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Podcast eines Fotoproduzenten Folge 17 – Interview mit Creative Director Roman Härer von der Bildagentur plainpicture

Als drit­te Station mei­ner Hamburg‐Reise steue­re ich das Büro der Bildagentur plain­pic­tu­re an und tref­fe mich dort mit deren Creative Director Roman Härer zu einem aus­führ­li­chen Gespräch.

Wir reden über die Gründung und Anfangszeit der Agentur, Gründe für Bildablehnungen, Themen‐Trends und las­se mir Tipps für die Fotografenbewerbung bei der Agentur geben:

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Beispielbilder aus dem Portfolio von plain­pic­tu­re:

© plainpicture/Delia Baum
© plainpicture/Elise Ortiou Campion
© plainpicture/Eva‐Marlene Etzel
© plainpicture/Jana Kay
© plainpicture/Karoliina Norontaus
© plainpicture/Lisa Krechting
© plainpicture/miep
© plainpicture/Philippe Leroux
© plainpicture/Willing‐Holtz

SHOWNOTES:
Webseite von plain­pic­tu­re
Instagram‐Kanal von plain­pic­tu­re

Emanzipation durch Bildagenturen?

Lange gal­ten Bildagenturen als reak­tio­nä­rer Hort ver­al­te­ter Bildklischees, die nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben. Wir spa­ren uns jetzt mal den Link auf den Haufen Tumblr‐Blogs, die nichts ande­res machen, als „awk­ward stock pho­tos“ oder „Stock Photo Clichés“ zu sam­meln.

Der klas­si­sche Handschlag. Geht immer.

In letz­ter Zeit jedoch ver­su­chen Bildagenturen ver­mehrt, ihr Image als Hüter ver­al­te­ter Bildsprache abzu­strei­fen. Das geschieht auf zwei Arten.

Einerseits gibt es Bestrebungen, zu reak­tio­nä­re oder offen­si­ve Bildsprache nicht neu in das Agentur‐Portfolio auf­zu­neh­men, ande­rer­seits wer­den Kampagnen gestar­tet, mit denen Bilder kre­iert wer­den sol­len, die näher an der Lebenswirklichkeit sind. Authentisch halt.

Als Beispiele für den ers­ten Trend kann zum Beispiel der Vorstoß von Shutterstock gel­ten, kei­ne Affenbilder in unna­tür­li­chen Posen mehr anzu­neh­men. Dazu zählt zum Beispiel das Tragen von Kleidung, Hüten oder Sonnenbrillen durch Menschenaffen, Aufnahmen die­ser Tiere in Studioumgebung oder aus dem Zirkus, das Zeigen unna­tür­li­cher Verhaltensweisen wie Tanzen oder das Händchenhalten mit Menschen.

Getty Images und iStock leh­nen seit einer Weile Nacktbilder ab, wenn sie zu kli­schee­haft, obszön, ste­reo­ty­pisch oder sexis­tisch sind. Der vol­le Wortlaut der Ablehnungen lau­tet:

Getty Images and iStock by Getty Images does accept artis­tic par­ti­al and full nudi­ty in pho­to­gra­phy. However, we reser­ve the right to reject/deactivate any image, inclu­ding images that we feel are cli­chéd, overtly ste­reo­ty­pi­cal, too expli­cit, ver­ge on the por­no­gra­phic, obs­ce­ne or rep­res­ents gen­der roles in a sexist man­ner. We may also reject/deactivate images in the­se cate­go­ries that we feel are not com­mer­ci­al­ly via­ble.“

Aus den Forumsberichten von Fotografen lässt sich schlie­ßen, dass damit zum Beispiel Bilder gemeint sind, auf denen Frauen unter­wür­fig dar­ge­stellt sind oder wo die Nacktheit nichts mit dem sons­ti­gen Bildinhalt zu tun hat. Beispielhaft sei hier das „Sexy Santa“-Klischee genannt, wo halb­nack­te Frauen mit Weihnachtsmütze auf dem Kopf einen Weihnachtsmann oder Weihnachtsengel dar­stel­len sol­len.

