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Kriterien zur Auswahl von Imagebildern (Gastartikel)

Zwei Mal schon habe ich vom Buch „Grafik und Gestaltung“ des Grafikers Markus Wäger geschwärmt. Damit ihr euch selbst vom Inhalt über­zu­gen könnt, hat mir Markus erlaubt, eine Leseprobe zu ver­öf­fent­li­chen und ich habe mir die Kapitel 5.3.5 und 5.3.6 raus­ge­sucht, die mei­ner Meinung nach für uns Stockfotografen direkt hilf­reich sind. Ich habe aber nicht alle Bilder über­nom­men, weil das zuviel gewe­sen wäre. Los geht’s, ab hier schreibt Markus:

Kriterien zur Auswahl von Imagebildern

Ich kann kei­ne ver­bind­li­chen Rezepte für die Auswahl per­fekt funk­tio­nie­ren­der Imagebilder lie­fern. Gerade wenn Menschen im Bild sind, sind die Emotionen, die sie aus­lö­sen, von Betrachter zu Betrachter ver­schie­den. Genau wie jeder ande­re Mensch reagie­re auch ich sub­jek­tiv auf die abge­bil­de­ten Personen und es ist nicht unwahr­schein­li­ch, dass Sie hier Bilder von Personen fin­den, die ich als beson­ders anspre­chend emp­fin­de, die Ihnen unsym­pa­thi­sch sind. Ich kann aber ein paar Kriterien nen­nen, die ich zur Auswahl von Bildern her­an­zie­he und die Sie als Basis für Ihre Bildbeurteilungen nut­zen kön­nen. Wie so oft gilt : Schon die bewuss­te Auseinandersetzung mit einem Gestaltungsaspekt wird Sie zu bes­se­ren Resultaten füh­ren.

Authentizität der Darsteller | Sind die Typen glaub­wür­di­ge Charaktere ? Nehmen Sie Ihnen ihre Rollen ab ? Kann sich Otto Normalverbraucher bezie­hungs­wei­se die anvi­sier­te Zielgruppe mit ihnen iden­ti­fi­zie­ren? Auch wenn das Gesicht eines ein­ge­kauf­ten Imagebildes für die Mitarbeiter des Unternehmens steht, soll­te der Typ glaub­wür­dig sein und nicht zu sehr wie ein geschnie­gel­tes Modell daher kom­men. Nichts gegen gestyl­te Modelle, doch nicht jede Kommunikationsaufgabe lässt sich mit Ihnen authen­ti­sch illus­trie­ren. Die Professionalität der Modelle hin­ge­gen ist Um und Auf. Nur Profis spie­len ihre Rollen glaub­wür­dig ; mit Laien ist Authentizität schwer zu errei­chen. Es geht vor allem dar­um, wie natür­li­ch eine Szene insze­niert ist und das gelingt mit pro­fes­sio­nel­len Modellen oft glaub­wür­di­ger als mit ech­ten Personen.

Abb. 5.98: Für die Betriebe meiner Region ein glaubwürdiges Imagebild (© Goodluz/Shutterstock)
Abb. 5.98: Für die Betriebe mei­ner Region ein glaub­wür­di­ges Imagebild (© Goodluz/Shutterstock)

Passend zu Region und Branche | Als Bewohner einer etwas länd­li­che­ren Region mit Auftraggebern aus klei­nen und mitt­le­ren Betrieben gestal­tet sich für mich die Suche nach pas­sen­den Imagebildern bei Agenturen oft schwie­rig. Es domi­nie­ren Business People mit Anzug und Krawatte. Für London, Mailand oder Frankfurt wohl pas­send, doch hier im Vorarlberger Rheintal tra­gen nur Banker Anzug und Krawatte bezie­hungs­wei­se Leute die einen Termin bei der Bank haben. Ansonsten ist die Geschäftswelt hier hemds­är­me­li­ger und die Leute sind meist leger geklei­det. 90 % der Businessbilder sind für mei­ne Gestaltungsaufgaben des­halb unbrauch­bar – ein Problem, das wohl die meis­ten Gestalter tei­len, die abseits von Ballungszentren arbei­ten oder aber auch städ­ti­sche Kunden abseits vom Big Business betreu­en.

Abb. 5.99: Weniger authentisch, wo ich lebe und arbeite (© michaeljung/Shutterstock)
Abb. 5.99: Weniger authen­ti­sch, wo ich lebe und arbei­te (© michaeljung/Shutterstock)
Abb. 5.100: Blicken die Personen zur Kamera, ist Lächeln glaubhaft. ( (© Pressmaster/Shutterstock)
Abb. 5.100: Blicken die Personen zur Kamera, ist Lächeln glaub­haft. ( (© Pressmaster/Shutterstock)

Ausdruck | Ein zwei­tes Problem neben omni­prä­sen­ten Business-Uniformen stellt das unver­meid­li­ch brei­te Lächeln der -Modelle dar. Wirklich gute Models schaf­fen es zwar auf Kommando das natür­lichs­te Lächeln der Welt ins Gesicht zu zau­bern und bei Motiven die ganz offen­sicht­li­ch im Stile eines Porträt- oder Gruppenfotos insze­niert sind (Abb. 5.100) geht das wohl auch in Ordnung. Doch wenn vier Personen vor einem iPad sit­zen und grin­sen (Abb. 5.101), dann sind sie nicht an der Arbeit, son­dern schau­en sich ein Filmchen auf Youtube oder die Urlaubsfotos des Mannes mit dem Tablett in der Hand an. Was wür­den Sie von Leuten den­ken, die mit Ihnen am Besprechungstisch sit­zen und pau­sen­los grund­los vor sich hin grins­ten ? Genau ! Deshalb suche ich in den Gesichtern der Modelle zur Situation pas­sen­de Gesichtsausdrücke – freund­li­ch : meis­tens ja ; breit grin­send : das muss zur Szene pas­sen.

