Stockfotografie-News 2011-01-21

Wer als Stockfotograf paar Wochen Pause macht, kann sich auf umfang­rei­che Lektüre ein­stel­len, um auf dem Laufenden zu blei­ben. Als Anhaltspunkt hier eini­ge Updates:

  • Die Frage lag auf der Hand, seit­dem Shutterstock die Agentur BigStockPhoto gekauft hat­te: Können Fotografen von Shutterstock ihre Bilder auto­ma­ti­sch zu BigStock sen­den? Lange hieß es, nein, das sei nicht mög­li­ch, nun geht es doch: Vorerst dür­fen aus­ge­wähl­te Fotografen (mit gro­ßen Portfolios und vie­len Verkäufen) ihre Bilder auto­ma­ti­sch zu BigStock kopie­ren, dana­ch soll der Prozeß schritt­wei­se für mehr Kontributoren geöff­net wer­den.
  • Die Bildmaschine kün­dig­te per Email an ihre Fotografen einen „kom­plet­ten Relaunch“ für das zwei­te Quartal 2011 an. Im Zuge der Neuausrichtung wur­de der Bildbestand von 1,5 Millionen Bilder neu gesich­tet und Bilder gelöscht, die ent­we­der weni­ger als 5 Megapixel hat­ten, deren Verschlagwortung nicht opti­mal war oder bei der die Bildmaschine kei­ne Vermarktungschancen sieht. Vor allem letz­te­res rief bei Fotografen hämi­sche Kommentare her­vor, die über die Bildagenturen seit meh­re­ren Jahren kei­ne Bilder ver­kau­fen konn­ten.
  • Begeisterung lös­te hin­ge­gen eine ande­re Meldung aus: Die Bildagenturen Fotolia und Dreamstime lie­fern kei­ne Bilder mehr an Pixmac. Auf den ers­ten Blick ist es viel­leicht ver­wun­der­li­ch, dass eine Vertragskündigung Jubel aus­löst, aber die Hintergründe las­sen einem schon ein Kribbeln über den Rücken lau­fen. Ich hat­te vor eini­gen Wochen im Blog über Pixmac berich­tet und das fiel nicht posi­tiv aus. Mittlerweile erhebt Dreamstime offi­zi­ell den Vorwurf, dass Pixmac Bilder ent­ge­gen ver­trag­li­chen Vereinbarungen ver­kau­fen wür­de und – noch schlim­mer – Verkäufe nicht immer mit Fotografen abrech­nen wür­de. Viele Fotografen mel­den sich auch in deut­schen und eng­li­schen Foren, dass zum Beispiel Namen fal­sch zuge­ord­net wür­den, frem­de Bilder im eige­nen Portfolio zu fin­den sei­en und vie­les mehr. Das kann ich aus eige­ner Hand bestä­ti­gen, da ich selbst meh­re­re frem­de Bilder in mei­nem Portfolio fand. Da bekommt die aktu­el­le Pressemitteilung von Pixmac, in der sie von „fai­ren Regeln“ spre­chen, einen bit­te­ren Beigeschmack.
  • Übrigens: Wer meint, er habe mit Pixmac nichts zu tun, soll­te nicht so sicher sein. Wer zum Beispiel bei BigStock, 123rf, Fotolia, Dreamstime oder Imagebroker Bilder ver­kauft und dort die Weitergabe sei­ner Bilder an Partneragenturen erlaubt hat, könn­te sei­ne Fotos bei Pixmac fin­den. Ob unter sei­nem Namen, ist jedoch nicht immer gesi­chert. Erster Anhaltspunkt zur Suche: Bei Pixmac nach einem häu­fi­gen Keyword der eige­nen Bilder suchen und unter „Erweiterte Suche“ im Feld „Urheber“ sei­nen Benutzernamen bei einem der genann­ten Bildagenturen ein­tra­gen.
  • Alamy sucht pro­fes­sio­nel­le Videofilmer, die ihr Footage über die Bildagentur ver­mark­ten wol­len. Damit sind aus­drück­li­ch jedoch kei­ne Fotografen gemeint, die bis­her nur ein biß­chen an der Videofunktion ihrer DSLR her­um­spie­len. Wie ich zum Beispiel.. 🙂
  • Nachdem istock­pho­to die Honorare für Fotografen Anfang des Jahres gesenkt hat­te, sie dana­ch mini­mal ange­passt hat, es zur Weihnachtszeit einen groß­an­ge­leg­ten Betrugsversuch gab und die Suche momen­tan nicht rich­tig funk­tio­niert, geht istock­pho­to den ein­zig logi­schen Schritt: Die Bildagentur hebt die Preise an. Betroffen sind nicht nur Fotos, son­dern haupt­säch­li­ch Videos.
  • Aber auch Fotolia senkt wie­der die Fotografenhonorare: Nicht-exkusive Fotografen bekom­men ab nächs­te Woche nur noch 20 statt 25% (Ranking Weiß), 23 statt 28% (Bronze), 25 statt 31% (Silber) oder 31 statt 34% (Gold). Exklusive Fotografen erhal­ten dann nur noch 35 statt 42% (Ranking Weiß), 40 statt 45% (Bronze) oder 45 statt 48% (Silber). Ein kur­zes Durchrechnen ergab: Ich wer­de ver­mut­li­ch einen drei­stel­li­gen Honorarverlust haben.
  • Noch mal istock­pho­to: Die Firma Lookstat hat errech­net, dass bei wich­ti­gen Suchbegriffen wie „Business“ oder „Medizin“ exklu­si­ve Bilder 4x häu­fi­ger als nicht-exklusive Bilder bei istock­pho­to ange­zeigt wer­den.
  • Paul Melcher stellt in sei­nem Blog die Firma X-Pire vor und mit ihr einen inter­es­san­ten Ansatz, wie es in Zukunft viel­leicht mög­li­ch sein könn­te, die „rights managed“-Lizenzierung von Bilder zu neu­em Glanz zu ver­hel­fen.
  • Nachdem Yuri Arcurs sei­ne Bildbearbeitung nach Indien aus­ge­la­gert hat, crowd­sourct er jetzt auch sei­ne Art Direction. Vielleicht soll­te ich das auch mal machen.
  • Nach eini­gen ande­ren Bildagenturen hat jetzt auch Veer ein Riesen-Shooting namens „Photo Op 2010“ orga­ni­siert. Die Ergebnisse, Making-Of-Fotos und ein Making-Of-Video gibt es hier zu sehen.
  • Da ich vor kur­zem ver­schie­de­ne Software zum Erstellen einer eige­nen Bildagentur vor­ge­stellt habe, soll die­ser Hinweis nicht feh­len: Am 28.1. stellt der Journalistenverband DJV in einem Online-Seminar das haus­ei­ge­ne DJV-Bilderportal vor, mit dem Fotografen selbst ihre Bilder ver­mark­ten kön­nen.
  • Nicht nur für Fotografen, son­dern für alle Selbständigen inter­es­sant ist die­ses Flussdiagramm, wel­ches einem die Frage beant­wor­tet: „Wann soll­te ich umson­st für jeman­den arbei­ten?“

