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Das Geschäftsmodell hinter kostenlosen Bildern am Beispiel Unsplash

Vor einer Weile hat­te ich hier ver­sucht, das Geschäftsmodell der Firma Pixabay zu ver­ste­hen, wel­che mit kos­ten­lo­sen Bildern Geld ver­die­nen wol­len.

Zerstört Unsplash die Stockfotografie? Kostenloses Bild aus der Unsplash Collection.

Eine ähn­li­che Firma, jedoch mit grö­ße­rer inter­na­tio­na­ler Bekanntheit ist Unsplash. Diese betrat 2013 als ein­fa­cher Tumblr-​Blog die Bühne, auf dem 10 kos­ten­lo­se Bilder geteilt wur­den. Aktuell sind über 806.000 kos­ten­lo­se Bilder online, die ins­ge­samt über 758 Mio. kos­ten­lo­se Downloads erzielt haben. Diese und vie­le wei­te­re span­nen­de Zahlen sind hier auf der Statistik-​Seite von Unsplash nach­zu­le­sen.

Im Schnitt wer­den aktu­ell ca. 18 Bilder pro Sekunde run­ter­ge­la­den. Das wären über 46 Mio. kos­ten­lo­se Downloads im Monat! Zum Vergleich: Shutterstock kam im 3. Quartal 2018 auf „nur“ ca. 14,6 Mio. bezahl­te Downloads pro Monat. Namensnennung der Fotografen ist bei Unsplash übri­gens auch kei­ne Pflicht.

Eine Auswahl der öffent­li­chen Unsplash-​Statistiken

Zum Team von Unsplash gehö­ren min­des­tens 15 Leute, dar­un­ter die vier Gründer, das Ehepaar Mikael Cho und Stephanie Liverani, Luke Chesser und Angus Woodman sowie Entwickler, Designer, Programmierer und Kuratoren.

Im Januar 2017 wur­de Unsplash, wel­che bis dahin ein „Hobbyprojekt“ von Mikael Cho und den ande­ren Gründern war, in die „Unsplash Inc.“ fir­miert.

Die span­nen­de Frage ist: Von was wird die­se gro­ße Anzahl Mitarbeiter bezahlt? Wie ver­dient die kana­di­sche Firma „Unsplash Inc.“ ihr Geld, wenn sie ihr Produkt kos­ten­los ver­teilt?

Wie hier aus­führ­lich nach­zu­le­sen ist, bestand der Vorteil und Nutzen von Unsplash für die Gründer anfangs dar­in, dass die­ses Nebenprojekt viel Aufmerksamkeit und neue Kunden auf ihre Hauptfirma „Crew“ lenk­te. Unsplash war also nichts ande­res als cle­ve­res „Content Marketing“, wo mit wert­vol­len (weil kos­ten­lo­sen) Inhalten Aufmerksamkeit auf etwas ande­res gelenkt wur­de.

Das wäre soweit ja in Ordnung, wenn die Unsplash-​Fotos wei­ter­hin aus­schließ­lich von Crew-​Mitarbeitern kämen. Nach eige­nen Angaben ist aktu­ell zwar wei­ter­hin die – bezahl­te – Unsplash-​Mitarbeiterin Annie Spratt die aktivs­te Fotografin auf Unsplash, trug mit ca. 4600 Bildern aber ins­ge­samt weni­ger als 0,6% der über 795.000 Fotos bei.

In die­ser Liebeserklärung an die Firma Unsplash erklärt der Hobbyfotograf Rahul Chowdhury, war­um er neben Bildagenturen jetzt auch Unsplash belie­fe­re:

Obwohl ich nicht auf­hö­ren wer­de, Stockfotos zu ver­kau­fen, wer­de ich von jetzt an sicher­stel­len, dass ich einen anstän­di­gen Teil mei­ner Arbeit mit der Welt gegen Lächeln und Dankbarkeit durch die­se lie­bens­wer­te Gemeinschaft tau­sche.“

Der Haken dabei? Unsplash ist längt kein Marketing-​Instrument mehr und schon gar kei­ne unei­gen­nüt­zi­ge Gemeinschaft, die nur das Wohl der finanz­schwa­chen Grafiker und Webdesigner im Blick hat.

Dieser Quelle nach bekam Unsplash schon 2015 eine Investition von 8,5 Mio USD, von der ca. zwei Jahre spä­ter noch 5 Mio. USD übrig waren. Das bedeu­tet, dass Unplash 2015 und 2016 pro Jahr ca. 1,75 Mio. USD Ausgaben ver­schlang.

Im Februar 2018 gab Unsplash bekannt, dass sie 7,25 Mio. USD von ins­ge­samt acht Investoren (Jason Goldberg/​Simple Token, Accomplice, Betaworks, Mark Bonchek, Real Ventures, Roger Dickey/​Gigster, Clark Valberg/​InVision, Rahul Vohra/​Superhuman) erhal­ten haben. Andere Quellen spre­chen sogar von 10,3 Mio. USD. Den obi­gen Zahlen nach wäre damit die Finanzierung von Unsplash für wei­te­re vier Jahre gesi­chert.

