Zugang zu Getty Images für Fotografen über Zoonar

Der Bildermarkt gleicht einem Wirbelwind. Agenturen tau­chen aus dem Nichts aus und ver­schwin­den genauso schnell wie­der oder wer­den gekauft, ver­kauft, ver­eint oder umbe­nannt.

Im Mai hat­te ich geschrie­ben, dass die Bildagentur Photolibrary vom Marktführer Getty Images auf­ge­kauft wur­de. Das hat­te ich damals schon kri­ti­sch kom­men­tiert und heu­te zeigt sich wie­der, wie­so.

Photolibrary war und ist einer der Vertriebspartner der deut­schen Bildagentur Zoonar, wel­che sich wirk­li­ch alle Mühe gibt, inter­es­san­te Vertriebspartner für ihre Fotografen zu gewin­nen.

Nach der Übernahme stell­te sich die Frage: Was pas­siert mit den Zoonar-Fotos bei Photolibrary? Kommen die auch zu Getty Images? Die kur­ze Antwort: Ja. Die lan­ge Antwort:

Der Inhaber von Zoonar, Michael Krabs, schick­te ges­tern die­se Mail an sei­ne Fotografen:

Sie haben sicher schon gehört, dass Getty Images unse­re Partneragentur Photolibrary gekauft hat und die­se zum Oktober 2011 schlie­ßen wird.

Umso mehr dürf­te es Sie freu­en, dass wir jetzt auch mit Getty Images einen Partner-Vertrag aus­ge­han­delt haben. Wir kön­nen Ihnen daher anbie­ten, alle Fotos, die Zoonar bereits bei Photolibrary ein­ge­spielt hat, direkt in den welt­wei­ten Getty-Vertrieb zu über­neh­men. Die Fotos wer­den dann bei Thinkstock, Photos.com und Jupiterimages ein­ge­spielt und über die Getty Abo-Modelle (Subscriptions) ver­kauft. Hier wer­den sehr hohe Umsatzraten erzielt.

Daher emp­feh­len wir Ihnen, den Vertrieb Ihrer Fotos über Getty Images zu akzep­tie­ren. Es wird sich für Sie aus­zah­len. Sollten Sie Ihre Fotos nicht über Getty Images ver­trei­ben wol­len, so möch­ten wir Sie bit­ten, die ent­spre­chen­den Fotos bis zum 09.10.2011 in der Zoonar-Partnerverwaltung für den Partner Photolibrary zurück­zu­zie­hen.

Alle Fotos, die Sie bis zum 09.10.2011 für den Partner Photolibrary abzie­hen, wer­den vor Ablauf der sechs­mo­na­ti­gen Frist ent­fernt, so dass sie nicht zu Getty Images über­tra­gen wer­den. In einen spä­te­ren Schritt, wer­den wir Ihnen dann auch anbie­ten, wei­te­re Fotos für Getty Images frei­zu­schal­ten. Hierfür sind aber noch eini­ge Entwicklungsarbeiten not­wen­dig. Sobald dies mög­li­ch ist, wer­den wir sie infor­mie­ren. Bitte rech­nen Sie aber erst in 2–3 Monaten damit.“

Dieses Angebot ist inso­fern inter­es­sant, das Getty ansons­ten stark auf Exklusivität pocht und in die­sem Fall dar­auf ver­zich­tet.

Für Fotografen mag es zwar pres­ti­ge­träch­tig sein, sagen zu kön­nen, dass ihre Bilder über Getty Images ver­trie­ben wer­den, aber bei nähe­rer Betrachtung wür­de ich zur Vorsicht raten.

Es wäre naiv zu glau­ben, dass Fotos in der Photolibrary-Kollektion bei Suchanfragen genauso behan­delt wer­den wie Premium-Kollektionen wie Stone+ oder dem Hulton Archiv. In der Mail oben klingt schon recht deut­li­ch an, was das Ansinnen von Getty ist: Mehr Material für Abo-Angebote zu erhal­ten, die über Thinkstock, Photos.com und Jupiterimages ver­kauft wer­den. Das ist ver­gleich­bar mit dem Grabbeltisch im Schlussverkauf, wäh­rend eine Etage dar­über die neue Herbstkollektion hängt.