Abb. 5.101: Ist das eine authentische Projektbesprechung? (© Edyta Pawlowska/Shutterstock)
Abb. 5.101: Ist das eine authen­ti­sche Projektbesprechung? (© Edyta Pawlowska/Shutterstock)
Abb. 5.102: Direkter Blick (inklusive eines Lächelns) (© Mila Atkovska/Shutterstock)
Abb. 5.102: Direkter Blick (inklu­si­ve eines Lächelns) (© Mila Atkovska/Shutterstock)

Blickrichtung | Über die Wirkung direk­ten Blickkontakts und wie man von der Kamera abge­wand­te Blicke nut­zen kann haben wir uns bereits unter­hal­ten. Abbildung 5.102 zeigt dazu noch ein­mal ein star­kes Motiv, näm­li­ch ein nied­li­ches Tierkind. Verstärkt wird die Bildwirkung durch den Eindruck der Hund läch­le, was ihm mensch­li­che Züge ver­leiht, ohne sei­ne Niedlichkeit zu unter­gra­ben. Abbildung 5.103 zeigt wie viel Kraft das Bild ein­büßt, wenn der­sel­be Hund nicht mehr in die Kamera blickt.

Abb. 5.103: Der Blick zur Seite schwächt die Wirkung (© Mila Atkovska/Shutterstock)
Abb. 5.103: Der Blick zur Seite schwächt die Wirkung (© Mila Atkovska/Shutterstock)

Kindchenschema | Noch mehr Kraft als nied­li­che Tierkinder haben natür­li­ch knudd­li­ge Menschenkinder. Das Gesicht eines Babys ist ein Schlüsselreiz dem wir uns nicht ent­zie­hen kön­nen : Große Augen, Pausbäckchen, Stupsnase, klei­nes Kinn, gro­ßer Oberkopf. Vor allem Tiere die mehr oder weni­ger deut­li­ch die­sem Schema ent­spre­chen emp­fin­den wir als nied­li­ch. Dem fol­gend sind auch Comic Figuren gezeich­net indem die­se typi­schen Merkmale betont wer­den, jeden­falls so lan­ge es um die guten Charaktere geht. Bei Bösewichten kann man das schon ein­mal umkeh­ren.
Abbildung 5.105 und 5.106 demons­trie­ren ein wei­te­res mal den Unterschied der Bildwirkung ob das Subjekt – das Kleinkind – in die Kamera sieht und damit dem Betrachter in die Augen, oder ob der Blick zur Seite gerich­tet ist.

Es gibt natür­li­ch immer Gründe sich für Aufnahmen zu ent­schei­den, bei denen das Modell nicht zur Kamera blickt. Neben des Potenzials die Blickrichtung des Protagonisten zu nut­zen, um Botschaften mar­kant zu plat­zie­ren, ver­mit­teln Bilder, auf denen der Blick und damit das Interesse nicht der Kamera gilt, eher den Eindruck, eine rea­le Szene zu beob­ach­ten und nicht eine gestellt – Aufnahmen kön­nen so also an Authentizität gewin­nen. Blickt das Modell zu Kamera ist klar, dass es die Kamera gese­hen hat und für das Foto posiert – wahr­schein­li­ch sag­te der Fotograf : »Hier ist das Vögelchen.« Und : »Say Cheese.«

Abb. 5.107: Visionärer Blick (© PT Images/Shutterstock)
Abb. 5.107: Visionärer Blick (© PT Images/Shutterstock)

Der in die Ferne gewand­te Blick (Abb. 5.107) kann etwas Visionäres ver­mit­teln – den Blick in die Zukunft oder Weisheit. Doch auch hier kommt es auf den Charakter des Blicks und der Aufnahme an. Bei Abbildung 5.108 scheint mir das Modell eher durch irgend­et­was im Garten von der eigent­li­chen Aufnahme abge­lenkt zu sein.

Abb. 5.108: Der Blick wirkt hier vor allem abgelenkt. (© Natalia Hirshfeld/Shutterstock)
Abb. 5.108: Der Blick wirkt hier vor allem abge­lenkt. (© Natalia Hirshfeld/Shutterstock)

Üblicherweise soll­te man die Leserichtung berück­sich­ti­gen, wenn der Blick in die Ferne den visio­nä­ren Blick in die Zukunft ver­mit­teln soll – Blickrichtung nach links wird eher rück­wärts­ge­wandt emp­fun­den (Abb. 5.109), wäh­rend der Blick nach rechts nach vor­ne geht und somit als in die Zukunft gerich­tet asso­zi­iert wird (Abb. 5.10).

Bildstil | Neben die­sen inhalt­li­chen Fragen zu Authentizität, Ausdruck und Blickrichtung ist auch der Bildstil rele­vant. Für mich eine wei­te­re Hürde Aufnahmen zu fin­den, mit denen ich rund­um glück­li­ch bin. Die Masse der Aufnahmen sind sehr clean insze­niert, foto­gra­fi­sch umge­setzt und nach­be­ar­bei­tet. Dafür gibt es natür­li­ch gute Argumente, denn wie ich wei­ter vor­ne bereits bemerk­te ist pro­fes­sio­nel­le Fotografie not­wen­dig wenn dem Betrachter eines Folders, Inserats oder Internetauftritts ein pro­fes­sio­nell arbei­ten­des Unternehmen näher gebracht wer­den soll. Das Ganze hat aller­dings den Nachteil, dass die Aufnahmen dann auch in Bezug auf den foto­gra­fi­schen Charakter aus­tausch­bar wir­ken.
Bereits in den 1970er Jahren ent­wi­ckel­ten Fotografen Teils sehr natür­li­che Aufnahmestile. Ein Trend, der in den 80er Jahren zurück ging und durch einen sehr kli­ni­schen Bildstil ersetzt wur­de. Seit den 1990er Jahren gibt es einen zuneh­men­den Trend zurück zu natür­li­ch wir­ken­den Aufnahmen.

