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Adobe gibt Zeitplan für Abschaltung von Fotolia bekannt – Was ändert sich für Fotografen und Kunden?

Gestern gab Adobe den Zeitplan für die Abschaltung der Fotolia-Webseite bekannt.

Dieser wird dem­nach in zwei Etappen statt­fin­den. Am 5.2.2019, also in drei Monaten wird der Upload zu Fotolia ein­ge­stellt wer­den. Neue Bilder müs­sen dann direkt im Contributor-​Portal von Adobe Stock hoch­ge­la­den wer­den.

In einem Jahr, am 5.11.2019 wird dann die Fotolia-​Webseite kom­plett ein­ge­stellt. Bis dahin müs­sen alle Fotolia-​Kunden ihren Account zu Adobe Stock migrie­ren, wenn sie wei­ter­hin dort Bilder ein­kau­fen wol­len.

Nachdem Adobe die Firma Fotolia Anfang 2015 für ca. 800 Mio. US-​Dollar auf­ge­kauft hat­te, endet dann nach unge­fähr 5 Jahren die Übergangsfrist, in der zwei Webseiten betreut wur­den.

Dieser Schritt war abseh­bar, weil es lang­fris­tig finan­zi­ell nicht sinn­voll ist, zwei Plattformen mit qua­si iden­ti­schen Inhalten zu betrei­ben. Jetzt, da das Ende fest­steht, soll­ten wir uns genau­er anschau­en, was das sowohl für Fotografen als auch für Kunden bedeu­tet.

Was ändert sich für Fotografen?

Bis zum 5.2.2019 müs­sen Fotografen ihren Fotolia-​Account mit einem Adobe-​Account syn­chro­ni­siert haben, damit sie wei­ter­hin ihre Bilder bei Adobe Stock ver­kau­fen kön­nen. Wer das schon gemacht hat, wie hier beschrie­ben, braucht nichts mehr zu tun, auch wenn man im Anbieterkonto oben noch dazu auf­ge­for­dert wird. Mehr Antworten dazu fin­det ihr hier.

Außerdem soll­te sich jeder mit dem Contributor-​Portal von Adobe Stock anfreun­den und sich dar­an gewöh­nen, nur noch dort sei­ne Bilder und Videos hoch­zu­la­den. Wir machen das schon seit über einem Jahr aus­schließ­lich so und es ist gene­rell schnel­ler. Das Einstellen von Start-​Credits ist dort zwar nicht mög­lich, aber die­se Notwendigkeit wird mit dem Ende von Fotolia sowie­so obso­let, weil bei Adobe Stock alle Standard-​Bilder den glei­chen Preis haben.

Auch das Einstellen von „Bildexklusivität“ ist bei Adobe Stock nicht mög­lich und momen­tan scheint auch kei­ne Option für Exklusivität geplant zu sein (sie­he dazu mein fünf Jahre alter Artikel „Exklusivität – eine aus­ster­ben­de Praxis im Microstock-​Bereich“).

Das trifft lei­der voll-​exklusive Fotografen bei Fotolia beson­ders stark, da die­se deut­lich höhe­re Prozente von den Verkaufspreisen bekom­men haben als bei Adobe Stock und die Verkaufspreise auch noch manu­ell durch die Start-​Credits höher set­zen konn­ten.

Im Umkehrschluss heißt es aber auch, dass bis­her exklu­si­ve Fotolia-​Fotografen dann ihre Bilder bei ande­ren Bildagenturen hoch­la­den dür­fen. Um damit nicht bis November 2019 war­ten zu müs­sen, emp­feh­le ich des­halb exklu­si­ven Fotolia-​Fotografen, ihre Exklusivität jetzt schon auf­zu­ge­ben, um sich früh­zei­tig mit den ande­ren Agenturen ver­traut machen zu kön­nen. Eine Liste der belieb­tes­ten Agenturen fin­det ihr hier.

