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Das Ende vom Microstock? Gründe für Yuris Ausstieg

Es war wie­der ganz schön was los: Vor paar Tagen hat sich der bekann­tes­te Microstock-Fotograf Yuri Arcurs der Welt in sei­nem Blog über die Hintergründe zu sei­ner kürz­li­ch bekannt gewor­de­nen „Exklusivität“ mit Getty Images geäu­ßert. Außerdem ver­riet er Details zu sei­ner eben­falls kürz­li­ch bekannt gewor­de­nen Millionen-Investition in eine Start-Up-Firma im Bereich der Smartphone-Fotografie.

Blogeintrag von Yuri Arcurs

Yuris Artikel wur­de – auch wegen sei­ner arro­gan­ten und zyni­schen Schreibweise – in der Microstock-Szene hef­tig dis­ku­tiert.

In den Diskussionen stand jedoch stark die Person Yuri im Vordergrund und zwei inhalt­li­che Themen gin­gen dabei etwas unter. Beide Themen will ich in zwei Artikeln näher beleuch­ten. Zum einen die Gründe, die zu sei­ner Abkehr von der Microstock-Branche geführt haben und zum ande­ren sei­ne Vermutungen über die Zukunft des Bildermarkts in Zeiten der Handy- und Smartphone-Kameras.

Der Anfang

Werfen wir – stark ver­kürzt – einen Blick in die Vergangenheit. Bis unge­fähr zur Jahrtausendwende war der Handel mit Bildrechten und Fotolizenzen fest in der Hand gro­ßer Bildagenturen, allen vor­an Getty Images, Corbis und Jupiter Images. Diese ver­kauf­ten die Bildechte übli­cher­wei­se für drei- bis vier­stel­li­ge Summen. Bei Interesse ist das hier aus­führ­li­cher nach­les­bar. Innerhalb von nur zehn Jahren gelang es einer klei­nen Gruppe von neu­en Bildagenturen, die­sen Markt kom­plett auf­zu­mi­schen und einen gro­ßen Marktanteil zu gewin­nen. Das geschah haupt­säch­li­ch über den Preis, hat­te aber auch ande­re Gründe.

Die bei­den Hauptfaktoren für den schnel­len Aufstieg der neu­en, „Microstock“ genann­ten, Agenturen waren die zuneh­men­de Verbreitung und Verbesserung des Internets und der Umstieg auf die Digitalfotografie.

Früher muss­ten die Fotografen der alten Agenturen, jetzt im Kontrast „Macrostock“ genannt, ihre Fotos rich­tig auf Filmmaterial belich­ten, dann wur­den Dias erstellt, Agenturen mach­ten teu­re Kopien die­se Dias, druck­ten dicke (eben­falls teu­re) Kataloge mit ihren Bildern, ver­schick­ten die­se gra­tis an ihre Kunden, lie­fer­ten bei Motivwünschen der Bildkäufer die Dia-Kopien per Postexpress, die Rechnung wur­de als Brief ver­sen­det und so wei­ter. kurz: Es war ein zeit­auf­wän­di­ges, arbeits­in­ten­si­ves, aber auch lukra­ti­ves Geschäft.

Als Fotograf war es nicht leicht, in die­se Bildagenturen auf­ge­nom­men zu wer­den. einer­seits war die not­wen­di­ge Kameraausrüstung vor eini­gen Jahren deut­li­ch teu­rer und sie erfor­der­te Auch mehr Fachwissen, weil Belichtungsfehler nicht nach­träg­li­ch digi­tal kor­ri­giert wer­den konn­ten. Für die Agenturen war auch de Betreuungsaufwand groß, wes­halb am liebs­ten Fotografen genom­men wur­den, die tech­ni­sch gute Bilder regel­mä­ßig lie­fern konn­te – nahe­zu ein K.O.-Kriterium für Hobbyfotografen.

