Microstock-Statistiken analysieren mit Stock Performer

Wer viele Fotos bei mehreren Microstock-Bildagenturen online hat, wird unweigerlich auf dieses Problem stoßen: Wie viel habe ich mit meinen Fotos verdient?

Die Microstock-Agenturen machen es den Fotografen sehr schwer, genau zu analyisieren, wie viel sie an einem Bild verdient haben. Noch schwieriger ist es, herauszufinden, wie viel man pro Shooting verdient hat oder wie viel ein Shooting pro Monat einbringt. Fast alle Bildagenturen haben zwar eine Verkaufsansicht, welche anzeigt, welche Fotos zuletzt verkauft wurden. Aber könnt ihr beispielsweise aus dem Stehgreif sagen, welches Foto von euch bei den Microstock-Agenturen im letzten Monat am meisten verkauft wurde? Ich kann das bei mehreren tausend Verkäufen im Monat nicht mehr ohne Hilfe. Genau diese Lücke will das neue Tool „Stock Performer“ schließen.

Übersichtsseite

Stock Performer ist ein webbasiertes Analyse-Programm, welches Microstock-Fotografen bei der Verkaufsanalyse des eigenen Portfolios helfen soll: „Stop guessing. Start knowing.“ ist deren Motto. Entwickelt wurde Stock Performer vom bekannten Stockfotografen Luis Alvarez (der hier im Blog schon einen Gastauftritt hatte) und dem Programmierer Oliver Rivo.

Die Seite ist noch in der Beta-Phase und zur Zeit werden vier Microstock-Agenturen ausgewertet: istockphoto, Fotolia, Shutterstock und Dreamstime. Weitere sollen bald folgen. Der Aufbau von Stock Performer ist momentan dreigeteilt: Übersicht (Overview), Verkäufe (Top Sales) und Kollektionen (Collections). Die Übersicht sehr ihr oben.

Dort seht ihr auf einen Blick die zuletzt verkauften Bilder, eine grafische Darstellung der Umsätze (blaue Balken) und Verkäufe (rote Linie) des aktuellen Monats sowie einen Performance-Wert. Dieser zeigt an, wie viel Prozent ihr im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vormonats verdient habt, also wenn dort eine positive Prozentzahl steht, seid ihr gut, wenn dort ein Minus vor der Zahl steht, seid ihr schlechter dabei als letzten Monat.

Unten ist eine Gesamtübersicht über Uploads (grauer Bereich), Umsatz und Verkäufe über alle Jahre hinweg. Die einzelnen Werte können mit einem Klick auf die Icons rechts auch ausgeblendet werden. Unter der Grafik stehen die Agenturnamen. Wenn ihr darauf klickt, könnt ihr die drei Werte auch für jede Agentur einzeln anzeigen lassen oder mehrere Agenturen miteinander vergleichen. Beim Klick auf einen der Tages-Balken kommt ihr zu einer sehr ausführlichen Tagesübersicht, wo die Downloads aller Agenturen im Detail angezeigt werden. Werte wie RPD (Return per Download) und die Gesamtumsätze der einzelnen Agenturen werden ebenfalls angezeigt.

Verkaufsansicht

Die Verkaufsansicht zeigt, wie der Name vermuten lässt, die Top-10-Verkäufe der teilnehmenden Agenturen. Es lässt sich filtern, welche Agenturen angezeigt werden sollen und ob die Sortierung nach Umsatz oder Downloads erfolgen soll. Außerdem kann man sich aussuchen, ob die Top-Verkäufe pro Tag, Woche, Monat, Quartal oder Jahr angezeigt werden sollen. Ich nutze diese Ansicht sehr gerne, weil ich so zum Beispiel sehr einfach sehen kann, was meine aktuellen Bestseller sind. Spannend ist auch, dass bei sehr ähnlichen Portfolios fast bei allen Agenturen ganz andere Motive regelmäßig auf den ersten Plätzen landen.

Detailansicht einer Collection

Sehr hilfreich ist auch der dritte Teil der Seite, die Kollektionsansicht. Bei istockphoto und bei Fotolia kann der Fotograf seine Bilder in Lightboxen bzw. Galerien sortieren. Ich nutze das beispielsweise, um meine Bilder nach Fotoshootings zu sortieren, damit ich weiß, welches Model oder welches Shooting besonders lukrativ war. Diese Kollektionen werden von Stock Performer ausgelesen und ausgewertet. Auch bei Dreamstime und Shutterstock kann der Fotograf Lightboxen bzw. Bildersets anlegen, aber diese werden leider (noch?) nicht berücksichtigt.

