Das Geschäftsmodell hinter kostenlosen Bildern am Beispiel Unsplash

Vor einer Weile hat­te ich hier ver­sucht, das Geschäftsmodell der Firma Pixabay zu ver­ste­hen, wel­che mit kos­ten­lo­sen Bildern Geld ver­die­nen wol­len.

Zerstört Unsplash die Stockfotografie? Kostenloses Bild aus der Unsplash Collection.

Eine ähn­li­che Firma, jedoch mit grö­ße­rer inter­na­tio­na­ler Bekanntheit ist Unsplash. Diese betrat 2013 als ein­fa­cher Tumblr‐Blog die Bühne, auf dem 10 kos­ten­lo­se Bilder geteilt wur­den. Aktuell sind über 806.000 kos­ten­lo­se Bilder online, die ins­ge­samt über 758 Mio. kos­ten­lo­se Downloads erzielt haben. Diese und vie­le wei­te­re span­nen­de Zahlen sind hier auf der Statistik‐Seite von Unsplash nach­zu­le­sen.

Im Schnitt wer­den aktu­ell ca. 18 Bilder pro Sekunde run­ter­ge­la­den. Das wären über 46 Mio. kos­ten­lo­se Downloads im Monat! Zum Vergleich: Shutterstock kam im 3. Quartal 2018 auf „nur“ ca. 14,6 Mio. bezahl­te Downloads pro Monat. Namensnennung der Fotografen ist bei Unsplash übri­gens auch kei­ne Pflicht.

Eine Auswahl der öffent­li­chen Unsplash‐Statistiken

Zum Team von Unsplash gehö­ren min­des­tens 15 Leute, dar­un­ter die vier Gründer, das Ehepaar Mikael Cho und Stephanie Liverani, Luke Chesser und Angus Woodman sowie Entwickler, Designer, Programmierer und Kuratoren.

Im Januar 2017 wur­de Unsplash, wel­che bis dahin ein „Hobbyprojekt“ von Mikael Cho und den ande­ren Gründern war, in die „Unsplash Inc.“ fir­miert.

Die span­nen­de Frage ist: Von was wird die­se gro­ße Anzahl Mitarbeiter bezahlt? Wie ver­dient die kana­di­sche Firma „Unsplash Inc.“ ihr Geld, wenn sie ihr Produkt kos­ten­los ver­teilt?

Wie hier aus­führ­lich nach­zu­le­sen ist, bestand der Vorteil und Nutzen von Unsplash für die Gründer anfangs dar­in, dass die­ses Nebenprojekt viel Aufmerksamkeit und neue Kunden auf ihre Hauptfirma „Crew“ lenk­te. Unsplash war also nichts ande­res als cle­ve­res „Content Marketing“, wo mit wert­vol­len (weil kos­ten­lo­sen) Inhalten Aufmerksamkeit auf etwas ande­res gelenkt wur­de.

Das wäre soweit ja in Ordnung, wenn die Unsplash‐Fotos wei­ter­hin aus­schließ­lich von Crew‐Mitarbeitern kämen. Nach eige­nen Angaben ist aktu­ell zwar wei­ter­hin die – bezahl­te – Unsplash‐Mitarbeiterin Annie Spratt die aktivs­te Fotografin auf Unsplash, trug mit ca. 4600 Bildern aber ins­ge­samt weni­ger als 0,6% der über 795.000 Fotos bei.

In die­ser Liebeserklärung an die Firma Unsplash erklärt der Hobbyfotograf Rahul Chowdhury, war­um er neben Bildagenturen jetzt auch Unsplash belie­fe­re:

Obwohl ich nicht auf­hö­ren wer­de, Stockfotos zu ver­kau­fen, wer­de ich von jetzt an sicher­stel­len, dass ich einen anstän­di­gen Teil mei­ner Arbeit mit der Welt gegen Lächeln und Dankbarkeit durch die­se lie­bens­wer­te Gemeinschaft tau­sche.“

Der Haken dabei? Unsplash ist längt kein Marketing‐Instrument mehr und schon gar kei­ne unei­gen­nüt­zi­ge Gemeinschaft, die nur das Wohl der finanz­schwa­chen Grafiker und Webdesigner im Blick hat.

Dieser Quelle nach bekam Unsplash schon 2015 eine Investition von 8,5 Mio USD, von der ca. zwei Jahre spä­ter noch 5 Mio. USD übrig waren. Das bedeu­tet, dass Unplash 2015 und 2016 pro Jahr ca. 1,75 Mio. USD Ausgaben ver­schlang.

