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Adobe gibt Zeitplan für Abschaltung von Fotolia bekannt – Was ändert sich für Fotografen und Kunden?

Gestern gab Adobe den Zeitplan für die Abschaltung der Fotolia-Webseite bekannt.

Dieser wird dem­nach in zwei Etappen statt­fin­den. Am 5.2.2019, also in drei Monaten wird der Upload zu Fotolia ein­ge­stellt wer­den. Neue Bilder müs­sen dann direkt im Contributor‐Portal von Adobe Stock hoch­ge­la­den wer­den.

In einem Jahr, am 5.11.2019 wird dann die Fotolia‐Webseite kom­plett ein­ge­stellt. Bis dahin müs­sen alle Fotolia‐Kunden ihren Account zu Adobe Stock migrie­ren, wenn sie wei­ter­hin dort Bilder ein­kau­fen wol­len.

Nachdem Adobe die Firma Fotolia Anfang 2015 für ca. 800 Mio. US‐Dollar auf­ge­kauft hat­te, endet dann nach unge­fähr 5 Jahren die Übergangsfrist, in der zwei Webseiten betreut wur­den.

Dieser Schritt war abseh­bar, weil es lang­fris­tig finan­zi­ell nicht sinn­voll ist, zwei Plattformen mit qua­si iden­ti­schen Inhalten zu betrei­ben. Jetzt, da das Ende fest­steht, soll­ten wir uns genau­er anschau­en, was das sowohl für Fotografen als auch für Kunden bedeu­tet.

Was ändert sich für Fotografen?

Bis zum 5.2.2019 müs­sen Fotografen ihren Fotolia‐Account mit einem Adobe‐Account syn­chro­ni­siert haben, damit sie wei­ter­hin ihre Bilder bei Adobe Stock ver­kau­fen kön­nen. Wer das schon gemacht hat, wie hier beschrie­ben, braucht nichts mehr zu tun, auch wenn man im Anbieterkonto oben noch dazu auf­ge­for­dert wird. Mehr Antworten dazu fin­det ihr hier.

Außerdem soll­te sich jeder mit dem Contributor‐Portal von Adobe Stock anfreun­den und sich dar­an gewöh­nen, nur noch dort sei­ne Bilder und Videos hoch­zu­la­den. Wir machen das schon seit über einem Jahr aus­schließ­lich so und es ist gene­rell schnel­ler. Das Einstellen von Start‐Credits ist dort zwar nicht mög­lich, aber die­se Notwendigkeit wird mit dem Ende von Fotolia sowie­so obso­let, weil bei Adobe Stock alle Standard‐Bilder den glei­chen Preis haben.

Auch das Einstellen von „Bildexklusivität“ ist bei Adobe Stock nicht mög­lich und momen­tan scheint auch kei­ne Option für Exklusivität geplant zu sein (sie­he dazu mein fünf Jahre alter Artikel „Exklusivität – eine aus­ster­ben­de Praxis im Microstock‐Bereich“).

Das trifft lei­der voll‐exklusive Fotografen bei Fotolia beson­ders stark, da die­se deut­lich höhe­re Prozente von den Verkaufspreisen bekom­men haben als bei Adobe Stock und die Verkaufspreise auch noch manu­ell durch die Start‐Credits höher set­zen konn­ten.

Im Umkehrschluss heißt es aber auch, dass bis­her exklu­si­ve Fotolia‐Fotografen dann ihre Bilder bei ande­ren Bildagenturen hoch­la­den dür­fen. Um damit nicht bis November 2019 war­ten zu müs­sen, emp­feh­le ich des­halb exklu­si­ven Fotolia‐Fotografen, ihre Exklusivität jetzt schon auf­zu­ge­ben, um sich früh­zei­tig mit den ande­ren Agenturen ver­traut machen zu kön­nen. Eine Liste der belieb­tes­ten Agenturen fin­det ihr hier.

Reden wir auch nicht um den hei­ßen Brei her­um: Vor allem für alt­ein­ge­ses­se­ne Fotolia‐Fotografen mit einem Fotolia‐Ranking von Smaragd oder höher wird es Umsatzverluste geben, wenn die Fotolia‐Käufer bei Adobe Stock kau­fen, weil es weni­ger Prozentpunkte Kommission gibt. Auch durch den erhöh­ten Abo‐Anteil kann es für ande­re Fotolia‐Fotografen zu einem Umsatzrückgang kom­men. Hoffen wir stark, dass Adobe die­se Entwicklung im Auge behält und da gege­be­nen­falls gegen­steu­ert. Ein Anzeichen, dass Adobe die­sen Punkt im Blick hat, ist die mini­ma­le Kommissionserhöhung vom September 2018.

ich selbst fin­de auch das Navigieren im Backend von Adobe Stock noch weni­ger intui­tiv und ver­mis­se eini­ge wich­ti­ge Funktionen, von denen ich aber hof­fe, dass da in den nächs­ten Monaten noch inten­siv nach­ge­bes­sert wird.