Abb. 5.112: Nicht nur die Aufnahme durch das Glas lässt das Bild so spontan erscheinen - auch der geringe Kontrast und die kühle Farbtönung (© vita khorzhevska/Shutterstock)
Abb. 5.112: Nicht nur die Aufnahme durch das Glas lässt das Bild so spon­tan erschei­nen – auch der gerin­ge Kontrast und die küh­le Farbtönung (© vita khorzhevska/Shutterstock)

Viele vor allem jun­ge Fotografen arbei­ten bewusst mit farb­li­chen Verfremdungen und foto­gra­fi­schen sowie digi­ta­len Effekten, die an sich nach den Regeln der Kunst Fehler wären. Doch gen­au die­se schein­ba­ren Fehler und Abweichungen von foto­gra­fi­scher Perfektion machen die Aufnahmen authen­ti­scher, weil sie ein biss­chen wir­ken, als hät­te sie Otto Normalverbraucher mit sei­ner -Kamera geknippst. Trotzdem sieht man den Bildern die pro­fes­sio­nel­le Hand an – sie wir­ken wie exzel­len­te Glückstreffer eines Schnappschussfotografen und ver­mit­teln so den Eindruck ganz nahe am eige­nen Leben auf­ge­nom­men wor­den zu sein.

Neben die­sen Stilmitteln die Bildern eine spon­ta­ne und natür­li­che Wirkung ver­lei­hen, gibt es auch eine Tendenz Schattierungen durch über­be­ton­te Dynamik her­aus­zu­ar­bei­ten was zu einem eher unna­tür­li­ch anmu­ten­den Bildcharakter führt (Abb. 5.113) und manch­mal bei­na­he wie gemalt wirkt. Dieser Trend folgt einer neu­en Technologie der digi­ta­len Fotografie, die sich High Dynamic Range (HDR) nennt. Nach der ers­ten Euphorie über den neu­en Bildstil und die damit ver­bun­de­nen Möglichkeiten kehr­te bei pro­fes­sio­nel­len Fotografen bald Ernüchterung ein, was mei­ner Ansicht nach vor allem an Unmengen lai­en­haf­ter HDR-Aufnahmen lag, die sozia­le Netzwerke und Bilder-Communitys über­flu­te­ten. Mittlerweile gewinnt der Stil auch in der pro­fes­sio­nel­len Fotografie wie­der an Fahrt und ich habe den Eindruck, dass wir gera­de eine Veränderung unse­res Empfindens wie Fotos aus­zu­se­hen haben, erle­ben.

Abb. 5.113: Das Bild erinnert an den Charakter sogennanter HDR-Bilder - ein Stil, der sehr stark im Kommen ist. (© BestPhotosStudio/Shutterstock)
Abb. 5.113: Das Bild erin­nert an den Charakter sogen­n­an­ter HDR-Bilder – ein Stil, der sehr stark im Kommen ist. (© BestPhotosStudio/Shutterstock)

Sowohl der HDR- als auch der natür­li­che Bildstil fin­det sich im Moment jedoch vor allem bei bestimm­ten Themenbereichen. Gerade der betont natür­li­che Bildstil mit sei­nen Teils ver­scho­be­nen, ver­blass­ten und ver­wa­sche­nen Farben, mit Blendenflecken, über- und unter­be­lich­te­ten Bildbereichen und Unschärfen auch da, wo sie an sich nicht sein soll­ten, fin­det sich vor allem im Bereich jugend­li­chen Lifestyles. In vie­len Bereichen jedoch tut man sich schwer Bildstile abseits eines clea­nen Norm-Looks zu fin­den.

Maßgeschneiderte Lösungen 
vom Auftragsfotografen

Klar im Vorteil ist wer sich nicht im Angebot von Bildagenturen nach Aufnahmen von der Stange umse­hen muss, son­dern einen Profifotografen beauf­tra­gen kann. Ihm kön­nen Sie Vorlagen zei­gen, die den Charakter, das Aussehen und die Stimmung der Aufnahme die sie wün­schen zei­gen. Mit ihm kön­nen Sie Modelle aus­su­chen die Ihren Vorstellungen ent­spre­chen und Sie kön­nen bei der Aufnahme dabei sein, um Regieanweisungen zu geben. Ihm kön­nen Sie auch sagen, wie weit er bei der Retusche gehen soll.

Schön wäre natür­li­ch man könn­te für jedes Bild einen Profi enga­gie­ren der das gewünsch­te Bild nach Maß schnei­dert. Die Realität lie­fert aber oft Situationen, in denen das nicht mög­li­ch ist, sei es aus Zeit- oder Budgetmangel. Ich habe für die­ses Buch hun­der­te Bilder benö­tigt um die Erklärungen zu illus­trie­ren und das Layout leben­dig zu gestal­ten. Nicht jedes Foto sieht gen­au so aus, wie ich es mir wünsch­te. Doch jede Aufnahme mit Modellen und Fotografen geson­dert zu insze­nie­ren, wäre weder zeit­li­ch noch wirt­schaft­li­ch rea­lis­ti­sch. Aus die­sem Grund schät­ze ich das Angebot von Shutterstock, Fotolia, iStock­pho­to & Co als wert­vol­le Bereicherung für den Gestaltungsalltag, auch wenn die Arbeit damit Kompromisse for­dert – Kompromisse die man bei der Arbeit mit einem Fotografen nicht ein­ge­hen muss.

(Leseprobe aus dem Buch „Grafik und Gestaltung“*, 2. Auflage von Markus Wäger, Galileo Verlag, 2014)

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Meine Jury-Auswahl für den Fotowettbewerb bei fotografr.de

Michael Kirchner (aka Omori) hat­te mich vor paar Wochen gefragt, ob ich nicht hel­fen möch­te, bei sei­nem Fotodreikampf in der Jury zusam­men mit acht ande­ren Fotografen die bes­ten Bilder raus­zu­su­chen.

