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DSGVO für Fotografen – Was ist zu tun?

Seit Wochen errei­chen mich total ver­un­si­cher­te Mails von Fotografen, die nicht wis­sen, wie sie sich auf die neue Datenschutz‐Grundverordnung (DSGVO) vor­be­rei­ten sol­len, wel­che ab dem 25. Mai 2018 in Kraft tritt.

Wie muss ich mei­ne Webseite oder mei­nen Blog absi­chern, um nicht abge­mahnt wer­den zu kön­nen?

Darf ich noch redak­tio­nel­le Fotos mit Personen drauf machen, ohne mit einem Bein im Knast zu ste­hen?

Wie muss ich mei­nen Modelvertrag abän­dern, damit die­ser rechts­si­cher bleibt?

Darf ich als Hochzeitsfotograf noch Bilder der Gäste machen?

Um es vor­weg­zu­neh­men: Auf alle die­se Fragen wer­det ihr von mir hier kei­ne Antwort fin­den.

Okay, fast, denn zumin­dest beim Thema Blogs und Webseiten kann ich nur raten: Abschalten. Komplett. Konzentriert euch auf die Fotografie und ihr habt ein Problem weni­ger. Nein, war nur ein Scherz, hier fin­det ihr eine Übersicht, was ihr beach­ten müsst, wenn ihr unbe­dingt in Aktionismus ver­fal­len wollt, bevor das Gesetz über­haupt in Kraft getre­ten ist.

Natürlich könnt ihr auch viel Geld aus­ge­ben für eine „maß­ge­schnei­der­te“ DSGVO‐kompatible Datenschutzerklärung im Impressum eurer Webseite oder euch gleich sich „auto­ma­tisch aktua­li­sie­ren­de“ AGB und DSGVO‐Erklärungen im Abo für eine monat­li­che Gebühr von gewief­ten Anwälten kau­fen.

Wobei ich schon den Tenor die­ses Artikels ver­ra­ten kann: Keine Panik!

Erinnert ihr euch an die „EU Cookie‐Richtlinie“, wel­che Ende 2015 umge­setzt wur­de? Seitdem pflas­tern zig ner­vi­ge Pop‐Ups fast jede Webseite, wel­che den Besucher dar­über infor­mie­ren, dass Cookies ein­ge­setzt wer­den. Mann kann nicht mal wider­spre­chen, nur „okay“ oder „ver­stan­den“ drü­cken, um das ner­vi­ge Fenster ver­schwin­den zu las­sen. Geholen ist damit kei­nem. Im Gegenteil: Diese Pop‐Ups selbst wie­der­um könn­ten Abmahnungen pro­vo­zie­ren, wenn sie ande­re wich­ti­ge Webseiten‐Informationen wie das gesetz­lich vor­ge­schrie­be­ne Impressum ver­de­cken. Aber mal nüch­tern betrach­tet: Hat jemand von euch schon von einer Abmahnung gehört, wel­che durch ein feh­len­des „die­se Webseite ver­wen­det Cookies“-Banner her­vor­ge­ru­fen wur­de?

Ähnlich sehe ich das mit der DSGVO:
Einfach mal locker blei­ben. Die 20 Millionen Bußgeld oder 4% das Jahresumsatzes, die bei Verstößen ger­ne von inter­es­sier­ten Anwälten in den Raum gewor­fen wer­den, die ihre „maß­ge­schnei­der­ten“ Datenschutzerklärungen ver­kau­fen wol­len, sind die Höchststrafe, wel­che Firmen wie Amazon, Facebook, Google oder Apple abschre­cken sol­len. Für einen klei­nen frei­be­ruf­li­chen Fotografen wird garan­tiert nicht die­se Keule aus­ge­packt wer­den.

Dazu kommt, dass natio­na­le Gesetzgeber der DSGVO teil­wei­se schon die Zähne zie­hen, bevor sie über­haupt gestar­tet ist, aktu­el­les Beispiel ist Österreich.