Auf Nachfrage ging Herr Krabs noch mal ins Detail und erklär­te wei­te­re Einzelheiten des Angebots. Betroffen sind nur RF-Bilder, RM-Bilder in der Photolibrary über Zoonar wer­den nicht von Getty Images über­nom­men. Wer das Angebot nicht anneh­men möch­te und sei­ne gesam­ten Bilder aus dem Photolibrary-Partnerprogramm ent­fer­nen will, kann das bis zum 09.10.2011 ent­we­der manu­ell in sei­nem Fotografenaccount umstel­len oder bei über 2000 Bildern im Portfolio bie­tet Herr Krabs an, eine Mail inklu­si­ve des Accountnamens an info@zoonar.com zu schrei­ben, dann über­nimmt Zoonar die Deaktivierung.

Ausdrücklich wies Herr Krabs dar­auf hin, dass teil­neh­men­de Fotografen „recht schmerz­frei“ sein soll­ten, was die Pro-Bild-Umsätze angeht, auch wenn durch die schie­ren Mengen trotz der hohen Margen von Getty Images viel für den Fotografen abfallen wür­de. Das Angebot lohnt sich dem­nach nicht für Fotografen, die ihre Bilder schon sehr sinn­voll und breit gestreut haben. Er selbst wird sei­ne Bilder dort nicht anbie­ten und ich wer­de es eben­falls nicht tun. Theoretisch könn­ten die Bilder auch zu hohen Einzelpreisen ver­kauft wer­den, aber unge­fähr 98% der Verkäufe bei Photolibrary waren Abo-Verkäufe und ich sehe kei­nen Grund, war­um sich das bei Getty ändern soll­te.

Getty Images ver­sucht hier zum wie­der­hol­ten Male, ande­ren Abo-Anbietern Konkurrenz zu machen. Zuerst wur­den alle istock-Fotografen gezwun­gen, ihre Bilder bei Thinkstock auch im Abo zu ver­kau­fen, jetzt kommt mit der Photolibrary ein wei­te­rer Schwung an Bildern in die Sammlung. Je attrak­ti­ver Thinkstock oder Photos.com jedoch für Bildkäufer wer­den, desto weni­ger Honorar wer­den die Fotografen erhal­ten. Wer also zum Beispiel gut bei Shutterstock oder Fotolia ver­kauft, schnei­det sich mit­tel­fris­tig ins eige­ne Fleisch, wenn von dort Abo-Kunden zu den Getty-Abo-Modellen wech­seln.

Während der Fotograf bei Shutterstock, Fotolia etc. ca. 25–40 Cent pro Download erhält, ist noch nicht klar, wie viel Zoonar-Fotografen unter dem Strich pro Abo-Download erhal­ten wür­den. Auf jeden Fall wer­den es weni­ger als 25 Cent sein (soviel erhal­ten schon die Thinkstock-Lieferanten bei isto­ck minus der Zoonar-Anteil) und rein rech­ne­ri­sch (voll aus­ge­schöpf­tes Jahresabo) wären auch leicht Abo-Abrechnungen im ein­stel­li­gen Cent-Bereich mög­li­ch.

Deswegen: Wem egal ist, wie viel er ver­dient, solan­ge er nur bei Getty ist, der kann das Angebot anneh­men. Den ande­ren Fotografen emp­feh­le ich eher, sich das gründ­li­ch zu über­le­gen, vor allem, wenn sie ihre Bilder auch bei Shutterstock anbie­ten.

Was ist eure Entscheidung? Weiterhin über Photolibrary auch bei Getty im Abo ver­tre­ten zu sein oder lie­ber dar­auf ver­zich­ten?

