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Canva Unlimited: Ernüchternde Analyse der Ersten Umsätze

Im Mai 2019 gab es bei der aus­tra­li­schen Bildagentur Canva zwei gro­ße Änderungen.

Die ers­te Änderung betraf den Kauf der Gratis-​Bilderplattformen Pixabay und Pexels. Canva kauf­te die bei­den Webseiten für einen unge­nann­ten Betrag. Die über eine Million kos­ten­lo­sen Bilder sind nun auch über die Webseite von Canva ver­füg­bar. Pixabay und Pexels sol­len angeb­lich als unab­hän­gi­ge Webseiten in vol­ler Funktionalität bestehen blei­ben.

Die zwei­te Änderung betraf die Einführung des Abo-​Plans „Photos Unlimited“. Wie der Name schon andeu­tet, soll das Abonnement Zugriff auf die kom­plet­te Canva-​Bibliothek inklu­si­ve der kos­ten­lo­sen Bilder für 12,95 USD im Monat erlau­ben, bzw. 9,95 USD für Canva Pro Accounts mit Jahreszahlung.

Für die Kunden ist das zwei­fel­los ein ver­lo­cken­der Deal. Solange die kos­ten­lo­sen Bilder bei Pixabay und Pexels jedoch erhält­lich blei­ben, ist unklar, war­um die Kunden dafür plötz­lich bereit sein sol­len, Geld aus­zu­ge­ben. Vielleicht ist es die Bequemlichkeit, Gratis- und Premium-​Inhalte auf einer Seite mit inte­grier­ten Layout-​Templates nut­zen zu kön­nen? Vermutlich des­we­gen bewirbt Canva „Photos Unlimited“ auch mit dem Slogan „Netflix für Stockfotografie“.

Aber was bedeutet das für die Fotografen?

Ich habe schon im Mai gefragt, wie die Kommission kon­kret aus­se­hen und was das Minimum pro ver­kauf­ten Bild sein wird. Darauf gab es trotz meh­re­rer Nachfragen bis heu­te kei­ne genaue Antwort, nur die Angabe, dass die Einnahmen pro­zen­tu­al ver­teilt wer­den:

Earnings from the sub­scrip­ti­on will be com­pu­ted based on a sha­re method, whe­re reve­nue is dis­tri­bu­t­ed pro­por­tio­nal­ly based on num­ber of down­loads. We do have a safe­ty net in place, as per our Photos Unlimited terms of use. The Reasonable Use Policy is put in place to pro­tect you as a con­tri­bu­tor.“

Email vom Canva

Im Fotografen-​FAQ von Canva steht es etwas genau­er:

The Canva royal­ty rate is 35% of the sale pri­ce of the various Canva licen­ses. Even whe­re sales of the licen­ses occur in a cur­ren­cy other than USD, your royal­ties will be paid in USD.

For images sold in the Photos Unlimited sub­scrip­ti­on, the royal­ty rate paid to con­tri­bu­tors is 50% of net reve­nue ear­ned by Photos Unlimited (less taxes and pay­ment pro­ces­sing fees). That 50% sha­re is paid pro­por­tio­nal­ly to each con­tri­bu­tor, based on the total num­ber of down­loads of a contributor’s images as a pro­por­ti­on of the total num­ber of down­loads.

For examp­le: If 50% of net reve­nue (less taxes and pay­ment pro­ces­sing fees) ear­ned by Photos Unlimited during a calen­dar month is $1 mil­li­on, and the total num­ber of down­loads during that accoun­ting peri­od was 2,000,000 down­loads, then the amount attri­bu­t­ed to each down­loa­ded image would be 50c. If a con­tri­bu­tor had 100 down­loads of their images as part of the sub­scrip­ti­on during that month they would earn $50.“

Auch das ist alles sehr hypo­the­tisch, da bis­her unklar war, wie vie­le Bilder im Monat Kunden nut­zen wür­den.

Heute gab es ein Update für das Canva-​Backend, mit dem end­lich die ers­ten Verkaufszahlen und Erlöse von Canva sicht­bar sind.

Analyse der Verkäufe und Umsätze bei Canva inklusive Photos Unlimited

Ich tei­le mei­ne Verkaufszahlen und Umsätze aus ver­schie­de­nen Gründen seit einer Weile nicht mehr, aber um etwas mehr Transparenz in das neue und stark beob­ach­te­te Geschäftsmodell von Canva zu brin­gen, mache ich hier eine Ausnahme.

