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Google Bildersuche vereinfachen mit Plaghunter (mit Verlosung)

Vor paar Wochen habe ich hier das Projekt Spookfish vor­ge­stellt, was die Google-Bildersuche ver­ein­fa­chen woll­te. Das Projekt ist geschei­tert, aber im Rahmen des Artikel habe ich ein ande­res Projekt namens Plaghunter erwähnt, was ich heu­te aus­führ­li­cher vor­stel­len will.

Plaghunter* ist ein Online-Service, wel­cher die die Datenbasis und die Technik von Google Images nutzt, um auto­ma­ti­siert nach glei­chen Bildern im Internet zu suchen. Die häu­figs­te Anwendungsmöglichkeit für Fotografen ist sicher, damit uner­laub­te Kopien eige­ner Bilder zu fin­den. Auf Wunsch wer­den neu­er­dings auch die Ergebnisse der Bildersuche der rus­si­schen Suchmaschine Yandex ange­zeigt.

Zum Testen kön­nen die Nutzer bis zu fünf Bilder kos­ten­los suchen las­sen, mehr Bilder gibt es in ver­schie­de­nen Abo-Paketen von 29 bis 199 Euro pro Monat.

Ich nut­ze den Dienst jetzt seit über einem hal­ben Jahr in der kos­ten­frei­en Variante und der Einsatz hat sich bis­her auf jeden Fall gelohnt. Ich ver­fol­ge eini­ge Bilder von mir, die aus ver­schie­de­nen Gründen im Netz sehr ger­ne uner­laubt ver­brei­tet wer­den und die ich nicht in Bildagenturen anbie­te. Damit weiß ich rela­tiv ein­fach, dass die Nutzung ille­gal sein muss. Außerdem ver­fol­ge ich eini­ge mei­ner Microstock-Bestseller. Hier inter­es­siert mich zum einen, wofür die Bilder gen­au benutzt wer­den, damit ich bei zukünf­ti­gen Fotoshootings bes­ser auf die­se Themen ach­ten kann und zum ande­ren gibt es auch hier für mich die Möglichkeit, uner­laub­te Nutzungen auf­zu­de­cken. Die Indizien, wann ein Microstock-Bild geklaut sein könn­te, habe ich in mei­nem Stockfotografie-Buch auf Seite 183 auf­ge­lis­tet.

Der grö­ße Unterschied zum Finden der eige­nen Bilder mit­tels der Google Bildersuche ist bei Plaghunter, dass dies auto­ma­ti­siert geschieht. Es muss also nicht jedes Mal ein neu­er Suchvorgang gestar­tet wer­den und der Nutzer wird auf Wunsch täg­li­ch per Email über die neu­en Ergebnisse infor­miert. So eine Info-Mail sieht bei­spiels­wei­se so aus:

plaghunter-email

Im Kundenbereich der Plaghunter-Webseite wer­den die Ergebnisse noch aus­führ­li­cher auf­be­rei­tet:

plaghunter-index

Die ver­füg­ba­ren Optionen sind rechts zu sehen. Die Nutzer kön­nen zum Beispiel mar­kie­ren, ob die Nutzung erlaubt ist oder nicht, sie eine DCMA-Meldung ver­schi­cken wol­len oder eine gan­ze Domain auf eine „wei­ße Liste“ set­zen, damit die­se in Zukunft nicht mehr beob­ach­tet wird, zum Beispiel die Domain einer Bildagentur, wel­che die eige­nen Bilder ver­treibt.

Standardmäßig funk­tio­niert Plaghunter mit Bildern, die schon im Internet vor­lie­gen, zum Beispiel auf der eige­nen Webseite, aber der Upload von Bildern direkt von der Festplatte ist eben­falls mög­li­ch. In den Pro- und Enterprise-Abomodellen ist auch der Upload einer Bilder-Sitemap von WordPress oder Flickr mög­li­ch.

Allein mit mei­nen fünf Testbildern habe ich in den letz­ten Monaten meh­re­re uner­laub­te gewerb­li­che Nutzungen gefun­den, die ich gebüh­ren­pflich­tig und erfolg­reich abge­mahnt habe.

