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Das Geschäftsmodell hinter kostenlosen Bildern am Beispiel Unsplash

Vor einer Weile hat­te ich hier ver­sucht, das Geschäftsmodell der Firma Pixabay zu ver­ste­hen, wel­che mit kos­ten­lo­sen Bildern Geld ver­die­nen wol­len.

Zerstört Unsplash die Stockfotografie? Kostenloses Bild aus der Unsplash Collection.

Eine ähn­li­che Firma, jedoch mit grö­ße­rer inter­na­tio­na­ler Bekanntheit ist Unsplash. Diese betrat 2013 als ein­fa­cher Tumblr‐Blog die Bühne, auf dem 10 kos­ten­lo­se Bilder geteilt wur­den. Aktuell sind über 806.000 kos­ten­lo­se Bilder online, die ins­ge­samt über 758 Mio. kos­ten­lo­se Downloads erzielt haben. Diese und vie­le wei­te­re span­nen­de Zahlen sind hier auf der Statistik‐Seite von Unsplash nach­zu­le­sen.

Im Schnitt wer­den aktu­ell ca. 18 Bilder pro Sekunde run­ter­ge­la­den. Das wären über 46 Mio. kos­ten­lo­se Downloads im Monat! Zum Vergleich: Shutterstock kam im 3. Quartal 2018 auf „nur“ ca. 14,6 Mio. bezahl­te Downloads pro Monat. Namensnennung der Fotografen ist bei Unsplash übri­gens auch kei­ne Pflicht.

Eine Auswahl der öffent­li­chen Unsplash‐Statistiken

Zum Team von Unsplash gehö­ren min­des­tens 15 Leute, dar­un­ter die vier Gründer, das Ehepaar Mikael Cho und Stephanie Liverani, Luke Chesser und Angus Woodman sowie Entwickler, Designer, Programmierer und Kuratoren.

Im Januar 2017 wur­de Unsplash, wel­che bis dahin ein „Hobbyprojekt“ von Mikael Cho und den ande­ren Gründern war, in die „Unsplash Inc.“ fir­miert.

Die span­nen­de Frage ist: Von was wird die­se gro­ße Anzahl Mitarbeiter bezahlt? Wie ver­dient die kana­di­sche Firma „Unsplash Inc.“ ihr Geld, wenn sie ihr Produkt kos­ten­los ver­teilt?

Wie hier aus­führ­lich nach­zu­le­sen ist, bestand der Vorteil und Nutzen von Unsplash für die Gründer anfangs dar­in, dass die­ses Nebenprojekt viel Aufmerksamkeit und neue Kunden auf ihre Hauptfirma „Crew“ lenk­te. Unsplash war also nichts ande­res als cle­ve­res „Content Marketing“, wo mit wert­vol­len (weil kos­ten­lo­sen) Inhalten Aufmerksamkeit auf etwas ande­res gelenkt wur­de.

Das wäre soweit ja in Ordnung, wenn die Unsplash‐Fotos wei­ter­hin aus­schließ­lich von Crew‐Mitarbeitern kämen. Nach eige­nen Angaben ist aktu­ell zwar wei­ter­hin die – bezahl­te – Unsplash‐Mitarbeiterin Annie Spratt die aktivs­te Fotografin auf Unsplash, trug mit ca. 4600 Bildern aber ins­ge­samt weni­ger als 0,6% der über 795.000 Fotos bei.

In die­ser Liebeserklärung an die Firma Unsplash erklärt der Hobbyfotograf Rahul Chowdhury, war­um er neben Bildagenturen jetzt auch Unsplash belie­fe­re:

Obwohl ich nicht auf­hö­ren wer­de, Stockfotos zu ver­kau­fen, wer­de ich von jetzt an sicher­stel­len, dass ich einen anstän­di­gen Teil mei­ner Arbeit mit der Welt gegen Lächeln und Dankbarkeit durch die­se lie­bens­wer­te Gemeinschaft tau­sche.“

Der Haken dabei? Unsplash ist längt kein Marketing‐Instrument mehr und schon gar kei­ne unei­gen­nüt­zi­ge Gemeinschaft, die nur das Wohl der finanz­schwa­chen Grafiker und Webdesigner im Blick hat.

Dieser Quelle nach bekam Unsplash schon 2015 eine Investition von 8,5 Mio USD, von der ca. zwei Jahre spä­ter noch 5 Mio. USD übrig waren. Das bedeu­tet, dass Unplash 2015 und 2016 pro Jahr ca. 1,75 Mio. USD Ausgaben ver­schlang.

Im Februar 2018 gab Unsplash bekannt, dass sie 7,25 Mio. USD von ins­ge­samt acht Investoren (Jason Goldberg/Simple Token, Accomplice, Betaworks, Mark Bonchek, Real Ventures, Roger Dickey/Gigster, Clark Valberg/InVision, Rahul Vohra/Superhuman) erhal­ten haben. Andere Quellen spre­chen sogar von 10,3 Mio. USD. Den obi­gen Zahlen nach wäre damit die Finanzierung von Unsplash für wei­te­re vier Jahre gesi­chert.

Die über 116.000 Fotografen bekom­men davon aber kei­nen Cent ab, abge­se­hen von der Handvoll, die tat­säch­lich direkt bei Unsplash ange­stellt ist. Dabei wird stän­dig von der „Community“ gere­det, die den Kern von Unsplash aus­ma­che, die so wich­tig und wert­voll sei. Ja, weil sie beschei­den ist, nichts von den Millionen abha­ben zu wol­len.

Unsplash wirbt immer­hin damit, dass die Fotografen „Links zu ihrem eige­nen Business anzei­gen las­sen und damit von Unsplash’s Traffic pro­fi­tie­ren kön­nen“. Einer der welt­weit größ­ten Stockproduzenten, die bri­ti­sche Firma „Rawpixel Ltd“. hat das aus­pro­biert und bie­tet neben ca. 260.000 Stockfotos bei den übli­chen Bildagenturen wie Adobe Stock oder Shutterstock auch über 2600 pro­fes­sio­nel­le Stockfotos kos­ten­los auf Unplash an. Das sind ca. 1% der bezahl­ten Bilder.

Ich habe den Rawpixel‐Gründer Rob Churchill zu sei­nen Beweggründen gefragt, war­um er kos­ten­lo­se Bilder anbie­te. Hier sei­ne über­setz­te Antwort:

Vor eini­gen Jahren haben wir uns ent­schie­den, unse­re eige­ne Website auf­zu­bau­en. Hauptsächlich, um unse­re Aktivitäten krea­ti­ver zu gestal­ten und hof­fent­lich ein gutes Unternehmen für uns, die Kunden und die Gemeinschaft auf­zu­bau­en. Es gibt zwei Hauptgründe, war­um wir einen Teil unse­res Inhalts als kos­ten­lo­se Bilder auf unse­rer eige­nen Website und eini­gen ande­ren wie Unsplash anbie­ten.

Erstens, um den Verkehr auf unse­re Website zu len­ken. Anstatt die unmög­li­che Aufgabe zu ver­su­chen, mit den bestehen­den Agenturen durch bezahl­te Werbung zu kon­kur­rie­ren, ist es für uns viel sinn­vol­ler, all unse­re ver­füg­ba­ren Ressourcen in die Erstellung von Inhalten zu inves­tie­ren und dann einen Teil davon frei zu machen, um die Menschen für Rawpixel zu gewin­nen.

Zweitens passt es gut zu unse­rem Manifest ‚Unsere Mission ist es, jedem, der die Menschen befä­higt, Kreativität zum Guten ein­zu­set­zen, inspi­rie­ren­de Gestaltungsressourcen zur Verfügung zu stel­len.‘ Es ist schön zu wis­sen, dass jeder Zugang zu eini­gen unse­rer Arbeiten unab­hän­gig von sei­ner finan­zi­el­len Situation haben kann.

