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Muss Mieter oder Eigentümer PR unterschreiben, wenn Fotografen in Wohnung fotografieren?

Neben den Model Releases gehö­ren Eigentumsfreigaben, auch Property Release (PR) genannt, zu den zweit­häu­figs­ten Verträgen, mit denen Stockfotografen han­tie­ren müs­sen.

Wenn ein Fotograf eine Wohnung für ein Fotoshooting mie­tet oder nut­zen darf, stellt sich in der Praxis die Frage: Wer muss den Property Release unter­schrei­ben? Der Mieter oder der Eigentümer?

Wenn man den Zugang zur Wohnung und die Erlaubnis zum Fotografieren von einem Mieter erhält, der dort dau­er­haft wohnt, also auch das Hausrecht inne­hat, soll­te die­ser den Property Release unter­schrei­ben.

Wenn es jedoch in einer Wohnung nur Kurzzeit‐Mieter gibt, zum Beispiel in etli­chen „AirBnB“-Wohnungen, muss der Eigentümer unter­schrei­ben, weil der Kurzzeitmieter nicht der Verfügungsberechtigte wäre, des­sen Interessen bei der Veröffentlichung des Bildes beein­träch­tigt wären.

Erkennbar wer­den die meis­ten Räume ja auch vor allem durch die indi­vi­du­el­le Einrichtung, die bei Dauermietern eben meist die­ser selbst zusam­men­stellt und erkennt, wäh­rend das bei jeman­den, der sich für paar Tage via AirBnB (oder ähn­li­chen Portalen) ein­mie­tet, nicht der Fall ist.

Als gene­rel­le Faustregel ist: Wer hat das Hausrecht, also darf ent­schei­den, wer sich in der Wohnung auf­hal­ten darf? Derjenige soll­te auch den Property Release unter­schrei­ben.

Der Fotograf gilt bei einem Mieter auch nicht als „Untermieter“, was eini­ge Mietverträge aus­schlie­ßen, son­dern als Gast des Mieters.

Bei schlich­ten Wohnungen (recht­ecki­ge Räume ohne beson­de­re Erkennungsmerkmale), die eh größ­ten­teils in gnä­di­ger Unschärfe ver­schwin­den, wäre meist gar kein Property Release erfor­der­lich, aber allein um Rechtssicherheit her­zu­stel­len, bemü­he ich mich in der Regel, immer einen Property Release zu erhal­ten.

Wie hand­habt ihr das in der Praxis?

123rf ernennt Mutterfirma zur „Partneragentur“

Ich dach­te eine Weile, das Geschäft mit Bildern über Partneragenturen wäre ein Ding der Vergangenheit oder vor allem noch betrie­ben von Macrostock‐Agenturen.

Früher hat­te es ja ganz prak­ti­sche Gründe: Als Bilder noch als Dias ver­kauft wur­den, war es sehr auf­wän­dig, Kunden in ande­ren Ländern zu belie­fern: Versand, Rechnungsstellung, Sprachbarrieren und so wei­ter.

Also kamen die Bildagenturen auf die Idee, ihr Material von „Partneragenturen“ vor Ort ver­kau­fen zu las­sen, die dafür in der Regel ca. 50% der Erlöse behal­ten durf­ten. Das Perfide war, dass die­se Partneragenturen ihr Material, inklu­si­ve der der ande­ren Partneragenturen wie­der­um an Partner wei­ter­ga­ben und den Erlös tei­len muss­ten.

Das führ­te dann teil­wei­se dazu, dass der Kunde das Bild für 100 Euro kauf­te, die Agentur bekam davon 50 Euro, gab die rest­li­chen 50 Euro der zwei­ten Agentur, die sich die Hälfte nahm, es der drit­ten Agentur gab, die wie­der­um ihren Anteil nahm und der Fotograf erhielt dann 12,50 Euro, also 12,5%, obwohl in sei­nem Vertrag 50% ver­ein­bart waren. In der Praxis kann es auch dazu füh­ren, dass die Verwertungskette einen Bruch hat und gar nichts beim Fotografen ankommt.