Außerdem hilft es nichts, panisch im Netz zu recher­chie­ren, wenn die vor­han­de­nen Quellen teil­wei­se sehr wider­sprüch­lich sind und auch der Original‐Gesetzestext der DSGVO so schwam­mig for­mu­liert ist, dass Laien dar­aus kaum schlau wer­den. Beispiel gefäl­lig? Hier will ein Anwalt mit dem Mythos auf­räu­men (sie­he dort #3), dass Gruppenfotos nach Einführung der DSGVO nur noch mit schrift­li­cher Genehmigung der abge­bil­de­ten Personen erlaubt sei­en. Aber in den Kommentaren wider­spre­chen gleich eini­ge Leute, durch­aus mit Argumenten, deren Plausibilität ich jedoch nicht beur­tei­len kann.

Und so geht es wei­ter und wei­ter. Am Ende hat der Fotograf eini­ge Stunden Zeit mit Lesen ver­schwen­det, ist ver­un­si­cher­ter als vor­her und hät­te in der Zeit mit dem Produzieren neu­er Fotos mehr Geld ver­die­nen kön­nen. Wer sich trotz­dem ver­rückt machen will, bit­te zum Beispiel hier lesen.

Ich ver­traue dar­auf, dass unse­re Politiker in Deutschland und im EU‐Parlament gemerkt haben, wie ver­un­si­chert die Bevölkerung ist und ein Auge dar­auf haben, dass es nicht die Falschen tref­fen wird.

Ich wer­de erst in Panik gera­ten, wenn das Gesetz in Kraft getre­ten ist und nach­weis­lich Abmahnungen erwirkt wor­den sind, wel­che auf mei­ne Situation zutref­fen.

Ich wer­de mei­ne Model Releases dann anpas­sen, wenn auch der Branchenriese Getty Images sei­ne Model Releases anpasst, weil die­se in der Branche qua­si der Standard sind.

Deshalb mein Rat: Ruhig blei­ben und sich auf die eige­ne Kernkompetenz besin­nen: Gute Fotos machen! Oder ein­fach ab dem 25. Mai zwei Wochen Urlaub machen und schau­en, was sich danach ver­än­dert hat.

In Panik ver­fal­len kön­nen wir auch spä­ter noch, wenn es aktu­el­le Fälle gibt.

Wie seht ihr das?

Viele Geschenkideen für Fotografen zu Weihnachten

Jedes Jahr gibt es die Listen für Leute, wel­che nicht wis­sen, was sie sich oder ihrem liebs­ten Fotografen oder ihrer liebs­ten Fotografin schen­ken sol­len.

Deshalb habe ich in den letz­ten Jahren eini­ge hilf­rei­che Listen erstellt, um euch Vorschläge zu machen.

Dieses Jahr will ich nur kurz auf die vier schon vor­han­de­nen Listen hin­wei­sen. Wozu auch immer das Rad neu erfin­den wol­len?

  1. 10 (und noch viel mehr) Geschenkideen für Fotografen zu Weihnachten

Da eini­ge der Listen schon eini­ge Jahre alt sind, sind eini­ge Produkte viel­leicht nicht mehr erhält­lich. Aber selbst dann habt ihr viel­leicht eine neue Idee bekom­men, die ihr wei­ter ver­fol­gen könnt.

Viel Spaß bei der Suche!

Immer noch betrügerische Scam‐Mails an Models im Umlauf

Ich hat­te schon vor vier Jahren an die­ser und die­ser Stelle vor Scam‐Mails gewarnt, wel­che Models und Fotografen betrü­gen wol­len.

Da gera­de wie­der die nächs­te Staffel von „Germany’s Next Topmodel“ anläuft und Models immer noch berich­ten, dass sie sehr frag­wür­di­ge Jobangebote bekom­men, die ein­fach zu gut klin­gen, um wahr zu sein, möch­te ich wie­der kurz ein Beispiel vor­stel­len, was ich hier im Forum der Model‐Kartei gefun­den habe.