Als Kunde mus­s­te man damals mit den hohen Preisen der Bildagenturen zurecht­kom­men. Es gab nur die Alternative, einen Auftrag an einen pro­fes­sio­nel­len Fotografen zu ver­ge­ben, was eben­falls schnell Kosten im vier­stel­li­gen Bereich oder sogar mehr ver­ur­sacht hät­te. Dadurch wur­den vor allem klei­ne Web-Designer und so wei­ter von der Nutzung der Agenturbilder aus­ge­schlos­sen.

Der Wandel

Die neu­en Microstock-Agenturen pro­fi­tier­ten von einem neu ent­ste­hen­den Dreiklang: Immer mehr Leute besa­ßen ers­tens Digitalkameras, die das Fotografieren deut­li­ch erleich­ter­ten. Immerhin sah man sofort auf dem Bildschirm, ob ein Foto gelun­gen war oder nicht und wei­te­re Versuche kos­te­ten auch kein Geld durch Filme und Filmentwicklung. Zweitens konn­ten die­se digi­ta­len Daten durch ein schnel­le­res Internet (DSL-Ausbau etc.) und Flatrates schnell und güns­tig um die Welt geschickt wer­den. Drittens waren auch vie­le Bildkäufer bereit, Abstriche bei der Bildqualität zu machen, um eini­ge hun­dert Euro beim Fotokauf spa­ren zu kön­nen.

Das Internet sorg­te ja nicht nur für den Vertrieb der Bilder, son­dern all die neu­en Blogs, Webseiten, Foren und so wei­ter brauch­ten ja auch Bilder, für die kaum jemand bereit war, drei­stel­li­ge Summen aus­zu­ge­ben, wenn die Fotos in Briefmarkengröße einen kurz­le­bi­gen Artikel illus­trie­ren sol­len. Damit hät­ten sogar vie­le Macrostock-Agenturen leben kön­nen. Womit Microstock den Bildermarkt in die Knie gezwun­gen hat, waren auch die (zu) bil­li­gen Print-Lizenzen für Druckgrößen. Das habe ich auch schon hier und hier vor über drei Jahren geschrie­ben.

Dazu kommt, dass die Microstock-Agenturen sich mehr als Technik-Dienstleister sahen denn als „Bildrechte-Verwerter“. Die jun­gen Agenturen ver­schlank­ten die Arbeitsabläufe sehr stark, indem zum Beispiel Geld im Voraus bezahlt wer­den mus­s­te (das erspar­te das Mahnwesen und ver­ein­fach­te die Rechnungsstellung). Auch vie­le ande­re Prozesse wie die Bildbeschriftung und Verschlagwortung wur­de den Fotografen auf­ge­bür­det, was wei­te­re Kosten spar­te. Auch der Kunden- und Fotografenkontakt wur­de haupt­säch­li­ch über Email, Foren und Blogs betrie­ben. Alle die­se Maßnahmen sorg­ten für eine deut­li­ch güns­ti­ge­re Betriebsführung, die es auch ermög­lich­te, trotz sehr nied­ri­ger Preise Profit zu erwirt­schaf­ten.

Anfangs hat­ten die Microstock-Agenturen nur Fotos mit schlech­te­rer Bildqualität, weil einer­seits die Digitalkameras gegen­über Analogkameras noch etwas auf­zu­ho­len hat­ten, aber die DSLR-Technik hol­te hier schnell auf. Schwieriger war die Motivauswahl und Bildsprache, weil anfangs die Profi-Fotografen bei den Macrostock-Agenturen unter Vertrag waren und nicht ein­sa­hen, war­um sie ihre Fotos für ein Hundertstel (oder weni­ger) des bis­he­ri­gen Preises ver­kau­fen soll­ten. Deshalb war­ben die Microstock-Agenturen stark um Amateurfotografen, die oft wenig Kenntnisse von den Wünschen der Bildkunden hat­ten.

