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Fotos online verkaufen ohne Stock-Bildagenturen

Manchmal erhal­te ich Anfragen von Leuten, die Geld mit ihren Bildern ver­die­nen wol­len, ohne sie über „klas­si­sche“ Bildagenturen anzu­bie­ten. Die Antwort fällt mir etwas schwer, weil ich das sel­ten mache. Um die Neugier trotz­dem etwas zu befrie­di­gen, habe ich mit Hilfe eini­ger Kolleginnen und Kollegen eine Auswahl an Alternativen erstellt.

Mein „etwas ande­rer“ Look über eine ande­re Bildagentur

Im Gegensatz zu mei­nen sons­ti­ge  Artikeln flie­ßen hier deut­lich weni­ger per­sön­li­che Erfahrungen von mir ein, dafür ver­su­che ich, auf die Erfahrungen ande­rer zu ver­lin­ken.

Kalender verkaufen

Statt Fotos kann man auch Kalender mit eige­nen Bildern ver­kau­fen. 2012 star­te­te in die­sem Bereich der Anbieter Calvendo, wel­cher mitt­ler­wei­le im Bereich der „Self Publishing“-Kalender der Marktführer ist. Der Vorteil einer Zusammenarbeit mit Calvendo ist, dass die fer­ti­gen Kalender eine ISBN-Nummer erhal­ten und damit bei allen Buchhändlern gelis­tet sind. Der Nachteil ist der zusätz­li­che Aufwand der Kalender-Gestaltung, immer ver­bun­den mit even­tu­el­len Ablehnungen der Kalender sei­tens Calvendo, wenn die Motive nicht gut genug oder das Thema schon über­lau­fen ist. Einer der aus­führ­lichs­ten und lesens­wer­tes­ten Erfahrungsberichte gibt es hier von Tommaso Maiocchi.
Andere Anbieter, wo man sei­ne eige­nen Kalender anbie­ten kann, sind zum Beispiel der Shop-Bereich von meinbildkalender.de oder lulu.com.

Print-On-Demand Webseiten

Ich bin mir nicht sicher, ob der Begriff voll­kom­men pas­send ist, ich mei­ne jeden­falls Webseiten, wo Leute alle mög­li­chen Produkte mit dei­nen Motiven bestel­len kön­nen. Üblicherweise sind das T-Shirts, Tassen oder Poster, es gibt auch aber alle mög­li­chen ande­ren Produkte wie Brotdosen, Handyhüllen und so wei­ter.

Bekannte Anbieter sind hier zum Beispiel Zazzle, Redbubble, Cafépress, Society6Spreadshirt, Fineartprint und eini­ge mehr. Während die ers­ten vier Firmen fast alles bedru­cken, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist, haben sich ande­re Anbieter etwas spe­zia­li­siert, Spreadshirt zum Beispiel auf T-Shirts (und ande­re Kleidung) oder Fineartprint auf Kunstdrucke.

Der Vorteil die­ser Firmen ist, dass hier eine ganz ande­re Zielgruppe als bei Bildagenturen ange­spro­chen wird: Weniger die Firmenkunden, son­dern vor allem Privatkunden, die Geschenke suchen oder Dekoration für die eige­ne Wohnung. Der Nachteil ist, dass man bei den Firmen oft jedes Produkt für die unter­schied­li­chen Produkte anpas­sen muss. Mit „ein­fach zig Bilder hoch­la­den und fer­tig“ ist hier meist nicht getan. Außerdem muss je nach Anbieter und Produkt das Druckverfahren berück­sich­tigt wer­den, weil zum Beispiel ganz dün­ne Linien meist nicht gut gedruckt wie­der­ge­ge­ben wer­den kön­nen.

Wer sich einen Eindruck von den Verkaufsmöglichkeiten machen will, fin­det bei Fineartprint eine Liste der „Top 100 Verkäufer“ mit Verkaufszahlen zu jedem Bild ange­zeigt. Demnach haben die Top-Verkäufer mit ca. 1000–2000 Bildern online bis­her knapp 3000 Verkäufe ins­ge­samt erzielt. Eine der Top-Verkäuferinnen bei Zazzle teilt hier aus­gie­bi­ge Zahlen zu ihren Einnahmen.

DIY-Webseiten

Wer eine stär­ke­re Kontrolle über die ange­bo­te­nen Produkte und deren Qualität behal­ten will, kann kom­plett eige­ne (Foto-)Produkte über Webseiten wie Etsy anbie­ten. Der offen­sicht­li­che Nachteil ist hier, dass man die Produkte selbst vor­rä­tig haben und dann auch ver­schi­cken muss. Deswegen eig­net sich die­ser Kanal mei­nes Erachtens weni­ger gut für Fotoprodukte. Wer es den­noch wagen will, fin­det hier eine Gebührenübersicht von Etsy.

Nicht ganz tref­fend, aber als ers­ter Einblick viel­leicht nütz­lich sind die­se Beispiele erfolg­rei­cher DIY-Schmuckanbieter bei Etsy. Hier ist ein wei­te­rer Umsatzbericht einer erfolg­rei­chen Etsy-Verkäuferin.

Digitale Marktplätze für Kreative

Mit „digi­ta­len Kreativ-Marktplätzen“ mei­ne ich Webseiten wie Creative Market, Gumroad oder TheHungryJPEG. Diese Webseiten kom­men Bildagenturen schon sehr nahe, mit dem Unterschied, dass hier die Künstler deut­lich mehr Einfluss auf die Präsentation ihrer Produkte und der Angebote haben. Außerdem ist das Angebot weni­ger stan­da­ri­siert, es kön­nen neben Fotos oder Illustrationen zum Beispiel auch Fonts, Templates, Photoshop-Pinsel, Layer Styles und vie­les mehr ange­bo­ten wer­den. Gerne wer­den dort ein­zel­ne Produkte zu „Bundles“ zusam­men­ge­fasst, die zusam­men güns­ti­ger als die ein­zel­nen Produkte sind.

