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Adobe gibt Zeitplan für Abschaltung von Fotolia bekannt – Was ändert sich für Fotografen und Kunden?

Gestern gab Adobe den Zeitplan für die Abschaltung der Fotolia-Webseite bekannt.

Dieser wird dem­nach in zwei Etappen statt­fin­den. Am 5.2.2019, also in drei Monaten wird der Upload zu Fotolia ein­ge­stellt wer­den. Neue Bilder müs­sen dann direkt im Contributor-​Portal von Adobe Stock hoch­ge­la­den wer­den.

In einem Jahr, am 5.11.2019 wird dann die Fotolia-​Webseite kom­plett ein­ge­stellt. Bis dahin müs­sen alle Fotolia-​Kunden ihren Account zu Adobe Stock migrie­ren, wenn sie wei­ter­hin dort Bilder ein­kau­fen wol­len.

Nachdem Adobe die Firma Fotolia Anfang 2015 für ca. 800 Mio. US-​Dollar auf­ge­kauft hat­te, endet dann nach unge­fähr 5 Jahren die Übergangsfrist, in der zwei Webseiten betreut wur­den.

Dieser Schritt war abseh­bar, weil es lang­fris­tig finan­zi­ell nicht sinn­voll ist, zwei Plattformen mit qua­si iden­ti­schen Inhalten zu betrei­ben. Jetzt, da das Ende fest­steht, soll­ten wir uns genau­er anschau­en, was das sowohl für Fotografen als auch für Kunden bedeu­tet.

Was ändert sich für Fotografen?

Bis zum 5.2.2019 müs­sen Fotografen ihren Fotolia-​Account mit einem Adobe-​Account syn­chro­ni­siert haben, damit sie wei­ter­hin ihre Bilder bei Adobe Stock ver­kau­fen kön­nen. Wer das schon gemacht hat, wie hier beschrie­ben, braucht nichts mehr zu tun, auch wenn man im Anbieterkonto oben noch dazu auf­ge­for­dert wird. Mehr Antworten dazu fin­det ihr hier.

Außerdem soll­te sich jeder mit dem Contributor-​Portal von Adobe Stock anfreun­den und sich dar­an gewöh­nen, nur noch dort sei­ne Bilder und Videos hoch­zu­la­den. Wir machen das schon seit über einem Jahr aus­schließ­lich so und es ist gene­rell schnel­ler. Das Einstellen von Start-​Credits ist dort zwar nicht mög­lich, aber die­se Notwendigkeit wird mit dem Ende von Fotolia sowie­so obso­let, weil bei Adobe Stock alle Standard-​Bilder den glei­chen Preis haben.

Auch das Einstellen von „Bildexklusivität“ ist bei Adobe Stock nicht mög­lich und momen­tan scheint auch kei­ne Option für Exklusivität geplant zu sein (sie­he dazu mein fünf Jahre alter Artikel „Exklusivität – eine aus­ster­ben­de Praxis im Microstock-​Bereich“).

Das trifft lei­der voll-​exklusive Fotografen bei Fotolia beson­ders stark, da die­se deut­lich höhe­re Prozente von den Verkaufspreisen bekom­men haben als bei Adobe Stock und die Verkaufspreise auch noch manu­ell durch die Start-​Credits höher set­zen konn­ten.

Im Umkehrschluss heißt es aber auch, dass bis­her exklu­si­ve Fotolia-​Fotografen dann ihre Bilder bei ande­ren Bildagenturen hoch­la­den dür­fen. Um damit nicht bis November 2019 war­ten zu müs­sen, emp­feh­le ich des­halb exklu­si­ven Fotolia-​Fotografen, ihre Exklusivität jetzt schon auf­zu­ge­ben, um sich früh­zei­tig mit den ande­ren Agenturen ver­traut machen zu kön­nen. Eine Liste der belieb­tes­ten Agenturen fin­det ihr hier.

Reden wir auch nicht um den hei­ßen Brei her­um: Vor allem für alt­ein­ge­ses­se­ne Fotolia-​Fotografen mit einem Fotolia-​Ranking von Smaragd oder höher wird es Umsatzverluste geben, wenn die Fotolia-​Käufer bei Adobe Stock kau­fen, weil es weni­ger Prozentpunkte Kommission gibt. Auch durch den erhöh­ten Abo-​Anteil kann es für ande­re Fotolia-​Fotografen zu einem Umsatzrückgang kom­men. Hoffen wir stark, dass Adobe die­se Entwicklung im Auge behält und da gege­be­nen­falls gegen­steu­ert. Ein Anzeichen, dass Adobe die­sen Punkt im Blick hat, ist die mini­ma­le Kommissionserhöhung vom September 2018.

ich selbst fin­de auch das Navigieren im Backend von Adobe Stock noch weni­ger intui­tiv und ver­mis­se eini­ge wich­ti­ge Funktionen, von denen ich aber hof­fe, dass da in den nächs­ten Monaten noch inten­siv nach­ge­bes­sert wird.

Die Ranking-​Informationen (Wochenranking und Gesamtranking) sind bei Adobe Stock aktu­ell auch noch nicht sicht­bar, dar­an wird aber laut einem Adobe-​Mitarbeiter gear­bei­tet, um die­se Funktion zu inte­grie­ren.

Was ändert sich für Fotolia-​Kunden?

Schon in den letz­ten Monaten hat Adobe durch vie­le Pop-​Ups, Email-​Kampagnen und Nag-​Screens ver­sucht, Fotolia-​Kunden zu Adobe Stock zu kon­ver­tie­ren. Das ist nicht so ein­fach, wie es scheint, weil die Preisstruktur bei Adobe Stock in einem wich­ti­gen Punkt ganz anders funk­tio­niert.

Während das Abo-​Modell weit­ge­hend iden­tisch ist und ver­blie­be­ne Abo-​Downloads bei Fotolia im Verhältnis 1:2 (für einen Abo-​Download bei Fotolia bekom­men Wechsel-​Kunden 2 Abo-​Downloads bei Adobe Stock) getauscht wer­den, ist es bei den Credit-​Käufern schwie­ri­ger.

Hier wer­den die vor­han­de­nen Fotolia-​Credits im Verhältnis 1:5 umge­tauscht (und ggf. auf­ge­run­det). Wer also z.B. 16 Fotolia-​Credits hat, erhält nun 4 Adobe Stock-​Credits (16/​5 = 3,2, auf­ge­run­det 4). Da es bei Adobe Stock aber nur die größt­mög­li­che Auflösung für je einen Credit gibt, erhält der Käufer nun maxi­mal 4 Bilder (in vol­ler Auflösung), selbst wenn er lie­ber wie bei Fotolia viel­leicht 16 Bilder in kleins­ter Auflösung genutzt hät­te.