Wer Geld mit sei­nen Fotos ver­dient, hat in Plaghunter jetzt ein nütz­li­ches Tool, wel­ches die Suche nach den eige­nen Bildern im Internet deut­li­ch erleich­tert. Hier könnt ihr es sofort und ein­fach selbst aus­pro­bie­ren* mit fünf Bildern.

Verlosung: 3x Pro-Accounts für sechs Monate

Marco von Plaghunter war so freund­li­ch, mir 3 Pro-Accounts für sechs Monate zur Verlosung anzu­bie­ten. Damit könnt ihr bis zu 500 Bilder suchen las­sen. Um an der Verlosung teil­zu­neh­men, schreibt ein­fach in den Kommentaren, wel­che zusätz­li­chen Features ihr euch von Plaghunter am liebs­ten wün­schen wür­det. Wer weiß, viel­leicht wer­den die­se dann sogar bald umge­setzt. Aus allen gül­ti­gen Kommentaren zie­he ich mit­tels random.org dann die drei Gewinner und infor­mie­re sie per Email. Teilnahmeschluss ist Montag, der 5.5.2014. Der Rechtsweg ist aus­ge­schlos­sen.

Also los: Welche Features wür­det ihr euch für einen Bildersuchdienst wie Plaghunter wün­schen?

* Affiliate

Online-Bildersuche Spookfish mit Kickstarter-Kampagne

Ich habe bis­her ab und zu an die­ser Stelle über Möglichkeiten geschrie­ben, geklau­te Bilder im Internet mit diver­sen Tools zu fin­den.

Da gibt es zum Beispiel TinEye und Google Images, seit kur­zem auch Plaghunter und bald soll ein neu­es Tool names Spookfish hin­zu­kom­men.

spookfish
Spookfish ist im Grunde eine Weiterentwicklung von Plaghunter. Beide nut­zen im Hintergrund Google Images als Bildersuche, ver­ein­fa­chen und auto­ma­ti­sie­ren den Prozess jedoch.

Ich habe die Entwickler gefragt, was aus ihrer Sicht die Unterschiede zwi­schen Spookfish und den ande­ren Tools sind.

1.) Google: Spookfish nutzt kos­ten­lo­se Reverse Image Search Dienste im Internet, dar­un­ter auch Google. Spookfish hat Google gegen­über aber den Vorteil, dass man nicht jedes mal sei­ne Bilder manu­ell neu suchen muss. Außerdem bekommt man auf Google bei einer erneu­ten Suche ja auch all die Stellen gezeigt, die man schon kennt. Spookfish lässt sich so ein­stel­len, dass man eben nur über neue Stellen infor­miert wird.

2.) Tineye: Spookfish fin­det wesent­li­ch mehr, außer­dem ist Tineye ein Abo-Service. Hier bezahlt man monat­li­ch eine Stange Geld; bei uns nur ein­mal. Zur Zeit 30$ (ca. 22 €) für die Pro-Version.

3.) Plaghunter: Plaghunter setzt offen­bar auch auf die Google-Funktion auf. Zwei ent­schei­de­ne Unterschiede:
A: Plaghunter ist wie­der­um ein Abo-Service. Hier bezahlt man für die Überwachung von 50 Bildern jeden Monat 29€. (wie gesagt: für die Pro-Version von Spookfish bezahlt man ein­mal 30$ und kann eine unli­mi­tier­te Anzahl an Bildern suchen – davon 100 am Tag.
B: Plaghunter ist brow­ser­ba­siert und kann nur nach Bildern suchen, zu denen man ver­lin­ken kann. Wenn man als Fotograf ein Online-Portfolio hat und nach die­sen Bildern sucht, dann funk­tio­niert das. Für den Fall, dass man aber nicht möch­te, dass ein Bild über­haupt im Internet auf­taucht, dann ist die­se Funktionsweise von Nachteil.“

Ich selbst nut­ze Plaghunter seit eini­gen Monaten in der kos­ten­frei­en Variante und habe damit bis­her eini­ge gewerb­li­che Urheberrechtsverletzungen ent­de­cken kön­nen, die mir son­st viel­leicht nicht auf­ge­fal­len wären. Diese Fälle habe ich dann mei­nem Anwalt über­ge­ben, der die meis­ten davon zu mei­ner Zufriedenheit lösen konn­te.