Die Masche des Tricks funk­tio­niert im Prinzip immer gleich, nur die Details ändern sich. Der Ablauf sieht meist so aus:

  1. Ein angeb­li­cher Fotograf, fast immer aus dem Ausland, fragt ein Hobby‐Model, wel­ches sich bei der Model‐Kartei, Stylished, Facebook oder einer ande­ren Plattform ange­mel­det hat, kurz per Privatnachricht o.ä., ob es Interesse an einem Shooting habe.
  2. Wenn das Model Interesse bekun­det und nach Details fragt, kommt eine sehr aus­führ­li­che Mail, in denen vie­le tol­le Sachen und ein hohes Honorar ver­spro­chen wer­den. Diese lau­tet z.B.

Hello [Name des Models],
Thank for your inte­rest and Nice rea­ding from you,here is more infor­ma­ti­on about the assign­ment is a £1600 pay Fashion job (Assignment) for you, My cli­ent wants to update her Catalog with her new year release Fashion out­fits and to host one of the 2013 model event with her new fashion from Italy this assign­ment is to encou­ra­ge the upco­m­ing models in the indus­try she is affi­lia­ted with the Academy Art, you don’t have to be wor­ried about your expe­ri­ence or pre­sent look becau­se we have spe­cia­list sty­list and make artist who will bring the real beau­ty out of you, I’m a pro­fes­sio­nal photographer/Manager with 7years expe­ri­en­ced :). Find all details for the job below..

Job Location
The shoo­ting will hold at a ren­ted pho­to­graph­ers stu­dio in your loca­ti­on, so you don’t have to worry about tra­ve­ling ‚the name and address of the stu­dio will be for­war­ded to you befo­re the date of the shoo­ting, all make up will be taken care of in the stu­dio. You can come along with any body of your choice on the day of the shoo­ting, your mum, dad, fri­end, body‐guard any­bo­dy you wish to come with just for you to feel more com­for­ta­ble.

Job details
You have 12 dif­fe­rent Fashion out­fits to cover,which would be pro­vi­ded by our cli­ent on the day of the shoo­ting.

Types of cloths
Jeans and Jackets

Name of cli­ent
[Name einer seriö­sen US‐Designerin inklu­si­ve deren Webseite]

Company Name/Designer
[Name einer seriö­sen Designerin inklu­si­ve deren Webseite]

Job per­cen­ta­ge
The total pay for the jobs is £1600 as your part pay­ment befo­re the shoot to assu­re you that the job is yours and for you to get the necessa­ry thing you nee­ded for the shoot . Shooting Date the date for the shoo­ting is not fix,i will have to make arran­ge­ment for that ahead from now,I will email you the exact date for the shoo­ting a week befo­re as soon as the arran­ge­ment is com­ple­ted with our cli­ent.

Requirements
Very Attractive, Classy, In Great Shape, Extremely Outgoing & Personable, out spo­ken, Must be Reliable.

Payment Policy
As part of my working poli­cy and ethics,i recei­ve part pay­ment from any cli­ent befo­re I pro­ceed with any job and balan­ce imme­dia­te­ly after the shooting,this is to iden­ti­fy a serious cli­ent and ascer­tain the job,I hope you com­pre­hend this fact.

I will keep you updated as to when our cli­ent wants to make upfront pay­ments

Expectation
you need to have good and attrac­tive poses .(start prac­ticing) Basically this is all requi­red of you,for your make up my cli­ent will be taken care of it,you don’t have to be bother for any make up,please get in touch with me if you will take the job and we can go from there,just let me know if you will take the job to com­mence with next arran­ge­ment.

Do send your recent pic­tu­re to me .

My home­page
[erwäh­ne ich mal nicht, sieht aber schick aus]

Please I’d like you to check your email on a regu­lar bases, I might have updates for you..