My sales at Canva in the last 12 month

Im obi­gen Diagramm seht ihr die Entwicklung mei­ner Verkäufe bei Canva in den letz­ten zwölf Monaten. Im Mai 2019 gab es einen Einbruch bei den regu­lä­ren Verkäufen, der jedoch schnell durch die neu­en Unlimited-​Verkäufe auf­ge­fan­gen wur­de.

Da die Erlöse beim Unlimited-​Plan pro Verkauf deut­lich nied­ri­ger sein müss­ten, ist die span­nen­de Frage: Wie wir­ken sich die Verkäufe auf die Umsätze aus? Dazu hier mei­ne Grafik:

In den 12 Monaten vor Beginn die­ser Grafik hat­te ich im Schnitt 590 USD Umsatz pro Monat bei Canva. In letz­ten 12 Monaten ist die­ser Durchschnittswert um 40,5% auf 351 USD gefal­len.

Betrachten wir nur die letz­ten 5 Monate mit den Unlimited-​Umsätze mit den 5 davor ohne Unlimted-​Verkäufe, sind es „nur noch“ ca. 3% weni­ger.

Wie viel ist nun ein Bildverkauf im „Photos Unlimited“-Plan für den Fotografen wert?

Mein „Revenue per Download“ (RPD) bei Canva wird im obi­gen Diagramm gezeigt. In den letz­ten 5 Monaten lag er im Schnitt bei 0,43 USD für die „One-​Time“ und „Multi-Use“-Verkäufe, davor bei 0,45 USD.

Der RPD nur für die Unlimited-​Verkäufe liegt aktu­ell bei 0,17 USD, ohne den „Ausrutscher“ von 0,08 USD im Mai wären es 0,19 USD.

Das ist weni­ger als halb so viel wie für die ande­ren Verkäufe, aber mehr, als ich ver­mu­tet hat­te.

Rechne ich den RPD von bei­den Kurven zusam­men, erhal­te ich einen RPD von 0,34 USD in den letz­ten 5 Monaten (mit Unlimited) im Vergleich zu einem RPD von 0,42 USD in den 5 Monaten davor. Das ist ein Verlust von 20% und abso­lut gese­hen der nied­rigs­te Wert aller belie­fer­ten Bildagenturen.

Mein „Return per Image“ (RPI) in den letz­ten 12 Monaten lag im Schnitt bei ca. 0,020 USD, nur in den letz­ten 5 Monaten mit den Unlimited-​Verkäufen bei 0,016 USD. Der Vollständigkeit hal­ber: In den 12 Monaten stieg mein Bildbestand bei Canva von ca. 16.000 auf 20.000 Bilder an.

Lohnt sich das?

Das ist die schwie­ri­ge Frage, die ich heu­te sicher noch nicht abschlie­ßend beant­wor­ten kann. Eindeutig ist jedoch, dass die Umsätze als auch der RPD und der RPI alle seit der Einführung von „Photos Unlimited“ gefal­len sind.

Aber schau­en wir uns das mal von der ande­ren Seite an: Wenn „Photos Unlimited“ 12,95 bzw. 9,95 USD pro Monat kos­tet, kommt der RPD von 0,19 nur zustan­de, wenn ein Kunde nur 26 bzw. 34 Bilder im Monat run­ter­lädt. Würde er mehr nut­zen, wür­de der RPI wei­ter sin­ken.

Aus Kundensicht sind die­se ca. 30 Bilder sehr attrak­tiv, da die­se Bildmenge bei den meis­ten ande­ren Agenturen deut­lich teu­rer ist. Für den Fotografen ist das jedoch sehr bedroh­lich, es durch­aus im Bereich des Möglichen liegt, dass Kunden deut­lich mehr Bilder nut­zen.

Auch mit den oben dar­ge­stell­ten Werten liegt der RPI, also der Bildertrag, deut­lich unter dem vie­ler ande­rer Bildagenturen.

Auch wenn die Zahlen auf den ers­ten Blick nicht so schlecht aus­se­hen, befürch­te ich einen Dammbruch, wenn die Entwicklung in die­ser Richtung wei­ter­geht, denn ein Verlust von 20% pro Verkauf mag bei Canva kaum ins Gewicht fal­len, bei den gro­ßen Agenturen wie Shutterstock, Adobe Stock oder iStock deut­lich mehr. Würden die­se auch so ein Modell ein­füh­ren und die Umsatzentwicklung ver­hiel­te sich wie oben skiz­ziert, wäre das ein ernst­zu­neh­men­der Umsatzeinbruch.