Im Februar 2018 gab Unsplash bekannt, dass sie 7,25 Mio. USD von ins­ge­samt acht Investoren (Jason Goldberg/Simple Token, Accomplice, Betaworks, Mark Bonchek, Real Ventures, Roger Dickey/Gigster, Clark Valberg/InVision, Rahul Vohra/Superhuman) erhal­ten haben. Andere Quellen spre­chen sogar von 10,3 Mio. USD. Den obi­gen Zahlen nach wäre damit die Finanzierung von Unsplash für wei­te­re vier Jahre gesi­chert.

Die über 116.000 Fotografen bekom­men davon aber kei­nen Cent ab, abge­se­hen von der Handvoll, die tat­säch­lich direkt bei Unsplash ange­stellt ist. Dabei wird stän­dig von der „Community“ gere­det, die den Kern von Unsplash aus­ma­che, die so wich­tig und wert­voll sei. Ja, weil sie beschei­den ist, nichts von den Millionen abha­ben zu wol­len.

Unsplash wirbt immer­hin damit, dass die Fotografen „Links zu ihrem eige­nen Business anzei­gen las­sen und damit von Unsplash’s Traffic pro­fi­tie­ren kön­nen“. Einer der welt­weit größ­ten Stockproduzenten, die bri­ti­sche Firma „Rawpixel Ltd“. hat das aus­pro­biert und bie­tet neben ca. 260.000 Stockfotos bei den übli­chen Bildagenturen wie Adobe Stock oder Shutterstock auch über 2600 pro­fes­sio­nel­le Stockfotos kos­ten­los auf Unplash an. Das sind ca. 1% der bezahl­ten Bilder.

Ich habe den Rawpixel‐Gründer Rob Churchill zu sei­nen Beweggründen gefragt, war­um er kos­ten­lo­se Bilder anbie­te. Hier sei­ne über­setz­te Antwort:

Vor eini­gen Jahren haben wir uns ent­schie­den, unse­re eige­ne Website auf­zu­bau­en. Hauptsächlich, um unse­re Aktivitäten krea­ti­ver zu gestal­ten und hof­fent­lich ein gutes Unternehmen für uns, die Kunden und die Gemeinschaft auf­zu­bau­en. Es gibt zwei Hauptgründe, war­um wir einen Teil unse­res Inhalts als kos­ten­lo­se Bilder auf unse­rer eige­nen Website und eini­gen ande­ren wie Unsplash anbie­ten.

Erstens, um den Verkehr auf unse­re Website zu len­ken. Anstatt die unmög­li­che Aufgabe zu ver­su­chen, mit den bestehen­den Agenturen durch bezahl­te Werbung zu kon­kur­rie­ren, ist es für uns viel sinn­vol­ler, all unse­re ver­füg­ba­ren Ressourcen in die Erstellung von Inhalten zu inves­tie­ren und dann einen Teil davon frei zu machen, um die Menschen für Rawpixel zu gewin­nen.

Zweitens passt es gut zu unse­rem Manifest ‚Unsere Mission ist es, jedem, der die Menschen befä­higt, Kreativität zum Guten ein­zu­set­zen, inspi­rie­ren­de Gestaltungsressourcen zur Verfügung zu stel­len.‘ Es ist schön zu wis­sen, dass jeder Zugang zu eini­gen unse­rer Arbeiten unab­hän­gig von sei­ner finan­zi­el­len Situation haben kann.

Funktioniert es? Ja, ich den­ke schon, wir haben zwar noch einen lan­gen Weg vor uns, aber die Zeichen sind viel­ver­spre­chend und wir freu­en uns auf die Chancen, die sich in der Zukunft eröff­nen wer­den.

Ich weiß, dass dies ein heik­les Thema ist, und ich bin sicher, dass es die Microstock‐Industrie bis zu einem gewis­sen Grad beein­flus­sen wird, aber das „kos­ten­lo­se Bilder“-Modell ist hier und wird nicht gehen und ich glau­be, wir müs­sen uns an die Situation um uns her­um anpas­sen. Ich bin nicht zuver­sicht­lich in Bezug auf die Zukunft der wich­tigs­ten Microstock‐Agenturen und glau­be, dass sie in den letz­ten Jahren mehr hät­ten tun kön­nen, um Kontributoren wie uns zu unter­stüt­zen, und dadurch wären sie selbst in einer stär­ke­ren Position.“

Auch hier spielt also der Marketing‐Effekt eine Rolle. Ich bezweif­le jedoch, dass die­ser lang­fris­tig aus­reicht, denn wer nach kos­ten­lo­sen Bildern sucht, ist in der Regel wenig geneigt, plötz­lich doch Geld für Fotos aus­zu­ge­ben.

