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Wie viel verdienen Berufsfotografen und Fotoassistenten?

In regel­mä­ßi­gen Abständen ana­ly­sie­ren die bei­den Portale www.berufsfotografen.com sowie www.fotoassistent.de die Lage, Stimmung und Arbeitsverhältnisse ihrer namens­ge­ben­den Berufe. Die Ergebnisse der letz­ten Umfrage könnt ihr hier nach­le­sen für die Berufsfotografen bzw. die Fotoassistenten.

Vor einer Weile schon wur­den die Zahlen für 2017/2018 ver­öf­fent­licht, von denen ich aus­zugs­wei­se eini­ge Erkenntnisse ver­öf­fent­li­chen will.

Tagesgagen der Berufsfotografen 2018 (Quelle: berufsfotografen.com)

Das Durchschnittseinkommen eines bei der Künstlersozialkasse ver­si­cher­ten Fotografen (nach Ausgaben, vor Steuern) lag 2017 bei 17.800 Euro. Das wären weni­ger als 1500 Euro brut­to im Monat.

Bei den vom Portal befrag­ten Berufsfotografen lag der Jahresumsatz 2017 durch­schnitt­lich bei knapp 45.000 Euro, das wären 3750 Euro im Monat.

Interessant ist auch, womit die Fotografen neben ihren Shootings Geld ver­die­nen:
40% nann­ten da Nutzungsrechte, 35% Bildverkäufe, 11% Bildbearbeitung, 10% Studiovermietung und 4% Workshops.

Als Tagessatz für einen redak­tio­nel­len Auftrag berech­ne­ten Fotografen im Durchschnitt ca. 750 Euro, für Privatkunden ca. 800 Euro und für Werbeaufträge ca. 1400 Euro.

Die voll­stän­di­gen Zahlen der Umfrage zu den Berufsfotografen 2017/2018 kön­nen kos­ten­los hier als PDF her­un­ter­ge­la­den wer­den. Dort fin­den sich Angaben zur Ausbildung, Berufszufriedenheit, Arbeitszeiten, Kriterien für ein Zusammenarbeit, Möglichkeiten der Kundenaquise und eini­ges mehr. Beispielhaft sind auch eini­ge Kalkulationen für typi­sche Jobanfragen ent­hal­ten.

Bei den Fotoassistenten und Digital Operators berech­ne­ten 2017 fast die Hälfte ca. 250 Euro Tagesgage, bei redak­tio­nel­len Jobs lag der Schnitt bei ca. 200 Euro. Die kom­plet­ten Umfrageergebnisse der Fotoassistenten kön­nen kos­ten­los hier als PDF nach­ge­le­sen wer­den. Darin geht es dann u.a. Details zur Auftragslage, Ausbildung, Überstunden und Details zu den Buchungen.

Panthermedia startet Image Streaming

Die Münchener Bildagentur Panthermedia hinkt ja dem Trend immer etwas hin­ter­her.

So will sie jetzt auch in den Bereich des „Bilder Streaming“ ein­stei­gen, bei dem Bildnutzer (Bildkäufer kann man ja gar nicht mehr sagen) Bilder kos­ten­los nut­zen dür­fen, wenn sie die­se zusam­men mit Werbung auf ihrer Webseite ein­blen­den. Panthermedia erklärt das Ganze in einem Newsletter so:

Ein Verlagskunde, Blogger oder Websitebetreiber „streamt“ Bilder (kein Download) von PantherMedia in sei­ne Website. Dazu kopiert er ein Code‐Snippet in sei­ne Website und gewährt PantherMedia dadurch Zugriff auf das Foto und blen­det dar­in von uns geschal­te­te Werbung ein. Für jede Page Impression (Aufruf einer Website bzw. Anzeige eines Fotos) zahlt ein Advertiser eine Gebühr. Diese Gebühr wird auf alle Parteien in der Kette ver­teilt: dem Fotografen, dem Verlag und dem Vermittler des Fotos und der Werbung.

Schon vor über vier Jahren hat genau das der Marktführer Getty Images mit „Getty Embed“ ver­sucht. Sonderlich erfolg­reich scheint die­ses Modell jedoch nicht zu sein. Bisher habe ich das noch NIE in der Praxis irgend­wo auf einer Webseite im Einsatz gese­hen. Warum soll­te auch ein Webseitenbetreiber die Kontrolle über sei­ne Werbeeinnahmen aus der Hand geben, nur um paar Euro für die Bildnutzung spa­ren zu kön­nen?