Auf einer Übersichtsseite werden die Namen der Kollektionen, die Agentur, aus der sie stammt, die Anzahl der enthaltenen Bilder, die bisher erzielten Downloads, der monatliche RPI (Return per Image), der durchschnittliche RPD, die Sell-Through-Rate und das Erstellungsdatum angezeigt. Nach diesen Daten kann man die Kollektionen auch sortieren lassen. Besonders wenn man die Kollektionen nach dem monatlichen RPI sortiert, lässt sich ganz gut sehen, welche Serien am besten laufen.

Für jede Kollektion gibt es eine Detailansicht, wo ein grafischer Verlauf der monatlichen Umsätze, Downloads und Uploads in die Kollektion zu sehen ist sowie weitere nützliche statistische Werte, zum Beispiel die Entwicklung des RPI oder RPD im Verlauf mehrerer Jahre. Natürlich werden auch die Bilder der Kollektion angezeigt, sortiert nach der Höhe der erzielten Umsätze.

Im Gegensatz zu einigen anderen Analyse-Tools wie Microstock Analytics oder Lookstat verlangt Stock Performer nicht die Eingabe der Account-Namen und Passwörter für die betreffenden Webseiten. Stattdessen wird ein Plugin für Firefox, Chrome oder Safari installiert, welches die gleichen Cookies benutzt, die von den Bildagenturen auf dem Rechner abgelegt werden, um die Daten zu extrahieren.

Ich habe schon ganz früh begonnen, Stock Performer auszuprobieren und als Beta-Tester geholfen, das Tool um einige nützliche Funktionen zu erweitern. Einige Details gibt es jedoch, welche noch nicht möglich sind. So vermisse ich beispielsweise die Möglichkeit eines CVS-Exports der gesamten Daten, um eigene Analysen zu erstellen, zum Beispiel um die Entwicklung von Abo-Downloads vs. Einzel-Downloads zu vergleichen. Auch wäre eine Keyword-Analyse toll, wie sie Microstock Analytics schon anbietet. Laut Luis ist jedoch auch in dieser Richtung einiges geplant. Auch eine Zusammenführung der gleichen Bilder oder Kollektionen über mehrere Agenturen hinweg ist noch nicht möglich.

Was bisher allen Tools fehlt, ist eine Agentur-Unterstützung, die über die 2-5 großen englischen Microstock-Agenturen hinaus geht. Der große Haken ist meist, dass die Agenturen selbst es nicht gerne sehen, wenn fremde Entwickler so massiv auf deren Datenbestand zugreifen. Das ist unter anderem auch der Grund, warum Shutterstock und 123rf beim Einloggen das Lösen eines CAPTCHA verlangen. Andererseits sind die Agenturen selbst schuld, weil es bisher keine Agentur schafft, ihren Fotografen diese wertvollen Verkaufsdaten auf übersichtliche, hilfreiche Art und Weise zu präsentieren.

Vor allem die Profi-Fotografen wissen jedoch, dass die Analyse der Verkaufszahlen und Bestseller ein wichtiger Bestandteil des Erfolgs ist. Die Anbieter der Analyse-Tools lassen sich ihren Service deshalb auch gut bezahlen.

Stock Performer wird anfangs zwei Versionen anbieten: Eine „Basic Package„, was nur die Übersichtsgrafiken enthält für 9 Euro pro Monat und das „Premium Package“ mit allen oben beschriebenen Funktionen für 29 Euro pro Monat. Für die ersten 14 Tage gibt es einen „Free Trial„, also eine kostenlose Probephase.

Auf der MicrostockExpo habe ich auch mit dem Entwickler des oben erwähnten MicrostockAnalytics-Tool gesprochen und werde das in nächster Zeit ebenfalls testen und vergleichen.

