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Das Henne-Ei-Problem neuer Bildagenturen aus zwei Sichtweisen

Es gibt unzäh­li­ge Bildagenturen, über die Fotografen ihre Fotos ver­kau­fen kön­nen. Allein im Microstock-Bereich lis­tet die Microstockgroup neben den vier gro­ßen Agenturen Shutterstock, Fotolia, Dreamstime und iStock­pho­to 41 wei­te­re auf und selbst das deckt nicht alles ab. Dazu kom­men noch min­des­tens eben­so­vie­le Macrostock-Bildagenturen, allen vor­an Getty Images und Corbis und etli­che Nischenagenturen, die sich mehr oder min­der bequem auf spe­zi­el­le Themen kon­zen­trie­ren.


Bei die­ser Auswahl an Bildagenturen ist klar: Es gibt deut­li­ch mehr Agenturen als sie von Käufern benö­tigt wür­den, das glei­che gilt für die Bilder und Motive selbst. Wenn eine neue Bildagentur ver­sucht, in die­sen über­sät­tig­ten Markt ein­zu­drin­gen, steht sie des­halb vor meh­re­ren Problemen, die alle mit­ein­an­der ver­zahnt sind und gebün­delt als das „Henne-Ei“-Problem bezeich­net wer­den kön­nen.

Was war zuer­st da? Die Henne oder das Ei? Jede neue Firma braucht etwas, was sie ver­kau­fen kann: Produkte, Dienstleistungen, Inhalte. Bei Bildagenturen sind die­se Produkte Fotos, Bilder, Vekoren, Illustrationen und so wei­ter. Jeder Fotograf gibt sei­ne Bilder ger­ne einer Agentur, wel­che vie­le Verkäufe erzie­len kann, da so auch immer der Fotograf ver­dient. Diese Verkäufe kann eine Agentur nur gene­rie­ren, wenn die Kunden das pas­sen­de Bild fin­den. Ohne Bilder kei­ne Verkäufe, ohne Verkäufe kei­ne Bilder. Das klas­si­sche „Henne-Ei“-Problem.

Für neue Bildagenturen gibt es des­halb ver­schie­de­ne Wege, sich auf dem Markt zu eta­blie­ren und neu­es Material anzu­wer­ben, die jedoch immer stei­nig sind. Wir wol­len die­se sowohl aus der Sicht der Agenturen als auch der Bildlieferanten betrach­ten.

Ein sehr ein­fa­cher Weg ist die Nutzung von API-Material. API steht für „Application Programming Interface“ und ist die Abkürzung für eine stan­da­ri­sier­te Schnittstelle zum Datenaustausch zwi­schen ver­schie­de­nen Programmen und im Bildermarkt auch Firmen. Fotolia bie­tet bei­spiels­wei­se APIs für ver­schie­de­ne Zwecke an. Eine neue Agentur könn­te die Bilder einer eta­blier­ten Bildagentur mit­tels einer API-Schnittstelle bequem über­neh­men und hät­te auf einen Schlag Millionen Bilder im Angebot. Der gro­ße Nachteil dar­an ist, dass dar­an vor allem die eta­blier­te Bildagentur ver­dient. Das ist gut und bequem für die Fotografen, weil sie im Grunde nichts tun müs­sen, kann jedoch zu einer unkon­trol­lier­ba­ren Verbreitung der Bilder füh­ren. So gesche­hen bei Pixmac, die zudem mit Zuordnungsproblemen und Abrechnungsschwierigkeiten zu kämp­fen hat­ten, wes­halb Fotolia und Dreamstime der Agentur die API-Nutzung unter­sag­ten.