Die Ranking‐Informationen (Wochenranking und Gesamtranking) sind bei Adobe Stock aktu­ell auch noch nicht sicht­bar, dar­an wird aber laut einem Adobe‐Mitarbeiter gear­bei­tet, um die­se Funktion zu inte­grie­ren.

Was ändert sich für Fotolia‐Kunden?

Schon in den letz­ten Monaten hat Adobe durch vie­le Pop‐Ups, Email‐Kampagnen und Nag‐Screens ver­sucht, Fotolia‐Kunden zu Adobe Stock zu kon­ver­tie­ren. Das ist nicht so ein­fach, wie es scheint, weil die Preisstruktur bei Adobe Stock in einem wich­ti­gen Punkt ganz anders funk­tio­niert.

Während das Abo‐Modell weit­ge­hend iden­tisch ist und ver­blie­be­ne Abo‐Downloads bei Fotolia im Verhältnis 1:2 (für einen Abo‐Download bei Fotolia bekom­men Wechsel‐Kunden 2 Abo‐Downloads bei Adobe Stock) getauscht wer­den, ist es bei den Credit‐Käufern schwie­ri­ger.

Hier wer­den die vor­han­de­nen Fotolia‐Credits im Verhältnis 1:5 umge­tauscht (und ggf. auf­ge­run­det). Wer also z.B. 16 Fotolia‐Credits hat, erhält nun 4 Adobe Stock‐Credits (16/5 = 3,2, auf­ge­run­det 4). Da es bei Adobe Stock aber nur die größt­mög­li­che Auflösung für je einen Credit gibt, erhält der Käufer nun maxi­mal 4 Bilder (in vol­ler Auflösung), selbst wenn er lie­ber wie bei Fotolia viel­leicht 16 Bilder in kleins­ter Auflösung genutzt hät­te.

Dadurch fällt übri­gens auch für Fotografen die Motivation weg, mög­lichst gro­ße Bilder hoch­zu­la­den. Wenn die Größe weder im Abo noch bei den Credits eine Rolle spielt, könn­ten 3D‐Renderings oder Fotos auch klei­ner gerech­net wer­den, um Zeit zu spa­ren oder bes­se­re Bildqualität bei 100% zu lie­fern.

Das ist beson­ders ärger­lich für klei­ne Kunden, die ger­ne klei­ne Web‐Bilder für Webseiten oder Flyer gekauft haben und auf­grund ihrer gerin­gen Mengen kein Abonnement abschlie­ßen wol­len. Diese Kunden könn­ten ggf. ver­lo­ren gehen.

Andererseits bie­tet Adobe Stock bes­se­re Suchergebnisse und neue KI‐basierte Suchfunktionen (sie­he z.B. hier). Ich habe die Hoffnung, dass Adobe dar­auf ach­tet, die vie­len Kleinkunden an Bord zu hal­ten. An deren Credit‐Käufen haben die Fotografen näm­lich deut­lich mehr pro Verkauf ver­dient als an einem Abo‐Verkauf.

Hinweise für Nutzer vom Partnerprogramm und der API

Das Fotolia‐API‐Programm wird zum 6. Mai 2019 deak­ti­viert und ein­ge­stellt. Wer will, kann dann auf die Adobe Stock‐API umstel­len.

Ähnliches gilt für das Partnerprogramm. Dieses wird auch zum 6. Mai 2019 ein­ge­stellt, danach erhal­ten Partner kei­ne Kommissionen mehr. Wer will, kann sich für das Affiliate‐Programm von Adobe Stock bewer­ben.

Ich hof­fe stark, dass Adobe den Wechsel mit Fingerspitzengefühl meis­tert. Ob das gelingt, wer­den wir Fotografen wohl an unse­ren Einnahmen in den nächs­ten Monaten mer­ken.

Was sagt ihr zu der Umstellung?

Frag den Fotograf: Für wie viele Credits sollte ich meine Bilder anbieten?