Reden wir auch nicht um den hei­ßen Brei her­um: Vor allem für alt­ein­ge­ses­se­ne Fotolia-​Fotografen mit einem Fotolia-​Ranking von Smaragd oder höher wird es Umsatzverluste geben, wenn die Fotolia-​Käufer bei Adobe Stock kau­fen, weil es weni­ger Prozentpunkte Kommission gibt. Auch durch den erhöh­ten Abo-​Anteil kann es für ande­re Fotolia-​Fotografen zu einem Umsatzrückgang kom­men. Hoffen wir stark, dass Adobe die­se Entwicklung im Auge behält und da gege­be­nen­falls gegen­steu­ert. Ein Anzeichen, dass Adobe die­sen Punkt im Blick hat, ist die mini­ma­le Kommissionserhöhung vom September 2018.

ich selbst fin­de auch das Navigieren im Backend von Adobe Stock noch weni­ger intui­tiv und ver­mis­se eini­ge wich­ti­ge Funktionen, von denen ich aber hof­fe, dass da in den nächs­ten Monaten noch inten­siv nach­ge­bes­sert wird.

Die Ranking-​Informationen (Wochenranking und Gesamtranking) sind bei Adobe Stock aktu­ell auch noch nicht sicht­bar, dar­an wird aber laut einem Adobe-​Mitarbeiter gear­bei­tet, um die­se Funktion zu inte­grie­ren.

Was ändert sich für Fotolia-​Kunden?

Schon in den letz­ten Monaten hat Adobe durch vie­le Pop-​Ups, Email-​Kampagnen und Nag-​Screens ver­sucht, Fotolia-​Kunden zu Adobe Stock zu kon­ver­tie­ren. Das ist nicht so ein­fach, wie es scheint, weil die Preisstruktur bei Adobe Stock in einem wich­ti­gen Punkt ganz anders funk­tio­niert.

Während das Abo-​Modell weit­ge­hend iden­tisch ist und ver­blie­be­ne Abo-​Downloads bei Fotolia im Verhältnis 1:2 (für einen Abo-​Download bei Fotolia bekom­men Wechsel-​Kunden 2 Abo-​Downloads bei Adobe Stock) getauscht wer­den, ist es bei den Credit-​Käufern schwie­ri­ger.

Hier wer­den die vor­han­de­nen Fotolia-​Credits im Verhältnis 1:5 umge­tauscht (und ggf. auf­ge­run­det). Wer also z.B. 16 Fotolia-​Credits hat, erhält nun 4 Adobe Stock-​Credits (16/​5 = 3,2, auf­ge­run­det 4). Da es bei Adobe Stock aber nur die größt­mög­li­che Auflösung für je einen Credit gibt, erhält der Käufer nun maxi­mal 4 Bilder (in vol­ler Auflösung), selbst wenn er lie­ber wie bei Fotolia viel­leicht 16 Bilder in kleins­ter Auflösung genutzt hät­te.

Dadurch fällt übri­gens auch für Fotografen die Motivation weg, mög­lichst gro­ße Bilder hoch­zu­la­den. Wenn die Größe weder im Abo noch bei den Credits eine Rolle spielt, könn­ten 3D-​Renderings oder Fotos auch klei­ner gerech­net wer­den, um Zeit zu spa­ren oder bes­se­re Bildqualität bei 100% zu lie­fern.

Das ist beson­ders ärger­lich für klei­ne Kunden, die ger­ne klei­ne Web-​Bilder für Webseiten oder Flyer gekauft haben und auf­grund ihrer gerin­gen Mengen kein Abonnement abschlie­ßen wol­len. Diese Kunden könn­ten ggf. ver­lo­ren gehen.

Andererseits bie­tet Adobe Stock bes­se­re Suchergebnisse und neue KI-​basierte Suchfunktionen (sie­he z.B. hier). Ich habe die Hoffnung, dass Adobe dar­auf ach­tet, die vie­len Kleinkunden an Bord zu hal­ten. An deren Credit-​Käufen haben die Fotografen näm­lich deut­lich mehr pro Verkauf ver­dient als an einem Abo-​Verkauf.

Hinweise für Nutzer vom Partnerprogramm und der API

Das Fotolia-​API-​Programm wird zum 6. Mai 2019 deak­ti­viert und ein­ge­stellt. Wer will, kann dann auf die Adobe Stock-​API umstel­len.

Ähnliches gilt für das Partnerprogramm. Dieses wird auch zum 6. Mai 2019 ein­ge­stellt, danach erhal­ten Partner kei­ne Kommissionen mehr. Wer will, kann sich für das Affiliate-​Programm von Adobe Stock bewer­ben.

Ich hof­fe stark, dass Adobe den Wechsel mit Fingerspitzengefühl meis­tert. Ob das gelingt, wer­den wir Fotografen wohl an unse­ren Einnahmen in den nächs­ten Monaten mer­ken.