Werbung auf Unsplash

Neben den Investoren gibt es noch ande­re Geldquellen für Unsplash: Zum einen gibt klas­si­sche Werbeeinblendungen auf der Webseite, zum Beispiel rechts unter dem Suchfeld (sie­he Screenshot oben).

Darüber hin­aus gibt es jedoch ethisch deut­lich frag­wür­di­ge­re Methoden. Sucht ein Nutzer bei­spiel­wei­se nach „shoes“, oder „juice“, wer­den neben nor­ma­len Fotos ande­re ange­zeigt, die Werbung sind. Im Schuh‐Beispiel sind die ers­ten drei Treffer zum Beispiel kos­ten­lo­se Fotos mit Schuhen „spon­so­red by Timberland“, beim Saft steht „spon­so­red by DOSE Juice“. Hier ist die Werbekennzeichnung noch erkenn­bar, aber sobald ein Nutzer ein sol­ches Foto run­ter­lädt und wei­ter­ver­wen­det, bleibt von der Kennzeichnung nichts mehr übrig. Andere Leute erken­nen dann nicht mehr, dass das Bild mal bezahl­te Werbung war. Ebenso span­nend ist, dass es eine eige­ne Kollektion auf Unsplash mit dem Namen „Native Advertising on Unsplash“ gibt, kura­tiert vom Unsplash‐Co‐Gründer Luke Chesser. Dort wer­den neben den Beispielen Timberland und DOSE Juice expli­zit auch „Google Chromebooks“ und „Maledives Tourism“ als Kunden genannt und dazu­ge­hö­ri­ge Fotos gezeigt, aber die­se sind schon bei Unsplash teil­wei­se nicht als „spon­so­red by“ gekenn­zeich­net. Zufällig befin­den sich immer auch eini­ge die­ser Fotos auf der Startseite von Unplash.

Native Advertising ist eine dreis­te Form von Schleichwerbung“,

sagt Peter Figge, Vorstand der Werbeagentur Jung von Matt, gegen­über dem Spiegel.

„Native Advertising“-Kollektion auf Unsplash

Ein Fotograf sol­cher Bilder, der anonym blei­ben will, beschreibt die Zusammenarbeit so:

Unsplash koope­riert mei­nes Wissens nach öfters mal mit etwas grö­ße­ren Firmen. Ich war sel­ber lan­ge Zeit nicht mehr wirk­lich aktiv auf Unsplash, wenn es dar­um geht, sel­ber Bildmaterial hoch­zu­la­den. Viel mehr benut­ze ich es sehr oft als Bildquelle für qua­li­ta­tiv gute und kos­ten­lo­se Bilder, da ich Designer bin und oft mit sowas in Kontakt tre­te.

Eines Tages habe ich eine per­sön­li­che E‐Mail von einem Admin von Unsplash erhal­ten mit dem Angebot für eine Timberland‐Kooperation Bilder zu schie­ßen. Ursprünglich gab es eine Art ‚Wettbewerb‘, wo jeder mit­ma­chen konn­te. Dieser galt qua­si als Bewerbung für das Projekt. Mich hat man völ­lig über­ra­schend ein­fach mit ins Boot geholt, weil irgend­wel­chen dafür ver­ant­wort­li­chen Menschen von Timberland mei­ne Bilder gut gefal­len haben. Die Klamotten der neu­en Winterkollektion wur­den uns dann per Post gesen­det. Es gab jeweils eine Herren‐ und Damenkollektion. Die Sachen hat nach zwei Wochen ein Kurier von Timberland wie­der abge­holt.
Das Ganze wur­de ganz nor­mal bezahlt wie ein rich­ti­ger Fotoauftrag. Ein erfah­re­ner und aner­kann­ter Fashionfotograf wäre mit dem Endgeld nie­mals zufrie­den gewe­sen. Aber wenn man die Umstände beach­tet, unter ande­rem dass ich abso­lut kein pro­fes­sio­nel­ler Fotograf bin und zuvor noch nie einen wirk­li­chen Auftrag hat­te (und so ergeht es dem Großteil der Teilnehmer), ist die Bezahlung mehr als fair. Alles in allem ist das Ganze eine tol­le Sache, da man auch die gan­zen Prozesse mit­be­kommt.“

