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Photocase startet Kampagne gegen kostenlose Bilder – und erkennt die Ironie nicht

Die deut­sche Bildagentur Photocase hat kürz­lich eine Kampagne für bezahl­ten Content gestar­tet unter dem Hashtag #NotForFree.

Auf der Kampagnen-​Webseite der Bildagentur gibt es ca. 30 Bilder, wel­che Fotografinnen und Fotografen der Agentur zusam­men mit dem oben genann­ten Hashtag zeigen.

Damit will die Bildagentur demons­trie­ren, dass auch kos­ten­lo­se Fotos von Menschen erstellt wer­den, wel­che unter ande­rem ihre Miete und Lebensmittel bezah­len müs­sen, was nur mit Likes und Klicks lei­der noch nicht mög­lich ist.

So, toll die Grundidee ist, wirkt die Aktion doch sehr zahn­los. Außer paar net­ten Bildchen auf der Kampagnen-​Webseite sind dort kei­ne Inhalte, Argumente, Daten oder Fakten zu fin­den sind, um die Ziel-​Aussage zu unter­mau­ern. Dabei gäbe es etli­che Dinge über kos­ten­lo­se Angebote zu berich­ten, wie ich es bei­spiels­wei­se hier oder hier oder hier getan habe.

Dazu kommt, dass die Geschichte dop­pelt iro­nisch ist.

Zum einen sind die 30 Kampagnen-​Fotos selbst kos­ten­los:

Die Fotos in die­ser Kollektion kön­nen kos­ten­los im Rahmen der #NotForFree-Kampagne ver­wen­det wer­den, dür­fen aber nicht ver­än­dert werden.“

Außerdem ist einer der bei­den Geschäftsführer der Photocase Addicts GmbH, der Firma hin­ter der Bildagentur Photocase, Christopher Kraft. Dieser Herr ist unter ande­rem auch Geschäftsführer der Idenio GmbH, wel­che etli­che dubio­se Affiliate-​Marketing-​Webseiten zum Thema Stockfotos, Stockvideos und ähn­li­chen Themen betreibt.

Diese Webseite hat den glei­chen Geschäftsführer wie Photocase

Darunter auch die Webseite fotoskaufen.de, auf der es etli­che Artikel wie „Die 27 bes­ten Webseiten für kos­ten­lo­se Fotos in 2022!“ gibt und gan­ze Kategorien zum Thema „Kostenlose Bilder“. Auch auf der Idenio-​Webseite videoskaufen.de wer­den den Lesern als kos­ten­lo­se Videoquellen Pixabay, Videvo etc. emp­foh­len.

Herr Kraft ist auch Geschäftsführer der Stockphotos.com GmbH, wel­che die eng­lisch­spra­chi­ge Webseite stockphotos.com betreibt. Auch da gibt es Artikel wie „32 Best Sites for Free Stock Photos – The Secret List!“.

Da scheint die rech­te Hand nicht zu wis­sen, was die lin­ke Hand macht. Oder Photocase hält Fotografinnen und Fotografen für etwas beschränkt?

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 64

Willkommen bei einer wei­te­ren Folge von „Pimp My Stock!“, wo ich Bilder mei­ner Leser*innen auf Verkäuflichkeit hin beurteile.

Diesmal schrieb mir Christine:

Lieber Robert,

ich hat­te dein Blog letz­tes Jahr per Zufall ent­deckt, ich mei­ne aber dich schon mal irgend­wo auf Facebook zum Thema „Print on Demand“ in einer Gruppe gese­hen zu haben. Jedenfalls ist Print on Demand mein per­sön­li­ches Hauptthema und Stockfotos sind irgend­wann zum Nebenprodukt geworden.

Mein/​Unser Künstlername ist Christine aka stine1 und zu 99% bin das ich (Christine) und die Fotos an sich kom­men fast aus­schließ­lich von mei­nem Mann. Er ist der stil­le Teil die­ses Hobbies, er foto­gra­fiert sehr ger­ne (wir sind Amateure, kei­ne Profis) und hat mit der Vermarktung wenig bis nichts am Hut. Er freut sich über die gro­ßen Einnahmen von Zazzle und Co. und ver­steht mei­ne Freude über mick­ri­ge Centbeträge bei einem Fotoverkauf über EyeEm oder Getty Images nicht.

