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Das Alter der Models in der Stockfotografie

Jedes Mal, wenn ich beim Zahnarzt auf dem Stuhl sitze und mich die Zahnärztin lächelnd begrüßt, bin ich kurz irritiert. Wenn ich sie beschreiben müsste, würde ich sagen, dass sie eine attraktive, junge Frau mit langen, schwarzen Haaren ist, schätzungsweise Mitte 20, in einem engen weißen Top und mit einem Pferdeschwanz.

Erkennt ihr den Fehler?  Die Wahrscheinlichkeit, dass eine junge Frau Mitte 20 noch in der Lernphase für ihre Abschlussprüfung steckt, ist sehr hoch. Normalerweise fangen die jüngsten Zahnärzte mit ca. 25-27 Jahren ihre Arbeit an.

Es kann natürlich sein, dass meine Zahnärztin schon älter ist, aber immer noch jung aussieht, doch in der Stockfotografie geht es eben um den „Schein“ nicht das „Sein“. Niemand interessiert sich dafür, was meine Models außerhalb eines Fotoshootings machen (wenn sie nicht gerade Erotikstars sind), wenn sie die Rolle, die sie auf den Stockfotos verkörpern sollen, glaubwürdig darstellen können.

Diese Glaubwürdigkeit eines Models entsteht hauptsächlich durch drei Faktoren: Geschlecht, Alter und Requisiten. Die Requisiten sind ein eigenes Thema und wer Interesse daran hat, dem empfehle ich das Kapitel 10 in meinem „Stockfotografie“-Buch*. Auch beim Geschlecht gibt es meist nur zwei Möglichkeiten. Beim Alter gibt es deutlich mehr Variationen.

Es ist aber nicht schwer, das richtige Alter eines Models für ein bestimmtes Fotomotiv festzulegen, wenn ihr in Wahrscheinlichkeiten denkt. Wie häufig kommt die geplante Konstellation von Alter/Geschlecht vor und welche anderen Konstellationen sind wahrscheinlicher? In diesem Blogartikel hatte ich beschrieben, wie mich die Chefin eines Fitnesscenters darauf hinwies, was die typische Zielgruppe ihres Sportstudios sei. Daran habe ich mich bei der Modellauswahl gehalten.

Jemanden zu fragen, der Ahnung von der zu fotografierenden Branche hat, ist eine einfache und unfehlbare Methode, die richtige Altersspanne der Models herauszufinden.

Trotzdem sehe ich ständig Stockfotos, die unfreiwillig komisch wirken, weil das Model nicht passt.  Ein typisches Beispiel ist die junge, gertenschlanke Blondine im Blaumann und Schutzhelm, die Anfang 20 ist. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine attraktive junge Frau, die aussieht, als könne sie keine fünfzehn Kilo stemmen, einen Beruf ergreift, der es erfordert, einen Blaumann anzuziehen? Sehr gering. Viel realistischer ist ein unrasierter, muskulöser, braungebrannter Mann ab Ende 20.

Ebenfalls berüchtigt in den Microstock-Portfolios sind die halbnackten jungen Frauen mit großer Oberweite im Nikolauskostüm, die mehr Haut als Stoff zeigen. Das mag oft die Fantasien der älteren, männlichen Fotografen bedienen. Aber wenn ihr Kinder – immerhin die größte Zielgruppe für Fotos mit Weihnachtsmännern – bittet, ein Bild vom Nikolaus oder Weihnachtsmann zu malen, werden die Bilder kaum wie die der beschriebenen Weihnachtsbunnies aussehen. Und vergesst Klebebart und Kopfkissen: Nehmt gleich einen dickeren älteren Herren mit ergrautem Vollbart.

Ich gebe zu, dass ich in meiner Anfangszeit auch oft den Fehler gemacht habe, das Alter der Modelle zu ignorieren. Jetzt im Nachhinein frage ich mich, was ich mir dabei gedacht habe, eine Siebzehnjährige im Anzug zu fotografieren? Das würde höchstens zu einer Konfirmation passen und auch nur, wenn die Requisiten und das Umfeld stimmen. Ein Mann Anfang 40 im Anzug hingegen kann alles sein: Rechtsanwalt, Manager, Lehrer, Berater, Chef, Politiker, Beamter und so weiter. Das heißt für den Fotografen: Deutlich höhere Chancen, mit diesen Fotos Geld zu verdienen.

