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Kostenloses iPad für Fotografen erhalten?

Ich hätte selbst nicht gedacht, dass es so einfach ist. Wer als Fotograf ein kostenloses iPad haben will, muss nur drei Schritte umsetzen.

Als erstes wird ein aktuelles iPad gekauft. Ja, ich hatte „kostenlos“ versprochen, aber zu dem Teil komme ich noch.

Es gibt das Tablett in verschiedenen Ausführungen, die sich beim Speicherplatz, im optionalen Funkmodul und den beiden Farben unterscheiden. Für unsere Zwecke reicht das Modell mit dem geringsten Speicherplatz und ohne das teure Funkmodul. Diese Ausführung* kostet bei Amazon.de aktuell ca. 515 Euro (Preise schwanken täglich etwas).

Zweitens machen wir von dem Gerät gute Stockfotos, das heißt, ohne sichtbare Logos und Markennamen und idealerweise mit dazu passenden Models. So zum Beispiel:

Drittens bieten wir die Fotos über Bildagenturen an und nach nur wenigen Monaten hat sich das Gerät von selbst amortisiert. Hier mal ein aktueller Umsatz-Screenshot meiner iPad-Bilder via Stockperformer:

Ihr seht, ich habe ca. 100 Bilder mit meinem iPad online bei den drei (für mich) wichtigsten Bildagenturen und habe innerhalb von ca. fünf Monaten 661 Dollar damit eingenommen. Die 661 Dollar sind nach dem aktuellen Wechselkurs ziemlich genau die 515 Euro wert, welche das iPad kostet. Voilà, ein Gratis-iPad für Stockfotografen!

Den Umsatz bei den anderen Agenturen, welche die Bilder ebenfalls anbieten, habe ich nicht mal eingerechnet. Außerdem sind die Bilder noch jung und werden sich bestimmt auch die nächsten Monate noch gut verkaufen. Zusätzlich nutze ich das iPad jetzt gerne zur Bildkontrolle während eines Shootings und privat als bequemen Ebook-Reader.

Die Moral von der Geschichte?

Ich bin niemand, der sich neumodischen Schnickschnack sofort kaufen muss. In diesem Fall könnte ich mich aber in den Hintern beißen, dass ich es nicht getan habe. Denn hätte ich gleich am Anfang das erste iPad gekauft, als es 2010 herauskam, hätte ich damit richtig viel Geld verdienen können, allein deshalb, weil es sehr wenige Fotografen hatten. Mittlerweile gehört das iPad (oder vergleichbare Tablet Computer) fast zur Standardausstattung professioneller Fotografen und ich bin ehrlich gesagt erstaunt gewesen, dass ich trotzdem den Kaufpreis in weniger als einem halben Jahr wieder einnehmen konnte.

An diesem Punkt erinnere ich mich an den Vortrag des Produktfotografen Elnur Amikishiyev (über 61.000 Bilder bei Shutterstock online) während der Microstock Expo 2011. Elnur meinte dort, er fotografiere alle Sachen, die er neu kaufe und bisher hat er von jedem Gegenstand den Verkaufspreis wieder einspielen können. Hätte ich nur früher auf ihn gehört.

Zu dem iPad musste mich noch ein Freund regelrecht überreden, weil ich keinen Nutzen für mich erkennen konnte. Bei kommenden technischen Neuerungen will ich meinen inneren Schweinehund schneller überwinden. Selbst wenn ich ein technisches Gimmik vielleicht nicht privat brauche, dann muss ich es eben als berufliche Investition sehen – selbst wenn es nur als Requisite sein sollte.

Oder anders formuliert: Auch – oder vielleicht sogar gerade – richtig teure Requisiten machen sich bezahlt.

Was sind eure teuersten Requisiten bisher gewesen und eure Einnahmen damit?

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Making-Of eines Stock-Fotoshootings in Universität

Wie genau entstehen Stockfotos? Heute will ich euch wieder einen Einblick geben in die Arbeit, die hinter der Produktion einer Bildstrecke steht.