Es gibt auch eini­ge Accounts, die offen­sicht­lich von den gezeig­ten Marken selbst betrie­ben wer­den, wie die­se von Loewe Technologies, Modern Essentials oder Frame Kings. Angesichts der Debatte um die Werbekennzeichnungen bei Instagram kann es hier sicher nicht mehr lan­ge dau­ern, bis es Probleme geben wird.

Es wird oft, wie bei­spiel­haft hier, argu­men­tiert, dass Unsplash kei­ne Bedohung für Fotografen sei, weil die­se durch den Unsplash‐Traffic zu Aufträgen kom­men wür­den. Ich glau­be aber, dass Unsplash eine direk­te Bedrohung für die Firmen ist, die aus­schließ­lich von der Bildlizenzierung leben, zum Beispiel Shutterstock oder Adobe Stock.

Selbst wenn es für etli­che Nischen bei den kom­mer­zi­el­len Bildagenturen deut­lich mehr Bilder zur Auswahl gibt, ent­zieht Unsplash bei den gene­ri­schen Motiven den Fotografen einen Grundumsatz, der nur mit sel­ten nach­ge­frag­ten Motiven logi­scher­wei­se schwer auf­ge­fan­gen wer­den kann. Zur Erinnerung: Wir reden von über 46 Mio. kos­ten­lo­sen Downloads pro Monat.

Insofern fin­de ich es bedenk­lich, dass auch Adobe in sei­ner „Adobe Spark“-App den Nutzern kos­ten­lo­se Unsplash‐Bilder anbie­tet, statt eine eige­ne Kollektion sol­cher Bilder auf­zu­bau­en, von wo aus der Traffic zur bezahl­ten Adobe Stock‐Kollektion gelenkt wer­den kann. Eine ähn­li­che Unterstützung kann bei Pixabay gefun­den wer­den, wo die Seite erklär­ter­ma­ßen von den Affiliate‐Einnahmen durch Shutterstock über­lebt.

Für Unsplash sind die Fotos nur ein Mittel zum Zweck. Es geht nicht um groß­ar­tig kura­tier­te Fotografie, es geht um Traffic und Community‐Building. Das sind die Werte, für die sich Investoren inter­es­sie­ren und für die sich Unsplash bezah­len lässt. Es wirkt ein biss­chen wie ein Schneeballsystem, wenn bezahl­te Fotografen wie Annie Spratt durch ihre Social‐Media‐Accounts Unsplash hypen, was wie­der­um die gro­ße Masse an ande­ren Fotografen anlockt, die dann nicht mehr bezahlt wer­den, aber den Traffic und das Community‐Engagement lie­fern, für das dann die gro­ßen Firmen bezah­len. Nur Unsplash natür­lich, nicht die ein­zel­nen Fotografen.

Die Fotografen und auch Kunden tra­gen aber das recht­li­che Risiko der Unsplash‐Nutzung, denn Informationen über Markenrechte, Persönlichkeitsrechte, Designschutz und ande­re „Rechte Dritter“ sind bei Unsplash nur spär­lich zu fin­den. Was für Kunden und Fotografen „nur“ recht­lich ris­kant ist, ist für Unsplash auch ein ein­ge­spar­ter Kostenfaktor: Im Gegensatz zu den Microstock‐Agenturen, wel­che vie­le Mitarbeiter bezah­len, nur um ein­ge­reich­te Fotos auf Rechte Dritter zu prü­fen, spart sich Unsplash die­se Ausgaben.

