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Das erfolgreiche „Zwischendurch-​Stock-​Portfolio“ (Gastartikel)

Während ich haupt­be­ruf­lich an mei­nem Stock-​Portfolio arbei­te, gibt es auch vie­le Anbieter, wel­che nur „neben­bei“ eini­ge Fotos hoch­la­den, vor allem Urlaubsbilder und manch­mal auch exklu­siv sind, weil ihnen die Zeit fehlt, nach ihrem Hauptberuf mehr Zeit in die Stockfotografie zu stecken.

Einer die­ser Leute, Tim David Müller-​Zitzke aus Bremerhaven, ist einer davon und sogar sehr erfolg­reich.  Deshalb habe ich ihn gebe­ten, mal zu schrei­ben, wie er an die Sache her­an­geht. Hier sein Artikel:

Der 01. Mai 2012 ist der Tag, an dem mein Account bei Fotolia akti­viert wor­den ist. Von dort an hat sich für mich aus einer Freizeitbeschäftigung eine Tätigkeit ent­wi­ckelt, die mein Dasein als Fotograf, Filmproduzent und Digital Artist um ein wei­te­res finan­zi­el­les Standbein ergänzt hat.

Dieses Bild ist auf dem Rückweg von einem Segeltörn auf der Nordsee entstanden
Dieses Bild ist auf dem Rückweg von einem Segeltörn auf der Nordsee entstanden.

Was beim Betrachten mei­nes Portfolios ver­mut­lich auf­fällt, ist, dass es sehr bunt gemischt ist und es äußerst weni­ge Fotos von Personen beinhal­tet. Es ist so gemischt, dass es sich fast anneh­men lässt, dass zumin­dest eini­ge mei­ner Fotos, „zwi­schen­durch“ ent­stan­den sein müs­sen. Diese Annahme ist zutref­fend und gilt sogar für eini­ge mei­ner Bestseller. Dennoch konn­te ich schon eini­ge tau­send Lizenzverkäufe mit mei­nem Fotolia-​Account errei­chen. Robert bat mir an, ein wenig über die­se „etwas ande­re“ Art der Stockfotografie zu berich­ten und das mache ich natür­lich gerne.

Vor kur­zem erst habe ich mit einer Gestalterin gespro­chen, die eine kom­plet­te Webseite aus­schließ­lich mit Bildern aus mei­nem Portfolio illus­triert hat­te. Zu unter­schied­lichs­ten Themen war sie bei mir fün­dig gewor­den – mal mit reprä­sen­ta­ti­ven Darstellungen, mal mit kon­zep­tio­nel­len Symbolbildern. Dies war wohl mög­lich, weil ich mei­ne Stockfotografie bis­her weder vom foto­gra­fi­schen Stil her noch the­ma­tisch einer bestimm­ten Richtung ver­pflich­tet habe. Darüber hin­aus bie­te ich fast nur Einzelbilder und somit wenig Serien an. Das kann aber durch­aus auch ein Nachteil sein, wenn ein Kunde Motiv-​Variationen braucht oder meh­re­re ähn­li­che Themen im glei­chen Stil abde­cken möch­te. Dass ich kaum Serien pro­du­zie­re, liegt auch dar­an, dass ich mei­ne ein­zel­nen Fotos rela­tiv lan­ge und auf­wän­dig bear­bei­te, teil­wei­se inklu­si­ve Compositing, und somit auch aus Effizienzgründen ein­fach weni­ger auf „Serienproduktionen“ setze.

Am Tag meines Umzugs habe ich dieses Foto aufgenommen, bevor ich den Raum später mit Kisten und Einrichtungsgegenständen vollgestellt habe.
Am Tag mei­nes Umzugs habe ich die­ses Foto auf­ge­nom­men, bevor ich den Raum spä­ter mit Kisten und Einrichtungsgegenständen voll­ge­stellt habe.

Zu Anfang mei­ner Zeit bei Fotolia habe ich häu­fig Urlaubsfotos hoch­ge­la­den. Doch auch jetzt noch zei­gen vie­le mei­ner ange­bo­te­nen Fotos Städte und Landschaften, ande­re zei­gen Gegenstände, die ich im Studio oder anders­wo foto­gra­fiert habe, z.B. auf Jahrmärkten. Personen hin­ge­gen sind kaum zu fin­den. Ich bin bis­her eher sel­ten wirk­lich los gezo­gen, um direkt für mein Stock-​Portfolio zu pro­du­zie­ren – was ein ziem­li­ches Alleinstellungsmerkmal zu mei­nen haupt­be­ruf­li­chen Stock-​Kollegen dar­stel­len dürfte.