Dadurch fällt übri­gens auch für Fotografen die Motivation weg, mög­lichst gro­ße Bilder hoch­zu­la­den. Wenn die Größe weder im Abo noch bei den Credits eine Rolle spielt, könn­ten 3D-​Renderings oder Fotos auch klei­ner gerech­net wer­den, um Zeit zu spa­ren oder bes­se­re Bildqualität bei 100% zu lie­fern.

Das ist beson­ders ärger­lich für klei­ne Kunden, die ger­ne klei­ne Web-​Bilder für Webseiten oder Flyer gekauft haben und auf­grund ihrer gerin­gen Mengen kein Abonnement abschlie­ßen wol­len. Diese Kunden könn­ten ggf. ver­lo­ren gehen.

Andererseits bie­tet Adobe Stock bes­se­re Suchergebnisse und neue KI-​basierte Suchfunktionen (sie­he z.B. hier). Ich habe die Hoffnung, dass Adobe dar­auf ach­tet, die vie­len Kleinkunden an Bord zu hal­ten. An deren Credit-​Käufen haben die Fotografen näm­lich deut­lich mehr pro Verkauf ver­dient als an einem Abo-​Verkauf.

Hinweise für Nutzer vom Partnerprogramm und der API

Das Fotolia-​API-​Programm wird zum 6. Mai 2019 deak­ti­viert und ein­ge­stellt. Wer will, kann dann auf die Adobe Stock-​API umstel­len.

Ähnliches gilt für das Partnerprogramm. Dieses wird auch zum 6. Mai 2019 ein­ge­stellt, danach erhal­ten Partner kei­ne Kommissionen mehr. Wer will, kann sich für das Affiliate-​Programm von Adobe Stock bewer­ben.

Ich hof­fe stark, dass Adobe den Wechsel mit Fingerspitzengefühl meis­tert. Ob das gelingt, wer­den wir Fotografen wohl an unse­ren Einnahmen in den nächs­ten Monaten mer­ken.

Was sagt ihr zu der Umstellung?

123rf ernennt Mutterfirma zur „Partneragentur“

Ich dach­te eine Weile, das Geschäft mit Bildern über Partneragenturen wäre ein Ding der Vergangenheit oder vor allem noch betrie­ben von Macrostock-​Agenturen.

Früher hat­te es ja ganz prak­ti­sche Gründe: Als Bilder noch als Dias ver­kauft wur­den, war es sehr auf­wän­dig, Kunden in ande­ren Ländern zu belie­fern: Versand, Rechnungsstellung, Sprachbarrieren und so wei­ter.

Also kamen die Bildagenturen auf die Idee, ihr Material von „Partneragenturen“ vor Ort ver­kau­fen zu las­sen, die dafür in der Regel ca. 50% der Erlöse behal­ten durf­ten. Das Perfide war, dass die­se Partneragenturen ihr Material, inklu­si­ve der der ande­ren Partneragenturen wie­der­um an Partner wei­ter­ga­ben und den Erlös tei­len muss­ten.

Das führ­te dann teil­wei­se dazu, dass der Kunde das Bild für 100 Euro kauf­te, die Agentur bekam davon 50 Euro, gab die rest­li­chen 50 Euro der zwei­ten Agentur, die sich die Hälfte nahm, es der drit­ten Agentur gab, die wie­der­um ihren Anteil nahm und der Fotograf erhielt dann 12,50 Euro, also 12,5%, obwohl in sei­nem Vertrag 50% ver­ein­bart waren. In der Praxis kann es auch dazu füh­ren, dass die Verwertungskette einen Bruch hat und gar nichts beim Fotografen ankommt.

Wenn Leute mich gefragt haben, was für mich einer der Unterschiede zwi­schen Macrostock- und Microstock-​Bildagenturen ist, habe ich – neben dem Preis – oft gesagt, dass es die­se Partneragenturen sind, weil sich bei den gerin­gen Kommissionen das Teilen der Honorare kaum noch loh­nen wür­de. Vielleicht muss ich das über­den­ken.

Ein Mitglied des Stockfotografie-​Forums wies mich vor paar Wochen auf etwas Interessantes hin.
Seine Bilder, die er bei der Microstockagentur 123royaltyfree (bes­ser bekannt als 123rf) anbie­tet, sind auch bei der Bildagentur Inmagine zu fin­den.

Nun ist Inmagine nicht irgend­ei­ne Macrostock-​Agentur, son­dern die Mutterfirma von 123rf. Sprich: Inmagine hat im Juni 2005 die Agentur 123rf gegrün­det. Somit gehö­ren bei­de Agenturen der sel­ben Firma.

Die span­nen­de Frage für uns Fotografen ist nun:
Wie wer­den die Honorare abge­rech­net?

Ich habe in Absprache mit dem betrof­fe­nen Fotografen einen Testkauf gemacht.

inmagine-testkauf-anonymWie ihr im Screenshot sehen könnt, habe ich für die kleins­te Größe (die sich iro­ni­scher­wei­se „High“ nennt) 10 Euro bezahlt.

Beim Fotografen kam ein Verkauf als „XXL“ für 2,10 US-​Dollar (also ca. 1,66 Euro) an:

123RF-sale
Klicken zum Vergrößern

Das wären auf­ge­run­det nur ca. 17% Kommission für den Fotografen. Das ist unge­fähr die Hälfte, die der Fotograf (er hat das „Contributor Level 2“ erreicht) laut der Kommissionstabelle erhal­ten müss­te.

123rf-royalty-structure-october-2014123rf zieht also bei Verkäufen über Inmagine, wel­che der glei­chen Firma gehört, 50% des Honorars für Inmagine ab. Auch eine krea­ti­ve Art, die Kommissionen zu sen­ken.

Interessant ist auch, dass es nicht hilft, die „API-​Partneragenturen“ im Dashboard von 123rf zu deak­ti­vie­ren, denn ich habe eben­falls alle mei­ne 123rf-​Bilder bei Inmagine gefun­den, obwohl ich aus­drück­lich die „API-​Partneragenturen“ deak­ti­viert hat­te.123rf-api

Wenn ihr selbst schau­en wollt, ob eure 123rf-​Fotos bei Inmagine auf­tau­chen: Einfach von euch häu­fig benutz­te Suchbegriffe im Suchfenster von Inmagine ein­ge­ben und dann – ganz wich­tig – bei den Ergebnissen auf den Reiter „Value“ kli­cken, sonst seht ihr nur die Premium-​Bilder als Ergebnis.