Es ist schon para­dox: Bei den Microstock‐Agenturen dür­fen zum Beispiel der Produktname „iPhone“ oder der Firmenname „Apple“ nicht im Titel oder den Keywords genannt wer­den, selbst der cha­rak­te­ris­ti­sche run­de „Home“-Button darf nicht sicht­bar sein. Bei Unplash gibt es mehr als 3300 kos­ten­lo­se „iPhone“-Bilder, mit denen der Nutzer laut Lizenz sogar mehr machen darf als bei Shutterstock oder Adobe. Entweder ist Apple da deut­lich läs­si­ger als die Microstockagenturen behaup­ten oder die gro­ße Anwaltskeule wird spä­ter zuschla­gen. Mehr dras­ti­sche Beispiele für recht­li­che Probleme bei Unsplash lie­fert Henrik Heigl hier.

iPhone‐Fotos auf Unsplash ohne Hinweis auf Markenrechte

Geht es aber um die Fotos selbst, wird Unsplash plötz­lich gran­tig. Anfangs wur­den die Unsplash‐Bilder unter einer „Creative Commons Zero/Public Domain“-Lizenz ange­bo­ten. Einige cle­ve­re Geschäftemacher began­nen jedoch, sich vie­le Unsplash‐Bilder run­ter­zu­la­den und sie selbst gra­tis auf ihren eige­nen Webseiten anzu­bie­ten und durch Werbeeinblendungen damit an Unsplash vor­bei Geld zu ver­die­nen. Deshalb wur­de im Juni 2017 die Lizenz geän­dert, um expli­zit aus­zu­schlie­ßen, mit den Bildern „kon­kur­rie­ren­de oder ähn­li­che Dienstleistungen“ auf­zu­bau­en. Da hört dann die Gemeinnützigkeit auf.

Selbst als Unsplash 2016 ein Buch mit den kos­ten­lo­sen Fotos und Essays raus­gab, wur­de das Buch nicht von Unsplash finan­ziert, son­dern Unsplash‐Gründer Mikael Cho star­te­te eine Kickstarter‐Kampagne, mit der über 100.000 USD von der Community ein­ge­sam­melt wur­den.

Die Diskussion um die Schädlichkeit oder Nützlichkeit von Unsplash erin­nert mich sehr stark an die Debatte vor zehn Jahren beim Aufkommen der Microstock‐Agenturen, wel­che die Existenz der Makrostock‐Agenturen bedro­hen wür­den. Heute wis­sen wir, dass es zwar noch wel­che gibt, aber vie­le tat­säch­lich das Handtuch geschmis­sen haben oder wirt­schaft­lich geschwächt sind.

Deshalb neh­me ich an, dass ähn­lich zur Situation vor zehn Jahren Microstock wohl nicht ver­schwin­den wird, aber Unsplash trotz­dem zu einer Konsolidierung der Branche bei­tra­gen wird.

15 Gedanken zu „Das Geschäftsmodell hinter kostenlosen Bildern am Beispiel Unsplash“

  1. Ist ein­fach der logi­sche wei­te­re Weg der Geiz ist geil Mentalität. Werden wir (oder auch die Micros) nicht auf­hal­ten kön­nen.

    Die Micros hat­ten ja immer schon die „Gratislinie“ von den nicht ange­nom­me­nen Bildern. Die waren halt dann nicht immer top.
    In Zukunft wird man dann viel­leicht einem Fotografen wenn er ein paar Bilder auch gra­tis zur Verfügung stellt viel­leicht ein etwas bes­se­res Ranking ver­spre­chen. Etliche frü­her erfolg­rei­che Micros wer­den end­gül­tig ver­schwin­den. Wer kennt heu­te noch die deut­schen „Mids“?

    Mal eine Auflistung bis­her:
    Vor 1975–1980 mach­ten Werbefotografen die Bilder.

    Ab die­sem Zeitraum gab es die ers­ten ana­lo­gen Stockagenturen mit Diaversendung zu den Kunden. Und ver­trei­ben die Werbefotografen.

    Anfang der 80er Jahre kamen Kataloge groß in Mode. Die Agentur hat­te eine Million Bilder. Verkauft wur­den die 2000 die im Katalog waren. Der Fotograf bezahl­te meis­tens dafür, dass er drin­nen war. (Wundert mich ja bis heu­te, das Micros die­sen Trend noch nie auf­ge­grif­fen haben, und die Suchresulate der ers­ten Seiten qua­si ver­kau­fen. Also der Fotograf bezahlt dafür.

    Ende der 90er Jahre beginnt das digi­ta­le Zeitalter. Große Agenturen las­sen ihre Dias auf­wen­dig digi­ta­li­sie­ren. Kosten, die die meis­ten nie wie­der ein­neh­men, weil so schnell digi­tal auf­ge­nom­me­ne Bilder nach­fol­gen. Dies Kosten wer­den auch mit 10%iger Honorarkürzung rein­ge­bracht.

    Mitte 2000 kom­men die ers­ten Micros. Und ver­trei­ben die „alt­ein­ge­ses­se­nen Makroagenturen“, bzw. neh­men ihnen viel Umsatz weg.