Was sagt ihr zu der Umstellung?

Weniger als 1% Fotografenhonorar? Depositphotos macht es möglich

Manchmal wer­de ich gefragt, nach wel­chen Kriterien ich ent­schei­de, bei wel­chen Bildagenturen ich mei­ne Fotos anbie­te. Neben eini­gen objek­ti­ven Faktoren wie Preis, Kommissionen, Uploadprozess und so wei­ter gehört dazu auch immer eine gehö­ri­ge Funktion Bauchgefühl. Bei der Agentur Depositphotos hat mein Bauch immer unan­ge­nehm gegrum­melt. Die Agentur hat mehr­fach ver­sucht, mich mit vor­teil­haf­ten „Deals“ ins Boot zu holen und eine nüch­ter­ne Analyse ließ die Deals auch sehr ver­lo­ckend aus­se­hen. Aber dann kam wie­der das Bauchgrummeln.

screenshot-depositphotos
Der rote Spruch „Du wirst unse­ren Rabatt lie­ben!“ bekommt aus aktu­el­lem Anlass eine ganz eige­ne iro­ni­sche Wendung.

Es hat­te ver­schie­de­ne Ursachen:
Es fängt damit an, dass Depositphotos nach eige­nen Aussagen mit der Firma Depositfiles ver­bun­den ist und von ihr finan­ziert wird. Depositfiles ist ein Online-​Datenspeicher, der von vie­len auch dazu genutzt wird, ille­gal urhe­ber­recht­lich geschütz­tes Material zu ver­tei­len.

Vor fast genau drei Jahren schrieb ich hier im Blog über deren unsäg­li­ches SMS-​Download-​Angebot. Andere Fotografen reg­ten sich vor paar Monaten auch über Bildverkäufe mit einer „erwei­ter­ten Lizenz“ auf, die auf der Depositphotos-​Seite für 80 $ ange­bo­ten wird, von der Fotografen aber teil­wei­se nur 2,64 $ abbe­ka­men. Es scheint, als ver­su­che Depositphotos jetzt, die Fotografenhonorare mit einer inter­es­san­ten, wenn auch mehr als frag­wür­di­gen Methode wei­ter nach unten zu drü­cken.

Partnerprogramme/​Reseller bei Depositphotos

Einige Fotografen hat­ten in die­sem Thread im Stockfotografie-​Forum ent­deckt, dass Bilder von ihnen bei der deut­schen Agentur Shotshop ange­bo­ten wer­den, die von Depositphotos (DP) gelie­fert wer­den muss­ten. Wer es selbst über­prü­fen will, ob sei­ne Depositphotos-​Bilder auch bei Shotshop zu fin­den sind, muss dort ein­fach nach einer Bildnummer von DP-​Fotos suchen.

Das Agenturen Material von ande­ren Bildagenturen ver­kau­fen, ist nichts Neues. Spannend ist hier jedoch das Lizenz- und Abrechnungsmodell. Testkäufe von mir und ande­ren Fotografen erga­ben fol­gen­des: Wenn ein Kunde bei Shotshop ein Foto in vol­ler Auflösung für 29,90 Euro kauft, was über Depositphotos gelie­fert wur­de, erhält der Fotograf bei Depositphotos nur die Meldung, dass das Foto als „Abo-​Download“ erwor­ben wur­de und der Fotograf dafür (je nach Ranking) zwi­schen 0,22 bis 0,26 Euro (0,30–0,36 $) erhält! Das wären weni­ger als 1% Fotografenanteil! Wie ist das mög­lich?

Auf mei­ne Anfrage an Shotshop ant­wor­te­te der Geschäftsführer Stephan Krömer nur:

[…] Wir nut­zen das Reseller Programm von Depositphotos und ich kann lei­der auch wirk­lich nur zu sämt­li­chen inter­nen Abrechnungsfragen von Deposit nur an Deposit selbst ver­wei­sen. Bei Agenturverträgen gibt es immer ein „Non-​disclosure Agreement“, wel­ches man unter­schrei­ben muss und an das wir uns hal­ten müs­sen. […]“

Meine Anfrage an Depositphotos brach­te mir nur eine Copy & Paste-​Standardantwort von Depositphotos ein, wel­che alle Fotografen erhiel­ten, die in den letz­ten bei DP nach Details frag­ten:

Hello Robert,

Our Partnership pro­grams have been crea­ted to boost contributors’s sales via new mar­kets. Our con­tri­bu­tors were opted out of our Extended licen­se part­ner sales upon their requests, so their files are no lon­ger sold via our Extended licen­se part­ner sales. Shotshop is our API resel­ler. Shotshop purcha­ses our sub­scrip­ti­ons to resell our images under the Standard licen­se.