Es gibt etli­che Erfahrungsberichte und Tipps zu Creative Market online, hier einer als Beispiel. Zu Gumroad gibt es hier oder hier gemisch­te Berichte.

Für rei­ne Fotos sind die­se Webseiten nicht unbe­dingt die bes­ten Anlaufstelle, wer aber neben Fotos ande­re digi­ta­le Kreativprodukte her­stel­len kann, für den kön­nen die­se Marktplätze durch­aus loh­nend sein.

Wer noch mehr Kontrolle haben will, kann mit Diensten wie Sellfy, Shopify oder Xmstore auch einen eige­nen Shop oder eine eige­ne Bildagentur auf­bau­en.

Bildagenturen, die anders sein wollen

Wer das Konzept von Bildagenturen schon ganz attrak­tiv fin­det, sich aber nur nicht mit dem bevor­zug­ten Bildstil anfreun­den kann, soll­te sich „alter­na­ti­ve“ Bildagenturen anschau­en, die meist nach einem sehr ähn­li­chen Prinzip arbei­ten, aber je nach Agentur einen ganz ande­ren Bildlook bevor­zu­gen.

Dazu gehö­ren zum Beispiel Firmen wie Photocase, Stocksy, 500px, Twenty20 oder EyeEm, wel­che oft aus Fotocommunites her­vor­ge­gan­gen sind. Bei Photocase haben zum Beispiel eini­ge Fotografen gute Erfahrungen gemacht, wenn sie gezielt die Bilder dort hoch­ge­la­den haben, wel­che ihnen bei Shutterstock oder Adobe Stock abge­lehnt wur­den. Mein Kollege Michael Zwahlen hat über sei­ne Einnahmen bei EyeEm hier berich­tet. Über die Einnahmen bei Photocase im Vergleich zu Microstock-Agenturen schreibt hier Werner Rebel.

Generelle Unterschiede zu Bildagenturen

Der Hauptunterschiede der oben beschrie­be­ne­nen alter­na­ti­ven Vertriebswege ist mei­nes Erachtens die ande­re Bildsprache. Da im Gegensatz zu den Microstock-Agenturen Privatkunden abge­spro­chen wer­den, sind „schö­ne­re“ Motive gefragt, die sich gut als Wandschmuck eig­nen wür­den. Wer also ger­ne Blümchen, Sonnenuntergänge oder nied­li­che Kätzchen foto­gra­fiert, hat damit dort sicher mehr Erfolg als bei den übli­chen Bildagenturen. Einige mei­ner Bestseller-Motive wie Business-Teams hin­ge­gen hät­ten bei Photocase oder Calvendo sicher kei­ne Chance.

Der zwei­te Unterschied ist, dass jede die­ser Seiten wie­der ganz ande­re Anforderungen an die hoch­ge­la­de­nen Dateien hat und je nach Seite deut­lich mehr zusätz­li­che Informationen (wie z.B. Vorschaubild oder Produktbeschreibung) ver­langt. Teilweise wer­den auch nicht mal IPTC-Daten aus­ge­le­sen. Das alles macht es schwer, einen uni­ver­sel­len Workflow zu fin­den, mit dem meh­re­re die­ser Agenturen gleich­zei­tig belie­fert wer­den könn­ten.
Unter dem Strich bleibt aber eine Gemeinsamkeit mit den gro­ßen Bildagenturen: Nur weni­ge Fotografen schaf­fen es, dort viel zu ver­die­nen. Das sind meist auch die, die regel­mä­ßig hohe Qualität lie­fern. Wer sich nicht aus­gie­big mit einer Webseite beschäf­tigt und am Ball bleibt, wird bald wegen zu gerin­ger Umsätze frus­triert auf­ge­ben.

Das Geschäftsmodell von Pixabay und mögliche Folgen

Schon län­ger fas­zi­niert mich das Geschäftsmodell „gra­tis“.

Wie kann man Geld mit etwas ver­die­nen, was ver­schenkt wird? Dazu gibt es zum Beispiel das Buch „Free – Kostenlos: Geschäftsmodelle für die Herausforderungen des Internets“* von Chris Anderson (bekannt durch den „Long Tail“) oder die Juni-Ausgabe der Wirtschaftszeitschrift „brand eins“ mit den Themenschwerpunkt „Umsonst“.

Kostenloses Public-Domain-Foto von Firmbee auf Pixabay

Auch im Blog hat­te ich hier schon mal beleuch­tet, war­um Fotografen kos­ten­lo­se Bilder anbie­ten.

Heute soll es um die ande­re Seite gehen: Wie ver­die­nen „Bildagenturen“ Geld, die ihre Bilder ver­schen­ken? Als Beispiel will ich die Webseite Pixabay neh­men, über die es vor einer Weile die­sen län­ge­ren Artikel bei „Online Marketing Rockstars“ gab. Darin steht der sehr span­nen­de Satz:

Das Monetarisierungsmodell fußt dabei auf nur einer Säule. User, die pixabay.com nut­zen, ohne sich anzu­mel­den, bekom­men auf jeder Suchergebnisseite und auf den Bilderdetailseiten sel­ber eine Reihe von Stockfotos der bör­sen­no­tier­ten Fotobörse Shutterstock ange­zeigt. Kauft ein Nutzer dort in der Folge ein Bild, gibt es eine Affiliate-Provision.“

Mit die­ser Methode erzielt Pixabay laut dem Pixabay-CEO Hans Braxmeister mit nur vier Mitarbeitern über 100.000 Euro Umsatz im Jahr.

Wie wird der Umsatz genau erzielt?