Die Idee

Um als Stockfotograf erfolgreich zu sein, gehört eine genaue Analyse des Marktes. Welche Motive verkaufen sich gut, welche Bilder verkaufe ich am meisten? Da mein Shooting in einer Uni-Bibliothek vor ca. drei Jahren sehr gut lief, entschied ich mich, ein ähnliches Shooting anzugehen, diesmal jedoch nicht in der Bibliothek, sondern in den Unterrichtsräumen einer Uni.


Die Location

Okay, eine Uni oder etwas vergleichbares sollte es sein. Ich suchte mir im Internet raus, welche Institutionen im Großraum Köln dafür in Frage kämen. Diese kontaktierte ich telefonisch und stellte meine Idee kurz vor. Einige lehnten direkt ab, mit anderen traf ich mich zu einem direkten Gespräch. Die Uni, mit der ich mich letztendlich einig wurde, hatte Häuser an verschiedenen Standorten, die ich bei einem zweiten Termin zusammen mit einem Uni-Mitarbeiter besuchte, um zu entscheiden, welche Räume für das Shooting am besten geeignet wären. Ich entschied mich für einen Raum im obersten Stockwerk in einer ehemaligen Altbau-Schule. Dieser hatte den Vorteil, dass die Räume und Fenster einerseits hoch und dadurch der Raum schön hell war, andererseits gab es einen sehr fotogenen Flur mit breiter Treppe, den ich ebenfalls für Fotos nutzen konnte.


Die Models

Mir war klar, dass ich für ein Uni-Shooting viele Leute bräuchte. Sonst sähe der Raum schnell zu leer aus und die Fotos würden nicht glaubhaft wirken. Außerdem wollte ich versuchen, nicht nur europäische Models auszuwählen, sondern einen multikulturellen Look zu bekommen. Ich entschied mich dafür, zehn Models zu buchen. Neun Studierende und eine ältere Person, die den Lehrer oder Dozenten mimen sollte. Das gestaltete sich sogar viel schwieriger als die jungen Personen zu finden. Fünf der eingeladenen Models waren Leute, mit denen ich schon ein Shooting gemacht hatte. Das sollte das Risiko minimieren, dass zu viele Models kurzfristig abspringen. Letztendlich hat nur ein Model krankheitsbedingt abgesagt, was aber bei der Menge der Models mit einkalkuliert war.

Die Requisiten

Für die Auswahl der Requisiten habe ich mir vorher viele andere Uni-Fotos angeschaut, um zu sehen, was benötigt wird. Hauptsächlich waren das Hefte, Hefter, Stifte, Laptops und Handys. Die Schreibwaren kaufte ich vorher ein, entfernte etwaige Logos und Text, die Stifte nahm ich aus meinem Requisitenschrank und für die Laptops und Handys bat ich die Models, ihre Geräte mitzubringen, wenn vorhanden. Außerdem war die Universität so freundlich, mir einige hippe Apple-Geräte aus dem Rechenzentrum auszuleihen, die ich in den Hintergrund stellen konnte. Das war übrigsens der anstrengendste Teil des gesamten Shootings: Die Transportkisten mit drei Rechnern drei Stockwerke hoch in unseren Raum zu schleppen.


Die Technik

Für das Shooting kam eine sehr mobile Variante meines Equipments zum Einsatz. Als Kamera wie immer die Canon 5D Mark II, dazu zur Hälfte das 24-70mm f2.8 Objektiv* und zur anderen Hälfte die 85mm f1.2 Festbrennweite. Neben dem Tageslicht von draußen sorgte ein Canon Speedlite 580 EX II-Blitz* an der großen Lastolite Ezybox* für Aufhellung, manchmal auch oder stattdessen der California Sunbounce Mini*-Reflektor. Der Blitz wurde drahtlos mit den PocketWizard MiniTT1-Funkauslösern* gezündet und um die Gefahr von Verwacklungen zu reduzieren, kam mein Manfrotto Monopod* zum Tragen.