Wenn Leute mich gefragt haben, was für mich einer der Unterschiede zwi­schen Macrostock‐ und Microstock‐Bildagenturen ist, habe ich – neben dem Preis – oft gesagt, dass es die­se Partneragenturen sind, weil sich bei den gerin­gen Kommissionen das Teilen der Honorare kaum noch loh­nen wür­de. Vielleicht muss ich das über­den­ken.

Ein Mitglied des Stockfotografie‐Forums wies mich vor paar Wochen auf etwas Interessantes hin.
Seine Bilder, die er bei der Microstockagentur 123royaltyfree (bes­ser bekannt als 123rf) anbie­tet, sind auch bei der Bildagentur Inmagine zu fin­den.

Nun ist Inmagine nicht irgend­ei­ne Macrostock‐Agentur, son­dern die Mutterfirma von 123rf. Sprich: Inmagine hat im Juni 2005 die Agentur 123rf gegrün­det. Somit gehö­ren bei­de Agenturen der sel­ben Firma.

Die span­nen­de Frage für uns Fotografen ist nun:
Wie wer­den die Honorare abge­rech­net?

Ich habe in Absprache mit dem betrof­fe­nen Fotografen einen Testkauf gemacht.

inmagine-testkauf-anonymWie ihr im Screenshot sehen könnt, habe ich für die kleins­te Größe (die sich iro­ni­scher­wei­se „High“ nennt) 10 Euro bezahlt.

Beim Fotografen kam ein Verkauf als „XXL“ für 2,10 US‐Dollar (also ca. 1,66 Euro) an:

123RF-sale
Klicken zum Vergrößern

Das wären auf­ge­run­det nur ca. 17% Kommission für den Fotografen. Das ist unge­fähr die Hälfte, die der Fotograf (er hat das „Contributor Level 2“ erreicht) laut der Kommissionstabelle erhal­ten müss­te.

123rf-royalty-structure-october-2014123rf zieht also bei Verkäufen über Inmagine, wel­che der glei­chen Firma gehört, 50% des Honorars für Inmagine ab. Auch eine krea­ti­ve Art, die Kommissionen zu sen­ken.

Interessant ist auch, dass es nicht hilft, die „API‐Partneragenturen“ im Dashboard von 123rf zu deak­ti­vie­ren, denn ich habe eben­falls alle mei­ne 123rf‐Bilder bei Inmagine gefun­den, obwohl ich aus­drück­lich die „API‐Partneragenturen“ deak­ti­viert hat­te.123rf-api

Wenn ihr selbst schau­en wollt, ob eure 123rf‐Fotos bei Inmagine auf­tau­chen: Einfach von euch häu­fig benutz­te Suchbegriffe im Suchfenster von Inmagine ein­ge­ben und dann – ganz wich­tig – bei den Ergebnissen auf den Reiter „Value“ kli­cken, sonst seht ihr nur die Premium‐Bilder als Ergebnis.

Daraufhin habe ich direkt bei 123rf nach­ge­fragt, wie es kommt, dass mei­ne Bilder bei Inmagine zu fin­den sei­en, obwohl ich die Partneragenturen deak­ti­viert habe.

Als Antwort erhielt ich:

Kindly note that Inmagine is our sis­ter com­pa­ny the­re­fo­re it was not con­si­de­red a Partner site. If you would like to have your port­fo­lio remo­ved from Inmagine, do let us know.

As for com­mis­si­ons recei­ved from sales via Partner sites, kind­ly note that after our Partner has taken their per­cen­ta­ge of the ear­nings, your com­mis­si­on will be sha­red with 123RF.
We hope this cla­ri­fies. Please do not hesi­ta­te to con­tact us if you need any fur­ther assi­s­tan­ce.“

Diese Antwort ist inso­fern auf­fäl­lig, weil sie sich je nach Position wider­spricht. Einerseits sei Inmage kei­ne Partneragentur, des­we­gen gel­te die Checkbox für die „API Partner“ nicht. Andererseits sei Inmagine eben doch eine Partneragentur, wenn es um das Teilen der Honorare geht.