Funktioniert es? Ja, ich den­ke schon, wir haben zwar noch einen lan­gen Weg vor uns, aber die Zeichen sind viel­ver­spre­chend und wir freu­en uns auf die Chancen, die sich in der Zukunft eröff­nen wer­den.

Ich weiß, dass dies ein heik­les Thema ist, und ich bin sicher, dass es die Microstock‐Industrie bis zu einem gewis­sen Grad beein­flus­sen wird, aber das „kos­ten­lo­se Bilder“-Modell ist hier und wird nicht gehen und ich glau­be, wir müs­sen uns an die Situation um uns her­um anpas­sen. Ich bin nicht zuver­sicht­lich in Bezug auf die Zukunft der wich­tigs­ten Microstock‐Agenturen und glau­be, dass sie in den letz­ten Jahren mehr hät­ten tun kön­nen, um Kontributoren wie uns zu unter­stüt­zen, und dadurch wären sie selbst in einer stär­ke­ren Position.“

Auch hier spielt also der Marketing‐Effekt eine Rolle. Ich bezweif­le jedoch, dass die­ser lang­fris­tig aus­reicht, denn wer nach kos­ten­lo­sen Bildern sucht, ist in der Regel wenig geneigt, plötz­lich doch Geld für Fotos aus­zu­ge­ben.

Werbung auf Unsplash

Neben den Investoren gibt es noch ande­re Geldquellen für Unsplash: Zum einen gibt klas­si­sche Werbeeinblendungen auf der Webseite, zum Beispiel rechts unter dem Suchfeld (sie­he Screenshot oben).

Darüber hin­aus gibt es jedoch ethisch deut­lich frag­wür­di­ge­re Methoden. Sucht ein Nutzer bei­spiel­wei­se nach „shoes“, oder „juice“, wer­den neben nor­ma­len Fotos ande­re ange­zeigt, die Werbung sind. Im Schuh‐Beispiel sind die ers­ten drei Treffer zum Beispiel kos­ten­lo­se Fotos mit Schuhen „spon­so­red by Timberland“, beim Saft steht „spon­so­red by DOSE Juice“. Hier ist die Werbekennzeichnung noch erkenn­bar, aber sobald ein Nutzer ein sol­ches Foto run­ter­lädt und wei­ter­ver­wen­det, bleibt von der Kennzeichnung nichts mehr übrig. Andere Leute erken­nen dann nicht mehr, dass das Bild mal bezahl­te Werbung war. Ebenso span­nend ist, dass es eine eige­ne Kollektion auf Unsplash mit dem Namen „Native Advertising on Unsplash“ gibt, kura­tiert vom Unsplash‐Co‐Gründer Luke Chesser. Dort wer­den neben den Beispielen Timberland und DOSE Juice expli­zit auch „Google Chromebooks“ und „Maledives Tourism“ als Kunden genannt und dazu­ge­hö­ri­ge Fotos gezeigt, aber die­se sind schon bei Unsplash teil­wei­se nicht als „spon­so­red by“ gekenn­zeich­net. Zufällig befin­den sich immer auch eini­ge die­ser Fotos auf der Startseite von Unplash.

Native Advertising ist eine dreis­te Form von Schleichwerbung“,

sagt Peter Figge, Vorstand der Werbeagentur Jung von Matt, gegen­über dem Spiegel.

„Native Advertising“-Kollektion auf Unsplash

Ein Fotograf sol­cher Bilder, der anonym blei­ben will, beschreibt die Zusammenarbeit so:

Unsplash koope­riert mei­nes Wissens nach öfters mal mit etwas grö­ße­ren Firmen. Ich war sel­ber lan­ge Zeit nicht mehr wirk­lich aktiv auf Unsplash, wenn es dar­um geht, sel­ber Bildmaterial hoch­zu­la­den. Viel mehr benut­ze ich es sehr oft als Bildquelle für qua­li­ta­tiv gute und kos­ten­lo­se Bilder, da ich Designer bin und oft mit sowas in Kontakt tre­te.

Eines Tages habe ich eine per­sön­li­che E‐Mail von einem Admin von Unsplash erhal­ten mit dem Angebot für eine Timberland‐Kooperation Bilder zu schie­ßen. Ursprünglich gab es eine Art ‚Wettbewerb‘, wo jeder mit­ma­chen konn­te. Dieser galt qua­si als Bewerbung für das Projekt. Mich hat man völ­lig über­ra­schend ein­fach mit ins Boot geholt, weil irgend­wel­chen dafür ver­ant­wort­li­chen Menschen von Timberland mei­ne Bilder gut gefal­len haben. Die Klamotten der neu­en Winterkollektion wur­den uns dann per Post gesen­det. Es gab jeweils eine Herren‐ und Damenkollektion. Die Sachen hat nach zwei Wochen ein Kurier von Timberland wie­der abge­holt.
Das Ganze wur­de ganz nor­mal bezahlt wie ein rich­ti­ger Fotoauftrag. Ein erfah­re­ner und aner­kann­ter Fashionfotograf wäre mit dem Endgeld nie­mals zufrie­den gewe­sen. Aber wenn man die Umstände beach­tet, unter ande­rem dass ich abso­lut kein pro­fes­sio­nel­ler Fotograf bin und zuvor noch nie einen wirk­li­chen Auftrag hat­te (und so ergeht es dem Großteil der Teilnehmer), ist die Bezahlung mehr als fair. Alles in allem ist das Ganze eine tol­le Sache, da man auch die gan­zen Prozesse mit­be­kommt.“

Es gibt auch eini­ge Accounts, die offen­sicht­lich von den gezeig­ten Marken selbst betrie­ben wer­den, wie die­se von Loewe Technologies, Modern Essentials oder Frame Kings. Angesichts der Debatte um die Werbekennzeichnungen bei Instagram kann es hier sicher nicht mehr lan­ge dau­ern, bis es Probleme geben wird.

Es wird oft, wie bei­spiel­haft hier, argu­men­tiert, dass Unsplash kei­ne Bedohung für Fotografen sei, weil die­se durch den Unsplash‐Traffic zu Aufträgen kom­men wür­den. Ich glau­be aber, dass Unsplash eine direk­te Bedrohung für die Firmen ist, die aus­schließ­lich von der Bildlizenzierung leben, zum Beispiel Shutterstock oder Adobe Stock.

Selbst wenn es für etli­che Nischen bei den kom­mer­zi­el­len Bildagenturen deut­lich mehr Bilder zur Auswahl gibt, ent­zieht Unsplash bei den gene­ri­schen Motiven den Fotografen einen Grundumsatz, der nur mit sel­ten nach­ge­frag­ten Motiven logi­scher­wei­se schwer auf­ge­fan­gen wer­den kann. Zur Erinnerung: Wir reden von über 46 Mio. kos­ten­lo­sen Downloads pro Monat.

Insofern fin­de ich es bedenk­lich, dass auch Adobe in sei­ner „Adobe Spark“-App den Nutzern kos­ten­lo­se Unsplash‐Bilder anbie­tet, statt eine eige­ne Kollektion sol­cher Bilder auf­zu­bau­en, von wo aus der Traffic zur bezahl­ten Adobe Stock‐Kollektion gelenkt wer­den kann. Eine ähn­li­che Unterstützung kann bei Pixabay gefun­den wer­den, wo die Seite erklär­ter­ma­ßen von den Affiliate‐Einnahmen durch Shutterstock über­lebt.

