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Rezension: CamRanger – Kabellose DSLR‐Fernsteuerung mit dem iPad

Im Blog hat­te eine Lösung vor­ge­stellt, mit der man die Bilder sei­ner DSLR‐Kamera kabel­los direkt auf das iPad, einen Laptop oder ein ande­res Tablet sen­den kann.

Das funk­tio­niert super und nut­ze ich sehr häu­fig. Bisher hat­te mir noch die Möglichkeit gefehlt, die Bilder schon vor dem Auslösen auf einem exter­nen grö­ße­ren Monitor zu sehen, idea­ler­wei­se eben­falls kabel­los. Das soll mit CamRanger* mög­lich sein, wes­halb ich den Hersteller gebe­ten habe, mir ein Testmuster zu schi­cken. Ausgepackt sieht das so aus:

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Das wei­ße Teil unten ist der CamRanger selbst, dazu kom­men zwei Kabel, das wei­ße zum Aufladen des Akkus, das schwar­ze zur Verbindung mit der Kamera, eine Hülle und eine kur­ze Anleitung. Wenn man die­ser Anleitung folgt, ist die Ersteinrichtung des WLAN‐Netzwerks ein­fach und schnell erle­digt. Nüchtern betrach­tet ist der CamRanger näm­lich nichts ande­res als ein Router, wel­cher ein WLAN‐Netz auf­baut, über das dann die Kamera die Daten an eine App lie­fert. Während es für Android dafür eini­ge güns­ti­ge Lösungen gibt – dazu unten mehr – ist das bei Apple auf­grund der restrik­ti­ve­ren Software‐Architektur nicht so ein­fach mög­lich. CamRanger hat des­halb weni­ger Konkurrenz, die sich die Firma mit über 300 Euro pro Gerät gut bezah­len lässt. Es wer­den die gän­gigs­ten Canon‐ und Nikon‐Kameras unter­stützt. Der Akku soll ca. 4–6 Stunden hal­ten. Es ist etwas irri­tie­rend, dass an bei­den Seiten ein wei­ßer Schalter ist, wovon nur der eine der An/Aus‐Schalter ist. Der zwei­te Schalter hat kei­ne Funktion. Als ich ver­se­hent­lich mal den fal­schen Schalter betä­tigt hat­te, lief der Akku natür­lich leer.

Etwas umständ­lich ist die Nutzung des CamRangers selbst, denn obwohl eine kabel­lo­se Lösung ver­spro­chen ist, muss erst mal das Kabel von der Kamera zum CamRanger ange­schlos­sen wer­den. Dieser hat ca. die Ausmaße einer Zigarettenschachtel. Ich habe das meist so gemacht, dass ich den CamRanger in die mit­ge­lie­fer­te Tasche gesteckt habe, wo das Kabel raus­guckt und dann die Tasche mit dem dar­an befes­tig­ten Karabinerhaken an mei­nen Kameragurt oder das Stativ befes­tigt habe. Gefüllt wiegt die Tasche mit bei­den Kabeln ca. 208 Gramm. Sie bau­melt dann zwar etwas rum, aber das zusätz­li­che Gewicht ist auch mit der Hand zu tra­gen. Es gibt aber auch einen Adapter*, um den CamRanger auf dem Blitzschuh zu mon­tie­ren.

Aber was kann man mit der gleich­na­mi­gen App nun machen? Ich habe die iOS‐Version getes­tet, weil es wie gesagt für Android deut­lich bil­li­ge­re Lösungen gibt. Das Interface der App sieht so aus:

Camranger-Screenshot

Leider funk­tio­niert der Zugang zur App nur, wenn auch eine Funkverbindung zum CamRanger steht, was scha­de ist, wenn man mal schnell nach dem Shooting eini­ge der foto­gra­fier­ten Bilder anse­hen will. Die Oberfläche ist ähn­lich auf­ge­baut wie bei ande­ren LiveView‐Systemen. Den Hauptteil des Bildes nimmt der Monitor ein, der zeigt, was die Kamera auch sieht. Durch Tippen auf den Monitor lässt sich die gewünsch­te Stelle fokus­sie­ren, rechts kann aber auch deut­lich genau­er der Fokus manö­vriert wer­den. Es gibt ein Live‐Histogramm und Zusatzfunktionen wie HDR‐Aufnahmen, Fokus‐Stacking, Zeitraffer‐Aufnahmen etc. sind mög­lich.

Die wich­tigs­ten Funktionen der Kamera kön­nen über die App fern­ge­steu­ert wer­den, zum Beispiel Blende, Belichtungszeit, ISO‐Wert, Weißableich, Aufnahmemodus, Über‐ und Unterbelichtung, Fokus und eini­ge mehr.