Für das Motiv nicht ganz geeignet vom Alter.

Meine Erfahrung zeigt, dass es im Zweifel sinnvoller ist, eher Models zu wählen, die etwas älter als etwas zu jung sind. In diesem Blogartikel hatte ich über ein Shooting von mir in einer Universität geschrieben. Als Models hatte ich Leute Anfang bis Mitte 20 gewählt. Es kam der Kommentar, dass im Zuge der Bologna-Reform und der Bachelor-Studiengänge die Studierenden heute immer jünger würden und ich jüngere Models hätte wählen sollen. Dem kann ich zustimmen. Kürzlich habe ich aber festgestellt, dass die Motive meines Uni-Shootings auch gerne  in der Werbung für Erwachsenenbildung oder für Weiterbildungsmaßnahmen benutzt werden.  Wären die Models alle einige Jahre jünger gewesen, hätte es besser zum Thema Studium gepasst, aber die zusätzliche Zielgruppe der Erwachsenenbildung hätte ich dann mit meinen Bildern vielleicht nicht erreicht.

Übrigens: Ich habe gestern meine Zahnärztin nach ihrem Alter gefragt. Sie meinte, sie sei 32, fühle sich aber geschmeichelt, dass ich sie auf Mitte 20 schätze.

Nach welchen Kriterien entscheidet ihr euch beim Alter eurer Models?

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Darf man Stockfotos für Erotikseiten oder Sexshops benutzen?

Vor paar Tagen habe ich wieder eine interessante Frage per Email bekommen, die ich gerne öffentlich beantworten will, weil ich manchmal ähnliche Probleme in der Praxis hatte.

„Hallo Herr Kneschke,

ab und zu sehe ich auf Ihrem Blog mal vorbei. Fand es bisher immer sehr lehrreich.

Jetzt habe ich eine Frage. Für einen Erotikshop, Kleidung bis Sexspielzeug, werden neue Bilder benötigt. Ist es erlaubt, dafür z. B. ein Microstock-Bild zu kaufen? Es geht einfach um eine lächelnde, attraktive Frau, weder in erotischer Pose noch ähnlichem. Ist eine solche Verwendung problematisch?

Viele Grüße,
[Name entfernt]“

Die kurze Antwort: Ja, eine solche Verwendung ist problematisch, denn es ist meist nicht erlaubt.

Ich habe hier in meinem Blog einen Überblick über die erlaubten und verbotenen Verwendungen veröffentlicht. Vor allem die amerikanischen Agenturen sind da sehr streng.

Fotos für einen Erotikshop zu nutzen, ist von den Agenturen meist untersagt, weil die Nutzung entweder als „pornografisch„, „diffamierend“ oder als „unmoralisch“ ausgelegt werden könnte. Ob die Fotos in neutraler Pose oder eher sexy und lasziv sind, spielt da eine untergeordnete Rolle. Die „Compliance and Enforcement“-Abteilung von iStockphoto argumentierte in der Vergangenheit zwar manchmal bei erotischen Fotos, dass den Models klar sein müsse, in welchem Umfeld solche Fotos benutzt werden, aber eins der betroffenen Models hatte die Sache selbst juristisch verfolgt und sowohl eine Entfernung als auch Entschädigung erwirkt.

Ein weiterer Punkt, an den selten gedacht wird, ist, dass Geschäftsbetreiber zur Einhaltung geltender Gesetze verpflichtet sind und da der Bildkäufer beispielsweise nicht weiß, ob ein abgebildetes Model möglicherweise minderjährig ist, könnte es neben den oben genannten Punkten auch zu Problemen wegen des Alters (Stichwort Jugendschutzgesetz) kommen.

Ich hatte beispielsweise ein Foto von einer feiernden Mädchengruppe gemacht, von denen mindestens eins der Models unter 18 Jahren war. Das lizenzierte Foto wurde von einem der abgebildeten Models auf einer Webseite gefunden,  die für „Dildo-Partys“ geworben hatte. Das Model war nicht erfreut und der Shop-Betreiber hat das Foto auch schleunigst entfernt.