Um Bilder mit moder­ne­rer Bildsprache und dis­kri­mi­nie­rungs­frei­en Inhalten zu erhal­ten, gibt oder gab es eini­ge Kampagnen sei­tens der Bildagenturen. Getty Images star­te­te das Projekt „Repicturing Homelessness“, bei der Obdachlose als Models for Stockfotos her­hal­ten und die Verkaufserlöse gespen­det wer­den. Dem Branchenmagazin Horizont gegen­über sag­te Paul Foster, Senior Director Creative Content bei Getty Images:

Wir wis­sen, wie sehr Bilder zur Schaffung, aber auch zum Abbau von Stereotypen bei­tra­gen kön­nen und sehen die­se Zusammenarbeit als Chance, die der­zei­ti­ge Wahrnehmung zu hin­ter­fra­gen und das Bewusstsein für Obdachlose zu stär­ken.“

Außerdem arbei­te­te Getty Images 2017 mit der Campaign Against Living Miserably (CALM) zusam­men, um die Bildwelten rund um „men­ta­le Krankheiten“ neu zu den­ken.

Der letz­te Workshop von Adobe Stock in Berlin im November 2017 stand unter dem Motto „Frauen/Bilder“. Dort wur­den meh­re­re Plus Size‐Models für das Shooting gebucht, um der „Body Positivy“ Rechnung zu tra­gen.

Eins der fer­ti­gen Bilder  aus dem Frauen|Bilder-Workshop von Adobe Stock (Foto: Fabio/Adobe Stock)

Auch Shutterstock hat den Kampf um Frauenrechte und fri­sche Bilder dazu als einen der „Creative Trends“ für 2018 aus­ge­macht. Passend dazu ist „Masculinity Undone“ einer der visu­el­len Trends 2018 laut Getty Images.

Die Münchner Bildagentur Westend61 fei­ert für die­ses Jahr die Rückkehr der „Lohas“ (Lifestyles of Health and Sustainability) mit sau­be­rer Technik und ethi­schem Konsum in ihrem Trendreport.

Die Zeiten, in denen ein Motiv als „out“ galt, sobald es sich in den Bildagenturen durch­ge­setzt hat, sind vor­bei. Die Agenturen ach­ten dar­auf, den Anschluss an moder­ne Bildsprachen nicht zu ver­lie­ren oder die­se sogar gleich selbst mit­zu­prä­gen. Ob das gelingt, wird sich zei­gen.

Der Widerspruch zwischen Originalität und Verkäuflichkeit

Immer wie­der heißt es von Bildagenturen und bei Bildkäufern: „Wir wol­len krea­ti­ve und ori­gi­nel­le Bildideen“ oder „Wir suchen ‚ech­te Menschen‘, kei­ne Models“.

Aber wenn ich mir mei­ne Verkäufe anschaue, domi­nie­ren die klas­si­schen Motive: Business‐Leute am Handy, Daumen hoch, Händeschütteln und so wei­ter. Ja, ich ver­kau­fe sogar noch rela­tiv neue Fotos von lachen­den Frauen mit Headset, obwohl jede Microstock‐Agentur davon min­des­tens 10.000 tech­nisch per­fek­te Motive in allen Varianten hat. Da gibt es einen Widerspruch.

In den Kommentaren zu mei­ner Fotosession mit vier jun­gen Frauen klang der Vorwurf an, dass die­se Bilder nicht ori­gi­nell sei­en. Ich zitie­re: „…irgend­wie nur Kopien von Kopien die­se Kopien, oder?“ Vollkommen zutref­fend. Ich wür­de nie behaup­ten, dass ich mit die­sen Fotos die Bildsprache um eine neue Facette berei­chert hät­te.

Umso erstaun­ter war ich, dass sich die Fotos bei Fotolia, Dreamstime, BigStock, 123rf (bei Shutterstock sowie­so) usw. teil­wei­se sogar nur weni­ge Stunden nach dem Freischalten ver­kauft haben – mehr­mals. Das ist selbst bei mir nicht üblich.