Während mei­ner Testzeit gab es ein Firmware‐Update, was etwas umständ­lich zu instal­lie­ren war. Aber es brach­te unter ande­rem als neue Funktion die Möglichkeit, par­al­lel wei­te­re WLAN‐Netze auf­recht zu erhal­ten. Das ist zum Beispiel sehr prak­tisch, weil ich sie wei­ter­hin in mei­nem WLAN‐Netzwerk im Studio blei­ben kann, obwohl auch CamRanger eine WLAN‐Verbindung mit dem iPad auf­bau­en will. Jetzt woll­te ich pro­bie­ren, ob ich nicht auf gleich­zei­tig das WLAN‐Netz mei­ner EyeFi‐Karte akti­vie­ren könn­te, damit ich als wei­te­re App Shuttersnitch offen haben könn­te, um die geschos­se­nen Fotos zu ver­wal­ten. Das klappt lei­der nicht, weil CamRanger nicht im Hintergrund lau­fen kann.

Camranger-Screenshot-2
Der Grund, war­um ich wei­ter­hin zusätz­lich Shuttersnitch nut­zen wol­len wür­de, ist, dass die­se App einen deut­lich beque­me­ren Workflow für die Verwaltung und Ansicht der geschos­se­nen Bilder bie­tet. Nach dem Shooting, wenn Kamera und Geräte alle schon ver­staut sind und ich mit den Models noch einen Kaffee trin­ke, kann ich bequem das iPad rum­rei­chen, wo sich alle die Fotos mit Shuttersnitch anse­hen kön­nen. Das geht lei­der nicht, wenn ich CamRanger nut­ze, weil immer die Verbindung zur Kamera aktiv sein muss. Außerdem muss ich manu­ell ent­schei­den, wel­che der Bilder von der Speicherkarte ich run­ter­la­den wol­len wür­de. Kurz: CamRanger bie­tet zwar Funktionen zur Fotoverwaltung, aber ist grund­sätz­lich einer ein Aufnahme‐Tool.

Der Hauptgrund, wes­halb ich CamRanger in Zukunft jedoch kaum noch nut­zen wer­de, liegt jedoch in mei­ner Arbeitsweise. Ich foto­gra­fie­re fast immer mit Blitz. Das führt logi­scher­wei­se dazu, dass bei einer LivePreview, wo die Blitze noch nicht aus­lö­sen, kaum etwas auf dem Monitor zu sehen ist und damit die gesam­te App kaum brauch­bar ist. Die Einsatzbereiche der App lie­gen dem­nach eher bei der Makrofotografie ohne Blitz, für Produktaufnahmen mit Dauerlicht, Landschaftsaufnahmen und so wei­ter. Überall, wo Blitze zum Einsatz kom­men, sinkt der Nutzwert von CamRanger stark.

Android‐Alternative zu CamRanger

CamRanger ist im Grunde nichts ande­res als ein Router. Wer nicht in den geschlos­se­nen Apple‐Kosmos ein­drin­gen muss, kann auch einen ande­ren WLAN‐Router kau­fen, zum Beispiel den TP‐Link TL‐MR3040*. Der kos­tet nur ca. 40 Euro und der CamRanger sieht sicher nicht zufäl­lig fast iden­tisch aus. Als App wird dann die kos­ten­lo­se App DslrDashboard im Google Playstore benutzt. Wie die Einrichtung genau funk­tio­niert, erklärt Gunther Wegner hier. Selbst wenn der Kauf eines klei­nen Android‐Tablets* mit ein­ge­rech­net wird, ist die­se Lösung immer noch bil­li­ger als der CamRanger. Die Nachteile wie die ein­ge­schränk­te Nutzung bei Blitzlicht oder das an der Kamera hän­gen­de Gerät blei­ben aber auch bei die­ser Lösung.

Welche Lösung benutzt ihr zur kabel­lo­sen Fernsteuerung und wel­che Erfahrungen habt ihr damit gemacht?

* Affiliate

Kostenloses iPad für Fotografen erhalten?

Ich hät­te selbst nicht gedacht, dass es so ein­fach ist. Wer als Fotograf ein kos­ten­lo­ses iPad haben will, muss nur drei Schritte umset­zen.

Als ers­tes wird ein aktu­el­les iPad gekauft. Ja, ich hat­te „kos­ten­los“ ver­spro­chen, aber zu dem Teil kom­me ich noch.

Es gibt das Tablett in ver­schie­de­nen Ausführungen, die sich beim Speicherplatz, im optio­na­len Funkmodul und den bei­den Farben unter­schei­den. Für unse­re Zwecke reicht das Modell mit dem gerings­ten Speicherplatz und ohne das teu­re Funkmodul. Diese Ausführung* kos­tet bei Amazon.de aktu­ell ca. 515 Euro (Preise schwan­ken täg­lich etwas).