Ich kenne auch weitere Fälle, in denen Models und/oder Fotografen allergisch auf solche Nutzungen reagieren und diese meist erfolgreich kostenpflichtig abgemahnt haben.

Ich empfehle daher, entweder vor einer Nutzung über die Bildagentur den Fotografen und die Models mit einer Skizze oder einem Webseiten-Layout zu fragen, ob alle mit einer Nutzung einverstanden sind oder direkt einen Fotografen zu beauftragen, der das gewünschte Foto umsetzt. Auch da sollten sowohl Fotograf als auch die Models im Vorfeld auf die geplante Verwendung hingewiesen werden. Eine weitere Möglichkeit wäre, Material von Bildagenturen zu nutzen, welche sich auf den „Adult-Bereich“ spezialisiert haben.

Welche Erfahrung habt ihr mit der Nutzung von Stockfotos im erotischen Kontext gemacht?

Making-Of: Supermarkt-Stockfoto-Shooting aus der Sicht eines Fotoassistenten

Meine Erfahrungsberichte von Shootings scheinen recht beliebt zu sein. Heute gibt es aber mal einen Erfahrungsbericht der anderen Art, da ich den Fotoassistent meines letzten Shootings gefragt habe, ob er nicht mal ein Shooting aus seiner Schild schildern will. Los geht’s:

Mein Name ist Markus Mainka und ich wohne in der Nähe von Stuttgart. Ich bin gelernter Verkehrsplaner und eines meiner Hobbys ist schon seit vielen Jahren Planespotting bzw. die Flugzeugfotografie. Meine Bilder kann man unter anderem hier betrachten. In den letzten Monaten habe ich auch vermehrt Fotos bei Microstock-Agenturen (vor allem Reise- und Food-Bilder) hochgeladen. Da die Anforderungen dort sich jedoch erheblich von der Flugzeugfotografie unterscheiden und ich mich auch an die People-Fotografie wagen will, habe ich Robert gefragt, ob ich ihm bei einem seiner Shootings assistieren darf, um einen Einblick in seine Arbeitsweise zu erhalten. Vor einigen Wochen war seine Assistentin verhindert und so sprang ich kurzfristig ein.

Die Location

Thema des Shootings war „Supermarkt“ und der Treffpunkt war um 6:30 Uhr vor einer bekannten Kölner Supermarktkette und zwar an einem Wochentag, so dass normaler Kundenverkehr herrschen würde und wir den Supermarkt somit nicht für uns alleine hatten, was aber erstaunlicherweise nur wenige Probleme mit sich brachte. Der frühe Beginn war wichtig, da unter der Woche morgens noch kein großer Andrang herrschte. Vor allem am späten Vormittag wurde es jedoch spürbar lebhafter.

Obwohl der Supermarkt sehr zentral liegt, ist er recht großzügig angelegt, mit Treppen, die ins untere Geschoss führen, so dass sich die Kunden einigermaßen verteilt haben. Vor allem der Eingangsbereich mit der Obst- und Gemüseabteilung bot sehr viel Platz zwischen den Regalen. So konnte man die Ausrüstung aufstellen und die Kunden konnten dennoch problemlos an uns vorbeikommen. Zudem gab es eine Drogerieabteilung, die auch in anderen Märkten normalerweise eher weniger frequentiert wird. Hier konnte man Bilder vor hohen Regalen schießen.

Die Teilnehmer

Am Shooting nahmen insgesamt vier Models teil, wobei Robert mit zwei von ihnen bereits zusammengearbeitet hat und ich sie von seinen früheren Bildern kannte. Mehr waren nicht nötig und bei den meisten Einstellungen kamen ohnehin nur jeweils zwei Models zum Einsatz. Lediglich bei den Bildern an der Kasse (Warteschlange) sind alle vier gleichzeitig zu sehen. Zudem war ein Art Director anwesend. Die Filialleitung erlaubte uns, den Mitarbeiterraum mitzubenutzen, so dass wir das nicht benötigte Equipment dort lassen konnten. Außerdem konnten sich die Models dort umziehen. Bevor es losging, wurde die von den Models mitgebrachte Kleidung für das Shooting ausgewählt und der Körperschmuck abgelegt.

