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Stockfoto-​Schelte von STRG_​F und WALULIS: Eine Erwiderung

In den letz­ten Tagen sind zwei YouTube-​Videos der öffentlich-​rechtlichen Kanäle WALULIS sowie STRG_​F erschie­nen, die sich mit dem Thema Stockfotografie aus­ein­an­der­set­zen.

Leider ist die Berichterstattung sehr ein­sei­tig.
In die­sem WALULIS-​Video geht es erst dar­um, was pas­siert, wenn Stockmodels zu Memes wer­den und dann um die Verlierer und Gewinner des Stockfotografie-​Geschäfts.

Als ers­ter Verlierer wer­den die Models genannt, wel­che kei­ner­lei Kontrolle mehr hät­ten, wo ihre Bilder erschei­nen wür­den, dazu unten mehr, weil ein Beispiel aus dem zwei­ten Video ver­wen­det wird.

Als zwei­ter Verlierer sind die Fotografen genannt, wel­che sehr wenig Geld mit der Bildlizenzierung ver­die­nen wür­den. Das ist zwar kor­rekt, aber heuch­le­risch, wenn man bedenkt, dass auch der öffentlich-​rechtliche Rundfunk ger­ne auf das Angebot der Bildagenturen zurück­greift und sich dabei nicht über zu gerin­ge Preise beschwert.

Als gro­ßer Gewinner wer­den die Bildagenturen selbst dar­ge­stellt, wel­che den Löwenanteil des Umsatzes ein­strei­chen und dabei recht­li­che Verantwortung in den Nutzungsbedingungen von sich wei­sen.

Als Beispiel wird bei Minute 7:14 eine AfD-​Werbung gezeigt, die aus zwei Stockfotos zusam­men­mon­tiert wur­de. Dagegen lässt sich jedoch ein­fach recht­lich vor­ge­hen, was ich selbst mehr­mals erfolg­reich gegen die AfD und ande­re Parteien gemacht habe, weil es eben nicht erlaubt ist. In meh­re­ren Fällen stan­den mir dabei auch die Mitarbeiter von Shutterstock und Adobe Stock hilf­reich zur Seite. Im Video wird es jedoch so dar­ge­stellt, als sei Machtlosigkeit gegen­über unmo­ra­li­schen Nutzungen ein übli­cher Teil der Stockfotografie.

Das ist so, als wür­de jemand behaup­ten, Autos sei­en schlimm, weil sie als Mordwaffe ver­wen­det wer­den kön­nen. Natürlich kann man Autos und auch die Stockfotografie in vie­len Punkten kri­ti­sie­ren, soll­te dabei aber die recht­li­chen Ausgangsbedingungen berück­sich­ti­gen.

In die­sem Video von STRG_​F wird näher recher­chiert und selbst aus­pro­biert, was Stockmodels pas­sie­ren kann, deren Bilder zum Verkauf ste­hen:

Der Redakteur lässt ein Foto von sich machen und lädt es auf der kos­ten­lo­sen Bildplattform Pixabay hoch (mehr zu Pixabay hier). Bei Minute 6:00 heißt es „Was man damit machen darf? Fast alles!“ und wun­dert sich spä­ter, dass das Bild mit fal­schen Namen ver­se­hen wird, auf Socken zu fin­den ist oder er sogar als „char­man­ter Pädophiler“ dar­ge­stellt wird.

Vereinfachte Pixabay-​Nutzungsbedingungen mit Verboten im YouTube-​Video von STRG_​F

Eins wird hin­ge­gen nicht erwähnt: In den Pixabay-Nutzungsbedingungen, die im Screenshot bei Minute 6 sogar in ver­ein­fach­ter Form les­bar sind, wer­den aus­drück­lich Verbote for­mu­liert, unter ande­rem:

Die Pixabay-​Lizenz gestat­tet nicht:
[…]
3. die Darstellung von iden­ti­fi­zier­ba­ren Personen auf belei­di­gen­de, por­no­gra­fi­sche, obszö­ne, unmo­ra­li­sche, dif­fa­mie­ren­de oder ver­leum­de­ri­sche Weise; oder
4. die Suggestion, dass abge­bil­de­te Personen, Marken, Organisationen, etc. bestimm­te Produkte oder Dienstleistungen befür­wor­ten oder bil­li­gen, es sei denn es wur­de eine Genehmigung dazu erteilt.

Beachte bit­te, dass alle Inhalte auf Pixabay zwar für kom­mer­zi­el­le und nicht-​kommerzielle Zwecke frei ver­wend­bar sind, gezeig­te Elemente in den Bildern und Videos, wie iden­ti­fi­zier­ba­re Personen, Logos und Marken, jedoch zusätz­li­chen Urheberrechten, Eigentumsrechten, Personenrechten, Markenrechten usw. unter­lie­gen kön­nen. Die Zustimmung eines Dritten oder die Lizenz die­ser Rechte kön­nen ins­be­son­de­re für kom­mer­zi­el­le Anwendungen erfor­der­lich sein. Pixabay garan­tiert nicht, dass sol­che Zustimmungen oder Lizenzen ein­ge­holt wur­den, und lehnt aus­drück­lich jeg­li­che Haftung in die­ser Hinsicht ab.“

Auch alle ande­ren gro­ßen Bildagenturen haben sol­che Verbote in den Nutzungsbedingungen ver­an­kert, mehr dazu sie­he hier.

Das heißt, vie­le der Beispiele, die in bei­den Videos gezeigt wer­den, illus­trie­ren Verstöße gegen die Lizenzbedingungen der Bilddatenbanken und zei­gen eben NICHT das nor­ma­le Geschäftsmodell die­ser Agenturen.