Ich habe dir 8 mit­tel­mä­ßi­ge Fotos ange­hängt, die sich alle aber schon min­des­tens ein mal ver­kauft haben. Ehrlichgesagt über­ra­schen mich die meis­ten Verkäufe gera­de auch bei die­sen Beispielfotos sehr, da ich selbst die Qualität bis auf Foto 8 nicht berau­schend fin­de. Aber bei EyeEm geht der Upload schnell und ein­fach und bei mir macht es dann eher die Masse statt Klasse.

Hier noch ein paar Erklärungen, um was es sich bei den Fotos han­delt, soweit nicht unbe­dingt ersichtlich:

Foto 3 ist ein altes Foto der Wuppertaler Schwebebahn aus den 1950er Jahren aus dem Nachlass mei­nes Schwiegeropas.

Foto 7 zeigt die Innenstadt von Angers in Frankreich.

Foto 8 zeigt einen Teil des Hafens von Kralendijk auf der Karibikinsel Bonaire.

Ich wür­de mich freu­en, wenn ich irgend­wann mal Gegenstand einer ehr­li­chen (und ver­mut­lich ver­nich­ten­den) Kritik dei­ner­seits wer­de. Du darfst ger­ne auf mein EyeEm Portfolio https://www.eyeem.com/u/stine1online
oder mein Blog Zizzling Zazzle https://stine1.info verlinken.

Liebe Grüße,
Christine“

Dann wer­fen wir mal einen Blick auf ihre Bilder. Es war natür­lich ein unfai­rer Trick von Christine, mir nur Bilder zu schi­cken, die sich schon ver­kauft haben, weil ich dann wie ein Depp daste­he, wenn ich der Meinung bin, dass sich bestimm­te Bilder eigent­lich nicht ver­kau­fen wür­den, aber wir ver­su­chen es mal… 🙂

Langjährige Leser*innen des Blogs ahnen, wel­cher Kommentar bei die­ser roten Blume kommt: Wichtig ist hier auf jeden Fall der latei­ni­sche Name und die kor­rek­te Bezeichnung der Pflanze, damit über­haupt eine Verkaufschance besteht. Unabhängig davon sehe ich hier aber nur sehr gerin­ge Verkaufschancen, weil Blumen nun mal der Bereich sind, in dem sich Hobbyfotografen am liebs­ten austoben.

Über die­se flie­gen­de Möwe als Silhouette bin ich fast geneigt, das Gleiche wie bei der Blume zu schrei­ben, aber es gibt eini­ge Unterschiede, die zu mehr Verkäufen füh­ren könn­ten. Erstens ist das Bild sym­bo­li­scher stär­ker auf­ge­la­den und kann bes­ser kon­zep­tio­nell genutzt wer­den und zwei­tens ist viel Textfreiraum vor­han­den. Drittens las­sen sich mit eini­gen Photoshop-​Tricks noch Verbesserungen erzie­len, indem z.B. der Vogel vor einen ande­ren Himmel gesetzt wird („Himmel austauschen“-Funktion in PS) oder die Möwe geklont und anders und/​oder mehr­mals ange­ord­net wird. Ach ja, der Staubfleck auf dem Sensor rechts am Rand muss natür­lich weg.

Ich habe mir mal erlaubt, paar Minuten mit dem Bild rumzuspielen:

Bei der Gelegenheit kann ich auch noch mal auf mei­ne kos­ten­lo­se Sammlung von 25 Himmelsbildern ver­wei­sen, wel­che wei­ter­hin hier gra­tis zum Download bereit steht.

Das drit­te Bild zeigt die Wuppertaler Schwebebahn, nach Aussage von Christine aus den 1950er Jahren. Ist hier ver­mut­lich die Rechteklärung der schwie­rigs­te Part, ansons­ten ist das Bild redak­tio­nell sicher für eini­ge Kunden span­nend, weil die­se Ansicht eben auch nicht neu foto­gra­fiert wer­den kann. Wobei gehäs­si­ge Zungen sagen, dass es heu­te dort nicht viel anders aus­sieht. Gefühlt wür­de ich noch sagen, dass das Bild mini­mal nach rechts gekippt wer­den könnte.