Für Unsplash sind die Fotos nur ein Mittel zum Zweck. Es geht nicht um groß­ar­tig kura­tier­te Fotografie, es geht um Traffic und Community‐Building. Das sind die Werte, für die sich Investoren inter­es­sie­ren und für die sich Unsplash bezah­len lässt. Es wirkt ein biss­chen wie ein Schneeballsystem, wenn bezahl­te Fotografen wie Annie Spratt durch ihre Social‐Media‐Accounts Unsplash hypen, was wie­der­um die gro­ße Masse an ande­ren Fotografen anlockt, die dann nicht mehr bezahlt wer­den, aber den Traffic und das Community‐Engagement lie­fern, für das dann die gro­ßen Firmen bezah­len. Nur Unsplash natür­lich, nicht die ein­zel­nen Fotografen.

Die Fotografen und auch Kunden tra­gen aber das recht­li­che Risiko der Unsplash‐Nutzung, denn Informationen über Markenrechte, Persönlichkeitsrechte, Designschutz und ande­re „Rechte Dritter“ sind bei Unsplash nur spär­lich zu fin­den. Was für Kunden und Fotografen „nur“ recht­lich ris­kant ist, ist für Unsplash auch ein ein­ge­spar­ter Kostenfaktor: Im Gegensatz zu den Microstock‐Agenturen, wel­che vie­le Mitarbeiter bezah­len, nur um ein­ge­reich­te Fotos auf Rechte Dritter zu prü­fen, spart sich Unsplash die­se Ausgaben.

Es ist schon para­dox: Bei den Microstock‐Agenturen dür­fen zum Beispiel der Produktname „iPhone“ oder der Firmenname „Apple“ nicht im Titel oder den Keywords genannt wer­den, selbst der cha­rak­te­ris­ti­sche run­de „Home“-Button darf nicht sicht­bar sein. Bei Unplash gibt es mehr als 3300 kos­ten­lo­se „iPhone“-Bilder, mit denen der Nutzer laut Lizenz sogar mehr machen darf als bei Shutterstock oder Adobe. Entweder ist Apple da deut­lich läs­si­ger als die Microstockagenturen behaup­ten oder die gro­ße Anwaltskeule wird spä­ter zuschla­gen. Mehr dras­ti­sche Beispiele für recht­li­che Probleme bei Unsplash lie­fert Henrik Heigl hier.

iPhone‐Fotos auf Unsplash ohne Hinweis auf Markenrechte

Geht es aber um die Fotos selbst, wird Unsplash plötz­lich gran­tig. Anfangs wur­den die Unsplash‐Bilder unter einer „Creative Commons Zero/Public Domain“-Lizenz ange­bo­ten. Einige cle­ve­re Geschäftemacher began­nen jedoch, sich vie­le Unsplash‐Bilder run­ter­zu­la­den und sie selbst gra­tis auf ihren eige­nen Webseiten anzu­bie­ten und durch Werbeeinblendungen damit an Unsplash vor­bei Geld zu ver­die­nen. Deshalb wur­de im Juni 2017 die Lizenz geän­dert, um expli­zit aus­zu­schlie­ßen, mit den Bildern „kon­kur­rie­ren­de oder ähn­li­che Dienstleistungen“ auf­zu­bau­en. Da hört dann die Gemeinnützigkeit auf.

Selbst als Unsplash 2016 ein Buch mit den kos­ten­lo­sen Fotos und Essays raus­gab, wur­de das Buch nicht von Unsplash finan­ziert, son­dern Unsplash‐Gründer Mikael Cho star­te­te eine Kickstarter‐Kampagne, mit der über 100.000 USD von der Community ein­ge­sam­melt wur­den.

Die Diskussion um die Schädlichkeit oder Nützlichkeit von Unsplash erin­nert mich sehr stark an die Debatte vor zehn Jahren beim Aufkommen der Microstock‐Agenturen, wel­che die Existenz der Makrostock‐Agenturen bedro­hen wür­den. Heute wis­sen wir, dass es zwar noch wel­che gibt, aber vie­le tat­säch­lich das Handtuch geschmis­sen haben oder wirt­schaft­lich geschwächt sind.

Deshalb neh­me ich an, dass ähn­lich zur Situation vor zehn Jahren Microstock wohl nicht ver­schwin­den wird, aber Unsplash trotz­dem zu einer Konsolidierung der Branche bei­tra­gen wird.

Frage von Photography Q & A – Selbstvermarktung für Fotografen

Vor über zwei Jahren habe ich hier im Blog das Buch „Photography Q&A“ von Zach Arias vor­ge­stellt und mei­ne Leser auf­ge­for­dert, mir eben­falls Fragen in den Kommentaren zu stel­len. Zwei die­ser Fragen woll­te ich dann im Blog beant­wor­ten.

Die ers­te Frage, wel­che Blitze ich benut­ze, habe ich vor lan­ger Zeit hier beant­wor­tet.

Kompass-V04-wide-selbstvermarktung_kleinHeute ist nun die zwei­te Frage an der Reihe, die sich rund um das Thema „Selbstvermarktung“ dreht. Genau genom­men haben meh­re­re Leser ähn­li­che Fragen gestellt, wel­che das Thema „Selbstvermarktung“ mit unter­schied­li­chen Schwerpunkten auf­grei­fen.

Hier die Fragen:

Vorweg erst­mal: inter­es­san­ter Blog, ich bin gera­de “drü­ber­ge­stol­pert”.
Daraus ergibt sich auch mei­ne Frage:
Wie wich­tig sind die­se Standbeine für Fotografen? Ich ken­ne kaum einen Fotografen, der “nur” Bilder anbie­tet. Es wer­den Blogs betrie­ben, Workshops oder Coachings ange­bo­ten, Bücher geschrie­ben. Alles sehr zeit­auf­wän­di­ge Tätigkeiten. Sind die­se Aspekte über­le­bens­wich­tig gewor­den als Fotograf? Oder stel­len die­se Bereiche ein­fach einen net­ten Nebenverdienst dar, der auch noch Spaß macht? Gruß, Johannes“

Meine Frage: Wie wich­tig ist Facebook‐Marketing für dich und akqui­rierst du auch grö­ße­re Kunden über dei­ne Facebookseite? Vielen Dank! Justus“

Womit lässt sich dei­ner Meinung nach besser/eher Geld ver­die­nen? Mit einem erfolg­rei­chen Blog oder mit Stockfotos?“

Hallo Robert,
mei­ne Frage bezieht sich auf das eige­ne “Branding”, also wie stellt man es an, sei­ne eige­ne “Marke” als Fotograf bekann­ter zu machen. Und wel­che Methoden/Mittel bie­ten sich an? Als Einzelkämpfer (ohne Angestellte) ist das ein Faktor, der neben der eigent­li­chen Arbeit oft zu kurz kommt. Wie machst du dir einen Namen bzw. wir hast du es geschafft, den “Robert Kneschke” bekannt zu machen? Spielt in der Stockfotografie bei­spiels­wei­se die Menge der Fotos, die man in Agenturen plat­ziert hat, eine ent­schei­den­de Rolle? Sprich: ab wann sucht jemand in der Agentur oder einer Suchmaschine gezielt nach dei­nem Namen, um Fotos von dir ange­zeigt zu bekom­men? Und einen eige­nen “Bildstil” zu ent­wi­ckeln, um sich von der Masse abzu­he­ben, wird nach mei­ner Einschätzung immer schwie­ri­ger. Ist es vor allem und zuerst ein Blog, das Aufmerksamkeit erregt? Ist es das Kommentieren bei ande­ren, sind es Facebook & Co? Viele Grüße, Nora“

Damit ihr mei­ne Antwort rich­tig ein­ord­nen könn­te, möch­te ich beto­nen, dass ich nur von der Stockfotografie lebe und kei­ne Aufträge anneh­me. Das heißt, vie­le der Marketing‐Maßnahmen, die ich für unnö­tig hal­te, mögen für einen Auftragsfotografen über­le­bens­wich­tig sein und anders­rum.