Das Shooting

Das Shooting selbst wurde für 10 Uhr angesetzt, ich war schon ab 9 Uhr vor Ort, um zusammen mit meiner Assistentin des Tages, der hilfreichen Gabi WehZet (die in ihrem Blog sicher auch bald was über das Shooting schreiben wird), das Licht aufzubauen und die Geräte nach oben zu wuchten. Gabi war übrigens auch so nett, einige Making-of-Fotos zu machen, die hier im Artikel eingestreut sind. Kurz vor zehn Uhr trudelten die ersten Models ein, die einen eigenen Raum für ihre Sachen und zum Umziehen bekamen. Ich ließ mir die mitgebrachte Kleidung jeweils kurz zeigen und suchte mir etwas aus, damit die Farben insgesamt gut zusammen passten.


Ca. 10:15 Uhr begann ich mit den ersten Models zu fotografieren, während die letzten nach am Umziehen waren. Am zeitaufwändigsten waren die Anweisungen an die Models. Wenn fünf oder mehr Leute im Bild sind, musste ich den Personen nacheinander ihre Kommandos geben oder Rollen zuweisen (wie „flüstere bitte mal mit Deinem Banknachbarn“) und gleichzeitig darauf achten, dass am Schluss das erste Model ebenfalls immer noch richtig posierte. Außerdem setzte ich die Models ständig um, damit ich möglichst viele Varianten auf den Bildern haben konnte.


Der Dozent kam auf den Fotos weniger zum Einsatz als ursprünglich geplant, aber ich hatte Glück, denn er muss in seinem Hauptberuf viele Präsentationen halten und deshalb konnte er, auch wenn er mal nicht im Bild war, mit seinem Vortrag die Blicke der Studenten auf sich lenken, damit die Bilder natürlicher wirkten. Alle jungen Models, die nicht im Vordergrund waren, wurden auf Plätze im Hintergrund verteilt, damit der Raum voller wirkt.


Mittags gab es eine Pizza-Pause mit Cola und fünf Pizzen vom Lieferdienst, danach sollten die meisten Models einen Kleidungswechsel machen und weiter ging es mit Fotos im Treppenhaus. Das war jedoch dunkler als gedacht, weshalb wir dann ca. 14:30 Uhr das Shooting beendeten und mit dem Abbauen begannen.


Die Nachbearbeitung

Am Ende des Tages hatte ich 350 Fotos auf meiner Speicherkarte, von denen ich ca. 115 für die Bildagenturen auswählte. Bearbeitet wurden die Bilder nur minimal, der Hauptteil bestand aus einer Anpassung von Sättigung, Helligkeit und Kontrast, der Rest war Retusche von den Logos und Markennamen auf den Computern.


Das Ergebnis

Das Shooting ist seit einem guten halben Jahr bei den Bildagenturen zum Verkauf und hat insgesamt schon über 6000 Downloads erzielt. Die Verkäufe setzten vor allem nach ca. zwei Monaten ein, vorher dachte ich fast, die Bilder würde niemand haben wollen. Aber es brauchte seine Zeit, bis sich die Bestseller herauskristallisierten, die jetzt mehrere hundert Downloads haben.

Was sagt ihr zu den Fotos? Wie würdet ihr so ein Shooting umsetzen?

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Neue Küche für Fotoshooting mit Models einrichten

Vor einer Weile bekam ich das Angebot, in einem niegelnagelneuen Einfamilienhaus in der neuen Küche zu fotografieren.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Mit der Zeit haben Küchen die Angewohnheit, sich wie von Zauberhand vollzurümpeln, überall stapeln sich halboffene Verpackungen von Tee, Kaffee, Müsli, Marmelade, Reis, Nudeln, Gewürzen und so weiter. Das sieht meist weder besonders fotogen aus noch mögen die Bildagenturen die Flut von Logos und Markennamen.