In letz­ter Zeit habe ich des öfte­ren Emails mit kur­zen Fragen bekom­men. Meist habe ich die­se kurz beant­wor­tet, bis ich gemerkt habe, dass sich eini­ge Fragen doch wie­der­ho­len. Deswegen möch­te ich die Fragen wie­der ver­mehrt hier im Blog ver­öf­fent­li­chen, damit ich bei Bedarf auf die Antwort ver­lin­ken kann und ihr auch als Leser etwas davon habt.
Vor paar Tagen schrieb mir Thorsten:
„Hallo Robert,
ich habe ges­tern aus­führ­lich dei­ne Beiträge über Microstockagenturen stu­diert. Ich fand dar­in vie­le über­ein­stim­men­de und neue Informationen zu die­sem Thema.
Ich selbst bin seit 2010 bei Fotolia und begann mit Fotos. Musste aber fest­stel­len, dass ich mehr Talent in der Bildbearbeitung/Manipulierung, Illustrationen und Vektoren habe. Da ich das noch neben­bei mache, ist mein Portfolio bei wei­tem nicht so groß.  Aber ich schei­ne auf dem bes­ten Weg zu sein, dass mei­ne Grafiken immer mehr Zuspruch fin­den.
Aber wes­halb wen­de ich mich an dich? Ich habe eine Frage: Welche Erfahrungen hast Du in punc­to ange­bo­te­ne Credits? Ich sehe bei dir, dass du fast alle Bilder mit 1, max. 2 Credits anbie­test. Ist es aus dei­ner Erfahrung sinn­vol­ler, mit einem Credit die Bilder anfangs ein­zu­stel­len? Oder wel­chen Tipp kannst du mir geben?  Ich wäre dir für eine kur­ze Antwort sehr dank­bar.
Viele Grüße
Thorsten“
Wem der gan­ze Microstock‐Bereich neu ist, der ver­steht viel­leicht die Frage nicht, des­halb eine kur­ze Erklärung. Bei vie­len Bildagenturen kön­nen die Bilder nur mit einer Kunstwährung namens „Credits“ bezahlt wer­den. Über den Daumen gepeilt ist ein Credit meist ca. ein Euro, aber wer vie­le Credits kauft, bekommt viel Rabatt.
Bei der Bildagentur Fotolia haben Fotografen in gewis­sen Grenzen die Möglichkeit, den Startpreis für ihre Bilder selbst fest­zu­le­gen. Standard ist 1 Credit für die kleins­te Größe und dann immer mehr Credits für die nächst­grö­ße­ren Auflösungen. In die­ser Tabelle seht ihr, ab wel­cher Ranking‐Stufe die (nicht­ex­klu­si­ven) Fotografen den Startpreis der Credits fest­le­gen kön­nen. Exklusive Fotografen haben noch mehr Möglichkeiten.
Möglichkeiten der Preisgestaltung durch Credits

Wer ein Bild mit zwei oder drei Credits als Startpreis ver­kauft, der kann pro Verkauf das Doppelte oder Dreifache ver­die­nen.

Deshalb ist die Frage von Thorsten legi­tim, was sinn­vol­ler ist: Lieber Viele Verkäufe mit 1 Credits oder weni­ger Verkäufe mit 2–3 Credits?

Bei der Beantwortung gibt es vor haupt­säch­lich vier Punkte zu berück­sich­ti­gen: Angebot und Nachfrage, Ranking, Konkurrenz‐Preise und die Rückstufung.

Angebot und Nachfrage

Es ist ein ein­fa­ches markt­wirt­schaft­li­ches Prinzip: Angebot und Nachfrage regeln den Preis. Dieser wird durch die Credits gesteu­ert. Das heißt ver­ein­facht: Wer sehr gene­ri­sche Motive foto­gra­fiert, die viel Konkurrenz haben, zum Beispiel frei­ge­stell­te jun­ge Damen oder Obst oder nied­li­che Katzen, der soll­te bei einem Credit blei­ben. Wer auf­wän­di­ge­re Shootings macht, die nicht so leicht zu kopie­ren sind, kann auch zwei Credits anset­zen und wenn die­se Motive dann noch stark nach­ge­fragt wer­den, sogar drei Credits. Ich habe das mal in eine Kreuzmatrix gefasst:

Auch der eige­ne Verdienst soll­te etwas berück­sich­tigt wer­den. Ich habe mal einen zwei­tei­li­gen Test gemacht (sie­he hier und hier), der gezeigt hat, dass man trotz weni­ger Downloads mit höhe­ren Credit‐Preisen mehr ver­dient. Demnach wür­de es ja für jeden sinn­voll sein, die Preise so hoch wie mög­lich anzu­set­zen? Nein. Denn auch die fol­gen­den Faktoren spie­len eine Rolle.

Das Ranking

Bei Fotolia stei­gen die Fotografen umso höher im Ranking, je mehr Fotos sie ver­kauft haben. Mit jeder wei­te­ren Ranking‐Stufe erhal­ten sie mehr Prozent vom Verkaufspreis (erkenn­bar als „Lizenzgebühr“ in der ers­ten Grafik oben). Die Fotografen begin­nen bei 20% und kön­nen bis 46% erhal­ten. Wer sei­ne Fotos nicht mit dem Startpreis von 1 Credit, son­dern mit 2 oder 3 anbie­ten will, soll­te beden­ken, dass die­se Bilder dann sel­te­ner ver­kauft wer­den. Das ist unter dem Strich durch den dop­pel­ten Verkaufspreis zwar trotz­dem lukra­tiv, aber zu beden­ken ist, dass der Fotograf auch mit jeder höhe­ren Ranking‐Stufe zwi­schen zwei bis sechs Prozentpunkte mehr Umsatz erhält. Auch dadurch erhält der Fotograf mehr Geld.