Daraufhin habe ich direkt bei 123rf nach­ge­fragt, wie es kommt, dass mei­ne Bilder bei Inmagine zu fin­den sei­en, obwohl ich die Partneragenturen deak­ti­viert habe.

Als Antwort erhielt ich:

Kindly note that Inmagine is our sis­ter com­pa­ny the­re­fo­re it was not con­si­de­red a Partner site. If you would like to have your port­fo­lio remo­ved from Inmagine, do let us know.

As for com­mis­si­ons recei­ved from sales via Partner sites, kind­ly note that after our Partner has taken their per­cen­ta­ge of the ear­nings, your com­mis­si­on will be sha­red with 123RF.
We hope this cla­ri­fies. Please do not hesi­ta­te to con­tact us if you need any fur­ther assi­s­tan­ce.“

Diese Antwort ist inso­fern auf­fäl­lig, weil sie sich je nach Position wider­spricht. Einerseits sei Inmage kei­ne Partneragentur, des­we­gen gel­te die Checkbox für die „API Partner“ nicht. Andererseits sei Inmagine eben doch eine Partneragentur, wenn es um das Teilen der Honorare geht.

Das gab ich in einer Antwort zu beden­ken und bat um Auskunft, wie viel Prozent Inmagine tat­säch­lich ein­be­hält.

Nach knapp zwei Wochen (!) kam als Antwort:

Dear Robert,
We apo­lo­gi­ze for the delay.

Kindly note that the per­cen­ta­ge is 40% from the pri­ce sta­ted. After having a dis­cus­sion with my team, we agreed that your port­fo­lio should not appe­ar in Inmagine thus we have remo­ved your port­fo­lio from the search engi­ne and will not appe­ar in the search results.

We hope this helps. Please do not hesi­ta­te to con­tact us if you need any fur­ther assi­s­tan­ce.“

Spannend ist es, dass oben geschätz­ten 50% nicht bestä­tigt wer­den, son­dern statt­des­sen nur 40% Anteil für Inmagine genannt wer­den. Deshalb habe ich einen zwei­ten Testkauf mit einem Bild von mir gemacht. 10 Euro bezahlt (aktu­ell ca. 12,65 USD), ich erhielt mit mei­nem Contributor Level 6 (52%) 3,12 USD aus­ge­zahlt. Da kann ich rech­nen wie ich will, das passt nur, wenn ich eben­falls von einem 50% Anteil für Inmagine aus­ge­he.

Es sei denn: Wer sich nicht die Mühe macht und die erhal­te­nen Euro in US-​Dollar umrech­net, kommt genau­er auf die 3,12 USD: 10 USD (statt Euro), davon 40% weg, blei­ben 6 USD. Davon 52% Anteil sind genau 3,12 USD. Der Währungswechselkurs wird von Inmagine dann ein­fach ein­ge­stri­chen. Ich habe Inmagine am 27.10.2014 eine Mail mit der Bitte um Erklärung geschickt, bis­her habe ich kei­ne Antwort erhal­ten. Sobald ich die Antwort habe, wer­de ich sie nach­rei­chen.

Interessant ist auch, dass mei­ne Bilder aus der Inmagine-Suchmachine ent­fernt wur­den, obwohl ich das nicht gefor­dert hat­te. Das ist jedoch ein rich­ti­ger Schritt aus mei­ner Sicht und des­halb habe ich auch im die kom­plet­te Entfernung mei­ner Bilder bei Inmagine gebe­ten, denn aktu­ell sind sie nur aus der Suchmaschine ent­fernt wor­den, die Detailseiten sind noch vor­han­den. Hier ein Link, wenn er nicht mehr geht, wur­den die Bilder end­lich ent­fernt. So sieht das aus:

inmagine-apotheken-foto
Ärgerlich ist auch, dass auf den Detailseiten nir­gends der Name des Fotografen noch ein ande­rer Hinweis auf die Quelle des Bildes zu fin­den ist und auch der bei den meis­ten Agenturen obli­ga­to­ri­sche Link auf wei­te­re Bilder des Fotografen fehlt.

Nicht nur 123rf/​Inmagine arbeiten so

Unabhängig vom Fall Inmagine hat mich ein ande­rer Fotograf fast zeit­gleich dar­auf auf­merk­sam gemacht, dass bei der deut­schen Bildagentur F1 Online auch vie­le Fotos der Agentur doc stock ange­bo­ten wer­den.

doc-stock-f1-online
Hier liegt der Fall etwas anders, weil doc stock ursprüng­lich eine eigen­stän­di­ge Agentur war, wel­che jedoch von F1 Online auf­ge­kauft wur­de. Aktuell ist der Eigentümer jedoch eben­falls der sel­be.

Um zu klä­ren, wie hier die Honorarverteilung ist, wenn ein Bild von doc stock über F1 Online ver­kauft wird, obwohl bei­de Agenturen der­sel­ben Firma gehö­ren, habe ich ein­fach bei F1 Online ange­ru­fen und die Geschäftsführerin von F1 Online, Sabine Pallaske, um Auskunft für die­sen Blog gebe­ten. Sie erklär­te mir bereit­wil­lig, wie die Prozentverteilung aus­sieht und ande­re Details, ver­bot mir aber weni­ge Minuten nach dem Telefonat, die­se Informationen zu ver­öf­fent­li­chen. Stattdessen soll­te ich mei­ne Anfrage noch mal schrift­lich ein­rei­chen, wor­auf ich lei­der nur die­se – weni­ger detail­rei­che – Auskunft erhielt:

Hallo Herr Kneschke,

Sie haben Ihr Anliegen durch­aus am Telefon dar­le­gen kön­nen. Auf der ande­ren Seite geht es Ihnen ja um eine ver­bind­li­che Aussage, die zitat­fä­hig ist.

Grundsätzlich haben wir mit unse­ren Vertriebspartnern und unse­ren Fotografen fes­te Splittings.

Doc-​Stock ist in unse­rem Fall eine Sonderregelung:
Doc-​Stock ist ein eigen­stän­di­ges Portfolio, das wir erst seit 3 Jahren ver­tre­ten und das auch gutem Grund unter einer eige­nen Marke ange­bo­ten wird. Hier haben wir wie bei uns üblich fes­te, trans­pa­ren­te Verträge.

F1online fun­giert als Partner von doc-​stock und über­nimmt nicht alle Bilder des sehr spe­zia­li­sier­ten Angebots von doc-​stock in sein Portfolio.