Als ers­tes muss es genug Leute geben, die ihre Bilder Pixabay und deren Nutzern gra­tis zur Verfügung stel­len. Das geschieht in die­sem Fall nicht nur unter einer „Creative Commons“-BY-Lizenz, wel­che auch die kos­ten­lo­se kom­mer­zi­el­le Nutzung bei Namensnennung erlaubt, son­dern sogar unter der „Creative Commons CCO“-Lizenz. das bedeu­tet: Die Bilder wer­den in die „Public Domain“ gege­ben, sind also gemein­frei und die Fotografen ver­zich­ten welt­weit auf alle urhe­ber­recht­li­chen und ver­wand­ten Schutzrechte.

Über Suchmaschinen wie Google Images lan­den Nutzer, die kos­ten­lo­se Bilder zur frei­en Verwendung suchen, auf Seiten wie Pixabay. Dort kön­nen sie wie bei Microstock-Agenturen nach Keywords suchen. Zusätzlich zu den kos­ten­lo­sen Bildern wer­den als Ergebnis auch kos­ten­pflich­ti­ge Bilder vom Affiliate-Partner Shutterstock ange­bo­ten, die meist viel attrak­ti­ver aus­se­hen.

Entscheidet sich der Bildsucher dafür, doch kein kos­ten­lo­ses Bild zu neh­men, son­dern eins bei Shutterstock zu lizen­zie­ren, bekommt Pixabay eine Affiliate-Provision vom Kauf.

Auf der Affiliate-Seite von Shutterstock wer­den aktu­ell 20% als Kommission für gewor­be­ne Käufer genannt. Wenn wir den oben genann­ten Zahlen Glauben schen­ken, erzielt Shutterstock also ca. 500.000 Euro Umsatz durch Pixabay im Jahr, von denen Pixabay ein Fünftel abbe­kommt, blei­ben 400.000 Euro pro Jahr für Shutterstock.

Das Problem für Kunden von Pixabay

So rosig die Zahlen für Pixabay auch klingt, die Leidtragenden sind die Nutzer und Fotografen von Pixabay.

Schauen wir uns mal drei Bildbeispiele von der Seite an:

Die sechs Bilder rechts sind die „kom­mer­zi­el­len Bilder“ von Shutterstock (noch am Wasserzeichen erkenn­bar). Darüber steht „CCO Public Domain. Freie kom­mer­zi­el­le Nutzung“. Damit sug­giert Pixabay unwis­sen­den Nutzern, dass das Bild ohne Probleme für kom­mer­zi­el­le Zwecke genutzt wer­den kön­ne. Erst etwas ver­steckt in den Nutzungsbedingungen und den FAQ wird dar­auf hin­ge­wie­sen, dass bei werb­li­cher Nutzung eine zusätz­li­che Erlaubnis von Markeninhabern nötig ist. Im obi­gen Bild wäre das bei­spiels­wei­se Apple, um Bild unten Porsche.

Für Leute, die mal schnell ein kos­ten­lo­ses Bild suchen und von den recht­li­chen Aspekten wenig Ahnung haben, wer­den also wider­sprüch­li­che Signale gesen­det, die schnell mal miß­ver­stan­den wer­den kön­nen und dann teu­er wer­den könn­ten.

Angesichts des­sen, dass bei der stren­ge­ren Creative Commons-CC-SA-Lizenz des Bundesarchivs die über­wie­gen­de Mehrheit der Nutzer sich nicht an die Lizenzbedingungen gehal­ten hat, kann bei Pixybay Ähnliches ver­mu­tet wer­den.

Fotografen hin­ge­gen haben ganz ande­re Probleme.

Das Problem der Pixabay-Fotografen

Es mag Gründe geben, war­um Fotografen ihre Fotos ver­schen­ken. Acht Gründe hat­te ich hier genannt.Da ich als jemand, der vom Verkauf sei­ner Fotos lebt, etwas vor­ein­ge­nom­men bin, könnt ihr hier ein Interview mit Gerd Altmann lesen, einem Hobbyfotografen, der hier bei Pixabay mitt­ler­wei­le mehr als 14.000 Bilder online hat, die in knapp fünf Jahren zusam­men mehr als 12 Millionen (!) Downloads erzielt haben.

Im Interview heißt es unter ande­rem:

In mei­nem Beruf als Altenpfleger fehlt es lei­der oft an dem Applaus, den ich jeden­falls für mei­ne täg­li­che Ego-Stabilität brau­che. […] Natürlich wür­de ich auch Geld mit mei­nen Bildern ver­die­nen wol­len, aber lei­der habe ich nie gelernt, wie man das macht. Ich besit­ze ein­fach die­se Fähigkeit nicht, aus mei­nen Talenten Kapital zu schla­gen. Kaufmännische Eigenschaften feh­len mir gänz­lich, eben­so die Gabe, ande­re von mei­ner eige­nen Richtigkeit zu über­zeu­gen und für die­se über­zeug­te Richtigkeit zu kas­sie­ren.“

Es gibt aber auch gewich­ti­ge Gründe dage­gen, denn das Geldverdienen ist der Knackpunkt. Etliche neue Fotografen nut­zen die Gratisplattformen als Einstieg, weil sie unsi­cher sind ob ihre Bilder ver­käuf­lich sind. Wenn sie dort gen­gend Downloads erzielt haben, wol­len sie meist ver­su­chen, ihre Bilder woan­ders zu ver­kau­fen.

Das geht zumin­dest mit den glei­chen Bildern meist nicht mehr. So sagt Adobe Stock (als Antwort auf eine Support-Anfrage) zum Beispiel ganz klar:

Bilder die auf einer wei­te­ren Platform zum kos­ten­lo­sen Download ange­bo­ten wer­den, sind von Adobe Stock aus­ge­schlos­sen.

Auch bei Shutterstock heißt es hier ein­deu­tig:

Public domain con­tent can­not be sub­mit­ted under any cir­cum­s­tan­ces.“

Das Gleiche gilt auch für fast alle ande­ren Bildagenturen, weil sich jede Agentur in der Regel ver­si­chern lässt, dass der Fotograf der Inhaber aller not­wen­di­gen Urheber- und ande­rer Schutzrechte sind. Genau die­se geben Fotografen aber ab, wenn sie ihre Bilder bei Pixabay in die „Public Domain“ ent­las­sen.