Zumal Canva nicht die ein­zi­ge Agentur ist, die mit einer „Bilder-​Flatrate“ expe­ri­men­tiert: Auch „Envato Elements“ sowie „Freepik Premium“ und die neue Seite „Scopio“ funk­tio­nie­ren nach einem sehr ähn­li­chen Prinzip.

Die Ankündigung von Canva:

Soon, we’ll begin ram­ping up mar­ke­ting efforts, which we expect will lead to signi­fi­cant growth in sub­scrip­ti­on sales and ulti­mate­ly an increa­se in your ear­nings.“

wirkt da wie eine Drohung, denn da der Markt ins­ge­samt kaum wächst, wer­den die­se zusätz­li­chen Einnahmen von ande­ren Agenturen (mit höhe­rem RPD) abge­zo­gen.

Welche Rolle spielen die Gratis-​Bilder in der Rechnung?

Bisher uner­wähnt blieb die Rolle der neu­en Million Gratis-​Bilder bei Canva. Erhalten deren Fotografen eben­falls Kommissionen?

Dem obi­gen FAQ-​Zitat zufol­ge berech­nen sich die Kommissionen, indem die Hälfte der Netto-​Einnahmen aus „Photos Unlimited“ durch die run­ter­ge­la­de­nen Fotos in die­sem Zeitraum geteilt wer­den.

Es gibt nun zwei Möglichkeiten. Variante 1: Canva ver­gü­tet auch die Fotografen der Gratis-​Bilder. Das hal­te ich jedoch für unwahr­schein­lich, da die­se meist nicht mal einen Canva-​Account haben und weder auf Pexels noch auf Pixabay auf sol­che Verdienstmöglichkeit hin­ge­wie­sen wird.

Bleibt Variante 2: Canva ver­gü­tet nur die Premium-​Bilder. Das wür­de bedeu­ten, dass Canva sich einen gro­ßen Teil vom Umsatz selbst ein­steckt, der nicht im tat­säch­li­chen RPD berück­sich­tigt wird. (Update 15.10.2019: Habe von Canva die Bestätigung erhal­ten, dass die Fotografen der kos­ten­lo­se Bilder nicht ver­gü­tet wer­den.)

Rechnen wir das mal test­hal­ber durch: 100 Leute kau­fen in einem Monat ein Unlimited-​Abo für 12,95 USD. Das wären 1295 USD.
Nach Abzug von Steuern und Zahlungsgebühren blei­ben ca. 1200 USD (ca. 7% Abzug). Wenn wir den ermit­tel­ten RPD von 0,19 USD neh­men, der sich aus 50% der Nettoerlöse durch die Downloads zusam­men­set­zen soll, wären das 3158 Downloads, wel­che die­se 100 Kunden im Monat erzielt haben, also ca. 31 Downloads pro Monat und Kunde.

Nun tei­len wir die­se 3158 Downloads auf, je nach­dem, wie vie­le davon auf die nicht ver­gü­te­ten kos­ten­lo­sen Bilder ent­fal­len. Hier seht ihr die Rechnung.

free DLsPremium DLsPayout PremiumCanva ear­ningsoffi­ci­al RPD (net earnings/​downloads„real RPD“
0% Premium DLs3158001200,020,19$0,00
10% Premium DLs284231660,041139,980,19$0,02
50% Premium DLs15791579300,01900,010,19$0,10
90% Premium DLs3162842539,98660,040,19$0,17
100% Premium DLs03158600,026000,19$0,19

Egal, wie viel Gratis-​Bilder der Unlimited-​Kunde ver­wen­det, der offi­zi­el­le RPD bleibt gleich (da Gesamtdownloads und Gesamtumsatz gleich blei­ben).

Stark unter­schied­lich ist jedoch der „ech­te RPD“. Der sinkt umso mehr, je mehr Gratis-​Bilder ein Kunde nutzt, weil Canva weni­ger Premium-​Bilder aus­zah­len muss, der ermit­tel­te offi­zi­el­le RPD jedoch gleich bleibt. Damit steigt auch der Gewinn von Canva deut­lich an (Spalte „Canva Earnings“).

