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Das Microstock Geschäft: Wie viel lässt sich damit verdienen?

Kürzlich postete der Fotograf Luis Alvarez (und Stock Performer Gründer) einige Rechenbeispiele auf seiner Facebook-Seite, wo er vorrechnete, wie viel man mit Stockfotos verdienen könnte. Ich fragte ihn, ob er das nicht ausführlicher als Gastbeitrag für diesen Blog erklären will. Zusammen mit seinem Kollegen Oliver Rivo hat er für euch diesen Artikel geschrieben:

Vor kurzem unterhielt ich mich mit einem Freund, der in das Microstock Geschäft einsteigen wollte. “Hast du das wirklich vor?”, fragte ich ihn. “Warum nicht?”, antwortete er.

Seine Frage war durchaus berechtigt: Warum sollte er nicht in die Microstock-Welt einsteigen? Viele von uns haben miterlebt, wie es in dieser Industrie enger und die Konkurrenz härter geworden ist. Aber bedeutet das gleichzeitig, dass Newcomer keine Chance mehr haben?

Als wir uns mit dieser Frage beschäftigten, entstand die Idee eines einfachen Business Plan Rechners, der uns helfen kann, unsere Ziele zu definieren sowie Strategien zu entwickeln, sie zu erreichen. Im Spiel mit dem Rechner wurde uns bewusst, dass es tatsächlich möglich ist, als Neuling in das Microstock-Business einzusteigen. Und je nach Zielsetzung gibt es verschiedene Wege, das zu tun.

stock-photography-business-plan-rechnerZur Verdeutlichung schauen wir uns ein paar beispielhafte Strategien an.

Dein Business-Plan

Bevor du dich auf dein Microstock-Abenteuer begibst, müssen vier wichtige Entscheidungen getroffen werden:

  • Wie viele Bilder kannst du monatlich produzieren?
  • Wie viel kostet dich die Produktion eines Bildes?
  • Was sind deine monatlichen Fixkosten?
  • Wie viele Monate lang willst du deinen Produktionsplan durchziehen?

Die Antworten auf diese Fragen definieren deine Strategie. Ob du mit einem Team zusammenarbeitest, ob du Menschen oder Stillleben fotografierst oder ob du ein Studio mietest oder nicht – all diese Fragen müssen beantwortet werden.

Dein monatlicher Umsatz pro Bild (RPI/m)

Der zweitwichtigste Einflussfaktor ist der zu erwartende durchschnittliche Monatsumsatz für jedes Bild, das du produzierst. Es mag zwar unmöglich erscheinen, diesen Wert zu bestimmen, aber ob du’s glaubst oder nicht, man hat einen Einfluss auf den monatlichen Umsatz pro Bild, auch RPI/m (englisch für “Revenue per Image per Month”) genannt.

Der RPI/m definiert den Betrag, den du im Durchschnitt monatlich mit all deinen Bildern verdienst. Wenn zum Beispiel 500 deiner Bilder online sind und sie monatlich EUR 1.000 einbringen, dann liegt dein RPI/m bei EUR 2. Es geht immer um einen durchschnittlichen Wert, das heißt dass wenn du in einem Monat EUR 1.200 einnimmst und im nächsten Monat EUR 800, bleibt der RPI/m immer noch bei EUR 2.

Wenn du in großen Mengen Bilder minderwertiger Qualität produzierst, von denen sich viele ähneln, wirst du mit Sicherheit einen niedrigen RPI/m haben. Eine Ausrichtung auf Nischenthemen mit hoher Nachfrage und einer hohen Qualität dagegen wird zu hohen Umsätzen pro Bild führen.

Und natürlich gibt es jede Menge Varianten zwischen diesen zwei Extremen.

Der Business Plan Rechner

Um an diesen Geschäftsmodellen zu arbeiten, haben wir einen Business Plan Rechner entwickelt, der uns auf einen Blick zeigt, wie sich verschiedene Strategien entwickeln. Öffne ihn in deinem Browser und finde heraus, wie gut dein Business für dich funktioniert: https://www.stockperformer.com/calculator

Drei Beispielstrategien für den Einstieg in die Microstock-Welt

Der Business Plan Rechner hilft uns dabei, Strategien zum Einstieg in das Geschäft  mit Microstock zu untersuchen. Wir haben drei unterschiedliche Beispiele gewählt, alle bezogen auf die Produktion von Lifestyle Fotografie:

  • Die Microstock-Produktionsfirma
  • Der Vollzeit Solo-Fotograf
  • Der Freizeit Amateur-Fotograf

Strategie 1: Die Microstock-Produktionsfirma

Der Aufbau einer Microstock Produktionsfirma ist zeitintensiv und teuer, aber er erlaubt die Produktion einer großen Menge an Bildern. Wie würde so etwas aussehen?