Ähnliche Beobachtungen macht auch Stephen Gibson in sei­nem lesens­wer­ten Blog‐Beitrag „The Ten Commandments of Microstock Photography“ unter Punkt 6 und in den Kommentaren. Die Käufer suchen immer neu­es Material, aber wenn es hart auf hart kommt, gehen sie lie­ber auf Nummer Sicher und kau­fen die Motive, die schon hun­der­te ande­re Firmen vor ihnen gekauft haben.

Trotz der hän­de­rin­gen­den Appelle der Bildagenturen ist es auch nicht ein­fach, unge­wöhn­li­che Bilder in das Portfolio zu krie­gen. Vor allem bei Microstock‐Agenturen wird bevor­zugt abge­lehnt, was nicht dem typi­schen „In die Kamera lächeln“ ent­spricht. Obiges Foto ist ein Beispiel, aber auch vie­le ande­re Foto, auf denen Dinge – absicht­lich – das Gesicht ver­de­cken, haben viel gerin­ge Chancen, ange­nom­men zu wer­den. Vor eini­gen Wochen tele­fo­nier­te ich mit einem Bildagentur‐Mitarbeiter, der sich Fotos von jubeln­den Menschen wünsch­te – aber von hin­ten auf­ge­nom­men. Das gäbe es kaum. Kein Problem, habe ich umge­setzt. Nur wur­de das Foto über­durch­schnitt­lich oft wegen „gerin­ger Verkaufschancen“ abge­lehnt.

Ich ver­mu­te, der Knackpunkt ist fol­gen­der:

Das Bildagentur‐Geschäft ist ein Massenmarkt. Je nied­ri­ger die Preise sind, des­to wich­ti­ger ist es für Fotografen, ein Foto mög­lichst häu­fig zu ver­kau­fen. Die Kunden haben sich an Preise ab ein Euro gewöhnt, was dazu führt, dass auch mehr Bilder ins­ge­samt gekauft wer­den. Für die meis­ten Zwecke fin­den sich auch aus­rei­chend Motive – zahl­rei­che Billigzeitschriften am Kiosk, die aus­schließ­lich mit Fotos aus einem Bilder‐Abo gespeist wer­den, bewei­sen das. Aber wenn dann ein sel­te­nes, ver­rück­tes Bild gesucht wird, fin­den die Käufer es nicht in den Microstock‐Agenturen und ver­lan­gen nach fri­schen, unge­wöhn­li­chen Bildideen – zu Microstock‐Preisen.

Dabei ist es manch­mal viel­leicht ein­fa­cher, mit dem gespar­ten Geld einen Auftrag an einen Fotografen zu ver­ge­ben. Die Outtakes wer­den dann an Bildagenturen gelie­fert, dort… ach nein, das gab es ja schon mal.

Was meint ihr? Was sind Eure Erfahrungen mit unge­wöhn­li­chen Bilder und Käuferwünschen?

Stockfotografie‐News 2010‐06‐18

Es ist schon komisch:

Da fah­re ich für zwei Wochen in die Alpen und schrei­be eini­ge Artikel vor, damit ihr genug zu lesen habt. Das klapp­te wun­der­bar, aber als ich wie­der­kam, gab es so viel ange­fal­le­ne Arbeiten zu erle­di­gen, dass ich für den Blog kei­ne Zeit fand. Das ist hier­mit offi­zi­ell vor­bei.

Den Startschuss machen die gesam­mel­ten Freitags‐News, wei­ter geht es dann bald mit eini­gen Fotos unse­rer Trekking‐Tour, der Review des Fotolia‐Workshops und mehr. Ihr sollt ja nicht den­ken, ich wür­de nicht mehr zu arbei­ten brau­chen… 🙂