Die über 116.000 Fotografen bekom­men davon aber kei­nen Cent ab, abge­se­hen von der Handvoll, die tat­säch­lich direkt bei Unsplash ange­stellt ist. Dabei wird stän­dig von der „Community“ gere­det, die den Kern von Unsplash aus­ma­che, die so wich­tig und wert­voll sei. Ja, weil sie beschei­den ist, nichts von den Millionen abha­ben zu wol­len.

Unsplash wirbt immer­hin damit, dass die Fotografen „Links zu ihrem eige­nen Business anzei­gen las­sen und damit von Unsplash’s Traffic pro­fi­tie­ren kön­nen“. Einer der welt­weit größ­ten Stockproduzenten, die bri­ti­sche Firma „Rawpixel Ltd“. hat das aus­pro­biert und bie­tet neben ca. 260.000 Stockfotos bei den übli­chen Bildagenturen wie Adobe Stock oder Shutterstock auch über 2600 pro­fes­sio­nel­le Stockfotos kos­ten­los auf Unplash an. Das sind ca. 1% der bezahl­ten Bilder.

Ich habe den Rawpixel-​Gründer Rob Churchill zu sei­nen Beweggründen gefragt, war­um er kos­ten­lo­se Bilder anbie­te. Hier sei­ne über­setz­te Antwort:

Vor eini­gen Jahren haben wir uns ent­schie­den, unse­re eige­ne Website auf­zu­bau­en. Hauptsächlich, um unse­re Aktivitäten krea­ti­ver zu gestal­ten und hof­fent­lich ein gutes Unternehmen für uns, die Kunden und die Gemeinschaft auf­zu­bau­en. Es gibt zwei Hauptgründe, war­um wir einen Teil unse­res Inhalts als kos­ten­lo­se Bilder auf unse­rer eige­nen Website und eini­gen ande­ren wie Unsplash anbie­ten.

Erstens, um den Verkehr auf unse­re Website zu len­ken. Anstatt die unmög­li­che Aufgabe zu ver­su­chen, mit den bestehen­den Agenturen durch bezahl­te Werbung zu kon­kur­rie­ren, ist es für uns viel sinn­vol­ler, all unse­re ver­füg­ba­ren Ressourcen in die Erstellung von Inhalten zu inves­tie­ren und dann einen Teil davon frei zu machen, um die Menschen für Rawpixel zu gewin­nen.

Zweitens passt es gut zu unse­rem Manifest ‚Unsere Mission ist es, jedem, der die Menschen befä­higt, Kreativität zum Guten ein­zu­set­zen, inspi­rie­ren­de Gestaltungsressourcen zur Verfügung zu stel­len.‘ Es ist schön zu wis­sen, dass jeder Zugang zu eini­gen unse­rer Arbeiten unab­hän­gig von sei­ner finan­zi­el­len Situation haben kann.

Funktioniert es? Ja, ich den­ke schon, wir haben zwar noch einen lan­gen Weg vor uns, aber die Zeichen sind viel­ver­spre­chend und wir freu­en uns auf die Chancen, die sich in der Zukunft eröff­nen wer­den.

Ich weiß, dass dies ein heik­les Thema ist, und ich bin sicher, dass es die Microstock-​Industrie bis zu einem gewis­sen Grad beein­flus­sen wird, aber das „kos­ten­lo­se Bilder“-Modell ist hier und wird nicht gehen und ich glau­be, wir müs­sen uns an die Situation um uns her­um anpas­sen. Ich bin nicht zuver­sicht­lich in Bezug auf die Zukunft der wich­tigs­ten Microstock-​Agenturen und glau­be, dass sie in den letz­ten Jahren mehr hät­ten tun kön­nen, um Kontributoren wie uns zu unter­stüt­zen, und dadurch wären sie selbst in einer stär­ke­ren Position.“

Auch hier spielt also der Marketing-​Effekt eine Rolle. Ich bezweif­le jedoch, dass die­ser lang­fris­tig aus­reicht, denn wer nach kos­ten­lo­sen Bildern sucht, ist in der Regel wenig geneigt, plötz­lich doch Geld für Fotos aus­zu­ge­ben.

Werbung auf Unsplash

Neben den Investoren gibt es noch ande­re Geldquellen für Unsplash: Zum einen gibt klas­si­sche Werbeeinblendungen auf der Webseite, zum Beispiel rechts unter dem Suchfeld (sie­he Screenshot oben).