Depositphotos reser­ves the right to deter­mi­ne the con­di­ti­ons of its coöpe­ra­ti­on with Partner com­pa­nies. We sell tho­se files by sub­scrip­ti­ons (under the stan­dard licen­se), but it is up to our part­ners to set their pri­ces and the way to sell them as long as they stick to licen­se terms.

It is sta­ted in our Supply Agreement:
“Depositphotos reser­ves the rights to dis­tri­bu­te Files not only on the Website direc­t­ly, but also through Partners. Contributor agrees that Depositphotos has the right to grant or pass along to Partners under sepa­ra­te agree­ments spe­ci­fic rights, cons­traints, obli­ga­ti­ons, licen­ses and other legal and busi­ness mat­ters regar­ding Files. Depositphotos has the impli­cit right to pro­vi­de Partners with access to the Files accep­ted at the Website via its own pro­gram inter­faces (API) or any other means sanc­tion­ed and appro­ved by Depositphotos, pro­vi­ded such access does not bre­ach the pro­vi­si­ons of the Standard and Extended License Agreements. “

If con­tri­bu­tors want to opt out of our part­nership pro­grams, we will exclu­de their port­fo­li­os from all our part­nership pro­grams upon their requests and their images will be sold sole­ly on depositphotos.com

Kind regards,
Vicky.“

Diese Erklärung wirft lei­der mehr Fragen auf als das sie Antworten lie­fert.

Fangen wir oben an: Shotshop ist ein Wiederverkäufer von Depositphotos mit einer API-​Anbindung. Laut der Mail kauft Shotshop die Bilder mit einem Abo unter der Standardlizenz. Im Vertrag zum API-​Programm steht bei Depositphotos jedoch fol­gen­des:

[…] Der Anbieter bie­tet dem Wiederverkäufer Dateien zu Standardpreisen oder über ein Abonnement an. Der Wiederverkäufer legt den Preis, den ihm sei­ne Käufer für die Dateien bezah­len, selbst fest. […]“

Weiterhin steht dort:

7. UNTERSAGTE HANDLUNGEN
[…] Der Verkauf von Dateien des Anbieters, ohne an ihn die ihm ver­trag­lich zuste­hen­de Gebühr zu ent­rich­ten. […]“

Die ers­te gro­ße Frage ist: Wieso darf Shotshop Fotos zu hohen Preisen ver­kau­fen, die­se aber zu den nied­ri­gen Abo-​Preisen bei Depositphotos abrech­nen? Unter der erwähn­ten Standardlizenz ist ein Weiterverkauf auch aus­drück­lich aus­ge­schlos­sen.

Die zwei­te Frage ist: Wenn von einem Verkaufspreis von 29,90 Euro nur ca. 0,25 Euro beim Fotografen ankom­men, wie tei­len sich die rest­li­chen 29,65 Euro zwi­schen Shotshop und Depositphotos auf? Wer steckt sich den Löwenanteil ein?

Unten in der Mail von Depositphotos wird erwähnt, dass ein Ausschluss der eige­nen Bilder aus dem „Partnerprogramm“ mög­lich sei (wenn man eine Mail an support@depositphotos.com schreibt) und die Bilder dann nur über Depositphotos ver­kauft wür­den. Mir lie­gen jedoch Screenshots vor, die bewei­sen, dass das nicht ganz kor­rekt ist. Einige Fotografen hat­ten schon vor Monaten um die Deaktivierung ihrer Bilder vom Partnerprogramm gebe­ten, deren Fotos sind aber wei­ter­hin bei Shotshop zu fin­den. Auch Sean Locke hat in der Microstockgroup geäu­ßert, dass ihm per Mail aus­drück­lich zuge­si­chert wur­de, sei­ne Bilder wür­den nur über die Seite von Depositphotos ver­kauft, er aber trotz­dem sei­ne Fotos bei Shotshop fin­det.

