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Getty Images kauft Unsplash: Was bedeutet das für die Zukunft?

Gestern hat die größ­te Bildagentur der Welt, Getty Images, die Plattform Unsplash zu einem nicht näher benann­ten Betrag gekauft.

Unsplash ist eine Webseite, wel­che ca. 2,7 Mio kos­ten­lo­se Bilder zum Download anbie­tet und damit über 100 Mio. Gratis-​Downloads im Monat generiert.

Laut dem offi­zi­el­len FAQ und dem Blogpost zur Übernahme soll sich sowohl für Bildnutzer als auch für Fotografen erst mal nichts ändern:

This is not one of tho­se tech acqui­si­ti­ons whe­re the com­pa­ny is bought to be shut down. Unsplash will con­ti­nue to ope­ra­te as a stan­da­lo­ne brand and divi­si­on of Getty Images. The ent­i­re Unsplash team will be stay­ing and buil­ding Unsplash in the direc­tion we have been. The main dif­fe­rence now is we have access to the resour­ces and expe­ri­ence of Getty Images to help acce­le­ra­te our plans to crea­te the world’s most use­ful visu­al asset library.“

Mit ande­ren Worten: Getty Images soll Unsplash hel­fen, mehr Gratis-​Bilder zu ver­tei­len? Wer’s glaubt, wird selig. Aber hal­ten wir uns an bekann­te Fakten.

Zu welchem Zeitpunkt kam die Übernahme?

Wie in die­sem Artikel vor­ge­rech­net ver­brennt Unsplash seit Jahren regel­mä­ßig Geld und wird haupt­säch­lich durch Finanzinvestoren am Leben gehal­ten. Diese sind nach der Übernahme ver­mut­lich mit Gewinn aus der Sache rausgekommen.

Während bis­her die monat­li­chen Downloads bei Unsplash stie­gen und stie­gen, haben die­se seit ca. einem hal­ben Jahr ein Plateau erreicht und sin­ken wie­der: Von ca. 113 Mio. Gratis-​Downloads im November 2020 auf ca. 105 Mio. Downloads im März 2021. Das sind immer noch wahn­sin­nig hohe Zahlen, ver­gli­chen zum Beispiel mit den ca. 15 Mio. monat­li­chen bezahl­ten Downloads von Shutterstock im Jahr 2020.
Trotzdem hat Unsplash einen Rückgang der Downloads um ca. 7% vor­zu­wei­sen, und damit eine nega­ti­ve Kennzahl, die Finanzinvestoren gar nicht mögen.

Positionierung von Getty Images durch die Unsplash-Übernahme

Die bei­den größ­ten Konkurrenten von Getty Images, Adobe Stock und Shutterstock, haben eini­ge Vorteile, wel­che Getty bis­her nicht gut aus­glei­chen konnte.

Bei Adobe Stock wäre das eine pro­fes­sio­nel­le Kollektion von Gratis-​Bildern, Shutterstock hat eine gut funk­tio­nie­ren­de und finan­zi­ell lukra­ti­ve API (Datenbankanbindung an das Portfolio).

Mit der Unsplash-​Übernahme hat Getty Images nun plötz­lich ein deut­lich grö­ße­res Angebot an Gratis-​Bildern, mit denen Getty nun ver­su­chen kann, durch Upselling neue Käuferschichten zu erschlie­ßen. Die Motivvielfalt ist zwar deut­lich gerin­ger als bei der kos­ten­lo­sen Adobe Stock Kollektion, dafür muss Getty die Fotografen im Gegensatz zu Adobe auch nicht bezah­len. (Ironischerweise wur­de sogar das ImageGrid Layout von Getty Images mit Unsplash-​Bildern getestet.)

So ist es wohl auch kein Zufall, dass nur zwei Wochen vor der Übernahme durch Getty Images kei­ne Unsplash-​Fotos mehr via API in der Adobe App „Spark Post“ genutzt wer­den können.

Die API ist ja auch der deut­lich span­nen­de­re Teil des Einkaufs: Mit einem Schlag hat Getty Images Zugriff auf über 11.000 API-​Apps mit über 8,5 Milliarden (!) API-​Zugriffen pro Monat.

Unter den Unsplash API-​Nutzern sind so bekann­te und finanz­star­ke Firmen wie Dropbox, BuzzFeed, Wix, WeTransfer, Zoom, Mailchimp und vie­le ande­re. Diese könn­ten sich durch­aus auch einen bezahl­ten API-​Zugriff leisten.

Dazu ein span­nen­des Rechenbeispiel: Würde Getty Images die API-​Zugriffe mone­ta­ri­sie­ren und dabei 1) die Hälfte der API-​Zugriffe ver­lie­ren (blei­ben ca. 4,35 Mrd. Zugriffe) und nur ein Zehntel des güns­tigs­ten Shutterstock-​Preises pro API-​Abruf (0,182 USD statt 1,82 USD) ver­lan­gen, blie­ben pro Monat immer noch ca. 791 Mio. USD Umsatz.

Selbst wenn wir anders rech­nen wür­den, und Getty für jeden API-​Zugriff nur 1 US-​Cent berech­nen wür­de, wären das auch noch über 8,7 Mio. USD Umsatz pro Monat. Zum Vergleich: Shutterstock erzielt knapp 24 Mio. USD Umsatz pro Monat.

Welche Änderungen werden kommen?