Der Pixybay-Anbieter Harald Landsrath muss­te das schmerz­lich am eige­nen Leib erfah­ren. Er woll­te sei­ne Bilder nach einem knap­pen Jahr bei Pixabay über Microstock-Agenturen anbie­ten, was die­se jedoch nicht erlaub­ten.

Ich frag­te ihn via Facebook, war­um er bei Pixabay ange­bo­ten hat­te und was ihn zum Wechselwunsch ver­an­lasst hat­te. Er schrieb mir:

Der Grund lag dar­in, dass ich nicht mit kom­mer­zi­el­ler Absicht ange­fan­gen habe und mei­ne Bilder von einer Community bewer­ten las­sen woll­te. Anhand der Statistiken bei PIXABAY (Downloads, Aufrufe, Daumen). Außerdem hör­te man von ande­ren dass dort immer wie­der mal ein „Kaffee“ spen­diert wird (Spende). Die Spendenbereitschaft bei PIXABAY ist aller­dings äußerst gering. So ver­zeich­ne­te ich mit über 200 Bildern, 8 Monaten bis­her 38.000 Downloads und ca. 6 € Spenden von 3 Spendern. Daher dann der Gedanke, die­se nun doch zu ver­kau­fen. Klar ist es ärger­lich, dass ich die­se Bilder nicht mehr ver­wer­ten kann – aller­dings ist man hin­ter­her immer schlau­er.

Wenn wir die­se Zahlen zugrun­de legen und die ca. 315fachen Downloads von Gerd Altmann auf die Geldspenden umrech­nen, kön­nen wir ca. 2.000 Euro Einnahmen (in fünf Jahren) für des­sen 12 Millionen Downloads ver­mu­ten.

Versuchen wir mal, dass zu Downloads bei Microstock-Agenturen zu set­zen. Angenommen, er wür­de nur 0,1% der Downloads bei Fotolia haben, hät­te er dort ca. 12.000 Downloads erzielt. Selbst wenn alle in der kleins­ten Bildgröße XS statt­ge­fun­den hät­ten, wären das immer noch ca. 3000 Euro Einnahmen gewe­sen.

Harald wies mich auch dar­auf hin, dass ande­re Seiten wie die­se hier eini­ge sei­ner Fotos zum kos­ten­lo­sen Download anbie­ten und eben­falls Spendengelder ein­sam­meln, die jedoch (ent­ge­gen anders­lau­ten­der Information auf der Webseite) beim Seitenbetreiber ver­blei­ben wür­den. Alles legal soweit, weil es Public-Domain-Bilder sind. Es ver­die­nen also Pixabay, Shutterstock und ggf. ande­re Webseiten an den Fotos, nur der Fotograf so gut wie nichts.

Warum machen Microstock-Agenturen da mit?

Ich habe ehr­lich gesagt mei­ne Probleme, zu ver­ste­hen, war­um Microstock-Agenturen, die vom Bilderverkauf leben, bei die­sem System mit­spie­len. Es heißt in der Branche, dass es sehr teu­er sei, Neukunden zu gene­rie­ren, wes­halb die­se Millionen Gratisdownloads sozu­sa­gen zäh­ne­knir­schend akzep­tiert wer­den, wenn dadurch eini­ge neue Käufer zur Bildagentur fin­den.

Offensichtlich kann Shutterstock damit ja ca. eine hal­be Million Euro Umsatz im Jahr gene­rie­ren, von denen jedoch 20% gleich wie­der abflie­ßen. Unklar ist lei­der, wie hoch der Umsatzverlust ist, der durch die gro­ßen Gratisplattformen ver­ur­sacht wird. In die­sem Interview von 2016 spricht der Pixabay-CEO von über 5 Millionen Seitenabrufen pro Tag. Wenn wir anneh­men, dass nur 0,1% die­ser Abrufe zu einem Download füh­ren wür­den, wären das immer noch 50.000 Downloads pro Tag. Das wären mehr als 18 Millionen ent­gan­ge­ne Bildnutzungen pro Jahr, die Shutterstock oder eine ande­re Agentur nicht mone­ta­ri­sie­ren könn­ten.

Was sagt ihr dazu? Welche Erfahrungen habt ihr mit Pixabay gemacht?

* Affiliate

Interview mit einem Stockfotografie-Aussteiger

Viele Leute ver­su­chen ihr „Glück“ mit der Stockfotografie. Es wird von den Bildagenturen ja auch manch­mal etwas zu leicht dar­ge­stellt: „Verdiene ein­fach Geld mit dei­nen Urlaubsfotos“ oder „Hochladen und Kasse machen“.

Nicht jeder hat dabei Erfolg und etli­che hören wie­der auf. Über die Gründe dafür spre­che ich heu­te mit dem Fotografen Axel Lauer. Einige Schimpfwörter habe ich euch erspart, denkt euch da euren Teil.

Axel Lauer
Axel Lauer

Robert Kneschke: Wie bist du zur Fotografie und dann zur Stockfotografie gekom­men?

Axel Lauer: Zur Fotografie bereits wäh­rend mei­ner Schulzeit Ende der 1970er Jahre für unse­re Schülerzeitung. Dann habe ich fast zwei Jahrzehnte pau­siert, um 1997 wie­der damit zu begin­nen.

1999 bin ich zu einer ein­jäh­ri­gen Reise nach Asien auf­ge­bro­chen, die für mich eine Art selbst­ge­wähl­te Gesellenprüfung war. Ich hat­te mir vor­ge­nom­men, Fotografie beruf­lich zu betrei­ben, sofern es mir gelän­ge, von der Reise genug taug­li­che Aufnahmen mit­zu­brin­gen.
Zur Stockfotografie kam ich erst eini­ge Zeit spä­ter. Ich den­ke das wird so 2008/2009 gewe­sen sein.