Dafür aber habe ich im Laufe der Zeit ein Gefühl dafür ent­wi­ckelt, wel­che Motive in Stockagenturen gefragt sind und behal­te das im Hinterkopf, wann immer ich die Kamera irgend­wo hin einpacke.
Die meis­ten mei­ner bis­he­ri­gen Stockfotos sind auf Städtetouren, in Urlauben oder aber am Rande von Aufträgen ent­stan­den. Viele mei­ner Fotos neh­me ich für Tourismus-​Unternehmen, Hotelerie oder ande­re Business-​Kunden auf. Andere bie­te ich spä­ter erst zum Direktkauf an und neh­me nach dem Shoot Kontakt mit poten­ti­el­len Abnehmern, z.B. Postkarten-​Verlagen auf. Man kann also bei eini­gen mei­ner Fotolia-​Motive durch­aus auch von einer Zweitverwendung sprechen.

Ein Städtetrip nach Hamburg geht immer! Ebenso gut ver­kauft sich die­ses Motiv.

Im Vergleich zu einem „typi­schen“ Stock-​Shooting – zum Beispiel von Robert – mit aus­ge­such­ten Models, Locations und viel, viel Vorbereitung, hält sich mein Aufwand für Fotolia bis­her eher in Grenzen. Auch finan­zi­ell. Da ich für mei­ne Motive sowie­so an Ort und Stelle bin, muss ich oft­mals kei­ne grö­ße­ren Investitionen täti­gen als bei­spiels­wei­se den Eintrittspreis zu einer Aussichtsplattform. Entsprechend mini­miert sich somit auch mein Risiko für den Fall, dass ich spä­ter auf den Bildern „sit­zen bleibe“.

Im Austausch mit ande­ren Stockfotografen hat sich die the­ma­ti­sche Streuung auch im Verkauf immer wie­der als vor­teil­haft her­aus gestellt. Ich bin sowohl von aktu­el­len Themen-​Trends als auch von den Jahreszeiten sehr viel weni­ger abhän­gig als mei­ne Kollegen. Und dann wäre da noch der künst­le­ri­sche Faktor: Ich nut­ze bei der Aufnahme mei­ner Bilder ger­ne erwei­ter­te Fotografe-​Techniken, wie zum Beispiel die Langzeitbelichtung oder ich erstel­le Compositings in Photoshop. Diese Bilder ver­kau­fen sich erfah­rungs­ge­mäß beson­ders gut. Wohl aber abhän­gig bin ich natür­lich von der all­ge­mei­nen Kauflaune der Bildkäufer, die zum Beispiel im Sommer deut­lich gerin­ger ausfällt.

Einer meiner Bestseller: Dieses Motiv entstand im Winterurlaub in Davos, Schweiz bei einer Wanderung.
Einer mei­ner Bestseller: Dieses Motiv ent­stand im Winterurlaub in Davos, Schweiz bei einer Wanderung.

Ebenso deut­lich macht sich bemerk­bar, wenn Fotolia Änderungen an den Preismodellen oder der Verkaufsstrategie vor­nimmt, die uns Anbieter logi­scher­wei­se immer direkt mit betref­fen. Dazu zählt auch das Abo-​Modell, das immer ver­brei­te­ter ist – was bei vie­len Stockfotografen für erheb­li­che Umsatzeinbrüche sorgt.

Eine wei­te­re Schwierigkeit für mich stellt die Selektion der Bildagentur dar: Landschaftsbilder haben es erfah­rungs­ge­mäß schwe­rer, ange­nom­men zu wer­den. Doch wenn sie es dann durch die Selektion schaf­fen, wer­den sie meist sehr gut angenommen.
Man muss jedoch auch fest­hal­ten, dass mein aktu­el­les Portfolio bei Fotolia bis­her nur 851 Aufnahmen beträgt und die Stockfotografie wie gesagt immer noch eine Nebeneinnahme für mich darstellt.