Was sagt ihr zu den Neuigkeiten? Habe ich etwas ver­ges­sen? Wenn ja, dann bit­te wie­der als Kommentar ergän­zen.

15 Gedanken zu „Stockfotografie-News 2011-01-21“

  1. Fotolia senkt die Honorare? War ja zu erwar­ten nach istock…zeurst noch gross Werbung machen, dass man mehr zahlt als iSto­ck und dann auch sen­ken. Wann kommt die nächs­te Senkung und wie viel?

    Interessnat ist auch, dass ich davon gar nichts wuss­te; nor­ma­ler­wei­se erfah­re ich davon kurz­fris­tig per E-Mail-Newsletter, aber irgend­wie hats nicht mal für das gereicht die­ses mal…

    Also für mich ist die­se gan­ze Stockfotografie mehr als auf dem abstei­gen­den Ast, so wie sich das Entwickelt. Jedes Jahr sind die Fotos für die Agenturen weni­ger wert und mei­ne Motivation sinkt und sinkt. Für das glei­che Bild habe ich (bin immer noch im silber-Ranking) vor 2 oder 3 Jahren noch 53% bekom­men, jetzt sinds noch 45%.…Tendenz sin­kend und das Vollexklusiv (wozu ich auch „gezwun­gen“ wur­de.

  2. Der kom­plet­te digi­ta­le Bildermarkt bricht preis­li­ch voll­kom­men aus­ein­an­der. Durch das neue Fotorecht und durch das Carolinen Urteil (Klage vor dem Eu Gerichtshof)sind Paparazzo Bilder fast unver­käuf­li­ch gewor­den – bei Persönlichkeitsverletzung (gericht­li­che Klage)wird der Fotograf von den Zeitungsredaktionen haft­bar gemacht. Des wei­te­ren hat die Bild Zeitung die Bilderpreise auch abge­senkt. Auch für Erlkönig Bilder wer­den nur noch lächer­li­che Summen gezahlt, wenn man sei­ne Bilder in die­sem Bereich über­haupt noch abge­setzt bekommt. Bei der rie­si­gen Erlkönig Bilderflut wer­den die ein­ge­sen­de­ten Bilder an die Autoredaktionen von den Redakteuren noch nicht Mal ange­schaut. Gerade in die­sem Bereich gibt es schon sehr viel Verarschung.