Hm. Hirsch im Wildgehege? Prinzipiell wür­de ich sagen, dass das Foto wenig Verkaufschancen hat, da Tiere in frei­er Wildbahn gene­rell bes­ser ver­käuf­lich sind und natür­lich mehr Fotografen auf die Tiere im Gehege Zugriff haben. Mir fehlt jedoch das fach­li­che Wissen, um ein­schät­zen zu kön­nen, ob die wei­ße Färbung vom Hirsch sel­ten ist. Wenn ja, wür­de das logi­scher­wei­se eini­ge Pluspunkte auf der Verkaufsskala bringen.

Hier sehen wir zwei Pferde im Stall. Das hal­te ich für gut ver­käuf­lich, weil das vor­de­re Pferd wirk­lich sehr arche­ty­pisch ist und gut getrof­fen ist. Falls die Möglichkeit besteht, noch mal an den Ort zu kom­men, wür­de ich noch vor­schla­gen, die Spinnenwegen in der Ecke hin­ten zu ent­fer­nen vor einem erneu­ten Foto. Bei der RAW-​Entwicklung wür­de ich auch zu einem wär­me­ren Weißabgleich ten­die­ren, ansons­ten ein gutes Stockfoto.

Außerdem bie­ten sich noch eini­ge Bearbeitungsmöglichkeiten an, wenn das Pferd rich­tig frei­ge­stellt wird. Ich habe das (sie­he oben) mal halb­au­to­ma­tisch in paar Sekunden mit dem „Motiv freistellen“-Befehl in Photoshop gemacht, eine neue Farbebene drun­ter gelegt und das Format geän­dert. Zack, noch mal verkäuflicher.

Grüner Rasen von oben? Andere wür­den die Nase ob des simp­len Motivs rümp­fen, erfah­re­ne Stockfotografen wis­sen jedoch: Sowas geht! Grafiker brau­chen alle mög­li­chen Texturen und Hintergründe. Dass auf die­ser Wise noch Klee und ande­re Wildkräuter wach­sen, kann sowohl Vor- als auch Nachteil sein. Als „Fußballrasen“ kann das Bild nicht ver­kauft wer­den, aber ande­re Designer brau­chen viel­leicht genau die­se „Wild“-Elemente im Rasen für ihr Projekt.

Bei die­sem Bild von der Innenstadt in Angers, Frankreich, ist der dün­ne schwar­ze Rand beim Bild beson­ders erkenn­bar. Ich weiß nicht, ob der ver­se­hent­lich durch einen Bearbeitungsschritt ent­stan­den ist und in der Version für die Bildagenturen eben­falls ent­hal­ten ist. Wenn ja, soll­te die­ser drin­gend ent­fernt wer­den. Das Bild selbst „kippt“ etwas nach hin­ten wegen der per­spek­ti­vi­schen Verzerrung, wel­che aber mit Photoshop schnell gera­de­ge­rückt wer­den kann. Insgesamt ist es ver­mut­lich aber kei­ne beson­ders reprä­sen­ta­ti­ve Ecke von Angers, da hat die Stadt mit ihren Burganlagen, Brücken und Altbauten schö­ne­re Ecken zu bie­ten. Insofern ist das Motiv als Stockfoto lei­der eher ungeeignet.

Das letz­te Bild zeigt den Hafen von Kralendijk auf der Karibikinsel Bonaire. Auf den ers­ten Blick ist es ein eher unschein­ba­res Foto, was jedoch ein­deu­tig uni­ver­sel­ler nutz­bar ist als das von vor­he­ri­ge. Ich wür­de hier bei der Bearbeitung zu mehr Kontrast und Sättigung grei­fen und ggf. auch hier den Himmel noch opti­mie­ren oder ganz erset­zen. Dann ist es eine schö­ne Freizeitszene mit Textfreiraum, die für all­ge­mei­ne Urlaubs- und Reisethemen Anwendung fin­den kann.

Wie seht ihr das? Habt ihr ggf. ande­re Hinweise für Christine?

Wer eben­falls an einer kos­ten­lo­sen Rezension sei­ner Bilder inter­es­siert ist, fin­det hier alle Informationen zur Teilnahme.