Offiziell soll sich bei Unsplash nichts ändern, aber wer das glaubt, muss schon sehr naiv sein. Immerhin gab es schon mal die Übernahme einer Gratis-​Bilderplattform durch Getty Images. 2009 über­nahm Getty die HAAP Media Ltd. mit der Bildagentur Stockxpert sowie der Gratis-​Plattoform Stock xchng, wel­che dar­auf­hin schnell zu iStock wei­ter­ge­lei­tet wur­de. 2014 wur­de Stockxchng zu freeimages.com umbe­nannt und fun­giert als spär­lich gepfleg­tes Lockmittel für neue Kunden.

Wer Unsplash bis­her als Bildnutzer besucht hat, soll­te sich eini­ge wich­ti­ge Fragen stel­len, wel­che die Bildbeschaffer hier auf­ge­führt haben.

Auch unter den Fotografen, wel­che Unsplash bis­her belie­fert haben, gibt es nicht nur Glückwünsche zur Übernahme, son­dern auch kri­ti­sche Stimmen, die mit ihren kos­ten­lo­sen Fotos kei­ne Firma wie Getty sub­ven­tio­nie­ren wollen:

Unsplash selbst betont stän­dig, dass durch die Übernahme Bereiche wie „Unsplash Hire“, also eine Auftragsvermittlung für Fotografen, gestärkt wer­den könn­ten. Übersetzt wird das aber ver­mut­lich nur hei­ßen: Die bes­ten Unsplash-​Fotografen dür­fen auch für Getty fotografieren.

Ich sehe das Engagement von Getty Images zwie­ge­spal­ten: Einerseits hat Getty Images kei­nen gute Erfolgsbilanz, wenn es um die Umsätze von Fotografen geht. Andererseits hat­te Unsplash das noch viel weni­ger, inso­fern fin­de ich die­ses Zitat eines Getty-​Fotografen sehr passend:

Getty knows how to des­troy things. Now they will des­troy a bad thing.“

Wie seht ihr das?

Facebook blockiert Beitrag über Protest gegen Shutterstock

Gestern erschien auf der aus­tra­li­schen Webseite „Inside Imaging“ der Artikel „Shutterstock con­tri­bu­tors unite to form coali­ti­on“, der aus­führ­lich über die Honorarkürzungen bei Shutterstock sowie die Proteste von Lieferanten und der neu gegrün­de­ten „Stock Submitter Coalition“ (SSC) berichtet.

Der Artikel berich­tet aus­ge­wo­gen über das Thema, umso erstaun­ter waren etli­che Facebook-Nutzer, dass Facebook den Link zu die­sem Artikel blo­ckiert, weil er angeb­lich „gegen die Gemeinschaftsstandards“ ver­sto­ßen würde.

Selbst das deut­lich weni­ger öffent­li­che Teilen des Links in Privatnachrichten ist nicht möglich:

Wer Facebook auf eng­lisch nutzt, bekommt eine etwas detail­lier­te Fehlermeldung beim Versuch, den Link zu tei­len. Andere Facebook-​Nutzer sol­len den Beitrag als „belei­di­gend“ gemel­det haben:

„Your mes­sa­ge could­n’t be sent becau­se it inclu­des con­tent that other peop­le on Facebook have repor­ted as abusive.“

Meine Presse-​Anfrage an Facebook mit der Bitte um Erklärung der Blockade blieb bis jetzt noch unbe­ant­wor­tet (wird ggf. als Update nachgereicht).

Der Umgang mit Zensur ist sowohl Facebook auch Shutterstock selbst nicht fremd, da Shutterstock in China zahl­rei­che Suchbegriffe wie „Präsident Xi“, „Flagge Taiwans“, „Diktator“ und „Regenschirm“ sperrt, die dem chi­ne­si­schen Präsidenten Xi unan­ge­nehm sein könnten.

Was ist da los?

Während US-​Präsident Trump unge­hin­dert und unge­fil­tert bei Facebook wei­ter­hin sei­ne Meinung äußern darf (und der iro­ni­scher­wei­se sogar irre­füh­ren­de Shutterstock-​Fotos für sei­ne Facebook-​Anzeigen benutzt), wird ein sach­li­cher Nachrichtenartikel bei Facebook wegen „Beleidigung“ gesperrt?

Mittlerweile deak­ti­vier­te Facebook-​Anzeige von Donald J. Trump mit einem irre­füh­ren­den Shutterstock-Foto

Vielleicht gibt es einen Zusammenhang mit der Partnerschaft zwi­schen Facebook und Shutterstock, wel­che seit 2016 besteht? Seit Mai 2016 nutzt Facebook die Shutterstock-​API, damit Kunden des Facebook Ad Manager Shutterstock-​Bilder für ihre Werbeanzeigen nut­zen können.

Stolz führt Shutterstock den Partner an ers­ter Stelle bei ihren API-​Nutzungen an:

Die Aktionen von Facebook zei­gen, war­um es wei­ter­hin wich­tig ist, die Kontrolle über sei­ne Veröffentlichungen zu behal­ten und sich nicht aus­schließ­lich in die Abhängigkeit ein­zel­ner pri­vat­wirt­schaft­li­cher Firmen zu begeben.

Wer mehr zu den Protesten gegen die Honoraränderungen bei Shutterstock lesen will, fin­det neben dem ein­gangs erwähn­ten Artikel auch hier bei PetaPixel mehr Informationen.

Update 21.6.2020: Der Absatz über das blo­ckier­te Teilen der Pressemitteilung der SSC wur­de ent­fernt, da er auf einem Mißverständnis beruhte.

Adobe gibt Zeitplan für Abschaltung von Fotolia bekannt – Was ändert sich für Fotografen und Kunden?

Gestern gab Adobe den Zeitplan für die Abschaltung der Fotolia-Webseite bekannt.

