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Stockfotografie-News 2015-02-27

Ich hab’s geschafft:
Nach nur sechs Wochen kommt schon die nächste Folge der Stockfotografie-News, damit die Nachrichten diesmal keinen Staub ansetzen.

  • Geht der größten Bildagentur der Welt, Getty Images, das Geld aus? Die Rating-Agentur Moody’s scheint dieser Meinung zu sein, weil vor allem iStock gegenüber Shutterstock und Fotolia ins Hintertreffen gelangt und hohe Kredite abgezahlt werden müssen.
  • Vor einem knappen Jahr hatte ich darüber berichtet, wie Dreamstime Bilder für einen Beta-Test nutzt, ohne die Fotografen dafür zu bezahlen. Der Dreamstime-Gründer meinte, wenn der Test gut läuft, würden die Fotografen bezahlt und mehr Informationen folgen. Das scheint nun der Fall zu sein.
    In einer Meldung im Dreamstime-Forum gibt der Gründer Serban Enache (unter seinem Nickname „Achilles“) mehr Infos. Die Bilder werden von Google lizenziert für Bannerwerbung bei den Google Ads, die Fotografen erhalten dafür einmalig 2 US-Dollar. Die Nutzung entspricht einer erweiterten Web-Lizenz mit einer Laufzeit von 12 Monaten. Das ist deutlich weniger als Fotografen bei einer „normalen“ Web-EL-Lizenz erhalten würden, aber auch hier verspricht Serban Enache wieder, dass es in Zukunft mehr Geld geben würde. Ich habe auch einige 2$-Verkäufe in meinem Account, aber der Dreamstime-Kundendienst meint, dass kann auch ein normales „All-at-once“-Abo sein.
  • Nach dem Fall Edathy gab es eine Gesetzesänderung, die vor allem Kinderfotos und teilweise auch Partyfotos betrifft. Hier gibt es eine Übersicht, was jetzt erlaubt und verboten ist. Besonders problematisch für Stockfotografen ist, dass vor allem das Anbieten vom Verkauf bestimmter nun strafbar ist und sich hier in der Praxis noch zeigen muss, ob beispielsweise Fotos von nackten Kindern in der Badewanne als Stockfotos erlaubt sind oder nicht.
  • Die größte inhabergeführte deutsche Bildagentur Mauritius Images hat den Inhaber und Geschäftsführer gewechselt. Neuer Chef ist Stefan Ploghaus, der im Bildermarkt bisher vor allem für Tätigkeiten bei der Nachrichtenagentur dpa bekannt ist.
  • Die japanische Bildagentur Pixtastock ändert ihre Nutzungsbedingungen und erweitert vor allem die Möglichkeiten, was unter der normalen Lizenz erlaubt ist. Mehr dazu in der FAQ hier.
  • Noch mal Pixtastock: Hier listet die Agentur ihre 50 Bestseller von 2014 aus den Bereichen Foto, Video und Illustrationen auf.
  • Pond5 verschenkt jetzt über 12.600 Videos und Audio-Files, welche in der Public Domain zu finden sind, darunter viele historische Aufnahmen (1. Weltkrieg), Reden berühmter Politiker („Ich bin ein Berliner“) oder Clips von Charlie Chaplin.
  • Shutterstock hat vor zwei Wochen verkündet, 500 Millionen Downloads erzielt zu haben. Gratulation!
  • Noch mal Shutterstock: Ein sehr lesenswertes Interview mit der Agentur über die Übernahme von Rex Features führt Amos Struck auf fotos-verkaufen.de.
  • Shutterstock zum Dritten: Die Agentur stellt hier eine interaktive Infografik über die visuellen Trends 2015 vor. Sehr hilfreiches Futter für die Shootingplanung.
  • Was sind die beliebtesten Requisiten für einen Stockfotografen? Der Fotograf Sean Locke stellt hier seine Favoriten vor.
  • Der Bildagentur-Verband CEPIC schreibt den ersten „Stock Photography Award“ aus, an dem alle im CEPIC organisierten Agenturen sowie deren Fotografen teilnehmen können. Gesucht werden kreative Stockfotos, das Preisgeld beträgt 3.000 Euro.
  • Für die Foodfotografen: 10 Tipps, um besser Saucen zu fotografieren, wenn sie über das Essen gekippt werden.
  • Viele Nutzungsmöglichkeiten eines weißen Hintergrundes verrät der Fotograf Zack Arias in diesem Beitrag und Video. Für Stockfotografen, die viel mit Freistellern arbeiten, ein Muss. Den zweiten Teil gibt es hier.
  • Dass Licht die Wirkung eines Portraits drastisch verändern kann, ist guten Fotografen schon lange klar. Selten wurde es aber so eindrucksvoll illustriert wie hier.