Darüber hin­aus gibt es jedoch ethisch deut­lich frag­wür­di­ge­re Methoden. Sucht ein Nutzer bei­spiel­wei­se nach „shoes“, oder „juice“, wer­den neben nor­ma­len Fotos ande­re ange­zeigt, die Werbung sind. Im Schuh-​Beispiel sind die ers­ten drei Treffer zum Beispiel kos­ten­lo­se Fotos mit Schuhen „spon­so­red by Timberland“, beim Saft steht „spon­so­red by DOSE Juice“. Hier ist die Werbekennzeichnung noch erkenn­bar, aber sobald ein Nutzer ein sol­ches Foto run­ter­lädt und wei­ter­ver­wen­det, bleibt von der Kennzeichnung nichts mehr übrig. Andere Leute erken­nen dann nicht mehr, dass das Bild mal bezahl­te Werbung war. Ebenso span­nend ist, dass es eine eige­ne Kollektion auf Unsplash mit dem Namen „Native Advertising on Unsplash“ gibt, kura­tiert vom Unsplash-​Co-​Gründer Luke Chesser. Dort wer­den neben den Beispielen Timberland und DOSE Juice expli­zit auch „Google Chromebooks“ und „Maledives Tourism“ als Kunden genannt und dazu­ge­hö­ri­ge Fotos gezeigt, aber die­se sind schon bei Unsplash teil­wei­se nicht als „spon­so­red by“ gekenn­zeich­net. Zufällig befin­den sich immer auch eini­ge die­ser Fotos auf der Startseite von Unplash.

Native Advertising ist eine dreis­te Form von Schleichwerbung“,

sagt Peter Figge, Vorstand der Werbeagentur Jung von Matt, gegen­über dem Spiegel.

„Native Advertising“-Kollektion auf Unsplash

Ein Fotograf sol­cher Bilder, der anonym blei­ben will, beschreibt die Zusammenarbeit so:

Unsplash koope­riert mei­nes Wissens nach öfters mal mit etwas grö­ße­ren Firmen. Ich war sel­ber lan­ge Zeit nicht mehr wirk­lich aktiv auf Unsplash, wenn es dar­um geht, sel­ber Bildmaterial hoch­zu­la­den. Viel mehr benut­ze ich es sehr oft als Bildquelle für qua­li­ta­tiv gute und kos­ten­lo­se Bilder, da ich Designer bin und oft mit sowas in Kontakt tre­te.

Eines Tages habe ich eine per­sön­li­che E‑Mail von einem Admin von Unsplash erhal­ten mit dem Angebot für eine Timberland-​Kooperation Bilder zu schie­ßen. Ursprünglich gab es eine Art ‚Wettbewerb‘, wo jeder mit­ma­chen konn­te. Dieser galt qua­si als Bewerbung für das Projekt. Mich hat man völ­lig über­ra­schend ein­fach mit ins Boot geholt, weil irgend­wel­chen dafür ver­ant­wort­li­chen Menschen von Timberland mei­ne Bilder gut gefal­len haben. Die Klamotten der neu­en Winterkollektion wur­den uns dann per Post gesen­det. Es gab jeweils eine Herren- und Damenkollektion. Die Sachen hat nach zwei Wochen ein Kurier von Timberland wie­der abge­holt.
Das Ganze wur­de ganz nor­mal bezahlt wie ein rich­ti­ger Fotoauftrag. Ein erfah­re­ner und aner­kann­ter Fashionfotograf wäre mit dem Endgeld nie­mals zufrie­den gewe­sen. Aber wenn man die Umstände beach­tet, unter ande­rem dass ich abso­lut kein pro­fes­sio­nel­ler Fotograf bin und zuvor noch nie einen wirk­li­chen Auftrag hat­te (und so ergeht es dem Großteil der Teilnehmer), ist die Bezahlung mehr als fair. Alles in allem ist das Ganze eine tol­le Sache, da man auch die gan­zen Prozesse mit­be­kommt.“

Es gibt auch eini­ge Accounts, die offen­sicht­lich von den gezeig­ten Marken selbst betrie­ben wer­den, wie die­se von Loewe Technologies, Modern Essentials oder Frame Kings. Angesichts der Debatte um die Werbekennzeichnungen bei Instagram kann es hier sicher nicht mehr lan­ge dau­ern, bis es Probleme geben wird.

Es wird oft, wie bei­spiel­haft hier, argu­men­tiert, dass Unsplash kei­ne Bedohung für Fotografen sei, weil die­se durch den Unsplash-​Traffic zu Aufträgen kom­men wür­den. Ich glau­be aber, dass Unsplash eine direk­te Bedrohung für die Firmen ist, die aus­schließ­lich von der Bildlizenzierung leben, zum Beispiel Shutterstock oder Adobe Stock.

Selbst wenn es für etli­che Nischen bei den kom­mer­zi­el­len Bildagenturen deut­lich mehr Bilder zur Auswahl gibt, ent­zieht Unsplash bei den gene­ri­schen Motiven den Fotografen einen Grundumsatz, der nur mit sel­ten nach­ge­frag­ten Motiven logi­scher­wei­se schwer auf­ge­fan­gen wer­den kann. Zur Erinnerung: Wir reden von über 46 Mio. kos­ten­lo­sen Downloads pro Monat.

Insofern fin­de ich es bedenk­lich, dass auch Adobe in sei­ner „Adobe Spark“-App den Nutzern kos­ten­lo­se Unsplash-​Bilder anbie­tet, statt eine eige­ne Kollektion sol­cher Bilder auf­zu­bau­en, von wo aus der Traffic zur bezahl­ten Adobe Stock-​Kollektion gelenkt wer­den kann. Eine ähn­li­che Unterstützung kann bei Pixabay gefun­den wer­den, wo die Seite erklär­ter­ma­ßen von den Affiliate-​Einnahmen durch Shutterstock über­lebt.