VERLOSUNG:
Luis und Oliver möchten „Stock Performer“ kontrolliert starten, das heißt, nach und nach neue Mitglieder aufnehmen, damit die Seite nicht überlastet wird und sie Fehler schneller beheben können. Für Euch Blog-Leser habe ich zwei garantierte Plätze ausgehandelt, die das Tool unverbindlich einen ganzen Monat kostenlos ausprobieren können. Diese beiden Plätze verlose ich unter allen Leuten, die diesen Artikel bis zum 15.11.2011 kommentieren.

Welche statistischen Werte würdet ihr am liebsten mit so einem Tool analyisieren? Was interessiert euch am meisten?

15 Gedanken zu „Microstock-Statistiken analysieren mit Stock Performer“

  1. ich warte selbst schon gespannt auf den Start des Tools 🙂
    aber 29€ pro Monat find ich recht teuer. Mich persönlich interessiert Aktuell die performance zwischen People und Food da ich noch etwas unsicher bin mit welcher Art von Fotografie für die Stockagentuten weitermachen werde. People macht zwar mehr Spass und es gibt einen höheren Output an Fotos pro Session. Aber ich hab jedoch noch das Gefühl, daß Food eine weit höhere RPI hat.

  2. Ab einer gewissen Bildermenge ist dies sicherlich eine sinnvolle Ergänzung. 29 € per Monat wäre für meinen aktuellen Bilderbestand bei den Agenturen zu teuer. Aber das lässt sich ja noch steigern.
    MFG
    Bernd

  3. @Welche statistischen Werte würdet ihr am liebsten mit so einem Tool analyisieren? Was interessiert euch am meisten?

    Am meisten würde mich interessieren, wie viel ich mit welchem Foto verdient habe (bei Fotolia ja immer noch nicht möglich) und wie sich der Aboverkauf im Vergleich zu den Einzeldownloads schlägt.

  4. wie gehen die anbieter mit den daten der fotografen um? haben sie einen einblick in die zahlen, werden die umsätze von den anbietern anderweitig verwertet?
    mfg jochen

  5. Wäre Interessant zu erfahren ob die gesamelten Daten nur über die Weboberfläche verfügbar sind oder auch zur Eigenanalyse zur Verfügung stehen würden.

  6. Ich finde, dass es nur Sinn macht, wenn tatsächlich alle Agenturen, bei denen man vertreten ist, ausgewerten werden könnten. Erst dann ist man ja in der Lage eine genaue Umsatzaufstellung bzw. Auswertung für jedes Foto zu machen. Grundsätzlich ist es aber eine super Sache. Bin gespannt wie es sich entwickelt.
    L.G.
    Christine

  7. Mich würde es generell mal interessieren, welche Bilder so alle in den Verkauf gelangen und wie oft. Einige Agenturen liefern da inzwischen schon recht gute Übersichten (Bildmaschine, z.B.) aber leider wird das bei vielen – wie Du auch schreibst – eher stiefmütterlich behandelt. Oder lässt sich das eben teuer bezahlen.

    Ob ich 9,- € oder 29,- € bereit bin pro Monat auszugeben, das würde ich dann gerne in einem Test rausfinden. (Auch, wenn es die 14-Tage Trial-Version gibt.)

  8. Schön wäre, wenn das Tool irgendwann auch Videoclips berücksichtigt. Die wichtigste Funktion für mich wäre die Möglichkeit, die Verkäufe von verschiedenen Seiten eines Bildes zusammenzuführen und so eine Gesamtauswertung zu haben. DAS wäre für mich ein Killerargument, dass mir mehr Zeit spart als die Software im Monat kosten würde.

  9. Danke für den Gewinn, ich bin noch bis nächste Woche unterwegs, dann werde ich mal den Test starten 🙂

  10. Bin an dem Tool sehr interessiert und habe ich letzte Woche angemeldet. Wie lange ist denn momentan die Wartezeit, bis man aufgenommen wird?

  11. Solche TOOLs werden aus 3 Gründen Entwickelt wie es grössere Konzerne schon lange wissen, daher lassen Sie intern TOOLs und Programme angepasst entwickeln.
    1 Grund : Analyse für dich (Tool-Firma haben Geld verdient)
    2 Grund : Analyse für SICH (Tool-Firma verdienen noch VIEL mehr)
    3 Grund : Verkauf von Daten an dritte um Konkurenz aufzubauen (Marktanalysen)

    SO und nun viel Spass 😉

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