Die meisten Infos gibt es wie immer schon früher auf meiner Facebook-Seite.

Habe ich etwas verpasst?
Dann immer rein in die Kommentare damit.

Google Bildersuche vereinfachen mit Plaghunter (mit Verlosung)

Vor paar Wochen habe ich hier das Projekt Spookfish vorgestellt, was die Google-Bildersuche vereinfachen wollte. Das Projekt ist gescheitert, aber im Rahmen des Artikel habe ich ein anderes Projekt namens Plaghunter erwähnt, was ich heute ausführlicher vorstellen will.

Plaghunter* ist ein Online-Service, welcher die die Datenbasis und die Technik von Google Images nutzt, um automatisiert nach gleichen Bildern im Internet zu suchen. Die häufigste Anwendungsmöglichkeit für Fotografen ist sicher, damit unerlaubte Kopien eigener Bilder zu finden. Auf Wunsch werden neuerdings auch die Ergebnisse der Bildersuche der russischen Suchmaschine Yandex angezeigt.

Zum Testen können die Nutzer bis zu fünf Bilder kostenlos suchen lassen, mehr Bilder gibt es in verschiedenen Abo-Paketen von 29 bis 199 Euro pro Monat.

Ich nutze den Dienst jetzt seit über einem halben Jahr in der kostenfreien Variante und der Einsatz hat sich bisher auf jeden Fall gelohnt. Ich verfolge einige Bilder von mir, die aus verschiedenen Gründen im Netz sehr gerne unerlaubt verbreitet werden und die ich nicht in Bildagenturen anbiete. Damit weiß ich relativ einfach, dass die Nutzung illegal sein muss. Außerdem verfolge ich einige meiner Microstock-Bestseller. Hier interessiert mich zum einen, wofür die Bilder genau benutzt werden, damit ich bei zukünftigen Fotoshootings besser auf diese Themen achten kann und zum anderen gibt es auch hier für mich die Möglichkeit, unerlaubte Nutzungen aufzudecken. Die Indizien, wann ein Microstock-Bild geklaut sein könnte, habe ich in meinem Stockfotografie-Buch auf Seite 183 aufgelistet.

Der größe Unterschied zum Finden der eigenen Bilder mittels der Google Bildersuche ist bei Plaghunter, dass dies automatisiert geschieht. Es muss also nicht jedes Mal ein neuer Suchvorgang gestartet werden und der Nutzer wird auf Wunsch täglich per Email über die neuen Ergebnisse informiert. So eine Info-Mail sieht beispielsweise so aus:

plaghunter-email

Im Kundenbereich der Plaghunter-Webseite werden die Ergebnisse noch ausführlicher aufbereitet:

plaghunter-index

Die verfügbaren Optionen sind rechts zu sehen. Die Nutzer können zum Beispiel markieren, ob die Nutzung erlaubt ist oder nicht, sie eine DCMA-Meldung verschicken wollen oder eine ganze Domain auf eine „weiße Liste“ setzen, damit diese in Zukunft nicht mehr beobachtet wird, zum Beispiel die Domain einer Bildagentur, welche die eigenen Bilder vertreibt.