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© Foto: Luis Alvarez
  • Wie viele Bilder kannst du monatlich produzieren?
    800 pro Monat.
  • Wie viel kostet dich die Produktion eines Bildes?
    Shootings können teuer sein. Geliehenes Equipment, Kleidung und Requisiten, Location-Miete, gute Models, all das kostet Geld. Dank eines großen Teams und guter Vorbereitung sollte es jedoch möglich sein, pro Shooting viele Bilder zu produzieren. Wir setzen die Kosten pro Bild bei EUR 25 an.
  • Was sind deine monatlichen Fixkosten?
    Eine Microstock-Produktionsfirma hat Angestellte, z.B. einen Produktionsleiter, der alles organisiert, einen Produktionsassistenten und eine Vollzeitkraft für die Retusche. Wir mieten außerdem ein Studio. Das kann EUR 6.000 kosten.
  • Wie viele Monate lang willst du deinen Produktionsplan durchziehen?
    Da die Startkosten sehr hoch sind, wollen wir mindestens 5 Jahre dabei bleiben. Wir setzen die Länge des Business Plans auf 60 Monate.

Welchen monatlichen Umsatz pro Bild können wir erwarten? Unser Produktionsbüro investiert hohe Summen in die Shootings, um die bestmögliche Qualität zu erzielen. Gute Vorbereitung erlaubt uns die Auswahl gefragter Themen. Für diese Strategie setzen wir als Beispiel einen RPI/m von EUR 1,50 an. Der Business Plan Rechner liefert folgende Ergebnisse:

  • Wir müssen EUR 268.800 investieren, bevor wir zum ersten Mal Geld verdienen!
  • Erst im vierten Jahr bekommen wir unsere Investition wieder herein und sind unterm Strich im grünen Bereich.
  • Nach fünf Jahren beträgt der Gesamtgewinn EUR 636.000. Das ist ein Return on Investment von 237%.

Der Aufbau einer Microstock-Produktionsfirma ist teuer und bedeutet harte Arbeit. Aber wenn man es richtig macht, kann man doch immer noch gutes Geld verdienen.

Strategie 2: Der Vollzeit Solo-Fotograf

Für unser zweites Strategie-Beispiel stellen wir uns vor, du bist ein einzelner Fotograf, der alles selbst organisiert und Vollzeit arbeitet. Hin und wieder gibst du Verschlagwortung und Photoshop-Arbeit an andere weiter.

© Foto: Luis Alvarez
© Foto: Luis Alvarez
  • Wie viele Bilder kannst du monatlich produzieren?
    200 pro Monat.
  • Wie viel kostet dich die Produktion eines Bildes?
    Shootings werden zwar so günstig wie möglich produziert, aber dennoch mit einem Fokus auf Qualität. Für einige deiner Bilder bezahlst du externe Dienstleister für die Verschlagwortung und Retusche. Wir setzen die Kosten bei EUR 10 an.
  • Was sind deine monatlichen Fixkosten?
    Wir gehen davon aus, dass du weitestgehend alleine arbeitest und kein Studio mietest. Da du Vollzeit arbeitest, musst du von Microstock leben. Gehen wir davon aus, dass du mit einem einfachen Leben zufrieden bist und EUR 1.800 brauchst, um all deine Rechnungen zu bezahlen.
  • Wie viele Monate lang willst du deinen Produktionsplan durchziehen?
    Als ein Solo-Fotograf kannst du nur 3 Jahre für dieses Business riskieren.

Angenommen du bist talentiert und kannst mit deinen begrenzten Möglichkeiten einen RPI/m von EUR 1,20 erzielen. Unser Business Plan Rechner kommt dann zu folgendem Ergebnis:

  • Du musst EUR 28.200 investieren, bevor du zum ersten Mal Geld verdienst!
  • Erst in der Mitte des dritten Jahres bekommst du deine Investition wieder herein und bist unterm Strich im grünen Bereich.
  • Nach drei Jahren beträgt der Gesamtgewinn EUR 23.040 und beziehst ein monatliches Gehalt von EUR 4.840.

Mit dieser Strategie wirst du ein paar Jahre lang kämpfen müssen, aber wenn du durchhältst, kannst du dich auf ein Monatsgehalt von knapp EUR 5.000 einstellen!