Im April 2019 hat­te mich einer der betei­lig­ten Redakteure des STRG_​F-​Videos ange­fragt zur Mitarbeit an die­sem Video, was ich aber dan­kend abge­lehnt habe, weil expli­zit nur danach gefragt wur­de, ob ich Models nen­nen kön­ne, wel­che „Opfer“ der Stockfotografie gewor­den sei­en. Die Zielrichtung des Videos stand also im Vorherein fest, mein tele­fo­ni­scher Hinweis auf ein­schrän­ken­de Klauseln der Bildagentur fand dann im fer­ti­gen Bericht kei­ne Berücksichtigung.

Im Video wird auch die Nutzung von Stockmaterial im Rahmen von Wahlwerbung gezeigt, ohne wie­der zu erwäh­nen, dass es mög­lich ist, dage­gen erfolg­reich vor­zu­ge­hen, wie von mir eben­falls schon durch­ge­zo­gen (sie­he Bericht hier).

Danach kommt zwar sogar ein Anwalt zu Wort, der gegen die Verwendung eines Personenfotos durch die AfD vor­ge­hen will, aber unwi­der­spro­chen wird der Bundesverband der AfD zitiert, dass „wenn für ein Stockfoto die voll­um­fäng­li­chen Rechte erwor­ben wor­den sind, dann dür­fe es auch ver­wen­det wer­den“. Das ist aber schlicht sach­lich falsch und inso­fern wun­dert es schon, dass an die­ser Stelle im ansons­ten sehr kri­ti­schen Beitrag mal kein Widerspruch kommt.

Dabei heißt es in den Landespressegesetzen zur Sorgfaltspflicht:

Die Presse hat alle Nachrichten vor ihrer Verbreitung mit der nach den Umständen gebo­te­nen Sorgfalt auf Wahrheit, Inhalt und Herkunft zu prü­fen.“

Es wäre schön gewe­sen, wenn sich sowohl WALULIS als auch STRG_​F als öffentlich-​rechtliche Formate in ihren Youtube-​Videos mehr dar­an ori­en­tiert hät­ten.

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 55

Nach lan­ger Pause gibt es heu­te eine neue Folge von „Pimp My Stock“. Sascha möch­te ein fun­dier­tes Feedback zur Verkäuflichkeit sei­ner Motive erhal­ten. Er schreibt über sich und sei­ne Fotografie in sei­ner Mail:

Moin Robert, mit den bei­gefüg­ten Bildern stel­le ich mich Deiner ein­ge­hen­den Bildanalyse in der Kategorie „Pimp my Stock“. Gerne kannst Du wenn Du magst dar­aus auch einen ent­spre­chen­den Blog-​Beitrag ent­wer­fen. 🙂

Folgendes vor­ab: Als lei­den­schaft­li­cher Amateurfotograf habe ich mich im Dezember 2017 unter dem Pseudonym EMOZION bei Shutterstock ange­mel­det und stel­le mich seit­dem mei­ner eige­nen Challenge zur Bildkritik.
Seitdem habe ich vie­les über die Anforderungen von Bildsuchenden und Marketing von Stockfotos gelernt: Konkret sind dies vie­le Erkenntnisse über alter­na­ti­ve Blickwinkel und Perspektiven und vor allem the­ma­ti­sche Fotografie.
Parallel zu der von mir initi­ier­ten Foto-​Community „Fotowalk – Discovery Hamburg“ gene­rie­re ich das über­wie­gen­de Bildmaterial mit dem Smartphone, wobei sich aktu­ell aber wei­ter­hin fest­stel­len lässt, dass das Bildmaterial im Vollformat deut­lich gefrag­ter ist. Warum eigent­lich?

Ein klei­nes Favorit mei­ner eige­nen Bilder-​Challenge sind die zahl­rei­chen Hintergrundmotive in den zwei Sets Textures & Backgrounds und Simple Pattern.

Beim Verschlagworten der Bilder gebe ich mir ent­spre­chend Mühe, die mobi­le App und die algo­rith­men­ba­sier­te Intelligenz der Bilderkennungssoftware von Shutterstock ist hier­bei lau­fend bes­ser gewor­den.
Insgesamt muss ich fest­hal­ten: Es ist ein abso­lut anspruchs­vol­les Métier um mit Stockfotos wirk­lich Geld zu ver­die­nen, aber dar­um geht es mir auch gar nicht. Wenn ich den Aufwand und den Kostenanteil sowie den steu­er­li­chen Anteil abrech­ne, dann brau­chen wir über die Wirtschaftlichkeit die­ser Challenge kei­ne ein­zi­ge Sekunde nach­zu­den­ken… Es macht mir aber ein­fach Spaß den Erfolg der eige­nen Bilder zu ver­fol­gen und dabei für mich zu ent­de­cken wel­che Art von Bildmaterial und Motiven ver­mark­tungs­ge­recht sind. Dementsprechend ent­wick­le ich mich foto­gra­fisch wei­ter und stel­le mir mei­ne eige­nen Foto-​Aufgaben. Trotzdem ist es ein­fach unver­schämt wie Shutterstock und alle ande­ren Stock-​Agenturen Fotografen ent­loh­nen und sich selbst berei­chern. Hier wächst die Kluft zwi­schen Bildanbietern und Plattformbetreibern wei­ter aus­ein­an­der.

Worüber ich mich immer wie­der wun­de­re ist auf­grund wel­cher absur­den Kriterien Bilder von den Algorithmen und ver­mut­lich zahl­reichs­ten „Off-Shore“-Mitarbeiten im Upload-​Prozess abge­lehnt wer­den. Das Interview mit Alex Lauer bestä­tigt mei­ne Erfahrungen. Sehr viel von dem, was er sagt, kann ich bestä­ti­gen, aller­dings gehe ich anders mit der Situation um… Wer etwas tut, macht das immer im eige­nen Interesse. Allerdings – und das ist unum­strit­ten – fin­det im Stockbereich ein immer weit­rei­chen­der Machtmissbrauch durch Quasi-​Monopolisten statt.

