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Interview mit einem Stockfotografie-Aussteiger

Viele Leute versuchen ihr „Glück“ mit der Stockfotografie. Es wird von den Bildagenturen ja auch manchmal etwas zu leicht dargestellt: „Verdiene einfach Geld mit deinen Urlaubsfotos“ oder „Hochladen und Kasse machen„.

Nicht jeder hat dabei Erfolg und etliche hören wieder auf. Über die Gründe dafür spreche ich heute mit dem Fotografen Axel Lauer. Einige Schimpfwörter habe ich euch erspart, denkt euch da euren Teil.

Axel Lauer
Axel Lauer

Robert Kneschke: Wie bist du zur Fotografie und dann zur Stockfotografie gekommen?

Axel Lauer: Zur Fotografie bereits während meiner Schulzeit Ende der 1970er Jahre für unsere Schülerzeitung. Dann habe ich fast zwei Jahrzehnte pausiert, um 1997 wieder damit zu beginnen.

1999 bin ich zu einer einjährigen Reise nach Asien aufgebrochen, die für mich eine Art selbstgewählte Gesellenprüfung war. Ich hatte mir vorgenommen, Fotografie beruflich zu betreiben, sofern es mir gelänge, von der Reise genug taugliche Aufnahmen mitzubringen.
Zur Stockfotografie kam ich erst einige Zeit später. Ich denke das wird so 2008/2009 gewesen sein.

Wie würdest Du Deinen Stil beschreiben?

Oh, das ist schwer und gern würde ich das anderen überlassen. Da ich mich in recht unterschiedlichen Genres umtue, müssen auch die Stilmittel recht unterschiedlich ausfallen.
Ich kann Dir was zu meinem fotografischen Grundsatz sagen:
1: Jeder Mensch hat das Recht auf eine positive Darstellung seiner selbst.
2: Fuck Photoshop. Get it right in camera!

Two young beautyful women with luxurios fantasy headdress wich contains horns of a ram and venetian art-work in a vintage style with lensflare and beautyful bokeh in front of blue lit smoke.
Two young beautyful women with luxurios fantasy headdress which contains horns of a ram and venetian artwork in a vintage style with lensflare and beautyful bokeh in front of blue lit smoke.

Grundsätzlich bin ich gerne „nah dran“, was aber meist die emotionale Nähe zum Subjekt meint und nicht unbedingt den Betrachtungsabstand. Ausserdem halte ich nichts von Pixelschubsereien. Obwohl ich digital fotografiere, denke und handle ich analog. Ansätze wie „Das kann man doch mit Photoshop machen / reparieren“ (die ich leider immer wieder bei meinen Auszubildenden in der Anfangszeit ihrer Ausbildung erlebe), sind mir ein Graus.

Welche Agenturen hast Du beliefert?

Früher hatte ich alle Großen beliefert. Shutterstock, iStock, Pond5, Envato, 123rf, Dreamstime und viele andere mehr. Am Ende belieferte ich nur noch eine Agentur, die sich unter all den moralisch höchst fragwürdigen Ausbeutern als die „Einäugige“ unter den „Blinden“ hervorgetan hatte. Das war Revostock, die aber nun auch Ende 2015 das Zeitliche gesegnet hat.

Beschreibe bitte deine Motivation, bei Bildagenturen hochzuladen und welche Ziele Du Dir dabei gesetzt hast.

Ruhm und Ehre? Broterwerb natürlich! Aber nachdem man sich inzwischen soweit bücken muss, dass einem die Sonne auch zur Mittagszeit im August dorthin scheint, wo sie üblicherweise nicht hinkommt, habe ich einer „Agentur“ nach der anderen den Laufpass gegeben. Ich weigere mich den „Stockfoto-[Schimpfwort]“ zu geben. Wer unbedingt auf deren Baumwollfeldern ackern und den Ast, auf dem er sitzt, absägen will, darf das gerne tun. Ich hintertreibe nur ungern meine eigene berufliche Existenz. Dafür bin ich zu intelligent.

Du hattest irgendwann 25.000 Bilder online. Wie lange hast Du dafür gebraucht, was für Motive, Themen etc. waren das?

Ich habe nie explizit für Stockagenturen produziert, sondern Photostock (insbesondere Microstock) immer als weiteres „Abfallprodukt des Kapitalismus“ gesehen, das ich en passant mitgenommen habe. Die 25.000 Bilder waren also Produkte aus ca. 15 Jahren Berufsleben. Die Themen waren sehr unterschiedlich. Man kann sagen, dass sie aus allem bestanden, was ich ohnehin so fotografiere und darüber gibt unsere Website ganz gut Auskunft.

portrait of a strong punk couple gripping each other by their necks
portrait of a strong punk couple gripping each other by their necks

Welche Bilder haben sich am besten verkauft?

Schrott & Kap Verde. Klingt komisch, ist aber so.

lonely street at night-time on Cape Verde
lonely street at night-time on Cape Verde

Bilder von den Kapverden haben sich deswegen gut verkauft, weil zu der Zeit die ganzen Reiseveranstalter wie die Heuschrecken über diese touristisch einigermaßen unerschlossene Inselgruppe herfielen und Bildmaterial brauchten.

Schrott? Jawohl, und damit meine ich keine Bilder von Lost Places und verrotteten Industrieanlagen, sondern Mist, Müll, belangloser schlecht fotografierter Dreck.

Es gibt hier eine schöne Geschichte: Irgendwann haben wir mal aus Spaß 100 Bilder eines unserer Azubis zu Shutterstock hochgeladen, die wir normalerweise im Papierkorb versenkt hätten.  Wir hatten auf einmal eine sehr hohe Annahmequote und siehe da… der Kram wurde sogar verkauft.
Da Azubis ja in ihrer Anfangszeit immer dieselben fotografischen Kinderkrankheiten durchlaufen (Graffiti, plattgefahrene Getränkedosen, abgefuckte Gebäudefassaden etc.), hatten wir genug „Bilder“, mit denen wir Shutterstock & Co versorgen konnten. Von da an haben wir all das, was wir normalerweise gelöscht hätten, zu Agenturen hochgeladen. Ich denke, die letzten 2.000 der 25.000 Bilder bestanden größtenteils aus „Papierkorbkunst“.
Einer der Bestseller war das hier, da fragt man sich doch, wer so einen Mist kauft und wo das zum Einsatz kommt.

one white egg
one white egg

Bietest Du neben Fotos auch Videos an? Wenn ja, bei welchen Agenturen und gibt es da für Dich Unterschiede?
Ja. Kurz bevor wir auch der letzten Agentur Shutterstock (mal abgesehen von Dreamstime, die trotz Aufforderung zur Löschung unserer Bilder durch unseren Anwalt unsere Bilder immer noch verkauft) den Laufpass gaben, hatten wir ca. 5.000 Videos online.