Strategie 3: Der Freizeit Amateur-Fotograf

Jeder von uns kennt einen Fotografen, der seine Urlaubs- und Hochzeitsbilder bei ein paar Agenturen hochlädt. Ist das eine sinnvolle Strategie oder nur Zeitverschwendung? Das können wir mit dem Rechner leicht überprüfen:

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© Foto: Luis Alvarez
  • Wie viele Bilder kannst du monatlich produzieren?
    100 pro Monat. Einfach die gesamte Karte hochladen.
  • Wie viel kostet dich die Produktion eines Bildes?
    Unser Amateur-Fotograf macht nur Urlaubs-, Familien- und Haustierbilder, so dass die Kosten pro Bild sehr niedrig sind. Wir wählen EUR 0.
  • Was sind deine monatlichen Fixkosten?
    Unser Amateur-Fotograf lebt hauptberuflich von etwas anderem, so dass von Microstock keine regelmäßigen Rechnungen bezahlt werden müssen. Fixkosten EUR 0.
  • Wie viele Monate lang willst du deinen Produktionsplan durchziehen?
    Um diese Strategie mit dem zweiten Szenario vergleichen zu können, wählen wir auch hier 36 Monate.

Bilder von Amateuren verkaufen sich auf dem heutigen Microstock-Markt nur schlecht. Mit Glück kann man einen RPI/m von 15 Euro-Cent erzielen.

Mit dieser Strategie kommt unser Business Plan Rechner zu folgendem Ergebnis:

  • Unser Amateur-Fotograf muss kein Geld investieren und macht von Beginn an Gewinn.
  • Nach drei Jahren konstanter Produktion hat unser Amateur-Fotograf insgesamt knapp EUR 10.000 eingenommen und verdient monatlich EUR 540.

Wenn deine Erwartungen nicht zu hoch gesteckt sind und du etwas Zeit hast und extra Taschengeld verdienen möchtest, kann die Arbeit als Amateur Microstocker durchaus ein nettes Nebeneinkommen bieten.

Unsere Tipps für deinen Erfolg

Alle drei Strategien zeigen, dass man mit Geduld und harter Arbeit im Microstock-Business auch heute noch ein gutes monatliches Einkommen erzielen kann. Der Business Plan Rechner verdeutlicht die verschiedenen Variablen, die deinen Erfolg beeinflussen.

Vor allem aber zeigt er, dass eine Variable den höchsten Einfluss auf deinen Gewinn hat: der monatliche Umsatz pro Bild (RPI/m). Du kannst noch so viele Bilder mehr produzieren oder deine Kosten pro Bild noch so senken: Ein schlechter RPI/m wird diese Anstrengungen immer zunichte machen. Andererseits, wenn du dich darauf konzentrierst, deinen RPI/m zu erhöhen, kann deine Microstock-Karriere sehr lukrativ sein. Finde es heraus! Spiele mit dem Business Plan Rechner selbst herum!

Wir bei Stock Performer haben es uns zum Ziel gesetzt, unseren Kunden zu helfen ihre Umsätze pro Bild zu erhöhen und damit ihren Gewinn zu maximieren. Ein paar wichtige Tipps, die wir unseren Kunden geben:

  • Konzentriere dich auf Agenturen, die gut darin sind, den Content zu verkaufen, den du produzierst.
  • Nutze Analytics Tools wie Stock Performer, um den Erfolg deiner Bilder zu messen und mehr von den Gewinnbringern zu produzieren. Verschwende keine Zeit an Bildern, die sich nicht verkaufen.
  • Nutze solche Analytics Tools, um herauszufinden, welcher Content auf welchen Agenturen gut läuft. Biete Bilder an der richtigen Stelle exklusiv an, um deinen Umsatz zu erhöhen.
  • Identifiziere Nischen, auf die du Zugriff hast.
  • Verfolge den Markt und welche Themen und Stile gefragt sind. Stock Performer hilft dir dabei, die kommenden und gehenden Trends zu erkennen, bevor die anderen Fotografen sie entdecken.

Wenn du mehr darüber lernen willst, wie Stock Performer dir helfen kann, deine Einnahmen zu maximieren, melde dich zu unserem Free Trial an oder schicke uns einfach eine Email: info@stockperformer.com.

Geld verdienen mit dem Verkauf von Smartphone-Fotos?

Es sollte nur ein kurzer Artikel werden. Doch mittlerweile ist mein Text über die Zukunft der Smartphone-Fotografie auf eine dreiteilige Artikelserie angewachsen. Und soviel kann ich verraten: Ein vierter Teil wird auch noch kommen. Hier könnt ihr den ersten und zweiten Teil lesen.

Heute soll es allgemein um die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Smartphone-Apps zum Fotoverkauf gehen im Vergleich zu den aktuellen Wegen des Fotoverkaufs.

