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Adobe integriert Bilder von Fotolia in das neue Produkt „Adobe Stock“

Vor einem hal­ben Jahr hat die Softwarefirma Adobe die Microstock-Bildagentur Fotolia für 800 Mio. US-Dollar gekauft.

Schon damals war klar, dass sehr wahr­schein­li­ch eine Einbindung der Fotolia-Bilder in die „Creative Cloud“ (CC) von Adobe erfol­gen wür­de. Heute bestä­tig­te Adobe die­se Voraussage auf ihrem „Creative Cloud 2015″-Event in Berlin, wo die neu­en Funktionen der CC 2015 vor­ge­stellt wur­den.

Fast gen­au zehn Jahre nach dem Start von „Adobe Stock Photos“ (einem Dienst, der 2008 wie­der ein­ge­stellt wur­de), prä­sen­tiert Adobe nun „Adobe Stock“, mit über 40 Millionen Bildern aus der Datenbank von Fotolia. Ich hal­te den Namen für etwas unglück­li­ch gewählt, weil die Aktien der Firma den glei­chen Namen haben (pro­biert es bei Google aus), aber das soll hier kei­ne Rolle spie­len.

Das neue Logo von "Adobe Stock"
Das neue Logo von „Adobe Stock“

Gewiss sind in der Creative Cloud 2015 eini­ge Schmankerl für Fotografen und Designer ver­steckt, aber dazu kom­me ich viel­leicht ein andern­mal. Heute soll sich alles um die Vorstellung von „Adobe Stock“ dre­hen.

Was genau ist „Adobe Stock“?

Ein Ziel von Adobe ist es, den kom­plet­ten Gestaltungsprozess von Design in die „Creative Cloud“ zu ver­la­gern. Bisher kön­nen CC-Kunden in den Cloud-Bibliotheken bis­her schon Pinsel (Brush CC), Farbpaletten (Color CC), Vektorformen (Shape CC), aber auch Textstile und Ebenenstile plattform- und pro­gramm­über­grei­fend erstel­len und dar­auf zugrei­fen.

Ich kann zum Beispiel mit der App „Adobe Color CC“ die Farben eines selbst gemach­ten Fotos ana­ly­sie­ren und als Farbpalette in der Cloud abspei­chern. Danach habe ich auf die­se Farbpalette Zugriff über Photoshop, Illustrator und so wei­ter, um die­se Farben bei mei­ner Arbeit ver­wen­den zu kön­nen.

Mit Adobe Stock ist es ähn­li­ch, nur eben mit Bildern:
Kunden kön­nen über die Bibliotheken im Bilderbestand „Adobe Stock“ (der wie­der­um von Fotolia kommt) suchen und sich kos­ten­los Vorschaubilder mit Wasserzeichen ver­se­hen in ihre CC-Bibliotheken legen und in ihrer Arbeit nut­zen. Diese Vorschaubilder sol­len eine deut­li­ch bes­se­re Qualität als bis­her haben.

Screenshot der Adobe Stock Webseite, wo die Bilder gesucht werden können
Screenshot der Adobe Stock Webseite, wo die Bilder gesucht wer­den kön­nen

Um „Adobe Stock“ nut­zen zu kön­nen, müs­sen Creative Cloud-Kunden ihre Programme wie Photoshop oder Illustrator auf „CC 2015“ aktua­li­sie­ren über den „Creative Cloud Manager“.

Wie viel kostet die Nutzung von „Adobe Stock“?

Das Runterladen und die Nutzung der Vorschaubilder mit Wasserzeichen ist kos­ten­los. Um das Wasserzeichen zu ent­fer­nen und die Bilder legal nut­zen zu dür­fen, müs­sen sie gekauft wer­den. Das funk­tio­niert über die Kreditkarte, wel­che bei Adobe für die Bezahlung des „Creative Cloud“-Abos hin­ter­legt ist.

