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Das Henne-Ei-Problem neuer Bildagenturen aus zwei Sichtweisen

Es gibt unzählige Bildagenturen, über die Fotografen ihre Fotos verkaufen können. Allein im Microstock-Bereich listet die Microstockgroup neben den vier großen Agenturen Shutterstock, Fotolia, Dreamstime und iStockphoto 41 weitere auf und selbst das deckt nicht alles ab. Dazu kommen noch mindestens ebensoviele Macrostock-Bildagenturen, allen voran Getty Images und Corbis und etliche Nischenagenturen, die sich mehr oder minder bequem auf spezielle Themen konzentrieren.


Bei dieser Auswahl an Bildagenturen ist klar: Es gibt deutlich mehr Agenturen als sie von Käufern benötigt würden, das gleiche gilt für die Bilder und Motive selbst. Wenn eine neue Bildagentur versucht, in diesen übersättigten Markt einzudringen, steht sie deshalb vor mehreren Problemen, die alle miteinander verzahnt sind und gebündelt als das „Henne-Ei“-Problem bezeichnet werden können.

Was war zuerst da? Die Henne oder das Ei? Jede neue Firma braucht etwas, was sie verkaufen kann: Produkte, Dienstleistungen, Inhalte. Bei Bildagenturen sind diese Produkte Fotos, Bilder, Vekoren, Illustrationen und so weiter. Jeder Fotograf gibt seine Bilder gerne einer Agentur, welche viele Verkäufe erzielen kann, da so auch immer der Fotograf verdient. Diese Verkäufe kann eine Agentur nur generieren, wenn die Kunden das passende Bild finden. Ohne Bilder keine Verkäufe, ohne Verkäufe keine Bilder. Das klassische „Henne-Ei“-Problem.

Für neue Bildagenturen gibt es deshalb verschiedene Wege, sich auf dem Markt zu etablieren und neues Material anzuwerben, die jedoch immer steinig sind. Wir wollen diese sowohl aus der Sicht der Agenturen als auch der Bildlieferanten betrachten.

Ein sehr einfacher Weg ist die Nutzung von API-Material. API steht für „Application Programming Interface“ und ist die Abkürzung für eine standarisierte Schnittstelle zum Datenaustausch zwischen verschiedenen Programmen und im Bildermarkt auch Firmen. Fotolia bietet beispielsweise APIs für verschiedene Zwecke an. Eine neue Agentur könnte die Bilder einer etablierten Bildagentur mittels einer API-Schnittstelle bequem übernehmen und hätte auf einen Schlag Millionen Bilder im Angebot. Der große Nachteil daran ist, dass daran vor allem die etablierte Bildagentur verdient. Das ist gut und bequem für die Fotografen, weil sie im Grunde nichts tun müssen, kann jedoch zu einer unkontrollierbaren Verbreitung der Bilder führen. So geschehen bei Pixmac, die zudem mit Zuordnungsproblemen und Abrechnungsschwierigkeiten zu kämpfen hatten, weshalb Fotolia und Dreamstime der Agentur die API-Nutzung untersagten.

Der zweite Weg zeigt ebenfalls gut das „Henne-Ei“-Problem. Neue Agenturen sind gerne versucht, über den niedrigsten Preis Kunden zu gewinnen. Das ist im Microstock-Bereich zwar schwer, aber Firmen wie Canstock oder Depositphotos haben gezeigt, dass auch diese Preise unterboten werden können. Wer als Agentur jedoch über den Preis in den Markt eindringen will, wird Probleme haben, schnell genügend gute Bilder zu bekommen, da Fotografen, die rechnen können, schnell merken, dass sie einerseits noch weniger verdienen als bei den etablierten Agenturen und andererseits Kunden von etablierten Agenturen zu den Billig-Newcomern abwandern, was längerfristig ebenfalls die eigenen Umsätze schmälert. Als Microstock-Agenturen Mitte der 1990er Jahre den Bildermarkt umkrempelten, gab es preislich noch einen großen Spielraum nach unten, der tatsächlich dazu führte, dass der Markt erst für neue Kunden geöffnet wurde, die sich vorher schlicht kein gekauftes Bild leisten konnten. Die Feilscherei um einige Cent bei neuen Microstock-Agenturen oder, noch schlimmer, bei Abo-Paketen bringt aber keine Neukunden, sondern gewährt nur bestehenden Marktteilnehmern einen Rabatt auf Kosten der Bildlieferanten.