Standardmäßig funktioniert Plaghunter mit Bildern, die schon im Internet vorliegen, zum Beispiel auf der eigenen Webseite, aber der Upload von Bildern direkt von der Festplatte ist ebenfalls möglich. In den Pro- und Enterprise-Abomodellen ist auch der Upload einer Bilder-Sitemap von WordPress oder Flickr möglich.

Allein mit meinen fünf Testbildern habe ich in den letzten Monaten mehrere unerlaubte gewerbliche Nutzungen gefunden, die ich gebührenpflichtig und erfolgreich abgemahnt habe.

Wer Geld mit seinen Fotos verdient, hat in Plaghunter jetzt ein nützliches Tool, welches die Suche nach den eigenen Bildern im Internet deutlich erleichtert. Hier könnt ihr es sofort und einfach selbst ausprobieren* mit fünf Bildern.

Verlosung: 3x Pro-Accounts für sechs Monate

Marco von Plaghunter war so freundlich, mir 3 Pro-Accounts für sechs Monate zur Verlosung anzubieten. Damit könnt ihr bis zu 500 Bilder suchen lassen. Um an der Verlosung teilzunehmen, schreibt einfach in den Kommentaren, welche zusätzlichen Features ihr euch von Plaghunter am liebsten wünschen würdet. Wer weiß, vielleicht werden diese dann sogar bald umgesetzt. Aus allen gültigen Kommentaren ziehe ich mittels random.org dann die drei Gewinner und informiere sie per Email. Teilnahmeschluss ist Montag, der 5.5.2014. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Also los: Welche Features würdet ihr euch für einen Bildersuchdienst wie Plaghunter wünschen?

* Affiliate

Warum die neuen Filter von Google Bildagenturen bedrohen können

Ich sage es schon eine Weile, dass die größte Änderung im Stockfotografie-Markt vermutlich von einer Seite kommen könnte, die einige gar nicht im Blick haben.

Ich meine Technologiekonzerne, allem voran die – nicht nur – Suchmaschine Google. Viele vergessen, dass auch Bildagenturen wie Shutterstock, iStock und Fotolia in erster Linie Technologiefirmen sind, die mehr oder weniger zufällig eben mit der Ware „Bilder“ handeln. Genauso gut könnten sie auch Musik, Texte, Code-Schnipsel, Schulungsvideos und so weiter verkaufen. Agenturen wie Envato oder Pond5 versuchen das ja auch und auch Shutterstock hat kürzlich mit Skillfeed einen Marktplatz für Tutorials ins Leben gerufen. Den alteingesessenen Macrostock-Agenturen haben diese Firmen ganz schön zugesetzt, weil plötzlich viel Know-How ins aus unerwarteter Richtung ins Spiel kam.

Was bisher geschah…

Aber zurück zu Google. Schon 2009 schrieb ich, dass die neu eingeführte Google Bildersuche (heute als „Google Images“ bekannt), die Stockfotografie verändern würde. Schon kurz darauf waren die Suchergebnisse bei Google Images deutlich besser als von TinEye, um gleiche Bilder im Netz zu finden. Vor ziemlich genau einem Jahr wurde ein geheimer Deal zwischen Getty Images und Google bekannt, der auf jeden Fall zeigt, dass Google der Bildermarkt bekannt ist. Ca. ein halbes Jahr später führte eine grundlegende Layout-Änderung bei der Google Bildersuche zu ersten Umsatzeinbrüchen bei Bildagenturen.

Die letzte Ankündigung reiht sich damit fast nahtlos in eine Entwicklung ein, die immer bedrohlicher für Bildagenturen ist.

Was neu ist…

Google veröffentlichte vor paar Tagen eine neue Filter-Möglichkeit für die Bildersuche, bei der Bilder nach bestimmten Verwendungszwecken gefiltert werden können. So „neu“ ist die Funktion zwar nicht, denn sie ist seit ca. vier Jahren bekannt, aber bisher war sie sehr gut in den Tiefen eines Untermenüs versteckt.