Möglich ist ein „nor­ma­les“ Jahres-Abonnement von 750 Bildern im Monat für 159 USD pro Monat (bzw. 199 USD für nur einen Monat Laufzeit), der Einzel-Download eines Bildes für 9,99 US-Dollar (bzw. in Europa ver­mut­li­ch 9,99 Euro net­to) sowie ein Bilderpaket von 10 Bildern für 50 US-Dollar. Andere Zahlungsmöglichkeiten oder Bilderpakete sind aktu­ell nicht mög­li­ch.

Welche Lizenz haben die Bilder von Adobe Stock?

Soweit mir bekannt ist, wer­den die Bilder mit einer „Standardlizenz“ wie der bei Fotolia ange­bo­ten. Eine „Erweiterte Lizenz“ gibt es aktu­ell nicht.

Vektorgrafiken wer­den als Vektor gelie­fert ohne die dazu­ge­hö­ri­ge JPG-Datei. Das Angebot umfasst auch die Instant-Collection, aber nicht die Premium-Collection „Infinite“. Videos wer­den zum Start noch nicht ange­bo­ten, die Einführung ist aber geplant.

Screenshot, wo die "Adobe Stock"-Bilder (siehe Kächsten rechts im Bild) in Photoshop als Bibliothek auftauchen
Screenshot, wo die „Adobe Stock“-Bilder (sie­he Kächsten rechts im Bild) in Photoshop als Bibliothek auf­tau­chen

Wie viel verdienen die Fotografen an einem Verkauf?

Haltet euch fest, jetzt kom­men die guten Nachrichten!
Generell gilt: 33%. Das ist der Anteil, den die Fotografen von einem Verkauf erhal­ten sol­len. Wird dem­nach ein Einzelbild für 10 USD/Euro ver­kauft, erhält der Fotograf 3,33 Credits.

Kauft der Kunde 10 Bilder im Paket, wären es dem­nach 33% von 5 (50 Dollar durch 10 Bilder), also 1,65 Credits. Das sind mehr als die 20% (1 Credits) bzw. 25% (1,25 Credits) mit DPC-Opt-In, wel­che Fotografen bis­her beim Verkauf der ähn­li­chen Bildpakete bei Fotolia erhal­ten. Der „Bonus“ für das Anbieten der Fotolia-Bilder im „Dollar Photo Club“ (DPC) ent­fällt somit.

Die gute Nachricht: Die 33% wer­den in Zukunft auch bei Verkäufen von Bildpaketen über Fotolia und dem DPC aus­ge­zahlt, also eine Kommissionserhöhung von 37,5%.

Benutzt der Kunde das „nor­ma­le“ Bilder-Abo, erhält der Fotograf die Kommission gemäß sei­nem aktu­el­len Ranking-Wert, also von 0,20 bis 0,40 Credits pro Download.

Ist ein Opt-Out bei Adobe Stock möglich?

Nein, Im Gegensatz zum Dollar Photo Club von Fotolia ist bei Adobe Stock kein Opt-Out mög­li­ch.

Welchen Einfluss haben Verkäufe über „Adobe Stock“ auf das Fotografen-Ranking bei Fotolia?

Hier kommt noch eine gute Nachricht: Die nor­ma­len Verkäufe zäh­len wie bis­her 1:1. Aber: Auch die Abo-Downloads zäh­len jetzt 1:1, nicht wie bis­her 4 Abo-Downloads als 1 Ranking-Download. Das gilt sowohl für die ver­kauf­ten Abos über Adobe Stock als auch über Fotolia sowie dem DPC.

Im Klartext: Wer bis­her ca. 50% Abo-Downloads hat­te, soll­te jetzt das nächs­te Ranking-Level dop­pelt so schnell errei­chen als bis­her (4*0,5 = Faktor 2). Wer wie eini­ge aus­län­di­sche Anbieter eine Abo-Quote von 75% hat, erreicht das nächs­te Level und damit auch die höhe­ren Kommissionen sogar drei­mal so schnell!

Nicht berück­sich­tigt sind hier even­tu­ell höhe­re Gesamtverkäufe, wenn Adobe es schafft, Creative Cloud-Kunden, die bis­her nicht bei Fotolia gekauft haben, für das Angebot zu begeis­tern.

Wie werden die „Adobe Stock“-Verkäufe für Fotografen abgerechnet?