Im Gegensatz zu eini­gen mei­ner Fotografie‐Kollegen sind mei­ne Aktivitäten neben der Kamera eher gering. Ich betrei­be zwar seit ca. acht Jahren ger­ne die­sen Blog „Alltag eines Fotoproduzenten“ und im Laufe der Jahre sind mei­ne bei­den Sachbücher „Stockfotografie“* und „Die Arbeit mit Models“* hin­zu­ge­kom­men. Vorträge und Seminare gebe ich jedoch nur sel­ten, viel­leicht zwei bis vier Mal im Jahr (das nächs­te Mal übri­gens wie­der auf der Photokina 2016).

Aber ganz nüch­tern betrach­tet: Ich könn­te locker auf die weni­gen Einnahmen der Bücher, vom Blog und den Vorträgen ver­zich­ten und damit viel­leicht sogar mehr ver­die­nen, weil ich in der frei­en Zeit mehr Stockfotos pro­du­zie­ren wür­de.

Andere Kollegen haben hin­ge­gen ber­ge­wei­se Workshops, DVDs und Seminare im Angebot, ver­öf­fent­li­chen deut­lich mehr Artikel in ihren Blogs und ihren Social‐Media‐Kanälen und so wei­ter. Der Unterschied ist jedoch: Diese Leute leben eben haupt­säch­lich davon, die­se Produkte sind ein wich­ti­ger, wenn nicht der größ­te, Teil ihrer Einnahmequellen. Vielleicht könn­te man die­se Leute kor­rek­ter als „Foto‐Trainer“ statt als „Fotografen“ bezeich­nen. Das mag sei­ne Berechtigung haben, ist aber als Unterscheidung wich­tig, weil die Zielgruppe eine ande­re ist. Wer sich als Fotograf selbst ver­mark­ten will, muss „Kunden“ für Aufträge errei­chen. Wer als „Foto‐Trainer“ unter­wegs sein will, sucht ande­re Fotografen als Kunden. Ein gutes Beispiel ist Calvin Hollywood, der sich öffent­lich immer öfter als Foto‐Coach statt als Bildbearbeiter dar­stellt.

In die­se „Falle“ bin ich selbst anfangs getappt: Die ursprüng­li­che Idee zu mei­nem Blog war, mich bei mehr Bildkäufern bekannt zu machen. Da ich aber von Foto‐Themen mehr Ahnung habe als vom Verkauf, inter­es­sie­ren sich vor allem ande­re Fotografen, aber nicht so sehr Bildkäufer für die­se Themen im Blog.

Damit ist mein Blog nicht so sehr ein Marketing‐Instrument, wel­ches mehr Bildkäufe bringt, son­dern ein Hilfsmittel, um mich bei Kollegen und Agenturmitarbeitern bekann­ter zu machen, wel­che dann mit mir Informationen und ähn­li­ches aus­tau­schen. Das ist nütz­lich, aber schwer in „mehr „Umsatz“ zu mes­sen.

Ein Blog von einem Fotografen, den ich ger­ne ver­fol­ge, und der sich kon­se­quent an poten­ti­el­le Kunden rich­tet, ist der vom Kollegen Till Erdmenger.

Ähnliches gilt für die Facebook-Präsenz: Während Kollegen wie Matthias Schwaighofer min­des­tens meh­re­re Postings täg­lich abset­zen, sind es bei mir alle paar Tage einer. Auch hier gilt wie­der: Ich muss kei­ne Aufträge an Land zie­hen, weil ich das sowie­so nicht anbie­te. Natürlich kann es pas­sie­ren, dass ein Fotograf, der mei­nem Blog oder mei­ner Facebook‐Seite folgt, eben­falls Grafikdesign für ande­re Kunden macht und dabei mal eini­ge mei­ner Stockfotos kauft, weil er mich durch mei­ne Veröffentlichungen immer im Hinterkopf hat. Ich ver­mu­te jedoch dass die­ser Effekt zu ver­nach­läs­si­gen ist. Die meis­ten Kunden bei Bildagenturen brau­chen ein bestimm­tes Motiv und suchen die­ses, indem sie Suchbegriffe bei den Agenturen ein­tip­pen.

Je spe­zi­el­ler jedoch die Nische, die ein Fotograf bedient, des­to eher kön­nen sich Social‐Media‐Kanäle oder Blogs loh­nen, um sich als Experte für die­ses Gebiet pro­fi­lie­ren zu kön­nen.

Natürlich ist es mög­lich, mit einem Blog mehr Geld zu ver­die­nen als mi Stockfotos, sei es durch Werbung, Ebooks, Affiliate‐Marketing oder ande­re Methoden, aber das erfor­dert grund­sätz­lich ande­re Fähigkeiten als wel­che, die nötig sind, um mit Stockfotos erfolg­reich zu sein.

Ein „Branding“ ist im Bereich der Stockfotografie deut­lich weni­ger nötig als in ande­ren Bereichen. Ich weiß, dass eini­ge Branchengrößen sehr erfolg­reich bei Bildagenturen sind, über die in der Öffentlichkeit fast nichts bekannt ist. „Africa Studio“*, „Ioannis Kounadeas“* oder „Gina Sanders“* sind nur eini­ge Beispiele. Während Auftragsfotografen ger­ne wegen ihres „eige­nen Stils“ gebucht wer­den, sind Stockfotografen Lieferanten für Mainstream‐Looks, die sich natur­ge­mäß weni­ger stark von­ein­an­der abhe­ben oder teil­wei­se sogar kopie­ren.

Viele Tipps für erfolg­rei­ches Fotografen‐Marketing bie­tet übri­gens mein Kollege Michael Omori Kirchner an.

Wie wich­tig ist das Selbstmarketing für euch?
Was funk­tio­niert am bes­ten für euren Bereich?

* Affiliate

Microstock‐Einnahmen und Kommissionen – Wohin geht das Geld?

Im Juli ver­öf­fent­lich­te Steve Gibson in sei­nem „Microstock Insider“-Blog einen lesens­wer­ten Artikel, in dem er – jetzt gut fest­hal­ten – eine Lanze für nied­ri­ge Fotografenhonorare bricht. Mit sei­ner Erlaubnis habe ich die­sen Artikel über­setzt und ich bin gespannt, ob ihr sei­ne Ausführungen unter­strei­chen wür­det. Los geht’s, Steve:

Wie wird das Geld, was ein Bildkäufer aus­gibt, zwi­schen Fotografen, der Bildagentur und eini­gen Mittelsmännern auf­ge­teilt?

Die Antwort ist rela­tiv ein­fach: Manchmal ist es ein­fach nicht klar.

Als ers­tes eine Begriffsklärung:

  • Honorar (Royalty) – Die Bezahlung, die ein Fotograf oder Illustrator erhält, wenn eins sei­ner Werke ver­kauft wur­de.
  • Kommission – Das Geld, das eine Bildagentur vom Verkauf erhält für die Ausführung der Transaktion und um Kosten abzu­de­cken. Kommissionen wer­den auch an Wiederverkäufer (Verteiler) und Vermittler, die Käufer brin­gen, aus­ge­schüt­tet. (Traditionelle Bildagenturen bzw. Macrostock‐Agenturen nen­nen oft ihre Kommissionsrate, also den Betrag, den sie ein­be­hal­ten, im Gegensatz zur Honorarrate.

Oft wird auch das Wort „royal­ty“ für Kommissionen benutzt. Ich bin nicht sicher, wie das zustan­de kam, denn es sorgt auf jeden Fall für Konfusionen und ein kur­zer Blick auf die gro­ßen Microstock‐Seiten zeigt, dass vor allem Begriffe wie „Einnahmen“ oder „Auszahlungsbetrag“ ver­wen­det wer­den, um die Situation zu klä­ren. Es ist nicht hilf­reich, dass wir in einer Industrie arbei­ten, deren Geschäftsmodell auf Amateurfotografen gegrün­det wur­de und in die uns „royal­ties“ aus­zahlt für unse­re „royalty-free“-Fotos (natür­lich sind die­se nur royalty‐free für den Käufer).