Was mir sofort auffiel, war die Professionalität der Models, obwohl für alle das Modeln nur ein Hobby ist und sie hauptberuflich einer anderen Beschäftigung nachgehen bzw. studieren. So war es für sie kein Problem, auf Ansage zu lächeln oder eine andere Anweisung von Robert zu befolgen. Dadurch verlief das Shooting recht zügig und der Spaß kam dennoch nicht zu kurz.

Der Ablauf

Nach dem Aufbau der Ausrüstung und dem Umziehen der Models ging es direkt in den Verkaufsraum, wo wir nach dem Einstellen des Lichts und des Weißabgleichs sofort loslegten. Da – wie erwähnt – die Räumlichkeiten recht großzügig waren, gab es kaum Probleme mit dem normalen Kundenbetrieb. Und wenn ein Kunde doch mal genau dahin musste, wo wir gerade standen, war es auch kein Problem, das Shooting für ein paar Sekunden zu unterbrechen: der Supermarktkunde hat natürlich immer Vorrang vor unserem Shooting!

Ich hätte erwartet, dass uns mehr Einkäufer ansprechen würden, was wir da tun würden oder uns von weitem beobachten würden. Doch die meisten haben uns kaum beachtet, was sicherlich daran lag, dass sie lediglich schnell ihre Einkäufe erledigen wollten oder weil in der Medienstadt Köln Film- und Fotoaufnahmen keine Seltenheit sind. Ich bin mir sicher, dass dies in Stuttgart anders sein würde.

Als der Kundenstrom es zuließ, haben wir einige Szenen an der Kasse geschossen. Auch wenn es bei Stockbildern immer sehr schwierig ist, es vorher einzuschätzen, so meine ich, dass diese Fotos sich am besten vom ganzen Shooting verkaufen werden (zusammen mit dem Foto, das einen Marktleiter symbolisieren soll). Lustigerweise dachten einige Kunden, dass diese Kasse tatsächlich geöffnet war und stellten sich hinten an, obwohl eigentlich offensichtlich war, dass wir dort unsere Fotos schießen. Manche ließen sich selbst nach einem Hinweis nicht davon abbringen, weiter in der künstlichen Schlange zu stehen.

Ohne Pause haben wir eine Szene nach der anderen bis kurz vor 13 Uhr umgesetzt. Anschließend wurde der Papierkram (Model- und Property-Releases) erledigt und die Models bekamen ihr Honorar.

Die Requisiten

Es gab nur wenige Requisiten, die speziell für dieses Shooting besorgt wurden. Im Prinzip waren es lediglich die roten Kittel, die zum Einsatz kamen und eine Schiefertafel. Alle anderen hatten wir sowieso zur Hand, wie zum Beispiel Smartphones oder Geldscheine und EC-Karten.

Die Ausrüstung

Es kam wieder die bewährte mobile Ausrüstung von Robert zum Einsatz, die er zum Beispiel im Beitrag zum Universität-Shooting beschrieb. Abweichend davon wurden die Fotos jedoch mit der neuen Canon 5D Mark III* geschossen. Zudem wurde für manche Bilder das 50mm f1.8 Festbrennweiten-Objektiv* benutzt.

Der Einsatz des Canon Speedlite 580 EX II-Blitzes* an der großen Lastolite Ezybox* sorgte für einen minimalen Platzbedarf und ersparte uns die Suche nach einer Steckdose bei einem Locationwechsel. Hätten wir Studioblitze mit Netzanschluss benutzt, so bestünde zudem die Gefahr, dass Kunden über die Kabel stolpern. Von der anderen Seite wurden die Models mit dem Mini-Reflektor* von California Sunbounce aufgehellt. Zudem war selbstverständlich die Deckenbeleuchtung des Supermarktes eingeschaltet.

Die gerade geschossenen Bilder wurden an ein iPad* gesendet. So konnte man in Sekundenschnelle das Foto in großer Auflösung betrachten, die Schärfe kontrollieren und mögliche Fehler erkennen bzw. Verbesserungspotentiale sofort umsetzen.

