Warum Fotografen kostenlose Fotos anbieten: Acht Gründe (und eine Warnung)

Fotografen verschenken Bilder? Bieten sie kostenlos an? Warum?

In den Kommentaren zu einigen meiner letzten Artikel führte die Diskussion oft auf den Preisverfall, der damit ende, wenn Fotografen ihre Fotos gratis anbieten würden. Faktisch ist dieser Punkt längst erreicht. Viele Bildagenturen bieten ihren „Ausschuss“ kostenlos an. Aber auch ganze Webseiten wie Pixelio, Aboutpixel oder Photocase bieten kostenlos lizenzfreie Fotos an. Die beiden letztgenannten nur, wenn die Nutzer selbst aktiv kostenlose Fotos beisteuern, bei Pixelio hingegen ist alles gratis.

Anstatt jetzt aber zu spekulieren, was jemanden motiviert, seine Fotos zu verschenken, habe ich nachgefragt. Ich habe sechs Leute angeschrieben, warum sie ihre Fotos bei Pixelio verschenken, anstatt sie zum Beispiel zu verkaufen. Alle haben geantwortet, zwei wollen aber anonym bleiben. Bevor wir zu den Gründen kommen, warum Fotografen ihre Bilder gratis abgeben, schauen wir uns kurz die Eckdaten an.

Die Menge der Bilder

Von diesen sechs Personen haben vier jeweils ca. 5000 (in Worten: fünftausend) Bilder bei Pixelio online. Das ist weit mehr als viele – auch erfolgreiche – Microstock-Fotografen in ihrem Portfolio haben, mich eingeschlossen. Ein beeindruckendes Ergebnis, was unter anderen zustande kommen kann, weil die Selektionskriterien bei Pixelio weniger streng sind als bei kommerziellen Agenturen. Aber eine Mindestgröße von 1000 x 1000 Pixeln (= 1 MP) wird trotzdem verlangt.

Insgesamt hat Pixelio über 470.000 Bilder in der Datenbank, Photocase hat über 200.000 im Angebot und Aboutpixel liegt bei über 50.000 Fotos.

Die Motive

Ein Argument gegen diese kostenlosen Bilddatenbanken ist oft, dass die Fotos von der technischen Umsetzung und von den Motiven unter der Qualität der kommerziellen Bildagenturen liegen. Da ist was dran. Vor allem die Kostenlos-Sektion* der kommerziellen Bildagenturen speist sich fast immer aus den Fotos, welche aus technischen oder ästhetischen Gründen von der Bildredaktion für den kommerziellen Bereich abgelehnt wurden.

Aber bei Pixelio & Co. ist das nicht immer so. Von den befragten Personen haben viele die „üblichen Amateurfotografen“-Themen abgegrast: Blumen, Tiere, Food und Reisefotos. Aber einige Fotografen sind dicht am üblichen „Stock-Niveau“.

 

RainerSturm / pixelio.de

Der User „RainerSturm“ beispielsweise hat in seinem Pixelio-Account knapp 5000 Fotos, darunter viele Motive, die auch locker microstock-tauglich wären, wie diese Solarzellen zum Beispiel. Zu den Fotos mit den meisten Downloads zählen bei ihm Konzept-Bilder mit Puzzle-Teilen, wie sie auch bei den kommerziellen Agenturen zu den Bestsellern gehören:

 

RainerSturm / pixelio.de

Die Suche nach Personen, vor allem nach Geschäftsleuten gestaltet sich aber schon deutlich schwieriger. Hier ist der Unterschied zum Angebot kommerzieller Bildagenturen deutlich zu spüren. Selbst das wohl beste Foto eines Geschäftsmanns bei Pixelio liegt sichtbar unter dem Microstock-Standard:

 

RainerSturm / Pixelio.de

Wer hingegen Fotos von Blumen oder Lebensmitteln sucht, wird diese in Hülle und Fülle finden:

 

wrw / Pixelio.de

Die Einschränkungen

Wer seine Fotos bei Pixelio anbietet, kann sich aussuchen, ob die Fotos nur für die redaktionelle Nutzung freigegeben sind oder auch für die kommerzielle Nutzung. Standardmäßig sind beim Upload jedoch beide Nutzungen markiert, wer nicht aufpasst, gibt demnach seine Bilder für beides frei. Eine Merchandising-Lizenz wird nicht angeboten. Außerdem müssen nicht nur bei redaktioneller, sondern auch bei kommerzieller Nutzung der Urheber und Pixelio als Quelle genannt und bei einer Nutzung im Internet ein Link zu Pixelio gesetzt werden. Wer hier verschleiern will, wo er seine Fotos kostenlos her hat, riskiert schnell eine Abmahnung, doch dazu unten mehr.