Natürlich behaup­tet Panthermedia wie auch bei der Einführung ihres Abomodells, dass die­se Sonderlizenz“ für „mehr Einnahmen“ wür­de:

In die­sem Modell hat jeder Teilnehmer Vorteile: Der Verlagskunde nutzt wei­ter­hin recht­lich kon­trol­lier­te Bilder mit ech­ter Lizenz und gro­ßer Auswahl, der Fotograf erhält erfolgs­ab­hän­gi­ge Lizenzeinnahmen auf Basis der Seitenaufrufe, die Bildagentur erhält wie bis­her einen Anteil für die Bildlizensierung und die Advertising‐Agentur für die Werbedienstleistung. Sogar der Advertiser gewinnt in die­sem Modell, denn er erhält einen beson­ders auf­merk­sam­keits­star­ken und kon­text­re­le­van­ten Werbeplatz.

Dabei bedeu­tet das anders for­mu­liert nur: Der Fotograf trägt jetzt das Risiko, ob eine Werbekampagne oder eine Webseite gut läuft, vor­her wird er nicht bezahlt. Dabei hat er auf die Qualität der Werbung oder der Webseite über­haupt kei­nen Einfluss.

Außerdem: Lohnende Werbung erhal­ten vor allem Webseiten mit viel Traffic. Genau die­se Seiten wer­den aber nicht hr lukra­ti­ves Werbegeschäft außer Haus geben und mit Fotografen, einer Bildagentur und einem Werbe‐Publisher tei­len, nur um (je nach Panthermedia‐Abomodell) 32 bis 190 Cent pro Bild spa­ren zu kön­nen.

Meiner Ansicht nach führt das „Image Streaming“, soweit über­haupt von den Kunden ange­nom­men, nicht zu einer Umsatzsteigerung, son­dern zu einer Kannibalisierung. Wurde frü­her der Fotoerlös von zwei Parteien geteilt, also Fotograf und Bildagentur, wol­len beim Image Streaming nun vier Parteien ihren Anteil haben: Fotograf, Bildagentur, Verlag und dem Werbevermittler. Keine Ahnung, wo Panthermedia den Verlag in ihrer Aufzählung her hat, aber den Werbevermittler haben sie mit Adpressi prak­ti­scher­wei­se gleich selbst gegrün­det: So bleibt mehr Geld in der eige­nen Tasche.

Immerhin bie­tet Panthermedia an, die neue Option bis zum 29.11.2018 hier in der Rechteverwaltung im Anbieterbereich deak­ti­vie­ren zu kön­nen, falls man kein Interesse an die­ser Kannibalisierung „zukunfts­wei­sen­den Gelegenheit“ hat. Auch danach ist ein Opt‐Out wei­ter­hin mög­lich.

Künstliche Intelligenz“ als Buzzword darf aktu­ell natür­lich nicht feh­len:

Was wir nun sehr ober­fläch­lich mit „Werbung“ beschrei­ben, ist jedoch eine sehr kom­ple­xe Entwicklung auf Basis künst­li­cher Intelligenz.

Mich wun­dert es fast, dass sie nicht alles auf „Blockchain“-Basis auf­ge­baut haben, um es in der „Cloud“ zu lagern.

Da sich ein Trend nicht alle bil­det, gibt es auch schon eini­ge Mitbewerber, wel­che eben­falls den Markt des „Image Streaming“ beackern wol­len: SmartFrame aus Großbritannien sowie image­pro­tect aus den USA.

Was hal­tet ihr vom „Image Streaming“?

Stockfotografie als Business“-Vortrag beim OpenTable am Donnerstag, den 29.11.2018

ich gehe schon über ein Jahr mehr oder min­der regel­mä­ßig zu der OpenTable-Veranstaltung (fast) jeden letz­ten Donnerstag im Monat beim Fotografen Sebastian H. Schroeder in Köln.

Dort kön­nen Fotografen ihre Bilder vor­stel­len und sich fun­dier­tes Feedback der anwe­sen­den Kollegen abho­len und ande­re net­te Fotografen ken­nen­ler­nen.

Zusätzlich gibt es meist auch einen Vortrag zu einem Fotografie‐Thema. Am Donnerstag, den 29.11.2018, wer­de ich dort den Vortrag „Stockfotografie als Business“ hal­ten. Darin erklä­re ich, was Stockfotografie über­haupt ist und wie man da als Fotograf rein­kommt und mit­ma­chen kann. Anschließend beant­wor­te ich natür­lich auch ger­ne Fragen.