Aktuell sind es rund 1500 Bilder in 66 ver­öf­fent­li­chen Sets. Nachdem ich – ana­log zu Deinen Empfehlungen die Top3 der Stockagenturen ange­tas­tet habe – begren­ze ich mich inzwi­schen aus­schließ­lich auf Shutterstock.
Das Bildmaterial gene­rie­re ich inzwi­schen sowohl mit einem iPhone X und einer Canon EOS 5D Mark III.

Mit bes­ten Grüßen aus Hamburg
Sascha“

Schauen wir uns sei­ne Bilder an:

Das ers­te Bild zeigt ein Mädchen auf einem Segelboot. Der wei­ße Rahmen ist etwas, was bei jeder Bildagenturen uner­wünscht ist und so gut wie immer zu einer Ablehnung führt, denn der Kunde soll nicht für unnö­ti­ge wei­ße Flächen bezah­len, die er leicht selbst hin­zu­fü­gen könn­te. Abgesehen davon ist das Bild durch­aus brauch­bar. Der Horizont ist gera­de, der Himmel fast wol­ken­los blau. Einzig die gro­ße dunk­le Fläche rechts unten im Bild wirkt etwas stö­rend, aber nicht so sehr, dass das Foto nicht trotz­dem zum Thema „Reisen“ und „Urlaub“ ver­wen­det wer­den könn­te. Noch bes­ser als die anony­me Rückenansicht wäre sicher eine seit­li­che Ansicht der Person gewe­sen, wo sie ver­träumt in die Weite schaut, aber ich ver­ste­he, wenn das aus per­sön­li­chen Gründen even­tu­ell uner­wünscht ist.

Beim Foto des brau­nen Labradors wird es schwie­ri­ger. Haustiere sind auf­grund der leich­ten Verfügbarkeit ein sehr oft umge­setz­tes Motiv und ent­spre­chend hoch ist die qua­li­ta­tiv star­ke Konkurrenz auf die­sem Gebiet. Ich mag das Licht in die­sem Bild, befürch­te aber, dass die Haltung der Pfoten und vom Schwanz ungüns­tig ist, weil der Hund so auf klei­ne­ren Formaten weni­ger gut erkenn­bar ist. Außerdem wirkt der Hintergrund mit sei­nem har­ten Schatten unru­hig und trägt wenig zur Bildstimmung bei. Insofern sehe ich hier lei­der nur gerin­ge Verkaufschancen.

Dieses Herz aus Laub bedient sich eines Konzepts, was immer sehr gefragt ist: Liebe. Die Umsetzung lässt aller­dings noch eini­ge Verbesserungen zu. Am auf­fäl­ligs­ten ist der Baumstamm in der obe­ren lin­ken Ecke, der pro­blem­los hät­te retu­schiert wer­den kön­nen. Ähnliches gilt für das Laub und Gras unten links. Etwas ungüns­tig ist auch, dass das Herz links sehr eng beschnit­ten ist und Designern so kei­nen Spielraum für eige­ne Formate lie­fert. Insgesamt hät­te ich mir auch eine Perspektive direk­ter von oben gewünscht, was je nach Begebenheiten vor Ort viel­leicht schwie­rig war. Deshalb: Idee gut, Ausführung ver­bes­se­rungs­wür­dig.

Das nächs­te Foto zeigt Sarnico Paratico in Italien. Für ein Tourismusfoto hat es alles, was es braucht: Blauer Himmel mit wei­ßen Wolkentupfern, schö­ne Farben und Reflexionen im Wasser und mit dem roten Gebäude rechts einen pas­sen­den Farbtupfer. Ich wür­de das Bild etwas wei­ter nach links kip­pen, um die Strandpromenade hori­zon­ta­ler aus­zu­rich­ten, aber ansons­ten ist es ein gutes Stockfoto. Ob die Gegend selbst häu­fig genug nach­ge­fragt wird, um das Bild lukra­tiv zu machen, kann ich spon­tan lei­der nicht beur­tei­len.

Diese grü­nen Wände einer Hamburger U‑Bahn-​Station eig­nen sich gut als Hintergrund. Ich hät­te viel­leicht ver­sucht, zumin­dest eine der Linien am Bildrand aus­zu­rich­ten, ver­mut­lich am ehes­ten die unte­re, aber trotz­dem hat das Bild eine Dynamik, die gefragt sein könn­te. Ich wür­de das Bild noch blau ein­fär­ben, um es moder­ner und tech­ni­scher wir­ken zu las­sen.

Dieses Hollandrad in Hamburg sorgt für eine gute Tiefenwirkung im Bild, was es sehr gut für Reiseführer oder Webseiten geeig­net macht. Mit der rich­ti­gen Verschlagwortung funk­tio­niert das Foto auf jeden Fall.

Das Gleiche kann ich bei die­sen Spaziergängern am Strand lei­der nicht sagen. Der Mann im Vordergrund ist zu sehr im Schatten, die Frau rechts wirkt durch den Wind in der Jacke zu unför­mig und die Frau hin­ter dem vor­de­ren Mann sorgt dafür, dass die Konturen von bei­den qua­si inein­an­der­lau­fen und nicht gut erkenn­bar sind. Dazu kommt, dass der Mann nicht bar­fuß läuft, was für das Sommer-​Sonne-​Strand-​Feeling deut­lich hilf­rei­cher wäre. Im Kontrast zu die­sem Strand-​Bestseller* wird deut­lich, was ich mei­ne.

Ein wei­te­rer Hintergrund aus Linien in ver­schie­de­nen Grüntönen. Schlicht, aber wir­kungs­voll. Einzig die win­zi­ge hel­le Ecke rechts unten hät­te noch retu­schiert wer­den kön­nen. Außerdem hät­te das Motiv ver­mut­lich sehr leicht auf die dop­pel­te Breite gestreckt wer­den kön­nen, um es als Panorama anbie­ten zu kön­nen. Kann als Stockfoto funk­tio­nie­ren, aber das Angebot ist hier eben­falls schon sehr groß.