Dieser wird dem­nach in zwei Etappen statt­fin­den. Am 5.2.2019, also in drei Monaten wird der Upload zu Fotolia ein­ge­stellt wer­den. Neue Bilder müs­sen dann direkt im Contributor-​Portal von Adobe Stock hoch­ge­la­den werden.

In einem Jahr, am 5.11.2019 wird dann die Fotolia-​Webseite kom­plett ein­ge­stellt. Bis dahin müs­sen alle Fotolia-​Kunden ihren Account zu Adobe Stock migrie­ren, wenn sie wei­ter­hin dort Bilder ein­kau­fen wollen.

Nachdem Adobe die Firma Fotolia Anfang 2015 für ca. 800 Mio. US-​Dollar auf­ge­kauft hat­te, endet dann nach unge­fähr 5 Jahren die Übergangsfrist, in der zwei Webseiten betreut wurden.

Dieser Schritt war abseh­bar, weil es lang­fris­tig finan­zi­ell nicht sinn­voll ist, zwei Plattformen mit qua­si iden­ti­schen Inhalten zu betrei­ben. Jetzt, da das Ende fest­steht, soll­ten wir uns genau­er anschau­en, was das sowohl für Fotografen als auch für Kunden bedeutet.

Was ändert sich für Fotografen?

Bis zum 5.2.2019 müs­sen Fotografen ihren Fotolia-​Account mit einem Adobe-​Account syn­chro­ni­siert haben, damit sie wei­ter­hin ihre Bilder bei Adobe Stock ver­kau­fen kön­nen. Wer das schon gemacht hat, wie hier beschrie­ben, braucht nichts mehr zu tun, auch wenn man im Anbieterkonto oben noch dazu auf­ge­for­dert wird. Mehr Antworten dazu fin­det ihr hier.

Außerdem soll­te sich jeder mit dem Contributor-​Portal von Adobe Stock anfreun­den und sich dar­an gewöh­nen, nur noch dort sei­ne Bilder und Videos hoch­zu­la­den. Wir machen das schon seit über einem Jahr aus­schließ­lich so und es ist gene­rell schnel­ler. Das Einstellen von Start-​Credits ist dort zwar nicht mög­lich, aber die­se Notwendigkeit wird mit dem Ende von Fotolia sowie­so obso­let, weil bei Adobe Stock alle Standard-​Bilder den glei­chen Preis haben.

Auch das Einstellen von „Bildexklusivität“ ist bei Adobe Stock nicht mög­lich und momen­tan scheint auch kei­ne Option für Exklusivität geplant zu sein (sie­he dazu mein fünf Jahre alter Artikel „Exklusivität – eine aus­ster­ben­de Praxis im Microstock-​Bereich“).

Das trifft lei­der voll-​exklusive Fotografen bei Fotolia beson­ders stark, da die­se deut­lich höhe­re Prozente von den Verkaufspreisen bekom­men haben als bei Adobe Stock und die Verkaufspreise auch noch manu­ell durch die Start-​Credits höher set­zen konnten.

Im Umkehrschluss heißt es aber auch, dass bis­her exklu­si­ve Fotolia-​Fotografen dann ihre Bilder bei ande­ren Bildagenturen hoch­la­den dür­fen. Um damit nicht bis November 2019 war­ten zu müs­sen, emp­feh­le ich des­halb exklu­si­ven Fotolia-​Fotografen, ihre Exklusivität jetzt schon auf­zu­ge­ben, um sich früh­zei­tig mit den ande­ren Agenturen ver­traut machen zu kön­nen. Eine Liste der belieb­tes­ten Agenturen fin­det ihr hier.

Reden wir auch nicht um den hei­ßen Brei her­um: Vor allem für alt­ein­ge­ses­se­ne Fotolia-​Fotografen mit einem Fotolia-​Ranking von Smaragd oder höher wird es Umsatzverluste geben, wenn die Fotolia-​Käufer bei Adobe Stock kau­fen, weil es weni­ger Prozentpunkte Kommission gibt. Auch durch den erhöh­ten Abo-​Anteil kann es für ande­re Fotolia-​Fotografen zu einem Umsatzrückgang kom­men. Hoffen wir stark, dass Adobe die­se Entwicklung im Auge behält und da gege­be­nen­falls gegen­steu­ert. Ein Anzeichen, dass Adobe die­sen Punkt im Blick hat, ist die mini­ma­le Kommissionserhöhung vom September 2018.

ich selbst fin­de auch das Navigieren im Backend von Adobe Stock noch weni­ger intui­tiv und ver­mis­se eini­ge wich­ti­ge Funktionen, von denen ich aber hof­fe, dass da in den nächs­ten Monaten noch inten­siv nach­ge­bes­sert wird.

Die Ranking-​Informationen (Wochenranking und Gesamtranking) sind bei Adobe Stock aktu­ell auch noch nicht sicht­bar, dar­an wird aber laut einem Adobe-​Mitarbeiter gear­bei­tet, um die­se Funktion zu integrieren.

Was ändert sich für Fotolia-Kunden?

Schon in den letz­ten Monaten hat Adobe durch vie­le Pop-​Ups, Email-​Kampagnen und Nag-​Screens ver­sucht, Fotolia-​Kunden zu Adobe Stock zu kon­ver­tie­ren. Das ist nicht so ein­fach, wie es scheint, weil die Preisstruktur bei Adobe Stock in einem wich­ti­gen Punkt ganz anders funktioniert.