Eins vorweg: Ich bin fest davon überzeugt, dass die Qualität von Handy-Kameras kein Argument gegen Fotoverkäufe über das Smartphone ist. Das sage ich einerseits, weil uns die Digitalfotografie das Gegenteil bewiesen hat. Vor ca. zehn Jahren begann die große Debatte unter Fotografen, ob Film oder Digitalfotos besser seien. Noch 2010 erklärte der Profi-Fotograf Ken Rockwell, warum Film seiner Meinung nach nicht aussterben werde. Klar, es gibt auch noch Vinyl-Schallplatten, aber die sind mittlerweile in einem normalen Geschäft genauso oft erhältlich wie 35mm-Filmrollen. Genauso, wie es noch Dampfeisenbahn-Enthusiasten gibt, wird es auch noch eine Weile Analog-Fotografen geben, aber jetzt wo es auch digitale Mittelformat-Kameras gibt, arbeiten Profis nun mal digital.

Die Technik macht sehr schnelle Fortschritte. Ein ganz einfaches Beispiel ist die Entwicklung der Kamera in den sechs iPhone-Generationen, die hier sehr anschaulich verglichen werden. Der gezeigte Qualitätssprung dauerte nur fünf Jahre! Die Ankündigung des Nokia Lumia 1020* mit einem 41-Megapixel-Sensor von Zeiss zeigt, dass die Entwicklung noch lange nicht das Ende erreicht hat. Für Prints bis 13 x 18 cm oder gar für Web-Anwendungen reicht selbst die aktuelle Smartphone-Qualität locker aus und deckt damit einen großen Teil der benötigten Bildanwendungen schon ab. Wer jetzt sagt, dass geringe Schärfentiefe zur bewussten Bildgestaltung oder Telezooms oder große Sensoren für geringes Bildrauschen eine Domäne der DSLRs sind, dem werden spätestens in paar Jahren die Argumente schwinden. Dazu kommen zwei Punkte, welche Smartphones den wuchtigen Digitalkameras voraus haben: Sie sind deutlich leichter und auch immer dabei.

Qualitätsentwicklung am Beispiel der iPhone-Reihe (Foto: Lisa Bettany, Quelle: http://campl.us/posts/6iPhoneCameras)

Wenn wir also davon ausgehen, dass die Bildqualität (bald) nicht mehr entscheidend ist beim Vergleich von Smartphone-Kameras und DSLRs, was bedeutet das für das Geschäftsmodell?

Microstock hat den Markt stark verändert, weil die Bildpreise deutlich billiger waren. Smartphone-Apps zum Fotoverkauf können mit der Bildqualität nicht punkten, denn egal, was ich eben über den Fortschritt der Technik geschrieben habe: Besser werden die Bilder nie werden können, höchstens genauso gut. Es bleiben also entweder niedrigere Preise oder Schnelligkeit. Wer Preisdrücker sein will, muss noch die Microstock-Agenturen unterbieten. Das ist schwer, denn nach den drastischen Preissenkungen bei iStockphoto und der Preisreduzierung für selten verkaufte Fotos bei Fotolia gibt es darunter kaum noch Luft.

„1 Euro“ oder auch „1 Dollar“ sind Preise, hinter denen nicht nur betriebswirtschaftliche Überlegungen stehen, sondern auch psychologische. „Das Foto ist dann Euro wert“, sagt so ein Preis aus. Wer als Bildagentur Fotos für 90 Cent verkaufen will, verankert sowohl beim Fotografen als auch beim Bildkäufer die Aussage, dass die Fotos Centartikel sind, Wegwerfware. Das ist auch einer der Gründe für die Nutzung von „Credits“ als Kunstwährung, weil dann die Preise im Centbereich bei Abos oder nach Mengenrabatt nicht so auffallen.

Ein anderer Vorteil bliebe die Geschwindigkeit. Diese ist bei typischen Microstock-Fotos, die durch generische Motive auf Langlebigkeit getrimmt sind, unwichtig. Eine sehr große Rolle spielt die Geschwindigkeit bei Nachrichtenfotos, weshalb in der Vergangenheit einige Anbieter versucht haben, in diese Nische zu stoßen. Die Idee klang ja einleuchtend: Leute mit ihren immer verfügbaren Smartphone-Kameras sollten als Bürger-Reporter den Nachrichtenmedien billige Fotos liefern.

Getty Images hatte das schon 2007 mit Scoopt versucht, aber 2009 wieder aufgegeben. Vielleicht war Getty da der Zeit zu weit voraus. Auch Yahoo und Reuters starteten 2006 mit „You Witness“ und „Your View“ den Versuch, Bürger(bild)journalismus zu etablieren, gaben aber ebenfalls nach paar Jahren auf. Seit 2009 dann versucht CNN, mit der „iMobile„-App, die Leser zur Meldung nachrichtenrelevanter Inhalte aufzufordern. Der Hauptgrund, warum diese sowie einige ähnliche Dienste langfristig wenig Erfolg haben werden, hat Paul Melcher hier gut analysiert: Den eingesandten Bildern mangelt es nicht an technischer Qualität, sondern ihnen fehlt die „journalistische Bildgestaltung“, die Fähigkeit, mit einem Bild eine ganze Geschichte zu erzählen.