6 Gedanken zu „Zugang zu Getty Images für Fotografen über Zoonar“

  1. Da ich aus Prinzip seit einem Jahr einen Bogen um Getty und deren Agenturen mache wie zB iSto­ck, habe ich dort jetzt alle Bilder abge­zo­gen. Im Mai hat­te ich mich lei­der um ande­re Probleme küm­mern müs­sen, daher war mir die Übernahme von Photolibrary durch Getty bis­lang unbe­kannt geblie­ben.

  2. Im Prinzip ein guter Beitrag. Einziger Fehler in mei­nen Augen: Nicht der Name Getty, son­dern die Verkaufsmengen sind das (für mich) ein­zi­ge Argument hier mit­zu­ma­chen.

    Wir haben natür­li­ch im Vorfeld des Vertrages ent­spre­chen­de Statistiken erhal­ten (die wir nicht ver­öf­fent­li­chen dür­fen). Es sind wirk­li­ch sehr gerin­ge Beträge in der Einzelsumme, aber sehr hohe in der Gesamtsumme. Ich emp­feh­le die­sen Schritt daher nur Fotografen (bzw. bestimm­ten Portfolios), die auch bei ande­ren ABO-Modellen bereits erhält­li­ch sind. Vielleicht erzielt man hier und dort ein paar Cent mehr pro Bild, aber dafür setzt Getty oft deut­li­ch mehr um (ein­zi­ge Ausnahme viel­leicht Shutterstock).

  3. Werde es gen­au so machen, also nur bereits im Abo und Zoonar Microstock erhält­li­che Bilder frei­ge­ge­ben las­sen und die rest­li­chen für Getty löschen.
    VG Dirk

  4. Mir kommt vor, Getty geht da nach dem Prinzip vor, die Flut hebt alle Boote ein wenig.
    Wobei die Flut durch die Abos gene­riert wer­den soll. Ein Teil der Kunden fin­det bei den Abos nicht das pas­sen­de und wird zuer­st zu den güns­ti­ge­ren Getty Collectionen wie Agency Collection wei­ter­ge­lei­tet. Ein wei­te­rer Teil der Kunden wird schließ­li­ch bei den teu­ren Getty Collectionen wie Stone+ fün­dig.
    Am unte­ren Ende der Futterkette sind die Abos, am oberen die „edlen“ Getty Collectionen. Man kann sich leicht aus­rech­nen, auf wes­sen Kosten, das betrie­ben wird.
    Fern hal­ten von Getty, kann ich da nur raten.

  5. Vielen Dank für den Bericht Robert! Habe soeben mei­ne Bilder ent­fernt. Ich weiß, dass Getty/Istock mit den Fotografen nicht fair umge­hen, daher lie­ber weg­blei­ben!

  6. Dem Kommentar von „max II“ mei­ne vol­le Zustimmung. Getty macht wei­ter mobil mit Abo und zieht dabei den kom­plet­ten Bildermarkt nach unten. Exklusivität wird dem­nach also wie­der mehr belohnt wer­den. Das Argument von Herrn Krabs mit den Mehrverkäufen wird eben dadurch zunich­te gemacht, dass mit der Flut der Aboanbieter (Fotografen), der ein­zel­ne Fotograf nur mit her­r­aus­ra­gen­der Quantität gefun­den wird und etwas ver­kauft. Qualität wür­de sich auch hier durch­set­zen, wenn sie mit die­ser Quantität mit­hal­ten könn­te, aber wer Qualität pro­du­ziert soll­te sei­ne Fotos nicht über Schleuderagenturen ver­äus­sern, der wird ohne Abo glück­li­cher. Das Argument der Verkaufsmengen zählt in der Tat nur für Portfolios die von den Fotografen eben gezielt für Abomodelle kon­zi­piert sind und denen es egal ist, die­se Fotos im Abo zu ver­schleu­dern. Aber ver­die­nen wer­den hier die wenigs­ten. Fotografen mit einem Portfolio unter 3–4K brau­chen das gar­nicht erst zu hof­fen. Denn die von „max II“ erwähn­te Flut wird auch unter den teil­neh­men­den Fotografen ein­set­zen.

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