Das gab ich in einer Antwort zu beden­ken und bat um Auskunft, wie viel Prozent Inmagine tat­säch­lich ein­be­hält.

Nach knapp zwei Wochen (!) kam als Antwort:

Dear Robert,
We apo­lo­gi­ze for the delay.

Kindly note that the per­cen­ta­ge is 40% from the pri­ce sta­ted. After having a dis­cus­sion with my team, we agreed that your port­fo­lio should not appe­ar in Inmagine thus we have remo­ved your port­fo­lio from the search engi­ne and will not appe­ar in the search results.

We hope this helps. Please do not hesi­ta­te to con­tact us if you need any fur­ther assi­s­tan­ce.“

Spannend ist es, dass oben geschätz­ten 50% nicht bestä­tigt wer­den, son­dern statt­des­sen nur 40% Anteil für Inmagine genannt wer­den. Deshalb habe ich einen zwei­ten Testkauf mit einem Bild von mir gemacht. 10 Euro bezahlt (aktu­ell ca. 12,65 USD), ich erhielt mit mei­nem Contributor Level 6 (52%) 3,12 USD aus­ge­zahlt. Da kann ich rech­nen wie ich will, das passt nur, wenn ich eben­falls von einem 50% Anteil für Inmagine aus­ge­he.

Es sei denn: Wer sich nicht die Mühe macht und die erhal­te­nen Euro in US‐Dollar umrech­net, kommt genau­er auf die 3,12 USD: 10 USD (statt Euro), davon 40% weg, blei­ben 6 USD. Davon 52% Anteil sind genau 3,12 USD. Der Währungswechselkurs wird von Inmagine dann ein­fach ein­ge­stri­chen. Ich habe Inmagine am 27.10.2014 eine Mail mit der Bitte um Erklärung geschickt, bis­her habe ich kei­ne Antwort erhal­ten. Sobald ich die Antwort habe, wer­de ich sie nach­rei­chen.

Interessant ist auch, dass mei­ne Bilder aus der Inmagine‐Suchmachine ent­fernt wur­den, obwohl ich das nicht gefor­dert hat­te. Das ist jedoch ein rich­ti­ger Schritt aus mei­ner Sicht und des­halb habe ich auch im die kom­plet­te Entfernung mei­ner Bilder bei Inmagine gebe­ten, denn aktu­ell sind sie nur aus der Suchmaschine ent­fernt wor­den, die Detailseiten sind noch vor­han­den. Hier ein Link, wenn er nicht mehr geht, wur­den die Bilder end­lich ent­fernt. So sieht das aus:

inmagine-apotheken-foto
Ärgerlich ist auch, dass auf den Detailseiten nir­gends der Name des Fotografen noch ein ande­rer Hinweis auf die Quelle des Bildes zu fin­den ist und auch der bei den meis­ten Agenturen obli­ga­to­ri­sche Link auf wei­te­re Bilder des Fotografen fehlt.

Nicht nur 123rf/Inmagine arbeiten so

Unabhängig vom Fall Inmagine hat mich ein ande­rer Fotograf fast zeit­gleich dar­auf auf­merk­sam gemacht, dass bei der deut­schen Bildagentur F1 Online auch vie­le Fotos der Agentur doc stock ange­bo­ten wer­den.

doc-stock-f1-online
Hier liegt der Fall etwas anders, weil doc stock ursprüng­lich eine eigen­stän­di­ge Agentur war, wel­che jedoch von F1 Online auf­ge­kauft wur­de. Aktuell ist der Eigentümer jedoch eben­falls der sel­be.