Während das Abo-​Modell weit­ge­hend iden­tisch ist und ver­blie­be­ne Abo-​Downloads bei Fotolia im Verhältnis 1:2 (für einen Abo-​Download bei Fotolia bekom­men Wechsel-​Kunden 2 Abo-​Downloads bei Adobe Stock) getauscht wer­den, ist es bei den Credit-​Käufern schwieriger.

Hier wer­den die vor­han­de­nen Fotolia-​Credits im Verhältnis 1:5 umge­tauscht (und ggf. auf­ge­run­det). Wer also z.B. 16 Fotolia-​Credits hat, erhält nun 4 Adobe Stock-​Credits (16/​5 = 3,2, auf­ge­run­det 4). Da es bei Adobe Stock aber nur die größt­mög­li­che Auflösung für je einen Credit gibt, erhält der Käufer nun maxi­mal 4 Bilder (in vol­ler Auflösung), selbst wenn er lie­ber wie bei Fotolia viel­leicht 16 Bilder in kleins­ter Auflösung genutzt hätte.

Dadurch fällt übri­gens auch für Fotografen die Motivation weg, mög­lichst gro­ße Bilder hoch­zu­la­den. Wenn die Größe weder im Abo noch bei den Credits eine Rolle spielt, könn­ten 3D-​Renderings oder Fotos auch klei­ner gerech­net wer­den, um Zeit zu spa­ren oder bes­se­re Bildqualität bei 100% zu liefern.

Das ist beson­ders ärger­lich für klei­ne Kunden, die ger­ne klei­ne Web-​Bilder für Webseiten oder Flyer gekauft haben und auf­grund ihrer gerin­gen Mengen kein Abonnement abschlie­ßen wol­len. Diese Kunden könn­ten ggf. ver­lo­ren gehen.

Andererseits bie­tet Adobe Stock bes­se­re Suchergebnisse und neue KI-​basierte Suchfunktionen (sie­he z.B. hier). Ich habe die Hoffnung, dass Adobe dar­auf ach­tet, die vie­len Kleinkunden an Bord zu hal­ten. An deren Credit-​Käufen haben die Fotografen näm­lich deut­lich mehr pro Verkauf ver­dient als an einem Abo-Verkauf.

Hinweise für Nutzer vom Partnerprogramm und der API

Das Fotolia-​API-​Programm wird zum 6. Mai 2019 deak­ti­viert und ein­ge­stellt. Wer will, kann dann auf die Adobe Stock-​API umstellen.

Ähnliches gilt für das Partnerprogramm. Dieses wird auch zum 6. Mai 2019 ein­ge­stellt, danach erhal­ten Partner kei­ne Kommissionen mehr. Wer will, kann sich für das Affiliate-​Programm von Adobe Stock bewerben.

Ich hof­fe stark, dass Adobe den Wechsel mit Fingerspitzengefühl meis­tert. Ob das gelingt, wer­den wir Fotografen wohl an unse­ren Einnahmen in den nächs­ten Monaten merken.

Was sagt ihr zu der Umstellung?

123rf ernennt Mutterfirma zur „Partneragentur“

Ich dach­te eine Weile, das Geschäft mit Bildern über Partneragenturen wäre ein Ding der Vergangenheit oder vor allem noch betrie­ben von Macrostock-Agenturen.

Früher hat­te es ja ganz prak­ti­sche Gründe: Als Bilder noch als Dias ver­kauft wur­den, war es sehr auf­wän­dig, Kunden in ande­ren Ländern zu belie­fern: Versand, Rechnungsstellung, Sprachbarrieren und so weiter.

Also kamen die Bildagenturen auf die Idee, ihr Material von „Partneragenturen“ vor Ort ver­kau­fen zu las­sen, die dafür in der Regel ca. 50% der Erlöse behal­ten durf­ten. Das Perfide war, dass die­se Partneragenturen ihr Material, inklu­si­ve der der ande­ren Partneragenturen wie­der­um an Partner wei­ter­ga­ben und den Erlös tei­len mussten.

Das führ­te dann teil­wei­se dazu, dass der Kunde das Bild für 100 Euro kauf­te, die Agentur bekam davon 50 Euro, gab die rest­li­chen 50 Euro der zwei­ten Agentur, die sich die Hälfte nahm, es der drit­ten Agentur gab, die wie­der­um ihren Anteil nahm und der Fotograf erhielt dann 12,50 Euro, also 12,5%, obwohl in sei­nem Vertrag 50% ver­ein­bart waren. In der Praxis kann es auch dazu füh­ren, dass die Verwertungskette einen Bruch hat und gar nichts beim Fotografen ankommt.

Wenn Leute mich gefragt haben, was für mich einer der Unterschiede zwi­schen Macrostock- und Microstock-​Bildagenturen ist, habe ich – neben dem Preis – oft gesagt, dass es die­se Partneragenturen sind, weil sich bei den gerin­gen Kommissionen das Teilen der Honorare kaum noch loh­nen wür­de. Vielleicht muss ich das überdenken.

Ein Mitglied des Stockfotografie-​Forums wies mich vor paar Wochen auf etwas Interessantes hin.
Seine Bilder, die er bei der Microstockagentur 123royaltyfree (bes­ser bekannt als 123rf) anbie­tet, sind auch bei der Bildagentur Inmagine zu finden.

Nun ist Inmagine nicht irgend­ei­ne Macrostock-​Agentur, son­dern die Mutterfirma von 123rf. Sprich: Inmagine hat im Juni 2005 die Agentur 123rf gegrün­det. Somit gehö­ren bei­de Agenturen der sel­ben Firma.

Die span­nen­de Frage für uns Fotografen ist nun:
Wie wer­den die Honorare abgerechnet?