Na, das macht ein Fotograf doch ger­ne: Viele tol­le Bilder sehen und dabei sogar ent­schei­den zu dür­fen, wel­ches prä­miert wird.

Hätte ich mei­nen Mund mal nicht so voll genom­men, denn bei ca. 150 Einsendungen fiel es mir doch sehr schwer, eine gute Wahl zu tref­fen.

Meine drei Favoriten sind (wer wider Erwarten sein Bild nicht hier sehen will, bit­te kur­ze Nachricht an mich):

Gargoyle von Marcel Felbor
Gargoyle

Hier fas­zi­nie­ren mich einer­seits der Widerspruch zwi­schen dem leben­dig anmu­ten­den Fabelwesen und dem star­ren Material Stein sowie ande­rer­seits das Größenverhältnis zwi­schen dem Wasserspeier und dem Eiffelturm im Hintergrund. Die Bearbeitung des Fotos mit der Randabdunklung und der Körnung wirkt wie der letz­te Schliff, um dem Bild einen Hauch von Mystik zu geben. Nur der Rücken des Tieres wur­de lei­der ein­deu­tig über­schärft.

Außenseiter von anu­ne
Außenseiter

Okay, ich gebe zu, dass ich die­ses Foto ohne den pas­sen­den Titel kei­nes zwei­ten Blickes gewür­digt hät­te. Aber mit die­sem Titel „Außenseiter“ wird das Foto ganz anders auf­ge­la­den. Auf ein­mal sehe ich, wie der alte, knor­ri­ge Baum sich ver­zwei­felt mit letz­ter Kraft nach links neigt, um den drei gro­ßen, coo­len, behaar­ten (belaub­ten) Bäumen näher sein zu kön­nen, die auch noch von der Sonne beschie­nen wer­den. Aber ach, die Kraft reicht nicht und der Zaun ist auch noch dazwi­schen. Genial gese­hen, sag ich da nur. Und die küh­le Pastelltönung fin­de ich auch sym­pa­thi­sch.

Wüstenwind von MinestMinimal
Wüstenwind

Da ich fast nur Menschen foto­gra­fie­re, bin ich bei der Beurteilung von People-Fotos zwar beson­ders kri­ti­sch, aber umso mehr freue ich mich, dass es eins geschafft hat, mich zu über­zeu­gen, auch wenn der Fotograf sei­nem Kommentar nach mit dem Shooting gar nicht zufrie­den war. Fangen wir mit dem Model an: Die Haltung ist super, Beine ele­gant über­kreuzt, Hände locker in den Taschen, leicht ver­träum­ter Blick nach unten. Ich hät­te zwar den lin­ken Ellenbogen etwas sym­me­tri­scher nach außen diri­giert, aber das spielt jetzt kei­ne gro­ße Rolle. Die Haare lie­gen auch sehr beein­dru­ckend, da geht von hier ein rie­si­ges Lob an die Visagistin.

Vollends über­zeugt hat mich aber das von hin­ten kom­men­de glei­ßen­de Licht zusam­men mit den über­la­ger­ten Feldblumen unten, die das Bild erst recht in das Traumhafte rücken. Sehr geschickt, wie die Blumenblüten gen­au über dem Saum des Kleides enden.

Was sagt ihr zur Auswahl?

Wer sehen will, wie die vie­len ande­ren Einsendungen aus­ge­se­hen haben und für wel­che Bilder die ande­ren Jury-Mitglieder ent­schie­den haben, könnt ihr hier in den Kommentaren bei fotografr.de lesen.

Das Alter der Models in der Stockfotografie

Jedes Mal, wenn ich beim Zahnarzt auf dem Stuhl sit­ze und mich die Zahnärztin lächelnd begrüßt, bin ich kurz irri­tiert. Wenn ich sie beschrei­ben müss­te, wür­de ich sagen, dass sie eine attrak­ti­ve, jun­ge Frau mit lan­gen, schwar­zen Haaren ist, schät­zungs­wei­se Mitte 20, in einem engen wei­ßen Top und mit einem Pferdeschwanz.

Erkennt ihr den Fehler?  Die Wahrscheinlichkeit, dass eine jun­ge Frau Mitte 20 noch in der Lernphase für ihre Abschlussprüfung steckt, ist sehr hoch. Normalerweise fan­gen die jüngs­ten Zahnärzte mit ca. 25–27 Jahren ihre Arbeit an.

Es kann natür­li­ch sein, dass mei­ne Zahnärztin schon älter ist, aber immer noch jung aus­sieht, doch in der Stockfotografie geht es eben um den „Schein“ nicht das „Sein“. Niemand inter­es­siert sich dafür, was mei­ne Models außer­halb eines Fotoshootings machen (wenn sie nicht gera­de Erotikstars sind), wenn sie die Rolle, die sie auf den Stockfotos ver­kör­pern sol­len, glaub­wür­dig dar­stel­len kön­nen.

Diese Glaubwürdigkeit eines Models ent­steht haupt­säch­li­ch durch drei Faktoren: Geschlecht, Alter und Requisiten. Die Requisiten sind ein eige­nes Thema und wer Interesse dar­an hat, dem emp­feh­le ich das Kapitel 10 in mei­nem „Stockfotografie“-Buch*. Auch beim Geschlecht gibt es meist nur zwei Möglichkeiten. Beim Alter gibt es deut­li­ch mehr Variationen.

Es ist aber nicht schwer, das rich­ti­ge Alter eines Models für ein bestimm­tes Fotomotiv fest­zu­le­gen, wenn ihr in Wahrscheinlichkeiten denkt. Wie häu­fig kommt die geplan­te Konstellation von Alter/Geschlecht vor und wel­che ande­ren Konstellationen sind wahr­schein­li­cher? In die­sem Blogartikel hat­te ich beschrie­ben, wie mich die Chefin eines Fitnesscenters dar­auf hin­wies, was die typi­sche Zielgruppe ihres Sportstudios sei. Daran habe ich mich bei der Modellauswahl gehal­ten.