Der Nachteil einer neuen Küche ist das genaue Gegenteil: Damit sie nicht zu leer wirkt, muss sie mit passenden, unaufälligen Gegenständen dekoriert werden, welche die Küche bewohnt und gemütlich erscheinen lassen. Glücklicherweise wohnten meine Eltern nur wenige Straßen entfernt von dem Haus und ich ließ mir mehrere Kisten voll mit Requisiten und Geschirr ankarren. Am Tag des Shootings kaufte ich noch Brötchen, Brezeln, Obst, Gemüse, Kräuter und eine Tageszeitung. Das drapierte ich halbwegs so, dass hoffentlich ein harmonischer Effekt entstand.


Damit sich der Aufwand auch lohnt, plante ich zwei Shootings in der Küche. Einmal mit einem jüngeren Paar und dann noch mit einem Senioren-Paar (dazu später mehr im Blog). Mit den beiden jüngeren Models hatte ich schon zusammengearbeitet, ich wusste also, dass beide zuverlässig waren und optisch gut zusammen passen würden. Blöderweise herrschte an diesem Tag totales Verkehrschaos wegen eines Unwetters, sodaß beide etwas später kamen. Die Zeit nutzte ich, um einige Stilleben zu fotografieren, mit denen ich gleichzeitig die Belichtung und Lichtsetzung testen konnte.


Als Kamera kam wieder meine Canon 5D Mark II* zum Einsatz, als Objektiv das 24-70mm f2.8*. Leider hatte ich damit große Fokus-Probleme, weshalb ich irgendwann auf das 85mm f1.2-Objektiv* wechselte und das Zoomobjektiv zur Nachjustierung an den Canon Professional Service schickte. Belichtet habe ich mit einem extern ausgelösten Speedlite 580 EX II* durch die kleine Lastolite Ezybox*. Zusätzlich hat ein Sunbounce-Mini-Reflektor* das Tageslicht etwas aufgehellt.


Obwohl ich mit den Ergebnissen ganz zufrieden war, muss ich gestehen, dass ich beim Umsatz mehr erwartet hätte. Zwar habe ich meine Kosten schnell wieder drin gehabt, aber die Investition war nicht so lohnend wie bei anderen Shooting mit vergleichbarem Aufwand. Vielleicht liegt es daran, dass Küchen doch eine vergleichsweise leicht zugängliche Location sind? Oder passten die Accessoires nicht ganz? Ich glaube nicht, dass es an den Models lag, denn auch das zweite Shooting mit ganz anderen Model-Typen brachte ähnliche Ergebnisse.

Wie schon manchmal bei anderen Shootings haben mich ironischerweise die Fotos finanziell gerettet, die nur aus der Not heraus entstanden sind: In diesem Fall einige der Stillleben, die sich vor allem bei Shutterstock sehr gut verkaufen. Das zeigt mal wieder, dass die Bildkäufer doch oft ganz anders ticken, als ich trotz viel Recherche vermuten würde.

Gruppenfotos in einer Apotheke (mit Making-Of-Fotos)

Vor ca. zwei Jahren hatte ich mal in einer Apotheke fotografiert. Die Fotos liefen gut, hatten aber zwei „Haken“. Zum einen war die Apotheke knallorange, was einige Kunden anscheinend zu würdigen wussten, weil es sich farblich von den üblichen „hellen, weißen“ Apothekenfotos unterschied. Außerdem war ich nur mit einem Model vor Ort, was den Nachteil hatte, dass ich nur eine Apothekerin oder Kundin allein zeigen konnte, aber nicht die Interaktion zwischen Kollegen oder die Beratung eines Kunden durch Apotheker.

Bei einem weiteren Apotheken-Shooting wollte ich das ändern.

Mit einer befreundeten Inhaberin von zwei Apotheken machte ich einen Deal: Sie bekam schöne Portrait- und einige Gruppenfotos ihrer Mitarbeiterinnen für die geplante neue Webseite und ich durfte im Gegenzug am Wochenende in einer der Apotheken mit Models fotografieren. Es stand eine niegelnagelneu gebaute Apotheke zur Auswahl in glänzenden Brauntönen, die mir jedoch zu dunkel wirkte. Die andere Apotheke war aber perfekt: Ein strahlendes Grün und viel Platz.