Die Abrechnung der Verkäufe über Adobe Stock sehen die Fotografen bei den nor­ma­len Umsatzmeldungen im Anbieter-Dashboard von Fotolia.

Adobe Stock“-Verkäufe wer­den dort nicht anders gekenn­zeich­net sein, ver­mut­li­ch, um der Konkurrenz mit­tels „Reverse Engineering“ kei­ne Anhaltspunkte über den Erfolg von Adobe Stock zu lie­fern.

Ich bin gespannt, wie vie­le der Creative Cloud Kunden das Angebot in ihren Workflow auf­neh­men wer­den.

Was sagt ihr zu den Änderungen?

Die Warez-Verbindung der Stockalliance

In den letz­ten bei­den Wochen war es ziem­li­ch ruhig bei mir im Blog, was dar­an lag, dass ich viel im Hintergrund recher­chiert habe.

Auslöser war die Boykott-Aktion gegen den Dollar Photo Club (DPC) von Fotolia, wel­chen ich schon im März hier im Blog kurz vor­ge­stellt hat­te. Damals hat­ten das Preismodell und die Ausgestaltung nur eini­ge Fotografen gestört, aber kon­kre­te Aktionen wur­den nicht unter­nom­men.

Am 25. April brach plötz­li­ch jedoch ein gro­ßer Sturm der Entrüstung los, nach­dem am glei­chen Tag die­ses Interview in Russland mit Fotolia-Gründer Oleg Tscheltzoff erschien. Im größ­ten rus­si­schem Microstock-Forum microstock.ru began­nen Leute, aus Protest eini­ge ihrer Dateien zu löschen und das in die­sem Thread bekannt­zu­ge­ben.

Am glei­chen Tag wur­de die Webseite boycottfotolia.org von einer anony­men Person regis­triert und dort wur­de begon­nen, die Proteste gegen Fotolia zu kana­li­sie­ren und zu bün­deln. Die Hauptforderung war die Abschaffung des DPC, son­st wür­den die Fotografen ihre Bilder zum Stichtag 1. Mai löschen. Innerhalb weni­ger Tage betei­lig­ten sich hun­der­te ver­är­ger­te Fotografen an der Aktion und lösch­ten schon zig­tau­sen­de Bilder.

Wer steckt hinter dieser Webseite?

Jetzt wird es span­nend. Ich frag­te in der größ­ten Microstock-Community Microstockgroup (MSG) nach, wer die Organisatoren sei­en. Dort mel­de­te sich vor allem ein User namens „fot­oram­ka“ im Namen der Protestbewegung zu Wort, der sich dort auch erst am 25.4.2014 ange­mel­det hat­te, dem Tag, als der Aufschrei los­brach.

Als ich in der MSG nach­frag­te, wer gen­au hin­ter der Seite ste­he, wur­den mei­ne Beiträge „run­ter­ge­wählt“. Das heißt, Nutzer geben an, dass mein Beitrag nicht hilf­reich sei und ab einer gewis­sen Anzahl die­ser Wählerstimmen wird mein Beitrag für ande­re Leser auf der Seite aus­ge­blen­det. Das geschah so schnell und mas­siv, wie es nicht zu der sach­li­chen Art mei­ner Frage pass­te. Nachdem ich wei­ter gebohrt habe, kam als Antwort, dass zwei Leute hin­ter der Protestaktion ste­cken wür­den. Erstens der User Frbird aus dem rus­si­schen Forum, der auf den Microstock-Seiten mit sei­nem Usernamen „vec­tor­lib“ bekannt ist und auch eine gleich­na­mi­ge Webseite betreibt. Letztere benutzt übri­gens wie­der den oben genann­ten Anonymisierungsdienst.

Zweitens der schon erwähn­te fot­oram­ka, der sich Andy nennt und der Programmierer der Seite ist. Als Kontaktadresse gibt die­ser die Emailadresse admin@stockalliance.org an.