Thank And God Bless You …“

3. Es ist jetzt egal, was das Model ant­wor­tet. WENN es ant­wor­tet, bekommt es auf jeden Fall die Zusage für den „Job“, wel­che unge­fähr so aus­sieht:

Hello [Name des Models],

I’m glad to inform you have read back from my cli­ent and she was plea­sed by working to work with you for the cata­log shoot and assu­red me that part pay­ment will be mai­led to you, until you recei­ve
and con­firm pay­ment we will not shoot, your total pay for the job is £1,600 and part pay­ment will be mai­led to you first and the balan­ce after the shoo­ting, i hope you under­stand ? Send me your pay­ment
details as to which our cli­ent is to mail out your part pay­ment to you in the form below

Your Full Name ( As it will be writ­ten on Cheque) :.….….….….…
Full Address :.….…..
Home Phone #.….….….….….…
Cell Phone.….….….….….…..
Age :.….….….
Height:.….……
Weight.….….…
Waist.….….….
Shoe Size.….….
Waist size.….…
Clothing Size:
Burst size.….….
Outseam.….….…
Inseam:.….….…
Suit/Jacket:.….…
Shirt/Nec.….……
Shoe Size.….…..
Any Exscort (If Yes Who?)

All Your infor­ma­ti­on will be well kept,Also she said after we con­firm the part pay­ment, we will all have a fixed date and loca­ti­on for the shoo­ting that best fits. Make‐up, hair etc would be taken cared of at
the Studio as we are pre­sent­ly deli­be­ra­ting with some stu­dio agents over loca­ti­on, remem­ber you can come along with anyo­ne of your choice.You have 12 dif­fe­rent fashion out­fits to cover as i alrea­dy
men­tio­ned which would be pro­vi­ded by our cli­ent on the day of the shooting.most type of clot­hing will be Jeans and Jackets Regards your poses just be prac­tice the one you know for now as time goes on befo­re
the shoo­ting date the­re will be someo­ne to prac­tice with you and teach you more pose and styles that will suit the shoot as i know you are pro­fes­sio­nal too.,as you know this cata­log will publish world wide this may be your open way oppor­tu­ni­ty. I hope all is well sta­ted, make sure you get back with requi­red pay­ment details at once thank you.

Regards,
Peter“

Wie funk­tio­niert der Betrug?

Ganz ein­fach: Der Täter schickt wirk­lich vor­ab einen Scheck, sogar mit einer höhe­ren Summe als in der Email ver­ein­bart. Kurz dar­auf kommt eine Nachricht, dass man ver­se­hent­lich zuviel Geld geschickt habe und das Model die Differenz auf ein Konto (oder via Moneybookers oder Western Union o.ä.) über­wei­sen sol­le. Das Model macht das brav, weil es ja den gut­be­zahl­ten Modeljob haben will. Kurz dar­auf teilt die Bank dem Model mit, dass der ers­te Schick nicht gedeckt sei und das Model des­halb kein Geld bekom­me. Das über­wie­se­ne Geld ist aber weg!

Was soll­te das Model stut­zig machen?

Ein angeb­lich Fotograf will für ein Shooting in den USA ein deut­sches Model buchen und in bri­ti­schen Pfund? Das klingt schon mal komisch. Und selt­sam, dass der angeb­lich eng­li­sche Muttersprachler so vie­le Schreibfehler in sei­nen Nachrichten hat. Außerdem sind £1.600 ca. 1.850 Euro, das ist eine Tagesgage, wel­che selbst Topmodels nei­disch wer­den lie­ße. Bei sol­chen Summen wer­den Models auch nicht mehr nur „nach Fotos“ gebucht, son­dern es fin­den immer Castings statt. Generell kann der Betrüger in sei­ner Mail so vie­le, tol­le, schö­ne Sachen (Flug, Unterkunft, Verpflegung umsonst, Modeltraining etc.) ver­spre­chen wie er will, weil es sowie­so nur um den fal­schen Scheck geht und danach kein Shooting statt­fin­den wird.

Die im Text erwähn­ten rea­len Firmen und Designer habe ich übri­gens kon­tak­tiert und die­se bestä­tig­ten mir, dass sie mit die­sen Mails nichts zu tun haben.

Welche Varianten des Betrugs gibt es?