Jemanden zu fra­gen, der Ahnung von der zu foto­gra­fie­ren­den Branche hat, ist eine ein­fa­che und unfehl­ba­re Methode, die rich­ti­ge Altersspanne der Models her­aus­zu­fin­den.

Trotzdem sehe ich stän­dig Stockfotos, die unfrei­wil­lig komi­sch wir­ken, weil das Model nicht passt.  Ein typi­sches Beispiel ist die jun­ge, ger­ten­schlan­ke Blondine im Blaumann und Schutzhelm, die Anfang 20 ist. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine attrak­ti­ve jun­ge Frau, die aus­sieht, als kön­ne sie kei­ne fünf­zehn Kilo stem­men, einen Beruf ergreift, der es erfor­dert, einen Blaumann anzu­zie­hen? Sehr gering. Viel rea­lis­ti­scher ist ein unra­sier­ter, mus­ku­lö­ser, braun­ge­brann­ter Mann ab Ende 20.

Ebenfalls berüch­tigt in den Microstock-Portfolios sind die halb­nack­ten jun­gen Frauen mit gro­ßer Oberweite im Nikolauskostüm, die mehr Haut als Stoff zei­gen. Das mag oft die Fantasien der älte­ren, männ­li­chen Fotografen bedie­nen. Aber wenn ihr Kinder – immer­hin die größ­te Zielgruppe für Fotos mit Weihnachtsmännern – bit­tet, ein Bild vom Nikolaus oder Weihnachtsmann zu malen, wer­den die Bilder kaum wie die der beschrie­be­nen Weihnachtsbunnies aus­se­hen. Und ver­ges­st Klebebart und Kopfkissen: Nehmt gleich einen dicke­ren älte­ren Herren mit ergrau­tem Vollbart.

Ich gebe zu, dass ich in mei­ner Anfangszeit auch oft den Fehler gemacht habe, das Alter der Modelle zu igno­rie­ren. Jetzt im Nachhinein fra­ge ich mich, was ich mir dabei gedacht habe, eine Siebzehnjährige im Anzug zu foto­gra­fie­ren? Das wür­de höchs­tens zu einer Konfirmation pas­sen und auch nur, wenn die Requisiten und das Umfeld stim­men. Ein Mann Anfang 40 im Anzug hin­ge­gen kann alles sein: Rechtsanwalt, Manager, Lehrer, Berater, Chef, Politiker, Beamter und so wei­ter. Das heißt für den Fotografen: Deutlich höhe­re Chancen, mit die­sen Fotos Geld zu ver­die­nen.

Für das Motiv nicht ganz geeig­net vom Alter.

Meine Erfahrung zeigt, dass es im Zweifel sinn­vol­ler ist, eher Models zu wäh­len, die etwas älter als etwas zu jung sind. In die­sem Blogartikel hat­te ich über ein Shooting von mir in einer Universität geschrie­ben. Als Models hat­te ich Leute Anfang bis Mitte 20 gewählt. Es kam der Kommentar, dass im Zuge der Bologna-Reform und der Bachelor-Studiengänge die Studierenden heu­te immer jün­ger wür­den und ich jün­ge­re Models hät­te wäh­len sol­len. Dem kann ich zustim­men. Kürzlich habe ich aber fest­ge­stellt, dass die Motive mei­nes Uni-Shootings auch ger­ne  in der Werbung für Erwachsenenbildung oder für Weiterbildungsmaßnahmen benutzt wer­den.  Wären die Models alle eini­ge Jahre jün­ger gewe­sen, hät­te es bes­ser zum Thema Studium gepasst, aber die zusätz­li­che Zielgruppe der Erwachsenenbildung hät­te ich dann mit mei­nen Bildern viel­leicht nicht erreicht.

Übrigens: Ich habe ges­tern mei­ne Zahnärztin nach ihrem Alter gefragt. Sie mein­te, sie sei 32, füh­le sich aber geschmei­chelt, dass ich sie auf Mitte 20 schät­ze.

Nach wel­chen Kriterien ent­schei­det ihr euch beim Alter eurer Models?

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Die perfekte Bildagentur – Teil 2: Bilder hochladen

Auf der Suche nach der „per­fek­ten Bildagentur“ wol­len wir uns in die­sem Teil dem ers­ten logi­schen Schritt aus Fotografensicht wid­men. Das Hochladen der fer­tig bear­bei­te­ten und ver­schlag­wor­te­ten Bilder.

FTP und IPTC

Die meis­ten Bildagenturen bie­ten als Möglichkeiten das Hochladen per Webseite, Java-Formular oder FTP an, eini­ge auch über Software-Tools, die meist nur auf­ge­hüb­sch­te Java-Skripte sind.

Die Java- oder Webseiten-Option eig­net sich nur für ein­zel­ne spo­ra­di­sche Uploads und ist gene­rell kaum emp­feh­lens­wert, vor allem, weil es sehr zeit­auf­wän­dig ist. Wer ein­mal FTP pro­biert hat, will es nicht mehr mis­sen.

FTP steht für „File Transfer Protocol“ und ist eine sehr beque­me Möglichkeit, vie­le Daten auf ein­mal einer oder sogar meh­re­ren Agenturen zu sen­den. Einfach in einer Art Dateibrowser (erin­nert ihr Euch an den „Norton Commander“?) die Daten von links nach rechts zie­hen und das Programm arbei­tet die so ent­stan­de­ne Warteschlange nach­ein­an­der ab. Ich begin­ne meist vor dem Schlafengehen den Ladevorgang einer fer­ti­gen Fotosession an alle betref­fen­den Agenturen, das sind ins­ge­samt ca. 2–4 Gigabyte. Morgens ist dann alles erle­digt, ein Fehlerprotokoll des FTP-Programms mel­det even­tu­el­le Fehler und ich kann zum Import der Bilder auf der Agenturseite über­ge­hen. Etwas aus dem Rahmen fällt die Agentur Bildunion, wel­che zwar FTP-Uploads unter­stützt, aber vor­her eine bestimm­te Ordnerstruktur ver­langt, die für jede Fotosession vor­her im Fotografenbereich ein­zeln ein­ge­rich­tet wer­den muss. Auch das ist unnö­ti­ger Aufwand.