Die Gründe – Warum verschenken Fotografen ihre Bilder?

1. Bestätigung

Was ich bei vielen Antworten herauslesen konnte, ist der Drang nach Bestätigung. Der Wunsch, seine Bilder nicht ungesehen verstauben zu lassen, sondern sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und sich daran zu erfreuen, dass diese tatsächlich Verwendung finden. Der oben erwähnte RainerSturm beschreibt das in diesem Interview so:

„Damals wäre mir auch nie in den Sinn gekommen, kostenlos für andere zu fotografieren. Dazu hatte ich erstens keine Zeit und musste zweitens sehen, wie ich mit meiner 5-Mann-Agentur Monat für Monat die Agentur-Ziele erreichte. Heute ist das anders. Die Agentur wurde 2005 verkauft und jetzt kann ich ganz anders handeln. Vor allen Dingen, weil ich es schade fand, dass mein digitales Archiv immer praller wurde (fing mit den Golffotos an) und doch nur selten „zum Vorschein/Anschauen“ kam. So machte es mir dann zusehends Spaß, die Bilder anderen zur Nutzung kostenlos zu überlassen.“

Auch Willibald Wagner antwortete auf meine Frage in diese Richtung, strebt jedoch zunehmend den Verkauf der Bilder an:

„Als ich mich 2007 wieder mehr der (digitalen) Fotografie widmete und anfing, neben den obligatorischen Urlaubsfotos, auch in andere Bereiche einzusteigen, boten sich Internetplattformen einfach als Ausstellungsfläche an. Dort traf ich Gleichgesinnte die Kommentare zu meinen Fotos abgaben, ich fand interessante Fotos und Anregungen. Hin und wieder verkaufte ich sogar ein Foto. Inzwischen ist „pixelio.de“, obwohl dort 5594 Fotos, darunter auch viel Schrott, von mir eingestellt sind, nicht mehr meine Hauptplattform. Mir ging es wie wahrscheinlich wie vielen anderen. De Kommentare und Punkte Punkte „irgendwelcher Hobbyfotografen“ haben mich immer weniger interessiert. Ich gebe bei pixelio.de deshalb heute gar keine Kommentare mehr ab, stelle allerdings noch, in der Qualität reduzierte, Fotos ein.

Vor ca. 2 Jahren habe ich mich bei „fotocommunity.de“ angemeldet. M.E. werden dort anspruchvollere Fotos gezeigt und stelle dort Fotos unter dem Usernamen „der Flaneur“ ein, im Prinzip läuft es dort aber auch nicht anders als bei pixelio.de.

Seit November 2010 bin ich bei „Shotshop“ vertreten, einer reinen Verkaufsplattform mit einem sehr hohen Qualitätsanspruch. Mal sehen was hier passiert.

So viel zu meiner Entwicklung seit 2007. Heute sehe ich eher im Verkauf eines Fotos die Anerkennung meiner fotografischen Leistung als in irgendeinem Kommentar. Daneben macht’s natürlich auch Spaß, für ein Foto ein paar Euro zu bekommen.“

2. Weniger Zwänge

Seien wir realistisch: Wer mit Fotos Geld verdienen will, muss arbeiten. Dazu gehören neben dem technischen Qualitätsanspruch der Bildagenturen auch die rechtlichen Hürden und eine gute Verschlagwortung, die oft zeitaufwändig und langweilig ist. Keyword-Spamming wird deshalb bei Pixelio z.B. kaum geahndet und verwässert die Suchergebnisse.

Viele Amateurfotografen, die ihre Fotos zeigen wollen, können oder wollen sich diese Hürden nicht zumuten. Schön formuliert hat das die Userin JOUJOU auf meine Frage:

„Anfragen von Kartenverlagen habe ich immer abgelehnt, denn ich will nicht MÜSSEN – ich will meinen Spass an der Arbeit haben und anderen mit meinen Bildern eine Freude machen. Im Pixelio geht es problemlos – ohne grosse Diskussionen über die Bilder.