Was bleibt nun übrig? Scoopshot ist im Grunde der Versuch, Auftragsarbeiten für Fotos absichtlich an Leute zu vergeben, die keine Ahnung von der Branche haben, damit sie für viel zu wenig Geld arbeiten. Und selbst das wenige Geld ist nicht immer garantiert. Die Arbeit ist garantiert, der Verdienst nicht. Ähnliche Versuche, nur ohne Smartphone-App, gab es in der Vergangenheit zuhauf. Ein Beispiel ist OnRequest Images, die 2011 aufgehört haben, andere sind microshooting.de oder focalpop.com, beide ebenfalls seit paar Jahren nicht mehr existent.

Wenn solche Portale reihenweise gestorben sind, macht vielleicht die Smartphone-App den Unterschied? Vielleicht. Immerhin ist ja eben der Vorteil, dass das Handy immer dabei ist und man sich bequem in Bus oder Bahn die neuen Anfragen durchlesen kann und falls man gerade paar Minuten Zeit hat und in der richtigen Gegend ist, kann man auch kurz was knipsen. Oder einfach ein Foto hochladen, was eh im Handy gespeichert ist. Die Chancen stehen also besser, aber ab sie für das Überleben ausreichen, weiß ich nicht.

Bisher habe ich zwei verschiedene Geschäftsmodelle erwähnt: Fotojournalismus und Auftragsarbeiten. Das dritte Geschäftsmodell bei Smartphone-Apps, die mit dem Verkauf von Fotos Geld verdienen wollen, ist das ganz klassische Bildagentur-Geschäft. Hier werden einfach Fotos verkauft, oft über die Webseite, die von der Handy-App aus eingeschickt werden. Der einzige Unterschied zu klassischen Microstock-Agenturen ist hier der Anlieferungsweg und die schicke App. Deswegen liegt es nahe, dass diese Agenturen langsam ebenfalls den Weg einschlagen. 123rf hat mit „On-The-Go“ eine solche App zum Hochladen von Handyfotos in den normalen Agenturbestand, iStockphoto akzeptiert seit einem Jahr Handyfotos auf normalen Wege und ich bin sicher, einige andere Bildagenturen arbeiten an ähnlichen Apps.

Eine der wenigen Firmen, die sich ohne einen Hintergrund im Bildermarkt an den Verkauf von Smartphone-Fotos wagten, sind Pictorama und Foap. Pictorama startete Mitte 2012 und vermeldete Anfang 2013 schon das Aus, weil „nicht genügend Leute unsere Bilder kauften„. Foap hingegen lebt noch. Die Preise dort liegen bei 10 Dollar pro Bild. Wer sich auf der App die zuletzt verkauften Bilder anschaut, wird feststellen, dass trotz des Hypes um die Handyfotos viele DSLR-Fotos verkauft werden.

Details eines DSLR-Fotos, welches über Foap verkauft wurde

Weil der Preis jedoch je nach gewünschter Größe deutlich über denen der Microstock-Agenturen liegt und das Hochladen von DSLR-Fotos über den Umweg der App umständlicher ist als direkt eine Microstock-Agentur zu beliefern, sieht auch hier die Zukunft düster aus, je mehr Microstock-Agenturen mit ihren eigenen Apps den Markt entdecken werden. Die Unterschiede, ob ein Foto dann mit einem Handy oder einer Spiegelreflexkamera aufgenommen wurde oder ob es über die Webseite oder eine App hochgeladen wurde, werden dann immer weniger eine Rolle spielen.
Was zählt, ist dann nur der Preis und das passende Motiv.

Im – hoffentlich letzten – vierten Teil werde ich dann alle mir bekannten Apps zum Fotoverkauf auflisten.

Wie seht ihr die Zukunft der Smartphone-Fotografie?

* Affiliate

Geld verdienen mit Pinterest am Beispiel von Spotify

Beim Thema Urheberrecht schlagen die Wellen derzeit hoch.

So wundert es nicht, dass die Kommentare zu meinem Artikel über die systematischen Urheberrechtsverletzungen bei Pinterest sehr heftig ausfallen. In beide Richtungen.


Ich stehe da etwas zwischen den Stühlen, da ich als Digital Native einerseits mit digitalen Nutzungsrechten andererseits mein Geld verdiene.

Einer der Argumentationsstränge zum Thema Pinterest ist ja, dass die Daten nur digital vorliegen und man sie deshalb nicht „stehlen“, „rauben“ oder „klauen“ könne, sondern nur „kopieren“. Da würde keinem ein Schaden entstehen und deshalb sei das alles halb so wild. Exemplarisch dafür steht zum Beispiel dieser Kommentar:

„Es gibt nur Kopien. Der Computer kann nicht mal “öffnen” ohne Kopien. Die Kopie ist der natürliche Zustand digitaler Daten.