Um zu klä­ren, wie hier die Honorarverteilung ist, wenn ein Bild von doc stock über F1 Online ver­kauft wird, obwohl bei­de Agenturen der­sel­ben Firma gehö­ren, habe ich ein­fach bei F1 Online ange­ru­fen und die Geschäftsführerin von F1 Online, Sabine Pallaske, um Auskunft für die­sen Blog gebe­ten. Sie erklär­te mir bereit­wil­lig, wie die Prozentverteilung aus­sieht und ande­re Details, ver­bot mir aber weni­ge Minuten nach dem Telefonat, die­se Informationen zu ver­öf­fent­li­chen. Stattdessen soll­te ich mei­ne Anfrage noch mal schrift­lich ein­rei­chen, wor­auf ich lei­der nur die­se – weni­ger detail­rei­che – Auskunft erhielt:

Hallo Herr Kneschke,

Sie haben Ihr Anliegen durch­aus am Telefon dar­le­gen kön­nen. Auf der ande­ren Seite geht es Ihnen ja um eine ver­bind­li­che Aussage, die zitat­fä­hig ist.

Grundsätzlich haben wir mit unse­ren Vertriebspartnern und unse­ren Fotografen fes­te Splittings.

Doc‐Stock ist in unse­rem Fall eine Sonderregelung:
Doc‐Stock ist ein eigen­stän­di­ges Portfolio, das wir erst seit 3 Jahren ver­tre­ten und das auch gutem Grund unter einer eige­nen Marke ange­bo­ten wird. Hier haben wir wie bei uns üblich fes­te, trans­pa­ren­te Verträge.

F1online fun­giert als Partner von doc‐stock und über­nimmt nicht alle Bilder des sehr spe­zia­li­sier­ten Angebots von doc‐stock in sein Portfolio.

Den Anbieter / Fotografen wur­den kom­mu­ni­ziert: wer auch über F1online anbie­ten möch­te, kann dem zustim­men (oder auch nicht – ohne dass für die Präsenz bei doc‐stock Nachteile ent­ste­hen). Im Fall der Zustimmung wird eine Handling‐Fee abge­zo­gen ( Umlegung Verwaltungskosten, Verschlagwortung neu, Bereitstellung auf Website F1online.de, Picturemaxx, Fotofinder usw ), wenn das Bild nicht über die Website / Online‐Präsenz doc‐stock, son­dern über F1 Online lizen­ziert wird.
Dies hat mit unse­ren all­ge­mei­nen Verträgen betref­fend Vertriebspartner / Fotografen nichts zu tun.

Unsere Verträge mit Vertriebspartnern beschrei­ben ein­deu­tig unse­ren Anteil, den wir an die zu zah­len haben. Der Verteilungsschlüssel Vertriebspartner zu deren Fotografen liegt nicht in unse­rer Hand. Im umge­kehr­ten Fall ist dies ein­deu­tig über unse­re Verträge mit dem Fotografen / Lieferanten gere­gelt. Bei Rückfragen ste­he ich Ihnen ger­ne zur Verfügung,

herz­li­che Grüsse , Sabine Pallaske“

Auch hier wie­der die Formulierung von „Partnern“, wobei bei­de Agenturen fak­tisch dem sel­ben Eigentümer gehö­ren. Fairerweise möch­te ich ergän­zen, dass die „Handling‐Fee“ deut­lich gerin­ger ist als die 40% von Inmagine.

Ich bin mir nicht sicher, wie die Vorgehensweise, vor allem im Fall von 123rf juris­tisch zu bewer­ten ist, mora­lisch ist es aber unschön: Die Agenturinhaber kas­sie­ren beim sel­ben Verkauf 2x, der Fotograf erhält jedoch nur 1x Geld.

Wie schätzt ihr die Sache ein? Kennt ihr ande­re Agenturen mit glei­chem Inhaber?

Update 31.10.2014:
Es kommt Bewegung in die Sache. Ein Mitarbeiter von 123rf hat ers­tens hier Stellung bezo­gen und zwei­tens hier erklärt, dass in den kom­men­den Tagen die Bilder von 123rf nicht mehr bei Inmagine ange­bo­ten wür­den, wenn die oben genann­ten „API Partner“ deak­ti­viert sind.