Hierarchisch geordnet sehen die angebotenen Filtermöglichkeiten so aus:

  • nicht nach Lizenz gefiltert
  • zur Wiederverwendung gekennzeichnet
  • zur kommerziellen Wiederverwendung gekennzeichnet
  • zur Wiederverwendung mit Veränderung gekennzeichnet
  • zur kommerziellen Wiederverwendung mit Veränderung gekennzeichnet

Jetzt können diese Optionen relativ sichtbar unter dem Suchfeld bei „Suchoptionen/Nutzungsrechte“ eingeblendet werden.

Im Hinblick auf diese Neuerung werden aktuell hauptsächlich zwei Aspekte diskutiert. Die Genauigkeit dieser Filter sowie die langfristige Änderung von Suchgewohnheiten.

Wie genau die Nutzungsrechte gefiltert werden…

Aktuell speisen sich die meisten Bilder, welche überhaupt gefiltert werden, aus dem Pool von Flickr, Wikipedia, Deviantart, Fotocommunity und einigen anderen „Crowd Sourcing“-Bilderseiten.

Kritiker werfen unter anderem ein, dass die angezeigten Filter einerseits nicht genau genug sind, andererseits nicht dem üblichen „Branchenslang“ entsprechen (was angesichts der Verwirrung um Begriffe wie „lizenzfrei“ vielleicht sogar besser ist) und Google natürlich auch keine Haftung übernimmt, ob die Lizenzen korrekt vergeben wurden.

So behauptet Google gerne, dass ein Creative-Commons-Bild, welches unter die „CC BY-SA 2.0„-Lizenz gestellt wurde (Namensnennung und Wiedergabe unter gleichen Bedingungen), „zur kommerziellen Wiederverwendung gekennzeichnet“ wäre. Das ist zwar insofern korrekt, dass solche Bilder ausdrücklich kommerziell genutzt werden dürfen, aber eben nur, wenn der Urheber genannt wird und das Endprodukt (zum Beispiel die Werbeanzeige oder das Computerspiel mit dem Bild im Einsatz) ebenfalls mit der „CC BY-SA“-Lizenz veröffentlicht wird. Das sind praktisch so gravierende Einschränkungen, dass der (unabsichtliche) Missbrauch von CC-Lizenzen damit eher zunehmen als abnehmen wird.

Außerdem wissen die meisten Leute eben nicht, dass die Nutzungsrechte nur ein rechtlicher Aspekt bei der legalen Bildnutzung sind. Sind Personen auf dem Bild, müssen zusätzlich auch die Persönlichkeitsrechte der Person beachtet werden, es gibt noch den Patentschutz, Markenschutz, Designschutz und so weiter.

Tatsächlich halte ich das Problem aber für beherrschbar, weil Google durch seine ausgefeilten Algorithmen die Bilderkennung mittlerweile sehr gut beherrscht und sicher immer noch besser darin werden wird. So wäre es bestimmt technisch leicht lösbar, bei identischen Bildern an mehreren Stellen im Netz automatisch immer die strengstmögliche Nutzungskennzeichnung anzunehmen. Wenn also eine Bildagentur ein Bild mit Wasserzeichen veröffentlicht und jemand das Bild illegal bei Flickr als „Public Domain“-Bild einstellen würde, könnte Google – technisch gesehen – bestimmt schnell erkennen, dass es eigentlich urhebergeschützt ist. Wenn sie es nicht jetzt schon so machen.

Beunruhigender finde ich den zweiten Aspekt:

Wie sich die Suchgewohnheiten ändern können…

Wir leben – nicht nur digital – in einer Filterblase und nehmen die Umwelt um uns herum nach bestimmten Kriterien wahr. Jemand, der in der Bilderbranche arbeitet, sieht überall Stockfotos und erkennt seine Models wieder, während Menschen mit anderen Berufen die meisten Motive spätestens nach paar Sekunden wieder vergessen haben. Deshalb denken wir Stockfotografen auch, dass viele Leute ja Bildagenturen kennen müssten, wo sie Fotos günstig einkaufen können. Unter dem Strich wissen jedoch mehr Menschen nicht, dass Bildagenturen existieren und was diese verkaufen als andersrum. Wer auf der Suche nach Bildern ist, geht viel häufiger zu Google und schaut sich dort die Ergebnisse an.