Da die Art des Auftrags voll­kom­men egal ist und das Ziel des Betrügers nur ist, dem Empfänger einen glaub­haf­ten Grund zu geben, ihm einen unge­deck­ten Scheck zu schi­cken und um eine Rücküberweisung des zuviel gezahl­ten Geldes zu bit­ten, kann er viel erzäh­len. Fotografen wer­den mit fürst­li­chen bezahl­ten Bikini‐Shootings auf einer Karibik‐Insel gelockt, Visagisten wird eine Zusammenarbeit mit Top‐Models ver­spro­chen, Tänzern wird erzählt, dass sie einen gro­ßen Auftritt in einem renom­mier­ten Haus bekä­men und so wei­ter.

Wie soll mit sol­chen Mails umge­gan­gen wer­den?

Löschen und ver­ges­sen. Ganz ein­fach.

Habt ihr auch schon sol­che Mails bekom­men? Wie habt ihr reagiert?

Warum Pinterest Fotografen eher schaden als helfen wird

In der bun­ten Welt der Bilder gibt es einen neu­en Hype: Pinterest!

Für alle, die davon noch nichts gehört haben: Pinterest ist ein Web‐Service, mit dem Leute belie­bi­ge Fotos aus dem Internet an ihre eige­ne Pinterest‐Seite „pin­nen“ kön­nen. Es ist also – wie der Name ver­mu­ten lässt – eine Art digi­ta­le Pinnwand, auf der Leute ihre Webfundstücke prä­sen­tie­ren kön­nen. Vor allem Fotografen ken­nen das sicher, dass sie ger­ne inspi­rie­ren­de Motive aus dem Netz in einem Ordner auf der Festplatte sam­meln.

Das Besondere – und mei­nes Erachtens auch das Riskante – an Pinterest ist nun, dass die gepinn­ten Bilder für alle sicht­bar sind – nicht nur für Mitglieder, son­dern alle Internet‐Nutzer. Die „Pins“, also die mar­kier­ten Fotos, kön­nen die Nutzer in „Boards“ anle­gen, ver­gleich­bar mit ver­schie­de­nen Ordnern, um die Motive zum Beispiel nach Themen, Farben oder ande­ren Kriterien zu sor­tie­ren. Das Ganze kann dann zum Beispiel so aus­se­hen:

oder auch so:

 


Wird die Maus auf eins der Bilder gehal­ten, erscheint gleich ein klei­nes Pop‐Up‐Fenster, mit dem Pinterest‐Nutzer das Bild sofort auf ihre eige­ne Pinnwand „re‐pinnen“ kön­nen. Wird auf eins der Bilder geklickt, erschei­nen Detailinformationen, Kommentare ande­rer Nutzer zum Bild, und ähn­li­che Bilder etc. Das sieht zum Beispiel so aus:

Klingt doch alles super? Vielleicht. Das Problem wird aber schnell sicht­bar.  Das Foto des jun­gen Geschäftsmann oben ist bei­spiels­wei­se ist ein Bild des Stockfotografen Yuri Arcurs und es wur­de von der ita­lie­ni­schen Fotolia‐Webseite kopiert, ohne es zu kau­fen – ein Verstoß gegen das Urheberrecht.

Aber gehen wir einen Schritt zurück und nähern uns dem Problem anders.

Einige Fotografen pro­pa­gie­ren Pinterest als krea­ti­ven neu­en Weg zum Selbst‐Marketing. Durch das Pinnen eige­ner Bilder wür­den Fotografen einen gro­ßen Kundenstamm errei­chen kön­nen, der sonst viel­leicht nie von dem jewei­li­gen Fotografen gehört hät­te oder sie erzeu­gen Traffic auf die eige­ne Webseite oder den Blog. Andere sehen das eher mit Einschränkungen so und wie­der ande­re raten Fotografen strikt von der Pinterest‐Nutzung ab. Ich ten­die­re eher zur letz­te­ren Meinung und kann die Ablehnung auf drei Ebenen begrün­den.