Der Unterschied zwi­schen Kommissionen und Honorar kann auch wich­ti­ge Steuerunterschiede brin­gen, denn als Fotograf, der an einem Affiliate‐Programm teil­nimmt, ver­dient man sowohl Kommissionen für emp­foh­le­ne Käufer als auch Honorar für die ver­kauf­ten Bilder.

Wie wird der Honorar‐Kuchen auf­ge­teilt?

Es gibt drei Hauptausgaben zu berück­sich­ti­gen, wenn die Dienste betrach­tet wer­den, die digi­ta­le Downloads anbie­ten und bei der Aufteilung der Honorare:

  • Geld zum Betrieb des Dienstes und für die Finanztransaktionen
  • Marketing‐ und Werbungskosten
  • Honorare für die Urheber

Jeder die­ser Ausgaben ent­hält Kosten und eine Gewinnspanne. Zum Beispiel könn­te es einen Dollar kos­ten, ein Foto zu machen, aber um im Geschäft zu blei­ben, musst Du zwei Dollar beim Verkauf dafür berech­nen, wenn Du auch die nächs­te Kamera, das Dach über dem Kopf und Deinen Gewinn bezah­len willst.

Wiederverkäufe (Syndikation) & Affiliate‐Verkäufe

Diese Verkäufe haben unter­schied­li­che Kosten für eine Bildagentur, denn eine drit­te Partei fand den Käufer, womit die direk­ten Marketingkosten null sind (das Branding aus­ge­nom­men) und im Falle eines Wiederverkäufers muss die Agentur nicht des­sen Webseite betrei­ben oder Kundenservice anbie­ten. Andererseits gene­rie­ren sol­che Verkäufe zusätz­li­che Kosten durch die Affiliate‐ oder Wiederveräufer‐Kommissionen.

Beim Thema „Wiederverkauf“ machen wir ein ganz ande­res Fass aus: Einige Agenturen zah­len einen höhe­ren Preis für Wiederverkäufer‐Verkäufe (obwohl man nicht wirk­lich mehr pro Verkauf erhält), da die Agentur selbst weni­ger pro Verkauf ver­dient – der Wiederverkäufer behält sei­nen Teil der Kommission. Wiederverkäufer‐Verkäufe sind etwas ande­res als Affiliate‐Verkäufe, da die Agentur bei letz­te­ren trotz­dem Kundendienst, Zahlungsabrechnung, Seitenzugriff für den Download und so wei­ter anbie­ten muss. Bei den Wiederkäufern sor­gen die­se selbst dafür.

Grob gespro­chen gibt es drei ver­schie­de­ne Typen von Microstock‐Käufern, die den Agenturen unter­schied­li­che Einnahmen brin­gen und unter­schied­li­che Ausgaben erfor­dern:

Ausgaben Käufertyp Direktverkauf  Affiliate‐Kauf  Wiederverkäufer
Such‐API Ja Ja Ja
Hosting und Bandbreite Ja Ja Ja
Fotografenverwaltung Ja Ja Ja
Bildredaktion Ja Ja Ja
Fotografenhonorar Ja Ja Ja
Webseiten‐Frontend Ja Ja Nein
Kundenservice Ja Ja Nein
Zahlungsabwicklung Ja Ja Nein
Marketing und PR Ja Nein Nein
Kommissionen an Dritte Nein Ja Ja

Darüber hin­aus haben alle Agenturen zusätz­li­che Kosten wie sie ande­re Firmen auch haben, zum Beispiel Buchhaltung, Personalkosten, Management und so wei­ter.

Wie viel Geld wird nun dafür aus­ge­ge­ben?

Das ist die Eine‐Million‐Dollar‐Frage. Mit Ausnahme der Honorarsätze und Kommissionen hal­ten die Agenturen die­se Informationen sehr geheim. Shutterstock jedoch hat eini­ge die­ser Informationen im Rahmen des geplan­ten Börsengangs ver­öf­fent­licht. Dadurch bekom­men wir eine unge­fäh­re Vorstellung, wie die Top‐Microstockagenturen ihre Einnahmen aus­ge­ben:

Zu den Betriebskosten zäh­len die Fotografenhonorare, Kreditkartengebühren, Bildredaktion, Kundendienstkosten, Infrastrukturkosten für das Betreiben der Webseite und den dazu­ge­hö­ri­gen Angestellten, Raummieten und ande­re Kosten. Im oben ver­link­ten IPO wer­den die gezeig­ten Segmente noch genau­er defi­niert.

Wie steht Microstock im Vergleich zu ande­ren Industrien da?

Im Microstock‐Bereich bleibt das meis­te Geld bei den Agenturen. Es gibt ver­schie­de­ne Gründe dafür, unter ande­rem den Fakt, dass bei nied­ri­gen Verkaufspreisen die Kosten des Verkaufs ver­hält­nis­mä­ßig hoch sind. Wie du sicher weißt, muss man vie­le bil­li­ge Fotos ver­kau­fen, um die Kosten für deren Erstellung wie­der ein­zu­spie­len.

Was ist mit ande­ren vir­tu­el­len Gütern wie iTunes und Apps?

Microstock scheint dem Vergleich ganz gut stand­zu­hal­ten. Bei iTunes ver­dient ein Musiker ca. 9 Cent bei einem Verkaufspreis von 1,29 USD. Das ist der Betrag, der übrig bleibt, nach­dem die Plattenfirma ihren (gro­ßen) Anteil an den ca. 70 Cent genom­men hat, die Apple ihnen gibt (Zahlen gel­ten nur für die USA).

Unabhängige Musiker kön­nen die gesam­ten 70 Cent behal­ten, wer­den aber oft für das Hosting, Setup‐Kosten und jähr­li­che Gebühren etc. zur Kasse gebe­ten. Du siehst, wel­cher gro­ße Teil durch die Betriebskosten (Apple) und das Marketing (Plattenfirma) anfällt. Ich habe gele­sen, dass die Musiker bis zu 50% des Plattenfirma‐Anteils ver­die­nen kön­nen, wenn die Kosten der Plattenfirma ein­ge­spielt wur­den. Diese Teilung der Einnahmen ist nichts Neues, auch vor den digi­ta­len Downloads beka­men Musiker nur einen klei­nen Prozentsatz vom Preis der Platte ab.

Für den „Apps Store“ nimmt Apple eine Kommission von 30%, damit ver­blei­ben 70% bei den Entwicklern der Software. Diese müs­sen für den Zugriff auf die Entwicklungssoftware bezah­len (ca. 99 – 299 USD pro Jahr). Diese Verteilung ist ähn­lich wie bei iTunes, nur ohne den Marketing‐Anteil der Plattenfirma. Der Entwickler bekommt die vol­len 70%, muss jedoch das kom­plet­te Marketing über­neh­men und sich um die Kundenbetreuung küm­mern. Wie wir am Beispiel von Shutterstock gese­hen haben, waren das dort fast 30% der Einnahmen. Der Android‐Marktplatz hat eben­falls den 70%-Anteil für sei­ne Entwickler.

Aber Alamy kann 60% (40% Kommission) bei Fotos aus­zah­len?

Sie machen das bei ihren Bildern mit Standardpreisen, aber sie haben eine 50–50 Verteilung für ihre „Novel Use“-Bilder, was mei­nes Erachtens ein bes­se­rer Vergleich mit Microstock ist. 60% Kommission nimmt Alamy auch für Vertriebs(partner)-Verkäufe.

Bis jetzt war es nicht Alamys Hauptgeschäftsfeld, ein Marktplatz im Microstock‐Stil zu sein. Außerdem hat Alamy eine Geschichte von Änderungen an der Kommissionsstruktur, wenn sich die Geschäfte ändern und ich den­ke, das soll­te jede Firma tun – es sind nicht nur die Microstock‐Agenturen, die gezwun­gen sind, ihre Kommissionen zu ändern. Ich den­ke auch nicht, dass es fair ist, Alamy direkt mit Microstock‐Agenturen zu ver­glei­chen.