Zweitens machen wir von dem Gerät gute Stockfotos, das heißt, ohne sicht­ba­re Logos und Markennamen und idea­ler­wei­se mit dazu pas­sen­den Models. So zum Beispiel:

Drittens bie­ten wir die Fotos über Bildagenturen an und nach nur weni­gen Monaten hat sich das Gerät von selbst amor­ti­siert. Hier mal ein aktu­el­ler Umsatz-Screenshot mei­ner iPad‐Bilder via Stockperformer:

Ihr seht, ich habe ca. 100 Bilder mit mei­nem iPad online bei den drei (für mich) wich­tigs­ten Bildagenturen und habe inner­halb von ca. fünf Monaten 661 Dollar damit ein­ge­nom­men. Die 661 Dollar sind nach dem aktu­el­len Wechselkurs ziem­lich genau die 515 Euro wert, wel­che das iPad kos­tet. Voilà, ein Gratis‐iPad für Stockfotografen!

Den Umsatz bei den ande­ren Agenturen, wel­che die Bilder eben­falls anbie­ten, habe ich nicht mal ein­ge­rech­net. Außerdem sind die Bilder noch jung und wer­den sich bestimmt auch die nächs­ten Monate noch gut ver­kau­fen. Zusätzlich nut­ze ich das iPad jetzt ger­ne zur Bildkontrolle wäh­rend eines Shootings und pri­vat als beque­men Ebook‐Reader.

Die Moral von der Geschichte?

Ich bin nie­mand, der sich neu­mo­di­schen Schnickschnack sofort kau­fen muss. In die­sem Fall könn­te ich mich aber in den Hintern bei­ßen, dass ich es nicht getan habe. Denn hät­te ich gleich am Anfang das ers­te iPad gekauft, als es 2010 her­aus­kam, hät­te ich damit rich­tig viel Geld ver­die­nen kön­nen, allein des­halb, weil es sehr weni­ge Fotografen hat­ten. Mittlerweile gehört das iPad (oder ver­gleich­ba­re Tablet Computer) fast zur Standardausstattung pro­fes­sio­nel­ler Fotografen und ich bin ehr­lich gesagt erstaunt gewe­sen, dass ich trotz­dem den Kaufpreis in weni­ger als einem hal­ben Jahr wie­der ein­neh­men konn­te.

An die­sem Punkt erin­ne­re ich mich an den Vortrag des Produktfotografen Elnur Amikishiyev (über 61.000 Bilder bei Shutterstock online) wäh­rend der Microstock Expo 2011. Elnur mein­te dort, er foto­gra­fie­re alle Sachen, die er neu kau­fe und bis­her hat er von jedem Gegenstand den Verkaufspreis wie­der ein­spie­len kön­nen. Hätte ich nur frü­her auf ihn gehört.

Zu dem iPad muss­te mich noch ein Freund regel­recht über­re­den, weil ich kei­nen Nutzen für mich erken­nen konn­te. Bei kom­men­den tech­ni­schen Neuerungen will ich mei­nen inne­ren Schweinehund schnel­ler über­win­den. Selbst wenn ich ein tech­ni­sches Gimmik viel­leicht nicht pri­vat brau­che, dann muss ich es eben als beruf­li­che Investition sehen – selbst wenn es nur als Requisite sein soll­te.

Oder anders for­mu­liert: Auch – oder viel­leicht sogar gera­de – rich­tig teu­re Requisiten machen sich bezahlt.

Was sind eure teu­ers­ten Requisiten bis­her gewe­sen und eure Einnahmen damit?

* Affiliate

Microstock‐Einnahmen und Kommissionen – Wohin geht das Geld?

Im Juli ver­öf­fent­lich­te Steve Gibson in sei­nem „Microstock Insider“-Blog einen lesens­wer­ten Artikel, in dem er – jetzt gut fest­hal­ten – eine Lanze für nied­ri­ge Fotografenhonorare bricht. Mit sei­ner Erlaubnis habe ich die­sen Artikel über­setzt und ich bin gespannt, ob ihr sei­ne Ausführungen unter­strei­chen wür­det. Los geht’s, Steve:

Wie wird das Geld, was ein Bildkäufer aus­gibt, zwi­schen Fotografen, der Bildagentur und eini­gen Mittelsmännern auf­ge­teilt?

Die Antwort ist rela­tiv ein­fach: Manchmal ist es ein­fach nicht klar.

Als ers­tes eine Begriffsklärung:

  • Honorar (Royalty) – Die Bezahlung, die ein Fotograf oder Illustrator erhält, wenn eins sei­ner Werke ver­kauft wur­de.
  • Kommission – Das Geld, das eine Bildagentur vom Verkauf erhält für die Ausführung der Transaktion und um Kosten abzu­de­cken. Kommissionen wer­den auch an Wiederverkäufer (Verteiler) und Vermittler, die Käufer brin­gen, aus­ge­schüt­tet. (Traditionelle Bildagenturen bzw. Macrostock‐Agenturen nen­nen oft ihre Kommissionsrate, also den Betrag, den sie ein­be­hal­ten, im Gegensatz zur Honorarrate.