Die Nachbereitung

Den größten Zeitaufwand wird wohl die Retusche der Markennamen und geschützten Logos in Anspruch nehmen – weniger in der Gemüseabteilung, dafür mehr bei den Drogeriefotos, auch wenn sich Robert durch die stark geöffnete Blende viel Retuschearbeit erspart hat. Im Bereich der Kasse gab es viel großformatige Werbung mit dem Logo des Marktes.

Das Fazit

Insgesamt hat Robert 800 bis 900 Fotos geschossen, von denen wohl so um die 100 in die verschiedenen Agenturen hochgeladen werden. Ich war erstaunt, wie man mit letztendlich einfachen Mitteln erstaunliche Ergebnisse abliefern kann. Doch in meinen Augen ist eigentlich nicht nur das Technische oder das Shooting-Thema hauptsächlich für den Erfolg verantwortlich, sondern es sind auch die Models. Wenn man Roberts Fotos von vor ein paar Jahren mit den heutigen vergleicht, so kann man – meine ich – auch eine deutliche Entwicklung bei der Auswahl der Models feststellen und dieser Eindruck hat sich vor Ort bestätigt. Bei der großen Auswahl an ähnlichen Motiven in den Datenbanken der Agenturen entscheidet wohl oft die Ausstrahlung eines Models darüber, warum sich ein Kunde für ein bestimmtes Foto entscheidet.

[Kleine Ergänzung von Robert: Die fertigen Bilder gibt es entweder einzeln über Westend61 zu kaufen oder gebündelt auf der VCD „At The Supermarket„.]

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Wie bereitet ihr euch auf große Shooting vor?

Seniorin und Best Ager Model zusammen auf Stockfotos

Manchmal sollte man als Fotograf auch auf seine Models hören.

Ich wollte mal wieder eine Fotosession mit Niki, einem meiner liebsten Seniorenmodels machen, war mir aber nicht sicher, welches Thema ich umsetzen wollte. Ich hatte mir ihr schon ein Paarshooting, ein Fitness-Shooting und ein Oma-Enkelin-Shooting gemacht. Da schlug Niki vor, wir könnten doch ein „Mutter-Tochter“-Shooting mit ihr und Renate machen, eine der Models, die auch beim Fitness-Shooting dabei war und mit die ich ebenfalls schon zwei Mal fotografiert hatte.

Das war eine gute Idee und ich bin froh, dass ich Nikis Vorschlag umsetzen konnte. Die meisten Familienfotos sind ja „Vater, Mutter und kleines Kind“, eventuell noch ein Hund oder eine Katze dazu, aber eine Seniorin mit ihrer mittlerweile erwachsenen Tochter ist deutlich seltener in Bildagenturen zu finden.

Das Alter scheint jedoch nur äußerlich zu sein: Ich wußte schon durch das Shooting im Fitnesscenter, dass sich beide sehr gut verstehen und deren zweiten Shooting zusammen, gackerten beiden herum wie pubertierende Hühner, sodaß ich dachte, ich sei in eine Grundschule geraten und musste ab und zu die beiden Models zur Besinnung rufen, damit wir auch einige ernstere Themen fotografieren konnten.

Für dieses Foto einer ohnmächtigen Seniorin mit hilfsbereiter Passantin habe ich im Internet extra eine Anleitung für die stabile Seitenlage rausgesucht, denn trotz Erster-Hilfe-Kurs bei der Führerscheinprüfung verblasst dieses Wissen ja oft. Deshalb kurz als Erinnerung: Alle paar Jahre sollte sich jeder eine Auffrischung gönnen, diese Kurse sind mit 20-40 Euro nicht teuer und können Leben retten.

Eine andere interessante Beobachtung: Mit meiner Lieblingsrequisite, dem niedlichen Sparschwein, habe ich mittlerweile soviele Fotos gemacht, dass ich mal etwas ausprobieren konnte. Früher zu Macrostockzeiten galten schon Bilder mit einem einfarbig grauen Hintergrund als Freisteller, während heute Microstockagenturen nur Fotos mit komplett weißem Hintergrund als Freisteller akzeptieren.  Auch Amir Kaljikovic* vertritt den Standpunkt, dass hellgrau sich meist besser verkaufe als weiß. Nun, zumindest bei diesem Bild kann ich nach einem Jahr sagen: Bisher null Verkäufe sowohl bei Fotolia als auch Shutterstock überzeugen mich nicht von dieser These.