Deshalb über­zeugt mich das Angebot von Spookfish, für ein­ma­lig ca. 22 Euro auto­ma­ti­siert nach einer unbe­grenz­ten Menge an Bildern suchen zu kön­nen.

Damit die Software rea­li­siert wer­den kann, hat Spookfish die­se Kickstarter-Kampagne gestar­tet, wel­che nur noch bis Freitag, den 28. März 2014 läuft. Leider sind bis jetzt nur knapp 10% der anvi­sier­ten 28.000 USD zusam­men gekom­men. Die Macher von Spookfish sehen die Kickstarter-Kampagne auch als einen Gradmesser für das Interesse an der Software, wenn sie also nicht erfolg­reich ist, wird Spookfish sehr wahr­schein­li­ch auch nicht umge­setzt wer­den.

 

Wer mit­hel­fen möch­te, dass das Projekt umge­setzt wer­den kann, kann sich bei hier bei Kickstarter für die Standard- oder Pro-Variante von Spookfish vor­mer­ken las­sen.

Welche Methoden nutzt ihr, um nach geklau­ten Bildern zu suchen?

Warum die neuen Filter von Google Bildagenturen bedrohen können

Ich sage es schon eine Weile, dass die größ­te Änderung im Stockfotografie-Markt ver­mut­li­ch von einer Seite kom­men könn­te, die eini­ge gar nicht im Blick haben.

Ich mei­ne Technologiekonzerne, allem vor­an die – nicht nur – Suchmaschine Google. Viele ver­ges­sen, dass auch Bildagenturen wie Shutterstock, iSto­ck und Fotolia in ers­ter Linie Technologiefirmen sind, die mehr oder weni­ger zufäl­lig eben mit der Ware „Bilder“ han­deln. Genauso gut könn­ten sie auch Musik, Texte, Code-Schnipsel, Schulungsvideos und so wei­ter ver­kau­fen. Agenturen wie Envato oder Pond5 ver­su­chen das ja auch und auch Shutterstock hat kürz­li­ch mit Skillfeed einen Marktplatz für Tutorials ins Leben geru­fen. Den alt­ein­ge­ses­se­nen Macrostock-Agenturen haben die­se Firmen ganz schön zuge­setzt, weil plötz­li­ch viel Know-How ins aus uner­war­te­ter Richtung ins Spiel kam.

Was bisher geschah…

Aber zurück zu Google. Schon 2009 schrieb ich, dass die neu ein­ge­führ­te Google Bildersuche (heu­te als „Google Images“ bekannt), die Stockfotografie ver­än­dern wür­de. Schon kurz dar­auf waren die Suchergebnisse bei Google Images deut­li­ch bes­ser als von TinEye, um glei­che Bilder im Netz zu fin­den. Vor ziem­li­ch gen­au einem Jahr wur­de ein gehei­mer Deal zwi­schen Getty Images und Google bekannt, der auf jeden Fall zeigt, dass Google der Bildermarkt bekannt ist. Ca. ein hal­bes Jahr spä­ter führ­te eine grund­le­gen­de Layout-Änderung bei der Google Bildersuche zu ers­ten Umsatzeinbrüchen bei Bildagenturen.

Die letz­te Ankündigung reiht sich damit fast naht­los in eine Entwicklung ein, die immer bedroh­li­cher für Bildagenturen ist.

Was neu ist…

Google ver­öf­fent­lich­te vor paar Tagen eine neue Filter-Möglichkeit für die Bildersuche, bei der Bilder nach bestimm­ten Verwendungszwecken gefil­tert wer­den kön­nen. So „neu“ ist die Funktion zwar nicht, denn sie ist seit ca. vier Jahren bekannt, aber bis­her war sie sehr gut in den Tiefen eines Untermenüs ver­steckt.