Oft wird auch das Wort „royal­ty“ für Kommissionen benutzt. Ich bin nicht sicher, wie das zustan­de kam, denn es sorgt auf jeden Fall für Konfusionen und ein kur­zer Blick auf die gro­ßen Microstock‐Seiten zeigt, dass vor allem Begriffe wie „Einnahmen“ oder „Auszahlungsbetrag“ ver­wen­det wer­den, um die Situation zu klä­ren. Es ist nicht hilf­reich, dass wir in einer Industrie arbei­ten, deren Geschäftsmodell auf Amateurfotografen gegrün­det wur­de und in die uns „royal­ties“ aus­zahlt für unse­re „royalty-free“-Fotos (natür­lich sind die­se nur royalty‐free für den Käufer).

Der Unterschied zwi­schen Kommissionen und Honorar kann auch wich­ti­ge Steuerunterschiede brin­gen, denn als Fotograf, der an einem Affiliate‐Programm teil­nimmt, ver­dient man sowohl Kommissionen für emp­foh­le­ne Käufer als auch Honorar für die ver­kauf­ten Bilder.

Wie wird der Honorar‐Kuchen auf­ge­teilt?

Es gibt drei Hauptausgaben zu berück­sich­ti­gen, wenn die Dienste betrach­tet wer­den, die digi­ta­le Downloads anbie­ten und bei der Aufteilung der Honorare:

  • Geld zum Betrieb des Dienstes und für die Finanztransaktionen
  • Marketing‐ und Werbungskosten
  • Honorare für die Urheber

Jeder die­ser Ausgaben ent­hält Kosten und eine Gewinnspanne. Zum Beispiel könn­te es einen Dollar kos­ten, ein Foto zu machen, aber um im Geschäft zu blei­ben, musst Du zwei Dollar beim Verkauf dafür berech­nen, wenn Du auch die nächs­te Kamera, das Dach über dem Kopf und Deinen Gewinn bezah­len willst.

Wiederverkäufe (Syndikation) & Affiliate‐Verkäufe

Diese Verkäufe haben unter­schied­li­che Kosten für eine Bildagentur, denn eine drit­te Partei fand den Käufer, womit die direk­ten Marketingkosten null sind (das Branding aus­ge­nom­men) und im Falle eines Wiederverkäufers muss die Agentur nicht des­sen Webseite betrei­ben oder Kundenservice anbie­ten. Andererseits gene­rie­ren sol­che Verkäufe zusätz­li­che Kosten durch die Affiliate‐ oder Wiederveräufer‐Kommissionen.

Beim Thema „Wiederverkauf“ machen wir ein ganz ande­res Fass aus: Einige Agenturen zah­len einen höhe­ren Preis für Wiederverkäufer‐Verkäufe (obwohl man nicht wirk­lich mehr pro Verkauf erhält), da die Agentur selbst weni­ger pro Verkauf ver­dient – der Wiederverkäufer behält sei­nen Teil der Kommission. Wiederverkäufer‐Verkäufe sind etwas ande­res als Affiliate‐Verkäufe, da die Agentur bei letz­te­ren trotz­dem Kundendienst, Zahlungsabrechnung, Seitenzugriff für den Download und so wei­ter anbie­ten muss. Bei den Wiederkäufern sor­gen die­se selbst dafür.

Grob gespro­chen gibt es drei ver­schie­de­ne Typen von Microstock‐Käufern, die den Agenturen unter­schied­li­che Einnahmen brin­gen und unter­schied­li­che Ausgaben erfor­dern:

Ausgaben Käufertyp Direktverkauf  Affiliate‐Kauf  Wiederverkäufer
Such‐API Ja Ja Ja
Hosting und Bandbreite Ja Ja Ja
Fotografenverwaltung Ja Ja Ja
Bildredaktion Ja Ja Ja
Fotografenhonorar Ja Ja Ja
Webseiten‐Frontend Ja Ja Nein
Kundenservice Ja Ja Nein
Zahlungsabwicklung Ja Ja Nein
Marketing und PR Ja Nein Nein
Kommissionen an Dritte Nein Ja Ja

Darüber hin­aus haben alle Agenturen zusätz­li­che Kosten wie sie ande­re Firmen auch haben, zum Beispiel Buchhaltung, Personalkosten, Management und so wei­ter.

Wie viel Geld wird nun dafür aus­ge­ge­ben?

