Making-Of eines Stock-Fotoshootings in Universität

Wie gen­au ent­ste­hen Stockfotos? Heute will ich euch wie­der einen Einblick geben in die Arbeit, die hin­ter der Produktion einer Bildstrecke steht.


Die Idee

Um als Stockfotograf erfolg­reich zu sein, gehört eine genaue Analyse des Marktes. Welche Motive ver­kau­fen sich gut, wel­che Bilder ver­kau­fe ich am meis­ten? Da mein Shooting in einer Uni-Bibliothek vor ca. drei Jahren sehr gut lief, ent­schied ich mich, ein ähn­li­ches Shooting anzu­ge­hen, dies­mal jedoch nicht in der Bibliothek, son­dern in den Unterrichtsräumen einer Uni.


Die Location

Okay, eine Uni oder etwas ver­gleich­ba­res soll­te es sein. Ich such­te mir im Internet raus, wel­che Institutionen im Großraum Köln dafür in Frage kämen. Diese kon­tak­tier­te ich tele­fo­ni­sch und stell­te mei­ne Idee kurz vor. Einige lehn­ten direkt ab, mit ande­ren traf ich mich zu einem direk­ten Gespräch. Die Uni, mit der ich mich letzt­end­li­ch einig wur­de, hat­te Häuser an ver­schie­de­nen Standorten, die ich bei einem zwei­ten Termin zusam­men mit einem Uni-Mitarbeiter besuch­te, um zu ent­schei­den, wel­che Räume für das Shooting am bes­ten geeig­net wären. Ich ent­schied mich für einen Raum im obers­ten Stockwerk in einer ehe­ma­li­gen Altbau-Schule. Dieser hat­te den Vorteil, dass die Räume und Fenster einer­seits hoch und dadurch der Raum schön hell war, ande­rer­seits gab es einen sehr foto­ge­nen Flur mit brei­ter Treppe, den ich eben­falls für Fotos nut­zen konn­te.


Die Models

Mir war klar, dass ich für ein Uni-Shooting vie­le Leute bräuch­te. Sonst sähe der Raum schnell zu leer aus und die Fotos wür­den nicht glaub­haft wir­ken. Außerdem woll­te ich ver­su­chen, nicht nur euro­päi­sche Models aus­zu­wäh­len, son­dern einen mul­ti­kul­tu­rel­len Look zu bekom­men. Ich ent­schied mich dafür, zehn Models zu buchen. Neun Studierende und eine älte­re Person, die den Lehrer oder Dozenten mimen soll­te. Das gestal­te­te sich sogar viel schwie­ri­ger als die jun­gen Personen zu fin­den. Fünf der ein­ge­la­de­nen Models waren Leute, mit denen ich schon ein Shooting gemacht hat­te. Das soll­te das Risiko mini­mie­ren, dass zu vie­le Models kurz­fris­tig absprin­gen. Letztendlich hat nur ein Model krank­heits­be­dingt abge­sagt, was aber bei der Menge der Models mit ein­kal­ku­liert war.

Die Requisiten

Für die Auswahl der Requisiten habe ich mir vor­her vie­le ande­re Uni-Fotos ange­schaut, um zu sehen, was benö­tigt wird. Hauptsächlich waren das Hefte, Hefter, Stifte, Laptops und Handys. Die Schreibwaren kauf­te ich vor­her ein, ent­fern­te etwai­ge Logos und Text, die Stifte nahm ich aus mei­nem Requisitenschrank und für die Laptops und Handys bat ich die Models, ihre Geräte mit­zu­brin­gen, wenn vor­han­den. Außerdem war die Universität so freund­li­ch, mir eini­ge hip­pe Apple-Geräte aus dem Rechenzentrum aus­zu­lei­hen, die ich in den Hintergrund stel­len konn­te. Das war übrigsens der anstren­gends­te Teil des gesam­ten Shootings: Die Transportkisten mit drei Rechnern drei Stockwerke hoch in unse­ren Raum zu schlep­pen.


Die Technik

Für das Shooting kam eine sehr mobi­le Variante mei­nes Equipments zum Einsatz. Als Kamera wie immer die Canon 5D Mark II, dazu zur Hälfte das 24–70mm f2.8 Objektiv* und zur ande­ren Hälfte die 85mm f1.2 Festbrennweite. Neben dem Tageslicht von drau­ßen sorg­te ein Canon Speedlite 580 EX II-Blitz* an der gro­ßen Lastolite Ezybox* für Aufhellung, manch­mal auch oder statt­des­sen der California Sunbounce Mini*-Reflektor. Der Blitz wur­de draht­los mit den PocketWizard MiniTT1-Funkauslösern* gezün­det und um die Gefahr von Verwacklungen zu redu­zie­ren, kam mein Manfrotto Monopod* zum Tragen.