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 63

Langsam bekom­me ich Routine. Schon die 63. Folge von „Pimp My Stock“ gibt es heu­te, dies­mal mit vie­len Reisefotos von Christian. Er schreibt mir:

Lieber Robert,

Ich lese Deinen Blog schon seit einer gerau­men Weile und habe die kon­se­quen­te Weiterentwicklung erlebt und immer wie­der Interessantes erfah­ren oder dazu­ge­lernt. Die Rubrik Pimp my Stock fin­de ich auch immer wie­der inter­es­sant und span­nend, auch die Bandbreite an Qualität die sich dort prä­sen­tiert. Ich bin schon seit 2009 im Stockbereich tätig, aller­dings liegt mein Hauptaugenmerk auf Video. Dank mei­ner beruf­li­chen Reisen und auf­grund der Tatsache, dass mei­ne Videokameras auch Fotos machen kön­nen (eigent­lich ist es ja umge­kehrt 😉 ), haben sich eini­ge Fotos ange­sam­melt, die ich in den letz­ten Jahren auch zuneh­mend auf den ein­schlä­gi­gen Seiten hoch­ge­la­den habe. Mit den Verkaufszahlen bin ich aller­dings nicht son­der­lich zufrie­den und ich fra­ge mich wor­an es liegt. Sind mei­ne Bilder zu spe­zi­ell? Zu bunt? Überkorrigiert? Oder ist der Markt an Reisebildern so gesät­tigt? Ein Tipp von Dir oder Deinen Followern wäre da sicher inter­es­sant. Eigenartigerweise ist das Bild aus Jerusalem mein Verkaufsschlager. Es hat sich eine lan­ge Zeit fast täg­lich ver­kauft und dürf­te bei einer Agentur schon an die 500 mal ver­kauft wor­den sein. Alle ande­ren Bilder haben bes­ten­falls fünf Verkäufe und das im Cent Bereich (wobei die Venedig-​Bilder noch ganz frisch sind und natür­lich mit lang­ge­dien­ten Bestsellern kon­kur­rie­ren). Ist es das Motiv, die Qualität oder letzt­lich eine Glücksfrage, wer in der Suche oben ankommt und immer wie­der gekauft wird? Die letz­ten Jahre war Shutterstock mein bevor­zug­ter Verkäufer für Fotos, nach deren neu­er unsäg­li­chen Preisstruktur ist jetzt Adobe statt des­sen an ers­te Stelle gerückt. Die bes­ten Preise bekom­me ich bei Alamy, aber dort ver­kau­fen sich im Jahr aber auch nur um die 30 Bilder.

Mein Equipment hat sich im Laufe der Jahre gewan­delt. Von der Nikon D90 über die Canon 5D II über die 1D C und GH5 Lumix jetzt zur Canon R5.

Würde mich freu­en, wenn Du Zeit fin­den soll­test ein paar mei­ner Fotos unter Deine stren­ge Lupe zu nehmen.

Herzliche Grüße,
Christian“

Ich habe mir Christians Bilder schon ange­schaut und bevor ich auf jedes ein­zel­ne Bild ein­ge­he, will ich zwei gene­rel­le Bemerkungen vor­weg schi­cken, weil die­se auf fast jedes sei­ner Motive zutreffen.

Erstens sind auf vie­len Motiven Gebäude, Sehenswürdigkeiten, Fahrzeuge oder ande­re mar­kan­te Dinge im Bild erkenn­bar, die ggf. je nach Land oder Laune der Agentur einen Property Release erfor­dern könn­ten. Das kann ich im Einzelfall auf die Schnelle nicht prü­fen, das kann aber ggf. zu Ablehnungen führen.

Damit zusam­men hängt der zwei­te Punkt: Falls eini­ge der Bilder durch­ge­hen, wer­den sie nur als „redak­tio­nel­ler Content“ akzep­tiert wer­den, ent­we­der wegen oben genann­ter Einschränkungen beim Property Release oder bei den Fotos mit erkenn­ba­ren Menschen im Bild auch wegen feh­len­der Model Releases. Beide Punkte sor­gen natür­lich für eine gerin­ge­re Verkäuflichkeit, da sie die Vermarktbarkeit der Bilder erschweren.

Auf die bei­den obi­gen Punkte wer­de ich bei mei­ner Bildbesprechung nur kurz ein­ge­hen, weil sich die Hinweise sonst stark wie­der­ho­len würden.