Das ist die Eine‐Million‐Dollar‐Frage. Mit Ausnahme der Honorarsätze und Kommissionen hal­ten die Agenturen die­se Informationen sehr geheim. Shutterstock jedoch hat eini­ge die­ser Informationen im Rahmen des geplan­ten Börsengangs ver­öf­fent­licht. Dadurch bekom­men wir eine unge­fäh­re Vorstellung, wie die Top‐Microstockagenturen ihre Einnahmen aus­ge­ben:

Zu den Betriebskosten zäh­len die Fotografenhonorare, Kreditkartengebühren, Bildredaktion, Kundendienstkosten, Infrastrukturkosten für das Betreiben der Webseite und den dazu­ge­hö­ri­gen Angestellten, Raummieten und ande­re Kosten. Im oben ver­link­ten IPO wer­den die gezeig­ten Segmente noch genau­er defi­niert.

Wie steht Microstock im Vergleich zu ande­ren Industrien da?

Im Microstock‐Bereich bleibt das meis­te Geld bei den Agenturen. Es gibt ver­schie­de­ne Gründe dafür, unter ande­rem den Fakt, dass bei nied­ri­gen Verkaufspreisen die Kosten des Verkaufs ver­hält­nis­mä­ßig hoch sind. Wie du sicher weißt, muss man vie­le bil­li­ge Fotos ver­kau­fen, um die Kosten für deren Erstellung wie­der ein­zu­spie­len.

Was ist mit ande­ren vir­tu­el­len Gütern wie iTunes und Apps?

Microstock scheint dem Vergleich ganz gut stand­zu­hal­ten. Bei iTunes ver­dient ein Musiker ca. 9 Cent bei einem Verkaufspreis von 1,29 USD. Das ist der Betrag, der übrig bleibt, nach­dem die Plattenfirma ihren (gro­ßen) Anteil an den ca. 70 Cent genom­men hat, die Apple ihnen gibt (Zahlen gel­ten nur für die USA).

Unabhängige Musiker kön­nen die gesam­ten 70 Cent behal­ten, wer­den aber oft für das Hosting, Setup‐Kosten und jähr­li­che Gebühren etc. zur Kasse gebe­ten. Du siehst, wel­cher gro­ße Teil durch die Betriebskosten (Apple) und das Marketing (Plattenfirma) anfällt. Ich habe gele­sen, dass die Musiker bis zu 50% des Plattenfirma‐Anteils ver­die­nen kön­nen, wenn die Kosten der Plattenfirma ein­ge­spielt wur­den. Diese Teilung der Einnahmen ist nichts Neues, auch vor den digi­ta­len Downloads beka­men Musiker nur einen klei­nen Prozentsatz vom Preis der Platte ab.

Für den „Apps Store“ nimmt Apple eine Kommission von 30%, damit ver­blei­ben 70% bei den Entwicklern der Software. Diese müs­sen für den Zugriff auf die Entwicklungssoftware bezah­len (ca. 99 – 299 USD pro Jahr). Diese Verteilung ist ähn­lich wie bei iTunes, nur ohne den Marketing‐Anteil der Plattenfirma. Der Entwickler bekommt die vol­len 70%, muss jedoch das kom­plet­te Marketing über­neh­men und sich um die Kundenbetreuung küm­mern. Wie wir am Beispiel von Shutterstock gese­hen haben, waren das dort fast 30% der Einnahmen. Der Android‐Marktplatz hat eben­falls den 70%-Anteil für sei­ne Entwickler.

Aber Alamy kann 60% (40% Kommission) bei Fotos aus­zah­len?

Sie machen das bei ihren Bildern mit Standardpreisen, aber sie haben eine 50–50 Verteilung für ihre „Novel Use“-Bilder, was mei­nes Erachtens ein bes­se­rer Vergleich mit Microstock ist. 60% Kommission nimmt Alamy auch für Vertriebs(partner)-Verkäufe.

Bis jetzt war es nicht Alamys Hauptgeschäftsfeld, ein Marktplatz im Microstock‐Stil zu sein. Außerdem hat Alamy eine Geschichte von Änderungen an der Kommissionsstruktur, wenn sich die Geschäfte ändern und ich den­ke, das soll­te jede Firma tun – es sind nicht nur die Microstock‐Agenturen, die gezwun­gen sind, ihre Kommissionen zu ändern. Ich den­ke auch nicht, dass es fair ist, Alamy direkt mit Microstock‐Agenturen zu ver­glei­chen.

Ich ken­ne nicht die inter­nen Details von Microstock‐ oder Macrostock‐Agenturen, aber ich den­ke, es ist nach­voll­zieh­bar zu sagen, dass Alamy nur eine Handvoll Verkäufe braucht, um eine Zeitschriftenwerbung in Auftrag geben zu kön­nen, wäh­rend eine Microstock‐Agentur ver­mut­lich über 1000 Bilder ver­kau­fen muss, um sich die glei­che Anzeige leis­ten zu kön­nen. Die Kosten, um 1000 Kunden zu gewin­nen, sind deut­lich höher als nur einen Kunden zu gewin­nen (Ich habe den Fakt igno­riert, dass durch nied­ri­ge­re Bildpreise es ein­fa­cher sein kann, meh­re­re Verkäufe zu gene­rie­ren wie auch den Fakt, dass es wahr­schein­lich teu­rer ist, einen Macrostock‐Kunden zu gewin­nen als einen Microstock‐Kunden).