Deswegen geben Bildagenturen auch sehr viel Geld aus, um entweder direkt bei Google Werbung zu schalten oder indirekt, um mittels ausgefeilter SEO-Maßnahmen die eigenen Bilder in die obersten Reihen der Google-Bildersuche zu drücken. Das funktionierte lange sehr gut, bis Google, wie erwähnt, das Layout umstellte. Jetzt geht Google noch einen Schritt weiter. Sobald der Bildsucher auch nur nach irgendeiner Lizenz sucht, fallen praktisch alle Agenturbilder, egal ob Microstock oder Macrostock, aus dem Raster. Übrig bleiben Amateurbilder.

Das kann einerseits dazu führen, dass auch professionelle Bildkäufer sich vermehrt bei den kostenlosen Bildern bedienen. Das wiederum schwächt die Profis, wenn sie nicht in der Lage sind, sich durch Motivwahl, Qualität oder andere Unterschiede von den Hobbyfotos abzugrenzen.

Andererseits lernen vielleicht weniger Menschen, die noch keine Bildkäufer sind, überhaupt Bildagenturen kennen und gewöhnen sich daran, dort bequem und rechtssicher Fotos lizenzieren zu können. Denn wie die meisten Bildagenturen bestätigen werden, ist eine der größten Trafficquellen jeder Agentur die Google Bildersuche. Gewesen, müsste ich in Zukunft vielleicht schreiben müssen.

Was ebenfalls passieren könnte…

Es könnte sein, dass Google mit dem Nutzungsrechte-Filter die Bildsucher auch dafür sensibilisieren will, dass nicht jedes Bild einfach beliebig genutzt werden darf. Wenn das klar ist, erscheint logischer, dass für eine Nutzung was gezahlt werden müsste. Wenn jetzt Google Rechteinhabern anbieten würde, ihre Bilder ebenfalls unter „für kommerzielle Weiterwendung gekennzeichnet“ anzuzeigen und ein kleines Warenkorb-Symbol unter das Foto packt, damit klar ist, dass für diese Fotos eine kleine Gebühr bezahlt werden muss, wäre das für die Bilderbranche eine Revolution.

Abwegig wäre es keinesfalls. Google verkauft über den Playstore schon eine Weile digitale Inhalte, hat das Vertriebsnetz und die Bezahlmöglichkeiten also praktisch getestet. Google hätte von allen Bildagenturen von Anhang an die größte Nutzerbasis. Google hat das technische Know-How, um doppelte Bilder wegzufiltern, ähnliche Bilder anzubieten, Keyword-Vorschläge zu machen und so weiter. Selbst für die Rechteinhaber, also die Fotografen oder Grafikdesigner, wäre ein Angebot von Google verlockend: Immerhin nimmt Google Play nur 30% Kommission von den Anbietern, während es bei iStock bis zu 85% sind.

Die Leidtragenden wären die bisherigen Bildagenturen. Der Markt bleibt also sehr spannend.

Was sagt ihr? Wie könnte Google den Bildermarkt umkrempeln?

Neue Google-Bildersuche führt zu Umsatzeinbruch bei Bildagenturen

Ursprünglich sollte dieser Artikel nach ein Fragezeichen am Ende des Titels tragen. Aber nach einigen Wochen auf meinem Schreibtisch wurde klar, dass aus meiner Vermutung mittlerweile eine Realität geworden ist. Die neue Google Bildersuche bringt den Bildagenturen weniger Geld.

Aber wie immer ein kurzer Blick zurück: Was für eine neue Bildersuche?