    Und jetzt kom­men lang­sam die Gratisagenturen. Und ver­trei­ben zum Teil die Micros. Und auch die wer­den in 3–4 Jahren ein paar Millionen Bilder haben. Und genug Anbieter.

    Das Einzige, was viel­leicht der­zeit noch nicht ganz sooo über­lau­fen ist sind Videos. Aber lan­ge wür­de ich da auch nicht mehr drauf wet­ten.

  2. @ Robert: Witzig das es gera­de aus dei­nem Mund kommt.…„Wie kann man wei­ter Geld ver­die­nen, wenn ande­re Leute ihre Bilder ver­schen­ken?“

    Meine Antwort dazu – gar nicht!

    Auf Phönix war dazu vor eini­ger Zeit eine Doku (es ging all­ge­mein um Kreative, Fotografen, Graphiker.…..) da wird zukünf­tig kei­ne Geld mehr gemacht (nur so als Anregung – es wer­den hän­de­rin­gend Handwerker gesucht.….nur so als Idee… lol)

  3. Tja, das wird hart, aber es gibt ja auch kei­ne Lithographen und Setzer mehr, jetzt sind halt die Kreativen an der Reihe.

    Und das sind noch nicht mal Amateure die dort anbie­ten:

    I’m a digi­tal desi­gner and deve­lo­per with a cra­zy pas­si­on for cof­fee. If you would like to help sup­port my pas­si­on and buy me a cup (so I can take more pho­tos) then you can dona­te at the link up the­re …“

    Die Stockfotografie wird bes­ten­falls in tages­ak­tu­el­len Bereichen über­le­ben, even­tu­ell auch bei Vermarktung von Prommis oder exklu­si­vem Lizenzbildern. Micro hat so sicher kei­ne Zukunft…aber viel­leicht schützt Adobe sei­ne Vermarktung und klagt…

  4. Mir fällt da ganz spon­tan ein: Der Autobauer Dacia baut Autos mit dem spe­zi­el­len Ruf bil­lig zu sein. Wenn man mit 4 Rädern Sitze Dach und Scheinwerfern zufrie­den ist, stimmt das auch. Trotzdem ver­kau­fen Marken die im Ruf ste­hen teu­er zu sein wei­ter­hin Autos mit Stern oder Ringen.
    Genauso wird es mit den Fotos lau­fen.
    Jedes Smartphone kann Bilder, jeder Smartphonebesitzer hat sicher Tausende Fotos auf sei­nem Gerät und der Anteil an Smartphone‐Fotos bei den Agenturen steigt.
    Für vie­le Anwendungen reicht die Bildqualität aus, die schnel­le Illustration zu einem Tweet oder Ähnlichem.
    Eine Zeitschrift wird da wohl wäh­le­ri­scher sein, genau­so wie wohl bei den meis­ten Hochzeiten irgend­wo noch ein Fotograf die Bilder macht, obwohl die Handybilder der Angehörigen sicher kos­ten­los zu haben wären.
    Qualität wird immer ihre Abnehmer fin­den, auch wenn Bilder mit weni­ger Qualität bil­lig oder kos­ten­los zu haben sind.

  5. Ich den­ke man muss Auftragsfotografie sei es für Hochzeit, Porträt, Werbung, etc. von Stock tren­nen.

    Natürlich die Eine oder die Andere Form nicht gänz­lich ver­schwin­den. Wenn man davon aber lebt under­state­ment nicht nur neben­bei aus Spaß oder mal für ein neu­es Objektiv macht, muss man sich schon Gedanken machen.

    Das mit den Qualitätsunterschieden wür­de ich nicht sehen wie du. Am Anfang haben wir alle Microstock belä­chelt. Eben wegen der Qualität. Und 2 Jahre spä­ter muss­te ich ziem­lich kämp­fen um dort­hin zu kom­men wo ich dann war.

    Nimm dir eine belie­bi­ge Makro und ver­glei­che die Bilder. Bei Modelshoots kann man es „meis­tens“ noch an den Models erken­nen. Aber bei ande­ren Bildern ist der Qualitätsvergleich schon sehr schwer. In 2–4?Jahren wer­den die Gratisanbieter eben auch auf die­sen Level kom­men. Vor allem weil ja dort auch schon Profis anbie­ten.