Schwieriger als gedacht gestaltete sich die Model-Suche. Das lag zum einen daran, dass die Apotheke tief in Brandenburg versteckt lag und ich nur zwei Models mit dem Auto von Berlin mitnehmen konnte, zum anderen aber auch am Alter. Ich bekam auf meine Job-Ausschreibung haufenweise Bewerbungen von vielen jungen Mädchen (16-25 Jahre) und einigen jungen Männern (18-25 Jahre). Aber die Ausbildung zur PTA (Pharmazeutisch-technischer Assistentin) oder gar zur Apothekerin dauert lange und die Eröffnung einer Apotheke ist mit einem finanziellen Risiko verbunden, weshalb zu junge Menschen auf den Fotos unpassend wirken würden.

Ich entschied mich deshalb für die drei oben gezeigten Frauen, die Ende 20 bis Mitte 30 waren. Außerdem gab es einen guten Mix an Haarfarben (blond, brünett, schwarz) und anhand der Sedcards war klar, dass die Models etwas Erfahrung hatten. Mir fehlte jedoch noch ein Mann, weil ich keine reine Frauengruppe fotografieren wollte und eine ältere Person als „Chef“ gut ins Bild passen würde. Die Bewerber waren jedoch vom Typ her alle unpassend, entweder zu jung, mit megalanger Rockermähne oder voll tätowiert. So suchte ich mir selbst einige Sedcards raus und schrieb den oben gezeigten Frank Kobuhs direkt an. Er hatte zwar wenig Model-Erfahrung und ist eher als Hobby-Fotograf aktiv, passte aber vom Typ, vom Alter und war einverstanden. Außerdem machte er paar Making-Of-Fotos, die ich unten noch zeige.


Wie immer bei Apotheken ist die größte Herausforderung, die Unmengen an Markennamen und geschützten Logos zu vermeiden. Ich versuchte das zu lösen, indem ich stark mit offener Blende (von 1.8 bis 2.8) fotografierte, was aber die Wahrscheinlichkeit von Unschärfen im Bild erhöhte, vor allem, wenn bei Gruppenaufnahmen nicht alle Personen auf gleicher Höhe stehen. Eine weitere Schwierigkeit war, dass die Verkaufstheke im Boden verschraubt war und wir sie deshalb nicht nach vorne schieben konnten, um den Abstand zum Regal im Hintergrund zu erhöhen. Wir hätten natürlich die ganzen Pillenpackungen wegräumen können, aber dann wäre es nur eine grüne Wand und das Foto nicht mehr als Apothekenfoto zu erkennen gewesen.


Manchmal, wie bei diesem Foto am linken Rand, musste ich dann digital mehr Unschärfe hinzufügen, um die Markenprobleme zu umgehen. Das lachende Model hat mich übrigens so überzeugt, dass ich sie einige Wochen später gleich für ein anderes Shooting gebucht habe. Die Kittel waren übrigens eine weitere Aufgabe, die ich schnell meistern musste. In meinem Requisitenfundus habe ich zwar einige weiße Schlupfkasacks, aber in Apotheken werden fast nur lange weiße Kittel getragen. Von einem Freund der Freundin eines Freundes (ihr seht, gute Kontakte sind wichtig), der in einem Krankenhaus arbeitet, konnte ich mir zwei weiße Kittel leihen. Drei weitere Kittel kaufte ich schnell bei Ebay. Leider gab es nicht das gleiche Modell in verschiedenen Größen, aber dafür waren die Kittel deutlich günstiger. Eins der Models brachte auch einen eigenen Kittel mit. So hatte ich vor Ort genügend Auswahl, um die Kittel entsprechend der Kleidergrößen verteilen zu können.


Ihr seht auf den Bildern, dass nicht alle Models immer im Vordergrund sein müssen. Oft reicht es aus, einige der anderen Models im Hintergrund agieren zu lassen, um den Eindruck einer belebten, gut besuchten Apotheke mit vielen Mitarbeitern zu erwecken.