Für Unsplash sind die Fotos nur ein Mittel zum Zweck. Es geht nicht um groß­ar­tig kura­tier­te Fotografie, es geht um Traffic und Community-​Building. Das sind die Werte, für die sich Investoren inter­es­sie­ren und für die sich Unsplash bezah­len lässt. Es wirkt ein biss­chen wie ein Schneeballsystem, wenn bezahl­te Fotografen wie Annie Spratt durch ihre Social-​Media-​Accounts Unsplash hypen, was wie­der­um die gro­ße Masse an ande­ren Fotografen anlockt, die dann nicht mehr bezahlt wer­den, aber den Traffic und das Community-​Engagement lie­fern, für das dann die gro­ßen Firmen bezah­len. Nur Unsplash natür­lich, nicht die ein­zel­nen Fotografen.

Die Fotografen und auch Kunden tra­gen aber das recht­li­che Risiko der Unsplash-​Nutzung, denn Informationen über Markenrechte, Persönlichkeitsrechte, Designschutz und ande­re „Rechte Dritter“ sind bei Unsplash nur spär­lich zu fin­den. Was für Kunden und Fotografen „nur“ recht­lich ris­kant ist, ist für Unsplash auch ein ein­ge­spar­ter Kostenfaktor: Im Gegensatz zu den Microstock-​Agenturen, wel­che vie­le Mitarbeiter bezah­len, nur um ein­ge­reich­te Fotos auf Rechte Dritter zu prü­fen, spart sich Unsplash die­se Ausgaben.

Es ist schon para­dox: Bei den Microstock-​Agenturen dür­fen zum Beispiel der Produktname „iPhone“ oder der Firmenname „Apple“ nicht im Titel oder den Keywords genannt wer­den, selbst der cha­rak­te­ris­ti­sche run­de „Home“-Button darf nicht sicht­bar sein. Bei Unplash gibt es mehr als 3300 kos­ten­lo­se „iPhone“-Bilder, mit denen der Nutzer laut Lizenz sogar mehr machen darf als bei Shutterstock oder Adobe. Entweder ist Apple da deut­lich läs­si­ger als die Microstockagenturen behaup­ten oder die gro­ße Anwaltskeule wird spä­ter zuschla­gen. Mehr dras­ti­sche Beispiele für recht­li­che Probleme bei Unsplash lie­fert Henrik Heigl hier.

iPhone-​Fotos auf Unsplash ohne Hinweis auf Markenrechte

Geht es aber um die Fotos selbst, wird Unsplash plötz­lich gran­tig. Anfangs wur­den die Unsplash-​Bilder unter einer „Creative Commons Zero/​Public Domain“-Lizenz ange­bo­ten. Einige cle­ve­re Geschäftemacher began­nen jedoch, sich vie­le Unsplash-​Bilder run­ter­zu­la­den und sie selbst gra­tis auf ihren eige­nen Webseiten anzu­bie­ten und durch Werbeeinblendungen damit an Unsplash vor­bei Geld zu ver­die­nen. Deshalb wur­de im Juni 2017 die Lizenz geän­dert, um expli­zit aus­zu­schlie­ßen, mit den Bildern „kon­kur­rie­ren­de oder ähn­li­che Dienstleistungen“ auf­zu­bau­en. Da hört dann die Gemeinnützigkeit auf.

Selbst als Unsplash 2016 ein Buch mit den kos­ten­lo­sen Fotos und Essays raus­gab, wur­de das Buch nicht von Unsplash finan­ziert, son­dern Unsplash-​Gründer Mikael Cho star­te­te eine Kickstarter-​Kampagne, mit der über 100.000 USD von der Community ein­ge­sam­melt wur­den.

Die Diskussion um die Schädlichkeit oder Nützlichkeit von Unsplash erin­nert mich sehr stark an die Debatte vor zehn Jahren beim Aufkommen der Microstock-​Agenturen, wel­che die Existenz der Makrostock-​Agenturen bedro­hen wür­den. Heute wis­sen wir, dass es zwar noch wel­che gibt, aber vie­le tat­säch­lich das Handtuch geschmis­sen haben oder wirt­schaft­lich geschwächt sind.

Deshalb neh­me ich an, dass ähn­lich zur Situation vor zehn Jahren Microstock wohl nicht ver­schwin­den wird, aber Unsplash trotz­dem zu einer Konsolidierung der Branche bei­tra­gen wird.

Panthermedia startet Image Streaming

Die Münchener Bildagentur Panthermedia hinkt ja dem Trend immer etwas hin­ter­her.

So will sie jetzt auch in den Bereich des „Bilder Streaming“ ein­stei­gen, bei dem Bildnutzer (Bildkäufer kann man ja gar nicht mehr sagen) Bilder kos­ten­los nut­zen dür­fen, wenn sie die­se zusam­men mit Werbung auf ihrer Webseite ein­blen­den. Panthermedia erklärt das Ganze in einem Newsletter so:

Ein Verlagskunde, Blogger oder Websitebetreiber „streamt“ Bilder (kein Download) von PantherMedia in sei­ne Website. Dazu kopiert er ein Code-​Snippet in sei­ne Website und gewährt PantherMedia dadurch Zugriff auf das Foto und blen­det dar­in von uns geschal­te­te Werbung ein. Für jede Page Impression (Aufruf einer Website bzw. Anzeige eines Fotos) zahlt ein Advertiser eine Gebühr. Diese Gebühr wird auf alle Parteien in der Kette ver­teilt: dem Fotografen, dem Verlag und dem Vermittler des Fotos und der Werbung.