  • Die Bildagentur Shutterstock hat eini­ge neue Funktionen für das Hochladen von Bildern ein­ge­führt. Jetzt gibt es einen Zähler, der anzeigt, wie vie­le Keywords bis­her bei einem Foto ver­ge­ben wur­den, es kön­nen jetzt auch nur Teile einer Bildlieferung bear­bei­tet wer­den statt wie bis­her nur die gesam­te Lieferung auf ein­mal und even­tu­el­le Fehlermeldungen wer­den jetzt auf der Seite ange­zeigt, auf der die­se Fehler gleich beho­ben wer­den kön­nen. Vor allem die ers­ten bei­den Funktionen habe ich mir lan­ge gewünscht und ich freue mich, dass sie nun da sind.
  • Auch für die Bildkäufer hat Shutterstock eini­ge Verbesserungen. So ist es nun mög­lich, Suchen zu spei­chern und sich per Mail über neue Bilder zu den gewünsch­ten Suchbegriffen infor­mie­ren zu las­sen. Auch Indexierung neu­er Bilder in den Katalog geht schnel­ler und die Sortierung „Beliebte Ergebnisse“ soll wei­ter ver­bes­sert wor­den sein.
  • Shutterstock Teil 3: Nach dem Kauf der Agentur Bigstock gibt es dort wie­der paar Verbesserungen zu mel­den: Die Umsatzzahlen der Fotografen kön­nen jetzt gra­fisch dar­ge­stellt wer­den und es gibt hilf­rei­che Verkaufstatistiken der ein­zel­nen Bilder.
  • Im Forum der Model‐Kartei fand ich die­sen Link zu einer Seite, wel­che bei der Farbkalibrierung des Monitors hilft. Besonders die Gamut‐Visualisierung in der Mitte der Seite ist ein ein­fa­ches und nütz­li­ches Tool, um schnell zu sehen, ob ein Monitor über­haupt genug Farben dar­stel­len kann, um dar­an ver­bind­lich zu arbei­ten. Mein Schreibtisch‐Monitor (Eizo) hat den Test glän­zend bestan­den, mein Laptop‐Monitor (Samsung) wie zu erwar­ten lei­der nicht.
  • Fast hat­te ich mich nach mona­te­lan­gen Überlegungen für ein Dauerlicht für Videoaufnahmen ent­schei­den, da kommt Sam und macht einen Dauerlicht‐Test in sei­nem Blog, der mei­ne gan­zen Überlegungen zunich­te macht. Leider ange­säu­ert, aber den­noch ehr­lich sage ich des­halb: „Danke, Sam“.
  • Photocase hat sei­ne Nutzungsbedingungen leicht geän­dert. Für deut­sche Kunden wird jetzt bei Credits die Mehrwertsteuer aus­ge­wie­sen, es ist auch ein Einzelkauf von Bildern mög­lich, ohne vor­her Credits kau­fen zu müs­sen und die Bilder wer­den etwas teue­rer – im Durchschnitt steigt der Preis pro Credit um 22 Cent.
  • Auf dem dies­jäh­ri­gen Treffen des Art Directors Club (also die Leute, wel­che Stockfotos wirk­lich kau­fen) befrag­te Polylooks eini­ge Kreative, wel­che Trends es in der Bildsprache geben wer­de. Die Antworten sind lei­der so öde wie vor­her­seh­bar: Alle reden von der „neu­en Echtheit“, von Authentizität und „kein Photoshop mehr“. Komisch, trotz­dem ver­kau­fe ich wei­ter­hin mehr Fotos von schö­nen, gestyl­ten Menschen als wel­che mit nor­mal wir­ken­den Personen.
  • Es gibt immer noch Leute, die auf den fah­ren­den Zug sprin­gen: Neu sind die bei­den Bildagenturen Gallery Stock (Macrostock) und Stockfresh (Microstock). Letztere Agentur ist übri­gens von der „Dream Group“, den glei­chen Leuten, die vor neun Jahren die Bildagentur StockXpert ins Leben rie­fen und dann 2009 an Getty Images ver­kauf­ten. Vielleicht ist das das Geschäftsmodell der Zukunft?
  • Die neu­en Analyse‐Funktionen von LookStat sind aus dem Beta‐Stadium raus und all­ge­mein ver­füg­bar. Neu ist zum Beispiel eine Keyword‐Suche für Bildkollektionen und viel mehr Möglichkeiten, die Zeiträume der Portfolio‐Analyse ein­zu­stel­len.
  • Getty Images stellt eine App für das iPad vor, mit dem Bilder der Agentur ange­schaut und lizen­ziert wer­den kön­nen. Besonders cool: Wird das iPad geschüt­telt, wird ein zufäl­li­ges Stockfoto aus dem Agentur‐Portfolio ange­zeigt.
  • Die Bildagentur Zoonar hat ihre Webseite kom­plett neu gestal­tet. Zusätzlich wur­den auch Vektor‐Grafiken ins Angebot genom­men, Fotografen kön­nen Bilder end­lich per FTP hoch­la­den und es gibt jetzt eine Merchandising‐Lizenz, mit der Bildkäufer die Fotos auch für Produkte und Waren nut­zen kön­nen.
  • Am nächs­ten Wochenende vom 25. bis 27.7.2010 fin­det in Köln übri­gens wie­der die Karnevalsmesse InterKarneval statt. Für Fotografen ist vor allem die Auswahl an Kostümen und Verkleidungen als Requisiten inter­es­sant. Ich wer­de dort vor­bei schau­en und für Euch schau­en, ob es hilf­rei­che Accessoires gibt.