Das obige Foto gehört mit zu meinen Favoriten der Serie durch die ungewöhnlichere Perspektive. Fast unnötig zu sagen, dass sich das Foto der lachenden Apothekerin mit verschränkten Armen deutlich besser verkauft. Wo wir beim Thema wären: Alle Fotos dieser Serie sind hier exklusiv bei Fotolia* erhältlich. Das gezeigte Foto illustriert noch einen anderen Punkt sehr gut. Die Beleuchtung. Wie angekündigt gibt es paar Making-Of-Fotos von Frank und eins davon zeigt, wie das „Rezept-Foto“ entstand.


Ihr seht: Viel Tageslicht (pralle Mittagssonne) rechts vom Fenster her, über die Decke reflektiertes Licht einer transportablen Lastolite Ezybox* und ebenfalls gegen die Decke gerichtet etwas „normales“ Blitzlicht auf der Kameraachse. Nicht im Bild sichtbar ist der California Sunbounce Mini*, der links vom Model steht, um auch die Schattenseite besser aufhellen zu können. Ausgelöst habe ich mit den neuen PocketWizard MiniTT1-Funkauslösern*, um die TTL-Funktionen der Canon Speedlites nutzen zu können.


Auf dem zweiten Making-Of-Bild sind noch zwei weitere Details zu erkennen. Ich habe aus den Fehlern des Bibliothek-Shootings gelernt und wieder mein Manfrotto Monopod* mitgenommen, um auch bei Belichtungszeiten von 1/30 oder 1/50 die Bilder nicht zu verwackeln. Außerdem ist erkennbar, wie viel Helligkeit der Sunbounce-Reflektor ausmachen kann, der das Licht vom Fenster auf die Schattenseite der Models reflektiert. Der Blitz schaut übrigens in die falsche Richtung, weil ich Sekunden zuvor noch ein vertikales Foto gemacht und dafür gegen die Decke geblitzt hatte.


Eine Schwierigkeit, die ich bei diesem Shooting noch nicht zufriedenstellend gelöst habe, ist der Farbtemperatur-Unterschied zwischen dem Tageslicht, Blitzlicht und der Innenbeleuchtung. Tageslicht und Blitzlicht hatten ca. eine Farbtemperatur von 5500-600 Kelvin. Die Innenbeleuchtung bestand jedoch aus vielen winzigen Halogenstrahlern, die mit ihren ca. 3500°C (wie bei meinem Grinse-Portrait zu sehen) für ein Gelbstich sorgen. Ich hätte entweder Farbfolien vor den Blitz machen können, aber dann hätte ich ohne das helle Tageslicht auskommen müssen (soviel Folie, damit es für die gesamte Fensterfront gereicht hätte, hatte ich nicht mit). Die zweite Möglichkeit wäre gewesen, jeden einzelnen der Halogenstrahler mit einer Blaufolie zu bekleben, aber das wäre sehr aufwändig gewesen, da es viele Strahler waren, die ohne Leiter nicht erreichbar und teilweise auch hinter Wandverblendungen verbaut waren.

Insgesamt war es wieder eines meiner logistisch aufwändigeren Shootings, was sich – wenn ich mir die Verkaufszahlen anschaue – jedoch gelohnt hat.

Wie löst ihr das Problem unterschiedlicher Farbtemperaturen? Was sagt ihr zu den Fotos?

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Tutorial: Küche für 99 Euro als Requisite selbst bauen

Heute gibt es was Leckeres: Der Fotograf Jörg Hempelmann vom Essener Fotostudio Picture-Factory zeigt, wie sich Fotografen aus dem Nichts eine komplette Küche als Location für ein Fotoshooting selbst bauen können. Alles, was ihr braucht, sind 3 x 2 Meter Platz und… ach, lest selbst:

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Viele Stockfotografen kennen das leidige Thema: Wie kann ich ohne großen Aufwand Bilder produzieren, die aus dem alltäglichen Leben gegriffen sind?

Gern werden in den Frauenmagazinen Bilder gezeigt, die aus dem Bereich Küche kommen. Jeder hat zuhause eine Küche. Aber ist sie auch zeitgemäß? Ist die Farbe aktuell, ist sie nicht zu dunkel und habe ich genug Platz, um vernünftig meine Licht zu positionieren? Vor dem gleichen Problem standen wir auch bei unserem ersten Küchenshooting.