Der zwei­te Weg zeigt eben­falls gut das „Henne-Ei“-Problem. Neue Agenturen sind ger­ne ver­sucht, über den nied­rigs­ten Preis Kunden zu gewin­nen. Das ist im Microstock-Bereich zwar schwer, aber Firmen wie Canstock oder Depositphotos haben gezeigt, dass auch die­se Preise unter­bo­ten wer­den kön­nen. Wer als Agentur jedoch über den Preis in den Markt ein­drin­gen will, wird Probleme haben, schnell genü­gend gute Bilder zu bekom­men, da Fotografen, die rech­nen kön­nen, schnell mer­ken, dass sie einer­seits noch weni­ger ver­die­nen als bei den eta­blier­ten Agenturen und ande­rer­seits Kunden von eta­blier­ten Agenturen zu den Billig-Newcomern abwan­dern, was län­ger­fris­tig eben­falls die eige­nen Umsätze schmä­lert. Als Microstock-Agenturen Mitte der 1990er Jahre den Bildermarkt umkrem­pel­ten, gab es preis­li­ch noch einen gro­ßen Spielraum nach unten, der tat­säch­li­ch dazu führ­te, dass der Markt erst für neue Kunden geöff­net wur­de, die sich vor­her schlicht kein gekauf­tes Bild leis­ten konn­ten. Die Feilscherei um eini­ge Cent bei neu­en Microstock-Agenturen oder, noch schlim­mer, bei Abo-Paketen bringt aber kei­ne Neukunden, son­dern gewährt nur bestehen­den Marktteilnehmern einen Rabatt auf Kosten der Bildlieferanten.

Der nächs­te Weg scheint sehr glän­zend, zumin­dest für die Fotografen. Einige neue Bildagenturen neh­men viel Geld in die Hand und bezah­len anfangs für jedes Bild eine „Upload-Prämie“, um so schnell ihren Bildbestand zu ver­meh­ren. das hat­ten sowohl Veer als auch Polylooks 2010 gemacht, die einen erfolg­reich, die ande­ren nicht. Diese Strategie führt zwar rela­tiv sicher zu vie­len Bildern, ist aber logi­scher­wei­se sehr teu­er, wes­halb vor allem neue Agenturen das nur schwer stem­men kön­nen.

Mindestens eben­so teu­er, aber dafür von der finan­zi­el­len Belastung bes­ser ver­teilt ist das Versprechen hoher Fotografen-Kommissionen. Neue Agenturen wer­ben ger­ne mit 50% oder mehr Fotografenanteil, die aber nur dann fäl­lig wer­den, wenn tat­säch­li­ch Bilder ver­kauft wer­den. Insofern ist das anfangs eine risi­ko­ar­me Variante für neue Bildagenturen, aber falls wider Erwarten die neue Bildagentur sich doch auf dem Markt behaup­ten kann, wird sie die hohen Kommissionen schnell leid wer­den, weil sie im Gegensatz zur kurz­fris­ti­gen Belastung durch zeit­li­ch begrenz­te Upload-Prämien lang­fris­tig den Agentur-Gewinn schmä­lern. Deshalb haben fast alle Bildagenturen im Laufe ihrer Geschichte die Fotografenanteile gekürzt. Eine Agentur, die durch­schnitt­li­ch Anteile erhöht hat, ist mir nicht bekannt. Selbst Versprechen neu­er Agenturen, die Kommissionen wür­den für immer gleich blei­ben, neh­me ich mitt­ler­wei­le nicht mehr ern­st.

Lohnt es sich für Fotografen des­halb über­haupt, Zeit in neue Bildagenturen zu inves­tie­ren? Neue Agenturen behaup­ten oft, wei­te­re Spieler im Feld wür­den mehr Fairness und bes­se­re Umsätze brin­gen. Der Bildermarkt ist jedoch kein Nachfragemarkt, son­dern ein Angebotsmarkt, das heißt, es müs­sen vor allem die Käufer zufrie­den gestellt wer­den, durch gute Qualität und nied­ri­ge Preise, wäh­rend die Lieferanten (Fotografen) kaum Ansprüche stel­len kön­nen. Deshalb sor­gen neue Bildagenturen meist auch nur für mehr Arbeit bei den Fotografen durch das Hochladen und die Bildkontrolle, wäh­rend der Konkurrenzkampf här­ter wird und damit die Preise mit jeder neu­en Agentur eher sin­ken. Das führt dann wie­der zu sin­ken­den Fotografenhonoraren.

Mit ca. zehn Microstock-Agenturen, die sich dann durch ver­schie­de­ne Stärken wie exklu­si­ve Inhalte, viel Auswahl, nied­ri­ger Preis, Service und hohe Qualität unter­schie­den, wäre der Bildermarkt sicher aus­rei­chend bedient.