Wie wür­dest Du Deinen Stil beschrei­ben?

Oh, das ist schwer und gern wür­de ich das ande­ren über­las­sen. Da ich mich in recht unter­schied­li­chen Genres umtue, müs­sen auch die Stilmittel recht unter­schied­lich aus­fal­len.
Ich kann Dir was zu mei­nem foto­gra­fi­schen Grundsatz sagen:
1: Jeder Mensch hat das Recht auf eine posi­ti­ve Darstellung sei­ner selbst.
2: Fuck Photoshop. Get it right in came­ra!

Two young beautyful women with luxurios fantasy headdress wich contains horns of a ram and venetian art-work in a vintage style with lensflare and beautyful bokeh in front of blue lit smoke.
Two young beau­ty­ful women with luxu­ri­os fan­ta­sy head­dress which con­ta­ins horns of a ram and vene­ti­an art­work in a vin­ta­ge style with lens­fla­re and beau­ty­ful bokeh in front of blue lit smo­ke.

Grundsätzlich bin ich ger­ne „nah dran“, was aber meist die emo­tio­na­le Nähe zum Subjekt meint und nicht unbe­dingt den Betrachtungsabstand. Ausserdem hal­te ich nichts von Pixelschubsereien. Obwohl ich digi­tal foto­gra­fie­re, den­ke und hand­le ich ana­log. Ansätze wie „Das kann man doch mit Photoshop machen / repa­rie­ren“ (die ich lei­der immer wie­der bei mei­nen Auszubildenden in der Anfangszeit ihrer Ausbildung erle­be), sind mir ein Graus.

Welche Agenturen hast Du belie­fert?

Früher hat­te ich alle Großen belie­fert. Shutterstock, iStock, Pond5, Envato, 123rf, Dreamstime und vie­le ande­re mehr. Am Ende belie­fer­te ich nur noch eine Agentur, die sich unter all den mora­lisch höchst frag­wür­di­gen Ausbeutern als die „Einäugige“ unter den „Blinden“ her­vor­ge­tan hat­te. Das war Revostock, die aber nun auch Ende 2015 das Zeitliche geseg­net hat.

Beschreibe bit­te dei­ne Motivation, bei Bildagenturen hoch­zu­la­den und wel­che Ziele Du Dir dabei gesetzt hast.

Ruhm und Ehre? Broterwerb natür­lich! Aber nach­dem man sich inzwi­schen soweit bücken muss, dass einem die Sonne auch zur Mittagszeit im August dort­hin scheint, wo sie übli­cher­wei­se nicht hin­kommt, habe ich einer „Agentur“ nach der ande­ren den Laufpass gege­ben. Ich wei­ge­re mich den „Stockfoto-[Schimpfwort]“ zu geben. Wer unbe­dingt auf deren Baumwollfeldern ackern und den Ast, auf dem er sitzt, absä­gen will, darf das ger­ne tun. Ich hin­ter­trei­be nur ungern mei­ne eige­ne beruf­li­che Existenz. Dafür bin ich zu intel­li­gent.

Du hat­test irgend­wann 25.000 Bilder online. Wie lan­ge hast Du dafür gebraucht, was für Motive, Themen etc. waren das?

Ich habe nie expli­zit für Stockagenturen pro­du­ziert, son­dern Photostock (ins­be­son­de­re Microstock) immer als wei­te­res „Abfallprodukt des Kapitalismus“ gese­hen, das ich en pas­sant mit­ge­nom­men habe. Die 25.000 Bilder waren also Produkte aus ca. 15 Jahren Berufsleben. Die Themen waren sehr unter­schied­lich. Man kann sagen, dass sie aus allem bestan­den, was ich ohne­hin so foto­gra­fie­re und dar­über gibt unse­re Website ganz gut Auskunft.

portrait of a strong punk couple gripping each other by their necks
por­trait of a strong punk coup­le grip­ping each other by their necks

Welche Bilder haben sich am bes­ten ver­kauft?

Schrott & Kap Verde. Klingt komisch, ist aber so.

lonely street at night-time on Cape Verde
lonely street at night-time on Cape Verde

Bilder von den Kapverden haben sich des­we­gen gut ver­kauft, weil zu der Zeit die gan­zen Reiseveranstalter wie die Heuschrecken über die­se tou­ris­tisch eini­ger­ma­ßen uner­schlos­se­ne Inselgruppe her­fie­len und Bildmaterial brauch­ten.

Schrott? Jawohl, und damit mei­ne ich kei­ne Bilder von Lost Places und ver­rot­te­ten Industrieanlagen, son­dern Mist, Müll, belang­lo­ser schlecht foto­gra­fier­ter Dreck.

Es gibt hier eine schö­ne Geschichte: Irgendwann haben wir mal aus Spaß 100 Bilder eines unse­rer Azubis zu Shutterstock hoch­ge­la­den, die wir nor­ma­ler­wei­se im Papierkorb ver­senkt hät­ten.  Wir hat­ten auf ein­mal eine sehr hohe Annahmequote und sie­he da… der Kram wur­de sogar ver­kauft.
Da Azubis ja in ihrer Anfangszeit immer die­sel­ben foto­gra­fi­schen Kinderkrankheiten durch­lau­fen (Graffiti, platt­ge­fah­re­ne Getränkedosen, abge­fuck­te Gebäudefassaden etc.), hat­ten wir genug „Bilder“, mit denen wir Shutterstock & Co ver­sor­gen konn­ten. Von da an haben wir all das, was wir nor­ma­ler­wei­se gelöscht hät­ten, zu Agenturen hoch­ge­la­den. Ich den­ke, die letz­ten 2.000 der 25.000 Bilder bestan­den größ­ten­teils aus „Papierkorbkunst“.
Einer der Bestseller war das hier, da fragt man sich doch, wer so einen Mist kauft und wo das zum Einsatz kommt.

one white egg
one white egg

Bietest Du neben Fotos auch Videos an? Wenn ja, bei wel­chen Agenturen und gibt es da für Dich Unterschiede?
Ja. Kurz bevor wir auch der letz­ten Agentur Shutterstock (mal abge­se­hen von Dreamstime, die trotz Aufforderung zur Löschung unse­rer Bilder durch unse­ren Anwalt unse­re Bilder immer noch ver­kauft) den Laufpass gaben, hat­ten wir ca. 5.000 Videos online.

