Geld verdienen mit dem Verkauf von Smartphone-Fotos?

Es soll­te nur ein kur­zer Artikel wer­den. Doch mitt­ler­wei­le ist mein Text über die Zukunft der Smartphone-​Fotografie auf eine drei­tei­li­ge Artikelserie ange­wach­sen. Und soviel kann ich ver­ra­ten: Ein vier­ter Teil wird auch noch kom­men. Hier könnt ihr den ers­ten und zwei­ten Teil lesen.

Heute soll es all­ge­mein um die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Smartphone-​Apps zum Fotoverkauf gehen im Vergleich zu den aktu­el­len Wegen des Fotoverkaufs.

Eins vor­weg: Ich bin fest davon über­zeugt, dass die Qualität von Handy-​Kameras kein Argument gegen Fotoverkäufe über das Smartphone ist. Das sage ich einer­seits, weil uns die Digitalfotografie das Gegenteil bewie­sen hat. Vor ca. zehn Jahren begann die gro­ße Debatte unter Fotografen, ob Film oder Digitalfotos bes­ser sei­en. Noch 2010 erklär­te der Profi-​Fotograf Ken Rockwell, war­um Film sei­ner Meinung nach nicht aus­ster­ben wer­de. Klar, es gibt auch noch Vinyl-​Schallplatten, aber die sind mitt­ler­wei­le in einem nor­ma­len Geschäft genau­so oft erhält­lich wie 35mm-​Filmrollen. Genauso, wie es noch Dampfeisenbahn-​Enthusiasten gibt, wird es auch noch eine Weile Analog-​Fotografen geben, aber jetzt wo es auch digi­ta­le Mittelformat-​Kameras gibt, arbei­ten Profis nun mal digital.

Die Technik macht sehr schnel­le Fortschritte. Ein ganz ein­fa­ches Beispiel ist die Entwicklung der Kamera in den sechs iPhone-​Generationen, die hier sehr anschau­lich ver­gli­chen wer­den. Der gezeig­te Qualitätssprung dau­er­te nur fünf Jahre! Die Ankündigung des Nokia Lumia 1020* mit einem 41-​Megapixel-​Sensor von Zeiss zeigt, dass die Entwicklung noch lan­ge nicht das Ende erreicht hat. Für Prints bis 13 x 18 cm oder gar für Web-​Anwendungen reicht selbst die aktu­el­le Smartphone-​Qualität locker aus und deckt damit einen gro­ßen Teil der benö­tig­ten Bildanwendungen schon ab. Wer jetzt sagt, dass gerin­ge Schärfentiefe zur bewuss­ten Bildgestaltung oder Telezooms oder gro­ße Sensoren für gerin­ges Bildrauschen eine Domäne der DSLRs sind, dem wer­den spä­tes­tens in paar Jahren die Argumente schwin­den. Dazu kom­men zwei Punkte, wel­che Smartphones den wuch­ti­gen Digitalkameras vor­aus haben: Sie sind deut­lich leich­ter und auch immer dabei.

Qualitätsentwicklung am Beispiel der iPhone-​Reihe (Foto: Lisa Bettany, Quelle: http://campl.us/posts/6iPhoneCameras)

Wenn wir also davon aus­ge­hen, dass die Bildqualität (bald) nicht mehr ent­schei­dend ist beim Vergleich von Smartphone-​Kameras und DSLRs, was bedeu­tet das für das Geschäftsmodell?

Microstock hat den Markt stark ver­än­dert, weil die Bildpreise deut­lich bil­li­ger waren. Smartphone-​Apps zum Fotoverkauf kön­nen mit der Bildqualität nicht punk­ten, denn egal, was ich eben über den Fortschritt der Technik geschrie­ben habe: Besser wer­den die Bilder nie wer­den kön­nen, höchs­tens genau­so gut. Es blei­ben also ent­we­der nied­ri­ge­re Preise oder Schnelligkeit. Wer Preisdrücker sein will, muss noch die Microstock-​Agenturen unter­bie­ten. Das ist schwer, denn nach den dras­ti­schen Preissenkungen bei iStockphoto und der Preisreduzierung für sel­ten ver­kauf­te Fotos bei Fotolia gibt es dar­un­ter kaum noch Luft.