Meine Empfehlung ist daher, dass min­des­tens bis zum Erreichen des Gold‐Status die Preise bei 1 Credit belas­sen wer­den soll­ten. Danach kann man selbst ent­schei­den, ob es sinn­voll ist, zu ver­su­chen, die nächst­hö­he­re Stufe durch mehr Verkäufe errei­chen zu wol­len, oder lie­ber direkt mehr abkas­siert. Nicht ganz so rele­vant, aber unter ungüns­ti­gen Bedingungen ent­schei­dend sind zwei wei­te­re Punkte.

Konkurrenz‐Preise

Fotolia weist Anbieter ab dem Smaragd‐Ranking auf eine „Anpassung der Preisgestaltung“ hin:

Erhält Fotolia Kenntnis, dass ein nicht exklu­si­ver Anbieter des Levels „Smaragd“ oder höher im Fotolia Ranking sei­ne Bilder, Vektoren oder Videos (die „Werke“) über ande­re Stockagenturen oder Webseiten ver­treibt (von denen min­des­tens eini­ge Werke die sel­ben sind wie die über Fotolia ange­bo­te­nen), und sind die für die­se Werke erho­be­nen Downloadpreise der ande­ren Stockagenturen oder Webseiten im Vergleich nied­ri­ger als die für das Level „Weiss“ im Fotolia Ranking gel­ten­den Downloadpreise, dann behält sich Fotolia gemäß der anwend­ba­ren Gesetze vor, die Preise nach eige­nem Ermessen und ent­spre­chend der Konditionen für Anbieter mit dem Level „Weiss“ im Fotolia Ranking anzu­pas­sen. Im Rahmen der anwend­ba­ren Gesetze ist Fotolia berech­tigt aber nicht ver­pflich­tet, sich von Zeit zu Zeit zu erkun­di­gen, ob ein­zel­ne Anbieter des Levels „Smaragd“ oder höher im Fotolia Ranking ihre Werke über ande­re Stockagenturen oder Webseiten ver­trei­ben, wobei die­se Anbieter ver­pflich­tet sind, Fotolia unmit­tel­bar auf Anfrage mit die­sen Informationen zu ver­sor­gen.“

Wer also bei Fotolia das Smaragd‐Ranking erreicht hat und sei­ne Bilder für 2 oder 3 Credits anbie­tet, gleich­zei­tig aber Bildagenturen belie­fert, die für die XXL‐größe weni­ger als 10 Euro/Credits ver­lan­gen, könn­te von Fotolia auf das Level „Weiß“ zurück­ge­stuft wer­den. Preislich betrifft das zum Beispiel Agenturen wie 123rf, Canstock oder PhotoDune und nach der jüngs­ten Preissenkung sogar iStockphoto.

Es scheint von Fotolia jedoch nicht streng gehand­habt zu wer­den. In der Praxis ist nur bekannt, dass Yuri Arcurs damit gezwun­gen wur­de, von 4 Credits Startpreis auf 3 zurück­zu­schrau­ben, bevor er sich end­gül­tig zurück­zog. Diese Option soll­te man aber im Hinterkopf behal­ten. Etwas rea­ler ist dage­gen fol­gen­des Szenario:

Rückstufung wegen gerin­ger Verkäufe

Ende Juli führ­te Fotolia eine neue Änderung ein. Bilder, die sich seit sechs Monaten nicht mehr ver­kauft haben, wer­den preis­lich auf den nor­ma­len 1‐Credit‐Startpreis run­ter­ge­stuft. Nach 24 Monaten ohne Verkäufe erfolgt eine noch­ma­li­ge Preisreduzierung. Hier die Preise nach einer sol­chen Rückstufung:

Wenn sich so ein run­ter­ge­stuf­tes Bild wie­der drei Mal ver­kauft hat, wer­den die Preise wie­der auf den nor­ma­len Standard von 1 Credit bis 10 bzw. 12 Credits (ab Gold‐Ranking) gesetzt. Das heißt für die Entscheidung beim Setzen des Startpreises: Wer sein Bild zu teu­er anbie­tet, ris­kiert, dass es sich sel­te­ner ver­kauft und dann noch bil­li­ger als ohne­hin schon ange­bo­ten wird.

Wie mache ich es?