Quelle: http://www.microstockgroup.com/index.php?topic=22487.msg376076#msg376076
Quelle: http://www.microstockgroup.com/index.php?topic=22487.msg376076#msg376076

Die Webseite stockalliance.org wie­der­um wur­de vom glei­chen Anonymisierungsdienst wie die Boykott-Seite regis­triert, das heißt, der wah­re Eigentümer bleibt ver­bor­gen. Interessant ist das Datum der Registrierung: 23.10.2013. Das heißt, die Seite wur­de regis­triert, bevor der Dollar Photo Club exis­tier­te.

Der Name „Stock Alliance“ ist übri­gens nicht zu ver­wech­seln mit der Stock Artists Alliance. Letztere war eine seriö­se Interessengemeinschaft von Stockfotografen, wel­che 2001 gegrün­det wur­de und die im April 2011 lei­der ihren Betrieb ein­ge­stellt hat. Ich ver­mu­te stark, dass die Namensähnlichkeit der bei­den Webseiten stockalliance.org und stockartistsalliance.org absicht­li­ch ist, damit ers­te­re vom guten Ruf und Klang der letz­te­ren pro­fi­tiert.

Ich habe mir dann die Seite stockalliance.org im Google Cache ange­schaut.

Dort exis­tiert ein Screenshot vom 25.03.2014, auf dem sich die Beteiligten von stockalliance.org zu erken­nen geben:

  • allday2.com
  • Pixelbrush.ru
  • Grafamania.net
Übersetzung via Google Translate, der originale russische Screenshot liegt mir ebenfalls vor.
Übersetzung via Google Translate, der ori­gi­na­le rus­si­sche Screenshot liegt mir eben­falls vor.

Die drei genann­ten Seiten sind soge­nann­te Warez-Seiten, die ers­te davon ist mit die größ­te in Russland und gehört zu den 1000 meist­be­such­ten Webseiten in Russland.

Was sind Warez-Seiten?

Zum Verständnis ein kur­zer Einschub. Warez ist eine Subkultur, wel­che sich um ille­ga­le Software und ande­re digi­ta­le Medien dreht. Dazu gehö­ren auch Fotos, Videos, Illustrationen und so wei­ter. Im enge­ren Sinne sind Warez-Seiten Webseiten, auf denen urhe­ber­recht­li­ch geschütz­tes Material kos­ten­los ange­bo­ten wird, also zum Beispiel hun­der­te bis tau­sen­de Bilder von Shutterstock, Videos von Pond5, Illustrationen von Fotolia und so wei­ter. Nur eben kos­ten­los und ille­gal. Die Seiten bewah­ren das ille­ga­le Material aber nicht selbst auf, son­dern ver­lin­ken zu soge­nann­ten Filehostern. Diese knei­fen oft ein bis zwei Augen zu, wenn es um die ille­ga­len Inhalte auf ihren Servern geht.

Wie verdienen Warez-Seiten Geld?

Wie der Fall kino.to 2011 gezeigt hat­te, kön­nen sol­che ille­ga­len Warez-Seiten meh­re­re Millionen Euro Gewinn erzie­len. Das geschieht unter ande­rem durch Werbebanner, Premiummitgliedschaften und Abofallen. Die ver­link­ten Filehoster gehö­ren manch­mal auch den glei­chen Betreibern oder es gibt per­so­nel­le Überschneidungen.

Schauen wir uns das kurz kon­kret an: Bei Allday2.ru wer­den ver­schie­de­ne Filehoster genutzt, zum Beispiel:

  • letitbit.net
  • depositfiles.com
  • littlebyte.net
  • oboom.com
  • Turbobit und eini­ge ande­re.
Quelle: http://allday2.com/index.php?newsid=716890
Quelle: http://allday2.com/index.php?newsid=716890

Nach eige­nen Angaben hat die Bildagentur Depositphotos übri­gens die glei­chen Investoren wie Depositfiles (und auch den glei­chen Gründer), was einer mei­ner Gründe ist, die Agentur zu mei­den. Zu letitbit.net kom­men wir gleich noch.