Ich ken­ne nicht die inter­nen Details von Microstock‐ oder Macrostock‐Agenturen, aber ich den­ke, es ist nach­voll­zieh­bar zu sagen, dass Alamy nur eine Handvoll Verkäufe braucht, um eine Zeitschriftenwerbung in Auftrag geben zu kön­nen, wäh­rend eine Microstock‐Agentur ver­mut­lich über 1000 Bilder ver­kau­fen muss, um sich die glei­che Anzeige leis­ten zu kön­nen. Die Kosten, um 1000 Kunden zu gewin­nen, sind deut­lich höher als nur einen Kunden zu gewin­nen (Ich habe den Fakt igno­riert, dass durch nied­ri­ge­re Bildpreise es ein­fa­cher sein kann, meh­re­re Verkäufe zu gene­rie­ren wie auch den Fakt, dass es wahr­schein­lich teu­rer ist, einen Macrostock‐Kunden zu gewin­nen als einen Microstock‐Kunden).

Gib 5 Dollar über Paypal oder eine Kreditkarte aus und ca. 10% des Geldes wer­den von den Transaktionskosten auf­ge­fres­sen. Gib eini­ge hun­dert Dollar aus und die Kosten sin­ken auf eini­ge Cent. Das ist der Grund, war­um Agenturen Rabatte auf gro­ße Credit‐Verkäufe geben. Auf einer Microstock‐Seite kön­nen die Kosten, die ent­ste­hen, wenn jemand fünf Minuten auf eine Email ant­wor­tet oder der IT‐Mitarbeiter eini­ge Minuten an einem Serverproblem arbei­tet, schnell den Gewinn eines Bildverkaufs ver­nich­ten.

Beweise der Geschichte

Clustershot war ein gutes Beispiel einer Bildagentur, die den Markt betrat, um Umsätze zu erzie­len, aber nicht die Arbeit der Fotografen bewor­ben hat. Deren Kommission vor nur 12%, was 88% für die Fotografen bedeu­te­te (die auch die Paypal‐Bearbeitungsgebühren zah­len muss­ten), lasst uns also 15% Kommission sagen. Mit die­sem Level konn­ten sie ihre Kosten decken und damit mei­ne ich, sie gin­gen bank­rott. „Kosten decken“ heißt, kein Geld, kei­ne Zeit oder sons­ti­ge Anreize zu haben, in den Service zu inves­tie­ren. Es sieht so aus als wären 15% nicht genug Geld, um Downloads und Zahlungen zu bear­bei­ten.

Alamy been­de­te ihr „Alamy Red“-Kommissionssystem, bei dem sie nur 20% Kommission nah­men, aber eine Annahmegebühr von 2 Dollar ver­lang­ten und eine monat­li­che Hosting‐Gebühr.

50% Honorar mag als attrak­tiv gel­ten, aber ich glau­be, es gibt genug Beweise, dass Microstock‐Agenturen, die 50% Honorar bie­ten, gene­rell sta­gnie­ren, ich ver­mu­te, weil die Agenturen nicht genü­gend Ressourcen haben, um ins Wachstum zu inves­tie­ren. Schaut man sich die Honorare bei den Top‐Agenturen an (und ich mir die Agenturen mit den höchs­ten Umsätzen), fällt auf, dass alle deut­lich weni­ger als 50% Honorar zah­len. Die ver­link­te Tabelle ist grob sor­tiert nach Einnahmen und meist stimmt das mit der Sortierung des Honoraranteils über­ein – in ande­ren Worten: Ein hoher Honoraranteil ist für Fotografen nichts wert, du bist bes­ser dran, über eine Agentur mit einem nied­ri­ge­ren Honoraranteil zu ver­kau­fen, die in der Lage sind, deut­lich mehr zu ver­kau­fen (und das eben auch machen!).

Es ist üblich für neue Start‐Up‐Agenturen, einen hohen Honoraranteil zu ver­spre­chen, um Fotografen anzu­lo­cken, egal, ob das ein wei­ses Geschäftsmodell ist oder nicht. Es ist defi­ni­tiv kein Signal, was als „wenn die das kön­nen, könn­ten es die ande­ren auch machen“ gele­sen wer­den soll­te. Als abso­lu­tes Minimum muss eine Agentur nach­hal­tig wirt­schaf­ten, aber sie brau­chen mehr als das, sie müs­sen pro­fi­ta­bel sein, um wei­ter inves­tie­ren zu kön­nen, um wach­sen zu kön­nen oder Risikokapital anzu­lo­cken.

Es scheint als wären ca. 30% Kommission ein übli­cher Standard, den man neh­men soll­te für das Hosting, die Downloadverwaltung und die Zahlungsabwicklung für irgend­ei­ne Transaktion vir­tu­el­ler Güter. Man könn­te noch ergän­zen, dass beim Bilderverkauf noch eini­ge wei­te­re Kosten anfal­len, da zum Beispiel die Suche deut­lich kom­ple­xer ist.

Subventionierung höhe­rer Honorare

Einige Agenturen bie­ten mehr Honorar für exklu­si­ve Bilder (die zum glei­chen Preis ver­kauft wer­den) und/oder höhe­re Honorare für umsatz­star­ke Fotografen. Während die­se Fotografen qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Bilder haben, die zu redu­zier­ten Kosten in der Bildredaktion füh­ren, ist es mit Blick auf die Honorartabellen sehr offen­sicht­lich, dass die Agenturen mit gestaf­fel­ten Honoraren den umsatz­schwa­chen Fotografen deut­lich nied­ri­ge­re Honorare zah­len im Vergleich zu den Agenturen, die ein Honorar für alle anbie­ten. Während gestaf­fel­te Honorare einen Anreiz schaf­fen, qua­li­ta­tiv bes­se­re Bilder hoch­zu­la­den und mehr Verkäufe zu gene­rie­ren, wer­den gleich­zei­tig die umsatz­schwa­chen Fotografen bestraft, indem sie die höhe­ren Honorare der Top‐Fotografen sub­ven­tio­nie­ren.

Doppeldeutige Worte: Worauf man beim Vergleich von Honoraranteilen ach­ten soll­te

Man könn­te leicht anneh­men, dass, wenn eine Agentur 25% Honoraranteil zahlt, man bei einem Bildverkauf für 5 Dollar 1,25 Dollar abbe­kom­men wür­de. Das kann aber falsch sein. Wer die Vertragsbedingungen genau durch­liest, merkt, dass er meist nur Anspruch auf 25% der „tat­säch­li­chen Umsätze“, der „Nettoerlöse“ o.ä. hat. Einige Agenturen bie­ten einen fes­ten Betrag pro Verkauf oder gekauf­ter Bildgröße, ande­re Agenturen bie­ten eine Prozentzahl, bei der es wich­tig ist, dass das Verkaufssystem genau ver­stan­den wird. Bietet die Agenturen zum Beispiel Rabatte bei Großeinkäufen an und wer­den die­se Rabatte an den Fotografen wei­ter­ge­ge­ben?

Schlussfolgerung

Vor fünf Jahren lag der typi­sche Microstock‐Honoraranteil bei 30–50% und wur­de seit­dem nied­ri­ger und nied­ri­ger, weil die Agenturen immer mehr der Einnahmen für sich behal­ten.

Wo geht das gan­ze Geld hin? Das meis­te Geld wird für das Marketing aus­ge­ge­ben, aber ich ver­mu­te, dass gro­ße Teile auch in die Bilanz wan­dern, um sich als Agentur attrak­ti­ver für Investoren zu machen. iStockphoto gab hin­ter vorhge­al­te­ner Hand auch zu, dass sie nicht genug Profit mit ihrem Unternehmen machen wür­den, als sie zuletzt ihre Honorarstruktur änder­ten.

