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Fotos online verkaufen ohne Stock‐Bildagenturen

Manchmal erhal­te ich Anfragen von Leuten, die Geld mit ihren Bildern ver­die­nen wol­len, ohne sie über „klas­si­sche“ Bildagenturen anzu­bie­ten. Die Antwort fällt mir etwas schwer, weil ich das sel­ten mache. Um die Neugier trotz­dem etwas zu befrie­di­gen, habe ich mit Hilfe eini­ger Kolleginnen und Kollegen eine Auswahl an Alternativen erstellt.

Mein „etwas ande­rer“ Look über eine ande­re Bildagentur

Im Gegensatz zu mei­nen sons­ti­ge  Artikeln flie­ßen hier deut­lich weni­ger per­sön­li­che Erfahrungen von mir ein, dafür ver­su­che ich, auf die Erfahrungen ande­rer zu ver­lin­ken.

Kalender verkaufen

Statt Fotos kann man auch Kalender mit eige­nen Bildern ver­kau­fen. 2012 star­te­te in die­sem Bereich der Anbieter Calvendo, wel­cher mitt­ler­wei­le im Bereich der „Self Publishing“-Kalender der Marktführer ist. Der Vorteil einer Zusammenarbeit mit Calvendo ist, dass die fer­ti­gen Kalender eine ISBN‐Nummer erhal­ten und damit bei allen Buchhändlern gelis­tet sind. Der Nachteil ist der zusätz­li­che Aufwand der Kalender‐Gestaltung, immer ver­bun­den mit even­tu­el­len Ablehnungen der Kalender sei­tens Calvendo, wenn die Motive nicht gut genug oder das Thema schon über­lau­fen ist. Einer der aus­führ­lichs­ten und lesens­wer­tes­ten Erfahrungsberichte gibt es hier von Tommaso Maiocchi.
Andere Anbieter, wo man sei­ne eige­nen Kalender anbie­ten kann, sind zum Beispiel der Shop‐Bereich von meinbildkalender.de oder lulu.com.

Print‐On‐Demand Webseiten

Ich bin mir nicht sicher, ob der Begriff voll­kom­men pas­send ist, ich mei­ne jeden­falls Webseiten, wo Leute alle mög­li­chen Produkte mit dei­nen Motiven bestel­len kön­nen. Üblicherweise sind das T‐Shirts, Tassen oder Poster, es gibt auch aber alle mög­li­chen ande­ren Produkte wie Brotdosen, Handyhüllen und so wei­ter.

Bekannte Anbieter sind hier zum Beispiel Zazzle, Redbubble, Cafépress, Society6Spreadshirt, Fineartprint und eini­ge mehr. Während die ers­ten vier Firmen fast alles bedru­cken, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist, haben sich ande­re Anbieter etwas spe­zia­li­siert, Spreadshirt zum Beispiel auf T‐Shirts (und ande­re Kleidung) oder Fineartprint auf Kunstdrucke.

Der Vorteil die­ser Firmen ist, dass hier eine ganz ande­re Zielgruppe als bei Bildagenturen ange­spro­chen wird: Weniger die Firmenkunden, son­dern vor allem Privatkunden, die Geschenke suchen oder Dekoration für die eige­ne Wohnung. Der Nachteil ist, dass man bei den Firmen oft jedes Produkt für die unter­schied­li­chen Produkte anpas­sen muss. Mit „ein­fach zig Bilder hoch­la­den und fer­tig“ ist hier meist nicht getan. Außerdem muss je nach Anbieter und Produkt das Druckverfahren berück­sich­tigt wer­den, weil zum Beispiel ganz dün­ne Linien meist nicht gut gedruckt wie­der­ge­ge­ben wer­den kön­nen.

Wer sich einen Eindruck von den Verkaufsmöglichkeiten machen will, fin­det bei Fineartprint eine Liste der „Top 100 Verkäufer“ mit Verkaufszahlen zu jedem Bild ange­zeigt. Demnach haben die Top‐Verkäufer mit ca. 1000–2000 Bildern online bis­her knapp 3000 Verkäufe ins­ge­samt erzielt. Eine der Top‐Verkäuferinnen bei Zazzle teilt hier aus­gie­bi­ge Zahlen zu ihren Einnahmen.

DIY‐Webseiten

Wer eine stär­ke­re Kontrolle über die ange­bo­te­nen Produkte und deren Qualität behal­ten will, kann kom­plett eige­ne (Foto-)Produkte über Webseiten wie Etsy anbie­ten. Der offen­sicht­li­che Nachteil ist hier, dass man die Produkte selbst vor­rä­tig haben und dann auch ver­schi­cken muss. Deswegen eig­net sich die­ser Kanal mei­nes Erachtens weni­ger gut für Fotoprodukte. Wer es den­noch wagen will, fin­det hier eine Gebührenübersicht von Etsy.