Vielleicht liegt das an dem fei­nen sprach­li­chen Unterschied zwi­schen „Partnerprogramm“ und „Wiederverkaufer (Reseller)“, der in der Mail auf­ge­macht wird. Ein Fotograf bot fol­gen­den Erklärungsversuch an: Die Agentur Shotshop kauft die Bilder von Depositphotos als Abo, des­we­gen wür­den sie ja über Depositphotos ver­kauf wer­den. Zufriedenstellend wäre die­se gehirn­quet­schen­de Logik jedoch nicht.

Der Vorteil von Shotshop

Für Fotografen beson­ders ärger­lich ist auch das Verhalten von Shotshop. Die Berliner Agentur galt schon lan­ge als eine Agentur mit einem der kom­pli­zier­tes­ten Upload-​Verfahren und gleich­zei­tig sehr vie­len Ablehnungen. Besonders beliebt bei Shotshop ist der Ablehnungsspruch: „Für die Vermarktung durch Shotshop nicht geeig­net“. Der ergibt end­lich Sinn, denn natür­lich ist es für die Agentur lukra­ti­ver, das glei­che Material von Depositphotos zu bezie­hen und dort deut­lich weni­ger als die 35–67% Fotografenanteil  für nicht­ex­klu­si­ves Material zah­len zu müs­sen.

Nur die Spitze des Eisbergs?

Shotshop ist nicht die ein­zi­ge Agentur, wel­che Material von Depositphotos ver­kauft. Eine ande­re Agentur ist bei­spiels­wei­se die indi­sche Agentur ibudgetphoto.com. (Deposit-​Bilder wer­den dort unter dem Kürzel „DPPS_​BILDNUMMER“ geführt) Testkäufe wur­den schon getä­tigt, aber Abrechnungen bei Depositphotos sind bis­her nicht erfolgt. Nachdem Depositphotos auf wie­der­hol­te Fragen nach einer Liste von Vertriebspartnern nicht reagiert hat, steht die ban­ge Frage im Raum: Wie vie­le Agenturen ver­trei­ben noch Bilder von Depositphotos mit einem bil­li­gen Abo? Das wür­de viel­leicht end­lich erklä­ren, war­um der Abo-​Anteil bei Depositphotos so ver­dammt hoch ist.

Vertrauen in Partner

Üblicherweise läuft ein Deal zwi­schen meh­re­ren Bildagenturen so: Wenn eine Bildagentur das Bild einer ande­ren Bildagentur ver­kauft, tei­len sich bei­de Agenturen die Einnahmen 50:50 und der Fotograf bekommt von den 50% sei­nen ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Anteil ab. Läuft die Vertriebskette über meh­re­re Agenturen, ver­län­gert sich das und der Fotograf bekommt sei­nen Anteil nur von 25% oder 12,5%. Aber weni­ger als 1% ist schon eine star­ke Leistung.

Da wir als Fotografen kaum Kontrollmöglichkeiten haben, wel­che Agentur wel­che Bilder wann ver­kauft hat, müs­sen wir Vertrauen in die Bildagenturen haben. Depositphotos ver­spielt die­ses Vertrauen gera­de mas­siv. Und mein Bauch grum­melt schon wie­der.

Habt ihr auch Bilder bei Depositphotos? Findet ihr die­se auch bei ande­ren Agenturen wie Shotshop wie­der?

Veränderungen bei Microstock-​Agenturen 2013 in Prozent (mit Verlosung)

Jedes Jahr im Januar schickt der Analyseservice Stock Performer an sei­ne Mitglieder eine aus­führ­li­che Mail, in der die eige­ne Entwicklung von Vorjahr zum aktu­el­len Jahr aus­ge­wer­tet wird, in Hinblick auf Einkommensverteilung, Umsatz, Downloads und RPD.

ich möch­te jetzt nicht mei­ne gesam­ten Zahlen ver­öf­fent­li­chen, aber die Prozentangaben sind inter­es­sant genug.

Berücksichtigt wer­den hier nur die sechs Agenturen 123rf*, Fotolia*, Shutterstock*, Dreamstime*, Pond5* und iStock* sowie deren Partnerprogramm.

Stock Performer wer­tet noch zusätz­lich die Agenturen Depositphotos, Stocksy und Getty Images, bei denen ich jedoch (noch?) kei­ne Bilder habe. Bei mei­nen Agenturen habe ich über­all Bilder und Videos im Angebot (bei Pond5 nur Videos).