Es ist also ziemlich zwecklos, sich über digitale Kopien aufzuregen. Sie sind unvermeidlich und jedes Geschäftsmodell, dass auf der Einschränkung von Kopien aufbaut, muss notwendigerweise scheitern.

Das ist sicher nicht schön zu hören, aber irgendwer muss euch doch mal dezent darauf hinweisen.

Gesetze im Staat werden nicht dauerhaft gegen Produktivitätssteigerung erlassen. Und wer gegen Kopien ist, muss Rechner wegschmeißen. Das kann sich aber keiner leisten. So wichtig sind Fotograf_innen nicht.“

Dabei zieht die Analogie nicht.

Denken wir mal an ein Buch. Niemand fordert ernsthaft, dass gedruckte Bücher nichts mehr kosten dürften, weil da nur Informationen drin stünden. Bücher werden verkauft und gekauft und alle finden das normal. Nun nimmt aber die Verbreitung von Ebooks zu. Diese Bücher sind komplett digital und durch eine Kopie verliert die Ausgangsdatei nichts von ihrem Nutzwert. Nach der Logik der Pinterest-Fans und Urheberrecht-Piraten würden digitale Bücher nun für jeden kostenlos sein müssen, weil… siehe oben. Liegt der Unterschied zwischen dem Ebook und dem gedruckten Buch demnach nur in dem Papier, auf dem es gedruckt ist? Ist nur das Papier Geld wert? Der Autor, ohne den es weder Buch noch Ebook geben würde, kommt da überhaupt nicht vor, was – zumindest mir – zeigt, dass dieser Denkweise irgendetwas fehlt.

Aber lassen wir das.

Nehmen wir an, Pinterest wird nicht so ohne weiteres verschwinden. Wenn den Fotografen vorgeworfen wird, sie sollten sich gefälligst der neuen Zeit anpassen, möchte ich ein weiteres Denkmodell vorschlagen.

Vor paar Wochen startete der Musikstreaming-Dienst Spotify in Deutschland. Es gibt vergleichbare Anbieter, aber bleiben wir der Einfachheit halber bei Spotify.

Spotify basiert auf einem Freemium-Geschäftsmodell, wie auch Skype, Flickr oder XING. Das bedeutet, die Basis-Funktionen des Dienstes können kostenlos genutzt werden, wer Zusatzfunktionen oder Werbefreiheit haben will, zahlt eine monatliche Gebühr, bei Spotify 4,99 Euro oder 9,99 Euro im Monat.

Was hat das hier im Artikel zu suchen? Ganz einfach. Von digitaler Musik hieß es schon lange, dass sie sich nicht verkaufen lasse. Sie könne auch nicht geklaut werden, weil es alles nur Kopien seien. Erst kam Napster, dann Emule, Soulseek, Piratebay und wie die Filesharing-Netzwerke alle hießen. Trotzdem verdient sich Apple mit iTunes eine goldene Nase und auch bei Spotify scheint es möglich zu sein.

Die t3n hat vor einer Weile eine Beispiel-Rechnung über die Lukrativität von Spotify aufgestellt, die eher negativ ausfiel, aber in den Kommentaren zum Artikel wird das deutlich relativiert. Ich selbst habe mir nach drei Wochen Spotify-Gratishören einen Premium-Account gekauft, weil ich die Musik beim Arbeiten ohne Werbung und in besserer Soundqualität (320 kbs statt nur 160 kbs) hören will. Die Künstler, die bei Spotify gehört werden können, bekommen vom Kuchen auch etwas ab. Auf den ersten Blick wirken ca. 4 Cent pro gestreamten Album (für Musiker mit eigenem Label), aber das wären ca. 78 Album-Plays, bis das gleiche wie für einen CD-Verkauf verdient worden wäre. Das klingt nicht mehr ganz so unrealistisch, zumal berücksichtigt werden muss, das die Spotify-Hörer für ihr Geld die Songs nur so lange besitzen, wie sie ihr Abonnement haben. Beim CD-Kauf könnten sie die CD weiterverkaufen, verschenken oder deutlich häufiger hören als 78 Mal, ohne den Künstler extra bezahlen zu müssen. Insgesamt ist das Abrechnungsmodell vielleicht noch nicht perfekt oder 100% fair, aber die Urheber bekommen Geld. Immerhin.

Anders sieht es bei Pinterest aus. Dabei gäbe es keinen Grund, das Spotify-Freemium-Modell nicht auf den Bildertausch-Service zu übertragen.