Im Januar 2013 führte Google eine Änderung bei deren Dienst Google Images ein. Google Images erlaubt Nutzern, statt nach Webseiten direkt nach Bildern zu suchen. Wenn ich beispielsweise nach „Tulpen“ suche, erhalte ich als Ergebnis keine Webseiten, welche über Tulpen schreiben, sondern mir werden Fotos von Tulpen angezeigt. Neu ist jedoch jetzt, dass nicht mehr nur kleine Versionen der Bilder („Thumbnails“ genannt) angezeigt werden und man auf die Webseite gehen muss, von der das Bild ursprünglich stammt, um die große Version zu sehen. Stattdessen werden bei Google Images jetzt die großen Originalbilder gezeigt und die Webseite, von der das Bild kommt, tritt in den Hintergrund. Das ist bequem für den Suchenden, aber von Nachteil für die Webseiten, welche die Bilder zeigen.

Hier ein grafischer Vergleich zwischen der alten und der neuen Ansicht ab Ende Januar 2013:

Aus der Übersichtsansicht verschwindet die Adresse der Quellen-Webseite vollständig und wird jetzt nur sichtbar, wenn man mit der Maus über ein Bild fährt. Außerdem gibt es keine Textvorschau mehr, um erkennen zu können, in welchem Kontext ein Bild eingebettet ist. Noch sichtbarer wird der Unterschied, wenn man auf ein Bild klickt, um mehr zu erfahren:

Die ursprüngliche Webseite muss man fast schon suchen, während sie früher schon im Hintergrund eingeblendet wurde.

Eine Analyse von vielen verschiedenen Webseiten ergab, dass diese Umstellung zu einem Traffic-Rückgang von über 50% führte, teilweise sogar deutlich mehr.

Was viele nicht wissen: Bildagenturen geben viel Geld für Suchmaschinenoptimierung aus, weil immer noch viele Bildsucher keine Ahnung von Bildagenturen haben und einfach bei Google nach Bildern suchen statt direkt zu Agenturen zu gehen. Deshalb bekommen Bildagenturen viel Traffic und damit auch Kunden von Google Images. Durch die Umstellung der Bildersuche werden jedoch mehr Leute die Bilder direkt von Google kopieren anstatt sie bei Bildagenturen legal zu lizenzieren.

Erst war das nur eine Vermutung von mir, aber mittlerweile hat es sich bestätigt. Dreamstime-CEO Serban Enache schrieb schon im Februar in einem Blogbeitrag, dass die Umstellung Bildagenturen vor Probleme stellen würde. Graphic Leftovers war vor paar Tagen die erste Agentur, die laut Microstockgroup in einem Newsletter die Umstellung bei Google Images als Grund für einen Umsatzeinbruch angab:

„[…] In January 2013, Google announced their new image search functionality. This new format has significantly hindered our traffic and sales.
As a fair trade contributor site, it is very important to us to maintain the current contributor’s commission rate of 52%, so we will have to make adjustments in other areas. […]“

Oft wird als Ausweg die technische Lösung angeboten, seine Bilder nicht bei Google Images anzeigen zu lassen. Ich glaube jedoch nicht, dass das für Bildagenturen sinnvoll ist, weil es eben zu viele Kunden gibt, die erst über diesen Umweg auf Bildagenturen aufmerksam werden. Ein anderes Vorgehen verfolgt der Fotografenverband Freelens. Dieser reichte Ende April eine Klage gegen die neue Google Bildersuche ein, weil sie gegen das Urheberrecht verstoße. Das könnte Erfolg haben: Nur paar Monate vorher erwirkte Freelens eine Unterlassungserklärung gegen den Suchmaschinenbetreiber Yahoo, der eine ähnliche Neuerung eingeführt hatte.

Das Beispiel der Google Bildersuche zeigt, dass wir in der Stockfotografie-Branche aufpassen müssen, weil kleine Änderungen ganz anderer Branchen schnell und direkt finanzielle Auswirkungen auf uns haben können.

Wie findet ihr die Änderungen bei Google Images?