1. Ebene: Das Pinterest‐Problem der Quellenangaben

Nehmen wir an, dass ein Fotograf nur sei­ne eige­nen Fotos dort ver­öf­fent­licht. Die „Pinterest‐Etikette“ besagt, dass die Originalquelle immer ange­ge­ben wer­den soll­te. Das ist aber kei­ne Pflicht. Wenn jemand ein Foto ohne Quellenangabe hoch­lädt und es von dort oft wei­ter gepinnt wird oder jemand das Fotografenfoto nimmt, aber die Quelle nicht mehr erwähnt, führt das schnell dazu, dass mas­sen­haft Fotos des Fotografen im Netz her­um­schwir­ren, ohne dass der gewünsch­te Werbeeffekt ein­tre­ten kann. Von Pinterest schwappt es dann nach Tumblr, Weheartit oder Flickr und irgend­wann gilt das Bild als „ver­wais­tes Werk“ (orphan work), wel­ches legal genutzt wer­den kann, ohne den Fotografen zu fra­gen, weil der Urheber nicht mehr zu ermit­teln sei.

Deshalb gilt: Wer unbe­dingt eige­ne Bilder bei Pinterest ein­stel­len will, soll­te das immer nur mit sicht­ba­ren Wasserzeichen und Urheberhinweis in den Metadaten machen.

Die Macher von Photoshelter haben in einem lesens­wer­ten Blogbeitrag auch fest­ge­stellt, dass die Hauptnutzer von Pinterest jun­ge Frauen mit wenig Geld sind, wel­che „Design“ oder „Handarbeit“ als ihr Hobby ange­ben. Das ist meist nicht die Zielgruppe, die Fotografen bucht. Und war­um soll­ten die­se Leute Fotos kau­fen, wenn sie die­se doch kos­ten­los bei Pinterest ver­öf­fent­li­chen kön­nen? Das führt lang­fris­tig zum Problem auf der drit­ten Ebene, aber zuerst kommt die zwei­te Ebene:

2. Ebene: Das Pinterest‐Problem der Urheberrechte

Wer sich mit Medienrecht oder Fotografie etwas aus­kennt, wird beim Blick auf Pinterest inner­halb von Sekunden vie­le Urheberrechtsverstöße erken­nen. Anders for­mu­liert: Viele Bilder wer­den dort ille­ga­ler­wei­se gezeigt. Im ver­klau­su­lier­ten Kleingedruckten der Nutzungsbedingungen schreibt Pinterest, dass ver­öf­fent­lich­te Bilder frei von Rechten Dritter sein müs­sen:

You agree not to do any of the fol­lo­wing: Post, upload, publish, sub­mit, pro­vi­de access to or trans­mit any Content that: (i) infrin­ges, misap­pro­pria­tes or vio­la­tes a third party’s patent, copy­right, trade­mark, tra­de secret, moral rights or other intel­lec­tu­al pro­per­ty rights, or rights of publi­ci­ty or pri­va­cy“

Viele Nutzer hal­ten sich jedoch nicht dar­an. So brauch­te ich wie­der nur Sekunden, um für jede der gro­ßen Bildagenturen hun­der­te von Fotos zu fin­den, die dort gezeigt wer­den, fast immer noch mit dem Wasserzeichen der Bildagentur, ver­mut­lich oft ohne Erlaubnis des Fotografen: Hier von Fotolia, von Shutterstock,  von istock­pho­to oder Dreamstime, aber auch von Getty Images, Corbis oder Alamy.

Zusammen sind das schnell tau­sen­de ille­ga­le Bilder, gefun­den inner­halb von weni­ger als paar Minuten.

Auf mei­ne Email an Pinterest, was die Firma aktiv gegen sol­che mas­si­ven Urheberrechtsverstöße mache, kam nur die lapi­da­re Antwort, dass ein Urheber ers­tens sein Werk nach dem DMCA‐Gesetz ger­ne mel­den kön­ne, wenn er es irgend­wo auf Pinterest fin­de. Zweitens kön­nen Webseiten‐Betreiber auf ihren Seiten die­sen Meta‐Tag ein­bin­den, damit die Inhalte nicht auf Pinterest gepinnt wer­den kön­nen:

<meta name=„pinterest“ content=„nopin“ />“

Ein Schweigen der Urheberrecht‐Inhaber wird so als auto­ma­ti­sche Zustimmung gewer­tet. Außerdem hilft das Meta‐Tag nicht, wenn Leute ein Foto erst von der gesperr­ten Webseite auf ihren Computer laden und von dort auf Pinterest ver­öf­fent­li­chen.