Hierarchisch geord­net sehen die ange­bo­te­nen Filtermöglichkeiten so aus:

  • nicht nach Lizenz gefil­tert
  • zur Wiederverwendung gekenn­zeich­net
  • zur kom­mer­zi­el­len Wiederverwendung gekenn­zeich­net
  • zur Wiederverwendung mit Veränderung gekenn­zeich­net
  • zur kom­mer­zi­el­len Wiederverwendung mit Veränderung gekenn­zeich­net

Jetzt kön­nen die­se Optionen rela­tiv sicht­bar unter dem Suchfeld bei „Suchoptionen/Nutzungsrechte“ ein­ge­blen­det wer­den.

Im Hinblick auf die­se Neuerung wer­den aktu­ell haupt­säch­li­ch zwei Aspekte dis­ku­tiert. Die Genauigkeit die­ser Filter sowie die lang­fris­ti­ge Änderung von Suchgewohnheiten.

Wie genau die Nutzungsrechte gefiltert werden…

Aktuell spei­sen sich die meis­ten Bilder, wel­che über­haupt gefil­tert wer­den, aus dem Pool von Flickr, Wikipedia, Deviantart, Fotocommunity und eini­gen ande­ren „Crowd Sourcing“-Bilderseiten.

Kritiker wer­fen unter ande­rem ein, dass die ange­zeig­ten Filter einer­seits nicht gen­au genug sind, ande­rer­seits nicht dem übli­chen „Branchenslang“ ent­spre­chen (was ange­sichts der Verwirrung um Begriffe wie „lizenz­frei“ viel­leicht sogar bes­ser ist) und Google natür­li­ch auch kei­ne Haftung über­nimmt, ob die Lizenzen kor­rekt ver­ge­ben wur­den.

So behaup­tet Google ger­ne, dass ein Creative-Commons-Bild, wel­ches unter die „CC BY-SA 2.0″-Lizenz gestellt wur­de (Namensnennung und Wiedergabe unter glei­chen Bedingungen), „zur kom­mer­zi­el­len Wiederverwendung gekenn­zeich­net“ wäre. Das ist zwar inso­fern kor­rekt, dass sol­che Bilder aus­drück­li­ch kom­mer­zi­ell genutzt wer­den dür­fen, aber eben nur, wenn der Urheber genannt wird und das Endprodukt (zum Beispiel die Werbeanzeige oder das Computerspiel mit dem Bild im Einsatz) eben­falls mit der „CC BY-SA“-Lizenz ver­öf­fent­licht wird. Das sind prak­ti­sch so gra­vie­ren­de Einschränkungen, dass der (unab­sicht­li­che) Missbrauch von CC-Lizenzen damit eher zuneh­men als abneh­men wird.

Außerdem wis­sen die meis­ten Leute eben nicht, dass die Nutzungsrechte nur ein recht­li­cher Aspekt bei der lega­len Bildnutzung sind. Sind Personen auf dem Bild, müs­sen zusätz­li­ch auch die Persönlichkeitsrechte der Person beach­tet wer­den, es gibt noch den Patentschutz, Markenschutz, Designschutz und so wei­ter.

Tatsächlich hal­te ich das Problem aber für beherrsch­bar, weil Google durch sei­ne aus­ge­feil­ten Algorithmen die Bilderkennung mitt­ler­wei­le sehr gut beherrscht und sicher immer noch bes­ser dar­in wer­den wird. So wäre es bestimmt tech­ni­sch leicht lös­bar, bei iden­ti­schen Bildern an meh­re­ren Stellen im Netz auto­ma­ti­sch immer die strengst­mög­li­che Nutzungskennzeichnung anzu­neh­men. Wenn also eine Bildagentur ein Bild mit Wasserzeichen ver­öf­fent­licht und jemand das Bild ille­gal bei Flickr als „Public Domain“-Bild ein­stel­len wür­de, könn­te Google – tech­ni­sch gese­hen – bestimmt schnell erken­nen, dass es eigent­li­ch urhe­ber­ge­schützt ist. Wenn sie es nicht jetzt schon so machen.