Wie seht ihr das? Brauchen Fotografen noch neue Bildagenturen oder soll­ten eher eini­ge lei­se ver­schwin­den? Und was soll­ten die Kriterien sein?

Die Angst von Foto-Amateuren vor Berufsfotografen (und andersrum)

Vor ca. einem hal­ben Jahr hat­te Martin Gommel in sei­nem Blog eine kur­ze Umfrage, ob sei­ne Leser Berufsfotografen sind. Ca. 88% ant­wor­te­ten mit nein. In einer anschlie­ßen­den Diskussion frag­te Martin, war­um die­se 88% nicht vom Fotografieren leben wol­len.

Die Antworten haben mich etwas über­rascht. Es über­wo­gen Sätze wie „Dann hät­te ich kei­ne Zeit mehr zum Fotografieren“, „Ich will mich die­sem Druck nicht aus­set­zen“, „Die foto­gra­fi­sche Freiheit wäre dann weg“ oder „Ich will nicht auf Kommando krea­tiv sein“.

Da ich selbst beruf­li­ch foto­gra­fie­re, kann ich die­se Aussagen nicht nach­voll­zie­hen. Das Zeit-Argument ist am leich­tes­ten zu wider­le­gen. Auch Berufsfotografen haben irgend­wann Freizeit und in die­ser kön­nen sie gen­au so „pri­vat“ foto­gra­fie­ren wie es ein Hobbyfotograf nach sei­ner Arbeit tun kann. Ich zücke dann unter­wegs mei­ne Handykamera und freue mich, dass ich mir um Megapixel, Rauschverhalten oder Bildfehlern kei­ne Sorgen machen muss, weil das Ergebnis nur mir allein gefal­len muss.


Die ande­ren Argumente wie Druck oder Kreativität auf Befehl sind meist nur Ausreden. Ja, der gro­ße Aufschrei wird kom­men, denn meist glau­ben die Hobbyfotografen das wirk­li­ch. Dabei klingt es nur ange­neh­mer und schmei­chelt sogar dem künst­le­ri­schen Ego ein wenig, wenn man sagt: „Ich will mir mei­ne foto­gra­fi­sche Freiheit nicht neh­men las­sen“ statt „Ich habe ver­damm­te Angst, nicht gut genug zu sein, um damit genug Geld zum Leben zu ver­die­nen“.

Darauf läuft es doch hin­aus. Wer als Berufsfotograf rich­tig gut ist, kann es sich auch leis­ten, Aufträge abzu­leh­nen oder er wünscht sich sogar die Herausforderung, schwie­ri­ge Fotos umset­zen zu müs­sen. Ein gutes Foto machen kann jeder Hobbyfotograf. Ein Berufsfotograf hin­ge­gen muss gute Fotos machen. Immer und immer wie­der, wenn er erfolg­reich sein will.

Ich glau­be, vie­le Hobbyfotografen über­se­hen, dass der Druck und der Zwang, auch frem­de Ideen zufrie­den­stel­lend umset­zen zu müs­sen, die eige­ne Lernkurve stark nach oben schnel­len lässt. Zwar habe ich als Stockfotograf kei­ne Auftraggeber, denen mei­ne Fotos gefal­len müs­sen, aber die Bildredakteure, an denen mei­ne Fotos vor­bei müs­sen, bevor ich sie ver­kau­fen kann, schau­en viel stär­ker auf tech­ni­sche Perfektion als es vie­le Artdirektoren oder Auftraggeber je tun wür­den.

Im ers­ten Jahr mei­ner beruf­li­chen Fotografiekarriere habe ich mehr gelernt als in den zehn Jahren davor, in denen ich nur aus Spaß foto­gra­fiert habe. Plötzlich haben sich Leute erdreis­tet, mei­ne Fotos abzu­leh­nen, weil sie feh­ler­haft sei­en statt wie Freunde und Verwandte sie nur stän­dig zu loben. Kunden kauf­ten auf ein­mal Bilder, die mir fast pein­li­ch waren, wäh­rend mei­ne Lieblingsfotos unbe­ach­tet in den Bildagenturen Staub ansetz­ten.