Ich begreife die Sorgen der Profifotografen sehr gut. Mit der Digitalfotografie hat sich für euch ja viel geändert. Fotofachgeschäfte sind auch in der Schweiz massenhaft verschwunden, doch man kann das Rad nicht zurückdrehen.“
RainerSturm begründet das ähnlich:
„Ich fotografiere gerne, immer und überall. Aber ich will nicht – als Privatier Jahrgang 42 – den Aufwand übertreiben.
Da aber istockphoto.com und fotolia die qualitative Hürde recht hoch ansetzen, hat man dort viel Leerlauf. Also Arbeit zum Hochladen und dann doch öfter Ablehnungen. Besonders bei istockphoto ging mir dann auf den Geist, wenn immer wieder von Abberation, Lichtsäume etc. geschrieben wurde. Also wenn ich ein Motiv auf volle Bildschirmgröße (22 Zoll) vergrößere, dann kommen halt immer nur die besten durch. Dazu müsste ich aber immer mit großer Ausrüstung, möglichst mit Stativ, durch die Lande ziehen. Das ist mir zuviel.
Auch aufwändige Ausleuchtarbeiten mag ich nicht. Das Equipment ist zu dürftig, der Aufwand – auch zeitlich – ist zu groß.“

3. Dankbarkeit

Ebenso wie bei Microstock-Bildagenturen sind die Kunden oft auch Fotografen und umgekehrt. Bei Pixelio ist das ähnlich. Einige der Leute, die dort Bilder runterladen, geben als Dank ebenfalls welche kostenlos ab. So funktioniert Wikipedia und anscheinend auch Pixelio. So schrieb mir ein Pixelio-User:
„Auf pixelio bin ich gestoßen als Gemeindebriefredaktuer auf der Suche nach kostenlosem Bildmaterial. […] Ich sehe meine Bereitstellung von Bildern auch als kleinen gesellschaftlichen Beitrag, ohne gleich Geld dafür zu verlangen. An vielen Stellen im Internet werden Bilder benötigt, und nicht jeder User kann oder möchte Geld dafür ausgeben (z.B. in Blogs). Festzustellen an wie vielen Stellen meine Bilder eingesetzt werden, ist für mich „Lohn“ und Ermutigung genug.

Interessant finde ich auch den Werdegang eines anderen Pixelio-Mitglieds, der anonym bleiben will:

„Im Prinzip habe ich durch Agenturen wie pixelio.de, aber vor allem aboutpixel.de zu meiner Berufung und Selbstständigkeit gefunden.

Gerade die Community damals vor 4-5 Jahren bei aboutpixel.de hat einen angeregt und angetrieben sich weiter zu entwickeln, neue Sachen auszuprobieren etc. – natürlich sind auch neue Freundschaften entstanden.
Irgendwann dachte ich mir dann auch, warum die eigenen Bilder verschenken und nicht verkaufen, also habe ich angefangen Fotos in Mid-Stock Agenturen (panthermedia, digitalstock, adpic, pitopia) zu verkaufen (Fotos, die nicht bei pixelio oder ap zu finden sind).

In der Blütezeit hatte ich da ungefähr einen Gewinnanteil von 500€ im Monat (bei 50:50 – Aufteilung) – irgendwann habe ich dann kaum noch Fotos für Bildagenturen produzieren können, weil das eigene Kerngeschäft, die Fotografie durch meinen wachsenden Kundenstamm (vor allem gewerbliche Kunden) stetig wuchs – so dass keine Zeit mehr für Stockfotos blieb. Dadurch gingen natürlich auch die Umsätze wieder runter – worüber ich jetzt nicht sauer bin, denn wenn mich ein Kunde den ganzen Tag bucht, habe ich auch meine 500 € und noch 29 Tage im Monat übrig.

Tatsache ist, dass ich z.B. mit meinen aktuellen Business-Fotos [bei Pixelio; Anm. R.K.] in Bezahl-Agenturen nur einer von ganz vielen bin, damit also kaum Umsatz zu erzielen ist. Also gebe ich den Wurzeln, wodurch ich meine Profession erkannt habe, einfach was zurück, in dem ich die Bilder kostenlos zur Verfügung stelle. Und man erntet dafür auch viel Dankbarkeit und das ist in Ordnung so – da ich manchmal auch das ein oder andere Screendesign für Kunden mache, bin ich selbst glücklich darüber, Quellen wie aboutpixel.de, pixelio.de oder photocase.de nutzen zu können.“

4. Externe Festplatte

Auf den ersten Blick kurios erscheint die Antwort eines Pixelio-Mitglieds, dass er die Webseite auch als „externe Festplatte“ für seine besten Fotos nutze. Dabei ist es nicht mehr so abwegig, wenn man etwas darüber nachdenkt: Die meisten Online-Dienste, welche eine Datensicherung anbieten, verlangen je nach Menge oder Speicherplatz eine bestimmte Gebühr pro Monat. Wer sich entscheidet, seine Fotos stattdessen lieber kostenlos anderen anzubieten, spart sich diese Gebühr.