Gib 5 Dollar über Paypal oder eine Kreditkarte aus und ca. 10% des Geldes wer­den von den Transaktionskosten auf­ge­fres­sen. Gib eini­ge hun­dert Dollar aus und die Kosten sin­ken auf eini­ge Cent. Das ist der Grund, war­um Agenturen Rabatte auf gro­ße Credit‐Verkäufe geben. Auf einer Microstock‐Seite kön­nen die Kosten, die ent­ste­hen, wenn jemand fünf Minuten auf eine Email ant­wor­tet oder der IT‐Mitarbeiter eini­ge Minuten an einem Serverproblem arbei­tet, schnell den Gewinn eines Bildverkaufs ver­nich­ten.

Beweise der Geschichte

Clustershot war ein gutes Beispiel einer Bildagentur, die den Markt betrat, um Umsätze zu erzie­len, aber nicht die Arbeit der Fotografen bewor­ben hat. Deren Kommission vor nur 12%, was 88% für die Fotografen bedeu­te­te (die auch die Paypal‐Bearbeitungsgebühren zah­len muss­ten), lasst uns also 15% Kommission sagen. Mit die­sem Level konn­ten sie ihre Kosten decken und damit mei­ne ich, sie gin­gen bank­rott. „Kosten decken“ heißt, kein Geld, kei­ne Zeit oder sons­ti­ge Anreize zu haben, in den Service zu inves­tie­ren. Es sieht so aus als wären 15% nicht genug Geld, um Downloads und Zahlungen zu bear­bei­ten.

Alamy been­de­te ihr „Alamy Red“-Kommissionssystem, bei dem sie nur 20% Kommission nah­men, aber eine Annahmegebühr von 2 Dollar ver­lang­ten und eine monat­li­che Hosting‐Gebühr.

50% Honorar mag als attrak­tiv gel­ten, aber ich glau­be, es gibt genug Beweise, dass Microstock‐Agenturen, die 50% Honorar bie­ten, gene­rell sta­gnie­ren, ich ver­mu­te, weil die Agenturen nicht genü­gend Ressourcen haben, um ins Wachstum zu inves­tie­ren. Schaut man sich die Honorare bei den Top‐Agenturen an (und ich mir die Agenturen mit den höchs­ten Umsätzen), fällt auf, dass alle deut­lich weni­ger als 50% Honorar zah­len. Die ver­link­te Tabelle ist grob sor­tiert nach Einnahmen und meist stimmt das mit der Sortierung des Honoraranteils über­ein – in ande­ren Worten: Ein hoher Honoraranteil ist für Fotografen nichts wert, du bist bes­ser dran, über eine Agentur mit einem nied­ri­ge­ren Honoraranteil zu ver­kau­fen, die in der Lage sind, deut­lich mehr zu ver­kau­fen (und das eben auch machen!).

Es ist üblich für neue Start‐Up‐Agenturen, einen hohen Honoraranteil zu ver­spre­chen, um Fotografen anzu­lo­cken, egal, ob das ein wei­ses Geschäftsmodell ist oder nicht. Es ist defi­ni­tiv kein Signal, was als „wenn die das kön­nen, könn­ten es die ande­ren auch machen“ gele­sen wer­den soll­te. Als abso­lu­tes Minimum muss eine Agentur nach­hal­tig wirt­schaf­ten, aber sie brau­chen mehr als das, sie müs­sen pro­fi­ta­bel sein, um wei­ter inves­tie­ren zu kön­nen, um wach­sen zu kön­nen oder Risikokapital anzu­lo­cken.

Es scheint als wären ca. 30% Kommission ein übli­cher Standard, den man neh­men soll­te für das Hosting, die Downloadverwaltung und die Zahlungsabwicklung für irgend­ei­ne Transaktion vir­tu­el­ler Güter. Man könn­te noch ergän­zen, dass beim Bilderverkauf noch eini­ge wei­te­re Kosten anfal­len, da zum Beispiel die Suche deut­lich kom­ple­xer ist.