Die Veranstaltung fin­det von 18–22 Uhr statt im Atelierhaus Quartier Am Hafen, Poller Kirchweg 78–90, 51105 Köln.
Der Eintritt ist frei.

Mehr Infos zur Veranstaltung auf Facebook.

4 Strategien zum Verteilen von Stockfotos auf Bildagenturen

In letz­ter Zeit habe ich eini­ge Mails und Kommentare wie die­sen hier von Ben bekom­men, in dem er zusam­men­ge­fasst fragt: „Wie ent­schei­det ihr, wo ihr was hoch­la­det? […] Was ist eure Strategie beim Platzieren eurer Bilder?

Bevor ich mei­nen Ansatz erklä­re, will ich kurz die vier Strategien vor­stel­len, die mei­ner Ansicht nach die vor­herr­schen­den Modelle auf dem Bildermarkt sind, zwei davon sind eher auf eine exklu­si­ve Verteilung der Bilder aus­ge­rich­tet und zwei auf die nicht­ex­klu­si­ve Verteilung, mit all den Vorteilen bzw. Nachteilen.

Die beiden exklusiven Strategien

1. Vollexklusivität

Die Vollexklusivität ist recht schnell erklärt: Der Fotograf bin­det sich kom­plett an eine Bildagentur und arbei­tet aus­schließ­lich mit ihr zusam­men. Das ist zum Beispiel bei Agenturen wie Getty Images üblich (wenn auch nicht unbe­dingt not­wen­dig) oder ver­trag­lich ver­pflich­tend, wenn man als Fotograf exklu­siv zum Beispiel für die Microstock‐Tochter von Getty, iStock, arbei­ten möch­te.

Das hat den Vorteil, das man sich als Fotograf nur auf eine Agentur kon­zen­trie­ren muss und deren Mechanismen, Algorithmen und Mitarbeiter bes­ser ken­nen­ler­nen kann. Der Nachteil ist jedoch offen­sicht­lich: Die Abhängigkeit ist bei die­sem Modell am größ­ten. Wenn iStock zum Beispiel ent­schei­det, die Honorare zu kür­zen, bleibt einem wenig übrig als das zu schlu­cken oder die Zusammenarbeit zu been­den.

2. Bildexklusivität

Eine Variante der Exklusivität ist es, sich nicht als Fotograf kom­plett einer Agentur zu ver­schrei­ben, son­dern nur jedes Bild exklu­siv zu einer Agentur zu geben, zum Beispiel sei­ne Foodbilder nur zu Stockfood, sei­ne People‐Bilder nur die Westend61 und sei­ne Landschaftsfotos nur zu Plainpicture.

Der Gedanke dahin­ter ist, dass sich eini­ge Agenturen auf bestimm­te Looks und Themen spe­zia­li­siert haben und des­halb die­se Bilder bes­ser ver­kau­fen könn­ten als eine Universalagentur, die alles anbie­tet. Das erfor­dert jedoch mehr Erfahrung, um rea­lis­tisch ein­schät­zen zu kön­nen, wel­che Bilder wo am bes­ten auf­ge­ho­ben sind und macht mehr Arbeit. Dafür ist die Abhängigkeit von einer Agentur gerin­ger.

Die beiden nichtexklusiven Strategien

3. leich­te Bilderstreuung

Es gibt auch etli­che gute Gründe gegen Exklusivität. Deshalb ist dir drit­te Strategie, sei­ne Bilder leicht zu streu­en. Was jemand unter „leicht“ ver­steht, ist ver­schie­den. Das sind in der Regel meist Shutterstock und Adobe Stock als Platzhirsche unter den Microstock‐Agenturen, dann meist noch 2–6 ande­re Agenturen, wel­che alle die glei­chen Bilder bekom­men. Ein guter Ausgangspunkt ist die­se Umfrage zu den bes­ten Bildagenturen, wel­che nach Fotografenumsatz sor­tiert ist.

Da die zu erwar­ten­den Umsätze sich je nach Agentur stark unter­schei­den, kon­zen­triert sich der Fotograf hier auf die sei­ner Ansicht nach lukra­tivs­ten Agenturen, um sei­nen Arbeitsaufwand gering zu hal­ten bei best­mög­li­chen Umsatzchancen. Die Abhängigkeit gegen­über einer Bildagentur ist sehr gering, weil es genug ande­re Agenturen gibt, die even­tu­ell weg­fal­len­de Umsätze abfe­dern kön­nen.