Anders for­mu­liert: Canva hat ein gro­ßes Interesse dar­an, die kos­ten­lo­sen Bilder in der Suche zu bevor­zu­gen, damit sie mehr ver­die­nen.

Noch mal anders for­mu­liert: Wenn die Anzahl der run­ter­ge­la­de­nen Premium-​Bilder gleich bleibt, ver­die­nen deren Fotografen mit jedem zusätz­lich run­ter­ge­la­de­nen Gratis-​Bild noch weni­ger.

Damit kan­ni­ba­li­sie­ren die Gratis-​Angebote nicht mehr nur indi­rekt, indem weni­ger weni­ger Verkäufe ent­ste­hen, son­dern ganz direkt, indem der Verkaufserlös selbst geschmä­lert wird.

Was tun?

Mein Erlös pro Verkauf (RPD) bei Canva ist im letz­ten Jahr von allen belie­fer­ten Agenturen am nied­rigs­ten gewe­sen. Ich beob­ach­te das sehr genau. Wenn sich in den kom­men­den Monaten kei­ne deut­li­che Steigerung des RPD abzeich­net, wer­de ich die Reißleine zie­hen, und mei­ne Bilder bei Canva löschen.

Etliche ande­re Fotografen haben die­sen Schritt eben­falls schon ange­kün­digt oder längst erle­digt.

Wie sehen eure Verkaufszahlen und Werte bei Canva aus?
Wie schätzt ihr die Analyse ein?

Stockfoto-​Schelte von STRG_​F und WALULIS: Eine Erwiderung

In den letz­ten Tagen sind zwei YouTube-​Videos der öffentlich-​rechtlichen Kanäle WALULIS sowie STRG_​F erschie­nen, die sich mit dem Thema Stockfotografie aus­ein­an­der­set­zen.

Leider ist die Berichterstattung sehr ein­sei­tig.
In die­sem WALULIS-​Video geht es erst dar­um, was pas­siert, wenn Stockmodels zu Memes wer­den und dann um die Verlierer und Gewinner des Stockfotografie-​Geschäfts.

Als ers­ter Verlierer wer­den die Models genannt, wel­che kei­ner­lei Kontrolle mehr hät­ten, wo ihre Bilder erschei­nen wür­den, dazu unten mehr, weil ein Beispiel aus dem zwei­ten Video ver­wen­det wird.

Als zwei­ter Verlierer sind die Fotografen genannt, wel­che sehr wenig Geld mit der Bildlizenzierung ver­die­nen wür­den. Das ist zwar kor­rekt, aber heuch­le­risch, wenn man bedenkt, dass auch der öffentlich-​rechtliche Rundfunk ger­ne auf das Angebot der Bildagenturen zurück­greift und sich dabei nicht über zu gerin­ge Preise beschwert.

Als gro­ßer Gewinner wer­den die Bildagenturen selbst dar­ge­stellt, wel­che den Löwenanteil des Umsatzes ein­strei­chen und dabei recht­li­che Verantwortung in den Nutzungsbedingungen von sich wei­sen.

Als Beispiel wird bei Minute 7:14 eine AfD-​Werbung gezeigt, die aus zwei Stockfotos zusam­men­mon­tiert wur­de. Dagegen lässt sich jedoch ein­fach recht­lich vor­ge­hen, was ich selbst mehr­mals erfolg­reich gegen die AfD und ande­re Parteien gemacht habe, weil es eben nicht erlaubt ist. In meh­re­ren Fällen stan­den mir dabei auch die Mitarbeiter von Shutterstock und Adobe Stock hilf­reich zur Seite. Im Video wird es jedoch so dar­ge­stellt, als sei Machtlosigkeit gegen­über unmo­ra­li­schen Nutzungen ein übli­cher Teil der Stockfotografie.

Das ist so, als wür­de jemand behaup­ten, Autos sei­en schlimm, weil sie als Mordwaffe ver­wen­det wer­den kön­nen. Natürlich kann man Autos und auch die Stockfotografie in vie­len Punkten kri­ti­sie­ren, soll­te dabei aber die recht­li­chen Ausgangsbedingungen berück­sich­ti­gen.