Das zwang mich zu einem neu­tra­le­ren, kri­ti­schen Blick auf mei­ne eige­nen Werke. Blumenfotos mögen schön sein, aber sie ver­kau­fen sich sel­ten. Anschnitte sehen viel­leicht ästhe­ti­sch aus, wer­den aber von Bildkäufern gemie­den. Ich weiß jetzt, dass der Satz „Ich foto­gra­fie­re nur mit avail­able light, weil das authen­ti­scher aus­sieht“ über­setzt oft nur bedeu­tet: „Ich habe Angst, rich­tig blit­zen zu ler­nen“.

Fotografie ist einer der Bereiche, in denen sich die Profis durch Wegfall des Meisterzwangs und rasan­ter Verbreitung der Digitalkameras auf ein­mal gegen unzäh­li­ge Amateure behaup­ten müs­sen. Zum einen freut mich die­se Entwicklung, weil sie mir als Quereinsteiger über­haupt erst ermög­licht hat, mich mit der Fotografie selb­stän­dig zu machen. Andererseits führt das auch zu einer Entwertung von Fotografie, weil vie­le Amateure sehr gute Fotos machen, die sie dann gedan­ken­los bei Flickr oder ande­ren Fotodatenbanken kos­ten­los zum Download anbie­ten. Überspitzt gesagt ver­hal­ten sich eini­ge Hobbyfotografen damit „unpro­fes­sio­nell“ im nega­ti­ven Sinne des Wortes. Zwar hat er jedes Recht dazu, denn er ist ja kein Profi, gleich­zei­tig macht er aber dem Profi Konkurrenz. Es ist ja eine Sache, ob eine Firma bei­spiels­wei­se beschließt, dass sie ihre Fotos jetzt selbst macht oder die Fotos eines Hobbyfotografen nutzt, den sie im Gegensatz zum Profi nicht bezah­len muss.

Einige Fotoprofis fan­gen dann an zu jam­mern (manch­mal auch in den Kommentaren hier im Blog), ande­re krem­peln die Ärmel hoch und suchen nach Alleinstellungsmerkmalen. Einige Fotografen inves­tie­ren Zeit und Geld in Videoproduktionen, ande­re bie­ten 3D-Panoramafotografie an und die nächs­ten lösen das Problem über erhöh­te Masse. Hier zeigt sich wie­der, was den Berufsfotografen von Hobbyfotografen unter­schei­det: Der Berufsfotograf muss stän­dig gelun­ge­ne Bilder machen, dem Hobbyfotograf rei­chen eini­ge „Zufallstreffer“. Der beruf­li­che Zwang, gen­au zu ana­ly­sie­ren, wie man sich mit sei­nen Bildern von der Masse an Amateurfotos absetzt, trägt viel dazu bei, bes­ser foto­gra­fie­ren zu ler­nen.

Vor zwei, drei Jahren hät­te ich schlot­tern­de Knie bekom­men, wenn ich ein Shooting mit meh­re­ren Personen hät­te machen müs­sen. Heute kann ich ziem­li­ch gen­au kal­ku­lie­ren, wie auf­wän­dig das ist, wie lan­ge ich brau­che und – ganz wich­tig – ich habe genug Übung, auch brauch­ba­re Fotos dabei zu machen.

Die Angst, nicht genug zu ver­die­nen, der Druck, immer gute Ergebnisse erzie­len zu müs­sen und der Zwang, stän­dig krea­tiv zu sein, kann läh­mend sein. Wer sich jedoch streckt und die Herausforderung annimmt, wird ein bes­se­rer Fotograf wer­den als es ein Amateur je wer­den kann.

Was sagt ihr dazu? Bereut ihr als Berufsfotograf eure Berufswahl? Oder war­um wollt ihr nur als Hobby foto­gra­fie­ren?

Zugang zu Getty Images für Fotografen über Zoonar

Der Bildermarkt gleicht einem Wirbelwind. Agenturen tau­chen aus dem Nichts aus und ver­schwin­den genauso schnell wie­der oder wer­den gekauft, ver­kauft, ver­eint oder umbe­nannt.