Ich habe in Absprache mit dem betrof­fe­nen Fotografen einen Testkauf gemacht.

inmagine-testkauf-anonymWie ihr im Screenshot sehen könnt, habe ich für die kleins­te Größe (die sich iro­ni­scher­wei­se „High“ nennt) 10 Euro bezahlt.

Beim Fotografen kam ein Verkauf als „XXL“ für 2,10 US-​Dollar (also ca. 1,66 Euro) an:

123RF-sale
Klicken zum Vergrößern

Das wären auf­ge­run­det nur ca. 17% Kommission für den Fotografen. Das ist unge­fähr die Hälfte, die der Fotograf (er hat das „Contributor Level 2“ erreicht) laut der Kommissionstabelle erhal­ten müsste.

123rf-royalty-structure-october-2014123rf zieht also bei Verkäufen über Inmagine, wel­che der glei­chen Firma gehört, 50% des Honorars für Inmagine ab. Auch eine krea­ti­ve Art, die Kommissionen zu senken.

Interessant ist auch, dass es nicht hilft, die „API-​Partneragenturen“ im Dashboard von 123rf zu deak­ti­vie­ren, denn ich habe eben­falls alle mei­ne 123rf-​Bilder bei Inmagine gefun­den, obwohl ich aus­drück­lich die „API-​Partneragenturen“ deak­ti­viert hatte.123rf-api

Wenn ihr selbst schau­en wollt, ob eure 123rf-​Fotos bei Inmagine auf­tau­chen: Einfach von euch häu­fig benutz­te Suchbegriffe im Suchfenster von Inmagine ein­ge­ben und dann – ganz wich­tig – bei den Ergebnissen auf den Reiter „Value“ kli­cken, sonst seht ihr nur die Premium-​Bilder als Ergebnis.

Daraufhin habe ich direkt bei 123rf nach­ge­fragt, wie es kommt, dass mei­ne Bilder bei Inmagine zu fin­den sei­en, obwohl ich die Partneragenturen deak­ti­viert habe.

Als Antwort erhielt ich:

Kindly note that Inmagine is our sis­ter com­pa­ny the­re­fo­re it was not con­si­de­red a Partner site. If you would like to have your port­fo­lio remo­ved from Inmagine, do let us know.

As for com­mis­si­ons recei­ved from sales via Partner sites, kind­ly note that after our Partner has taken their per­cen­ta­ge of the ear­nings, your com­mis­si­on will be shared with 123RF.
We hope this cla­ri­fies. Please do not hesi­ta­te to con­ta­ct us if you need any fur­ther assistance.“

Diese Antwort ist inso­fern auf­fäl­lig, weil sie sich je nach Position wider­spricht. Einerseits sei Inmage kei­ne Partneragentur, des­we­gen gel­te die Checkbox für die „API Partner“ nicht. Andererseits sei Inmagine eben doch eine Partneragentur, wenn es um das Teilen der Honorare geht.

Das gab ich in einer Antwort zu beden­ken und bat um Auskunft, wie viel Prozent Inmagine tat­säch­lich einbehält.

Nach knapp zwei Wochen (!) kam als Antwort:

Dear Robert,
We apo­lo­gi­ze for the delay.

Kindly note that the per­cen­ta­ge is 40% from the pri­ce sta­ted. After having a dis­cus­sion with my team, we agreed that your port­fo­lio should not appe­ar in Inmagine thus we have remo­ved your port­fo­lio from the search engi­ne and will not appe­ar in the search results.

We hope this hel­ps. Please do not hesi­ta­te to con­ta­ct us if you need any fur­ther assistance.“

Spannend ist es, dass oben geschätz­ten 50% nicht bestä­tigt wer­den, son­dern statt­des­sen nur 40% Anteil für Inmagine genannt wer­den. Deshalb habe ich einen zwei­ten Testkauf mit einem Bild von mir gemacht. 10 Euro bezahlt (aktu­ell ca. 12,65 USD), ich erhielt mit mei­nem Contributor Level 6 (52%) 3,12 USD aus­ge­zahlt. Da kann ich rech­nen wie ich will, das passt nur, wenn ich eben­falls von einem 50% Anteil für Inmagine ausgehe.

Es sei denn: Wer sich nicht die Mühe macht und die erhal­te­nen Euro in US-​Dollar umrech­net, kommt genau­er auf die 3,12 USD: 10 USD (statt Euro), davon 40% weg, blei­ben 6 USD. Davon 52% Anteil sind genau 3,12 USD. Der Währungswechselkurs wird von Inmagine dann ein­fach ein­ge­stri­chen. Ich habe Inmagine am 27.10.2014 eine Mail mit der Bitte um Erklärung geschickt, bis­her habe ich kei­ne Antwort erhal­ten. Sobald ich die Antwort habe, wer­de ich sie nachreichen.

Interessant ist auch, dass mei­ne Bilder aus der Inmagine-Suchmachine ent­fernt wur­den, obwohl ich das nicht gefor­dert hat­te. Das ist jedoch ein rich­ti­ger Schritt aus mei­ner Sicht und des­halb habe ich auch im die kom­plet­te Entfernung mei­ner Bilder bei Inmagine gebe­ten, denn aktu­ell sind sie nur aus der Suchmaschine ent­fernt wor­den, die Detailseiten sind noch vor­han­den. Hier ein Link, wenn er nicht mehr geht, wur­den die Bilder end­lich ent­fernt. So sieht das aus:

inmagine-apotheken-foto
Ärgerlich ist auch, dass auf den Detailseiten nir­gends der Name des Fotografen noch ein ande­rer Hinweis auf die Quelle des Bildes zu fin­den ist und auch der bei den meis­ten Agenturen obli­ga­to­ri­sche Link auf wei­te­re Bilder des Fotografen fehlt.