Auch hier waren wir bei allen relevanten Agenturen vertreten, die Videos anboten. Da wir vor ca. zwei Jahren bereits ausgestiegen sind, kann ich Dir zur aktuellen Situation keine Angaben machen. Ich würde mich jedoch sehr wundern, wenn sich hier irgendetwas zum Besseren verändert hätte.

Damals lag für mich der wesentliche Unterschied in folgenden Punkten:

  • Qualität & Einfachheit des Upload-Prozesses
  • Redaktion
  • Preisgestaltung

Natürlich ist eine Agentur besser, die es einem Fotografen erlaubt, seine Preise selbst zu definieren. Besser noch ist eine Agentur, die Mindestpreise definiert, die den Markt schützt und nicht zum Preisverfall beiträgt.

Es nützt nichts, wenn ein Fotograf seine Preise selbst bestimmen kann, wenn nicht gleichzeitig verhindert wird, dass irgendwelche [Schimpfwort] „Kollegen“ Dumping betreiben.

Wie waren Deine Umsätze bei den Agenturen, welche Agenturen liefen besser, welche schlechter?
Wie bereits gesagt: Stock war nie mein Business. Die ganze Verwaltung wurde von einem Angestellten erledigt mit einem Aufwand von ca. 20 Stunden / Monat. Eingenommen haben wir ca. 1200€ / Monat.

Die Verteilung der Einnahmen entsprach so ziemlich dem Schlüssel, der hier zu sehen ist.

Wie unterscheiden sich für Dich Auftragsfotografie und Stockfotografie?

Sorry, aber die Frage kann ich Dir nicht beantworten da, ich nie „Stockfotografie“ betrieben habe.cIch scoute keine Trends, fotografiere nicht nach den Bedürfnissen des Marktes, sondern das, was mich interessiert.

Large floating blue icebergs in the glacier lagoon Jokulsarlon in Austurland in Eastern Iceland reflected in the calm water
Large floating blue icebergs in the glacier lagoon Jokulsarlon in Austurland in Eastern Iceland reflected in the calm water

Was macht für Dich eine gute Bildagentur aus?

  1. Sie schützt den Markt, seine Preise und damit auch ihre eigene Existenz.
  2. Sie vertritt die Interessen ihrer Fotografen, denn ohne Fotografen wäre sie nur eine leere Website.
  3. Sie erlaubt einem Fotografen, seine Preise selbst zu definieren.
  4. Sie sorgt für einfache Upload & Tagging-Möglichkeiten.
  5. Sie sorgt für kompetente Reviewer.
  6. Sie sorgt für Verkäufe (z.B. auch durch eine gut durchdachte Website nach Usability-Prinzipien).

Wie hat sich aus Deiner Sicht der Stockfotografie-Markt in den letzten Jahren entwickelt?

Dass selbst Adobe, selbsternannter Freund aller Fotografen, Fotolia gekauft hat und damit nun selbst im „Lasst uns ein paar Fotografen ausbeuten Business“ mitspielt, sagt doch alles. Immer höhere Ansprüche an Fotografen bei gleichzeitig immer mieserer Bezahlung. Als Fotograf wirst Du behandelt wie ein rechtloser Bittsteller, der froh sein kann, wenn er bei „Agenturen“ auf Gnade stößt und dort seine Bilder „verkaufen“ darf.

Wie glaubst Du, wird sich der Stockfotografie-Markt entwickeln?

Professionelle Fotografen werden sich aus dem Bereich zurückziehen (wenn es dort überhaupt noch welche gibt). Die Bilderflut wird immer größer. Der Stockmarkt wird vor allem von unpolitischen und unsozial handelnden Handybesitzern & Amateuren beliefert, die auch bereit sind für „exposure“ und einen feuchten Händedruck zu produzieren.

Gab es rückblickend Fehler, die Du im Stockbereich gemacht hast?

Na sicher.

  1. Überhaupt damit begonnen zu haben (wohl der Größte).
  2. Zu Beginn haben wir zu weit gestreut.

Was waren die ausschlaggebenden Gründe, die zu Deinem Ausstieg aus der Stockfotografie führten?

Abgesehen von mieser Bezahlung, Ablehnungsgründen aus „Absurdistan“, Nervereien, immer größerem Aufwand wegen irgendwelcher abstruser neuer Forderungen, schmutzige & heimliche Deals wie der zwischen Depositphotos & Shotshop, der „friss oder stirb“-Mentalität aller (!) Agenturen, dem Abwälzen immer größerer Verantwortlichkeiten auf den Fotografen bei gleichzeitig immer weiter eingeschränkten Rechten? Das reicht doch, oder?
Letzten Endes war es jedoch Shutterstock, die mich dazu gebracht haben, der ganzen Bande den Mittelfinger zu zeigen.

Shutterstock gilt ja als der „Musterknabe“ im Business. Aber auch nur solange man nicht genauer hinsieht. In dem Moment, in dem man als Fotograf seine Rechte wahrnimmt, zeigt Shutterstock sein wahres Gesicht.

Eins von vielen Beispielen: Wer als Fotograf eines seiner Bilder auf einer Website findet, schaut üblicherweise nach, ob das Bild rechtmäßig erworben wurde. Dazu schaut man als erstes in den Bildmetadaten, unter dem Bild oder in Impressum / Bildnachweis. Was tut man also, wenn man dort keinen Hinweis auf einen rechtmäßigen Erwerb findet?