Schon vor über vier Jahren hat genau das der Marktführer Getty Images mit „Getty Embed“ ver­sucht. Sonderlich erfolg­reich scheint die­ses Modell jedoch nicht zu sein. Bisher habe ich das noch NIE in der Praxis irgend­wo auf einer Webseite im Einsatz gese­hen. Warum soll­te auch ein Webseitenbetreiber die Kontrolle über sei­ne Werbeeinnahmen aus der Hand geben, nur um paar Euro für die Bildnutzung spa­ren zu kön­nen?

Natürlich behaup­tet Panthermedia wie auch bei der Einführung ihres Abomodells, dass die­se Sonderlizenz“ für „mehr Einnahmen“ wür­de:

In die­sem Modell hat jeder Teilnehmer Vorteile: Der Verlagskunde nutzt wei­ter­hin recht­lich kon­trol­lier­te Bilder mit ech­ter Lizenz und gro­ßer Auswahl, der Fotograf erhält erfolgs­ab­hän­gi­ge Lizenzeinnahmen auf Basis der Seitenaufrufe, die Bildagentur erhält wie bis­her einen Anteil für die Bildlizensierung und die Advertising-​Agentur für die Werbedienstleistung. Sogar der Advertiser gewinnt in die­sem Modell, denn er erhält einen beson­ders auf­merk­sam­keits­star­ken und kon­text­re­le­van­ten Werbeplatz.

Dabei bedeu­tet das anders for­mu­liert nur: Der Fotograf trägt jetzt das Risiko, ob eine Werbekampagne oder eine Webseite gut läuft, vor­her wird er nicht bezahlt. Dabei hat er auf die Qualität der Werbung oder der Webseite über­haupt kei­nen Einfluss.

Außerdem: Lohnende Werbung erhal­ten vor allem Webseiten mit viel Traffic. Genau die­se Seiten wer­den aber nicht hr lukra­ti­ves Werbegeschäft außer Haus geben und mit Fotografen, einer Bildagentur und einem Werbe-​Publisher tei­len, nur um (je nach Panthermedia-​Abomodell) 32 bis 190 Cent pro Bild spa­ren zu kön­nen.

Meiner Ansicht nach führt das „Image Streaming“, soweit über­haupt von den Kunden ange­nom­men, nicht zu einer Umsatzsteigerung, son­dern zu einer Kannibalisierung. Wurde frü­her der Fotoerlös von zwei Parteien geteilt, also Fotograf und Bildagentur, wol­len beim Image Streaming nun vier Parteien ihren Anteil haben: Fotograf, Bildagentur, Verlag und dem Werbevermittler. Keine Ahnung, wo Panthermedia den Verlag in ihrer Aufzählung her hat, aber den Werbevermittler haben sie mit Adpressi prak­ti­scher­wei­se gleich selbst gegrün­det: So bleibt mehr Geld in der eige­nen Tasche.

Immerhin bie­tet Panthermedia an, die neue Option bis zum 29.11.2018 hier in der Rechteverwaltung im Anbieterbereich deak­ti­vie­ren zu kön­nen, falls man kein Interesse an die­ser Kannibalisierung „zukunfts­wei­sen­den Gelegenheit“ hat. Auch danach ist ein Opt-​Out wei­ter­hin mög­lich.

Künstliche Intelligenz“ als Buzzword darf aktu­ell natür­lich nicht feh­len:

Was wir nun sehr ober­fläch­lich mit „Werbung“ beschrei­ben, ist jedoch eine sehr kom­ple­xe Entwicklung auf Basis künst­li­cher Intelligenz.

Mich wun­dert es fast, dass sie nicht alles auf „Blockchain“-Basis auf­ge­baut haben, um es in der „Cloud“ zu lagern.

Da sich ein Trend nicht alle bil­det, gibt es auch schon eini­ge Mitbewerber, wel­che eben­falls den Markt des „Image Streaming“ beackern wol­len: SmartFrame aus Großbritannien sowie image­pro­tect aus den USA.

Was hal­tet ihr vom „Image Streaming“?

Frankreich schreibt Kennzeichnung für Körper-​Retusche bei kommerziellen Fotos vor

Im Mai 2017 hat­te Frankreich das Dekret Nummer „2017–738“ erlas­sen, nach­dem dar­über ca. acht Jahre lang dis­ku­tiert wur­de. Das Dekret tritt ab dem 1. Oktober 2017 in Kraft. Es beruft sich auf die­sen Gesetzestext im „Code of Public Health“, dar­in steht (laut Google Translate und von mir sinn­ge­mäß gekürzt):

Artikel L2133‑2
Die Fotografien für die kom­mer­zi­el­le Verwendung von Models […], deren Körperaussehen durch Bildverarbeitungssoftware modi­fi­ziert wur­de, um die Silhouette zu ver­fei­nern oder zu ver­di­cken, müs­sen von den Worten beglei­tet wer­den: „Foto retu­schiert“.