Besonders per­fi­de klingt das ange­sichts der Tatsache, dass sich Pinterest auch das Recht her­aus­nimmt, die ver­öf­fent­lich­ten Bilder ver­kau­fen zu dür­fen:

By making avail­ab­le any Member Content through the Site, Application or Services, you her­e­by grant to Cold Brew Labs a world­wi­de, irre­vo­ca­ble, per­pe­tu­al, non‐exclusive, trans­fera­ble, royalty‐free licen­se, with the right to sub­li­cen­se, to use, copy, adapt, modi­fy, dis­tri­bu­te, licen­se, sell, trans­fer, publicly dis­play, publicly per­form, trans­mit, stream, broad­cast, access, view, and other­wi­se exploit such Member Content only on, through or by means of the Site, Application or Services“ [Hervorhebung von mir]

Einige Leute argu­men­tie­ren, dass Pinterest sich auf die „Fair Use“-Klausel beru­fen kön­ne, nach der die urhe­ber­recht­lich geschütz­ten Bilder bei Pinterest zu einem „neu­en Werk“ trans­for­miert wer­den, ähn­lich wie es damals bei einer Klage gegen die Thumbnails von Google Images argu­men­tiert wur­de, aber der Rechtsanwalt Itai Maytal wider­spricht dem jedoch, der deut­sche Rechtsanwalt Christian Solmecke nennt Pinterest sogar „eine ein­zi­ge Urheberrechtsverletzung“. Das alles führt uns zur drit­ten und lang­fris­tig gefähr­lichs­ten Ebenen für Fotografen.

3. Ebene: Das Fotografen‐Problem des Gewöhnungseffekts

Es hilft nichts, wenn Fotografen sich jetzt nur hin­stel­len und auf ordent­li­che Quellenangaben pochen und not­falls ihren Anspruch mit teu­ren Abmahnungen ein­kla­gen. Angesichts der oben auf­ge­zeig­ten tau­sen­den Fälle bleibt das alles nur ein Tropfen auf den hei­ßen Stein. Schlimmer noch ist der Gewöhnungseffekt, der sich bei den Internet‐Nutzern ein­stellt. Fotografen ver­die­nen ihr Geld haupt­säch­lich damit, dass Leute sie für ihre Bilder bezah­len. Internetnutzer glau­ben jedoch sehr häu­fig, dass Bilder im Internet kos­ten­los sind. Dazu tra­gen Web‐Services wie Pinterest, Tumblr und Weheartit, aber auch  Facebook und Konsorten stark bei.

Je mehr Privatpersonen die­se Dienste nut­zen, des­to eher nut­zen auch Firmen und ande­re kom­mer­zi­el­le Anbieter sol­che Seiten. Diese wie­der­um wer­ben dann auch mit urhe­ber­recht­lich geschütz­ten Fotos, ohne sie gekauft zu haben. Damit gehen Fotografen ganz kon­kret auch Einnahmen und Folgeaufträge ver­lo­ren. Kleines Beispiel? Gefunden inner­halb einer Minute: Auf der Pinterest‐Seite des Hotel München zeigt das Hotel ein Foto eines Fahrrads aus Gemüse. Der Bildqualität nach zu urtei­len, wur­de es nicht bei Fotolia gekauft, von wo es ursprüng­lich kommt, son­dern ein­fach das Layoutbild ver­wen­det:


Wenn Fotografen nicht auf­pas­sen, kommt irgend­wann der Moment, an dem die Macht der Gewohnheit so stark und die Menge der unwis­sen­den Internet‐Nutzer so groß ist, dass sich die Gesetze dem neu­en „Lebensstil“ anpas­sen müs­sen und ein­fach geän­dert wer­den. Die Piratenpartei arbei­tet schon dar­auf hin und da sie vor allem von jun­gen Leuten gewählt wird, stei­gen deren Chancen.