Nicht nur 123rf/​Inmagine arbeiten so

Unabhängig vom Fall Inmagine hat mich ein ande­rer Fotograf fast zeit­gleich dar­auf auf­merk­sam gemacht, dass bei der deut­schen Bildagentur F1 Online auch vie­le Fotos der Agentur doc stock ange­bo­ten werden.

doc-stock-f1-online
Hier liegt der Fall etwas anders, weil doc stock ursprüng­lich eine eigen­stän­di­ge Agentur war, wel­che jedoch von F1 Online auf­ge­kauft wur­de. Aktuell ist der Eigentümer jedoch eben­falls der selbe.

Um zu klä­ren, wie hier die Honorarverteilung ist, wenn ein Bild von doc stock über F1 Online ver­kauft wird, obwohl bei­de Agenturen der­sel­ben Firma gehö­ren, habe ich ein­fach bei F1 Online ange­ru­fen und die Geschäftsführerin von F1 Online, Sabine Pallaske, um Auskunft für die­sen Blog gebe­ten. Sie erklär­te mir bereit­wil­lig, wie die Prozentverteilung aus­sieht und ande­re Details, ver­bot mir aber weni­ge Minuten nach dem Telefonat, die­se Informationen zu ver­öf­fent­li­chen. Stattdessen soll­te ich mei­ne Anfrage noch mal schrift­lich ein­rei­chen, wor­auf ich lei­der nur die­se – weni­ger detail­rei­che – Auskunft erhielt:

Hallo Herr Kneschke,

Sie haben Ihr Anliegen durch­aus am Telefon dar­le­gen kön­nen. Auf der ande­ren Seite geht es Ihnen ja um eine ver­bind­li­che Aussage, die zitat­fä­hig ist.

Grundsätzlich haben wir mit unse­ren Vertriebspartnern und unse­ren Fotografen fes­te Splittings.

Doc-​Stock ist in unse­rem Fall eine Sonderregelung:
Doc-​Stock ist ein eigen­stän­di­ges Portfolio, das wir erst seit 3 Jahren ver­tre­ten und das auch gutem Grund unter einer eige­nen Marke ange­bo­ten wird. Hier haben wir wie bei uns üblich fes­te, trans­pa­ren­te Verträge.

F1online fun­giert als Partner von doc-​stock und über­nimmt nicht alle Bilder des sehr spe­zia­li­sier­ten Angebots von doc-​stock in sein Portfolio.

Den Anbieter /​ Fotografen wur­den kom­mu­ni­ziert: wer auch über F1online anbie­ten möch­te, kann dem zustim­men (oder auch nicht – ohne dass für die Präsenz bei doc-​stock Nachteile ent­ste­hen). Im Fall der Zustimmung wird eine Handling-​Fee abge­zo­gen ( Umlegung Verwaltungskosten, Verschlagwortung neu, Bereitstellung auf Website F1online.de, Picturemaxx, Fotofinder usw ), wenn das Bild nicht über die Website /​ Online-​Präsenz doc-​stock, son­dern über F1 Online lizen­ziert wird.
Dies hat mit unse­ren all­ge­mei­nen Verträgen betref­fend Vertriebspartner /​ Fotografen nichts zu tun.

Unsere Verträge mit Vertriebspartnern beschrei­ben ein­deu­tig unse­ren Anteil, den wir an die zu zah­len haben. Der Verteilungsschlüssel Vertriebspartner zu deren Fotografen liegt nicht in unse­rer Hand. Im umge­kehr­ten Fall ist dies ein­deu­tig über unse­re Verträge mit dem Fotografen /​ Lieferanten gere­gelt. Bei Rückfragen ste­he ich Ihnen ger­ne zur Verfügung,

herz­li­che Grüsse , Sabine Pallaske“

Auch hier wie­der die Formulierung von „Partnern“, wobei bei­de Agenturen fak­tisch dem sel­ben Eigentümer gehö­ren. Fairerweise möch­te ich ergän­zen, dass die „Handling-​Fee“ deut­lich gerin­ger ist als die 40% von Inmagine.

Ich bin mir nicht sicher, wie die Vorgehensweise, vor allem im Fall von 123rf juris­tisch zu bewer­ten ist, mora­lisch ist es aber unschön: Die Agenturinhaber kas­sie­ren beim sel­ben Verkauf 2x, der Fotograf erhält jedoch nur 1x Geld.

Wie schätzt ihr die Sache ein? Kennt ihr ande­re Agenturen mit glei­chem Inhaber?

Update 31.10.2014:
Es kommt Bewegung in die Sache. Ein Mitarbeiter von 123rf hat ers­tens hier Stellung bezo­gen und zwei­tens hier erklärt, dass in den kom­men­den Tagen die Bilder von 123rf nicht mehr bei Inmagine ange­bo­ten wür­den, wenn die oben genann­ten „API Partner“ deak­ti­viert sind.

Weniger als 1% Fotografenhonorar? Depositphotos macht es möglich

Manchmal wer­de ich gefragt, nach wel­chen Kriterien ich ent­schei­de, bei wel­chen Bildagenturen ich mei­ne Fotos anbie­te. Neben eini­gen objek­ti­ven Faktoren wie Preis, Kommissionen, Uploadprozess und so wei­ter gehört dazu auch immer eine gehö­ri­ge Funktion Bauchgefühl. Bei der Agentur Depositphotos hat mein Bauch immer unan­ge­nehm gegrum­melt. Die Agentur hat mehr­fach ver­sucht, mich mit vor­teil­haf­ten „Deals“ ins Boot zu holen und eine nüch­ter­ne Analyse ließ die Deals auch sehr ver­lo­ckend aus­se­hen. Aber dann kam wie­der das Bauchgrummeln.

screenshot-depositphotos
Der rote Spruch „Du wirst unse­ren Rabatt lie­ben!“ bekommt aus aktu­el­lem Anlass eine ganz eige­ne iro­ni­sche Wendung.