1 Euro“ oder auch „1 Dollar“ sind Preise, hin­ter denen nicht nur betriebs­wirt­schaft­li­che Überlegungen ste­hen, son­dern auch psy­cho­lo­gi­sche. „Das Foto ist dann Euro wert“, sagt so ein Preis aus. Wer als Bildagentur Fotos für 90 Cent ver­kau­fen will, ver­an­kert sowohl beim Fotografen als auch beim Bildkäufer die Aussage, dass die Fotos Centarti­kel sind, Wegwerfware. Das ist auch einer der Gründe für die Nutzung von „Credits“ als Kunstwährung, weil dann die Preise im Centbereich bei Abos oder nach Mengenrabatt nicht so auffallen.

Ein ande­rer Vorteil blie­be die Geschwindigkeit. Diese ist bei typi­schen Microstock-​Fotos, die durch gene­ri­sche Motive auf Langlebigkeit getrimmt sind, unwich­tig. Eine sehr gro­ße Rolle spielt die Geschwindigkeit bei Nachrichtenfotos, wes­halb in der Vergangenheit eini­ge Anbieter ver­sucht haben, in die­se Nische zu sto­ßen. Die Idee klang ja ein­leuch­tend: Leute mit ihren immer ver­füg­ba­ren Smartphone-​Kameras soll­ten als Bürger-​Reporter den Nachrichtenmedien bil­li­ge Fotos liefern.

Getty Images hat­te das schon 2007 mit Scoopt ver­sucht, aber 2009 wie­der auf­ge­ge­ben. Vielleicht war Getty da der Zeit zu weit vor­aus. Auch Yahoo und Reuters star­te­ten 2006 mit „You Witness“ und „Your View“ den Versuch, Bürger(bild)journalismus zu eta­blie­ren, gaben aber eben­falls nach paar Jahren auf. Seit 2009 dann ver­sucht CNN, mit der „iMobile“-App, die Leser zur Meldung nach­rich­ten­re­le­van­ter Inhalte auf­zu­for­dern. Der Hauptgrund, war­um die­se sowie eini­ge ähn­li­che Dienste lang­fris­tig wenig Erfolg haben wer­den, hat Paul Melcher hier gut ana­ly­siert: Den ein­ge­sand­ten Bildern man­gelt es nicht an tech­ni­scher Qualität, son­dern ihnen fehlt die „jour­na­lis­ti­sche Bildgestaltung“, die Fähigkeit, mit einem Bild eine gan­ze Geschichte zu erzählen.

Was bleibt nun übrig? Scoopshot ist im Grunde der Versuch, Auftragsarbeiten für Fotos absicht­lich an Leute zu ver­ge­ben, die kei­ne Ahnung von der Branche haben, damit sie für viel zu wenig Geld arbei­ten. Und selbst das weni­ge Geld ist nicht immer garan­tiert. Die Arbeit ist garan­tiert, der Verdienst nicht. Ähnliche Versuche, nur ohne Smartphone-​App, gab es in der Vergangenheit zuhauf. Ein Beispiel ist OnRequest Images, die 2011 auf­ge­hört haben, ande­re sind microshooting.de oder focalpop.com, bei­de eben­falls seit paar Jahren nicht mehr existent.

Wenn sol­che Portale rei­hen­wei­se gestor­ben sind, macht viel­leicht die Smartphone-​App den Unterschied? Vielleicht. Immerhin ist ja eben der Vorteil, dass das Handy immer dabei ist und man sich bequem in Bus oder Bahn die neu­en Anfragen durch­le­sen kann und falls man gera­de paar Minuten Zeit hat und in der rich­ti­gen Gegend ist, kann man auch kurz was knip­sen. Oder ein­fach ein Foto hoch­la­den, was eh im Handy gespei­chert ist. Die Chancen ste­hen also bes­ser, aber ab sie für das Überleben aus­rei­chen, weiß ich nicht.