Meine Einnahmen bei den sechs genann­ten Agenturen haben sich 2013 im Vergleich zum Vorjahr 2012 wie folgt ent­wi­ckelt:

Alle Agenturen zusam­men: +28%
123rf: +89%
iStock: ‑23%
iStock/​Partner Program: +61%
Fotolia: +20%
Shutterstock: +45%
Pond5: +20%
Dreamstime: +29%

Ihr seht, es gibt bei jeder Agentur gro­ße Schwankungen. Mein Umsatz bei 123rf hat sich fast ver­dop­pelt, die ein­zi­ge Agentur mit Rückgang ist iStock, wobei ich da fai­rer­wei­se anmer­ken muss, dass ich dort im Gegensatz zu den ande­ren Agenturen auch nichts hoch­ge­la­den habe und statt­des­sen sogar eini­ge hun­dert Dateien gelöscht habe. Dafür hat das iStock-​Partnerprogramm deut­lich zuge­legt (Thinkstock, photos.com). Das kann auch ein­fach hei­ßen, dass iStock ver­stärkt Kunden zu ihren Abo-​Modellen lockt, wie sie Fotografen weni­ger bezah­len müs­sen.

Die Entwicklung bei den Downloads von 2012 zu 2013 sieht ähn­lich aus:

Alle Agenturen zusam­men: +38%
123rf: +63%
iStock: ‑4%
iStock/​Partner Program: +33%
Fotolia: +35%
Shutterstock: +41%
Pond5: +1%
Dreamstime: +38%

Die meist gestie­ge­nen Einnahmen und Downloads müs­sen jedoch in Relation zu den Uploads gese­hen wer­den, also wie viel Dateien ich im Jahr hoch­ge­la­den habe. Im Vergleich zu 2012 sieht die Entwicklung 2013 bei mir so aus:

Alle Agenturen zusam­men: ‑3%
123rf: ‑8%
Fotolia: ‑7%
Shutterstock: +2%
iStock: ‑100%
Pond5: +209%
Dreamstime: ‑6%

Insgesamt war ich 2013 etwas weni­ger flei­ßig beim Upload als 2012, aber im Schnitt bekam jede Agentur etwas mehr als 2000 neue Bilder von mir.

Dass die Agenturen trotz gleich­blei­ben­der bis leicht sin­ken­der Upload-​Menge mei­ne Umsätze beacht­lich erhö­hen konn­ten, fin­de ich beacht­lich. Das hängt teil­wei­se auch mit den Ranking-​Systemen zusam­men, wo ich bei Fotolia den Saphir-​Status erreicht habe, bei Dreamstime sind mehr Dateien in die höchs­te Stufe 5 gerutscht und Shutterstock scheint ein­fach total gut im „Upselling“ zu sein, weil ich dort auch 2012 schon in der höchs­ten Umsatzstufe war. Eine erfreu­li­che Aussicht ist, dass ich im Dezember 2013 bei 123rf von „Level 5“ mit 50% Umsatzanteil auf Level 6 mit 52% Umsatzanteil gestie­gen bin. Das soll­te mir dort auch 2014 einen guten Schub besche­ren.

Der „Revenue per Download“ (RPD) ergibt sich aus der Kombination von Umsatz durch Downloads.
Das sah bei mir 2013 so aus:

Alle Agenturen: ‑8%
123rf: +16%
iStock: ‑19%
iStock/​Partner Program: +21%
Fotolia: ‑11%
Shutterstock: +3%
Pond5: +19%
Dreamstime: ‑6%

Bei Fotolia und Dreamstime wir­ken sich ver­mut­lich die Abo-​Verkäufe aus, wobei mein Abo-​Anteil erstaun­li­cher­wei­se bei Fotolia kaum steigt (dazu mal mehr in einem ande­ren Artikel). Bei Pond5 kann ich die Preise selbst fest­set­zen und habe sie um 22% erhöht. Erfreulich ist die Steigerung bei 123rf, weil die Agentur damit in abso­lu­ten Zahlen end­lich über dem RPD von Shutterstock liegt. Das sah 2012 noch anders aus.