Typical mar­ket in the Amhara regi­on near lake Tana

Beim ers­ten Foto sehen wir laut Bildunterschrift eine Marktszene in Äthiopien. Aus Microstock-​Sicht fal­len mir sofort das Logo auf der Nähmaschine sowie der Tüte und dem Eimer als Hocker auf. Die müss­ten retu­schiert wer­den. Falls das Bild wegen feh­len­der Model Releases nur als redak­tio­nel­ler Content ange­bo­ten wer­den soll­te, fin­de ich die Sättigung hier in der Tat zu stark. Eine noch gerin­ge­re Tiefenschärfe hät­te auch bes­ser dafür gesorgt, dass sich der Näher bes­ser von dem schon sehr beleb­ten Markt-​Hintergrund abhe­ben würde.

Unique mono­li­thic rock-​hewn Church of St. George (Bete Giyorgis), UNESCO World heritage

Ebenfalls in Äthiopien ist die „Church of Saint George“. Als UNESCO-​Weltkulturerbe gibt es hier sicher eini­ge Reiseführer als Käufer, wobei Äthiopien selbst sicher nicht zu den ver­kauf­stärks­ten Ländern in der Reiseführer-​Bücherbranche gel­ten dürf­te. Die Komposition vom Bild fin­de ich pas­send, aber Sättigung und HDR-​Effekt eben­falls stark an der Grenze des Erträglichen.

Tourist Cruiseship on Chiemsee at a sun­ny day in summer

Der Chiemsee in Bayern war­tet hier mit weni­ger sat­ten Farben auf, lei­der auch mit einem etwas bewölk­te­ren Himmel, was für die Postkarten- und Kalender-​Branche sehr unpas­send ist. Hier wür­de sich die „Himmel austauschen“-Funktion in Photoshop ide­al anbie­ten, um einen etwas blaue­ren Himmel mit leich­ten Schäfchenwolken einzusetzen.

Château de Vaux-​le-​Vicomte at sun­set. The place is famous for its cand­le nights

Das Foto vom Schloss Vaux-​le-​Vicomte in Frankreich kann mit einem per­fek­ten Abendhimmel auf­war­ten. Dafür fehlt hier lei­der die Symmetrie, die mit eini­gen Schritten nach links ver­mut­lich leicht zu erzie­len gewe­sen wäre.
Zumindest als zwei­te Variante wären eini­ge Schritte nach vor­ne emp­feh­lens­wert gewe­sen (falls Christian das nicht eh schon gemacht hat), um eine Bildvariante ohne die Lampen im Vordergrund zu haben. So hät­ten Bildkäufer wahl­wei­se mehr Textfreiraum ums Schloss gehabt.

Roque de los Muchachos Observatory loca­ted on the hig­hest moun­tain of La Palma, Canary Islands, Spain

Dieses Foto einer Sternwarte auf den Kanarischen Inseln gefällt mir sehr gut. Von even­tu­el­len PR-​Problemen abge­se­hen ist die Sättigung hier pas­send, der Wolkenhintergrund betont die Kuppel der Sternwarte und die Sonne scheint genau von oben links ins Bild. Thematisch ist das Motiv aber schon etwas spe­zi­el­ler und wird wohl weni­ger poten­ti­el­le Käufer errei­chen als „klas­si­sche“ Urlaubsmotive, dafür kom­men viel­leicht eini­ge Käufer aus dem Wissenschaftsbereich hinzu.

Das nächs­te Bild zeigt den Felsendom in Jerusalem. Das Bild könn­te unten etwas enger beschnit­ten sein, ansons­ten habe ich dar­an nichts aus­zu­set­zen. Das Bauwerk gehört jedoch zu den meist­fo­to­gra­fier­ten in der Stadt, wes­halb die Konkurrenz groß ist. Wenn ich mir die ande­ren Aufnahmen dazu bei Adobe Stock so anse­he, kann die­ses Foto aber locker mitspielen.

Metal pipes against blue sky

Ich weiß nicht, zu wel­chem Kunstwerk oder zu wel­cher Sehenswürdigkeit die­se Metallrohre gehö­ren sol­len. Ohne die­se Information ist das Bild jedoch kaum brauch­bar als Stockfoto, da ansons­ten weder ein stim­mi­ges Konzept oder eine Aussage erkenn­bar ist. Da hilft es auch nicht, wenn es kor­rekt belich­tet und vor einem blau­en Himmel foto­gra­fiert wor­den ist.