Beunruhigender fin­de ich den zwei­ten Aspekt:

Wie sich die Suchgewohnheiten ändern können…

Wir leben – nicht nur digi­tal – in einer Filterblase und neh­men die Umwelt um uns her­um nach bestimm­ten Kriterien wahr. Jemand, der in der Bilderbranche arbei­tet, sieht über­all Stockfotos und erkennt sei­ne Models wie­der, wäh­rend Menschen mit ande­ren Berufen die meis­ten Motive spä­tes­tens nach paar Sekunden wie­der ver­ges­sen haben. Deshalb den­ken wir Stockfotografen auch, dass vie­le Leute ja Bildagenturen ken­nen müss­ten, wo sie Fotos güns­tig ein­kau­fen kön­nen. Unter dem Strich wis­sen jedoch mehr Menschen nicht, dass Bildagenturen exis­tie­ren und was die­se ver­kau­fen als anders­rum. Wer auf der Suche nach Bildern ist, geht viel häu­fi­ger zu Google und schaut sich dort die Ergebnisse an.

Deswegen geben Bildagenturen auch sehr viel Geld aus, um ent­we­der direkt bei Google Werbung zu schal­ten oder indi­rekt, um mit­tels aus­ge­feil­ter SEO-Maßnahmen die eige­nen Bilder in die obers­ten Reihen der Google-Bildersuche zu drü­cken. Das funk­tio­nier­te lan­ge sehr gut, bis Google, wie erwähnt, das Layout umstell­te. Jetzt geht Google noch einen Schritt wei­ter. Sobald der Bildsucher auch nur nach irgend­ei­ner Lizenz sucht, fal­len prak­ti­sch alle Agenturbilder, egal ob Microstock oder Macrostock, aus dem Raster. Übrig blei­ben Amateurbilder.

Das kann einer­seits dazu füh­ren, dass auch pro­fes­sio­nel­le Bildkäufer sich ver­mehrt bei den kos­ten­lo­sen Bildern bedie­nen. Das wie­der­um schwächt die Profis, wenn sie nicht in der Lage sind, sich durch Motivwahl, Qualität oder ande­re Unterschiede von den Hobbyfotos abzu­gren­zen.

Andererseits ler­nen viel­leicht weni­ger Menschen, die noch kei­ne Bildkäufer sind, über­haupt Bildagenturen ken­nen und gewöh­nen sich dar­an, dort bequem und rechts­si­cher Fotos lizen­zie­ren zu kön­nen. Denn wie die meis­ten Bildagenturen bestä­ti­gen wer­den, ist eine der größ­ten Trafficquellen jeder Agentur die Google Bildersuche. Gewesen, müss­te ich in Zukunft viel­leicht schrei­ben müs­sen.

Was ebenfalls passieren könnte…

Es könn­te sein, dass Google mit dem Nutzungsrechte-Filter die Bildsucher auch dafür sen­si­bi­li­sie­ren will, dass nicht jedes Bild ein­fach belie­big genutzt wer­den darf. Wenn das klar ist, erscheint logi­scher, dass für eine Nutzung was gezahlt wer­den müss­te. Wenn jetzt Google Rechteinhabern anbie­ten wür­de, ihre Bilder eben­falls unter „für kom­mer­zi­el­le Weiterwendung gekenn­zeich­net“ anzu­zei­gen und ein klei­nes Warenkorb-Symbol unter das Foto packt, damit klar ist, dass für die­se Fotos eine klei­ne Gebühr bezahlt wer­den muss, wäre das für die Bilderbranche eine Revolution.

Abwegig wäre es kei­nes­falls. Google ver­kauft über den Playstore schon eine Weile digi­ta­le Inhalte, hat das Vertriebsnetz und die Bezahlmöglichkeiten also prak­ti­sch getes­tet. Google hät­te von allen Bildagenturen von Anhang an die größ­te Nutzerbasis. Google hat das tech­ni­sche Know-How, um dop­pel­te Bilder weg­zu­fil­tern, ähn­li­che Bilder anzu­bie­ten, Keyword-Vorschläge zu machen und so wei­ter. Selbst für die Rechteinhaber, also die Fotografen oder Grafikdesigner, wäre ein Angebot von Google ver­lo­ckend: Immerhin nimmt Google Play nur 30% Kommission von den Anbietern, wäh­rend es bei iSto­ck bis zu 85% sind.

Die Leidtragenden wären die bis­he­ri­gen Bildagenturen. Der Markt bleibt also sehr span­nend.