Bisher habe ich zwei ver­schie­de­ne Geschäftsmodelle erwähnt: Fotojournalismus und Auftragsarbeiten. Das drit­te Geschäftsmodell bei Smartphone-​Apps, die mit dem Verkauf von Fotos Geld ver­die­nen wol­len, ist das ganz klas­si­sche Bildagentur-​Geschäft. Hier wer­den ein­fach Fotos ver­kauft, oft über die Webseite, die von der Handy-​App aus ein­ge­schickt wer­den. Der ein­zi­ge Unterschied zu klas­si­schen Microstock-​Agenturen ist hier der Anlieferungsweg und die schi­cke App. Deswegen liegt es nahe, dass die­se Agenturen lang­sam eben­falls den Weg ein­schla­gen. 123rf hat mit „On-​The-​Go“ eine sol­che App zum Hochladen von Handyfotos in den nor­ma­len Agenturbestand, iStockphoto akzep­tiert seit einem Jahr Handyfotos auf nor­ma­len Wege und ich bin sicher, eini­ge ande­re Bildagenturen arbei­ten an ähn­li­chen Apps.

Eine der weni­gen Firmen, die sich ohne einen Hintergrund im Bildermarkt an den Verkauf von Smartphone-​Fotos wag­ten, sind Pictorama und Foap. Pictorama star­te­te Mitte 2012 und ver­mel­de­te Anfang 2013 schon das Aus, weil „nicht genü­gend Leute unse­re Bilder kauf­ten“. Foap hin­ge­gen lebt noch. Die Preise dort lie­gen bei 10 Dollar pro Bild. Wer sich auf der App die zuletzt ver­kauf­ten Bilder anschaut, wird fest­stel­len, dass trotz des Hypes um die Handyfotos vie­le DSLR-​Fotos ver­kauft werden.

Details eines DSLR-​Fotos, wel­ches über Foap ver­kauft wurde

Weil der Preis jedoch je nach gewünsch­ter Größe deut­lich über denen der Microstock-​Agenturen liegt und das Hochladen von DSLR-​Fotos über den Umweg der App umständ­li­cher ist als direkt eine Microstock-​Agentur zu belie­fern, sieht auch hier die Zukunft düs­ter aus, je mehr Microstock-​Agenturen mit ihren eige­nen Apps den Markt ent­de­cken wer­den. Die Unterschiede, ob ein Foto dann mit einem Handy oder einer Spiegelreflexkamera auf­ge­nom­men wur­de oder ob es über die Webseite oder eine App hoch­ge­la­den wur­de, wer­den dann immer weni­ger eine Rolle spielen.
Was zählt, ist dann nur der Preis und das pas­sen­de Motiv.

Im – hof­fent­lich letz­ten – vier­ten Teil wer­de ich dann alle mir bekann­ten Apps zum Fotoverkauf auflisten.

Wie seht ihr die Zukunft der Smartphone-Fotografie?

* Affiliate

20 Gedanken zu „Geld verdienen mit dem Verkauf von Smartphone-Fotos?“

  1. Ich fin­de das Smarphonefotografie-​Angebot soll­te (momen­tan noch)in jedem Fall sepe­rat – in eigens dafür gekenn­zeich­ne­ten Kollektion mit eige­nen Regeln – gesam­melt und ver­kauft wer­den. Auch wenn sich die Technik stän­dig ver­bes­sert, macht man sich mit dem Fördern von Handykameramodellen und dem Ausschluss von bil­li­gen Pocketkameras, die zumeist auch noch eine bes­se­re Qualität lie­fern, lächer­lich. Auch eine klei­ne Westentaschenkamera kann ein „ImmerDabei“ sein. Warum also die­ser „Handyaspekt“, der mit der Fotografie nichts zu tun hat? Inzwischen schwin­det immer mehr die Grenze zwi­schen Pocket-​Kameras und Handys mit­hil­fe von WLAN-​fähigen Fotoapparaten (z.B.: Samsung Galaxy Camera). Telefonieren kann man damit noch(!) nicht. Es ist nur eine Frage der Zeit bis auch Discounter wie Aldi einen App-​fähigen Westentaschen-​Fotoapparat raus­brin­gen. Welche Kameras schließt man dann aus, wel­che nicht? Den MicroStockmarkt mit sämt­li­chen Fotos auzu­dün­nen fin­de ich nicht gut. Wenn dann sepe­rat als „Mobile Fotografie“ ohne die­ser lächer­li­chen Handy-Modell-Einschränkungen.