5. Unwissenheit

Manchmal ist es aber schlichte Unwissenheit, die Leute dazu bringt, ihre Fotos zu verschenken. Wer liest sich schon immer das ganze Kleingedruckte durch, bevor er seine Fotos bei einer Fotocommunity hochlädt? So schrieb mir die Pixelio-Nutzerin Lillyfee1976, die erst seit paar Wochen angemeldet ist:

„Ich hatte keine Ahnung, wie das hier geht. Ich wusste nicht, dass man sich die kostenlos runterladen kann. […] Vielen Dank, dass du mich nochmal darauf hingewiesen hast, man sollte sich doch immer erst alles genau durchlesen, auch das Kleingeschriebene.“

Kommen wir jetzt zu den spannendsten Gründen: Mit kostenlosen Fotos Geld verdienen.

6. Einnahmequelle

Paradox, aber wahr: Es ist möglich, mit kostenlosen Inhalten Geld zu verdienen. Leicht ist es jedoch nicht. Ein Gewinngeschäft sind die kostenlosen Fotos immer für die Seitenbetreiber, die damit Traffic generieren, den sie entweder dazu nutzen, Werbung zu schalten (die Zielgruppe ist immerhin klar definiert: kostenbewußte Grafiker und Webdesigner) oder Nutzer auf ihre kostenpflichtigen Angebote weiterzuleiten. Pixelio macht beides. Microstock-Agenturen und andere Firmen machen dort Werbung und Pixelio selbst gehört der Bildagentur Clipdealer, die auf jeder Seite mehrere Aufforderungen postet, bei Clipdealer ebenfalls nach Bildmaterial zu suchen.

Ein empfehlenswertes – und kostenloses – Buch über die Marketingidee hinter „kostenlosen Produkten“ ist „Free“ von Chris Anderson.

Aber nicht immer profitieren nur die Betreiber dieser Plattformen. Manchmal schaffen es auch die Anbieter kostenloser Fotos, damit Geld zu verdienen. Pixelio-Nutzer haben vor allem zwei Möglichkeiten. Zum einen können sie ihre Fotos nur für die redaktionelle Nutzung freigeben. Wenn jemand das Foto auf diesem Weg findet, es aber kommerziell nutzen will, kann er vom Fotografen eine kommerzielle Lizenz erwerben. Ein Pixelio-Nutzer erklärt:

„Ab und an gibt es auch finanzielle Angebote, oder ich frage bei kommerzieller Nutzung nach. Da war einige Male schon 30€ oder mehr drin für ein Bild.“

Die zweite Möglichkeit zum Geld verdienen ist der Verzicht auf eine Namensnennung. Die kostenlosen Bilder dürfen immer nur mit einer Angabe des Fotografennamens, der Pixelio-Webseite und – bei Webnutzung – einem Link zu Pixelio genutzt werden. Manche Bildsucher wollen das aber nicht und bieten dem Fotografen Geld, wenn er auf eine Namensnennung verzichtet. Der oben erwähnte RainerSturm nutzt das beispielsweise:

Die einzige sich ergebende Geldquelle ist manchmal dann gegeben, wenn jemand ein Motiv ohne Bildquelle nutzen will. Das kostet dann zwischen 45 und 60 Euro und er bekommt dann auch eine ordentliche Rechnung mit Mehrwertsteuer etc.“

Die Umwandlung von kostenlosen Medien in Umsätze funktioniert nicht nur bei Fotos, sondern manchmal auch bei geklauten Songs, wie das Stefan Niggemeier anhand dieses Beispiels illustriert.

7. Werbeffekt

Eine Variante des sechsten Grundes für kostenlose Fotos ist der Werbeffekt. Hier wird vom Bildanbieter wieder die Tatsache genutzt, dass die Bildnutzer kostenloser Fotos die Bildquelle angeben müssen. Da die Fotografen bestimmen dürfen, welcher Name als Urheberhinweis benutzt werden soll, eröffnet sich die Möglichkeit, seinen Firmennamen oder seine Webadresse häufig gedruckt oder verlinkt zu sehen. Das kann zu mehr Kunden führen, zu mehr Traffic oder zu einem besseren Ranking in Suchmaschinen, was ebenfalls Geld Wert ist.