Der nächste Weg scheint sehr glänzend, zumindest für die Fotografen. Einige neue Bildagenturen nehmen viel Geld in die Hand und bezahlen anfangs für jedes Bild eine „Upload-Prämie“, um so schnell ihren Bildbestand zu vermehren. das hatten sowohl Veer als auch Polylooks 2010 gemacht, die einen erfolgreich, die anderen nicht. Diese Strategie führt zwar relativ sicher zu vielen Bildern, ist aber logischerweise sehr teuer, weshalb vor allem neue Agenturen das nur schwer stemmen können.

Mindestens ebenso teuer, aber dafür von der finanziellen Belastung besser verteilt ist das Versprechen hoher Fotografen-Kommissionen. Neue Agenturen werben gerne mit 50% oder mehr Fotografenanteil, die aber nur dann fällig werden, wenn tatsächlich Bilder verkauft werden. Insofern ist das anfangs eine risikoarme Variante für neue Bildagenturen, aber falls wider Erwarten die neue Bildagentur sich doch auf dem Markt behaupten kann, wird sie die hohen Kommissionen schnell leid werden, weil sie im Gegensatz zur kurzfristigen Belastung durch zeitlich begrenzte Upload-Prämien langfristig den Agentur-Gewinn schmälern. Deshalb haben fast alle Bildagenturen im Laufe ihrer Geschichte die Fotografenanteile gekürzt. Eine Agentur, die durchschnittlich Anteile erhöht hat, ist mir nicht bekannt. Selbst Versprechen neuer Agenturen, die Kommissionen würden für immer gleich bleiben, nehme ich mittlerweile nicht mehr ernst.

Lohnt es sich für Fotografen deshalb überhaupt, Zeit in neue Bildagenturen zu investieren? Neue Agenturen behaupten oft, weitere Spieler im Feld würden mehr Fairness und bessere Umsätze bringen. Der Bildermarkt ist jedoch kein Nachfragemarkt, sondern ein Angebotsmarkt, das heißt, es müssen vor allem die Käufer zufrieden gestellt werden, durch gute Qualität und niedrige Preise, während die Lieferanten (Fotografen) kaum Ansprüche stellen können. Deshalb sorgen neue Bildagenturen meist auch nur für mehr Arbeit bei den Fotografen durch das Hochladen und die Bildkontrolle, während der Konkurrenzkampf härter wird und damit die Preise mit jeder neuen Agentur eher sinken. Das führt dann wieder zu sinkenden Fotografenhonoraren.

Mit ca. zehn Microstock-Agenturen, die sich dann durch verschiedene Stärken wie exklusive Inhalte, viel Auswahl, niedriger Preis, Service und hohe Qualität unterschieden, wäre der Bildermarkt sicher ausreichend bedient.

Wie seht ihr das? Brauchen Fotografen noch neue Bildagenturen oder sollten eher einige leise verschwinden? Und was sollten die Kriterien sein?

Die Angst von Foto-Amateuren vor Berufsfotografen (und andersrum)

Vor ca. einem halben Jahr hatte Martin Gommel in seinem Blog eine kurze Umfrage, ob seine Leser Berufsfotografen sind. Ca. 88% antworteten mit nein. In einer anschließenden Diskussion fragte Martin, warum diese 88% nicht vom Fotografieren leben wollen.

Die Antworten haben mich etwas überrascht. Es überwogen Sätze wie „Dann hätte ich keine Zeit mehr zum Fotografieren“, „Ich will mich diesem Druck nicht aussetzen“, „Die fotografische Freiheit wäre dann weg“ oder „Ich will nicht auf Kommando kreativ sein“.