Depositfiles hat ein Affiliate-Programm, bei dem die Leute dafür bezahlt wer­den, dass ihre hoch­ge­la­de­nen Dateien mög­lichst oft run­ter­ge­la­den wer­den. Das Programm wird hier ange­bo­ten und ver­linkt zu der Seite Halileo, die eben­falls den oben genann­ten Anonymisierungsdienst nutzt. Dort wird unter ande­rem damit gewor­ben, dass 1000 Download 25 Dollar brin­gen wür­den:

Quelle: http://halileo.com/earn
Quelle: http://halileo.com/earn

Bei letitbit.net zum Beispiel wer­den Affiliates von bis zu 17 US-Dollar für 1000 Downloads ver­spro­chen:

Quelle: http://wm-panel.com/
Quelle: http://wm-panel.com

Das heißt: Jemand klaut sich ille­gal Stockfotos o.ä. zusam­men (wo das Material her­kommt, ist noch mal eine ande­re Geschichte), lädt die­se Dateien bei einem Filehoster hoch und ver­linkt auf die­se Datei auf einer Warez-Seite, damit mög­lichst vie­le Leute die­se kos­ten­los run­ter­la­den kön­nen. Die bei­den Webseiten ver­die­nen über Werbung etc. und der Uploader erhält bis zu 2,5 US-Cent pro Download.

Zurück zum Thema.

Nach dem Ablauf des Ultimatums an Fotolia am 1. Mai 2014 mel­de­te die Boykott-Seite als Erfolg, dass min­des­tens über 400.000 Bilder dort gelöscht wur­den.

Fotolia führ­te die Möglichkeit ein, unter „Mein Konto/Profil/Anbieterparameter“ sei­ne Bilder aus dem DPC zu ent­fer­nen.

Während bis­her die Seite stockalliance.org nur auf die Boykott-Seite wei­ter­ge­lei­tet hat­te, erschei­nen Anfang Mai 2014 dort wie­der eige­ne Inhalte. Als Beteiligte am Projekt wer­den aber kei­ne Warez-Seiten mehr genannt, son­dern nur ein neu­es Forum und ande­re geplan­te Dienste. Im rus­si­schen Forum ver­such­ten die Betreiber mit einem Thread dar­auf auf­merk­sam zu machen, aber als die Warez-Verbindung dort ange­spro­chen wur­de, wur­den die Beteiligten im Forum vor­über­ge­hend gebannt und der Thread erst gesperrt und spä­ter gelöscht.

Paar Tage spä­ter ver­such­ten sie des­halb, das in der Microstockgroup anzu­kün­di­gen. Als ich dort auf die Warez-Verbindung hin­wies, ant­wor­te­te Fotoramka:

Quelle: http://www.microstockgroup.com/22487/22487/msg378857/#msg378857
Quelle: http://www.microstockgroup.com/22487/22487/msg378857/#msg378857

Sinngemäß über­setzt lau­tet die Erklärung:

Wir hat­ten die Idee, die Arbeiten von Stockfotografen mit weni­gen oder kei­nen Verkäufen auf Warez-Seiten ein­zu­stel­len, um die Piraterie die­ser Werke zu ver­hin­dern.“

Ja, das könnt ihr ger­ne mehr­mals lesen, der Widerspruch steckt in sich. Nachdem eini­ge Leute noch mal nach­ge­bohrt haben, in wel­cher Beziehung fot­oram­ka zu der Warez-Szene steckt, gab die­ser hier zu, ein Mitarbeiter der Firma letitbit.net zu sein. gen­au die Firmen, wel­che für die Piraterie von Stockfotos und ande­ren Werken ver­ant­wort­li­ch sind und den lega­len Microstock-Webseiten Geld und Kunden weg­neh­men, wol­len sich auf ein­mal als Rächer der Stockfotografen auf­spie­len und eine Möglichkeit bie­ten, die von ihnen selbst betrie­be­ne Piraterie zu ver­hin­dern? Perfide.

Die Firma, wel­che Geld damit ver­dient, das Leute ille­gal auf Kosten von Stockfotografen Werke bei Warez-Seiten hoch­la­den, ruft aktiv zum Boykott und zum Löschen von Bildern bei Fotolia auf? Warum ist die Warez-Szene so sau­er auf den Dollar Photo Club?