In die­sem Video von STRG_​F wird näher recher­chiert und selbst aus­pro­biert, was Stockmodels pas­sie­ren kann, deren Bilder zum Verkauf ste­hen:

Der Redakteur lässt ein Foto von sich machen und lädt es auf der kos­ten­lo­sen Bildplattform Pixabay hoch (mehr zu Pixabay hier). Bei Minute 6:00 heißt es „Was man damit machen darf? Fast alles!“ und wun­dert sich spä­ter, dass das Bild mit fal­schen Namen ver­se­hen wird, auf Socken zu fin­den ist oder er sogar als „char­man­ter Pädophiler“ dar­ge­stellt wird.

Vereinfachte Pixabay-​Nutzungsbedingungen mit Verboten im YouTube-​Video von STRG_​F

Eins wird hin­ge­gen nicht erwähnt: In den Pixabay-Nutzungsbedingungen, die im Screenshot bei Minute 6 sogar in ver­ein­fach­ter Form les­bar sind, wer­den aus­drück­lich Verbote for­mu­liert, unter ande­rem:

Die Pixabay-​Lizenz gestat­tet nicht:
[…]
3. die Darstellung von iden­ti­fi­zier­ba­ren Personen auf belei­di­gen­de, por­no­gra­fi­sche, obszö­ne, unmo­ra­li­sche, dif­fa­mie­ren­de oder ver­leum­de­ri­sche Weise; oder
4. die Suggestion, dass abge­bil­de­te Personen, Marken, Organisationen, etc. bestimm­te Produkte oder Dienstleistungen befür­wor­ten oder bil­li­gen, es sei denn es wur­de eine Genehmigung dazu erteilt.

Beachte bit­te, dass alle Inhalte auf Pixabay zwar für kom­mer­zi­el­le und nicht-​kommerzielle Zwecke frei ver­wend­bar sind, gezeig­te Elemente in den Bildern und Videos, wie iden­ti­fi­zier­ba­re Personen, Logos und Marken, jedoch zusätz­li­chen Urheberrechten, Eigentumsrechten, Personenrechten, Markenrechten usw. unter­lie­gen kön­nen. Die Zustimmung eines Dritten oder die Lizenz die­ser Rechte kön­nen ins­be­son­de­re für kom­mer­zi­el­le Anwendungen erfor­der­lich sein. Pixabay garan­tiert nicht, dass sol­che Zustimmungen oder Lizenzen ein­ge­holt wur­den, und lehnt aus­drück­lich jeg­li­che Haftung in die­ser Hinsicht ab.“

Auch alle ande­ren gro­ßen Bildagenturen haben sol­che Verbote in den Nutzungsbedingungen ver­an­kert, mehr dazu sie­he hier.

Das heißt, vie­le der Beispiele, die in bei­den Videos gezeigt wer­den, illus­trie­ren Verstöße gegen die Lizenzbedingungen der Bilddatenbanken und zei­gen eben NICHT das nor­ma­le Geschäftsmodell die­ser Agenturen.

Im April 2019 hat­te mich einer der betei­lig­ten Redakteure des STRG_​F-​Videos ange­fragt zur Mitarbeit an die­sem Video, was ich aber dan­kend abge­lehnt habe, weil expli­zit nur danach gefragt wur­de, ob ich Models nen­nen kön­ne, wel­che „Opfer“ der Stockfotografie gewor­den sei­en. Die Zielrichtung des Videos stand also im Vorherein fest, mein tele­fo­ni­scher Hinweis auf ein­schrän­ken­de Klauseln der Bildagentur fand dann im fer­ti­gen Bericht kei­ne Berücksichtigung.

Im Video wird auch die Nutzung von Stockmaterial im Rahmen von Wahlwerbung gezeigt, ohne wie­der zu erwäh­nen, dass es mög­lich ist, dage­gen erfolg­reich vor­zu­ge­hen, wie von mir eben­falls schon durch­ge­zo­gen (sie­he Bericht hier).

Danach kommt zwar sogar ein Anwalt zu Wort, der gegen die Verwendung eines Personenfotos durch die AfD vor­ge­hen will, aber unwi­der­spro­chen wird der Bundesverband der AfD zitiert, dass „wenn für ein Stockfoto die voll­um­fäng­li­chen Rechte erwor­ben wor­den sind, dann dür­fe es auch ver­wen­det wer­den“. Das ist aber schlicht sach­lich falsch und inso­fern wun­dert es schon, dass an die­ser Stelle im ansons­ten sehr kri­ti­schen Beitrag mal kein Widerspruch kommt.