An die­sem Nachtpanorama der Porta Westfalica bei Minden habe ich nichts aus­zu­set­zen. Das Licht wirkt fan­tas­tisch und das Kaiser-​Wilhelm-​Denkmal fällt durch die Beleuchtung gut auf, was ange­sichts sei­ner tou­ris­ti­schen Bedeutung sehr hilf­reich für das Stockfoto ist. Die Bäume links und rechts unten sor­gen für Tiefenwirkung. Ein sehr gutes Foto, was sicher sei­ne Abnehmer fin­den wird.

Als letz­tes Foto haben wir eini­ge Häuser im Hamburger Stadtteil Eppendorf. Aus archi­tek­tur­fo­to­gra­fi­scher Sicht lei­der eher ein Schnappschuss, obwohl der blaue Himmel und das seit­li­che Licht den wei­ßen Häusern sehr schmei­cheln. Ungünstig sind aber die Verzerrungen durch die seit­li­che und nied­ri­ge Perspektive. Auch der Baum oben rechts wirkt zu dun­kel. Trotzdem mag es eini­ge Käufer geben, die mit dem Bild Immobilienthemen, stei­gen­de Mieten oder Eigentumswohnungen illus­trie­ren wür­den, ich wür­de es also nicht ganz abschrei­ben.

Insgesamt haben mir die Landschaft- und Städtaufnahmen am meis­ten zuge­sagt und ich wür­de in die­ser Richtung wei­ter­ma­chen.

Falls ihr eben­falls an einer kos­ten­lo­sen Bewertung eurer Fotos inter­es­siert seid, fin­det ihr auf die­ser Seite alle not­wen­di­gen Informationen.

* Affiliate

Neues Fotografie-​Start-​Up Lemon One wirbt mit gekauften Stock-​3D-​Renderings

Heute wur­de ich über die­sen Artikel in der ProfiFoto auf das Fotografie-​Start-​Up Lemon One auf­merk­sam, wel­ches Fotografen zu Dumpingpreisen ver­mit­telt.

Beim Blick auf deren Webseite kamen mir eini­ge Bilder jedoch bekannt vor.

Startseite von Lemon One

Schon das Aufmacherbild ist kein Foto, also auch kei­ne „pro­fes­sio­nel­le Fotografie“, wie sie im Text wer­ben, son­dern ein 3D-​Rendering des Stock-​Anbieters „Photographee.eu“, wel­ches zum Beispiel hier bei Adobe Stock erwor­ben wer­den kann.

Gleiches gilt für das ers­te Bild in deren „Bildergalerie“, wel­che unten dann wohl­weis­lich nur noch „Inspiration“ heißt:

Auch das „Bild“ ist ein 3D-​Rendering von Photographee.eu, sie­he das Original hier bei Shutterstock.

Das bedeu­tet für poten­ti­el­le Kunden von Lemon One zwei­er­lei: Sie wer­den dop­pelt ver­arscht. Zum einen, weil nicht alle gezeig­ten Beispielbilder von Fotografen auf­ge­nom­men wur­den, wel­che die Firma auch ver­mit­teln kann und zum ande­ren, weil 3D-​Renderings natür­lich eine Sauberkeit und Perfektion dar­stel­len kön­nen, die mit Fotos nur sehr schwer zu errei­chen ist. Deshalb ren­dert das Möbelhaus Ikea auch schon län­ger vie­le Inhalte sei­nes Katalogs digi­tal. Aber die ver­kau­fen Möbel, nicht die Fotos selbst.

Für mich ist das ein­deu­tig Kundentäuschung.

Update 26.7.2019:
Laut der Eigenaussage auf der Webseite von photographee.eu sind die hier gezeig­ten Bilder doch kei­ne 3D-​Renderings, son­dern tat­säch­lich Fotos. Das Problem von Lemon One, dass es nicht die eigene­nen sind, bleibt jedoch.

Rückblick auf den Adobe Stock Workshop „Frauen/​Bilder“ in Berlin

Am ver­gan­ge­nen Wochenende lud das Team von Adobe Stock 20 jun­ge Fotografinnen und Fotografen ein, um am Workshop „Frauen/​Bilder“ teil­zu­neh­men.

Die Teilnehmer soll­ten von Planung, Shooting bis zum Hochladen zu Adobe Stock den kom­plet­ten Workflow eines Stockfotografen ken­nen­ler­nen, wes­halb bewusst jun­ge Nachwuchsfotografen aus­ge­wählt wur­den, die bis­her noch nicht in der Stockfotografie aktiv waren.

Im Sinne der „Body Positivity“-Bewegung wur­den drei Plus-​Size-​Models sowie Alina Schessler und Felix Rachor als Fotografie-​Trainer gebucht, um fri­schen Stockcontent zu den Themen Lifestyle, Fashion und Beauty zu pro­du­zie­ren, der nicht den übli­chen Stock-​Stereotypen ent­spricht.

Am Freitag gab es eine Vorstellungsrunde der Teilnehmer, von denen auf­fäl­lig vie­le Medien- oder Kommunikationsdesign stu­die­ren. Für den Start einer Fotografiekarriere schei­nen die­se Studiengänge sehr hilf­reich zu sein, wenn ich mir die Ergebnisse des Workshops anschaue. Doch dazu spä­ter mehr.

Murat Erimel, Head of Marketing (DACH) bei Adobe Stock, mode­rier­te als Gastgeber den Tag und gab eine inter­es­san­te Einführung in Adobes Vision und Adobe Stock als krea­ti­ven Marktplatz, an die sich eine Diskussionsrunde mit den Trainern und Teilnehmern unter der Moderation von Sven Doelle anschloss. Vorgestellt wur­de auch das „Contributor Relations Team“ unter der Leitung von Kirsten Harris. Hier beka­men die Menschen, wel­che eure Support-​Tickets beant­wor­ten, in Foren Frage und Antwort ste­hen und auch eure Bilder frei­schal­ten oder ableh­nen, mal ein kon­kre­tes Gesicht.