Im Mai hat­te ich geschrie­ben, dass die Bildagentur Photolibrary vom Marktführer Getty Images auf­ge­kauft wur­de. Das hat­te ich damals schon kri­ti­sch kom­men­tiert und heu­te zeigt sich wie­der, wie­so.

Photolibrary war und ist einer der Vertriebspartner der deut­schen Bildagentur Zoonar, wel­che sich wirk­li­ch alle Mühe gibt, inter­es­san­te Vertriebspartner für ihre Fotografen zu gewin­nen.

Nach der Übernahme stell­te sich die Frage: Was pas­siert mit den Zoonar-Fotos bei Photolibrary? Kommen die auch zu Getty Images? Die kur­ze Antwort: Ja. Die lan­ge Antwort:

Der Inhaber von Zoonar, Michael Krabs, schick­te ges­tern die­se Mail an sei­ne Fotografen:

Sie haben sicher schon gehört, dass Getty Images unse­re Partneragentur Photolibrary gekauft hat und die­se zum Oktober 2011 schlie­ßen wird.

Umso mehr dürf­te es Sie freu­en, dass wir jetzt auch mit Getty Images einen Partner-Vertrag aus­ge­han­delt haben. Wir kön­nen Ihnen daher anbie­ten, alle Fotos, die Zoonar bereits bei Photolibrary ein­ge­spielt hat, direkt in den welt­wei­ten Getty-Vertrieb zu über­neh­men. Die Fotos wer­den dann bei Thinkstock, Photos.com und Jupiterimages ein­ge­spielt und über die Getty Abo-Modelle (Subscriptions) ver­kauft. Hier wer­den sehr hohe Umsatzraten erzielt.

Daher emp­feh­len wir Ihnen, den Vertrieb Ihrer Fotos über Getty Images zu akzep­tie­ren. Es wird sich für Sie aus­zah­len. Sollten Sie Ihre Fotos nicht über Getty Images ver­trei­ben wol­len, so möch­ten wir Sie bit­ten, die ent­spre­chen­den Fotos bis zum 09.10.2011 in der Zoonar-Partnerverwaltung für den Partner Photolibrary zurück­zu­zie­hen.

Alle Fotos, die Sie bis zum 09.10.2011 für den Partner Photolibrary abzie­hen, wer­den vor Ablauf der sechs­mo­na­ti­gen Frist ent­fernt, so dass sie nicht zu Getty Images über­tra­gen wer­den. In einen spä­te­ren Schritt, wer­den wir Ihnen dann auch anbie­ten, wei­te­re Fotos für Getty Images frei­zu­schal­ten. Hierfür sind aber noch eini­ge Entwicklungsarbeiten not­wen­dig. Sobald dies mög­li­ch ist, wer­den wir sie infor­mie­ren. Bitte rech­nen Sie aber erst in 2–3 Monaten damit.“

Dieses Angebot ist inso­fern inter­es­sant, das Getty ansons­ten stark auf Exklusivität pocht und in die­sem Fall dar­auf ver­zich­tet.

Für Fotografen mag es zwar pres­ti­ge­träch­tig sein, sagen zu kön­nen, dass ihre Bilder über Getty Images ver­trie­ben wer­den, aber bei nähe­rer Betrachtung wür­de ich zur Vorsicht raten.

Es wäre naiv zu glau­ben, dass Fotos in der Photolibrary-Kollektion bei Suchanfragen genauso behan­delt wer­den wie Premium-Kollektionen wie Stone+ oder dem Hulton Archiv. In der Mail oben klingt schon recht deut­li­ch an, was das Ansinnen von Getty ist: Mehr Material für Abo-Angebote zu erhal­ten, die über Thinkstock, Photos.com und Jupiterimages ver­kauft wer­den. Das ist ver­gleich­bar mit dem Grabbeltisch im Schlussverkauf, wäh­rend eine Etage dar­über die neue Herbstkollektion hängt.