Wir selbst haben eine offene Küche mit sehr viel Platz. Die Oberfläche ist aus Kirsche und die Arbeitsplatten und Rückwände sind aus Granit. Das erste Shooting, was wir dort realisiert haben, klappte ganz gut, aber gekauft werden nur die Nahaufnahmen, wo man die Küche nur erahnen kann. Fazit: Die Küche war vom Design nicht mehr zeitgemäß und die Farben passten nicht. Aber jetzt eine neue Küche nur für Shootings kaufen wäre doch ein bißchen zu viel des Guten.

Deshalb haben wir uns entschlossen, eine Küche im Studio aufzubauen. Mehrfach bei Ebay geschaut, ob eine weiße Küche dort günstig zu ersteigern war. Aber unter 500€ war da nichts zu machen. Also mußten wir uns etwas anderes einfallen lassen, um eine Küche zu simulieren. Dabei entstand folgende Idee:

Alles, was bei der Küche im Hintergrund seinen sollte, wird unscharf dargestellt, aber man sollte noch erkennen, dass es sich um Küchenutensilien handelt. Also mußte ein Regal her, wo man Tassen und Teller offen reinstellen kann. Damit war das Thema Hintergrund bis auf die Töpfe und Pfannen an der Wand schon erledigt. Vom Platzbedarf brauchten wir nur eine weiße Wand von ca. 3m und eine Raumbreite von ca. 2m. Das reichte für das Küchenset vollkommen.


Moderne Küchentheken mit Kochfeld sieht man fast überall. Also mußte eine Thekennachbildung her. Hierfür haben wir zwei weiße Tische 1m x 0,6m genommen, sie länglich zusammengestellt und die Küchentheke war schon fast perfekt. Das Einzige, was noch nicht stimmte, war die Arbeitshöhe. Hierfür haben wir einfache Obstkästen genommen und die Tische damit um ca. 20cm erhöht. Jetzt noch ein Holzschneidebrett für die Gemüseschneidaktion platziert. Diese Holzbreit überdeckte gleichzeitig die Stoßnaht der beiden Tische und dann war die Theke schon fertig.


Es fehlten noch Utensilien wie Teller, Messer, Gemüse, Töpfe, und so weiter. Die Töpfe stehen doch nicht einfach so auf einer Arbeitsplatte rum? Ein Kochfeld mußte her. Aber jetzt extra ein Cerankochfeld kaufen, das würde unser Budget sprengen. Also entschlossen wir uns, eine große 60 x 60cm Granitfliese aus dem Baumarkt für 5 Euro zu nehmen, da das Kochfeld sowieso nur im Anschnitt und in der Unschärfe erscheinen sollte. Wie man es auf den Bildern sieht, kann man es nicht erkennen.


Als wir nach dem Shooting zusammengerechnet haben, was das Ganze gekostet hat, mußten wir schmunzeln. Genau 99 € hat dieses Set gekostet.

Hier die Aufstellung der Teile:

  • 2 x Lackregal weiß je 20€
  • 2 x Tisch mit Beinen 1m x 0,6m je 22€
  • 1 x Holzschneidebrett 7€
  • 1 x Granitfliese 5€
  • 4 x Styroporplatten für Rückwand Regal 3 €

Dies bekommt ihr alles beim gelben Möbelhaus und im Baumarkt. Viel Spaß beim Nachbauen.


Über Picture-Factory:
Die Picture-Factory ist ein Fotostudio in Essen. Wir sind ein Fotografenteam von 3 Fotografen und haben die Schwerpunkte People- und Hochzeitsfotografie. Seit November 2010 sind wir auch in dem Bereich der Stockfotografie tätig und haben innerhalb von 4 Monaten ein Stock von ca. 1700 Bildern aufgebaut.

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Wie findet ihr diesen Trick? Habt ihr auch schon Locations für ein Fotoshooting simuliert und was habt ihr dafür benutzt?