Ich las­se alle mei­ne Fotos stan­dard­mä­ßig auf 1 Credit. Nur exklu­si­ve Bilder fan­gen mit 2 Credits an. Wenn sich ein Bild beson­ders gut ver­kauft hat, min­des­tens 100x, dann set­ze ich es je nach Motiv auf 2 Credits hoch. Den Startpreis von 3 Credits darf ich ja erst seit mei­nem Erreichen des Saphir‐Rankings vor eini­gen Wochen fest­set­zen, des­we­gen habe ich damit noch kei­ne Erfahrungen gemacht.

Mit die­sen vier Faktoren im Hinterkopf soll­te jetzt jeder in der Lage sein, selbst ent­schei­den zu kön­nen, wel­cher Startpreis für wel­che Bilder der rich­ti­ge ist.

Wie macht ihr das? Nach wel­chen Kriterien legt ihr eure Startpreise fest?

Fotolia ändert Mechanismus für Preissenkungen

Ich hin­ke wie­der etwas hin­ter­her, aber viel­leicht haben eini­ge es ja noch nicht bemerkt: Fotolia hat den Mechanismus für Preissenkungen geän­dert. Was genau sich geän­dert hat und wel­che Auswirkungen das hat, will ich heu­te beleuch­ten.

Vor ziem­lich genau drei Jahren ent­schied sich Fotolia, die Bildpreise für Fotos, die sich inner­halb der letz­ten 12 Monate nicht ver­kauft haben, her­ab­zu­set­zen, in der Hoffnung, dass sich durch den güns­ti­ge­ren Preis doch noch Käufer für die­se Bilder ent­schei­den wür­den. Die Bildpreise wur­den dann auf 1 Credit für die Größe XS bis hin zu 10 Credits für die XL‐Größe. Wenn sich ein Bild dann 5x ver­kauft hat­te, bestand die Möglichkeit, die Preise wie­der selbst anzu­he­ben.

Diese Regelung traf vor allem Anbieter, wel­che ihre Fotos mit dem Startpreis von 2 oder 3 Credits ange­bo­ten hat­ten, denn die Creditspanne von 1–10 Credits war iden­tisch wie beim Startpreis von einem Credit.

Ende Juli schick­te Fotolia die­se kur­ze Mail an alle Anbieter:

Sehr geehr­te Anbieter,

um auch Bildern, die seit 6 Monaten nicht ver­kauft wur­den, eine Chance zu geben, haben wir uns ent­schlos­sen, die Verkaufspreise anzu­pas­sen.

Nach 6 Monaten ohne Verkauf wer­den die Preise wie folgt ver­än­dert:

- XS & S = 1 Credit
– M & L = 2 Credits
– XL, XXL & V = 3 Credits

Diese Preisanpassung wird sicher­lich dazu bei­tra­gen, neue Käufer für Ihre Dateien zu fin­den und so Gewinn zu gene­rie­ren.

Nach drei Verkäufen wird der Preis auto­ma­tisch zurück­ge­setzt und Sie haben wie­der die Möglichkeit, die Preise zu ändern.

Mit freund­li­chen Grüßen
Ihr Fotolia Team“

Die Aufregung in den Foren war groß, einer­seits, weil die Änderung 1–2 Tage vor der Email unan­ge­kün­digt in Kraft trat, ande­rer­seits weil das für den Fotografen im ungüns­tigs­ten Fall eine Preissenkung von fast 92% bedeu­tet hät­te. Im Schnitt über alle Ranking‐Stufen und Bildgrößen hin­weg ergä­be die obi­ge Änderung eine Preissenkung von fast 74%.

Hier wur­de aber nach ca. zwei Tagen schnell zurück­ge­ru­dert. Statt der 1–2-3-Credits wur­den die Credits etwas mode­ra­ter gesenkt und zwar wie in der fol­gen­den Tabelle in der Spalte „6 Monate unver­kauf­te Bilder (aktu­el­le Änderung)“ erkenn­bar ist. Kommuniziert wur­de die­se noch­ma­li­ge Änderung jedoch lei­der nicht Bei der neu­en Preissenkung gibt es im Schnitt „nur“ noch ca. 60% Rabatt.

Die ande­ren Spalten zei­gen an, wie die Credit‐Preise je nach Startpreis und Ranking‐Stufe bei Fotolia nor­ma­ler­wei­se ver­teilt sind. Exklusive Fotografen dür­fen die Startpreise schon ab dem Silber‐Level höher anset­zen, bei nicht­ex­klu­si­ven Bildern dür­fen die Preise erst ab dem Gold‐Level ange­ho­ben wer­den.

Was bedeu­tet das nun für die Fotografen?