Was meint ihr zu den News? Habe ich was ver­ges­sen? Dann bit­te in den Kommentaren nach­tra­gen.

Die Macht der Stockfotografie – Eine wissenschaftliche Analyse

Vor einer Weile erhielt ich einen Anruf einen Studenten am Institut für Soziologie der Universität Münster. Er woll­te mir eini­ge Fragen stel­len über die Bildsprache in Bildagenturen. Da ich selbst Politik stu­diert habe und in mei­ner Studienzeit viel Medienanalysen betrie­ben habe, rede­ten wir eine Weile.

Jetzt ist das Ergebnis fer­tig: Eine Seminararbeit von Raphael Lavoie‐Brand mit dem Titel „Die Macht der Stockfotografie“. Ich emp­feh­le euch aus meh­re­ren Gründen, die­se Arbeit zu lesen.

Zum einen gibt es kaum wis­sen­schaft­li­che Studien zur Stockfotografie. Es gibt ent­we­der oft wirt­schaft­li­che Abhandlungen (Umsätze, Gewinne, Marketing, etc.) oder tech­ni­sche Analysen (Wie betrei­be ich eine Bildagentur oder einen Online‐Foto‐Shop etc.). Zwar gibt es auch Bildanalysen, aber die­se bezie­hen sich meist auf die gesam­te Fotografie, meist mit dem Schwerpunkt Familienfotos oder Kunstfotos.

Zum ande­ren las­sen sich selbst Arbeiten mit Titeln wie „Das Menschenbild in Bildarchiven“* (2006) zu unhalt­ba­ren Behaupten hin­rei­ßen wie: „Spannungen und Konflikte inner­halb der Familie wer­den weder von Amateurfotografen noch von der Stockfotografie fest­ge­hal­ten“ (S.31). Immerhin bezog sich die Untersuchung nur auf den klei­nen Teil der Bildagenturen in der Schweiz.

Diskussion um Hausarbeit

Die oben ver­link­te Arbeit hin­ge­gen beschäf­tigt sich anhand der Bildkonzepte „Arbeit“ und „Reichtum“ mit der Frage, ob Stockfotografie dazu bei­trägt, den herr­schen­den Status Quo zu stüt­zen oder auch alter­na­ti­ve Denkmodelle zulässt. Wer beruf­lich Stockfotos macht, soll­te des­halb ab und zu reflek­tie­ren, wie sei­ne Arbeit in der Gesellschaft ver­an­kert ist. Beispielsweise muss­te ich mit einer Freundin dar­über dis­ku­tie­ren, ob das Cover mei­nes Buches „Stockfotografie“* sexis­tisch sei und ob ich mit der Auswahl mei­ner Models gän­gi­ge Schönheitsideale stüt­zen wür­de. Das sind berech­tig­te Einwände, die ich nicht voll­stän­dig wider­le­gen kann. Zwar ver­su­che ich auch, alter­na­ti­ve Bildkonzepte wie den put­zen­den Mann, Travestie oder star­ke, selbst­be­wuß­te Frauen in mei­nen Bildern zu haben, aber die­se Motive wer­den weni­ger gekauft und sichern des­we­gen nicht mein Einkommen.