Halten wir kurz fest: Eine per­fek­te Bildagentur unter­stützt den Dateiupload per FTP. Die meis­ten machen das auch, eine berühm­te Ausnahme ist istock­pho­to und man­che neu­ge­grün­de­ten Agenturen, wel­che befürch­ten, dem gewal­ti­gen Ansturm an Datenmengen nicht gewach­sen zu sein.

Manche Agenturen kon­trol­lie­ren regel­mä­ßig ihren FTP-Eingang. Einige alle paar Minuten, ande­re nur jede 24 Stunden (z.B. Pitopia oder Adpic). Praktisch ist es, wenn dann wie bei Pitopia ein Knopf zum „manu­el­len Einlesen“ vor­han­den ist, mit dem das Einlesen selbst gestar­tet wer­den kann. Andere Agenturen wie­der­um erfor­dern immer das Starten des Einlesens durch den Fotografen. Das ist aus mei­ner Sicht ein unnö­ti­ger Schritt, da es Ziel jeder Agentur sein soll­te, das Hochladen der Bilder so kurz und mit so wenig Eingaben wie mög­li­ch zu gestal­ten.

Fast alle Agenturen unter­stüt­zen auch das Einlesen der IPTC-Daten. IPTC bedeu­tet, dass der Fotografen den Bildtitel, Bildbeschreibung und Schlagworte als Metadaten dem Bild hin­zu­fügt. Das hat den gro­ßen Vorteil, dass der Fotograf nicht bei jeder Agentur die glei­chen Daten per Hand ein­tra­gen muss. Das spart viel Zeit. Leider gibt es bis­her kei­nen Standard für mehr­spra­chi­ge Verschlagwortung, die von meh­re­ren Agenturen unter­stützt wür­de. Deshalb lege ich zwei Foto-Sets an: Einmal mit deut­scher und ein­mal mit eng­li­scher Verschlagwortung, je nach zu belie­fern­der Agentur.

Kommunikation

Kommunikation ist ein Modewort, wel­ches sich vie­le Firmen auf die Fahnen schrei­ben. In der Praxis sieht das jedoch auch bei Bildagenturen ganz unter­schied­li­ch aus. Ideal ist aus mei­ner Sicht immer, wenn eine Bildagentur für jede erdenk­li­che Information anbie­tet, eine pas­sen­de Email zu schi­cken. Das soll­te aber nur eine Option sein, die der Fotograf ein­zeln akti­vie­ren oder deak­ti­vie­ren kann, je nach­dem, was er für sei­nen Workflow braucht.

Dazu gehö­ren zum Beispiel fol­gen­de Informationen: Wenn das Importieren der Fotos zeit­ver­zö­gert erfolgt, ist eine Nachricht hilf­reich, wenn die Bilder fer­tig impor­tiert wur­den. Wenn Bilder nicht ange­nom­men oder nach­träg­li­ch gelöscht wur­den, soll­te eine Nachricht mög­li­ch sein, idea­ler­wei­se auch eine Art Archiv im System hin­ter­legt sein, wie das zum Beispiel sehr gut bei Shutterstock oder Fotolia ersicht­li­ch ist. Einige Agenturen bie­ten nur eine kom­bi­nier­te Mail an, wel­che zusam­men über ange­nom­me­ne und abge­lehn­te Bilder infor­miert. Ich fin­de zwei sepa­ra­te Mails bes­ser, weil mich mehr inter­es­siert, was abge­lehnt wur­de.

Thumbnails und Dateinamen

Ein Unding, was sich lei­der zu vie­le Bildagenturen erlau­ben: Der Fotograf ist nicht in der Lage, den Original-Dateinamen eines Fotos zu sehen, wel­chen er ver­ge­ben hat. Dabei sind die­se bei rou­ti­nier­ten Stockfotografen der bes­te Weg, eine ein­wand­freie Zuordnung zu ermög­li­chen. Zum Beispiel ver­schickt Digitalstock zwar Emails, wenn Bilder abge­lehnt oder gelöscht wur­den, gibt in der Mail aber nur den Bildtitel (aus den IPTC-Daten) an. Wenn ich dann mehr­mals „Manager hält Daumen hoch“ lese, hilft mir das sehr wenig. Die Annahme/Ablehnungsmails von Shutterstock sind dage­gen sehr über­sicht­li­ch mit Original-Dateinamen und Thumbnail, wobei die Thumbnails der abge­lehn­ten Bilder lei­der nach paar Wochen gelöscht wer­den. Bei Fotolia hin­ge­gen blei­ben die Thumbsnails auch von gelösch­ten Bildern immer im System, was ich als hilf­rei­cher emp­fin­de.

Merke: Die per­fek­te Bildagentur zeigt dem Fotografen im Fotografenbereich und bei jeder Kommunikation über kon­kre­te Bilder immer den Original-Dateinamen und ein Thumbnail des Bildes.