Dabei heißt es in den Landespressegesetzen zur Sorgfaltspflicht:

Die Presse hat alle Nachrichten vor ihrer Verbreitung mit der nach den Umständen gebo­te­nen Sorgfalt auf Wahrheit, Inhalt und Herkunft zu prü­fen.“

Es wäre schön gewe­sen, wenn sich sowohl WALULIS als auch STRG_​F als öffentlich-​rechtliche Formate in ihren Youtube-​Videos mehr dar­an ori­en­tiert hät­ten.

Das Geschäftsmodell von Pixabay und mögliche Folgen

Schon län­ger fas­zi­niert mich das Geschäftsmodell „gra­tis“.

Wie kann man Geld mit etwas ver­die­nen, was ver­schenkt wird? Dazu gibt es zum Beispiel das Buch „Free – Kostenlos: Geschäftsmodelle für die Herausforderungen des Internets“* von Chris Anderson (bekannt durch den „Long Tail“) oder die Juni-​Ausgabe der Wirtschaftszeitschrift „brand eins“ mit den Themenschwerpunkt „Umsonst“.

Kostenloses Public-​Domain-​Foto von Firmbee auf Pixabay

Auch im Blog hat­te ich hier schon mal beleuch­tet, war­um Fotografen kos­ten­lo­se Bilder anbie­ten.

Heute soll es um die ande­re Seite gehen: Wie ver­die­nen „Bildagenturen“ Geld, die ihre Bilder ver­schen­ken? Als Beispiel will ich die Webseite Pixabay neh­men, über die es vor einer Weile die­sen län­ge­ren Artikel bei „Online Marketing Rockstars“ gab. Darin steht der sehr span­nen­de Satz:

Das Monetarisierungsmodell fußt dabei auf nur einer Säule. User, die pixabay.com nut­zen, ohne sich anzu­mel­den, bekom­men auf jeder Suchergebnisseite und auf den Bilderdetailseiten sel­ber eine Reihe von Stockfotos der bör­sen­no­tier­ten Fotobörse Shutterstock ange­zeigt. Kauft ein Nutzer dort in der Folge ein Bild, gibt es eine Affiliate-​Provision.“

Mit die­ser Methode erzielt Pixabay laut dem Pixabay-​CEO Hans Braxmeister mit nur vier Mitarbeitern über 100.000 Euro Umsatz im Jahr.

Wie wird der Umsatz genau erzielt?

Als ers­tes muss es genug Leute geben, die ihre Bilder Pixabay und deren Nutzern gra­tis zur Verfügung stel­len. Das geschieht in die­sem Fall nicht nur unter einer „Creative Commons“-BY-Lizenz, wel­che auch die kos­ten­lo­se kom­mer­zi­el­le Nutzung bei Namensnennung erlaubt, son­dern sogar unter der „Creative Commons CCO“-Lizenz. das bedeu­tet: Die Bilder wer­den in die „Public Domain“ gege­ben, sind also gemein­frei und die Fotografen ver­zich­ten welt­weit auf alle urhe­ber­recht­li­chen und ver­wand­ten Schutzrechte.

Über Suchmaschinen wie Google Images lan­den Nutzer, die kos­ten­lo­se Bilder zur frei­en Verwendung suchen, auf Seiten wie Pixabay. Dort kön­nen sie wie bei Microstock-​Agenturen nach Keywords suchen. Zusätzlich zu den kos­ten­lo­sen Bildern wer­den als Ergebnis auch kos­ten­pflich­ti­ge Bilder vom Affiliate-​Partner Shutterstock ange­bo­ten, die meist viel attrak­ti­ver aus­se­hen.

Entscheidet sich der Bildsucher dafür, doch kein kos­ten­lo­ses Bild zu neh­men, son­dern eins bei Shutterstock zu lizen­zie­ren, bekommt Pixabay eine Affiliate-​Provision vom Kauf.

Auf der Affiliate-​Seite von Shutterstock wer­den aktu­ell 20% als Kommission für gewor­be­ne Käufer genannt. Wenn wir den oben genann­ten Zahlen Glauben schen­ken, erzielt Shutterstock also ca. 500.000 Euro Umsatz durch Pixabay im Jahr, von denen Pixabay ein Fünftel abbe­kommt, blei­ben 400.000 Euro pro Jahr für Shutterstock.

