbst aus, ob das bild im RM oder RF Bereich angeboten wird.

  3. hallo,

    ich uberlege mahl einige fotos hoch zu laden alz exclusiv autor. kandst du sagen whelche agentur bittet die besten preise fur exclusiv autors?

    danke und endschuldingung fur mein schlechttes deutsch,

  4. @Franci: Das kommt darauf an: Gute Preise heißt noch nicht, dass die Agentur auch gut verkauft. Und willst Du Deine Bilder eher im Microstockbereich oder als Macrostock anbieten? Im Microstock-Bereich würde ich Fotolia als exklusive Agentur empfehlen, im Macrostock-Bereich z.B. plainpicture oder Mauritius.

  5. Ein bisschen OT: Ist dir eigentlich aufgefallen, dass du mit dem illustrierenden Bild Frauen als bremsend und Männer als Macher darstellst?

  6. @Nicolai: Ich seh dein Problem nicht. Ich habe die beiden auch als Fotos, wo beide alle Daumen hoch zeigen. Zum Problem wird so ein Bild nur, wenn Leute die gezeigten Personen auf ihr Geschlecht reduzieren. Genauso gut könnte das Bild aussagen, dass schwarzhaarige Personen „Macher“ seien und brünette Personen „bremsen“.

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