© Mat Hayward/​Adobe Stock

Samstag ging es früh los. Der hip­pe Kreuzberger Loft „Friends Space“ wur­de in 4 Sets abge­teilt, auf die sich die 20 Teilnehmer in 5er-​Gruppen ver­teil­ten. Im Rotationsverfahren durch­lief dann jede Gruppe eine Station.

Die ers­te Station war das Set von Felix Rachor, der mit sei­nen Highclass-​Beauty und Fashion Shots Bekanntheit erlang­te. Felix erklär­te aus­führ­lich sei­nen Blitzaufbau mit Hauptlicht, Fülllicht und einem Ergänzungslicht für den Mitteltonkontrast. Danach zeig­te er den Teilnehmern, wie er sei­ne Bilder mit­tels Thethered Shooting am Rechner kom­po­niert und dabei teil­wei­se schon Layout-​Überlagerungen in Lightroom ein­blen­det, um Platz für Copy Space oder Magazintitel zu berück­sich­ti­gen, bevor die­se alle selbst ihre Ideen mit der Kamera umset­zen durf­ten.

Am zwei­ten Set war­te­te die Fotografin Alina Schessler, die natür­lich wir­ken­de Lifestyle-​Bilder für Modemarken und ande­re Kunden umsetzt. In der Loft-​Küche zeig­te sie, wie sie zwei Models anweist, in die Szene inte­griert und die rich­ti­gen Momente abpasst, um authen­ti­sches Lachen oder ande­re Situationen fest­zu­hal­ten.

Der drit­te Anlaufpunkt war die „Stock Schule“, in der Verena Heinrich und David Pena vom Adobe Stock Contributor Team die Neulinge schul­ten, wor­auf sie beim Hochladen ach­ten müs­sen. Es wur­den Beispielfotos gezeigt, die auf den ers­ten Blick kaum sicht­ba­re Bildfehler ent­hiel­ten, die aber zu Ablehnungen füh­ren wür­den und es gab eine tol­le Übung, bei der die Teilnehmer ent­schei­den muss­ten, ob für bestimm­te Bilder ein Model-​Release oder Property Release not­wen­dig wäre oder nicht. Ich fand die­se Station sehr span­nend, weil hier Leute Unterricht gaben, wel­che die Entscheidungen tref­fen, ob ein Bild durch die Selektion kommt oder nicht. Dichter an der Praxis geht es kaum.

Am vier­ten Set war­te­te Sven Doelle, Principal Business Development Manager bei Adobe, auf die Teilnehmer, um ihnen die neus­ten Funktionen von Lightroom und Photoshop vor­zu­stel­len und zu zei­gen, wie sie direkt aus Lightroom ihre Fotos zu Adobe Stock hoch­la­den kön­nen. Zusätzlich gab es noch ein klei­nes Still-​Life-​Set, an dem sich die Fotografen pro­bie­ren konn­ten.

Nach einer Mittagspause stand der Nachmittag ganz im Zeichen der Postproduktion. Alle Teilnehmer pack­ten ihre Laptops und ggf. Grafiktabletts aus, luden ihre Bilder auf die Rechner und konn­ten dann Felix und Alina zuschau­en, wie die­se je ein Beispielbild retu­schier­ten. Felix erklär­te zum Beispiel die „Dodge & Burn“-Technik für rei­ne­re Haut und sei­nen „Handcreme-​Trick“ für mehr Schärfe.

Danach erhiel­ten alle Zeit, 2–3 Bilder selbst zu bear­bei­ten, wäh­rend die Trainer und Adobe Stock Mitarbeiter den Teilnehmern dabei hilf­reich zur Seite stan­den. Gleich dar­auf wur­den die ers­ten fer­ti­gen Bilder zu Adobe Stock hoch­ge­la­den, die auto­ma­tisch ver­ge­be­nen Schlagworte etwas jus­tiert, mit den aus­ge­füll­ten Model Releases ver­se­hen und dann vom Content Team frei­ge­schal­tet.

Bei der anschlie­ßen­den Bildkritik war das Ergebnis beein­dru­ckend. Obwohl alle die glei­chen Models und Locations zur Verfügung hat­ten, gab es sehr unter­schied­li­che Looks und Motive zu sehen, die so hoch­wer­tig aus­sa­hen, als wür­den sie direkt aus einer Premium Kollektion kom­men und die ich mir sofort in gro­ßen Werbekampagnen vor­stel­len könn­te:

Eins der fer­ti­gen Bilder (Foto: Fabio/​Adobe Stock)

Noch bevor der Workshop um 19 Uhr offi­zi­ell zu Ende war, durf­ten sich die eini­ge Teilnehmer schon über die ers­ten ein­tru­deln­den Verkaufsmails freu­en.

Somit wur­de fast jeder Aspekt des Stockfotografie-​Workflows in dem zwei­tä­gi­gen Bootcamp behan­delt und neben­bei das Portfolio bei Adobe Stock um etli­che gefrag­te Frauenbilder ergänzt. Eine Auswahl der ers­ten Ergebnisse gibt es in die­ser Lightbox zu sehen.

#AdobeStockBerlin

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 53

Heute gibt es wie­der eine neue Folge von „Pimp My Stock!“. Hier beur­tei­le ich Bilder von Leserinnen und Lesern auf ihre Verkaufschancen und gebe Tipps zur Verbesserung.