Logische Upload-Reihenfolge

Manche Agenturen wol­len, dass die Fotografen erst alle Bilder fer­tig ver­schlag­wor­ten und ent­schei­den dann, wel­che sie neh­men. Andere Agenturen wie Pitopia oder ImagePoint tren­nen die Bildkontrolle von der Kontrolle der Suchbegriffe. Dann müs­sen nur die ange­nom­me­nen Bilder wei­ter „ver­ar­bei­tet“ wer­den. Diese Herangehensweise ist umso sinn­vol­ler, je höher die Ablehnungsquoten einer Bildagentur sind. Vor allem bei Shotshop ärgert mich das oft, da sie ziem­li­ch vie­le mei­ner Bilder ableh­nen, gleich­zei­tig aber eins der auf­wän­digs­ten Annahmeverfahren haben. Käme die Bildkontrolle vor­her, wür­de ich viel Zeit spa­ren.

Piopia bie­tet aus­ge­wähl­ten Fotografen sogar an, die tech­ni­sche Bildkontrolle auto­ma­ti­sch zu über­sprin­gen, wenn sich alle Bilder in der Vergangenheit durch­ge­hend als qua­li­ta­tiv hoch­wer­tig ein­ge­stuft wur­den.

Fast in Vergessenheit gera­ten ist die Möglichkeit, dass die Bildagentur selbst die Verschlagwortung über­nimmt. Das bie­ten heu­te fast nur noch Macrostock-Agenturen an, wäh­rend eini­ge Microstock-Agenturen wie Dreamstime oder Adpic die­sen Service gegen Gebühr anbie­ten – mit schwan­ken­den Ergebnissen.

Nervtötend fin­de ich, wenn Bildagenturen den Annahmeprozess eines Bildes unnö­tig in die Länge zie­hen, indem sie die erfor­der­li­chen Informationen auf meh­re­re Seiten auf­tei­len. Erst eine Seite mit Model Release- und Property Release-Informationen, dann eine für die Kategorien, dann für die Eingabe oder Kontrolle von Titel, Beschreibung und Suchbegriffen, manch­mal sogar noch ein voll­kom­men nutz­lo­se Bestätigungsseite, dass der Upload been­det ist, anstatt wie bei den meis­ten Agenturen direkt das nächs­te unfer­ti­ge Bild anzu­zei­gen. Schuldig in die­sem Sinne sind zum Beispiel Digitalstock, Dreamstime oder Shotshop. Immerhin lässt sich bei Dreamstime eine frei gewähl­te Zeit ange­ben, wie lan­ge die Bestätigungsseite ange­zeigt wird, bevor das nächs­te Bild an die Reihe kommt. So wird ein Klick gespart, aber Zeit ver­schwen­det es trotz­dem.

Deshalb: Die per­fek­te Bildagentur bün­delt die Informationen, die sie für die Freigabe von Bildern braucht, so kom­pakt und über­sicht­li­ch wie mög­li­ch. So oft es geht, soll­ten auch Batch-Funktionen ange­bo­ten wer­den, bei der Fotografen iden­ti­sche Infos für meh­re­re Bilder gleich­zei­tig zuord­nen kön­nen. Das klappt zum Beispiel bei Shutterstock oder Bigstock sehr gut, Fotolia oder Clipdealer hin­ge­gen haben lei­der so gut wie kei­ne Batch-Funktionen, Dreamstime erlaubt zwar die Übernahme von Infos aus vor­he­ri­gen Bildern, die­se müs­sen jedoch vor­her noch mal umständ­li­ch aus­ge­wählt wer­den. Panthermedia hat mit der Einführung eines neu­en Anbieter-Portals jetzt eben­falls vie­le Batch-Funktionen für Fotografen im Angebot.

Upload-Limits

Die Kurzform: Upload-Limits gibt es oft, aus Fotografensicht sind sie unnö­tig und behin­dern den Workflow.

Aber auch hier gibt es Unterschiede im Detail. Einige Agenturen wie istock­pho­to erlau­ben umso mehr Uploads pro Woche, je mehr der Fotograf bis­her ver­kauft hat. Andere Agenturen wie Dreamstime oder Shotshop machen das Upload-Volumen von der Annahmequote abhän­gig. Je weni­ger Fotos des Fotografen abge­lehnt wer­den, desto mehr darf er regel­mä­ßig hoch­la­den. Das hal­te ich für einen fai­ren Kompromiss.

Einen ande­ren Weg geht bei­spiels­wei­se ImagePoint. Dort wird Fotografen eine bestimm­te Bildmenge zuge­wie­sen, die sie hoch­la­den dür­fen. Wenn die­se erreicht ist, muss der Fotograf per Kontaktformular um eine Erhöhung des Kontingents bit­ten, die je nach Qualität sei­nes Portfolios grö­ßer oder klei­ner aus­fällt. Klingt unbe­quem, ist zumin­dest bei mir in der Praxis jedoch unkom­pli­ziert.

Fassen wir kurz die Punkte zusam­men, die eine per­fek­te Bildagentur erfül­len soll­te:

  • Übernahme von IPTC-Daten
  • Unterstützung von FTP-Uploads
  • Automatischer, kurz­fris­ti­ger Import der FTP-Daten
  • Beibehaltung des Original-Dateinamens
  • Beibehaltung des Bild-Thumbnails auch nach Löschung
  • Angabe des Original-Dateinamen bei jedem Bilds und in jeder Mail
  • Viele Auswahlmöglichkeiten für Email-Benachrichtungen
  • So vie­le Batch-Funktionen wie mög­li­ch
  • Erst Bildkontrolle, dana­ch Ablehnung oder Annahme Suchbegriff-Kontrolle
  • Bequeme MR/PR-Verwaltung (auch per Batch)
  • Annahmeprozess auf einer Seite ohne Bestätigungsseite
  • Keine oder groß­zü­gi­ge Upload-Limits

Der größ­te Zeitfresser beim Hochladen ist bei vie­len Agenturen das Zuweisen der pas­sen­den Modelverträge und Eigentumsfreigaben, vor allem bei Gruppenfotos. Deshalb wid­me ich mich die­sem Bereich im fol­gen­den drit­ten Teil die­ser Serie.

Welche Punkte sind für Euch beim Hochladen beson­ders wich­tig? Was ver­misst ihr? Was stört Euch am meis­ten?