Foto enthu­si­asts from asia taking pic­tu­re of a Burmese woman

Dieses Bild einer Fotosafari in Burma berührt mich sehr, weil es den „Exoten- oder Elendstourismus“ vie­ler Foto-​Ausflüge gut dar­stellt. Problematisch wird es hier iro­ni­scher­wei­se bestimmt mit den Persönlichkeitsrechten, aber als redak­tio­nel­les Bild ist es sehr gut auf den Punkt gebracht. Nur der Hund hät­te ger­ne paar Schritte aus dem Bild gehen kön­nen. Also auf jeden Fall ein sehr taug­li­ches Stockfoto, jedoch nicht für Microstock, son­dern eher für spe­zia­li­sier­te Agenturen.

Dramatic Sky During Golden Hour in Venice

Dieses Foto von Gondeln in Venedig gibt die Stimmung in der Stadt gelun­gen wie­der. Insgesamt fin­de ich es jedoch im unte­ren Bereich etwas zu dun­kel, das könn­te man in der Bildbearbeitung sicher noch etwas auf­hel­len. Auch eini­ge der schwar­zen Punkte/​Flecken im Himmel hät­te ich retu­schiert. Davon abge­se­hen ein gelun­ge­nes Reise-Stockfoto.

Headstones at the Arlington National Cemetery near Washington DC

Das letz­te Bild zeigt Grabsteine auf dem Nationalfriedhof Arlington in den USA. Auffällig ist, dass hier zwei Merkmale feh­len, die sonst typi­scher­wei­se auf Stockfotos von die­sem Friedhof vor­han­den sind: Die Ausarbeitung der geo­me­tri­schen Aufstellung der Grabsteine sowie die klei­nen USA-​Flaggen an jedem Grabstein zu beson­de­ren Anlässen. Dafür ist hier der klei­ne Baum pro­mi­nent ins Zentrum gerückt wor­den, was ähn­lich nur auf weni­gen ande­ren Fotos zu sehen ist. Insofern eine gelun­ge­ne neue Variante von einem häu­fig foto­gra­fier­ten Motiv. Es blei­ben aber Grabsteine, wes­halb gilt: Tod und ande­re nega­ti­ve Themen sind gene­rell als Stockfotos weni­ger ver­käuf­lich wie posi­ti­ve Themen.

Insgesamt gelun­ge­ne Motive, die sich auch auf dem gesät­tig­ten Markt der Reisefotos behaup­ten kön­nen. Eventuell soll­te Christian zusätz­lich ver­su­chen, auf sei­nen Reisen etwas mehr gene­ri­sche und Konzept-​Themen ein­zu­fan­gen, die sich abseits der tou­ris­ti­schen Sehenswürdigkeiten viel­leicht ent­de­cken lassen.

Falls ihr eben­falls wis­sen wollt, wie sich eure Fotos schla­gen, könnt ihr ger­ne eben­falls kos­ten­los in einer „Pimp My Stock“-Folge mit­ma­chen. Alle Details fin­det ihr hier.

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 61

Nach eini­gen Monaten Abstinenz bin ich end­lich wie­der dazu gekom­men, eine neue Folge von „Pimp My Stock!“ zu schrei­ben, bei der ich Leserfotos auf ihre Verkäuflichkeit hin beurteile.

Die fol­gen­de Mail schrieb mir Tom zu sei­nen Bildern:

Hallo Robert,

ich bin auf dei­nen Blog auf­merk­sam gewor­den, den ich sehr inter­es­sant fin­de. Gerne wür­de ich an dei­ner „Pimp my Stock“ Serie teil­neh­men.
Du kannst, wenn Du magst dar­aus auch einen ent­spre­chen­den Blog-​Beitrag entwerfen.