Viel besser hingegen verkauft sich das Foto der beiden fitten Frauen mit Hanteln beim Sport und da habe ich sogar mal zwei Belegexemplare zum Zeigen:

Interessanterweise haben beide Grafiker die Fotos erstens gespiegelt, vielleicht, weil die Anordnung mit der größeren Person rechts angenehmer wirkt und zweitens wirklich wegen des weißen Hintergrunds gekauft, der es ermöglicht, das Foto leicht mit einem anderen Hintergrund zu versehen oder für eine Fotomontage zu verwenden.

Manchmal werde ich gefragt, wie ich es schaffe, meine Models zum Lachen zu bringen. Ganz einfach: Indem ich mich selbst zum Klops mache. Diesmal sogar mit fotografischem Beweis. Und das Beste: Das Foto verkauft sich sogar!

Was sagt ihr zu den Fotos?

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Making-Of eines Stock-Fotoshootings in Universität

Wie genau entstehen Stockfotos? Heute will ich euch wieder einen Einblick geben in die Arbeit, die hinter der Produktion einer Bildstrecke steht.


Die Idee

Um als Stockfotograf erfolgreich zu sein, gehört eine genaue Analyse des Marktes. Welche Motive verkaufen sich gut, welche Bilder verkaufe ich am meisten? Da mein Shooting in einer Uni-Bibliothek vor ca. drei Jahren sehr gut lief, entschied ich mich, ein ähnliches Shooting anzugehen, diesmal jedoch nicht in der Bibliothek, sondern in den Unterrichtsräumen einer Uni.


Die Location

Okay, eine Uni oder etwas vergleichbares sollte es sein. Ich suchte mir im Internet raus, welche Institutionen im Großraum Köln dafür in Frage kämen. Diese kontaktierte ich telefonisch und stellte meine Idee kurz vor. Einige lehnten direkt ab, mit anderen traf ich mich zu einem direkten Gespräch. Die Uni, mit der ich mich letztendlich einig wurde, hatte Häuser an verschiedenen Standorten, die ich bei einem zweiten Termin zusammen mit einem Uni-Mitarbeiter besuchte, um zu entscheiden, welche Räume für das Shooting am besten geeignet wären. Ich entschied mich für einen Raum im obersten Stockwerk in einer ehemaligen Altbau-Schule. Dieser hatte den Vorteil, dass die Räume und Fenster einerseits hoch und dadurch der Raum schön hell war, andererseits gab es einen sehr fotogenen Flur mit breiter Treppe, den ich ebenfalls für Fotos nutzen konnte.


Die Models

Mir war klar, dass ich für ein Uni-Shooting viele Leute bräuchte. Sonst sähe der Raum schnell zu leer aus und die Fotos würden nicht glaubhaft wirken. Außerdem wollte ich versuchen, nicht nur europäische Models auszuwählen, sondern einen multikulturellen Look zu bekommen. Ich entschied mich dafür, zehn Models zu buchen. Neun Studierende und eine ältere Person, die den Lehrer oder Dozenten mimen sollte. Das gestaltete sich sogar viel schwieriger als die jungen Personen zu finden. Fünf der eingeladenen Models waren Leute, mit denen ich schon ein Shooting gemacht hatte. Das sollte das Risiko minimieren, dass zu viele Models kurzfristig abspringen. Letztendlich hat nur ein Model krankheitsbedingt abgesagt, was aber bei der Menge der Models mit einkalkuliert war.

Die Requisiten

Für die Auswahl der Requisiten habe ich mir vorher viele andere Uni-Fotos angeschaut, um zu sehen, was benötigt wird. Hauptsächlich waren das Hefte, Hefter, Stifte, Laptops und Handys. Die Schreibwaren kaufte ich vorher ein, entfernte etwaige Logos und Text, die Stifte nahm ich aus meinem Requisitenschrank und für die Laptops und Handys bat ich die Models, ihre Geräte mitzubringen, wenn vorhanden. Außerdem war die Universität so freundlich, mir einige hippe Apple-Geräte aus dem Rechenzentrum auszuleihen, die ich in den Hintergrund stellen konnte. Das war übrigsens der anstrengendste Teil des gesamten Shootings: Die Transportkisten mit drei Rechnern drei Stockwerke hoch in unseren Raum zu schleppen.