  2. @Martin: Wieso „Handy-​Modell-​Einschränkung“? Meines Wissens schließt kaum eine der Smartphone-​Apps aus, dass man auch ande­re Fotos hoch­la­den darf, wie ja in mei­nem Screenshot zu sehen ist, wo Foap DSLR-​Fotos anbietet.

  3. Die Apps nicht, aber die Agenturen. Es gibt bevor­zug­te Kameras und nicht geeig­ne­te Kameras. Wenn ich bei der Agentur x anklop­fe mit einem Aldimodell wer­de ich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass man doch einen gewis­sen Standart ein­hal­ten muss. Für „Mobilephones“ schei­nen genau die­se Standards nicht zu gel­ten. Bei iStock heißt das Zauberwort „mobi­le pho­to“, dass man in die key­words ein­baut und alle bis­her gekann­ten Ablehnungsgründe wer­den igno­riert. Handy oder DSLR. Dazwischen klafft eine Grauzone.

  4. Sehr inter­es­san­ter Artikel! Danke! In der Tat es ist ein schwie­ri­ger, aber inter­es­san­ter (Zukunfts) Markt! Wir sind sehr gut auf­ge­stellt und haben die ers­ten Aufträge – unser Geschäftsmodell lässt Fotografen über die Webseite und über unse­re App Ihre Fotos hoch­la­den – mit pro­fes­sio­nel­ler Filterfunktion für unse­re Kunden (was nicht ver­ges­sen wer­den soll­te) wol­len wir ein Teil im gro­ßen Bildermarkt wer­den – Wir kom­men bei­de aus der Branche und wis­sen wie schwer es ist! Aber Kunden suchen natür­li­ches Bildmaterial und wol­len nicht mehr stun­den­lang in Bildarchiven suchen… es bleibt ein span­nen­der Markt!

    Viele Grüße
    Bernd Schmekel

    The World of Pictures GmbH
    http://www.twops.com

  5. Sollte viel­leicht noch Erwähnung fin­den, das theworldofpictures.com mit ihrer App TWOPS auch schon seit eini­gen Monaten ver­sucht, in die­sen Markt zu drin­gen. Und zwar mit bei­den Geschäftsmodellen – Auftragsarbeiten und Stockarbeiten. Hatte dort bereits meh­re­re Bilder hoch­ge­la­den und – nach Studium älte­rer Artikel die­ses Blogs – wie­der vie­le gelöscht (wegen feh­len­der Property Release, unpas­sen­dem Bildaufbau, etc.), sodass ich bis­her noch kei­nes ver­kauft habe.
    Werde also mal beob­ach­ten, wie es in Zukunft damit läuft.

  6. Ich den­ke dass in Zukunft der Trend zu Tablet PCs, bzw Smartphones geht. Das wird die Zukunft sein, wo Informationen kon­su­miert wer­den. Weg vom Print, oder PC mit 27 Zoll Monitor. Und ich glau­be, da wird Video eine grö­ßer wer­den­de Rolle spie­len. Nicht HD, son­dern gera­de gut genug um auf Tablet Pcs, oder Smartphones betrach­tet zu wer­den. Da sehe ich für die Smartphones schon Potential.