Beispiele gibt es bei Pixelio einige. Der Fotograf Alexander Hauk lässt als Quelle „Alexander Hauk / www.alexander-hauk.de / pixelio.de“ angeben und verlinkt damit auf sein Medienarchiv. Eine Firma verlangt als Bildnachweis die Angabe ihrer Domain „www.foto-fine-art.de / pixelio.de“ und sorgt so für die Verbreitung ihrer Internetseite für Leinwanddrucke. Der User Christoph Aron möchte als Namen „Christoph Aron (www.pixelmaster-x.de) / pixelio.de“ angegeben wissen und verlinkt so auf seine private Fotoseite.

8. Abmahnungen

Es gibt vor allem bei den kostenlosen Fotodatenbanken auch eine dunkle Seite. Wenn die Fotos schon nix kosten, legen die Fotografen gesteigerten Wert darauf, dass die oben mehrfach erwähnte Namensnennung auch wirklich erfolgt. Ignorieren Nutzer diese Bedingung, gibt es schnell eine – kostenpflichtige – Abmahnung.

Ein Pixelio-Nutzer schrieb mir:

„Es gibt leider auch immer wieder Unternehmen, die selbst bei kostenlosen Fotos das Mindestmaß an Anstand nicht einhalten und die Fotos ohne die vorgeschriebene Nennung von Quelle und Fotografen nutzen. Sowas macht mich dann natürlich wütend und die bekommen von mir auf die Finger.“

Es ist klar, dass einige Fotografen die Geduld verlieren, wenn sie regelmäßig ihre Fotos ohne Urhebernennung finden. Nun aber einige Worte der Warnung: Es scheint jedoch auch Leute zu geben, die es genau darauf anlegen und dann schnell durch eine drei- bis vierstellige Abmahnsumme in Zusammenarbeit mit einem Anwalt Geld verdienen wollen. Zwei Fälle sind hier und hier im Pixelio-Forum beschrieben. Eine weitere – schon betrügerische – Masche ist hier beschrieben, bei der Fotos anonym zu kostenlosen Bilddatenbanken hochgeladen werden, diese dann nach einer Weile gelöscht werden und den Nutzern auf einmal Abmahnungen ins Haus flattern, weil die Bilder urheberrechtlich geschützt seien. Da die Anmeldedaten bei der kostenlosen Datenbank nicht überprüfbar sind, kann der Nutzer nicht nachweisen, dass das Bild zum Zeitpunkt des Downloads wirklich frei von Rechten Dritter war.

Eine ähnliche Betrugsmasche – nur mit der Creative Commons-Lizenz – für kostenlose Bilder beschreibt ausführlich der Fotograf Dan Heller in seinem Blog.

Nur zur Klarstellung: Den meisten Pixelio-Nutzern liegt es fern, diese letzte Methode zu nutzen, aber es ist schon vorgekommen und einige wenige Fotografen scheinen – formulieren wir es vorsichtig – dem Gedanken nicht abgeneigt zu sein.

Nun zu Euch: Bietet ihr manchmal kostenlose Fotos an? Wenn ja, warum? Und habt ihr damit auch schon direkt oder indirekt Geld verdienen können? Wie?

* Affiliate-Link

19 Gedanken zu „Warum Fotografen kostenlose Fotos anbieten: Acht Gründe (und eine Warnung)“

  1. Hallo Robert, wieder einmal ein sehr schöner und interessanter Beitrag. Ich selbst habe auch in einer kostenlosen Bilddatenbank angefangen meine Bilder anzubieten. Das hat mich final dann zu meinen Seiten und zur Stock Fotografie gebracht (auch wenn ich kaum Fotos anbiete) deswegen sollte http://www.sxc.hu hier vielleicht nicht unerwähnt bleiben, gerade weil sie ein Freigabe System haben, welches dem Fotograf erlaubt Bilder für die jeweiligen User für bestimmte Zwecke freizugeben oder eben auch nicht. Ich mache das ab und zu auch für nicht kommerzielle Projekte. Wenn jemand meine Bilder dort für kommerzielle Zwecke einsetzen will verweise ich Ihn auf eine Bildagentur die das selbe Bild anbietet.