Es scheint eine gute Idee zu sein, als Fotografen „mit unse­ren Füßen abzu­stim­men“ und nur dort unse­re Bilder hoch­zu­la­den, wo die Agenturen sich mit nied­ri­gen Kommissionen zufrie­den geben, aber die (viel­leicht trau­ri­ge) Wahrheit ist: Die Agenturen, die erfolg­reich sind, wie die Plattenfirmen im Beispiel, sind die, wel­che den Großteil der Einnahmen wie­der in Promotion und Marketing ste­cken. 50% von weni­gen oder kei­nen Verkäufen ist weit weni­ger wün­schens­wert als 17% von etli­chen Verkäufen.

Warum ich meine Referal‐Links zu Dreamstime entfernt habe

Vor paar Tagen hat­te ich einen Skype‐Chat mit Lee Torrens vom Blog microstockdiaries.com über einen neu­en Kommissionsrechner, den er vor­ge­stellt hat.

Dabei kam raus, dass die Microstock‐Agentur Dreamstime einen sehr gewag­ten Schritt gegan­gen ist. Seit kur­zer Zeit wer­den die Honorare für Affiliate‐Links, die zu Dreamstime füh­ren nicht aus dem Marketing‐Budget von Dreamstime bezahlt, son­dern gehen aus­schließ­lich zu Lasten der Fotografen.

Doch kurz einen Schritt zurück:

Was sind über­haupt Affiliate‐Links?

Affiliate‐Links sind Empfehlungslinks, bei denen der­je­ni­ge, der den Link gesetzt hat, eine Provision bekommt, wenn der­je­ni­ge, der den Link klickt, dort etwas kauft oder – je nach Affiliate‐Programm – etwas ähn­li­ches macht.

Bei Dreamstime war das so: Wenn sich ein neu­er Fotograf oder ein neu­er Bildkäufer über einen Affiliate‐Link bei Dreamstime regis­triert hat, bekam der Verlinkende von den neu­en Fotografenumsätzen oder den Bildverkäufen eini­ge Prozente ab. Das ist immer noch so.

Was aber seit kur­zem anders ist: Während Dreamstime die­se Prozente bis­her – wie alle ande­ren Bildagenturen auch – aus eige­ner Tasche bezahlt hat, wer­den die­se jetzt den Fotografen abge­zo­gen, denn seit eini­gen Tagen steht auf die­ser Dreamstime‐Seite:

For each tran­sac­tion, the pho­to­gra­pher recei­ves a 25–50 per­cent Revenue Share, which is cal­cu­la­ted based on the net sales amount for the tran­sac­tion, after refer­ral fees have been paid“ [Hervorhebung von mir]

Das heißt: Wer sich als Fotograf über einen Affiliate‐Link bei Dreamstime regis­triert, bekommt die ers­ten drei Jahre weni­ger Geld, weil die Prozente für den „Empfehlenden“ vom neu­en Fotografen abge­zo­gen wer­den. Anders for­mu­liert: Wer sich als neu­er Fotograf über einen sol­chen Link regis­triert, ver­dient weni­ger Geld als wenn er sich direkt bei Dreamstime anmel­den wür­de.

Wenn sich ein Bildkäufer über einen Affiliate‐Link bei Dreamstime regis­triert und ein Bild kauft, wer­den die Prozente für die­sen Bildkauf bei dem Fotografen abge­zo­gen, der das Bild anbie­tet.

Während vor­her Affiliate‐Links zu Dreamstime eine coo­le Sache waren, weil alle Seiten etwas davon hat­ten, hat sich das jetzt geän­dert.

Deswegen hat sich Lee Torrens ent­schie­den, alle sei­ne Affiliate‐Links zu Dreamstime zu ent­fer­nen.

Ich habe mich eben­falls dazu ent­schie­den und habe ges­tern die weni­gen Affiliate‐Links zu Dreamstime von mei­nem Blog ent­fernt, weil ich nicht möch­te, dass die Leser, die auf mei­ne Links kli­cken, in irgend­ei­ner Form benach­tei­ligt wer­den.

Ich emp­feh­le auch, eben­falls die Affiliate‐Links auf euren Blogs und Webseiten zu ent­fer­nen. Auch wer das Facebook‐Promotion‐Tool von Dreamstime benutzt, soll­te sich bewußt sein, dass er weni­ger für Verkäufe auf die­sem Weg bekommt als wenn er Verkäufer zu ande­ren Bildagenturen weist mit fai­ren Affiliate‐Links.

 Was meint ihr? Welche Bildagentur hat das bes­te Affiliate‐Programm?

Update 14.07.2012: Nur eine kur­ze Klarstellung: Bisher hat­te Dreamstime den Affiliate‐Anteil aus eige­ner Tasche bezahlt, jetzt wird die­ser Anteil zwi­schen Dreamstime und den Fotografen geteilt, nicht kom­plett auf den Fotografen abge­wälzt. Das heißt, die Änderung ist trotz­dem zu Ungunsten der Fotografen, wes­halb ich bei der Entfernung der Links blei­be.

Update 17.07.2012: Der Dreamstime‐Gründer und CEO Serban Enache hat in den Kommentaren zu Lees Artikel kri­ti­siert, dass die Informationen nicht ganz kor­rekt sei­en, aber zuge­ge­ben, dass die neue Formulierung auf der Webseite nicht ganz „klar“ sei­en. Bisher fand jedoch kei­ne Umformulierung auf deren Webseite statt.

Update 18.07.2012: Dreamstime hat jetzt offi­zi­ell bekannt gege­ben, dass die Änderung rück­gän­gig gemacht wird und alle Affiliate‐Kosten wie­der kom­plett von Dreamstime getra­gen wer­den.

Die Microstock‐Industrie im Jahr 2011 – Teil 3: Die Agentur‐Seite

Vor eini­gen Wochen ver­öf­fent­lich­te mein geschätz­ter Microstock‐Kollege Kzenon in sei­nem emp­feh­lens­wer­ten Blog eine Artikel‐Serie über die Lage der Microstock‐Industrie auf eng­lisch. Mit sei­ner freund­li­chen Genehmigung ver­öf­fent­li­che ich in mei­nem Blog sei­ne Serie von mir ins Deutsche über­setzt. Letztes Mal gab es den zwei­ten Teil, davor den ers­ten und heu­te folgt der drit­te Teil:

Im zwei­ten Teil der Serie schau­ten wir uns an, wel­chen Herausforderungen die Fotografen in der Microstock‐Industrie heu­te gegen­über­ste­hen. Lasst uns nun im drit­ten Teil über die Agenturen reden.

Was zuerst auf­fällt, wenn man sich die Agenturen betrach­tet: Es gibt vie­le davon. Nicht so vie­le wie Fotografen natür­lich, aber nichts­des­to­trotz brau­chen sie einen USP (Unique Selling Point; Alleinstellungsmerkmal). Der war zwar schon immer nötig, aber in einem schnell wach­sen­den Markt konn­te das Fehlen einer guten Strategie oder eines Unterscheidungsmerkmals gut ver­bor­gen wer­den. Trotzdem schei­ter­ten vie­le Bildagenturen und der Druck, her­aus­zu­ra­gen wird noch schlim­mer wer­den.