  7. Hallo Marco,

    klar die Verkäufe sind noch nicht beson­ders! Wir sind ja noch jung und am Anfang, aber in den nächs­ten Wochen begin­nen wir mit gro­ßen Werbeaktionen um neue Kunden zu gewin­nen und wir hof­fen, dass jeder von unse­ren Fotografen davon pro­fi­tie­ren wird! Wenn Du Anregungen hast dann schrei­be mir doch ein­fach direkt b.schmekel@theworldofpictures.com

    Einen schö­nen Tag und vie­le Grüße
    Bernd

  8. Sehr inter­es­sant Seite, gefällt mir habe die­se gera­de erst entdeckt
    und mich in eini­ge Artikel reingelesen.
    Ich möch­te nicht auf dei­nen letz­ten noch bevor­ste­hen­den Artikel vorgreifen,
    aber gibt es Apps zum Fotoverkauf (von Smartphone Fotos) für Android?
    Ich fin­de abso­lut kei­ne nur für ios.
    War kur­ze Zeit für FOAP „tätig“ aber durch den Verlust mei­nes Iphones und einer
    Neuanschaffung eines Android Smartphone hat sich dies im Sand ver­lau­fen, da es ja von Foap keine
    Android Version gibt.
    Und ich hät­te dies doch ger­ne wei­ter­ge­führt, mehr aus Spass an der Freude so zu sagen mit der Option viel­leicht doch das ein oder ande­re Foto zu verkaufen.
    Nun man wird sehen.

  9. hal­lo,
    mir stellt sich eine ganz ande­re Frage:

    war­um will man nun Laienfotos? Wenn ich die Urlaubsfotos oder sons­ti­ge Handy-​Knipsereien anschaue graust mirs.
    Ein Fotograf der Interesse an sei­nem Beruf und auch die nöti­ge Passion mit­bringt hat sein Gerät eigent­lich immer dabei. Warum soll er ein Handy nutzen?
    Hier soll die Bequemlichkeit den Erfolg bringen.
    Sinn macht das für mich über­haupt kei­nen, aber es liegt wohl im Trend aus mög­lichst wemig Aufwand Geld zu machen.
    Der Versuch einen Beruf an Laien abzu­ge­ben macht kei­nen Sinn.

    hjschnei­der

  10. Es geht wohl mehr dar­um, schnell und güns­tig an Fotos zu kom­men, Qualität wird nicht mehr bezahlt, Print geht zurück und im Netz soll alles umsonst sein. Der Beruf des Fotografen ist ein aus­ster­ben­der, so wie in der nahen Vergangenheit schon Setzer und Lithografen aus­ge­stor­ben sind.

  11. @Hand-Joachim: Da möch­te ich wider­spre­chen. Ich foto­gra­fie­re ja auch pro­fes­sio­nell, aber ich schlep­pe garan­tiert nicht mei­ne kilo­schwe­re Ausrüstung über­all hin mit. Das Smartphone hin­ge­gen ist immer ein­satz­be­reit in der Tasche.

  12. Übrigens mit ähn­li­chem Gedanken hat die Bild ja ihre Aktion „1414 – Leser Reporter“ ins Leben geru­fen die nun auch schon eini­ge Zeit läuft.

  13. Ich den­ke hin­ter dem Handy-​Foto-​Gedanken steckt noch etwas ande­res. Und sicher nicht nur der Preis. Es ist ein him­mel­wei­ter Unterschied zwi­schen einem „Foto, das ein Laie geschos­sen hat“ und einem „Foto, das ein Profi geschos­sen hat, das aber aus­se­hen soll, als habe es ein Laie geschos­sen.“ Jeder, der sich mit Fotografie beschäf­tigt, wird den Unterschied erken­nen. Um Regeln bewusst zu bre­chen, muss man sie erst ein­mal ken­nen. Das ist so ein „Trend“, das neue „ugly“.

    Wenn ich mir den „crea­ti­ve brief“ anse­he von Istock, in dem Vorschläge für ein­zu­rei­chen­de Handymotive gezeigt wur­den, dann sind das alles „Schnappschüsse“, die Geschichten erzäh­len. Also eben doch kei­ne Schnappschüsse, son­dern wohl über­legt. Was Laien fabri­zie­ren hat Robert in sei­nem letz­ten Artikel gezeigt. Das hat nichts mit die­sen Profi-​scheinbar-​Schnappschüssen zu tun die durch­aus sehens­wert sind. 