Da ich selbst beruflich fotografiere, kann ich diese Aussagen nicht nachvollziehen. Das Zeit-Argument ist am leichtesten zu widerlegen. Auch Berufsfotografen haben irgendwann Freizeit und in dieser können sie genau so „privat“ fotografieren wie es ein Hobbyfotograf nach seiner Arbeit tun kann. Ich zücke dann unterwegs meine Handykamera und freue mich, dass ich mir um Megapixel, Rauschverhalten oder Bildfehlern keine Sorgen machen muss, weil das Ergebnis nur mir allein gefallen muss.


Die anderen Argumente wie Druck oder Kreativität auf Befehl sind meist nur Ausreden. Ja, der große Aufschrei wird kommen, denn meist glauben die Hobbyfotografen das wirklich. Dabei klingt es nur angenehmer und schmeichelt sogar dem künstlerischen Ego ein wenig, wenn man sagt: „Ich will mir meine fotografische Freiheit nicht nehmen lassen“ statt „Ich habe verdammte Angst, nicht gut genug zu sein, um damit genug Geld zum Leben zu verdienen“.

Darauf läuft es doch hinaus. Wer als Berufsfotograf richtig gut ist, kann es sich auch leisten, Aufträge abzulehnen oder er wünscht sich sogar die Herausforderung, schwierige Fotos umsetzen zu müssen. Ein gutes Foto machen kann jeder Hobbyfotograf. Ein Berufsfotograf hingegen muss gute Fotos machen. Immer und immer wieder, wenn er erfolgreich sein will.

Ich glaube, viele Hobbyfotografen übersehen, dass der Druck und der Zwang, auch fremde Ideen zufriedenstellend umsetzen zu müssen, die eigene Lernkurve stark nach oben schnellen lässt. Zwar habe ich als Stockfotograf keine Auftraggeber, denen meine Fotos gefallen müssen, aber die Bildredakteure, an denen meine Fotos vorbei müssen, bevor ich sie verkaufen kann, schauen viel stärker auf technische Perfektion als es viele Artdirektoren oder Auftraggeber je tun würden.

Im ersten Jahr meiner beruflichen Fotografiekarriere habe ich mehr gelernt als in den zehn Jahren davor, in denen ich nur aus Spaß fotografiert habe. Plötzlich haben sich Leute erdreistet, meine Fotos abzulehnen, weil sie fehlerhaft seien statt wie Freunde und Verwandte sie nur ständig zu loben. Kunden kauften auf einmal Bilder, die mir fast peinlich waren, während meine Lieblingsfotos unbeachtet in den Bildagenturen Staub ansetzten.

Das zwang mich zu einem neutraleren, kritischen Blick auf meine eigenen Werke. Blumenfotos mögen schön sein, aber sie verkaufen sich selten. Anschnitte sehen vielleicht ästhetisch aus, werden aber von Bildkäufern gemieden. Ich weiß jetzt, dass der Satz „Ich fotografiere nur mit available light, weil das authentischer aussieht“ übersetzt oft nur bedeutet: „Ich habe Angst, richtig blitzen zu lernen“.

Fotografie ist einer der Bereiche, in denen sich die Profis durch Wegfall des Meisterzwangs und rasanter Verbreitung der Digitalkameras auf einmal gegen unzählige Amateure behaupten müssen. Zum einen freut mich diese Entwicklung, weil sie mir als Quereinsteiger überhaupt erst ermöglicht hat, mich mit der Fotografie selbständig zu machen. Andererseits führt das auch zu einer Entwertung von Fotografie, weil viele Amateure sehr gute Fotos machen, die sie dann gedankenlos bei Flickr oder anderen Fotodatenbanken kostenlos zum Download anbieten. Überspitzt gesagt verhalten sich einige Hobbyfotografen damit „unprofessionell“ im negativen Sinne des Wortes. Zwar hat er jedes Recht dazu, denn er ist ja kein Profi, gleichzeitig macht er aber dem Profi Konkurrenz. Es ist ja eine Sache, ob eine Firma beispielsweise beschließt, dass sie ihre Fotos jetzt selbst macht oder die Fotos eines Hobbyfotografen nutzt, den sie im Gegensatz zum Profi nicht bezahlen muss.