Auf Nachfrage ging Herr Krabs noch mal ins Detail und erklär­te wei­te­re Einzelheiten des Angebots. Betroffen sind nur RF-Bilder, RM-Bilder in der Photolibrary über Zoonar wer­den nicht von Getty Images über­nom­men. Wer das Angebot nicht anneh­men möch­te und sei­ne gesam­ten Bilder aus dem Photolibrary-Partnerprogramm ent­fer­nen will, kann das bis zum 09.10.2011 ent­we­der manu­ell in sei­nem Fotografenaccount umstel­len oder bei über 2000 Bildern im Portfolio bie­tet Herr Krabs an, eine Mail inklu­si­ve des Accountnamens an info@zoonar.com zu schrei­ben, dann über­nimmt Zoonar die Deaktivierung.

Ausdrücklich wies Herr Krabs dar­auf hin, dass teil­neh­men­de Fotografen „recht schmerz­frei“ sein soll­ten, was die Pro-Bild-Umsätze angeht, auch wenn durch die schie­ren Mengen trotz der hohen Margen von Getty Images viel für den Fotografen abfallen wür­de. Das Angebot lohnt sich dem­nach nicht für Fotografen, die ihre Bilder schon sehr sinn­voll und breit gestreut haben. Er selbst wird sei­ne Bilder dort nicht anbie­ten und ich wer­de es eben­falls nicht tun. Theoretisch könn­ten die Bilder auch zu hohen Einzelpreisen ver­kauft wer­den, aber unge­fähr 98% der Verkäufe bei Photolibrary waren Abo-Verkäufe und ich sehe kei­nen Grund, war­um sich das bei Getty ändern soll­te.

Getty Images ver­sucht hier zum wie­der­hol­ten Male, ande­ren Abo-Anbietern Konkurrenz zu machen. Zuerst wur­den alle istock-Fotografen gezwun­gen, ihre Bilder bei Thinkstock auch im Abo zu ver­kau­fen, jetzt kommt mit der Photolibrary ein wei­te­rer Schwung an Bildern in die Sammlung. Je attrak­ti­ver Thinkstock oder Photos.com jedoch für Bildkäufer wer­den, desto weni­ger Honorar wer­den die Fotografen erhal­ten. Wer also zum Beispiel gut bei Shutterstock oder Fotolia ver­kauft, schnei­det sich mit­tel­fris­tig ins eige­ne Fleisch, wenn von dort Abo-Kunden zu den Getty-Abo-Modellen wech­seln.

Während der Fotograf bei Shutterstock, Fotolia etc. ca. 25–40 Cent pro Download erhält, ist noch nicht klar, wie viel Zoonar-Fotografen unter dem Strich pro Abo-Download erhal­ten wür­den. Auf jeden Fall wer­den es weni­ger als 25 Cent sein (soviel erhal­ten schon die Thinkstock-Lieferanten bei isto­ck minus der Zoonar-Anteil) und rein rech­ne­ri­sch (voll aus­ge­schöpf­tes Jahresabo) wären auch leicht Abo-Abrechnungen im ein­stel­li­gen Cent-Bereich mög­li­ch.

Deswegen: Wem egal ist, wie viel er ver­dient, solan­ge er nur bei Getty ist, der kann das Angebot anneh­men. Den ande­ren Fotografen emp­feh­le ich eher, sich das gründ­li­ch zu über­le­gen, vor allem, wenn sie ihre Bilder auch bei Shutterstock anbie­ten.

Was ist eure Entscheidung? Weiterhin über Photolibrary auch bei Getty im Abo ver­tre­ten zu sein oder lie­ber dar­auf ver­zich­ten?

Neid und Konkurrenz zwischen den drei Bildermärkten RM, RF und Microstock

Vor eini­gen Tagen bekam ich wie­der eine Mail eines Berufsfotografen. Ohne sich vor­zu­stel­len, frag­te er mich direkt, wie­so ich mei­ne Bilder als Microstock anbie­ten wür­de. Damit wür­de ich das Einkommen vie­ler Fotografen zer­stö­ren. Ich ant­wor­te­te höf­li­ch und er erwi­der­te mit Zahlen, wie viel ich pro Bild und Jahr bei Macrostock–Agenturen und Verkäufen nach der MfM-Tabelle machen kön­ne. Ich rech­ne­te kurz nach und merk­te, dass ich bei sei­nen Umsätzen auch im Microstock-Bereich mit­hal­ten konn­te.