Ein extra für Fotolia erstelltes Compositing: Mein Kumpel Matthieu mit Virtual Reality Brille, im Hintergrund die Skyline von Los Angeles.
Ein extra für Fotolia erstell­tes Compositing: Mein Kumpel Matthieu mit Virtual Reality Brille, im Hintergrund die Skyline von Los Angeles.

Ich bin Student der Digitalen Medienproduktion im 6. Semester und arbei­te, wie schon erwähnt, par­al­lel im Bereich Fotografie und Film. Dennoch ste­he ich kurz vor dem Fotolia Status „Gold“ (10.000 ver­kauf­te Lizenzen) und bin voll exklu­siv. Falls das jeman­den inter­es­sie­ren soll­te: Die Exklusivität ist schlicht­weg der Einfachheit geschul­det – bis­lang fehl­ten mir die zeit­li­chen Ressourcen, um mich um meh­re­re Agenturen küm­mern zu können.

Über mei­nen Verdienst kann ich mich, obwohl ich ja nur ein „klei­ner Fisch“ bin, nicht beschwe­ren. Mit 11,4 Verkäufen pro Bild lie­ge ich leicht über dem Durchschnitt. Mit den Einnahmen von Fotolia konn­te ich zum Beispiel schon seit Anfang des Studiums mei­ne Miete bezah­len – also nur 1,5 Jahre nach mei­nem Debüt in der Stockfotografie. Dadurch blieb mir ein „Themen-​entfernter“ Nebenjob erspart und ich konn­te mich trotz Uni wei­ter auf die Fotografie und somit auch wie­der auf Stockfotografie konzentrieren.

Mein bisheriger Bestseller. Inzwischen schon ein paar Jahre alt doch noch immer vielseitig einsetzbar zum Thema Fotografie.
Mein bis­he­ri­ger Bestseller. Inzwischen schon ein paar Jahre alt doch noch immer viel­sei­tig ein­setz­bar zum Thema Fotografie.

Momentan berei­te ich mich dar­auf vor, mein Stock Portfolio wei­ter aus­zu­bau­en und das Modell dann auch im grö­ße­ren Rahmen zu tes­ten. Da ich in den ver­gan­ge­nen vier Jahren ein Gefühl dafür ent­wi­ckeln konn­te, wel­che Motive sich im Stockbereich ver­kau­fen, wer­de Ich wohl in Zukunft auch direk­ter für mein Portfolio pro­du­zie­ren. Doch den Anfang macht die Postproduktion: Auf mei­nen Festplatten war­tet ein rie­si­ges Foto-​Archiv mit unan­ge­tas­te­ten Rohdateien aus den 2 letz­ten Jahren, für deren Bearbeitung ich auf­grund ande­rer Projekte zuletzt kei­ne Zeit mehr hat­te. Außerdem habe ich durch mei­ne Arbeit mit Film und Bewegtbild ein wei­te­res Verkaufsfeld für mein Portfolio ent­deckt. Gerne berich­te ich in Zukunft ein­mal, wie es damit wei­ter geht.

Hier noch der Link zu mei­nem Fotolia-​Portfolio und der Link zu mei­ner Website und mei­ner Facebook-​Seite.

Sie sind Fotograf? Können sie davon leben? (Gastartikel)

Jeder, der selb­stän­dig oder Freiberufler ist und nicht gera­de Arzt oder Rechtsanwalt, wird die­se Frage schon mal gehört haben: „Kannst du von dei­ner Arbeit leben?“ Ich höre das stän­dig. Deshalb fand ich es gut, dass sich Gisela Enders die­ser Frage ange­nom­men hat und heu­te erklärt, was dahin­ter steckt.

Gisela ist nicht irgend­je­mand. Doch dafür muss ich kurz aus­ho­len. Vor mei­ner Selbständigkeit habe ich trotz­dem unzäh­li­ge Jobs gehabt, Zeitungsausträger, Nachhilfelehrer, Pressesprecher, in einer Wäscherei, im Baumarkt, in einer Drogerie und so wei­ter. Dabei hat­te ich eben­so vie­le Chefs. Gisela war für fast zwei Jahre mei­ne Chefin bei der BUNDjugend, wo ich zusam­men mit einem Haufen jun­ger, idea­lis­ti­scher und lern­fä­hi­ger Leute mei­nen Zivildienst geleis­tet habe.