Verlosung

Damit ihr mal tes­ten könnt, wie umfang­reich die Funktionen von Stock Performer mitt­ler­wei­le gewor­den sind, darf ich eine sechs­mo­na­ti­ge Mitgliedschaft für den „Eagle-​Plan“ (im Wert von 174 €) von Stock Performer ver­lo­sen.

Wer teil­neh­men will, been­det ein­fach den Satz „Wenn ich ein Microstock Analyse- und Statistik-​Tool hät­te, wür­de ich… “ in den Kommentaren oder unter der Ankündigung die­ses Artikels bei Facebook oder Twitter. Einsendeschluss ist Freitag, der 7.2.2014. Luis und Oliver von Stock Performer wer­den dann aus den bes­ten Antworten den Gewinner wäh­len.

Wie haben sich bei euch die Umsätze und Downloads 2013 ent­wi­ckelt?

* Affiliate

Zugang zu Getty Images für Fotografen über Zoonar

Der Bildermarkt gleicht einem Wirbelwind. Agenturen tau­chen aus dem Nichts aus und ver­schwin­den genau­so schnell wie­der oder wer­den gekauft, ver­kauft, ver­eint oder umbe­nannt.

Im Mai hat­te ich geschrie­ben, dass die Bildagentur Photolibrary vom Marktführer Getty Images auf­ge­kauft wur­de. Das hat­te ich damals schon kri­tisch kom­men­tiert und heu­te zeigt sich wie­der, wie­so.

Photolibrary war und ist einer der Vertriebspartner der deut­schen Bildagentur Zoonar, wel­che sich wirk­lich alle Mühe gibt, inter­es­san­te Vertriebspartner für ihre Fotografen zu gewin­nen.

Nach der Übernahme stell­te sich die Frage: Was pas­siert mit den Zoonar-​Fotos bei Photolibrary? Kommen die auch zu Getty Images? Die kur­ze Antwort: Ja. Die lan­ge Antwort:

Der Inhaber von Zoonar, Michael Krabs, schick­te ges­tern die­se Mail an sei­ne Fotografen:

Sie haben sicher schon gehört, dass Getty Images unse­re Partneragentur Photolibrary gekauft hat und die­se zum Oktober 2011 schlie­ßen wird.

Umso mehr dürf­te es Sie freu­en, dass wir jetzt auch mit Getty Images einen Partner-​Vertrag aus­ge­han­delt haben. Wir kön­nen Ihnen daher anbie­ten, alle Fotos, die Zoonar bereits bei Photolibrary ein­ge­spielt hat, direkt in den welt­wei­ten Getty-​Vertrieb zu über­neh­men. Die Fotos wer­den dann bei Thinkstock, Photos.com und Jupiterimages ein­ge­spielt und über die Getty Abo-​Modelle (Subscriptions) ver­kauft. Hier wer­den sehr hohe Umsatzraten erzielt.

Daher emp­feh­len wir Ihnen, den Vertrieb Ihrer Fotos über Getty Images zu akzep­tie­ren. Es wird sich für Sie aus­zah­len. Sollten Sie Ihre Fotos nicht über Getty Images ver­trei­ben wol­len, so möch­ten wir Sie bit­ten, die ent­spre­chen­den Fotos bis zum 09.10.2011 in der Zoonar-​Partnerverwaltung für den Partner Photolibrary zurück­zu­zie­hen.

Alle Fotos, die Sie bis zum 09.10.2011 für den Partner Photolibrary abzie­hen, wer­den vor Ablauf der sechs­mo­na­ti­gen Frist ent­fernt, so dass sie nicht zu Getty Images über­tra­gen wer­den. In einen spä­te­ren Schritt, wer­den wir Ihnen dann auch anbie­ten, wei­te­re Fotos für Getty Images frei­zu­schal­ten. Hierfür sind aber noch eini­ge Entwicklungsarbeiten not­wen­dig. Sobald dies mög­lich ist, wer­den wir sie infor­mie­ren. Bitte rech­nen Sie aber erst in 2–3 Monaten damit.“

Dieses Angebot ist inso­fern inter­es­sant, das Getty ansons­ten stark auf Exklusivität pocht und in die­sem Fall dar­auf ver­zich­tet.

Für Fotografen mag es zwar pres­ti­ge­träch­tig sein, sagen zu kön­nen, dass ihre Bilder über Getty Images ver­trie­ben wer­den, aber bei nähe­rer Betrachtung wür­de ich zur Vorsicht raten.