Wer etwas rus­si­sch kann, fin­det die Antwort viel­leicht im oben genann­ten Interview mit Oleg Tscheltzoff, mit dem der Protest anfing. Darin wird er sinn­ge­mäß über­setzt gefragt:

- Was für Risiken sehen sie bei der Entwicklung die­ser Art von Geschäft [dem Dollar Photo Club] in Russland? Zum Beispiel haben Sie selbst erwähnt, dass die Leute Fotos von Google ver­wen­den. Haben sie kei­ne Angst vor Piraterie?

Dieses Projekt kämpft gegen das Phänomen der Piraterie. $ 10 sind teu­er, $ 1 sind eine sym­bo­li­sche Gebühr für ein Foto. Ich bin sicher, dass dies lang­sam in das Bewusstsein der Menschen ein­dringt. In Russland gibt es ein wei­te­res Problem, nicht alle haben eine Kreditkarte, und um Mitglied zu wer­den, ist das not­wen­dig. Wir wer­den nach und nach die neue Zahlungssysteme ein­füh­ren, loka­le und auch Yandex.“

Wenn es ein kos­ten­pflich­ti­ges Angebot schafft, einem kos­ten­lo­sen Angebot Angst zu machen, so sehr, dass die­ses zum Boykott auf­ruft, scheint die Warez-Szene das Billigangebot als ern­s­te Bedrohung zu sehen. Während die Phase der Bilderlöschung abge­klun­gen ist, kon­zen­trie­ren sich die Boykott-Organisatoren jetzt dar­auf, die Opt-Out-Möglichkeit zu beto­nen. Außerdem soll eine Art Community um die stockalliance.org Seite mit ver­schie­de­nen Dienstleistungen her­um auf­ge­baut wer­den, was ich nach den bekannt gewor­de­nen Hintergründen der Organisatoren kri­ti­sch sehe.

Auf der Boykott-Seite ist davon die Rede, dass am 25. Mai eine „Informationskampagne“ geplant sei. Ich ver­mu­te, dass an die­sem Tag die stockalliance.org-Seite und das dazu­ge­hö­ri­ge neue Forum ins Englische über­tra­gen wer­den soll.

Die Warez-Szene war jedoch nie ein Freund der Urheber, im Gegenteil. Jeder Fotograf, der schon mal dar­um kämp­fen mus­s­te, dass sei­ne Werke von einem Filehoster ent­fernt wer­den, weiß davon ein Lied zu sin­gen. Die Entscheidung, wie er wel­che Dateien zu wel­chen Bedingungen über wel­che Kanäle ver­kauft, muss jeder Fotograf selbst ent­schei­den. Ich fin­de, ihr habt aber auch das Recht dar­auf, zu wis­sen, wer euch dabei hel­fen will und was die Motivation die­ser Leute sein könn­te.

Fotolia reagiert übri­gens seit ges­tern, indem sie bis zu fünf Mal höhe­re Kommissionen bei Abo-Downloads ver­spre­chen, wenn die Bilder auch im DPC ange­bo­ten wer­den:

Quelle: https://de.fotolia.com/Member/Modify/Contributor
Quelle: https://de.fotolia.com/Member/Modify/Contributor

Was sagt ihr zu den Hintergründen?
Ich wei­se vor­sorg­li­ch dar­auf hin, dass ich eine sach­li­che, nüch­ter­ne Debatte wün­sche.

Stockfotografie-News 2014-03-14

Was schon seit über zwei Monaten kei­ne News-Sammlung mehr? Eigentlich woll­te ich die neus­te Zusammenstellung der Nachrichten schon letz­ten Freitag brin­gen, aber dann kam die Aufregung um „Getty Embed“ dazwi­schen. Aber heu­te:

  • Shutterstock-CEO Jon Oringer blickt auf das erfolg­rei­che Jahr 2013 für Shutterstock zurück.
  • Auch Alamy ver­öf­fent­lich­te eini­ge span­nen­de Zahlen als Rückblick auf das Jahr 2013. Am span­nends­ten ist wohl, dass letz­tes Jahr 12,2 Millionen USD an Fotografen aus­ge­zahlt wur­den.
  • Die letz­ten Jahre schon hat Tyler Olson von der Microstockgroup.com eine Umfrage unter den Microstock-Fotografen gemacht. Die  Ergebnisse für das Jahr 2013 zeigt er hier als kur­ze Infografik oder hier etwas aus­führ­li­cher.
  • Fotolia star­tet den „Dollar Photo Club“, bei dem sich die Mitglieder aus dem glei­chen Angebot wie bei Fotolia direkt bedie­nen kön­nen. Der Vorteil scheint daher eher der Preis von einem Dollar pro Foto zu sein.
  • Noch mal Shutterstock: Hier stellt die Agentur welt­wei­te Design-Trends für 2014 vor. Auch im Hinblick auf Fotoproduktionen inter­es­sant.
  • Getty Images stellt die neue iPhone-App „Getty Moments“ vor, mit der regis­trier­te Fotografen Kunden-Briefings direkt aufs Handy bekom­men und umset­zen kön­nen. Damit macht die Agentur Firmen wie Scoopshot oder Imagebrief direk­te Konkurrenz.
  • Fast gleich­zei­tig erklärt Getty Images die Partnerschaft mit Flickr für been­det. Die alten Verträge gel­ten (noch) wei­ter­hin, neue Bilder sol­len dann über Getty Moments und EyeEm (sie­he unten) kom­men.
  • iSto­ck hat indi­rekt die Preise erhöht, indem die klein­s­te Bildgröße XS ersatz­los gestri­chen wur­de und Kunden nun die nächst­grö­ße­re (und teu­re­re) Bildgröße kau­fen müs­sen.
  • Noch mal iSto­ck: Die Agentur führt ein neu­es Abo-Modell ein, wel­ches auch viel exklu­si­ves Material ent­hal­ten soll (im Gegensatz zum Thinkstock-Abo). Den Fotografen wer­den für das Abo aber kei­ne „Redeemed Credits“ (RC) ange­rech­net. Das ist wie­der einer der Änderungen, die absicht­li­ch an ver­schie­de­nen Stellschrauben gleich­zei­tig dre­hen, damit es sehr kom­plex und kom­pli­ziert wird, die Folgen zu erklä­ren. Wer sich rein­ar­bei­ten will, kann hier anfan­gen.
  • Getty Images hat zusam­men mit der Nichtregierungsorganisation LeanIn.org die „Lean In Collectiongestar­tet, wel­che Bilder von moder­nen Frauen abseits von Klischees dar­stel­len soll. Die aktu­ell knapp 2.800 Bilder zei­gen mir jedoch, dass das gar nicht so ein­fach ist. Über das Thema hat­te ich ja schon im Dezember hier geschrie­ben.
  • In die­sem Interview erklärt der Gründer Florian Meissner der Bilder-Community EyeEm, dass er jetzt auch Smartphone-Bilder ver­kau­fen will.
  • Kurz dar­auf kün­dig­ten EyeEm und Getty Images einen Vertriebsdeal an, bei dem aus­ge­wähl­te Bilder von EyeEm über iSto­ck und Getty ver­kauft wer­den sol­len. Die Fotografen sol­len 50% des Erlöses erhal­ten, aber nur von dem Betrag, den EyeEm von Getty erhält. Da Getty übli­cher­wei­se nur ca. 20% des Verkufspreises an Partner aus­zahlt, wären das dann 10%. Die genau­en Zahlen sind aber lei­der nicht bekannt. Aber viel­leicht will Getty nur auch mehr Bilder haben, die es – ver­ziert mit Werbebotschaften – im Rahmen von Getty Embed ver­schenkt.
  • Auch der Flickr-Konkurrenz 500px will jetzt in den Bildermarkt ein­stei­gen und Bilder lizen­zie­ren. Ich bin mir nicht sicher, wo deren Alleinstellungsmerkmal lie­gen soll und ver­mu­te, dass sie eher „Print on Demand“-Plattformen als Vorbild haben denn die übli­chen Microstock-Agenturen.