Eine Lösung habe ich nicht: Wie macht man Leuten klar, dass Bilder und Fotos kein kos­ten­lo­ses Treibgut im Internet sind, dass jeder auf­sam­meln und aus­stel­len kann? Am bes­ten, ohne Privatpersonen ver­kla­gen zu müs­sen?

Was sagt ihr? Welche Chancen und Risiken seht ihr bei Pinterest?

Die Fotografen mit den größten Portfolios bei Shutterstock (und andere Statistiken)

Wer kann aus dem Stehgreif sagen, wel­che Fotografen die meis­ten Bilder bei der Microstock‐Bildagentur Shutterstock* haben?

Nein, es sind nicht die übli­chen Verdächtigen.

Hier mal die Top 15 Fotografen mit den meis­ten Bildern bei Shutterstock:

  1. Helga Esteb: 67.798 Dateien (Celebrity)
  2. John T Takai: 67.272 Dateien (Illustrationen)
  3. Netfalls: 53.646 Dateien (People, Lifestyle)
  4. Yuri Arcurs: 53.388 Dateien (People, Lifestyle)
  5. wave­bre­ak­me­dia: 52.062 Dateien (People, Lifestyle)
  6. P.Uzunova: 47.320 Dateien (Hintergründe, Reisen)
  7. Featureflash: 43.734 Dateien (Celebrity)
  8. line­ar­test­pi­lot: 41.395 Dateien (Illustrationen)
  9. Gregory Gerber: 40.824 Dateien (Food)
  10. Elnur: 39.780 Dateien (Freisteller)
  11. Shebeko: 38.168 Dateien (Food)
  12. High Leg Studio: 37.632 Dateien (Illustrationen)
  13. Kheng Guan Toh: 37.349 Dateien (Illustrationen)
  14. ilo­lab: 36.373 Dateien (Hintergründe, Texturen)
  15. Vit Smolek: 35.684 Dateien (Abstrakt)

Diese Liste ist nur ein win­zi­ger Ausschnitt aus den Daten, die der rus­si­sche Fotograf Serge Black auf sei­ner Seite Microstock time zur Verfügung stellt. Die Liste umfasst bei ihm alle Shutterstock‐Mitglieder, die min­des­tens ein Bild hoch­ge­la­den haben, das sind ca. 33.200 Leute. Außerdem schlüs­selt er das Verhältnis von Fotos/Illstrationen im Portfolio auf, von vertikalen/horizontalen Bildern und so wei­ter.

Es gibt des­wei­te­ren eine Übersicht, wie das Verhältnis ins­ge­samt zwi­schen Fotografen und Illustratoren gewich­tet ist und über die Entwicklung der Neuanmeldungen von Fotografen. Ich habe letz­te­res mal gra­fisch auf­be­rei­tet:

Das Boomjahr war dem­nach 2009, beim Rückgang der Anmeldungen für 2011 muss jedoch berück­sich­tigt wer­den, dass die vor­lie­gen­den Zahlen noch vom Oktober 2011 sind, aber selbst bis zum Jahresende wird der Wert von 2010 sicher nicht wie­der auf­ge­holt wer­den.

Hier noch die gra­fi­sche Übersicht über die Verteilung der Portfoliogrößen unter allen Mitgliedern:


Ca. 49% der Fotografen haben dem­nach weni­ger als 100 Bilder im Portfolio. Die 25 Kontributoren mit den größ­ten Portfolios hin­ge­gen haben zusam­men ca. eine Million Dateien im Angebot. Ein Hinweis zum Lesen des Diagramms. Es ist logisch, dass die Zahl nach oben hin immer wei­ter abnimmt, weil jeder der Fotografen einer höhe­ren Portfolio‐Größe auto­ma­tisch auch bei den gerin­ge­ren Portfolio‐Größen mit­ge­rech­net wird (abge­se­hen von der ers­ten „weni­ger als 50 Dateien“-Kategorie). Ich selbst habe ca. 600 Fotografen vor mir, die ein grö­ße­res Portfolio haben als ich.

Und wie steht ihr da? Was für span­nen­de Rückschlüsse las­sen sich aus die­sen Daten noch zie­hen?

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