Einige Fotoprofis fangen dann an zu jammern (manchmal auch in den Kommentaren hier im Blog), andere krempeln die Ärmel hoch und suchen nach Alleinstellungsmerkmalen. Einige Fotografen investieren Zeit und Geld in Videoproduktionen, andere bieten 3D-Panoramafotografie an und die nächsten lösen das Problem über erhöhte Masse. Hier zeigt sich wieder, was den Berufsfotografen von Hobbyfotografen unterscheidet: Der Berufsfotograf muss ständig gelungene Bilder machen, dem Hobbyfotograf reichen einige „Zufallstreffer“. Der berufliche Zwang, genau zu analysieren, wie man sich mit seinen Bildern von der Masse an Amateurfotos absetzt, trägt viel dazu bei, besser fotografieren zu lernen.

Vor zwei, drei Jahren hätte ich schlotternde Knie bekommen, wenn ich ein Shooting mit mehreren Personen hätte machen müssen. Heute kann ich ziemlich genau kalkulieren, wie aufwändig das ist, wie lange ich brauche und – ganz wichtig – ich habe genug Übung, auch brauchbare Fotos dabei zu machen.

Die Angst, nicht genug zu verdienen, der Druck, immer gute Ergebnisse erzielen zu müssen und der Zwang, ständig kreativ zu sein, kann lähmend sein. Wer sich jedoch streckt und die Herausforderung annimmt, wird ein besserer Fotograf werden als es ein Amateur je werden kann.

Was sagt ihr dazu? Bereut ihr als Berufsfotograf eure Berufswahl? Oder warum wollt ihr nur als Hobby fotografieren?

Zugang zu Getty Images für Fotografen über Zoonar

Der Bildermarkt gleicht einem Wirbelwind. Agenturen tauchen aus dem Nichts aus und verschwinden genauso schnell wieder oder werden gekauft, verkauft, vereint oder umbenannt.

Im Mai hatte ich geschrieben, dass die Bildagentur Photolibrary vom Marktführer Getty Images aufgekauft wurde. Das hatte ich damals schon kritisch kommentiert und heute zeigt sich wieder, wieso.

Photolibrary war und ist einer der Vertriebspartner der deutschen Bildagentur Zoonar, welche sich wirklich alle Mühe gibt, interessante Vertriebspartner für ihre Fotografen zu gewinnen.

Nach der Übernahme stellte sich die Frage: Was passiert mit den Zoonar-Fotos bei Photolibrary? Kommen die auch zu Getty Images? Die kurze Antwort: Ja. Die lange Antwort:

Der Inhaber von Zoonar, Michael Krabs, schickte gestern diese Mail an seine Fotografen:

„Sie haben sicher schon gehört, dass Getty Images unsere Partneragentur Photolibrary gekauft hat und diese zum Oktober 2011 schließen wird.

Umso mehr dürfte es Sie freuen, dass wir jetzt auch mit Getty Images einen Partner-Vertrag ausgehandelt haben. Wir können Ihnen daher anbieten, alle Fotos, die Zoonar bereits bei Photolibrary eingespielt hat, direkt in den weltweiten Getty-Vertrieb zu übernehmen. Die Fotos werden dann bei Thinkstock, Photos.com und Jupiterimages eingespielt und über die Getty Abo-Modelle (Subscriptions) verkauft. Hier werden sehr hohe Umsatzraten erzielt.

Daher empfehlen wir Ihnen, den Vertrieb Ihrer Fotos über Getty Images zu akzeptieren. Es wird sich für Sie auszahlen. Sollten Sie Ihre Fotos nicht über Getty Images vertreiben wollen, so möchten wir Sie bitten, die entsprechenden Fotos bis zum 09.10.2011 in der Zoonar-Partnerverwaltung für den Partner Photolibrary zurückzuziehen.

Alle Fotos, die Sie bis zum 09.10.2011 für den Partner Photolibrary abziehen, werden vor Ablauf der sechsmonatigen Frist entfernt, so dass sie nicht zu Getty Images übertragen werden. In einen späteren Schritt, werden wir Ihnen dann auch anbieten, weitere Fotos für Getty Images freizuschalten. Hierfür sind aber noch einige Entwicklungsarbeiten notwendig. Sobald dies möglich ist, werden wir sie informieren. Bitte rechnen Sie aber erst in 2-3 Monaten damit.“

Dieses Angebot ist insofern interessant, das Getty ansonsten stark auf Exklusivität pocht und in diesem Fall darauf verzichtet.