Den Anbieter /​ Fotografen wur­den kom­mu­ni­ziert: wer auch über F1online anbie­ten möch­te, kann dem zustim­men (oder auch nicht – ohne dass für die Präsenz bei doc-​stock Nachteile ent­ste­hen). Im Fall der Zustimmung wird eine Handling-​Fee abge­zo­gen ( Umlegung Verwaltungskosten, Verschlagwortung neu, Bereitstellung auf Website F1online.de, Picturemaxx, Fotofinder usw ), wenn das Bild nicht über die Website /​ Online-​Präsenz doc-​stock, son­dern über F1 Online lizen­ziert wird.
Dies hat mit unse­ren all­ge­mei­nen Verträgen betref­fend Vertriebspartner /​ Fotografen nichts zu tun.

Unsere Verträge mit Vertriebspartnern beschrei­ben ein­deu­tig unse­ren Anteil, den wir an die zu zah­len haben. Der Verteilungsschlüssel Vertriebspartner zu deren Fotografen liegt nicht in unse­rer Hand. Im umge­kehr­ten Fall ist dies ein­deu­tig über unse­re Verträge mit dem Fotografen /​ Lieferanten gere­gelt. Bei Rückfragen ste­he ich Ihnen ger­ne zur Verfügung,

herz­li­che Grüsse , Sabine Pallaske“

Auch hier wie­der die Formulierung von „Partnern“, wobei bei­de Agenturen fak­tisch dem sel­ben Eigentümer gehö­ren. Fairerweise möch­te ich ergän­zen, dass die „Handling-​Fee“ deut­lich gerin­ger ist als die 40% von Inmagine.

Ich bin mir nicht sicher, wie die Vorgehensweise, vor allem im Fall von 123rf juris­tisch zu bewer­ten ist, mora­lisch ist es aber unschön: Die Agenturinhaber kas­sie­ren beim sel­ben Verkauf 2x, der Fotograf erhält jedoch nur 1x Geld.

Wie schätzt ihr die Sache ein? Kennt ihr ande­re Agenturen mit glei­chem Inhaber?

Update 31.10.2014:
Es kommt Bewegung in die Sache. Ein Mitarbeiter von 123rf hat ers­tens hier Stellung bezo­gen und zwei­tens hier erklärt, dass in den kom­men­den Tagen die Bilder von 123rf nicht mehr bei Inmagine ange­bo­ten wür­den, wenn die oben genann­ten „API Partner“ deak­ti­viert sind.

Weniger als 1% Fotografenhonorar? Depositphotos macht es möglich

Manchmal wer­de ich gefragt, nach wel­chen Kriterien ich ent­schei­de, bei wel­chen Bildagenturen ich mei­ne Fotos anbie­te. Neben eini­gen objek­ti­ven Faktoren wie Preis, Kommissionen, Uploadprozess und so wei­ter gehört dazu auch immer eine gehö­ri­ge Funktion Bauchgefühl. Bei der Agentur Depositphotos hat mein Bauch immer unan­ge­nehm gegrum­melt. Die Agentur hat mehr­fach ver­sucht, mich mit vor­teil­haf­ten „Deals“ ins Boot zu holen und eine nüch­ter­ne Analyse ließ die Deals auch sehr ver­lo­ckend aus­se­hen. Aber dann kam wie­der das Bauchgrummeln.

screenshot-depositphotos
Der rote Spruch „Du wirst unse­ren Rabatt lie­ben!“ bekommt aus aktu­el­lem Anlass eine ganz eige­ne iro­ni­sche Wendung.

Es hat­te ver­schie­de­ne Ursachen:
Es fängt damit an, dass Depositphotos nach eige­nen Aussagen mit der Firma Depositfiles ver­bun­den ist und von ihr finan­ziert wird. Depositfiles ist ein Online-​Datenspeicher, der von vie­len auch dazu genutzt wird, ille­gal urhe­ber­recht­lich geschütz­tes Material zu ver­tei­len.

Vor fast genau drei Jahren schrieb ich hier im Blog über deren unsäg­li­ches SMS-​Download-​Angebot. Andere Fotografen reg­ten sich vor paar Monaten auch über Bildverkäufe mit einer „erwei­ter­ten Lizenz“ auf, die auf der Depositphotos-​Seite für 80 $ ange­bo­ten wird, von der Fotografen aber teil­wei­se nur 2,64 $ abbe­ka­men. Es scheint, als ver­su­che Depositphotos jetzt, die Fotografenhonorare mit einer inter­es­san­ten, wenn auch mehr als frag­wür­di­gen Methode wei­ter nach unten zu drü­cken.

Partnerprogramme/​Reseller bei Depositphotos

Einige Fotografen hat­ten in die­sem Thread im Stockfotografie-​Forum ent­deckt, dass Bilder von ihnen bei der deut­schen Agentur Shotshop ange­bo­ten wer­den, die von Depositphotos (DP) gelie­fert wer­den muss­ten. Wer es selbst über­prü­fen will, ob sei­ne Depositphotos-​Bilder auch bei Shotshop zu fin­den sind, muss dort ein­fach nach einer Bildnummer von DP-​Fotos suchen.

Das Agenturen Material von ande­ren Bildagenturen ver­kau­fen, ist nichts Neues. Spannend ist hier jedoch das Lizenz- und Abrechnungsmodell. Testkäufe von mir und ande­ren Fotografen erga­ben fol­gen­des: Wenn ein Kunde bei Shotshop ein Foto in vol­ler Auflösung für 29,90 Euro kauft, was über Depositphotos gelie­fert wur­de, erhält der Fotograf bei Depositphotos nur die Meldung, dass das Foto als „Abo-​Download“ erwor­ben wur­de und der Fotograf dafür (je nach Ranking) zwi­schen 0,22 bis 0,26 Euro (0,30–0,36 $) erhält! Das wären weni­ger als 1% Fotografenanteil! Wie ist das mög­lich?

Auf mei­ne Anfrage an Shotshop ant­wor­te­te der Geschäftsführer Stephan Krömer nur:

[…] Wir nut­zen das Reseller Programm von Depositphotos und ich kann lei­der auch wirk­lich nur zu sämt­li­chen inter­nen Abrechnungsfragen von Deposit nur an Deposit selbst ver­wei­sen. Bei Agenturverträgen gibt es immer ein „Non-​disclosure Agreement“, wel­ches man unter­schrei­ben muss und an das wir uns hal­ten müs­sen. […]“

Meine Anfrage an Depositphotos brach­te mir nur eine Copy & Paste-​Standardantwort von Depositphotos ein, wel­che alle Fotografen erhiel­ten, die in den letz­ten bei DP nach Details frag­ten:

Hello Robert,

Our Partnership pro­grams have been crea­ted to boost contributors’s sales via new mar­kets. Our con­tri­bu­tors were opted out of our Extended licen­se part­ner sales upon their requests, so their files are no lon­ger sold via our Extended licen­se part­ner sales. Shotshop is our API resel­ler. Shotshop purcha­ses our sub­scrip­ti­ons to resell our images under the Standard licen­se.