4. tota­le Bilderstreuung

Das kom­plet­te Gegenteil zur Vollexklusivität ist die tota­le Bilderstreuung. Das bedeu­tet, dass ein Fotograf die glei­chen Bilder bei (fast) jeder Agentur hoch­lädt, die er fin­den kann. Das geschieht meist auto­ma­ti­siert über Upload‐Dienste wie StockSubmitter oder picWorkflow.

Der Gedanke dahin­ter ist, auf mög­lichst vie­len Märkten prä­sent zu sein und so die maxi­mal mög­li­chen Verkäufe zu erzie­len. Das Nachteil ist jedoch ein Kontrollverlust über sei­ne Bilder, weil eini­ge Agenturen die­se wie­der­um an Partneragenturen lie­fern und so wei­ter.

Kriterien für die Auswahl einer Strategie

Nicht jede Agentur unter­stützt jedes Modell. Einige Agenturen ver­lan­gen eine Bildexklusivität beim Upload, ande­re bie­ten die Wahl, ob der Fotograf bzw. nur die Bilder exklu­siv sein wol­len oder nicht. Manche Agenturen neh­men nur bestimm­te Themen an oder wün­schen sich eine bestimm­te Bildsprache, die ande­re Agenturen wie­der­um ableh­nen.

Bei eini­gen Agenturen wie iStock oder EyeEm ist der Uploadprozess so kom­plex und unter­schei­det sich von den ande­ren, dass sich der Upload nur schwer auto­ma­ti­sie­ren lässt. Je nach­dem, wel­che Sprache bei der Verschlagwortung eine Agentur ver­langt, kann es not­wen­dig sein, die­se über­set­zen zu müs­sen, um meh­re­re Agenturen zu belie­fern.

Welche Strategie verfolge ich warum?

Früher habe ich mei­ne Bilder nicht­ex­klu­siv zu ziem­lich vie­len Bildagenturen hoch­ge­la­den, laut mei­ner Liste gab es schon mehr als 35 Agenturen, die ich aus­pro­biert habe. Etliche davon gibt es schon gar nicht mehr und im Laufe der Jahre habe ich gemerkt, dass der Aufwand für das Hochladen oft nicht die gerin­gen Erträge lohnt, wel­che die Agentur erwirt­schaf­tet.

Deswegen bin ich mitt­ler­wei­le deut­lich selek­ti­ver bei der Auswahl der Bildagenturen. Meine übli­chen Fotos lade ich regel­mä­ßig bei neun Agenturen hoch: Adobe Stock, Shutterstock, 123rf, Dreamstime, Zoonar, Pitopia, Canva, Alamy und Mostphotos. Shutterstock wie­der­um ver­sorgt noch Bigstock, das sind also 10 Agenturen, was schon recht viel ist.

Jedes Jahr schaue ich, wel­che Agenturen die gerings­ten Umsätze erzie­len, wie viel Arbeit der Upload dort­hin macht und stel­le dann auch den Upload zu einer Agentur ein, wenn die Erlöse zu gering wer­den.

Damit schwan­ke ich bei den beschrie­be­nen Strategien zwi­schen Nummer 3 und 4. Von der tota­len Streuung hal­ten mich zwei Faktoren ab. Zum einen sehe ich an mei­nen Erlösen, dass selbst vie­le klei­ne Agenturen nicht mal ansatz­wei­se einen rele­van­ten Zusatzbetrag erwirt­schaf­ten wür­den. Geheimtipps unter den Agenturen gibt es kaum.

Selbst wenn ich durch eine Automatisierung des Uploads kei­ne zusätz­li­chen Kosten oder Zeitaufwand bei einer Erhöhung der Agenturanzahl hät­te (Stocksubmitter unter­stützt bei­spiels­wei­se ca. 30 Agenturen), spricht mei­ner Ansicht nach etwas ande­res dage­gen: Die Käuferanzahl ist begrenzt.