  • Ach ja, Alamy stellt eben­falls eine App für den Bilderverkauf namens Stockimo vor. Die Wertschätzung der Fotografen liest sich am Umsatzanteil ab: Bisherige Alamy-Fotografen erhal­ten 50% Kommission, wer neu ist und sich bis zum 30. April anmel­det, erhält 40%, der Rest bekommt nur 20%.
  • Pond5 stellt ihr neu­es Plugin für Adobe Première Pro vor und ver­schenkt zu die­sem Anlass Videos und Audio-Files im Wert von ca. 1.000 USD.
  • Panthermedia hat die Webseite neu gestal­tet, bie­tet jetzt auch Vektoren an und hat eine „Social Media“-Lizenz in ihre Erweiterten Lizenzen inte­griert. Wer das nicht will, muss die­se also deak­ti­vie­ren.
  • Vor paar Wochen wur­de in den Mainstream-Medien pla­ka­tiv über das Urteil des Landesgerichts Köln berich­tet, wonach – ver­kürzt wie­der­ge­ge­ben – bei jeder Bildnutzung im Internet ein Urheberrechtshinweis direkt am Bild ste­hen müs­se. Konkret bezog sich der Fall auf den User PiJay bei der kos­ten­lo­sen Bilderdatenbank Pixelio, die wie­der­um hier zum Fall Stellung genom­men hat und die Nutzungsbedingungen über­ar­bei­ten will.
  • Shutterstock hat ein schö­nes neu­es Feature: „Undiscovered“. Das ist eine wei­te­re Suchoption neben „Popular“ oder „Newest“, bei der nur Bilder ange­zeigt wur­den, die noch kei­ne Verkäufe hat­ten. Eine Win-Win-Situation: Käufer kön­nen unver­brauch­te Bilder kau­fen und die alten Bilder der Fotografen bekom­men viel­leicht einen Schub.
  • Kleckern, kos­ten, Krümmel: So könn­te man den neu­en Trend „Perfectly Imperfect“ beschrei­ben, wel­chen die Bildagentur Stockfood als neu­en visu­el­len Trend in der Foodfotografie aus­ge­macht hat. Das Rezept kann auch mal miss­lin­gen, der Keks bre­chen oder die Sauce auf die Tischdecke trop­fen. Sieht sym­pa­thi­sch aus, fin­de ich.
  • Diese Tage star­tet Fotolia die drit­te Staffel der TEN Collection, bei der dies­mal je ein Fotograf und ein Grafikdesigner zusam­men an einem Werk arbei­ten. Außerdem wer­den seit ges­tern bis 30. Mai 2014 die bes­ten Werke der ers­ten bei­den Staffeln im foto­li­aL­AB in der Lychener Straße 74, 10437 Berlin aus­ge­stellt. Öffnungszeiten sind Mo-Fr 10–18 Uhr.
  • Noch mal Fotolia: Die Agentur führt eine Auflagenbeschränkung von 500.000 Stück bei der Standardlizenz ein und lässt gleich­zei­tig die Möglichkeit ent­fal­len, die Erweiterte Lizenz deak­ti­vie­ren zu kön­nen.

Mein Angebot: Von der News zur Story!

Ich hat­te kürz­li­ch eine Idee, von der ich schau­en will, ob sie bei euch gut ankommt: Ich möch­te euch anbie­ten, dass ihr in jeder Folge mei­ner „Stockfotografie-News“ bis – sagen wir mal – fünf Tage nach Veröffentlichung (also dies­mal bis ein­schließ­li­ch dem 19.3.2014) eine der News in den Kommentaren nen­nen könnt, über die ihr euch eine aus­führ­li­che Story wünscht. Diese wür­de ich dann in den fol­gen­den Tagen recher­chie­ren, ana­ly­sie­ren, zusam­men­fas­sen und dar­über berich­ten. Gerne könnt ihr in eurem Kommentar auch schrei­ben, war­um Euch die Nachricht inter­es­siert oder wel­che wei­ter­füh­ren­den Aspekte gen­au.

Wenn das inter­es­sant für euch klingt:
Welcher Nachricht soll­te ich tie­fer auf den Grund gehen?