In der zwei­ten Tabelle (sie­he oben) ist zu sehen, um wie­viel Prozent die Preise mit der aktu­el­len Änderung gekürzt wer­den, wenn sich ein Bild inner­halb von sechs Monaten nicht ver­kauft hat. Ich habe die „Rabatte“ je nach Stärke farb­lich mar­kiert. Deutlich erkenn­bar ist, dass die Fotografen mit einem höhe­ren Ranking stär­ker betrof­fen sind als die Fotografen in den unte­ren Stufen. Das ist ver­mut­lich gewollt, weil die­se Fotografen län­ger dabei sind und sich damit auch mehr Bilder ansam­meln kön­nen, die sich nicht so oft ver­kau­fen.

Auch exklu­si­ve Fotografen sind stär­ker betrof­fen als nicht­ex­klu­si­ve Fotografen, weil die­se ihre Startpreise oft höher anset­zen und somit der Preisverfall teil­wei­se dop­pelt so stark ist (z.B. 83,33% im Vergleich zu 40%).

Negativ ist auch: Die Frist von nur sechs Monaten ohne Bildverkauf ist rela­tiv gering. Ein Kollege mein­te sinn­ge­mäß kürz­lich: „Da wer­den sich die Käufer von Weihnachtsbaum‐Bildern aber freu­en“. Obwohl ich kaum sai­so­na­le Bilder im Angebot habe, habe ich aber bei­spiels­wei­se etli­che Weihnachtsbilder, die sich jedes Jahr 6 Monate nicht ver­kau­fen und dann wie­der eini­ge Monate hin­ter­ein­an­der:

Auswertung eines mei­ner Weihnachtsmotive mit­tels Stockperformer

Positiv hin­ge­gen sind zwei ande­re Dinge: Einerseits wur­de die Schwelle gesenkt, ab der die Bilder wie­der zum Normalpreis ange­bo­ten wer­den. Waren frü­her fünf Verkäufe nötig, sind es jetzt nur noch drei. Außerdem geschieht jetzt die Rücksetzung des Preises auto­ma­tisch, wäh­rend frü­her das bei jedem Bild selbst gemacht wer­den muss­te. Die Rücksetzung erfolgt jedoch auf den Startpreis mit einem Credit. Wer stan­dard­mä­ßig höhe­re Startpreise ver­gibt, muss das wei­ter­hin manu­ell machen. Eine klei­ne Hilfe ist da das Greasemonkey‐Skript „Dashboard anpas­sen“ von Fotogestoeber. Die ande­ren Vorteile die­ser Skripts hat­te ich hier schon mal erläu­tert.

In der Praxis habe ich aktu­ell ca. 1% Verkäufe mit Bildern, die von die­ser Preissenkung betrof­fen sind. Das ist rela­tiv wenig, weil es eben wirk­lich alte Bilder sind, die sich bis­her nur schlep­pend ver­kauft hat­ten. Deshalb sind finan­zi­el­le Einbußen bei mir zumin­dest dadurch kaum zu spü­ren. Fotografen jedoch, die sich auf sai­so­na­le Motive spe­zia­li­siert haben, wer­den hier sicher mehr Federn las­sen müs­sen.

Update 20.08.2013:
Wie es scheint, hat Fotolia eine zwei­te Änderung vor­ge­nom­men, ohne per Rundschreiben dar­über zu infor­mie­ren. Jetzt gilt aktu­ell:

Wird ein Werk inner­halb von 6 Monaten (180 Tagen) nicht ver­kauft, wer­den die Verkaufspreise auto­ma­tisch ent­spre­chend der ange­führ­ten Preistabelle auf den Mindestpreis gesetzt. Wird die Datei inner­halb von 6 Monaten drei mal ver­kauft, kön­nen die Preise wie­der aktua­li­siert wer­den. Die Verkaufspreise einer Datei wer­den nach 24 Monaten (720 Tage) ohne Verkauf auf fol­gen­de Preise gesetzt: XS = 1 credit, S = 2 credits, M = 3 credits, L = 4 credits, XL = 5 credits, XXL = 6 credits. Wird die Datei inner­halb von 24 Monaten drei mal ver­kauft, wer­den die Verkaufspreise auto­ma­tisch ent­spre­chend der ange­führ­ten Preistabelle auf den Mindestpreis gesetzt. Erfolgen die drei Verkäufe inner­halb von 6 Monaten, erhält der Anbieter erneut die Gelegenheit, die Preise selb­stän­dig anzu­pas­sen.“

Das heißt, wird ein Werk inner­halb von sechs Monaten nicht ver­kauft, wird es erst auf den Basispreis von 1 Credit run­ter­ge­stuft (sie­he die ers­ten bei­den Spalten oben in mei­ner Tabelle). Erst nach zwei Jahren ohne Verkäufen tritt die dras­ti­sche­re Preissenkung in Kraft.

Wie wirkt sich die­se Änderung bei euch aus?

Fortsetzung meines Preiserhöhung‐Tests bei Fotolia

Am ers­ten März hat­te ich ein Experiment gewagt.