Was sagt ihr? Wie könn­te Google den Bildermarkt umkrem­peln?

Neue Google-Bildersuche führt zu Umsatzeinbruch bei Bildagenturen

Ursprünglich soll­te die­ser Artikel nach ein Fragezeichen am Ende des Titels tra­gen. Aber nach eini­gen Wochen auf mei­nem Schreibtisch wur­de klar, dass aus mei­ner Vermutung mitt­ler­wei­le eine Realität gewor­den ist. Die neue Google Bildersuche bringt den Bildagenturen weni­ger Geld.

Aber wie immer ein kur­zer Blick zurück: Was für eine neue Bildersuche?

Im Januar 2013 führ­te Google eine Änderung bei deren Dienst Google Images ein. Google Images erlaubt Nutzern, statt nach Webseiten direkt nach Bildern zu suchen. Wenn ich bei­spiels­wei­se nach „Tulpen“ suche, erhal­te ich als Ergebnis kei­ne Webseiten, wel­che über Tulpen schrei­ben, son­dern mir wer­den Fotos von Tulpen ange­zeigt. Neu ist jedoch jetzt, dass nicht mehr nur klei­ne Versionen der Bilder („Thumbnails“ genannt) ange­zeigt wer­den und man auf die Webseite gehen muss, von der das Bild ursprüng­li­ch stammt, um die gro­ße Version zu sehen. Stattdessen wer­den bei Google Images jetzt die gro­ßen Originalbilder gezeigt und die Webseite, von der das Bild kommt, tritt in den Hintergrund. Das ist bequem für den Suchenden, aber von Nachteil für die Webseiten, wel­che die Bilder zei­gen.

Hier ein gra­fi­scher Vergleich zwi­schen der alten und der neu­en Ansicht ab Ende Januar 2013:

Aus der Übersichtsansicht ver­schwin­det die Adresse der Quellen-Webseite voll­stän­dig und wird jetzt nur sicht­bar, wenn man mit der Maus über ein Bild fährt. Außerdem gibt es kei­ne Textvorschau mehr, um erken­nen zu kön­nen, in wel­chem Kontext ein Bild ein­ge­bet­tet ist. Noch sicht­ba­rer wird der Unterschied, wenn man auf ein Bild klickt, um mehr zu erfah­ren:

Die ursprüng­li­che Webseite muss man fast schon suchen, wäh­rend sie frü­her schon im Hintergrund ein­ge­blen­det wur­de.

Eine Analyse von vie­len ver­schie­de­nen Webseiten ergab, dass die­se Umstellung zu einem Traffic-Rückgang von über 50% führ­te, teil­wei­se sogar deut­li­ch mehr.

Was vie­le nicht wis­sen: Bildagenturen geben viel Geld für Suchmaschinenoptimierung aus, weil immer noch vie­le Bildsucher kei­ne Ahnung von Bildagenturen haben und ein­fach bei Google nach Bildern suchen statt direkt zu Agenturen zu gehen. Deshalb bekom­men Bildagenturen viel Traffic und damit auch Kunden von Google Images. Durch die Umstellung der Bildersuche wer­den jedoch mehr Leute die Bilder direkt von Google kopie­ren anstatt sie bei Bildagenturen legal zu lizen­zie­ren.

Erst war das nur eine Vermutung von mir, aber mitt­ler­wei­le hat es sich bestä­tigt. Dreamstime-CEO Serban Enache schrieb schon im Februar in einem Blogbeitrag, dass die Umstellung Bildagenturen vor Probleme stel­len wür­de. Graphic Leftovers war vor paar Tagen die ers­te Agentur, die laut Microstockgroup in einem Newsletter die Umstellung bei Google Images als Grund für einen Umsatzeinbruch angab:

[…] In January 2013, Google announ­ced their new image sear­ch func­tio­na­li­ty. This new for­mat has signi­fi­cant­ly hin­de­red our traf­fic and sales.
As a fair tra­de cont­ri­bu­tor site, it is very import­ant to us to main­tain the cur­rent contributor’s com­mis­si­on rate of 52%, so we will have to make adjust­ments in other are­as. […]“