Es wäre naiv zu glau­ben, dass Fotos in der Photolibrary-​Kollektion bei Suchanfragen genau­so behan­delt wer­den wie Premium-​Kollektionen wie Stone+ oder dem Hulton Archiv. In der Mail oben klingt schon recht deut­lich an, was das Ansinnen von Getty ist: Mehr Material für Abo-​Angebote zu erhal­ten, die über Thinkstock, Photos.com und Jupiterimages ver­kauft wer­den. Das ist ver­gleich­bar mit dem Grabbeltisch im Schlussverkauf, wäh­rend eine Etage dar­über die neue Herbstkollektion hängt.

Auf Nachfrage ging Herr Krabs noch mal ins Detail und erklär­te wei­te­re Einzelheiten des Angebots. Betroffen sind nur RF-​Bilder, RM-​Bilder in der Photolibrary über Zoonar wer­den nicht von Getty Images über­nom­men. Wer das Angebot nicht anneh­men möch­te und sei­ne gesam­ten Bilder aus dem Photolibrary-​Partnerprogramm ent­fer­nen will, kann das bis zum 09.10.2011 ent­we­der manu­ell in sei­nem Fotografenaccount umstel­len oder bei über 2000 Bildern im Portfolio bie­tet Herr Krabs an, eine Mail inklu­si­ve des Accountnamens an info@zoonar.com zu schrei­ben, dann über­nimmt Zoonar die Deaktivierung.

Ausdrücklich wies Herr Krabs dar­auf hin, dass teil­neh­men­de Fotografen „recht schmerz­frei“ sein soll­ten, was die Pro-​Bild-​Umsätze angeht, auch wenn durch die schie­ren Mengen trotz der hohen Margen von Getty Images viel für den Fotografen abfal­len wür­de. Das Angebot lohnt sich dem­nach nicht für Fotografen, die ihre Bilder schon sehr sinn­voll und breit gestreut haben. Er selbst wird sei­ne Bilder dort nicht anbie­ten und ich wer­de es eben­falls nicht tun. Theoretisch könn­ten die Bilder auch zu hohen Einzelpreisen ver­kauft wer­den, aber unge­fähr 98% der Verkäufe bei Photolibrary waren Abo-​Verkäufe und ich sehe kei­nen Grund, war­um sich das bei Getty ändern soll­te.

Getty Images ver­sucht hier zum wie­der­hol­ten Male, ande­ren Abo-​Anbietern Konkurrenz zu machen. Zuerst wur­den alle istock-​Fotografen gezwun­gen, ihre Bilder bei Thinkstock auch im Abo zu ver­kau­fen, jetzt kommt mit der Photolibrary ein wei­te­rer Schwung an Bildern in die Sammlung. Je attrak­ti­ver Thinkstock oder Photos.com jedoch für Bildkäufer wer­den, des­to weni­ger Honorar wer­den die Fotografen erhal­ten. Wer also zum Beispiel gut bei Shutterstock oder Fotolia ver­kauft, schnei­det sich mit­tel­fris­tig ins eige­ne Fleisch, wenn von dort Abo-​Kunden zu den Getty-​Abo-​Modellen wech­seln.

Während der Fotograf bei Shutterstock, Fotolia etc. ca. 25–40 Cent pro Download erhält, ist noch nicht klar, wie viel Zoonar-​Fotografen unter dem Strich pro Abo-​Download erhal­ten wür­den. Auf jeden Fall wer­den es weni­ger als 25 Cent sein (soviel erhal­ten schon die Thinkstock-​Lieferanten bei istock minus der Zoonar-​Anteil) und rein rech­ne­risch (voll aus­ge­schöpf­tes Jahresabo) wären auch leicht Abo-​Abrechnungen im ein­stel­li­gen Cent-​Bereich mög­lich.

Deswegen: Wem egal ist, wie viel er ver­dient, solan­ge er nur bei Getty ist, der kann das Angebot anneh­men. Den ande­ren Fotografen emp­feh­le ich eher, sich das gründ­lich zu über­le­gen, vor allem, wenn sie ihre Bilder auch bei Shutterstock anbie­ten.

Was ist eure Entscheidung? Weiterhin über Photolibrary auch bei Getty im Abo ver­tre­ten zu sein oder lie­ber dar­auf ver­zich­ten?