Depositphotos reser­ves the right to deter­mi­ne the con­di­ti­ons of its coöpe­ra­ti­on with Partner com­pa­nies. We sell tho­se files by sub­scrip­ti­ons (under the stan­dard licen­se), but it is up to our part­ners to set their pri­ces and the way to sell them as long as they stick to licen­se terms.

It is sta­ted in our Supply Agreement:
“Depositphotos reser­ves the rights to dis­tri­bu­te Files not only on the Website direc­t­ly, but also through Partners. Contributor agrees that Depositphotos has the right to grant or pass along to Partners under sepa­ra­te agree­ments spe­ci­fic rights, cons­traints, obli­ga­ti­ons, licen­ses and other legal and busi­ness mat­ters regar­ding Files. Depositphotos has the impli­cit right to pro­vi­de Partners with access to the Files accep­ted at the Website via its own pro­gram inter­faces (API) or any other means sanc­tion­ed and appro­ved by Depositphotos, pro­vi­ded such access does not bre­ach the pro­vi­si­ons of the Standard and Extended License Agreements. “

If con­tri­bu­tors want to opt out of our part­nership pro­grams, we will exclu­de their port­fo­li­os from all our part­nership pro­grams upon their requests and their images will be sold sole­ly on depositphotos.com

Kind regards,
Vicky.“

Diese Erklärung wirft lei­der mehr Fragen auf als das sie Antworten lie­fert.

Fangen wir oben an: Shotshop ist ein Wiederverkäufer von Depositphotos mit einer API-​Anbindung. Laut der Mail kauft Shotshop die Bilder mit einem Abo unter der Standardlizenz. Im Vertrag zum API-​Programm steht bei Depositphotos jedoch fol­gen­des:

[…] Der Anbieter bie­tet dem Wiederverkäufer Dateien zu Standardpreisen oder über ein Abonnement an. Der Wiederverkäufer legt den Preis, den ihm sei­ne Käufer für die Dateien bezah­len, selbst fest. […]“

Weiterhin steht dort:

7. UNTERSAGTE HANDLUNGEN
[…] Der Verkauf von Dateien des Anbieters, ohne an ihn die ihm ver­trag­lich zuste­hen­de Gebühr zu ent­rich­ten. […]“

Die ers­te gro­ße Frage ist: Wieso darf Shotshop Fotos zu hohen Preisen ver­kau­fen, die­se aber zu den nied­ri­gen Abo-​Preisen bei Depositphotos abrech­nen? Unter der erwähn­ten Standardlizenz ist ein Weiterverkauf auch aus­drück­lich aus­ge­schlos­sen.

Die zwei­te Frage ist: Wenn von einem Verkaufspreis von 29,90 Euro nur ca. 0,25 Euro beim Fotografen ankom­men, wie tei­len sich die rest­li­chen 29,65 Euro zwi­schen Shotshop und Depositphotos auf? Wer steckt sich den Löwenanteil ein?

Unten in der Mail von Depositphotos wird erwähnt, dass ein Ausschluss der eige­nen Bilder aus dem „Partnerprogramm“ mög­lich sei (wenn man eine Mail an support@depositphotos.com schreibt) und die Bilder dann nur über Depositphotos ver­kauft wür­den. Mir lie­gen jedoch Screenshots vor, die bewei­sen, dass das nicht ganz kor­rekt ist. Einige Fotografen hat­ten schon vor Monaten um die Deaktivierung ihrer Bilder vom Partnerprogramm gebe­ten, deren Fotos sind aber wei­ter­hin bei Shotshop zu fin­den. Auch Sean Locke hat in der Microstockgroup geäu­ßert, dass ihm per Mail aus­drück­lich zuge­si­chert wur­de, sei­ne Bilder wür­den nur über die Seite von Depositphotos ver­kauft, er aber trotz­dem sei­ne Fotos bei Shotshop fin­det.

Vielleicht liegt das an dem fei­nen sprach­li­chen Unterschied zwi­schen „Partnerprogramm“ und „Wiederverkaufer (Reseller)“, der in der Mail auf­ge­macht wird. Ein Fotograf bot fol­gen­den Erklärungsversuch an: Die Agentur Shotshop kauft die Bilder von Depositphotos als Abo, des­we­gen wür­den sie ja über Depositphotos ver­kauf wer­den. Zufriedenstellend wäre die­se gehirn­quet­schen­de Logik jedoch nicht.

Der Vorteil von Shotshop

Für Fotografen beson­ders ärger­lich ist auch das Verhalten von Shotshop. Die Berliner Agentur galt schon lan­ge als eine Agentur mit einem der kom­pli­zier­tes­ten Upload-​Verfahren und gleich­zei­tig sehr vie­len Ablehnungen. Besonders beliebt bei Shotshop ist der Ablehnungsspruch: „Für die Vermarktung durch Shotshop nicht geeig­net“. Der ergibt end­lich Sinn, denn natür­lich ist es für die Agentur lukra­ti­ver, das glei­che Material von Depositphotos zu bezie­hen und dort deut­lich weni­ger als die 35–67% Fotografenanteil  für nicht­ex­klu­si­ves Material zah­len zu müs­sen.

Nur die Spitze des Eisbergs?

Shotshop ist nicht die ein­zi­ge Agentur, wel­che Material von Depositphotos ver­kauft. Eine ande­re Agentur ist bei­spiels­wei­se die indi­sche Agentur ibudgetphoto.com. (Deposit-​Bilder wer­den dort unter dem Kürzel „DPPS_​BILDNUMMER“ geführt) Testkäufe wur­den schon getä­tigt, aber Abrechnungen bei Depositphotos sind bis­her nicht erfolgt. Nachdem Depositphotos auf wie­der­hol­te Fragen nach einer Liste von Vertriebspartnern nicht reagiert hat, steht die ban­ge Frage im Raum: Wie vie­le Agenturen ver­trei­ben noch Bilder von Depositphotos mit einem bil­li­gen Abo? Das wür­de viel­leicht end­lich erklä­ren, war­um der Abo-​Anteil bei Depositphotos so ver­dammt hoch ist.