Das Problem für Kunden von Pixabay

So rosig die Zahlen für Pixabay auch klingt, die Leidtragenden sind die Nutzer und Fotografen von Pixabay.

Schauen wir uns mal drei Bildbeispiele von der Seite an:

Die sechs Bilder rechts sind die „kom­mer­zi­el­len Bilder“ von Shutterstock (noch am Wasserzeichen erkenn­bar). Darüber steht „CCO Public Domain. Freie kom­mer­zi­el­le Nutzung“. Damit sug­giert Pixabay unwis­sen­den Nutzern, dass das Bild ohne Probleme für kom­mer­zi­el­le Zwecke genutzt wer­den kön­ne. Erst etwas ver­steckt in den Nutzungsbedingungen und den FAQ wird dar­auf hin­ge­wie­sen, dass bei werb­li­cher Nutzung eine zusätz­li­che Erlaubnis von Markeninhabern nötig ist. Im obi­gen Bild wäre das bei­spiels­wei­se Apple, um Bild unten Porsche.

Für Leute, die mal schnell ein kos­ten­lo­ses Bild suchen und von den recht­li­chen Aspekten wenig Ahnung haben, wer­den also wider­sprüch­li­che Signale gesen­det, die schnell mal miß­ver­stan­den wer­den kön­nen und dann teu­er wer­den könn­ten.

Angesichts des­sen, dass bei der stren­ge­ren Creative Commons-​CC-​SA-​Lizenz des Bundesarchivs die über­wie­gen­de Mehrheit der Nutzer sich nicht an die Lizenzbedingungen gehal­ten hat, kann bei Pixybay Ähnliches ver­mu­tet wer­den.

Fotografen hin­ge­gen haben ganz ande­re Probleme.

Das Problem der Pixabay-​Fotografen

Es mag Gründe geben, war­um Fotografen ihre Fotos ver­schen­ken. Acht Gründe hat­te ich hier genannt.Da ich als jemand, der vom Verkauf sei­ner Fotos lebt, etwas vor­ein­ge­nom­men bin, könnt ihr hier ein Interview mit Gerd Altmann lesen, einem Hobbyfotografen, der hier bei Pixabay mitt­ler­wei­le mehr als 14.000 Bilder online hat, die in knapp fünf Jahren zusam­men mehr als 12 Millionen (!) Downloads erzielt haben.

Im Interview heißt es unter ande­rem:

In mei­nem Beruf als Altenpfleger fehlt es lei­der oft an dem Applaus, den ich jeden­falls für mei­ne täg­li­che Ego-​Stabilität brau­che. […] Natürlich wür­de ich auch Geld mit mei­nen Bildern ver­die­nen wol­len, aber lei­der habe ich nie gelernt, wie man das macht. Ich besit­ze ein­fach die­se Fähigkeit nicht, aus mei­nen Talenten Kapital zu schla­gen. Kaufmännische Eigenschaften feh­len mir gänz­lich, eben­so die Gabe, ande­re von mei­ner eige­nen Richtigkeit zu über­zeu­gen und für die­se über­zeug­te Richtigkeit zu kas­sie­ren.“

Es gibt aber auch gewich­ti­ge Gründe dage­gen, denn das Geldverdienen ist der Knackpunkt. Etliche neue Fotografen nut­zen die Gratisplattformen als Einstieg, weil sie unsi­cher sind ob ihre Bilder ver­käuf­lich sind. Wenn sie dort gen­gend Downloads erzielt haben, wol­len sie meist ver­su­chen, ihre Bilder woan­ders zu ver­kau­fen.

Das geht zumin­dest mit den glei­chen Bildern meist nicht mehr. So sagt Adobe Stock (als Antwort auf eine Support-​Anfrage) zum Beispiel ganz klar:

Bilder die auf einer wei­te­ren Platform zum kos­ten­lo­sen Download ange­bo­ten wer­den, sind von Adobe Stock aus­ge­schlos­sen.

Auch bei Shutterstock heißt es hier ein­deu­tig:

Public domain con­tent can­not be sub­mit­ted under any cir­cum­s­tan­ces.“

Das Gleiche gilt auch für fast alle ande­ren Bildagenturen, weil sich jede Agentur in der Regel ver­si­chern lässt, dass der Fotograf der Inhaber aller not­wen­di­gen Urheber- und ande­rer Schutzrechte sind. Genau die­se geben Fotografen aber ab, wenn sie ihre Bilder bei Pixabay in die „Public Domain“ ent­las­sen.