    Zudem haben Handys ange­fan­gen mit die­sen Filtereffekten, die vie­len ein Begriff sind und daher Wiedererkennungswert haben. Da wer­den Bilder ent­sät­tigt, gebläut oder ver­gilbt bis sie aus­se­hen wie aus den 70er Jahren. Das ist ein­fach Mode und wenn die­ser Effekt, zusam­men mit dem Schnappschuss auch noch „authen­tisch“ aus einem Handy kommt und eben nicht aus der DSLR, dann wird das – dem Trend ent­spre­chend – gleich „wert­vol­ler“.

    Ich den­ke, das war der ers­te Grund, Handyfotos in Agenturen anzu­neh­men. Zusätzlich kann man mit guten Handys und Fotoverstand auch gute „nor­ma­le“ Fotos machen. Da den­ke ich auch, das die Qualität der Handykameras immer bes­ser wird. 

    Ich per­sön­lich den­ke, dass die Handyfotografie eine eige­ne „Sparte“ ist/​sein kann, wie z.B. die Lomo-​fotografie. Irgendwie exzen­trisch, mit bestimm­ten Möglichkeiten. Dafür ist es auch völ­lig ok Geld zu ver­lan­gen und es ver­kau­fen zu können.

  14. Smartphone sind ein wei­te­rer Teil der digi­ta­len Revolution. Digitale Spiegelreflexkameras und das Internet haben die Stockfotografie demo­kra­ti­siert. Die tech­ni­sche Entwicklung bei Smartphone und Tablet PCs könn­te zu einer Demokratisierung beim Publizieren füh­ren. Im Prinzip braucht man nur einen Tablet PC und ein Smartphone um ein E‑Book zu machen. Über Amazon und Apple kann man die recht ein­fach ver­trei­ben. Ich könn­te mir durch­aus vor­stel­len, einen alter­na­ti­ven Reiseführer auf dem ipad mit in den Urlaub zu neh­men. Wenn der gut ist, ist es egal, ob die Bilder mit einem Smartphone gemacht wur­den. Die Smartphones wer­den wohl immer mehr zur Produktion der Bilder ver­wen­det wer­den. Das ergibt sich allei­ne aus dem geän­der­ten Nutzungsverhalten. Der Marktanteil der digi­ta­len Kompaktkameras geht zurück, der Marktanteil der Smartphones steigt. Auch wenn man die Qualität noch nicht mit den digi­ta­len Spiegelreflexkameras ver­glei­chen kann. So gibt es aber einen gewal­ti­gen Output an digi­ta­len Bildern von Smartphones, von denen ein gewis­ser Prozentsatz in den Medien ver­wen­det wer­den wird. Tendenz stei­gend. Wir sind seit 10 Jahren in einer Wandlung des Stockfotomarktes und Medienmarktes. Diese Wandlung ist noch lan­ge nicht abge­schlos­sen. Ob die Entwicklung im Bildermarkt so wei­ter­geht, mit dem bis­he­ri­gen Lizenzmodell. Oder ob bei Smartphone ande­re Lizenzmodelle eine Rolle spie­len wer­den. Den Smartphone Benutzern geht es viel­leicht nur dar­um, die Kosten für das Smartphone, den Tablet PCs, oder den Urlaub (wo der alter­na­ti­ve E‑Book Reiseführer pro­du­ziert wur­den) her­ein­zu­brin­gen. Wir Stockfotografen sehen mit dem fer­ti­gen Bild den Produktionsprozess abge­schlos­sen. Wie zum Beispiel bei einem Milchbauern, wo die Milch das Endproduckt dar­stellt. Da ist die Menge wich­tig, das Produkt ver­treibt die Molkerei an den Markt. Anderseits wird ein alter­na­ti­ver Nebenerwerbsbauer viel­leicht nur 4 Ziegen haben. Aus der Ziegenmilch dann Ziegenkäse machen und das Produkt am Markt direkt an den Endkunden ver­kau­fen. Am Medienmarkt wer­den glau­be ich, mehr Produzenten auf­tau­chen die direkt an den Endkunden lie­fern. Wobei auch Video eine Rolle spie­len wird. Da haben dann die E‑Books einen Vorteil gegen­über Printmedien.