Aber um zu erken­nen, wel­che Faktoren dazu füh­ren, dass ein Fotograf bestimm­te Themen so und nicht anders umsetzt, sind wis­sen­schaft­li­che Analysen wie „Die Macht der Stockfotografie“ sehr lehr­reich. Da sie von jeman­dem geschrie­ben ist, der nicht aus der Branche kommt, ent­hält sie trotz des stim­mi­gen Unterbaus eini­ge Makel. So wird bemän­gelt, dass alle Fotos zum Thema „Arbeit“ aus­schließ­lich die klas­si­sche Erwerbsarbeit the­ma­ti­sie­ren, vor allem die Bürotätigkeit (ihr wisst schon, die klas­si­schen Fotos mit Geschäftsleuten in Anzügen an Schreibtischen).

Dabei ist das auch ein Suchproblem. Wer zum Beispiel nach „Hausarbeit“ bei Getty Images sucht, erhält über 3000 Treffer, die sowohl Freud als auch Leiden von Hausfrauen und -män­nern zei­gen. Oder wer nach „vol­un­teer“ (Freiwilliger, wegen ehren­amt­li­cher Arbeit) bei istock­pho­to oder Fotolia sucht, erhält eben­falls meh­re­re tau­send Treffer. Aber das ist nichts im Vergleich zu den hun­dert­tau­sen­den Fotos der Erwerbsarbeit.

Ähnliches gilt für das Konzept „Reichtum“. Es wird in der Studie beklagt, dass Reichtum auf die mone­tä­re Dimension beschränkt sei und auf den Fotos vor allem Geldscheine, Goldbarren, Münzen, Sparschweine, Schmuck und so wei­ter abge­bil­det sei­en. Hier liegt das Problem in den Assoziationsketten. Zwar gibt es Leute, die ihre gesun­den, glück­li­chen Kinder oder eine Katze als Haustier als Reichtum sehen, aber Fotografen wür­den von Bildagenturen zurecht abge­straft wer­den, wenn sie „Reichtum“ bei ihren Kinder‐ und Katzenfotos mit ange­ben wür­den. Diese Assoziationsleistung müs­sen Bildnutzer selbst voll­brin­gen und das machen auch vie­le. Eine Untersuchung dazu ist jedoch auf­wän­di­ger.

Ebenfalls bemän­gelt wird bei den Suchergebnissen zum Wort „Reichtum“, dass die Schattenseiten fehl­ten. Auch hier gilt jedoch, dass eine Suche nach dem Begriff „Armut“ bes­se­re Treffer gebracht hät­te. Aber die Gewichtung ist wei­ter­hin stark ungleich ver­teilt: Über 25.000 Bilder bei Reichtum, unter 4.000 Bilder zur Armut. Und selbst da gibt es vor allem ein­schlä­gi­ge fünf Klischees: Leere Hosentaschen, lee­res oder kaput­tes Sparschwein, lee­re Hände, Slums oder Obdachlose, Penner und Bettler.

Selbst wer kein Interesse an theo­re­ti­schen Hintergründen der Stockfotografie hat, kann mit sol­chen Arbeiten eini­ge Nischen ent­de­cken, die es sich foto­gra­fisch zu fül­len loh­nen wür­de. Fotos vom Ehrenamt zum Beispiel oder das Thema „Zwangsarbeit“ illus­trie­ren: Da hat selbst Getty Images nur fünf Fotos parat.

Was sagt ihr zu der Studie? Welchen Aspekten stimmt ihr zu, was seht ihr anders?

* Affiliate‐Link (Ich erhal­te bei Kauf eine klei­ne Provision, ihr zahlt nicht mehr)