Das Shooting

Das Shooting selbst wur­de für 10 Uhr ange­setzt, ich war schon ab 9 Uhr vor Ort, um zusam­men mit mei­ner Assistentin des Tages, der hilf­rei­chen Gabi WehZet (die in ihrem Blog sicher auch bald was über das Shooting schrei­ben wird), das Licht auf­zu­bau­en und die Geräte nach oben zu wuch­ten. Gabi war übri­gens auch so nett, eini­ge Making-of-Fotos zu machen, die hier im Artikel ein­ge­streut sind. Kurz vor zehn Uhr tru­del­ten die ers­ten Models ein, die einen eige­nen Raum für ihre Sachen und zum Umziehen beka­men. Ich ließ mir die mit­ge­brach­te Kleidung jeweils kurz zei­gen und such­te mir etwas aus, damit die Farben ins­ge­samt gut zusam­men pass­ten.


Ca. 10:15 Uhr begann ich mit den ers­ten Models zu foto­gra­fie­ren, wäh­rend die letz­ten nach am Umziehen waren. Am zeit­auf­wän­digs­ten waren die Anweisungen an die Models. Wenn fünf oder mehr Leute im Bild sind, mus­s­te ich den Personen nach­ein­an­der ihre Kommandos geben oder Rollen zuwei­sen (wie „flüs­te­re bit­te mal mit Deinem Banknachbarn“) und gleich­zei­tig dar­auf ach­ten, dass am Schluss das ers­te Model eben­falls immer noch rich­tig posier­te. Außerdem setz­te ich die Models stän­dig um, damit ich mög­lichst vie­le Varianten auf den Bildern haben konn­te.


Der Dozent kam auf den Fotos weni­ger zum Einsatz als ursprüng­li­ch geplant, aber ich hat­te Glück, denn er muss in sei­nem Hauptberuf vie­le Präsentationen hal­ten und des­halb konn­te er, auch wenn er mal nicht im Bild war, mit sei­nem Vortrag die Blicke der Studenten auf sich len­ken, damit die Bilder natür­li­cher wirk­ten. Alle jun­gen Models, die nicht im Vordergrund waren, wur­den auf Plätze im Hintergrund ver­teilt, damit der Raum vol­ler wirkt.


Mittags gab es eine Pizza-Pause mit Cola und fünf Pizzen vom Lieferdienst, dana­ch soll­ten die meis­ten Models einen Kleidungswechsel machen und wei­ter ging es mit Fotos im Treppenhaus. Das war jedoch dunk­ler als gedacht, wes­halb wir dann ca. 14:30 Uhr das Shooting been­de­ten und mit dem Abbauen began­nen.


Die Nachbearbeitung

Am Ende des Tages hat­te ich 350 Fotos auf mei­ner Speicherkarte, von denen ich ca. 115 für die Bildagenturen aus­wähl­te. Bearbeitet wur­den die Bilder nur mini­mal, der Hauptteil bestand aus einer Anpassung von Sättigung, Helligkeit und Kontrast, der Rest war Retusche von den Logos und Markennamen auf den Computern.


Das Ergebnis

Das Shooting ist seit einem guten hal­ben Jahr bei den Bildagenturen zum Verkauf und hat ins­ge­samt schon über 6000 Downloads erzielt. Die Verkäufe setz­ten vor allem nach ca. zwei Monaten ein, vor­her dach­te ich fast, die Bilder wür­de nie­mand haben wol­len. Aber es brauch­te sei­ne Zeit, bis sich die Bestseller her­aus­kris­tal­li­sier­ten, die jetzt meh­re­re hun­dert Downloads haben.

Was sagt ihr zu den Fotos? Wie wür­det ihr so ein Shooting umset­zen?

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16 Gedanken zu „Making-Of eines Stock-Fotoshootings in Universität“

  1. Arbeitest Du bei sol­chen Shoorings nur mit dem 580EX plus Ezybox oder setzt Du auch manch­mal eine gro­ße mobi­le Blitzanlage ein?

  2. @Teezeit: Nein, bis­her habe ich noch nicht mit einer gro­ßen Blitzanlage unter­wegs gear­bei­tet, ers­tens habe ich kei­ne und zwei­tens fin­de ich die TTL-Steuerung auch sehr bequem.

  3. Mir gefal­len die Bilder sehr gut und ich bin bei Fotolia auch schon dar­über gestol­pert. Auch freut es mich, dass du (ent­ge­gen dei­ner letz­ten Artikel) mal wie­der die tech­ni­schen Eckdaten bekannt gib­st – für mich eben­so inter­es­sant.