  2. Ich gebe generell keine Bilder kostenlos ab. Der Nutzen durch Werbung erscheint mir ein wenig abstrakt hinsichtlich zahlloser Fotografen am Markt. Zudem würde ich wohl leicht die Übersicht verlieren, welche Bilder ich hätte wo kostenlos angeboten. So kann ich sagen, wenn ich ein Bild von mir entdecke, daß dieses käuflich erworben sein muss.

    Für gemeinnützige Zwecke verschenke ich, wenn ich gefragt werde, dann auch schon mal Bilder.

  3. Ich sehe das ähnlich wie Ludger!
    Ich käme wirklich nicht auf die Idee meine Bilder kostenlos anzubieten. Da steckt viel zu viel Zeit und Geld drin. Vorher bleiben die schlicht im Portfolio auf der eigenen Webseite.

    Ich „verschenke“ nicht einmal „für den guten Zweck“! Ich möchte versuchen den Überblick zu behalten! Sprich: Alle Bilder die rigendwo auftauchen sind lizensiert! …oder eben illegal verbreitet!
    Bei allgemein nützigen Organisationen habe ich bislang (in 2 Fällen) den Weg bestritten nach der Lizensierung des Materials eine entsprechende Spende (Lizenpreis x2; bei Mirostock: 20,– Eur) an den jeweiligen Verein zu tätigen. So haben beide Seiten etwas von dem Geschäft und ich laufe nicht Gefahr in eine Argumentation zu geraten á la „Aber XY haben Sie doch auch ein Bild geschenkt…“

    Cheers Daniel

  4. Daniel, das ist vielleicht der „bessere“ Weg. Besonders, was die Argumentation angeht.

  5. @Ludger:
    „Besser“ ist mit Sicherheit relativ und muss von jedem individuell entschieden werden! 😉
    Auf jeden Fall macht das mehr Arbeit… Aber für mich persönlich ist es der vernüftigere Weg, da ich so auch immer wieder in die Situation komme zu spenden! Hatte ich bis dato nicht all zu oft getan….
    Wobei ich mich mit meinen 2 kleinen Spenden im Jahr 2010 nicht wirklich als Wohltäter fühle ist es dennoch ein gutes Gefühl geholfen zu haben!

    Cheers Daniel

  6. Interessanter Beitrag. Allerdings würde ich Photocase nicht in einem Atemzug mit „Kostenlos-Agenturen“ nennen. Es ist zwar richtig, dass angemeldete User (Fotografen) dort Bilder „kostenfrei“ gegen Einlösen von Credits erwerben können, Photocase ist aber durchaus eine ernstzunehmende Bildeagentur, mit – wie ich meine – recht ordentlichen Umsätzen. Natürlich handelt es sich bei dieser Plattform nicht um eine klassische Microstockagentur, schon allein aufgrund der inhaltlichen und gestalterischen Ausrichtung der dort angebotenen Bilder, es gibt aber durchaus Fotografen, die auch dort monatlich dreistellige Umsätze durch Bildverkäufe erzielen. Aus eigenen Erfahrung weiß ich, dass Käufe von Bildern durch externe Nutzer wesentlich häufiger sind als die kostenlosen User-Downloads.

  7. Fotos auf Anfrage verschenken, das mache ich durchaus, wenn nett gefragt und der Nutzen gut erklärt wird, aber einfach so pauschel freigeben würde ich sie nicht – ist nur Arbeit und bringt mir keinen für mich erkennbaren Nutzen.

  8. Nachdem ich diesen Artikel gelesen habe, bin ich etwas auf Pixello rumgestöbert. Ich finde die Laien-Kommentare süss. Da könnte ich Stundenlange welche lesen.
    Leider bringen diese dem Fotografen herlzlich wenig um sich weiter zu entwickeln, wie es ihm nichts bringt seine Fotos Gratis anzubieten. Ich bin jedoch überzeugt, dass dies nur der Anfang von diesem Trend ist. Kameras werden immer billiger und Mobieltelefone machen auch akzeptable Fotos, dann ist es naheliegend, dass die Bilder schnell online gehen.

  9. Grundsätzlich gebe ich auch keine Fotos kostenlos ab. Was anderes ist die Abgabe ein eine gemeinnützige Organisation. Die Vorgehensweise von Daniel finde ich nicht verkehrt.