Die Technik

Für das Shooting kam eine sehr mobile Variante meines Equipments zum Einsatz. Als Kamera wie immer die Canon 5D Mark II, dazu zur Hälfte das 24-70mm f2.8 Objektiv* und zur anderen Hälfte die 85mm f1.2 Festbrennweite. Neben dem Tageslicht von draußen sorgte ein Canon Speedlite 580 EX II-Blitz* an der großen Lastolite Ezybox* für Aufhellung, manchmal auch oder stattdessen der California Sunbounce Mini*-Reflektor. Der Blitz wurde drahtlos mit den PocketWizard MiniTT1-Funkauslösern* gezündet und um die Gefahr von Verwacklungen zu reduzieren, kam mein Manfrotto Monopod* zum Tragen.


Das Shooting

Das Shooting selbst wurde für 10 Uhr angesetzt, ich war schon ab 9 Uhr vor Ort, um zusammen mit meiner Assistentin des Tages, der hilfreichen Gabi WehZet (die in ihrem Blog sicher auch bald was über das Shooting schreiben wird), das Licht aufzubauen und die Geräte nach oben zu wuchten. Gabi war übrigens auch so nett, einige Making-of-Fotos zu machen, die hier im Artikel eingestreut sind. Kurz vor zehn Uhr trudelten die ersten Models ein, die einen eigenen Raum für ihre Sachen und zum Umziehen bekamen. Ich ließ mir die mitgebrachte Kleidung jeweils kurz zeigen und suchte mir etwas aus, damit die Farben insgesamt gut zusammen passten.


Ca. 10:15 Uhr begann ich mit den ersten Models zu fotografieren, während die letzten nach am Umziehen waren. Am zeitaufwändigsten waren die Anweisungen an die Models. Wenn fünf oder mehr Leute im Bild sind, musste ich den Personen nacheinander ihre Kommandos geben oder Rollen zuweisen (wie „flüstere bitte mal mit Deinem Banknachbarn“) und gleichzeitig darauf achten, dass am Schluss das erste Model ebenfalls immer noch richtig posierte. Außerdem setzte ich die Models ständig um, damit ich möglichst viele Varianten auf den Bildern haben konnte.


Der Dozent kam auf den Fotos weniger zum Einsatz als ursprünglich geplant, aber ich hatte Glück, denn er muss in seinem Hauptberuf viele Präsentationen halten und deshalb konnte er, auch wenn er mal nicht im Bild war, mit seinem Vortrag die Blicke der Studenten auf sich lenken, damit die Bilder natürlicher wirkten. Alle jungen Models, die nicht im Vordergrund waren, wurden auf Plätze im Hintergrund verteilt, damit der Raum voller wirkt.


Mittags gab es eine Pizza-Pause mit Cola und fünf Pizzen vom Lieferdienst, danach sollten die meisten Models einen Kleidungswechsel machen und weiter ging es mit Fotos im Treppenhaus. Das war jedoch dunkler als gedacht, weshalb wir dann ca. 14:30 Uhr das Shooting beendeten und mit dem Abbauen begannen.


Die Nachbearbeitung

Am Ende des Tages hatte ich 350 Fotos auf meiner Speicherkarte, von denen ich ca. 115 für die Bildagenturen auswählte. Bearbeitet wurden die Bilder nur minimal, der Hauptteil bestand aus einer Anpassung von Sättigung, Helligkeit und Kontrast, der Rest war Retusche von den Logos und Markennamen auf den Computern.


Das Ergebnis

Das Shooting ist seit einem guten halben Jahr bei den Bildagenturen zum Verkauf und hat insgesamt schon über 6000 Downloads erzielt. Die Verkäufe setzten vor allem nach ca. zwei Monaten ein, vorher dachte ich fast, die Bilder würde niemand haben wollen. Aber es brauchte seine Zeit, bis sich die Bestseller herauskristallisierten, die jetzt mehrere hundert Downloads haben.

Was sagt ihr zu den Fotos? Wie würdet ihr so ein Shooting umsetzen?

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