Ich hat­te zwei mei­ner Bestseller‐Fotos bei Fotolia vom Startpreis mit 1 Credits auf 2 Credits gesetzt. Damit woll­te ich sehen, wel­chen Effekt der damit dop­pel­te Preis für das Kaufverhalten der Bildsucher hat.

Über die ers­ten Ergebnisse habe ich hier im Blog berich­tet.

Am Test gab es in den fol­gen­den Kommentaren vor allem zwei berech­tig­te Kritikpunkte. Erstens war die getes­te­te Bildmenge nicht groß genug (mein Portfolio ist ja zum Verkaufen, nicht zum Experimentieren da) und zwei­tens hat­te ich als ers­ten Monat der Preiserhöhung den März gewählt, der jedoch bei fast allen Fotografen immer mit Abstand der bes­te Monat ist, was die Ergebnisse hät­te ver­zer­ren kön­nen. Außerdem wur­de ver­mu­tet, dass vie­le Bildkäufer das Bild schon in ihrer Lightbox gehabt haben könn­ten und dann trotz des höhe­ren Preises gekauft haben und das ansons­ten viel­leicht nicht getan hät­ten.

Deshalb habe ich mir die Zahlen jetzt, nach drei wei­te­ren Monaten mit dem höhe­ren Startpreis noch mal ange­schaut, die Auswertung erfolg­te wie­der mit Stock Performer:

Hier das ers­te Bild. Die blau­en Balken bezeich­nen die Umsätze mit dem Foto, die rote Linie zeigt die Verkäufe an. Jeder Balken weist einen Monat aus, dem­nach ist der drit­te dun­kel­blaue Balken der Monat März. Im März, dem Monat der Preiserhöhung, sind sowohl Umsätze als auch Verkäufe deut­lich gestie­gen. Die nächs­ten drei Monate sahen jedoch – wie mei­ne Leser rich­tig ver­mu­tet haben – ganz anders aus. Die Verkäufe gin­gen merk­lich zurück, sta­bi­li­sie­ren sich gera­de aber wie­der. Das wich­tigs­te jedoch ist: Die Umsätze sind trotz der Preiserhöhung wei­ter­hin über den Umsätzen mit dem 1‐Credit‐Startpreis geblie­ben.

Ähnlich sieht es bei dem zwei­ten Testbild aus:

Die Verkäufe sind nach der Preiserhöhung gefal­len, sta­bi­li­sie­ren sich aber wie­der. Die Umsätze lagen aber eben­falls höher als vor der Preiserhöhung.

Das Resultat? Wer die Preise sei­ner Bilder erhöht, wird unter dem Strich weni­ger Verkäufe haben, aber trotz­dem etwas mehr Einnahmen. Den Einfluss der Verkäufe auf das Ranking und den Suchalgorithmus, den ich im ers­ten Test‐Artikel beschrie­ben habe, soll­te man bei sei­ner Entscheidung für oder gegen eine Preiserhöhung jedoch berück­sich­ti­gen.

Soweit alles klar? Leider nicht ganz. Hier ist die Ansicht eines ähn­li­chen Fotos aus der Serie, wel­ches sich eben­falls ganz gut ver­kauft und wo ich den Startpreis auf 1 Credit gelas­sen habe:

Wie ihr seht, fla­chen auch hier ab März ganz leicht die Verkäufe ab, wenn auch nicht in dem Maße wie bei den bei­den teu­re­ren Fotos. Der Umsatz jedoch ist seit März (eigent­lich ab Januar schon) stark gestie­gen und hat sich mehr als ver­dop­pelt. Woran liegt das? Ich kann nur raten. Im Juni hat Fotolia die Preise unter ande­rem bei mir wegen mei­nes Smaragdt‐Status für grö­ße­re Bildgrößen um ca. 20% ange­ho­ben, was den star­ken Ausschlag im Juni erklä­ren könn­te. Vielleicht haben auch die Bildkäufer auf güns­ti­ge­re Bilder der glei­chen Fotoserie umge­schwenkt? Es blei­ben noch eini­ge Fragen offen.

Für mich bleibt immer­hin die Feststellung, dass höhe­re Bildpreise im Schnitt mehr Einnahmen, aber weni­ger Verkäufe brin­gen.

Welche Erfahrungen habt ihr mit Preisänderungen gemacht?

Fotolia senkt Fotografenhonorare und ändert Abo‐Modelle

Heute hat die Microstock‐Bildagentur Fotolia die drit­te Version (V3) ihrer Webseite online gestellt. Was gibt es für Änderungen für Fotografen und Bildkäufer?