Yuri kommt ins Spiel

2005 fing dann einer die­ser Amateurfotografen an, eben­falls bei den Microstock-Agenturen Bilder zu ver­kau­fen. Der Däne Jacob Wackerhausen, bes­ser bekannt als Yuri Arcurs, lud wäh­rend sei­nes Psychologie-Studiums die ers­ten Fotos hoch. Ende 2005 hat­te er ca. 500 Bilder von Freunden und sich selbst online und sein Budget pro Fotoshooting war ca. 50 US-Dollar. Er war also einer der vie­len Hobby-Fotografen, die jedoch schnell ihr Hobby zum Beruf mach­ten. Yuri lernt anhand der öffent­li­ch ein­seh­ba­ren Statistiken schnell, wel­che Motive sich bes­ser ver­kau­fen als ande­re, wel­che Models gefrag­ter sind und rich­tet sei­ne Shootings kon­se­quent dar­auf aus. Außerdem ver­bes­sert er sei­ne Technik. Von einer Canon EOS 350D mit 8 Megapixeln zu einer Canon EOS-1Ds Mark II mit 16,7 Megapixeln.

Yuri steigt (zu) hoch hin­aus

Innerhalb von nur acht Jahren steigt sein Portfolio bis 2013 auf knapp 100.000 Bilder an, sei­ne Firma beschäf­tigt über 100 Mitarbeiter und er ver­dient deut­li­ch mehr als drei Millionen im Jahr. Als Kamera arbei­tet er mit – gespon­sor­ten – H3D-II-39s von Hasselblad und Profoto-Licht. Jetzt fängt aber sein Problem an. Schon 2009 hat­te er ca. 10.000 US-Dollar Ausgaben pro Fotoshooting und 2010 gab er über 150.000 US-Dollar allein für Model-Honorare aus. Ein Shooting auf den Malediven kos­te­te ihn 2012 ca. 80.000 US-Dollar, bei dem er ca. 1500 ver­käuf­li­che Bilder erhielt. Das macht über 53 Dollar pro Bild. Mit die­ser Summe hat­te er anfangs ein gan­zes Fotoshooting bezahlt.

Microstock kann aber nur lukra­tiv sein, wenn man es schafft, Bilder güns­tig zu pro­du­zie­ren, weil sie eben auch bil­lig ver­kauft wer­den. Man kann gut Geld mit Microstock-Fotos ver­die­nen, wenn die Motive oft genug ver­kauft wer­den. Das ist aber zum Beispiel bei mei­nen 10.000 Bildern ein­fa­cher als mit Yuris 100.000 Fotos, weil man sich irgend­wann selbst Konkurrenz macht. Natürlich kau­fen die Kunden lie­ber Premium-Qualität zum Discount-Preis. Oder in Yuris Worten: „Sometimes it felt like having a miche­lin restau­rant insi­de a bur­ger joint and at the same time having to match the pri­ces. At some point the pro­fes­sio­nal gets tired of sel­ling 12 cour­se tes­ting menues at 0300AM at bur­ger pri­ces.

Das war die Zwickmühle: Amateure trie­ben die Preise nach unten. Profis muss­ten sich anpas­sen und mit­ma­chen, um über­le­ben zu kön­nen, was wie­der­um die Qualität der Microstock-Bilder schnell stei­ger­te. Die Amateurfotografen, die pfif­fig und gut genug waren, wur­den eben­falls schnell zu Profis und lie­fer­ten kon­stant gute Qualität. Das ging eine Weile gut und zeig­te, dass ein­fa­che Aufnahme wie frei­ge­stell­tes Obst bei­spiels­wei­se von den Macrostock-Aufnahmen „etwas über­teu­ert“ ange­bo­ten wur­de.

Die rich­tig auf­wän­di­gen Shootings, wie ein Business-Meeting, eine Mehr-Generationen-Familie beim Sonntagsessen oder Behinderten-Sportler beim Wettkampf, waren und sind teu­er in der Produktion. Solche Fotoshootings loh­nen sich im Microstock nur, wenn die Motive so oft nach­ge­fragt wer­den, dass auch bei den gerin­gen Preisen die hohen Investitionen wie­der rein­kom­men. Bei Shootings, die mehr als 10.000 Euro kos­ten, wird es irgend­wann jedoch im Microstock-Bereich schwie­rig, egal, wie gut und nach­ge­fragt die Motive sind.