Für Fotografen mag es zwar prestigeträchtig sein, sagen zu können, dass ihre Bilder über Getty Images vertrieben werden, aber bei näherer Betrachtung würde ich zur Vorsicht raten.

Es wäre naiv zu glauben, dass Fotos in der Photolibrary-Kollektion bei Suchanfragen genauso behandelt werden wie Premium-Kollektionen wie Stone+ oder dem Hulton Archiv. In der Mail oben klingt schon recht deutlich an, was das Ansinnen von Getty ist: Mehr Material für Abo-Angebote zu erhalten, die über Thinkstock, Photos.com und Jupiterimages verkauft werden. Das ist vergleichbar mit dem Grabbeltisch im Schlussverkauf, während eine Etage darüber die neue Herbstkollektion hängt.

Auf Nachfrage ging Herr Krabs noch mal ins Detail und erklärte weitere Einzelheiten des Angebots. Betroffen sind nur RF-Bilder, RM-Bilder in der Photolibrary über Zoonar werden nicht von Getty Images übernommen. Wer das Angebot nicht annehmen möchte und seine gesamten Bilder aus dem Photolibrary-Partnerprogramm entfernen will, kann das bis zum 09.10.2011 entweder manuell in seinem Fotografenaccount umstellen oder bei über 2000 Bildern im Portfolio bietet Herr Krabs an, eine Mail inklusive des Accountnamens an info@zoonar.com zu schreiben, dann übernimmt Zoonar die Deaktivierung.

Ausdrücklich wies Herr Krabs darauf hin, dass teilnehmende Fotografen „recht schmerzfrei“ sein sollten, was die Pro-Bild-Umsätze angeht, auch wenn durch die schieren Mengen trotz der hohen Margen von Getty Images viel für den Fotografen abfallen würde. Das Angebot lohnt sich demnach nicht für Fotografen, die ihre Bilder schon sehr sinnvoll und breit gestreut haben. Er selbst wird seine Bilder dort nicht anbieten und ich werde es ebenfalls nicht tun. Theoretisch könnten die Bilder auch zu hohen Einzelpreisen verkauft werden, aber ungefähr 98% der Verkäufe bei Photolibrary waren Abo-Verkäufe und ich sehe keinen Grund, warum sich das bei Getty ändern sollte.

Getty Images versucht hier zum wiederholten Male, anderen Abo-Anbietern Konkurrenz zu machen. Zuerst wurden alle istock-Fotografen gezwungen, ihre Bilder bei Thinkstock auch im Abo zu verkaufen, jetzt kommt mit der Photolibrary ein weiterer Schwung an Bildern in die Sammlung. Je attraktiver Thinkstock oder Photos.com jedoch für Bildkäufer werden, desto weniger Honorar werden die Fotografen erhalten. Wer also zum Beispiel gut bei Shutterstock oder Fotolia verkauft, schneidet sich mittelfristig ins eigene Fleisch, wenn von dort Abo-Kunden zu den Getty-Abo-Modellen wechseln.

Während der Fotograf bei Shutterstock, Fotolia etc. ca. 25-40 Cent pro Download erhält, ist noch nicht klar, wie viel Zoonar-Fotografen unter dem Strich pro Abo-Download erhalten würden. Auf jeden Fall werden es weniger als 25 Cent sein (soviel erhalten schon die Thinkstock-Lieferanten bei istock minus der Zoonar-Anteil) und rein rechnerisch (voll ausgeschöpftes Jahresabo) wären auch leicht Abo-Abrechnungen im einstelligen Cent-Bereich möglich.

Deswegen: Wem egal ist, wie viel er verdient, solange er nur bei Getty ist, der kann das Angebot annehmen. Den anderen Fotografen empfehle ich eher, sich das gründlich zu überlegen, vor allem, wenn sie ihre Bilder auch bei Shutterstock anbieten.

Was ist eure Entscheidung? Weiterhin über Photolibrary auch bei Getty im Abo vertreten zu sein oder lieber darauf verzichten?