Es hat­te ver­schie­de­ne Ursachen:
Es fängt damit an, dass Depositphotos nach eige­nen Aussagen mit der Firma Depositfiles ver­bun­den ist und von ihr finan­ziert wird. Depositfiles ist ein Online-​Datenspeicher, der von vie­len auch dazu genutzt wird, ille­gal urhe­ber­recht­lich geschütz­tes Material zu verteilen.

Vor fast genau drei Jahren schrieb ich hier im Blog über deren unsäg­li­ches SMS-​Download-​Angebot. Andere Fotografen reg­ten sich vor paar Monaten auch über Bildverkäufe mit einer „erwei­ter­ten Lizenz“ auf, die auf der Depositphotos-​Seite für 80 $ ange­bo­ten wird, von der Fotografen aber teil­wei­se nur 2,64 $ abbe­ka­men. Es scheint, als ver­su­che Depositphotos jetzt, die Fotografenhonorare mit einer inter­es­san­ten, wenn auch mehr als frag­wür­di­gen Methode wei­ter nach unten zu drücken.

Partnerprogramme/​Reseller bei Depositphotos

Einige Fotografen hat­ten in die­sem Thread im Stockfotografie-​Forum ent­deckt, dass Bilder von ihnen bei der deut­schen Agentur Shotshop ange­bo­ten wer­den, die von Depositphotos (DP) gelie­fert wer­den muss­ten. Wer es selbst über­prü­fen will, ob sei­ne Depositphotos-​Bilder auch bei Shotshop zu fin­den sind, muss dort ein­fach nach einer Bildnummer von DP-​Fotos suchen.

Das Agenturen Material von ande­ren Bildagenturen ver­kau­fen, ist nichts Neues. Spannend ist hier jedoch das Lizenz- und Abrechnungsmodell. Testkäufe von mir und ande­ren Fotografen erga­ben fol­gen­des: Wenn ein Kunde bei Shotshop ein Foto in vol­ler Auflösung für 29,90 Euro kauft, was über Depositphotos gelie­fert wur­de, erhält der Fotograf bei Depositphotos nur die Meldung, dass das Foto als „Abo-​Download“ erwor­ben wur­de und der Fotograf dafür (je nach Ranking) zwi­schen 0,22 bis 0,26 Euro (0,30–0,36 $) erhält! Das wären weni­ger als 1% Fotografenanteil! Wie ist das möglich?

Auf mei­ne Anfrage an Shotshop ant­wor­te­te der Geschäftsführer Stephan Krömer nur:

[…] Wir nut­zen das Reseller Programm von Depositphotos und ich kann lei­der auch wirk­lich nur zu sämt­li­chen inter­nen Abrechnungsfragen von Deposit nur an Deposit selbst ver­wei­sen. Bei Agenturverträgen gibt es immer ein „Non-​disclosure Agreement“, wel­ches man unter­schrei­ben muss und an das wir uns hal­ten müssen. […]“

Meine Anfrage an Depositphotos brach­te mir nur eine Copy & Paste-​Standardantwort von Depositphotos ein, wel­che alle Fotografen erhiel­ten, die in den letz­ten bei DP nach Details fragten:

Hello Robert,

Our Partnership pro­grams have been crea­ted to boost contributors’s sales via new mar­kets. Our con­tri­bu­tors were opted out of our Extended licen­se part­ner sales upon their requests, so their files are no lon­ger sold via our Extended licen­se part­ner sales. Shotshop is our API resel­ler. Shotshop purcha­ses our sub­scrip­ti­ons to resell our images under the Standard license.

Depositphotos reser­ves the right to deter­mi­ne the con­di­ti­ons of its coö­pe­ra­ti­on with Partner com­pa­nies. We sell tho­se files by sub­scrip­ti­ons (under the stan­dard licen­se), but it is up to our part­ners to set their pri­ces and the way to sell them as long as they stick to licen­se terms.

It is sta­ted in our Supply Agreement:
“Depositphotos reser­ves the rights to dis­tri­bu­te Files not only on the Website direct­ly, but also through Partners. Contributor agrees that Depositphotos has the right to grant or pass along to Partners under sepa­ra­te agree­ments spe­ci­fic rights, cons­traints, obli­ga­ti­ons, licen­ses and other legal and busi­ness mat­ters regar­ding Files. Depositphotos has the impli­cit right to pro­vi­de Partners with access to the Files accep­ted at the Website via its own pro­gram inter­faces (API) or any other means sanc­tion­ed and appro­ved by Depositphotos, pro­vi­ded such access does not bre­ach the pro­vi­si­ons of the Standard and Extended License Agreements. “

If con­tri­bu­tors want to opt out of our part­ners­hip pro­grams, we will exclu­de their port­fo­li­os from all our part­ners­hip pro­grams upon their requests and their images will be sold sole­ly on depositphotos.com

Kind regards,
Vicky.“

Diese Erklärung wirft lei­der mehr Fragen auf als das sie Antworten liefert.