Matthias schrieb mir die­se lan­ge, aber den­noch span­nen­de Mail:

Lieber Robert,

mein Name ist Matthias, 34, und eigent­lich arbei­te ich auf der „ande­ren Seite“, ich lei­te näm­lich die Vertriebsmarketingabteilung eines Medienhauses. Wir arbei­ten dort auch sehr viel mit Stockfotos, aber auch eige­nen Fotoproduktionen, wenn wir unse­re Werbemittel ent­wi­ckeln (wir machen fast alles inhouse und nicht mit Werbeagenturen). Ich bin also was Werbung und Marketing betrifft durch­aus Profi und arbei­te seit 17 Jahren in dem Bereich, kom­me aber mehr von der Konzepter- und mitt­ler­wei­le Managementseite. Wobei es wirk­lich Vorteile hat auf bei­de Seiten zu schau­en und man ent­wi­ckelt ein grö­ße­res Verständnis.

Vor drei Jahren ist mein Sohn gebo­ren, was ich kurz vor­her zum Anlass genom­men habe mir eine Canon 650D zu kau­fen, ich woll­te ein­fach mehr als Handyfotos haben. Irgendwann habe ich mich dann auch mal inten­si­ver mit Blende und Co aus­ein­an­der­ge­setzt, Fotokurse besucht, TfP-​Shootings gemacht und Youtube-​Tutorials auf­ge­saugt. Als Adobe Adobe Stock so gepusht hat und das Lightroom PlugIn her­aus­ge­bracht hat, habe ich mich auch mit dem Stockbereich mal aus­ein­an­der­ge­setzt und habe ange­fan­gen mei­ne Fotos bei Adobe Stock /​ Fotolia anzu­bie­ten. Weniger um damit Geld zu ver­die­nen, son­dern ein­fach, damit mei­ne Fotos nicht nur auf der Platte lie­gen, son­dern ein biß­chen was von der Welt sehen. Das war auch unge­fähr der Zeitpunkt, als ich auf dei­nen Blog gesto­ßen bin und mir auch Dein Buch geholt habe. An der Stelle ein gro­ßes Danke schön dafür, dass Du Dein Wissen auch im Blog so frei­mü­tig teilst. Mir hat das sehr gehol­fen.

Seit unge­fähr vier, fünf Monaten habe ich einen gewis­sen Ehrgeiz ent­wi­ckelt, habe deut­lich mehr hoch­ge­la­den und bie­te mei­ne Fotos auch bei Shutterstock an, vor 2 Wochen Dreamstime und vor ein paar Tagen die „Bewerbung“ bei iStock.

Ich wür­de mich sehr freu­en, wenn Du in Deiner Rubrik „Pimp my Stock“ Dir auch mal mei­ne Fotos anschau­en könn­test.

Vielleicht noch ein paar Rahmendaten, die, wie auch die gesam­te Mail, ger­ne ver­öf­fent­licht wer­den dür­fen, da ich es auch immer sehr inter­es­sant fin­de, wenn Du in Deinem Blog dar­über berich­test:

Seit Bilder online Abgelehnte Bilder Verkaufte Bilder Einnahmen Portfolio-​URL
Adobe Stock /​ Fotolia 22.6.2016 786 444 169 151,88 € https://stock.adobe.com/de/contributor/206563167/matthias
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iStock Gerade erst bewor­ben

Die ers­ten Monate bei Adobe Stock habe ich nicht wirk­lich viel gemacht (die ers­ten 50€ waren erst im April 2017, nach knapp 10 Monaten zusam­men) und habe auch ein­fach Erfahrungen gesam­melt. Das erklärt auch die hohe Ablehnungsquote. Ich bin z.B. auf den Gedanken gekom­men, Schiefertafeln in Photoshop mit Text zu kom­bi­nie­ren („Herzlich Willkommen“, „Tagesmenü“, etc) und habe direkt mal 30–40 fer­tig gemacht und hoch­ge­la­den. Da war, glau­be ich, der Effizienzmanager in mir mehr am Werk als der Kreative. Adobe Stock war aber mit mei­ner Bearbeitung nicht zufrie­den und hat alle abge­lehnt. Sowas ist mir zwei, drei Mal pas­siert.

Mein Tipp für Anfänger: Wenn ihr etwas Neues aus­pro­biert, immer erst­mal nur ein oder zwei Bilder test­wei­se hoch­la­den.

Auch ansons­ten habe ich in dem Bereich natür­lich Lehrgeld bezahlt. Meine ers­ten iso­lier­ten Objekte schau­en grau­sig aus, bei ein paar Bildern hab ich im fal­schen Farbprofil expor­tiert und es zu spät gemerkt oder bin im Nachhinein ein­fach mit der Bearbeitung nicht zufrie­den, und eigent­lich möch­te ich sie auch aus mei­nem Profil löschen. Jedoch ver­su­che ich gera­de erst­mal Masse auf­zu­bau­en. Und Übung macht bekannt­lich den Meister. Im Stockbereich muss man mitt­ler­wei­le glau­be ich ein­fach auch ein biß­chen Geduld haben und dran blei­ben. Man muss auch klar sagen, das ich oft tech­ni­sche Schwierigkeiten/​Ablehnungsgründe (Artefakte, Rauschen etc) habe, da ich mit einer Canon 650D und Kit-​Objektiven (18–55mm & 55–250mm) und ner 50mm Festbrennweite arbei­te. Solange man nicht zuhau­se unter kon­trol­lier­ten Bedingungen arbei­tet, kann das dann schon mal eng wer­den mit ISO und Co. Zu Weihnachten wer­de ich mir aber sel­ber ne Canon 5D Mark 3 oder 4 (mal schau­en was der Geldbeutel sagt) und das Canon 24–105mm Objektiv schen­ken.