Wenn ich mei­ne Bilder bei Agenturen hoch­la­de, die direk­te Konkurrenten sind, kann es pas­sie­ren, dass die­se sich gegen­sei­tig durch Rabatte oder das gene­rel­le Drücken von Bildpreisen die­se Käufer abspens­tig machen wol­len. Vor allem Depositphotos hat­te da in der Vergangenheit eini­ge Skandale. Es klingt para­dox, kann aber pas­sie­ren: Bei der Belieferung von zu vie­len Bildagenturen könn­ten die Einnahmen sin­ken, weil der Kunde das gewünsch­te Bild bei der bil­ligs­ten Agentur kauft, statt bei der, die für die Fotografen die bes­ten Konditionen hat. Siehe bei­spiel­haft dazu die Diskussion zur neu­en Agentur Onepixel.

Meine Tipps für Einsteiger

Anfängern wür­de ich drei Dinge emp­feh­len:
Erstens nie exklu­siv zu gehen, um erst mal einen Marktüberblick zu erhal­ten und zu ver­ste­hen, wel­che Unterschiede es zwi­schen den Agenturen gibt. Außerdem ist Exklusivität mei­ner Ansicht nach eh ein aus­ster­ben­des Modell, wie auch die voll­ex­klu­si­ven Fotolia‐Nutzer letz­te Woche schmerz­lich erfah­ren muss­ten.

Zweitens sich am Anfang auf 3–4 umsatz­star­ke Agenturen zu kon­zen­trie­ren (z.B. Adobe Stock, Shutterstock, 123rf und Alamy), um sich nicht zu ver­zet­teln und unnö­ti­ge Zeit und Energie in Agenturen zu inves­tie­ren, die sich spä­ter doch nicht loh­nen.

Drittens infor­miert zu blei­ben über neue Entwicklungen auf dem Bildermarkt und ggf. spä­ter doch 2–3 wei­te­re Agenturen aus­zu­pro­bie­ren, ob die­se lukra­tiv sind, aber auch den Mut haben, die Geschäftsbeziehung zu einer Agentur zu been­den, wenn sich die­se nicht mehr lohnt. Hier lege ich euch natür­lich die­sen Blog hier oder mei­ne Facebook‐Seite ans Herz oder das Branchenforum MicrostockGroup.

Welche Strategie ver­folgt ihr und war­um?

Änderungen bei der VG Bild‐Kunst betreffen auch Stockfotografen

In den letz­ten Tagen erhiel­ten die Mitglieder der Verwertungsgesellschaft Bild‐Kunst (VG Bild‐Kunst) einen dicken Stapel Papier und die Einladung zur Mitgliederversammlung am 28.7.2018.

Außerdem wer­den vie­le, teils gra­vie­ren­de, Änderungen am Verteilungsplan bekannt gege­ben, wel­cher sich auf die Vergütungen der ein­zel­nen Fotografen aus­wirkt.

Wer nicht weiß, was die VG Bild‐Kunst ist und was sie macht, kann hier einen – etwas ver­al­te­ten – Überblick von mir lesen.

Termin:
Die Frist für die Meldung von Webseitennutzungen für die Jahre 2016 und 2017 endet am 31.8.2018. Aktuell ist nur die Meldung in Papierform mög­lich, es wird aber an einer Möglichkeit der digi­ta­len Meldung gear­bei­tet [Update: Mittlerweile soll die digi­ta­le Meldung mög­lich sein].

Verstanden habe ich, dass wir bis zum 31.8.2018 die Meldungen für 2016 und 2017 ein­ge­reicht haben müs­sen. Aber ich bin nicht sicher, was man unter Einzelverwendungen auf Webseiten mel­den kann. Die Bilder, die Agenturen von uns haben, kann man wohl nicht mehr mel­den…

Da ich mit mei­ner Ratlosigkeit nicht allei­ne dastand, son­dern etli­che Zuschriften zum Thema erhielt, erstell­te ich die­sen Fragenkatalog, den ich offi­zi­ell an die VG Bild‐Kunst zur Beantwortung ein­reich­te.

Nach fünf Wochen Wartezeit und vier Nachfragen bekam ich end­lich eine Antwort von Dr. Urban Pappi, dem geschäfts­füh­ren­den Vorstand der VG Bild‐Kunst.