Zwei Fäuste

Das ließ mich ver­mu­ten, dass der betref­fen­de Fotograf den Vorwurf erhob, ohne selbst kon­kre­te Zahlen zum Microstock-Geschäft zu haben. Genau das war auch der Grund, war­um ich vor über einem Jahr selbst begon­nen hat­te, eini­ge Fotosessions über Microstock-Bildagenturen zu ver­kau­fen. Da ich auch genug RM und Macro-RF-Bilder anbie­te, hat­te ich nach einer Weile gute Vergleichszahlen. Einen Teil davon habe ich im Blog auch schon ver­öf­fent­licht. Dort kamen in den Kommentaren übri­gens auch gleich wie­der obi­ge Vorwürfe auf. Für mich und mei­ne Art der Fotografie jedoch lohnt sich Microstock.

Macro vs. Micro

Vor einer Weile bekrieg­ten sich Fotografen über das bestehen­de RM-Lizenzmodell und die damals neu ent­ste­hen­den RF-Bildangebote. Jetzt ist die Verbitterung zwi­schen „tra­di­tio­nel­len“ Fotografen und Microstock-Produzenten noch stär­ker, da der ein­zi­ge Unterschied im Geschäftsmodell mitt­ler­wei­le nur der Preis ist. Macro-Fotografen mer­ken Umsatzrückgänge und beschul­di­gen die Microstocker, statt sich in das neue Geschäftsmodell ein­zu­ar­bei­ten und es ver­ste­hen zu ler­nen.

Microstock-Agenturen haben mitt­ler­wei­le so vie­le Kunden, dass sie ein akti­ver und wei­ter­hin wach­sen­der Bereich der Stockfotografie sind. Microstock wird nicht so schnell wie­der ver­schwin­den, wie es vie­le am Anfang gehofft haben. Die Territorialkämpfe sind sinn­los gewor­den, der Markt ist abge­steckt und gesi­chert. Wer nicht über den Zaun kommt, bleibt auf der ande­ren Seite ste­hen und schimpft. Die ande­ren neh­men teil und ver­die­nen mit.

Micro vs. Macro

Doch auch anders­rum gibt es Gezetter am Preisgrenzenzzaun. Microstock-Fotografen waren anfangs meist Amateure, deren Wissen und Technik mit der Zeit bes­ser wur­de. Jetzt kom­men aber die offe­ne­ren und expe­ri­men­tier­freu­di­gen Profi-Fotografen aus der Macro-RF-Liga und begin­nen, ihr Können im Microstock-Bereich zu zei­gen. Durch eige­ne Studios, bes­se­ren Zugang zu Models und viel Ausrüstung wach­sen deren Portfolios oft schnel­ler und mit durch­schnitt­li­ch bes­ser ver­käuf­li­chen Bildern an. Das ängs­tigt die Hobby-Fotografen, die sich eben­falls bedroht füh­len durch das Anheben der Messlatte.

Macro + Micro

Ich bin jedoch sicher, dass alle drei Modelle neben­ein­an­der exis­tie­ren kön­nen. Die Prozentanteile wer­den sich bestimmt ver­schie­ben. Aber wenn Fotografen ler­nen, ihren RF, RM und Microstock-Bereich nicht als in sich geschlos­se­nen Markt, son­dern als Teil eines gro­ßen Bildermarktes zu sehen, an dem alle teil­neh­men kön­nen, kön­nen wir unse­re Energie bestimmt dar­auf ver­wen­den, den Markt zu stär­ken und nicht uns selbst zu schwä­chen.

Vor paar Wochen hat­te der Fotograf Jonathan Ross im Blog „Microstock Diaries“ einen sehr ähn­li­chen Artikel geschrie­ben, der mir aus dem Herzen spricht und den ich zum Lesen emp­feh­le.

Welche Erfahrungen habt ihr beim Umgang von Macro- und Microstock-Fotografen mit­ein­an­der gemacht? Seht ihr das ähn­li­ch wie ich oder nicht?