    Ich habe mal eine allgem. Frage bzgl. Pixelio. Ich habe da so einige Bilder von Objekten gesehen, die kommerziell so nicht genutzt werden dürfen (z.B. Pyramide des Louvre). Ist bei einer Nutzung des Bildes durch einen Dritten auch der Fotograf in der Pflicht (weil er ja der Urheber des Bildes ist)?

  10. @Uwe:

    Wenn der Fotograf das Bild als redaktionell und kommerziell kennzeichnet, kann ich mir das gut vorstellen, bestätigt man doch beim Upload (wie in jeder Agentur) alle Rechte am Start zu haben.

    Stellt man das Bild nur als redaktionell ein (und das ist ja so auch von diversen Gebäuden in Ordnung) und ein Verwender nutzt es kommerziell, dann ist der Fotograf aus dem Schneider.

    (so meine Interpretation)

  11. Das ist doch eine reine Werbeshow auf der Basis von weitgehend minderwertigem Bildmaterial…

    Wer sich das antun will, weil ihm selbst Microstockbilder zu „teuer“ sind, bitte ;))

  12. Im Internet gibt es soviele Informationen gratis und damit meine ich wirklich gute Tipps und Informationen. Ich denke jeder sollte nach seinen Möglichkeiten auch etwas zurückgeben. Ich stelle zwar keine Topbilder bei Pixelio ein aber vielleicht helfen sie ja einem Blogger, mit wenig Budget, seinen Blog schöner zu machen.
    Wenn man immer nur nimmt ist das nicht gut für die Seele

  13. Ich weiß, ich nöle jetzt wieder rum, aber:

    „Aber auch ganze Webseiten wie Pixelio, Aboutpixel oder Photocase bieten kostenlos lizenzfreie Fotos an.“

    Die Fotos sind natürlich nicht „lizenzfrei“, sondern „honorarfrei“. Die absurde Verwendung des Begriffs „lizenzfrei“ für „Royalty Free“-Material hat schon vor mehreren Jahren mal das Fachmagazin VISUELL aufgespießt…

    „Lizenzfrei“ nutzen kann man Fotos (Texte, usw.), wenn die Schutzfrist abgelaufen ist. Was Pixelio und Co. machen, ist schlicht eine Lizensierung.

    Diese sprachliche Verwirrung kommt vermutlich von einer falschen Übersetzung des englischen Begriffs „Royalty Free“. Was auf Deutsch heißt: „Tantiemen-frei“. „Royalties“ sind nämlich nicht nur der Henkelohrige und seine Sippschaft, sondern auch „Tantiemen“. Also die Entgelte, die bei jeder Nutzung eines künstlerischen Werkes neu fällig werden.

    „Royalty Free“ heißt auf dem Bildermarkt folgerichtig: man zahlt z.B. einmal pauschal, statt für jede einzelne Nutzung, oder eben auch: man muß gar nichts zahlen, weil man das Material honorarfrei bekommt.

  14. @Tom: Du hast vollkommen recht. Die deutsche Übersetzung ist da etwas unglücklich, wird aber von den betreffenden genannten Webseiten auch selbst so verwendet.

  15. Hallo, Robert,
    der Beitrag ist rundum gelungen und leuchtet so ziemlich alle Aspekte aus. Inclusive der Meinung Deiner Leser. Ich denke, nach einer gewissen Zeit des Mitmachens bei diesen Bilddatenbanken wird sich ein Verhalten einstellen, dass die Trends bewegen und möglicherweise verändern wird. Oder Dein Beitrag wie auch andere Kolummnen werden den einen oder anderen Foto-Uploader bewegen, seinen Aktivität zu überdenken. Ich selbst habe nach und nach in Richtung „Geld abschöpfen“ überlegt und diversifiziert. Dort ist man aber nur halbwegs erfolgreich, wenn man sich mehr Mühe, mehr Aufwand, mehr Zeit für jedes einzelne Motiv nimmt. Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Wenn ich beim Golfen aus lauter Begeisterung über einen tollen Golftag und eine tolle Golfanlage ein paar Bilder mit der Taschencam schieße und anbiete, macht mir das Freude und ich gebe sie gerne weiter, denn ich bin ja eigentlich zum Golfen auf dem Platz gewesen.