Abmahnung? Nein. Man schreibt einfach eine höfliche Mail an den Betreiber mit der Bitte für das fragliche Bild mitzuteilen, woher er es bezogen hat. Was passiert, wenn Du als Fotograf genau das tust und so Deine Rechte wahrnimmst? Shutterstock beginnt Dir zu drohen.
Hinweise darauf, dass es dein Recht ist zu erfahren, woher jemand eines deiner Bild bezogen hat, werden mit weiteren Drohungen beantwortet. Bist du unartig, schmeißen sie dich raus. Und wer ist schuld daran? Shutterstock! Warum? Wenn eine Agentur auf die Angabe eines Urhebervermerks verzichtet (natürlich nur um noch mehr Kohle abzuzocken)  darf sie sich nicht wundern, wenn Fotografen bei vermeintlichen Urheberrechtsverstößen beim Verwerter nachfragen (müssen!).

Andererseits landen etliche deiner Fotos (Kinderfotos / Portraits & alles Mögliche ) auf übelsten Pornoseiten, die von Shutterstock gezogen wurden (erkennbar am Shutterstock-Wasserzeichen). Informierst du Shutterstock darüber, wird dir in freundlichen Worten versprochen, dass man etwas dagegen unternehmen wird. Und wird etwas dagegen getan? Ich bezweifle es.

Meine Meinung gefragt? Als Fotograf bist Du nichts weiter als Melkvieh. Austauschbar, scheißegal und rechtlos. Ganz besonders gilt das für all jene Agenturen, die nichts weiter sind als die x-te Yankee-Heuschrecke.

Du bist der [Schimpfwort] auf den Baumwollfeldern von Fotolia, Shutterstock & Co.! Die Hartgeld[Schimpfwort] mit der Leica.

Was rätst Du Leuten, die aktuell in die Stockfotografie einsteigen wollen?

Es nicht zu tun! Verkauft eure Bilder selbst! (Symbiostock etc.) Handelt solidarisch!

Darüber hinaus bin ich auch noch Betreiber einer Agentur für SEO & SEM und kaufe im Auftrag meiner Kunden bei den Heuschrecken all das ein, was ich nicht selbst produzieren kann. Ich kenne also beide Seiten und kann sagen, dass es aus dieser Warte auch nicht seriöser zugeht. Ständig widersprüchliche Supportaussagen, nur Verweise auf immer nebulösere AGB, die ins Feld geführt werden, wenn man versucht, eine konkrete Aussage zum Beispiel zur Nutzung auf Facebook & Co. zu erhalten.

Das ganze Business ist moralisch vollkommen verrottet und man muss schon entweder ziemlich blöde, wagemutig oder im Besitz einer vollen Portokasse sein, wenn man sich heutzutage noch traut, seine Bilder bei Bildagenturen zu beziehen. „Kollegen“ wie Benjamin Thorn tragen ihren Teil dazu bei.

Vielen Dank für das Interview.

Geld verdienen mit dem Verkauf von Fotos? Umsätze und Erfahrungen von Microstock-Anfängern

Eine der am häufigsten gestellten Fragen zur Stockfotografie lautet: „Wie viel Geld kann man damit verdienen?“

Ich habe mehrere Jahre lang meine Umsätze und Verkaufszahlen hier veröffentlicht. Aber da ich nun schon seit über zehn Jahren in der Branche tätig bin (mein erstes Foto habe ich online am 22. Juli 2005 verkauft) und das zudem hauptberuflich mache, bin ich nicht mehr der ideale Vergleich für Leute, die erst jetzt mit der Stockfotografie oder Microstock anfangen.

Zum einen hat sich der Markt in den letzten Jahren stark gewandelt und ist schwieriger geworden, zum anderen werden die wenigsten Anfänger gleich Vollzeit Fotos produzieren.

Deshalb möchte ich hier einige Artikel aus dem Internet vorstellen von Leuten, welche die Stockfotografie noch nicht so lange und nicht so intensiv wie ich betreiben.

Dadurch können Neueinsteiger besser abschätzen, wie sie im Vergleich zu ihren Kollegen abschneiden.

  1. Marco Herrndorff
    Marco ist eigentlichselbständiger Unternehmensfotograf und seit ca. einem Jahr lädt er Bilder zu insgesamt acht Microstock-Agenturen hoch. In diesem Jahr hat er knapp 500 Bilder erstellt, die – je nach Annahmequote – bei den Agenturen online sind.
    Hier beispielhaft sein Portfolio bei Fotolia, wo hauptächlich People-Bilder online sind. Unter den Bestsellern sind jedoch auch viele Industrie-Aufnahmen aus seiner Foto-Tätigkeit für Unternehmen.

    Umsatzauswertung 2015 von Marco Hernsdorff
    Umsatzauswertung 2015 von Marco Hernsdorff (Klicken für größere Version)

    2015 hat Marco insgesamt ca. 2000 Verkäufe gehabt, mit denen er ca. 1350 Euro Umsatz erzielte, das wären ca. 112 Euro pro Monat im ersten Jahr, wobei er sicher auch Ausgaben für Model-Honorare, Requisiten etc. hatte. Ca. 90% der Einnahmen wurden von Fotolia und Shutterstock generiert, die restlichen sechs Agenturen trugen nur magere 10% bei. Sein RPI (Revenue per Image, also Umsatz pro Bild) lag bei ca. 2,48 Euro im Jahr.

  2. Florian Blümm
    Florian ist studierter Informatiker, reist aber seit 2011 als digitaler Nomade in der Welt herum. Im Januar 2014 fing er an, Bilder über Bildagenturen zu verkaufen. Er fing mit 13 Agenturen an, im März 2015 sind noch mal 7 Agenturen dazugekommen.Die Fotos macht er auf seinen Reisen, in den zwei Jahren hat er ca. 2150 Bilder hochladen können, hier beispielhaft sein Portfolio bei iStock. Dafür bedient er sich des kostenpflichtigen Services von Stocksubmitter.

    stockfoto-einnahmen-portfolio
    Umsatzentwicklung von Florian Blümm

    Während Florian in den ersten acht Monaten „nur“ ca. 362 US-Dollar Umsatz erzielte, waren es im zweiten Jahr (August 2014-August 2015) schon ca. 2900 USD Umsatz. Das wären pro Monat ca. 242 USD, allein im August 2015, zugegebenermaßen generell einer der umsatzstärksten Monate) waren es über 400 USD. Übers Jahr gerechnet ergibt das einen RPI von 1,35 USD.