    Was mich noch inter­es­sie­ren wür­de, war­um hast du bei den Models durch­weg graue bzw. natür­li­che Farben bei der Kleidung gewählt – haet­ten dei­ner Meinung nach knal­li­ge Farben zu sehr abge­lenkt bzw. das Hauptaugenmerk nur auf eine Person der Gruppe gelenkt, oder was waren dei­ne Gründe?

    Es ist immer wie­der toll in dei­nem lesens­wer­ten Blog rein­zu­schnup­pern. Grüße, Stan

  4. Mich wuer­de mal inter­es­sie­ren wie der gesam­te finan­zi­el­le Aufwand (Models, Location, Props etc.) war und in wel­chem zeit­li­chen Rahmen eine Amortisierung ein­setz­te.

  5. @Andre: Die Kosten für das Shooting wur­den nach ca. knapp vier Monaten wie­der ein­ge­spielt.
    @Stan: Es gibt serh vie­le Uni-Bilder mit knal­li­gen Farben, aber in die­sem Fall fand ich die natür­li­che Variante pas­sen­der.

  6. Hast du mal eine alter­na­ti­ve Umgebung pro­biert, wo die gan­ze Einrichtung schon viel mehr her­un­ter gekom­men ist? Vielleicht ver­kau­fen sich auch Bilder, die ein nicht ganz so gutes Bild von einer Uni zeich­nen auch gut. Oder läßt sich sowas bei Bildagenturen gar­nicht ver­kau­fen?

  7. @Erik: Nein, habe ich noch nicht pro­biert und wer­de ich ver­mut­li­ch auch so schnell nicht. Denn wie Du schon sagst, wür­de das kein „so gutes Bild“ von der Uni zeich­nen und wel­che Univ wür­de mit sol­chen Bildern wer­ben wol­len. Sicher gäbe es eini­ge Verwendungszwecke für sol­che Bilder, aber bei wei­tem eben nicht so viel wie von einer schö­nen Uni.

  8. Siehst du eigent­li­ch wo dei­ne Bilder hin­ge­hen? Ein Verwendungszweck sind sicher­li­ch Werbesprospekte, wo alles per­fekt aus­se­hen muss. Bei Presseberichten und ähn­li­chem kann ich mir vor­stel­len, dass da schon öfter ande­re Bilder gefragt wer­den.

    Was gibt es noch für Käufergruppen?

  9. Für mei­nen Geschmack sind die Bilder viel zu ste­ril und kön­nen kaum aus einer „ech­ten“ Uni stam­men. Aber in Prospekten von Bildungseinrichtungen machen sie sich sicher gut, und dafür sind sie ja ver­mut­li­ch auch pro­du­ziert. Und die Verkaufszahlen geben dir ja offen­bar Recht 😉

  10. Hohen Respekt, für die Leistung der Vorbereitung und Organisation etc., die die­ses Shooting letzt­end­li­ch zustan­de gebracht haben. Klasse!
    mfg Birgit

  11. Hi, schö­ne Fotos Kollege!
    Da ich gera­de auch ein wenig ver­schie­de­ne licht­star­ke Objektive ver­glei­che, wäre es schön gewe­sen wenn du zu den ein­zel­nen Fotos noch die ver­wen­de­te Blende geschrie­ben hät­test. Vielleicht kann­st du es ja noch ange­ben?
    mfg
    Leonardo

  12. Respekt, Robert!
    Du hat­test mir ja emp­foh­len mich in dei­nem Portfolio nach­zu­se­hen, wie vie­le Fotos bei einem Shooting raus­kom­men. Dieser Artikel ist inter­es­san­ter, als tau­sen­de Bilder zu durch­su­chen. 😉
    Schon klas­se, wie du mit mini­ma­len Hilfsmitteln (Canonblitz + Softbox, Reflektor, Funkauslöser, Einbein) so gute Ergebnisse erziel­st.

    Zahlst du eigent­li­ch neben den Modells auch die Locations? In dem Fall hat ja auch die Uni mit­ge­wirkt und Personal und Requisiten gestellt.

    Gruß, free­zer

  13. @freezer: Manchmal zah­le ich für die Locations, meist bekom­men die­se aber als Honorar die fer­ti­gen Fotos zur Eigenwerbung. Das Personal ist auch meist sowie­so vor Ort.

  14. Interessanter Bericht über den Blick hin­ter die Kulissen. Wenn Du Loctions bezahl­st, hast Du dafür ein Limit/Budget was Du aus­ge­ben kannst/willst, oder ver­han­del­st Du das je nach Fall. Also heu­te eine Uni für 200 Euro, mor­gen die nächs­te Uni für 400 Euro, über­mor­gen gibt es Datenträger für Location? Und was bezahl­st Du maxi­mal für ein Model?

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