Für 2018 habe ich mir vor­ge­nom­men, deut­lich geziel­ter zu arbei­ten und vor allem auch mit Models. Bisher war mir das ein­fach zu viel Aufwand, auch vor dem Hintergrund der tech­ni­schen Ausstattung und mei­ner Lernkurve. Ganz sicher sind mei­ne Bilder auch noch nicht werb­lich genug, son­dern sehr oft mehr Natur und Reisefotografie, oder es gibt die Motive bereits zu oft und bes­ser. Daher ver­su­che ich in letz­ter Zeit vor allem Sachen zu foto­gra­fie­ren, die für mich leicht mach­bar sind, es aber trotz­dem nicht über­all gibt. Im Fall mei­ner Heimat Rheinhessen sind das z.B. Sachen rund um das Thema Wein, Weinberge und roman­ti­scher Rhein und oft mit dem Keyword „Rheinhessen“. Das wird zwar sicher­lich sel­te­ner gesucht als „Toskana“, aber bei allen Bildbibliotheken gibt es dazu nur drei­stel­li­ge Suchtreffer.

Im Anhang fin­dest Du fol­gen­de Bilder in nied­ri­ger Auflösung, die Namen sind online spre­chen­der, ich habe jetzt nur ver­ein­facht:

Bingen Panorama – Mit 17 Verkäufen (Adobe) mein am häu­figs­ten ver­kauf­tes Bild, das ich per­sön­lich aber auf­grund des Dunst im Himmels und gene­rell der zu hef­ti­gen Bearbeitung gar nicht mal mehr mag.

Marktszene – Mit 10 Verkäufen (Adobe) mein dritt­häu­figs­tes Bild, mit dem ich eigent­lich ganz hap­py bin, viel­leicht habe ich es mir beim aus­sof­ten im Hintergrund etwas zu ein­fach gemacht.

Hyazinthen Willkommen – Noch gar nicht ver­kauft, aber ich mag es, und hab da eine gan­ze Serie in ver­schie­de­nen Arrangements von gemacht.

Fahrräder im Hafen – Noch gar nicht ver­kauft, aber ich mag die Szenerie und hab aus dem Hafen dort eine Menge Fotos mit gebracht, die Lichtstimmung und die alten Schiffe, das war echt toll.

Student schreibt in Notizbuch - Noch gar nicht ver­kauft und ich glau­be, das ein­zi­ge Bild mit einem erkenn­ba­ren Menschen und Release. Etwas lang­wei­lig, aber nun gut. Ich woll­te da vor allem tes­ten, wie das mit den Releases so funk­tio­niert.

Schilf – Noch gar nicht ver­kauft.

Lavendelstrauß – Noch gar nicht ver­kauft, aber eines mei­ner per­sön­li­chen Lieblingsbilder.

Blattgold Porträt – Das Bild habe ich noch nicht online gestellt, mich wür­de aber Deine Meinung dazu inter­es­sie­ren. Taugt so etwas?

60s Porträt & 60s Sofaszene – Das sind Bilder aus einem frü­he­ren TfP-​Shooting, d.h. die sind nicht für Stock frei­ge­ge­ben, son­dern nur für nicht-​kommerzielle Veröffentlichung. Was ich übri­gens nicht mehr machen wür­de, son­dern immer direkt ein ver­nünf­ti­ges Release, weil ich die Fotos aus dem Shooting sehr mag und die ger­ne ver­kau­fen wür­de, viel­leicht spre­che ich noch­mal mit dem Model… Aber mich wür­de inter­es­sie­ren, wie Du die Chancen die­ser Fotos für Stock sehen wür­dest.

Nun ist die­se E‑Mail doch län­ger gewor­den, als gedacht, ich hof­fe Du legst es mir als das aus, was es ist: Begeisterung für das Thema.

Alles Gute und wenn Du es schaffst ein Feedback zu den Bildern zu geben auch schon mal vie­len Dank.

Viele Grüße, Matthias“

Nach die­ser sehr aus­führ­li­chen Einleitung wol­len wir uns direkt die Fotos von Matthias anschau­en:

Diese Aufnahme von Bingen ist ein gelun­ge­nes Landschaftsbild und auch wenn dem Fotografen die hef­ti­ge Bearbeitung nicht so zusagt, sind gesät­tig­te Landschaftsfotos im Microstock-​Bereich stark gefragt, mehr dazu sie­he Folge 48.
Der Dunst kann übri­gens in Adobe Lightroom oder Camera Raw mit die­ser „Dunstfunktion“ redu­ziert wer­den, wenn das gewünscht ist.

Diese Marktszene eig­net sich zum Verkauf, weil sie zum einen das bun­te, fri­sche Gemüse in den Mittelpunkt rückt und trotz­dem das geschäf­ti­ge Treiben im Hintergrund erkenn­bar ist. Die feh­len­de Preise und nicht erkenn­ba­re Schilder und Menschen sor­gen für uni­ver­sel­le Anwendungsmöglichkeiten, die nicht auf eine bestimm­te Region beschränkt sind.

Der Weichzeichner hät­te in der Tat etwas sau­be­rer ein­ge­setzt wer­den kön­nen, aber die Entscheidung für den Einsatz war ins­ge­samt eine gute Wahl, weil das Bild sonst wegen erkenn­ba­rer Personen deut­lich schwe­rer in die Bildagenturen zu bekom­men wäre.

Hm, auf den ers­ten Blick wirkt das Bild ganz stim­mig, aber ins­ge­samt gibt es eini­ge Details, wel­che die Verkäuflichkeit ein­schrän­ken, Als ers­tes stört mich die Rolle Garn. Für mich gibt es da kei­nen Zusammenhang zum „Willkommen“-Konzept. Höchstens bei einem Arrangement zum Thema „Gartenarbeit“ könn­te er viel­leicht Vverwendung fin­den, aber als Willkommensgruß ist es das fal­sche Symbol. Das Herz hat auch nicht so recht die „typi­sche“ Herzform, wel es stark gestaucht ist. Den Vogel über dem gro­ßen W hät­te ich retu­schiert, weil er vom Text ablenkt und auch als irri­tie­ren­der Fleck wahr­ge­nom­men wer­den könn­te. Die Bearbeitung der Schatten ist auch nicht ganz ide­al. Zum Beispiel sieht man links, wie der Schatten am Bildrand schlag­ar­tig auf­hört. Insgesamt ein gutes Bild, was aber mit mehr Überlegung bes­ser umge­setzt wer­den könn­te.