Der Pixybay-​Anbieter Harald Landsrath muss­te das schmerz­lich am eige­nen Leib erfah­ren. Er woll­te sei­ne Bilder nach einem knap­pen Jahr bei Pixabay über Microstock-​Agenturen anbie­ten, was die­se jedoch nicht erlaub­ten.

Ich frag­te ihn via Facebook, war­um er bei Pixabay ange­bo­ten hat­te und was ihn zum Wechselwunsch ver­an­lasst hat­te. Er schrieb mir:

Der Grund lag dar­in, dass ich nicht mit kom­mer­zi­el­ler Absicht ange­fan­gen habe und mei­ne Bilder von einer Community bewer­ten las­sen woll­te. Anhand der Statistiken bei PIXABAY (Downloads, Aufrufe, Daumen). Außerdem hör­te man von ande­ren dass dort immer wie­der mal ein „Kaffee“ spen­diert wird (Spende). Die Spendenbereitschaft bei PIXABAY ist aller­dings äußerst gering. So ver­zeich­ne­te ich mit über 200 Bildern, 8 Monaten bis­her 38.000 Downloads und ca. 6 € Spenden von 3 Spendern. Daher dann der Gedanke, die­se nun doch zu ver­kau­fen. Klar ist es ärger­lich, dass ich die­se Bilder nicht mehr ver­wer­ten kann – aller­dings ist man hin­ter­her immer schlau­er.

Wenn wir die­se Zahlen zugrun­de legen und die ca. 315fachen Downloads von Gerd Altmann auf die Geldspenden umrech­nen, kön­nen wir ca. 2.000 Euro Einnahmen (in fünf Jahren) für des­sen 12 Millionen Downloads ver­mu­ten.

Versuchen wir mal, dass zu Downloads bei Microstock-​Agenturen zu set­zen. Angenommen, er wür­de nur 0,1% der Downloads bei Fotolia haben, hät­te er dort ca. 12.000 Downloads erzielt. Selbst wenn alle in der kleins­ten Bildgröße XS statt­ge­fun­den hät­ten, wären das immer noch ca. 3000 Euro Einnahmen gewe­sen.

Harald wies mich auch dar­auf hin, dass ande­re Seiten wie die­se hier eini­ge sei­ner Fotos zum kos­ten­lo­sen Download anbie­ten und eben­falls Spendengelder ein­sam­meln, die jedoch (ent­ge­gen anders­lau­ten­der Information auf der Webseite) beim Seitenbetreiber ver­blei­ben wür­den. Alles legal soweit, weil es Public-​Domain-​Bilder sind. Es ver­die­nen also Pixabay, Shutterstock und ggf. ande­re Webseiten an den Fotos, nur der Fotograf so gut wie nichts.

Warum machen Microstock-​Agenturen da mit?

Ich habe ehr­lich gesagt mei­ne Probleme, zu ver­ste­hen, war­um Microstock-​Agenturen, die vom Bilderverkauf leben, bei die­sem System mit­spie­len. Es heißt in der Branche, dass es sehr teu­er sei, Neukunden zu gene­rie­ren, wes­halb die­se Millionen Gratisdownloads sozu­sa­gen zäh­ne­knir­schend akzep­tiert wer­den, wenn dadurch eini­ge neue Käufer zur Bildagentur fin­den.

Offensichtlich kann Shutterstock damit ja ca. eine hal­be Million Euro Umsatz im Jahr gene­rie­ren, von denen jedoch 20% gleich wie­der abflie­ßen. Unklar ist lei­der, wie hoch der Umsatzverlust ist, der durch die gro­ßen Gratisplattformen ver­ur­sacht wird. In die­sem Interview von 2016 spricht der Pixabay-​CEO von über 5 Millionen Seitenabrufen pro Tag. Wenn wir anneh­men, dass nur 0,1% die­ser Abrufe zu einem Download füh­ren wür­den, wären das immer noch 50.000 Downloads pro Tag. Das wären mehr als 18 Millionen ent­gan­ge­ne Bildnutzungen pro Jahr, die Shutterstock oder eine ande­re Agentur nicht mone­ta­ri­sie­ren könn­ten.

Was sagt ihr dazu? Welche Erfahrungen habt ihr mit Pixabay gemacht?

* Affiliate