Ich gebe sei­ne Antwort hier im Original wie­der, um kei­ne inhalt­li­chen Verkürzungen oder Verzerrungen zu erhal­ten, fett­ge­druck­te Stellen sind jedoch Markierungen von mir:

Der ordent­li­chen Mitgliederversammlung 2018, die in gut einer Woche am 28. Juli in Bonn tagen wird, liegt ein Antrag zur Neuregelung von Verteilungsregeln im Bild‐Bereich (BG II) vor, die die Ausschüttung der Privatkopiegelder betref­fen, die auf das Kopieren von digi­ta­len Quellen zurück­zu­füh­ren sind. Vorausgegangen war die Außerkraftsetzung des alten „Verteilungsplans 7“ mit Wirkung ab 2016. Wir haben der­zeit somit eine Lücke im Verteilungsplan, die jetzt geschlos­sen wer­den soll.

Die geplan­ten Regelungen stell­ten eine schwie­ri­ge Herausforderung für die Bild‐Kunst dar, denn aus dem Internet kann bekannt­lich welt­weit Bildmaterial aus allen erdenk­ba­ren Quellen her­un­ter­ge­la­den wer­den. Nutzungsdaten exis­tie­ren nicht. Vor die­sem Hintergrund ist es nicht ein­fach, eine ange­mes­se­ne Verteilungsregel zu schaf­fen, die dem tra­gen­den Leistungsprinzip Rechnung trägt. Außerdem ist die dis­kri­mi­nie­rungs­freie Verteilung der Vergütungen an Berechtigte der Bild‐Kunst und an Berechtigte der aus­län­di­schen Schwestergesellschaften sicher­zu­stel­len. Der alte, bis 2015 gel­ten­de „Verteilungsplan 7“ wies in bei­den Bereichen Mängel auf.

Die neu­en Verteilregeln sind in vie­len Fachsitzungen der Bild‐Kunst und schließ­lich in der Berufsgruppenversammlung am 3. Mai 2018 aus­führ­lich bera­ten wor­den. Sie stel­len somit kei­nes­falls eine Eigenkreation der Geschäftsstelle dar. Die Geschäftsstelle hat viel­mehr den Findungsprozess mode­riert und sorgt dafür, dass alle recht­li­chen Bestimmungen beach­tet wer­den.

Das geplan­te Verteilsystem für Privatkopievergütungen (digi­ta­le Quellen) berück­sich­tigt in sei­ner ers­ten, jetzt zur Entscheidung ste­hen­den Stufe, das Kopieren von Abbildungen von Websites. E‐Books und Social Media sol­len in einer spä­te­ren Stufe ein­ge­baut wer­den. Die Websites als Kopierquellen wer­den zunächst auf der Grundlage der Ergebnisse einer empi­ri­schen Untersuchung auf Verwertungsgesellschaften auf­ge­teilt. Die Bild‐Kunst admi­nis­triert die Kopien von deut­schen Websites. Sodann hat sich die Berufsgruppenversammlung für ein Honorarmeldesystem ent­schie­den. Hintergrund ist die stän­di­ge Rechtsprechung des EuGH, der die Privatkopievergütung als eine Art Schadenersatz betrach­tet. Koppelt man die Höhe der Vergütung an die mit der Erstverwertung erziel­ten Honorare, erfolgt dadurch eine hin­rei­chen­de Berücksichtigung der Höhe des Schadens. Die Einzelbildmeldung soll nur als Komplementär die­nen, für den Fall, dass ein Berechtigter kei­ne Honorare erzielt hat. Sie ist nur als Auffangnetz gedacht und hat den Charakter einer Mindestvergütung. Pro Jahr kön­nen pro Ausschüttungssparte ent­we­der Honorare oder Einzelbilder gemel­det wer­den.

Die Begrenzung auf 200 Einzelbilder gilt pro Ausschüttungssparte: einer­seits „Fotografie“, ande­rer­seits „Illustration/Design“. Die Begrenzung gilt pro Jahr für alle Webseiten. Im Folgejahr kön­nen jedoch die­sel­ben Bilder wie­der gemel­det wer­den. Das gilt für Honorare nicht, die nur ein­ma­lig gemel­det wer­den kön­nen.

Die Begrenzung wur­de pri­mär ein­ge­führt, um zu ver­hin­dern, dass das System aus­ge­nutzt wird von Berechtigten, die sel­ber vie­le Webseiten schaf­fen und mit eige­nen Abbildungen bestü­cken. Außerdem soll ver­hin­dert wer­den, dass die Vergütungen rein quan­ti­ta­tiv nach der Anzahl der im Web auf­find­ba­ren Einzelbilder abge­rech­net wird. Denn die rei­ne Quantität sagt nur bedingt etwas aus über die Kopierhäufigkeit oder den Schaden durch das Kopieren. Die Berufsgruppenversammlung hat sich am 3. Mai dafür aus­ge­spro­chen, die Begrenzung zu über­prü­fen, nach­dem die ers­te Ausschüttung gelau­fen ist.