Vertrauen in Partner

Üblicherweise läuft ein Deal zwi­schen meh­re­ren Bildagenturen so: Wenn eine Bildagentur das Bild einer ande­ren Bildagentur ver­kauft, tei­len sich bei­de Agenturen die Einnahmen 50:50 und der Fotograf bekommt von den 50% sei­nen ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Anteil ab. Läuft die Vertriebskette über meh­re­re Agenturen, ver­län­gert sich das und der Fotograf bekommt sei­nen Anteil nur von 25% oder 12,5%. Aber weni­ger als 1% ist schon eine star­ke Leistung.

Da wir als Fotografen kaum Kontrollmöglichkeiten haben, wel­che Agentur wel­che Bilder wann ver­kauft hat, müs­sen wir Vertrauen in die Bildagenturen haben. Depositphotos ver­spielt die­ses Vertrauen gera­de mas­siv. Und mein Bauch grum­melt schon wie­der.

Habt ihr auch Bilder bei Depositphotos? Findet ihr die­se auch bei ande­ren Agenturen wie Shotshop wie­der?

Getty Connect – Wie Fotografen mit Cent-​Beträgen abgespeist werden (oder gar nicht)

Die welt­weit füh­ren­de Bildagentur, Getty Images, ist immer für eine Überraschung gut. Erst vor paar Wochen brüs­kier­te sie Fotografen mit einem Deal, bei dem Fotos fast ver­schenkt wur­den. Jetzt stellt sich her­aus: Getty ist schon einen Schritt wei­ter und ver­schenkt die Bilder wirk­lich! Oder na ja, die Agentur bekommt was, aber die Fotografen nicht.

Doch schau­en wir uns die Details an:

Es geht um die API-​Schnittstelle „Getty Connect“. Eine API ist eine Programmierschnittstelle, mit der web­sei­ten­über­grei­fend auto­ma­ti­siert ein­fach Inhalte aus­ge­tauscht wer­den kön­nen. Im Falle von Getty Connect kön­nen Kunden zum Beispiel auto­ma­ti­siert Bildstrecken zu bestimm­ten Themen für ihre News-​Webseiten gene­rie­ren las­sen, um so mehr Klicks zu bekom­men. Schon im Juni 2012 stell­te Getty Images „Connect“ vor und gleich­zei­tig eine Partnerschaft mit Yahoo, wel­che die Getty-​Bilder gleich nut­zen will. In die­sem Artikel bei iStockphoto wird die Zusammenarbeit halb­wegs erklärt.

Einige – sehr wich­ti­ge – Fragen blei­ben jedoch unklar, auch nach der Lektüre der FAQ auf der Getty-​Webseite.

  1. Zum Beispiel scheint es, als ob auch RM-​Bilder dafür genutzt wer­den kön­nen. Das wür­de sich zwar mit einer even­tu­el­len Exklusivnutzung über­schnei­den, aber bis­her konn­te ich nichts fin­den, wo RM-​Bilder expli­zit von der API-​Nutzung aus­ge­schlos­sen wer­den.
  2. Außerdem redet Getty Images davon, dass „neue Märkte“ erschlos­sen wer­den wür­den und so wei­ter, aber sol­che Bildermarkt-​Phrasen glau­be ich schon lan­ge nicht mehr.
  3. Es ist als Fotograf auch nicht mög­lich, die Teilnahme am Connect-​Programm zu ver­wei­gern. Das heißt, jeder, der Bilder bei Getty Images hat, kann davon betrof­fen sein. Das betrift zum Beispiel auch iStock-​Bilder aus der Vetta- oder E+-Kollektion.
  4. Die Fotografen sehen auf der Abrechnung nicht, wel­che Bilder gezeigt wur­den, da zur Zeit nur die „Yahoo order num­ber“ als Identifikationsmerkmal ange­zeigt wird. Es besteht aber die Möglichkeit, sich mehr Informationen als unfor­ma­tier­te Textdatei run­ter­zu­la­den, wo dann unter ande­rem auch die Fotonummer und der Bildtitel erwähnt wer­den.

Viel wich­ti­ger ist aber die Frage der Bezahlung: Was krie­gen die Fotografen dafür? Spannenderweise wird es genau hier mys­te­ri­ös. Das „Getty Connect“-Programm soll neben den Bildern Werbung ein­blen­den und je nach Anzahl der Klicks auf die benutz­ten Bilder sol­len sich die Agentur und die Fotografen die erziel­ten Werbeeinnahmen tei­len. Erster Kritikpunkt: Nach wel­chem Prozentschlüssel die Einnahmen ver­teilt wer­den, wird nicht genannt, bei „royal­ty rate“ wird nur „varies“ ange­ge­ben. Die Vermutung liegt nahe, dass die ansons­ten übli­chen Kommissionen ver­wen­det wer­den, also z.B. 20% Fotografenanteil bei der Flickr-​Kollektion oder RF-​Bildern je nach Vertrag und so wei­ter, aber es wür­de mich auch nicht wun­dern, wenn Getty ein­fach ent­schei­det, z.B. nur 10% aus­zu­schüt­ten.

Ein mut­maß­li­ches Beispiel für den Connect-​Deal mit Yahoo: Eine Klickstrecke mit Bildern von Getty Images, neben denen Werbung ein­ge­blen­det wird:

Jetzt, nach ca. sie­ben Monaten, sind bei den Getty-​Fotografen die ers­ten Abrechnungen ein­ge­gan­gen mit Einnahmen aus „Getty Connect“. In einer geschlos­se­nen iStockphoto-​Facebook-​Gruppe berich­te­ten Fotografen, dass sie hau­fen­wei­se Abrechnungen pro Bild für ca. 0.01 $ sehen, ganz weni­ge haben auch 0.02 $ auf der Abrechnung, der bis­her höchs­te gemel­de­te Betrag ist 4 US-​Cent. Viel schlim­mer ist aber, dass zwi­schen den gan­zen 0.01 $-Meldungen oft eben­so­vie­le 0.00 $-Meldungen auf­tau­chen. Im Contributors-​Forum von Getty berich­ten eini­ge, dass sie über 100 die­ser Null-​Cent-​Meldungen auf ihren Abrechnungen gehabt hät­ten. Ja, Null! Das scheint kein Technik-​Fehler zu sein, denn in einer Getty-​Email heißt es:

[…] the images that are sho­wing an 0 amount were were not view­ed enough times to reach the .01 cent mini­mum thres­hold.“

Das heißt grob über­setzt: „Ja, wir haben dei­ne Bilder benutzt, aber bezah­len dich nicht!“ Oder anders for­mu­liert: Getty Images hat end­lich einen Weg gefun­den, um Geld mit Fotos zu ver­die­nen, wäh­rend die Fotografen nur mit einem Cent oder im Extremfall eben gar nicht bezahlt wer­den. Damit das fast unmög­lich zu kon­trol­lie­ren ist, wer­den auch die Klicks und eben die Kommissionsrate nicht ange­ge­ben.