  3. Selbstbestimmer Attila
    Inspiriert durch Floran begann Attila, im Oktober 2015, 350 Bilder bei 16 Agenturen hochzuladen. Bei Shutterstock zum Beispiel wurden jedch nur 79 davon angenommen.
    Im November erzielte einen Umsatz von ca. 25 USD mit den Bildern. Im Dezember waren es schon knapp 32 USD Umsatz, bei ca. 500 Bildern online bei Fotolia.Sein Thema sind ebenfalls „typische“ Reisefotos wie Landschaften, Tiere und Architektur. Auch er verwendet StockSubmitter für seine Uploads.
  4. Thomas Zagler
    Thomas ist Mediengestalter und Fotograf und lädt seit Mitte 2012 halbwegs regelmäßig Bilder (Fotos und fast ebensoviele Vektoren) zu fünf Agenturen hoch. Bei Fotolia hat er mittlerweile ca. 380 Bilder online, im Schnitt spricht er von 250 Bildern online.Damit erzielt er nach eigenen Angaben ca. 200 Euro Umsatz im Monat, das wären 2400 Euro pro Jahr. Zu berücksichtigen ist, dass sich Vektoren in der Regel besser verkaufen als Fotos.Seine Motive sind bunt gemischt, von Landschaften, Food und Konzaptbildern ist immer etwas dabei.
  5. Bernd Schmidt
    Fast schon ein alter Hase in dieser Reihe ist Bernd, der 2008 begonnen hat, bei Microstock-Agenturen hochzuladen und dieses Hobby seit 2011 etwas intensiver betreibt.Im Oktober 2015 hatte Bernd knapp 2700 Fotos bei Fotolia online, der Schwerpunkt liegt bei ihm bei Foodfotos. Insgesamt beliefert er 11 Bildagenturen.Im 3. Quartal 2015 erzielte er insgesamt ca. 1216 Euro Umsatz, das wären ca. 400 Euro pro Monat. Diesen Wert konnte er relativ lange halten, auch wenn er mal einige Monate keine Fotos hochlud.
  6. Glenn Nagel
    Glenn ist ebenfalls etwas länger dabei: Seit Ende 2009 lädt er Bilder hoch, bei Shutterstock ist er mittlerweile bei knapp 5000 Fotos angelangt. Daneben beliefert er noch iStock, Dreamstime und Bigstock, also vier Agenturen. Die Themen wie bei vielen hier in der Liste: Reisefotos, Tierbilder und Architektur.2010 bekam er ca. 235 USD pro Monat, 2011 dann über 320 USD pro Monat, 2012 schon über 580 USD pro Monat, 2013 folgten mit 790 USD/Monat. 2014 waren es erstmals über 1000 US-Dollar im Monat.2015 erzielte er ca. 15.000 USD Umsatz, also ca. 1250 USD pro Monat.
  7. Steven Heap
    Unter dem Namen „Backyard Productions“ beliefert Steven unglaubliche 29 Bildagenturen. Begonnen hat er im Januar 2010, er ist also auch schon sechs Jahre dabei. Bei Fotolia hat er knapp 4.300 Bilder online, bei 123rf sind es ca. 6500 Bilder. Da er auch viele redaktionelle Bilder hat, sind es bei Zoonar am meisten mit fast 8400 Fotos. Auch bei ihm überwiegen Reisefotos, Landschaften und Architekturaufnahmen.

    Verteilung der Umsätze bei Bildagenturen bei Steven Heap
    Verteilung der Umsätze bei Bildagenturen bei Steven Heap

    2015 erzielte Steven insgesamt 28.700 USD Umsatz, was durchschnittlich ca. 2392 USD pro Monat entspricht. 2014 lag der Umsatz sogar etwas höher bei 29.980 USD.Mit mehr als 11.000 USD kam der größte Teil des Umsatzes von Shutterstock, gefolgt mit deutlichem Abstand und ca. 3.500 USD durch iStock.

  8. Richard Waters
    Der britische Fotograf bietet nebenbei eher halbherzig seit 2011 ca. 100 Tier- und Reisebilder über Bildagenturen zum Kauf an, hier zum Beispiel bei Shutterstock. Damit hat er immerhin 2015 ca. 170 Euro Umsatz gemacht, 2012 waren es noch ca. 370 Euro.

Nur wenige Agenturen lohnen den Aufwand

Allen Fotografen in dieser Liste ist eines gemeinsam: Der Löwenanteil des Umsatzes wird von wenigen Agenturen erwirtschaftet. Die Fotografen, welche 20 oder gar mehr Ageenturen beliefern, könnten problemlos die Hälfte er Agenturen ignorieren, ohne große Umsatzeinbußen zu haben.

Ich bin es analytisch angegangen: Ich habe die jeweils vier Bestseller-Agenturen für 2015 der oben genannten Fotografen in eine Liste eingetragen und Punkte vergeben. Die Agentur mit dem meisten Umsatz bekam vier Punkte, die mit dem zweitmeisten Umsatz drei Punkte und so weiter.

Das Ergebnis sieht so aus:

  1. Shutterstock: 28
  2. Fotolia: 18
  3. iStock: 15
  4. Dreamstime: 6
  5. Alamy: 5
  6. 123rf: 4

Zu berücksichtigen ist, dass viele der Fotografen in der Liste Reisefotos anbieten und dadurch oft auch redaktionelle Fotos anbieten, welche nur von einem Teil der Agenturen verkauft werden.

Insgesamt gibt die Liste jedoch einen recht akuraten Überblick, welche Agenturen für die Belieferung durch Anfänger sinnvoll sind.

Langer Atem ist gefragt

Die zweite Lehre, die sich mir aus den Umsatzmeldungen erschließt, ist für alte Hasen keine Überraschung, für Einsteiger jedoch oft schwer durchzuhalten: Ein langer Atem ist bei der Stockfotografie gefragt. Microstock ist kein Zaubertrick, um „schnell reich zu werden“.