Im Dekret 738 steht:

Art. R. 2133–4
Die Verpflichtung nach Artikel L. 2133–2 gilt für Fotografien für die kom­mer­zi­el­le Verwendung von Models, die in Werbebotschaften ein­ge­fügt wer­den, die durch Plakate ver­teilt wer­den oder online […], in Presseveröffentlichungen […], Werbe-​Korrespondenz für Einzelpersonen und Werbe-​Drucksachen.“

[…]

Art. R. 2133–6
Der Werbetreibende stellt die Einhaltung der Verpflichtungen die­ses Kodex sicher.
[…]

Weiterhin heißt es, dass der ergän­zen­de Text „zugäng­lich, gut les­bar und klar dif­fe­ren­ziert in der Werbebotschaft“ ange­bracht wer­den muss.

Übrigens gibt es seit kur­zem eben­falls ein Gesetz in Frankreich, wel­ches Models einen unge­sun­den BMI ver­bie­tet.

Was heißt das auf gut deutsch?

Das bedeu­tet im Klartext, dass Bilder mit Personen, wel­che in Frankreich für Werbezwecke ver­wen­det wer­den, egal ob auf Plakaten, Flyern oder im Internet, mit dem Zusatz „Foto retu­schiert“ ver­se­hen wer­den müs­sen.

Was bedeutet das für Stockfotografen?

Gestern gab es einen Rundbrief der welt­weit größ­ten Bildagentur Getty Images, dass sie auf­grund die­ses fran­zö­si­schen Gesetzes ihre Annahme-​Bedingungen geän­dert haben.

Ab dem 1. Oktober 2017 dür­fen kei­ne Bilder mehr bei Getty Images oder iStock ein­ge­reicht wer­den, auf denen Models so retu­schiert wur­den, dass sie dün­ner oder dicker wir­ken.

Ausdrücklich erlaubt laut Getty Images sind wei­ter­hin Veränderungen an den Personen wie
– ande­re Haarfarbe
– Nasenkorrektur
– Retusche der Haut und von „Schönheitsfehlern“ (Leberflecke, Pickel, Sommersprossen).

Sehr ver­mut­lich wird die­se Regel auch alle Partneragenturen tref­fen, wel­che Getty Images belie­fern, zum Beispiel Westend61, EyeEm, F1 Online oder Imagebroker.

Ebenfalls zu ver­mu­ten ist, dass ande­re Bildagenturen nach­zie­hen wer­den. Möglich wäre es jedoch, dass nicht alle Agenturen pau­schal die­se Art von Fotos ver­bie­ten, son­dern zum Beispiel eine Checkbox ein­füh­ren, bei der der Fotograf ange­ben kann, ob die Kontur eines Models ver­än­dert wur­de.

Für mich selbst ändert sich nichts, da ich bis­her noch nie die Silhouette eines Models ver­grö­ßert oder ver­klei­nert habe.

Wie sieht es bei euch aus?
Wer ist betrof­fen?

Frage von Photography Q & A – Selbstvermarktung für Fotografen

Vor über zwei Jahren habe ich hier im Blog das Buch „Photography Q&A“ von Zach Arias vor­ge­stellt und mei­ne Leser auf­ge­for­dert, mir eben­falls Fragen in den Kommentaren zu stel­len. Zwei die­ser Fragen woll­te ich dann im Blog beant­wor­ten.

Die ers­te Frage, wel­che Blitze ich benut­ze, habe ich vor lan­ger Zeit hier beant­wor­tet.

Kompass-V04-wide-selbstvermarktung_kleinHeute ist nun die zwei­te Frage an der Reihe, die sich rund um das Thema „Selbstvermarktung“ dreht. Genau genom­men haben meh­re­re Leser ähn­li­che Fragen gestellt, wel­che das Thema „Selbstvermarktung“ mit unter­schied­li­chen Schwerpunkten auf­grei­fen.

Hier die Fragen:

Vorweg erst­mal: inter­es­san­ter Blog, ich bin gera­de “drü­ber­ge­stol­pert”.
Daraus ergibt sich auch mei­ne Frage:
Wie wich­tig sind die­se Standbeine für Fotografen? Ich ken­ne kaum einen Fotografen, der “nur” Bilder anbie­tet. Es wer­den Blogs betrie­ben, Workshops oder Coachings ange­bo­ten, Bücher geschrie­ben. Alles sehr zeit­auf­wän­di­ge Tätigkeiten. Sind die­se Aspekte über­le­bens­wich­tig gewor­den als Fotograf? Oder stel­len die­se Bereiche ein­fach einen net­ten Nebenverdienst dar, der auch noch Spaß macht? Gruß, Johannes“

Meine Frage: Wie wich­tig ist Facebook-​Marketing für dich und akqui­rierst du auch grö­ße­re Kunden über dei­ne Facebookseite? Vielen Dank! Justus“

Womit lässt sich dei­ner Meinung nach besser/​eher Geld ver­die­nen? Mit einem erfolg­rei­chen Blog oder mit Stockfotos?“