Yuris Entscheidung

Yuri hat das in den letz­ten Jahren anschei­nend gemerkt. Er hät­te die Möglichkeit gehabt, wie­der güns­ti­ger zu pro­du­zie­ren, was bei sei­nen auf­ge­bläh­ten Fixkosten (gro­ße Studios, fest­an­ge­stell­te Mitarbeiter, etc.) schwie­rig ist. Selbst sei­ne Kameras behin­dern ihn da. Zwar darf er stolz dar­auf sein, dass er von der Firma Hasselblad die teu­ren Mittelformat-Kameras umson­st bekommt, aber der Workflow hin­ten­dran mit teu­re­ren Rechnern, mehr Speicherplatz, mehr Upload-Bandbreite etc. wird sicher nicht mit finan­ziert.

Yuri hat sich für die ande­re Variante ent­schie­den: Er geht exklu­siv zum Marktführer, in der Hoffnung, dass die­ser höhe­re Preise für sei­ne Bilder erzie­len kann. Die Chancen ste­hen nicht schlecht, denn die Bildqualität und Motive lie­fert er und Getty Images hat als Macrostock-Agentur Erfahrung mit hohen Verkaufspreisen. Im Grunde ist das der logi­sche Zirkelschluss: Wenn die Microstock-Fotografen so gut wer­den, dass sie Macrostock-Qualität und -Motive lie­fern, soll­ten sie zu einer Macrostock-Agentur gehen.

Yuris Entscheidung ist damit mit­nich­ten der Anfang vom Ende der Microstock-Fotografie, wie er selbst kokett andeu­tet. Es ist nur die Einsicht, dass das eige­ne Geschäftsmodell zu dem Vertriebsmodell pas­sen muss. Yuri hat in der Vergangenheit sei­ne Bilder an alle Agenturen gelie­fert, die bei drei nicht auf den Bäumen waren. Weil er auch vie­le neue, klei­ne Bildagenturen belie­fer­te, die selbst die bil­li­gen Microstock-Agenturen im Preis drü­cken woll­ten, trug er mit zum Preisverfall bei. Sein Ausstieg aus die­sem Hamsterrad bringt den ande­ren gro­ßen Produktionsfirmen wie WaveBreakMedia oder Monkey Business oder Pressmaster sicher eini­ge Monate Spielraum nach oben, aber auch die­se wer­den sich dann ent­schei­den müs­sen, ob sie lie­ber die Kosten nied­rig hal­ten oder die Qualität stei­gern wol­len.

Einige Parallelen

Etwas ängst­li­ch beob­ach­te ich bei mir eini­ge Parallelen. Meine ers­ten Shootings haben mich eben­falls jeweils ca. 50 Euro gekos­tet, aber in den letz­ten zwei Jahren habe ich mich auch ab und zu erwischt, wie ich eini­ge Male mehr als 1.000 Euro für ein Shooting aus­ge­ge­ben habe. Bisher haben sich die­se Ausgaben gelohnt, aber ich muss auf­pas­sen, dass sich die­se Spirale nicht wei­ter nach oben dreht. Auch mei­ne Technik ist bes­ser und teu­rer gewor­den, wobei mitt­ler­wei­le viel­leicht sogar mein Handy aus­rei­chen wür­de, um ver­käuf­li­che Microstock-Bilder zu schie­ßen.

Aber dazu kom­men wir im zwei­ten Teil des Artikels…

Was sagt ihr? Wohin geht die Reise?

Kostenloses iPad für Fotografen erhalten?

Ich hät­te selbst nicht gedacht, dass es so ein­fach ist. Wer als Fotograf ein kos­ten­lo­ses iPad haben will, muss nur drei Schritte umset­zen.

Als ers­tes wird ein aktu­el­les iPad gekauft. Ja, ich hat­te „kos­ten­los“ ver­spro­chen, aber zu dem Teil kom­me ich noch.

Es gibt das Tablett in ver­schie­de­nen Ausführungen, die sich beim Speicherplatz, im optio­na­len Funkmodul und den bei­den Farben unter­schei­den. Für unse­re Zwecke reicht das Modell mit dem gerings­ten Speicherplatz und ohne das teu­re Funkmodul. Diese Ausführung* kos­tet bei Amazon.de aktu­ell ca. 515 Euro (Preise schwan­ken täg­li­ch etwas).