Die meisten Fotografen erzielen nach 1-2 Jahren signifikante Umsatzschübe, welche aus einer Kombination von mehren Faktoren einstehen: Die Fotografen verstehen und lernen, welche Bilder veräkuflicher sind, sie werden technisch besser und vermeiden mehr Ablehnungen. Die Bilder werden mit zunehmenden Verkäufen weiter vorne bei den Suchergebnissen angezeigt und die Fotografen werden mit der Zeit und mit mehr Verkäufen im Ranking hochgestuft.

Kennt ihr noch mehr Blogs, welche ihre Microstock-Umsätze teilen?
Welche Lehren zieht ihr aus den Erfahrungen der vorgestellten Fotografen?

Fotolia bringt Smartphone-App Instant heraus

Im Forum von Fotolia wurde ja schon seit Tagen gerätselt: Was steckt hinter der neuen Lizenz „Instant Standard“?

Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Instant ist die neue Smartphone-App der Microstock-Bildagentur Fotolia. Die App ist damit der verlängerte mobile Arm der Bildagentur.

Eine Auswahl der aktuellen Bilder in der Instant Collection

Fotografen können mit der App Bilder aufnehmen oder aus ihrem Foto-Archiv wählen, beschneiden, einen „Magic“-Filter drüberlegen (wobei sich hier eher andere Apps wie Instagram, Snapseed und Konsorten für anbieten), diese Fotos dann verschlagworten, ggf. mit Model-Release und/oder Property Release versehen und direkt über das Handy an Fotolia schicken. Auf bestehende Modelverträge bei Fotolia kann ebenfalls von der App zugegriffen werden.

In der App selbst kann der Upload-Status verfolgt werden, also ob die Bilder angenommen oder abgelehnt wurden oder noch in der Warteschlange stecken. Außerdem kann die gesamte Instant-Kollektion durchsucht werden, die zum Start knapp tausend Handy-Bilder umfasst. Die komplette Instant-Kollektion kann hier angeschaut werden. Zur Zeit gibt es die App hier für das iPhone ab Version 4 aufwärts hier im App-Store. Eine Android-Version ist in Arbeit und wird voraussichtlich im November erscheinen. Zusätzlich ist eine iPad-App geplant, mit der Nutzer die Fotolia-Datenbank direkt durchsuchen und sich Bilder auf das Gerät oder in ein Dropbox-Konto runterladen können.

Gesucht werden bei der Instant-Kollektion originelle Lifestyle-Bilder aus dem täglichen Leben und Stillleben und Landschaften mit dem „gewissen Etwas“. Normale Schnappschüsse vom Essen, von Tieren und Pflanzen werden meist abgelehnt. Die gesuchten Stichworte sind hingegen: Spaß, Spontaneität und Kreativität.

Der Verkaufspreis für ein Instant-Foto liegt bei 3 Credits (ca. 3 Euro), die Fotografen erhalten davon ihren ansonsten auch geltenden Prozentanteil je nach Ranking.

Ich habe die App schon installiert und mir genau angeschaut und kann euch einige Tipps geben:

  • Achtet darauf, welche Sprache zum Verschlagworten voreingestellt ist, bevor ihr eure Suchbegriffe eintippt. Zur Auswahl stehen alle Sprachen, die auch auf der Fotolia-Webseite ausgewählt werden können.
  • Der „Magic Filter“ in der Instant-App sorgt mit einem Schieberegler für etwas mehr Sättigung und Kontrast und eine stärkere Vignettierung. Ich bevorzuge aber, die Bilder mit Snapseed vorher zu bearbeiten, um größere Kontrollmöglichkeiten über das Ergebnis zu haben. Aber Achtung: Nicht übertreiben! Wenn zuviele Filter eingesetzt werden, die das Bild dann zu künstlich aussehen lassen, wird das Bild eher abgelehnt.
  • Die Bildqualität der Handys ist aktuell vor allem bei viel Tageslicht am besten. Bilder in Innenräumen oder Außenaufnahmen abends werden ebenfalls eher abgelehnt, weil zuviel Rauschen etc. auf den Bildern ist.
  • Die App fragt beim Bearbeiten der Bilder nur, ob Personen auf dem Bild sind oder nicht. Wer einen Property-Release hinzufügen will, weil beispielsweise erkennbare Innenräume fotografiert wurden, muss aktuell noch so tun, als wären Personen auf den Bildern und statt eines Modelvertrags die passende Eigentumsfreigabe hochladen.
  • Beim Vergleichen meiner hochgeladenen Bilder auf dem iPhone und meinem (kalibrierten) Monitor habe ich den Eindruck, dass das iPhone die Bilder heller als der Monitor darstellt. Das heißt im Umkehrschluss, dass die Bilder dann auf der Fotolia-Webseite etwas zu dunkel wirken. Deswegen wähle ich im Zweifel eher helle Bilder aus oder helle sie mit Snapseed auf.
  • Noch ein Tipp: Mit der Panoramafunktion in der Standard-Kamera des iPhone 4s oder 5 kann man sehr einfach coole Panoramafotos mit bis zu 30 Megapixeln erstellen. Die können ebenalls über Fotolia Instant eingeschickt werden.

Meine Einschätzung:

Die Instant App von Fotolia ist am Anfang im Funktionsumfang beschränkt, aber die Hauptaufgabe wird einfach und leicht erfüllt: Bilder direkt über das Handy an Fotolia schicken zu können. Es ist nicht die erste App, mit der man mit seinen Bildern Geld verdienen können soll und es wird auch nicht die letzte sein.

Von allen von mir bisher vorgestellten Smartphone-Apps ist Instant aber die, welche vom Start weg die meisten Käufer hat. Bei Fotolia sind über 4,2 Millionen Mitglieder registriert, der Großteil davon sind Einkäufer. Genau das ist nicht zu vernachlässigen, denn nur wer die eingeschickten Bilder auch verkaufen kann, wird langfristig erfolgreich sein und die Fotografen zufriedenstellen können.

Was sagt ihr zu der App? Was fehlt euch oder was findet ihr gut?