Hallo Robert,
mei­ne Frage bezieht sich auf das eige­ne “Branding”, also wie stellt man es an, sei­ne eige­ne “Marke” als Fotograf bekann­ter zu machen. Und wel­che Methoden/​Mittel bie­ten sich an? Als Einzelkämpfer (ohne Angestellte) ist das ein Faktor, der neben der eigent­li­chen Arbeit oft zu kurz kommt. Wie machst du dir einen Namen bzw. wir hast du es geschafft, den “Robert Kneschke” bekannt zu machen? Spielt in der Stockfotografie bei­spiels­wei­se die Menge der Fotos, die man in Agenturen plat­ziert hat, eine ent­schei­den­de Rolle? Sprich: ab wann sucht jemand in der Agentur oder einer Suchmaschine gezielt nach dei­nem Namen, um Fotos von dir ange­zeigt zu bekom­men? Und einen eige­nen “Bildstil” zu ent­wi­ckeln, um sich von der Masse abzu­he­ben, wird nach mei­ner Einschätzung immer schwie­ri­ger. Ist es vor allem und zuerst ein Blog, das Aufmerksamkeit erregt? Ist es das Kommentieren bei ande­ren, sind es Facebook & Co? Viele Grüße, Nora“

Damit ihr mei­ne Antwort rich­tig ein­ord­nen könn­te, möch­te ich beto­nen, dass ich nur von der Stockfotografie lebe und kei­ne Aufträge anneh­me. Das heißt, vie­le der Marketing-​Maßnahmen, die ich für unnö­tig hal­te, mögen für einen Auftragsfotografen über­le­bens­wich­tig sein und anders­rum.

Im Gegensatz zu eini­gen mei­ner Fotografie-​Kollegen sind mei­ne Aktivitäten neben der Kamera eher gering. Ich betrei­be zwar seit ca. acht Jahren ger­ne die­sen Blog „Alltag eines Fotoproduzenten“ und im Laufe der Jahre sind mei­ne bei­den Sachbücher „Stockfotografie“* und „Die Arbeit mit Models“* hin­zu­ge­kom­men. Vorträge und Seminare gebe ich jedoch nur sel­ten, viel­leicht zwei bis vier Mal im Jahr (das nächs­te Mal übri­gens wie­der auf der Photokina 2016).

Aber ganz nüch­tern betrach­tet: Ich könn­te locker auf die weni­gen Einnahmen der Bücher, vom Blog und den Vorträgen ver­zich­ten und damit viel­leicht sogar mehr ver­die­nen, weil ich in der frei­en Zeit mehr Stockfotos pro­du­zie­ren wür­de.

Andere Kollegen haben hin­ge­gen ber­ge­wei­se Workshops, DVDs und Seminare im Angebot, ver­öf­fent­li­chen deut­lich mehr Artikel in ihren Blogs und ihren Social-​Media-​Kanälen und so wei­ter. Der Unterschied ist jedoch: Diese Leute leben eben haupt­säch­lich davon, die­se Produkte sind ein wich­ti­ger, wenn nicht der größ­te, Teil ihrer Einnahmequellen. Vielleicht könn­te man die­se Leute kor­rek­ter als „Foto-​Trainer“ statt als „Fotografen“ bezeich­nen. Das mag sei­ne Berechtigung haben, ist aber als Unterscheidung wich­tig, weil die Zielgruppe eine ande­re ist. Wer sich als Fotograf selbst ver­mark­ten will, muss „Kunden“ für Aufträge errei­chen. Wer als „Foto-​Trainer“ unter­wegs sein will, sucht ande­re Fotografen als Kunden. Ein gutes Beispiel ist Calvin Hollywood, der sich öffent­lich immer öfter als Foto-​Coach statt als Bildbearbeiter dar­stellt.

In die­se „Falle“ bin ich selbst anfangs getappt: Die ursprüng­li­che Idee zu mei­nem Blog war, mich bei mehr Bildkäufern bekannt zu machen. Da ich aber von Foto-​Themen mehr Ahnung habe als vom Verkauf, inter­es­sie­ren sich vor allem ande­re Fotografen, aber nicht so sehr Bildkäufer für die­se Themen im Blog.

Damit ist mein Blog nicht so sehr ein Marketing-​Instrument, wel­ches mehr Bildkäufe bringt, son­dern ein Hilfsmittel, um mich bei Kollegen und Agenturmitarbeitern bekann­ter zu machen, wel­che dann mit mir Informationen und ähn­li­ches aus­tau­schen. Das ist nütz­lich, aber schwer in „mehr „Umsatz“ zu mes­sen.

Ein Blog von einem Fotografen, den ich ger­ne ver­fol­ge, und der sich kon­se­quent an poten­ti­el­le Kunden rich­tet, ist der vom Kollegen Till Erdmenger.