Gisela war – bei allem Respekt vor den ande­ren Chefs – mei­ne beein­dru­ckends­te Chefin, weil sie es geschafft hat, uns jun­gen Leuten das Gefühl zu geben, dass wir etwas kön­nen. Sie leg­te viel Wert dar­auf, sich und uns wei­ter­zu­bil­den, auf selb­stän­di­ge Arbeit und konn­te einen so moti­vie­ren, dass selbst der Küchendienst eine Freude war.

Deshalb wun­dert es mich nicht, dass sie sich mitt­ler­wei­le als Beraterin für Existenzgründungen und Veränderungen in Berlin selb­stän­dig gemacht hat. Wer wis­sen will, was sie macht, fin­det hier ihre Webseite.

Los geht:

—–ab hier schreibt Gisela Enders —-

Foto: Frollein Schmitt

In mei­ner Arbeit mit Gründern wird mir immer wie­der berich­tet, dass sie mit der Frage „Und, kön­nen Sie denn davon leben?“ kon­fron­tiert wer­den, die sie als sehr abschät­zig bewerten.
Ich kann mich selbst noch an den Beginn mei­ner Selbständigkeit gut erin­nern und dar­an, wie die Frage mich zu Beginn getrof­fen hat. Damit dies mög­lichst weni­gen pas­siert, will ich mei­ne Gedanken zu die­ser Frage ger­ne ein wenig ausführen.

Wann wird die Frage über­haupt gestellt? Ja, meist nicht, wenn man nur sei­ne Berufsbezeichnung gesagt hat, son­dern wenn man auch etwas dar­über erzählt hat, dass man sich selb­stän­dig gemacht hat und sein eige­ner Chef ist. Dass man sei­ne Aufträge selbst akqui­riert und ein bestimm­tes Produkt oder eine Dienstleistung anbie­tet. Je frü­her man im Status der Selbständigkeit ist, umso mehr schwin­gen eher Pläne als Realitäten mit. Ein tol­les Einfallstor – um mit der Frage „Und davon kannst Du leben?“ alle eige­nen Zweifel hoch­zu­brin­gen. Aber auch in spä­te­ren Phasen der eige­nen Unternehmung wird die Frage immer wie­der gestellt. In mei­ner Wahrnehmung pas­siert das häu­fi­ger denen, die eine Dienstleistung anbie­ten als jenen, die wenigs­tens ein hand­fes­tes Produkt vor­wei­sen kön­nen. Da hat­te ich neu­lich eine Fotografin, die mit ihren Fotos deut­lich mehr ver­dient, als sie dies als Angestellte je rea­li­siert hat. Und sie war empört über die Frage, weil sie es – nach einem anre­gen­den Gespräch über ihre ver­schie­de­ne Angebote – als eine Entwertung ihrer Arbeit, ja als Unverschämtheit, ver­stan­den hat.

Wir reden in Deutschland wenig über Gehälter und wenn jemand ange­stellt arbei­tet, wird sel­ten in Frage gestellt, dass die­se Person davon (irgend­wie) leben kann. Derweil sind es oft gera­de die Angestelltenverhältnisse, die mit nied­ri­gen Gehältern und einem hohen zeit­li­chen Einsatz daher­kom­men. Dennoch wür­den wir es als grenz­über­schrei­tend und indis­kret ver­ste­hen, wenn wir nicht nur nach der Gehaltshöhe fra­gen wür­den, son­dern auch gleich in Frage stel­len wür­den, dass man davon leben könne.

Warum wird Selbständigen also die­se Frage so oft gestellt? Leider ist man als Betroffene/​r in die­ser Situation oft so baff, dass man sich nicht traut zurück­zu­fra­gen, was die Motivation für die­se Frage ist. Und ich bin sicher, dass die­se Motivation viel­schich­tig und auf den ers­ten Blick selbst dem Fragenden nicht unbe­dingt zugäng­lich ist. Ich habe mir schon vie­le Gedanken auch mit Klienten dazu gemacht, ein­fach um zu sehen, wel­che Bedeutungsgebung man die­ser Frage jeweils geben mag.