Smartphone-Apps für den Verkauf von Fotos

Okay, bald ist wirklich Schluss. Das hier ist jetzt schon der vierte Teil meiner Serie über Smartphone-Fotografie und wie man damit Geld verdienen kann. Auslöser für Teil eins war die Entscheidung von Yuri Arcurs, seine Bilder exklusiv bei Getty Images anzubieten. Außerdem investierte er über eine Million US-Dollar in die Startup-Firma Scoopshot, worüber ich im zweiten Teil berichtete. Im dritten Teil habe ich die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Smartphone-Apps zum Fotoverkauf analysiert.

Heute will ich im vierten Teil die mir bekannten Smartphone-Apps vorstellen und was sie ausmacht:

Foap

Screenshot der foap-App

Mit am längsten dabei ist die schwedische Firma Foap, die seit über einem Jahr Bilder per App verkauft. Zur Zeit ist sie nur für iOS verfügbar, aber ab September ist auch eine Android-Version geplant. Üblicher Verkaufspreis ist 10 USD, wobei der Fotograf die Hälfte davon erhält. Wer Bilder mit „Credits“ kauft, zahlt je nach gekaufter Creditmenge nur 7-9 USD. Es werden auch „normale“ Fotos von DSLR-Kameras und so weiter akzeptiert, wenn diese über die App hochgeladen werden. Foap erzielt regelmäßige Verkäufe. Die letzten 20 Verkäufe werden über die App angezeigt.

Neben den regulären Fotoverkäufen startet Foap sogenannte „Missionen“, bei denen Firmen ihre Fotowünsche an die Fotografen herantragen und sagen, wie viel sie bereit wären, dafür zu zahlen. Auch das ist das im dritten Teil schon erwähnte „Work for Spec“, also Auftragsarbeiten, die eventuell nicht bezahlt werden. Erst vor paar Wochen hat Foap genauso wie Scoopshot eine Millionen-Investition erhalten.

Scoopshot

Screenshot der Scoopshot-App

Aus dem Nachbarland Finnland kommt die Konkurrenz-App Scoopshot, über die ich im zweiten Teil ausführlich berichtet habe. Hier liegt der Fokus stärker auf den „Missionen“, für die der Fotograf jedoch nur 2,50 USD erhält, sollte er ein Foto verkaufen. Die verkauften Fotos werden in der App und auf der Webseite angezeigt, eine Verkaufswahrscheinlichkeit von unter 1% scheint normal zu sein. Die App gibt es für das iPhone und für Android. Im Gegensatz zu vielen der anderen Apps müssen die Bilder hier nicht verschlagwortet werden.

123rf On-The-Go

Screenshot der 123rf-App

Einen klassischeren Ansatz verfolgt die Bildagentur 123rf, welche mit „On-The-Go“ den Upload direkt über die App zur Agentur erlaubt. Im Grunde ist die App aber „nur“ eine Erweiterung des normalen Agenturverkaufs. Hilfreich ist zumindest, dass man mit der App seine letzten Verkäufe ansehen kann, auch jene, welche über die Webseite getätigt wurden. Nichtsdestotrotz hat auch 123rf das Konzept der Missionen aufgegriffen und nennt sie „Contests“. Diese werden jedoch von der Agentur selbst ausgeschrieben und ein Gewinnerfoto erhält dann 300 USD.

TWOP

Screenshot der TWOP-App

Die Münchener Firma „The World Of Pictures„, kurz TWOP, versucht sich an einer Mischung aus FOAP und Scoopshot. Die App gibt es aktuell nur für iOS. Die Nutzer können Bilder in den Marktplatz hochladen, wo diese dann je nach Bildgröße für 5 oder 10 Euro netto gekauft werden können. Bei TWOP kann zwischen einer kommerziellen und einer redaktionellen Lizenz gewählt werden. Außerdem haben Bildkäufer ebenfalls die Möglichkeit, Bildanfragen zu stellen, für die sie je nach gewünschter Bildgröße auch nur 5 (Web) oder 10 Euro (Print) zahlen müssen. Die Fotografen erhalten davon die Hälfte. Die meisten Bildanfragen kommen aktuell von TWOP selbst, vermutlich, damit der Bereich nicht zu leer aussieht. Die letzten Bildverkäufe können über die App angesehen werden.

Clashot

Screenshot der Clashot-App

Die Bildagentur Depositphotos startete die App Clashot, mit der sie die „mobile fotojournalistische Arbeiten“ anbieten will. Bisher ist sie nur für iOS erhältlich. Alle Bilder werden nur für die redaktionelle Nutzung verkauft, deswegen muss der Fotograf die Bilder beim Hochladen auch mit Datum, Titel, Kategorie und Suchbegriffen versehen. Wie schon im normalen Agenturgeschäft legt Depositphotos auch hier die Preislatte wieder sehr niedrig. Die Bilder werden je nach Größe für 0,80 bis ca. 4 USD verkauft, wovon der Fotograf 44% erhält, im niedrigsten Fall also 0,35 Cent. Eine erweiterte Lizenz kostet 80 USD.

Streetspotr

Screenshot der Streetspotr-App

Bei der App Streetspotr geht es zwar auch um Fotos, aber oft aus anderen Gründen. Die Firma bewirbt die Nutzer als „mobile Arbeitskräfte“, die unterwegs kleine Aufgaben erledigen sollen. Dzu zählt zum Beispiel das Überprüfen von WLAN-Hotspots, Taxiständen, aber auch das Fotografieren von aktuellen Prospekten, Speisekarten oder Baustellenschildern. Andere Aufträge sind: Überprüfen, ob ein Promotion-Team an der richtigen Stelle steht, sauber angezogen und motiviert ist, mit Barkeepern Video-Interviews über bestimmte Wodka-Marken führen und so weiter. Für mich fühlen sich viele der Aufträge wie Industriespionage an, weshalb ich sie schnell wieder deinstalliert habe.

Außerdem werden für die ca. 0,50 bis 10 Euro Honorar viele verschiedene Details zusätzlich zu einigen Fotos abgefragt. Fehlt etwas oder ist der Auftraggeber mit den gelieferten Infos nicht zufrieden, wird die Bezahlung – den Kommentaren im Appstore nach – gerne verweigert. Die App gibt es für iOS und für Android.

Der Vollständigkeit halber: Streetspotr scheint eine Kopie der 2010 gestarteten App Gigwalk zu sein.