Oft wird als Ausweg die tech­ni­sche Lösung ange­bo­ten, sei­ne Bilder nicht bei Google Images anzei­gen zu las­sen. Ich glau­be jedoch nicht, dass das für Bildagenturen sinn­voll ist, weil es eben zu vie­le Kunden gibt, die erst über die­sen Umweg auf Bildagenturen auf­merk­sam wer­den. Ein ande­res Vorgehen ver­folgt der Fotografenverband Freelens. Dieser reich­te Ende April eine Klage gegen die neue Google Bildersuche ein, weil sie gegen das Urheberrecht ver­sto­ße. Das könn­te Erfolg haben: Nur paar Monate vor­her erwirk­te Freelens eine Unterlassungserklärung gegen den Suchmaschinenbetreiber Yahoo, der eine ähn­li­che Neuerung ein­ge­führt hat­te.

Das Beispiel der Google Bildersuche zeigt, dass wir in der Stockfotografie-Branche auf­pas­sen müs­sen, weil klei­ne Änderungen ganz ande­rer Branchen schnell und direkt finan­zi­el­le Auswirkungen auf uns haben kön­nen.

Wie fin­det ihr die Änderungen bei Google Images?

Stockfotografie-News 2013-02-08

Schnell dreht sich wie immer die Stockfotografie-Welt. Damit ihr noch unge­fähr erken­nen könnt, auf wel­chem Teil der wil­den Reise wir uns befin­den, hier wie­der eini­ge hand­ver­le­se­ne Info-Häppchen zwi­schen­durch, bevor das „Bitte anschnallen“-Zeichen über euren Köpfen erscheint:

  • Die Agentur Envato, die über ver­schie­de­ne Webseiten Fotos, Videos, Audio, Illustrationen, WordPress-Themes und so wei­ter ver­kauft, hat ihre Lizenzbedingungen geän­dert. Wichtigste Änderung: Ab sofort fal­len zwei Regelungen weg, die es bis­her Leuten ermög­licht haben, Envato-Produkte für den Weiterverkauf bei Bildagenturen zu nut­zen.
  • Nach der Aufregung um den Google Drive Deal, ver­är­gert Google Fotografen und ande­re Urheber mit einer wei­te­ren Änderung: Die Bildersuche wird so umge­stellt, dass die Fotos in Originalgröße ange­zeigt wer­den und es weni­ger Gründe gibt, die Originalseite des Fotos zu besu­chen. Bisher hat­te Google bei der Nutzung urhe­ber­recht­li­ch geschütz­ter Inhalte eine Ausnahmestellung, weil sie als „Suchmaschine“ gal­ten, aber mit der neu­en Änderung prä­sen­tiert Google die Ergebnisse so, dass von einer „fai­ren Nutzung“ kaum noch gespro­chen wer­den kann. Der Widerstand dage­gen for­miert sich momen­tan auf der Webseite „Verteidige dein Bild“.
  • Die Microstock-Webseite Allyoucanstock hat zum Anfang des Jahres ihre Pforten wegen zu gerin­ger Umsätze geschlos­sen.
  • Der iStockphoto-Gründer Bruce Livingstone und damit Erfinder des Microstock-Modells plant eine neue „nach­hal­ti­ge“, genos­sen­schaft­li­ch orga­ni­sier­te Bildagentur namens Stocksy. Bei dem gan­zen Frust, der unter iStock-Exklusives herrscht, kommt das zur rech­ten Zeit. Es scheint, als sei eine RF-Agentur geplant, die vor allem bildex­klu­siv arbei­ten will. Mit an Bord sind unter ande­rem eini­ge bekann­te (Ex-)Mitarbeiter von iStock­pho­to. Ob Stocksy sich damit jedoch gegen die ande­ren Platzhirsche Shutterstock und Fotolia behaup­ten kön­nen wird, muss sich erst zei­gen.
  • Bei iStock­pho­to und Getty Images bahnt sich unter­des­sen der nächs­te Versuch an, die Honorare nach unten zu drü­cken: Getty Connect heißt eine neue Methode, mit der Bilder kos­ten­los „ver­mie­tet“ wer­den und die Fotografen per Klick auf die Bilder bezahlt wer­den. Das gro­ße Mysterium ist jedoch, wie hoch (bzw. genau­er: wie nied­rig) die­se Honorare sein wer­den. Auch die Anzahl der Klicks für die gezahl­te Summe will Getty bis­her nicht nen­nen. Alles sehr omi­nös.
  • Immerhin eine gute Nachricht noch von iStock­pho­to: Die Bilder, die im Rahmen eines „Promotion-Deals“ mit Microsoft ver­schenkt wur­den, sind jetzt ent­fernt wor­den.
  • Nutzt ihr schon den neu­en Canon-Blitz 600EX in Deutschland, der Schweiz oder Österreich (und ggf. ande­ren Ländern)? Das könn­te die­sem Artikel nach ille­gal sein. Meine Anfrage an Canon ist raus, sobald ich mehr weiß, wer­de ich das im Blog pos­ten. [Update 14.02.2013: Wer gründ­li­cher liest, ist klar im Vorteil. In Deutschland, Schweiz, Österreich etc. ist die Nutzung des Blitzes aus­drück­li­ch erlaubt.]
  • Fotolia bie­tet Abo-Kunden jetzt die Möglichkeit, ihr Abo kurz­fris­tig auf­zu­sto­cken, wenn sie in einem Monat mehr Bilder brau­chen als es das Abonnement nor­ma­ler­wei­se erlaubt. Außerdem ist heu­te der kos­ten­lo­se Download der nächs­ten Photoshop-Datei im Rahmen der TEN Collection mög­li­ch.
  • Noch mal Fotolia: Ab sofort wer­den alle Fotolia-Fotos, die per Link oder „Pin It“-Button auf Pinterest gezeigt wer­den, auto­ma­ti­sch als Fotolia-Bilder gekenn­zeich­net und mit allen wich­ti­gen Informationen ver­se­hen. Auf jeden Fall eine Verbesserung gegen­über den Wild-West-Sitten, die bis­her bei Pinterest herr­schen.
  • Shutterstock erhöht die Zahlung pro Referral-Download von 3 auf 4 US-Cent. Dafür wer­den die­se emp­foh­le­nen Fotografen und Kunden nur zwei Jahre lang abge­rech­net, statt wie bis­her unbe­grenzt.
  • Die Bildagentur Bigstock, die vor ca. drei­ein­halb Jahren von Shutterstock auf­ge­kauft wur­de, führt jetzt eben­falls ein Abo-Modell ein. Für mich etwas unver­ständ­li­ch, war­um sich Shutterstock damit selbst Konkurrenz machen will, zumal die Bilder im Grunde größ­ten­teils die glei­chen sind. Der geplan­te Fotografenanteil an den Bildhonoraren star­tet bei 25 US-Cent und steigt in sie­ben Stufen auf bis zu 38 US-Cent pro Download, wenn mehr als 50.000 Downloads inner­halb der letz­ten 12 Monate erzielt wur­den. Unter dem Strich scheint die Vergütungsstruktur damit weni­ger attrak­tiv als bei Shutterstock zu sein, weil die­se bei Bigstock nur vom aktu­el­len Erfolg abhängt, wäh­rend Shutterstock den Gesamterfolg berück­sich­tigt. Vielleicht ist das der Beginn einer neu­en – nach­tei­li­ge­ren – Honorarstruktur auch bei Shutterstock? Bigstock als Testballon, wie die Umsätze und die Reaktionen der Fotografen dar­auf sind?
  • Die Video- und Bildagentur Pond5 hat jetzt eine neue Webseite. Neu sind unter ande­rem grö­ße­re Thumbnails, eine deut­li­ch mehr Suchfilter, unbe­grenz­tes Scrollen und Künstler-Profilseiten.
  • Zum Abschluss heu­te noch ein kos­ten­lo­ses Video von FotoTV*, in dem der Fotograf Jérôme Gravenstein Tipps für gelun­ge­ne Bewerbungsfotos gibt. Viel Spaß beim Anschauen:

Habe ich etwas über­se­hen? Dann bit­te ger­ne in den Kommentaren ergän­zen…

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