Dieses Bild vom Fahrrädern am Hafen über­zeugt mich lei­der nicht als Stockfoto. Es ist vor allem im Hintergrund viel zu unru­hig un die Form der Fahrradständer ist etwas unty­pisch, was irri­tiert. Insgesamt fehlt euch etwas das Konzept. Für „Gesundheit durch Fahrradfahren“ fehlt die Bewegung, für „Urlaub“ fehlt das Bunte, für „Hafen“ ist zu wenig vom Hafen zu sehen und so wei­ter.

Bei die­sem Mann mi Notizbuch gibt es foto­gra­fisch wenig aus­zu­set­zen. Die Vignettierung mag Geschmackssache sein, mir ist sie etwas zu stark. Der star­ke Anschnitt ver­hin­dert auch, dass Designer sich ggf. selbst den nöti­gen Anshchnitt crop­pen kön­nen, das schränkt also die Verkäuflichkeit ein. Zu über­le­gen wäre noch gewe­sen, ob etwas sicht­ba­rer Inhalt auf dem Notizblock das Bild mehr in eine Richtung gelenkt hät­te und somit die Verkäuflichkeit erhö­hen könn­te. Zwar ver­kauft sich „gene­ri­sches“ Material gut, aber zusätz­li­che kon­kre­te­re Varianten kön­nen bes­ser den „Long Tail“-Markt bedie­nen. Zum Beispiel macht es einen gro­ßen Unterschied, ob der Mann eine Skizze zeich­net (Künstler, Kunststudent), ein Haus oder Grundriss ent­wirft (Architekt), Zahlen (BWL-​/​Mathestudent) oder Text (Dichter, Journalist, gene­rell Lernen) schreibt.

Insgesamt ist der Look etwas dun­kel und farb­los, hel­le­re Kleidungs hät­te hier sicher gehol­fen.

Dieses Schilf-Bild hat sich noch nicht ver­kauft und ich mache dem Fotografen da auch wenig Hoffnungen. Schilf ist nicht die optisch anspre­chends­te Pflanze und auch die Nutzungsmöglichkeiten sind beschränkt. Dazu kommt, dass Käufer, wel­che die Vorteile von Schilf her­aus­stel­len wol­len, sicher Bilder ohne brau­ne Enden an den Blättern bevor­zu­gen wür­den. Kaum ins Gewicht fällt dann noch, dass oben links und rechts etwas unmo­ti­viert Teile wei­te­rer Schilfpflanzen ins Bild ragen und retu­schiert wer­den soll­ten.

Wie dem Fotografen gefällt auch mir die­ses Foto vom Lavendel. Es ist auch har­mo­nisch und schlicht gestal­tet, mit einer hel­len, ruhi­gen Fläche rechts als Textfreiraum, der Fokus liegt erkenn­bar auf dem Lavendel, der sich durch das Lila leicht vom Rest des Bildes abhebt. Zwar ist die Konkurrenz bei sol­chen Motiven hoch, aber das Foto kann optisch gut mit­hal­ten.

Das Portrait einer jun­gen Frau mit Blattgold im Gesicht. Hier stellt sich mir sofort die Frage: „Warum?“ Warum ist die Frau nackt und hat Blattgold im Gesicht?  Für ein „Fashion“-Bild ist das Licht etwas zu schlicht und die Frisur zu „nor­mal“ und das rest­li­che Make-​Up zu nüch­tern. Als posi­ti­ve Beispiele mögen hier Valua Vitaly* oder George Mayer* die­nen.
Wie oben schon erwähnt stört auch hier der nicht zu recht­fer­ti­gen­de Anschnitt oben an den Haaren. Die Verkäuflichkeit wür­de ich des­halb ins­ge­samt als gering ein­schät­zen.

Bei die­sem 60s-​Portrait bin ich nur auf das Konzept gekom­men, weil der Fotograf es mir geschrie­ben hat. Ohne Hinweis hät­te ich nicht erra­ten, dass hier ein 60s-​Look gezeigt wer­den soll. Vielleicht liegt es aber auch ein­fach an mei­ner Unkenntnis. Davon abge­se­hen fin­de ich die Kontraste zu stark, da in den schwar­zen Haare kei­ne Zeichnung mehr zu sein scheint. Die Verwendungsmöglichkeiten für sol­che Motive sind auch gering. Für Friseure zu wenig Haare sicht­bar, für Make-​Up-​Firmen zu wenig und zu dezent geschminkt, für ande­re Branchen durch die Kunstblumen-​Deko im Vordergrund unbrauch­bar.

Diese 60s-​Variante fin­de ich etwas gelun­ge­ner. Schnell ins Auge fällt jedoch der Hintergrund, was auf­grund der leich­ten Wiedererkennbarkeit für Agenturen auch ein Grund sein könn­te, nach einem Property Release zu fra­gen. Ich fin­de das Foto auch zu dun­kel und kühl, um ein gutes Stockfoto zu sein.

Insgesamt sind die Fotos tech­nisch und kom­po­si­to­risch gelun­gen, nur inhalt­lich soll­te etwas stär­ker an Konzepten gear­bei­tet wer­den, um eine Aussage klar rüber­zu­brin­gen. Bei eini­gen Bildern klapp­te das schon sehr gut, bei ande­ren ist Potential noch oben.

Wer eben­falls kos­ten­los mit­ma­chen und mir sei­ne Fotos für eine „Pimp My Stock!“-Folge schi­cken will, fin­det hier alle not­wen­di­gen Informationen.
Wie wür­det ihr die Fotos beur­tei­len?