Zweitens machen wir von dem Gerät gute Stockfotos, das heißt, ohne sicht­ba­re Logos und Markennamen und idea­ler­wei­se mit dazu pas­sen­den Models. So zum Beispiel:

Drittens bie­ten wir die Fotos über Bildagenturen an und nach nur weni­gen Monaten hat sich das Gerät von selbst amor­ti­siert. Hier mal ein aktu­el­ler Umsatz-Screenshot mei­ner iPad-Bilder via Stockperformer:

Ihr seht, ich habe ca. 100 Bilder mit mei­nem iPad online bei den drei (für mich) wich­tigs­ten Bildagenturen und habe inner­halb von ca. fünf Monaten 661 Dollar damit ein­ge­nom­men. Die 661 Dollar sind nach dem aktu­el­len Wechselkurs ziem­li­ch gen­au die 515 Euro wert, wel­che das iPad kos­tet. Voilà, ein Gratis-iPad für Stockfotografen!

Den Umsatz bei den ande­ren Agenturen, wel­che die Bilder eben­falls anbie­ten, habe ich nicht mal ein­ge­rech­net. Außerdem sind die Bilder noch jung und wer­den sich bestimmt auch die nächs­ten Monate noch gut ver­kau­fen. Zusätzlich nut­ze ich das iPad jetzt ger­ne zur Bildkontrolle wäh­rend eines Shootings und pri­vat als beque­men Ebook-Reader.

Die Moral von der Geschichte?

Ich bin nie­mand, der sich neu­mo­di­schen Schnickschnack sofort kau­fen muss. In die­sem Fall könn­te ich mich aber in den Hintern bei­ßen, dass ich es nicht getan habe. Denn hät­te ich gleich am Anfang das ers­te iPad gekauft, als es 2010 her­aus­kam, hät­te ich damit rich­tig viel Geld ver­die­nen kön­nen, allein des­halb, weil es sehr weni­ge Fotografen hat­ten. Mittlerweile gehört das iPad (oder ver­gleich­ba­re Tablet Computer) fast zur Standardausstattung pro­fes­sio­nel­ler Fotografen und ich bin ehr­li­ch gesagt erstaunt gewe­sen, dass ich trotz­dem den Kaufpreis in weni­ger als einem hal­ben Jahr wie­der ein­neh­men konn­te.

An die­sem Punkt erin­ne­re ich mich an den Vortrag des Produktfotografen Elnur Amikishiyev (über 61.000 Bilder bei Shutterstock online) wäh­rend der Microstock Expo 2011. Elnur mein­te dort, er foto­gra­fie­re alle Sachen, die er neu kau­fe und bis­her hat er von jedem Gegenstand den Verkaufspreis wie­der ein­spie­len kön­nen. Hätte ich nur frü­her auf ihn gehört.

Zu dem iPad mus­s­te mich noch ein Freund regel­recht über­re­den, weil ich kei­nen Nutzen für mich erken­nen konn­te. Bei kom­men­den tech­ni­schen Neuerungen will ich mei­nen inne­ren Schweinehund schnel­ler über­win­den. Selbst wenn ich ein tech­ni­sches Gimmik viel­leicht nicht pri­vat brau­che, dann muss ich es eben als beruf­li­che Investition sehen – selbst wenn es nur als Requisite sein soll­te.

Oder anders for­mu­liert: Auch – oder viel­leicht sogar gera­de – rich­tig teu­re Requisiten machen sich bezahlt.

Was sind eure teu­ers­ten Requisiten bis­her gewe­sen und eure Einnahmen damit?

* Affiliate

Frisches Kapital für einige Bildagenturen – Risiko oder Chance?

In den letz­ten Wochen wur­den eini­ge lan­ge wabern­de Gerüchte bestä­tigt: Mehrere Bildagenturen beka­men neu­es Geld bzw. pla­nen einen Börsengang oder Verkauf, der eben­falls Geld in die Kassen spü­len wür­de.