Sachorientiert könn­te der Anlass der Frage ein Interesse am wirt­schaft­li­chen Konzept hin­ter der Unternehmung dar­stel­len. Also bei einem Fotografen mög­li­cher­wei­se die Frage, wie und an wel­cher Stelle man mit Fotos Geld ver­die­nen kann, was ja für Außenstehende eine mög­li­cher­wei­se berech­tig­te Frage ist. Bleibt aller­dings offen, war­um gleich in Frage gestellt wird, dass man davon leben kön­ne. Dennoch gibt es sicher­lich eini­ge Gründergeschichten, bei denen sich das wirt­schaft­li­che Konzept dahin­ter nicht erschließt – von daher kann die­se Neugierde durch­aus sei­ne Berechtigung haben. Diese Neugierde wird sicher­lich auch noch durch weni­ge Informationen zu Gründern und den Start in die Selbständigkeit gespeist. Wir ken­nen uns rela­tiv gut aus, was Tarifgehälter angeht, wir haben gro­be Einschätzungen, wie viel man in wel­chem Berufszweig ange­stellt ver­dient. Entsprechend mei­nen wir, nicht nach­fra­gen zu müs­sen (zumal die Frage nach der Gehaltshöhe in Deutschland eher ver­pönt ist). Obwohl sich auch im Angestelltenbereich viel ver­än­dert und es mitt­ler­wei­le durch­aus zu pre­kä­ren Gehältern kommt, die jen­seits der mini­ma­len Lebenshaltungskosten so gut wie kei­ne Sprünge mehr erlau­ben. Bei Selbständigen wis­sen vie­le nicht, wie viel übli­cher­wei­se ver­dient wird und wie viel übrig bleibt, nach Abzug aller Kosten. Und zuge­ge­ben, nicht vie­le Selbständige las­sen sich hier in die Karten schau­en. Allerdings ist mög­li­cher­wei­se die Frage „Können Sie davon leben“ nicht die geeig­ne­te Form, um ver­trau­ens­voll Informationen zur wirt­schaft­li­chen Situation des Gesprächspartners zu erhalten.

In der Frage kann aber auch eine Ich-​Botschaft ste­cken, beson­ders bei denen, die sich schon immer ger­ne ein­mal selb­stän­dig gemacht hät­ten, sich aber nicht trau­en, die­sen Schritt zu gehen. Da ist eine vage Antwort oder das Eingeständnis von wirt­schaft­li­chen Schwierigkeiten doch eine will­kom­me­ne Rückversicherung. Die eige­ne ängst­li­che Seite kann sich bestä­tigt zurück­leh­nen und wei­ter dar­auf behar­ren, schön brav ange­stellt wei­ter­zu­ar­bei­ten. Kein Anlass, die eige­ne Situation zu hin­ter­fra­gen oder nei­disch zu werden.
Neid kann sich auch aus dem bis­he­ri­gen Gespräch erge­ben. Da wur­de berich­tet von vie­len neu­en Herausforderungen und von der Leidenschaft, sich mit etwas selb­stän­dig zu machen, wofür man brennt. Von auf­re­gen­den neu­en Kontakten und der Freiheit eige­ne Entscheidungen zu tref­fen und die eige­ne Zeit frei ein­zu­tei­len. Und und und… Da ist doch aus der Sicht des Angestellten – davon sind immer­hin 85% mit ihrem Job unzu­frie­den – doch mal eine klei­ne Frage nach dem Haken an der Sache erlaubt.

Dann gibt es da auch die Du-​Botschaft, die ten­den­zi­ell am ehes­ten gehört wird. Hier steckt Zweifel an der neu­en Unternehmung des Gesprächspartners drin. Es wird in Frage gestellt, dass der ande­re von sei­nem Geschäft leben kön­ne. Damit wird auch das gan­ze Konzept in Frage gestellt, denn kein Selbständiger macht sich selb­stän­dig ohne die Absicht, davon leben zu kön­nen. Alles ande­re ist ein Hobby.
Auf die­sem Fuß erwischt, ent­fal­tet die Frage ihre gan­ze ver­un­si­chern­de Kraft. Und es kann im schlimms­ten Fall so ver­un­si­chernd sein, dass man tat­säch­lich an sei­nem Plan zu zwei­feln beginnt und dar­über nach­denkt, sich doch mög­lichst bald wie­der eine Stelle zu suchen. Oder es kann einem wenigs­tens den Tag ver­sau­en. Aber es könn­te auch wütend machen. Über eine unver­schäm­te Frage.