Stellen wir uns das vor:
Pinterest bietet einen kostenlosen Gratis-Dienst, der mit Werbeinblendungen und -anzeigen ist und außerdem die Anzahl der Pin-Boards und der gesamten eigenen Pins limitiert und nur eine begrenzte Zahl an „Re-Pins“ pro Monat erlaubt. Gegen Zahlung von 9,99 Euro im Monat fällt die Werbung weg und die Einschränkungen ebenso. Im Gegenzug würde jeder Urheber eines gepinnten Bildes pro „Pin“ 2 Cent erhalten. Das ist jetzt noch nicht komplett ausgereift, aber warum sollte es nicht möglich sein? Spotify, Flickr und viele andere Dienste etc. zeigen doch, dass Kunden durchaus bereit sind, Geld für urheberrechtlich geschützte Werke auszugeben, wenn das Angebot stimmt.

Interessanterweise gibt es Abo-Modelle für Bilder bei Bildagenturen auch schon lange, aber kein Privatnutzer kommt auf die Idee, ein solches Abo abzuschließen, um diese Bilder bei Pinterest einstellen zu können. Vielleicht sollten Bildagenturen Web-Auflösungen von Bildern mit dezenten Wasserzeichen für die Privatnutzung im Internet als günstiges Jahresabo anbieten?

Hier schließt sich übrigens der Kreis: Für gedruckte Bücher gibt es seit langem ein sehr ähnliches System: Benutzer können beliebig viele Bücher gratis ausleihen, wenn sie eine monatliche Gebühr bezahlen. Das nennt sich dann Bibliothek.


Wenn es mit Büchern und Musik funktioniert, warum dann nicht auch für Bilder? Was meint ihr?

Neues Geschäftsmodell? Foto-Lotterie für Fotografen (aka „working on spec“)

Im September 2008 hatte ich einem Mailwechsel mit dem Betreiber der Webseite microshooting.de, in dem er mich von den Vorzügen seines Geschäftsmodells überzeugen wollte. Vor kurzem bekam ich einige Mails von Blog-Lesern, was ich denn von der Webseite FocalPop.com halten würde. Nachdem ich sie mir angeschaut habe und diese ein ähnliches Geschäftsmodell wie microshooting.de betreibt, möchte ich genauer erklären, was das für Fotografen bedeutet.

Screenshot der Startseite von FocalPop
Screenshot der Startseite von FocalPop

Beide Webseiten arbeiten nach dem „Working For Spec„-Prinzip.

Das bedeutet: Ein Kunde kann einen Auftrag, in unserem Fall entweder die Suche nach einem Foto oder einer Illustration online platzieren und angeben, wie viel er dafür zahlen möchte. Registrierte Fotografen und Designer können sich diese Gesuche durchlesen und die gewünschten Bilder aus ihrem Archiv suchen oder dafür neu produzieren. Der Kunde bekommt die fertigen Ergebnisse unverbindlich zur Ansicht und kann entscheiden, ob er welche davon zum vorher angegebenen Preis kaufen möchte oder nicht. Für Designwünsche wie Logoentwürfe oder Webseitengestaltung gibt es ebenfalls eine „Work For Spec“-Seite namens CrowdSpring.

Das Spec in Working for Spec steht deshalb für Speculation oder zu deutsch Spekulation. Ein Fotograf, der daran teilnimmt, weil nicht, ob er für seine Arbeit entlohnt wird oder ob er „umsonst“ gearbeitet hat. Verständlicherweise gingen schnell Grafiker und andere Berufsgruppen auf die Barrikaden, da sie nicht an einer Lotterie teilnehmen wollen, bei der unklar ist, ob sie für ihre Mühen Geld sehen werden. Stockfotografen weren sich jetzt am Kopf kratzen und fragen, was daran so anders als am Geschäftsmodell der Stockfotografie sein soll? Hier eine Übersicht der Vor- und der Nachteile des Geschäftsmodells, auch im Vergleich zur Stockfotografie.

Vorteile

  • Die ausgeschriebenen Honorare der beiden oben genannten Webseiten liegen deutlich höher als Microstock-Preise, teilweise auch etwas über Macrostock-Preisen. Bei microshooting.de war der Minimalpreis 300 Euro, bei FocalPop liegen die bisherigen Gebote zwischen 70 und 200 US-Dollar.
  • Die Provisionen für den Gewinner-Fotografen sind ebenfalls deutlich höher als bei vielen Bildagenturen. Während viele Microstock-Agenturen die Fotografen mi 20-50% abspeisen, zahlte microshooting.de 80% aus, FocalPop gibt 70% Provision an den Fotografen weiter.
  • Die freie Zeit von Fotografen zwischen Aufträgen kann produktiv genutzt werden und die laufenden Fixkosten (Studiomiete, etc.) können so besser kompensiert werden.
  • Je nachdem, ob der Kunde Exklusivität wünscht, kann der Fotograf unter Umständen ein auf das Gesuch passende Foto aus seinem Archiv verwenden und hat so keinen Aufwand.