Die größ­ten Änderungen betref­fen die Abo‐Modelle. Bisher gab es ein „nor­ma­les“ und ein „Premium“-Abo. Bei ers­te­rem konn­te man Bilder bis Größe L run­ter­la­den, bei letz­te­ren bis zur Originalgröße (also XXL). Beide Modelle wur­den jetzt zusam­men­ge­fasst.

Die schlech­te Nachricht zuerst:

Fotografen bekom­men jetzt im Schnitt weni­ger Geld für Abo‐Verkäufe. Der User ToniFlap hat sich hier im Forum Microstockgroup die Mühe gemacht, die alten und neu­en Honorare mit­ein­an­der zu ver­glei­chen:

Den Diamant‐Status unten hat bis­her noch kei­ner erreicht und nur Yuri Arcurs hat den Rubin‐Status geschafft. Wenn ich das Verhältnis mei­ner Abo‐Verkäufe zugrun­de lege, lie­ge ich sicher rich­tig, wenn ich behaup­te, dass jeder Fotolia‐Fotograf von die­sen Kürzungen betrof­fen ist.

Besonders betrof­fen sind Künstler, die Vektor‐Grafiken lie­fern. Die alte Regelung war, dass im Abo jeder Vektor‐Download wie 3 Foto‐Downloads zählt, jetzt ist es nur noch wie ein Download. Wer zum Beispiel als Silber‐Kontributor frü­her für ein Vektor‐Abo‐Download 96 Cent erhielt (3 x 32 Cent), erhält jetzt nur noch 29 Cent. Das sind ca. 70% weni­ger!

Die gute Nachricht ist, dass HD‐Videos jetzt nicht mehr im Abo erhält­lich sind. Im Abo kön­nen jetzt nur noch Web‐Größen run­ter­ge­la­den wer­den, jeder Download zählt jetzt als 5 statt wie bis­her als 10 Foto‐Downloads. Das „Verschleudern“ hoch­wer­ti­ger HD‐Aufnahmen zu Abo‐Preisen hat­te bis­her vie­le Videografen abge­hal­ten, Fotolia zu belie­fern.

Mit Mitgliedsbereich hat sich auch eini­ges ver­scho­ben und geän­dert. Schön fin­de ich die Organisation der Ordner, die jetzt nicht mehr auf jeder Seite den Blick auf die Dateien ver­sper­ren. Neu ist auch die Möglichkeit, die gesam­mel­ten Statistiken als CSV‐Datei zu expor­tie­ren. Blöd fin­de ich hin­ge­gen, dass im Mitgliedbereich die Thumbnails nicht mehr ver­grö­ßert wer­den, wenn mit der Maus drü­ber­ge­fah­ren wird und der rote Punk bei Dateien, die nicht exklu­siv sind, wirkt ver­wir­rend, weil er leicht mit der Markierung für abge­lehn­te Bilder zu ver­wech­seln ist. Außerdem hät­te ich mir deut­lich kom­for­ta­ble­re Statistik-Funktionen gewünscht, zum Beispiel die Gesamteinnahmen pro Bild oder pro Bildserie einer Galerie. Verschwunden ist übri­gens auch still und lei­se die Ranking‐Übersicht mit den Fotografen, die am meis­ten ver­kau­fen.

Für Bildkäufer hin­ge­gen gibt es nur posi­ti­ve Änderungen zu ver­mer­ken. Im Suchfeld sind jetzt die übli­chen Booleschen Operatoren wie AND, OR, NOT und Klammern für kom­bi­nier­te Operationen mög­lich. Damit sind bei­spiels­wei­se Abfragen wie „Gruppe AND Frauen NOT (Babys OR Kinder OR Mann)“ mög­lich, um nur Bilder von Frauengruppen ange­zeigt zu bekom­men.

Außerdem gibt es nun einen Preis‐Filter, mit dem die Bilder mit Startpreisen von 2 oder 3 (statt 1) Euro aus­ge­blen­det wer­den kön­nen. Das ist gut für Käufer, kann aber vor allem für exklu­si­ve Fotografen nach­tei­lig sein, die alle ihre Bilder mit 2 oder 3 Credits anbie­ten.

Ich hat­te ver­sucht, her­aus­zu­fin­den, ob sich die Abo‐Preise für Bildkäufer selbst geän­dert haben, habe aber noch nichts gefun­den. Vielleicht könnt ihr das in den Kommentaren nach­tra­gen, falls ihr den Preis eines bis­he­ri­gen Abo‐Modells wisst.

Was für Änderungen sind Euch noch auf­ge­fal­len und wie fin­det ihr die Änderungen?

Update 18.8.2011: Mario von Fotolia wies mich dar­auf hin, dass die Abrechnung der Abo‐Downloads davon abhän­ge, ob es ein Abo mit Tages‐ oder Monats‐Downloadlimit sei oder mit einem Jahres‐Downloadlimit. Die genaue Übersicht fin­det ihr hier.