Eine Antwort auf die­se Herausforderung war und ist es viel­leicht immer noch, die Agentur mit dem nied­rigs­ten Preis zu sein. Aber lang­fris­tig kann man nicht nur über den Preis kon­kur­rie­ren (und tat­säch­lich ver­lang­samt sich der Lauf nach dem nied­rigs­ten Preis), weil kein Geschäft über­le­ben kann, wenn der Preis sei­ner Produkte gegen Null ten­diert. Außerdem wer­den die Fotografen pro­fes­sio­nel­ler und bau­en sich eige­ne Alleinstellungsmerkmale auf, wes­halb Microstock auf der (zuge­ge­be­ner­ma­ßen klei­nen) guten Seite weni­ger eine Massenware sein wird als es frü­her war. Es wird einen Kampf um gute Talente geben und die­ser kann nicht ohne eine fai­re Bezahlung gewon­nen wer­den.

Deshalb müs­sen ande­re Wege als Preissenkungen und das Zurückfahren von Fotografenanteilen gefun­den wer­den. Wie immer sind die­se Wege grob gesagt Inhalts‐ und Kundenmanagement.

  1. Ein offen­sicht­li­ches Beispiel ist der Weg der exklu­si­ven Inhalte. Das wird für eine Weile funk­tio­nie­ren. Die Gefahr ist nur bei einer immer stei­gen­den Anzahl Bilder, dass es immer mög­lich ist, gute Fotos auch woan­ders zu fin­den. Das Konzept mag trotz­dem funk­tio­nie­ren (wenn auch nicht so gut wie vor­her), weil es mit nur einer exklu­si­ven Quelle, um ein Bild run­ter­zu­la­den, für Kunden ein­fa­cher zu kon­trol­lie­ren ist, wie oft ein Bild schon her­un­ter­ge­la­den und even­tu­ell genutzt wur­de – viel­leicht auch von der Konkurrenz. Eine Bildagentur, die es schafft, vie­le exklu­si­ve Inhalte zu einem guten Preis zu ver­kau­fen, kann viel­leicht auch talen­tier­te Fotografen anlo­cken, die nach einem Weg suchen, sich von der Last der Bilderverwaltung zu befrei­en und sich stär­ker auf das Fotografieren und Bildbearbeiten kon­zen­trie­ren wol­len. Deshalb erwar­te noch här­te­re Versuche von Agenturen, ihren Fotografenstamm zu zemen­tie­ren.
  2. Agenturen wer­den wei­ter nach mehr Inhalten und ande­ren Arten von Inhalten suchen. Nichtsdestotrotz wird eine Zeit kom­men, in der die schie­re Masse an Inhalten ihren Reiz ver­liert. Mit 15 oder 20 Millionen Bildern auf Lager sehen wei­te­re 500.000 Bilder für die gro­ßen Agenturen nicht so erstre­bens­wert aus wie es noch vor drei Jahren der Fall war. Deshalb wird es in Zukunft eine stär­ke­re Segmentierung bei der Art der Inhalte geben. Einige Agenturen füh­ren die Herde an mit einem vol­len Set an Medieninhalten wie redak­tio­nel­len und kom­mer­zi­el­len Fotos, Illustrationen, Musik, Videos, Programmcode‐Schnipseln und so wei­ter. Diesen Agenturen wird gefolgt wer­den. Jede Agentur, die es aus dem Stand schafft, solch ein vol­les Set an Medientypen anzu­bie­ten, zeigt immer auch, dass sie in der Lage ist, ein kom­ple­xes IT‐System am Laufen zu hal­ten, was dafür not­wen­dig ist. Das nen­ne ich Vertrauen auf­bau­en.
  3. Ein ande­rer viel­ver­spre­chen­der Weg, viel­leicht der Königsweg, ist es, sei­ne Bilder den Kunden zugäng­li­cher zu machen. Das bedeu­tet, die bes­te Unterteilung zu haben, die bes­ten Ranking‐Algorithmen, die bes­te Muster‐ und Farberkennung und die best­mög­li­che Kontrolle über Bildbeschreibungen und die Suchbegriffe. Agenturen gehen schon die­sen Weg. Die bes­ten Bildagenturen haben schon jetzt Ranking‐Algorithmen, die sen­si­bel auf Suchbegriffe reagie­ren – was ein gro­ßer Schritt nach vor­ne ist – und erlau­ben eine gro­ße Auswahl an Möglichkeiten, die Suchergebnisse zu fil­tern und zu sor­tie­ren. Trotzdem haben nur sehr weni­ge Agenturen eine rich­ti­ge gute Begriffsklärung bei mehr­deu­ti­gen Suchwörtern oder ein halb­wegs zuver­läs­si­ges Übersetzungssystem. Weiterhin gibt es noch bes­se­re Wege, um zwi­schen Haupt‐Suchbegriffen und weni­ger wich­ti­gen Suchwörtern zu unter­schei­den. Zu die­sem wich­ti­gen Thema kann noch viel geschrie­ben wer­den und es ist sicher eine nähe­re Betrachtung in einem spä­te­ren Blog‐Artikel wert.
  4. Wo wir bei Segmentierung und Differenzierung sind: Einige Agenturen begin­nen zu ver­ste­hen, dass es tat­säch­lich ver­schie­de­ne Werte für ver­schie­de­ne Inhalte gibt. Einige Premium‐Fotos soll­ten ein­fach nicht zu tra­di­tio­nel­len Microstock‐Preisen ver­kauft wer­den, obwohl sie per­fekt als lizenz­freie Bilder ver­kauft wer­den kön­nen. Deshalb wer­den Premium‐Kollektionen in Zukunft zuneh­men.
  5. Aktive Inhalte‐Entwicklung als Gegensatz zur Methode „Einfach war­ten und gucken, was uns die Fotografen anbie­ten“, wird eine grö­ße­re Rolle spie­len. Lokale Bilder müs­sen ange­lockt wer­den und da soll­te man nicht nur „China, Korea und Brasilien“ den­ken, son­dern zum Beispiel auch „Oktoberfest“. Ich bin davon über­zeugt, dass mit­tel­fris­tig „Inhalte‐Entwicklung“ auch „Inhalte‐Überwachung“ bedeu­tet, oder weni­ger euphe­mis­tisch for­mu­liert: Die pein­li­chen Bilder der Anfangszeit müs­sen end­lich aus­sor­tiert wer­den. Und davon gibt es eine gan­ze Menge.
  6. Agenturen müs­sen zukünf­tig wei­ter ver­su­chen, neue Märkte zu erschlie­ßen. Es gibt unglaub­lich vie­le Märkte da drau­ßen, die kaum ange­fasst wur­den und nur dar­auf war­ten, beackert zu wer­den.
  7. Bildagenturen schei­nen die Idee nicht zu mögen, ihre Bildlieferanten als Geschäftspartner zu sehen. Langfristig lässt sich das jedoch nicht ver­mei­den, sie als sol­che zu behan­deln, wenn die Agenturen gute Talente hal­ten wol­len. Dafür müs­sen sie den Fotografen auch viel bes­se­re Mitgliedsbereiche geben. Ein ers­ter Schritt in die rich­ti­ge Richtung wäre ein zwei­ge­teil­ter Mitgliedsbereich, einer für das Editieren von Inhalten, einer für die finan­zi­el­len Belange. So wäre es mög­lich, dass ein Fotograf sei­ne Bildbearbeitung oder Verschlagwortung aus­la­gert und trotz­dem die Kontrolle über sei­ne Finanzen behält. Es ist eine Schande, dass das heut­zu­ta­ge bei den meis­ten Agenturen nicht mög­lich ist. Dazu kommt, dass die Werkzeuge, wel­che die Bildagenturen den Fotografen bie­ten, um ihre Verkäufe zu ana­ly­sie­ren, gelin­de gesagt ein Witz sind.
  8. Es gibt noch vie­le ande­re Dinge zu tun oder zu berück­sich­ti­gen. Ach, am Ende des Tages müs­sen auch Agenturen ihre Marketing-Gelder sinn­voll ein­set­zen. Das mag nach einer Banalität klin­gen, aber es ist trotz­dem wahr: Sei cool und erzäh­le den ande­ren davon auf eine Art und Weise, die glaub­haft ist.