Auch hier waren wir bei allen rele­van­ten Agenturen ver­tre­ten, die Videos anbo­ten. Da wir vor ca. zwei Jahren bereits aus­ge­stie­gen sind, kann ich Dir zur aktu­el­len Situation kei­ne Angaben machen. Ich wür­de mich jedoch sehr wun­dern, wenn sich hier irgend­et­was zum Besseren ver­än­dert hät­te.

Damals lag für mich der wesent­li­che Unterschied in fol­gen­den Punkten:

  • Qualität & Einfachheit des Upload-Prozesses
  • Redaktion
  • Preisgestaltung

Natürlich ist eine Agentur bes­ser, die es einem Fotografen erlaubt, sei­ne Preise selbst zu defi­nie­ren. Besser noch ist eine Agentur, die Mindestpreise defi­niert, die den Markt schützt und nicht zum Preisverfall bei­trägt.

Es nützt nichts, wenn ein Fotograf sei­ne Preise selbst bestim­men kann, wenn nicht gleich­zei­tig ver­hin­dert wird, dass irgend­wel­che [Schimpfwort] „Kollegen“ Dumping betrei­ben.

Wie waren Deine Umsätze bei den Agenturen, wel­che Agenturen lie­fen bes­ser, wel­che schlech­ter?
Wie bereits gesagt: Stock war nie mein Business. Die gan­ze Verwaltung wur­de von einem Angestellten erle­digt mit einem Aufwand von ca. 20 Stunden / Monat. Eingenommen haben wir ca. 1200€ / Monat.

Die Verteilung der Einnahmen ent­sprach so ziem­lich dem Schlüssel, der hier zu sehen ist.

Wie unter­schei­den sich für Dich Auftragsfotografie und Stockfotografie?

Sorry, aber die Frage kann ich Dir nicht beant­wor­ten da, ich nie „Stockfotografie“ betrie­ben habe.cIch scou­te kei­ne Trends, foto­gra­fie­re nicht nach den Bedürfnissen des Marktes, son­dern das, was mich inter­es­siert.

Large floating blue icebergs in the glacier lagoon Jokulsarlon in Austurland in Eastern Iceland reflected in the calm water
Large floa­ting blue ice­bergs in the gla­cier lagoon Jokulsarlon in Austurland in Eastern Iceland reflec­ted in the calm water

Was macht für Dich eine gute Bildagentur aus?

  1. Sie schützt den Markt, sei­ne Preise und damit auch ihre eige­ne Existenz.
  2. Sie ver­tritt die Interessen ihrer Fotografen, denn ohne Fotografen wäre sie nur eine lee­re Website.
  3. Sie erlaubt einem Fotografen, sei­ne Preise selbst zu defi­nie­ren.
  4. Sie sorgt für ein­fa­che Upload & Tagging-Möglichkeiten.
  5. Sie sorgt für kom­pe­ten­te Reviewer.
  6. Sie sorgt für Verkäufe (z.B. auch durch eine gut durch­dach­te Website nach Usability-Prinzipien).

Wie hat sich aus Deiner Sicht der Stockfotografie-Markt in den letz­ten Jahren ent­wi­ckelt?

Dass selbst Adobe, selbst­er­nann­ter Freund aller Fotografen, Fotolia gekauft hat und damit nun selbst im „Lasst uns ein paar Fotografen aus­beu­ten Business“ mit­spielt, sagt doch alles. Immer höhe­re Ansprüche an Fotografen bei gleich­zei­tig immer mie­se­rer Bezahlung. Als Fotograf wirst Du behan­delt wie ein recht­lo­ser Bittsteller, der froh sein kann, wenn er bei „Agenturen“ auf Gnade stößt und dort sei­ne Bilder „ver­kau­fen“ darf.

Wie glaubst Du, wird sich der Stockfotografie-Markt ent­wi­ckeln?

Professionelle Fotografen wer­den sich aus dem Bereich zurück­zie­hen (wenn es dort über­haupt noch wel­che gibt). Die Bilderflut wird immer grö­ßer. Der Stockmarkt wird vor allem von unpo­li­ti­schen und unso­zi­al han­deln­den Handybesitzern & Amateuren belie­fert, die auch bereit sind für „expo­sure“ und einen feuch­ten Händedruck zu pro­du­zie­ren.

Gab es rück­bli­ckend Fehler, die Du im Stockbereich gemacht hast?

Na sicher.

  1. Überhaupt damit begon­nen zu haben (wohl der Größte).
  2. Zu Beginn haben wir zu weit gestreut.

Was waren die aus­schlag­ge­ben­den Gründe, die zu Deinem Ausstieg aus der Stockfotografie führ­ten?

Abgesehen von mie­ser Bezahlung, Ablehnungsgründen aus „Absurdistan“, Nervereien, immer grö­ße­rem Aufwand wegen irgend­wel­cher abstru­ser neu­er Forderungen, schmut­zi­ge & heim­li­che Deals wie der zwi­schen Depositphotos & Shotshop, der „friss oder stirb“-Mentalität aller (!) Agenturen, dem Abwälzen immer grö­ße­rer Verantwortlichkeiten auf den Fotografen bei gleich­zei­tig immer wei­ter ein­ge­schränk­ten Rechten? Das reicht doch, oder?
Letzten Endes war es jedoch Shutterstock, die mich dazu gebracht haben, der gan­zen Bande den Mittelfinger zu zei­gen.