  6. @Werner Rebel: Schau Dir die Bilder dort an, hohe Qualität, tages­ak­tu­ell, gut gesehen.……das wird für ganz vie­le Fotografen schwer, über­haupt ein sol­ches Niveau zu errei­chen.

    Wenn sich das rum­spricht (dank Robert jetzt noch etwas schnel­ler 😉 ).……dann „gute Nacht“ lie­be Kollegen.

  7. Also ich sehe das eher als Werbeplattform. Wenn man da zum Beispiel nach Food Aufnahmen sucht fin­det man etli­che Bilder von Food Bloggern. Die haben da ein­fach ein paar ihrer Bilder als eine Art Werbung ein­ge­stellt.
    Ist eigent­lich eine güns­ti­ge Möglichkeit Werbung zu machen. Ein zusätz­li­ches Bild schies­sen und Hochladen kos­tet nicht mehr als ein wenig Zeit. Als Blogger, oder Stockfotograf der gele­gent­lich auch Aufträge annimmt wür­de ich dort auch jedes Monat ein paar gra­tis Bilder hoch­la­den.
    Auf der ande­ren Seite bin ich drauf gekom­men dass es auch eine gute Seite für Ideen ist um die eige­ne Kreativität wei­ter zu ent­wi­ckeln. Insgesamt den­ke ich dass man als Fotograf von Unsplash pro­fi­tie­ren kann.

  8. @max II: Was für eine naï­ve Ansicht. Glaubst Du wirk­lich, dass man jeman­den als Fotografen erst nimmt, der sei­ne Bilder kos­ten­los abgibt?

    Selbst wenn das eine oder ande­re gute Bild dort Anerkennung fin­det – das bedeu­tet ja nicht das der Fotograf tat­säch­lich auch in der Lage ist einen Job anstän­dig zu rea­li­sie­ren.

    Aber die Hoffnung stirbt ja bekannt­lich zuletzt.

    Wer dort sei­ne Bilder ein­stellt ist in mei­nen Augen geschäft­lich und geis­tig inkon­ti­nent.

    Möglicherweise gibt es des­we­gen einen sol­chen Preisverfall, jeder Depp kann dank Digitaltechnik foto­gra­fie­ren.

  9. @Max Wenn’s ein Profi‐/Semiprofi ist hat er eine dem­entspre­chen­de Webseite, da wür­de ein poten­ti­el­ler Kunde schon sehen was jemand kann. Dass das nicht häu­fig der Fall sein wird den­ke auch ich.

    Ich ken­ne eini­ge Microstocker, (vor allem im gra­fi­schen Bereich), die schon eini­ge Aufträge erhal­ten haben, weil das Bild dann eben nicht ganz so war, wie man es gebraucht hät­te. Aber das sind Ausnahmen, klar.

    Das foto­gra­fie­ren frü­her „schwie­ri­ger“ war, naja – wie habe ich in der Berufsschule gelernt: Blende 8 wenn die Sonne lacht. Und als Verschlusszeit die ASA/ISO des Filmes ein­stel­len. ;-). War also auch nicht sooo schwer. ;-). Aber es hat Material gekos­tet und das war nicht wirk­lich bil­lig.

    Aber es wird immer ein­fa­cher. Auch rich­tig. Und des­we­gen immer mehr Anbieter. Übersehen wird aber ger­ne, dass vie­le Anbieter ein­fach Anerkennung für sei­ne Arbeit wol­len. Und sich ein­fach freu­en, wenn ihr Bild für irgend­et­was ver­wen­det wird.

    Ich bin Mitglied bei einem Fotostammtisch. Unglaublich was sich da man­che für einen Stress mit TFP Shootings machen (oft 4–5 am Wochenende) für genau: Nichts! Investieren in teu­re SLR Vollformatkameras, licht­star­ke Objektive um dann ihren Models die Bilder zu schen­ken. Und sie Arbeit haben, Locations suchen, shoo­ten, die Bilder auf­wen­dig bear­bei­ten…

    Ich habe das frü­her auch nie ver­stan­den, aber wenn man sieht wel­che Begeisterung die dafür auf­brin­gen… Das ist ja das gro­ße Ding von Micro. Weil da bekommt man auch noch ein paar Euro’s dafür. Geht sich viel­leicht ein neu­es Filter mal aus. Gedanklich: „Mein Hobby finan­ziert sich sel­ber“. Wir, die wir davon leben, wer­den das wahr­schein­lich nie ver­ste­hen.