Fangen wir oben an: Shotshop ist ein Wiederverkäufer von Depositphotos mit einer API-​Anbindung. Laut der Mail kauft Shotshop die Bilder mit einem Abo unter der Standardlizenz. Im Vertrag zum API-​Programm steht bei Depositphotos jedoch folgendes:

[…] Der Anbieter bie­tet dem Wiederverkäufer Dateien zu Standardpreisen oder über ein Abonnement an. Der Wiederverkäufer legt den Preis, den ihm sei­ne Käufer für die Dateien bezah­len, selbst fest. […]“

Weiterhin steht dort:

7. UNTERSAGTE HANDLUNGEN
[…] Der Verkauf von Dateien des Anbieters, ohne an ihn die ihm ver­trag­lich zuste­hen­de Gebühr zu entrichten. […]“

Die ers­te gro­ße Frage ist: Wieso darf Shotshop Fotos zu hohen Preisen ver­kau­fen, die­se aber zu den nied­ri­gen Abo-​Preisen bei Depositphotos abrech­nen? Unter der erwähn­ten Standardlizenz ist ein Weiterverkauf auch aus­drück­lich ausgeschlossen.

Die zwei­te Frage ist: Wenn von einem Verkaufspreis von 29,90 Euro nur ca. 0,25 Euro beim Fotografen ankom­men, wie tei­len sich die rest­li­chen 29,65 Euro zwi­schen Shotshop und Depositphotos auf? Wer steckt sich den Löwenanteil ein?

Unten in der Mail von Depositphotos wird erwähnt, dass ein Ausschluss der eige­nen Bilder aus dem „Partnerprogramm“ mög­lich sei (wenn man eine Mail an support@depositphotos.com schreibt) und die Bilder dann nur über Depositphotos ver­kauft wür­den. Mir lie­gen jedoch Screenshots vor, die bewei­sen, dass das nicht ganz kor­rekt ist. Einige Fotografen hat­ten schon vor Monaten um die Deaktivierung ihrer Bilder vom Partnerprogramm gebe­ten, deren Fotos sind aber wei­ter­hin bei Shotshop zu fin­den. Auch Sean Locke hat in der Microstockgroup geäu­ßert, dass ihm per Mail aus­drück­lich zuge­si­chert wur­de, sei­ne Bilder wür­den nur über die Seite von Depositphotos ver­kauft, er aber trotz­dem sei­ne Fotos bei Shotshop findet.

Vielleicht liegt das an dem fei­nen sprach­li­chen Unterschied zwi­schen „Partnerprogramm“ und „Wiederverkaufer (Reseller)“, der in der Mail auf­ge­macht wird. Ein Fotograf bot fol­gen­den Erklärungsversuch an: Die Agentur Shotshop kauft die Bilder von Depositphotos als Abo, des­we­gen wür­den sie ja über Depositphotos ver­kauf wer­den. Zufriedenstellend wäre die­se gehirn­quet­schen­de Logik jedoch nicht.

Der Vorteil von Shotshop

Für Fotografen beson­ders ärger­lich ist auch das Verhalten von Shotshop. Die Berliner Agentur galt schon lan­ge als eine Agentur mit einem der kom­pli­zier­tes­ten Upload-​Verfahren und gleich­zei­tig sehr vie­len Ablehnungen. Besonders beliebt bei Shotshop ist der Ablehnungsspruch: „Für die Vermarktung durch Shotshop nicht geeig­net“. Der ergibt end­lich Sinn, denn natür­lich ist es für die Agentur lukra­ti­ver, das glei­che Material von Depositphotos zu bezie­hen und dort deut­lich weni­ger als die 35–67% Fotografenanteil  für nicht­ex­klu­si­ves Material zah­len zu müssen.

Nur die Spitze des Eisbergs?

Shotshop ist nicht die ein­zi­ge Agentur, wel­che Material von Depositphotos ver­kauft. Eine ande­re Agentur ist bei­spiels­wei­se die indi­sche Agentur ibudgetphoto.com. (Deposit-​Bilder wer­den dort unter dem Kürzel „DPPS_​BILDNUMMER“ geführt) Testkäufe wur­den schon getä­tigt, aber Abrechnungen bei Depositphotos sind bis­her nicht erfolgt. Nachdem Depositphotos auf wie­der­hol­te Fragen nach einer Liste von Vertriebspartnern nicht reagiert hat, steht die ban­ge Frage im Raum: Wie vie­le Agenturen ver­trei­ben noch Bilder von Depositphotos mit einem bil­li­gen Abo? Das wür­de viel­leicht end­lich erklä­ren, war­um der Abo-​Anteil bei Depositphotos so ver­dammt hoch ist.

Vertrauen in Partner

Üblicherweise läuft ein Deal zwi­schen meh­re­ren Bildagenturen so: Wenn eine Bildagentur das Bild einer ande­ren Bildagentur ver­kauft, tei­len sich bei­de Agenturen die Einnahmen 50:50 und der Fotograf bekommt von den 50% sei­nen ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Anteil ab. Läuft die Vertriebskette über meh­re­re Agenturen, ver­län­gert sich das und der Fotograf bekommt sei­nen Anteil nur von 25% oder 12,5%. Aber weni­ger als 1% ist schon eine star­ke Leistung.

Da wir als Fotografen kaum Kontrollmöglichkeiten haben, wel­che Agentur wel­che Bilder wann ver­kauft hat, müs­sen wir Vertrauen in die Bildagenturen haben. Depositphotos ver­spielt die­ses Vertrauen gera­de mas­siv. Und mein Bauch grum­melt schon wieder.

Habt ihr auch Bilder bei Depositphotos? Findet ihr die­se auch bei ande­ren Agenturen wie Shotshop wieder?