Ein paar Infos zu mir: Als Amateur-​Fotograf habe ich mir kürz­lich eine Vollformat Kamera (Nikon D600) mit den Objektiven Tamron AF ASPHERICAL 28–200mm 1:3.8–5.6, Nikon AF Nikor 50mm 1:1.8 und SIGMA 70–300mm 1:4–5.6 D aus­ge­lie­hen.
Ich foto­gra­fie­re seit 2013 und bin durch mein Studium der Medientechnik zur Fotografie gekom­men. Zunächst mit einer Sony Alpha 77 Kamera und einer 35mm Festbrennweite.

Nach ein paar Tagen hat­te ich eini­ge Ideen mit der Kamera ein­ge­fan­gen. Natürlich wür­de mich inter­es­sie­ren, inwie­weit die­se Bilder Stockfoto taug­lich oder noch ver­bes­se­rungs­wür­dig sind.

Danke für das Lesen.

Viele Grüße,
Tom“

Schauen wir uns mal sei­ne Bilder an:

Das ers­te Bild zeigt eine Schale mit Kaffeebohnen. Da Kaffee eine Droge ist, nach der vie­le Menschen süch­tig sind und auch vie­le Cafés, Restaurants, Coffeeshops, Tankstellen, Supermärkte und so wei­ter mit einem schnell gebrüh­ten Kaffee Geld ver­die­nen wol­len, bie­tet sich das Motiv als Stockfoto an.

An der Umsetzung lässt sich jedoch noch arbei­ten. Zuerst hat das Bild einen merk­li­chen Gelbstich. Auch ist unklar, war­um die Bohnen in die­ser eher unfo­to­ge­nen Schale prä­sen­tiert wer­den. Ein rus­ti­ka­ler Holz-​Untergrund oder ein Vintage Kaffeesack oder etwas ähn­li­ches wäre pas­sen­der gewe­sen. Generell wäre hier auch der Einsatz eines Makro-​Objektivs ver­mut­lich hilfreicher.

Laut Bildtitel soll die­ses Vorhängeschloss auf einem Laptop das Konzept „Cyber-​Security“ visua­li­sie­ren. Die Idee ist natür­lich pas­send, wenn auch nicht ganz neu. Bei der Umsetzung fällt als ers­tes auf, dass Kamera und Laptop nicht par­al­lel zuein­an­der aus­ge­rich­tet sind, weil das Monitorscharnier oben nicht par­al­lel zum Bildrand läuft. Auch ver­al­tet das Bild so schnell wie das Laptop-​Modell, wes­halb es sich nicht lan­ge am Markt hal­ten wird. Vermutlich wäre das Schloss ste­hend mit wenig Tiefenschärfe auch bes­ser ins Bild gesetzt gewesen.

Verschiedene Küchenmesser lie­gen neben­ein­an­der hier. Profis wer­den sofort erken­nen, dass die Klingen der Messer lei­der nicht so sau­ber sind, wie sie hät­ten sein sol­len. Auch die Reflexion auf dem Untergrund ist nicht opti­mal. Etwas unklar ist auch der Verwendungszweck: Soll das Motiv für ein Horrorfilm oder ‑buch sein oder Einsatzmöglichkeiten in der Küche bewer­ben? Beides passt hier nicht ganz. Für ers­tes hät­te z.B. etwas Kunstblut gehol­fen und dra­ma­ti­sche­res Licht, bei letz­te­rem stö­ren die Klingenflecken sowie das „Schwarz in Schwarz“.

Das nächs­te Bild zeigt eine Schale mit Müsli. Meine Kritikpunkte rei­hen sich lei­der in die schon erwähn­ten Mängel ein. Der Weißabgleich ist etwas zu gelb­lich, die Schale sowie der Löffel sind mit den stö­ren­den Mustern nicht stock-​tauglich genug und das Müsli ist nicht deko­ra­tiv genug angerichtet.

Wer sich die­se Bestseller-​Müsli-​Bilder anschaut, wird mer­ken, dass hier ein kla­rer Bildaufbau mit eini­gen deko­ra­tiv ange­ord­ne­ten Früchten sehr posi­tiv auf das Ergebnis aus­wir­ken. Es gibt im Internet auch etli­che Tutorials, die zei­gen, dass bei sol­chen Fotos meist ein Dummy-​Untergrund ein­ge­setzt wird, damit die Haferflocken und ande­re Zutaten trotz Milch oder Joghurt nicht absinken.