Frag den Fotograf: Welche Bilder an welche Agenturen?

In mei­nem Postfach gab es wie­der eine Frage:

Bevor ich wirk­li­ch anfan­ge, mei­ne Bilder ins Internet zu stel­len (zag­haf­te Versuche gab es bereits), habe ich mir über­legt eine ABC-Analyse zu machen. Da kommt wohl der Wirtschaftswissenschaftler in mir durch. Das bedeu­tet, dass ich mei­ne Bilder in exzel­len­te (A), gute (B) und mit­tel­mä­ßi­ge © Fotos bei der Auswahl klas­si­fi­zie­ren möch­te. Meine Strategie soll so aus­se­hen, dass ich natür­li­ch mit den weni­gen sehr guten Aufnahmen, hohe Preise erzie­len möch­te. Also wür­de ich die ger­ne Makrostockagenturen anbie­ten, wo der Preis höher ist. Welche Agenturen kann­st du emp­feh­len? Welche Erfahrungen hast du mit (her­kömm­li­chen) Makrostockagenturen sam­meln kön­nen? Die B-Fotos wür­de ich dann bei Mikrostockagenturen hoch­la­den. Die mit­tel­mä­ßi­gen Fotos hin­ge­gen wür­de ich einer Agentur anbie­ten, die fast alle Fotos akzep­tiert. Welche Agentur könn­test du mir da emp­feh­len? Oder fin­dest du die­se Vorgehensweise nicht geeig­net? Wenn ja, war­um nicht? Meine Bedenken sind näm­li­ch, dass ich sehr hoch­wer­ti­ge Fotos mache, die in Makroagenturen ggf. mehr Geld abwer­fen könn­ten. Was mein­st du?“

Grundsätzlich fin­de ich die Entscheidung rich­tig, zu über­le­gen, wel­che Fotos am bes­ten zu wel­cher Agentur pas­sen wür­den. Schwierig ist nur die Überlegung, wel­che Fotos gen­au das sein soll­ten. Denn oft sind „exzel­len­te“ Fotos nicht unbe­dingt die, wel­che sich bei Makrostock-Agenturen am bes­ten ver­kau­fen. Darüber hin­aus gibt es ver­schie­de­ne Aspekte, zu berück­sich­tigt wer­den müs­sen. Für mich sind das Fotosession, Aufwand, Motiv und Ertrag.

Fotosession
Wenn ich mit einem Model arbei­te und eine Serie von Bildern mache, erüb­rigt sich die Frage meist, ob sich die Fotos für ver­schie­de­ne Preisklassen eig­nen wür­den, da es vor allem die teu­re­ren Agenturen nicht ger­ne sehen, wenn ähn­li­che Bilder bei bil­li­ge­ren Agenturen zu sehen sind. Dann bleibt noch die Überlegung, wel­ches Model ins­ge­samt für wel­che Bildagentur geeig­net wäre. Hier nei­ge ich dazu, „sen­si­ble“ Themen oder Kinder- und Familienfotos eher den Makrostock-Agenturen zu geben, da die Kontrolle über die Bildnutzung in der Regel grö­ßer ist.

Aufwand und Motiv
Man könn­te mei­nen, je grö­ßer der Aufwand, desto eher soll­ten die Fotos zu den teu­re­ren Agenturen. Aber so ein­fach ist es lei­der nicht. Denn wich­ti­ger ist das Motiv, wel­ches durch den Aufwand ent­stan­den ist. Eine glück­li­che Familie mit zwei Kindern am Strand oder eine gro­ße Gruppe Menschen ver­schie­de­nen Geschlechts, Alters und Berufs sind zwei Motive, die sehr auf­wän­dig in der Produktion sind, aber sich wegen ihres gene­ri­schen Charakters bes­ser bei Microstock-Agenturen ver­kau­fen las­sen. Ein eher simp­les Motiv wie Schimmel im Bad oder eine sel­te­ne Obstsorte kön­nen bei Macrostock-Agenturen grö­ße­re Chancen haben, weil die Nachfrage zwar gerin­ger ist, aber dafür der Kunde auch mehr zah­len wür­de und sol­che Bilder bei Microstock-Agenturen schwie­ri­ger fin­det.

Ertrag
Kommen wir zu einem ernüch­tern­den Punkt: Die Annahme, dass man bei einer Agentur, die Fotos teu­rer ver­kauft, auto­ma­ti­sch mehr ver­die­ne, stimmt nicht immer. Klar, der Verdienst pro Verkauf ist immer höher und drei­stel­li­ge Verkaufssummen habe ich bis­her nur bei Macrostock-Agenturen erlebt. Aber: Diese hohen Verkäufe sind viel sel­te­ner. Für den Fotograf ist letzt­end­li­ch ent­schei­dend, was er unter dem Strich pro Bild ver­dient. Und da gab es vor drei Monaten eine sehr auf­schluss­rei­che Statistik des Fotografen Luis Alvarez, der zeig­te, dass sein RPI (Gewinn pro Bild) bei der Microstock-Agentur istock­pho­to mitt­ler­wei­le genauso hoch ist wie bei der füh­ren­den Macrostock-Agentur Getty Images. Meine eige­nen Zahlen sehen ähn­li­ch aus. Die Umsätze bei Macrostock-Agenturen sin­ken, nicht zuletzt des­halb, weil vie­le ihre Preise der Microstock-Konkurrenz ange­passt haben.

Im Endeffekt ist mei­ne Antwort lei­der schwam­mig, aber ich hof­fe, dass die Aspekte hilf­reich für die eige­ne Entscheidung sind, die ich kei­nem abneh­men kann.

Aber viel­leicht tei­len ja eini­ge Fotografen in den Kommentaren eben­falls ihre Gründe, wann sie ein Foto als Microstock- oder als Macrostock-Bild ver­kau­fen?