Ähnliches gilt für die Facebook-Präsenz: Während Kollegen wie Matthias Schwaighofer min­des­tens meh­re­re Postings täg­lich abset­zen, sind es bei mir alle paar Tage einer. Auch hier gilt wie­der: Ich muss kei­ne Aufträge an Land zie­hen, weil ich das sowie­so nicht anbie­te. Natürlich kann es pas­sie­ren, dass ein Fotograf, der mei­nem Blog oder mei­ner Facebook-​Seite folgt, eben­falls Grafikdesign für ande­re Kunden macht und dabei mal eini­ge mei­ner Stockfotos kauft, weil er mich durch mei­ne Veröffentlichungen immer im Hinterkopf hat. Ich ver­mu­te jedoch dass die­ser Effekt zu ver­nach­läs­si­gen ist. Die meis­ten Kunden bei Bildagenturen brau­chen ein bestimm­tes Motiv und suchen die­ses, indem sie Suchbegriffe bei den Agenturen ein­tip­pen.

Je spe­zi­el­ler jedoch die Nische, die ein Fotograf bedient, des­to eher kön­nen sich Social-​Media-​Kanäle oder Blogs loh­nen, um sich als Experte für die­ses Gebiet pro­fi­lie­ren zu kön­nen.

Natürlich ist es mög­lich, mit einem Blog mehr Geld zu ver­die­nen als mi Stockfotos, sei es durch Werbung, Ebooks, Affiliate-​Marketing oder ande­re Methoden, aber das erfor­dert grund­sätz­lich ande­re Fähigkeiten als wel­che, die nötig sind, um mit Stockfotos erfolg­reich zu sein.

Ein „Branding“ ist im Bereich der Stockfotografie deut­lich weni­ger nötig als in ande­ren Bereichen. Ich weiß, dass eini­ge Branchengrößen sehr erfolg­reich bei Bildagenturen sind, über die in der Öffentlichkeit fast nichts bekannt ist. „Africa Studio“*, „Ioannis Kounadeas“* oder „Gina Sanders“* sind nur eini­ge Beispiele. Während Auftragsfotografen ger­ne wegen ihres „eige­nen Stils“ gebucht wer­den, sind Stockfotografen Lieferanten für Mainstream-​Looks, die sich natur­ge­mäß weni­ger stark von­ein­an­der abhe­ben oder teil­wei­se sogar kopie­ren.

Viele Tipps für erfolg­rei­ches Fotografen-​Marketing bie­tet übri­gens mein Kollege Michael Omori Kirchner an.

Wie wich­tig ist das Selbstmarketing für euch?
Was funk­tio­niert am bes­ten für euren Bereich?

* Affiliate

Vertraulicher Beta-​Test bei Dreamstime verschenkt Bilder

In der Microstockgroup ver­öf­fent­lich­te ges­tern ein Fotograf die­se Email von Dreamstime, in der ein neu­es „Beta-​Test-​Programm“ vor­ge­stellt wur­de.

Darin ist von einem klei­nen Test die Rede, bei dem Dreamstime-​Bilder für Online-​Werbung genutzt wer­den. Die teil­neh­men­den „Kunden“ sol­len Bilder in klei­nen Auflösungen aus­wäh­len kön­nen für die Verwendung in Online-​Werbeanzeigen, die  – ver­mut­lich – über Werbenetzwerke auf ande­ren Webseiten ein­ge­blen­det wer­den.

Die Bilder bei Dreamstime kom­men von den Fotografen, wel­che die Funktion „Alliances and Partnerships“ (oder sper­ri­ger im Deutschen „Bündnisse und Teilhaberschaften“) akti­viert haben. Hier könnt ihr schau­en, ob die Funktion bei euch an- oder aus­ge­schal­tet ist:

dreamstime-alliances

Die span­nen­de Frage ist nun: Wie viel bekommt der Fotograf für die Nutzung sei­ner Bilder?

Ich ver­su­che mal, den Satz aus der Dreamstime-​Mail so genau wie mög­lich zu über­set­zen

Obwohl es kei­ne Kompensation an Dreamstime oder die betei­lig­ten Fotografen geben wird in der Testphase, soll­te die­se neue Partnerschaft in zusätz­li­cher Sichtbarkeit und Einnahmen für Sie und Dreamstime resul­tie­ren, wenn der Beta-​Test gut läuft. Es gibt zur Zeit kei­ne wei­te­ren Details.“

Also kurz: Die Fotografen erhal­ten kein Geld für die Verwendung ihrer Bilder. In einem Folgebeitrag schreibt Serban Enache, der Gründer von Dreamstime, unter sei­nem Alias „Achilles“, dass Dreamstime ver­su­chen will, nach­träg­lich Bildhonorare für die Verwendung zu zah­len. Nach einem Versprechen klingt das nicht. Unklar ist auch die Länge des Testprogramms. Das klingt nach einer Fortsetzung des Google Drive-​Deals.

Wer nicht möch­te, dass sei­ne Bilder bei die­sem Test dabei sind, muss sich spä­tes­tens bis zum 2.6.2014 kom­plett von dem oben gezeig­ten „Alliances“-Programm abmel­den. Wer wie ich schon abge­mel­det war, wird die oben genann­te Email nicht erhal­ten. Wer dort ange­mel­det ist, erhält die­se Email, wenn eini­ge sei­ner Bilder für die Teilnahme aus­ge­wählt wur­den.