Nicht ganz tref­fend, aber als ers­ter Einblick viel­leicht nütz­lich sind die­se Beispiele erfolg­rei­cher DIY‐Schmuckanbieter bei Etsy. Hier ist ein wei­te­rer Umsatzbericht einer erfolg­rei­chen Etsy‐Verkäuferin.

Digitale Marktplätze für Kreative

Mit „digi­ta­len Kreativ‐Marktplätzen“ mei­ne ich Webseiten wie Creative Market, Gumroad oder TheHungryJPEG. Diese Webseiten kom­men Bildagenturen schon sehr nahe, mit dem Unterschied, dass hier die Künstler deut­lich mehr Einfluss auf die Präsentation ihrer Produkte und der Angebote haben. Außerdem ist das Angebot weni­ger stan­da­ri­siert, es kön­nen neben Fotos oder Illustrationen zum Beispiel auch Fonts, Templates, Photoshop‐Pinsel, Layer Styles und vie­les mehr ange­bo­ten wer­den. Gerne wer­den dort ein­zel­ne Produkte zu „Bundles“ zusam­men­ge­fasst, die zusam­men güns­ti­ger als die ein­zel­nen Produkte sind.

Es gibt etli­che Erfahrungsberichte und Tipps zu Creative Market online, hier einer als Beispiel. Zu Gumroad gibt es hier oder hier gemisch­te Berichte.

Für rei­ne Fotos sind die­se Webseiten nicht unbe­dingt die bes­ten Anlaufstelle, wer aber neben Fotos ande­re digi­ta­le Kreativprodukte her­stel­len kann, für den kön­nen die­se Marktplätze durch­aus loh­nend sein.

Wer noch mehr Kontrolle haben will, kann mit Diensten wie Sellfy, Shopify oder Xmstore auch einen eige­nen Shop oder eine eige­ne Bildagentur auf­bau­en.

Bildagenturen, die anders sein wollen

Wer das Konzept von Bildagenturen schon ganz attrak­tiv fin­det, sich aber nur nicht mit dem bevor­zug­ten Bildstil anfreun­den kann, soll­te sich „alter­na­ti­ve“ Bildagenturen anschau­en, die meist nach einem sehr ähn­li­chen Prinzip arbei­ten, aber je nach Agentur einen ganz ande­ren Bildlook bevor­zu­gen.

Dazu gehö­ren zum Beispiel Firmen wie Photocase, Stocksy, 500px, Twenty20 oder EyeEm, wel­che oft aus Fotocommunites her­vor­ge­gan­gen sind. Bei Photocase haben zum Beispiel eini­ge Fotografen gute Erfahrungen gemacht, wenn sie gezielt die Bilder dort hoch­ge­la­den haben, wel­che ihnen bei Shutterstock oder Adobe Stock abge­lehnt wur­den. Mein Kollege Michael Zwahlen hat über sei­ne Einnahmen bei EyeEm hier berich­tet. Über die Einnahmen bei Photocase im Vergleich zu Microstock‐Agenturen schreibt hier Werner Rebel.

Generelle Unterschiede zu Bildagenturen

Der Hauptunterschiede der oben beschrie­be­ne­nen alter­na­ti­ven Vertriebswege ist mei­nes Erachtens die ande­re Bildsprache. Da im Gegensatz zu den Microstock‐Agenturen Privatkunden abge­spro­chen wer­den, sind „schö­ne­re“ Motive gefragt, die sich gut als Wandschmuck eig­nen wür­den. Wer also ger­ne Blümchen, Sonnenuntergänge oder nied­li­che Kätzchen foto­gra­fiert, hat damit dort sicher mehr Erfolg als bei den übli­chen Bildagenturen. Einige mei­ner Bestseller‐Motive wie Business‐Teams hin­ge­gen hät­ten bei Photocase oder Calvendo sicher kei­ne Chance.

Der zwei­te Unterschied ist, dass jede die­ser Seiten wie­der ganz ande­re Anforderungen an die hoch­ge­la­de­nen Dateien hat und je nach Seite deut­lich mehr zusätz­li­che Informationen (wie z.B. Vorschaubild oder Produktbeschreibung) ver­langt. Teilweise wer­den auch nicht mal IPTC‐Daten aus­ge­le­sen. Das alles macht es schwer, einen uni­ver­sel­len Workflow zu fin­den, mit dem meh­re­re die­ser Agenturen gleich­zei­tig belie­fert wer­den könn­ten.
Unter dem Strich bleibt aber eine Gemeinsamkeit mit den gro­ßen Bildagenturen: Nur weni­ge Fotografen schaf­fen es, dort viel zu ver­die­nen. Das sind meist auch die, die regel­mä­ßig hohe Qualität lie­fern. Wer sich nicht aus­gie­big mit einer Webseite beschäf­tigt und am Ball bleibt, wird bald wegen zu gerin­ger Umsätze frus­triert auf­ge­ben.