Studie: Social Media Webseiten entfernen Copyright-Informationen

Viele Social Media-Webseiten, welche das Hochladen von Bildern anbieten, entfernen dabei Copyright-Informationen und andere Metadaten. Zu diesem Schluss kommt eine Praxis-Studie des IPTC-Councils, welches für die Einhaltung des IPTC-Metadaten-Standards verantwortlich ist.

Für Fotografen ist die Erkenntnis nicht mehr überraschend, aber diese geballten Dreistigkeiten als Übersicht präsentiert zu bekommen, zeigt gut, wie ignorant viele deser Seiten mit Urhebern umgehen.

Zum Vergrößern das Bild anklicken

Im Zeitraum vom Oktober 2012 bis März 2013 hat eine Arbeitsgruppe des IPTC-Councils fünfzehn Webseiten getestet, indem dort mit Metadaten (EXIF/IPTC) versehene Bilder hoch- und runtergeladen wurden. Danach wurde geschaut, welche Metadaten auf der Webseite selbst angezeigt werden und welche nach dem Runterladen noch im Bild vorhanden waren. Getestet wurden unter anderem Facebook, Twitter, Flickr, Google+, Pinterest, 500px, Tumblr und mehr.

Die Ergebnisse

Die linke Spalte zeigt an, welche Daten auf der Webseite korrekt angezeigt werden, die mittlere Spalte zeigt, welche Daten im Bild blieben, wenn das Bild mit der Funktion „Speichern als…“ runtergeladen wurde und die rechte Spalte zeigt, welche Informationen erhalten blieben, wenn ein Download-Button o.ä. genutzt wurde, sofern dieser auf der Webseite angeboten wird.

Ein grüner Kreis zeigt an, dass alle Anforderungen erfüllt wurden, ein gelber Kreis zeigt, dass einige Anforderungen erfüllt wurden und der rote Kreis markiert ungenügende Ergebnisse, die verbessert werden sollten. Grau bedeutet, dass dieser Bereich nicht getestet wurde.

Die Auswertung

Erstaunlich ist, dass KEINE einzige Webseite komplett im grünen Bereich liegt. Bei genauerer Betrachtung der Versuchsanordnung würde ich das aber auch nicht so eng sehen, weil zum Beispiel der grüne Punkt bei der Copyright-Anzeige nur vergeben wurde, wenn alle vier IPTC-Copyright-Felder (Titel, Ersteller, Copyright-Vermerk und Credit) angezeigt werden. Da bei mir zum Beispiel Ersteller, Copyright und Credit sehr ähnlich sind, reicht mir da schon die gelbe Markierung.

Insofern hat Google+ am besten abgeschnitten was die Beibehaltung der Metadaten angeht, gefolgt von Dropbox. Am schlimmsten sieht ironischerweise bei den meistgenutzten Diensten Facebook, Flickr und Twitter aus. Dort werden Metadaten und Copyright-Informationen gnadenlos aus den Fotos gelöscht. Dabei schreiben sowohl Vorschriften der Europäischen Union als auch der USA vermeintlich klar vor, dass Urheberrechtsinformationen nicht aus digitalen Medien entfernt werden dürfen. Leider hat sich schon bei anderen Themen wie Datenschutz gezeigt, dass Facebook & Co. sich recht wenig um Gesetze scheren.

Die Lösung

Eine Lösung für das Problem liegt auf der Hand: Die betreffenden Webseiten nicht nutzen. Da aber Fotografen Social Media-Webseiten vorteilhaft für die Kundenpflege oder das Akquirieren von Aufträgen nutzen können, ist das nicht immer der beste Weg. Bis dahin bleibt wohl nur die Möglichkeit, eigene Fotos immer nur in kleiner Auflösung und mit einem sichtbaren Urheberrechtsvermerk auf den Bildern auf solche Webseiten zu laden. Ich habe einmal den Fehler gemacht, das nicht zu tun und sofort wurde das Bild massenhaft illegal im Netz verbreitet.

Wie geht ihr mit Social Media-Seiten um?