CNN

Screenshot der CNN-App

Ähnlich wie Clashot erlaubt auch die APP des Nachrichtensenders CNN, Fotos und Videos von nachrichtenrelevanten Ereignissen direkt hochzuladen. Der Bereich dafür ist „iReport“, ansonsten fungiert die App als – schlecht layoutetes – Nachrichtenportal des Senders. Positiv anzumerken ist, dass Medien auch als „Gast“ hochgeladen werden können, ohne einen Benutzeraccount anlegen zu müssen. Außerdem hat CNN ebenfalls „iAssignments“, also Fotoaufträge, die jedoch schon mehr in Richtung „Dokumentiere die aktuellen Proteste in Brasilien/Türkei/Ägypten“ etc. gehen.

PicsaStock

Erst vor paar Tagen kündigte der Chef der yourpainting.de, Andre Lutter, die Gründung der Bildagentur PicsaStock an, welche nur Smartphone-Fotos verkaufen will. Eine App gibt es aber noch nicht. Die Fotografen sollen 50% der erzielten Einnahmen erhalten. Wie sich der Dienst gegenüber den anderen etablierteren Firmen abheben soll, ist mir noch unklar.

EyeEm

Die deutsche Firma EyeEm ist ein Instagramm-Klon und verkauft aktuell noch keine Bilder. Laut diesen News sammelte die Firma jedoch erst kürzlich 6 Million USD Risikokapital ein und will bald in den Bildermarkt einsteigen.

Fizwoz und Pictorama

Diese Firma Fizwoz hat sich zum Ziel gesetzt, die News-Handyfotos meistbietend an Nachrichtensender oder andere Medien versteigern zu können. Da ich die App für das iPhone jedoch nicht finde und auch die letzten News auf der Webseite von 2011 sind, denke ich, das Projekt hat sich genauso erledigt wie Pictorama, die deutsche Firma, die Smartphone-Fotos verkaufen wollte und im Februar den Dienst quittiert hat.

Was noch?

Die Bildagentur iStockphoto akzeptiert seit über einem Jahr auch Handyfotos. Dafür gibt es aber keine App, die Fotos müssen direkt über die Agentur-Webseite hochgeladen werden. Hier gibt die Agentur Tipps für die Mobilfotografie. Die Tipps gelten übrigens auch für alle, die gute Fotos mit dem Smartphone machen wollen, ohne diese gleich zu verkaufen.

Auf ähnlichen Umwegen könnten es Handyfotos sogar zum Branchenführer Getty Images schaffen. Wer seine Fotos zu Flickr hochädt, egal ob über deren App für iOS oder Android, kann eine Einladung zur Flickr Kollektion erhalten oder sich mit seinen Fotos dort direkt bewerben. Wie genau das geht, steht alles hier. Dann werden die Fotos sowohl über iStockphoto als auch Getty Images und deren Partneragenturen verkauft.

Nutzt ihr schon Smartphone-Apps zum Bilderverkauf? Und wie sind eure Erfahrungen damit?

Geld verdienen mit dem Verkauf von Smartphone-Fotos?

Es sollte nur ein kurzer Artikel werden. Doch mittlerweile ist mein Text über die Zukunft der Smartphone-Fotografie auf eine dreiteilige Artikelserie angewachsen. Und soviel kann ich verraten: Ein vierter Teil wird auch noch kommen. Hier könnt ihr den ersten und zweiten Teil lesen.

Heute soll es allgemein um die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Smartphone-Apps zum Fotoverkauf gehen im Vergleich zu den aktuellen Wegen des Fotoverkaufs.

Eins vorweg: Ich bin fest davon überzeugt, dass die Qualität von Handy-Kameras kein Argument gegen Fotoverkäufe über das Smartphone ist. Das sage ich einerseits, weil uns die Digitalfotografie das Gegenteil bewiesen hat. Vor ca. zehn Jahren begann die große Debatte unter Fotografen, ob Film oder Digitalfotos besser seien. Noch 2010 erklärte der Profi-Fotograf Ken Rockwell, warum Film seiner Meinung nach nicht aussterben werde. Klar, es gibt auch noch Vinyl-Schallplatten, aber die sind mittlerweile in einem normalen Geschäft genauso oft erhältlich wie 35mm-Filmrollen. Genauso, wie es noch Dampfeisenbahn-Enthusiasten gibt, wird es auch noch eine Weile Analog-Fotografen geben, aber jetzt wo es auch digitale Mittelformat-Kameras gibt, arbeiten Profis nun mal digital.

Die Technik macht sehr schnelle Fortschritte. Ein ganz einfaches Beispiel ist die Entwicklung der Kamera in den sechs iPhone-Generationen, die hier sehr anschaulich verglichen werden. Der gezeigte Qualitätssprung dauerte nur fünf Jahre! Die Ankündigung des Nokia Lumia 1020* mit einem 41-Megapixel-Sensor von Zeiss zeigt, dass die Entwicklung noch lange nicht das Ende erreicht hat. Für Prints bis 13 x 18 cm oder gar für Web-Anwendungen reicht selbst die aktuelle Smartphone-Qualität locker aus und deckt damit einen großen Teil der benötigten Bildanwendungen schon ab. Wer jetzt sagt, dass geringe Schärfentiefe zur bewussten Bildgestaltung oder Telezooms oder große Sensoren für geringes Bildrauschen eine Domäne der DSLRs sind, dem werden spätestens in paar Jahren die Argumente schwinden. Dazu kommen zwei Punkte, welche Smartphones den wuchtigen Digitalkameras voraus haben: Sie sind deutlich leichter und auch immer dabei.

Qualitätsentwicklung am Beispiel der iPhone-Reihe (Foto: Lisa Bettany, Quelle: http://campl.us/posts/6iPhoneCameras)

Wenn wir also davon ausgehen, dass die Bildqualität (bald) nicht mehr entscheidend ist beim Vergleich von Smartphone-Kameras und DSLRs, was bedeutet das für das Geschäftsmodell?