Shutterstock gilt ja als der „Musterknabe“ im Business. Aber auch nur solan­ge man nicht genau­er hin­sieht. In dem Moment, in dem man als Fotograf sei­ne Rechte wahr­nimmt, zeigt Shutterstock sein wah­res Gesicht.

Eins von vie­len Beispielen: Wer als Fotograf eines sei­ner Bilder auf einer Website fin­det, schaut übli­cher­wei­se nach, ob das Bild recht­mä­ßig erwor­ben wur­de. Dazu schaut man als ers­tes in den Bildmetadaten, unter dem Bild oder in Impressum / Bildnachweis. Was tut man also, wenn man dort kei­nen Hinweis auf einen recht­mä­ßi­gen Erwerb fin­det?

Abmahnung? Nein. Man schreibt ein­fach eine höf­li­che Mail an den Betreiber mit der Bitte für das frag­li­che Bild mit­zu­tei­len, woher er es bezo­gen hat. Was pas­siert, wenn Du als Fotograf genau das tust und so Deine Rechte wahr­nimmst? Shutterstock beginnt Dir zu dro­hen.
Hinweise dar­auf, dass es dein Recht ist zu erfah­ren, woher jemand eines dei­ner Bild bezo­gen hat, wer­den mit wei­te­ren Drohungen beant­wor­tet. Bist du unar­tig, schmei­ßen sie dich raus. Und wer ist schuld dar­an? Shutterstock! Warum? Wenn eine Agentur auf die Angabe eines Urhebervermerks ver­zich­tet (natür­lich nur um noch mehr Kohle abzu­zo­cken)  darf sie sich nicht wun­dern, wenn Fotografen bei ver­meint­li­chen Urheberrechtsverstößen beim Verwerter nach­fra­gen (müs­sen!).

Andererseits lan­den etli­che dei­ner Fotos (Kinderfotos / Portraits & alles Mögliche ) auf übels­ten Pornoseiten, die von Shutterstock gezo­gen wur­den (erkenn­bar am Shutterstock-Wasserzeichen). Informierst du Shutterstock dar­über, wird dir in freund­li­chen Worten ver­spro­chen, dass man etwas dage­gen unter­neh­men wird. Und wird etwas dage­gen getan? Ich bezweif­le es.

Meine Meinung gefragt? Als Fotograf bist Du nichts wei­ter als Melkvieh. Austauschbar, scheiß­egal und recht­los. Ganz beson­ders gilt das für all jene Agenturen, die nichts wei­ter sind als die x-te Yankee-Heuschrecke.

Du bist der [Schimpfwort] auf den Baumwollfeldern von Fotolia, Shutterstock & Co.! Die Hartgeld[Schimpfwort] mit der Leica.

Was rätst Du Leuten, die aktu­ell in die Stockfotografie ein­stei­gen wol­len?

Es nicht zu tun! Verkauft eure Bilder selbst! (Symbiostock etc.) Handelt soli­da­risch!

Darüber hin­aus bin ich auch noch Betreiber einer Agentur für SEO & SEM und kau­fe im Auftrag mei­ner Kunden bei den Heuschrecken all das ein, was ich nicht selbst pro­du­zie­ren kann. Ich ken­ne also bei­de Seiten und kann sagen, dass es aus die­ser Warte auch nicht seriö­ser zugeht. Ständig wider­sprüch­li­che Supportaussagen, nur Verweise auf immer nebu­lö­se­re AGB, die ins Feld geführt wer­den, wenn man ver­sucht, eine kon­kre­te Aussage zum Beispiel zur Nutzung auf Facebook & Co. zu erhal­ten.

Das gan­ze Business ist mora­lisch voll­kom­men ver­rot­tet und man muss schon ent­we­der ziem­lich blö­de, wage­mu­tig oder im Besitz einer vol­len Portokasse sein, wenn man sich heut­zu­ta­ge noch traut, sei­ne Bilder bei Bildagenturen zu bezie­hen. „Kollegen“ wie Benjamin Thorn tra­gen ihren Teil dazu bei.

Vielen Dank für das Interview.

Die Geschichte eines Internet-Fotos – Kopiert, geklaut, benutzt

Es war ein­mal ein Fotograf, der auf einem Konzert ein Foto mach­te. Das Konzert des Musikers Casper fand im November in Köln statt und der Fotograf mach­te die Bilder für ein Musikmagazin. Eins der Bilder war die­ses, was er in sei­nem Blog und dem Musikmagazin zeig­te:

Casper im Underground, Köln (1/400s, 24mm, f2.8, ISO 3200)

Das Bild bear­bei­te­te er auch mit einem Retro-Filter in Photoshop und das Ergebnis sah so aus, was er eben­falls in sei­nem Blog-Artikel zeig­te.

Casper im Underground, Köln (Retro-Look)

Okay, ihr ahnt sicher, wer die­ser Fotograf gewe­sen ist. Ich habe das Foto gemacht und will Euch erzäh­len, was seit der Veröffentlichung im Musikmagazin und mei­nem Blog gesche­hen ist.

Casper fand das Foto so cool, dass er es am 11. April 2011 hier auf sei­ne Facebook-Seite pack­te. Leider schrieb er nur dazu: „wisst ihr noch letz­tes jahr? köln 2010? ham­mer­bild. kei­ne ahnung wer das gemacht hat, aber es ist ein wahn­sin­nig superes bild! und genau so wie das da drauf aus­sieht, so wer­den die fes­ti­vals auch! ich freu mich!“

Noch am glei­chen Tag wies mich der Fotograf und Blog-Leser Gerd Dörfler dar­auf hin, dass das Foto auf der Facebook-Seite zu sehen sei und er schrieb dort auch gleich als Kommentar: „Für alle die es inter­es­siert: das bild stammt von robert kneschke aus köln. Er hat auch noch mehr fotos an dem abend gemacht. Mehr über ihn: www.alltageinesfotoproduzenten.de“ Das brach­te immer­hin etwas mehr Klicks für mei­nen Blog.