Ultimago ver­schenkt auch Bilder

Weil es so schön passt, gleich eine Nachricht, wel­che in eine ähn­li­che Kerbe schlägt: PantherMedia hat in Zusammenarbeit mit Fineartprint die Plattform Ultimago ange­kün­digt, bei der Fotos ver­schenkt wer­den. Auch hier ist die Rede von „Zweitverwertung“, „Upselling“ und „Cross-​Selling“, aber unter dem Strich wer­den die Bilder ver­schenkt. Das mag für die betei­lig­ten Agenturen lukra­tiv sein, für Fotografen ver­mut­lich nicht. Panthermedia sagt, dass Fotografen antei­lig je nach Anzahl der Downloads an even­tu­el­len Werbeeinnahmen und ande­ren Umsatzmöglichkeiten betei­ligt wer­den. Ich schrei­be bewusst nicht „mit 50%“ betei­ligt, denn wir alle wis­sen, wie ger­ne die­se Kommissionen in der Vergangenheit nach unten kor­ri­giert wur­den. Diese „ande­ren Umsätze“ sol­len zum Beispiel durch „Premium-​Mitgliedschaften“ rein­kom­men, mit denen Firmen sich die kom­mer­zi­el­len Nutzungsrechte für die kos­ten­lo­sen Bilder kau­fen kön­nen (Ja, mir ist die Ironie von „kos­ten­lo­se Bilder kau­fen“ bewusst). Die Bilder müs­sen selbst von Fotografen dort hoch­ge­la­den wer­den, eine Zwangsteilnahme für bis­her nicht ver­kauf­te PantherMedia-​Bilder ist momen­tan nicht geplant.

Der geplan­te Preis liegt aktu­ell bei 49 Euro pro Monat oder 499 Euro im Jahr. Für den Preis könn­te man sich bei Shutterstock über 12 Bilder im Monat in mitt­le­rer Größe run­ter­la­den oder 25 Bilder pro Monat bei Fotolia. Insofern ver­ste­he ich nicht, wel­che Firmen blöd genug sind, das Geld für Ramsch-​Fotos aus­zu­ge­ben, die „nicht gut genug für den Verkauf über Bildagenturen“ (Zitat PantherMedia) sind? Fotografen, die frei­wil­lig bei Ultimago teil­neh­men, soll­ten berück­sich­ti­gen, dass sie mit ihrem „Schrottbildern“ dann auch in der Google-​Suche erschei­nen, wenn nach dem Fotografennamen suchen. Ohne Alias ist sicher nicht die bes­te Werbung für einen Fotografen.

Zu beden­ken ist, dass die Privatkunden auf der Seite nichts zah­len müs­sen und damit eine wei­te­re Konkurrenz zu den Bezahlangeboten im Internet auf­ge­baut wird. Die Qualität wird anfangs sicher deut­lich nied­ri­ger als bei den Bezahlagenturen lie­gen, aber genau­so hat­te Microstock auch ange­fan­gen. PantherMedia argu­men­tiert, dass Kunden, die ein gewünsch­tes Bild nicht fin­den, es dann wahr­schein­lich bei PantherMedia kau­fen, aber anders­rum gäbe es genug Leute, die sich dort den Kauf spa­ren kön­nen, wenn sie ein pas­sen­des Bild gra­tis fin­den.

Man könn­te auch die­se Meldung anders for­mu­lie­ren: Im Grunde ist das der Versuch, eine Abo-​Webseite auf­zu­bau­en, bei dem den Fotografen kei­ne mini­ma­le Download-​Honorare garan­tiert wer­den, son­dern die­se im Gegenteil an den Risiken der Geschäftsplattform mit betei­ligt wer­den. Läuft sie schlecht, gibt es kein Geld – trotz ver­wen­de­ter Fotos. Das scheint wohl der neue Agentur-​Trend zu sein.

Der nächs­te Schritt wäre das Bezahlen für bes­se­re Position in den Suchergebnissen oder pro Bild-​Upload. Ach was, das gibt’s es auch schon: Um Bilder in die Kollektion „Photographer’s Choice“ hoch­zu­la­den, müs­sen Fotografen pro Bild 50 US-​Dollar bezah­len. Welche Agentur dahin­ter steht? Getty Images natür­lich!

Was sagt ihr? Wohin wird die Reise gehen?

Das Henne-​Ei-​Problem neuer Bildagenturen aus zwei Sichtweisen

Es gibt unzäh­li­ge Bildagenturen, über die Fotografen ihre Fotos ver­kau­fen kön­nen. Allein im Microstock-​Bereich lis­tet die Microstockgroup neben den vier gro­ßen Agenturen Shutterstock, Fotolia, Dreamstime und iStockphoto 41 wei­te­re auf und selbst das deckt nicht alles ab. Dazu kom­men noch min­des­tens eben­so­vie­le Macrostock-​Bildagenturen, allen vor­an Getty Images und Corbis und etli­che Nischenagenturen, die sich mehr oder min­der bequem auf spe­zi­el­le Themen kon­zen­trie­ren.


Bei die­ser Auswahl an Bildagenturen ist klar: Es gibt deut­lich mehr Agenturen als sie von Käufern benö­tigt wür­den, das glei­che gilt für die Bilder und Motive selbst. Wenn eine neue Bildagentur ver­sucht, in die­sen über­sät­tig­ten Markt ein­zu­drin­gen, steht sie des­halb vor meh­re­ren Problemen, die alle mit­ein­an­der ver­zahnt sind und gebün­delt als das „Henne-Ei“-Problem bezeich­net wer­den kön­nen.

Was war zuerst da? Die Henne oder das Ei? Jede neue Firma braucht etwas, was sie ver­kau­fen kann: Produkte, Dienstleistungen, Inhalte. Bei Bildagenturen sind die­se Produkte Fotos, Bilder, Vekoren, Illustrationen und so wei­ter. Jeder Fotograf gibt sei­ne Bilder ger­ne einer Agentur, wel­che vie­le Verkäufe erzie­len kann, da so auch immer der Fotograf ver­dient. Diese Verkäufe kann eine Agentur nur gene­rie­ren, wenn die Kunden das pas­sen­de Bild fin­den. Ohne Bilder kei­ne Verkäufe, ohne Verkäufe kei­ne Bilder. Das klas­si­sche „Henne-Ei“-Problem.