Microstock hat den Markt stark verändert, weil die Bildpreise deutlich billiger waren. Smartphone-Apps zum Fotoverkauf können mit der Bildqualität nicht punkten, denn egal, was ich eben über den Fortschritt der Technik geschrieben habe: Besser werden die Bilder nie werden können, höchstens genauso gut. Es bleiben also entweder niedrigere Preise oder Schnelligkeit. Wer Preisdrücker sein will, muss noch die Microstock-Agenturen unterbieten. Das ist schwer, denn nach den drastischen Preissenkungen bei iStockphoto und der Preisreduzierung für selten verkaufte Fotos bei Fotolia gibt es darunter kaum noch Luft.

„1 Euro“ oder auch „1 Dollar“ sind Preise, hinter denen nicht nur betriebswirtschaftliche Überlegungen stehen, sondern auch psychologische. „Das Foto ist dann Euro wert“, sagt so ein Preis aus. Wer als Bildagentur Fotos für 90 Cent verkaufen will, verankert sowohl beim Fotografen als auch beim Bildkäufer die Aussage, dass die Fotos Centartikel sind, Wegwerfware. Das ist auch einer der Gründe für die Nutzung von „Credits“ als Kunstwährung, weil dann die Preise im Centbereich bei Abos oder nach Mengenrabatt nicht so auffallen.

Ein anderer Vorteil bliebe die Geschwindigkeit. Diese ist bei typischen Microstock-Fotos, die durch generische Motive auf Langlebigkeit getrimmt sind, unwichtig. Eine sehr große Rolle spielt die Geschwindigkeit bei Nachrichtenfotos, weshalb in der Vergangenheit einige Anbieter versucht haben, in diese Nische zu stoßen. Die Idee klang ja einleuchtend: Leute mit ihren immer verfügbaren Smartphone-Kameras sollten als Bürger-Reporter den Nachrichtenmedien billige Fotos liefern.

Getty Images hatte das schon 2007 mit Scoopt versucht, aber 2009 wieder aufgegeben. Vielleicht war Getty da der Zeit zu weit voraus. Auch Yahoo und Reuters starteten 2006 mit „You Witness“ und „Your View“ den Versuch, Bürger(bild)journalismus zu etablieren, gaben aber ebenfalls nach paar Jahren auf. Seit 2009 dann versucht CNN, mit der „iMobile„-App, die Leser zur Meldung nachrichtenrelevanter Inhalte aufzufordern. Der Hauptgrund, warum diese sowie einige ähnliche Dienste langfristig wenig Erfolg haben werden, hat Paul Melcher hier gut analysiert: Den eingesandten Bildern mangelt es nicht an technischer Qualität, sondern ihnen fehlt die „journalistische Bildgestaltung“, die Fähigkeit, mit einem Bild eine ganze Geschichte zu erzählen.

Was bleibt nun übrig? Scoopshot ist im Grunde der Versuch, Auftragsarbeiten für Fotos absichtlich an Leute zu vergeben, die keine Ahnung von der Branche haben, damit sie für viel zu wenig Geld arbeiten. Und selbst das wenige Geld ist nicht immer garantiert. Die Arbeit ist garantiert, der Verdienst nicht. Ähnliche Versuche, nur ohne Smartphone-App, gab es in der Vergangenheit zuhauf. Ein Beispiel ist OnRequest Images, die 2011 aufgehört haben, andere sind microshooting.de oder focalpop.com, beide ebenfalls seit paar Jahren nicht mehr existent.

Wenn solche Portale reihenweise gestorben sind, macht vielleicht die Smartphone-App den Unterschied? Vielleicht. Immerhin ist ja eben der Vorteil, dass das Handy immer dabei ist und man sich bequem in Bus oder Bahn die neuen Anfragen durchlesen kann und falls man gerade paar Minuten Zeit hat und in der richtigen Gegend ist, kann man auch kurz was knipsen. Oder einfach ein Foto hochladen, was eh im Handy gespeichert ist. Die Chancen stehen also besser, aber ab sie für das Überleben ausreichen, weiß ich nicht.

Bisher habe ich zwei verschiedene Geschäftsmodelle erwähnt: Fotojournalismus und Auftragsarbeiten. Das dritte Geschäftsmodell bei Smartphone-Apps, die mit dem Verkauf von Fotos Geld verdienen wollen, ist das ganz klassische Bildagentur-Geschäft. Hier werden einfach Fotos verkauft, oft über die Webseite, die von der Handy-App aus eingeschickt werden. Der einzige Unterschied zu klassischen Microstock-Agenturen ist hier der Anlieferungsweg und die schicke App. Deswegen liegt es nahe, dass diese Agenturen langsam ebenfalls den Weg einschlagen. 123rf hat mit „On-The-Go“ eine solche App zum Hochladen von Handyfotos in den normalen Agenturbestand, iStockphoto akzeptiert seit einem Jahr Handyfotos auf normalen Wege und ich bin sicher, einige andere Bildagenturen arbeiten an ähnlichen Apps.

Eine der wenigen Firmen, die sich ohne einen Hintergrund im Bildermarkt an den Verkauf von Smartphone-Fotos wagten, sind Pictorama und Foap. Pictorama startete Mitte 2012 und vermeldete Anfang 2013 schon das Aus, weil „nicht genügend Leute unsere Bilder kauften„. Foap hingegen lebt noch. Die Preise dort liegen bei 10 Dollar pro Bild. Wer sich auf der App die zuletzt verkauften Bilder anschaut, wird feststellen, dass trotz des Hypes um die Handyfotos viele DSLR-Fotos verkauft werden.

Details eines DSLR-Fotos, welches über Foap verkauft wurde

Weil der Preis jedoch je nach gewünschter Größe deutlich über denen der Microstock-Agenturen liegt und das Hochladen von DSLR-Fotos über den Umweg der App umständlicher ist als direkt eine Microstock-Agentur zu beliefern, sieht auch hier die Zukunft düster aus, je mehr Microstock-Agenturen mit ihren eigenen Apps den Markt entdecken werden. Die Unterschiede, ob ein Foto dann mit einem Handy oder einer Spiegelreflexkamera aufgenommen wurde oder ob es über die Webseite oder eine App hochgeladen wurde, werden dann immer weniger eine Rolle spielen.
Was zählt, ist dann nur der Preis und das passende Motiv.

Im – hoffentlich letzten – vierten Teil werde ich dann alle mir bekannten Apps zum Fotoverkauf auflisten.

Wie seht ihr die Zukunft der Smartphone-Fotografie?

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