Aber der Reihe nach, erst die Fakten: Fotolia mel­de­te, dass die Investitionskapitalfirma KKR 150 Millionen US-Dollar für 50% der Anteile an der Bildagentur in die Firma steckt. Zum Vergleich: Getty Images kauf­te im Februar 2006 iStock­pho­to für 50 Millionen US-Dollar.

Shutterstock mel­de­te im Mai 2012, dass sie einen Börsengang pla­nen, in die­sem Fall, um min­des­tens 115 Millionen US-Dollar Investitionskapitel ein­zu­sam­meln.

Die Kapitalbeteiligungsgesellschaft Hellmann & Friedman, die 2008 Getty Images für 2,4 Millarden US-Dollar von der Börse genom­men hat, über­legt jetzt eben­falls, ob sie die Bildagentur wie­der an die Börse brin­gen will oder sie gleich ganz ver­kauft.

Was wol­len die Agenturen mit so viel Geld?

Als ers­tes ist auf­fäl­lig, dass die­se Meldungen so gut wie alle Stockfotografen betref­fen, da sowohl Getty Images im Macrostockbereich als auch Shutterstock, Fotolia und iStock­pho­to im Microstockbereich die­je­ni­gen Bildagenturen sind, die am meis­ten Umsätze für die Fotografen erwirt­schaf­ten. Das bedeu­tet auch, dass es die Agenturen sind, die im Bildermarkt am stärks­ten auf­ge­stellt sind. Hier im Blog wur­de – vor allem von einem Leser – ja behaup­tet, die Agenturen müss­ten ja fast auf dem Zahnfleisch gehen, wenn sie so hän­de­rin­gend Kapital brau­chen, aber das hal­te ich für Quatsch. Auch in ande­ren Branchen ist es durch­aus übli­ch, dass Firmen, die soli­de arbei­ten und Gewinn erwirt­schaf­ten, Kredite auf­neh­men oder ande­re Finanzspritzen akzep­tie­ren, um grö­ße­re Investitionen täti­gen zu kön­nen, die mit dem nor­ma­len Gewinn nicht mög­li­ch wären, ande­rer­seits aber die Chancen erhö­hen, wei­ter­hin zur Spitze der Branche zu gehö­ren.

Ähnliches wird den drei Bildagenturen durch den Kopf gegan­gen sein: Der Bildermarkt ist sehr hart umkämpft und trotz aller Schwierigkeiten tau­chen bestän­dig neue Bildagenturen aus dem Nichts auf, die ver­su­chen, den Playern ein Stück vom Kuchen weg­zu­schnap­pen, der jedoch kaum grö­ßer wird.

Deswegen ist es an sich eine klu­ge Entscheidung, eine grö­ße­re Summe Geld in die Hand zu neh­men, um wett­be­werbs­fä­hig zu blei­ben. Das kann zum Beispiel ent­we­der dadurch gesche­hen, indem die Bildagenturen klei­ne­re kon­kur­rie­ren­de Bildagenturen ein­fach schlu­cken und damit den Konkurrenzdruck wie­der etwas mil­dern. Das haben ja sowohl iStock­pho­to schon bei StockXpert gemacht und Shutterstock bei Bigstock. 123Rf, Canstock oder Depositphotos wären aus mei­ner Sicht poten­ti­el­le Kandidaten für eine Übernahme.

Eine ande­re Möglichkeit wäre, die Geschäftsbereiche brei­ter zu fächern, um unab­hän­gi­ger von den Schwankungen auf dem Bildermarkt zu sein. Fotolia tat sich in der Vergangenheit zum Beispiel durch Aufkäufe in ergän­zen­den Geschäftsbereichen wie kürz­li­ch der Logo-Plattform Wilogo und der Video-Seite Flixtime her­vor. Auch feh­len Fotolia und Shutterstock umfang­rei­che Audio-Angebote, wie sie iStock­pho­to anbie­tet (auch wenn Fotolia schon etwas in AudioMicro inves­tiert hat), Fotolia hinkt im Video-Bereich eher Shutterstock und iStock­pho­to hin­ter­her und könn­te viel­leicht eine Video-Agentur schlu­cken, um in die­sem Bereich zu erstar­ken. Alle drei Bildagenturen bie­ten zur Zeit noch kei­ne After-Effects- oder ande­re Templates an. Wer jetzt denkt: „Was sol­len Bildagenturen mit sol­chem Kram?“ ver­kennt, dass die meis­ten Agenturen sich nicht pri­mär als Fotolieferanten sehen, son­dern als Technologiefirmen, mit deren Technologie alles ver­kauft wer­den könn­te. Paul Melcher hat dazu einen lesens­wer­ten Kommentar ver­fasst.