Für neue Bildagenturen gibt es des­halb ver­schie­de­ne Wege, sich auf dem Markt zu eta­blie­ren und neu­es Material anzu­wer­ben, die jedoch immer stei­nig sind. Wir wol­len die­se sowohl aus der Sicht der Agenturen als auch der Bildlieferanten betrach­ten.

Ein sehr ein­fa­cher Weg ist die Nutzung von API-​Material. API steht für „Application Programming Interface“ und ist die Abkürzung für eine stan­da­ri­sier­te Schnittstelle zum Datenaustausch zwi­schen ver­schie­de­nen Programmen und im Bildermarkt auch Firmen. Fotolia bie­tet bei­spiels­wei­se APIs für ver­schie­de­ne Zwecke an. Eine neue Agentur könn­te die Bilder einer eta­blier­ten Bildagentur mit­tels einer API-​Schnittstelle bequem über­neh­men und hät­te auf einen Schlag Millionen Bilder im Angebot. Der gro­ße Nachteil dar­an ist, dass dar­an vor allem die eta­blier­te Bildagentur ver­dient. Das ist gut und bequem für die Fotografen, weil sie im Grunde nichts tun müs­sen, kann jedoch zu einer unkon­trol­lier­ba­ren Verbreitung der Bilder füh­ren. So gesche­hen bei Pixmac, die zudem mit Zuordnungsproblemen und Abrechnungsschwierigkeiten zu kämp­fen hat­ten, wes­halb Fotolia und Dreamstime der Agentur die API-​Nutzung unter­sag­ten.

Der zwei­te Weg zeigt eben­falls gut das „Henne-Ei“-Problem. Neue Agenturen sind ger­ne ver­sucht, über den nied­rigs­ten Preis Kunden zu gewin­nen. Das ist im Microstock-​Bereich zwar schwer, aber Firmen wie Canstock oder Depositphotos haben gezeigt, dass auch die­se Preise unter­bo­ten wer­den kön­nen. Wer als Agentur jedoch über den Preis in den Markt ein­drin­gen will, wird Probleme haben, schnell genü­gend gute Bilder zu bekom­men, da Fotografen, die rech­nen kön­nen, schnell mer­ken, dass sie einer­seits noch weni­ger ver­die­nen als bei den eta­blier­ten Agenturen und ande­rer­seits Kunden von eta­blier­ten Agenturen zu den Billig-​Newcomern abwan­dern, was län­ger­fris­tig eben­falls die eige­nen Umsätze schmä­lert. Als Microstock-​Agenturen Mitte der 1990er Jahre den Bildermarkt umkrem­pel­ten, gab es preis­lich noch einen gro­ßen Spielraum nach unten, der tat­säch­lich dazu führ­te, dass der Markt erst für neue Kunden geöff­net wur­de, die sich vor­her schlicht kein gekauf­tes Bild leis­ten konn­ten. Die Feilscherei um eini­ge Cent bei neu­en Microstock-​Agenturen oder, noch schlim­mer, bei Abo-​Paketen bringt aber kei­ne Neukunden, son­dern gewährt nur bestehen­den Marktteilnehmern einen Rabatt auf Kosten der Bildlieferanten.

Der nächs­te Weg scheint sehr glän­zend, zumin­dest für die Fotografen. Einige neue Bildagenturen neh­men viel Geld in die Hand und bezah­len anfangs für jedes Bild eine „Upload-​Prämie“, um so schnell ihren Bildbestand zu ver­meh­ren. das hat­ten sowohl Veer als auch Polylooks 2010 gemacht, die einen erfolg­reich, die ande­ren nicht. Diese Strategie führt zwar rela­tiv sicher zu vie­len Bildern, ist aber logi­scher­wei­se sehr teu­er, wes­halb vor allem neue Agenturen das nur schwer stem­men kön­nen.

Mindestens eben­so teu­er, aber dafür von der finan­zi­el­len Belastung bes­ser ver­teilt ist das Versprechen hoher Fotografen-​Kommissionen. Neue Agenturen wer­ben ger­ne mit 50% oder mehr Fotografenanteil, die aber nur dann fäl­lig wer­den, wenn tat­säch­lich Bilder ver­kauft wer­den. Insofern ist das anfangs eine risi­ko­ar­me Variante für neue Bildagenturen, aber falls wider Erwarten die neue Bildagentur sich doch auf dem Markt behaup­ten kann, wird sie die hohen Kommissionen schnell leid wer­den, weil sie im Gegensatz zur kurz­fris­ti­gen Belastung durch zeit­lich begrenz­te Upload-​Prämien lang­fris­tig den Agentur-​Gewinn schmä­lern. Deshalb haben fast alle Bildagenturen im Laufe ihrer Geschichte die Fotografenanteile gekürzt. Eine Agentur, die durch­schnitt­lich Anteile erhöht hat, ist mir nicht bekannt. Selbst Versprechen neu­er Agenturen, die Kommissionen wür­den für immer gleich blei­ben, neh­me ich mitt­ler­wei­le nicht mehr ernst.

Lohnt es sich für Fotografen des­halb über­haupt, Zeit in neue Bildagenturen zu inves­tie­ren? Neue Agenturen behaup­ten oft, wei­te­re Spieler im Feld wür­den mehr Fairness und bes­se­re Umsätze brin­gen. Der Bildermarkt ist jedoch kein Nachfragemarkt, son­dern ein Angebotsmarkt, das heißt, es müs­sen vor allem die Käufer zufrie­den gestellt wer­den, durch gute Qualität und nied­ri­ge Preise, wäh­rend die Lieferanten (Fotografen) kaum Ansprüche stel­len kön­nen. Deshalb sor­gen neue Bildagenturen meist auch nur für mehr Arbeit bei den Fotografen durch das Hochladen und die Bildkontrolle, wäh­rend der Konkurrenzkampf här­ter wird und damit die Preise mit jeder neu­en Agentur eher sin­ken. Das führt dann wie­der zu sin­ken­den Fotografenhonoraren.

Mit ca. zehn Microstock-​Agenturen, die sich dann durch ver­schie­de­ne Stärken wie exklu­si­ve Inhalte, viel Auswahl, nied­ri­ger Preis, Service und hohe Qualität unter­schie­den, wäre der Bildermarkt sicher aus­rei­chend bedient.

Wie seht ihr das? Brauchen Fotografen noch neue Bildagenturen oder soll­ten eher eini­ge lei­se ver­schwin­den? Und was soll­ten die Kriterien sein?