Subventionierung höhe­rer Honorare

Einige Agenturen bie­ten mehr Honorar für exklu­si­ve Bilder (die zum glei­chen Preis ver­kauft wer­den) und/oder höhe­re Honorare für umsatz­star­ke Fotografen. Während die­se Fotografen qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Bilder haben, die zu redu­zier­ten Kosten in der Bildredaktion füh­ren, ist es mit Blick auf die Honorartabellen sehr offen­sicht­lich, dass die Agenturen mit gestaf­fel­ten Honoraren den umsatz­schwa­chen Fotografen deut­lich nied­ri­ge­re Honorare zah­len im Vergleich zu den Agenturen, die ein Honorar für alle anbie­ten. Während gestaf­fel­te Honorare einen Anreiz schaf­fen, qua­li­ta­tiv bes­se­re Bilder hoch­zu­la­den und mehr Verkäufe zu gene­rie­ren, wer­den gleich­zei­tig die umsatz­schwa­chen Fotografen bestraft, indem sie die höhe­ren Honorare der Top‐Fotografen sub­ven­tio­nie­ren.

Doppeldeutige Worte: Worauf man beim Vergleich von Honoraranteilen ach­ten soll­te

Man könn­te leicht anneh­men, dass, wenn eine Agentur 25% Honoraranteil zahlt, man bei einem Bildverkauf für 5 Dollar 1,25 Dollar abbe­kom­men wür­de. Das kann aber falsch sein. Wer die Vertragsbedingungen genau durch­liest, merkt, dass er meist nur Anspruch auf 25% der „tat­säch­li­chen Umsätze“, der „Nettoerlöse“ o.ä. hat. Einige Agenturen bie­ten einen fes­ten Betrag pro Verkauf oder gekauf­ter Bildgröße, ande­re Agenturen bie­ten eine Prozentzahl, bei der es wich­tig ist, dass das Verkaufssystem genau ver­stan­den wird. Bietet die Agenturen zum Beispiel Rabatte bei Großeinkäufen an und wer­den die­se Rabatte an den Fotografen wei­ter­ge­ge­ben?

Schlussfolgerung

Vor fünf Jahren lag der typi­sche Microstock‐Honoraranteil bei 30–50% und wur­de seit­dem nied­ri­ger und nied­ri­ger, weil die Agenturen immer mehr der Einnahmen für sich behal­ten.

Wo geht das gan­ze Geld hin? Das meis­te Geld wird für das Marketing aus­ge­ge­ben, aber ich ver­mu­te, dass gro­ße Teile auch in die Bilanz wan­dern, um sich als Agentur attrak­ti­ver für Investoren zu machen. iStockphoto gab hin­ter vorhge­al­te­ner Hand auch zu, dass sie nicht genug Profit mit ihrem Unternehmen machen wür­den, als sie zuletzt ihre Honorarstruktur änder­ten.

Es scheint eine gute Idee zu sein, als Fotografen „mit unse­ren Füßen abzu­stim­men“ und nur dort unse­re Bilder hoch­zu­la­den, wo die Agenturen sich mit nied­ri­gen Kommissionen zufrie­den geben, aber die (viel­leicht trau­ri­ge) Wahrheit ist: Die Agenturen, die erfolg­reich sind, wie die Plattenfirmen im Beispiel, sind die, wel­che den Großteil der Einnahmen wie­der in Promotion und Marketing ste­cken. 50% von weni­gen oder kei­nen Verkäufen ist weit weni­ger wün­schens­wert als 17% von etli­chen Verkäufen.

Der Ursprung der Metadaten‐Probleme bei Photoshop, XML und IPTC

Metadaten sind sehr prak­tisch, aber der Umgang mit ihnen ist nicht immer leicht.

Ständig müs­sen Fotografen Bildtitel, Suchbegriffe und ihre Urheberrechtsinformationen zu ihren Bildern hin­zu­fü­gen. Am ein­fachs­ten geht das über IPTC‐Daten, wel­ches ein stan­da­ri­sier­tes Datenprotokoll ist. Oder bes­ser gesagt, sein soll­te, denn in der Praxis gibt es beim Austausch die­ser Informationen zwi­schen ver­schie­de­nen Programmen immer wie­der Fallstricke. Das habe ich bei­spiels­wei­se hier beschrie­ben. Dort in den Kommentaren ver­steckt hat Michael Steidl, sei­nes Zeichens Managing Director beim IPTC (ja, genau der Verein, der für die gleich­na­mi­gen Metadaten ver­ant­wort­lich ist) eine auf­schluss­rei­che Erklärung für das Problem gelie­fert. Da sie dort etwas ver­steckt ist, möch­te ich sei­nen Ausführungen noch mal einen eige­nen Artikel wid­men.

Achtung, es wird tech­nisch. Aber wer sich stän­dig mit Metadaten her­um­schla­gen muss, begreift danach sicher , war­um es so vie­le Probleme geben kann.