  15. Ich sehe hun­der­te Mitmenschen, die mit Ihren Billigknipsen ohne jeg­li­ches Wissen und Kenntnis eine Bilderflut pro­du­zie­ren, für deren Betrachtung sie 9 Leben bräuchten.
    Also das Kontraproduktive an der sog. Digitalen Revolution, jeder kann und macht plötz­lich über­all alles, so tech­nisch, nicht fachlich.
    Interessant wäre die Frage, wie zukünf­ti­ge Historiker die­se unse­re Zeit bewer­ten und benen­nen. Ich plä­die­re für Digitale Degeneration.

    Gute Fotografen wird es aber immer geben und wer­den auch benö­tigt sein.

  16. @freezer: Die Historiker wer­den wohl festel­len, dass die Degeneration der Fotografie mit dem Microstock ein­gest­zt hat.….den haben die Amateure auch groß gemacht, jetzt ist er halt eta­bliert und steht zuneh­men unter Druck. So ist das Leben!

  17. @Locano
    Klar, für den Broterwerb eines Fotografen wird es schwie­ri­ger. Wobei ich noch einen Schritt zurück gehen wür­de bei der Ursachenanalyse. Microstock basiert vor­wie­gend auf der Verfügbarkeit von schnel­ler (Web-)Distribution und den mitt­ler­wei­le extrem kos­ten­güns­ti­gen Kameras. Damit hat man die Büchse der Pandorra geöff­net und nur weni­ge Amateur-​Microstocker schaf­fen eben den Sprung ins Profibusiness und dort machen die­se sich gegen­sei­tig Konkurrenz.
    Prinzipiell ist aber gera­de eine Boomzeit der Fotografie, weil durch die Smartphone-​Kameras eine bis­her uner­reich­te Verbreitung an Fotoequipment statt­ge­fun­den hat; nie zuvor gab es so eine Markt-​Durchdringung. Leider ist Verfügbarkeit noch kein Qualitätsmerkmal, gera­de bei den Smartphone-​Knipsen und deren unbe­darf­ten Anwendern. Die mögen gut sein für das Abdrücken, aber nicht für den Kreativanteil beim Fotografieren. Die meis­ten die­ser Bilder will ich nicht wirk­lich sehen.

    Im kürz­lich been­de­ten Urlaub beob­ach­tet: Etwa 70% der Leute mit Smartphone oder Tablett beim foto­gra­fie­ren, 10% Leute mit Einsteiger- oder geho­be­ner DSLR und 0,1% mit rich­tig gutem Equipment. Soweit nicht schlimm, solan­ge die 70% ihren schnell­le­bi­gen Digitalmüll für sich behal­ten. Nach Facebook und Co. muss man aller­dings mit dem Schlimmsten rechnen.

  18. Bis vor 5 Jahren bin ich noch mit Profiequipment in den Urlaub geflo­gen. Jetzt neh­me ich auch nur mehr das Smartphone mit. Ich habe mir ange­wöhnt im Urlaub, vom Fotografieren eine Auszeit zu neh­men. Naja, nicht ganz. Für Schnappschüsse ist ja das Smartphone dabei.

  19. Mit dem PureView808 könn­te der Verkauf von Stockphotos ohne Umwege von Apps mög­lich sein. Aufgrund ihres ver­al­te­ten Betriebssystems lässt die­ses sogar das Überträgen der vol­len Pixelanzahl zu, was bei dem WindowsPhone Pendant nicht mög­lich ist. Hab’s bis­her noch nicht pro­biert, aber mal sehen, viel­leicht bestehen die Bilder den Qualifikationstest.

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