Um demo­ti­vie­ren­de Wirkungen abzu­schwä­chen, hal­te ich es für die Befragten sehr sinn­voll, die mög­li­chen viel­fäl­ti­gen Motivationen der Frage in den Blick zu rücken, mög­li­cher­wei­se nach­zu­fra­gen oder sogar deut­lich zu machen, dass man sich auf die Bedeutung der Herabwürdigung nicht ein­las­sen will. Oder kurz und pau­schal zu ant­wor­ten und sich nur mit den eige­nen Gedanken zur eige­nen Bedeutungsgebung zu beschäf­ti­gen – denn das bestim­men immer noch wir sel­ber, wie wir dar­über nach­den­ken. Meine Lieblingsantwort habe ich von einer befreun­de­ten Fotografin gehört. Sie sagt, wenn die Frage kommt, schaue sie neu­gie­rig und kri­tisch an sich run­ter und stel­le fest: „Ich glaub, ich bin nicht tot!“

Ich wür­de mich freu­en, wenn mei­ne Gedanken auch dazu füh­ren, dass der eine oder die ande­re Fragende über sei­ne ganz eige­nen Motivationen bei die­ser Frage nach­denkt. Verbunden mit neu­en Möglichkeiten, die­se spe­zi­fi­sche Motivation in eine kla­re Frage zu packen oder viel­leicht auch ein­fach zu schweigen?

Gisela Enders

Für wen eignet sich eine eigene Bildagentur?

Die eige­ne Bildagentur kann sich für vie­le Fotografen loh­nen, die in ganz unter­schied­li­chen Bereichen arbei­ten: ob Hochzeitsfotografen, Foodfotografen oder Portraitfotografen.

Wichtig sind dabei bereits im Vorfeld eini­ge Überlegungen. Wer ist mei­ne Zielgrupe, wer soll die Bilder kau­fen und was soll damit gemacht wer­den? Braucht z.B. mein Kunde eine hoch­auf­lö­sen­de digi­ta­le Fotodatei, bei­spiels­wei­se ein 16Bit TIFF, oder möch­te mein Kunde sich eine Leinwand oder einen Papierabzug von mei­nen Bildern bestellen?


Ist es mein Ziel, dass ich als Stockfotograf mei­ne Fotos Werbeagenturen zur Verfügung stel­len möch­te, dann muss ich an die eige­ne Bildagentur tech­nisch gese­hen ganz ande­re Anforderungen stel­len, als wenn ich mei­ne Fotografien als Hochzeitsfotograf dem Brautpaar und den dazu­ge­hö­ri­gen Hochzeits-​Gästen als zusätz­li­chen Service bereit­stel­len möchte.

Es gibt auf dem Markt ganz unter­schied­li­che Anbieter, die man grob in zwei Kategorien ein­tei­len kann.

  1. Eine Shopsoftware, die ich kau­fe und auf mei­nem Server instal­lie­ren kann. Diese Lösung lässt mir die vol­le Serverfreiheit, ich zah­le eine ein­ma­li­ge Lizenzgebühr, kei­ne monat­li­che Nutzungsgebühr und kei­ne Provisionen an den Anbieter. Dafür bin ich jedoch in punc­to ordent­li­cher Betrieb des Shops voll ver­ant­wort­lich. Diese Art des Shops ist für Stockfotografen sehr inter­es­sant, die hoch­auf­lö­sen­de Bilddaten ver­kau­fen. Anbieter sind bei­spiels­wei­se  Adpic SolutionsKtools, Imagefolio, Pixtacy oder StockboxPhoto. Hier ein Beispiel der Foodfotografin Corinna Gissemann, die sich mit ImagePro von Adpic Solutions eine eige­ne Bildagentur erstellt hat.
  2. Ein Shop-​System wird zur Verfügung gestellt, bei dem ich mich tech­nisch um nichts küm­mern muss. Ich lade ledig­lich mei­ne Fotos hoch und ver­schlag­wor­te sie, sor­ge also für den Inhalt. Oft wird mir als Service noch eine Blogfunktion und/​oder eine Bildershow zur Verfügung gestellt. Neben dem digi­ta­len Download der Dateien sind die­se Shops mit exter­nen Fotofachlaboren ver­bun­den, bei dem der Kunde Abzüge, Leinwände und ande­re Fotoprodukte bestel­len kann. Das ist so gese­hen die kos­ten­güns­tigs­te Lösung, aller­dings müs­sen bei die­sem Modell an den Anbieter eine monat­li­che Grundgebühr und eine Provision, die in der Regel bis zu 20% auf den Verkaufspreis beträgt, bezahlt wer­den. Anbieter sind hier Photoshelter, Pictrs, Fotograf.de oder Photodeck. Hier ein Beispiel der Eventfotografin Alexa Kirsch, die fotograf.de für ihre Eventfotografin verwendet.