Neid und Konkurrenz zwischen den drei Bildermärkten RM, RF und Microstock

Vor einigen Tagen bekam ich wieder eine Mail eines Berufsfotografen. Ohne sich vorzustellen, fragte er mich direkt, wieso ich meine Bilder als Microstock anbieten würde. Damit würde ich das Einkommen vieler Fotografen zerstören. Ich antwortete höflich und er erwiderte mit Zahlen, wie viel ich pro Bild und Jahr bei Macrostock-Agenturen und Verkäufen nach der MfM-Tabelle machen könne. Ich rechnete kurz nach und merkte, dass ich bei seinen Umsätzen auch im Microstock-Bereich mithalten konnte.

Zwei Fäuste

Das ließ mich vermuten, dass der betreffende Fotograf den Vorwurf erhob, ohne selbst konkrete Zahlen zum Microstock-Geschäft zu haben. Genau das war auch der Grund, warum ich vor über einem Jahr selbst begonnen hatte, einige Fotosessions über Microstock-Bildagenturen zu verkaufen. Da ich auch genug RM und Macro-RF-Bilder anbiete, hatte ich nach einer Weile gute Vergleichszahlen. Einen Teil davon habe ich im Blog auch schon veröffentlicht. Dort kamen in den Kommentaren übrigens auch gleich wieder obige Vorwürfe auf. Für mich und meine Art der Fotografie jedoch lohnt sich Microstock.

Macro vs. Micro

Vor einer Weile bekriegten sich Fotografen über das bestehende RM-Lizenzmodell und die damals neu entstehenden RF-Bildangebote. Jetzt ist die Verbitterung zwischen „traditionellen“ Fotografen und Microstock-Produzenten noch stärker, da der einzige Unterschied im Geschäftsmodell mittlerweile nur der Preis ist. Macro-Fotografen merken Umsatzrückgänge und beschuldigen die Microstocker, statt sich in das neue Geschäftsmodell einzuarbeiten und es verstehen zu lernen.

Microstock-Agenturen haben mittlerweile so viele Kunden, dass sie ein aktiver und weiterhin wachsender Bereich der Stockfotografie sind. Microstock wird nicht so schnell wieder verschwinden, wie es viele am Anfang gehofft haben. Die Territorialkämpfe sind sinnlos geworden, der Markt ist abgesteckt und gesichert. Wer nicht über den Zaun kommt, bleibt auf der anderen Seite stehen und schimpft. Die anderen nehmen teil und verdienen mit.

Micro vs. Macro

Doch auch andersrum gibt es Gezetter am Preisgrenzenzzaun. Microstock-Fotografen waren anfangs meist Amateure, deren Wissen und Technik mit der Zeit besser wurde. Jetzt kommen aber die offeneren und experimentierfreudigen Profi-Fotografen aus der Macro-RF-Liga und beginnen, ihr Können im Microstock-Bereich zu zeigen. Durch eigene Studios, besseren Zugang zu Models und viel Ausrüstung wachsen deren Portfolios oft schneller und mit durchschnittlich besser verkäuflichen Bildern an. Das ängstigt die Hobby-Fotografen, die sich ebenfalls bedroht fühlen durch das Anheben der Messlatte.

Macro + Micro

Ich bin jedoch sicher, dass alle drei Modelle nebeneinander existieren können. Die Prozentanteile werden sich bestimmt verschieben. Aber wenn Fotografen lernen, ihren RF, RM und Microstock-Bereich nicht als in sich geschlossenen Markt, sondern als Teil eines großen Bildermarktes zu sehen, an dem alle teilnehmen können, können wir unsere Energie bestimmt darauf verwenden, den Markt zu stärken und nicht uns selbst zu schwächen.

Vor paar Wochen hatte der Fotograf Jonathan Ross im Blog „Microstock Diaries“ einen sehr ähnlichen Artikel geschrieben, der mir aus dem Herzen spricht und den ich zum Lesen empfehle.

Welche Erfahrungen habt ihr beim Umgang von Macro- und Microstock-Fotografen miteinander gemacht? Seht ihr das ähnlich wie ich oder nicht?