Das letz­te Bild zeigt vie­le hal­bier­te Orangen. Von allen heu­te gezeig­ten Bildern wür­de ich die­sem noch am ehes­ten Verkaufschancen ein­räu­men. Noch bes­ser wären die­se, wenn die Orange (vor allem unten rechts) gera­der aus­ge­rich­tet wären. Außerdem hät­te ich das Bild mit mehr Helligkeit, Sättigung und Kontrast bear­bei­tet, damit es nicht so flau wirkt.

Was sagt ihr? Würdet ihr mei­ner Meinung zustim­men oder was wür­det ihr Tom raten?

Falls ihr wis­sen wollt, wie sich eure Fotos schla­gen, könnt ihr ger­ne eben­falls kos­ten­los in einer „Pimp My Stock“-Folge mit­ma­chen. Alle Details fin­det ihr hier.

Frag den Fotograf: Wo kann ich düstere Stockfotos finden?

Vor einer Weile errich­te mich die­se Anfrage, wel­che ich heu­te in einer neu­en Folge von „Frag den Fotograf“ beant­wor­ten will:

Als Bildredakteur einer Tageszeitung suche ich manch­mal Fotos, die sich als Symbol-​Bebilderung für schwie­ri­ge Themen eig­nen. Beispiele sind Depression, Armut, Alkoholexzesse bei Jugendlichen ode­rauch vir­tu­el­le Themen wie Überwachung, Missbrauch, Sicherheit usw.

Es geht dabei vor allem um Fotos, die eine bedroh­li­che, pro­blem­ori­en­tier­te Gestaltung auf­wei­sen. Ich arbei­te mich bei der Suche in den gro­ßen Stockagenturen oft lan­ge und genervt durch Massen an fröhlich-​gestellten Bildern mit gesun­den Menschen, die sich meist sehr ähneln und die ich kom­plett nicht gebrau­chen kann.

Haben Sie einen Tipp, wo ich „düs­te­re“ anspruchs­vol­le Symbolbilder fin­den kann?“

Diese Frage ist nicht so ein­fach zu beant­wor­ten, denn eine Agentur, die sich auf genau sol­che Bilder spe­zia­li­siert hat, gibt es nicht.

Einige Gründe dafür habe ich z.B. in die­sem Blog-​Artikel hier geschil­dert. Generell wird es so sein, dass sie sol­che Fotos eher bei den teu­re­ren oder den Gratis-​Bildagenturen fin­den kön­nen, weil sich die­se Themen für Microstock-​Agenturen nicht oft genug verkaufen.

Bei teu­ren Agenturen wie Getty Images kann sich so ein Motiv auch durch weni­ge Verkäufe ren­tie­ren, bei den Gratis-​Agenturen wie Unsplash oder freeimages.com geht es den Fotografen nicht dar­um, mit den Motiven Produktionskosten wie­der einzuspielen.

Auch bei Webseiten wie DeviantArt fin­den sich etli­che Künstlerinnen und Künstler, die sich „düs­te­ren“ Themen ver­schrie­ben haben, aber das sind meist Illustrationen statt Fotos.

Aber auch auf der Medienseite selbst zu zu düs­te­re, unan­ge­neh­me Fotos sel­ten erwünscht, im werb­li­chen Bereich noch weni­ger. Die Leserinnen und Leser sol­len ja ihr Frühstück noch ver­dau­en kön­nen, wenn sie die Titelseite ihrer Tageszeitung in der Hand haben und vie­le Medien kön­nen nicht kon­trol­lie­ren, von wel­chen Altersgruppen die Bilder gese­hen wer­den, wes­halb sie da lie­ber vor­sich­tig Bilder aus­wäh­len, die mög­lichst wenig Leuten ver­schre­cken, auch bei nega­ti­ven Themen.

Prominentestes Beispiel der letz­ten Jahre war, als BILD und ande­re Medien im September 2015 das Foto des toten Flüchtlingsjungen Aylan Kurdi am Strand lie­gend ver­öf­fent­licht hat­ten. Das zog unzäh­li­ge Diskussionen und Beschwerden beim Presserat nach sich.

Deshalb: Negative, dunk­le Stockfotos wer­den auch wei­ter­hin eine sehr klei­ne Nische auf dem Bildermarkt sein, da man gezielt mit ent­spre­chen­dem Zeitaufwand suchen muss.