Nachteile

  • Die ausgeschriebenen Honorare sind in der Regel niedriger als wenn der Kunde direkt mit einem Fotografen verhandeln würde.
  • Der Fotograf kann nie sicher sein, ob er für seine Arbeit entlohnt wird. Es kann auch vorkommen, dass keiner der beteiligten Künstler Geld erhält, weil dem Kunden alle Entwürfe nicht zusagen.
  • Je nachdem, welche Exklusivität der Kunde wünscht, kann der Fotograf nicht auf sein Archiv zurückgreifen, sondern muss eine konkrete Bildidee umsetzen.
  • Die freie Studiozeit kann ein Fotograf besser nutzen, indem er universell nutzbare Motive im Studio fotografiert, statt ein bestimmtes Motiv, welches unter Umständen nicht gebraucht wird.
  • Je leichter das gesuchte Motiv umzusetzen ist, desto mehr Fotografen beteiligen sich an dem „Bieter-Wettkampf“, je komplexer das Motiv, desto größer ist das Risiko, dass der Kunde nicht zufrieden ist. Beide Faktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass das Foto eines Fotografen gekauft wird.
  • Zehn ähnliche und weitere Gründe gegen „Work for Spec“ führt die Webseite der Kampagne „No!Spec“ hier an.

Der größte Unterschied zwischen „Work for Spec“ und Stockfotografie ist, dass Stockfotografen möglichst vielseitig nutzbare Bilder produzieren, bei denen sie unter dem Strich mit einem gewissen, kalkulierbaren Umsatz rechnen können. Bei den oben genannten Webseiten hingegen sind die Gesuche teilweise so konkret, dass es es im fast unmöglich ist, solche Motive im Voraus zu fotografieren und diese hinterher auch so speziell sein können, dass sie für Bildagenturen wenig interessant sind. Hier mal zwei Beispiele von echten Anfragen bei microshooting.de:

„Beschreibung Frau:
Junge Frau, 20-25 jahre, südamerikanischer, rassiger Typ mit dunklen, langen Haaren, hübsch & sexy, schöne Beine, offener, freundlicher Gesichtsausdruck, eher „süß“ (auf keinen Fall „Vamp“ oder agressiv verführerisch).
Dress:
leichte Bekleiduung: Hot Pants (Jeans) oder kurzes Kleid (Rock) in typisch-südländischem Kleidungsstil
Postion:
Frontal stehend, schmaler Stand, in Tanzbewegung“

oder

„Junger männlicher Metzger, dunkelhaarig und sportlich, weiße (evtl. schwarze) Metzger-Kleidung (modern), Accessoires (Knöpfe, Halstuch) nicht in Blau oder Gelb, unsere Hausfarben sind Rot (HKS 14) und Grün (HKS 57), ohne Uhr oder Schmuck.
Er weißt auf etwas hin, präsentiert etwas, ähnlich wie unser Vorgänger (s. Bild), schaut den Kunden an. Ohne Hintergrund (Freisteller)“

Wie ihr oben seht, halten sich die Vor- und Nachteile ungefähr die Waage. Trotzdem prognostizierte ich bei meinem eingangs erwähnten Mailwechsel, dass dieses Konzept keine Zukunft haben würde. Nach rund einem Jahr Geschäftsbetrieb kündigte microshooting.de im September 2009 die Einstellung des Portals an.

Meine Argumente sind heute die gleichen wie damals: Wer relativ generische Motive sucht, die Fotografen leicht liefern könnten, findet diese mittlerweile schneller und billiger bei Bildagenturen. Je komplexer das gewünschte Motiv ist, desto weniger sind die Fotografen bereit, das Risiko der Produktion auf sich zu nehmen und desto geringer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass der Fotograf das Bild im Falle einer Ablehnung durch den Kunden anderweitig nutzen kann. Dazu kommt, dass viele Bildagenturen selbst eine Art „Work For Spec“ anbieten, indem sie Bildsuchern erlauben, unverbindliche Suchanfragen an Fotografen schicken zu lassen, wie das die Agenturen Panthermedia, ImagePoint und einige andere erlauben. Die eben beschriebenen Phänomene lassen sich dort gut beobachten.

Einen Vorteil gibt es jedoch für Stockfotografen, den ich noch nicht erwähnt habe. Die Anfragen auf den genannten Webseiten sind nicht fiktiv, sondern echt. Das heißt, der Fotograf bekommt kostenlos Kundenwünsche frei Haus geliefert und gewinnt dadurch einen Eindruck, welche Motive bisher bei den Bildagenturen nicht oder nur schwer zu finden sind.

Was sagt ihr zu diesem Geschäftsmodell? Habt ihr konkrete Erfahrungen mit den genannten Webseiten machen können?