Interessant ist, das sich ein Bildershop, wie unter Punkt Zwei auf­ge­führt, für Fotografen eig­net, für die eine eige­ne Bildagentur nor­ma­ler­wei­se kei­nen Sinn machen wür­de: vor allem für Event- und Hochzeitsfotografen im wei­tes­ten Sinne und Fotojournalisten. Diese kön­nen sowohl ihren eige­nen Workflow und die Organisation des Events deut­lich ver­ein­fa­chen, indem sie ihre Bilder online anbie­ten und zusätz­lich ihren Kunden einen beson­de­ren Service bie­ten. Mit Hilfe des Shopsystems kann dem Kunden der Bilderkauf wesent­lich erleich­tert wer­den, indem die­ser nicht mehr auf einen Studiobesuch oder auf das Gedrängel vor dem Fotografentisch wäh­rend des Events ange­wie­sen ist, son­dern dann die Möglichkeit erhält, ganz bequem 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche vom hei­mi­schen Computer aus zu bestellen.

Was nicht ver­schwei­gen wer­den darf, ist die Kehrseite der Medaille: Die Führung eines eige­nen Onlineshops, ganz gleich ob Variante Eins oder Zwei, kann sehr zeit­auf­wen­dig und kos­ten­in­ten­siv wer­den und es kann lan­ge dau­ern, bis sich die Ausgaben ren­tie­ren. Ich muss sehr vie­le Fotos in mei­ner Agentur anbie­ten, für eini­ge Dutzend lohnt sich der Aufwand nicht. Ich brau­che viel Zeit, den Shop auf­zu­set­zen, die Fotos hoch­zu­la­den, zu ver­schlag­wor­ten, mei­ne Preisgestaltung zu machen und – nicht zu ver­ges­sen! – das Marketing dafür zu betrei­ben. Gerade die­ser Posten soll­te nicht unter­schätzt wer­den, denn was nützt der schöns­te Shop, wenn nie­mand weiß, dass es ihn gibt?

Hilfreich ist hier, wenn ich von vorn­her­ein eine Website betrei­be, die schon einen gewis­sen Bekanntheitsgrad auf­wei­sen kann. Der Zeitaufwand, der für die eige­ne Bildagentur erfor­der­lich ist, kann enorm sein. Es soll­te also gut über­legt und vor allem kal­ku­liert wer­den, ob und in wel­cher Form man die eige­ne Bildagentur eröff­nen will.

Ihr wollt mehr über das Thema erfah­ren? Mehr über Ablauf, Organisation und Marketing des eige­nen Online-​Shops? Dann haben wir was für euch: Wir bie­ten ein Online-​Webinar zum Thema: “Lernen Sie, wie Sie erfolg­reich online Fotos ver­kau­fen.” Als Gastdozenten haben wir u.a. Markus Posselt, CEO von fotograf.de ein­ge­la­den, der uns in die Geheimnisse des erfolg­rei­chen Onlineverkaufs ein­wei­sen wird.

Mehr unter http://fotografie-webinar.de/eventfotografie-webinar-lernen-sie-wie-sie-erfolgreich-online-fotos-verkaufen/

Termin: 22.5 – 31.5.2012
Kursgebühr: 89 € (44 € für Mitglieder von fotograf.de oder nikon-fotografie.de)

Dieser Text ist ein Gastartikel von Jana Mänz und Dr. Susan Brooks-Dammann.

Gastartikel: Was mich als Fotograf nervt

Martin von kwerfeldein.de ist im Urlaub und er frag­te mich, ob ich mir nicht mal den Frust von der Seele schrei­ben will. Was nervt mich als Fotograf? Zugegebenermaßen ver­su­che ich sonst, von der posi­ti­ven Seite des Lebens zu berich­ten, aber heu­te wird in sei­nem Blog mit mit als Gastautor mal gegrum­melt. Viel Spaß beim Lesen!