    Beim Stockfoto Bildermarkt ist mir auf­ge­fal­len das die Preise immer wei­ter in den Keller gehen. Wenn z. B. 1000 Fotografen erkannt haben das man mit Stockfoto Bilder kein Geld machen kann und auf­hö­ren, fan­gen zur glei­chen Zeit ca. 100000 neue Fotografen mit der Stockfotografie neu an und alle die­se Neuanfänger gehen davon aus das man mit Stockfoto Bilder Geld machen kann – lus­tig.
    Aus die­sem Grund fin­de ich es sehr Bemerkenswert das Robert von sei­nen Bilderverkäufen exis­tie­ren kann. Doch Robert ist noch jung und die Zeitspanne bis zu sei­ner Rente ist noch lang.

  3. @Robert Danke, sind aber für Inder nicht so preis­wert 😉

    @all
    Was man noch gegen die dras­ti­schen Senkungen im Stockmarkt machen könn­te wäre eine neu Strategie.
    Ich nen­ne sie ein­fach mal Team-Stock. Fotografen orga­ni­sie­ren sich in einer Art Franchising mit einem eige­nen Label. Produzieren gemein­sam in einen Teamstock und ein gewis­ser Prozentsatz vom Umsatz geht an Marketing bzw. per­sön­li­che Kontakte zu Verlagen raus. Das gan­ze müß­te nur ver­trieb­li­ch orga­ni­siert wer­den und die Qualität muß natür­li­ch Top sein. Weiterer Vorteil man könn­te auch kurz­fris­tig auf Kundenanfragen und Produktionen reagie­ren.
    Denk mal drü­ber nach.

  4. @Trophy: Nur zur Erläuterung für Leser, die den Begriff nicht ken­nen: „Erlkönig“ wer­den Fotos von Autos genannt, die offi­zi­ell (noch) nicht auf dem Markt sind, also Prototypen, etc.

  5. @Jörg: Ja, der Preis wird durch die Nachfrage gere­gelt, die stän­dig ansteigt… 🙂

    Das Thema „Team-Stock“ ist nicht neu und exis­tiert ja in ver­schie­de­nen Formen mehr oder weni­ger gut, sei es als Fotografen-Repräsentanz, als Fotografen-Kollektiv (Bilderberg), als inha­ber­ge­führ­te Agentur usw.

  6. Ich fin­de das eine logi­sche und erwart­ba­re Entwicklung:
    1. Zuerst gibt es nur weni­ge Stockfotografen und nur Plattformanbieter, die sich den Markt tei­len. Die Preise sind dem­entspre­chend, auch über­teu­ert.
    2. Andere wer­den auf­merk­sam und wol­len auch ein Stück vom Kuchen.
    3. Nun gibt es kein Halten mehr. Anbieter und Fotografen über­schwem­men den Markt. Die Preise sin­ken.
    4. Nach meh­re­ren Preisrunden zie­hen sich eini­ge Vermarkter und Fotografen wie­der zurück.
    5. Qualität beginnt sich durch­zu­set­zen.…

    So läuft es doch immer, egal in wel­cher Branche. Nur wer­den dabei eini­ge wie immer auf der Strecke blei­ben.

  7. @Beobachter: ich glau­be das ist zu kurz gedacht. Warum soll­ten denn vor allem die qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­gen Anbeiter übrig blei­ben? Auch wenn die bei Fotolia gera­de aus­ge­spart wur­den: letz­tes Jahr wur­den die maxi­ma­len Startpreise bei 3 Credits gede­ckelt, das betraf alle ab Gold. 

    Betrachten wir mal Punkt 4 und 5: Wer gibt denn wohl eher auf und zieht sich aus dem Markt zurück? Wirklich die tau­sen­den Hobby-Fotografen die Microstock als Nebenverdienst sehen oder nicht viel­leicht doch die Profis, die nur davon leben? Ich glau­be eher, dass bei Kommissionskürzungen eher ein Profi sagt: ich muss mir was ande­res suchen. Ein Hobby-Fotograf kann es sich eher leis­ten weni­ger aus­ge­zahlt zu bekom­men.