Auch sind Investitionen in gänz­li­ch neue Funktionen auf der Webseite oder drum­her­um denk­bar. Hier haben sich Fotolia z.B. mit Plugins für Adobe-Produkte oder Microsoft-Office und Kooperationen mit DeviantArt und Associated Press her­vor­ge­tan und Shutterstock mit vie­len span­nen­den Tools wie der neu­en iPad-App oder bes­se­ren Analyse-Werkzeugen, wobei all die­se Dinge sicher kei­ne drei­stel­li­gen Millionenbeträge kos­ten wür­den.

Die span­nen­de Frage ist: Was für Auswirkungen hat das für die Fotografen?

Stärkung der Bildagentur durch wei­te­re Geschäftsbereiche, Gewinnung von Neukunden, Eliminierung von ner­ven­den Konkurrenzagenturen, all die­se Dinge müss­ten in den Ohren von Fotografen posi­tiv klin­gen. Das was haben wir wirk­li­ch davon?

Die Firmen, wel­che viel Geld in die Bildagenturen ste­cken, tun das ja nicht aus altru­is­ti­schen Gründen, son­dern wol­len einen Gewinn sehen. Vor Jahren kur­sier­te in Deutschland ja die Debatte über die soge­nann­ten „Heuschrecken“, wel­che gesun­de Firmen auf die­se Weise aus­sau­gen wür­den und – mit ihrem Gewinn in der Tasche – die gebeu­tel­ten Firmen maro­die­rend am Boden lie­gen las­sen. So dra­ma­ti­sch wür­de ich die Lage nicht sehen.

Trotzdem steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Entscheidungen ver­mehrt von Finanzcontrollern getrof­fen wer­den, denen das Wohl der Bildlieferanten und selbst der Bildkäufer herz­li­ch egal ist, solan­ge sie mit­tel­fris­tig eine sat­te Rendite auf ihr ein­ge­setz­tes Kapital erhal­ten. Für alle Beteiligten gut wäre der Weg, die Firmen mit dem zusätz­li­chen Geld orga­ni­sch wach­sen und erstar­ken zu las­sen und damit so vie­le Zusatzeinnahmen zu gene­rie­ren, dass einer­seits genug Profit für die Investoren übrig bleibt und durch die gestie­ge­nen Verkäufe auf die Kontributoren etwas davon haben. Das Horrorszenario wäre, dass die Investoren bei gleich­blei­ben­den Einnahmen die Geldverteilung – wie schon so oft gesche­hen – zu unguns­ten der Fotografen ändern, um davon ihren Gewinn abzu­schöp­fen. Ob die Fotografen dann mit­tel­fris­tig davon noch leben kön­nen, inter­es­siert die Investitionskapitalgesellschaften ja nicht, denn deren Engagement ist nach der Überweisung der Rendite meist been­det.

Spannend ist, dass Ähnliches gera­de bei Hellmann & Friedmann zu beob­ach­ten ist. 2008 wur­de Getty Images auf­ge­kauft. Üblich sind Investitionszeitspannen von fünf Jahren, also wird jetzt, 2012 über einen Verkauf oder Börsengang nach­ge­dacht, der dann 2013 so viel Geld in die Kasse brin­gen könn­te, dass sich die Anfangsinvestition für die Firma auf jeden Fall gelohnt hat. Die sehr dras­ti­sche Honorarkürzung für die iStock-Fotografen kann eben­falls in die­sem Zusammenhang gese­hen wer­den, eben­so wie die Kündigung von 30 iStock-Mitarbeitern im Januar.

Was meint ihr? Wohin geht die Reise?