    Die Fotos, die mir aber mehr Aufwand abverlangen, will ich eben künftig nicht für null abgeben. Deshalb habe ich mir auch nach meiner Rückkehr von einer Woche in NYC überlegt, dass ich die Ausbeute zunächst mal nur bei den Microstockanbietern anbieten werde. Die tagelange Rumschlepperei der schweren Fototasche von Wolkenkratzer zu Wolkenkratzer, die Flugkosten etc. sollten schon in irgendeiner Weise honoriert werden und nicht verschenkt werden. Mal sehen, was dabei herum kommt. Man muss ja auch manchmal etwas Geduld haben, denn erst wenn die Bilder längere Zeit online sind, beginnt es auf einmal zu tröpfeln, was ich gerade bei Rückkehr und Sichtung der fotolia-mails bemerken konnte. Ist ja auch schön …

  16. Ich finde das generell eine gute Sache, wenn Photos auch kostenlos angeboten werden. Dennoch bin ich trotzdem der Meinung, dass man auch eine kleine Entschädigung für den Aufwand oder Anerkennung für die Leistung erhalten sollte. Deswegen denke ich, dass man sich ein paar Photos kostenlos anbieten kann, aber für ein paar auch bischen was verlangen kann. Es muss ja nicht viel sein. Ich denke die richtige Mischung macht’s.

  17. goenz schrieb:
    „Ich habe mal eine allgem. Frage bzgl. Pixelio. Ich habe da so einige Bilder von Objekten gesehen, die kommerziell so nicht genutzt werden dürfen (z.B. Pyramide des Louvre). Ist bei einer Nutzung des Bildes durch einen Dritten auch der Fotograf in der Pflicht (weil er ja der Urheber des Bildes ist)?“

    Da gebe ich noch eines drauf. Bei diesen Bilddatenbanken werden auch Fotos von z.B. Tierparks und vielen anderen Locations veröffentlich, welche diese Veröffentlichung ausdrücklich verbieten (Stichwort: Proberty Release). Habe einen betroffenen Zoo angeschrieben und der Geschäftsführer bemerkte, dass ansprechende Prospekte mit Fotos der ganzen Affen und anderen Tierchen exclusiv von einer recht teuren Agentur geschaffen werden und dass die Verbreitung selbst geschossener Fotos in Bilddatenbanken streng verboten und geschäftsschädigend ist. Dummerweise ist der Fotograf gleichzeitig ein bekannter Abmahner mit System. Aber natürlich sollte man nicht gleich die Links zu den missbräuchlich genutzten Fotos dem Betroffenen zukommen lassen. Es sei denn, man möchte seinen Abmahner mit seinen eigenen Mitteln schlagen 😉

  18. Hallo, zwar ist der Artikel schon älter aber egal.
    Klar wollen Berufsfotografen Bilder verkaufen. Aber ich als Amateur kann doch mit meinen Bildern machen was ich will. Wenn ich meinen Garten selbst anlege kommt doch auch nicht der Landschaftsgärtner und mault. Gleiches gilt doch für alle Heimwerker und ihre gewerblichen Gegenparts. Zudem brauche ich manchmal für meinen privaten Blog Bilder die ich nicht selbst machen kann ( mangels Zeit,Modell,Location,Können… was auch immer ) – die andere Amateure aber haben und weil geben seliger denn nehmen ist – revanchiere ich mich mit meinen Bildern. Daher finde ich die Möglichkeiten ( Bilder“tausch“ + Community )von Pixelio toll. Ich habe aber auch schon Stockfotos gekauft, die waren dann so exklusiv das es keine Wahl bzw. Diskussion gab – meine Möbel schreinere ich auch nicht selbst. An alle Profis: ihr müsst damit leben, dass euer Handwerk auch andere können – manche sogar sehr gut und bitte nicht immer jammern – o.k. ich weiss es gehört zu jedem Handwerk 🙂

  19. @blitzmaerker: Bilder”tausch” ist eine gute Idee, machen andere ja auch mit den unterschiedlichsten Dingen – aber es ist nun mal viel einfacher Etwas gegen Geld zu tauschen um dises Geld dann gegen was anderes zu tauschen.

    Keiner hat ein Problem damit, dass Du deinen Garten selber anlegst, und wenn Du sozial und missionarisch für andere auch noch Gärten anlegst – auch Ok, hauptsache Du lebst dabei nicht auf Kosten der Allgemeinheit und verdienst Dir deinen Lebensunterhalt. Fotografen die bisher von ihrer Kunst lebten, haben immer auch etwas für die Allgemeinheit davon abgegeben, klar haben die Ängste.

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