Nachdem ich freund­lich bei dem Management von Casper ange­ru­fen hat­te und dar­auf hin­wies, dass ich das Bild gemacht hat­te, baten sie um Entschuldigung für den unge­stü­men Künstler und Casper ergänz­te sei­ne Bildunterschrift um „(Foto wur­de bereit­ge­stellt von Robert Kneschke, besu­che: www.robertkneschke.de)“. Das war auch okay für mich, immer­hin hat der Musiker als Abgebildeter ja auch Rechte an dem Bild.

In der Folge bekam ich paar Emails, in denen mich Fans baten, ob ich ihnen das Bild in vol­ler Auflösung schi­cken kön­ne, damit sie es sich als Poster dru­cken könn­ten. Mit Verweis auf die Persönlichkeitsrechte des Musikers lehn­te ich ab.

Bei Facebook bekam das Foto mitt­ler­wei­le über 100 – durch­weg posi­ti­ve – Kommentare und 862 Personen „gefällt das“. Das führ­te lei­der auch zu einer infla­tio­nä­ren Verbreitung des Bildes.

Viele Bildfunde bei Google Images

Dank der neu­en Google Images Bildersuche fand ich eini­ge Webseiten, wel­che das Foto ohne mei­ne Erlaubnis nutz­ten, geschwei­ge denn einen Link oder eine Quelle anga­ben. Anfangs schrieb ich eini­ge der Seiten an und bat um eine nach­träg­li­che Verlinkung, was auch prompt umge­setzt wur­de. Blöderweise gab es bei eini­gen Seiten kein Impressum und ich ver­schwen­de­te viel Arbeitszeit, die Verantwortlichen raus­zu­su­chen. Als ich dann auf eine Mail mit dem sinn­ge­mä­ßen Inhalt „Bitte ent­fer­ne das Foto, da ich der Urheber bin und kei­ne Nutzungserlaubnis erteilt habe, andern­falls muss ich mir wei­te­re Schritte vor­be­hal­ten“ eine sehr pam­pi­ge Antwort zurück kam à la: „Was willst du, du hät­test auch höf­lich fra­gen kön­nen, ohne mir mit ‚wei­te­ren Schritten‘ zu dro­hen, ich nehm das Bild mal run­ter, aber nur aus­nahm­wei­se“, wur­de es mir zu blöd. Ich bin doch kein Bittsteller, dem ande­re einen Gefallen tun, son­dern anders­rum.

Deshalb ging ich zwei Wege. An alle Seiten, mit dem Bild, die nicht aus Deutschland waren und des­we­gen kein Impressum ent­hal­ten muss­ten, ver­schick­te ich „DMCA Takedown Notices“. Das ist eine Möglichkeit nach dem us-amerikanischen Urheberrecht, als Urheber sei­ne Werke schnell ent­fer­nen zu las­sen. Betroffen waren meist Blogging-Hoster wie Tumblr.com, blogger.com oder ande­re Facebook-Seiten. Als Vorlage benutz­te ich die­ses Beispielschreiben, wo ich nur mei­nen Namen und die Linkadressen aus­tau­schen muss­te.

Auszug mei­ner Mail-Korrespondenz wegen des Casper-Bildes

Positiv war, dass auf die DMCA-Meldungen sehr schnell reagiert wur­de und die betref­fen­den Blogeinträge mit mei­nem Foto gelöscht wur­den. In einem Forum nutz­te ein User mein Foto sogar als Signatur und bat im Forum auch dar­um, ob ihm jemand aus mei­nem Foto ein coo­les Hintergrundbild für sei­nen Youtube-Kanal bas­teln kön­ne. Jemand erfüll­te ihm die­sen Wunsch und ich muss­te fest­stel­len, dass es bei YouTube nicht so leicht ist, Hintergrundbilder ent­fer­nen zu las­sen. Videos, ja, kein Problem, aber Hintergründe schei­nen schwie­ri­ger zu sein.

Während ich bis­her bei pri­va­ten Webseiten bei­de Augen zuge­drückt hat­te, gab es auch eini­ge Webseite wie Musikmagazine, wel­che das Foto uner­laubt nutz­ten. Hier über­ge­be ich die Fälle an mei­nen Anwalt, da Medien oder kom­mer­zi­el­le Nutzer die Grundzüge des Urheberrechts ken­nen soll­ten.

Vor paar Tagen war ich dann auf einem Konzert von Auletta in Köln, um wie­der Fotos für das Musikmagazin zu machen. Ein Mädchen vor mir im Publikum hol­te kurz ihr Handy raus, um die Uhrzeit zu sehen und was sah ich da? Mein Casper-Foto als Hintergrundbild auf ihrem Handy! Ich habe mal ein „Beweisfoto“ gemacht:

Mein Casper-Foto auf einem Handy

Ich hab mich gefreut, ihr eine Visitenkarte in die Hand gedrückt und gesagt, dass das Foto von mir sei. Keine Ahnung, ob sie mir geglaubt hat, ich hat­te immer­hin eine dicke Kamera umhän­gen. Bei Google+, wo ich den Zwischenfall kurz gepos­tet hat­te, mein­te jemand: „Ich glau­be, auch ein Profi soll­te die Freude, die einst­mals im Vordergrund stand, wenn ein eige­nes Foto wert­ge­schätzt wur­de, nicht dar­über ver­ges­sen, daß es geklaut wur­de.“ Stimmt schon. Aber hät­te ich ihr eine Standpauke über das Urheberrecht hal­ten sol­len, wäh­rend uns eine Rockband beschallt?

Wie reagiert ihr in sol­chen Fällen? Bestrafen oder sein las­sen? Und was sind Eure schrägs­ten Erlebnisse mit Euren Fotos im Netz?