Herr Steidl schrieb:

IPTC Metadaten‐Felder kön­nen in zwei tech­ni­schen Varianten abge­spei­chert wer­den:

  • dem IIM‐Header: Das ist ein IPTC Standard aus dem Jahr 1991, von Adobe mit Photoshop ca. 1994 auf den Markt gebracht. Dieser Standard defi­niert, dass Zeichen in unter­schied­li­chen Zeichensätzen ver­wen­det wer­den kön­nen, dazu aller­dings eine Kennung im Feld 1:90 (sie­he Seite 20 hier) zu set­zen ist. Praktisches Problem: Keine ein­zi­ge Fotosoftware setzt hier die Kennung. Daher wer­den die Zahlencodes für Zeichen immer im Zeichensatz des jewei­li­gen Computers gedeu­tet. Das beginnt beim Unterschied der Codes für Sonderzeichen zwi­schen Windows‐PCs und den Apple Macs und geht wei­ter über ver­schie­de­ne Sprachvarianten der 8‐Bit‐Codes (ISO 8859‐… ).
  • dem XMP‐Header: Das ist eine Adobe Entwicklung, inzwi­schen ISO‐Standard, für das rein tech­ni­sche Abspeichern von Metadaten. Die IPTC‐Felder aus IIM kön­nen auch mit die­ser Technik ver­wen­det wer­den. Da die­se auf XML auf­baut, wird auch der Standardzeichensatz für XML, UTF‐8, ver­wen­det.

Hinweis: Die Namen IPTC‐Core und IPTC‐Extension haben nichts mit dem tech­ni­schen Format zu tun. Das Spezifikationsdokument für den IPTC‐Core ent­hält für jedes Feld die Norm der Speicherung in IIM und in XMP!

Ein Problem ist nun die Synchronisierung der Metadaten‐Werte zwi­schen IIM und XMP: Wenn in einer Caption im IIM‐Header steht „Kanzlerin Merkel freu­te sich über den Erfolg“, dann wird von vie­len Programmen die­ser Wert in das ent­spre­chen­de XMP‐Feld kopiert – das geht gut, wenn es auf der glei­chen Computerart (Windows/Mac) und im glei­chen Zeichensatz erfolgt, wie es bei der Eingabe des Wertes war, ansons­ten kommt beim Wort „über“ Schrott her­aus, weil die Codes für das „ü“ unter­schied­lich sind.

Auf der IPTC‐Website haben wir eine Liste von Bildbearbeitungsprogrammen und wie die­se mit der Synchronisierung von Metadaten zwi­schen IIM und XMP umge­hen.

Langer Rede kur­zer Sinn: Der Urfehler seit dem Jahr 1994 war und ist, dass im IIM‐Header im Feld 1:90 kei­ne Kennungen für den Zeichensatz gesetzt wur­den, daher kann eine die Metadaten lesen­de (und allen­falls von IIM in XMP kopie­ren­de) Software nur ver­mu­ten, wel­cher Zeichensatz beim Schreiben ver­wen­det wur­de.

Bei den Beispielen auf Ihrer Blog‐Seite geht es aber auch um ein ande­res Problem: Offenbar wis­sen eini­ge Foto‐Datenbanken nicht, woher sie die Werte lesen (aus dem IIM‐ oder dem XMP‐Header) und daher wis­sen sie auch nicht, aus wel­chem Zeichensatz die Zeichencodes stam­men. Weiters ist es ein bekann­tes Problem, dass für deutsch­spra­chi­ge Webseiten ger­ne noch der ISO-8859–1 Zeichensatz im HTML‐Header für die gan­ze Seite ange­ge­ben wird. Wenn nun auf so einer Seite die Metadatenwerte in UTF‐8 Zeichen aus­ge­ge­ben wer­den, dann kann nur der Schrott erschei­nen, den Sie zei­gen – beginnt immer mit A mit einer Tilde (~) oben­drauf.

Ich hof­fe, das hilft beim Verstehen die­ses sicher­lich kom­ple­xen Problems. Wir bei IPTC arbei­ten vor allem mit Adobe aber auch ande­ren Softwareherstellern zusam­men, um sol­che miss­lie­bi­gen Erscheinungen zu unter­bin­den. Allerdings kön­nen auch wir – sie­he „Urfehler“ oben – das Rad der Geschichte lei­der nicht mehr zurück­dre­hen.

Übrigens: Wir haben eine öffent­li­ches Yahoo‐Forum, an das sich jeder bei Problemen mit IPTC‐Foto‐Metadaten wen­den kann: Hier bit­te anmel­den.

Viele Grüße,
Michael Steidl

Update 10.04.2012: Adobe teil­te mit, dass seit Adobe Photoshop CS5 das omi­nö­se Feld 1:90 rich­tig gesetzt. Aber nur mit CS5 und CS 5.5 bear­bei­te­te Fotos haben die­sen Vorteil, alte Fotos mit CS 5 geöff­net kön­nen auch nicht den rich­ti­gen Zeichensatz erah­nen.