    Was kann denn nun der Profi machen um zu bestehen und eben nicht auf­zu­ge­ben? Er kann ver­su­chen ande­re Einnahmequellen zu fin­den was zuge­be­ner­ma­ßen schwer wer­den dürf­te. Er kann aber auch beschlie­ßen, dass er effi­zi­en­ter und kosten- sowie zeit­spa­ren­der pro­du­zie­ren muss. Die Frage ist nun, wo er ein­spart? Model-Gagen? Equipment? Requisiten? Weniger inten­si­ve Nachbearbeitung (z.B. nur Grundretusche)?

    Somit ist Punkt 5 in Frage gestellt, ob sich Qualität durch­set­zen wird. Ich glau­be eher dass die Qualität sin­ken wird, weil sich die Leute eben ver­su­chen das gegen den Zeitaufwand gegen­zu­rech­nen.

    @Robert: ich hät­te unter Teamstock jetzt ver­stan­den, dass meh­re­re Fotografen zusam­men ein Stockportal belie­fern. Aber das ist damit nicht gemeint, oder? Wenn man gemein­sam als eine Firma auf­tre­ten wür­de, wür­de das gegen recht­li­che Regelungen bei den Agenturen ver­sto­ßen?

  8. Es ist schon erstaun­li­ch, wie die Preise für ehr­li­che Arbeit immer wei­ter in den Keller gehen. Würden ein­fach mal ein paar Tausend Fotografen bei den Agenturen ihren Account kün­di­gen und ihre Bilder für eine Weile zurück­zie­hen, wür­den die Firmen sich das viel­leicht noch­mal anders über­le­gen.

    Auch ich wer­de dau­ernd ange­fragt, für die­ses oder jene Onlineprojekt zu schrei­ben und foto­gra­fie­ren, „lei­der ohne Geld, denn man befin­de sich ja gera­de in der Aufbauphase“. Und braucht aber trotz­dem qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Beiträge. 

    Es macht mich krank. 

    Daher dan­ke viel­mals für den Hinweis auf shouldIworkforfree.com. Diese Seite wer­de ich zukünf­ti­gen Anfragen bei­fü­gen.

  9. @Michael

    Gezwungen steht dar­um in Anführungs- und Schlusszeichen, da ich natür­li­ch schon anders wäh­len hätt­te kön­nen, ABER: Das Problem war, vor ein paar Jahren zahl­te Fotolia ca. 50% auch für nicht-exklusive Fotos. Ich hat­te damals 80% bei Fotolia und noch etwas auf ande­ren Platformen ver­teilt. Als Fotolia dies plötz­li­ch änder­te und für Teilexklusiv nur noch ca. die Hälfte gezahlt hät­te, mus­s­te ich ent­schei­den: Entweder von 80% der Einnahmen nur noch die Hälfte bekom­men, oder die 20% Bilder bei den ande­ren Löschen…ich weiss nicht ob ich rich­tig ent­schie­den habe, aber der Hauptgrund, war­um ich dann Vollexklusiv zu Fotolia gewech­selt bin war, dass ich ein­fach den Aufwand nicht machen konn­te, die 80% Bilder bei all den ande­ren Agenturen ein­zu­stel­len, um dem Verlust ent­ge­gen zu steuern…Tja und jetzt bin ich dafür 100% den Launen von einer Agentur aus­ge­setzt, die wie alle ande­ren Schritt für Schritt für die sel­be Arbeit weni­ger Zahlt.

  10. Zum Thema „Should I work for free?“: Mit freund­li­cher Genehmigung und Unterstützung von Jessica Hische habe ich das gan­ze mal ins Deutsche über­setzt.

    mfg, pgs

  11. Die gro­ße Krise bei Mikrostock wird erst in ein paar Jahren kommen.So etwa bei 20–30 Millionen Bildern in der Datenbank.
    Da wer­den die Agenturen stark zur Selektion gezwun­gen sein Derzeit läuft es ja super bei den Mikros und ich wür­de jeden emp­feh­len sich schnell noch ein Stück vom Kuchen zu holen.
    Derzeit bekommt ja noch rund 85% Annahmen pro Lieferung durch die Selektion und ver­kau­fen sich sogar auch noch gut.
    In ein paar Jahren wird man bei den Mikros mit einer Quote von etwa 30% glück­li­ch sein müs­sen, der RPI wird auch ein wenig sin­ken. Da sind doch die Honorakürzungen noch gar nichts. Kein Grund sich wegen so einer Lappalie auf­zu­re­gen.

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