    So ist es auch bei den Gratisagenturen. Der Anbieter hat ein­fach Spaß dar­an, das irgend­wer sein Bild ver­wen­den konn­te. Und viel­leicht goo­gelt er mal danach und kann dann stolz her­um­zei­gen, „mein Bild wur­de von XY ver­wen­det. Guck mal!“

    Diese Fotografen den­ken auch kei­ne ein­zi­ge Sekunde dar­über nach, dass sie viel­leicht einen Preis rui­nie­ren, oder mit (jetzt wie­der auf Stock und Unsplash bezo­gen) Geschäft, Geld, Lebensunterlage weg­neh­men. Aber ehr­lich gesagt, als ich 1992 in Stock ein­ge­stie­gen bin, habe ich mir auch kei­ne Gedanken gemacht, ob das viel­leicht einen Werbefotografen tref­fen könn­te, weil er den Auftrag nicht mehr bekommt.

    Ich wür­de daher die­se Leute nicht als „inkon­ti­nent“ bezei­chen. Geschäftlich nicht, weil sie aus oa Gründen die geschäft­li­che Basis gar nicht inter­es­siert. Und geis­tig nicht aus eben die­sen Gründen. Die wol­len Spaß an ihrem Hobby. Sonst nichts.

    Das uns das nicht taugt, klar. Aber wir müs­sen damit leben. Ob es uns gefällt oder nicht…

  10. @max
    Ich hab da ein paar Fotografinnen / Fotografen auf Unsplash gefun­den die meist rela­tiv weni­ge Gratisbilder ein­stel­len. Wenn man deren Webseite besucht und deren Kunden ansieht sind da oft recht nam­haf­te Unternehmen dabei.
    Diese Fotografen betrei­ben einen ordent­li­chen Aufwand auf Instagram, Facebook, etc,. und haben auch eine Handvoll Gratisbilder auf Unsplash.
    Also ein mini­ma­ler Aufwand für zusätz­li­ches Marketing.

  11. @max II

    Was für eine Logik.

    Also wenn ich eine Bildagentur hät­te, ich wür­de sofort die­se – dei­ne – Idee auf­grei­fen.

    Adobe muss nicht Geld mit der Bildvermarktung ver­die­nen, die haben aus­rei­chend gute ande­re Angebote – also, war­um sol­len die Zukünftig nicht genau mit sol­chen Angeboten Fotografen locken??

  12. @Erwin
    Im Prinzip geht es doch immer um den tech­ni­schen Fortschritt. Ich befas­se mich als Hobby schon recht lan­ge mit der Fotografie.
    Zu dei­ner Aufzählung von 1975 bis 2000 möch­tet ich noch die CD hin­zu­fü­gen. Mit der CD kam damals RF so rich­tig als Feindbild in die Wahrnehmung der Fotografen.
    Ich kann mich gut an Artikel in der Zeitschrift Photographie erin­nern als man von den sin­ken­den Honoraren durch das RF Lizenzmodel schrieb. Es gab da Vergleiche wie .. in den 70ern konn­te ein Fotograf samt Team 2 Wochen nach Südamerika flie­gen um auf Großformat eine Tabakpflanze zu foto­gra­fie­ren. Jetzt bekommt man eine CD mit zig Tabakpflanzen um 500 DM. Welcher Kunde soll da noch eine teu­re Reise nach Südamerika finan­zie­ren.
    Es ist eine logi­sche Konsequenz dass Automatisierung die Produktivität erhöht und die Preise drückt. Die Digitalisierung, ange­fan­gen mit der CD kann man als Automatisierung sehen.
    Der tech­ni­sche Fortschritt treibt immer den Preis nach unten.
    Ich möch­te noch ein ande­res Thema im Zuge der Digitalisierung anspre­chen. Die Autohersteller ver­wen­den zuneh­mend die CAD Daten um dar­aus ein 3D Modell zu ren­dern. Die brau­chen oft­mals gar kei­nen Fotografen mehr für ihre Fotos. Da gab es frü­her gro­ße Fotostudios wo gan­ze LKW Zugmaschinen rein pass­ten. Die wer­den immer weni­ger. kann man alles am Computer berech­nen. Für Fotos von Objektaufnahmen braucht man immer weni­ger eine Kamera.
    Die Digitalisierung hat auf alle Berufe Auswirkungen. Die Fotografie ist da kei­ne Ausnahme.

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