Meldungen von Einzelbildern auf Webseiten von Bildagenturen sol­len nicht zuge­las­sen wer­den, weil Bildagenturen schon im Eigeninteresse meis­tens durch Wasserzeichen, gerin­ge Auflösung oder ande­re Maßnahmen ein sinn­vol­les Kopieren ver­hin­dern.

Die Ergebnisse der empi­ri­schen Untersuchungen lie­gen dem Vorstand und dem Verwaltungsrat vor. Wir ver­öf­fent­li­chen sie jedoch nicht, weil wir auch dar­auf ach­ten müs­sen, dass unse­re eige­nen Studien nicht gegen uns ver­wen­det wer­den, z.B. von den Vergütungsschuldnern. Natürlich lie­gen die Studienergebnisse auch der Aufsichtsbehörde vor.

Von der Einführung von Wertungsfaktoren zum jet­zi­gen Zeitpunkt rät die Fachgruppe, die sich mit dem Thema befasst hat, zum der­zei­ti­gen Zeitpunkt ab. Es wird somit aktu­ell nicht zu Wertungsfaktoren kom­men. Es wird dis­ku­tiert, ob man zu einem spä­te­ren Zeitpunkt „Kulturfaktoren“ ein­füh­ren soll. Hierüber müss­te dann aber die Mitgliederversammlung ent­schei­den.

Die ein­zel­nen Erlössparten kön­nen aus dem Geschäftsbericht der Bild‐Kunst ent­nom­men wer­den.

Das Melden von Fotos für deut­sche Bücher 2017 hat sich gegen­über frü­her nicht geän­dert. Meldeschluss war der 30.06.2018. Ich füge ein Merkblatt bei.

Ihre Fragen zum Umgang mit Bildagenturen wer­den der­zeit noch intern bespro­chen. Das neue System wird an vie­len Stellen Fragen auf­wer­fen, die wir erst nach und nach beant­wor­ten kön­nen.

Ich hof­fe, Ihnen mit die­sen Antworten gehol­fen zu haben.

Mit bes­tem Gruß,
Urban Pappi“

Einige wei­te­re Fragen zum neu­en Verteilungsplan wer­den an die­ser Stelle ver­sucht zu beant­wor­ten.

Ich weiß nicht, wie es euch beim Lesen geht, aber bei mir hin­ter­las­sen die Antworten ein sehr unbe­frie­di­gen­des Gefühl.

Leider wur­den die rich­tig span­nen­den Fragen nicht beant­wor­tet, zum Beispiel ob Honorare deut­scher Bildagenturen kom­plett gemel­det wer­den kön­nen oder wie „deut­sche Nutzung“ genau defi­niert wird. Die „empi­ri­schen Untersuchungen“, auf die sich der gesam­te Verteilungsplan stützt, bleibt lei­der geheim und dass Fragen offen sind, ist bekannt und bleibt ein­fach so.

Protest gegen den neuen Verteilungsplan der VG Bild‐Kunst

Nicht alle wol­len die omi­nö­sen Änderungen am Verteilungsplan wider­spruchs­los hin­neh­men. Zum Beispiel enga­giert sich der „berufs­ver­band bil­den­der künstler*innen ber­lin“ seit 2017 hier gegen die Änderungen.

Auch die dar­aus ent­stan­de­ne Initiative ich-krieg-weniger.de for­dert eine Rücknahme der geplan­ten Änderungen und lis­tet auch der Webseite etli­che Details auf.

Jedes Mitglied der VG Bild‐Kunst kann am Samstag, den 28.7.2018 in Bonn selbst ent­schei­den, wie es abstim­men will. Wer nicht per­sön­lich dabei sein kann, kann hier noch bis zum 24.7.2018 sein elek­tro­ni­sches Stimmrecht wahr­neh­men, sofern die Zugangsdaten recht­zei­tig ange­for­dert wur­den. Die gra­vie­rends­ten Änderungen ver­ste­cken sich hin­ter „Antrag: Die Ergänzungen §§ 43, 44, 45 des Verteilungsplans wer­den vor­ge­nom­men gemäß dem Wortlaut des Dokuments „Antrag 11 – Neues Veteilungsschema „Privatkopie Bild digi­tal“.“